8-9.August.

Körpergewicht:Abnahme = 378 Gramm.

Befinden:frischer, theilweisesehrgut.—Beschäftigung:5-6 St. gearbeitet.—Mittags, Nachmittags und Abends spät am Strande.—Abends von 81⁄2-10 Uhr musicirt.—71⁄2St. Schlaf.Hautfunction:Morgens 9-10 Uhr, und Nachmittags bei der Strandpromenade ziemlich stark transpirirt.Darmentleerung:9 Uhr, 8 Uhr u. 11 Uhr ziemlich reichliche, weich-breiige Sedes.—Witterung:N.-Wind.—Sehr angenehm; namentlich die Abende sehr schön.—

Körpergewicht:Abnahme = 195 Gramm.

Befinden:sehr gut.Beschäftigung:5 St. Arbeit.—Abends nach 81⁄2Uhr in heiterer Gesellschaft einen fast dreistündigen Spaziergang in die s. g. Wangeroger Schweiz, nicht ohne körperliche Anstrengung in dem tiefen Dünensande, gemacht.—7 St. Schlaf.—Hautfunction:Abends während des Spazierganges stark transpirirt.Darmentleerung:Morgens 8 Uhr 15 Min. sehr reichlich, dünnbreiig; 8 Uhr Abends mässig viel, von gleicher Beschaffenheit; 11 Uhr 30 Min. desgl.—Witterung:NNW.-Wind.—Angenehm.—

Körpergewicht:Zunahme: 447 Gramm.

Befinden:sehr gut.—Nachmittags viel Durst.—Der gewöhnliche Thee mit Butterbrod widerstand Abends, es wurde deshalb eine andre Kost gewählt. Der Appetit war überhaupt gesteigert.—Beschäftigung:5 St. Arbeit.—81⁄2St. Schlaf.—Hautfunction:sehr mässige Transpiration.—Darmentleerung:Morgens 7 Uhr 30 Min. sehr reichlich, fast diarrhoisch; 9 U. 45 M. Abends mässig; weniger dünnbreiig.Witterung:WSW.-Wind.—Angenehm.—

Körpergewicht:Zunahme = 488 Gramm.

Befinden:gut; in Folge des vorgestrigen Marsches einige Steifigkeit in den Rücken- und Schenkelmuskeln.— Abends sehr ermüdet. Auch heute wurde der Thee Abends mit anderer Speise vertauscht, weil das Verlangen darnach vorhanden war.Beschäftigung:5 St. gearbeitet.—81⁄2St. Schlaf.—Hautfunction:Morgens bei sehr warmer Lufttemperatur beständig mässige Transpiration. Ebenso Nachmittags. Abends angenehm warm, ohne zu transpiriren.—Darmentleerung:9 Uhr 30 Min.; 6 U. 45 M.; 9 U. 30 M. mässig viel; weich-breiig.—Witterung:Nachmittags Gewitter mit starkem Regen.—SWS.-Wind.—

Befinden:gut.—Der Appetit nur mässig.—Beschäftigung:6 St. gearbeitet.—71⁄2St. Schlaf.—Viel körperliche Bewegung.—Hautfunction:Morgens zum Theil duftende Haut; Nachmittags zwischen 7 u. 8 Uhr leichte Transpiration.Darmentleerung:Morgens 8 Uhr 30 Min.; Abends 10 Uhr 15 Min. mässig viel, consistenter als an den Tagen zuvor.Witterung:starker WNW.-Wind. Lauwarme Luft.—

