Chapter 2

[32]Vgl. den auf dem intern. Kongr. in Zürich 1893 aufgetauchten Plan.

[32]Vgl. den auf dem intern. Kongr. in Zürich 1893 aufgetauchten Plan.

[33]Vgl.GirardinsVorschlag.

[33]Vgl.GirardinsVorschlag.

In erster Linie handelt es sich hierbei umprinzipiellepolitische Forderungen, um politische Rechte,[34]in allererster Reihe um das politische Wahlrecht.[35]In derDefensive: Schutz der Verfassung gegen den Staatsstreich;[36]Verteidigung des Wahlrechts gegen "reaktionäre Anschläge"; Bekämpfung eines als ungenügend und entwicklungshemmend empfundenen neuen Wahlprojekts (wie 1902 in Schweden); Effektuierung nur theoretisch vorhandener Rechte.[37]In derOffensive: Eroberung parlamentarischer Grundrechte (z. B. in Begleitung der bürgerlichen Revolution; Rußland); Ausbau der Demokratie, Erzwingung "drängender politischer Forderungen",[38]vor allemEroberung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts.[39]

[34]Umrath, "Zur Generalstreikdebatte", p. 15;Roland-Holst(Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 25); Amsterdamer Resolution über den Generalstreik (Prot. p. 24 ff.);v. Elm(Prot. Gwft. Kongreß Köln 05);DestréeundVandervelde, "Le Socialisme en Belgique", p. 22;Bernstein, "Ist der politische Streik in Deutschland möglich?", p. 36.

[34]Umrath, "Zur Generalstreikdebatte", p. 15;Roland-Holst(Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 25); Amsterdamer Resolution über den Generalstreik (Prot. p. 24 ff.);v. Elm(Prot. Gwft. Kongreß Köln 05);DestréeundVandervelde, "Le Socialisme en Belgique", p. 22;Bernstein, "Ist der politische Streik in Deutschland möglich?", p. 36.

[35]Durch das zugleich das Koalitionsrecht bedingt wird, vgl.Kloth, "Generalstreik und Maifeier auf dem Gewerkschaftskongreß in Köln";Liebknecht(Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 195, 196); vgl. auch Prot. Parteitg. Jena 05;A. v. Elm, "Rückblick auf den 5. deutschen Gewerkschaftskongreß.

[35]Durch das zugleich das Koalitionsrecht bedingt wird, vgl.Kloth, "Generalstreik und Maifeier auf dem Gewerkschaftskongreß in Köln";Liebknecht(Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 195, 196); vgl. auch Prot. Parteitg. Jena 05;A. v. Elm, "Rückblick auf den 5. deutschen Gewerkschaftskongreß.

[36]Vgl. z. B.GirardinsPlan von 1851 (unten p. 38);Parvus, "Staatsstreich und politischer Massenstreik".

[36]Vgl. z. B.GirardinsPlan von 1851 (unten p. 38);Parvus, "Staatsstreich und politischer Massenstreik".

[37]So wünschtLensch("Politischer Massenstreik und politische Krisis") den Klassenstreik, um die tatsächliche Bedeutung des dem Proletariat zugänglichen Parlaments zu erhöhen; "pour briser la force de la soldatesque", die sich in der Dreifuskrise über das Parlament hinwegzusetzen schien, also um dieses und die parlamentarische Regierung zu unterstützen, würdeKautsky("Jaurès et Millerand", Mouvement socialiste 1899) seinerzeit den französischen Proletariern den Eintritt in einen Klassenstr. empfohlen haben, wennKautskynicht selbst — und mit Recht — gezweifelt hätte, daß ein bürgerliches Ministerium sich dieses Hilfsmittels bedienen würde.

[37]So wünschtLensch("Politischer Massenstreik und politische Krisis") den Klassenstreik, um die tatsächliche Bedeutung des dem Proletariat zugänglichen Parlaments zu erhöhen; "pour briser la force de la soldatesque", die sich in der Dreifuskrise über das Parlament hinwegzusetzen schien, also um dieses und die parlamentarische Regierung zu unterstützen, würdeKautsky("Jaurès et Millerand", Mouvement socialiste 1899) seinerzeit den französischen Proletariern den Eintritt in einen Klassenstr. empfohlen haben, wennKautskynicht selbst — und mit Recht — gezweifelt hätte, daß ein bürgerliches Ministerium sich dieses Hilfsmittels bedienen würde.

[38]Cohnstaedt, a. a. O. p. 743, 744; ähnl. Amsterdamer Resolution über den Generalstreik, a. a. O.; Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 193.

[38]Cohnstaedt, a. a. O. p. 743, 744; ähnl. Amsterdamer Resolution über den Generalstreik, a. a. O.; Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 193.

[39]Die Wahlrechtsforderung erschien schon in der Chartistenbewegung, und die verlockende "Idee, durch Einstellung der Arbeit die Gewährung politischer Forderungen zu erzwingen", taucht "in der Geschichte der modernen Demokratie" immer wieder auf (Bernstein, "Der Streik als politisches Kampfmittel", p. 689).

[39]Die Wahlrechtsforderung erschien schon in der Chartistenbewegung, und die verlockende "Idee, durch Einstellung der Arbeit die Gewährung politischer Forderungen zu erzwingen", taucht "in der Geschichte der modernen Demokratie" immer wieder auf (Bernstein, "Der Streik als politisches Kampfmittel", p. 689).

Außerdem kommen auchgelegentlichepolitische Teilforderungen vor, die sich auf einzelne unliebsame Maßnahmen der Regierung beziehen, deren Ausführung oder Wiederholung verhindert werden soll, z. B. auf kriegerische Unternehmungen,[40]oder auf die Beeinflussung der Wirtschaftskämpfe durch die öffentliche Gewalt.[41]

[40]Durch den Kriegsstreik (Prot. int. Kongr. Brüssel 1891, p. 24, 27, 31; Prot. int. Kongr. Zürich 1893, p. 20 ff.; Prot. int. Kongr. London 1896, p. 24;Jaeckh, "Die Internationale", p. 76;Hervé(cit. in der "Hilfe", XI. Jahrg. Nr. 21); Enquête sur l'idée de patrie et la classe ouvrière [Mouvement socialiste 1. und 15. Nov. 05, p. 327)]; La "Patria" e l'Antimilitarismo, Inchiesta fra la classe operaia organizzata ["Il Divenire sociale", 16. XII. 04, p. 387, 388]) und zwar entweder spez. Militärstreik (Dienst- und Stellungsweigerung), oder Streik der auf den Krieg bezüglichen Gewerbe, oder überhaupt Klassenstreik im Moment des Kriegsausbruchs.

