13

Allda suchte er sein Weib in allen Musikschenken und Trinkstuben. Am Abend fand er Ulenspiegel im „Singenden Schwan“ wieder.

Ulenspiegel ging hin, wo er konnte, säete Aufruhr und wiegelte das Volk auf gegen die Henker des Landes seiner Väter.

Da er auf dem Freitagsmarkt bei der Dulle Griet, der großen Kanone war, legte er sich platt auf den Bauch aufs Pflaster.

Ein Kohlenträger kam und sprach zu ihm:

„Was tust Du da?“

„Ich mache meine Nase feucht, um zu erfahren, woher der Wind kommt.“

Ein Schreiner kam.

„Hältst Du das Pflaster für ein Pfühl?“ fragte er.

„Es sind ihrer, die es bald zur Decke nehmen werden,“ antwortete Ulenspiegel.

Ein Mönch blieb stehen.

„Was macht dieses Kalb da?“ fragte er.

„Es liegt vor Euch auf dem Bauch und bittet um Euren Segen, mein Vater,“ entgegnete Ulenspiegel.

Als der Mönch ihm den gegeben hatte, ging er fürbaß.

Alsdann legte Ulenspiegel das Ohr an die Erde. Ein Bauer kam.

„Hörst Du ein Geräusch da unten?“ fragte er ihn.

„Ich höre das Holz wachsen, dessen Scheite dienen werden, die armen Ketzer zu verbrennen.“

„Hörst du weiter nichts?“ fragte ihn ein Stadtknecht.

„Ich höre die Reiterei aus Spanien kommen; so Du etwas hast, was Du behalten willst, grab es ein, maßen die Städte in Bälde nicht mehr sicher sein werden vor Dieben.“

„Er ist närrisch,“ sagte der Stadtknecht.

„Er ist närrisch,“ wiederholten die Bürger.

Derweilen aß Lamm nicht mehr, denn er gedachte des holden Traumes auf der Stiege der „Blauen Laterne“. Doch ob ihn sein Herz auch nach Brügge zog, ward er von Ulenspiegel doch mit Gewalt nach Antwerpen geführt, wo er seine traurigen Nachforschungen fortsetzte.

War Ulenspiegel in der Schenke unter guten reformierten Vlamländern, ja, selbst unter Katholiken, welche der Freiheit wohlgesinnt waren, so sprach er zu ihnen solcherart über die Edikte: „Sie führen bei uns die Inquisition ein mit dem Vorgeben, uns von der Ketzerei zu purgieren; aber dieser Rhabarber ist nur für unsere Geldsäckel wirksam. Wir wollen keine Arzenei nehmen, als welche uns beliebt; wir werden böse werden, uns empören und nach den Waffen greifen. Der König wußte das im voraus. Wenn er sieht, daß wir keinen Rhabarber wollen, wird er die Spritzen aufmarschieren lassen, das heißt, die großen und kleinen Kanonen, Feldschlangen, Bombarden und Mörser mit großem Rachen! Ein königliches Klistier. In dem mit solcher Arznei behandelten Flandern wird kein reicher Vlamländer bleiben. Unsere Länder sind glücklich, einen so königlichen Arzt zu haben.“ Aber die Bürger lachten.

Ulenspiegel sagte:

„Lachet heute, aber fliehet oder wappnet Euch an dem Tage, da man etwas an Unserer lieben Frau zerbrechen wird.“

Am fünfzehnten August, dem großen Marientag, wo die Kräuter und Wurzeln geweiht werden und die Hennen, von Körnern satt, für das Trompeten des Liebe verlangenden Hahnes taub sind, ward ein großes Steinkreuz an einem der Tore von Antwerpen von einem Italiener im Solde des Kardinals Granvella zerbrochen, und die Prozession der Jungfrau, der grüne, gelbe und rote Narren vorausgingen, kam aus der Frauenkirche gezogen. Aber die Statue der Jungfrau ward unterwegs von unbekannten Männern beschimpft und eilends in das Chor der Frauenkirche zurückgebracht, und die Gitter wurden geschlossen.

Ulenspiegel und Lamm traten in die Kirche. Junge ausgehungerte, zerlumpte Gesellen, so männiglich fremd waren, standen vor dem Chor und machten einander gewisse Zeichen und Fratzen. Mit ihren Füßen und Zungen vollführten sie großen Lärm. Keiner hatte sie in Antwerpen gesehen, keiner sah sie wieder. Einer von ihnen, mit einem Antlitz wie eine verbrannte Zwiebel, fragte, ob Mieke, damit meinte er die Jungfrau, Angst gehabt hätte, dieweil sie so hastig in die Kirche zurückgekehrt sei?

„Vor Dir hat sie keine Furcht gehabt, Du garstiger Mohr,“ antwortete Ulenspiegel.

Der junge Gesell, zu dem er sprach, ging auf ihn los, um ihn zu schlagen, aber Ulenspiegel würgte ihn am Kragen und sprach:

„So Du mich schlägst, laß ich Dich Deine Zunge ausspeien.“

Alsdann wandte er sich zu etlichen Männern von Antwerpen, die da waren, und sagte, auf die jungen, zerlumpten Kerle deutend:

„Signorkes und Pagaders, hütet Euch, das sind falsche Vlamländer, Verräter, die bezahlt sind, uns Leid, Elend und Untergang zu bringen.“

Dann sprach er also zu den Unbekannten:

„He, Ihr Eselsköpfe, vom Elend ausgedörrt, woher habt Ihr das Geld, das man heute in Euern Säckeln klingen hört? Habet Ihr etwan Eure Haut im voraus verkauft, um Trommeln daraus zu machen?“

„Sehet den Prediger!“ sagten die Unbekannten.

Dann huben sie insgesamt an zu schreien und sagten von Unsrer lieben Frau:

„Mieke hat ein schönes Kleid! Mieke hat eine schöne Krone! Ich will sie meiner Vettel geben!“

Sie gingen hinaus, dieweil einer von ihnen auf die Kanzel gestiegen war, um dort unziemliche Reden zu führen, dann kamen sie wieder und schrien:

„Steig herab, Mieke, steig herab, ehe wir dich holen. Tu ein Wunder, auf daß wir sehen, daß Du ebensogut gehen kannst als Dich tragen lassen, Mieke, Du Faulenzerin!“

Aber Ulenspiegel hatte gut rufen: „Ihr Unglücksstifter, hört auf mit Euren schlimmen Reden, jede Plünderung ist ein Verbrechen.“ Sie hörten schlechterdings nicht auf zu reden, und etliche sprachen gar davon, das Chor zu erbrechen und Mieke zu zwingen, daß sie herabstiege.

Ein altes Weiblein, das in der Kirche Kerzen verkaufte und diese Reden vernahm, warf ihnen die Asche ihres Fußwärmers ins Gesicht; aber sie schlugen das Weiblein und warfen es zu Boden, und nun begann das Getobe.

