Derweil Katheline bei einem guten Nachbar wohlbehütet war, ging Nele ganz allein weit, weit fort, bis Antwerpen, die Schelde entlang oder auf andern Wegen und suchte auf den Flußkähnen und auf den staubigen Straßen, ob sie ihren Freund Ulenspiegel nicht fände.
An einem Markttage kam er nach Hamburg und sah allerorten Kaufleute und unter ihnen etliche alte Juden, die von Wucher und uneingelösten Pfändern lebten.
Ulenspiegel, der auch Kaufmann werden wollte, sah etliche Roßäpfel am Boden liegen und trug sie in seine Wohnung, welche in einer Flesche des Walls war. Da ließ er sie trocknen. Dann kaufte er rote und grüne Seide und machte Säcklein davon. Da hinein tat er die Roßäpfel und band sie mit einem Bande zu, als ob sie voll Bisam wären.
Alsdann machte er aus etlichen Latten ein Tragbrett, hängte es mit alten Stricken um seinen Hals und ging zu Markt, das Brett, mit den Säcklein gefüllt, vor sich hertragend. Am Abend zündete er, um sie zu beleuchten, in der Mitte ein Lichtlein an.
Wenn die Leute ihn fragten, was er da feil hielte, antwortete er voll Heimlichkeit:
„Ich werde es Euch sagen, aber laßt uns nicht zu laut sprechen!“
„Was ist es denn?“ fragten die Käufer.
„Es sind Prophetenbeeren,“ antwortete Ulenspiegel, „so geradenwegs aus Arabien nach Flandern gekommen sind, mit großer Kunst von Meister Abdul-Medil aus dem Geschlecht des großen Mahomet bereitet.“
Etliche Kunden sprachen zu einander:
„Das ist ein Türke.“
Aber die andern sprachen:
„Es ist ein Pilger, der aus Flandern kommt. Hört ihr es nicht an seiner Sprache?“
Und die Zerlumpten, die Hungerleider und Bettler kamen zu Ulenspiegel und sagten:
„Gib uns von diesen Prophetenbeeren.“
„Wenn ihr Gülden haben werdet, solche zu kaufen.“
Und die armen Zerlumpten, Hungerleider und Bettler gingen betrübt von dannen und sagten:
„Es ist keine Freude in dieser Welt, denn allein für die Reichen.“
Das Gerücht von den Beeren, die zu verkaufen waren, verbreitete sich alsbald über den Markt. Die Bürger sprachen zu einander:
„Da ist ein Vlamländer, welcher Prophetenbeeren hat, die in Jerusalem auf dem Grabe unseres Herrn Jesu geweiht sind; aber es heißt, daß er sie nicht verkaufen will.“
Und alle Bürger kamen zu Ulenspiegel und fragten ihn nach seinen Beeren.
Aber Ulenspiegel, der großen Gewinn haben wollte, erwiderte, daß sie noch nicht reif genug wären; er hatte aber ein Auge auf zwei reiche Juden geworfen, die auf dem Markte umhergingen.
„Ich möchte wohl wissen,“ sagte einer der Bürger, „was aus meinem Schiff auf See werden wird.“
„Es wird bis an den Himmel gehen, wenn die Wellen hoch genug sind“, erwiderte Ulenspiegel.
Ein anderer zeigte ihm sein hübsches Töchterlein, welches über und über rot ward, und sprach:
„Diese wird ohne Zweifel den Weg der Tugend wandeln?“
„Alles wandelt, wohin die Natur will“, versetzte Ulenspiegel, denn er hatte gesehen, wie das Mädchen einem jungen Burschen einen Schlüssel gab. Der aber, von Wohlbehagen aufgeblasen, sprach zu Ulenspiegel:
„Herr Kaufmann, gebt mir einen Eurer prophetischen Säcke, damit ich daraus ersehe, ob ich diese Nacht allein schlafen werde.“
„Es stehet geschrieben,“ gab Ulenspiegel zur Antwort, „welcher den Roggen der Verführung aussäet, der wird das Saatkorn der Hahnreischaft ernten.“
Der junge Bursche erboste sich:
„Auf wen hast Du es abgesehen?“
„Die Beeren sagen,“ erwiderte Ulenspiegel, „daß sie Dir eine glückliche Ehe wünschen und eine Frau, die Dir nicht den Hut des Vulkan aufsetzt. Kennst Du diese Kopfbedeckung?“
Dann predigte er:
„Das Weib, das auf dem Heiratsmarkt Handgeld gibt, läßt nachher den andern die ganze Ware umsonst.“
Hierauf sprach das Mädchen, welches Sicherheit heucheln wollte: „Sieht man all dieses in dem prophetischen Säcklein?“
„Man sieht auch einen Schlüssel darin“, sagte Ulenspiegel ihr ganz leise ins Ohr.
Aber der Jüngling war schon mit dem Schlüssel davon.
Plötzlich gewahrte Ulenspiegel einen Dieb, der von der Fleischbank eines Schweinemetzgers eine ellenlange Wurst stahl und unter seinem Mantel verbarg. Aber der Metzger sah es nicht. Voller Freuden kam der Dieb zu Ulenspiegel und sagte zu ihm:
„Was verkaufst Du da, Unglücksprophet?“
„Säcklein, aus denen Du ersehen kannst, daß Du gehängt werden wirst, weil Du die Würste zu gern hattest.“
Bei dieser Rede entfloh der Dieb eilends, indes der bestohlene Metzger schrie:
„Haltet den Dieb, haltet den Dieb!“
Aber es war zu spät.
Während Ulenspiegel sprach, näherten sich ihm die beiden reichen Juden, die mit großer Aufmerksamkeit zugehört hatten, und sagten zu ihm:
„Was hast Du da feil, Vlamländer?“
„Säcklein“, versetzte Ulenspiegel.
„Was sieht man mit Hilfe Deiner Prophetenbeeren?“ fragten sie.
„Die künftigen Ereignisse, wenn man sie in den Mund nimmt,“ versetzte Ulenspiegel.
Die beiden Juden beredeten sich, und der Ältere sagte zum andern.
„Derart könnten wir sehen, wann unser Messias kommen wird. Solches würde ein großer Trost für uns sein. Laß uns eins dieser Säcklein erstehen. Wie teuer verkaufst Du sie?“ fragten sie.
„Fünfzig Gülden“, versetzte Ulenspiegel. „Wenn Ihr mir die nicht zahlen wollt, so geht nur hinweg. Wer das Feld nicht kauft, muß den Misthaufen lassen, wo er ist.“
Da sie Ulenspiegel so fest sahen, zählten sie ihm sein Geld hin, nahmen eins der Säckchen und begaben sich nach ihrem Bethaus. Allda liefen bald alle Juden zu Hauf, wissend, daß einer der beiden Alten ein Geheimnis erhandelt hatte, durch welches man des Messias Ankunft erfahren und verkünden könnte.
Da ihnen die Sache bekannt war, wollten sie an dem Säcklein saugen, ohne zu zahlen; aber der Älteste, der es gekauft hatte, und der Jehu hieß, wollt’ es allein tun.
„Söhne Israels,“ sprach er, das Säckchen in der Hand haltend, „die Christen spotten unser, wir sind gehetzt unter den Menschen, und man schreit hinter uns her, als wären wir Schelme. Die Philister wollen uns unter den Erdboden erniedrigen; sie speien uns ins Antlitz, denn Gott hat unsere Bogen entspannt und die Zügel vor uns gelockert. Wird es noch lange währen, Herr Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, daß uns Übles geschieht, so wir Gutes erwarten, und daß Finsternis kommt, so wir auf Helligkeit hoffen? Wirst Du bald auf der Erde erscheinen, göttlicher Messias? Wann werden die Christen sich in den Höhlen und Löchern der Erde verbergen, ob des Schreckens, den sie vor Dir haben und vor Deiner Herrlichkeit, wann Du aufstehen wirst, sie zu züchtigen?“
Und die Juden schrien:
„Komm Messias! sauge Jehu!“
Jehu leckte und brach es wieder aus und rief gar kläglich:
„Wahrlich, ich sage Euch, dies ist nichts denn Kot, und der flandrische Pilger ist ein Schelm.“
Da stürzten sich alle Juden über das Säcklein her, öffneten es und sahen, was es enthielt, und gingen in großer Wut auf den Markt, um Ulenspiegel zu suchen.
Der aber hatte mit nichten auf sie geharrt.
Ein Mann aus Damm, welcher Klas seine Kohlen nicht bezahlen konnte, gab ihm sein bestes Gerät, eine Armbrust mit zwölf scharfgespitzten Bolzen, die als Wurfgeschoß dienten.
In den Stunden, wo die Arbeit feierte, schoß Klas mit der Armbrust; mehr als ein Hase ward von ihm erlegt und zu Frikassee eingekocht, dafür daß er den Kohl zu sehr geliebt hatte.
Alsdann aß Klas unmäßig und Soetkin sagte, auf die öde Landstraße blickend: „Tyll, mein Sohn, spürst du nicht den Wohlgeruch der Brühe? Gewißlich hat er jetzt Hunger.“ Und ganz in Gedanken hätte sie ihm seinen Anteil am Schmause aufheben mögen.
„Wenn ihn hungert,“ sprach Klas, „so ist’s seine Schuld; möge er heimkehren, so wird er essen wie wir.“
Klas hatte Tauben; auch hörte er gern Grasmücken, Distelfinken, Sperlinge und andere singende und geschwätzige Vögel um sich herum singen und zwitschern. Desgleichen schoß er gern die Bussarde und Sperber, die königlichen Vertilger des Vogelvolks.