[40]Durch den Kriegsstreik (Prot. int. Kongr. Brüssel 1891, p. 24, 27, 31; Prot. int. Kongr. Zürich 1893, p. 20 ff.; Prot. int. Kongr. London 1896, p. 24;Jaeckh, "Die Internationale", p. 76;Hervé(cit. in der "Hilfe", XI. Jahrg. Nr. 21); Enquête sur l'idée de patrie et la classe ouvrière [Mouvement socialiste 1. und 15. Nov. 05, p. 327)]; La "Patria" e l'Antimilitarismo, Inchiesta fra la classe operaia organizzata ["Il Divenire sociale", 16. XII. 04, p. 387, 388]) und zwar entweder spez. Militärstreik (Dienst- und Stellungsweigerung), oder Streik der auf den Krieg bezüglichen Gewerbe, oder überhaupt Klassenstreik im Moment des Kriegsausbruchs.

[41]Klassenstreik z. B. als Protest gegen Soldatenverwendung bei Streiks (Italien 1904); oder als Protest gegen die Hinderung des Streikpostenstehens ("die famose Idee des GenossenWiesenthal", deren Mitteilung durchBömelburgauf dem Kölner Gewerkschaftskongreß 05 große Heiterkeit erregte [vgl. Prot. p. 219]).

[41]Klassenstreik z. B. als Protest gegen Soldatenverwendung bei Streiks (Italien 1904); oder als Protest gegen die Hinderung des Streikpostenstehens ("die famose Idee des GenossenWiesenthal", deren Mitteilung durchBömelburgauf dem Kölner Gewerkschaftskongreß 05 große Heiterkeit erregte [vgl. Prot. p. 219]).

Bei denEndzielen, den proletarisch-revolutionären Zielen, handelt es sich einerseits umpositive Forderungen: Eroberung der Staatsgewalt, "Ergreifung der politischen Macht",[42]"Diktatur des Proletariats",[43]sei es, daß der Klassenstreik nur als "letzte, ernsteste Drohung vor dem Sturm", als "Präludium" der Revolution auftritt,[44]sei es, daß er die direkte Einführung der proletarischen Aera beabsichtigt.

[42]Parvus, "Staatsstreich und politischer Massenstreik", p. 394.

[42]Parvus, "Staatsstreich und politischer Massenstreik", p. 394.

[43]Leipziger Volkszeitungvom 8. 3. 04, Art. "Märzluft", zit. vonDavid, "Rückblick auf Jena", p. 842, Note 1.

[43]Leipziger Volkszeitungvom 8. 3. 04, Art. "Märzluft", zit. vonDavid, "Rückblick auf Jena", p. 842, Note 1.

[44]Eckstein, "Was bedeutet der Generalstreik?" p. 363; —Zetkin, a.a.O.;Block, "Formen und Möglichkeiten des Massenstreiks";Cohnstaedt, a. a. O.

[44]Eckstein, "Was bedeutet der Generalstreik?" p. 363; —Zetkin, a.a.O.;Block, "Formen und Möglichkeiten des Massenstreiks";Cohnstaedt, a. a. O.

Andererseits handelt es sich umnegativeForderungen: Beseitigung der kapitalistischen Ausbeutung,[45]Beseitigung, "Zersprengung des Klassenstaats",[46]"um Raum zu machen für die Freiheit",[47]in deren Schutz sich alsdann die neue Gesellschaftsordnungentwickeln werde.[48]Mehrfach wird übrigens auch die "transformation sociale" selbst, die Aneignung des gesellschaftlichen Eigentums und die Einführung der neuen Ordnung, also nicht bloß das Niederreißen, zu den Obliegenheiten dieses sogenannten "Expropriationsstreiks" oder "absoluten Generalstreiks"[49]gerechnet.[50]

[45]Friedeberg, "Weltansch."; ähnlichThesing, "Per la questione dello sciopero generale."

[45]Friedeberg, "Weltansch."; ähnlichThesing, "Per la questione dello sciopero generale."

[46]"Der Generalstreik" ("Weckruf", 28. Mai 04);Sorel, "Lo sciopero generale";Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 4, 15, 26, 27, 31; derselbe, "Weltansch.", Nr. 40;Mazuel, vom P. S. R. ("Congrès général des organisations socialistes françaises Paris 1899", p. 254, 255).

[46]"Der Generalstreik" ("Weckruf", 28. Mai 04);Sorel, "Lo sciopero generale";Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 4, 15, 26, 27, 31; derselbe, "Weltansch.", Nr. 40;Mazuel, vom P. S. R. ("Congrès général des organisations socialistes françaises Paris 1899", p. 254, 255).

[47]"Weckruf", a. a. O.

[47]"Weckruf", a. a. O.

[48]So z. B.Friedeberg, "Weltansch."; "Antimilitarismus u. Generalstreik" (Beilage zur "Wahrheit", Nr. 11, p. 11).

[48]So z. B.Friedeberg, "Weltansch."; "Antimilitarismus u. Generalstreik" (Beilage zur "Wahrheit", Nr. 11, p. 11).

[49]Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 5;Louis, "L'Avenir du Socialisme", p. 297.

[49]Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 5;Louis, "L'Avenir du Socialisme", p. 297.

[50]SoBakuninsAnhänger auf dem Kongreß in Brüssel (Umrath, "Zur Generalstreik-Debatte", p. 13, 14); so die in Brüssel erscheinende "Internationale" im März 1869, daß der G.-str. "in einem die Gesellschaft erneuernden Zusammenbruch endigen" werde; so der Kongreß in Genf 1873 (vgl.Weill, p. 163); so die Allemanisten (Richard, "Manuel socialiste", p. 78 ff.); — so die "Jungen" (vgl.Kampffmeyer, "Der Generalstreik und die Eroberung der ökonomischen Macht");Briand, "La grève générale et la révolution". —López Montenegrowünscht (in der Broschüre "La huelga general") die Herbeiführung der sozialen Revolution durch den allgemeinen, womöglich internationalen Ausstand, der nicht eher beendigt werden solle, "bis die Häuser den Bewohnern gehörten, die Erde und ihr Ertrag den Bebauern ..." usw.; "Die Neugestaltung der Produktion werde sich schon von selber machen" (vgl.Eltzbacher, "Der Anarchismus und die soziale Revolution in Barcelona", p. 7).