Der Markgraf kam mit seinen Bütteln in die Kirche. Da er die versammelte Menge sah, ermahnte er sie aus der Kirche zu gehen, aber so sänftiglich, daß nur etliche von hinnen gingen; die andern sagten:

„Zuvor wollen wir die Domherren zu Miekes Ehre die Vesper singen hören.“

Der Markgraf entgegnete:

„Es wird nicht gesungen werden.“

„Wir wollen selber singen,“ antworteten die unbekannten Lumpen. Solches taten sie in den Schiffen und bei der Vorhalle der Kirche. Etliche spielten mitkrieke-steenen(Kirschkernen) und sagten: „Mieke, Du spielest nimmer im Paradies und hast keine Kurzweil; spiele mit uns.“

Und ohne Aufhören beschimpften sie das Marienbild und schrien, höhnten und pfiffen.

Der Markgraf tat, als ob er Furcht hätte, und ging hinaus. Auf seinen Befehl wurden alle Türen der Kirche bis auf eine geschlossen.

Ohne daß das Volk sich darein mischte, ward das fremde Lumpengesindel kecker und schrie noch lauter. Und die Gewölbe hallten wider wie Donner von hundert Kanonen.

Alsdann bestieg einer von ihnen die Kanzel, der mit dem Gesicht gleich einer verbrannten Zwiebel, welcher etliches Ansehen zu haben schien, winkte ihnen mit der Hand, predigte und sprach: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, die drei sind nur einer und einer drei, Gott bewahre uns im Paradies vor der Rechenkunst. Des heutigen Tages am fünfzehnten des Augustmonds ist Mieke im höchsten Staat ausgegangen, um ihr hölzernes Antlitz den Herren und Bürgern von Antwerpen zu zeigen. Aber während der Prozession ist Mieke dem Teufel Satanas begegnet, und Satanas, ihrer spottend, hat zu ihr gesagt: „Du bist schier stolz als Königin ausstaffiert, Mieke; Du wirst von vier Herren getragen und willst den armen Satanas, der auf Schusters Rappen reitet, nicht mehr anschauen.“ Und Mieke antwortete: „Hebe Dich weg, Satanas, auf daß ich Dir nicht noch mehr den Kopf zertrete, Du böse Schlange!“

„Mieke,“ sagte Satanas darauf, „mit diesem Geschäft verbringst Du seit fünfzehnhundert Jahren die Zeit, aber der Geist des Herrn, Deines Meisters, hat mich erlöset. Ich bin stärker als Du, Du wirst mir nicht mehr auf den Kopf treten, und ich werde Dich jetzo tanzen lassen.“ Satanas nahm eine große Peitsche, die scharf einschnitt, und hub an, Mieke zu schlagen. Sie wagte nicht zu schreien, aus Furcht, ihre Angst zu zeigen, und alsdann hat sie sich in den schnellsten Trab gesetzt, und die Herren, so sie trugen, gezwungen, auch zu laufen, um sie mit ihrer güldenen Krone und ihren Kleinodien nicht in das arme, gemeine Volk fallen zu lassen. Und jetzt steht Mieke still und steif in ihrer Nische und betrachtet Satan, der da oben auf der Säule unter der kleinen Kuppel sitzet und seine Peitsche hält und hohnlachend zu ihr sagt:

„Ich werde Dir das Blut und die Tränen heimzahlen, so in Deinem Namen fließen! Mieke, wie steht Dein jungfräuliches Befinden? Die Stunde ist gekommen, wo Du ausziehen mußt. Man wird Dich entzwei schneiden, Du häßliche, hölzerne Puppe, für all die Puppen aus Fleisch und Bein, so in Deinem Namen ohn Erbarmen verbrannt, gehenkt und lebendig begraben wurden.“ Also sprach Satanas und er sprach gut. „Du mußt aus Deiner Nische herabsteigen, blutdürstige, grausame Mieke, die Du Deinem Sohne Christo nicht ähnlich bist.“

Und höhnend und schreiend tobte der ganze Schwarm der Unbekannten:

„Mieke, Mieke, es ist die Stunde des Auszugs! Nehmet die hölzernen Heiligen fort! Auf, Brabant für den guten Herzog! Wer will ein Bad in der Schelde nehmen? Holz schwimmt besser als Fische.“

Das Volk hörte zu, ohne etwas zu sagen.

Aber Ulenspiegel bestieg die Kanzel und warf den Sprecher mit Gewalt die Stiege hinunter.

„Ihr Rasenden,“ sagte er zum Volke, „Ihr wahnsinnigen Narren, Ihr einfältigen Narren, die Ihr nicht weiter sehet als Eure rotzige Nasenspitze, begreifet Ihr nicht, daß all dies das Werk von Verrätern ist? Sie wollen Euch zu Kirchenschändern und Räubern machen, um Euch für Rebellen zu erklären, Eure Geldtruhen zu leeren, Euch zu brandmarken und lebendig zu verbrennen. Und der König wird erben! Signorkes und Pagaders, messet den Worten dieser Unglücksstifter keinen Glauben bei; lasset Unsre liebe Frau in ihrer Nische, lebet standhaft, indem Ihr fröhlich arbeitet und Euren Gewinst und Verdienst ausgebet. Der schwarze Teufel des Verderbens hat ein Auge auf Euch. Durch Plünderung und Zerstörung will er das feindliche Heer herbeirufen, um Euch als Rebellen zu behandeln. Dann wird Alba durch Diktatur, Inquisition, Konfiskation und Tod über Euch herrschen und er wird erben.“

„Wehe,“ sprach Lamm, „plündert nicht, Signorkes und Pagaders; der König ist schon sehr erzürnt. Die Tochter der Stickerin hat es meinem Freund Ulenspiegel gesagt. Plündert nicht, Ihr Herren.“

Aber das Volk konnte sie nicht hören.

Die Unbekannten schrien:

„Plünderung und Austreibung! Plünderung, Brabant für den guten Herzog! Ins Wasser mit den Heiligen! Sie schwimmen besser denn Fische!“

Ulenspiegel hielt sich an der Kanzel fest und rief vergeblich:

„Signorkes und Pagaders, leidet die Plünderung nicht! Rufet nicht das Verderben auf die Stadt herab!“

Er ward fortgezerrt und ohngeachtet er sich mit Händen und Füßen wehrte, ward ihm Gesicht, Wams, Hosen, alles zerrissen.

Und wiewohl blutend, ließ er nicht ab zu schreien:

„Leidet die Plünderung nicht!“

Aber es war umsonst.

Die Unbekannten und das Gesindel der Stadt warfen sich auf das Gitter des Chors und zerbrachen es. Dabei schrien sie:

„Es lebe der Geuse!“

Alle huben an zu zerbrechen, zu plündern und zu zerstören. Vor Mitternacht war die große Kirche, in der es siebenzig Altäre, alle Arten schöner Malereien und kostbarer Dinge gab, ausgeleert wie eine Nuß. Die Altäre waren zertrümmert, die Bilder heruntergeschlagen und alle Schlösser zerbrochen.

Da dies getan war, machten sich die nämlichen Unbekannten auf den Weg, um die Minderen Brüder, die Franziskaner, Sankt Peter, Sankt Andreas, Sankt Michael, Sankt Peter im Topf, die Burg, die Fawkens, die Weißen Schwestern, die Grauen Schwestern, den dritten Orden, die Prediger und alle Kirchen und Kapellen der Stadt gleich der Frauenkirche zu traktieren. Und sie nahmen die Kerzen und Fackeln heraus und liefen so überall hin.

