[17]l. c.
[17]l. c.
Es wurde schon oben bemerkt, dass ich während der ersten Tage der letzten Untersuchungsreihe einen gewissen Grad von Fatigue fühlte, eine allgemeine Abspannung, einen Mangel an gewohnter Frische. Dieser Zustand sprach sich auch in den Resultaten der chemischen Analyse aus. Es wurden am 4ten und 5ten August durchschnittlich in 24 St. nur ausgeschieden: 26,4 Grm. Harnstoff, 1,58 Grm. Schwefelsäure und 10,22 Grm. Chlor; dagegen 0,305 Grm. Harnsäure und 2,832 Grm. Phosphorsäure, also wieder Vermehrung der letztern mit Retardation der Stoffmetamorphose im Allgemeinen. Ich hielt es deshalb geeignet, zwei Tage lang das Bad auszusetzen, um zu erfahren, ob der bezeichnete Zustand dadurch beseitigt werden würde. Meine Erwartungen wurden in Uebereinstimmung mit dem, was Seebad-Aerzte in dieser Beziehung versichern, erfüllt. Nicht nur, dass das Gefühl früherer Frische alsbald wiederkehrte, auch in den Ergebnissen der chemischen Analyse sprach sich sofort die Beschleunigung des Stoffwechsels, die Wiederkehr des frühern Zustandes aus. Es wurden an den beiden Tagen in je 24 Stunden entleert: 28,49 Grm. Harnstoff, 1,881 Grm. Schwefelsäure und 13,096 Grm. Chlor; dagegen nur 0,281 Grm. Harnsäure und 2,685 Grm. Phosphorsäure—also wieder das umgekehrte Verhältniss wie oben, ganz in Uebereinstimmung mit dem, wie oben des Weitern auseinandergesetzt wurde.—Es geht daraus wieder der der Badewirkung gegenüber bedeutende Einfluss des ausschliesslichen Luftgenusses hervor; andrerseits aber enthält diese Thatsache auch eine dringende Warnung für alle diejenigen, die, nicht zufrieden mit der schon an und für sich fatiguirenden Einwirkung des Bades, täglich noch durch excessive körperliche Bewegung u. s. w. die Wirkung ihrer Cur zu erhöhen glauben. Der Zustand der Depression, der Abspannung, in welcher Weise dieselbe auch zu Stande kam, ist allemal mit Retardation der Stoffmetamorphose verbunden;Alles aber, was eine solche herbeiführt, ist auch direct dem segensreichen Einflusse des Seebades und Aufenthaltes an der Küste entgegengesetzt.—Ich habe oft mit Bedauern Kranke am Strande auf- und niederlaufen sehen, und mich oftmals nicht ohne Erfolg bemüht, dem Wunsche derselben, es recht gut zu machen, die richtigen Wege zu weisen. Für Niemand weniger, als für den Seebadenden, sindin der Regelexcessive körperliche Anstrengungen geeignet; es pflegen sich im Gegentheil diejenigen Kranken am besten zu befinden, die, so viel als möglich, ruhig, theils sitzend, theils gehend am Strande verweilen. Insonderheit da, wo es auf Hebung des Ernährungsprocesses, auf Gewinn an Phosphorsäure ankommt, kann die gleichmässige Ruhe, wie Flügge[18]es so richtig thut, nicht dringend genug empfohlen werden. Die wunderbare Genesung scrophulöser, atrophischer, rhachitischer u. a. Kinder, die ich an der englischen Küste in Margate beobachtete, findet nur in dem ruhigen, tagelangen Verweilen derselben in der unschätzbaren Seeluft ihre Erklärung.—Fatigue ist allemal Verlust an Kraft, und Ruhe eben da Gewinn, wo die Luft allein schon fähig ist den Stoffwechsel zu heben, die Oxydationsprocesse zu steigern. Dadurch gewinnt, wie meine Untersuchungen nachweisen, der Organismus an jenem Material, das dem gesunden Aufbau und Gedeihen desselben fehlte, dadurch bekommt allein der Geist und mit ihm das gesammte Nervensystem die so oft vermisste und doch so nothwendige, gleichmässige Ruhe.—
[18]Verhaltungsregeln beim Gebrauch der Seebäder vom Sanit.-Rath Dr. Flügge. 3te Aufl. Hannover.
[18]Verhaltungsregeln beim Gebrauch der Seebäder vom Sanit.-Rath Dr. Flügge. 3te Aufl. Hannover.