[50]SoBakuninsAnhänger auf dem Kongreß in Brüssel (Umrath, "Zur Generalstreik-Debatte", p. 13, 14); so die in Brüssel erscheinende "Internationale" im März 1869, daß der G.-str. "in einem die Gesellschaft erneuernden Zusammenbruch endigen" werde; so der Kongreß in Genf 1873 (vgl.Weill, p. 163); so die Allemanisten (Richard, "Manuel socialiste", p. 78 ff.); — so die "Jungen" (vgl.Kampffmeyer, "Der Generalstreik und die Eroberung der ökonomischen Macht");Briand, "La grève générale et la révolution". —López Montenegrowünscht (in der Broschüre "La huelga general") die Herbeiführung der sozialen Revolution durch den allgemeinen, womöglich internationalen Ausstand, der nicht eher beendigt werden solle, "bis die Häuser den Bewohnern gehörten, die Erde und ihr Ertrag den Bebauern ..." usw.; "Die Neugestaltung der Produktion werde sich schon von selber machen" (vgl.Eltzbacher, "Der Anarchismus und die soziale Revolution in Barcelona", p. 7).

Die Wirkung des Klassenstreiks kann sich einerseits in einem Druck auf die Gegner zur Herbeiführung des Zieles äußern; andererseits kann der Streik aber auch eine Beeinflussung der Arbeiter selbst zur Folge haben.

DerDruck auf die Gegnerkann auf zweierlei Weise erfolgen: durch wirkliche Ausführung des Klassenstreiks, oder durch seine bloße Ankündigung.

Bei derwirklichen Ausführungkann dieser Druck vorwiegendideellerNatur sein:Manifestations- oder Demonstrationsstreik. Durch die Arbeitsverweigerung soll der Gegner und sollen die Indifferenten nachdrücklichst auf das Begehren der Arbeiter aufmerksam gemacht, zu seiner Erfüllung aufgefordert werden;[51]der Demonstrationsstreik bedeutet also einen starken "Appell an die Gewissen ... eine Aufrüttelung der schlafenden Rechtsempfindung", einen "Gewissensschärfer", soll aber nicht bloß einen "Bittgang", sondern "immer auch ein eindrucksvolles Mene-Tekel",[52]eine Drohung darstellen; es soll"der Einheit des Willens der Massen in Bezug auf ein bestimmtes Ziel der stärkste, nachhaltigst wirkende Ausdruck gegeben",[53]"die in der Zahl liegende Wucht der Arbeiterklasse mit der nötigen Zähigkeit und Energie entfaltet" werden, damit sich "die herrschenden Klassen der Stärke der Gegner bewußt werden",[54]erkennen, "wie ernst es ihnen sei"[55]und aus diesem "Anschauungsunterricht"[56]lernen. Der auch vom Demonstrationsstreik unzertrennliche mehr oder minder starke materielle Druck soll zur Verschärfung des psychologischen Effekts dienen, zugleich, durch Erweckung von Furcht vor der Wiederholung oder Verstärkung der Arbeitseinstellung, wie eine Drohung wirken.

[51]Denn die Arbeitsniederlegung ziehe so weite Kreise in Mitleidenschaft, "daß sich die Öffentlichkeit wohl oder übel genötigt sieht, sich mit dem Streik und seinen Ursachen eingehend zu befassen" (Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 39).

[51]Denn die Arbeitsniederlegung ziehe so weite Kreise in Mitleidenschaft, "daß sich die Öffentlichkeit wohl oder übel genötigt sieht, sich mit dem Streik und seinen Ursachen eingehend zu befassen" (Bernstein, "Pol. M-str. u. pol. Lage", p. 39).

[52]Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik".

[52]Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik".

[53]Bernstein, "Der Kampf in Belgien und der politische Massenstreik", p. 417;Kampffmeyer, a. a. O. meint, auch der Kleinbetrieb könne sich Arbeitsruhe "im Interesse einer allgemeinen politischen Demonstration auferlegen".

[53]Bernstein, "Der Kampf in Belgien und der politische Massenstreik", p. 417;Kampffmeyer, a. a. O. meint, auch der Kleinbetrieb könne sich Arbeitsruhe "im Interesse einer allgemeinen politischen Demonstration auferlegen".

[54]Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik".

[54]Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik".

[55]v. Elm(Prot. Gewft. Kongr. Köln 05, p. 226). — In einem Aufruf der tschecho-slawischen Sozialisten zur Demonstration am 10. Okt. 05 in Prag für das allg. gl. Wahlrecht heißt es: "Erhebet Euch in Massen, damit Euer Wille unabwendbar erscheine, wie das Schicksal!... Erheben wir uns zu einer Manifestation, damit sie die Kraft und Entschlossenheit von Hunderttausenden klarlege, wenn sie gezwungen wären, von der Abwehr zum Angriff überzugehn" (vgl. Dokumente des Sozialismus, Nov. 05, p. 521).

[55]v. Elm(Prot. Gewft. Kongr. Köln 05, p. 226). — In einem Aufruf der tschecho-slawischen Sozialisten zur Demonstration am 10. Okt. 05 in Prag für das allg. gl. Wahlrecht heißt es: "Erhebet Euch in Massen, damit Euer Wille unabwendbar erscheine, wie das Schicksal!... Erheben wir uns zu einer Manifestation, damit sie die Kraft und Entschlossenheit von Hunderttausenden klarlege, wenn sie gezwungen wären, von der Abwehr zum Angriff überzugehn" (vgl. Dokumente des Sozialismus, Nov. 05, p. 521).

[56]Z. B. "Der Generalstreik" ("Weckruf", 28. Mai 04), undKampffmeyer, a. a. O. p. 877.

