21

Da Ulenspiegel fünfzehn Jahre alt war, errichtete er in Damm ein Zelt auf vier Pfählen und rief aus, daß von nun an jedermann sein gegenwärtiges und zukünftiges Wesen in einem schönen Rahmen von Stroh dargestellt sehen könne.

Wenn ein Rechtsgelehrter kam, recht dünkelhaft und geschwollen von seiner Bedeutung, steckte Ulenspiegel den Kopf aus dem Rahmen herfür, schnitt eine Fratze wie ein uralter Affe und sprach:

„Alter Muffel kann verfaulen, aber nicht gedeihen. Bin ich nicht trefflich Euer Spiegel, mein Herr mit der Pedantenmiene?“

So er einen kräftigen Kriegsmann zum Kunden hatte, verbarg er sich und zeigte anstelle seines Gesichtes inmitten des Rahmens ein Gericht von Fleisch und Brot. Und sprach:

„Die Schlacht wird Dich zu Suppe machen. Was gibst Du mir für mein Prognostikon, Du Freund der großmäuligen Kartaunen?“

Führte ein alter Mann, der sein greises Haupt ohne Würde trug, sein junges Weib zu Ulenspiegel, so versteckte sich der, wie er bei dem Söldner getan, und zeigte im Rahmen einen kleinen Strauch, daran Messergriffe, Kästlein, Kämme und Schreibzeug hingen, alles aus Horn. Und rief:

„Woher kommt dieser artige Tändelkram, Messire? Ist es nicht vom Hornbaum, welcher im Gehege alter Ehemänner wächst? Wer wird noch sagen, daß die Hahnreie in einer Republik unnütze Leute seien?“

Und Ulenspiegel zeigte sein junges Gesicht neben dem Strauch in dem Rahmen.

Da der alte Mann ihn hörte, hustete er vor männlicher Wut, doch seine Liebste beruhigte ihn mit der Hand und trat lächelnd zu Ulenspiegel.

„Und wirst Du mir auch meinen Spiegel zeigen?“

„Tritt näher“, sprach Ulenspiegel.

Sie gehorchte, und alsobald küßte er sie, wo er konnte.

„In Deinem Spiegel ist stramme Jugend, so in vornehmen Hosenlätzchen wohnt.“

Und die Schöne verließ ihn, nicht ohne ihm ein oder zwei Gülden zu geben.

Dem feisten Mönch mit den wulstigen Lippen, der sein jetziges und zukünftiges Wesen zu sehen begehrte, gab Ulenspiegel also Bescheid:

„Du bist ein Schrank voll Schinken und wirst ein Gewölbe für Würzbier sein, denn Salz heischt Getränke, nicht also, Dickbauch? Gib mir einen Heller dafür, daß ich nicht log.“

„Mein Sohn,“ erwiderte der Mönch, „wir tragen niemals Geld.“

„Dann also trägt das Geld Dich,“ sprach Ulenspiegel, „denn ich weiß, daß Du es zwischen zwei Sohlen unter Deinen Füßen trägst. Gib mir Deine Sandale.“

Doch der Mönch sprach:

„Mein Sohn, das ist Klostergut, ich werde jedoch, wenn es sein muß, zwei Heller für Deine Mühe herausholen.“

Der Mönch gab sie ihm und Ulenspiegel nahm sie gnädiglich an. Also zeigte er den Leuten von Damm, Brügge, Blankenberghe und wohl gar Ostende ihren Zukunftsspiegel.

Und statt in seiner vlämischen Mundart zu sagen. „Ick ben u lieden Spiegel“ — ich bin Euer Liebden Spiegel, sagte er abkürzend, so wie es noch heutigen Tages in Ost- und Westflandern gesagt wird: „Ick ben ulen Spiegel“.

Und daher stammt sein Beiname Ulenspiegel.

Da er größer ward, fand er Gefallen daran, sich auf Messen und Jahrmärkten zu tummeln. Wenn er einen Querpfeifer oder Geigenspieler oder einen Dudelsackpfeifer sah, so ließ er sich um einen Heller die Kunst lehren, diese Instrumenta zum Singen zu bringen.

Er ward sonderlich geschickt in der Kunst, den Rommelpot zu spielen, welches Instrument aus einer Blase, einem Topf und einem starken Strohhalm gemacht wird. Und so richtete er ihn her. Er zog die eingeweichte Blase über den Topf, band sie mit einer Schnur in der Mitte der Blase an den Knoten des Strohhalms, welcher den Boden des Topfes berührte, und um dessen Rand zog er dann die Blase, daß sie bis zum Platzen gespannt war. Am Morgen, wenn die Blase trocken war, gab sie, so man daraufschlug, einen Ton gleich wie ein Tamburin, und strich man das Stroh des Instrumentes, so brummte sie besser denn eine Bratsche. Mit diesem brummenden Topf, der gleich dem Gebell molossischer Hunde war, zog Ulenspiegel am Dreikönigtag vor den Haustüren um und sang Weihnachtslieder mit einer Schar von Kindern, deren eins einen Stern aus güldnem Papier trug.

Kam irgend ein Malermeister nach Damm, um die Glieder einer Gilde, so auf dem Bild niederknieten, zu konterfeien, so bat Ulenspiegel, daß er ihm die Farben reiben dürfte, damit er ihm seine Arbeit absähe, und wollte keinen andern Lohn nehmen denn eine Schnitte Brot, drei Heller und einen Schoppen Kräuterbier. Dieweil er sich mit Farbenreiben abgab, studierte er seines Meisters Weise. Ging jener fort, so versuchte er es ihm gleich zu tun, doch er setzte überall Scharlach hin. Er versuchte Klas, Soetkin, Katheline und Nele abzumalen, desgleichen Kannen und Kochtöpfe. Klas prophezeite beim Anblick seiner Werke, wenn er sich wacker hielte, so würde er eines Tages die Gulden zu Dutzenden verdienen durch Inschriften auf den Speelwaagen, die in Flandern und Seeland zu Lustbarkeiten dienen.

Desgleichen lernte er von einem Meister Steinmetz Holz und Stein schneiden, als dieser kam, um im Chor der Frauenkirche einen Chorstuhl zu zimmern, der so beschaffen war, daß der Dechant, ein alter Mann, sich, wenn nötig, darauf setzen konnte und doch den Anschein hatte, als ob er stünde.

Ulenspiegel schnitzte den ersten Messergriff, dessen sich die Leute von Seeland bedienen. Er machte diesen Griff in Gestalt eines Käfigs; darinnen befand sich ein beweglicher Totenkopf, darüber ein liegender Hund. Diese Wahrzeichen bedeuten: „Getreu bis in den Tod“.

Und also begann Ulenspiegel die Weissagung Kathelines wahr zu machen, dieweil er sich als Maler, Bildschnitzer, Bauer und Edelmann erwies, denn vom Vater auf den Sohn trugen die Klase drei silberne Kannen auf einem Grunde von Braunbier. Doch Ulenspiegel war in keinem Handwerk beständig, und Klas sagte zu ihm, wenn dies Spiel andauerte, so würde er ihn aus der Hütte jagen.

Als der Kaiser vom Kriege heimkehrte, fragte er, warum sein Sohn Philipp nicht gekommen sei, ihn zu begrüßen.

Der Erzbischof, des Infanten Erzieher, gab zur Antwort, daß dieser es nicht gewollt hätte, denn er liebte, so sagte er, nur Bücher und Einsamkeit. Der Kaiser erkundigte sich, wo er zur Stunde weilte. Der Erzieher antwortete, daß man ihn überall suchen müßte, wo es dunkel sei. Und das taten sie.

Nachdem sie eine gute Zahl Säle durchschritten, kamen sie zuletzt zu einer Art Kammer ohne Steinfliesen, die durch eine Dachluke erhellt war. Da sahen sie einen Pfahl in den Boden getrieben und daran eine ganz kleine, zierliche Meerkatze um den Leib angebunden. Die war dereinst von Indien gesandt, um ihn durch ihre jugendliche Kurzweil zu erfreuen. Am Fuße des Pfahles rauchten rot glimmende Holzscheite und in der Kammer war ein ekler Gestank von verbranntem Haar.

Das Tierlein hatte so sehr gelitten, als es in diesem Feuer stak, daß sein kleiner Körper nicht mehr eines Tieres Leib schien, das Leben gehabt, sondern der Überrest einer knorrigen, verzerrten Wurzel. Sein Mund stand offen wie im Todesschrei, man sah blutigen Schaum und das Wasser seiner Tränen benetzte sein Antlitz.

„Wer hat dies getan?“ fragte der Kaiser.

Der Erzieher wagte keine Antwort zu geben und alle beide blieben stumm, traurig und voller Zorn.

Plötzlich drang durch die Stille ein schwaches Husten, welches aus einer dunklen Ecke hinter ihnen kam. Seine Majestät drehte sich um und erblickte dort den Infanten Philipp, welcher ganz schwarz gekleidet war und eine Zitrone aussog.

„Don Philipp,“ sprach er, „komm und begrüße mich.“

Ohne sich zu rühren, sah der Infant ihn mit seinen furchtsamen Augen an, darin keine Liebe war.

„Bist Du es, der dieses Tierlein an diesem Feuer verbrannt hat?“ fragte der Kaiser.

Der Infant senkte den Kopf.

Da sprach der Kaiser:

„Warst Du grausam genug, es zu tun, so sei tapfer genug, es einzugestehen.“

Der Infant gab keine Antwort.