Die Mittelwerthe dieser Periode berechnen sich folgendermaassen: In je 24 Stunden wurden 1920 CC. Fluida genossen und 1440 CC. Urin mit 28,377 Grm. Harnstoff, 0,324 Grm. Harnsäure, 1,857 Grm. Schwefelsäure, 2,671 Grm. Phosphorsäure und 12,019 Grm. Chlor entleert; auf Morgen und übrige Tageszeit vertheilten sich diese Mengen dann so, dass in den 6-7 Morgenstunden 538 CC. Urin mit

ausgeschieden wurden.—

Betrachten wir zuerst wieder die Resultate der 24stündigen Periode etwas näher, so war das Verhältniss von genossenen Fluidis zur Quantität des Urins fast durchaus dasselbe, wie während der badefreien Zeit auf Wangeroge (1894: 1469); gegen die erste Badezeit war die Urinmenge, trotz verringerter Einnahme an Fluidis, vermehrt. Es weist dies mit Bestimmtheit auf einen geringeren Wasserverlust durch die Haut hin und dass derselbe in der That auch geringer war, geht schon aus den Bemerkungen in den einzelnen Tagesberichten hervor. Die bedeutend niedrigere Lufttemperatur führte dies Verhältniss offenbar zum grossen Theil herbei; ob wir aber auch annehmen dürfen, dass das Bad in der letzten Zeit auf die Hautfunction einen geringern Einfluss ausübte, als in der erstern, lasse ich dahingestellt sein. Die klebrige Beschaffenheit der Schweisse wurde nach, wie vor, wahrgenommen; möglich also, dass nur in der Quantität des Wassergehaltes der Schweisse eine Differenz eintrat und dieses Wasser eben aus irgend welchen Gründen von den Nieren secernirt wurde. Die Vermehrung des Chlorgehaltes im Urin, welche meistens in Folge veränderter Diffusionsverhältnisse auch mit Vermehrung des Wassergehaltes des Urins einhergeht[16], möchte untersolchen Gründen hier namentlich in Betracht zu ziehen sein. Die einzelne Beobachtung vermag diese Frage nicht zur Entscheidung zu bringen.—

[16]Vgl. Falck: Deutsche Klinik. 1853. 8. Oct. „Beiträge zur Lehre von der einfachen Polyurie.“—

[16]Vgl. Falck: Deutsche Klinik. 1853. 8. Oct. „Beiträge zur Lehre von der einfachen Polyurie.“—

Die Darmentleerungen blieben bis zu Ende des Bades vermehrt, und um so mehr, als sofort mit dem Aufhören des Badens das frühere Verhalten in dieser Beziehung eintrat, muss ich glauben, dass das Bad selbst einen Einfluss darauf ausübte. Ich beschuldige nicht, wie Manche es thaten, das Trinkwasser, da dasselbe meiner Untersuchung zufolge um sehr wenig von dem Oldenburger Trinkwasser differirte. Die Beobachtung vermehrter Darmentleerungen beim Gebrauch des Seebades ist ausserdem zu oft gemacht, als dass man noch länger in Zweifel darüber sein könnte.—Da wo das Bad ohnedies einen fatiguirenden Einfluss ausübt, hüte man sich aber, wie schon erwähnt, diese Bade-Wirkung in zu starkem Maasse eintreten zu lassen; der Zustand der Fatigue ist allemal ein Gegner des wohlthätigen Einflusses, den das Seebad insonderheit auf die chemischen Verhältnisse des Organismus ausübt.—Darüber später noch ein Mehres.—