[56]Z. B. "Der Generalstreik" ("Weckruf", 28. Mai 04), undKampffmeyer, a. a. O. p. 877.

BeimPressionsstreikaber ist der beabsichtigte Druck vorwiegendmateriellerNatur. Durch die Wirkungen des Ausstandes soll die Gegenseite unentrinnbar zu einem Tun oder Unterlassen genötigt werden.[57]

[57]Vgl.Heine, "Politischer Massenstreik im gegenwärtigen Deutschland?"; vgl. auch Block, a. a. O.

[57]Vgl.Heine, "Politischer Massenstreik im gegenwärtigen Deutschland?"; vgl. auch Block, a. a. O.

Der Pressionsstreik ist in seiner zeitlichen Ausdehnung prinzipiell von der Kapitulation einer der beiden Parteien abhängig; seine Dauer läßt sich also gar nicht von vornherein bestimmen. Der Demonstrationsstreik, der nur Eindruck machen soll, ohne daß mit einer sofortigen Erzwingung von Konzessionen gerechnet würde, kann von Anfang an für eine bestimmte, meist kurze Dauer proklamiert werden.

Von derbloßen Ankündigung, der "proklamierten Bereitschaft",[58]der Androhung des Klassenstreiks wird erwartet, daß sie unter Umständen genüge, um die Gegner zur Nachgiebigkeit zu veranlassen.[59]Und zwar kommt die Drohung sowohlfür Teilziele in Betracht, (besonders Schutz der Volksrechte, "Hinter dem allgemeinen Wahlrecht muß stehen der Wille zum Generalstreik"),[60]als auch zur Durchsetzung des Endziels; man glaubt, daß die Gegner, wenn sie die Arbeiter im Besitz einer solchen Waffe wüßten, eher einen friedlichen Ausgleich suchen würden.[61]

[58]Dr.Liebknecht, Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 281.

[58]Dr.Liebknecht, Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 281.

[59]Ähnlich wie mitunter bei Lohnkämpfen "die Besorgnis vor der Waffe, welche die Arbeiter gebrauchen können", die Unternehmer zu Konzessionen veranlasse (Stieda, Art. Arbeitseinstellungen im Hdwb. der Staatsw. 2. Aufl.); — aus diesem Grund will z. B,Adlerden polit. M.str. nicht abschwören (vgl. Prot. Parteitg. Wien 03, p. 131).

[59]Ähnlich wie mitunter bei Lohnkämpfen "die Besorgnis vor der Waffe, welche die Arbeiter gebrauchen können", die Unternehmer zu Konzessionen veranlasse (Stieda, Art. Arbeitseinstellungen im Hdwb. der Staatsw. 2. Aufl.); — aus diesem Grund will z. B,Adlerden polit. M.str. nicht abschwören (vgl. Prot. Parteitg. Wien 03, p. 131).

[60]Dies der vielfach angefochtene Satz vonHilferding("Zur Frage des Generalstreiks").—  Beispiele solcher Klassenstreikdrohung: in Belgien soll auf diese Weise Ende der 1890erJahre der Versuch einer Wahlrechtsverschlechterung verhindert worden sein; in Frankreich soll die Kl.-Str.-Drohung die Zurücknahme einer Antistreikvorlage bewirkt (Brianda. a. O. p. 12 ff.), die Angst vor dem Generalstreik seinerzeit den Eintritt Millerands ins Ministerium gefördert haben (?), (vgl.Dejeante, "Congrès générale des Organisation socialistes françaises Paris 1899," p. 257 ff.), während z. B. die Generalstreikdrohungen, die Ende Juli 1906 in Zürich laut wurden, das kantonale Verbot des Streikpostenstehens, das bis Ende 1906 dauerte, nicht zu beseitigen vermochten.

[60]Dies der vielfach angefochtene Satz vonHilferding("Zur Frage des Generalstreiks").—  Beispiele solcher Klassenstreikdrohung: in Belgien soll auf diese Weise Ende der 1890erJahre der Versuch einer Wahlrechtsverschlechterung verhindert worden sein; in Frankreich soll die Kl.-Str.-Drohung die Zurücknahme einer Antistreikvorlage bewirkt (Brianda. a. O. p. 12 ff.), die Angst vor dem Generalstreik seinerzeit den Eintritt Millerands ins Ministerium gefördert haben (?), (vgl.Dejeante, "Congrès générale des Organisation socialistes françaises Paris 1899," p. 257 ff.), während z. B. die Generalstreikdrohungen, die Ende Juli 1906 in Zürich laut wurden, das kantonale Verbot des Streikpostenstehens, das bis Ende 1906 dauerte, nicht zu beseitigen vermochten.

[61]SoKautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 739, 740.

[61]SoKautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 739, 740.

Die Androhung wird verschieden wirken, je nachdem ein Klassenstreik schon vorangegangen ist oder nicht, je nachdem eine größere oder geringere Beeinträchtigung zu erwarten steht.[62]Wie die Ausführung, so kann auch die Androhung unter Umständen das Gegenteil des gewünschten Effekts herbeiführen, indem sie z. B. den Gegner zu umso energischerem Widerstand reizt; oder indem sie von Dritten in verhängnisvoller Weise in Rechnung gezogen wird.[63]

[62]Daß die Furcht vor dem Unbekannten, vor dem "adversaire mysterieux, dont la force doit être présumé d'autant plus grande, plus irrésistible, qu'on n'a pas eu encore l'occasion de la mesurer" (Briand, a. a. O. p. 12 ff.) hierbei eine Rolle spiele, ist bei den gegenwärtigen Verhältnissen des intern. Nachrichtendienstes, sowie bei dem Stande der an Hand der Statistik und der täglichen Erfahrung erlangten Voraussicht kaum anzunehmen.

[62]Daß die Furcht vor dem Unbekannten, vor dem "adversaire mysterieux, dont la force doit être présumé d'autant plus grande, plus irrésistible, qu'on n'a pas eu encore l'occasion de la mesurer" (Briand, a. a. O. p. 12 ff.) hierbei eine Rolle spiele, ist bei den gegenwärtigen Verhältnissen des intern. Nachrichtendienstes, sowie bei dem Stande der an Hand der Statistik und der täglichen Erfahrung erlangten Voraussicht kaum anzunehmen.

