The Project Gutenberg eBook ofU-Boot-Abenteuer im Sperrgebiet

The Project Gutenberg eBook ofU-Boot-Abenteuer im SperrgebietThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: U-Boot-Abenteuer im SperrgebietAuthor: K. E. Selow-SermanRelease date: April 27, 2020 [eBook #61955]Most recently updated: October 17, 2024Language: GermanCredits: Produced by Peter Becker and the Online DistributedProofreading Team at https://www.pgdp.net (The digitizedholdings of the Staatsbibliothek zu Berlin are availableto all interested parties worldwide free of charge fornon-commercial use.)*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK U-BOOT-ABENTEUER IM SPERRGEBIET ***

This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.

Title: U-Boot-Abenteuer im SperrgebietAuthor: K. E. Selow-SermanRelease date: April 27, 2020 [eBook #61955]Most recently updated: October 17, 2024Language: GermanCredits: Produced by Peter Becker and the Online DistributedProofreading Team at https://www.pgdp.net (The digitizedholdings of the Staatsbibliothek zu Berlin are availableto all interested parties worldwide free of charge fornon-commercial use.)

Title: U-Boot-Abenteuer im Sperrgebiet

Author: K. E. Selow-Serman

Author: K. E. Selow-Serman

Release date: April 27, 2020 [eBook #61955]Most recently updated: October 17, 2024

Language: German

Credits: Produced by Peter Becker and the Online DistributedProofreading Team at https://www.pgdp.net (The digitizedholdings of the Staatsbibliothek zu Berlin are availableto all interested parties worldwide free of charge fornon-commercial use.)

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK U-BOOT-ABENTEUER IM SPERRGEBIET ***

Alle Rechte, auch das der Uebersetzung, vorbehalten.Copyright 1917 by August Scherl G. m. b. H., Berlin.

U-Boot-Abenteuerim SperrgebietVonK. E. Selow-Serman★Druck und Verlag August Scherl G. m. b. H.Berlin

U-Boot-Abenteuerim Sperrgebiet

Von

K. E. Selow-Serman

Druck und Verlag August Scherl G. m. b. H.Berlin

»Nu will ick dir aber mal wat verklaren. Hör bloß mit din dammeligen Quatschen up, sonst hang ick di mol fif Minuten öwer Bord. Du bist ja'n gräsigen Kirl«, schnauzt der Obermatrose Tönjes den Matrosen Lehmann aus Berlin an, der seine erste Fahrt auf »U 217« macht; trotzdem spinnt er ein Seemannsgarn, als hätte er jahrelang schon nichts anderes getan als im Sperrgebiet ein Schiff nach dem anderen versenkt.

Seit einigen Tagen liegt das Boot auf der südlichen Anmarschstraße zur Irischen See auf Lauer. Mehrere Schiffe sind ihm bereits zum Opfer gefallen. Gegen schweren Nordwestwind war »U 217« von Helgoland ausgelaufen und hatte seinen Weg mühsam nordwärts um Schottland herum genommen. Oft schien es, als ob es überhaupt nicht weiterginge, so schwer haute das kleine Fahrzeug in die See ein. Wachoffizier und Rudergänger mußten mit Leinen festgebunden werden, um nicht durch die unablässig über den Turm hinweg jagenden schweren Brecher über Bord gerissen zu werden. Jeden Augenblick zitterte das ganze Boot unter dem krachenden Aufschlagender Tiefenruder. An einigen Stellen platzten Nieten los, das Geländer verbog sich, ein Stück der Beplattung hatte sich bereits losgearbeitet.

Und erst im Innern! Den Leuten war es fast unmöglich, den tollen Bewegungen ihres Fahrzeuges zu folgen. Wieder und wieder stand der Kommandant vor der Überlegung, zu tauchen, um dem Geschüttle und Geschlingere durch Aufsuchen der ruhigeren Tiefe zu entgehen. Der elektrische Antrieb aber ist kostbar. Vor einigen Tagen erst hatte Deutschland die Gewässer rings um England als Sperrgebiet erklärt, wer konnte wissen, welche Gegenmaßregeln die Engländer ergriffen hatten. Jeder Augenblick konnte das Tauchen für unbestimmt lange Zeit erfordern, da hieß es, die elektrische Kraft voll aufgespeichert zu halten.

Als hätte die deutsche Bekanntmachung die See reingefegt, so zeigt sich kein Schiff in der weiten Nordsee. Selbst die so gewinntüchtigen Norweger sind verschwunden; anscheinend brauchen sie noch Zeit zur Überlegung, wie sie sich möglichst ungefährdet nach England durchschleichen können. Noch vor wenigen Wochen – kaum vierzehn Tage sind es – bei der Rückkehr von der letzten Fahrt, sah es hier etwas anders aus. Kein Tag verging, der nicht mehrere Rauchfahnen oder die hellen Segel skandinavischer Schiffe in Sicht brachte, – jetzt sind selbst die Fischer verschwunden. Wie ausgestorben liegt die See, als wenn sie ausschließlich nur den deutschen U-Booten und den Möwen gehörte. So weit das Auge auch zu blicken vermag, überall heben sich die schweren grünlichgläsernenWellenberge aus der See, weißer Gischt züngelt herauf, krachend brechen sie in das Tal hinab. Tagelang. Immer das gleiche, eintönige und doch so gewaltige Bild. Bis endlich »U 217« zwischen den Shetlandsinseln und der Nordküste von Schottland steht.

Hier scheint besseres Wetter zu kommen. Zusehends verschwindet der Gischt, der Seegang nimmt ab. Die ersten feindlichen Streitkräfte werden gesichtet: einige Fischdampfer, die als Bewachungsfahrzeuge ihren so unangenehmen Dienst versehen. Ein unbemerktes Vorbeikommen über Wasser ist unmöglich. So wird hier also zum erstenmal getaucht, um das Gejagtwerden zu vermeiden, würden die Kerle drüben doch sofort die Anwesenheit deutscher U-Boote melden und ihnen einige Zerstörer auf den Hals hetzen.

In der Nacht wird die Straße zwischen den Orkneys und Shetlandsinseln passiert. An Backbord tauchen in der Ferne einige Lichter, anscheinend Leuchtfeuer, auf. Stunden später, im Grauen des anbrechenden Morgens, liegt das Boot auf südlichem Kurs und strebt dem ihm zugewiesenen Operationsfelde, der nördlichen Biscaya und dem Westausgang des Kanals, zu.

Trotzdem die lange Dünung des Atlantik noch ziemlich hoch läuft, ist hier doch ein erträgliches Fahren. Zwar ist das Deck selbst noch nicht begehbar, auf dem Turm aber läßt es sich schon aushalten. Auch die unangenehme Kälte ist weicheren, aus Süden wehendenWinden gewichen. Seit die Südküste Irlands querab liegt, ist dann auch die See so ruhig geworden, daß die dienstfreie Mannschaft sich an Oberdeck gründlich auslüften kann.

Im Schutz des Turmes hocken sie dicht aneinandergedrängt, und Orje Lehmann, der Berliner Flunki, wie er nach wenigen Tagen schon genannt wird, erzählt. Wie er einen ungeheuren Cunarder nach dem andern versenkte, einen voll beladenen Munitionsdampfer gegen den Himmel fliegen machte, dann wieder schildert er in glühenden Farben den Untergang eines Transportdampfers und berichtet, wie Tausende von Khakimännern im Wasser herumkrabbelten, bis er schließlich mit einem wohlgezielten Torpedoschuß ein englisches Großkampfschiff erledigt. Grade aber als es kieloben wegsacken will, wird er in gröblicher Weise von Tönjes unterbrochen.

Seit zehn Minuten schon, während die Khakimänner nach Lehmanns Schilderung in rechts abmarschierenden Sektionskolonnen den Weg nach unten antreten, kribbelt es dem in den Fingern. Als dann aber schließlich der englische Überdreadnought sich in seine Bestandteile auflöst, legt er zornentbrannt los. Von allen Seiten wird der unglückliche Lehmann mit den liebevollsten Bezeichnungen zugedeckt. Während er noch überlegt, wie er sich am schleunigsten verdrücken könnte, kommt schon die Erlösung in Form einer dicken Rauchwolke, die soeben vom Turm gemeldet wird. Im Westen, eben über der Kimm, taucht die dunkle Fahne auf.

Im Nu springt die Gesellschaft, die sich im Schutze des Turmes recht wohl gefühlt hatte, hoch und starrt nach der angegebenen Richtung. Die Gläser des Brückenpersonals haben das Fahrzeug, dessen Masten soeben über der Kimm erscheinen, erfaßt und lassen es nicht mehr aus dem Gesichtsfeld. Der Wachoffizier ist auf das Brückengeländer geklettert, um einen möglichst hoch gelegenen Ausblick zu haben.

»Melden Sie dem Kommandanten: »In West-Südwest ein Dampfer, der auf uns zuhält. Anscheinend ein Frachtdampfer; hohe Aufbauten fehlen.«

Noch ist das letzte Wort nicht verhallt, als der Kommandant, der in seinem Raum bereits gehört hat, daß ein Schiff in Sicht sei, aus dem Turmluk heraufkommt.

Es ist zwei Uhr nachmittags. Die Strahlen der Februarsonne, die nahezu über dem Dampfer steht, lassen die Umrisse des Schiffes, das sich nur langsam über die Kimm heraufschiebt, vorläufig undeutlich erkennen. Ein breiter Schiffsrumpf nur, mit ungewöhnlich niedrigem Schornstein und ebenso niedrigem Mast sind auszumachen.