Einmal, da er im Hofe Kohlen maß, zeigte Soetkin ihm einen großen Vogel, der über dem Taubenschlag in der Luft schwebte. Klas nahm seine Armbrust und sprach:
„Der Teufel errette Seine Gnaden, den Sperber!“
Er spannte seine Armbrust und verfolgte alle Bewegungen des Vogels, um ihn nicht zu fehlen. Es war um die Zeit der Dämmerung, Klas konnte nur noch einen schwarzen Punkt unterscheiden. Er schoß den Bolzen ab und sah einen Storch in den Hof fallen.
Klas war schier betrübt darüber, aber Soetkin war es noch mehr und rief:
„Unseliger, du hast den Vogel Gottes getötet.“
Hierauf nahm sie den Storch, sah, daß er nur am Flügel verwundet war, ging Balsam holen und sagte, derweil sie seine Wunde verband:
„Storch, Schätzlein, es war nicht gescheit von Dir, daß Du, den man liebt, in den Wolken schwebst wie der Sperber, den man haßt. Auch die Pfeile des Volkes gehen ans unrechte Ziel; tut Dir Dein armer Flügel weh, Störchlein? Lässest Dich so geduldig behandeln, denn Du weißt, daß unsre Hände Freundeshände sind.“
Da der Storch geheilt war, bekam er zu fressen, was er nur wollte; aber mit Vorliebe fraß er den Fisch, den Klas für ihn im Kanal fischen ging. Und allemal, wenn der Gottesvogel ihn kommen sah, öffnete er seinen großen Schnabel. Er folgte Klas wie ein Hund, aber lieber weilte er in der Küche und wärmte seine Brust am Feuer und klopfte Soetkin, die das Mahl bereitete, mit dem Schnabel auf den Leib, als wollte er ihr sagen:
„Ist nichts für mich da?“
Es war aber lustig anzusehen, wie dieser ernsthafte Glücksbote auf seinen langen Beinen in der Hütte einherstelzte.
Indessen waren die bösen Tage wiedergekehrt. Klas arbeitete traurig allein auf dem Felde, denn es war nicht Arbeit für zwei. Soetkin blieb allein in der Hütte und bereitete die Bohnen, ihre tägliche Speise, auf jegliche Art zu, um ihrem Manne Lust zum Essen zu machen. Und sie sang und lachte, damit er sich nicht grämte, sie traurig zu sehen. Der Storch stand auf einem Bein, den Schnabel im Gefieder, neben ihr.
Ein Mann zu Pferde hielt vor der Hütte still; er war schwarz gekleidet, sehr hager und hatte eine sonderlich traurige Miene.
„Ist jemand drinnen?“ fragte er.
„Gott segne Eure Schwermut, aber bin ich ein Geist, daß Ihr mich hier sehet und fragt, ob jemand daheim sei?“
„Wo ist Dein Vater?“ fragte der Reiter.
„Wenn mein Vater Klas heißt, so ist er dort unten, und Du siehst ihn Korn säen.“
Der Reiter ging und Soetkin desgleichen, betrübten Herzens, denn sie mußte zum sechsten Male Brot vom Bäcker holen, ohne zu zahlen. Da sie mit leeren Händen zurückkehrte, sah sie voller Staunen, wie Klas stolz und triumphierend heimkehrte auf dem Pferde des schwarzgekleideten Mannes, welcher zu Fuß neben ihm schritt und es am Zügel führte. Klas stützte einen ledernen Sack, der wohlgefüllt schien, stolz auf seinen Schenkel.
Beim Absteigen umarmte er den Mann, schlug ihm fröhlich auf die Schulter und rief, den Sack schüttelnd:
„Es lebe mein Bruder Jobst, der gute Einsiedel! Gott erhalte ihn in Freude, Leibesfülle, Frohsinn und Gesundheit! Siehe, er ist der Jobst des Segens, des Überflusses und der fetten Suppen! Der Storch hat nicht gelogen!“ Und er setzte den Sack auf den Tisch.
Da sagte Soetkin voller Harm: „Mann, wir werden heute nicht essen, der Bäcker wollte mir kein Brot geben.“
„Brot?“ sagte Klas, öffnete den Sack und ließ einen goldenen Strom über den Tisch sich ergießen. „Brot? Hier ist Brot, Butter, Fleisch, Wein, Bier. Hier sind Schinken, Markknochen, Reiherpasteten, Fettammern, Masthühner und Kapaunen, wie bei den großen Herren! Hier ist Bier in Tonnen und Wein in Fässern. Ein Narr ist der Bäcker, der uns das Brot verweigert; wir werden nichts mehr bei ihm kaufen.“
„Aber Mann“, sprach Soetkin verblüfft.
„Wohlan, höre,“ sprach Klas, „und sei guter Dinge. Katheline, anstatt in der Markgrafschaft Antwerpen die Zeit ihrer Verbannung hinzubringen, ist, von Nele geführt, auf Schusters Rappen bis Meyborg gegangen. Dort hat Nele meinem Bruder Jobst gesagt, daß wir oftmals darben, ohngeachtet unserer sauren Arbeit. Wie dieser wackre Bote mir soeben vermeldete“ / und Klas wies auf den schwarzgekleideten Reiter / „hat Jobst die heilige römische Religion verlassen und sich der Ketzerei Luthers hingegeben.“
Der schwarzgekleidete Mann sagte:
„Jene sind Ketzer, die sich zum Dienste der großen Buhlerin bekennen. Denn der Papst ist bestechlich und treibt Schacher mit heiligen Dingen.“
„Ach,“ sprach Soetkin, „sprecht nicht so laut, Herr, Ihr könntet uns alle drei auf den Scheiterhaufen bringen.“
„So hat denn“, sagte Klas, „Jobst diesem wackeren Boten gesagt, er wolle mit den Truppen Friedrichs von Sachsen kämpfen und ihm fünfzig trefflich gewappnete Männer zuführen. Da er in den Krieg zöge, sei ihm so viel Geld nicht vonnöten, um es in übler Stunde irgend einem Schelm von Landsknecht zu überlassen. „Darum“, so hat er gesagt, „bringe diese siebenhundert Goldkarolus meinem Bruder Klas samt meinen Segenswünschen. Sag ihm, er möge einen guten Wandel führen und seines Seelenheils gedenken.“
„Ja,“ sprach der Reiter, „es ist an der Zeit, denn Gott wird dem Menschen nach seinen Werken lohnen und jeglichen behandeln, gleich wie es sein Wandel verdient.“
„Herr,“ sprach Klas, „inzwischen wird es mir nicht verwehrt sein, mich der frohen Botschaft zu freuen. Geruht bei uns zu bleiben, wir wollen sie mit schönen Kaldaunen, viel Kalbsbraten und einem kleinen Schinken feiern, den ich zuvor bei dem Schweinemetzger gesehen habe, so rund und lecker, daß er mir die Zähne einen Fuß lang aus dem Maul gezogen hat.“
„Ach,“ sprach der Mann, „die Toren ergötzen sich, derweilen die Augen Gottes über ihren Wegen sind.“
„Nun denn, Bote,“ sagte Klas, „willst Du mit uns essen und trinken oder nicht?“
Der Mann entgegnete:
„Für die Getreuen wird es Zeit sein, ihre Seelen den irdischen Freuden hinzugeben, wenn die große Babel gefallen ist.“
Da Soetkin und Klas sich bekreuzten, wollte er gehen.
Klas sprach zu ihm:
„Dieweil es Dir gefällt, also ohne Labung des Weges zu gehen, gib meinem Bruder Jobst den Friedenskuß und wache über ihn in der Schlacht.“
„Das werde ich tun“, erwiderte der Mann.
Er machte sich auf, indes Soetkin etwas einholen ging, um den Glücksfall zu feiern. Der Storch kriegte am selbigen Tage zwei Gründlinge und einen Kabeljaukopf zum Abendessen.
Die Kunde verbreitete sich bald in Damm, daß der arme Klas durch das Vermögen seines Bruders Jobst ein reicher Klas worden sei. Der Dechant meinte, daß Katheline ohne Zweifel Jobst behext hätte, maßen Klas eine ansehnliche Summe Geldes erhalten und doch Unsrer lieben Frau nicht das geringste Kleid geschenkt hätte.
Klas und Soetkin waren glücklich. Klas arbeitete auf dem Felde und verkaufte seine Kohlen und Soetkin zeigte sich daheim als tüchtige Hausfrau. Aber sie spähte voller Harm ohn Unterlaß auf den Wegen nach ihrem Sohn Ulenspiegel. Und alle drei genossen des Glücks, das ihnen von Gott kam, in Erwartung dessen, das ihnen von den Menschen kommen sollte.
Kaiser Karl empfing desselbigen Tages einen Brief, worin sein Sohn Philipp ihm schrieb:
„Mein Kaiserlicher Vater!
„Es mißfällt mir, in diesem Lande leben zu müssen, wo die verfluchten Ketzer wie Flöhe, Raupen und Heuschrecken überhand nehmen. Feuer und Schwert wären gerade recht, um sie vom Stamm des Lebensbaumes, der unsere heilige Mutter Kirche ist, abzuhauen. Als ob es für mich an diesem Kummer nicht genug wäre, muß es noch sein, daß sie mich nicht als König ansehen, sondern als den Mann ihrer Königin, der ohne sie keine Macht hat. Sie spotten über mich und sagen in boshaften Pamphleten, deren Verfasser und Drucker man nicht auffinden kann, daß der Papst mich bezahlt, um das Königreich durch ruchloses Brennen und Hängen zu beunruhigen und zu verderben. So ich irgend eine dringende Steuer von ihnen erheben will, denn sie lassen mich häufig aus Bosheit ohne Geld, antworten sie mir in elenden Pasquillen, daß ich nur Satan, für welchen ich arbeite, darum zu bitten brauchte. Die vom Parlament entschuldigen sich und machen einen krummen Buckel, aus Furcht, daß ich beiße; aber sie bewilligen nichts.
