b) Geschichte des Generalstreiks.

[427]Z. B. KurtEisnerin der "Neuen Gesellschaft", cit. im Vorwärts, 12. Juli 06;Stapfer, "Wahlrechtsbewegung und Massenstreik".

[427]Z. B. KurtEisnerin der "Neuen Gesellschaft", cit. im Vorwärts, 12. Juli 06;Stapfer, "Wahlrechtsbewegung und Massenstreik".

[428]Diese Annahme sei nach der Art der Einleitung der Wahlrechtsbewegung begreiflich (vgl. Frankf. Ztg. 5. Juli 06).

[428]Diese Annahme sei nach der Art der Einleitung der Wahlrechtsbewegung begreiflich (vgl. Frankf. Ztg. 5. Juli 06).

[429]Als eine solche faßten sie die Jenaer Resolution auf (vgl. die "Einigkeit", 2./9. 05); ähnlich auch z. B.Nieuwenhuis(cit. beiMichelsa. a. O.) und Ed.Berth(Notes Bibliographiques, Mouvement socialiste, 1. u. 15. Nov. 05, p. 374).

[429]Als eine solche faßten sie die Jenaer Resolution auf (vgl. die "Einigkeit", 2./9. 05); ähnlich auch z. B.Nieuwenhuis(cit. beiMichelsa. a. O.) und Ed.Berth(Notes Bibliographiques, Mouvement socialiste, 1. u. 15. Nov. 05, p. 374).

Eine ganz andere Auffassung der Jenaer Resolution trat in derFebruar-Konferenzund in der Verteidigung derBebelschen Thesen[430]zu Tage. Man bemühte sich, "die irrtümliche Auffassung, die mancherorts durch die Jenaer Resolution verbreitet war, zu zerstreuen".[431]Von maßgebender Seite wurde dieser auf einmal nur nochdefensiver, der Diskussion darüber nurakademischerCharakter zugebilligt.[432]Es wurde auch bestritten, daß im Frühling 1906 ein Massenstreik berechtigt gewesen wäre.[433]DieseInterpretationswandlungaber wurde von den tatendurstigen Genossen als ein unliebsames "Bremsen",[434]als eine "Preisgabe" der Jenaer Beschlüsse empfunden und beklagt.[435]Der Geist des Jenaer Parteitags war allerdings in der Februarkonferenz "verraten" worden, mußte verraten werden. Inzwischen war nämlich die dringend notwendige "Ernüchterung" eingetreten,[436]und es drängte sich den leitenden Persönlichkeiten nunmehr die Einsicht auf, "daß man sich zu weit vorgewagt habe".[437]Zu dieser peinlichen "Schamade"[438]wurde die Sozialdemokratiedurch die Macht der Verhältnisse gezwungen. Diese aber bestanden

1. in der dauernden Ablehnung des Klassenstreikprojekts seitens der Gewerkschaften.[439]Man war sich darüber klar, daß ohne deren Mitwirkung, besonders ohne die Mitwirkung der mächtigen Zentralverbände eine Inszenierung des Klassenstreiks überhaupt nicht möglich sei.[440]

2. in dem gänzlichen Mangel einer irgendwie erheblichen Streikstimmung; denn die in Volksversammlungen angenommenen temperamentvollen Resolutionen zeugten viel mehr von der Unternehmungslust einiger Führer, als von "revolutionärer Energie" der Massen.[441]

3. in dem Mangel tatsächlicher Macht der deutschen Arbeiterbewegung gegenüber Staat und Gesellschaft. Dieser Mangel brachte selbst zahlreiche Anhänger des politischen Massenstreiks schließlich zu der Erkenntnis, daß dessen momentane Inszenierung nicht nur völlig aussichtslos,[442]sondern auch "im höchsten Maße gewissenlos" sein würde.[443]

[430]Verteidigung durch den Vorwärts, den Parteivorstand,Legienusw.

[430]Verteidigung durch den Vorwärts, den Parteivorstand,Legienusw.

[431]v.Elm, "Die Gewerkschaftsdebatte auf dem Mannheimer Parteitag".

[431]v.Elm, "Die Gewerkschaftsdebatte auf dem Mannheimer Parteitag".

[432]Z. B. Vorwärts, 14. Juli 06.

[432]Z. B. Vorwärts, 14. Juli 06.

[433]Da ja kein Attentat auf ein Grundrecht vorgelegen, so sei, gemäß der Jenaer Resolution, "der Fall nicht gegeben" gewesen (Vorwärts, 4. und 11. Juli).

[433]Da ja kein Attentat auf ein Grundrecht vorgelegen, so sei, gemäß der Jenaer Resolution, "der Fall nicht gegeben" gewesen (Vorwärts, 4. und 11. Juli).

[434]Vgl. z. B.Sächs. Arbeiterztg., cit. im Vorwärts, 4. Juli 06.

[434]Vgl. z. B.Sächs. Arbeiterztg., cit. im Vorwärts, 4. Juli 06.

[435]Daher auch der Zorn der Lokalisten (vgl. "Einigkeit", 23. Juni 06, Nr. 25; ferner die Resolution der Generalversammlung der "freien Vereinigung der Bauarbeiter Berlins und Umgegend" vom 15. Juli, abgedruckt im Vorwärts vom 18. Juni 06). Die Lokalisten publizierten in ihrem Ärger die sechs "Thesen".

[435]Daher auch der Zorn der Lokalisten (vgl. "Einigkeit", 23. Juni 06, Nr. 25; ferner die Resolution der Generalversammlung der "freien Vereinigung der Bauarbeiter Berlins und Umgegend" vom 15. Juli, abgedruckt im Vorwärts vom 18. Juni 06). Die Lokalisten publizierten in ihrem Ärger die sechs "Thesen".

[436]Rdsch. Soz. Mh. Okt. 06, p. 895, 896.

[436]Rdsch. Soz. Mh. Okt. 06, p. 895, 896.