In der Vertheilung der Ausgaben dieser Untersuchungsreihe auf Morgenstunden und übrige Tageszeit kamen zu geringe Differenzen von der in der anfänglichen Badezeit beobachteten vor, als dass ich darüber ein Mehres zu sagen für nöthig hielte. Im Wesentlichen äusserte das Bad die gleichen Einflüsse. Vermehrte sich die Urinquantität, so wie der Harnstoffgehalt derselben jetzt um etwas in den Morgenstunden, so mochte der Grund dafür in der bereits oben erwähnten, weniger reichlichen Hauttranspiration liegen: verminderte sich die Schwefelsäure um 0,038 Grm., so habe ich als Ursache davon schon oben die vermehrten Darmentleerungen angesprochen; und verminderte sich ebenfalls die Harnsäure um 0,017 Grm., so fand dafür Nachmittags eine ganz entsprechende Vermehrung Statt; es kamen die 0,017 Grm. nur zufällig etwas später zur Ausscheidung als zur anfänglichen Badezeit.—Wesentliche Schlüsse lassen sich auf diese geringen Differenzen nicht basiren; was sich mit Bestimmtheit folgern lässt, ist bereits bei Besprechung der Mittelwerthe für die 24stündige Periode gesagt.
Bis zum Tage der Abreise von Wangeroge, den 17. August, stand nur noch eine kurze Zeit bevor.—Die 5 Tage wurden verlebt, wie die Tage der arbeitsfreien Zeit vom 24. Juli—4. August. Am 18ten Nachmittags traf ich in Oldenburg wieder ein.—Aber ich durfte meine Aufgabe noch nicht als beendet betrachten; es galt die Frage zu lösen: wie sich der Stoffwechsel jetzt, nach dem beendeten Bade, in Oldenburg verhielt, wie die Gewichtsverhältnisse des Körpers sich gestalteten, wie die einzelnen bisher betrachteten Bestandteile des Urins.—Ich liess also erst einige Tage in den gewöhnlichen früher schon angedeuteten Lebensverhältnissen vergehen und nahm dann am 29sten August die Untersuchungen wieder auf.—Leider wurde ich durch unabwendbare Berufsgeschäfte verhindert, eine längere, zusammenhängende Reihe von Tagen hindurch die Beobachtungen fortzusetzen; ich wurde genöthigt, mit einem Zwischenraum von 11 Tagen 2 Mal 3 Tage lang, statt, wie ich es wünschte, 6 Tage lang in continuo zu beobachten. Allein da die Lebensweise in beiden Perioden durchaus gleichartig war, so wird kein Fehler darin liegen, die Mittelwerthe aus den 6 Tagen in summa zu berechnen, wenn auch die bedeutende Verschiedenheit der Harnsäure- und Phosphorsäureausscheidung in beiden Zeiträumen einer besondern Erwähnung bedarf.—
Ich lasse zunächst wieder die Resultate der einzelnen Untersuchungen selbst folgen:
Befinden:gut; namentlich Abends sehr frisch.Beschäftigung:5 St. gearbeitet; 5 St. Krankenbesuche. Abends gesellige Unterhaltungen. 9 St. Schlaf.—Hautfunction:Mittags, Nachmittags und Nachts leicht transpirirende Haut.Darmentleerung:Abends 101⁄2Uhr: wenig; härtlich.Witterung:mässig windig; theils bedeckter Himmel, aber doch sehr warm. NW.
Körpergewicht:Zunahme = 74 Gramm.
Befinden:sehr gut; nur Mittags durch die Gewitterschwüle abgespannt.Beschäftigung:71⁄2St. gearbeitet; 4 St. Krankenbesuche. Abends musikal. Unterhaltung.—8 St. Schlaf.Hautfunction:Mittags von 12-2 Uhr und Nachmittags von 5-7 Uhr stark transpirirt.—Darmentleerung:10 Uhr 15 Min. mässig viel, geballt; 10 Uhr 30 Min. desgl.—Witterung:sehr schwere, schwüle Luft; theils bedeckter Himmel; kein Regen.—WSW.
Befinden:sehr gut. Nachmittags sehr starker Durst (in Folge des salzreichen Fleisches).Beschäftigung:71⁄2St. gearbeitet. 2 St. Krankenbesuche. Nachmittags u. Abends gesellige und musikalische Unterhaltungen.— 9. St. Schlaf.Hautthätigkeit:nur Mittags transpirirt.—Darmentleerung:Morgens 11 Uhr und Abends 10 Uhr 45 Min. massig viel.—Witterung:sehr warm.—Sonnenschein—WN.—
Befinden:sehr gut.Beschäftigung:8 St. gearbeitet. 3 St. Krankenbesuche und Spaziergang. 9 St. Schlaf.—Tags zuvor wurde bis 1 Uhr Nachts gearbeitet.—Hautfunction:Morgens zwischen 10 u. 11 Uhr, und Nachmittags zwischen 6 u. 7 Uhr transpirirt.—Darmentleerung:9 Uhr 30 Min. Morgens mässig viel, geballt.—Witterung:stets warmer Sonnenschein und klarer Himmel.—SW.