Indessen sind die Mauern Londons mit Schmähschriften bedeckt, so mich als einen Vatermörder hinstellen, der bereit ist, Eure Majestät zu erschlagen, um Euch zu beerben.
Aber Ihr wisset, Herr und Vater, daß ich, ohngeachtet alles berechtigten Ehrgeizes und Stolzes, Euch eine lange und ruhmreiche Regierung wünsche.
Auch verbreiten sie in der Stadt eine Zeichnung, die nur allzu geschickt in Kupfer gestochen ist. Darauf bin ich zu sehen, wie ich das Klavichord spielen lasse durch die Pfoten von Katzen, die in dem Instrument eingesperrt sind. Ihre Schwänze kommen durch runde Löcher herfür und sind außen mit eisernen Stiften befestigt. Ein Mann, der ich sein soll, verbrennt ihnen den Schwanz mit glühenden Eisen und macht dadurch, daß sie die Pfoten auf die Tasten schlagen und wütend heulen. Ich bin so häßlich darauf dargestellt, daß ich mich nicht ansehen mag. Und dann zeigen sie mich lachend. Ihr aber wisset, mein Herr Vater, ob es mir bei irgend einer Gelegenheit begegnet ist, mir dies profane Vergnügen zu machen. Ohne Zweifel versuchte ich mich zu zerstreuen, indem ich diese Katzen zum Miauen brachte, aber ich lachte nicht. In ihren rebellischen Ausdrücken machen sie mir ein Verbrechen aus dem, was sie die Neuheit und Grausamkeit dieses Klavichords nennen, wiewohl doch die Tiere keine Seele haben und alle Menschen, sonderlich alle königlichen Personen, sich zu ihrer Erholung der Tiere bis zu deren Tode bedienen können. Aber in diesem Engelland sind sie so mit Tieren versehen, daß sie solche besser behandeln als ihre Diener. Die Pferdeställe und Hundehütten sind hier Paläste, und es gibt Ritter, die mit ihrem Pferde auf derselben Streu schlafen.
Des Weiteren ist meine edle Gemahlin und Königin unfruchtbar. Sie tun mir den blutigen Schimpf an zu sagen, daß ich die Ursache davon sei und nicht sie, die übrigens über die Maßen eifersüchtig, ohne feine Sitte und liebestoll ist. Mein Herr und Vater, ich bitte alle Tage zum Herrgott, daß er mich in seiner Gnade erhalte. Ich hoffe auf einen andern Thron, und wäre es beim Türken, in Erwartung dessen, zu dem mich die Ehre beruft, Eurer höchst ruhmvollen und höchst siegreichen Majestät Sohn zu sein.“
Gezeichnet: PHLE.“
Der Kaiser antwortete auf diesen Brief:
Mein Herr Sohn!
„Eure Feinde sind groß, das bestreite ich nicht, aber versuchet, ohne Unwillen das Warten auf eine glänzendere Krone zu ertragen. Ich habe schon mehreren meine Absicht kund getan, Mich aus den Niederlanden und Meinen andern Kronländern zurückzuziehen, denn, alt und gichtisch, wie Ich werde, weiß Ich, daß Ich nicht wohl Heinrich von Frankreich, dem zweiten dieses Namens, widerstehen könnte, maßen Fortuna die jungen Leute liebt. Bedenket auch, daß Ihr als Herr Engellands Frankreich, Unseren Feind, durch Eure Macht verwundet.
Ich wurde vor Metz elend geschlagen und verlor dort vierzigtausend Mann. Ich mußte vor dem von Sachsen fliehen. Wenn Gott mir nicht durch eine Fügung seines guten und göttlichen Willens Meine ursprüngliche Kraft und Rüstigkeit wiedergibt, so bin ich gewillt, mein Herr Sohn, Meine Reiche zu verlassen und sie Euch zu übergeben.
Habet also Geduld und übet derweilen alle Pflicht wider die Ketzer, indem Ihr keinen von ihnen verschont, nicht Männer, Frauen, Mädchen noch Kinder; denn ich habe nicht ohne großen Schmerz erfahren, daß die Frau Königin sie oft begnadigen wollte.
Euer wohlgewogener Vater.
Gezeichnet: Karl.“
Da Ulenspiegel lange Zeit gewandert war, hatte er blutende Füße und begegnete im Bistum Mainz einem Planwagen mit Pilgern, der brachte ihn bis nach Rom.
Als er in die Stadt einfuhr und vom Wagen stieg, erblickte er auf der Schwelle einer Herbergstür ein artiges Weiblein, welches lächelte, da es sah, wie er es anschaute.
Diese holde Laune zu seinen Gunsten deutend, sprach er:
„Wirtin, willst Du dem pilgernden Pilger Obdach geben? Denn ich bin der Entbindung nahe und werde mit dem Erlaß meiner Sünden niederkommen.“
„Wir geben Obdach allen, die uns zahlen.“
„Ich habe hundert Dukaten in meiner Geldkatze,“ versetzte Ulenspiegel, der nur einen hatte, „und ich will den ersten draufgehen lassen und mit Dir eine Flasche alten römischen Weins trinken.“
„Der Wein ist an diesen heiligen Orten nicht teuer“, erwiderte sie. „Tritt ein und trinke für einen Soldo.“
Sie tranken so lange mitsammen und leerten unter artigen Reden so viele Flaschen, daß die Wirtin ihrer Magd heißen mußte, an ihrer Statt den Kunden zu trinken zu geben. Sie und Ulenspiegel zogen sich derweil in ein Hintergemach zurück, das mit Marmelstein ausgelegt und kalt wie der Winter war.
Den Kopf auf seine Schulter neigend, fragte sie ihn, wer er wäre. Ulenspiegel gab diese Antwort:
„Ich bin Herr von Geeland, Graf von Gavergaëten, Baron von Tuchtendeel, und in Damm, meiner Vaterstadt, habe ich fünfundzwanzig Morgen Mondschein.“
„Was ist das für ein Landgut?“ fragte die Wirtin und trank aus Ulenspiegels Humpen.
„Das ist eine Besitzung, auf der man das Korn der Täuschungen, der leeren Hoffnungen und der luftigen Versprechen säet. Aber Du bist nicht im Mondschein geboren, holde Wirtin mit der ambraduftenden Haut und den Augen, die wie Perlen glänzen. Das bräunliche Gold dieser Haare hat die Farbe der Sonne; Venus, die neidlose, machte Dir die üppigen Schultern, die prallen Brüste, die runden Arme und die zierlichen Händlein. Werden wir heute Abend mitsammen speisen?“
„Schöner Pilger aus Flandern,“ sprach sie, „warum kommst Du hierher?“
„Um mit dem Papst zu sprechen,“ versetzte Ulenspiegel.
„Ach,“ sprach sie, die Hände faltend, „mit dem Papst zu sprechen; ich, die ich aus diesem Lande stamme, habe es nimmer vermocht.“
„Ich werde es tun“, sprach Ulenspiegel.
„Aber,“ sagte sie, „weißt Du, wohin er geht, wie er ist? Kennst Du seine Gewohnheiten und seine Lebensweise?“
„Man hat mir unterwegs erzählt, daß er Julius III. heißet, daß er ein Wüstling, lustig und ausschweifend ist, geschickt in der Unterhaltung und scharfsinnig in seinen Antworten. Auch hat man mir gesagt, daß er für einen kleinen schwarzen, schmutzigen und ungesitteten Bettelbuben, der mit einem Affen um Almosen bettelt, eine außerordentliche Freundschaft gefaßt hat. Da er auf den päpstlichen Stuhl gelangte, hat er ihn zum Kardinal der Anleihen gemacht, und er soll krank sein, wenn er einen Tag verbringt, ohne ihn zu sehen.“
„Trink,“ sagte sie, „und sprich nicht so laut.“
„Man sagt auch, daß er wie ein Soldat fluchte:Al dispetto di Dio, potta di Dio, als er eines Tages beim Nachtmahl einen kalten Pfauen, den er sich hatte aufheben lassen, nicht fand. Er sagte: „Ich, der Statthalter Christi, mag wohl eines Pfauen halber fluchen, wenn mein Herr um einen Apfel gezürnet hat!“ / „Du siehst, Schätzlein, daß ich den Papst kenne und weiß, wer er ist.“
„Ach,“ sagte sie, „aber sprich davon nicht zu andern. Du wirst ihn gleichwohl nicht sehen.“
„Ich werde mit ihm sprechen“, sagte Ulenspiegel.
„Wenn Du das tust, so gebe ich Dir hundert Gülden.“
„Ich habe sie schon gewonnen“, sprach Ulenspiegel.
Am andern Morgen lief er in der Stadt umher, wiewohl seine Beine müde waren, und erkundete, daß der Papst des selbigen Tages in Sankt Johann vom Lateran die Messe lesen würde. Ulenspiegel ging dorthin und stellte sich so auffallend in die Nähe des Papstes, als er vermochte, und jedes Mal, wenn der Papst den Kelch oder die Hostie erhob, kehrte Ulenspiegel dem Altar den Rücken.