Der Kaiser riß ihm die Zitrone aus der Hand und wollte seinen Sohn schlagen. Der Erzbischof wehrte ihm und sagte ihm ins Ohr:

„Hoheit wird eines Tages ein großer Ketzerverbrenner sein.“

Der Kaiser lächelte und ließ den Infanten mit seiner Meerkatze allein.

Der November war gekommen, der Reifmond, wo sich die Hustenden an der Musik des Ausspeiens ergötzen. Es ist auch der Monat, da die Buben sich haufenweis auf den Rübenfeldern tummeln und plündern, so viel sie vermögen, zum großen Zorne der Bauern, die vergebens mit Knütteln und Forken hinterdreinlaufen.

Eines Tages nun, da Ulenspiegel vom Räubern heimkam, vernahm er nicht weit in einer Zaunecke ein Stöhnen. Er bückte sich und sah auf etlichen Steinen einen Hund liegen.

„Holla,“ sprach er, „kleines jammerndes Vieh, was treibst Du da so spät?“

Dieweil er den Hund streichelte, fühlte er, daß sein Rücken feucht war, und er dachte, daß man ihn hätte ertränken wollen. Er nahm ihn auf den Arm, um ihn wieder zu erwärmen.

Als er ins Haus trat, fragte er:

„Ich bringe einen Verwundeten mit: was soll ich tun?“

„Ihn verbinden“, erwiderte Klas.

Ulenspiegel setzte den Hund auf den Tisch. Da sahen Klas, Soetkin und er bei dem Lichte der Lampe einen kleinen Luxemburgischen Rattenfänger, welcher auf dem Rücken verletzt war. Soetkin wusch die Wunde mit einem Schwamm aus, bestrich sie mit Balsam und umwickelte sie mit Linnen. Ulenspiegel trug das Tier in sein Bett, wiewohl Soetkin es in dem ihren haben wollte. Denn sie fürchtete, sagte sie, Ulenspiegel, der sich damals herumwarf wie ein Teufel in einem Weihwasserbecken, möchte den Hund im Schlafe verletzen.

Doch Ulenspiegel tat, was er wollte, und pflegte seiner so gut, daß der Verwundete binnen sechs Tagen mit der ganzen Selbstgefälligkeit der Köter einherlief.

Und der Schulmeister nannte ihn Titus Bibulus Schnuffius: Titus zur Erinnerung an den guten römischen Kaiser, welcher herrenlose Hunde gern auflas, Bibulus, maßen der Hund das Braunbier gleich wie ein Trunkenbold liebte, und Schnuffius, dieweil er seine Nase ohn Unterlaß in die Löcher der Ratten und Maulwürfe steckte.

Am Ende der Frauengasse standen zwei Weiden am Rand eines tiefen Wassers einander gegenüber. Zwischen beiden zog Ulenspiegel ein Seil, darauf er eines Sonntags Nachmittags nach der Vesper tanzte, und das so gut, daß ihm der ganze Haufe der Müßiggänger mit Hand und Stimme Beifall zollte. Dann stieg er von seinem Seil hinunter und hielt jedermann einen Teller dar, welcher bald mit Gelde gefüllt war. Er aber leerte ihn in Soetkins Schürze und behielt nur eilf Heller für sich.

Am anderen Sonntag wollte er wiederum auf dem Seil tanzen, doch etliche nichtsnutzige Buben, die ihm seine Behendigkeit neideten, hatten einen Schnitt in das Seil gemacht, also daß es nach wenig Sprüngen zerriß und Ulenspiegel ins Wasser fiel.

Dieweil er schwamm, um das Ufer zu gewinnen, schrieen die tapferen kleinen Seilschneider:

„Wie steht es mit Deiner behenden Gesundheit, Ulenspiegel? Willst Du die Karpfen auf dem Grunde des Teichs tanzen lehren, Du unvergleichlicher Tänzer?“

Ulenspiegel stieg aus dem Wasser, schüttelte sich und schrie ihnen zu, denn sie liefen davon, aus Furcht vor Prügel:

„Fürchtet Euch nicht; kommt den nächsten Sonntag wieder, da will ich Euch Künste auf dem Seil zeigen und Ihr sollt Euren Teil am Gewinst haben.“

Am Sonntag darnach hatten die Buben sich wohl gehütet, das Seil durchzuschneiden, und hielten rund herum Wacht, aus Furcht, daß irgend wer daran rührte, denn es war viel Volks zugegen.

Ulenspiegel sprach zu ihnen:

„Gebt mir ein jeglicher einen Eurer Schuhe, und ich wette, ich tanze mit jedem einzelnen, so groß und klein sie auch seien.“

„Was zahlst Du uns, wenn Du verlierst?“ fragten sie ihn.

„Vierzig Kannen Braunbier,“ erwiderte Ulenspiegel, „und Ihr sollt mir drei Heller bezahlen, so ich gewinne.“

„Wohl“, sprachen sie.

Und sie gaben ihm männiglich einen ihrer Schuhe. Ulenspiegel tat sie alle in seine Schürze, und so beladen, tanzte er auf dem Seil, doch nicht ohne Mühe.

Die Seilzerschneider schrieen von unten:

„Du hast gesagt, daß Du mit jedem unserer Schuhe tanzen willst. Zieh sie also an und halte Dein Wort.“

Ulenspiegel tanzte immerfort und antwortete:

„Ich habe nicht gesagt, daß ich Eure Schuhe anziehen will, wohl aber, daß ich mit Ihnen tanzen will. Nun tanz ich und alles tanzt mit mir in meiner Schürze. Seht Ihr es nicht mit Euren weit aufgesperrten Froschaugen? Zahlt mir meine drei Heller.“

Sie aber verhöhnten ihn und schrieen, er solle ihnen ihre Schuhe zurückgeben.

Ulenspiegel warf sie ihnen zu, einen nach dem andren, auf einen Haufen. Darob entstand ein wildes Getümmel, denn keiner von ihnen konnte aus dem Haufen seinen Schuh herausfinden, noch ohne Widerspruch nehmen.

Da stieg Ulenspiegel vom Seil und begoß die Kämpfenden, aber nicht mit klarem Wasser.

Da der Infant fünfzehn Jahre alt war, streifte er nach seiner Gewohnheit durch die Gänge, Treppenflure und Gemächer des Schlosses. Am häufigsten aber sah man ihn um die Gemächer der Damen umherstreifen, um den Pagen einen Schabernack zu spielen, denn sie lagen gleich ihm auf den Fluren wie Katzen auf der Lauer.

Andere, so im Hofe standen, sangen mit der Nase in der Luft ein zärtliches Lied. Wenn der Infant sie hörte, so trat er an ein Fenster und erschreckte die armen Pagen, welche seine bleiche Larve anstatt der zärtlichen Augen ihrer Schönen erblickten.

Unter den Damen des Hofes war eine holdselige Vlämin aus Dudzeele bei Damm, von hübscher Fülle, eine köstliche reife Frucht und wundersam schön; denn sie hatte grüne Augen und rotes Kraushaar, welches in der Sonne wie Gold gleißte. Von heiterer Laune und feurigem Gemüt, verhehlte sie keinem ihre Neigung für den glücklichen Ritter, dem sie auf ihrem schönen Eigentum das himmlische Privilegium freier Liebe verlieh. Zu der Zeit war es ein hochgemuter, schöner Jüngling, den sie liebte. Alle Tage zur besprochenen Stunde traf sie ihn, welches Philipp zu Ohren kam.

Er setzte sich auf eine Bank, die an einem Fenster stand, und spähte nach ihr aus. Sie ging an ihm vorbei in ihrem Staatskleid von gelbem Brokat, das um sie herrauschte, das Auge voll Leben, den Mund halb geöffnet, munter und frisch dem Bade entstiegen. Da sie den Infanten sah, sagte er zu ihr, ohne sich von seiner Bank zu erheben:

„Señora, könntet Ihr nicht einen Augenblick verweilen?“

Ungeduldig wie eine Stute, die zu dem schönen Hengst rennen will, der auf der Wiese wiehert, und im vollen Lauf aufgehalten wird, sprach sie:

„Hoheit, ein jeder muß hier Eurem fürstlichen Willen gehorchen.“

„Setzet Euch neben mich“, sprach er. Und dieweil er sie lüstern, hart und verschlagen anblickte, fuhr er fort: „Sagt mir das Paternoster auf vlämisch her; man hat es mich gelehrt, doch ich habe es vergessen.“

Die arme Dame mußte also ein Pater hersagen, und er hieß sie es langsamer zu sprechen. Und so zwang er die Ärmste, an die zehn Gebete zu sprechen, wo sie die Stunde für andre Oremus gekommen wähnte. Darnach lobte er sie, sprach von ihren schönen Haaren, ihren lebhaften Farben, ihren hellen Augen. Doch er wagte nicht, ihr etwas über ihre vollen Schultern, ihren runden Busen, noch über andere Dinge zu sagen.

Wie sie nun wähnte, sich beurlauben zu dürfen, und schon in den Hof blickte, wo gewißlich ihr Ritter harrte, forschte er sie aus, ob sie auch wisse, welches die Tugenden der Frau seien. Da sie keinen Bescheid gab, aus Furcht, nicht das rechte zu treffen, sprach er für sie und sagte wie ein Vormund:

„Frauentugenden sind Keuschheit, Sorge um die Ehre und ein sittiges Leben.“

Auch riet er ihr, sich ziemlich zu kleiden, und alles, was ihr zu eigen gehörte, wohl zu verbergen.