[437]Frankf. Ztg. Leitart. 5. Juli 06, Nr. 183.

[437]Frankf. Ztg. Leitart. 5. Juli 06, Nr. 183.

[438]So nennt z. B.David(Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 259) diesen Rückzug. Übrigens hatte man in bürgerlichen Kreisen den "Jenaer Rodomontaden" überhaupt nicht allzuviel Gewicht beigelegt; Geheimer Kriegsrat Dr. jur.Romen("Massenstreik und Revolution") erblickte in der Jenaer Resolution und der folgenden Agitation, "diesen wüstesten Verhetzungen der Arbeitermassen", "diesen offenen zügellosesten Aufreizungen zur Revolution" allerdings einen Anlaß zu ernster Besorgnis; doch z. B. dieNorddeutsche Allgemeine Zeitungbezweifelte sehr, daß die Sozialdemokratie gewillt oder auch nur im Stande sei, ihre Massenstreikdrohung auszuführen; sie liebe es eben, mit dem Gedanken des revolutionären Massenstreiks zu spielen, um den eigenen Reihen Mut zu machen und ihnen eine papierene Anweisung auf eine bessere Zukunft zu geben, den Gegnern aber Furcht einzujagen; die "Nation" vom 30./9. 05 zitiert mit Befriedigung diese "verständige Beurteilung". DieFrankf. Ztg.(5./7. 06) sprach von "großen Worten", "Fiasko" und "leisem Rückzug".

[438]So nennt z. B.David(Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 259) diesen Rückzug. Übrigens hatte man in bürgerlichen Kreisen den "Jenaer Rodomontaden" überhaupt nicht allzuviel Gewicht beigelegt; Geheimer Kriegsrat Dr. jur.Romen("Massenstreik und Revolution") erblickte in der Jenaer Resolution und der folgenden Agitation, "diesen wüstesten Verhetzungen der Arbeitermassen", "diesen offenen zügellosesten Aufreizungen zur Revolution" allerdings einen Anlaß zu ernster Besorgnis; doch z. B. dieNorddeutsche Allgemeine Zeitungbezweifelte sehr, daß die Sozialdemokratie gewillt oder auch nur im Stande sei, ihre Massenstreikdrohung auszuführen; sie liebe es eben, mit dem Gedanken des revolutionären Massenstreiks zu spielen, um den eigenen Reihen Mut zu machen und ihnen eine papierene Anweisung auf eine bessere Zukunft zu geben, den Gegnern aber Furcht einzujagen; die "Nation" vom 30./9. 05 zitiert mit Befriedigung diese "verständige Beurteilung". DieFrankf. Ztg.(5./7. 06) sprach von "großen Worten", "Fiasko" und "leisem Rückzug".

[439]Die freien Gewerkschaften blieben bei der Ablehnung, so sehr auch in gewissen Parteikreisen über ihr Ruhebedürfnis, über Stagnation und Nur-Gewerkschaftelei geklagt und gespottet wurde; noch viel ausgesprochener war die Abneigung gegen den pol. Massenstreik bei den christlichen Gewerkschaften.

[439]Die freien Gewerkschaften blieben bei der Ablehnung, so sehr auch in gewissen Parteikreisen über ihr Ruhebedürfnis, über Stagnation und Nur-Gewerkschaftelei geklagt und gespottet wurde; noch viel ausgesprochener war die Abneigung gegen den pol. Massenstreik bei den christlichen Gewerkschaften.

[440]Es wurde in Mannheim deutlich ausgesprochen, daß man ohne die einflußreichen Führer und die starken Verbände nichts ausrichten könne.

[440]Es wurde in Mannheim deutlich ausgesprochen, daß man ohne die einflußreichen Führer und die starken Verbände nichts ausrichten könne.

[441]Daß im Frühjahr 1906 die M-str.-Stimmung nicht vorhanden war, geben z. B.Leimpeters, "Die sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften" p. 928,Bebelund andere Redner am Mannheimer Parteitag (Prot. p. 236, 266, 273, 274, 286), ferner z. B. auch dieDüsseldorfer Volksztg.(zit. im Vorwärts, 5./7. 06) und derVorwärts(14./7. 06) zu.

[441]Daß im Frühjahr 1906 die M-str.-Stimmung nicht vorhanden war, geben z. B.Leimpeters, "Die sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften" p. 928,Bebelund andere Redner am Mannheimer Parteitag (Prot. p. 236, 266, 273, 274, 286), ferner z. B. auch dieDüsseldorfer Volksztg.(zit. im Vorwärts, 5./7. 06) und derVorwärts(14./7. 06) zu.

[442]Die Anhänger des katastrophalen M-streiks fanden, daß eine revolutionäre Situation vorläufig in Deutschland nicht gegeben, die Möglichkeit hierzu durch das Anwachsen der Reaktion in Rußland wieder verschwunden sei (Roland-Holst, "Zur Massenstreikdebatte";Kautsky; Vorwärts [Prot. Parteitag Mannheim 06, p. 263, 269, 276]). Auch v.Elm("Massenstreik, Sozialdemokratie und Genossenschaftsbewegung", p. 734) undBebelhielten den Moment nicht für geeignet. Es brach die Erkenntnis durch, daß die russischen Vorbilder doch nicht für Preußen paßten (vgl.Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik";Bebel, Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 227 ff.;David, ebenda, p. 259), daß auch die österreichische Wahlrechtsbewegung unter wesentlich andern Umständen vor sich gehe, als die preußische (Legien, Prot. Parteitg. Mannheim, p. 241 ff.; Vorwärts, 12. Juli 06). Schließlich teilte der größte Teil der Partei und der Parteipresse, sowie natürlich auch die Gewerkschafter, diese Meinung (vgl. auch LeoArons, "Ergebnisse und Aussichten der preußischen Wahlrechtsbewegung"); nur wenige beklagten die momentane Ablehnung des pol. M-streiks (z. B. das Bochumer "Volksblatt" und die Dortmunder "Arbeiterztg.", vgl. Vorwärts, 5. u. 6. Juli).

