VI. UNTERSUCHUNGSREIHE.

[10]Vrgl. L. Lehmann: Ueber die Wirkung 7-15° R. warmer Sitzbäder, Archiv des Vereins für gemeinschaftl. Arbeiten. Bd. I. Heft 4.

[10]Vrgl. L. Lehmann: Ueber die Wirkung 7-15° R. warmer Sitzbäder, Archiv des Vereins für gemeinschaftl. Arbeiten. Bd. I. Heft 4.

Die Darmfunction war entschieden bethätigt und blieb es, so lange ich badete. In dieser Beziehung habe ich bei manchen Patienten Nachfrage gehalten, und zum Theil Rath ertheilen müssen. Im Wesentlichen schien sich mir Folgendes herauszustellen: Individuen, die in Folge geschwächter Innervation an Constipation leiden, haben in Bezug auf die Darmfunction ganz verschiedene Erfolge. Ist die Wirkung des Bades nicht besonders fatiguirend, so ist in der Regel die dadurch gegebene Anregung ein Beförderungsmittel für die Darmentleerung; ist sie dagegen, wie nicht selten, im hohen Grade abspannend, so wird die Darmfunction in der Regel noch träger, während der ausschliessliche Luftgenuss, das Aussetzen einiger Bäder sofort als Anregung für die Entleerung dient. Kranken letzterer Art darf man gewiss nachdrücklich empfehlen, nicht zu oft zu baden. Individuen dagegen mit im Ganzen geregelter Darmthätigkeit, wenigstens nicht geschwächter Innervation des Unterleibes, pflegten im Allgemeinen eher zur Constipation, als zum Gegentheil zu incliniren, und ich erkläre mir solches aus dem antagonistischen Verhältniss, welches bekannter Weise zwischen Darm und Haut existirt.—Wo sich vermehrter Stuhlgang einstellte, waren die entleerten Massenin der Regel sehr dunkel, selbst schwarz gefärbt, eine Färbung, die ich nicht etwa von vermehrtem Genuss von Rothwein allein, wie es vorkommt, sondern von gesteigerter Gallenexcretion herleiten möchte.—Es bedarf nicht der Bemerkung, dass eine nur 5wöchentliche Beobachtung von einer verhältnissmässig geringen Anzahl Kranker derartige Fragen nicht zum Abschluss bringen kann, und dass ich diese Bemerkungen nur als oberflächliche und gelegentliche hinzufüge. Dass sich aber in dieser Weise die längst bekannten Erscheinungen bald der Diarrhoe, bald der Constipation, als Wirkungen des Seebades, erklären lassen, leidet kaum einen Zweifel.—

Jetzt zu den Resultaten der chemischen Analyse.—Ich kann nicht läugnen, dass mir auch diese einigermaassen auffallend waren, denn nach Allem, was in den Seebade-Schriften mit physiologischer Würdigung des peripherischen Nervensystems von der „anregenden“ Wirkung des Seebades hervorgehoben wird, nach Allem, was wir über die Wirkung derartiger Excitationen an Vorstellungen und Kenntnissen besitzen, glaubte ich sowohl eine momentane, als insonderheit auch allgemeine nicht unbedeutende Steigerung des Stoffwechsels erwarten zu dürfen.—Wir wollen sehen, in wie fern die aufgefundenen Thatsachen dieser Erwartung entsprechen.

In den frühern Untersuchungsreihen habe ich den Harnstoff bekanntlich als Maass des Stoffwechsels betrachtet; ich schloss aus seiner Zu- und Abnahme im Urin auf zu- oder abnehmende Intensität des Stoffwechsels. Es war das sicher kein unrichtiges Verfahren, da alle Lebensverhältnisse ziemlich dieselben blieben, nur in der letzten Reihe die Einwirkung einer fremden Luft hinzukam, diese aber doch auch keine derartige Einwirkung auf irgend ein Organ äusserte, dass dadurch die aufgefundenen Verschiedenheiten erklärt werden konnten. Ausserdem standen alle übrigen untersuchten Endproducte der Stoffmetamorphose mit den aufgefundenen Verhältnissen des Harnstoffs in so leicht verständlichem Zusammenhang, dass ich jenen nur um so mehr, als Maass des Stoffwechsels betrachten zu dürfen glaubte.—Bei der jetzt vorliegenden Untersuchungsreihe treffen wir auf ganz andre Verhältnisse.—Die Schwefelsäure verlässt den früher stets vorhandenen Parallelismus mit dem Harnstoff; die Harnsäure nimmt gegen die badefreie Zeit und im Verhältniss zum Harnstoff bedeutend zu; die Phosphorsäure vermehrt sich dagegen wieder fast proportional der Harnsäure, bleibt aber noch hinter dem in Oldenburg aufgefundenen 24stündigen Mittel zurück:

Die Beurtheilung dieser Verhältnisse erfordert grosse Vorsicht. Wollten wir auch hier den Harnstoff als Maass des Stoffwechsels betrachten, so würden wir einmal zu dem auffallenden Resultate gelangen, dass das Bad die Luftwirkung etwa nur um1⁄5erhöhe, andrerseits aber wegen der Erklärung der übrigen Resultate in der That in grosse Schwierigkeiten gerathen. Angesichts der Thatsache, dass Schwefelsäure und Harnstoff bisher immer in einer Parallele zu- und abnehmen, würde es zunächst schwer sein, die relative Zunahme der Schwefelsäure zu erklären, um so mehr, als die gefundene Zahl nur die Quantität derselben im Urin bezeichnet, in der letzten Periode aber sicher auch mehr Schwefel mit den gallehaltigen reichlichen Faeces entleert wurde, als in den frühern Untersuchungsreihen, ein Verhältniss, durch welches bekanntlich der Schwefelsäuregehalt des Urins verringert wird. Die Harnsäure betreffend, so würde ihre Vermehrung aber in einem noch schwieriger erklärbaren Verhältniss zum Harnstoff stehen. Wir sahen oben, dass gesteigerte Oxydationsvorgänge oder beschleunigte Stoffmetamorphose zu einer Zunahme des Harnstoffs und zu einer Abnahme der Harnsäure führten, ein Satz der mit allen physiologischen und chemischen Daten in vollkommner Uebereinstimmung steht. Wollten wir jetzt aus der beträchtlichen Vermehrung der Harnsäure auf eine im Verhältniss zur badefreien Zeit retardirte Metamorphose schliessen, so müsste die Quantität des Harnstoffs auch eine dem entsprechende Verminderung erfahren haben. Eine solche Retardation der Stoffmetamorphose würde in der That an und für sich nichts Auffallendes haben, denn der Zustand der Fatigue, den das Bad, wie fast überall, so auch bei mir in geringem Maasse hervorrief, würde sich in dieser Weise materiell haben aussprechen können, eine Wirkung, deren ich bereits a. a. O.[11]Erwähnung gethan habe und die mit unsern Kenntnissen über den bedeutenden Einfluss des Nervensystems auf den Stoffwechsel im besten Einklange steht. Allein wir finden, dass der Harnstoff keineswegs vermindert, sondern noch um Etwas (0,8 Grm.) vermehrt war. Darin spricht sich also eine noch zunehmende Beschleunigung des Stoffwechsels, ein vermehrter Umsatz stickstoffhaltiger Körperbestandtheile aus. Wie sind solche scheinbar widersprechende Befunde in Einklang zu bringen? Mir will es scheinen, dass es nur in folgender Weise geschehen kann. Zunächst müssen wir des von Bischoff mit fast zweifelloser Gewissheit erwiesenen Satzes gedenken, dass der Harnstoff keineswegs unter allen Verhältnissen ein Maass des Stoffwechsels bildet, dass vielmehr bald ein grösserer, bald nur ein geringerer Theil der stickstoffhaltigen Körperbestandtheile in der Form von Harnstoff den Körper verlässt. Es können dieselben einmal alsGallenbestandtheile durch den Darmkanal, andrerseits aber auch in Folge weiterer Metamorphose des Harnstoffs zu kohlensaurem Ammoniak durch Haut und Lunge den Organismus verlassen, und je nach Zusammensetzung der Nahrung, je nach der Thätigkeit verschiedener Organe werden sich diese Verhältnisse verschieden gestalten.—Ist es nun nicht sehr wohl denkbar und wahrscheinlich, dass auch hier, während der Badezeit, in Folge bedeutend gesteigerter Haut- und ebenfalls gesteigerter Darmthätigkeit, die Quantität des im Urin erscheinenden Harnstoffs nicht mehr der Ausdruck für die Quantität metamorphosirter, stickstoffhaltiger Körperbestandtheile war, dass vielmehr ein grösserer Theil derselben, als in den frühern Untersuchungsreihen, den Organismus in andrer Form, als der des Harnstoffs, verliess? Werden wir nicht um so mehr zu solcher Annahme hingedrängt, wenn wir die Menge der dem Harnstoff sonst fast immer parallel laufenden Schwefelsäure betrachten, oder die gesteigerte Quantität der Harnsäure in’s Auge fassen?