[63]Bernstein, "Patriotismus, Militarismus und Sozialdemokratie", sagt: "Die Vorstellung, daß in dem in Frage kommenden Lande eine machtvolle Partei existiert, die nur auf den Krieg wartet, um der eigenen Regierung Schwierigkeiten zu bereiten, einen Militärstreik und dergleichen ins Werk zu setzen, kann zur größten Kriegsgefahr werden, für abenteuernde Politiker geradezu ein Anreiz sein, auf einen Krieg mit jenem Lande hinzuarbeiten."

[63]Bernstein, "Patriotismus, Militarismus und Sozialdemokratie", sagt: "Die Vorstellung, daß in dem in Frage kommenden Lande eine machtvolle Partei existiert, die nur auf den Krieg wartet, um der eigenen Regierung Schwierigkeiten zu bereiten, einen Militärstreik und dergleichen ins Werk zu setzen, kann zur größten Kriegsgefahr werden, für abenteuernde Politiker geradezu ein Anreiz sein, auf einen Krieg mit jenem Lande hinzuarbeiten."

DieWirkung auf die Arbeiter selbstkommt einerseits bei derwirklichen Ausführungdes Klassenstreiks zu Stande. Zunächst handelt es sich hierbei um eine Beeinflussung deraktiv am Streik beteiligten Arbeiter, die "im Kampf ihre Kraft erproben und sich für den späteren siegreichen Kampf schulen" sollen;[64]denn der Klassenstreik stärke dasKlassenbewußtsein,[65]das revolutionäre Bewußtsein;[66]außerdem handelt es sich um die Wirkung auf dieübrigen Proletarier, also um einen propagandistischen Zweck;[67]der Klassenstreik, der auch dem letzten Proletarier die gegenseitige soziale Abhängigkeit klar vor Augen führe, vermöge Gebiete und Gewerbe aufzurütteln, die für gewöhnlich der sozialistischen Agitation unzugänglich seien.[68]Außer der Propaganda für die proletarische Bewegung im allgemeinen soll aber auch die Propaganda für den Klassenstreik als solchen gefördert werden. Und in der Tat läßt sich eine derartige Wirkung, sogar über nationale Grenzen hinaus, auch mehrfach wahrnehmen.[69]

[64]Vanêk(Prot. Parteitg. Wien 03, p. 125); ähnl.Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik";Block, a. a. O. p. 563.

[64]Vanêk(Prot. Parteitg. Wien 03, p. 125); ähnl.Olberg, "Nachträgliches zum Eisenbahnerstreik";Block, a. a. O. p. 563.

[65]Umrath, a. a. O. p. 18, 19; Resolution der Guesdisten (Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 30).

[65]Umrath, a. a. O. p. 18, 19; Resolution der Guesdisten (Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 30).

[66]Dieses habe im Generalstreik "sein neues kommunistisches Manifest" geschrieben; die Generalstreikidee bedeute "nichts anderes, als die Ersetzung der großen unpersönlichen stimmzettelfrohen Masse durch die Vereinigung der zielklaren und zielwollenden Persönlichkeiten" (E. Th. "Der Parteitag von Jena und der Generalstreik" ["Einigkeit", 9. Dez. 05]);Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 3, 31, 32), während der Parlamentarismus dem "Klassenkampf den Todesstoß" gegeben habe, da er das Proletariat an der Legalität des "Klassenstaats" interessiere, das revolutionäre Bewußtsein einschläfere; nur durch die Erfahrung des Generalstreiks könne das Proletariat den endlichen Zerfall der bürgerlichen Gesellschaft kennen lernen (Louis, p. 301 ff.).

[66]Dieses habe im Generalstreik "sein neues kommunistisches Manifest" geschrieben; die Generalstreikidee bedeute "nichts anderes, als die Ersetzung der großen unpersönlichen stimmzettelfrohen Masse durch die Vereinigung der zielklaren und zielwollenden Persönlichkeiten" (E. Th. "Der Parteitag von Jena und der Generalstreik" ["Einigkeit", 9. Dez. 05]);Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 3, 31, 32), während der Parlamentarismus dem "Klassenkampf den Todesstoß" gegeben habe, da er das Proletariat an der Legalität des "Klassenstaats" interessiere, das revolutionäre Bewußtsein einschläfere; nur durch die Erfahrung des Generalstreiks könne das Proletariat den endlichen Zerfall der bürgerlichen Gesellschaft kennen lernen (Louis, p. 301 ff.).

[67]Luxemburg("Und zum dritten Mal das belgische Experiment") nennt den Klassenstreik ein "wirksamstes Mittel der sozialistischen Agitation"; der "Weckruf" (Art. vom 9. Jan. 04, "Wo wollen wir hin? Der Generalstreik") nennt ihn "wirksamstes Propagandamittel"; die "Wahrheit" (Beilage zu Nr. 11, "Antimilitarismus und Generalstreik", p. 12) sagt: "Kein anderes Propagandamittel hat ... so bedeutende Erfolge erzielt"; vgl. auchBlock, p. 563;Weill, p. 410.

[67]Luxemburg("Und zum dritten Mal das belgische Experiment") nennt den Klassenstreik ein "wirksamstes Mittel der sozialistischen Agitation"; der "Weckruf" (Art. vom 9. Jan. 04, "Wo wollen wir hin? Der Generalstreik") nennt ihn "wirksamstes Propagandamittel"; die "Wahrheit" (Beilage zu Nr. 11, "Antimilitarismus und Generalstreik", p. 12) sagt: "Kein anderes Propagandamittel hat ... so bedeutende Erfolge erzielt"; vgl. auchBlock, p. 563;Weill, p. 410.

[68]So sei ein Teil der Hausindustrie beim belgischen Wahlrechtsstreik aufgerüttelt worden; der "Weckruf" (28. Mai) rühmt diesen Effekt den Solidaritätsstreiks nach, behauptet auch einen großen propagandistischen Erfolg (?) des Genfer Generalstreiks ("Weckruf" vom 9. Jan. 04).

[68]So sei ein Teil der Hausindustrie beim belgischen Wahlrechtsstreik aufgerüttelt worden; der "Weckruf" (28. Mai) rühmt diesen Effekt den Solidaritätsstreiks nach, behauptet auch einen großen propagandistischen Erfolg (?) des Genfer Generalstreiks ("Weckruf" vom 9. Jan. 04).