Neben dem Papst stand ein Kardinal, der die Messe ministrirte, braun von Angesicht, boshaft und feist, mit einem Affen auf der Schulter, und gab dem Volk mit vielen unzüchtigen Gesten das Sakrament. Er machte den Papst auf Ulenspiegels Gebahren aufmerksam und der Papst sandte nach der Messe vier prächtige Kriegsmänner, wie man sie in diesen kriegerischen Ländern kennt, sich des Pilgers zu bemächtigen.
„Was für einen Glauben hast Du?“ fragte ihn der Papst.
„Allerheiligster Vater,“ versetzte Ulenspiegel, „ich habe den Glauben, den meine Wirtin hat.“
Der Papst ließ die Frau holen.
„Was glaubst Du?“ sagte er zu ihr.
„Was Eure Heiligkeit glaubt“, erwiderte sie.
„Und ich desgleichen“, sprach Ulenspiegel.
Der Papst fragte ihn, warum er dem heiligen Sakrament den Rücken gedreht hätte.
„Ich fühlte mich unwürdig, es anzuschauen.“
„Du bist Pilger“, sagte der Papst.
„Ja,“ sprach er, „ich komme aus Flandern, Vergebung meiner Sünden zu erbitten.“
Der Papst segnete ihn und Ulenspiegel ging mit der Wirtin von dannen; die zählte ihm hundert Gülden auf. So beladen verließ er Rom, um in das Land Flandern zurückzukehren.
Aber für seinen Ablaß, der auf Pergament geschrieben war, mußte er sieben Dukaten entrichten.
Zur selbigen Zeit kamen zwei Prämonstratenserbrüder nach Damm, um Ablaß zu verkaufen. Sie trugen über ihrem Mönchsgewand ein schönes, mit Spitzen besetztes Hemde.
Wenn das Wetter hell war, standen sie vor der Kirchtür, wenn es regnete, in der Vorhalle. Sie schlugen ihre Preisliste an; danach gaben sie für sechs Heller, für einen Pfennig, einen halben Pariser Lire, für sieben, zwölf Karolusgülden je hundert, zweihundert, dreihundert, vierhundert Jahre Ablaß und je nach dem Preis halben oder vollkommenen Ablaß und Vergebung für die ungeheuerlichsten Verbrechen, zum Exempel den Wunsch, der heiligen Jungfrau Gewalt anzutun. Aber dieses kostete siebenzehn Gülden.
Den Käufern, die ihnen Geld gaben, händigten sie kleine Stücke Pergament ein, auf denen die Zahl der Ablaßjahre geschrieben stand. Darunter las man diese Inschrift:
Wer nicht will werdenGedämpft, gebraten, gesotten gar,Im Fegefeuer tausend Jahr,In der Höllen brennen immerdar,Der kaufe Ablaß, Gnaden, VergebungUm wenig GeldGott wird’s ihm lohnen.
Wer nicht will werdenGedämpft, gebraten, gesotten gar,Im Fegefeuer tausend Jahr,In der Höllen brennen immerdar,Der kaufe Ablaß, Gnaden, VergebungUm wenig GeldGott wird’s ihm lohnen.
Wer nicht will werdenGedämpft, gebraten, gesotten gar,Im Fegefeuer tausend Jahr,In der Höllen brennen immerdar,Der kaufe Ablaß, Gnaden, VergebungUm wenig GeldGott wird’s ihm lohnen.
Wer nicht will werden
Gedämpft, gebraten, gesotten gar,
Im Fegefeuer tausend Jahr,
In der Höllen brennen immerdar,
Der kaufe Ablaß, Gnaden, Vergebung
Um wenig Geld
Gott wird’s ihm lohnen.
Und auf zehn Meilen im Umkreis kamen Käufer zu ihnen. Der eine der guten Brüder predigte oftmals zum Volke; er hatte ein feistes, blühendes Gesicht und trug sein dreifaches Kinn und seinen Bauch ohne Verlegenheit zur Schau.
„Unglücklicher,“ sprach er und heftete seine Augen auf den einen oder den andern seiner Zuhörer: „Unglücklicher, da bist Du in der Höllen; das Feuer verbrennt dich grausam, man lässet Dich in einem Kessel voll siedenden Öls kochen, worin man die Ölkuchen der Astarte bereitet. Du bist nichts als eine Blutwurst auf Luzifers Ofen, eine Hammelkeule auf dem Gilgiroths des großen Teufels, denn zuvor schneidet man Dich in Stücke. Siehe diesen großen Sünder, der den Ablaß verachtete, siehe diese Schüssel mit Hackfleisch, das ist er, das ist er, sein ruchloser Körper, sein verdammter Körper also zusammengekocht. Und was für eine Brühe! Schwefel, Pech und Teer. Und solchergestalt werden alle diese armen Sünder gefressen, um beständig für die Qual neu geboren zu werden. Da ist wahrlich Heulen und Zähneklappern. Habe Mitleid, Gott der Barmherzigkeit! Ja, da bist Du in der Hölle, armer Verdammter und leidest all diese Qualen. Gibt man nur einen Heller für Dich, so spürst Du jählings Linderung an Deiner rechten Hand; gibt man noch einen halben mehr, siehe da, Deine beiden Hände sind aus dem Feuer. Aber der übrige Körper? Ein Gülden, und der Tau des Ablasses fällt. O köstliche Kühlung. Und das zehn Tage, hundert Tage, tausend Jahre, je nachdem man zahlt: kein Braten, keine Ölkuchen, kein Hackfleisch mehr. Und wenn es nicht für Dich Sünder ist, gibt es nicht in den geheimsten Tiefen des Feuers arme Seelen? Deine Eltern, ein liebes Weib, ein holdes Mägdlein, mit dem Du gern sündigtest?“
So sprechend, stieß der Mönch den Frater, der mit einem silbernen Becken neben ihm stand, mit dem Ellenbogen an. Bei diesem Zeichen schlug der Bruder die Augen nieder und schüttelte salbungsvoll sein Becken, um das Geld herbeizulocken.
„Hast Du nicht“, sprach der Mönch weiter, „in diesem gräßlichen Feuer einen Sohn, eine Tochter, irgend ein geliebtes Kindlein? Sie schreien, sie weinen, sie rufen Dich. Könntest Du bei diesen kläglichen Stimmen taub bleiben? Du könntest es nicht. Dein Herz von Eis schmilzt; aber das wird Dir einen Gülden kosten. Und schau: beim Klang dieses Karolus auf diesem geringen Metall (des Mönches Kumpan schüttelte abermals das Becken) entsteht ein leerer Raum im Feuer, und die arme Seele steigt bis an die Öffnung irgend eines Vulkans. Nun ist sie in der frischen Luft, der freien Luft! Wo ist die Pein des Feuers? Das Meer ist nahe, sie stürzt sich hinein, sie schwimmt auf dem Rücken, auf dem Bauch, auf den Wogen und unter ihnen. Horch, wie sie vor Freude jauchzt, wie sie sich im Wasser wälzt! Die Engel schauen sie an und sind glücklich. Sie erwarten sie, aber sie hat noch nicht genug, sie möchte ein Fisch werden. Sie weiß nicht, daß es da oben labende, duftende Bäder gibt, darinnen große Stücke weißen Kandiszuckers schwimmen, so kühl wie Eis. Ein Hai erscheint; sie fürchtet ihn nimmer. Sie steigt auf seinen Rücken, aber er spürt sie nicht; sie will mit ihm in die Tiefen des Meeres tauchen, dort will sie die Engel der Gewässer begrüßen, Waterzoey (Wassertiere) aus Korallenkesseln und frische Austern von Perlmutterschalen essen. Und wie wohl wird sie dort empfangen, gefeiert und gehätschelt. Die Englein rufen sie immerdar von oben. Siehst Du, wie sie endlich erquickt und glücklich, gleich einer Lerche, sich singend in den höchsten Himmel erhebt, wo Gott in seiner Herrlichkeit thront? Dort findet sie alle ihre irdischen Verwandten und Freunde, ohne allein jene, so im Abgrund der Höllen brennen, dieweil sie den Ablaß unsrer Heiligen Mutter Kirche geschmäht haben. Und also immer, immer, immer, bis in Jahrhunderte von Jahrhunderten, in der brennenden Ewigkeit. Aber die andre Seele ist bei Gott, erfrischt sich in köstlichen Bädern und knuspert Kandiszucker. Kauft Ablaß, Brüder, er wird für Cruzados, für Goldgülden, für Sovereigns aus England erteilt. Auch Kippergeld wird nicht zurückgewiesen. Kauft, kauft! Dies ist der heilige Kramladen. Hier ist Waare für Arme und für Reiche, aber es ist uns schier leid: wir können nichts auf Borg geben, Brüder, denn kaufen und nicht baar bezahlen ist ein Verbrechen in den Augen des Herrn.“
Der Bruder, der nicht predigte, schüttelte seine Schale und die Gulden, Cruzados, Dukaten, Groschen, Heller und Pfennige fielen hageldicht darauf nieder.
In Ansehung seines Reichtums zahlte Klas einen Gülden für zehntausend Jahre Ablaß. Die Mönche gaben ihm dafür ein Stück Pergament.
Aber in Bälde, da sie sahen, daß in Damm nur noch Geizhälse übrig waren, die keinen Ablaß gekauft hatten, machten sich die beiden nach Heyst auf.
Mit seinem Pilgergewand angetan und seiner Vergehen los und ledig, verließ Ulenspiegel Rom, ging seines Weges fürbaß und kam nach Bamberg, wo man das beste Gemüse der Welt hat.