[11]Vrgl. Entwickelungsgeschichte der Oxalurie. pag. 53. flgde.—

[11]Vrgl. Entwickelungsgeschichte der Oxalurie. pag. 53. flgde.—

Berechnen wir mit Zugrundlegung früherer Proportionen von Schwefelsäure und Harnsäure diejenige Quantität Harnstoff, welche ceteris paribus, jetzt hätte ausgeschieden werden müssen, falls der Parallelismus hätte erhalten werden sollen, so würde die Schwefelsäure eine Menge von circa 30 Grm., die Harnsäure dagegen, im Verhältniss zu der hier allein zulässigen badefreien Zeit in Wangeroge, ein Quantum von circa 40 Grm. Harnstoff erfordert haben, denn 0,214 Grm. Harnsäure verhalten sich zu 27,5 Grm. Harnstoff ungefähr ebenso, wie 0,308 Grm. Harnsäure zu 40 Grm. Harnstoff.—Gegen die Möglichkeit des erstern Verhältnisses ist nichts einzuwenden; es konnte sehr wohl eine 3 Grammen Harnstoff entsprechende Quantität stickstoffhaltiger Nahrungsmittel mehr eingenommen werden, als zur badefreien Zeit, ohne dass Auge oder Magen diesen quantitativen Unterschied im Nahrungsmaterial wahrnahmen. Allein dass, der Harnsäure entsprechend, täglich ein 40 Grammen Harnstoff entsprechendes Nahrungsquantum sollte eingeführt sein, scheint mir eine unzulässige Annahme. Ich hätte dann1⁄2Mal so viel Nahrung zu mir nehmen müssen, als zur badefreien Zeit und auch ohne Gewichtsbestimmungen vorgenommen zu haben, glaube ich mit Bestimmtheit versichern zu können, dass solches nicht der Fall war. Und hätte ferner eine so starke Vermehrung der Consumption Statt gefunden, so hätte sich nothwendig auch der Chlor- und Schwefelsäuregehalt des Urins höher belaufen müssen, wenn auch vermehrte Schweisse und Darmentleerungen einen Theil derselben beanspruchten.—Wie ist dann aber die Vermehrung der Harnsäure zu erklären?—Es bleibt in der That nichts übrig, als die bedeutend gesteigerte Quantität der Harnsäure als ein Factum für sich, als eine specielle Wirkung des Bades zu betrachten, und wir kommen somit zu dem Schluss:

dass die Einwirkung des Bades die Stoffmetamorphose im Allgemeinen noch steigerte und sehr wahrscheinlich noch um 3-4 Mal mehr, als sich durch die geringe Zunahme des Harnstoffs (0,8 Grm.) zu erkennen gab, dass also das Bad die Stoffmetamorphose ungefähr um ein Gleiches beschleunigte, wie es der ausschliessliche Genuss der Seeluft an und für sich that; dass ferner durch das Bad die Ausgabe des Harnstoffs (oder stickstoffhaltiger Verbindungen überhaupt) auf anderm Wege (Haut und Darmkanal) vermehrt wurde und die Quantität des Harnstoffs im Urin selbst deshalb geringer erschien; dass aber endlich die Harnsäureproduction im Organismus durch das Bad eine absolute Steigerung erfuhr, und also trotz noch gesteigerter Oxydationsvorgänge eine grössere Quantität derselben im Urin zum Vorschein kam.—

dass die Einwirkung des Bades die Stoffmetamorphose im Allgemeinen noch steigerte und sehr wahrscheinlich noch um 3-4 Mal mehr, als sich durch die geringe Zunahme des Harnstoffs (0,8 Grm.) zu erkennen gab, dass also das Bad die Stoffmetamorphose ungefähr um ein Gleiches beschleunigte, wie es der ausschliessliche Genuss der Seeluft an und für sich that; dass ferner durch das Bad die Ausgabe des Harnstoffs (oder stickstoffhaltiger Verbindungen überhaupt) auf anderm Wege (Haut und Darmkanal) vermehrt wurde und die Quantität des Harnstoffs im Urin selbst deshalb geringer erschien; dass aber endlich die Harnsäureproduction im Organismus durch das Bad eine absolute Steigerung erfuhr, und also trotz noch gesteigerter Oxydationsvorgänge eine grössere Quantität derselben im Urin zum Vorschein kam.—