»Das scheint ja ein ganz besonderer Vogel zu sein«, wendet sich der Kommandant an seinen Offizier, der bei dem schlingernden Boot einen nicht gerade leichten Stand auf dem Geländer hat, »den wollen wir uns doch etwas von der Seite besehen.«

Mit großer Fahrt läuft »U 217« ab, bis die Umrisse des Dampfers klar hervortreten. Ein Tankdampfer von ungefähr 3000 Tonnen. Fast am Heck steht der Schornstein, davor der weiße Aufbau derBrücke. Drei Viertel des Schiffes liegen vor den Kesseln. In riesigen Tanks bergen sie das für die englische Flotte so kostbare Heizöl.

Die Nationalität des Schiffes ist auf die fast sieben Seemeilen betragende Entfernung noch nicht zu erkennen. Schließlich ist das aber auch ganz gleichgiltig. Der Bursche drüben führt unbedingt Bannware an Bord und befindet sich zudem hier im Sperrgebiet. Lange, viel zu lange für die U-Boot-Leute, die sich mit jedem bewaffneten feindlichen Schiff herumschlagen mußten, hat es ja gedauert, bis die deutsche Regierung sich endlich entschloß, die ihr zu Gebote stehenden Seekriegsmittel uneingeschränkt anzuwenden. Der Verlust dieses Schiffes muß von den Engländern noch bitterer empfunden werden als jede andere nach ihren Häfen bestimmte Ladung. Schon vor Beginn des Krieges ist die englische Admiralität immer mehr zur Ölfeuerung übergegangen. Die Linienschiffe der Queen-Elizabeth-Klasse, die neuesten Schlachtkreuzer, Dutzende von kleinen Kreuzern und Zerstörern sind für reine Ölfeuerung eingerichtet. Fast vierzehn Tage könnten ihre neuesten Kreuzer und Zerstörer mit dem Brennstoff fahren, der dort herangeschleppt wird.

Es ist nicht ausgeschlossen, daß er ein Geschütz führt; muß doch die englische Admiralität trachten, sich diese Schiffsklasse, an der ohnedies großer Mangel herrscht, möglichst zu bewahren. Also Vorsicht!

Tiefbeladen zieht der Tankdampfer ahnungslos seinen Kurs nach England zu. Etwa sechstausendMeter noch sind die beiden Fahrzeuge voneinander entfernt, als auf »U 217« ein Feuerstrahl aufblitzt. Weißlicher Pulverdampf zieht seitwärts, Sekunden später schlägt direkt vor dem Bug des Engländers die Granate ein. Eine zweite heult dicht über die Brücke hinweg. Das genügt. Der Kapitän scheint nicht so harthörig wie so manche seiner Landsleute zu sein. Er stoppt unverzüglich, zischend strömt weißer Dampf aus der Vorkante des Schornsteinrandes. Zwei Boote werden gefiert, stoßen ab und rudern hastig nordwärts der irischen Südküste zu, die sich wie ein dunkler Strich aus der See hebt. Anscheinend von seiner Besatzung völlig verlassen, liegt der Dampfer leicht schlingernd in der Dünung.

In dieser Gegend aber ist äußerste Vorsicht am Platze. Zu oft schon hat englische Hinterlist, auf die Harmlosigkeit der Deutschen rechnend, die meuchlerischsten Überfälle gewagt. Traue einer dieser Bande!

Getaucht kommt »U 217« heran. Durch das Sehrohr wird der Bursche von allen Seiten beäugt. Kein Geschütz ist zu sehen, kein Lebewesen scheint an Bord; nur in tauend Meter Entfernung etwa die beiden Boote, die schleunigst dem Land zustreben. Um das Schicksal des Schiffes scheint sich kein Mensch drüben bekümmern zu wollen.

Zwischen der Besatzung, die sich immer weiter entfernt, und dem Schiff taucht »U 217« auf. Eben gibt der Kommandant den Befehl: »Sprenggruppe klarmachen«, als schmetternd an vier Stellen gleichzeitig auf dem harmlosen Tankdampfer die Reling außenbordsherunterschlägt. Unmittelbar darauf spritzen aus den Öffnungen Feuerstrahlen auf, krachend fegen die Granaten heran ... in Turm und Oberdeck. U-Bootsfalle.

Instinktiv fast gellt schon beim Herunterklappen der Reling der Ruf »Schnelltauchen« in die Zentrale, und mit einem Satz springen die auf der Brücke Befindlichen durch den Lukdeckel in das Boot ... Mit dumpfem Schlage klappt er zu, Sekunden darauf steckt »U 217« die Nase weg. Noch einige Treffer dröhnen gegen die gepanzerte Turmwand, dann schließt sich das Wasser über dem Boot, zwölf Meter. In Sicherheit!

Hier können ihm die kleinkalibrigen Granaten der U-Bootsfalle nicht mehr gefährlich werden. Tatsächlich verstummt der Lärm der berstenden Granaten. Kaum aber ist das beruhigende Gefühl des Geborgenseins eingetreten, als ein Krach, wie wenn ein schwerer Hammer dröhnend gegen Eisen schlägt, und unmittelbar darauf ein zweiter an der Bordwand erklingt. Das Licht erlischt, einzelne Leute stürzen zu Boden und werden wirr durcheinander geschüttelt. Kommandos gellen durch die Räume, die in tiefem Dunkel liegen. Unverzüglich aber haben die Leute sich aufgerappelt und ihre Tauchstation eingenommen. Schon flammt auch der Schein der Reservebeleuchtung auf.

»Beschädigungen melden!«

An einigen Stellen werden Wassereinbrüche von Schußlöchern, die durch Granatsplitter verursacht sind,gemeldet; bedeutend unangenehmer aber sind die Störungen, die durch die Wasserbomben entstanden sind. Die beiden Boote müssen sofort, nachdem die Falle das Feuer eröffnete, verabredungsgemäß umgekehrt sein und zwei Bomben geschleudert haben. Die Akkumulatoren haben gelitten; besonders gefährlich scheint, daß die Tiefensteuerung nicht mehr einwandfrei arbeitet. Durch Gegenmaßnahmen, die so oft geübt sind, versucht die Besatzung das Boot unten zu halten – umsonst. Von Sekunde zu Sekunde wächst die Gefahr .... Es heißt hinauf um jeden Preis ... Zum Glück können die Tanks ausgeblasen werden.

In zweitausendfünfhundert Meter Entfernung von der U-Bootsfalle stößt der Turm über die Oberfläche empor. Im gleichen Augenblick aber fegen auch schon wieder die englischen Granaten ringsherum. Tauchen ist nicht mehr möglich, es heißt das Artilleriegefecht aufnehmen, den Kampf bis zum bitteren Ende auskämpfen.

Die Geschütze sind besetzt. Kaum ist die Entfernung eingestellt, als jetzt auch von »U 217« die ersten Geschosse hinübersausen und berstend einschlagen. Die Dieselmotoren arbeiten einwandfrei. Um sich möglichst aus dem Bereich der feindlichen Granaten zu bringen, läuft das Boot ab und vergrößert die Entfernung zwischen sich und dem Feinde.

Hinüber und herüber fegen die Geschosse. Der Dampfer trifft das verhältnismäßig kleine Ziel nicht mehr, um so besser aber funken die beiden NummernEins an den Geschützen in die hochragenden Bordwände hinein. Drüben muß es schon böse aussehen.

Während an Oberdeck ununterbrochen die Verschlüsse klirren und die Schüsse schnell aufeinander folgen, sind im Innern alle Hände fieberhaft tätig, die Schäden nach Möglichkeit zu beseitigen; das Dringendste ist das Dichten des Turmes, um die Zentrale, die durch Geschoßtreffer und die Wasserbomben am schwersten gelitten hat, wieder instand zu setzen. Tatsächlich gelingt es den vereinten Kräften auch, den Turm mit Bordmitteln wenigstens notdürftig abzudichten. Dann werden die übrigen Gefechtsstörungen je nach ihrer Wichtigkeit und soweit es hier eben angängig ist, beseitigt. Glücklicherweise ist von der Mannschaft niemand ausgefallen. Die glänzende Durchbildung der ganzen Besatzung macht sich bei dieser Arbeit geltend. Jeder weiß, daß es ums Leben geht, daß von der zuverlässigen Arbeit des Einzelnen das Schicksal des Bootes und damit sein eigenes abhängt. Nirgends eine Überstürzung oder ängstliches Hasten.

Etwa fünfzig Hektometer liegt der Tankdampfer ab, immer noch im Feuer des Bootes, das er mit seinen Geschützen aber nicht mehr erreichen kann, als plötzlich von Steuerbord Feuer auf »U 217« eröffnet wird. Ein neuer Feind!

Durch den Kanonendonner herbeigelockt, kommt ein Kleiner Kreuzer heran. Durch die beiden Schornsteine und die niedrige Form der Aufbauten entpuppt er sich als einer der während des Krieges neu erbautenZerstörer der Foxglove-Klasse, ein Gegner, der deutschen U-Booten nicht ganz ungewohnt ist. Schon mehrere dieser Gattung haben daran glauben müssen. An Geschwindigkeit ist er den über Wasser fahrenden Booten nicht überlegen, bedeutend gefährlicher aber ist die Zahl seiner Geschütze. Allerdings scheint es mit seinen Schmeißbüchsen nicht weit her zu sein. Immer näher an ihn heran rücken die Geschoßaufschläge des U-Bootes. Durch Zickzackfahren versucht er auszuweichen ... umsonst. Schmetternd schlagen zwei Granaten bei ihm ein. Die Sache wird brenzlich, er bringt sich aus dem Bereich der gefährlichen Geschütze.