Er trat in eine Herberge, wo eine fröhliche Wirtin war; die sprach zu ihm:
„Junger Herr, willst Du für dein Geld essen?“
„Ja,“ sagte Ulenspiegel, „aber für wieviel isset man hier?“
Die Wirtin erwiderte:
„An der Herrentafel speist man für sechs Gülden; am Bürgertisch für vier und am Gesindetisch für zwei.“
„Das meiste Geld dient mir allerbest“, versetzte Ulenspiegel und ging und setzte sich an die Herrentafel. Als er sich satt gegessen und seine Mahlzeit mit Rheinwein begossen hatte, sprach er zur Wirtin:
„Gevatterin, ich habe für mein Geld gut gespeist; gib mir die sechs Gülden.“
Die Wirtin sagte zu ihm:
„Spottest Du meiner? Zahl Deine Zeche.“
„Liebreizende Meisterin,“ gab Ulenspiegel zur Antwort, „Ihr habt nicht das Aussehen einer schlimmen Schuldnerin; im Gegenteil, ich sehe soviel große Aufrichtigkeit, Treuherzigkeit und Nächstenliebe darin, daß Ihr mir lieber achtzehn Gülden zahlen würdet, als mir die sechs verweigern, die Ihr mir schuldet. Die schönen Augen! Die Sonne, die Strahlenpfeile auf mich schleudert und verliebte Tollheit aufschießen läßt, höher als die Quecken auf einem Brachfeld.“
Die Wirtin entgegnete:
„Ich habe nichts mit Deiner Tollheit noch mit Deinen Quecken zu schaffen; bezahle und scheer Dich fort.“
„Fortgehen und Dich nicht fürder sehen! Lieber wollt’ ich augenblicks verscheiden. Meisterin, süße Meisterin, ich habe nicht die Gewohnheit für sechs Gülden zu essen, ich armer junger Kerl, der über Berg und Tal wandert. Ich habe mich vollgestopft, und bald werde ich wie ein Hund in der Sonne die Zunge heraushängen lassen. Geruht, mich zu bezahlen, ich habe die sechs Gülden durch die harte Arbeit meiner Kinnbacken redlich verdient. Gebt sie mir und ich werde Euch mit solcher Glut der Dankbarkeit liebkosen, küssen und umarmen, daß siebenundzwanzig Verliebte mitsammen zu solcher Leistung nicht ausreichen.“
„Du redest so ums Geld“, sagte sie.
„Soll ich Dich umsonst aufessen?“
„Nein“, sprach sie, sich seiner erwehrend.
„Ach,“ seufzte er, sie verfolgend, „Deine Haut ist wie Rahm, Deine Haare sind wie ein Fasan, der am Spieß gebräunt ist, Deine Lippen wie Kirschen! Gibt es eine, die leckerer ist als Du?“
„Es steht Dir wohl an, Du loser Vogel,“ sagte sie lächelnd, „mir noch sechs Gülden abzufordern. Sei froh, daß ich Dich gratis gefüttert habe, ohne etwas von Dir zu fordern.“
„Wenn Du wüßtest, wieviel Platz noch da ist.“
„Zieh ab,“ sagte die Wirtin, „ehe mein Mann kommt.“
„Ich werde ein nachsichtiger Gläubiger sein“, versetzte Ulenspiegel. „Gib mir zum wenigsten einen Gülden für den künftigen Durst.“
„Da, Du schlimmer Geselle“, sagte sie und gab ihm den.
„Aber lässest Du mich auch wiederkommen?“
„Willst Du wohl gehen“, sagte sie.
„Wohl gehen,“ sprach Ulenspiegel, „das hieße zu Dir gehen, Du Holde. Aber Deine schönen Augen verlassen, das heißt schlecht gehen. Wenn Du geruhst, mich zu behalten, werde ich nur für einen Gülden täglich essen.“
„Ist ein Stock vonnöten?“ sprach sie.
„Nimm meinen“, erwiderte Ulenspiegel.
Sie lachte, aber er mußte von dannen ziehen.
Um jene Zeit siedelte Lamm Goedzak wiederum nach Damm über, sintemalen das Land Lüttich wegen der Ketzereien unsicher war. Sein Weib folgte ihm willig, dieweil die Lütticher, die ihrer Natur nach treffliche Spötter waren, sich über die Gutmütigkeit ihres Mannes lustig machten.
Er ging oft zu Klas, welcher, seit er geerbt hatte, die Schenke „zum blauen Turm“ unsicher machte und sich allda für sich und seine Kumpane einen Tisch ausgewählt hatte. Am nächsten Tische saß Jobst Griepenstüver, der seine halbe Kanne in kleinen Schlucken trank. Er war der Älteste der Fischergilde, ein geiziger, knickeriger Mann, der von sauren Heringen lebte und dem das Geld über das Heil seiner Seele ging. Klas hatte das Stück Pergament, darauf die zehntausend Jahre Ablaß geschrieben waren, in seinen Säckel gesteckt.
Eines Abends, da Klas in Gesellschaft von Lamm Goedzak, Jan van Rosebeke und Matthys van Assche im „Blauen Turm“ saß und Jobst Griepenstüver auch da war, becherte Klas tapfer und Jan Rosebeke sprach zu ihm:
„Das heißt sündigen, soviel zu trinken.“
Klas entgegnete:
„Man brennt nur einen halben Tag für eine Kanne zuviel. Und ich habe zehntausend Jahre Ablaß in meinem Säckel. Wer will hundert davon, um sich ohne Furcht den Magen zu überschwemmen?“
Alle riefen:
„Wie teuer verkaufst Du sie?“
„Für eine Kanne, doch gebe ich hundertfünfzig für einemuske conyn.“
Etliche Trinker zahlten Klas, der eine einen Schoppen, der andre Schinken; er schnitt ihnen allen einen kleinen Streifen Pergament ab. Aber nicht Klas aß den Preis des Ablasses auf und vertrank ihn, sondern Lamm Goedzak, welcher soviel verschlang, daß er zusehends anschwoll, derweil Klas in der Schenke hin und her ging, seine Ware feilzubieten.
Griepenstüver kehrte ihm seine mürrische Miene zu.
„Hast du Ablaß für zehn Tage?“ fragte er.
„Nein,“ sprach Klas, „das ist zu schwer abzuschneiden.“
Und jedermann lachte, und Griepenstüver würgte seinen Zorn hinunter.
Alsdann begab sich Klas in seine Hütte, und Lamm folgte ihm und ging, als ob er Beine aus Wolle hätte.
Gegen das Ende des dritten Jahres kehrte Katheline nach Damm in ihre Behausung zurück. Und ohne Aufhören sagte die Irre: „Feuer auf dem Kopf, die Seele pocht, macht ein Loch, sie will hinaus.“ Und allemal, wenn sie Ochsen oder Hämmel erblickte, entfloh sie. Und sie setzte sich auf die Bank unter den Linden hinter ihrer Hütte, schüttelte den Kopf und sah die von Damm an, ohne sie zu erkennen; sie aber sagten, an ihr vorübergehend: „Das ist die Irre.“
Indessen erblickte Ulenspiegel, welcher auf Wegen und Stegen umherstreifte, einen Esel auf der Landstraße; der war mit einem Leder aufgezäumt, welches mit Kupfernägeln verziert war, und sein Kopf war mit Quasten und Troddeln von roter Wolle geschmückt.
Etliche alte Weiber stunden um den Esel und schwatzten und redeten alle zumal: „Keiner kann ihn bezwingen, es ist das grausliche Tier des großen Hexenmeisters, Baron von Rais, der lebendig verbrannt ward, dafür daß er dem Teufel acht Kinder geopfert hat. / Gevatterinnen, er ist so schnell davongelaufen, daß man ihn nicht hat einholen können. Satan steckt in ihm und beschützt ihn. / Denn da er ermattet auf der Landstraße still stand, kamen die Gemeinbüttel, ihn zu fangen; er aber schlug hinten aus und schrie so erschrecklich, daß sie ihm nicht zu nahen wagten. / Und das war keines Esels, sondern des Teufels Geschrei. / Derhalben ließ man ihn Disteln weiden, ohne ihm den Prozeß zu machen, noch ihn als Hexenmeister lebendig zu verbrennen. / Diese Mannsleute haben keinen Mut.“
Ohngeachtet dieser erbaulichen Reden entflohen sie mit Geschrei, sobald der Esel die Ohren spitzte oder sich die Flanken mit dem Schwanze schlug. Dann aber kamen sie gackernd und plappernd wieder und führten bei der geringsten Bewegung des Grautiers die nämliche Komödie von Neuem auf.
Aber Ulenspiegel betrachtete sie mit Lachen:
„Ach,“ sprach er, „Neugierde ohne Ende und immerwährendes Reden strömt wie ein Fluß aus den Mäulern der Gevatterinnen, sonderlich der alten, denn bei den jungen ist der Strom nicht so reißend wegen ihrer verliebten Geschäfte.“
Alsdann nahm er den Esel in Augenschein.
„Dies Hexentier ist behend,“ sprach er, „und trabt ohne Zweifel nicht mit den Schultern; ich kann darauf reiten oder es verkaufen.“
Ohne ein Wort zu sagen, ging er und holte eine Metze Hafer, gab sie dem Esel zu fressen, sprang ihm hurtig auf den Rücken, ergriff den Zügel, drehte sich nach Norden, Osten und Westen und segnete von ferne die Alten.
Die knieten, ohnmächtig vor Schreck, nieder, und in der Spinnstube hieß es hernach, daß ein Engel, der einen Filzhut mit Fasanenfeder trug, gekommen sei, sie alle zu segnen und durch absonderliche Gnade Gottes den Esel des Zauberers fortzuführen.
Und Ulenspiegel trabte auf seinem Esel von dannen, mitten durch fette Weiden, wo Pferde frei umhersprangen und Kühe und Färsen träg in der Sonne lagen und wiederkäuten. Und er nannte ihn Jef.