Wir wissen über die Bedingungen der Harnsäureproduction im Organismus, so wie über den Ort ihrer Entstehung noch wenig Bestimmtes; ich fühle mich nicht berechtigt, einer oftmaligen Beobachtung der Coincidenz vermehrter Epithelial-, starker Haar- und luxuriirender Nagelbildung, so wie der Coincidenz von chronischen Hautkrankheiten mit Vermehrung der Harnsäurebildung schon den Namen einer thatsächlichen zu vindiciren. Hätte es aber seine Richtigkeit damit, dass vermehrte Congestion, überhaupt gesteigerter Ernährungsprocess in den der Haut zugehörigen Gebilden mit vermehrter Harnsäureproduction einherginge, so würde auch hier das Räthsel gelöst sein und die Bade-Wirkung auf die Haut das Factum erklären. Auch des Umstandes, dass von gichtischen Individuen, bei denen die Harnsäure eben eine „materia peccans“ zu bilden scheint, Seebäder fast immer schlecht vertragen werden, darf hier vielleicht als eines bestätigenden für die absolute Vermehrung der Harnsäureproduction gedacht werden.—Für die aufgestellte Vermuthung einer vermehrten Ausgabe des Harnstoffs in Folge von kohlensaurem Ammoniak möchte ich ferner in Frage bringen, ob nicht die eigenthümliche, klebrige Beschaffenheit der Schweisse, welche fast keinem Badenden unbemerkt bleibt, eben in dieser vermehrten Ausgabe von kohlensaurem Ammoniak ihren Grund hat? Mit dem Fettgehalt des Schweisses würde das Ammoniak eine seifenartige Verbindung bilden. Doch wir betreten hier ein Feld, auf dem der Forschung noch Vieles zu thun übrig ist; halten wir uns vorläufig nur an die Facta und überlassen ihre physiologische Deutung, so wie die Erklärung damit zusammenhängender Erscheinungen der Zukunft.—

Es bleibt mir übrig, die Verhältnisse derPhosphorsäureund desChlorsin der vorliegenden Periode noch besonders zu besprechen. Was die erstere betrifft, so war sie imVerhältniss zu Oldenburg absolut und relativ, im Verhältniss zur badefreien Zeit in Wangeroge nicht absolut, aber doch relativ zur Harnsäurevermindert. Dieses Resultat lässt sich sehr wohl mit der obigen Annahme absolut vermehrter Harnsäureproduction, und bei Berücksichtigung der oben erwähnten Abhängigkeitsverhältnisse beider Stoffe, in Einklang bringen. Wir fanden, dass durch das Bad die Stoffmetamorphose (die Oxydationsvorgänge u. s. w.) noch gesteigert sei. Wäre die Harnsäureproduction in dieser Periode nicht absolut grösser gewesen, als zur badefreien Zeit, so würde ohne Frage eine noch grössere Quantität derselben dem Zerfallen in Oxalsäure und Harnstoff unterlegen sein und die Oxalsäure im Organismus eine noch raschere Oxydation erfahren haben, eventuell also auch noch weniger Harnsäure und noch weniger Phosphorsäure, als zur badefreien Zeit, zur Ausscheidung gelangt sein.