V. UNTERSUCHUNGSREIHE.

[8]Diese Bestimmungen wurden ganz in derselben Weise vorgenommen, wie beim Urin. Selbstverständlich wurde behuf der Chlorbestimmung eine künstliche Harnstofflösung mit dem betreffenden Wasser bereitet, im Uebrigen dann ganz, wie bei der Chlorbestimmung im Harn verfahren.—

[8]Diese Bestimmungen wurden ganz in derselben Weise vorgenommen, wie beim Urin. Selbstverständlich wurde behuf der Chlorbestimmung eine künstliche Harnstofflösung mit dem betreffenden Wasser bereitet, im Uebrigen dann ganz, wie bei der Chlorbestimmung im Harn verfahren.—

[9]Vrgl. meine Entwickelungsgeschichte der Oxalurie. Göttingen 1852.

[9]Vrgl. meine Entwickelungsgeschichte der Oxalurie. Göttingen 1852.

Fassen wir es also nochmals kurz zusammen: der ausschliessliche Genuss der Seeluft auf Wangeroge hatte bei mir eine Steigerung des Nahrungsbedürfnisses zur Folge; in Folge dieses wurde mehr Material eingeführt, in dem Urin fand sich eine entsprechende Vermehrung des Harnstoffs und der Schwefelsäure wieder; Harnsäure und Phosphorsäuregehalt des Urins waren dagegen nicht nur nicht vermehrt, sondern absolut und relativ vermindert; ein gesteigerter Oxydationsprocess fand in dieser Weise seinen Ausspruch. Der Körper gewann an Phosphorsäure und zwar in 4 Tagen etwa 2 Grm.—Das Körpergewicht nahm dabei um 238 Grm. zu.—

Wie vertheilten sich diese Verhältnisse auf die Morgenstunden und übrige Tageszeit?—Werfen wir einen Blick auf die oben mitgetheilten Zahlenwerthe, so ist leicht ersichtlich, dass die Stoffmetamorphose in den Morgenstunden die stärkste Beschleunigung während der 24 Tagesstunden erfuhr. Bei gleicher Quantität und Qualität der Morgens genossenen Fluida wurden statt der 543 CC. in Oldenb., in Wang. 752 CC. Fluida entleert, statt 6,85 Grm. Harnstoff 9,21 Grm., statt 0,30 Grm. Schwefelsäure 0,49 Grm. Die besprochene Verminderung der Harnsäure war eine absolute; statt 0,047 Grm. wurden nur 0,025 Grm. ausgeschieden; die der Phosphorsäure dagegen nur eine relative; statt 0,68 Grm. Phosphorsäure wurden 0,78 Grm. entleert. Nachmittags und Nachts war es anders. Die Beschleunigung des Stoffwechsels war weniger auffällig; statt 17,57 Grm. Harnstoff wurden nur 18,29 Grm., statt 1,10Grm. Schwefelsäure nur 1,19 Grm. ausgeschieden; die gesteigerte Oxydation sprach sich dagegen auf das deutlichste aus, statt 0,37 Grm. Harnsäure wurden nur 0,18 Grm., statt 2,20 Grm. Phosphorsäure nur 1,59 Grm. ausgeschieden. Ich weiss mir diese Verhältnisse kaum anders zu erklären, als dadurch, dass die Morgenstunden die einzige Zeit des Tages bildeten, in der ich mich einer anhaltenden Thätigkeit im Zimmer unterzog, die Nachmittagsstunden dagegen zum grössten Theil in der frischen Seeluft zugebracht wurden, so dass diese und gleichzeitig die nächtlichen Stunden hauptsächlich als die Zeit der gesteigerten Oxydationsprocesse und des gehobenen Ernährungsprocesses, der Anbildung bezeichnet werden dürften.—

Auffällig war endlich noch ein Umstand; ich meine den der stets stark sauren oder sauren und niemals neutralen Reaction des Urins, wie sie doch in Oldenburg vorkam.—Bei dem verminderten Gehalt des Urins an Phosphorsäure könnte man geneigt sein, diesen vermehrten Säuregehalt des Urins von einem grössern Gehalte desselben an organischen Säuren herzuleiten. Allein es ist dies der Bestimmtheit gesteigerter Oxydationsprocesse gegenüber eine missliche Annahme; möglich, dass das Quantum der mit Natron verbundenen, die saure Reaction des Urins insonderheit bedingenden Phosphorsäure der Einnahme entsprechend eher vermehrt, als vermindert war, das minus der Phosphorsäure in summa aber insonderheit von einem verminderten Gehalte des Urins an Erdphosphaten herrührte.—Ich muss die Frage in suspenso lassen. Das Factum des gesteigerten Säuregrades steht fest.—