Es gab unter ihnen weder Streit noch Beratung; keiner von ihnen ward bei diesem großen Zerbrechen von Steinen, Holz und anderen Dingen verwundet.

Sie stellten sich in Haag ein, um auch dort zum Raub der Bildwerke und Altäre zu schreiten, ohne daß ihnen hier oder andernorts die Reformierten Beistand geleistet hätten.

Im Haag fragte sie der Magistrat, wo ihre Vollmacht wäre.

„Da ist sie,“ sagte einer und schlug auf sein Herz.

„Ihre Vollmacht, hört Ihr, Signorkes und Pagaders?“ sprach Ulenspiegel, da er die Sache erfahren. „Es ist also einer da, der ihnen befohlen hat, als Kirchenschänder zu arbeiten. So in meine Hütte etwelcher plündernde Spitzbube kommt, werde ich tun wie der Magistrat vom Haag; ich werde meinen Hut abnehmen und sagen: „Edler Spitzbube, gnädiger Taugenichts, ehrwürdiger Lump, zeig mir deine Vollmacht.“ Und er wird sagen, daß sie in seinem Herzen sei, das nach meinem Gute verlangt. Und ich werde ihm die Schlüssel zu allem geben. Suchet, suchet, wem diese Plünderung Nutzen bringt. Hütet Euch vor dem Roten Hund. Das Verbrechen ist begangen, man wird es strafen. Hütet Euch vor dem Roten Hund. Das große steinerne Kruzifix ist heruntergeschlagen. Hütet Euch vor dem Roten Hund.“

Da der Hohe Rat von Mecheln durch den Mund seines Präsidenten Viglius befohlen hatte, dem Zerbrechen der Bilder keinen Einhalt zu tun, sagte Ulenspiegel:

„Wehe, die Ernte ist reif für die hispanischen Schnitter. Der Herzog, der Herzog marschiert gegen uns Vlamländer, das Meer schwillt, das Meer der Rache. Arme Frauen und Jungfrauen, fliehet die Grube! Arme Männer, fliehet den Galgen, das Feuer und Schwert. Philipp will Karls blutiges Werk vollenden. Der Vater säete Tod und Verbannung; der Sohn hat geschworen, er wolle lieber über einen Totenacker herrschen, denn über ein Volk von Ketzern. Fliehet, hier sind der Henker und die Totengräber.“

Das Volk hörte auf Ulenspiegel, und die Familien verließen bei Hunderten die Städte, und die Landstraßen waren versperrt von Wagen, beladen mit dem Hausrat Derer, so in die Verbannung zogen.

Und Ulenspiegel ging allerorten hin und Lamm folgte ihm betrübt und suchte seine Liebste.

Und in Damm weinte Nele bei Katheline, der Irren.

Da Ulenspiegel im Gerstemond, das ist Oktober, in Gent war, sah er Egmont in des Abtes von Sankt Bavo edler Gesellschaft vom Schwelgen und Feiern heimkehren. In singfroher Laune ließ er träumend sein Pferd im Schritt gehen. Plötzlich erblickte er einen Mann, der eine brennende Laterne trug und neben ihm her schritt.

„Was willst Du?“ fragte Egmont.

„Gutes“, versetzte Ulenspiegel.

„Geh und laß mich,“ entgegnete der Graf.

„Ich werde nicht gehen,“ erwiderte Ulenspiegel.

„Willst Du einen Peitschenhieb haben?“

„Ich will ihrer zehn haben, wenn ich Euch einen solchen Leuchtkäfer in den Kopf setzen kann, daß Ihr von hier bis zum Escurial deutlich sehen könnt.“

„Mich kümmert nicht Leuchtkäfer noch Escurial,“ antwortete der Graf.

„Und mich brennt es, Euch einen guten Rat zu geben,“ erwiderte Ulenspiegel. Dann nahm er des Grafen Pferd, welches ausschlug und sich bäumte, beim Zügel und sprach:

„Euer Gnaden, gedenket, daß Ihr jetzo auf Eurem Roß tanzet und daß Euer Haupt auch trefflich auf Euren Schultern tanzet; aber der König, sagt man, will diesen schönen Tanz unterbrechen, Euch Euren Körper lassen, aber Euren Kopf nehmen und ihn in so ferne Länder tanzen lassen, daß Ihr ihn nimmermehr wieder einholen könnet. Gebet mir einen Gulden, ich habe ihn verdient.“

„Die Peitsche, wenn du nicht weichest, schlechter Ratgeber.“

„Euer Gnaden, ich bin Ulenspiegel, der Sohn des Klas, der für seinen Glauben lebendig verbrannt ist, und Soetkins Sohn, die an Herzeleid gestorben ist. Die Asche brennt auf meiner Brust und sagt mir, daß Egmont, der tapfere Soldat, mit der Reiterei, die er befehligt, seine dreimal siegreichen Truppen dem Herzog Alba entgegen stellen kann.“

„Geh,“ antwortete Egmont, „ich bin kein Verräter.“

„Rette die Lande, Du allein kannst es,“ sagte Ulenspiegel.

Der Graf wollte Ulenspiegel peitschen, aber dieser wartete nicht darauf und entfloh mit dem Ruf:

„Esset Leuchtkäfer, esset Leuchtkäfer, Herr Graf. Rettet die Lande.“

Ein ander Mal hielt Egmont, da ihn dürstete, vor der HerbergeIn ’t tondt verken, Zum bunten Ferkel, so von einer Frau aus Kortrijk, einem hübschen Weiblein, namens Musekin, Mäuslein, gehalten ward.

Der Graf erhob sich in den Steigbügeln und rief:

„Zu trinken.“

Ulenspiegel, welcher der Musekin diente, trat zu dem Grafen heran, in der einen Hand einen Zinnhumpen, in der andern eine volle Flasche roten Weines.

Der Graf sagte, als er ihn sah:

„Bist Du es, Unglücksrabe?“

„Euer Gnaden,“ entgegnete Ulenspiegel, „wenn meine Prophezeihung schwarz ist, so kommts, weil sie sich nicht weiß gewaschen hat. Aber wollt Ihr mir sagen, was röter ist, der Wein, der in die Kehle geht, oder das Blut, das herausspritzt? Das war’s, was meine Laterne fragte.“

Der Graf antwortete nicht, trank, zahlte und ritt von dannen.

Ulenspiegel und Lamm, ein jeglicher auf einem Esel reitend, den Simon Simonsen, einer der Getreuen des Prinzen von Oranien ihnen gegeben hatte, zogen überall hin und warnten die Leute vor den schwarzen Anschlägen des Blutkönigs und waren allzeit auf der Lauer, um die Zeitungen, die aus Spanien kamen, zu erfahren. Sie verkauften Gemüse, waren wie Bauern gekleidet und besuchten alle Märkte.

Als sie von dem Markte in Brüssel kamen, sahen sie in einem steinernen Hause am Ziegeldamm, in einem niedren Gemach eine schöne, in Atlas gekleidete Dame mit frischen Farben, vollem Busen und übermütigen Augen.

Sie sagte zu einer jungen, frischen Köchin:

„Scheure mir diese Pfanne wohl, ich liebe keine Brühe mit der Würze des Rostes.“

Ulenspiegel drückte die Nase ans Fenster.

„Ich,“ sagte er, „ich liebe sie alle, denn ein ausgehungerter Bauch ist nicht wählerisch in Gerichten.“

Die Dame drehte sich um.