[442]Die Anhänger des katastrophalen M-streiks fanden, daß eine revolutionäre Situation vorläufig in Deutschland nicht gegeben, die Möglichkeit hierzu durch das Anwachsen der Reaktion in Rußland wieder verschwunden sei (Roland-Holst, "Zur Massenstreikdebatte";Kautsky; Vorwärts [Prot. Parteitag Mannheim 06, p. 263, 269, 276]). Auch v.Elm("Massenstreik, Sozialdemokratie und Genossenschaftsbewegung", p. 734) undBebelhielten den Moment nicht für geeignet. Es brach die Erkenntnis durch, daß die russischen Vorbilder doch nicht für Preußen paßten (vgl.Bernstein, "Politischer Massenstreik und Revolutionsromantik";Bebel, Prot. Parteitg. Mannheim 06, p. 227 ff.;David, ebenda, p. 259), daß auch die österreichische Wahlrechtsbewegung unter wesentlich andern Umständen vor sich gehe, als die preußische (Legien, Prot. Parteitg. Mannheim, p. 241 ff.; Vorwärts, 12. Juli 06). Schließlich teilte der größte Teil der Partei und der Parteipresse, sowie natürlich auch die Gewerkschafter, diese Meinung (vgl. auch LeoArons, "Ergebnisse und Aussichten der preußischen Wahlrechtsbewegung"); nur wenige beklagten die momentane Ablehnung des pol. M-streiks (z. B. das Bochumer "Volksblatt" und die Dortmunder "Arbeiterztg.", vgl. Vorwärts, 5. u. 6. Juli).

[443]Heine, "Politischer Massenstreik im gegenwärtigen Deutschland?"; Rob.Schmidt(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 332). — Wie ungünstig die deutschen Verhältnisseüberhaupt für den polit. Streik liegen, zeigt derMassenstreikversuchinHamburgvom 17./1. 06. Da an diesem Tag die entscheidende Abstimmung über die Wahlrechtseinschränkung in der "Bürgerschaft" vor sich gehen sollte, hatte die sozialdemokratische Partei eine Reihe von Protestversammlungen veranstaltet; infolge starken Besuchs derselben ergab sich eine kurze Arbeitsunterbrechung in "fast sämtlichen Fabriken", auch eine Verkehrshemmung auf der Alster; es folgten nächtliche Krawalle im Schoppenstehl, die übrigens nicht von organisierten Arbeitern, sondern von zweifelhaftem Großstadtpöbel veranlaßt wurden; hiermit erreichte die Bewegung ein peinliches Ende (vgl. Vorwärts, 14. Juli 06; Prot. Parteitg. Mannheim 06 p. 27, 44).

[443]Heine, "Politischer Massenstreik im gegenwärtigen Deutschland?"; Rob.Schmidt(Prot. Parteitg. Jena 05, p. 332). — Wie ungünstig die deutschen Verhältnisseüberhaupt für den polit. Streik liegen, zeigt derMassenstreikversuchinHamburgvom 17./1. 06. Da an diesem Tag die entscheidende Abstimmung über die Wahlrechtseinschränkung in der "Bürgerschaft" vor sich gehen sollte, hatte die sozialdemokratische Partei eine Reihe von Protestversammlungen veranstaltet; infolge starken Besuchs derselben ergab sich eine kurze Arbeitsunterbrechung in "fast sämtlichen Fabriken", auch eine Verkehrshemmung auf der Alster; es folgten nächtliche Krawalle im Schoppenstehl, die übrigens nicht von organisierten Arbeitern, sondern von zweifelhaftem Großstadtpöbel veranlaßt wurden; hiermit erreichte die Bewegung ein peinliches Ende (vgl. Vorwärts, 14. Juli 06; Prot. Parteitg. Mannheim 06 p. 27, 44).

In Deutschland bildet die Massenstreik-Diskussion einenGradmesser für das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft. Mehr und mehr muß die Partei sich letzterer unterordnen.[444]Auch die gewünschte Einigung in der Massenstreikfrage kam nicht auf Grund der Parteiauffassung, sondern tatsächlich auf der Basis der Kölner Gewerkschaftsresolution zu Stande.[445]

[444]Dies wurde beim Friedensschluß in Mannheim, im Anschluß an die Massenstreikdebatte, auch anerkannt.

[444]Dies wurde beim Friedensschluß in Mannheim, im Anschluß an die Massenstreikdebatte, auch anerkannt.

[445]Kautsky("Maifeier und Generalstreik", Leipziger Volksztg. 20. 5. 05) wünschte die Einigung schon 1905, freilich im Sinne der Parteiauffassung.

[445]Kautsky("Maifeier und Generalstreik", Leipziger Volksztg. 20. 5. 05) wünschte die Einigung schon 1905, freilich im Sinne der Parteiauffassung.

Aus der vorläufig abgeschlossenen Diskussion ist den Arbeitern zum Glück kein Schaden erwachsen, es sei denn, daß der üble Eindruck, den die ganze Angelegenheit machen mußte, auch noch ein wenig bei der sozialdemokratischen Wahlniederlage von 1907 mitgewirkt hat; Nutzen brachte sie ihnen auch nicht,[446]außer daß die Sozialdemokratie dadurch vielleicht zu der Einsicht gekommen ist, daß sie mit der Phrase mehr, als dies bisher der Fall gewesen, aufräumen müsse.

[446]Kolb("Von Dresden bis Essen") charakterisiert die M-str.-Diskussion als "total überflüssig".

[446]Kolb("Von Dresden bis Essen") charakterisiert die M-str.-Diskussion als "total überflüssig".