Der Esel stand still und hielt wohlgemut sein Mittagmahl von Disteln. Bisweilen jedoch zitterte er über die ganze Haut und schlug mit dem Schwanz an die Flanken, um die gefräßigen Bremsen zu vertreiben, die auch speisen wollten, aber von seinem Fleische.
Ulenspiegel, dessen Magen vor Hunger knurrte, war trübselig.
„Du wärest recht glücklich, Herr Esel,“ sagte er, „bei Deinem Mittagmahl von fetten Disteln, „wann keiner Dich in Deinem Wohlbehagen störte und Dich erinnerte, daß Du sterblich bist, das ist geboren, um alle Arten von Unbill zu erdulden. Gleich wie Du,“ fuhr er fort und drückte den Esel mit den Schenkeln, „hat der Mann vom heiligen Pantoffel seine Bremse, das ist der Doktor Luther, und seine Hohe Majestät Karl hat auch die seine, das ist Herr Franz, der erste des Namens, der König mit der sehr langen Nase und dem noch längeren Degen. Darum ist es mir, dem armen jungen Kerl, der wie ein Jude herumirrt, wohl erlaubt, auch eine Bremse zu haben, Herr Esel. Ach, alle meine Täschlein sind durchlöchert und durch das Loch laufen all meine schönen Dukaten, Gülden und Taler davon wie eine Legion Mäuse, so dem Rachen einer Katze entfleuchen. Ich weiß nicht, warum das Geld mich nicht mag, der ich so gern das Geld möchte. Was man auch sage, Fortuna ist kein Weib, denn sie liebt nur die geizigen Filze, so sie in Truhen und Säcke sperren und mit zwanzig Schlüsseln verschließen und ihr nimmer erlauben, ein Endlein ihrer ganz vergüldeten Nase ans Fenster zu drücken. Das ist die Bremse, die an mir nagt und frißt und mich kitzelt, ohne mich zum Lachen zu bringen, Du hörst mich nicht an, Herr Esel, und denkst nur ans Fressen. O, Du Fettwanst, der seinen Wanst anfüllt, Deine langen Ohren sind taub für das Knurren der leeren Bäuche. Hör mich an, ich will es.“
Und er peitschte ihn fort. Der Esel hub an zu schreien.
„Nun Du gesungen hast, laß uns weitergehen“, sagte Ulenspiegel.
Aber der Esel rührte sich nicht mehr denn ein Meilenstein und schien den Vorsatz gefaßt zu haben, alle Disteln an der Straße bis auf die letzte zu fressen. Und es mangelte nicht daran.
Da Ulenspiegel das sah, stieg er ab, schnitt einen Strauß Disteln, hielt ihn dem Esel unter die Nase und führte ihn solcherart bis in das Gebiet des Landgrafen von Hessen.
„Meister Esel,“ sagte er im Weiterreiten, „Du läufst meinem Distelstrauße nach und lässest den schönen Weg, der ganz mit diesen leckeren Pflanzen bestanden ist, hinter Dir. So machen es alle Menschen; die einen wittern den Duft des Ruhmes, den Fortuna ihnen unter die Nase hält, die andern den Duft des Gewinstes und etliche den Duft der Liebe. Am Ende des Weges werden sie wie Du gewahr, daß sie dem nachgelaufen sind, was wenig war, und das zurückgelassen haben, was etwas war, nämlich: Gesundheit, Arbeit, Ruhe und Wohlsein daheim.“
Dergestalt mit seinem Esel schwätzend, kam Ulenspiegel vor den Palast des Landgrafen.
Zwei Hauptleute der Scharfschützen würfelten auf der Treppe. Der eine von ihnen, welcher rothaarig und riesengroß war, sprach zu Ulenspiegel, der bescheidentlich auf Jef saß und ihnen zusah: „Was willst Du bei uns mit Deiner ausgehungerten Pilgerfratze?“
„Ich habe freilich großen Hunger,“ versetzte Ulenspiegel, „und wallfahrte wider Willen.“
„So Du Hunger hast,“ erwiderte der Hauptmann, „so schlinge den Strick hinunter, der am nächsten Galgen baumelt; der ist für Landstreicher bestimmt.“
„Herr Hauptmann,“ antwortete Ulenspiegel, „wenn Ihr mir den schönen güldenen Strick gäbet, den Ihr am Hute traget, so würde ich mich mit den Zähnen an jenem fetten Schinken aufhängen, der dorten beim Garkoch baumelt.“
„Woher kommst Du?“ fragte der Hauptmann.
„Aus Flandern“, antwortete Ulenspiegel.
„Was willst Du?“
„Seiner landgräflichen Gnaden ein Gemälde meiner Art zeigen.“
„Wenn Du ein Maler und aus Flandern bist,“ sagte der Hauptmann, „so tritt ein, und ich werde Dich zu meinem Herrn führen.“
Da Ulenspiegel vor den Landgrafen geführt ward, grüßte er ihn dreimal und noch mehr.
„Geruhen Euer Landgräfliche Gnaden“, sprach er, „meine Dreistigkeit zu entschuldigen, wenn ich es wage, zu Ihren edlen Füßen eine Malerei niederzulegen, die ich für Sie machte, und worauf ich die Ehre hatte, die Jungfrau in kaiserlichem Schmuck zu konterfeien.“
„Diese Malerei“, fuhr er fort, „wird Euch vielleicht genehm sein. In dem Falle macht mich meine Kunst so vermessen, auf eine Erhöhung meines Sitzes bis zu diesem schönen Armsessel von rotem Sammet zu hoffen, worinnen zu seinen Lebzeiten der unvergeßliche Maler Euer großmütigen Gnaden saß.“
Da der Herr Landgraf das Gemälde, das schön war, betrachtet hatte, sagte er:
„Du sollst Unser Maler werden, setz Dich dort auf den Armstuhl.“ Und er küßte ihn fröhlich auf beide Wangen. Ulenspiegel setzte sich.
„Schier zerlumpt schaust Du aus“, sprach der Landgraf, ihn betrachtend.
Ulenspiegel erwiderte:
„Wahrlich, Euer Gnaden, Jef, das ist mein Esel, fraß Disteln zu Mittag, aber ich lebe seit drei Tagen nur von Elend und nähre mich vom Dunste der Hoffnung.“
„Du wirst alsbald besseres Fleisch zum Nachtmahl haben,“ entgegnete der Landgraf, „aber wo ist Dein Esel?“
„Ich habe ihn auf dem Schloßplatz gelassen, dem Palast Eurer Gnaden gegenüber. Ich wäre recht froh, wenn Jef Obdach, Streu und Futter für die Nacht fände.“
Der Herr Landgraf befahl stracks einem seiner Pagen, Ulenspiegels Esel zu behandeln, als wär’s sein eigner.
Alsbald kam die Stunde des Nachtmahls. Da war eitel Hochzeit und Gelage, und die Fleischspeisen dampften immerfort und die Weine strömten in die Kehlen.
Ulenspiegel und der Landgraf waren alle beide so rot wie glühende Kohlen; Ulenspiegel ward lustig, aber der Landgraf blieb nachdenklich.
„Unser Maler,“ sagte er plötzlich, „Du mußt mich malen, denn es ist für einen sterblichen Fürsten eine gar große Genugtuung, seinen Nachkommen sein Antlitz zum Gedächtnis zu hinterlassen.“
„Herr Landgraf,“ versetzte Ulenspiegel, „Euer Wille ist mein Wunsch; aber mir Armseligen scheint, daß Eure Liebden so ganz allein konterfeit in den künftigen Zeiten nicht viel Kurzweil haben würden. Ihr müßt in Gesellschaft Eurer edlen Gemahlin, der Frau Landgräfin, hochdero Damen und Herren und Eurer tapfersten Hauptleute und Offiziere sein, in deren Mitte der hohe Herr und die hohe Frau wie Sonnen unter Laternen erglänzen werden.“
„Fürwahr, Unser Maler,“ erwiderte der Landgraf, „und was soll ich Dir für diese große Arbeit zahlen?“
„Hundert Gülden im voraus oder anders“, sprach Ulenspiegel.
„Hier sind sie im voraus“, sprach der Landgraf.
„Euer Mitleid, gnädiger Herr, gießt Öl auf meine Lampe; sie wird Euch zu Ehren brennen“, sprach Ulenspiegel.
Am folgenden Tag bat er Seine Gnaden den Landgrafen, Die, welchen er die Ehre des Konterfeis zugedacht hätte, an ihm vorbeiziehen zu lassen.
Da kam der Herzog von Lüneburg, der Feldhauptmann der Landsknechte im Dienste des Landgrafen, der seinen feisten Wanst nur mit großer Beschwerde schleppte. Er trat nahe an Ulenspiegel heran und säuselte ihm diese Worte ins Ohr:
„Wenn Du mir beim Abmalen nicht die Hälfte meines Fettes fortnimmst, so laß ich Dich durch meine Soldaten henken.“
Kam sodann eine hohe Dame; selbige hatte einen Höcker auf dem Rücken und eine Brust, so glatt wie die Klinge eines Richtschwertes.
„Meister Maler,“ sagte sie, „wenn Du mir nicht anstatt des einen, den du fortnimmst, zwei Höcker machst und sie nach vorne setzest, so laß ich Dich wie einen Giftmischer vierteilen.“
Kam ein junges Ehrenfräulein, blond, frisch und liebreizend, aber ihr fehlten drei Zähne unter der Oberlippe.