„Wer ist dieser Schelm, der sich um meine Suppe kümmert?“

„Ach, schöne Dame,“ sagte Ulenspiegel, „wenn Ihr nur ein wenig davon in meiner Gesellschaft machen wolltet. Ich würde Euch Leckereien eines Reisenden lehren, die schönen seßhaftigen Damen unbekannt sind.“

Dann schnalzte er mit der Zunge und sprach:

„Ich habe Durst.“

„Auf was?“ fragte sie.

„Auf Dich“, sagte er.

„Er ist ein hübscher Bursche,“ sagte die Köchin zur Dame. „Wir wollen ihn einlassen, auf daß er uns seine Abenteuer erzähle.“

„Aber es sind ihrer zwei,“ sagte die Dame.

„Ich werde für einen sorgen,“ versetzte die Köchin.

„Edle Frau,“ sprach Ulenspiegel dagegen, „wir sind freilich zwei, ich und mein armer Lamm, der nicht hundert Pfund auf dem Rücken tragen kann, aber gerne fünfhundert in Fleisch und Getränke im Magen trägt.“

„Mein Sohn,“ sagte Lamm, „mache dich nicht über mich Unseligen lustig, dem das Füllen seines Bauches so teuer zu stehen kommt.“

„Heute soll er Dir keinen Heller kosten,“ sagte die Dame. „Tretet beide ein.“

„Aber,“ sprach Lamm, „hier sind auch die beiden Esel, auf denen wir sitzen.“

„Im Pferdestall des Herrn Grafen von Meghem mangelt es nicht an Metzen Hafer.“

Die Köchin ließ ihre Pfanne im Stich und zog Ulenspiegel und Lamm auf ihren Eseln in den Hof; selbige huben ohne Verzug an zu schreien.

„Das ist die Fanfare für die nahende Atzung. Sie posaunen ihre Freude aus, die armen Esel.“

Da sie alle beide abgestiegen waren, sprach Ulenspiegel zur Köchin:

„Wenn Du eine Eselin wärest, möchtest Du einen Esel wie ich?“

„Wenn ich eine Frau wäre, wollte ich einen Gesellen mit lustigem Gesicht.“

„Was bist Du denn, wenn Du nicht Frau noch Eselin bist?“ fragte Lamm.

„Ich bin Jungfrau,“ sagte sie. „Eine Jungfrau ist keine Frau, noch weniger Eselin! begreifest Du das, Dickwanst?“

Ulenspiegel sagte zu Lamm:

„Glaub ihr nicht, es ist die Hälfte von einer Dirne und das Viertel von zwei Teufelinnen. Ihre Schalkheit und Sinnenlust hat ihr schon in der Höllen einen Platz gesichert auf einem Pfühl, um Beelzebub darauf zu herzen.“

„Arger Spötter,“ sagte die Köchin, „wenn Deine Haare Pferdehaare wären, wollte ich sie nicht, um darauf zu treten.“

„Und ich“, sagte Ulenspiegel, „möchte all Deine Haare essen.“

„Schmeichler,“ sagte die Dame, „mußt Du alle haben?“

„Nein,“ antwortete Ulenspiegel, „tausend in eine einzige verschmolzen wie Ihr seid, wären mir genug.“

Die Dame sprach zu ihm:

„Trinke zuvor eine Kanne Braunbier, iß ein Stück Schinken, schneide nach Belieben in diese Hammelkeule, höhle mir diese Pastete aus und schlürfe diesen Salat.“

Ulenspiegel faltete die Hände:

„Der Schinken ist gutes Fleisch“, sagte er, „das Braunbier himmlisches Bier, die Hammelkeule ein göttlicher Braten; eine Pastete auszuhöhlen läßt die Zunge im Munde vor Freude erzittern; ein fetter Salat ist eine fürstliche Schleckerei. Aber gesegnet wird der sein, dem Ihr von Eurer Schönheit zu kosten gebet.“

„Sehet, wie er schwätzt,“ sagte sie. „Iß zuvor, Taugenichts.“

Ulenspiegel erwiderte: „Sollen wir nicht das Benedicite vor dem Gratias sagen?“

„Nein“, sprach sie.

Darauf sprach Lamm ächzend:

„Ich habe Hunger.“

„Du wirst zu essen bekommen, dieweil Du keine andre Sorge hast als gekochtes Fleisch.“

„Und frisches auch, so frisch wie mein Weib war.“

Die Köchin ward bei dieser Rede unwirsch. Jedoch sie aßen gar reichlich und tranken wie die Schwämme. Und die Dame gab Ulenspiegel diese Nacht, die nächste und die folgenden das Nachtmahl.

Die Esel bekamen eine doppelte Metze Hafer und Lamm aß für zwei. Während einer Woche verließ er die Küche nicht und trieb sein Spiel mit den Schüsseln, aber nicht mit der Köchin, denn er gedachte seines Weibes. Solches verdroß die Jungfer, welche sagte, daß es sich nicht verlohnte, in dieser armen Welt Platz fortzunehmen, nur um an seinen Bauch zu denken.

Derweilen lebten Ulenspiegel und die Dame gar freundlich miteinander. Eines Tages sagte sie zu ihm:

„Thyl, Du bist nicht ehrbar. Wer bist Du?“

Er sagte: „Ich bin ein Sohn, den der glückliche Zufall eines Tages mit Frau Aventüre hatte.“

„Du sprichst nicht schlecht von Dir,“ sprach sie.

„Es geschieht aus Furcht, daß die Andern mich loben,“ entgegnete Ulenspiegel.

„Würdest Du Dich Deiner Brüder annehmen, die man verfolgt?“

„Klasens Asche brennt auf meiner Brust,“ erwiderte Ulenspiegel.

„Wie schön Du jetzt bist,“ sagte sie. „Wer ist Klas?“

„Mein Vater, der um des Glaubens willen verbrannt ist,“ sprach Ulenspiegel.

„Der Graf von Meghem gleicht Dir nicht,“ sprach sie. „Er will das Vaterland bluten lassen, und ich liebe es, denn ich bin zu Antwerpen, der glorreichen Stadt, geboren. Wisse denn, daß er mit dem Brabanter Ratsherrn Scheyf im Einvernehmen ist, seine zehen Fähnlein Fußvolk in Antwerpen einrücken zu lassen.“

„Ich werde es den Bürgern anzeigen,“ sagte Ulenspiegel, „und ich werde auf der Stelle hingehen, schnell wie ein Geist.“

Er ging hin, und am nächsten Tag waren die Bürger in Waffen.

Ulenspiegel und Lamm aber, so ihre Esel bei einem Pächter von Simon Simonsen eingestellt hatten, mußten sich verbergen, aus Furcht vor dem Grafen von Meghem, der sie allerorten suchen ließ, damit sie gehenkt würden; denn man hatte ihm gesagt, daß zwei Ketzer von seinem Wein getrunken und von seinem Fleisch gegessen hätten. Er war eifersüchtig, sagte es seiner schönen Dame, die vor Zorn mit den Zähnen knirschte, weinte und siebenzehn Mal in Ohnmacht fiel. Die Köchin tat das Nämliche, aber nicht so oft, und erklärte bei ihrem Anrecht aufs Paradies und ihrer ewigen Seligkeit, daß weder sie noch ihre Dame etwas andres getan hätten, als daß sie die Ueberreste des Mittagmahles zween armen Pilgern gegeben hätten, die auf zwei erbärmlichen Eseln reitend, vor dem Küchenfenster gehalten hätten.