Mit Südkurs fährt »U 217« weiter. Allmählich kommt die U-Bootsfalle aus Sicht. Leider kann ihr und ihrer Besatzung der so reichlich verdiente Lohn nicht mehr werden. Eine Genugtuung aber haben die Deutschen: viel von der kostbaren Ladung bringen die nicht heim. Ununterbrochen strömt das Heizöl aus den zahlreichen Schußlöchern, und der Weg bis zum Hafen ist weit.

Tiefer sinkt im Westen die Sonne. Der Foxglove-Kreuzer hat dem U-Boot nachgedreht und kommt wieder heran. Scheint britischem Seemannsdünkel das klägliche Ausrücken vor dem kleinen Gegner doch zu jämmerlich? Freilich, die Deutschen sind auf der Hut. Auf siebzig Hektometer eröffnet der Engländer das Feuer ... er trifft nicht. Nach wenigen Minuten aber sitzt bei ihm ein deutscher Einschlag. Er hat genug. Schleunigst dreht er ab, gibt die Verfolgungauf und kommt mit einbrechender Dunkelheit aus Sicht.

Fast sechs Stunden hat die Besatzung ununterbrochen gearbeitet, an Erholung aber ist vorläufig nicht zu denken. Jetzt heißt es, das Boot unbelästigt vom Gegner so weit herzurichten, daß es wieder tauchfähig wird und den Marsch nach der Heimat, der durch die feindlichen Linien führt, antreten kann.

Tiefdunkel liegt die Nacht über dem Meere. Weitab nordwärts wischen Lichtstrahlen über die See, In regelmäßigem Abstand leuchten sie auf, verschwinden. Feindesland!

Kaum zwanzig Seemeilen ab stampft das kleine deutsche Boot gegen die lange Dünung des Ozeans an. Kein Lichtschimmer dringt nach außen, nichts verrät, daß hier deutsche Seeleute mit zusammengebissenen Zähnen arbeiten. Ein Wille nur beseelt sie alle: Der Morgen muß sie klar finden zu neuem Kampf.

»Mersey pilotboat just ahead!«

»Aye.«

»Steamer or sailorboat?«

»Steamer!«

Seit neun Tagen fast hetzt der White Star-Dampfer »Cymric«, dreizehntausend Tonnen, mit höchster Geschwindigkeit über den Atlantik. Seit Narraganset Feuerschiff achteraus aus Sicht kam, ist die Stimmung an Bord ziemlich unruhig geworden. Im Hafen selbst war es freilich anders. Im Gegensatz zu früheren Friedensfahrten hatte das Löschen keine Mühe verursacht; hatte die »Cymric« doch mangels jeder Ladung in Ballast nach Amerika gehen müssen. Kaum aber hatte das Schiff in New York am Pier festgemacht, als auch schon polternd der erste Eisenbahnzug heranbrauste. Und noch waren die Stellinge nicht ausgefahren, da neigten die Nocken der Ladebäume sich schon über die Waggons, und stählerne Läufer heißten die Ladung.

Tag und Nacht ratterten die Dampfwinden, verschwand Kiste um Kiste in den ungeheuren Laderäumen. Ein Heer von weißen, schwarzen und gelbenSchauerleuten wimmelte durcheinander und hastete in schwerer Arbeit, bis die Muskelkraft verbraucht war und die nächste Schicht sie ablöste. Viele Tausende Granaten jeder Art, von der kleinen 3,7 Zentimeter der Maschinenkanone bis hinaus zur wuchtigen Stahllast des 38,5 Zentimeter-Schiffsgeschützes, rollten heran. Millionen Patronen verschwanden im Innern, Gewehre, Maschinengewehre, dann wieder Geschützrohre, Lafetten, Lederzeug, Stacheldrahtrollen, kurz Material genug, um mehrere Armeekorps für eine große Schlacht reichlich zu versorgen. Immer tiefer tauchte der riesige Schiffskörper in das schmutzige Hafenwasser des Hudson, längst war die Ladelinie erreicht; noch mehr aber wurde hineingepackt, bis die Schwimmfähigkeit diesem Beginnen ein Ziel setzte.

Der unangenehmste Teil der Last wurde schließlich an Oberdeck verstaut: Stahlcylinder mit hochexplosiven Sprengstoffen und Säuren, deren Dämpfe dazu bestimmt sind, den Gegner zu töten. Jetzt erst wurde der Besatzung klar, welch' unangenehme Fracht sie an Bord hatte. Noch aber lag die »Cymric« sicher vertäut am Pier des befreundeten Amerikas, bestand keine Gefahr für das Schiff. Ein Heer von Geheimpolizisten sorgte an Land durch schärfste Überwachung dafür, daß keiner von diesen damned Germans, denen alles zuzutrauen war, eine Höllenmaschine an Bord schmuggelte. So ganz ohne war die Geschichte ja nicht.

Bis es so weit war. Die Luks wurden geschlossen, das Schiff machte »Dampf auf in allen Kesseln«; Schleppdampfer kamen längsseit, die Festmacheleinenwurden losgeworfen, und es ging den Hudson abwärts. Die Liberty Statue blieb achteraus zurück, im beginnenden Dunkel verschwand an Backbord Sandy Hook, bis schließlich das letzte Seezeichen, die drei Lichter des Narraganset Feuerschiff, durch die Nacht herüberleuchteten.

Das Rennen um Tod und Leben begann. Kein Mann an Bord, dem jetzt, wo alles von der Aufmerksamkeit der Ausguckleute und der Treffsicherheit der Kanoniere abhing, nicht die furchtbare Gefahr klar zum Bewußtsein kam. Kein Teufel hätte sie auf diesen unheimlichen Pott gebracht, wenn die Heuer nicht gar so lockend wäre und die englischen Hafenbehörden jeden ins Gefängnis steckten, der sich weigerte auf seinem Schiff zu bleiben. Ein Glück nur, daß es beim Barkeeper in der Freizeit einen ordentlichen Schlag Whisky gab, mit dem sich das Unbehagen, das sich von Tag zu Tag steigerte, verscheuchen und vergessen ließ. Konnte nicht jeden Augenblick einer dieser german Submarines, die zur Hölle gehen mochten, schon hier auftauchen? Zuzutrauen war ihnen alles. Was die Zeitungen in London von der Wirksamkeit der englischen Abwehr faselten, das war gut für alte Weiber, ein englischer Seemann aber weiß selbst nur zu genau, wie es damit in Wirklichkeit bestellt ist.

Aber es ging gut. Kein Sehrohr weit und breit, keine Blasenbahn kam auf die »Cymric« zu, um ihr die Rippen aufzureißen. Fünf Tage lang, in denen der englische Munitionsdampfer mit höchster Fahrt auf gradem Kurs über den Ozean fegte.

Sperrgebiet! Nun erst wurde die Sache äußerst brenzlich. Mit dem Flaggenschwindel, der so erfolgreich betrieben worden war, ging es hier ebenso wenig, wie mit dem Schutzamerikaner, wenn es auch nur ein dreckiger Neger sein mochte. Der ganze Betrieb stand im Zeichen der wahnwitzigen Furcht vor den deutschen U-Booten, jeder Blick erinnerte daran, jeder Befehl des Captains brachte die Gefahr erst recht zum Bewußtsein.

Seit Stunden schon fuhr die »Cymric« einen Kurs, der dem eines flüchtigen Hasen weit mehr ähnelte, als der stolzen Fahrt eines britischen Transatlanters. Die Boote waren ausgeschwungen, Schwimmwesten überall zum Greifen klar, die Geschütze geladen, alle Schotten geschlossen, der Ausguck doppelt und dreifach besetzt. Was nützte das! Mehr und mehr arbeiteten diese verd...... Nerven, die ein englischer Seemann früher doch höchstens dem Namen nach kannte. Unter Deck getraute sich keiner mehr so recht, manchen Mann des Maschinenpersonals hielt nur die Angst vor dem Krummgeschlossenwerden in Heizraum und Bunkern. Ruhe? Kein Auge kannte sie, Übernächtig ging es wieder in den Ausguck, an die Arbeit, auf den Posten ... ohne Unterbrechung. Kannte doch der Feind keine Schonung, keine Erholung auch für sich selbst. Zu jeder Tages- und Nachtzeit konnten irgendwoher, hinter einem Wellenberg die Granaten heranfegen, der furchtbare Schaumstreifen auftauchen. Und sah man ihn, dann war es zu spät ...

Nachts hieß es abgeblendet fahren, daß auch nichtder geringste Lichtschein nach außen drang. Jeden Augenblick stolperte man durch die Gänge und an Deck herum, bis dann endlich, endlich die englischen Vorpostenlinien achteraus lagen und es durch den Nordkanal in die Irische See ging. Tage! Jahre schien die Fahrt gedauert zu haben.

In Sicherheit!

Das Unterscheidungssignal flattert im Winde aus, als der White Star Liner querab von der Signalstation Isle of Man steht, und der Marconi funkt nach Liverpool die Zeit der Ankunft, um alles zum Einlaufen und Vertäuen klarzumachen.