—Allein es war die Production der Harnsäure ohne Frage absolut um ein Beträchtliches gesteigert. Immerhin mochte unter solchen Umständen während der Badezeit eine noch grössere Quantität Harnsäure zu Oxalsäure und Harnstoff zerfallen und eine grössere Quantität von Oxalsäure zu Kohlensäure oxydirt werden, als in jener vorhergehenden Periode; aber die Production der Harnsäure war so sehr vermehrt, dass dennoch eine grössere Quantität der aus ihr hervorgehenden Oxalsäure ihre Einwirkung auf die Phosphate im Organismus entfalten und somit nach der oben gegebenen Erklärung, auch eine grössere Quantität Phosphorsäure zur Ausscheidung bringen musste, als zu jener Zeit, wo nicht gebadet wurde. Die Harnsäureproduction übertraf jetzt, mit einem Worte, die mögliche Grösse der Oxydationsvorgänge, die ja unter allen Umständen nur ein gewisses Maximum erreichen kann. So konnte es denn geschehen, dass absolut mehr, im Verhältniss zur Harnsäure aber weniger Phosphorsäure entleert wurde, als zur badefreien Zeit.—Welches Verhältniss stellte sich aber in dieser Weise zur Oldenburger Zeit heraus? Kein andres, als dass der Organismus täglich noch einen Gewinn an Phosphorsäure, absolut sowohl als relativ, erfuhr. Während in den 4 Tagen des ausschliesslichen Luftgenusses im Verhältniss zu Oldenburg ein absoluter Gewinn von circa 2 Grm. Phosphorsäure Statt hatte, fand während der Badezeit in 7 Tagen ein ähnlicher Gewinn Statt. Veranschlagt man dazu den relativen Gewinn,—denn in gleichem Verhältniss, wie die Harnstoffausgabe wuchs, musste Nahrungsmaterial und mit diesem auch Phosphorsäure in vermehrter Quantität eingeführt werden—, so berechnen sich dafür in 11 Tagen etwa ebenfalls 4-5 Grm. und es ergiebt sich damit, dass der Organismus in den ersten 11 Tagen des Aufenthaltes und Bades auf der Insel circa 8-9 Grm. an Phosphorsäure gewann.—Die fast immer, und namentlich bei Kindern, im Seebade schon durch einfache Anschauung zu beobachtende Steigerung des Ernährungsprocesses, kanndarnach nicht mehr auffällig erscheinen. Wir wissen, dass die phosphorsauren Salze (insonderheit der phosphorsaure Kalk) nothwendige Requisite für denselben sind, dass ihr Verlust mit Abmagerung, ihre Zunahme mit Gewinn an Körpersubstanz verbunden ist. In der That nahm aber mein Körpergewicht, ebenso wie in der Zeit wo nicht gebadet wurde, täglich um 57,7 Grm., im Ganzen um 403,9 Grm., zu, so dass sich das Gesammtgewicht des Körpers jetzt um etwa 11⁄4Pfundhöher belief, als zu Anfang des Aufenthaltes auf der Insel. Wie verhält sich solchen Thatsachen gegenüber Mühry’s Angabe, dass das Bad allemal anfänglich eine Abmagerung herbeiführe? Es ist das eben eine Angabe, der jede experimentelle Prüfung fehlt. Und ich darf es obendrein nicht unerwähnt lassen, dass bei mir in den eben durchlebten 11 Tagen die Körpergewichtszunahme im Verhältniss zu andern Individuen gewiss nur eine geringe war, da ich mich viel mehr, als diese, in einem engen Zimmer und weniger in der freien, in dieser Beziehung so überaus wirksamen Seeluft aufzuhalten gezwungen war. Ich vermuthete das, und dass die Vermuthung keine unrichtige war, ergab sich alsbald, als ich ein den Patienten möglichst ähnliches Verhalten beobachtete.—