Es wurden an jenem Tage so viel Tränen vergossen, daß der Fußboden davon ganz feucht war. Da Herr von Meghem solches sah, war er überzeugt, daß sie nicht lögen.

Lamm wagte sich nicht mehr in Herrn von Meghems Haus zu zeigen, denn die Köchin nannte ihn immer, „mein Weib“.

Er war schier betrübt, wenn er der Nahrung gedachte; aber Ulenspiegel brachte ihm allzeit ein gutes Gericht, denn er ging von der Sankt Katharinenstraße in das Haus und verbarg sich auf dem Boden.

Am folgenden Tage zur Vesper bekannte der Graf von Meghem seinem schönen Weibe, welcher Art er beschlossen hätte, die Reiterei, die er befehligte, vor Tag in Herzogenbusch einrücken zu lassen. Dann entschlief er. Das schöne Weib stieg auf den Boden und ließ Ulenspiegel die Sache wissen.

Ulenspiegel ging, als Pilger gekleidet, ohne Wegzehrung noch Geld flugs nach Herzogenbusch, um die Bürger zu warnen. Er wollte unterwegs bei Herrn Praet, Simons Bruder, ein Pferd nehmen; er hatte Briefe vom Prinzen für ihn. Von da wollte er im schnellsten Trab auf Richtwegen nach Herzogenbusch reiten.

Da er die Heerstraße kreuzte, sah er einen Haufen Kriegsvolks daherkommen. Er hatte große Furcht der Briefe halber. Aber da er entschlossen war, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, so erwartete er die Söldner stehenden Fußes und murmelte seine Paternoster. Als sie vorbeikamen, marschierte er mit ihnen und erfuhr, daß sie nach Herzogenbusch zogen.

Ein wallonisches Fähnlein eröffnete den Marsch. An der Spitze ritt der Hauptmann Lamotte mit seiner Leibwache von sechs Hellebardieren; dann ihrem Range nach der Fähndrich mit geringerem Geleit, der Profos mit seinen Hellebardieren und seinen zwei Stockknechten, der Wachtmeister, der Troßmeister, der Henker und sein Büttel und Pfeifer und Trommler, so großen Lärm vollführten. Alsdann kam ein vlämisches Fähnlein von zweihundert Mann mit seinem Hauptmann und Fähndrich. Es war in zwei Kompanieen geteilt, so von Feldwaibeln geführt wurden, und zerfiel in Rotten, denen Rottmeister vorstanden. Vor dem Profos und den Stockknechten zogen gleichermaßen Pfeifer und Trommler einher, die dröhnten und gellten.

Hinter ihnen kamen in zween Wagen ihre Gefährtinnen, schöne Dirnen, die lachten ausgelassen, zwitscherten wie Grasmücken, sangen wie Nachtigallen, aßen, tranken, tanzten, stunden, lagen oder saßen rittlings in den Wagen.

Etliche waren wie Landsknechte gekleidet, aber in feines, weißes Linnen, am Halse entblößt und an Armen und Beinen und am Wamse geschlitzt, also daß der reizende Körper zu sehen war. Sie trugen Mützen von feinem Linnen, mit Gold verbrämt und mit schönen Straußenfedern darauf, so im Winde wallten. An ihren Gürteln von Goldbrokat mit Krausen von rotem Atlas hingen ihre Dolche in Scheiden aus Goldstoff. Und ihre Schuhe, Strümpfe und Kniehosen, ihre Wämse, Nesteln und Zierarten waren eitel Gold und weiße Seide.

Andere waren auch nach Art der Landsknechte gekleidet, aber in Blau, Grün, Scharlach, Himmelblau, Purpur und nach Willkür und Laune geschlitzt, bestickt und mit Wappen geziert. Und alle hatten am Arm das bunte Rädlein, so ihr Handwerk bedeutet. Ein Hurenwaibel, der sie befehligte, wollte sie zum Schweigen bringen, aber sie brachten ihn durch ihre artigen Fratzen und Reden zum Lachen und gehorchten ihm nicht.

Als Pilger gekleidet, zog Ulenspiegel neben den zwei Fähnlein daher wie ein Nachen neben einem großen Schiff. Und er murmelte seine Paternoster.

Plötzlich sagte Lamotte zu ihm:

„Wohin gehst Du, Pilger?“

„Herr Hauptmann,“ antwortete der hungrige Ulenspiegel, „ich habe ehemals eine große Sünde begangen und ward vom Kapitel Unserer lieben Frau verurteilt, zu Fuß nach Rom zu pilgern und den heiligen Vater um Ablaß zu bitten, welchen er mir auch gab. Ich kehrte von Sünde gereinigt in diese Lande zurück, unter der Bedingung, unterwegs allem Kriegsvolk, dem ich begegne, die heiligen Mysterien zu predigen. Dafür soll ich zum Lohne Brot und Wein empfahen. Und so predigend friste ich mein armes Leben. Verstattet mir, beim nächsten Halt meinem Gelübde nachzukommen.“

„Wohl“, sprach Herr von Lamotte.

Indem Ulenspiegel sich brüderlich unter die Wallonen und Vlamländer mischte, befühlte er die Briefe unter seinem Wams.

Die Dirnen riefen ihm zu:

„Pilger, schöner Pilger, komm hierher und zeig uns die Macht Deiner Muschelschalen.“

Ulenspiegel trat zu ihnen und sagte ehrbar:

„Meine Schwestern in Christo, spottet nicht des armen Pilgers, der über Berg und Tal wandert, um den Soldaten den heiligen Glauben zu predigen.“

Und er verschlang ihre holden Reize mit den Augen. Aber die Dirnen streckten ihre muntern Gesichter zwischen den Planen der Wagen herfür.

„Du bist gar jung,“ sprachen sie, „um den Soldaten zu predigen, steig in unsere Wagen, wir werden dich süßere Reden lehren.“

Ulenspiegel hätte gern gehorcht, aber er konnte nicht wegen der Briefe. Schon streckten zwei von ihnen ihre runden, weißen Arme aus dem Wagen und trachteten, ihn zu sich hinauf zu ziehen. Da sprach der Hurenwaibel voll Eifersucht zu Ulenspiegel: „Wenn Du nicht fortgehst, so schlage ich Dich in Stücke.“

Und Ulenspiegel hielt sich weiter ab und betrachtete heimlich die frischen Mägdlein, welche die Sonne, die hell auf den Weg schien, vergüldete.

Sie kamen nach Berchem. Philipp von Lannoy, Ritter von Beauvoir, der die Vlamländer kommandierte, befahl Halt zu machen.

An diesem Platze stund eine Eiche von mittlerem Wuchs, die war ihrer Äste beraubt, ausgenommen einen sehr starken, der mitten durchgebrochen war. Daran hatte man im vorigen Monat einen Wiedertäufer aufgeknüpft.