Deramerikanische Gewerkschaftskongreßvon 1885 hatte beschlossen, am 1. Mai 1886 zur Eroberung des Achtstundentags einenGeneralstreikzu inszenieren. Für dieses Unternehmen engagierte sich hauptsächlich die junge Chicagoer Anarchistenpartei.[447]Die "Knights of Labour" freilich beteiligten sich nur ungern; die sozialistische Partei wirkte überhaupt nicht mit.[448]Die Bewegung umfaßte ca. 300 000 Arbeiter.[449]Sie verliefohne wesentlichen Erfolg und führte zur Hinrichtung der anarchistischen Führer in Chicago.

[447]Anfang der 1880er Jahre hatteMostunter den deutschen und böhmischen Arbeitern in Amerika bes. in Chicago Anhänger gefunden (vgl. GeorgAdler, Art. "Anarchismus" im Hdwb. d. Staatswften., 2. Aufl. 1, p. 313, 314.)

[447]Anfang der 1880er Jahre hatteMostunter den deutschen und böhmischen Arbeitern in Amerika bes. in Chicago Anhänger gefunden (vgl. GeorgAdler, Art. "Anarchismus" im Hdwb. d. Staatswften., 2. Aufl. 1, p. 313, 314.)

[448]Bourdeau, "Les grèves politiques" p. 428.

[448]Bourdeau, "Les grèves politiques" p. 428.

[449]Vgl.Umrath, a. a. O. p. 13, 14.

[449]Vgl.Umrath, a. a. O. p. 13, 14.

Diese amerikanischen Ereignisse übten einen gewissenEinfluß auf die Arbeiterbewegungauch inEuropaaus. Hier arbeiteten sie einerseits der späteren Maifeierbewegung vor,[450]andererseits frischten sie die Generalstreikidee auf, die nun unter der Pflege der Anarchisten besonders in denromanischen Ländernfestwurzelte.

[450]Es soll, nach den "Temps nouveaux", seit 1886 von einer internationalen Manifestation für den G-str. die Rede gewesen sein (cit. beiWeill, a. a. O. p. 275, Note).

[450]Es soll, nach den "Temps nouveaux", seit 1886 von einer internationalen Manifestation für den G-str. die Rede gewesen sein (cit. beiWeill, a. a. O. p. 275, Note).

InFrankreichwurde diese aus Amerika importierte Generalstreikpropaganda anfänglich (in den 1880er Jahren) kaum ernst genommen. Sie bemächtigte sich aber bezeichnenderweise alsbald desGewerkschaftswesensoder doch wenigstens seiner tonangebenden Kreise und bildete ein ständiges Thema aller Arbeiterkongresse.[451]Die "Fédération nationale des Syndicats" votierte schon 1888, wiewohl damals noch stark unter dem Einfluß der streng marxistischenGuesdistenstehend, auf ihrem Kongreß in Bordeaux-le Bouscat, mit Enthusiasmus für den Generalstreik als Emanzipationsmittel.Briand, der sogenannte "Vater des Generalstreikgedankens", der "général gréviste",[452]entfaltete eine eifrige Propaganda für diese Idee, so daß sie rasch an Anhängern gewann und auch auf dem Syndikatskongreß in Marseille, 1892, zur peinlichen Überraschung der Guesdisten, den Sieg davontrug.[453]Ebenso erklärte sich der Pariser Kongreß von 1893, unter dem Eindruck der kurz zuvor durch das MinisteriumDupuyverfügten Schließung der Pariser Arbeitsbörse, mit Begeisterung für das Generalstreikprinzip; immerhin nahm der Kongreß Abstand von der durch 25 Delegierte geforderten sofortigen Proklamation des allgemeinen Ausstandes.[454]Gerade wegen des Generalstreiks spaltete sich schließlich die "Fédération nationale des Syndicats" (in Nantes, 1894). Die Minorität schwenkte gänzlich zu den Guesdisten ab,[455]die Majoritätverwandelte sich in die "Confédération du Travail" (C. T.), die sich zum Generalstreik bekannte[456]und ein "Comité de la grève générale" einsetzte.[457]

[451]Weill, a. a. O. p. 275; vgl. für das Folgende auch p. 405 ff.; Léon deSeilhac, "Le monde social", p. 9, 27, 29, 36, 37, 85, 194-196, 211, 219, 293;Halévy, "Essais sur le Mouvement ouvrier en France", p. 79, 90, 124, 226, 285, 286;Léon Blum, "Les congrès ouvriers socialistes français", p. 111, 112, 125, 129, 134-139, 141, 144, 146, 147, 149-153, 156, 160, 161, 172, 180, 184, 190.

[451]Weill, a. a. O. p. 275; vgl. für das Folgende auch p. 405 ff.; Léon deSeilhac, "Le monde social", p. 9, 27, 29, 36, 37, 85, 194-196, 211, 219, 293;Halévy, "Essais sur le Mouvement ouvrier en France", p. 79, 90, 124, 226, 285, 286;Léon Blum, "Les congrès ouvriers socialistes français", p. 111, 112, 125, 129, 134-139, 141, 144, 146, 147, 149-153, 156, 160, 161, 172, 180, 184, 190.

[452]Vgl.Briand, "La grève générale et la révolution" p. 3, 4.

[452]Vgl.Briand, "La grève générale et la révolution" p. 3, 4.

[453]Als Mittel zur Erreichung wirtschaftlicher, politischer und revolutionärer Zwecke (vgl.Briand, a. a. O. p. 6;Blum, a. a. O. p. 134 ff.;Buisson, "La grève générale", p. 37).

[453]Als Mittel zur Erreichung wirtschaftlicher, politischer und revolutionärer Zwecke (vgl.Briand, a. a. O. p. 6;Blum, a. a. O. p. 134 ff.;Buisson, "La grève générale", p. 37).

[454]Weill, a. a. O. p. 282, 283.

[454]Weill, a. a. O. p. 282, 283.

[455]Blum, a. a. O. p. 145 ff.

[455]Blum, a. a. O. p. 145 ff.