Früh am Morgen war die Isle of Man passiert. Der Nachmittag ist bereits angebrochen, als vom Ausguck der Ruf ertönt: »Mersey Lotsenboot in Sicht.«

Schon von weitem an der ungewöhnlich hohen Stange des vorderen Mastes mit der gesetzlichen Lotsenflagge kenntlich, liegt das kleine weiße Fahrzeug eine halbe Stunde später längsseit des gestoppten Riesen, und der Lotse steigt an der Jakobsleiter an Deck und auf die Brücke, wo ihn der Kapitän mit einem erleichterten Aufatmen begrüßt. Hier droht sicherlich keine Gefahr mehr. Zwei Stunden noch und die »Cymric« liegt im Hafen von Liverpool. Was jetzt noch kommen kann, ist nur angenehm. Er sieht sich bereits im Kontor seiner Reederei, hört im Geiste anerkennende Worte und steckt schmunzelnd die weißen, so schön knisternden Pfundnoten ein. Wie weggeweht sind die furchtbaren Tage und Nächte. Der Erfolg allein ist geblieben. Fast zwei Millionen PfundSterling Wert hat er sicher herüber gebracht. Eine Woche nur, und seine Ladung fegt aus englischen Rohren gegen die deutschen Linien im Westen, hämmert sie zusammen, reißt klaffende Lücken, um freien Weg nach Deutschland zu schaffen.

Freilich, was der Lotse darüber zu berichten hat, ist nicht sehr tröstlich; umso wertvoller aber ist sein Verdienst. Stunden nur noch, und der Anker geht in den Grund, aus den geöffneten Ladeluks steigen in die längsseit festgemachten kleinen Dampfer die Kisten mit Gewehren und Geschützen, die Millionen von Patronen, die Granaten, die tödlichen Säuren. Und dann trommeln sie gegen die Hindenburglinie, auf die Siegfriedstellung, töten, zerreißen, schlagen den Siegesweg nach Straßburg, Mainz, Köln und weiter, weiter noch bis ... ein Ruck geht durch das ganze Schiff, daß der Kapitän aus seinen hochfliegenden Träumen, in denen er Old England triumphierend über die Wahlstatt im Westen schreiten sah, erwacht ... Schwärzlich gelb hebt sich am Bug eine ungeheure Rauchwolke, wächst mit wahnwitziger Schnelligkeit empor ... ein furchtbares Krachen ... das Vorschiff sinkt ... dumpfes Poltern ... die Ladung geht über ... Der Himmel scheint zu bersten ... greller Feuerschein jagt aus dem auseinanderklaffenden Vordeck ... ein brüllender Donnerschlag ... ein Vulkan, in dessen Flammenmeer Schornsteine, Brücke, Masten, zerfetzte Menschenleiber wirbeln ... kaum sechzig Sekunden ... dort, wo soeben noch der Dampfer »Cymric« dem nahen Heimathafen zujagte, rollt die leichtbewegteIrische See, zieht eine schwärzlichgelbe Rauchwolke über das Wasser ...

Im Fahrwasser zur Merseymündung ragt ein dünnes Rohr aus der Oberfläche hoch. Langsam pflügt es durch die See, aus deren kleinen Wellen der Widerschein der Sonne in unzähligen goldenen Spiegeln zittert. Vor einigen Stunden ist »U 310« aus seiner Fahrt von Deutschland hier angekommen, um sein geheimnisvolles Gewerbe als Minenleger vor dem größten an dieser Küste liegenden Hafen auszuüben.

Geraume Zeit schon beobachtet der Kommandant das Fahrwasser, um auch ganz sicher zu gehen, daß seine Minen an die richtige Stelle gelegt werden. Ein- und auslaufende kleinere Fahrzeuge gleiten vorbei, der Lotsendampfer – ein Bewachungsschiff ... Die Fahrstraße. Mit äußerster Kraft prescht aus der Merseymündung einer der neuesten Zerstörer der M-Klasse vorüber. Weißer Ölqualm stößt aus den vier Schornsteinen, mit nahezu dreißig Knoten Geschwindigkeit rast er, wenige Seemeilen entfernt, nach See zu. Flüchtig, kaum in Sicht gekommen, ist er auch schon wieder verschwunden. Hinter ihm stößt das Sehrohr, das wenige Minuten eingefahren worden war, durch die Oberfläche, dreht sich langsam, sucht, beobachtet.

Eine dicke Rauchwolke taucht im Nordwesten auf, bald darauf die Masten, dann der Rumpf eines mächtigen Ozeandampfers, dessen dunkle Masse sich scharf gegen den bläulichweißen Himmel abhebt. EinAmerikafahrer! Hoch schäumt am Vorschiff die Bugwelle, zusehends kommt er näher. Der will nach Liverpool. Langsam zittert das graue schlanke Rohr über die gekräuselte See, stoppt im Fahrwasser. Lautlos gleitet eine Mine aus einer Röhre des Achterschiffes, eine zweite, eine dritte folgt. Nichts verrät an der Oberfläche, daß die unheimlichen Gäste da sind. Sie stoßen auf den Grund, lösen sich vom Minenstuhl, dem Anker, steigen bis auf wenige Meter unter dem Wasserspiegel hoch.

Wieder zittert das Sehrohr über die Oberfläche, bis es wenige Seemeilen querab hält. Näher und näher kommt der Dampfer heran ... hundert Meter ... fünfzig ... zehn ... schnurgerade auf die Mine los ... ein dumpfer Stoß trifft von außen heran, Sekunden darauf ein weit stärkerer zweiter ... Munition.

»Ausblasen!« Zischend strömt die Luft in die Tanks, preßt das Wasser heraus. Ein grauer Turm, ein Stück Vor- und Achterdeck tauchen hoch, der Lukdeckel wird aufgestoßen, drei Gestalten springen nacheinander heraus. Eine riesige Sprengwolke, durch die Luft wirbelnde Schiffsteile, die klatschend hundert Meter entfernt auf die See niederschlagen. Das hat gesessen! Ein schwer beladener Munitionsdampfer gleich durch die erste Mine restlos beseitigt.

Während die Nordwestbrise die Rauchmasse leicht vor sich hertreibt und sie langsam auseinanderzieht, schießen in rasender Fahrt von Land her kleinereFahrzeuge herbei. Zerstörer! In wenigen Minuten müssen sie heran sein.

»Schnelltauchen!« Sekunden später schließt sich das Wasser über dem Turm, das eingefahrene Sehrohr verschwindet, und mit hoher Fahrt strebt »U 310« nach See zu.

Etwa drei Seemeilen mögen unter Wasser zurückgelegt sein, als es leise, wie aus weiter Ferne heranklingt. Stopp! Ausfahren ... Ein zweites Opfer. Bis zur Brücke ist das Vorschiff des ersten Zerstörers weggerissen, Weiße Dampfwolken strömen aus dem Maschinenoberlicht, Boote werden zu Wasser gelassen, während die übrigen Zerstörer in wilden Zickzackkursen um ihren schwer verletzten Kameraden herumhetzen. Bald hier, bald dort stoßen sie auf vermeintliche Sehrohre los, grelle Feuerblitze flammen in schneller Folge aus ihren Geschützen. Eine richtige Seeschlacht ist im Gange – gegen eine deutsche kleine, einsame U-Bootsmine!

Getaucht läuft »U 310« nach Nordwesten ab. Kurz vor Mitternacht wird die Isle of Man über Wasser passiert. Vor sechs Uhr morgens schimmert voraus durch die Dämmerung das Leuchtfeuer von Wall of Gallowar, eine Stunde später steht das U-Boot vor der Einfahrt nach Belfast. Vorsichtig nähert es sich dem vor der Einfahrt liegenden Feuerschiff, dessen Besatzung eben bei der Morgentoilette ist. Hier hat anscheinend niemand eine Ahnung von dem, was sich wenige Stunden früher vor Liverpool ereignete. Um sobesser! An dem roten Fahrzeug gleitet »U 310« in kaum einer Seemeile Entfernung vorbei, bis dahin, wo die Fahrstraße sich zu verengern beginnt. Dann dreht es nach See zu. Wieder gleiten lautlos die Minen aus den Röhren, auch hier wird das Fahrwasser verseucht; nur zu bald zeigt sich der Erfolg. Ein hoch aus dem Wasser ragender Transportdampfer, der seine Ladung anscheinend in Belfast gelöscht hat, sackt in wenigen Minuten weg, nur ein Stück Schornstein und die Masten tauchen über der Oberfläche empor. Ein schwer zu beseitigendes Hindernis für die Schiffahrt.

Wenige hundert Meter hinter ihm folgt ein Dampfer der Northern Railway Company. Er sucht dem Kameraden, der vor ihm aus ganz unerklärlichen Gründen wegsackte, zu Hilfe zu kommen. Eben schickt er sich an, zur Rettung der auf ihn zuschwimmenden Leute zu stoppen, als er, quer zum Fahrwasser treibend, in der Nähe der Brücke gegen eine Mine stößt. Instinktiv fast reißt der Kapitän den Maschinentelegraphen auf volle Fahrt voraus und Minuten später stößt das Vorschiff auf eine an Steuerbord liegende Sandbank. Der Strom drückt das Achterschiff herum, auf den Sand, gerade zur rechten Zeit, um das Fahrzeug vor dem völligen Wegsacken zu bewahren.

Noch hat die Besatzung des Feuerschiffes die Lage nicht erfaßt, als an der der Unfallstelle abgekehrten Seite das Sehrohr des Tauchbootes vorbeihuscht. Kurs auf Liverpool, die Stätte des gestrigen Wirkens.