Hiernach ging ich zu den Untersuchungen über die Einwirkung des Aufenthalts auf der Insel, inclusive eines täglich genommenen Bades, über.—Wegen der in den nächsten Tagen in die Mittagsstunden fallenden Badezeit, war es nicht wohl möglich, sogleich die momentane Einwirkung des Bades zu studiren, da die Vorbereitungen dazu nur auf ein in die frühen Morgenstunden fallendes Bad berechnet waren.—Ich untersuchte daher in den ersten 3 Tagen nur den Urin von je 24 Stunden, und in den folgenden 4 Tagen erst wieder den der Morgen- und übrigen Tagesstunden getrennt.—Die Temperatur des Seewassers wurde an dem Badeplatze mit einem Greiner’schen in1⁄10Grade getheilten Thermometer nach Reaumur bestimmt.—Bevor ich zu den Betrachtungen der Resultate dieser Untersuchungen übergehe, lasse ich sie selbst folgen:

Befinden:im Allgemeinen gut; nach dem Bade etwas ermattet. Abends frisch.—Beschäftigung:7 St. Arbeit.—6 St. im Freien.—8 St. Schlaf.—Hautfunction:Mittags nach dem Bade u. Abends stark transpirirt.—Die bethätigte Hautfunction giebt sich durch das Erscheinen einiger Ecthyma-Pusteln im Gesicht kund.Darmentleerung:Morgens 11 Uhr 40 Min. und Abends 10 Uhr 30 Min. wenig.—Witterung:OSO.—Nachmittags schwüle, drückende Luft. Abends Regen.—

Körpergewicht:Verlust = 98 Gramm.

Befinden:gut; Abends abgespannt und müde.—Appetit nur mässig.—Morgens beim Erwachen unreiner Geschmack und belegte Zunge.—Beschäftigung:7 St. gearbeitet.—Viel am Strande auf- und niedergegangen.—8 St. Schlaf.—Hautfunction:Abends stark transpirirt.—Darmentleerung:Morgens 8 Uhr 30 Min. u. Abends 10 Uhr 15 Min. reichlich, weich-breiig, dunkel gefärbt.Witterung:Morgens viel Sonne. Nachmittags bedeckter Himmel. O.-Wind.—

Körpergewicht:Zunahme = 198 Gramm.

Befinden:Morgens nicht gut; matt; auch nach dem Bade bleibt die Müdigkeit. Abends dagegen sehr frisch.—Appetit kräftig.—Beschäftigung:7 St. gearbeitet.—Körperliche Bewegung unbedeutend. 71⁄2St. Schlaf.—Hautfunction:?—Darmentleerung:9 Uhr Morgens und 10 Uhr 45 Min. Abends mässig viel;—dunkel gefärbt.Witterung:heiterer Himmel. Sonnenschein. Bedeutende Wärme. WNW.-Wind.—

Körpergewicht:Abnahme = 452 Gramm.

Befinden:gut; das Bad macht in den nächstfolgenden Stunden mehr matt als frisch.—Beschäftigung:7-8 St. gearbeitet.—7 St. Schlaf.—Hautfunction:bedeutend bethätigt. Schon Morgens 8 Uhr stark transpirirt. Ebenso Nachmittags beim Strandspaziergang.—Darmentleerung:Morgens 8 Uhr 45 Min. mässig viel, weich-breiig; Abends 11 Uhr wenig, härtlich.Witterung:SOS.-Wind.—Sehr bedeutende Wärme. Nachts Gewitter.

Körpergewicht:Zunahme = 600 Gramm.

Befinden:gut; die enorme Hitze übt jedoch einen ermattenden Einfluss.Beschäftigung:6 St. Arbeit.—Lange Zeit am Strande zugebracht. Abends 8-91⁄2Uhr Besuch eines Concertes.—7 St. Schlaf.Hautfunction:beständig leichtere oder stärkere Transpiration.—Darmentleerung:10 Uhr Morgens, 3 Uhr Nachmittags u. 11 U. 30 Min. reichliche, weich-breiige Sedes.Witterung:sehr bedeutende Wärme.—SO.-Wind.—(Mittags 22° R. im Schatten.)

Körpergewicht:Abnahme: 249 Gramm.