[456]So z. B. in Tours 1896 (vgl.Blum, a. a. O. p. 159); schon in Nantes soll die Gründung einer Streikkasse beschlossen worden sein (vgl. Frh. vonReiswitz, "Generalstreik? Ein Rückblick auf den Hafenarbeiterstreik in Marseille", p. 12 ff.).

[456]So z. B. in Tours 1896 (vgl.Blum, a. a. O. p. 159); schon in Nantes soll die Gründung einer Streikkasse beschlossen worden sein (vgl. Frh. vonReiswitz, "Generalstreik? Ein Rückblick auf den Hafenarbeiterstreik in Marseille", p. 12 ff.).

[457]Weill, a. a. O. p. 408, 409. Ursprünglich sollte sich dieses Komitee der Organisation des Generalstreiks widmen; später, als man die Unzweckmäßigkeit einer solchen Tätigkeit einsah, wurde ihm die Aufgabe, sich mit den in zahlreichen Städten bestehenden "Sous-Comités de la grève générale" in Verbindung zu setzen (vgl.Pouget, [Enquête, p. 50 ff.]), jede sich bietende Streikgelegenheit zu benutzen, um die Arbeiter möglichst an den G-str. zu gewöhnen (dies sei z. B. der Fall gewesen beim Matrosenstreik 1900 und beim Streik in Marseille 1901 [vgl.Weill, a. a. O.]), wie überhaupt für die G-str.propaganda in Wort und Schrift zu sorgen.

[457]Weill, a. a. O. p. 408, 409. Ursprünglich sollte sich dieses Komitee der Organisation des Generalstreiks widmen; später, als man die Unzweckmäßigkeit einer solchen Tätigkeit einsah, wurde ihm die Aufgabe, sich mit den in zahlreichen Städten bestehenden "Sous-Comités de la grève générale" in Verbindung zu setzen (vgl.Pouget, [Enquête, p. 50 ff.]), jede sich bietende Streikgelegenheit zu benutzen, um die Arbeiter möglichst an den G-str. zu gewöhnen (dies sei z. B. der Fall gewesen beim Matrosenstreik 1900 und beim Streik in Marseille 1901 [vgl.Weill, a. a. O.]), wie überhaupt für die G-str.propaganda in Wort und Schrift zu sorgen.

Neben der C. T. entwickelte sich in der 1892 gegründeten "Fédération des Bourses du Travail" eine weitere gewerkschaftliche Organisation, die ebenfalls auf den Generalstreik eingeschworen war.[458]— Die gemeinsame Vorliebe für den Generalstreik brachte beide Organisationen einander näher[459]und erleichterte 1902 ihre Vereinigung zur "Confédération générale du Travail" (C. G. T.), dem sogenannten Parti syndical. In diesem gelangten mehr und mehr antiparlamentarische Tendenzen zur Herrschaft. Wurden auf dem Kongreß in Paris (1900) neben dem Generalstreik auch noch andere Mittel der Revolution anerkannt,[460]so feierte am Kongreß in Bourges 1904 die vonPougetgepredigte "action directe", also auch deren Hauptstück, der Generalstreik, den höchsten Triumph.[461]Wie kläglich auch der Versuch ausging, am 1. Mai 1906 durch Arbeitseinstellung nach 8 Stunden den Achtstundentag "direkt" einzuführen, so erklärte doch der Kongreß in Amiens 1906 den Generalstreik wiederum zu seinem Aktionsmittel.[462]

[458]UnterPelloutiersEinfluß, und seit dem Regionalkongreß in Tours, (vgl.Weill, a. a. O. p. 275).

[458]UnterPelloutiersEinfluß, und seit dem Regionalkongreß in Tours, (vgl.Weill, a. a. O. p. 275).

[459]Weill, a. a. O. p. 405 ff.

[459]Weill, a. a. O. p. 405 ff.

[460]Blum, a. a. O. p. 189.

[460]Blum, a. a. O. p. 189.

[461]AlbertThomas, "Achtung! vor der 'direkten Aktion'".

[461]AlbertThomas, "Achtung! vor der 'direkten Aktion'".

[462]Rappoport, "Der sozialistische Kongreß in Limoges", p. 229; vgl. auch Soziale Praxis, 3. V. 06, Sp. 805; ferner die "Chronique" im Journal des Économistes vom 15. Mai 06; sowie Frankf. Ztg., "Der Geist der französischen Gewerkschaften", (25. Okt. 06 Nr. 295, 4. Morgenblatt).

[462]Rappoport, "Der sozialistische Kongreß in Limoges", p. 229; vgl. auch Soziale Praxis, 3. V. 06, Sp. 805; ferner die "Chronique" im Journal des Économistes vom 15. Mai 06; sowie Frankf. Ztg., "Der Geist der französischen Gewerkschaften", (25. Okt. 06 Nr. 295, 4. Morgenblatt).

Diese besondere Anhänglichkeit der französischen Syndikalisten an den Generalstreik wurzelt keineswegs in besonders günstigen praktischen Erfahrungen. Die bisherigen französischen Generalstreikversuche sind im Gegenteil recht wenigaufmunternd,[463]da man häufig "einen schlecht vorbereiteten, zu ungeeigneter Zeit begonnenen Streik durch die Erklärung des Generalstreiks zu retten sucht".[464]Für die Bevorzugung der grève générale sind vielmehrpsychologischeundpolitische Gründemaßgebend.