»German Submarines in the Irish Sea. Two shipssunk on Mersey road, two other near Bangor.« In regelmäßigen Abschnitten geben die Küstensignalstationen die Warnung aus, die an Bord von »U 310« schon längst erwartet wird. Vier Schiffe sind bereits erledigt, eine schöne Strecke für die ersten vierundzwanzig Stunden. Noch aber birgt das Innere eine ganze Anzahl weiterer Minen, denen eine kräftige Wirksamkeit zugedacht ist. Eine am späten Nachmittag aufgefangene Nachricht teilt mit, daß vor Liverpool Minen gefunden sind. Dort sind die Suchboote wohl schon emsig an der Arbeit, die zahlreichen Minen aufzufischen, die vorläufig allerdings erst in der Phantasie der Engländer existieren. Dem aber kann abgeholfen werden.

Eben, als die ersten Sonnenstrahlen aus dem grauen, über Land liegenden Dunste über die See huschen, steht »U 310« wieder vor der Merseymündung. Vierzehn Schiffe, die nach Liverpool hinein wollen, dampfen langsam im Kreise umher, umringt von sieben Zerstörern, die sie vor U-Bootsangriffen schützen sollen. In den Hafen können sie nicht, weil zwischen ihnen und dem Lande ja das »große deutsche Minenfeld« liegt. Gemütlich ist ihnen jedenfalls nicht zu Mute. Eine ganze Flotte von Fischdampfern mit ausgebrachten Minensuchgeräten treibt sich umher, um die Fahrstraße zu säubern. Grell leuchten zwei gestern noch nicht vorhandene rote Bojen an den Stellen, wo die beiden Schiffe versanken. Wieder andere Bojen sind ausgelegt, um das gesäuberte Gebiet zu bezeichnen. Den Minensuchern nach zieht »U 310«, dreht dichthinter ihnen und wieder verläßt ein halbes Dutzend Minen, säuberlich in die freie Straße gelegt, im Ablaufen nach See zu das Boot.

Geradezu drollig wirkt der Anblick der umkreisten Dampfer, deren Zahl sich inzwischen um drei weitere erhöht hat. Drüben fürchten sie offenbar, daß sich jeden Augenblick ein deutscher Torpedo in ihre Seite bohrt. Wenn nur erst die Fahrstraße abgesucht wäre! Die Zerstörer bilden wohl einige Sicherheit, erst im Hafen aber am Kai können sie sich wirklich geborgen fühlen.

Auf dem Führerschiff der Minensucher steigt nach einer Stunde das Signal hoch: »Einlaufen, Fahrstraße ist frei.« Einer nach dem andern setzen die Dampfer sich nach Land zu in Bewegung, als plötzlich vor dem Bug des zweiten Schiffes eine Sprengwolke hochgeht. Dampfpfeifen heulen, Anker rasseln in den Grund, mit voller Wucht jagen zwei Schiffe ineinander. Nach einigen Minuten kommen sie voneinander frei. Das eine mit eingedrücktem Bug, das andere mit schwerer Schlagseite nach Backbord überhängend. Das Verdeck des auf die Mine gelaufenen Dampfers taucht bereits unter Wasser, während am Heck die Schraube frei hinausragt. Zerstörer gehen längsseit und bergen die Besatzung. Ein fünftes Opfer der U-Bootsminen, dazu zwei havarierte Schiffe. Ein Erfolg, mit dem »U 310« wohl zufrieden sein kann.

Während in dunkler Nacht das deutsche Boot durch den St. Georgskanal die Irische See verläßt und der Kommandant in sein Tagebuch die Ereignisse derletzten Stunden einträgt, tritt der F. T.-Gast mit einem Zettel an ihn heran.

»Herr Kapitänleutnant! Soeben aufgefangener Funkspruch von Poldhu«:

»Liverpool und Belfast wegen Minengefahr für die Schiffahrt gesperrt.«

Lind und warm strahlt die Frühlingssonne vom wolkenlosen Himmel herunter. Ein leichter Südwind kräuselt die dunkelblauen Wasser der Biscaya, die so sanft und harmlos liegt, als wollte sie von ihrem wilden Stürmen und Toben in den Wintermonaten ausruhen.

Mit langsamer Fahrt zieht »U 285« mit Südkurs durch die spiegelglatte, sonnenflimmernde See dahin. Die Luks sind geöffnet. Alles, was dienstfrei ist, liegt langgestreckt auf Vor- und Achterdeck, um sich nach dem tagelangen Unterdeckbleiben einmal wieder gründlich auszulüften. Auf der Brücke haben Kommandant und leitender Ingenieur es sich, soweit es eben die Platzverhältnisse gestatten, bequem gemacht. Der Koch reicht durch die Zentrale eine Kanne duftenden Mokkas hinauf, und leichter Dampf der solange entbehrten Zigaretten wirbelt in die klare Luft. Auf dem Verdeck liegen drei Leute auf dem Bauch und dreschen einen handfesten Männerskat. Die mit Recht so beliebten Zuschauer um sie herum fehlen nicht. Eine Weile vernimmt man nichts weiter als das derbe Aufklatschender reichlich geölten Karten auf das stählerne Deck, bis eine ernstliche Meinungsverschiedenheit entsteht, die sich in schwerkalibrigen Zärtlichkeiten Luft macht. Der Streit greift auf die aus ihrem süßen Mulsch Erwachten, die sich in der Nähe des Turmes niedergelassen haben, über und erreicht eben seinen Höhepunkt, als der Kommandant sich vermittelnd einmischt:

»Na, Jungs, ihr seid doch nicht Passagiere erster Klasse auf einem Reichspostdampfer, daß ihr hier so 'nen Krach schlagt, ihr vergrämt mir ja mit eurem Palawer die Engländer.«

Als hätte es nur dieses Zauberspruchs bedurft, so glätten sich die Wogen der Erregung, und ruhig und mit allen Schikanen klappert der Skat weiter.

Weit und breit ist in der Biscaya, in der sonst kein Schiff fahren konnte, ohne irgendwo Rauch oder ein Segel zu sichten, nichts zu sehen. Die zahlreichen Dampferwege, die aus allen Richtungen der Erde hier zusammenlaufen, scheinen seit der deutschen Sperrgebietserklärung verödet. Nicht einmal die französischen Sardinenfischer, die sonst in ganzen Flottillen um diese Zeit hier angetroffen werden, wagen es auszulaufen, seit hier und im Kanal zwei deutsche U-Boote je ein Dutzend von ihnen zur Strecke gebracht haben. Die Neutralen haben endlich, bis auf wenige Ausnahmen, das Fahren eingestellt, seit sie eingesehen haben, daß es den Deutschen mit ihrem energischen Vorgehen bitterer Ernst ist. Und die englischen Schiffe? Sie fahren, weil sie müssen, weil von Tagzu Tag der Hunger furchtbarer an die Tore Englands klopft. Nicht nur Lebensmittel fehlen, das Trommelfeuer an der Westfront frißt Stahl in unheimlichen Mengen. Neuer Ersatz muß herangeschafft werden.

Seit dem frühen Morgen ist trotz schärfsten Ausgucks nichts gesichtet worden. Es heißt also vor allem die Fahrstraße finden.

Mehrere Stunden schon zieht »U 285« mit halber Fahrt quer durch die Biscaya, ohne daß sich irgendetwas ereignet. Eben will der U-Boot-Oberbootsmannsmaat Müller triumphierend einen Grand mit vieren ansagen, als alles wie elektrisiert hochspringt. Oben auf dem Turm nimmt die idyllische Kaffeeszene ein jähes Ende, und der Grand mit vieren wandert schleunigst zur Konservierung in die Hosentasche des glücklichen Besitzers, der Nummer Eins des Bootes.

Aus südlicher Richtung dringt dumpfhallender Donner heran. In unregelmäßiger Folge heben sich einzelne Schläge ab. Geschützfeuer!

»Hart Steuerbord, große Fahrt!«

Während »U 285« dreht und vermehrte Fahrt aufnimmt, verschwindet die Mannschaft auf Stationen. Zwar ist noch nichts zu sehen, jeder Augenblick aber muß den Befehl zum Tauchen bringen. Kann sich doch der Harmloseste unter den Leuten – und harmlose U-Bootsleute gibt es schwerlich in dieser Gegend, – sagen, daß irgendetwas anliegt. Drüben muß ein deutsches U-Boot im Kampfe sein. Es heißt dem Kameraden so schnell als möglich zu Hilfe zu kommen.

Mit äußerster Kraft prescht »U 285« auf den Geschützdonner zu, daß die See mitunter bis auf das Deck hinaufkämmt. Ein Glück, daß die Biscaya heute so glatt ist und die Fahrt nicht hindert. Scharf spähen die Augen voraus ...

»Drei Strich, Steuerbord, Rauch!«

In wenigen Minuten schon sind zwei weitauseinanderstehende Masten und drei Schornsteine zu erkennen. Wahrscheinlich ein Hilfskreuzer. Unaufhörlich blitzt es vorn und achtern bei ihm auf. Etwa vierzig bis fünfzig Hektometer ab von ihm spritzt das Wasser in hohen Säulen empor. Dort muß wohl der Kamerad stehen, von dem sie nichts sehen können. Er antwortet nicht. Ein böses Zeichen. Sollte er schon niedergekämpft sein?