Körpergewicht:Abnahme = 7 Gramm.
Befinden:sehr gut.Beschäftigung:7 St. gearbeitet.—2 St. Krankenbesuche und Spaziergang.—Nachmittags und Abends gesellige und musikalische Unterhaltung. 8 St. Schlaf.—Hautfunction:Mittags zwischen 1 u. 2 Uhr und Abends zwischen 6 u. 7 Uhr leicht transpirirt.Darmentleerung:Abends 8 u. 10 Uhr mässig viel, weich-breiige Sedes.Witterung:sehr schön. Abends gewitterhaft; Regen.—SW.
Befinden:sehr gut.Beschäftigung:9 St. gearbeitet. 3 St. Krankenbesuche u. Spaziergang.—Nachmittags Besuche im Hause.— 71⁄2St. Schlaf.—Hautfunction:Morgens sowohl, als Nachmittags stark duftende Haut.Darmentleerung:Morgens 8 Uhr 30 Min. und Abends 11 Uhr sehr reichlich. Ebenso hatte am 15ten Morgens 9 Uhr 30 Min. kurz vor der Körpergewichtsbestimmung noch eine reichliche Entleerung Statt.Witterung:Morgens trübe, Regen.—Nachmittags: gewitterhaft, sehr schwül.—Abends Regen.—SW.
Berechnen wir zunächst die Mittelwerthe aus sämmtlichen vorstehenden 6 Tagen, so ergiebt sich, dass bei einem täglichen Genuss von 1947 CC. Fluidis 1467 CC. Urin entleert wurden, und dass diese enthielten:
Das Körpergewicht nahm dabei täglich um 43 Grm. zu.—
Ziehen wir dagegen die Mittelwerthe aus den ersten und letzten 3 Tagen gesondert, so findet sich, dass in den ersten 3 Tagen beim Genuss von 1917 CC. Fluidis entleert wurden:
das Körpergewicht aber täglich um 138 Grm. zunahm; dass dagegen in den letzten 3 Tagen beim Genuss von 1977 CC. Fluidis entleert wurden: 1655 CC. Urin mit
und dass dabei das Körpergewicht täglich um 52 Grm. abnahm.—
Die Hauptergebnisse dieser Untersuchungen springen leicht in die Augen.—Zunächst ist dieMenge des Harnstoffswieder auf ganz dieselbe Höhe zurückgegangen, auf welcher sie vor dem Gebrauch des Bades in Oldenburg stand; es wurden damals 24,43 Grm., jetzt 24,63 Grm. in je 24 Stunden entleert. Das Resultat stellt sich sowohl bei Berechnung des Mittelwerthes aus allen 6 Tagen, als auch bei Berechnung desselben aus den zwei 3tägigen Perioden im Einzelnen heraus. Ihm entsprechend finden wir auch wieder die Schwefelsäure auf derselben Stufe, wie vor Gebrauch des Bades; wir fanden damals 1,404 Grm., jetzt 1,419 Grm. in 24 Stunden. Schwefelsäure und Harnstoff zeigen, wie in allen obigen Untersuchungen, so auch hier wieder einen beständigen Parallelismus.—Die Deutung dieserVerhältnisse ist nicht schwierig. Die durch Seeluft und Seebad bedingte Beschleunigung des Stoffwechsels hörte sofort nach Rückkehr auf den Continent auf; die Consumption grösserer Mengen Nahrungsmaterial war nicht mehr, wie in Wangeroge, Bedürfniss; die vollkommne Befriedigung des jetzigen Nahrungsbedürfnisses hatte Statt bei einer Menge von stickstoffhaltigen Substanzen, welche per Tag 24,5 Harnstoff zu bilden vermochten. Es geht hieraus mit zweifelloser Gewissheit hervor, dass der vermehrte Consum und die eventualiter vermehrte Harnstoffausgabe in Wangeroge lediglich Folge des Seeluft- und Seebadgenusses waren. Dort, wie in Oldenburg, genoss ich ganz nach Bedürfniss; die Befriedigung desselben führte aber bei mehr oder weniger gleicher Qualität der Nahrung dort zu einer täglichen Harnstoffausgabe von 27-30 Grm., hier nur zu einer solchen von 24 Grm. Deutlicher kann die den Stoffwechsel beschleunigende Wirkung der Seeluft und des Seebades nicht wohl dargethan werden.—
Nicht so, wie mit Harnstoff und Schwefelsäure, verhielt es sich dagegen nach der Rückkehr aus dem Bade mitHarnsäureundPhosphorsäure. Trotz der der frühern ganz gleichartigen Lebensweise wurden vor dem Gebrauch des Bades täglich ausgeschieden:
und trennen wir wieder die letztern 6 Tage in die 2 Mal 3 Tage, so wurden während der