So viel in Betreff der Phosphorsäure.—Wie verhielt sich das Chlor? In allen Seebade-Schriften spielt der Salzgehalt des Seewassers und der Seeluft eine bedeutende Rolle; es scheint die Ansicht ziemlich allgemein verbreitet, dass der Körper Salz, und namentlich Kochsalz, in wirkungsfähiger Menge aufnehme[12]. Nach meinen Untersuchungen ist solches jedoch nicht der Fall, und nach dem, was wir kürzlich durch L. Lehmann’s sehr genaue Untersuchungen über die Wasserresorption im Sitzbade[13]erfahren haben, liess es sich auch nicht anders erwarten. Während in Oldenburg täglich 10,2 Grm. Chlor mit dem Urin ausgeschieden wurden, wurden in Wangeroge ohne Bad 10,5, während des Badens aber nur 9,3 Grm. ausgeschieden. Das Minus des gefundenen Chlorgehaltes beruht vielleicht auf Zufälligkeiten in der Nahrung, wahrscheinlicher aber darauf, dass ein Theil des Chlornatriums mit den Schweissen durch die Haut entwich. Dass aber der Chlorgehalt des Urins nicht im Plus steht, weist mit Bestimmtheit darauf hin, dass wenigstens keine irgend erhebliche Menge von Salz im Bade resorbirt wird. Beruhete darauf die Wirkung des Bades, so würden wir auch ähnliche Resultate durch den etwas reichlichern Genuss von Kochsalz erhaltenmüssen; das ist aber bekanntlich nur insehrbeschränktem Maasse der Fall, d. h. nur in grössern Quantitäten genossen bedingt das Kochsalz eine Beschleunigung des Stoffwechsels.—In anderer Beziehung möchte ich jedoch den Kochsalzgehalt des Meerwassersnichtfür gleichgültig halten. Wir wissen, dass das Blutserum durchschnittlich einen Salzgehalt von nur 0,85 p. c.[14]hat; das Meerwasser hat aber einen solchen von 3-4 p. c.—Physikalische Untersuchungen haben längst dargethan, dass, wenn man 2 derartige Flüssigkeiten, nur durch eine thierische Membran getrennt, zusammenbringt, sie sich gegenseitig auszugleichen streben, und Jolly und Graham haben dargethan, dass die wasserreichere Flüssigkeit für jedes eintretende Aequivalent Salz circa 14 Aequivalente Wasser abgiebt. Sollte nun, wenn den Körper und sein verhältnissmässig salzarmes Serum das salzreiche Meerwasser umgiebt, nicht in dieser Weise ein Diffusionsstrom entstehen, ein Diffusionsstrom, der uns die vermehrte Blutzufuhr nach der Haut, die nachfolgenden Schweisse, den oftmals zu beobachtenden s. g. Badefriesel erklärt? Wir sehen diesen Friesel namentlich bei blonden Individuen mit zarter Haut entstehen[15]; es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass die zartere Epidermis das Zustandekommen des Diffusionsstromes weniger Schwierigkeiten entgegenstellt, als die derbere Haut der dunkel Gefärbten. So betrachtet ist allerdings der Salzgehalt des Meerwassers nicht ohne Bedeutung und greifen diese Verhältnisse Platz, so darf auch der Einwirkung nicht vergessen werden, welche die Application einer Salzlösung auf den einzelnen Nerven hat. Ebenso, wie bei Application starker Salzlösungen der Nerv wasserärmer wird und dadurch bedeutende functionelle Störungen, die sich in Zuckungen und später in Lähmungen der zubehörigen Muskeln zu erkennen geben, erfährt, so mag auch das salzreiche Meerwasser auf das peripherische Nervensystem eine Einwirkung äussern, die, bei Weitem schwächer als in den eben erwähnten Experimenten, sich doch in einer vermehrten Thätigkeit (sit venia verbo) der betreffenden Nerven kund giebt und damit diejenige Wirkung steigert, die ohne Frage der kräftige Wellenschlag auszuüben vermag. Wer die rasche und intensive Wirkung von Umschlägen mit Seesalzwasser, die dabei stattfindende rasche Bildung von Hautröthe, Pusteln u. s. w. beobachtet hat, der wird sich diese Wirkung schwerlich anders, als durch die beregten Diffusionsstörungen erklären können, aber auch zugeben müssen, dass das wenn auch nur 5-10 Minuten lange Verweilen im Seebade eine ähnliche Wirkung haben kann.—Es würde der obigen Negation der wirklichen und irgend beträchtlichen Salzaufnahme in denBlutkreislauf widersprechen, wollte man annehmen, dass die Diffusion zwischen Blut- und Seewasser in der That im Bade in nachweisbarer Stärke Platz greife. Das hindert uns aber nicht, die Einleitung des Diffusionsstromes, d. h. also in Bezug auf den Körper, die vermehrte Strömung des Blutes gegen die Peripherie hin, als wirklich vorhanden anzunehmen. Somit wollen wir dem Salzgehalt des Seewassers seine Theilnahme an der Gesammtwirkung des Bades nicht absprechen, aber es scheint sehr unwahrscheinlich, dass das Salz als chemisches Agens irgend eine Wirkung im Körper entfaltet.—