Befinden:gut; Abends schwerfällig, müde;—deprimirte Stimmung.Beschäftigung:61⁄2St. gearbeitet.—Ausser Spaziergängen einige Krankenbesuche.—8 St. Schlaf.—Hautfunction:Haut beständig feucht, zeitweilig stark transpirirend.—Die Schweisse reagiren sehr stark sauer.—Darmentleerung:Abends 81⁄2Uhr mässig viel.—Witterung:O.-Wind.—Morgens sehr schwül.—Die enorme Hitze hält an.—

Befinden:gut; gegen Abend Mangel gewohnter Frische.—Nachmittags sehr starker Durst.Beschäftigung:6 St. gearbeitet.—81⁄2St. Schlaf.Hautthätigkeit:starke Transpiration. Die Haut ist stets feucht.—Darmentleerung:Morgens 8 Uhr 45 Min. und Abends 10 Uhr 30 Min. ziemlich viel.—Witterung:NON.-Wind.—Die Hitze hält an.—

Die Mittelwerthe der vorstehenden 7tägigen Untersuchungsreihe berechnen sich für die 24stündige Periode in folgender Weise: bei der täglichen Einnahme von 2096 CC. Fluidis wurden 1290 CC. Urin entleert, und in diesen waren enthalten: 28,338 Grm. Harnstoff, 0,308 Grm. Harnsäure, 1,892 Grm. Schwefelsäure, 2,617 Grm. Phosphorsäure und 9,332 Grm. Chlor.—Auf die Morgenstunden und übrige Tageszeit vertheilten sich diese Quantitäten in den letzten 4 Tagen so, dass Morgens, d. h. also unmittelbar nach dem Bade in der See entleert wurden:

Diese Ergebnisse waren nichts weniger, als meinen Erwartungen entsprechend. Aus dem, was man in oberflächlicher Erfahrung von der Wirkung anderer kalter Bäder und genauer von den Sitzbädern[10]weiss, hätte ich zunächst eine bedeutendere Steigerung der Urinsecretion erwartet. Trotzdem jedoch, dass die Quantität genossener Fluida sich um 200 CC. höher belief, als in Oldenburg, wurden 120 CC. Urin weniger ausgeschieden als dort, und fast 200 CC. weniger, als in den Tagen in Wangeroge, an denen kein Seebad genommen wurde. Es ist offenbar, dass in diesen Tagen die Haut um 3-400 CC. mehr, als in den vorhergehenden Untersuchungstagen ausschied, wenn auch ein kleiner Theil des im Urin fehlenden Wassers vom Darmkanal in Anspruch genommen wurde.—Hüten wir uns jedoch, den Effekt lediglich dem Bade zuzuschreiben! Es ist in den Tabellen selbst bemerkt, dass die Luft vom 19.-23. Juli einen sehr bedeutenden Wärmegrad besass und die stete Transpirationwar sicher zum Theil Folge dieses Einflusses. Allein in den Juli-Tagen in Oldenburg fand ebenfalls eine bedeutend gesteigerte Hautthätigkeit Statt, und einen Theil der vermehrten Hautausgabe möchte ich ohne Frage auf Rechnung des Bades bringen. Dies namentlich deshalb, weil sich bald nach dem Bade allemal, auch bei gänzlich ruhigem Verhalten, ein fast prickelndes, von einem gewissen Behagen begleitetes Wärmegefühl in der Haut einstellte, ein Gefühl, das ich sonst auch bei starker Wärme nicht kannte, und deshalb ferner, weil gerade in den Morgenstunden, nach dem Bade, die Urinsecretion gegen früher so bedeutend abnahm, Nachmittags aber beim Gehen erst die hohe Lufttemperatur ihre Wirkung recht geltend machen konnte. Bei gleichem Quantum von Morgens genossenen Fluidis wurden in Oldenburg in 6-7 Stunden 543 CC., in Wangeroge ohne Gebrauch des Bades 752 CC. Urin ausgeschieden; beim Gebrauch des Bades verringerte sich diese Quantität aber auf 436 CC.—In der übrigen Tageszeit belief sich dagegen dieselbe in Oldenburg auf 774, in Wangeroge ohne Bad auf 717 und in Wangeroge mit Bad auf 675 CC.; die letztern Quantitäten waren also nicht wesentlich different. Darnach glaube ich es als richtig ansehen zu dürfen, wenn Mühry in seiner oben erwähnten Schrift pag. 19. erwähnt, dass das Bad in der ersten Zeit eine fast ununterbrochene gelinde Transpiration herbeiführe. Von dem Oeligwerden der Haare jedoch, wovon er spricht, habe ich nichts bei mir, und auch bei Andern nichts wahrgenommen; vielleicht hat Mühry hier der Haut zugeschrieben, was nur dem salzigen Meerwasser zu Gute kommt.—


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