[463]So sollte 1898 die Verlegenheit des Ministeriums (Dreifus-Handel) für den G-str. ausgenutzt werden; zu seiner Einleitung wurde einem Streik der terrassiers in Paris ein Eisenbahnerstreik angeschlossen, was, wenigstens nachBriand(a. a. O. p. 11), der bürgerlichen Gesellschaft großen Schrecken verursacht haben soll. Das Unternehmen scheiterte an der energischen Intervention der Regierung (Weill, a. a. O. p. 406, undBourdeau, a. a. O. p. 442). — Etwas günstiger endete der große Bergarbeiterstreik, Oktober bis Dezember 1902, der auf seinem Höhepunkt 4/5 der französischen Bergarbeiter umfaßt haben soll; wegen Uneinheitlichkeit der Leitung und mangelhafter Disziplin seien die Erfolge aber nur sehr gering gewesen; nur einige wirtschaftliche Zugeständnisse der Bergwerksgesellschaften, sowie die Anhandnahme der Arbeitszeitregelung durch die Regierung seien erreicht worden (vgl.Roland-Holst, "Generalstreik und Sozialdemokratie", p. 14, 42, 43).

[463]So sollte 1898 die Verlegenheit des Ministeriums (Dreifus-Handel) für den G-str. ausgenutzt werden; zu seiner Einleitung wurde einem Streik der terrassiers in Paris ein Eisenbahnerstreik angeschlossen, was, wenigstens nachBriand(a. a. O. p. 11), der bürgerlichen Gesellschaft großen Schrecken verursacht haben soll. Das Unternehmen scheiterte an der energischen Intervention der Regierung (Weill, a. a. O. p. 406, undBourdeau, a. a. O. p. 442). — Etwas günstiger endete der große Bergarbeiterstreik, Oktober bis Dezember 1902, der auf seinem Höhepunkt 4/5 der französischen Bergarbeiter umfaßt haben soll; wegen Uneinheitlichkeit der Leitung und mangelhafter Disziplin seien die Erfolge aber nur sehr gering gewesen; nur einige wirtschaftliche Zugeständnisse der Bergwerksgesellschaften, sowie die Anhandnahme der Arbeitszeitregelung durch die Regierung seien erreicht worden (vgl.Roland-Holst, "Generalstreik und Sozialdemokratie", p. 14, 42, 43).

[464]Delory(Rdsch. Soz. Mh. Febr. 04, p. 167).

[464]Delory(Rdsch. Soz. Mh. Febr. 04, p. 167).

Vor allem stellen dieGeneralstreikbekenntnisse nur die Anschauungen eines Bruchteils der französischen Arbeiterdar. Die gewerkschaftliche Organisation Frankreichs steht trotz der syndikalistischen Selbstüberschätzung[465]auf ziemlich schwachen Füßen.[466]Die Generalkonföderation selbst umfaßt nur ca. ein Viertel der organisierten Arbeiterschaft und von diesem sind mehr als die Hälfte und gerade die großen und kräftigen Gewerkschaften[467]"reine Reformisten und wollen von der syndikalistischen Metaphysik nichts wissen". Zufolge eines merkwürdigen Abstimmungsmodus aber sollen diese Elemente durch eineanarchistische Minoritätmajorisiert werden, da letztere über eine größere Anzahl freilich oft recht ephemerer Syndikate verfügte.[468]Also nicht etwa das organisierte Proleariatschlechthin[469]hat in Frankreich für den Generalstreik "nettement marqué ses préférences", sondern nur ein kleiner Bruchteil desselben. Von diesen Generalstreiklern glaubt aber auch wieder nur ein kleiner Teil allen Ernstes an die Ausführbarkeit der grève générale.[470]Diese spielt vielmehr meist nur die Rolle eines Propagandamittels, mit dessen Hilfe die spezifisch-französischen Organisationsschwierigkeiten überwunden und die zu allem Putschartigen neigenden französischen Arbeiter gepackt werden sollen.

[465]Die Anarchisten reden von der "Machtentwickelung" der franz. Arbeitersyndikate (vgl. "Antimilitarismus und Generalstreik" [Beilage zu Nr. 11 der "Wahrheit"], p. 9), deren gewerkschaftliche Leistungen häufig hoch über die der deutschen erhoben werden (vgl. "Ein französischer Gewerkschaftler über die Taktik der deutschen Zentralverbände" [Übersetzung eines Artikels von V.Griffuelhesaus der "Voix du Peuple" vom 29. Okt. 05, in der "Einigkeit" v. 11. Nov. 05]).

[465]Die Anarchisten reden von der "Machtentwickelung" der franz. Arbeitersyndikate (vgl. "Antimilitarismus und Generalstreik" [Beilage zu Nr. 11 der "Wahrheit"], p. 9), deren gewerkschaftliche Leistungen häufig hoch über die der deutschen erhoben werden (vgl. "Ein französischer Gewerkschaftler über die Taktik der deutschen Zentralverbände" [Übersetzung eines Artikels von V.Griffuelhesaus der "Voix du Peuple" vom 29. Okt. 05, in der "Einigkeit" v. 11. Nov. 05]).

[466]Im Jahre 1905 zählte man im ganzen 4625 Organisationen mit 781 344 Mitgliedern, welch letztere aber in vielen Fällen bloß auf dem Papier stehen sollen (vgl. Soz. Mh. Dez. 05, p. 1067). Der Generalkonföderation sollen überhaupt nur höchstens 200 000 Arbeiter angehören, "die über ein jährliches Budget von etwa 10 000 Fr. verfügen!!" (Rappoport, p. 233).

[466]Im Jahre 1905 zählte man im ganzen 4625 Organisationen mit 781 344 Mitgliedern, welch letztere aber in vielen Fällen bloß auf dem Papier stehen sollen (vgl. Soz. Mh. Dez. 05, p. 1067). Der Generalkonföderation sollen überhaupt nur höchstens 200 000 Arbeiter angehören, "die über ein jährliches Budget von etwa 10 000 Fr. verfügen!!" (Rappoport, p. 233).

[467]Z. B. die Buchdrucker (vgl. Hue, "Partei und Gewerkschaft") und Eisenbahner (vgl.Rappoporta. a. O.).

[467]Z. B. die Buchdrucker (vgl. Hue, "Partei und Gewerkschaft") und Eisenbahner (vgl.Rappoporta. a. O.).