[12]Vrgl. u. A. Chemnitz: Wangeroge u. das Seebad. Jever 1853. pag. 81.

[12]Vrgl. u. A. Chemnitz: Wangeroge u. das Seebad. Jever 1853. pag. 81.

[13]Vrgl. L. Lehmann: Ueber die Wirkung 15-28° R. warmer Sitzbäder, im Archiv des Vereins für gemeinschaftl. Arbeiten. Bd. II. Heft 1.—L. fand, dass in 15-20 Min. nur circa 10 Grm. Wasser resorbirt wurden.—

[13]Vrgl. L. Lehmann: Ueber die Wirkung 15-28° R. warmer Sitzbäder, im Archiv des Vereins für gemeinschaftl. Arbeiten. Bd. II. Heft 1.—L. fand, dass in 15-20 Min. nur circa 10 Grm. Wasser resorbirt wurden.—

[14]Cf. Lehmann: Handbuch d. physiol. Chemie. Leipzig 1854. pag. 121.

[14]Cf. Lehmann: Handbuch d. physiol. Chemie. Leipzig 1854. pag. 121.

[15]C. Mühry l. c. pag. 17.

[15]C. Mühry l. c. pag. 17.

Diese sämmtlichen Schlüsse und Betrachtungen finden nun eine weitere Unterstützung, wenn wir die Ergebnisse der Untersuchungen des am Morgen nach dem Bade und des während der übrigen Tageszeit entleerten Urins näher betrachten. Zunächst wurde schon oben darauf hingewiesen, dass die Urinsecretion namentlich in den Morgenstunden im Verhältniss zu den frühern Perioden vermindert, die Hauttranspiration aber gerade in ihnen am stärksten war. Ich glaubte vor Beginn der Untersuchungen erwarten zu dürfen, dass namentlich in den unmittelbar auf das Bad folgenden Stunden eine Beschleunigung der Urinsecretion eintreten würde, entsprechend der Wirkung kalter Sitzbäder, kalter Begiessungen, anregender psychischer Bewegungen u. s. w.—Allein war das auch in den ersten drei Tagen der Fall, so war es in den letzten 4 Tagen ganz umgekehrt, und das Ergebniss jener hatte seinen Grund sehr wahrscheinlich in dem ausnahmsweise unmittelbar vor oder nach dem Bade genossenen Bier. Ein Vergleich der in den verschiedenen Stunden entleerten Quantitäten wird die Richtigkeit dieser Angaben leicht erkennen lassen. Nach wie vor wurden Morgens früh 600 CC. Fluida genossen, und in Oldenburg pflegte sich dann in der Regel in der 3ten oder 4ten Stunde nach dem Frühstück die reichlichere Urinsecretion einzustellen. Beim Baden war es anders, und einerlei, ob das Bad nach dem Genuss von Wasser oder vor demselben genommen wurde, die Harnmenge war in den nächsten Stunden nicht vermehrt, sondern vermindert. Es geht daraus und aus der gleichzeitigen stärkern Hauttranspiration hervor, dass sich unmittelbar nach den ersten Seebädern der Blutstrom mehr nach der Peripherie des Körpers, der Haut, als nach den innern Organen hinwendet, und eben dort einen vermehrten Secretionsakt bedingt.—Vergleichen wir ferner die einzelnen Bestandtheile des Urins der badefreien Zeit mit denen der letzten 4 Tage, so wurden während der 7 Morgenstunden entleert:

Diese Verhältnisse geben uns ebenfalls eine weitere Bestätigung der oben angestellten Betrachtungen. Der Harnstoff war im Verhältniss zur badefreien Zeit vermindert. Sollte aber nicht, der beträchtlichen Vermehrung der Harnsäure gegenüber, die Bildung von Harnstoff durch das Bad ebenfalls vermehrt gewesen und nur deshalb weniger im Urin erschienen sein, weil ein Theil desselben in der Form von kohlensaurem Ammoniak durch die Haut entwich? Ist eine solche Annahme nicht wieder unterstützt durch die verhältnissmässig bei Weitem geringere Abnahme der Schwefelsäure, in Betreff derer wir auch hier wieder daran erinnern müssen, dass in dieser Periode sicher ein grösserer Theil des Schwefels, als in der vorhergehenden, den Organismus mit den Faeces verliess? Muss nicht, wenn wir Nachmittags und Nachts 2 Grm. Harnstoff mehr ausgeschieden sehen als zur badefreien Zeit, ebenfalls für die Morgenstunden eine vermehrte Production von Harnstoff als wahrscheinlich statuirt werden? Die fast auf das 4fache gesteigerte Quantität der Harnsäure giebt einen Beweis für die beschleunigte Metamorphose stickstoffhaltiger Bestandtheile; ihre unverhältnissmässige Steigerung gerade in den Morgenstunden sehe ich als einen Beweis meiner Annahme an, dass das Bad eine absolute Steigerung der Harnsäureproduction bedinge; dass aber dennoch weniger Harnstoff im Urin zum Vorschein kam, als zur Zeit, wo nicht gebadet wurde, lässt mich, bei der offenbar gesteigerten Hautthätigkeit, schliessen, dass ein grösserer Theil desselben, als sonst, den Organismus in der bezeichneten Form verliess. Anders, als in dieser Weise, weiss ich mir die Thatsachen nicht zu deuten.—Der Chlorgehalt des Urins war nicht vermehrt, im Gegentheil vermindert. Auch darin finde ich eine Bestätigung des oben aus den 24stündigen Mittelwerthen gezogenen Resultates, dass nämlich eine Salzaufnahme in den Blutkreislauf im Bade nicht Statt habe; die absolute Verminderung mag aber in der vermehrten Hautausgabe sehr wohl ihre Begründung finden. Die Phosphorsäure endlich war um ein Geringes (0,076 Grm.) vermindert. Hatte ein lebhafterer Stoffwechsel (Oxydationsprocess) Statt, so kann uns dieses Factum nicht befremden; die absolut gesteigerte Harnsäureproduction steht demselben nicht entgegen, weil die Harnsäureals solcherasch aus dem Körper entfernt wurde.

Dem gegenüber waren in den Nachmittags- und Nachtstunden fast alle Verhältnisse der Art, dass der Beweis beschleunigter Metamorphose ohne Frage aus ihnen hergeleitet werden kann.