Sie nickte bejahend mit dem Kopf und sagte, daß sie sich für seine Allernördlichste Hoheit lieber mit zehn Bärenfellen, denn mit einer Elle Musselin bedecken würde.

Da sie ihn durch diese Antwort verdutzt gemacht hatte, entwich sie mit Freuden.

Jedoch das Feuer der Jugend war auch in der Brust des Infanten entzündet; aber es war nicht das rasche Feuer, das die starken Seelen zu hohen Taten treibt, noch die sanfte Glut, die zärtlichen Herzen Tränen entlockt. Es war eine düstere Lohe, der Hölle entstiegen, allwo sie sonder Zweifel Satan entfacht hatte. Sie glänzte in seinen grauen Augen wie im Winter der Mond auf einem Beinhaus, und brannte ihn grausam.

Da er keine Liebe für die Anderen fühlte, der arme Duckmäuser, wagte er nicht, sich den Damen anzubieten. Dann ging er in einen abgelegenen Winkel, eine kleine, weiß getünchte Kammer, die durch schmale Fenster erleuchtet war, allwo er sein Naschwerk zu verspeisen pflegte. Und die Fliegen kamen in Haufen dorthin um der Krumen willen. Dort liebkoste er sich selbst und zerquetschte ihnen langsam den Kopf an den Scheiben, und tötete sie zu Hunderten, bis seine Finger zu stark zitterten, um sein blutiges Geschäft fortzusetzen. Und er fand eine widrige Lust an dieser grausamen Kurzweil; denn Wollust und Grausamkeit sind zwei schändliche Schwestern. Und er verließ diesen Winkel trauriger denn zuvor, und Männlein und Weiblein flohen, wo sie es vermochten, das Antlitz dieses Prinzen, das so bleich war, als hätte er sich von Wundpilzen genährt.

Und der klägliche Prinz litt, denn böses Herz bringt Schmerz.

Die schöne holdselige Frau verließ eines Tages Valladolid, um nach ihrem Schlosse Dudzeele in Flandern zu reisen. Da sie nun, von ihrem fetten Kellermeister gefolgt, durch Damm kam, sah sie einen jungen Burschen von fünfzehn Jahren an der Mauer einer Hütte sitzen und den Dudelsack spielen. Vor ihm stand ein rotbrauner Hund, welcher diese Musik nicht liebte und melancholisch heulte. Die Sonne schien hell. Neben dem jungen Gesellen stand ein artig Mägdlein und lachte bei jeglichem Klaggeheul des Hundes.

Da die schöne Dame und der Kellermeister an der Hütte vorbei kamen, betrachteten sie den blasenden Ulenspiegel, die lachende Nele und den heulenden Titus Bibulus Schnuffius.

„Du böser Bube,“ sprach die Dame zu Ulenspiegel, „könntest Du nicht aufhören, diesen armen Hund also zum Heulen zu bringen?“ Aber Ulenspiegel schaute sie an und blies seinen Dudelsack noch tapferer. Und Bibulus Schnuffius heulte noch melancholischer, und Nele lachte noch lauter.

Der Kellermeister geriet in Zorn und sagte zu der Dame, auf Ulenspiegel weisend:

„Wenn ich diese Bettelbrut mit meiner Degenscheide durchfuchtelte, so würde sie aufhören, solch unverschämten Lärm zu machen.“

Ulenspiegel schaute den Kellermeister an, nannte ihn ob seines Bauches Jan Fressack und fuhr fort, auf seinem Dudelsack zu blasen. Der Kellermeister trat auf ihn zu und bedrohte ihn mit der Faust; aber Bibulus Schnuffius stürzte auf ihn los und biß ihm ins Bein. Der Kellermeister fiel vor Angst nieder und schrie:

„Zu Hilfe!“

Lächelnd sprach die Dame zu Ulenspiegel:

„Könntest Du mir nicht sagen, Dudelsackpfeifer, ob der Weg, der von Damm nach Dudzeele führt, nicht verändert ist?“

Ulenspiegel schüttelte den Kopf, ohne im Spielen aufzuhören, und schaute die Dame an.

„Was hast Du, mich so anzustaunen?“ fragte sie.

Doch er, immerdar weiterspielend, riß die Augen auf, als ob er vor Bewunderung schier verzückt wäre.

Sie sprach zu ihm:

„Schämst Du Dich nicht, so jung Du bist, die Damen also anzugaffen?“

Ulenspiegel ward ein wenig rot, blies weiter und sah sie noch mehr an.

„Ich fragte Dich,“ hub sie abermals an, „ob der Weg, der von Damm nach Dudzeele führt, nicht verändert ist?“

„Er grünt nicht mehr, seit Ihr ihn des Glückes beraubt, Euch zu tragen“, erwiderte Ulenspiegel.

„Willst Du mich führen?“ fragte die Dame.

Doch Ulenspiegel blieb sitzen und betrachtete sie unverwandt. Und ob sie ihn gleich als Schalk erkannte, wußte sie, daß sein Spiel nichts als Jugend war, und verzieh ihm gerne. Er erhob sich und wollte ins Haus gehen.

„Wohin gehst Du?“ fragte sie.

„Meine Sonntagskleider anlegen“, erwiderte er.

„Geh“, sagte die Dame.

Alsdann setzte sie sich auf die Bank neben der Schwelle, und der Kellermeister tat wie sie. Sie wollte mit Nele sprechen, die aber antwortete ihr nicht, denn sie war eifersüchtig.

Ulenspiegel kehrte wohlgewaschen und in Barchend gekleidet zurück. Er sah schmuck aus in seinem Sonntagsstaat, der Bursche.

„Gehst Du wirklich mit dieser schönen Dame?“ fragte ihn Nele.

„Ich komme bald wieder“, antwortete Ulenspiegel.

„Soll ich an Deiner statt gehen?“ fragte Nele.

„Nein,“ sprach er, „die Wege sind schmutzig“.

„Mägdlein,“ sprach die Dame erzürnt und gleichfalls eifersüchtig, „warum willst Du ihn hindern, mit mir zu gehen?“

Nele gab ihr keine Antwort, doch große Tränen entquollen ihren Augen, und voll Zorn und Harm sah sie die schöne Dame an. Sie machten sich ihrer Vier auf den Weg, die Dame gleich einer Königin auf ihrem weißen, mit schwarzem Sammet gezäumten Zelter, der Kellermeister, dem der Bauch im Wandern wackelte, Ulenspiegel, der den Zelter der Dame am Zügel führte, und Bibulus Schnuffius, der ihm zur Seite schritt und den Schwanz stets in der Luft trug.

Also ritten und wanderten sie eine Weile, doch Ulenspiegel war nicht guter Dinge. Stumm wie ein Fisch zog er den feinen Benzoeduft ein, der von der Dame ausging, maß von der Seite all ihre schönen Nesteln, seltenen Kleinodien und Zierarten, desgleichen ihr holdes Angesicht, ihre glänzenden Augen, ihre bloße Brust und die Haare, die in der Sonne gleich einer Goldhaube schimmerten.

„Weshalb bist Du so wortkarg, Bube?“ fragte sie.

Er gab keine Antwort.

„Du hast doch nicht so ganz die Zunge in den Schuhen stecken, daß Du mir nicht eine Botschaft ausrichten könntest?“

„Laßt hören“.

„Du mußt mich hier lassen und nach Koolkerke gehen, nach der Leeseite, und einem Edelmann, welcher halb schwarz und halb rot gekleidet ist, bestellen, er möge mich heut nicht erwarten. Doch am Sonntag um zehn Uhr Nachts, da soll er durch das Ausfallspförtchen in mein Schloß kommen“.

„Ich werde nicht gehen“, sprach Ulenspiegel.

„Warum nicht?“ fragte die Dame.

„Nein, ich gehe nicht“, sagte Ulenspiegel zum andren Mal.

Die Dame sprach zu ihm:

„Du kleiner zorniger Hahn, was flößt Dir solchen trotzigen Willen ein?“

„Ich werde nicht gehen“, sprach Ulenspiegel.

„Wenn ich Dir einen Gülden gäbe?“

„Nein“.

„Einen Dukaten?“

„Nein“.

„Einen Karolustaler?“

„Nein“, sagte Ulenspiegel abermals. „Und dennoch“, fügte er mit Seufzen hinzu, „hätt’ ich ihn lieber denn eine Muschelschale in meiner Mutter Geldkatze“.

Die Dame lächelte, dann rief sie mit einem Male:

„Ich habe meine schöne und kostbare Gürteltasche verloren, aus starrer Seide und mit feinen Perlen bestickt. In Damm hing sie noch an meinem Gürtel.“

Ulenspiegel rührte sich nicht, doch der Kellermeister trat herzu.

„Herrin,“ so sprach er, „schickt nicht diesen jungen Spitzbuben auf die Suche danach, denn Ihr sähet ihn niemals wieder“.

„Und wer wird also gehen?“

„Ich,“ antwortete er, „meinen hohen Jahren zum Trotz.“ Und er ging von dannen.

Es läutete Mittag, die Hitze war groß, tief die Einsamkeit. Ulenspiegel sagte kein Wörtlein, doch er zog sein neues Wams aus, auf daß sich die Dame im Schatten einer Linde setzen könnte, ohne die Kühle des Grases zu fürchten. Er aber blieb seufzend neben ihr stehen.

Sie blickte ihn an, und es erbarmte sie des schüchternen Knaben. Sie fragte ihn, ob er es nicht müde sei, so auf seinen allzu jungen Beinen zu stehen. Er erwiderte kein Wörtlein, und als er sich neben sie niederfallen ließ, wollte sie ihn auffangen und zog ihn auf ihre nackte Brust; da blieb er so gern liegen, daß sie vermeint hätte, die Sünde der Grausamkeit zu begehen, wenn sie ihm ein ander Schlummerkissen angewiesen hätte.