Immer näher kommt »U 285«, das inzwischen halb getaucht hat, an den feuernden Dampfer heran, dann entweicht die letzte Luft aus den Tanks, der Turm verschwindet unter Wasser, und nur die Sehrohre noch bleiben in dem flimmernden Sonnengeriesel der Oberfläche. An Backbordseite nähert sich das Boot dem noch immer feuernden Feinde. Jede Einzelheit an Bord ist bei der geringen Entfernung deutlich auszumachen. Ein großer schwarzer Dampfer ohne Flagge mit zwei übereinanderliegenden Promenadendecks. An der Reling ist kein Mensch zu sehen, alles ist anscheinend nach Steuerbord gestürzt, um Zeuge der Vernichtung eines deutschen U-Bootes zu sein .... Wenige Minuten später hebt sich an der Backbordseite mittschiffs eine Sprengwolke aus der Seeund verhüllt Schornsteine und Brücke. Langsam, träge neigt der Hilfskreuzer sich nach Backbord. Das ganze Deck ist zu übersehen. Vier Geschützrohre, die senkrecht zum Himmel ragen, ein Gewimmel von übereinanderstürzenden Menschen, die den Halt verlieren ... bis die See in die Schornsteine strömt und die Masten auf die Oberfläche aufschlagen ...

Während der Engländer die Fahrt in über tausend Meter Tiefe antritt, ist »U 285« längst auf die Stelle zugejagt, wo die Granaten eingeschlagen waren. Nichts! ...

Kein Mensch kümmert sich um den versinkenden Dampfer. Zunächst gilt es die Kameraden zu retten. Auf Turm und Verdeck steht die Besatzung mit Rettungsringen und Bootshaken, um sofort, sobald sich etwas Lebendes zeigt, helfend eingreifen zu können. Vom beschossenen U-Boot aber ist nichts mehr zu sehen. Sollte die Vernichtung geglückt sein? Dann müßte doch wenigstens ein Ölfleck die Stelle des Unterganges verraten.

Unaufhörlich kreuzt »U 285« hin und her, um die verräterische glatte Stelle, das einzige untrügliche Zeichen, daß die Kameraden den Tod fanden, an der Oberfläche zu finden. Nichts ... Die Sache wird immer rätselhafter. Ist das Boot heil geblieben, und daraus läßt eben das Fehlen des Öls schließen, mußte es die Explosion des Torpedos vernommen haben und längst aufgetaucht sein, um sich davon zu überzeugen, was eigentlich geschehen ist.

Ein Ruf vom Vorschiff, eine nach rechts weisendeHand ... Ein dunkler Fleck ... Blut! Wie eine purpurne Wolke liegt es im Wasser, bald hier, bald da leuchten rubinartige Blitze unter dem feurigen Schimmer der Abendsonne auf. Unablässig zerrt die See an den Rändern und verteilt und vergrößert die unheimliche Stelle. Ratlos ruhen die Blicke auf der Oberfläche, verblüffte Gesichter starren einander an. Keine Schiffstrümmer, nichts, nicht das kleinste Anzeichen, das verriete, welcher Art das Opfer der englischen Granaten eigentlich war. Es gibt keine Lösung für dieses Rätsel.

Eben als »U 285« Fahrt aufnimmt und auf die Stelle zudreht, wo der Hilfskreuzer versackt ist, wird vom Turm aus nach einigen hundert Metern ein dunkler Körper gesichtet. Langgestreckt wiegt er in der leichten Dünung auf und ab. Nur wenig tauchen einzelne Stellen aus dem Wasser, leicht schäumend lecken die Wellen darüber hinweg ... das gekenterte U-Boot? ...

»Backbord zehn!« Vorsichtig hält das Boot auf den treibenden Gegenstand zu, dreht und stoppt dicht bei ihm.

Maßlos verblüffte Gesichter starren auf das Wasser ... fast unwirklich scheint, was ihre Augen dort sehen ... dann ein Gelächter, ein wieherndes Geheul, ein Springen und Tanzen, wie es in solch überschäumender Herzlichkeit sicherlich noch nicht auf einem U-Boot, das draußen am Feinde harten Vernichtungskrieg führt, erlebt wurde. Ein toter Walfisch!

Armes Biest! Es hat sein Leben lassen müssen, weil es sich unterfing, in den Augen der Königlich Großbritannischen Marine einem deutschen U-Boot ähneln zu wollen. Mußte es sich aber auch gerade im Sperrgebiet herumtreiben, wo englische Kaltblütigkeit überall Gespenster sieht! Und konnte doch nicht einmal den kleinsten Torpedo abfeuern. Mitten in den dicken Speckrücken hat ein Volltreffer eine erhebliche Lücke gerissen, aus der das warme Blut als Zeuge des englischen Waffenruhms sich ergoß.

Zu retten gibt es hier ebensowenig wie drüben, wo nur noch schwarzer Ruß auf dem Wasser und Bootstrümmer die Stelle verraten, an der der glorreiche Sieger mit Mann und Maus sank. –

In dunkler Nacht pendelt »U 285« auf der Dampferstraße dahin. In hellem Schimmer glänzt ein Stern nach dem andern auf, bis die See wie mit bläulichweißem Licht übergossen scheint. Tiefe Stille herrscht an Deck. Die Ereignisse des Tages, der so öde begonnen hatte, um dann doch noch einen so schönen Erfolg zu bringen, wirken bei jedem einzelnen nach. Die rötlichen Glühpünktchen der Zigarren und Zigaretten leuchten vom Turm und Oberdeck, die Luks sind geöffnet, leise und gleichförmig dringt das Rattern der Motoren aus dem Achterschiff.

Ein Knistern und Sirren in der Antenne. Alle spitzen die Ohren und lauschen. Poldhu, die englische Großstation, gibt ihren täglichen Bericht. Kaum können sie den Augenblick erwarten, wo der F. T.-Gast, der jetzt unten den Funkspruch abhört, an Deck kommt,um dem Kommandanten Meldung zu machen. Nach einer halben Stunde ist es so weit. Ein halbes Dutzend französische Dörfer, die auf keiner Karte verzeichnet sind, wurden erobert, ein 42-Zentimeter-Geschütz erbeutet. Der Vormarsch ist unwiderstehlich. Noch kräftiger, erheiternd fast nimmt sich die gefunkte Flunkerei der Franzosen aus. Freilich, der Schluß beider Berichte erwähnt starke feindliche Gegenangriffe ....

Dann kommt die Meldung der britischen Admiralität: »Einer unserer Hilfskreuzer hat nach heftigem Gefecht heute nachmittag in der Biscaya ein feindliches Unterseeboot vernichtet, weitere Einzelheiten fehlen vorläufig.«

Stillvergnügte Gesichter sehen sich an, bis einer herausplatzt: »Täuw man, min Jung! Up die Einzelheiten kannst du lang lurn! De willt wi di woll vertellen.« –

Noch einmal bäumt sich der »Petit Henri« auf, das schon halb untergetauchte Vorschiff kommt hoch, als sträubte es sich, so kurz vor dem Hafen sein Leben beschließen zu müssen, dann aber geht es um so schneller. Mit dem Klüverbaum voraus fährt er senkrecht in die Tiefe, bis die quirlende See sich über seinem Heck schließt.

Etwa fünfhundert Meter ab rudert die Mannschaft des versenkten Neufundlandfahrers der Insel Oléron zu, deren niedrige Nordhuck Chassiron mit dem scharf ausgeprägten Sattel, dem Leuchtturm und der Küstensignalstation über die Oberfläche hinausragt. Einen Augenblick haben die Franzosen, als ihr Schiff sich in den letzten Zuckungen aufbäumte, zu rudern aufgehört, dann, nachdem der »Petit Henri« ausgelitten hat, pullen sie weiter nach Land zu.

Eben will »U 135« nach Versenkung des Seglers nach See zu drehen, als die Aufmerksamkeit der auf dem Turm Befindlichen durch lebhaftes Schreien und Winken auf das kleine Boot, in dem ein ziemliches Durcheinander zu herrschen scheint, gelenkt wird.

»Stopp!« gibt der Kommandant an den Steuermann, der den Befehl an die Maschine übermittelt. Dann wendet er sich fragend zum wachhabenden Offizier:

»Was mögen die Kerle bloß wollen, da muß etwas Besonderes los sein.«

Der wachhabende Offizier, der mit dem Glas die Vorgänge drüben verfolgt, antwortet:

»Das Boot scheint leck zu sein, Herr Kapitänleutnant, es taucht bereits bis zum Dollbord ein.«

»Na, fahren Sie mal ran.«

Wenige Minuten später ist »U 135« längsseit. Das kleine Fahrzeug ist tatsächlich leck. Bis über die Knie stehen die Leute, soweit sie nicht auf die Duchten geklettert sind, im Wasser, während ihre in Bündel geschnürten Habseligkeiten aufgeschwommen sind und wegzutreiben versuchen. Bald ist auch das Rätsel des unvermuteten Schiffbruchs gelöst. Etwa zwanzig Meter ab ragt die Vorkante eines Dampfers, der anscheinend erst vor kurzem hier das Schicksal, das heute den »Petit Henri« ereilte, geteilt hat, eben über die Wasserfläche hinaus. Das Eisen hat das Boot, das durch die leichte Dünung auf das Wrack gesetzt wurde, leck gestoßen. Es ist nicht mehr weit bis zum Wegsacken. Die Wahl ist nicht groß, ein anderes Boot ist nicht in der Nähe. So beschließt also der Kommandant, die Leute an Bord zu nehmen, um sie bei Gelegenheit einem anderen fahrbaren Untersatz anzuvertrauen.