Auch hier tritt uns zunächst wieder der oben so oft beobachtete Parallelismus der Harnsäure und Phosphorsäure entgegen, ein Umstand, auf den ich, bei der Bedeutung der Phosphorsäure für den Ernährungsprocess und bei der Mangelhaftigkeit der Physiologie des letztern jedesmal von Neuem aufmerksam machen möchte. Dann aber fällt es sofort auf, dass beide Stoffe, nicht wie Harnstoff und Schwefelsäure zu dem vor dem Badegebrauch beobachteten Mengenverhältniss zurückkehren, vielmehr weit hinter demselben zurückbleiben, ja noch unter das im Bade selbst beobachtete Minimum herabsinken; dass ferner diese auffallende Erscheinung am frappantesten in einem Zeitraum, der 4 Wochen von der letzten Badezeit getrennt war, hervortritt.—Bestätigen fernere Untersuchungen dieses Factum, so wird dasselbe ohne Frage zur Erklärung der so oft beobachteten s. g. Nachwirkung des Seebades auf den Ernährungsprocess benutzt werden können und uns die nachträgliche Hebung des letztern in ihrem wahren Grunde erkennen lassen.—Erinnern wir uns der obigen Annahme, dass der Gebrauch des Bades die Production von Harnsäure im Organismus absolutsteigere, eine vermehrte Ausscheidung derselben bedinge,—ein Verhältniss, dessen causaler Nexus vorläufig dahingestellt bleiben muss—, so ist die auffallende Verminderung der Harnsäurequantität in den nächsten 4 Wochen nach dem Bade nicht eben auffallend. Die Harnsäure kann sowohl aus integrirenden Körperbestandtheilen, als direct aus den eingeführten Nahrungsmitteln hervorgehen. Es ist sehr wohl möglich, dass im Gange des gewöhnlichen Lebens jene integrirenden Körperbestandtheile einen sehr bedeutenden Theil des Bildungsmateriales für die Harnsäure liefern, und eben so möglich wieder, dass das Seebad die Metamorphose dieses Bildungsmateriales in der Weise beschleunigt, dass eine „absolut vermehrte Harnsäureproduction“ resultirt und für die nachfolgende Zeit der Vorrath an jenem Materiale einstweilen erschöpft ist. Dann erscheint selbstverständlich im Harne nur diejenige Quantität Harnsäure, welche aus den eingeführten Nahrungsmitteln direct hervorgeht, eine Quantität etwa, wie wir sie in den letzten Untersuchungsperioden gefunden haben. Wird nun aber in dieser Weise in Folge des Badegebrauchs absolut weniger Harnsäure im Organismus producirt, so wird, nach den oben gegebenen Auseinandersetzungen, damit auch weniger Oxalsäure gebildet und damit endlich eine geringere Ausscheidung von Phosphaten bedingt. Der Organismus erfährt jetzt also, ebenso wie während des Aufenthaltes auf der Insel, noch fortdauernd einen Gewinn an Phosphorsäure, ein Gewinn, der im Stande ist uns diejenigen Zunahmen des Embonpoint zu erklären, die wir oftmals erst im 2ten oder 3ten Monat nach dem Gebrauch des Seebades zu beobachten Gelegenheit haben, ein Gewinn ferner, der im vorliegenden Falle nicht unbedeutend war, wenn wir bedenken, dass vor dem Bade täglich 2,893 Grm., nach der Badezeit aber nur 1,990 Grm. Phosphorsäure ausgeschieden wurden.—Erinnere man sich bei der Ueberlegung dieser Thatsachen und Vermuthungen stets des Experimentes von Wöhler und Frerichs, welches nach Harnsäurefütterung eine Vermehrung des Harnstoffgehaltes des Urins und Erscheinen von Oxalsäure in demselben kennen lehrte; erinnere man sich ferner des von mir erwiesenen Satzes, dass reichlicher Gehalt des Urins an Oxalaten immer zusammenfällt mit abnorm reichlichem Gehalt desselben an Erdphosphaten—, und, ich meine, wir gewinnen damit eine Einsicht in die schwierigen Verhältnisse des Ernährungsprocesses, die für Pathologie sowohl, als Therapie von grossem Werthe ist. An stickstoffhaltigem Materiale (Albuminaten) und an Fetten fehlt es selten, vielleicht nur in wirklichen Inanitionszuständen; aber