Die Soldaten machten Halt; die Marketender kamen herzu und verkauften ihnen Brot, Wein, Bier und Fleisch jeglicher Art. Den Dirnen dagegen verkauften sie Zucker, Kapaune, Mandeln und süßes Gebäck. Da Ulenspiegel solches sah, ward er noch hungriger.

Plötzlich kletterte er wie ein Affe auf den Baum und setzte sich rittlings auf den dicken Ast, der sieben Fuß über der Erde war. Dieweil die Soldaten und Dirnen ihn im Kreise umringten, kasteite er sich mit einer Geißel und sprach:

„Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen. Es stehet geschrieben: Welcher den Armen gibt, leihet Gott aus. Soldaten und Ihr, schöne Damen, reizende Liebesgefährtinnen dieser tapferen Krieger, leihet Gott. Das heißt: „Gebet mir Brot, Fleisch, Wein und Bier, so es Euch beliebt. Und nichts für ungut, auch Kuchen; und Gott, der so reich ist, wird es Euch heimzahlen in Bergen von Fettammern, in Strömen von Malvasier, in Haufen von Kandiszucker und Reisbrei, den Ihr im Paradiese mit silbernen Löffeln sollt essen.“

Dann jammerte er: „Sehet Ihr nicht, durch welch grausame Marter ich trachte, meiner Sünden Vergebung zu verdienen? Erleichtert Ihr nicht den brennenden Schmerz dieser Geißel, die mir den Rücken wund und blutig macht?“

„Wer ist dieser Narr?“ sagten die Soldaten.

„Meine Freunde,“ entgegnete Ulenspiegel, „ich bin nicht närrisch, sondern reuevoll und ausgehungert; denn während mein Geist seine Sünden beweint, beweint mein Bauch den Mangel an Fleisch. Ihr glücklichen Soldaten und Ihr schönen Mägdlein, ich sehe da bei Euch fetten Schinken, Gans, Würste, Wein, Bier und Kuchen. Wolltet Ihr dem Pilger nichts geben?“

„Ja, ja,“ sagten die vlämischen Soldaten, „er hat ein gutes Gesicht, dieser Prediger.“

Und alle warfen ihm Bissen zu wie Bälle. Ulenspiegel hörte nicht auf zu reden und aß, auf dem Aste reitend.

„Der Hunger“, sprach er, „macht den Menschen hart und zum Gebet untauglich, aber der Schinken verscheucht sogleich diese üble Laune“.

„Achtung, der Kopf wird gespalten“, rief ein Feldwaibel und warf ihm eine halbvolle Flasche zu.

Ulenspiegel fing sie im Fluge auf, trank kleine Schlucke und sprach: „So wie der scharfe, wütende Hunger für den elenden Körper des Menschen ein schädlich Ding ist, so gibt es noch ein anderes nicht minder verderbliches Ding. Was ist die Angst eines armen Pilgers, welchem hochherzige Soldaten eine Schnitte Schinken und eine Flasche Bier gegeben haben? Denn der Pilger ist gemeiniglich nüchtern, und so er mit so geringer Nahrung im Magen tränke, würde er flugs trunken sein.“

Wie er so sprach, fing er abermals im Flug eine Gänsekäule auf.

„Das ist ein wundersam Ding,“ sagte er, „in der Luft Wiesenfische zu fischen. Doch dieser ist mitsamt dem Beine verschwunden. Was ist gieriger als trockner Sand? Ein unfruchtbar Weib und ein ausgehungerter Magen.“

Plötzlich fühlte er, daß eine Hellebardenspitze ihn ins Gesäß stach. Und er hörte einen Fähndrich sagen:

„Verschmähen die Pilger jetzo eine Hammelkeule?“

Ulenspiegel sah eine große Hammelkeule auf die Spitze der Hellebarde gespießt. Er nahm sie und sagte:

„Keule gegen Keule: diese ist mir lieber als der Keulenärmel an meinem Wams. Ich werde eine Markflöte daraus machen, um Dein Loblied zu singen, Du barmherziger Hellebardier. Jedoch,“ sagte er, die Keule benagend, „was ist eine Mahlzeit ohne Nachtisch? Was ist eine Keule, so saftig sie auch sei, wenn dem Pilger hernach nicht ein Stück Kuchen lächelt?“

So sprechend, faßte er mit der Hand nach dem Gesicht, denn zwei Kuchen, so aus der Schar der losen Jungfrauen kamen, waren einer auf seinem Auge, der andere auf seiner Wange zerquetscht. Und die Mädchen lachten und Ulenspiegel antwortete:

„Großen Dank, Ihr herzigen Mägdlein, daß Ihr mir den Ritterschlag mit Zuckerbrot gebet.“

Aber die Kuchen waren zu Boden gefallen.

Plötzlich erdröhnten die Trommeln, die Pfeifen gellten und die Soldaten marschierten davon. Herr von Beauvoir hieß Ulenspiegel von seinem Baume herabsteigen und neben dem Kriegervolk einherziehen, von dem er hundert Meilen hätte fern sein mögen. Denn er witterte aus den Worten etlicher finster dreinschauender Kriegsknechte, daß er ihnen verdächtig sei und daß sie ihn alsbald für einen Spion nehmen, ihn durchsuchen und aufknüpfen würden, wenn sie seine Sendschreiben fänden.

Drum ließ er sich in einen Graben fallen und schrie:

„Erbarmen, Ihr Herren Soldaten, ich habe das Bein gebrochen, ich könnte nicht mehr gehen, lasset mich in den Wagen der Mädchen steigen.“

Aber er wußte, daß der eifersüchtige Waibel es ihm nicht verstatten würde.

Die aus dem Wagen riefen ihm zu:

„Wohlan, komm doch, artiger Pilger, komm. Wir wollen Dich lieben, herzen, bewirten und Dich an einem Tage heilen.“

„Ich weiß es,“ sagte er, „Frauenhände sind ein göttlicher Balsam für alle Wunden.“

Aber der eifersüchtige Waibel sprach zu Herrn von Lamotte:

„Euer Gnaden, ich glaube, dieser Pilger hat uns mit seinem gebrochenen Beine zum besten, um in den Wagen der Dirnen zu steigen. Befehlet, daß man ihn auf dem Wege zurücklasse.“

„Das will ich,“ antwortete Herr von Lamotte.

Und Ulenspiegel ward in dem Graben gelassen.

Etliche Soldaten glaubten, daß er wahrhaftig das Bein gebrochen habe, und waren betrübt darüber, maßen er ein so fröhlicher Gesell war. Sie ließen ihm Fleisch und Wein für zwei Tage. Die Mädchen wären ihm gerne zu Hilfe gekommen, aber da sie es nicht vermochten, warfen sie ihm alles zu, was ihnen von den Hühnern geblieben war.

Da das Kriegsvolk sich verzogen hatte, lief Ulenspiegel in seinem Pilgerkleid querfeldein, kaufte sich ein Pferd und kam auf Wegen und Stegen wie der Wind nach Herzogenbusch.

Bei der Kunde von der Ankunft der Herren von Beauvoir und von Lamotte waffneten sich die aus der Stadt, achthundert Mann hoch, wählten Hauptleute und sandten Ulenspiegel als Kohlenträger verkleidet nach Antwerpen, um Hilfe von Brederode, dem herkulischen Zecher zu holen.