Der Harnstoff belief sich in der letzten Periode des Badens eben so hoch, als in der ersten; dort, wie hier, wurden täglich 28,3 Grm. ausgeschieden. Dürfen wir hier den Harnstoff als Maass des Stoffwechsels betrachten? Aus denselben Gründen, wie oben, glaube ich es auch hier nicht. Die noch zunehmende Quantität der Harnsäure, die uns also eher auf eine noch mehr beschleunigte, als auf eine retardirte Stoffmetamorphose hinweist, die, trotz der vermehrten Darmentleerungen, sich noch immer höher als zur badefreien und sehr nahezu gleich hoch wie zur ersten Badezeit belaufende Quantität der Schwefelsäure lassen mich annehmen, dass auch hier ein gewisser Theil des Harnstoffs in Folge des Badeeinflusses auf andern Wegen, als dem gewöhnlichen, den Körper verliess, und während wir in einer täglichen Quantität von etwa 30 Grm. (das Verhältniss der Schwefelsäure als maassgebend angenommen) sehr wohl ein Maass des Stoffwechsels erkennen könnten, glaube ich in der Quantität von 28,3 Grm. dieses Maass nicht annehmen zu dürfen.—Im Allgemeinen ist aber das Resultat eben von Wichtigkeit, dass gegen Ende der Curzeit der Einfluss des Bades keineswegs an Grösse gewinnt; er hat vielmehr zu Anfang, wie zu Ende eine gleiche Wirkung und im subjektiven Befinden der Patienten äussert sich nur deshalb eine Verschiedenheit des Einflusses, weil die Angriffspunkte, d. h. der Organismus selbst, zu Anfang und zu Ende verschieden sind. Dies Resultat der chemischen Untersuchung ist für den Arzt, wie für den Seebad-Patienten von hoher Wichtigkeit; die Maassnahme allmähliger Steigerung in der wöchentlichen Anzahl der Bäder bei schwächlichen Constitutionen, die Regel, namentlich im Anfange Alles zu vermeiden, was eine Fatigue herbeizuführen vermag,erhalten jetzt ihre rationelle Begründung.—Der beschleunigte Stoffverbrauch nimmt zu Anfang die disponibeln Kräfte (das Nervensystem) zu sehr in Anspruch, als dass ausser für Bad u. s. w. noch viele derselben für geistige und körperliche Thätigkeiten übrig blieben; die früher retardirte Metamorphose wird beschleunigt; allmählig tritt aber eine Periode ein, in der das Nervensystem an den raschern Stoffwechsel gewöhnt ist, durch Veränderung des Stoffwechsels und insonderheit durch die Hebung des Ernährungsprocesses selbst an Kraft gewinnt; jetzt fühlt sich der Patient auch subjectiv wohler und körperliche, wie geistige Anstrengungen werden leichter ertragen. Ich sage, der beschleunigte Stoffverbrauch nimmt zu Anfang die disponibeln Kräfte (das Nervensystem) fast sämmtlich in Anspruch—und das ist eine unläugbare Thatsache. Das Nervensystem hat unter allen Verhältnissen nur ein bestimmtes Quantum an Kraft zu verwenden; die vegetativen (Ernährungs-)Vorgänge erfordern ebensowohl einen Theil davon, als muskuläre oder geistige Anstrengungen. Ist es unter solchen Verhältnissen, wie im Seebade, nothwendig, dass mehr Nahrungsmaterial, als gewöhnlich, eingeführt wird, so muss dem Nervensystem für die damit gesteigerten vegetativen Functionen auch ein Plus an Kraft entzogen werden, für die muskulären und geistigen Anstrengungen aber nur ein Minus übrig bleiben; und erst dann tritt etwa das richtige Verhältniss wieder ein, wenn das Nervensystem effektiv an Leistungsfähigkeit gewonnen hat, d. h. der gesteigerte Ernährungsprocess sich auch in dieser Weise kund giebt; die vegetativen Vorgänge erfordern nach wie vor ihr Plus an Kraft des Nervensystems, aber die Summe dieser Kraft beläuft sich jetzt hoch genug, als dass sie ein Minus für andre körperliche und geistige Functionen bedingen sollte.—Stiege im Seebade und bei längerer Dauer desselben die anfängliche Einwirkung desselben noch immer fort, so würde ein solches Verhältniss nicht eintreten, und der Zustand der Fatigue bis zu Ende anhalten.—