[468]Frankf. Ztg. a. a. O.;Rappoport, a. a. O.;Weill, a. a. O. p. 411;Deville, "Revolutionärer und reformistischer Sozialismus in Frankreich", p. 26, 27. — Vgl. auchLagardelle("Die syndikalistische Bewegung in Frankreich", p. 138), der das allgemeine Stimmrecht für die Kongresse der C. G. T. verwirft; denn "in der amorphen Masse der Trägen und Zurückgebliebenen würde der organische, klassenbewußte Kern, dieser glühende Herd, von dem der Kampf ausstrahlt, untergehen".

[468]Frankf. Ztg. a. a. O.;Rappoport, a. a. O.;Weill, a. a. O. p. 411;Deville, "Revolutionärer und reformistischer Sozialismus in Frankreich", p. 26, 27. — Vgl. auchLagardelle("Die syndikalistische Bewegung in Frankreich", p. 138), der das allgemeine Stimmrecht für die Kongresse der C. G. T. verwirft; denn "in der amorphen Masse der Trägen und Zurückgebliebenen würde der organische, klassenbewußte Kern, dieser glühende Herd, von dem der Kampf ausstrahlt, untergehen".

[469]WieBriand, p. 16, behauptet.

[469]WieBriand, p. 16, behauptet.

[470]Weill, p. 410, 411.

[470]Weill, p. 410, 411.

Die Vorliebe der französischen Arbeiter für den Generalstreik wird durch die Ausdehnung des "gelben"Gewerkschaftswesensin Frankreich noch künstlich verstärkt. Da die sozialistischen Syndikate in der Anwendung des normalen Streiks sich immer wieder durch die "jaunes", die organisierten Arbeitswilligen, gehindert sehen, so verfallen sie auf allerlei bizarre Auswege und erwarten, weil der partielle Streik oft scheitert, alles Heil vom generalisierten Ausstand.[471]

[471]W. Z. in der sozialen Praxis (Nr. 36, Sp. 951, 6. Juni 07, Art. über den "Bund vaterländischer Arbeitervereine und die gelbe Gewerkschaftsidee"): die 5-600 000 "Jaunes" seien "ein Fluch der französischen Gewerkschaftsbewegung, die in ihrer legitimen Betätigung durch die Gelben gehemmt und gelähmt, zu der diabolischen Theorie der action directe, dem Generalstreik und der Sabotage gedrängt worden ist". — Auch die Bedrohung des Streikrechts im Jahre 1896 — (der Senat wollte den Arbeitern in den öffentlichen Anstalten das Streikrecht nehmen, was große Empörung in den Syndikaten hervorrief; das Projekt kam nie in die Kammer [vgl.Weill, p. 334]) — soll die G-streiktendenzen gefördert haben (vgl.Briand, p. 12ff.).

[471]W. Z. in der sozialen Praxis (Nr. 36, Sp. 951, 6. Juni 07, Art. über den "Bund vaterländischer Arbeitervereine und die gelbe Gewerkschaftsidee"): die 5-600 000 "Jaunes" seien "ein Fluch der französischen Gewerkschaftsbewegung, die in ihrer legitimen Betätigung durch die Gelben gehemmt und gelähmt, zu der diabolischen Theorie der action directe, dem Generalstreik und der Sabotage gedrängt worden ist". — Auch die Bedrohung des Streikrechts im Jahre 1896 — (der Senat wollte den Arbeitern in den öffentlichen Anstalten das Streikrecht nehmen, was große Empörung in den Syndikaten hervorrief; das Projekt kam nie in die Kammer [vgl.Weill, p. 334]) — soll die G-streiktendenzen gefördert haben (vgl.Briand, p. 12ff.).

Hierzu gesellten sich nun nochpolitische Enttäuschungen. Die übertriebenen Hoffnungen, die sich vielfach an die sozialistische Mitregierung geknüpft hatten, waren sehr bald enttäuscht worden.[472]Das Interesse am Parlamentarismus überhaupt wurde durch den chronischen Zwist in den sozialistischen Parteigruppen untergraben. Kein Wunder daher, daß die Gewerkschaften sich allein auf sich selbst angewiesen sehen wollten und die "direkte Aktion" predigten, mit der sie die zerspaltene Arbeiterbewegung zu kitten und neu zu beleben hofften.[473]

[472]Thomas, "Achtung!.. usw.".

[472]Thomas, "Achtung!.. usw.".

[473]Weill, p. 275, 405.

[473]Weill, p. 275, 405.

Bei der eigentümlichen Beschaffenheit dersozialistischen ParteienFrankreichs (Abhängigkeit im Wahlkampf von derFreundschaft der Gewerkschaften),[474]mußten diese sich natürlich auch mit dem Generalstreik befassen, und je tiefer die Idee der grève générale in die syndikalistischen Kreise eindrang, um so mehr mußte sie auch politischerseits geschont werden.[475]Im vergeblichen Kampf gegen den Generalstreik büßten dieGuesdistenAnfang der 1890er Jahre ihren Einfluß in den Gewerkschaften ein,[476]und dieAllemanistentraten ihr Erbe an. Sie waren hierzu durch eine energische Generalstreikpropaganda aufs Beste vorbereitet.[477]

[474]Vgl. meinen Aufsatz über "Die politische Arbeiterbewegung Frankreichs in den letzten Jahren" (Archiv f. Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, XXIII, 2).

[474]Vgl. meinen Aufsatz über "Die politische Arbeiterbewegung Frankreichs in den letzten Jahren" (Archiv f. Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, XXIII, 2).

[475]Weill, p. 408.

[475]Weill, p. 408.

[476]Die Guesdisten verstanden sich 1890 in Lille höchstens zur Konzedierung eines intern. Bergarbeiterstreiks für den 8-St.-tg. (vgl.Blum, p. 124 ff.); später freilich machten auch sie einige Zugeständnisse: so auf dem Parteitag zu Ivry, 1900, wo sie ihre Unterstützung zusicherten, falls ein G-str. nötig werden sollte (vgl. Mouvement socialiste, IV. p. 553); ähnlich sprach sich auch ihr Parteitag zu Lille, 1904, aus (Enquête, p. 76 ff.).