Einer nach dem anderen wird durch das Wasser herauf geholt. Fröstelnd und frierend stehen sie inihren nassen Kleidern mit den triefenden Bündeln in der Hand zusammengedrängt und warten, was der Kommandant über sie beschließen wird. Sie machen einen ruhigen, vernünftigen Eindruck. Wetterfeste Seeleute, mit dem Gelichter, das sonst auf den englischen und französischen Dampfern fährt, gar nicht zu vergleichen. Einzeln werden sie nach dem warmen Maschinenraum geführt, um dort erst einmal das nasse Zeug vom Leibe loszuwerden und dafür trockene Kleider aus den Beständen des Bootes, die für solche Zwecke an Bord mitgeführt werden, zu erhalten. Bald haben sie sich an die fremde Umgebung gewöhnt. Es sind sehnige, wetterharte und wortkarge Gesellen, die nichts gemein zu haben scheinen mit jenen zappeligen, ewig schwadronierenden Franzosen des Binnenlandes. Kaum daß einer ein Wort verliert.

Der Kapitän taut bald auf, als der Kommandant ihm ein Glas Portwein geben läßt und ihn über Schiff und Reise befragt. Schon vor einem halben Jahr ist der »Petit Henri« mit Wein und Salz von Bordeaux nach Neufundland abgegangen, um dort einige Monate Dorsch zu angeln. Als die Ladung von fünfhundert Tonnen voll war, wurde der Rückweg angetreten. Es war eine stürmische Fahrt durch den Atlantik. Sechs Wochen waren sie oft mehr unter als über dem Wasser gewesen, bis endlich in den letzten beiden Tagen der Sturm nachließ und sie geglaubt hatten, erleichtert aufatmen zu dürfen. Mit der französischen Küste aber kam gleichzeitig auch das deutsche U-Boot in Sicht und mit ihm das Ende!

Vorläufig muß die ganze Gesellschaft an Bord bleiben, bis sich eben eine Gelegenheit findet, sie abzusetzen. Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis die Boote eines versenkten Dampfers mit ihrer eigenen Mannschaft auch die Leute des »Petit Henri« an Land nehmen.

Südwärts steuert »U 135« auf die Mündung der Gironde zu, wo reger Schiffsverkehr nach Bordeaux herrschen muß. Der Kommandant sieht sich aber bald in seinen Erwartungen böse getäuscht. Keine Rauchfahne, nicht einmal ein Fischerboot zeigt sich. Es scheint tatsächlich immer mehr, als hätte die deutsche Sperrgebietserklärung auch hier alle Schiffe von der See hinweggefegt. Was sonst noch draußen war, dürfte die Meldungen der hier gelandeten Mannschaften versenkter Schiffe wohl schleunigst wieder in den Hafen gejagt haben. Mit den Franzosen an Bord ist die Tätigkeit des U-Bootes aber arg behindert. Die Leute zehren von dem Proviant und stehen überall im Wege. Es muß ein Ausweg gefunden werden.

Langes Überlegen führt zu nichts. Sind die Leute hier draußen nicht los zu werden, dann bietet sich sicher in der Mündung der Gironde selbst eine Gelegenheit, sie zu landen. Das Unternehmen ist zwar verteufelt brenzlich, wann aber hat ein deutscher U-Bootskommandant danach gefragt! Die französische U-Bootsabwehr und die Bewachungsfahrzeuge haben sich jedenfalls in richtiger Einschätzung ihrer nicht sonderlich großen Fähigkeiten sofort stromaufwärts zurückgezogen,als die Kunde vom Auftauchen der deutschen U-Boote hierher gedrungen ist.

Im grauenden Morgen steht »U 135« nicht weit von der Insel Cordouan in der Mündung des Flusses. Im Nebel, der in dichten Schwaden über dem Wasser lagert, ist der Leuchtturm selbst nicht zu sehen. Mitunter nur scheint sein Licht wie ein fahles Dämmern die dichten Schleier durchdringen zu wollen, auch die Feuer auf Huck Coubre an der Nordseite und Grave auf der Südseite verschwimmen in dem einförmigen Grau. Wie aufgesogen scheint alles vom dichten Brodem.

Vorsichtig, mit langsamer Fahrt fühlt sich das Boot von Seezeichen zu Seezeichen weiter. Alles trieft vor Nässe. Ein dunkler Gegenstand taucht plötzlich wie ein Schatten an Steuerbordseite auf, keine fünfzig Meter ab. Im gleichen Augenblick, als die Leute auf dem Turm das Fahrzeug drüben, dessen Umrisse im Nebel zu verschwimmen scheinen, als einen französischen Lotsenkutter ausmachen, schallt auch schon von drüben durch den Sprachtrichter die Frage herüber:

»Brauchen Sie einen Lotsen?«

Eine Sekunde ratlosester Verblüffung über dieses allzu liebenswürdige Anerbieten, dann ruft schnell gefaßt der Kommandant zum höflichen Franzosen hinüber:

»Nein, danke!«

Wenige Minuten darauf ist das französische Boot im Nebel wieder spurlos verschwunden und »U 135« setzt seine Fahrt stromaufwärts fort.

Der Nebel wird zusehends dünner, heller Schimmer im Osten deutet auf den anbrechenden Tag. Zu beiden Seiten tritt das Land hervor. Eine niedrige Küste, hinter der mehrere Dünenzüge sich abheben, auf der Nordseite; im Süden weißer Sandstrand, Häuser, grünes Buschwerk, weiter binnenlands einzelne, über die Düne hinwegragende Kirchtürme. So weit das Auge das Revier überblicken kann, ist kein Dampfer in Sicht, kein Boot, dem man die Franzosen, die wohlweislich unter Deck geschickt sind, übergeben könnte. Immer heller und klarer wird es, so sichtig, daß es höchste Zeit scheint, zu drehen und auszulaufen. Ein wahres Wunder, daß das U-Boot noch nicht als deutsches erkannt wurde. Freilich, mit einer derartigen Kühnheit rechnen die Franzosen hier wohl schwerlich. In Sicht des Talais-Feuerschiffes wendet »U 135« und geht stromabwärts nach See zu.

Deutlich hebt sich jetzt, von der Morgensonne grell beleuchtet, der hohe kegelförmige weiße Leuchtturm von Cordouan auf seinem Riffe vom blauen Himmel ab. Unter ihm, dicht am aufgemauerten Damm, ist der Lotsenschoner vor Anker gegangen. »U 135« geht längsseit. Ehe die »wachsamen« Lotsen noch aus ihrer behaglichen Morgenruhe erwacht sind, springen schon die Sprengmannschaften an Deck, schicken die heraufkommende Besatzung in die Boote und übergeben ihnen die Mannschaft des Neufundlandfahrers. Wenige Minuten später kracht, bevor die Beiboote des Fahrzeuges noch an der Mole anlegen, der dumpfe Schlag der Sprengpatrone, und das Lotsenschiff sacktauf den Grund der Gironde, während das deutsche Tauchboot allmählich aus Sicht verschwindet. Die zur Verfolgung angesetzten Kriegsfahrzeuge, die bald nachher mit hoher Fahrt aus der Mündung vorstoßen, finden nur glatte freie See. Während sie planlos hin- und herjagen und vergebens nach dem frechen Eindringling ausspähen, überlegt zwanzig Meter unter ihnen der Kommandant von »U 135« in aller Ruhe, was nun als nächstes zu tun wäre. Das Tätigkeitsgebiet muß unbedingt wegverlegt werden. In Bordeaux wissen sie längst, daß sich deutsche U-Boote hier herumtreiben und lassen in der nächsten Zeit sicherlich kein Schiff mehr ausfahren. Auch die nach der Gironde bestimmten Fahrzeuge sind sofort funkentelegraphisch gewarnt worden. Ist es aber möglich gewesen, unbemerkt in die Gironde hineinzukommen, dann gelingt es vielleicht ebenso, den Franzosen im äußersten Süden, unweit der spanischen Grenze eine freundliche Überraschung zu bereiten. Die Schiffahrt ist dort zwar unbedeutend, an der Mündung des Adour aber liegen, unmittelbar an der See, die Forges de l'Adour, die Hüttenwerke, die Tag und Nacht an der Herstellung von Granaten und von Sprengstoff für die Front arbeiten. Ein paar gut gezielte Geschosse müssen dort heillose Verwirrung anrichten. Um aber die Geschütze zum Tragen bringen zu können, muß das Boot aufgetaucht herankommen. Das ist aber, wenn die Franzosen nur einigermaßen wachsam sind, unmöglich. Unmöglich? –

In Sicht der Küste von Béarn zieht ein kleinerSegler durch die blaugrünen Fluten der Biscaya. Ein niedriges Fahrzeug, dessen Körper nur wenig über die Oberfläche hinaus ragt. An zwei dünnen Pfahlmasten stehen prall gefüllt in der achterlichen Brise die kleinen braunen Segel; eines der französischen Fischerboote, die in dieser Gegend in großer Zahl ihrem Gewerbe nachgehen. Direkt auf die Mündung des Adour hält es zu. Wahrscheinlich hat es genügend gefangen, so daß sich das Einlaufen nach Bayonne schon lohnt. Ruhig setzt das Fahrzeug seinen Weg heimwärts fort. An beiden Seiten, weit draußen in See ziehen zahlreiche Segel anderer Fischer dahin. Sie beneiden wohl den glücklicheren Kameraden, der mit gefüllter Bünn zu Markte fährt. Und die Fische stehen jetzt in Kriegszeit hoch im Preise.