Indeß der Kellermeister kam zurück und vermeldete, er habe die Gürteltasche nicht gefunden.

„Ich fand sie selbst wieder,“ entgegnete die Dame, „da ich vom Pferde stieg, denn wie ich sie loshakte, war sie am Steigbügel hangen geblieben. Jetzo geleite uns nach Dudzeele,“ gebot sie Ulenspiegel, „und sage mir, wie du heißest“.

„Mein Schutzpatron ist der heilige Herr Thylbert, das bedeutet, leichtfüßig, um den guten Dingen nachzulaufen. Mein Vater heißt Klas und mich heißen sie Ulenspiegel. So Ihr Euch in meinem Spiegel betrachten wollt, werdet Ihr merken, daß in diesem ganzen Lande Flandern keine Blume von so blendender Schönheit ist wie Eure duftende Anmut“.

Die Dame errötete vor Vergnügen und war Ulenspiegel nicht gram.

Und Soetkin und Nele weinten ob seines langen Verweilens.

Da Ulenspiegel von Dudzeele heimkehrte, sah er vor der Stadt Nele an einem Zaun lehnen. Sie pflückte von einer blauen Weintraube die Beeren ab und biß eine nach der andern durch. Sonder Zweifel war ihr solches eine Erfrischung und Ergötzung, doch sie ließ kein Vergnügen erkennen. Sie schaute im Gegenteil bös drein und riß die Beeren zornig von der Traube. Sie war so voller Harm und hatte solch betrübtes, trauriges und holdseliges Antlitz, daß Ulenspiegel von verliebtem Mitleid erfaßt ward. Er trat vergnügt hinter sie und gab ihr einen Kuß auf den Nacken. Sie aber verabreichte ihm als Gegengabe eine tüchtige Maulschelle.

„Ich sehe darum nicht klarer“, sprach Ulenspiegel.

Sie weinte und schluchzte.

„Nele,“ sprach er, „willst Du jetzo Springbrunnen am Eingang der Dörfer errichten?“

„Geh Deiner Wege“, gebot sie.

„Ich kann doch nicht gehen, wenn Du also weinst, Liebchen.“

„Ich bin kein Liebchen und ich weine nicht“, sprach Nele.

„Nein, Du weinst nicht, doch es kommt gleichwohl Wasser aus Deinen Augen.“

„Willst Du wohl fortgehen?“

„Nein,“ sprach er.

Derweil faßte sie ihre Schürze mit ihren zitternden Händlein und zerriß sie in Fetzen, und Tränen flossen darauf und benetzten sie.

„Nele,“ fragte Ulenspiegel, „wird bald schön Wetter?“

Und er blickte sie mit gar verliebtem Lächeln an.

„Warum fragst Du mich also?“ sprach sie.

„Weil, wenn es schön ist, es nicht regnet.“

„Geh fort zu Deiner schönen Dame im Brokatkleid, die hast Du ja genugsam zum Lachen gebracht.“

Da sang Ulenspiegel:

„Seh’ ich mein Liebchen weinen,Zerreißt es mir das Herz.Ist Honig, wenn sie scherzt,Sind Perlen ihre Tränen.Ich lieb’ sie alleweilUnd spend’ uns einen TrunkVom guten Wein von Löwen,Wenn Nele lächeln will.“

„Seh’ ich mein Liebchen weinen,Zerreißt es mir das Herz.Ist Honig, wenn sie scherzt,Sind Perlen ihre Tränen.Ich lieb’ sie alleweilUnd spend’ uns einen TrunkVom guten Wein von Löwen,Wenn Nele lächeln will.“

„Seh’ ich mein Liebchen weinen,Zerreißt es mir das Herz.Ist Honig, wenn sie scherzt,Sind Perlen ihre Tränen.Ich lieb’ sie alleweilUnd spend’ uns einen TrunkVom guten Wein von Löwen,Wenn Nele lächeln will.“

„Seh’ ich mein Liebchen weinen,

Zerreißt es mir das Herz.

Ist Honig, wenn sie scherzt,

Sind Perlen ihre Tränen.

Ich lieb’ sie alleweil

Und spend’ uns einen Trunk

Vom guten Wein von Löwen,

Wenn Nele lächeln will.“

„Schlechter Mann, Du spottest mein noch!“

„Nele,“ sprach Ulenspiegel, „ich bin ein Mann, doch kein schlechter Bürgerlicher, denn unser edles Geschlecht aus Schöffenstand hat drei silberne Kannen auf einem Grunde von Braunbier. Nele, ist’s wahr, daß man im Lande Flandern, wenn man Küsse säet, Maulschellen erntet?“

„Ich will Dir nicht Rede stehen,“ sprach Nele.

„Warum öffnest Du alsdann den Mund, es mir zu sagen?“

„Ich bin bös“, sprach sie.

Ulenspiegel gab ihr einen leichten Schlag in den Rücken und sagte:

„Küßt die Magd, so schlägt sie Euch, schlagt die Magd, so salbt sie Euch. Salbe mich also Liebchen, da ich Dich schlug.“

Nele wandte sich um. Er tat die Arme auf, und sie warf sich, noch weinend, hinein und sprach:

„Du gehst nimmer mehr dorthin, nicht wahr, Thyl?“

Doch er gab keine Antwort, denn er mußte ihre armen zitternden Finger drücken und mit seinen Lippen ihre heißen Zähren abtrocknen, welche gleich den großen Tropfen eines Gewitterregens aus Neles Augen fielen.

Zur nämlichen Zeit weigerte Gent, die Edle, ihre Beisteuer zu der Hilfe, die ihr Sohn Karl, der Kaiser, von ihr heischte. Sie vermochte es nicht, denn sie war durch Karls Schuld von Geld entblößt. Das war eine große Missetat, und er beschloß bei sich, selbst zu gehen, um sie zu züchtigen. Denn der Stock eines Sohnes bereitet dem Rücken der Mutter mehr Schmerz denn jeglicher andre.

König Franz mit der langen Nase, sein Feind, bot ihm an, durch das Land Frankreich zu reisen. Solches tat Karl, und anstatt dorten als Gefangener festgehalten zu werden, ward er kaiserlich gefeiert und auf Händen getragen. Denn es ist ein fürstliches Übereinkommen, sich gegen die Völker beizustehen.

Karl verweilte lange Zeit in Valenciennes, ohne irgend ein Zeichen des Unwillens zu geben. Gent, seine Mutter, lebte ohne Furcht in dem Glauben, der Kaiser, ihr Sohn, würde ihr verzeihen, daß sie nach Recht und Sitte gehandelt hatte.

Karl rückte mit viertausend Mann unter die Mauern der Stadt. Alba begleitete ihn, desgleichen der Prinz von Oranien. Das niedre Volk und die kleinen Gewerke hätten gern diesen Einzug des Sohnes gehindert und die achtzigtausend Mann aus der Stadt und vom Land aufgebracht; die Reichen aber, Hoogporters genannt, widersetzten sich dem aus Furcht vor der Übermacht des Volkes. Dennoch hätte Gent solcherart seinen Sohn mitsamt seinen viertausend Pferden in Stücke hacken können. Doch die Stadt liebte ihn, und selbst die kleinen Gewerke hatten wieder Vertrauen gefaßt. Auch Karl liebte sie, doch um des Geldes willen, das er von ihr in seinen Truhen hatte und von dem er noch ein Übriges begehrte.

Da er sich zum Herrn von Gent gemacht hatte, stellte er allerorten Posten auf und ließ bei Tag und Nacht Ronden durch die Stadt streifen. Alsdann sprach er mit großem Pomp ihr Urteil.

Die vornehmsten Bürger sollten mit dem Strick um den Hals vor seinen Thron treten und Abbitte tun. Gent ward der einträglichsten Verbrechen bezichtigt, als da sind: Untreue, Vertragsbruch, Ungehorsam, Aufstand, Rebellion und Majestätsbeleidigung. Der Kaiser erklärte jegliche Rechte, Privilegien, Freiheiten, Satzungen und Bräuche für abgeschafft. Die Zukunft bindend, gleich als wäre er der Herrgott selbst, setzte er fest, daß von nun an seine Nachfolger, wann sie zur Herrschaft gelangten, schwören sollten, nichts zu beobachten, es sei denn die Karolinische Konzession der Abhängigkeit, die er der Stadt auferlegt.

Er hieß die Abtei von Sankt Baro dem Erdboden gleichmachen, um dort eine Feste zu errichten, von wo er nach Lust die Brust seiner Mutter mit Kugeln durchbohren konnte. Als guter Sohn, dem es eilte zu erben, ließ er alles Vermögen von Gent einziehen: Einkünfte, Häuser, Geschütze und Kriegsmunition. Da er die Stadt allzuwohl verwahrt fand, ließ er den Roten Turm, den Krötenturm, die Braamport, Steenpoort, Waalpoort, Ketelpoort niederreißen, und viele andre, so wie Kleinodien aus Stein gebildet waren.

Wenn nachmals Fremde nach Gent kamen, sprachen sie unter einander: „Was ist diese Stadt flach und öde, von der man Wunders viel gesagt.“

Und die von Gent antworteten: „Kaiser Karl hat der Stadt ihren kostbaren Gürtel genommen.“

Und wenn sie so sprachen, waren sie voll Schmerz und Grimm. Und aus den Trümmern der Tore nahm der Kaiser Ziegelsteine für seine Festen.