Das Verhältniss derSchwefelsäureänderte sich in dieser Periode, wie das des Harnstoffs, sehr unbedeutend. Es differirt von der ersten Badezeit täglich nur um 0,035 Grm.—Diese Differenz kann sehr wohl durch eine geringe Verschiedenheit der Darmentleerungen bedingt sein.—DieHarnsäurehat dagegen noch um 0,016 Grm. in 24 Stunden zugenommen, ein Verhältniss in dem wir die frühere Angabe bestätigt finden, dass das Seebad auf die Production der Harnsäure einen absolut steigernden Einnuss ausübe.—Ihr entsprechend nimmt auch diePhosphorsäuretäglich noch um ein Geringes (0,054 Grm.) zu, ein Verhältniss, welches nach meinen obigen Auseinandersetzungen und bei der festgehaltenen Erklärung des Abhängigkeitsverhältnisses zwischen Harnsäure und Phosphorsäure nicht auffallend erscheinen kann.—Vergleichen wir nun aber die Quantität der Phosphorsäure inden Oldenburger Juli-Tagen mit der hier in Frage stehenden und ziehen gleichzeitig die aufgefundenen Körpergewichtsverhältnisse in Betracht, so ergiebt sich, dass in Oldenburg täglich 2,893 Grm. Phosphorsäure entleert wurden und dabei ein Gewichtsverlust von täglich 135 Grm. statt hatte, dass dagegen in Wangeroge in der letzten Periode täglich 2,671 Grm. Phosphorsäure entleert wurden und dabei eine tägliche Gewichtszunahme von 15 Grm. Statt hatte. Bei der zweifellosen Beziehung, den die Phosphorsäure zum Ernährungsprocess hat, müssten wir demnach annehmen, dass bei einer Ausscheidung von täglich circa 2,75 Grm. Phosphorsäure im Sommer mein Körpergewicht sich gleich bleiben würde. In Wangeroge erfuhr somit der Körper in allen Perioden einen Gewinn an Phosphorsäure; und berechnet sich der absolute Gewinn an derselben für die letzten 8 Tage auf etwa 1,7 Grm., der relative (vermehrte Einnahme von Nahrungsstoffen) aber auf etwa 2-3 Grm., so würde sich der Gesammt-Gewinn in der letzten Periode etwa auf 4 Grm. belaufen.

Das 24stündige Mittel für die Phosphorsäure zu verschiedenen Jahreszeiten wurde für meinen Körper oben auf 2,5 berechnet; das der Harnsäure daneben auf 0,35 Grm.—Wenn wir jetzt in dem heissen Juli in Oldenburg 0,41 Grm. Harnsäure und 2,89 Grm. Phosphorsäure; in Wangeroge bei ausschliesslichem Luftgenuss:

auffinden, so stehen all diese Verhältnisse im besten Einklang mit dem, was ich über die gegenseitige Abhängigkeit dieser Stoffe und den Einfluss gesteigerter Oxydationsprocesse auf dieselben gesagt habe. Wären in Wangeroge die Oxydationsvorgänge nicht bedeutend intensiver, als in Oldenburg gewesen, so würden dort zur badefreien Zeit bei noch vermehrter Nahrungseinnahme zum Mindesten ebenfalls 0,41 Grm. Harnsäure ausgeschieden, es würde ferner die Oxalsäure weniger rasch zu Kohlensäure oxydirt, und mehr Phosphorsäure als 2,37 Grm. dem organischen Nexus entzogen sein. Aber diese vermehrte Oxydation gab sich in allen Verhältnissen kund, sie war zweifellos; und wenn ich desohngeachtet während des Bades wieder 0,30 und 0,32 Grm. Harnsäure als tägliches Mittel beobachtete, so lieferten diese Quantitäten nicht einen Beweis für jetzt verminderte Oxydationsvorgänge, sondern für eine absolut gesteigerte Production von Harnsäure, die bei gleicher Intensität der Oxydation, wie zur badefreien Zeit, dennoch zu einer Ausscheidung von täglich 0,31 Grm. Harnsäure führte. Es konnte unter solchen Verhältnissen gleichzeitig nicht anders sein, als dass zur Badezeitauch mehr Oxalsäure im Organismus producirt wurde, als zur badefreien Zeit, und, wie rasch sie auch zu beiden Zeiten zu Kohlensäure verbrennen mochte, der Einfluss den die vermehrte Production auf die Phosphate ausübte blieb dennoch nicht aus, er sprach sich in der Vermehrung der Phosphorsäure im Urin zur Zeit des Badens aus. Es wurde ohne Frage im Sommer in Wangeroge auch mehr Harnsäure producirt und oxydirt, als im Winter in Oldenburg; denn dort kam bei nicht unbeträchtlich gesteigerter Nahrungseinnahme, fast eben so viel Harnsäure zur Ausscheidung als hier (im Winter in Oldenburg: 0,29 Grm.; im Sommer in Wangeroge durchschnittlich = 0,27 Grm.); die geringe Steigerung der Phosphorsäureausgabe in W. steht damit nicht im Widerspruch (im Winter in Oldenburg: 2,37 Grm.; im Sommer in Wangeroge durchschnittlich = 2,55 Grm.); aber dennoch hatte ein Gewinn an letzterer auch im Verhältniss zum Winter Statt, denn die gesteigerte Consumption führte dem Organismus verhältnissmässig auch mehr Phosphate zu.—Bei dem steten Auf- und Abwogen der einzelnen Vorgänge, die wir in summa als Stoffwechsel bezeichnen, bei dem unausbleiblichen Einfluss, den Einnahmen an Nahrungsmaterial, körperliche und geistige Bewegung, Luftbeschaffenheit u. s. w. darauf ausüben, ist es nicht leicht, in allen Verhältnissen ein aufgefundenes Gesetz als richtig zu erkennen, doppelt schwierig ein Gesetz selbst aufzufinden. Aber ich kann nicht umhin zu glauben, dass der von mir schon vor längerer Zeit aufgestellte Satz über das Hervorgehen der Oxalsäure aus der Harnsäure und die Einwirkung der Oxalsäure auf die phosphorsauren Erden, und damit auf den Ernährungsprocess, ein richtiger ist; eine Menge praktischer Beobachtungen stimmen damit überein, und ich habe mir nicht eine Theorie construirt, denen ich die Thatsachen anzupassen suchte, sondern mich bemüht die Thatsachen kennen zu lernen, um aus ihnen ein Gesetz herzuleiten.

In den eben verzeichneten Tagesberichten findet sich ein Tag, der 8te August, an dem ganz ausnahmsweise Abends spät ein dreistündiger, anstrengender Spaziergang gemacht wurde. Wie gestalteten sich die Verhältnisse des Stoffwechsels an dem dieser ungewohnten Bewegung folgenden Tage? Alle Ausgaben waren so gesteigert, wie an keinem andern Tage. Der Harnstoff belief sich auf 32,128 Grm., die Harnsäure auf 0,448 Grm., die Schwefelsäure auf 2,260 Grm., das Chlor auf 14,084 Grm.; nur die Phosphorsäure machte eine Ausnahme, sie belief sich umgekehrt, wie alle übrigen Stoffe, so niedrig, wie an keinem andern Tage dieser Untersuchungsreihe, auf 2,533 Grm. Ist dieses Resultat anders zu erklären, als durch die obige Thesis, nach welcher Beschleunigung des Stoffwechsels vermehrte Ausgabe aller Körperbestandtheile, mit Ausnahme der einzigen Phosphorsäure bedingt, nach welcherBeschleunigung des Stoffwechsels und Körpergewichtszunahme zwei sich gegenseitig bedingende Momente sind?—Steht dasselbe nicht im Einklang mit Allem, was ich in Betreff dieser Verhältnisse gesagt habe? Und solcher Beispiele lassen sich in der That viele beibringen; täglich wird man sie in der Praxis finden können, wenn man nur darnach sucht; alljährlich werden sie uns geliefert durch die Gebirgsreisenden, die bei nicht unbedeutenden körperlichen Anstrengungen und ohne Frage beschleunigter Metamorphose dennoch mit gehobenem Embonpoint in die Heimath zurückkehren.—