[69]Einfluß des belgischen Kl-streiks auf den schwedischen von 1902 (vgl. Enquête, p. 377; Allg. Ztg. 21. 4. 02); Eindruck des finnischen Nationalstreiks auf die schwedischen Arbeiter (Branting[Soz. Mh. Aug. 06, p. 664]); Einfluß der beiden belgischen Kl.-streiks auf die österreichische Wahlrechtsbewegung (Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 4-6, 31, 34, 58; Prot. Parteitg. Wien 1903, p. 131); Einfluß des schwedischen Streiks (Bracke, Enquête, p. 86), ital. Streiks (Bömelburg, Prot. Gwkft. Kongr. Köln 05, p. 215), der belgischen und österreichischen Bewegung (Bernstein, Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 193), der russischen Revolutionsstreiks (Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik"; Prot. Parteitg. Jena,Bebel[p. 307],David[p. 328]; Prot. Parteitg. Mannheim,Luxemburg[p. 261],David[p. 259]) auf die deutsche Klassenstreikdiskussion.

[69]Einfluß des belgischen Kl-streiks auf den schwedischen von 1902 (vgl. Enquête, p. 377; Allg. Ztg. 21. 4. 02); Eindruck des finnischen Nationalstreiks auf die schwedischen Arbeiter (Branting[Soz. Mh. Aug. 06, p. 664]); Einfluß der beiden belgischen Kl.-streiks auf die österreichische Wahlrechtsbewegung (Prot. Parteitg. Wien 1894, p. 4-6, 31, 34, 58; Prot. Parteitg. Wien 1903, p. 131); Einfluß des schwedischen Streiks (Bracke, Enquête, p. 86), ital. Streiks (Bömelburg, Prot. Gwkft. Kongr. Köln 05, p. 215), der belgischen und österreichischen Bewegung (Bernstein, Prot. Parteitg. Bremen 04, p. 193), der russischen Revolutionsstreiks (Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik"; Prot. Parteitg. Jena,Bebel[p. 307],David[p. 328]; Prot. Parteitg. Mannheim,Luxemburg[p. 261],David[p. 259]) auf die deutsche Klassenstreikdiskussion.

Nicht nur mit der Ausführung, auch mit derbloßen Verbreitung der Ideewerden gewisse Wirkungen auf das Proletariat bezweckt. Einerseits soll die Überzeugung von der Anwendungsmöglichkeit dieses Mittels das "erhebende und stählende Gefühl der eigenen Kraft und Siegeszuversicht" entfachenund hierdurch dem Proletariat den Verzicht auf schwächende Zwergkämpfe (durch die es den Zusammenbruch hinauszuschieben trachte) ermöglichen.[70]Andererseits soll die Vorstellung einer scheinbar so gut fundamentierten, scheinbar so leicht zu erreichenden Eingangspforte zu den Herrlichkeiten des Zukunftsstaates, soll die "anziehende", "verführerische", "fascinierende" Idee, durch bloßes Nicht-Arbeiten die Erlösung von aller Mühsal zu erlangen,[71]im Proletariat den Glauben an eine bessere Zukunft befestigen. Der Klassenstreik erscheint in dieser Auffassung als "weithin leuchtende Fackel",[72]"Leitstern", "Richtschnur", "Symbol",[73]"Ideal",[74]"das große Endziel",[75]kurz, als Ersatz für die schon abgegriffene Vorstellung vom Zukunftsstaat. Wie diese wird auch die Klassenstreikidee als Propaganda-, Organisations-, Erziehungsmittel betrachtet,[76]und zwar soll sie nicht nur das Klassenbewußtsein fördern, indem sie die "Ideale des Klassenkampfes" in den Vordergrund rücke,[77]sondern durch Kräftigung des revolutionären Willens auch eine Beschleunigung der Entwicklung herbeiführen können; so daß sich infolge der Klassenstreik-Propaganda die Umwandlung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaft weit früher vollziehen könne, als dies der bloß mechanische Ablauf der ökonomischen Verhältnisse gestatten würde.

[70]Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 740.

[70]Kautsky, "Allerhand Revolutionäres", p. 740.

[71]Diese Vorstellung sei nur zu sehr geeignet, den vielen "utopisch angelegten Naturen" in den Arbeiterkreisen aller Länder Nahrung zu geben (Vliegen, "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel", p. 195).

[71]Diese Vorstellung sei nur zu sehr geeignet, den vielen "utopisch angelegten Naturen" in den Arbeiterkreisen aller Länder Nahrung zu geben (Vliegen, "Der Generalstreik als politisches Kampfmittel", p. 195).

[72]Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 31.

[72]Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 31.

[73]Der Sozialismus befasse sich mit dem Mysteriösen, der Transformation der Produktion; von dieser schweren Lehre gebe der Generalstreik ein leicht faßliches Bild (Sorel, "Lo sciopero generale").

[73]Der Sozialismus befasse sich mit dem Mysteriösen, der Transformation der Produktion; von dieser schweren Lehre gebe der Generalstreik ein leicht faßliches Bild (Sorel, "Lo sciopero generale").

[74]Vgl. z. B. auchWeill, p. 409 ff.

[74]Vgl. z. B. auchWeill, p. 409 ff.

[75]Friedeberg, "Weltansch.".

[75]Friedeberg, "Weltansch.".

[76]Vgl.Thesing, "Per la questione dello sciopero generale";Polledro, "Per la terminologia dello sciopero generale"; die Erfüllung des proletarischen Seelenlebens mit der Generalstreikidee werde die Organisationen so stärken, daß gewaltsame Kämpfe vielleicht vermieden werden können (Friedeberg, a. a. O., und "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 27 ff.); "En indiquant aux travailleurs un but d'organisation, en leurs offrant un moyen d'emancipation, à l'efficacité duquel ils croient fermément, elle (die G-streiksidee) a puissament contribué à donner à l'action syndicale plus de confiance et de methode" (Briand, p. 15).