„Meister Maler,“ sprach sie, „wenn Du mich nicht malst, wie ich lache und zweiunddreißig Zähne zeige, so laß ich Dich durch meinen Herzallerliebsten in Stücke hacken.“
Und auf den Hauptmann der Scharfschützen weisend, der zuvor auf der Treppe des Palastes gewürfelt hatte, ging sie weiter.
Die Prozession nahm ihren Verlauf. Ulenspiegel blieb mit Seiner Gnaden dem Landgrafen allein.
„Wenn Du das Unglück hast,“ sprach dieser, „beim Konterfeien aller dieser Gesichter mit einem Strich zu lügen, so laß ich Dir den Hals abschneiden wie einem jungen Huhn.“
Ulenspiegel gedachte: „des Kopfes beraubt, gevierteilt, kleingehackt oder zum mindesten gehenkt, wird es leichter sein, gar nicht zu malen. Ich werde darauf bedacht sein.“
„Wo ist der Saal,“ fragte er den Landgrafen, „den ich mit all diesen Gemälden schmücken soll?“
„Folge mir“, sprach der Landgraf.
Und er zeigte ihm ein großes Gemach mit ganz nackten Mauern.
„Hier ist der Saal“, sagte er.
„Mir wäre es lieb,“ sprach Ulenspiegel, „wenn man vor diese Wände große Vorhänge zöge, auf daß meine Schildereien nicht möchten durch Fliegen und Staub verunglimpft werden.“
„Das soll geschehen“, sprach der Landgraf.
Nachdem die Vorhänge befestigt waren, begehrte Ulenspiegel drei Gesellen, damit sie, wie er sagte, ihm die Farben rieben. Dreißig Tage lang taten Ulenspiegel und die Gesellen nichts denn schwelgen und schlemmen und schonten der feinen Braten und alten Weine nicht; der Landgraf wachte selbst darüber.
Indessen am einunddreißigsten Tage steckte er die Nase in die Türe des Gemachs, das auf Ulenspiegels Geheiß niemand betreten sollte.
„Wohlan, Tyll,“ sprach er, „wo sind die Bilder?“
„Sie sind weit“, antwortete Ulenspiegel.
„Kann man sie nicht sehen?“
„Noch nicht.“
Am sechsunddreißigsten Tage steckte er wieder die Nase durch die Türe:
„Wohlan, Tyll?“ fragte er.
„Ei, gnädigster Herr Landgraf, sie gehen dem Ende zu.“
Am sechzigsten Tage ward der Landgraf zornig und trat in das Gemach.
„Flugs wirst Du mir die Bildnisse zeigen“, sprach er.
„Jawohl, Euer Furchtbarkeit“, erwiderte Ulenspiegel. „Aber wollet diesen Vorhang nicht lüften, ehe Ihr nicht die Herren Hauptleute und Damen Eures Hofes hierher beschieden habt.“
„Ich willige darein“, sprach der Landgraf.
Alle kamen auf sein Geheiß.
Ulenspiegel stand vor dem zugezogenen Vorhang.
„Gnädigster Herr Landgraf,“ sprach er, „und Ihr, gnädigste Frau Landgräfin, und Eure Gnaden von Lüneburg und Ihr anderen schönen Damen und wackeren Hauptleute, ich habe Eure liebreizenden oder kriegerischen Angesichter hinter jenem Vorhang aufs beste abkonterfeit. Es wird Euch ein Leichtes sein, Euch männiglich darauf zu erkennen. Ihr seid neugierig, es zu sehen, das ist gerecht, aber geruhet Euch zu gedulden, und lasset mich ein Wort oder sechs reden. Schöne Damen und wackere Hauptleute, die Ihr adligen Blutes seid, Ihr könnet meine Malerei sehen und bewundern, so aber einer unter Euch ein Bürgerlicher ist, wird er nur die weiße Wand erblicken. Und nun geruhet Eure edlen Augen aufzutun.“
Ulenspiegel zog den Vorhang fort:
„Allein die adligen Herren, allein die adligen Damen sind sehend. Darum wird man in Bälde sagen: Für die Malerei blind wie ein Niedriggeborener, scharfsichtig wie ein Edelmann.“
Alle sperrten die Augen auf und stellten sich, als ob sie etwas sähen, zeigten sich einer dem andern, nannten Namen und erkannten sich, aber in Wahrheit erblickten sie nur die nackte Wand, welches sie verblüffte.
Plötzlich sprang der Narr, der zugegen war, drei Schuh hoch in die Luft und schüttelte seine Schellen:
„Scheltet mich einen Bürgerlichen, einen Niedrigen, der Niedrigkeit noch erniedrigt, aber ich sage und rufe mit Pauken und Trompeten, daß ich allda nur eine kahle Wand, eine weiße Wand, eine kahle Wand sehe. So mögen mir Gott und alle seine Heiligen beistehen.“
Ulenspiegel versetzte:
„Wenn Narren drein reden, so ist’s für die Weisen an der Zeit, zu gehen.“
Er wollte den Palast verlassen, als der Landgraf ihn festhielt und sprach:
„Du Schalksnarr, der durch die Welt wandert und die schönen und guten Dinge preist und der Dummheit mit einer scharfen Zunge spottet, Du wagtest angesichts so vieler hoher Damen und noch höherer vieledler Herren Dich öffentlich über Wappen und Adelsstolz lustig zu machen; du wirst eines Tages für Dein freies Reden gehenkt werden.“
„Wenn der Strick von Gold ist, wird er vor Furcht zerreißen, wenn er mich kommen sieht.“
„Nimm“, sprach der Landgraf und gab ihm fünfzehn Gülden; „dies ist das eine Ende davon.“
„Großen Dank, Euer Gnaden,“ erwiderte Ulenspiegel, „jede Herberge des Weges wird ein Fädlein davon erhalten, ein gülden Fädlein, das die spitzbübischen Herbergswirte zu Krösussen macht.“
Und wohlgemut ritt er auf seinem Esel fürbaß; die Kappe trug er hoch, und die Feder wallte im Winde.
Die Blätter auf den Bäumen vergilbten, und der Herbstwind begann zu wehen. Katheline war zuzeiten eine oder drei Stunden bei Sinnen. Und Klas sagte dann, daß der Geist Gottes in seinem milden Erbarmen in sie führe. In solchen Augenblicken hatte sie die Macht, durch Gebärden und Worte einen Zauber auf Nele zu werfen, also daß sie mehr denn hundert Meilen weit Dinge erblickte, die auf Plätzen und Gassen und in den Häusern geschahen.
An jenem Tage nun, da Katheline bei gutem Verstande war und Ölkuchen, mit Doppelbier angefeuchtet, in Gemeinschaft mit Klas, Soetkin und Nele verzehrte, sprach Klas:
„Heute ist der Tag der Abdankung Seiner Heiligen Majestät Kaiser Karls V. Nele, mein Schätzlein, vermöchtest Du wohl bis nach Brüssel in Brabant zu sehen?“
„Ich vermöchte es, wenn Katheline will“, versetzte Nele.
Alsogleich hieß Katheline das Mägdlein auf eine Bank niedersitzen und durch ihre Worte und Gebärden, die wie ein Zauber wirkten, sank Nele in festen Schlummer.
Katheline sprach zu ihr:
„Tritt in das kleine Haus des Lustgartens, wo Kaiser Karl V. zu verweilen liebt.“
„Ich bin“, sprach Nele mit leiser Stimme und als ob sie erstickte, „ich bin in einem kleinen Saal, der mit Ölfarbe grün angemalt ist. Dort sitzt ein Mann, nahe bei vierundfünfzig Jahren, kahlköpfig und grau, der einen blonden Bart auf einem vorstehenden Kinn trägt. Der Blick seiner grauen Augen ist böse, voller Arglist, Grausamkeit und verstellter Gutmütigkeit. Und diesen Mann nennt man Heilige Majestät. Er ist verschleimt und hustet viel. Bei ihm steht ein anderer, der ist jung, mit häßlicher Fratze wie ein wasserköpfiger Affe. Ich sah ihn zu Antwerpen, es ist König Philipp. Seine Heilige Majestät tadelt ihn just, daß er die Nacht sich herumgetrieben hat. Sicherlich, sagt er, um in einer Spelunke irgend eine Vettel aus dem verrufenen Stadtteil zu finden. Er sagt, daß seine Haare nach der Schenke riechen und daß solches kein Vergnügen für einen König sei, der nur zu wählen braucht reizende Leiber mit Haut wie Atlas, in wohlriechenden Bädern erfrischt, und Hände sehr verliebter, vornehmer Damen. Das ist mehr wert als eine Saudirne, die kaum gewaschen aus den Armen eines versoffenen Soldaten kommt. Da ist kein Weib, sagt er, ob Jungfrau, Ehefrau oder Wittib, die ihm widerstehen möchte unter den adligsten und schönsten, die ihre Liebschaften mit duftenden Kerzen und nicht mit dem fettigen Glimmen stinkender Unschlittlichter erhellen.“
Der König erwidert Seiner Majestät, daß er ihm in allem gehorchen werde.
Dann hustet Seine Majestät und trinkt etliche Schluck Würzwein.
„Du wirst“, sagt er, sich an Philipp wendend, „alsbald die Generalstaaten sehen, Prälaten, Edle und Bürger: Oranien den Schweigsamen, Egmont den Eitlen, Hoorn den Unbeliebten, und Brederode den Leuen, und alle die Ritter vom Güldenen Vlies, zu dessen Großmeister ich Dich ernennen werde. Du wirst da hundert finden, die dies Spielzeug tragen und die sich männiglich die Nase abschneiden ließen, so sie diese an einer güldenen Kette als Zeichen höheren Adels auf der Brust tragen könnten.“
Dann sagt Seine Majestät in anderm Ton und höchst kläglich zu König Philipp:
„Du weißt, daß ich zu Deinen Gunsten abdanken werde, mein Sohn, und der Welt ein großes Schauspiel geben und vor einer großen Menge reden, obwohl mit Schlucken und Husten, denn ich habe meiner Lebtage zuviel gegessen, mein Sohn. Du müßtest ein gar hartes Herz haben, wenn Du nicht etliche Tränen vergössest, nachdem Du mich angehört hast.“
„Ich werde weinen, Herr Vater“, antwortet König Philipp.