An Steuerbord ragen die schneebedeckten Gipfel und Kämme der Pyrenäen auf; voraus, kaum fünf Seemeilen ab, hebt sich immer deutlicher ein Gewirr hoher Schornsteine; zwischen dem Gebirge und dem Hüttenwerk zeichnet sich als deutliche Ansteuerungsmarke auf seinem hohen Küstenabhange der Leuchtturm von Biarritz. Grell leuchtet in der Sonne der überall vorgelagerte weiße Sandstrand.

Der Patron des Fischerbootes scheint plötzlich seine Absicht, den Fang auf dem Bayonner Fischmarkt los werden zu wollen, geändert zu haben. Er stoppt, dreht, daß er quer zum Lande liegt ...... Im nächsten Augenblicke fallen die Segel; zwei Feuerstrahlen spritzen auf, weißer Pulverqualm zieht ab, lang nachhallender Geschützdonner rollt über die See..... »U 135«, das sich in der Maske eines harmlosen Fischerbootes herangepirscht hat und dessen Granaten nun unaufhörlich, Schlag auf Schlag in das Hüttenwerk hineinfegen. Das Dach einer mächtigen Halle stürzt ein, Flammen züngeln aus einem anderen Gebäude, und immer neue Granaten heulen heran. Dicht unter einem Schornstein jagt eine grelle Flamme hoch. Eine riesige Rauchwolke steigt empor; langsam zuerst, als besänne er sich, dann in jähem Sturze neigt sich der Schornstein und schmettert mit seiner dunklen Masse in den hellen Qualm hinein. Der dröhnende Schlag der Explosion dringt an das U-Boot heran, unaufhörlich klingen kleinere, schwächere Detonationen der hochgehenden Munition nach.

Einzelne Gestalten hetzen in fliegender Hast über den weißen Sand und verschwinden im Grün der Tannen, die sich am Fuße der Dünen dunkel abheben. Gleich darauf blitzt es aus dem Walde dort auf. Eine französische Batterie, die das U-Boot unter Feuer nimmt. Ihre Geschosse schlagen noch ziemlich weit im Wasser ein, es hat aber keinen Sinn, sich unnötig hier einer Gefahr auszusetzen. Der Zweck des Unternehmens, die Beschießung des Hüttenwerkes, ist erfüllt, der Weg nach Hause ist weit, und andere Unternehmungen harren noch.

Von Bewachungsfahrzeugen hat sich während des ganzen Vorfalles, der geraume Zeit dauerte, nichts gezeigt. Unangefochten läuft »U 135« mit voller Fahrt südwärts, wo aus der Stellung der eben über der Kimm noch hochtauchenden Segel der französischenFischer zu sehen ist, daß die Herrschaften Lunte gerochen haben und sich vor dem unheimlichen Kameraden schleunigst aus den Kinken bergen wollen. Die spanische Hoheitsgrenze ist nicht weit. Es gelingt ihnen vielleicht, sie zu erreichen, bevor das U-Boot heran ist. Ein ganzes Rudel, mehr als ein Dutzend steht beisammen. Sie haben sich keine Zeit gelassen, die Netze einzuholen; mit einigen Beilhieben sind wahrscheinlich die Leinen gekappt, und Hals über Kopf laufen sie nun davon. Immer mehr aber kommt inzwischen der Verfolger auf. Zwar machen die drüben bei günstiger Backstagbrise gute Fahrt, das U-Boot aber ist ihnen bedeutend an Geschwindigkeit überlegen.

Nach halbstündiger Jagd schon saust aus dem vorderen Geschütz die Einladung zum sofortigen Stoppen mitten unter sie. So leicht aber geben sie das Rennen nicht auf. Erst der dritte Schuß, der einem ziemlich vorn liegenden Boot gleich die ganze Takelage entführt, wirkt. Bis auf zwei, denen es tatsächlich gelingt, zu entkommen, werfen sie jetzt alle ihre Segel herunter. »U 135« umkreist die auseinanderstehenden Franzosen und treibt sie zusammen. In wenigen Minuten schon hat die Gesellschaft begriffen, daß der Kommandant ihnen allen als fahrbaren Untersatz jenes Fahrzeug bestimmt hat, das der dritte Schuß seiner Segel beraubte. Gefährlich ist die Geschichte ja nicht. In einer Stunde längstens müssen sie an der spanischen Küste, die kaum vier Seemeilen abliegt, landen können. Fast zum Greifen nahe scheint in der klaren Luft das Land. Scharf heben sich weit binnenlandsdie Umrisse der Pyrenäen vom tiefblauen Himmel ab. Die aufregende Jagd ist von drüben beobachtet worden. In hellen Scharen strömen die Leute an den Strand hinunter und starren neugierig auf See hinaus. Die beiden Geflüchteten, die eben auf den Sand auflaufen, scheinen bedeutend weniger Interesse zu finden für die Ereignisse, die sich draußen abspielen. Das deutsche Tauchboot stellt die Ungeduld der Zuschauer auf keine zu lange Probe.

Je zwei Fahrzeuge werden zusammengebunden, Sprengpatronen zwischen ihnen angebracht, dann sacken sie schleunigst weg. Dem geschäftstüchtigsten Fischer ist es allerdings noch gelungen, einen Teil seines Fanges für gute blanke Münze an die Besatzung loszuwerden. Gute Freunde scheint er sich mit seinem Vorgehen ja nicht erworben zu haben. Auf dem Boot, das eben nach Land zu rudert, herrscht eine so lebhafte Unterhaltung, daß sie bis an Bord herüberdringt. Ob ihm die Kameraden dort etwa Vorwürfe wegen seines unpatriotischen Vorgehens machen? Schwerlich! Die ärgern sich wohl, daß sie nicht vor ihm auf den guten Gedanken kamen und sich das schöne Geschäft vor der Nase wegschnappen ließen. –

Weit außer Sicht des Landes fährt ein kleiner Segler in der leichten Brise nordwärts. An Deck ist eine Anzahl Leute in den verschiedensten Bekleidungen, die nur das eine gemeinsam haben, daß sie alle reichliche Spuren von Öl aufweisen, damit beschäftigt, Silberlachse zu entschuppen und für die Küche fertigzumachen.Die Stimmung ist ausgezeichnet. Kein Wunder übrigens, wenn man die ruhige See und den steten Wind, der das Fahrzeug ungewöhnlich schnell vorwärtstreibt, bedenkt. Der Besatzung von »U 135« macht es diebischen Spaß, zur Abwechslung einmal auf einem Segelboot durch die blauen Fluten des Ozeans zu gondeln. Wenn auch das taktmäßige Geräusch aus dem Schiffsinnern zeigt, daß die Dieselmotoren arbeiten, so genügen doch die verhältnismäßig kleinen braunen Segel, den harten Tauchbootkrieg für Augenblicke vergessen zu machen und den Anschein des Friedens vorzugaukeln.

Warm strahlt die Mittagssonne auf das Deck herab und auf die Leute, die wohlig ausgestreckt umherliegen und mit Behagen nach den Düften schnuppern, die aus der Kombüse nach oben dringen.

»Voraus zwei Strich an Backbord ein Segler!«

Im Nu ist die Idylle des fröhlichen Fischerbootes abgestreift, die Segel wandern unter Deck, und mit voller Kraft jagt »U 135« dem herankommenden Schiff entgegen. Eine stolze Viermastbark, die alle Lappen gesetzt hat. Majestätisch, in wundervoll ruhiger flotter Fahrt rauscht sie heran, daß den Seeleuten an Bord das Herz im Leibe lacht. Dicht vor ihr schlägt eine Granate ein, jagt das Wasser bis an Deck hinauf. Die Aufforderung genügt. Die Segel werden backgebraßt, die Fahrt kommt allmählich aus dem Schiff, bis es regungslos in der leichten Dünung schaukelt ... Auf Signal geht die Flagge hoch: die Trikolore!

Ein Ruderboot stößt ab, die Schiffspapiere werdengebracht: Salpeter aus Chile, bestimmt für die Forges de l'Adour.

Mit stehenden Segeln geht eine halbe Stunde später das schöne Schiff kopfüber in die Tiefe. Eben, als die Wellen sich über ihm schließen, legt das französische Boot, das die Sprenggruppe wieder an Bord bringt, an. Der Kapitän der Bark, der auf »U 135« geblieben war, hat dem Kommandanten erzählt, daß sein Schiff hundertfünfundzwanzig Tage unterwegs war, wochenlang mußte er bei Kap Horn beigedreht liegen, fast ebensolange Zeit trieb er in der Flaute unter der Linie. Wie die Kinder hätten sie sich gefreut, heute Abend an Land kommen zu können, wo es nach dem vielen Salzfleisch wieder einmal Frischproviant geben sollte. Der Kommandant weiß seinen Kummer, daß die für die Forges de l'Adour so wertvolle Ladung versenkt wurde, bald zu verscheuchen. Er erzählt ihm, daß die Hüttenwerke wohl in Verlegenheit gekommen wären, was sie mit dem Salpeter anzufangen hätten, da sie selbst nach den Vorgängen des heutigen Morgens an die Verarbeitung vorläufig kaum würden denken können. Auch um den heute so ersehnten Frischproviant sollen sie nicht kommen. Ein Ruf nach der Zentrale, und wenige Minuten später erscheint der Koch mit einer großen Back voll gebratener Fische, die er den Leuten in ihr Boot hinunterreicht. Treuherzig begleitet er seine Gabe noch mit einer Ansprache: »Nu futtert man düchtig los. Sind Landslüd von ju – man bloß schad um de scheune dütsche Bodder!«


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