[76]Vgl.Thesing, "Per la questione dello sciopero generale";Polledro, "Per la terminologia dello sciopero generale"; die Erfüllung des proletarischen Seelenlebens mit der Generalstreikidee werde die Organisationen so stärken, daß gewaltsame Kämpfe vielleicht vermieden werden können (Friedeberg, a. a. O., und "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 27 ff.); "En indiquant aux travailleurs un but d'organisation, en leurs offrant un moyen d'emancipation, à l'efficacité duquel ils croient fermément, elle (die G-streiksidee) a puissament contribué à donner à l'action syndicale plus de confiance et de methode" (Briand, p. 15).

[77]Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 3, 4, 26, 27; derselbe: Prot. Parteitg. Dresden 03; ähnl.Allemane(Prot. int. Kongr. Amsterdam, p. 26); sowie die programmatische Erklärung des 7. Kongresses der "freien Vereinigung" im April 1906 (cit. beiv. Elm, "Die Gewerkschaftsdebatte auf dem Mannheimer Parteitag").

[77]Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 3, 4, 26, 27; derselbe: Prot. Parteitg. Dresden 03; ähnl.Allemane(Prot. int. Kongr. Amsterdam, p. 26); sowie die programmatische Erklärung des 7. Kongresses der "freien Vereinigung" im April 1906 (cit. beiv. Elm, "Die Gewerkschaftsdebatte auf dem Mannheimer Parteitag").

Da der Begriff Klassenstreik so verschiedenerlei Eigenschaften, Ziele und Wirkungsweisen eines Ausstandes in sich schließt, so kann der Klassenstreik auch in einer großen Zahl von Variationen auftreten, unter denen man zwei Hauptarten zu unterscheiden pflegt:Generalstreikundpolitischer Massenstreik.

DerGeneralstreikstrebt im allgemeinen mehr nach quantitativem, derpolitische Massenstreikmehr nach qualitativem Umfang; ersterer begnügt sich unter Umständen mit lokaler, strebt aber meist nach internationaler Ausdehnung, letzterer tendiert in der Regel zu nationaler Ausdehnung.

DerGeneralstreikneigt meist, doch nicht ausnahmslos (Friedeberg;Briand), zu gewaltsamen Formen; es soll ihm jeder gesetzliche Inhalt fehlen; er soll, insbesondere nach Ansicht der revolutionären Syndikalisten, "nicht mehr als Ausführung eines gesetzlich verbrieften Rechts, sondern ... als der Typus der revolutionären Tat" gelten (Lagardelle). Derpolitische Massenstreikhingegen fordert meist, aber ebenfalls nicht ausnahmslos (man denke an einige deutsche "Ultra-Radikale"!), nur eine friedliche Arbeitsverweigerung.

DerGeneralstreikvertritt vorwiegend wirtschaftliche, antiparlamentarische, anarchistisch-revolutionäre mittelbare und unmittelbare Klassenziele, ohne doch politisch-parlamentarische Forderungen unter allen Umständen auszuschließen;[78]derpolitische Massenstreikkennt nur politisch-parlamentarische, also nur unmittelbare Klassenziele.

[78]Vgl. z. B.Briand, a. a. O. p. 6; Resolution der Kommissionsminderheit (Prot. int. Kongr. Paris 1900, p. 32); ebenda p. 7; Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 28-30; ähnlich die Allemanisten (vgl.Richard, Mouvement socialiste, 1899, I. p. 619 ff.); Congrès corporatif de Marseille 1892; Conféd. générale du travail (vgl. "Antimilitarismus und Generalstreik", Beilage zu Nr. 11 der "Wahrheit"); "Weckruf" (28. Mai 04, "Der Generalstreik").

[78]Vgl. z. B.Briand, a. a. O. p. 6; Resolution der Kommissionsminderheit (Prot. int. Kongr. Paris 1900, p. 32); ebenda p. 7; Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 28-30; ähnlich die Allemanisten (vgl.Richard, Mouvement socialiste, 1899, I. p. 619 ff.); Congrès corporatif de Marseille 1892; Conféd. générale du travail (vgl. "Antimilitarismus und Generalstreik", Beilage zu Nr. 11 der "Wahrheit"); "Weckruf" (28. Mai 04, "Der Generalstreik").

Der Zweck desGeneralstreiksbesteht zum großen Teil in der Wirkung auf die Arbeiter selbst, der despolitischenMassenstreiks fast ausschließlich in der Wirkung auf ihre Gegner.

Doch selbst diese hauptsächlichsten Unterscheidungspunkte ergeben keine feste Grenzlinie. Denn die Tatsachen der als Generalstreiks und der als politische Massenstreiks rubrizierten Unternehmungen und Projekte stehen sich oft außerordentlich nahe. Der einzige wirklich durchgreifende Unterschied zwischenGeneralstreik und politischem Massenstreik besteht überhaupt nicht in objektiven Merkmalen, sondern in dersubjektivumschriebenen Stellung und Funktion des Klassenstreiks, in demsubjektivihm zugewiesenen Ranginnerhalb der proletarischen Bewegung.

Ein Klassenstreik heißt nämlichGeneralstreik, sobald er als "seulelutte qui soit digne de la classe ouvrière",[79]als das prinzipiell-proletarische, weil vom Parlamentarismus unabhängige[80]Hauptmittelaller und jeder proletarischen Betätigung auftritt (so bei den Anarchisten, revolutionären Syndikalisten).[81]Dabei beschränken sich die Ergänzungswaffen des Klassenkampfs teils nur auf die übrigen Mittel der "direkten Aktion", (also Boykott, Sabot, bewaffneter Widerstand),[82]unter ausdrücklichem Ausschluß des Streiks zu politischen Zwecken;[83]teils umfassen sie aber nebenallem anderen auch die parlamentarische Tätigkeit und den Streik zu politischen Zwecken,[84]und sei es eventl. auch nur, damit bei der Anwendung des letzteren den Arbeitern die Bedeutung der Massenaktion und des eigentlichen Generalstreiks klar werde.[85]

[79]LéonQuatrehomme, ouvrier typographe (Enquête sur l'idée de patrie et la classe ouvrière, p. 337).

[79]LéonQuatrehomme, ouvrier typographe (Enquête sur l'idée de patrie et la classe ouvrière, p. 337).