Dann spricht Seine Heilige Majestät zu einem Diener, mit Namen Dubois:
„Dubois,“ sagt er, „reiche mir ein Stück Madeirazucker: ich habe das Schlucken. Wenn es mich nur nicht überfällt, dieweil ich zu aller Welt spreche. Die Gans von gestern wird wohl nie verdaut werden. Ob ich wohl einen Humpen Wein von Orleans trinke? Nein, er ist zu herbe. Ob ich etliche Sardinen esse? Sie sind so ölig. Dubois, gib mir Wein aus der Romagna.“
Dubois gibt Seiner Heiligen Majestät, was er verlangt. Dann legt er ihm ein Kleid von karmesinrotem Sammet an, bedeckt ihn mit einem güldenen Mantel, gürtet ihm den Degen um, überreicht ihm Zepter und Reichsapfel und setzt ihm die Krone aufs Haupt.
Sodann verläßt Seine Heilige Majestät auf einem kleinen Maultier das Haus im Lustgarten; König Philipp und viele hohe Personen folgen ihm. So gelangen sie in ein großes Gebäude, das sie Palast nennen und finden dort in einem Gemach einen Mann von hoher, hagerer Gestalt und reich gekleidet, den sie Oranien nennen.
Seine Heilige Majestät spricht zu diesem Manne und sagt:
„Sehe ich gut aus, Vetter Wilhelm?“
Aber der Mann antwortet nicht.
Seine Heilige Majestät sagt darauf, halb lachend, halb zornig:
„Wirst Du denn immer stumm sein, Vetter, selbst wenn es gilt, dem alten Gerümpel Wahrheiten zu sagen? Soll ich noch weiter regieren oder soll ich abdanken, Schweiger?“
„Heilige Majestät,“ sagt der hagere Mann, „wenn der Winter kommt, lassen die stärksten Eichen ihre Blätter fallen.“
Die dritte Stunde schlägt.
„Schweiger,“ sagt er, „leih mir deine Schulter, daß ich mich darauf stütze.“
Und er tritt mit ihm und seinem Gefolge in einen großen Saal und setzt sich unter einen Thronhimmel auf eine Estrade, die mit Seide oder Teppichen überzogen ist. Da sind drei Sessel. Seine Majestät nimmt den in der Mitten ein, der reicher verziert ist als die anderen und hinter dem die Kaiserkrone emporragt. König Philipp setzt sich auf den zweiten, und der dritte ist für eine Frau, welche ohne Zweifel eine Königin ist. Zur Rechten und Linken sitzen auf teppichbelegten Bänken rotgekleidete Männer, so ein gülden Lamm um den Hals tragen. Hinter ihnen stehen unterschiedliche Personen, ohne Zweifel Prinzen und große Herren. Gegenüber am Fuß der Estrade sitzen auf kahlen Bänken in Wolle gekleidete Männer. Ich höre sie sagen, daß sie so bescheiden sitzen und so schlicht gekleidet sind, weil sie allein alle Kosten tragen. Ein jeglicher hat sich erhoben, da Seine Heilige Majestät eingetreten ist, er aber hat sich sogleich gesetzt und gibt allen das Zeichen, ihm nachzuahmen.
Ein alter Mann spricht nun des Langen und Breiten über die Gicht. Dann reicht die Frau, so eine Königin scheint, Seiner Heiligen Majestät eine Pergamentrolle. Es sind Dinge darauf geschrieben, die Seine Heilige Majestät hustend und mit dumpfer, leiser Stimme verliest. Er spricht von sich selbst und sagt:
„Viel sind der Reisen, so ich in Hispanien, Italien, den Niederlanden, Engelland und Afrika gemacht, alles zur Ehre Gottes, zum Ruhm meiner Waffen und zum Wohl meiner Völker.“
Dann, nachdem er des Langen und Breiten geredet hat, sagt er, daß er hinfällig und müde sei und die Krone Spaniens, die Grafschaften, Herzogtümer und Markgrafschaften dieser Länder in die Hände seines Sohnes überantworten wolle.
Alsdann weint er, und alle weinen mit ihm.
König Philipp erhebt sich nun und fällt auf die Knie:
„Heilige Majestät,“ sagt er, „wie ist es mir erlaubt, diese Krone aus Euren Händen zu empfangen, wenn Ihr noch so fähig seid, sie zu tragen.“
Dann sagt Seine Heilige Majestät ihm ins Ohr, er solle zu den Männern, so auf den mit Teppich belegten Bänken sitzen, wohlwollend reden.
König Philipp wendet sich zu ihnen und sagt in mürrischem Ton, ohne sich zu erheben:
„Ich verstehe ziemlich gut französisch, aber nicht genug, um zu Euch in dieser Sprache zu sprechen; Ihr werdet hören, was der Bischof von Arras, Herr Granvella, Euch in meinem Namen sagen wird.“
„Du sprichst schlecht, mein Sohn“, sagt Seine Majestät.
Und wahrlich, die Versammlung murrt, da sie den jungen König so stolz und so hoffärtig sieht. Die Frau Königin spricht auch, um ihn zu prüfen. Dann kommt ein alter Magister dran, der, da er fertig ist, von Seiner Heiligen Majestät als Zeichen des Danks einen Wink mit der Hand empfäht. Nun sind die Zeremonien und Ansprachen zu Ende. Seine Majestät spricht seine Untertanen ihres Treuschwurs ledig, unterzeichnet die hierfür aufgesetzten Urkunden, und von seinem Throne sich erhebend, setzt er seinen Sohn darauf. Und jedermann im Saale weint. Dann gehen sie wiederum in das Haus im Lustgarten.
Da sie zum andern Mal im grünen Gemache sind, allein und bei verschlossenen Türen, lacht Seine Majestät aus vollem Halse und spricht zu König Philipp, der nicht lacht, also:
„Sahest Du, wie wenig vonnöten ist, um diese guten Kerle zu rühren?“ spricht er, indem er zugleich redet, schluckt und lacht. „Welche Flut von Tränen! Und dieser dicke Maes, der wie ein Kalb weinte, da er seine lange Salbaderei endete. Du selbst schienest bewegt, aber nicht genug. Das sind die wahren Schauspiele, die das Volk haben muß. Mein Sohn, wir Männer schätzen unsere Liebsten um so höher, je mehr sie uns kosten. So auch bei den Völkern. Je mehr wir sie zahlen lassen, um so mehr lieben sie uns. Ich habe die reformierte Religion in Deutschland geduldet und in den Niederlanden hart gestraft. Wären die deutschen Fürsten katholisch gewesen, so wäre ich lutherisch geworden und hätte ihre Besitztümer eingezogen. Sie glauben an die Redlichkeit meines Eifers für den katholischen Glauben und beklagen, daß ich sie verlasse. In den Niederlanden sind auf mein Geheiß um der Ketzerei willen fünfzigtausend ihrer tapfersten Männer und ihrer hübschesten Mädchen umgekommen. Ich gehe und sie jammern. Ungerechnet der Gütereinziehungen hab ich sie mehr Steuern zahlen lassen als Indien und Peru: sie sind betrübt mich zu verlieren. Ich habe den Frieden von Cadzant gebrochen, Gent bezwungen, alles unterdrückt, was mich hindern konnte; Gerechtsame, Freiheiten, Privilegien, alles ist der Bestätigung der Beamten des Fürsten unterworfen. Diese Biedermänner glauben sich noch frei, weil ich ihnen erlaube, mit der Armbrust zu schießen und ihre Zunftfahnen bei Umzügen zu tragen. Sie fühlen die Hand des Herrn. Sie sind im Käfig und befinden sich wohl darin, singen und weinen um mich. Mein Sohn, sei gegen sie, wie ich es war, gütig in Worten, rauh in Taten; lecke, wenn Du nicht beißen mußt. Schwöre, schwöre immer auf ihre Gerechtsame, Freiheiten und Privilegien; aber so sie eine Gefahr für Dich werden können, vernichte sie. Sie sind von Eisen, wenn man sie mit furchtsamer Hand berührt, von Glas, wenn man sie mit starkem Arme zerbricht. Schlage die Ketzerei zu Boden, nicht weil sie von der römischen Religion abweicht, sondern weil sie in den Niederlanden unsere Macht zerstören würde. Die, so den Papst angreifen, welcher drei Kronen trägt, haben den Fürsten, die nur eine haben, bald den Garaus gemacht. Mache gleich mir die Gewissensfreiheit zum Majestätsverbrechen mit Gütereinziehung, so wirst Du erben, wie ich mein Lebelang getan habe. Und wenn Du gehst, um abzudanken oder zu sterben, werden sie sagen: Ach, der gute Fürst! Und sie werden weinen.“
„Und ich höre nichts mehr,“ sprach Nele weiter, „denn Seine Heilige Majestät hat sich auf ein Bett gelegt und schläft, und König Philipp, stolz und hoffärtig, blickt ihn ohne Liebe an.“
Da sie solches gesagt hatte, ward Nele von Katheline erweckt.
Und Klas sah in Gedanken, wie die Herdflamme den Rauchfang erhellte.