Er wollte, daß Gent arm wäre, denn solchermaßen würde es weder durch Arbeit und Gewerbfleiß noch durch Geld seinen hochfahrenden Plänen widerstehen können. Er verurteilte also die Stadt, den verweigerten Anteil zur Beihilfe mit vierhunderttausend Goldgülden zu zahlen und des Mehreren hundert und fünfzigtausend Karolus einmal zu zahlen, dazu alljährlich sechstausend an fortlaufenden Zinsen. Sie hatte ihm Geld dargeliehen, und er schuldete ihr dafür einen Zins von hundertundfünfzigtausend Gülden vlämisch. Er ließ sich mit Gewalt die Schuldurkunden zurückgeben, und indem er also seine Schuld beglich, bereicherte er sich erklecklich.

Gent hatte ihn geliebt und ihm zu vielen Malen geholfen, doch er stieß ihm einen Dolch in die Brust und suchte Blut, dieweil er nicht Milch genug darinnen fand.

Darnach richtete er den Blick auf Roeland, die schöne Glocke, und an ihrem Klöppel ließ er Den henken, welcher Sturm geläutet hatte, um die Stadt zur Wahrung ihrer Rechte zu rufen. Er hatte kein Erbarmen mit Roeland, seiner Mutter Zunge, durch welche sie zu Flandern sprach, Roeland, die stolze Glocke, die von sich selber sagte:

Als men my slaet dan is’t brandt,Als men my luyt dan is’t Storm in Vlaenderlandt.Wenn man mich schlägt, ist Brand,Wenn man mich läutet, Sturm in Flanderland.

Als men my slaet dan is’t brandt,Als men my luyt dan is’t Storm in Vlaenderlandt.Wenn man mich schlägt, ist Brand,Wenn man mich läutet, Sturm in Flanderland.

Als men my slaet dan is’t brandt,Als men my luyt dan is’t Storm in Vlaenderlandt.Wenn man mich schlägt, ist Brand,Wenn man mich läutet, Sturm in Flanderland.

Als men my slaet dan is’t brandt,

Als men my luyt dan is’t Storm in Vlaenderlandt.

Wenn man mich schlägt, ist Brand,

Wenn man mich läutet, Sturm in Flanderland.

Maßen er fand, daß seine Mutter allzulaut redete, nahm er die Glocke fort. Und Die vom Lande sagten, daß Gent tot sei, denn ihr Sohn habe ihr mit eisernen Zangen die Zunge ausgerissen.

In den klaren und frischen Lenztagen, da die Erde voller Liebe ist, plauderte Soetkin am offenen Fenster und Klas summte einen Kehrreim, dieweil Ulenspiegel dem Titus Bibulus Schnuffius ein Richterbarett aufgesetzt hatte. Der Hund arbeitete mit den Pfoten, gleich als wolle er einen Haftbefehl auswirken, doch es geschah nur, um sich seiner Kopfbedeckung zu entledigen.

Plötzlich schloß Ulenspiegel das Fenster, lief in das Zimmer und sprang auf Stühle und Tische, indeß er die Hände nach der Decke ausstreckte. Soetkin und Klas gewahrten, daß er sich so unsinnig gebärdete, um ein Vöglein zu erhaschen, ein gar zierliches, kleines, das mit zitternden Flügeln an einem Balken im Winkel der Decke geduckt saß und aus Furcht schrie.

Ulenspiegel wollte es ergreifen, da sprach Klas mit Nachdruck zu ihm:

„Warum springst Du also?“

„Um ihn zu greifen,“ sprach Ulenspiegel, „in einen Käfig zu setzen und ihm Körner zu schütten, auf daß er für mich singe.“

Indessen schrie der Vogel vor Angst, flatterte im Zimmer umher und stieß mit dem Kopf wider die Fensterscheiben. Ulenspiegel ließ nicht ab, zu springen. Da legte Klas ihm die Hand schwer auf die Schulter und sprach:

„Fang ihn, setz ihn in einen Käfig und laß ihn für Dich singen. Doch ich werde Dich auch in einen Käfig tun, der mit guten Eisenstangen verschlossen ist, und werde Dich singen machen. Du läufst gern; das wirst Du nicht mehr können; Du wirst im Schatten sein, wenn Dich friert, in der Sonne, wenn Dir heiß ist. Dann werden wir eines Sonntags ausgehen und vergessen, Dir Futter zu geben, und nicht eher denn Donnerstags heimkehren. Und bei der Rückkehr werden wir Thyll verhungert und starr und steif finden“.

Soetkin weinte und Ulenspiegel entsprang.

„Was tust Du?“ fragte Klas.

„Ich öffne dem Vogel das Fenster“, antwortete er.

Und wahrlich, das Vöglein, welches ein Distelfink war, flog aus dem Fenster, stieß einen Freudenruf aus und ließ sich dann auf einen Apfelbaum nieder. Dort glättete es mit dem Schnabel seine Flügel, schüttelte sein Gefieder und, sich erbosend, schalt es Ulenspiegel in seiner Vogelsprache mit tausend Schmähungen.

Da sprach Klas zu ihn

„Sohn, raube weder Mensch noch Tier jemals die Freiheit, welche das größte Gut auf Erden ist. Laß einen jeden in die Sonne gehen, wann ihn friert, und in den Schatten, wann ihm heiß ist. Und möge Gott seine Heilige Majestät richten, welche, nachdem sie den freien Glauben in Flandern in Ketten gelegt, das edle Gent in einen Käfig der Knechtschaft geworfen hat“.

Philipp hatte Maria von Portugal geehelicht und ihre Besitzungen der Krone Spanien einverleibt. Sie genas des Don Carlos, des grausamen Narren. Doch er liebte seine Gattin nicht. Die Königin litt an den Folgen ihres Kindbettes. Sie hütete das Bett und hatte ihre Ehrendamen bei sich, darunter die Herzogin von Alba. Philipp ließ sie oftmals allein, um Ketzer verbrennen zu sehen, und alle Herren und Damen vom Hofe taten desgleichen. Also hielt es auch die Herzogin von Alba, die hochedle Wächterin des königlichen Kindbettes.

Um diese Zeit nahm das geistliche Gericht einen vlämischen Bildschneider gefangen, welcher römischer Katholik war, maßen ihm ein Mönch den ausbedungenen Preis für ein Holzbild unserer lieben Frauen verweigert und er der Frau mit dem Meißel ins Gesicht geschlagen und gesagt hatte, daß er lieber sein Werk zerstören, denn es zum Spottpreis hergeben wollte.

Er ward von dem Mönche als Bilderfrevler verklagt, ohn Erbarmen gefoltert und verurteilt, lebendig verbrannt zu werden. Während der Folter hatte man ihm die Fußsohlen verbrannt, und da er mit dem Sanbenito[2]angetan vom Kerker zum Scheiterhaufen geführt ward, schrie er:

„Haut die Füße ab! Haut die Füße ab!“

Philipp hörte dies Geschrei von ferne; es war ihm wohl, aber er lachte nicht.

Die Ehrendamen verließen die Königin, um der Verbrennung beizuwohnen, und nach ihnen ging auch die Herzogin von Alba. Sie hörte den vlämischen Bildschneider schreien, wollte das Schauspiel mit ansehen und ließ die Königin allein.

Da nun Philipp mit seinen hohen Dienern, Prinzen, Grafen, Stallmeistern und Damen gegenwärtig war, fesselten sie den Bildschnitzer mit einer langen Kette an einen Pfahl inmitten eines Kreises von brennendem Stroh und Reisigbündeln, auf daß er langsam geröstet werde, wann er, dem raschen Feuer entrinnend, sich an den Pfahl halten wollte. Und alles blickte ihn voll Neugier an, wie er nackend oder fast nackend versuchte, seine Seelenstärke der Feuersglut entgegenzusetzen.

Zur selbigen Zeit hatte die Königin Maria in ihrem Wochenbett Durst. Die Hälfte einer Melone auf einer Schüssel erblickend, schleppte sie sich aus ihrem Bette, aß von der Melone und ließ nichts davon übrig. Dann brach sie in Schweiß aus und es fröstelte sie, dieweil das Fleisch der Melone kalt war. Sie blieb auf dem Fußboden liegen und konnte kein Glied rühren.

„Ach,“ sprach sie, „ich würde wieder warm werden, wenn jemand mich ins Bett trüge.“

Da hörte sie den armen Bildschnitzer schreien: „Haut die Füße ab!“

„Ach,“ sprach die Königin Maria, „ist es ein Hund, der bei meinem Tode heult?“

In diesem Augenblick, da der Bildschneider ringsum die Gesichter hispanischer Feinde gewahrte, gedachte er Flanderns, des Landes der Männer, kreuzte die Arme, schleppte seine lange Kette hinterdrein, ging auf die flammenden Stroh- und Reisigbündel zu und mitten hinein, die Arme verschränkend.

„Also“, sprach er, „sterben die Vlamen angesichts der spanischen Henker. Haut die Füße ab, doch nicht mir, sondern ihnen, damit sie nimmer zum Morden laufen. Es lebe Flandern in alle Ewigkeit!“

Und die Damen klatschten ihm Beifall und riefen um Gnade, da sie seine stolze Fassung sahen. Und er starb.

Die Königin Maria zitterte am ganzen Leibe, sie weinte, ihre Zähne schlugen auf einander im Froste des nahenden Todes. Sie streckte Arme und Beine aus und sprach:

„Legt mich in mein Bett, auf daß ich warm werde.“

Und sie starb.