Doch zurück zu unsern Untersuchungen. Ich habe noch über den Chlorgehalt des Urins der letzten Periode zu sprechen. Derselbe war in der That im Verhältniss zu allen vorhergehenden Perioden nicht unbeträchtlich vermehrt. Während in der badefreien Zeit täglich 10,59, in der ersten Badezeit 9,33 Grm. Chlor entleert wurden, belief sich die Menge desselben in der letzten Zeit täglich auf 12,019 Grm. Wie ist diese Zunahme zu erklären? Ich war Anfangs geneigt zu glauben, dass meine obige Annahme, es werde im Bade keinenfalls eine irgend erhebliche Menge Kochsalz aufgenommen (cf.pag. 64), unrichtig sei; dass in jener ersten Badezeit vielmehr mit den beträchtlichen Schweissen dem Körper so viel Chlor entzogen sei, dass trotz vermehrter Ausgabe an Chlor in Summa, der Gehalt desselben im Urin vermindert erschien, und dennoch also eine Salzresorption im Bade Statt gehabt habe. Allein ich halte diesen Schluss dennoch nicht für zulässig. Würde Salz im Bade resorbirt, d. h. gelangte es wirklich in den Blutkreislauf, so würde es sicher binnen der nächsten 6 Stunden im Urin wieder erscheinen. Solches lässt sich namentlich nach Falck’s Beobachtungen[17]mit Sicherheit annehmen. Wir finden nun aber, dass grade in den 6 Morgenstunden die Quantität des Chlor im Urin zur Badezeit nicht höher, sondern eher geringer war, als zur badefreien Zeit. Während der letztern wurden 4,54 Grm., während der ersten Badezeit 3,28 Grm. und während der spätern Badezeit 4,89 Grm. Chlor ausgeschieden. Das Plus fiel dagegen in der letzten Periode in die Nachmittags- und Nachtzeit—und ich glaube danach nicht anstehen zu dürfen, dasselbe aus einer vermehrten Kochsalz-Einnahme mit den Speisen zu erklären. Diese Erklärung wird dadurch unterstützt, dass an den beiden Tagen der letzten Periode, an welchen nicht gebadet wurde (6. und 7. Aug.), sehr hohe Quantitäten Chlor im Urin enthalten waren; am 6. = 12,526 Grm., am 7. = 13,667 Grm.—Doch, wird man fragen, weshalb war denn der Chlorgehalt des Urins in der ersten Badezeit, wo doch der Consum dem der Schlussperiode sehr nahe stand, nicht vermehrt, sondern sogarvermindert? Dafür glaube ich nur mit der einen Hinweisung auf die bedeutend vermehrten Schweisse einen Grund angeben zu können und ich möchte es nicht in Abrede stellen, dass mit ihnen in der ersten Badezeit um 3 Grm. Chlor mehr den Organismus auf dem Wege durch die Haut verliessen, als in der letztern.—Bei der Unmöglichkeit, die Quantität des durch die Haut entweichenden Chlors zu bestimmen, wird es immer ein missliches Ding sein, mit aller Entschiedenheit die Aufnahme von Kochsalz im Bade zu leugnen. Allein zugegeben, dass sie stattfinde, zugegeben, dass in 8-10 Minuten eine See-Wasserresorption von doppelter Grösse stattfinde, wie sie Lehmann bei1⁄4-1⁄2stündigen Sitzbädern von gewöhnlichem Wasser fand, also von etwa 20 Grm., so würde damit noch nicht 1 Gramm Chlor aufgenommen werden, und einen die Heilwirkung des Seebades mitbedingenden Einfluss glaube ich solcher Quantität kaum zuschreiben zu können.—


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