das dritte Requisit für den Zellenbildungsprocess, die Phosphorsäure (und specieller: der phosphorsaure Kalk) ist vermöge seiner Abhängigkeit von leicht veränderlichen Verhältnissen der Stoffmetamorphose (Harnsäure- und Oxalsäurebildung) steten Schwankungen unterworfen und bedingt—ich bin davonüberzeugt—in der grossen Mehrzahl der Fälle allein die mannigfachen Schwankungen in der Körperzu- und -abnahme, die uns im praktischen Leben entgegentreten. Das Studium der Wirkung des Seebades ist in der That nicht sowohl deshalb von Wichtigkeit, weil es uns mit der Wirkung eines einzelnen Heilmittels vertraut macht, sondern namentlich deshalb, weil es auf die gesammte Lehre von dem Ernährungsprocess des Körpers ein bedeutendes Licht zu verbreiten verspricht.—
Wir bringen also die Verminderung der Harnsäure im Urin in der dem Seebade folgenden Zeit noch auf Rechnung des Bades, es documentirt sich in ihr eine s. g. Nachwirkung; ihr entsprechend ist die Phosphorsäureausscheidung gering; die Ernährung des Körpers hebt sich noch fort und fort.—Die Körpergewichtsbestimmungen dienen zur Unterstützung dieser Ansicht.—Während das Körpergewicht am Ende der Untersuchungen auf Wangeroge, am 12ten August, 125Pfund321 Grm. betrug, belief es sich am 1sten Septbr. zu gleicher Tageszeit auf 127Pfund175 Grm. Der in Wangeroge erreichte Gewinn war also nicht nur ein bleibender, sondern wuchs noch, auch nach erfolgter Rückkehr. Und wenn dieser fortschreitende Gewinn in der ersten Zeit des September sich nicht mehr so augenscheinlich kund gab, wenn wir am 13. Septbr. wieder ein Gewicht von nur 126Pfund30 Grm. finden, so mag das in dem durch sehr angestrengte Thätigkeit gesteigerten Stoffverbrauche, wie er in der That im September Statt hatte, seinen Grund haben, nicht aber den obigen Satz entkräften.—Während der letzten 3 Untersuchungstage, vom 12.-15. Septbr., hatte sogartäglicheine geringe Körpergewichtsabnahme (von 52 Grm.) Statt. Aber ich muss zur Erklärung dieser auf die während dieser 3 Tage aus unbekannten Gründen sehr gesteigerte Diurese aufmerksam machen. Bei nicht geringer Hauttranspiration und reichlichen Darmentleerungen wurden bei täglichem Genuss von 1977 CC. Fluidis 1655 CC. Urin entleert, ein Verhältniss, welches in Vergleich mit den frühern eine noch viel bedeutendere, momentane Gewichtsabnahme hätte erwarten lassen.—Bei Beurtheilung der Gewichtsverhältnisse des Körpers sind selbstverständlich stets alle Factoren der Stoffmetamorphose, die Einnahmen und gesammten Ausgaben zu berücksichtigen; ein Tag oder wenige aufeinanderfolgende Tage können durch gesteigerte Diurese, Hauttranspiration oder Darmentleerung sehr leicht einen Körpergewichtsverlust von einigen Pfunden bedingen, ohne dass man deshalb schon von einem beeinträchtigten oder sinkenden Ernährungsvorgang reden darf; der momentane Verlust gleicht sich rasch wieder aus. Nur wenn in Zeiträumen von 8, 14, 21 u. s. w. Tagen Veränderungen in den Körpergewichtsverhältnissen eintreten, ist ein Schluss auf die Energie des Ernährungsprocesses zulässig. Solches ist aber, mit Ausnahme der letzten 3 Untersuchungstage beimeinen Untersuchungen der Fall—und wenn das Körpergewicht vor Gebrauch des Bades am 9ten Juli 120Pfund400 Grm. betrug, 14 Tage nach dem Bade, am 1sten Septbr., sich aber auf 127Pfund175 Grm., und noch 14 Tage später, am 14. Septbr., auf 126Pfund23 Grm. belief, so liegt darin mit aller Bestimmtheit der Beweis, dass das Seebad den Ernährungsprocess hebt, die Anbildung von Körpersubstanz befördert; und diese Wirkung zeigt sich sicher sowohl während des Aufenthaltes auf der Insel selbst, als auch noch in der der Badezeit zunächst folgenden Zeit[19].—