Und also säete Philipp allerorten Tod, Blut und Tränen, gemäß der Weissagung Kathelines, der guten Zauberin.

Doch Ulenspiegel und Nele liebten sich heiß. Es war am Ende des Aprilmonds, und alle blühenden Bäume, alle saftstrotzenden Pflanzen harrten des Mai, der von einem Pfauen begleitet, blütenreich wie ein Blumenstrauß, auf die Erde kommt und die Nachtigallen in den Büschen singen heißt.

Oftmals streiften Ulenspiegel und Nele selbander auf den Wegen umher, Nele hing an Ulenspiegels Arm und umschlang ihn mit beiden Händen. Er fand an diesem Spiele Gefallen und legte oftmals seinen Arm um ihre Hüften, um sie besser zu halten, wie er sagte. Sie war glücklich, aber sie sprach nicht.

Der Wind wälzte den Duft der Wiesen warm und feucht auf die Wege. In der Ferne rauschte das Meer träg im Sonnenschein. Ulenspiegel war hoffärtig wie ein junger Teufel, doch Nele gleich einer kleinen Heiligen aus dem Paradiese gar verschämt ob ihrer Freude.

Sie lehnte den Kopf an Ulenspiegels Schulter; er faßte ihre Hände, und im Gehen küßte er sie auf die Stirn, die Wangen und ihren lieblichen Mund. Doch sie schwieg.

Nach etlichen Stunden waren sie heiß und durstig, tranken Milch beim Bauern und waren doch nicht erquickt.

Sie setzten sich an den Rand eines Grabens auf den Rasen. Nele war ganz bleich und nachdenklich und Ulenspiegel betrachtete sie furchtsam.

„Du bist traurig?“ fragte sie.

„Ja“, sagte er.

„Warum?“ fragte sie.

„Ich weiß es nicht,“ sprach er, „aber diese Apfel- und Kirschbäume in voller Blüte, diese laue Luft, die wie mit dem Feuer des Blitzes geladen ist, diese Maßliebchen, die sich errötend auf den Auen öffnen, der Schlehdorn dort nahebei in den Hecken, ganz weiß ... Wer sagt mir, warum ich mich so unruhig fühle und immerdar bereit bin, zu sterben oder zu schlafen? Und mein Herz schlägt so stark, wenn ich die Vögel in den Bäumen erwachen höre und sehe die Schwalben, die wieder da sind. Dann möchte ich weiter wandern als Sonne und Mond. Und bald ist mir kalt, bald heiß. Ach, Nele, ich wollte, ich wäre nicht mehr auf dieser erbärmlichen Welt, oder ich könnte der, die mich liebte, tausend Leben geben“ ...

Aber sie schwieg, und blickte Ulenspiegel mit frohem Lächeln an.

Am Tage des Totenfestes kam Ulenspiegel mit etlichen Burschen des nämlichen Alters aus der Frauenkirche. Lamm Goedzak hatte sich unter sie verirrt wie ein Schaf unter Wölfe. Er zahlte für alle freigebig die Zeche, denn seine Mutter gab ihm alle Sonn- und Feiertage drei Heller.

Er begab sich also mit seinen Kameraden „In den rooden Schildt“ zu Jan van Liebeke, welcher ihnen „dobbele knollaert“ von Kortrijk auftrug. Da nun das Getränk sie erhitzte und sie von Gebeten redeten, sagte Ulenspiegel kühnlich, daß die Seelenmessen nur für die Pfaffen von Vorteil seien.

Es war aber ein Judas in der Schar; der zeigte Ulenspiegel als Ketzer an. Trotz Soetkins Tränen und Klasens Bitten ward Ulenspiegel ergriffen und gefänglich eingezogen. Er blieb einen Monat und drei Tage in einem vergitterten Kellerloch, ohne jemand zu sehen. Der Kerkermeister fraß ihm drei Viertel seiner Portion auf. Derweilen zog man Erkundigungen über seinen Leumund ein. Es fand sich nur, daß er ein schlimmer Spötter war, welcher sich ohne Unterlaß über seinen Nächsten lustig machte, doch hatte er niemals über den Herrgott, die Frau Maria und die Herren Heiligen Übles geredet. Darum war sein Urteil gelinde; ansonst wäre er mit glühenden Eisen im Gesicht gebrandmarkt und bis aufs Blut gepeitscht worden.

In Ansehung seiner Jugend verurteilten ihn die Richter nur, in der ersten Prozession, die aus der Kirche kommen würde, im Hemde, barhäuptig und barfuß, eine Kerze in der Hand zu tragen und hinter den Priestern zu schreiten.

Solches geschah am Tage der Himmelfahrt.

Dieweil die Prozession in die Kirche zurückkehrte, mußte er unter dem Torbogen der Frauenkirche stehen und dort ausrufen:

„Dank dem hohen Herrn Jesus! Dank den Herren Priestern! Ihre Gebete sind den Seelen im Fegefeuer wohltuend und gar kühlend; denn jedes Ave ist ein Eimer Wasser, der auf ihren Rücken fällt, und jedes Pater ist ein Kübel voll.“

Und das Volk hörte ihm mit großer Andacht und nicht ohne Lachen zu.

Beim Pfingstfest mußte er abermals der Prozession folgen; er war im Hemd, barfüßig und barhäuptig und hielt eine Kerze in der Hand. Da nun die Prozession in die Kirche zurückkehrte, trat er unter den Torbogen, und ehrerbietig seine Kerze haltend, sprach er mit lauter klarer Stimme, nicht ohne etliche spöttische Fratzen zu schneiden:

„Die Gebete der Christen sind für die Seelen im Fegefeuer eine große Linderung; aber die des Dechanten von unsrer lieben Frauen, des heiligen Mannes, der in der Ausübung aller Tugenden vollkommen ist, beruhigen also trefflich die Qualen des Feuers, daß es sich plötzlich in Gefrorenes wandelt. Aber die Marterteufel kriegen keinen Tropfen davon.“

Und das Volk horchte wiederum mit großer Andacht, nicht ohne zu lachen, und der Dechant lächelte mit geistlichem Behagen.

Darauf ward Ulenspiegel drei Jahre des Landes Flandern verwiesen und ward ihm auferlegt, eine Pilgerfahrt nach Rom zu machen und mit der Absolution des Papstes heimzukehren.

Klas mußte drei Gülden für dieses Urteil zahlen; einen aber gab er noch seinem Sohn und versah ihn mit einem Pilgerkleid. Dem aber brach am Tag seiner Reise schier das Herz. Er umarmte Klas und Soetkin, die schmerzensreiche Mutter, die ganz in Tränen zerfloß. Sie gaben ihm ein gut Stück Weges das Geleit, in Gesellschaft etlicher Bürger und Bürgersfrauen.

Da Klas wieder in seine Hütte trat, sagte er zu seinem Weibe:

„Weib, es ist recht hart, für ein paar törichte Worte einen so jungen Knaben zu dieser strengen Strafe zu verurteilen.“

„Du weinst, Mann, Du liebst ihn mehr als Du zeigst, denn Du brichst in männliches Schluchzen aus, das dem Weinen des Leuen gleicht.“

Doch er antwortete nichts.

Nele hatte sich in der Scheune verborgen, auf daß niemand sähe, daß auch sie um Ulenspiegel weinte. Von ferne folgte sie Soetkin und Klas und den Bürgern und Bürgersfrauen. Da sie ihren Freund allein fortziehen sah, lief sie zu ihm und sprang ihm an den Hals.

„Du wirst viele schöne Damen dort unten finden“, sagte sie.

„Schöne, das weiß ich nicht,“ antwortete Ulenspiegel, „aber frische wie Du, nein, denn die Sonne hat sie alle verbrannt.“

Eine lange Weile gingen sie selbander. Ulenspiegel war ganz in Gedanken und sagte etliche Male:

„Ich werde sie ihre Seelenmessen bezahlen lassen.“

„Was für Messen, und wer wird bezahlen?“ fragte Nele.

Ulenspiegel entgegnete:

„Alle Dechanten, Pfarrer, Pfaffen, Küster und obere wie untere Laffen, so uns mit Hirngespinsten mästen. Wär ich ein wackerer Arbeiter, so hätten sie mir die Frucht von dreijähriger Arbeit gestohlen, dieweil sie mich zur Pilgerfahrt zwangen. Nun aber ist es der arme Klas, der zahlt. Sie sollen mir meine drei Jahre hundertfältig zurückgeben, und ich werde die Seelenmesse von ihrem Gelde für sie singen.“

„Ach, Tyll, sei fürsichtig, sie möchten Dich sonst lebendig verbrennen“, erwiderte Nele.

„Ich bin von Asbest“, antwortete Ulenspiegel. Dann trennten sie sich, sie ganz in Tränen, doch er voller Schmerz und Grimm.

Da er durch Brügge kam, und über den Mittwochsmarkt schritt, sah er daselbst eine Frau durch den Henker und seine Büttel umhergeführt, und eine große Zahl andrer Weiber schrie und heulte tausend schmutzige Schimpfworte um sie her. Da Ulenspiegel sah, daß ihr Kleid oben mit Stücken roten Tuches besetzt war, auch daß sie den Stein der Gerechtigkeit mit seinen Eisenketten am Halse trug, erkannte er, daß es eine Frau war, welche die jungen, gesunden Körper ihrer Töchter zu ihrem Nutzen verkauft hatte. Man sagte ihm, daß sie Barbe hieße und mit Jason Darue verheiratet sei. In diesem Aufzug sollte sie von Platz zu Platz geführt werden, bis sie wieder zum Großen Markt zurückkam. Allda sollte sie auf ein Gerüst geführt werden, welches eigens errichtet war. Ulenspiegel folgte ihr mit dem tobenden Volkshaufen. Auf dem Großen Markt angelangt, ward sie auf das Gerüst gestellt und an einen Pfosten gebunden, und der Henker legte ein Häufchen Gras und einen Klumpen Erde vor sie hin, welches die Grube bedeutete.