Und die Herren von Lamotte und von Beauvoir fanden Herzogenbusch, die wachsame Stadt, zu kühner Abwehr bereit und konnten nicht eindringen.

Im folgenden Mond gab ein gewisser Doktor Agileus Ulenspiegel zwei Gülden und Briefe, mit denen er sich zu Simon Praet begeben sollte; der würde ihm sagen, was er tun sollte.

Ulenspiegel fand bei Praet Kost und Obdach. Sein Schlaf war gut und gut war auch sein jugendlich blühendes Antlitz. Praet hingegen war schwächlich und von kläglichem Aussehen und schien immer in traurigen Gedanken befangen. Ulenspiegel verwunderte sich des Nachts, wenn er von Ohngefähr erwachte und hämmern hörte.

So zeitig er aufstand, Simon Praet war vor ihm auf und sein Aussehen war noch kläglicher und seine Blicke noch trauriger. Sie erglänzten wie die eines Mannes, der sich auf den Tod oder die Schlacht bereitet.

Oft seufzete Praet, die Hände zum Beten gefaltet, und allezeit schien er voller Grimm. Seine Finger waren schwarz und schmierig, desgleichen seine Arme und seine Hand.

Ulenspiegel beschloß zu erfahren, woher das Hämmern, die schwarzen Arme und Praets Trübsinn kämen.

Eines Abends, da er in Simons Gesellschaft, der wider Willen dort weilte, in der Schenke zur „Blauen Gans“ gewesen war, stellte er sich als ob er so viel getrunken und solch einen Rausch im Kopf hätte, daß er ihn stracks auf das Kissen hinlegen müßte. Und Praet führte ihn traurig nach Hause.

Ulenspiegel schlief auf dem Boden bei den Katzen; Simons Bett war unten beim Keller.

Ulenspiegel stellte sich fürderhin trunken, stieg taumelnd die Stiege hinauf, tat, als ob er fiele, und hielt sich am Strick fest. Simon half ihm mit zärtlicher Sorgfalt wie ein Bruder. Nachdem er ihn zu Bett gebracht, ob seiner Trunkenheit bedauert und Gott gebeten hatte, sie ihm zu verzeihen, ging er hinunter, und alsbald vernahm Ulenspiegel die nämlichen Hammerschläge, die ihn manches Mal geweckt hatten.

Er stand geräuschlos auf, stieg barfuß die schmale Stiege hinunter, also daß er sich nach zweiundsiebenzig Stufen vor einer niederen Tür befand, durch deren Spalte ein schwacher Lichtschein drang. Simon druckte Flugblätter mit alten Lettern aus der Zeit von Laurens Costers, dem großen Verbreiter der edlen Buchdruckerkunst. „Was machst Du da?“ fragte Ulenspiegel.

Simon antwortete erschrocken:

„Wenn Du des Teufels bist, zeige mich an, auf daß ich sterbe. Bist Du aber Gottes, so sei Dein Mund Deiner Zunge Kerker.“

„Ich bin Gottes,“ antwortete Ulenspiegel, „und will Dir nichts Übles tun. Was tust Du da?“

„Ich drucke Bibeln,“ antwortete Simon. „Denn wenn ich über Tag, um mein Weib und meine Kinder zu ernähren, die grausamen und schlechten Edikte Seiner Majestät veröffentliche, so säe ich nachts das wahrhaftige Wort Gottes aus und mache so das Übel wieder gut, das ich am Tage tue.“

„Du bist tapfer,“ sagte Ulenspiegel.

„Ich bin im Glauben,“ entgegnete Simon.

Und wahrlich, aus dieser frommen Druckerei gingen Bibeln in vlämischer Sprache hervor, so sich in den Ländern Brabant, Flandern, Holland, Seeland, Utrecht, Nord-Brabant, Ober-Yssel und Gelderland verbreiteten, bis an den Tag, wo Simon verurteilt wurde, geköpft zu werden, und also sein Leben für Christum und die Gerechtigkeit vollendete.

Eines Tages sagte Simon zu Ulenspiegel:

„Höre, Bruder, hast Du Mut?“

„Ich habe soviel, wie nötig ist, um einen Spanier zu peitschen, bis daß der Tod erfolgt, einen Meuchelmörder zu töten und einem Totschläger das Leben zu nehmen,“ entgegnete Ulenspiegel.

„Vermöchtest Du geduldig in einem Kamin auszuharren und zu horchen, was in einem Gemache gesprochen wird?“ fragte der Drucker.

Ulenspiegel antwortete: „Da ich durch Gottes Gnade ein starkes Kreuz und geschmeidige Kniekehlen habe, so könnte ich mich wie eine Katze lange festhalten, wo ich wollte.“

„Hast Du Geduld und Gedächtnis?“ fragte Simon.

„Klasens Asche brennt auf meiner Brust“, entgegnete Ulenspiegel.

„Höre denn,“ sagte der Buchdrucker. „Du wirst diese also gefaltete Spielkarte nehmen, nach Dendermonde gehen und allda zweimal stark und einmal leise an die Türe des Hauses pochen, dessen Abbild hier gezeichnet ist. Jemand wird Dir öffnen und Dich fragen, ob Du der Kaminkehrer bist. Du antwortest, daß Du mager bist, und daß Du die Karte nicht verloren hast. Du zeigst sie ihm. Alsdann, Thyl, wirst Du tun, was sein muß. Großes Unheil schwebt über dem Lande Flandern. Man wird Dir einen Kamin zeigen, der schon im voraus zugerichtet und gekehrt ist. Du wirst darin gute Krampen für Deine Füße und als Sitz ein kleines, sicher befestigtes Brett finden. Wenn der, welcher Dir aufgemacht hat, Dich heißen wird, in den Kamin zu steigen, wirst Du es tun und Dich ruhig darin verhalten. Erlauchte Herren werden sich in dem Gemache vor dem Kamin, in dem Du sein wirst, vereinigen. Es sind Wilhelm der Schweiger, Prinz von Oranien, die Grafen von Egmont, von Hoorn, von Hoogstraten und Ludwig von Nassau, der wackere Bruder des Schweigers. Wir Reformierten wollen wissen, was diese Herren unternehmen wollen und können, um die Lande zu retten.“

Es war aber am ersten Tage des Ostermonds, daß Ulenspiegel tat, wie ihm geheißen war, und sich in den Kamin setzte. Er war es zufrieden, daß kein Feuer darinnen war, denn er gedachte, wenn kein Rauch da wäre, würde sein Gehör um so schärfer sein.

Alsbald öffnete sich die Türe des Saales und ein Windstoß ging ihm durch und durch. Aber er nahm diesen Wind in Geduld hin und sagte sich, daß er seine Aufmerksamkeit auffrischen würde. Darnach hörte er die Herren von Oranien, Egmont und die anderen in das Gemach treten. Sie begannen zu reden: von den Befürchtungen, die sie hatten, vom Zorne des Königs und der schlechten Verwaltung der Gelder und Finanzen. Einer sprach in hellem, bittrem, hoffärtigem Tone, das war Egmont. Ulenspiegel erkannte ihn wieder, desgleichen Hoogstraten an seiner heiseren Stimme, von Hoorn an seiner lauten Stimme, den Grafen Ludwig von Nassau an seinem derben, kriegerischen Ton, und den Schweiger daran, daß er alle seine Worte langsam aussprach, als wöge er ein jegliches auf einer Wage.