[80]Vgl. z. B. E. Th., "Der Parteitag von Jena";Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 26, 27;Thesing, a. a. O.;Kautsky, "Maifeier und Generalstreik"; Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 26, 28, 30, 71;Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 157;Umrath, a. a. O. p. 19, 20. Nicht nur die Idee des Generalstreiks sei "concetto genuinamento operaio, che la classe lavoratrice ha ricavato dall' esperienza della vita" (Labriola, "Riforme e Rivoluzione sociale", p. 211; ähnl.Briand, p. 4, 5;Kautsky, a. a. O.; derselbe, "Die soziale Revolution" I. p. 51), sei das Produkt "de la mentalité ouvrière elle même", entspreche einer "profonde intuition populaire" (Louis, p. 293 ff.), sondern auch die Anwendung stehe "en dehors de toute direction politique" (Richard, "Manuel socialiste", p. 78, 79).

[80]Vgl. z. B. E. Th., "Der Parteitag von Jena";Friedeberg, "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 26, 27;Thesing, a. a. O.;Kautsky, "Maifeier und Generalstreik"; Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 26, 28, 30, 71;Roland-Holst, "G-str. u. Sozd.", p. 157;Umrath, a. a. O. p. 19, 20. Nicht nur die Idee des Generalstreiks sei "concetto genuinamento operaio, che la classe lavoratrice ha ricavato dall' esperienza della vita" (Labriola, "Riforme e Rivoluzione sociale", p. 211; ähnl.Briand, p. 4, 5;Kautsky, a. a. O.; derselbe, "Die soziale Revolution" I. p. 51), sei das Produkt "de la mentalité ouvrière elle même", entspreche einer "profonde intuition populaire" (Louis, p. 293 ff.), sondern auch die Anwendung stehe "en dehors de toute direction politique" (Richard, "Manuel socialiste", p. 78, 79).

[81]Als stärkste, wirksamste, entscheidenste Waffe erscheint der Klassenstreik z. B. in der Resolution der Allemanisten (Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 29, 30), in der Resol. der Kommissionsminderheit (Prot. int. Kongr. Paris 1900, p. 32), in der Auffassung der "Lokalisten" (vgl. Bericht im Vorwärts vom 18. Juli 06 über die Generalversammlung der "Freien Vereinigung der Bauarbeiter Berlins und Umgebung" am 15. Juli 1906) usw. — Nach dem Bericht der Étudiants socialistes révolutionnaires internationalistes de Paris an den internationalen revolutionären Arbeiterkongreß, der 1900 in Paris stattfinden sollte (aber verboten wurde), ist der (gewaltsame) allgemeine Ausstand "unter den gegenwärtigen Verhältnissen das beste und sicherste Mittel zur Herbeiführung der sozialen Revolution" (vgl.Eltzbacher, p. 5, 6).

[81]Als stärkste, wirksamste, entscheidenste Waffe erscheint der Klassenstreik z. B. in der Resolution der Allemanisten (Prot. int. Kongr. Amsterdam 04, p. 29, 30), in der Resol. der Kommissionsminderheit (Prot. int. Kongr. Paris 1900, p. 32), in der Auffassung der "Lokalisten" (vgl. Bericht im Vorwärts vom 18. Juli 06 über die Generalversammlung der "Freien Vereinigung der Bauarbeiter Berlins und Umgebung" am 15. Juli 1906) usw. — Nach dem Bericht der Étudiants socialistes révolutionnaires internationalistes de Paris an den internationalen revolutionären Arbeiterkongreß, der 1900 in Paris stattfinden sollte (aber verboten wurde), ist der (gewaltsame) allgemeine Ausstand "unter den gegenwärtigen Verhältnissen das beste und sicherste Mittel zur Herbeiführung der sozialen Revolution" (vgl.Eltzbacher, p. 5, 6).

[82]Der letzte Anarchistenkongreß (3. Aug. 1907 in Amsterdam) betrachtete übrigens, gemäß der ResolutionMalatesta, die Gewerkschaften und den Generalstreik zwar "als mächtige revolutionäre Mittel, aber nicht als Surrogat der Revolution"; über diesen beiden dürfe man nicht "die direkteren Mittel im Kampf gegen die militärische Macht vergessen" (vgl. Frankf. Ztg. Sept. 07).

[82]Der letzte Anarchistenkongreß (3. Aug. 1907 in Amsterdam) betrachtete übrigens, gemäß der ResolutionMalatesta, die Gewerkschaften und den Generalstreik zwar "als mächtige revolutionäre Mittel, aber nicht als Surrogat der Revolution"; über diesen beiden dürfe man nicht "die direkteren Mittel im Kampf gegen die militärische Macht vergessen" (vgl. Frankf. Ztg. Sept. 07).

[83]Sobald der Generalstreik "zum Hilfsmittel politischer Aktionen herabsinkt" ("Weckruf", 28. Mai 04, vgl. auch z. B.Friedeberg, "Weltansch." Nr. 37, 40; derselbe: "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 3;Sorel, a. a. O. p. 23, 24; usw.) bedeutet er für die Anarchisten höchstens eine "kindliche Naivetät" ("Weckruf", 9. Jan. 04, "Wo wollen wir hin? Der Generalstreik"), die dazu führe, "den kraftvollen Gedanken des proletarischen Kampfes ... zu verwässern" (Friedeberg, "Weltansch."; ähnl. FranzWinter, "Brief aus Österreich" ["Weckruf", 9. Jan. 1904]; "Der Generalstreik" ["Weckruf", 28. Mai 04]).

[83]Sobald der Generalstreik "zum Hilfsmittel politischer Aktionen herabsinkt" ("Weckruf", 28. Mai 04, vgl. auch z. B.Friedeberg, "Weltansch." Nr. 37, 40; derselbe: "Parlamentarismus und Generalstreik", p. 3;Sorel, a. a. O. p. 23, 24; usw.) bedeutet er für die Anarchisten höchstens eine "kindliche Naivetät" ("Weckruf", 9. Jan. 04, "Wo wollen wir hin? Der Generalstreik"), die dazu führe, "den kraftvollen Gedanken des proletarischen Kampfes ... zu verwässern" (Friedeberg, "Weltansch."; ähnl. FranzWinter, "Brief aus Österreich" ["Weckruf", 9. Jan. 1904]; "Der Generalstreik" ["Weckruf", 28. Mai 04]).


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