Man erzählte Ulenspiegel auch, daß sie zuvor im Gefängnis gestäupt worden sei.

Wie er davon ging, begegnete er Henri le Marischal, einem Erzbettler, welcher in der Schloßhauptmannschaft von West-Ypern gehenkt worden war und annoch die Merkmale der Stricke an seinem Halse zeigte. Er war, so sagte er, gerettet worden, wie er schon in der Luft hing, nur durch ein gutes Gebet, das er an Unsere liebe Frau von Hal richtete, also daß nach dem Fortgang der Amtsleute und Richter die Stricke, die ihn schon nicht mehr würgten, zerrissen und er auf den Boden fiel und heil und gesund war.

Aber Ulenspiegel vernahm nachmals, daß dieser vom Strick befreite Bettler ein falscher Henri Marischal war, und daß man ihn seine Lüge allerorten verbreiten ließ, dieweil er Besitzer eines vom Dechanten Unsrer lieben Frauen von Hal unterzeichneten Pergaments war. Um dieser Erzählung des Henri Marischal willen strömten Alle, so von nah oder ferne den Galgen witterten, besagtem Dechanten zu Haufen in seine Kirche und bezahlten ihn gut. Und lange Zeit ward Unsere liebe Frau von Hal die Mutter Gottes der Gehenkten genannt.

Zur selbigen Zeit stellten die Inquisitoren und Theologen dem Kaiser Karl zum andern Male vor, daß die Kirche zugrunde ginge, daß ihre Herrschaft verachtet würde und daß er die herrlichen Siege, so er errungen, den Gebeten der Katholischen Christenheit verdankte, welche die kaiserliche Macht auf ihrem Throne erhielte.

Ein Erzbischof von Spanien heischte von ihm, daß sechstausend Köpfe abgeschlagen oder ebensoviele Körper verbrannt würden, auf daß die bösartige lutherische Ketzerei in den Niederlanden ausgerottet würde. Seine Heilige Majestät dünkte solches nicht genug.

Derhalben erblickte auch der arme Ulenspiegel an allen Orten, durch die er voll Entsetzens zog, nur Köpfe auf Pfählen, junge Mägdlein in Säcke gesteckt und lebendig in den Fluß geworfen. Er sah Männer nackend aufs Rad geflochten und mit Eisenstangen grausam zerschlagen, Frauen in eine Grube geworfen und Erde auf sie geschüttet, und der Henker tanzte ihnen auf der Brust, um sie zu zerbrechen. Aber die Beichtiger derer, so zuvor bereut hatten, verdienten jedesmal zwölf Heller.

In Löwen sah er die Henker dreißig Lutherische zumal verbrennen, und der Scheiterhaufen ward mit Schießpulver entzündet. Zu Limburg sah er eine Familie, Männer und Frauen, Töchter und Töchtermänner zur Richtstatt schreiten und Psalmen singen. Der Vater, welcher alt war, schrie, während er verbrannte.

Und Ulenspiegel wanderte auf der armen Erde und empfand Furcht und Schmerz.

Auf freiem Felde schüttelte er sich gleichwie ein Vogel oder ein losgelassener Hund, und sein Herz ward wieder guten Mutes angesichts der Bäume, der Wiesen und der hellen Sonne.

Wie er nun während dreier Tage gewandert war, kam er in die Gegend von Brüssel, in die mächtige Gemeinde von Uccle. Als er vor dem Wirtshaus zur Trompete vorbeikam, ward er durch einen himmlischen Duft von Fleischgerichten angelockt. Er fragte einen kleinen Betteljungen, welcher, die Nase nach dem Winde richtend, sich am Wohlgeruch der Tunke ergötzte, wem zu Ehren sich dieser festliche Weihrauch gen Himmel erhöbe. Der aber antwortete, daß die Brüder vom guten Vollmondsgesicht sich nach der Vesper hier versammelten, um die Befreiung der Gemeinde durch die Frauen und Mägdlein von einstmals zu feiern.

Ulenspiegel sah von fern eine Stange mit einem Papageien darauf und ringsumher mit Bögen bewaffnete Weiber. Er fragte, ob die Frauen jetzo zu Bogenschützen würden.

Der Betteljunge, welcher den Duft der Tunke einsog, antwortete, daß zur Zeit des guten Herzogs die nämlichen Bogen in den Händen der Frauen von Uccle mehr denn hundert Räuber vom Leben zum Tode gebracht hätten.

Ulenspiegel wollte mehr davon wissen, doch der Bube sagte, er hätte solchen Hunger und Durst, daß er nicht mehr sprechen würde, es sei denn, daß Ulenspiegel ihm einen Heller für Essen und Trinken gäbe. Ulenspiegel tat es aus Mitleid.

Sobald der Bettler den Heller hatte, drang er ins Wirtshaus zur Trompete wie der Fuchs in den Hühnerstall und kam im Triumphe zurück, in der Hand eine halbe Wurst und einen dicken Laib Brot.

Plötzlich vernahm Ulenspiegel ein sanftes Getön von Schellentrommeln und Bratschen und sah eine große Schar Frauen tanzen und unter ihnen ein schönes Weib, das eine güldene Kette um den Hals trug.

Der Betteljunge, der vor sattem Behagen lachte, erzählte Ulenspiegel, daß dieses junge schöne Weib die Königin des Bogenschießens sei und Mietje hieße und die Ehefrau Seiner Ehren des Herrn Renonckel, des Gemeindeschöffen wäre. Dann begehrte er von Ulenspiegel sechs Heller Trinkgeld, und dieser gab sie ihm. Nachdem er also gegessen und getrunken, setzte sich der Bettler in die Sonne und stocherte sich die Zähne mit den Nägeln. Da die Bognerinnen Ulenspiegel in seinem Pilgerkleid erblickten, begannen sie in der Runde um ihn zu tanzen und sprachen:

„Guten Tag, schöner Pilger, kommst Du von weit her, Du junger Fant?“

„Ich komme aus Flandern, dem schönen Lande, das Überfluß an verliebten Mägdlein hat“.

Und er gedachte schwermütig an Nele.

„Was war Dein Verbrechen?“ fragten sie und hörten mit Tanzen auf.

„Ich würde nicht wagen es zu beichten, so groß ist es. Aber ich habe andere Dinge an mir, die auch nicht klein sind.“

Da lachten die Weiber und stellten Fragen, warum er solcherart mit dem Pilgerstab, dem Bettelsack und dem Muschelhut reisen müßte.

„Dieweil ich gesagt habe,“ erwiderte er, ein wenig lügend, „daß die Seelenmessen für die Priester von Nutzen sind.“

„Sie bringen ihnen klingendes Geld, aber sie sind den Seelen im Fegefeuer von Nutzen.“

„Ich war nicht dort“, antwortete Ulenspiegel.

„Willst Du mit uns essen, Pilger?“ sprach die liebreizendste der Schützinnen zu ihm.

„Ich will mit Euch essen,“ sagte er, „Dich essen und alle, eine nach der andern, denn Ihr seid Bissen für einen König, köstlicher zu beißen denn Fettammern, Drosseln und Schnepfen.“

„Gott möge Dich ernähren;“ sprachen sie, „das ist ein unbezahlbares Wildpret.“

„Wie Ihr Schönen alle“, erwiderte er.

„Wahrlich, aber wir sind nicht zu verkaufen.“

„Doch zu geben?“ fragte er.

„Ja,“ sagten sie, „Schläge für die Allzudreisten. Und wenn Du deren bedarfst, werden wir Dich wie einen Haufen Korn schlagen.“

„Ich verzichte darauf.“

„Komm essen“, sagten sie.

Er folgte ihnen in den Hof der Herberge, gar froh, diese frischen Gesichter um sich zu sehen. Plötzlich sah er mit großem Gepränge, mit Fahne, Trompete, Flöte und Tambourin, die Brüder vom guten Vollmondsgesicht in den Hof einziehen, welche dem lustigen Namen ihrer Bruderschaft alle Ehre machten. Da sie ihn neugierig betrachteten, sagten die Frauen zu ihnen, es sei ein Pilgrim, den sie am Wege aufgelesen, und da sie an ihm ein gutes Vollmondsgesicht gewahrt hätten, gleich dem ihrer Gatten und Bräutigame, so hätten sie ihn geladen, an ihren Lustbarkeiten teilzunehmen.

Die Männer fanden gut, was sie sagten, und der Eine sprach:

„Wallender Pilger, willst Du mit uns durch Tunke und Fleischgerichte pilgern?“

„Ich werde Siebenmeilenstiefel dabei anlegen“, sprach Ulenspiegel.

Da er sich anschickte, mit ihnen in den Festsaal zu treten, gewahrte er auf der Straße nach Paris zwölf wandernde Blinde. Da sie an ihm vorüber zogen und über Hunger und Durst klagten, sagte Ulenspiegel zu sich, daß sie diesen Abend wie Könige tafeln sollten, auf Kosten des Dechanten von Uccle, zur Erinnerung an die Seelenmessen.