Graf Egmont fragte, warum man sie zum andern Male zusammen riefe, maßen sie in Hellegat Muße gehabt hätten, sich zu entscheiden, was sie tun wollten.

Von Hoorn antwortete:

„Die Zeit entfleucht; der König ist zornig; hüten wir uns zu zaudern.“

Da sagte der Schweiger:

„Die Lande sind bedroht; man muß sie vor dem Angriff eines fremden Heeres schirmen.“

Egmont entgegnete aufbrausend, es verwunderte ihn, daß der Herr und König sich bemüßigt fühlte, ein Heer zu entsenden, nun, da durch der Herren Fürsorge, in Sonderheit die seine, alles beruhigt sei.

Doch der Schweiger versetzte:

„Philipp hat in den Niederlanden vierzehn Haufen Kriegsvolk, und ein jeder Soldat hält zu Dem, der bei Saint-Quentin und bei Gravelingen befehligte.“

„Ich verstehe nicht,“ sprach Egmont.

Der Prinz erwiderte: „Ich will nicht mehr sagen, doch es sollen Euch und den versammelten Herren gewisse Briefe verlesen werden, mit denen des armen Gefangenen Montigny anfangend.“

In diesen Briefen schrieb Herr von Montigny:

„Der König ist höchlichst erzürnt ob der Geschehnisse in den Niederlanden, und er wird die Begünstiger der Unruhen zur gegebenen Zeit strafen.“

Worauf Graf Egmont sagte, daß es ihn fröre und daß man gut täte, ein starkes Holzfeuer anzulegen. Solches geschah, dieweil die beiden Herren über die Briefe sprachen. Aber das Feuer wollte nicht brennen, aus Ursach des allzu großen Pfropfens, der im Kamin war, und das Gemach wurde voll Rauch.

Hustend verlas Graf von Hoogstraten alsdann die aufgefangenen Briefe Alavas, des hispanischen Gesandten, die an die Regentin gerichtet waren.

„Der Gesandte“, sagte er, „schreibt, daß alles Unheil, so in den Niederlanden geschehen, das Werk der Drei sei; zu vermelden: der Herren von Oranien, von Egmont und von Hoorn. Man müsse, sagt er, den drei Herren ein freundlich Gesicht zeigen und ihnen sagen, daß der König anerkenne, daß er diese Lande durch ihre Dienste in Botmäßigkeit erhalten. Was aber die beiden, Montigny und de Berghes beträfe, so seien sie da, wo sie bleiben sollten.“

„Ei,“ sagte Ulenspiegel, „mir ist ein rauchiger Kamin im Lande Flandern lieber denn ein kühles Gefängnis im Lande Hispanien; sintemalen zwischen den feuchten Mauern Knebel wachsen!“

„Besagter Gesandte fügt hinzu, daß der König in der Stadt Madrid gesagt habe: „Durch alles, was in den Niederlanden sich zugetragen, ist Unser königliches Ansehen erschüttert, der Gottesdienst erniedrigt, und lieber werden Wir alle Unsere Lande in Gefahr bringen, als eine solche Rebellion ungestraft lassen. Wir sind entschlossen, in höchsteigner Person nach den Niederlanden zu reisen und Papst wie Kaiser um Beistand anzugehen. Unter dem gegenwärtigen Unglück ruht das zukünftige Glück. Wir werden die Niederlande unter Unsre uneingeschränkte Botmäßigkeit zwingen und Staat, Religion und Regierung nach Unserm Belieben ändern.“

„Ha, König Philipp,“ sprach Ulenspiegel zu sich, „so ich Dich nach meiner Art ändern könnte, würdest Du unter meinem vlämischen Knüttel eine gewaltige Veränderung Deiner Schenkel, Arme und Beine erleiden. Ich würde Dir den Kopf mit zwei Nägeln mitten auf den Rücken heften, um zu sehen, ob Du in dem Zustande, wenn Du den Totenacker, den Du hinter Dir lässest, erblickst, auch noch das Lied von der tyrannischen Veränderung singst.“

Es wurde Wein gebracht. Von Hoogstraten erhob sich und sagte:

„Ich trinke auf das Wohl der Lande.“ Alle taten wie er. Er setzte den Humpen leer auf den Tisch und fügte hinzu: „Die böse Stunde schlägt für den belgischen Adel, man muß auf Mittel bedacht sein, sich zu verteidigen.“

Eine Antwort erwartend, blickte er Egmont an, der aber blieb stumm.

Doch der Schweiger sprach: „Wir werden widerstehen, wenn Egmont, der bei Saint-Quentin und Gravelingen zweimal Frankreich erzittern ließ und bei den vlämischen Söldnern unbedingtes Ansehen genießt, uns zu Hilfe kommen und die Spanier hindern will, in unsere Lande zu dringen.“

Herr von Egmont erwiderte:

„Ich habe eine zu ehrerbietige Meinung vom König, um zu glauben, daß wir uns als Rebellen wider ihn wappnen müssen. Mögen die, so seinen Zorn fürchten, sich zurückziehen. Ich werde bleiben, denn ich sehe keine Möglichkeit, mich ohne seine Hilfe zu erhalten.“

„Philipp kann sich grausam rächen,“ sagte der Schweiger.

„Ich habe Vertrauen,“ entgegnete Egmont.

„Den Kopf einbegriffen?“ fragte Ludwig von Nassau.

„Kopf, Körper und Ergebenheit, die sein sind, einbegriffen,“ antwortete Egmont.

„Lieber und Getreuer,“ sagte von Hoorn, „ich werde handeln wie Du.“

Der Schweiger sagte: „Man muß voraussehen und nicht warten.“

Nunmehr redete Herr von Egmont heftig und sprach: „Ich habe zu Grammont zweiundzwanzig Reformierte henken lassen. Wenn die Predigten aufhören, wenn man die Bilderstürmer bestraft, wird des Königs Zorn sich besänftigen.“

Der Schweiger erwiderte: „Es gibt trügerische Hoffnungen.“

„Wappnen wir uns mit Vertrauen,“ sagte Egmont.

„Wappnen wir uns mit Vertrauen,“ sagte von Hoorn.

„Mit Eisen müssen wir uns wappnen und nicht mit Vertrauen,“ entgegnete von Hoogstraten.

Hierauf winkte der Schweiger, zum Zeichen, daß er gehen wolle.

„Gehabt Euch wohl, Prinz ohne Land,“ sagte Egmont.

„Gehabt Euch wohl, Graf ohne Kopf,“ antwortete der Schweiger.

Ludwig von Nassau sagte darauf: „Der Schlächter ist für das Schaf und der Ruhm für den Soldaten, der das Land seiner Väter rettet!“

„Ich kann und will es nicht,“ sagte Egmont.

„Das Blut der Opfer komme über das Haupt des Höflings,“ sagte Ulenspiegel.

Die Herren zogen sich zurück.

Alsbald stieg Ulenspiegel aus seinem Kamin und ging ohne Verzug zu Praet, ihm die Zeitung zu bringen. Der sagte: „Egmont ist ein Verräter; Gott ist mit dem Prinzen.“

Der Herzog, der Herzog in Brüssel! Wo sind eiserne Truhen, die Flügel haben?


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