[476]Die Guesdisten verstanden sich 1890 in Lille höchstens zur Konzedierung eines intern. Bergarbeiterstreiks für den 8-St.-tg. (vgl.Blum, p. 124 ff.); später freilich machten auch sie einige Zugeständnisse: so auf dem Parteitag zu Ivry, 1900, wo sie ihre Unterstützung zusicherten, falls ein G-str. nötig werden sollte (vgl. Mouvement socialiste, IV. p. 553); ähnlich sprach sich auch ihr Parteitag zu Lille, 1904, aus (Enquête, p. 76 ff.).

[477]Die Allemanisten erkannten stets, z. B. auf ihren Kongressen 1891, 1892, 1894, den G-str. als bestes Kampfmittel und als Mittel der sozialen Revolution an (vgl. Weill, p. 405, 406;Blum, p. 128 ff.; Enquête, p. 2-24; AlbertRichard, "Manuel socialiste", p. 78, 79.); sie gingen den extremen Syndikalisten aber noch lange nicht weit genug (vgl. z. B.Pouget, [Enquête, p. 63 ff.]).

[477]Die Allemanisten erkannten stets, z. B. auf ihren Kongressen 1891, 1892, 1894, den G-str. als bestes Kampfmittel und als Mittel der sozialen Revolution an (vgl. Weill, p. 405, 406;Blum, p. 128 ff.; Enquête, p. 2-24; AlbertRichard, "Manuel socialiste", p. 78, 79.); sie gingen den extremen Syndikalisten aber noch lange nicht weit genug (vgl. z. B.Pouget, [Enquête, p. 63 ff.]).

Auch der sog.Einigungskongreßvon 1899 trug der syndikalistischen Strömung Rechnung[478]und setzte den Generalstreik unter die "Mittel und Wege zur Eroberung der Macht".

[478]Briandhielt, nach Ansicht des "Comité de la grève générale", ein "plaidoyer irrésistible en faveur de la grève générale" (vgl. Vorwort zuBriand, p. 2); in der folgenden Diskussion wurde hauptsächlich die Exklusivität, der G-str. aus Prinzip, bekämpft (vgl.Delory[Enquête, p. 63 ff.] und "Congrès général des Organisation socialistes françaises Paris 1899, p. 395, 410.).

[478]Briandhielt, nach Ansicht des "Comité de la grève générale", ein "plaidoyer irrésistible en faveur de la grève générale" (vgl. Vorwort zuBriand, p. 2); in der folgenden Diskussion wurde hauptsächlich die Exklusivität, der G-str. aus Prinzip, bekämpft (vgl.Delory[Enquête, p. 63 ff.] und "Congrès général des Organisation socialistes françaises Paris 1899, p. 395, 410.).

Jaurèsnahm den Generalstreik in die Prinzipienerklärung des Kongresses von Tours auf,[479]vermutlich, um sich im Kampf gegenGuesdeder Gewerkschaften zu versichern, machte aber für die Syndikalisten dabei noch viel zu viele Einschränkungen.[480]

[479]Weill, p. 408.

[479]Weill, p. 408.

[480]Jaurès, "Aus Theorie und Praxis", p. 250; seine Einschränkungen zogen ihm den heftigsten Tadel der Syndikalisten zu (vgl.Weill, p. 408, und Enquête, p. 52 ff.).

[480]Jaurès, "Aus Theorie und Praxis", p. 250; seine Einschränkungen zogen ihm den heftigsten Tadel der Syndikalisten zu (vgl.Weill, p. 408, und Enquête, p. 52 ff.).

Auch diegeeinte Parteimußte dem Syndikalismus ihre Reverenz erweisen und billigte in Limoges (auf Jaurès' Antrag) ausdrücklich die syndikalistischen Generalstreiktendenzen.[481]Derartige Beschlüsse bleiben freilich regelmäßig auf dem Papier, geben aber immerhin einen guten Maßstab ab für die reale Machtverteilung zwischen Partei und Gewerkschaft.

[481]Rappoport, p. 231.

[481]Rappoport, p. 231.

Um einen Einblick in die Art und Weise der französischen Generalstreiks zu gewinnen, genügt ein typisches Beispiel, derGeneralstreik in Marseille vom Jahre1904.

In Marseille bestanden seit Jahren zwischen den Hafenarbeitern und Seeleuten (inscrits maritimes) einerseits und den Schiffahrtsgesellschaften andererseits beständige Reibereien teils wegen wirtschaftlicher Forderungen, teils und hauptsächlich wegen der Regelung der Disziplin an Bord.[482]So verlangten die inscrits z. B. die Einführung eines Beschwerdebuchs auf den Schiffen,[483]nachdem sie schon die Entfernung einiger mißliebiger Schiffsoffiziere gefordert und schließlich auch erreicht hatten. Dadurch gekränkt und aus Solidaritätsgefühl mit den gemaßregelten Kollegen, traten nun die Schiffsoffiziere in den Ausstand, was eine Aussperrung der Hafenarbeiter und Matrosen zur Folge hatte.[484]Hierauf antwortete die Arbeiterschaft mit Proklamierung desGeneralstreiksin Marseille und mit Aufforderungen an die Hafenarbeiter aller Häfen Frankreichs, ja aller Häfen des Mittelmeers zumSolidaritätsstreik.[485]Beide Ausstände nahmen bedeutende Dimensionen an. Der Hafenarbeiterstreik griff nicht nur auf andere französische, sondern auch auf die benachbarten spanischen und italienischen Häfen über.[486]DemGeneralausstand in Marseille selbst schloß sich eine Arbeiterkategorie um die andere an.[487]


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