Er ging zu ihnen und sprach:

„Hier sind neun Gulden, kommt essen. Riecht ihr den Duft der Fleischgerichte?“

„Ach“, sprachen sie, „seit einer halben Meile sonder Hoffnung.“

„Da ihr jetzt neun Gulden habt, so werdet ihr essen“, sagte Ulenspiegel, aber er gab ihnen keine.

„Gesegnet seiest Du“, sprachen sie.

Und von Ulenspiegel geführt, setzten sie sich im Kreise um einen kleinen Tisch, dieweil die Brüder vom Guten Vollmondsgesicht sich nebst ihren Weibern und Mädchen um einen großen niederließen.

Indem sie sich mit Sicherheit im Besitz von neun Gulden wähnten, sprachen die Blinden hochmütig: „Wirt, gib uns vom Besten, was Du hast, zu essen und zu trinken.“

Der Wirt, der von neun Gulden hatte sprechen hören, meinte, daß sie in ihren Geldbeuteln wären, und fragte nach ihrem Begehr.

Darauf schrieen sie alle zumal:

„Erbsen mit Speck, ein Geschmortes von Rind, Kalb, Hammel und Huhn. / Sind die Würste für die Hunde gemacht? / Wer hat beim Vorbeigehen Blut- und Weißwürste gewittert, ohne sie beim Kragen zu nehmen? Ach, ich sah sie, da meine armen Augen mir noch als Leuchten dienten. / Wo sind die Pfannkuchen mit Anderlechter Butter? Sie zischen im Ofen, saftig, kraß und erzeugen Durst, Kannen hinunterzugießen. / Wer wird mir Schinken mit Eiern oder Eier mit Schinken, diese zärtlichen, brüderlichen Freunde des Gaumens, unter die Nase halten? / Wo seid ihr himmlischen Choesels, das stolze Fleisch, das inmitten von Nieren, Hahnenkämmen, Kalbsmilch, Ochsenschwänzen, Hammelfüßen und viel Zwiebeln, Pfeffer, Nelke und Muskat herumschwimmt? Das Ganze gedämpft und drei Kannen Weißwein als Tunke? / Wer führt euch zu mir, ihr herrlichen Leberwürste, die Ihr so gut seid, daß Ihr kein Wort sagt, wenn man Euch verschlingt? Ihr kommt geradenwegs aus Schlaraffenland, dem fetten Lande der glücklichen Bärnhäuter und der Schlecker unerschöpflichen Tunken. Doch wo seid Ihr, dürre Blätter der letzten Herbste? / Ich will eine Hammelkeule mit dicken Bohnen. / Mir Schweinsfähnlein, das sind ihre Ohren. / Mir einen Rosenkranz von Fettammern; die Paternoster daran müssen Schnepfen sein und ein fetter Kapaun das Kredo.“

Der Wirt erwiderte geruhig:

„Ihr sollt einen Eierkuchen von sechzig Eiern kriegen, und als Wegweiser für eure Löffel fünfzig Blutwürste, dampfend auf diesen Berg von Nahrung aufgepflanzt, und dobbel Peterman obenauf: das wird der Fluß sein.“

Das Wasser lief den armen Blinden im Munde zusammen und sie sagten:

„Trag uns den Berg, den Wegweiser und den Fluß auf.“

Und die Brüder vom guten Vollmondsgesicht samt ihren Weibern, die mit Ulenspiegel schon zu Tische saßen, sagten, daß dies für die Blinden der Tag des unsichtbaren Schmausens sei und daß die Armen dermaßen die Hälfte ihres Vergnügens einbüßten.

Da der Eierkuchen kam, mit Petersilie und Kapuzinerkresse bestreut und vom Wirt und vier Köchen getragen, wollten sich die Blinden hineinstürzen und fuhren bereits mit den Fingern hinein, doch der Wirt legte nicht ohne Mühe einem jeden sein Teil in seinen Eßnapf.

Die Bognerinnen waren gerührt, da sie sahen, wie jene sich vollstopften und dabei vor Behagen schnoben; denn sie hatten gewaltigen Hunger und verschluckten die Würste wie Austern. Der dobbel Peterman floß in ihre Mägen gleichwie Wasserfälle, die von den Bergen hinabstürzen.

Da sie ihre Näpfe geleert hatten, verlangten sie abermals Pfannkuchen, Fettammern und neue Fleischgerichte. Der Wirt trug ihnen nun eine große Schüssel mit Ochsen-, Kalb- und Hammelknochen auf, welche in einer guten Tunke schwammen, legte ihnen aber nicht vor.

Da sie aber ihr Brot und ihre Hände bis an die Ellenbogen in die Brühe getunkt hatten und nur etliche Rippen, Kalbsknochen und eine Hammelkeule, ja sogar ein paar Ochsenkinnbacken erwischten, da wähnten sie männiglich, daß die Nachbarn das ganze Fleisch hätten, und schlugen einander wütend mit den Knochen ins Antlitz.

Wie nun die Brüder vom guten Vollmondsgesicht sie weidlich verlacht hatten, legten sie einen Teil ihres Festmahls mildtätig auf die Teller der Armen, und wer von ihnen einen Knochen für den Kampf suchte, legte die Hand auf eine Drossel, ein Hühnchen oder etliche Lerchen. Derweil hielten die Frauen ihnen den Kopf hintenüber und gossen ihnen Brüsseler Wein in Menge hinunter. Und wenn sie nach Art der Blinden tasteten, woher diese Ströme von Nektar kämen, erhaschten sie nur einen Frauenrock und wollten ihn festhalten. Der aber entschlüpfte ihnen unversehens. Darum lachten, tranken, aßen und sangen sie.

Etliche, welche die artigen Weiblein witterten, liefen ganz vernarrt und von Liebe behext durch den Saal, aber die boshaften Mädchen führten sie in die Irre, versteckten sich hinter einen Bruder vom guten Vollmondsgesicht und sprachen zu ihnen: „Küsse mich.“ Solches taten sie, aber anstatt einer Frau küßten sie das bärtige Antlitz eines Mannes, nicht ohne barsche Abweisung. Die Brüder vom guten Vollmondsgesicht sangen; sie sangen alle zumal. Und die lustigen Weiblein lachten voll innigen Wohlgefallens, da sie ihre Freude sahen.

Als diese nahrhaften Stunden vorüber waren, sagte der Baas zu ihnen:

„Ihr habt gut gegessen und getrunken; ich bekomme sieben Gulden.“

Jeder von ihnen schwur, er hätte die Börse nicht, und beschuldigte seinen Nachbarn. Daraus entstand eine Schlacht unter ihnen, darin sie versuchten, sich mit Füßen, Fäusten und Köpfen zu stoßen, aber sie vermochten es nicht und schlugen ins Leere, denn die Brüder vom guten Vollmondsgesicht, da sie das Spiel sahen, trennten sie von einander. Und die Schläge regneten in die Luft, einen ausgenommen, welcher durch ein Mißgeschick in das Gesicht des Baas fiel. Der aber ward zornig, untersuchte sie alle und fand nichts denn ein altes Skapulier, sieben Heller, drei Hosenknöpfe und ihre Rosenkränze.

Er wollte sie in den Schweinestall werfen, bis für sie bezahlt würde, was sie schuldig waren.

„Soll ich für sie bürgen?“ fragte Ulenspiegel.

„Ja,“ erwiderte der Baas, „wenn jemand für Dich bürgt.“

Die guten Vollmondsgesichter wollten das tun, doch Ulenspiegel hinderte sie und sprach:

„Der Pfarrer wird Bürge sein, ich werde ihn aufsuchen.“

Der Seelenmessen gedenkend, ging er zum Pfarrer und erzählte ihm, wie der Baas der „Trompete“ vom Teufel besessen sei. Er spräche von nichts denn von Schweinen und von Blinden, daß die Schweine die Blinden und die Blinden die Schweine fräßen, unter mancherlei unheiligen Formen von Braten und Fleischgerichten. Während dieser Anfälle, so sagte er, zerbräche er alles im Hause; und er bat ihn hinzukommen und den armen Menschen von diesem bösen Geist zu befreien.

Solches versprach der Pfarrer ihm, bedeutete ihm aber, daß er nicht sogleich mitkommen könne; denn er machte just die Abrechnungen des Kapitels und trachtete dabei nach seinem Vorteil.

Da Ulenspiegel sah, daß er ungeduldig war, sagte er, daß er mit der Frau des Baas wiederkommen werde und daß der Pfarrer selbst mit ihr sprechen könne.

„Kommt alle beide“, sprach der Pfarrer.

Ulenspiegel ging wieder zum Wirt und sprach:

„Ich habe den Pfarrer gesprochen, er wird für die Blinden Bürgschaft leisten. Dieweil Ihr sie bewacht, lasset die Wirtin mit mir zu ihm gehen; er wird ihr wiederholen, was ich Euch sagte.“

„Gehe hin, Weib“, sprach der Baas.

Die Wirtin ging mit Ulenspiegel zum Pfarrer, welcher nicht aufhörte zu rechnen, um einen Vorteil für sich herauszufinden. Da sie mit Ulenspiegel bei ihm eintrat, winkte er ihr voll Ungeduld mit der Hand, daß sie fort gehen sollten, und sprach:

„Beruhige Dich, ich werde Deinem Manne in einem oder zwei Tagen zu Hilfe kommen.“

Und da Ulenspiegel nach der Trompete zurückkam, sprach er zu sich selbst: „Er wird hundert Gülden zahlen, und das soll meine erste Seelenmesse sein.“

Und er machte sich auf, desgleichen die Blinden.


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