Der Harnstoff war vermehrt; die für die Morgenstunden statuirte Ausgabe von Harnstoff in Form von kohlensaurem Ammoniak, fand jetzt bei weniger intensiver Hautfunction nicht mehr Statt; es fand sich also auch die Vermehrung des Harnstoffs im Urin ausgesprochen. Die Schwefelsäure war, ihm entsprechend, ebenfalls vermehrt. Die Harnsäure war ebenfalls vermehrt, aber doch nicht in so beträchtlicher Weise, wie am Morgen. Wir dürfen vielleicht annehmen, dass ein grösserer Theil derselben, als am Morgen, einem weitern Zerfall im Organismus unterlag, demgemäss auch mehr Oxalsäure producirt wurde, und ist dieser Schluss nicht unrichtig, so findet damit auch das Verhältniss der Phosphorsäure, die jetzt in vermehrter Quantität ausgeschieden wurde, seine Erklärung.—

Man wird vielleicht einwenden, dass sich diese sämmtlichen Verhältnisse der einzelnen Stoffe auch durch die veränderten Quantitäten des Urins erklären lassen. Es wurden ausgeschieden

Allein wie würde damit die unverhältnissmässige Steigerung der Harnsäure im Morgenurin stimmen? wie ferner die Vermehrung fast sämmtlicher fester Bestandtheile in dem Urin der übrigen Tageszeit? Ich zweifle nicht, dass die vermehrte Hautfunction während des Bades auch auf die Quantität der festen Bestandtheile einen Einfluss hatte; einmal dadurch, dass sich der Blutstrom überhaupt mehr nach der Peripherie hinwandte, und andrerseits dadurch, dass mit den Schweissen allemal auch unorganische Verbindungen (Salze) den Körper verlassen. Allein diesem Umstande ist in den obigen Betrachtungen auch volle Rechnung getragen, und namentlich in Betreff des Kochsalzes, das ja hauptsächlich unter den unorganischen Stoffen im Schweisse vertreten ist, mag es hier wiederholt werden, dass seine Verminderung im Urin während der ersten Badezeit vielleicht durch eine vermehrte Ausgabe durch die Haut erklärt werden kann.—

Damit schliessen wir für jetzt diese Untersuchungsreihe ab.—Es folgte ihr die schon Eingangs erwähnte arbeitsfreie Zeit: die sich vom 24. Juli—4. August erstreckte.—In den ersten 6 Tagen derselben notirte ich noch täglich die Quantität genossener Fluida und Quantität, Reaction, specifisches Gewicht und Farbe des Urins; in den übrigen 5 Tagen geschah aber gar nichts; ich entzog mich absichtlich jeder Beachtung des eigenen Befindens und der Functionen meines Körpers und beobachtete ein den Patienten im Seebade durchaus ähnliches Verhalten. Am 30. und 31. Juli wurde eine Ausflucht zur See nach Norderney gemacht; mit Ausnahme dieser beiden Tage ward täglich gebadet.—

Das Befinden war in dieser Zeit frischer, als in der ersten Zeit der Bäder. In den einzelnen Verhältnissen zeigte sich jedoch gegen die erstere Zeit keine wesentliche Verschiedenheit. Ich unterlasse es die einzelnen Tagesberichte und Urinuntersuchungen dieser Periode mitzutheilen, da sie zu keinen wesentlichen Schlüssen führten. Nur die erhaltenen Mittelwerthe werde ich zum nähern Verständniss hinzufügen.—

Das wichtigste Resultat der ganzen Periode war zunächst das, dass das Körpergewicht in den 11 Tagen um 1048 Grm., also um mehr als 2Pfundzunahm. Ich schliesse daraus, dass auch in dieser Zeit der Organismus einen Gewinn an Phosphorsäure erfuhr, da mir für alle Fälle der Satz festzustehen scheint, dass bleibende Körpergewichtszunahme nicht ohne Gewinn an Phosphorsäure (phosphorsauren Kalk) stattfinden kann.—Die Zunahme war aber um so auffallender, als der längere Gebrauch des Bades eine immer stärkere Einwirkung auf die Darmfunctionen ausübte, und täglich regelmässig 2-3 reichliche, fast an Diarrhoe gränzende Entleerungen Statt hatten.—Die Hautthätigkeit war dabei nicht so bedeutend gesteigert, wie in der letzten Untersuchungsperiode; zum Theil war das Folge einer weniger hohen Lufttemperatur. Immerhin war sie aber noch beträchtlicher, als in Oldenburg und dem entsprechend denn auch die Urinsecretion quantitativ geringer, als dort. Auch hier war es insonderheit wieder auffallend, dass das Bad nichts weniger, als einen beschleunigenden Einfluss auf die Urinsecretion ausübte. Trotzdem, dass nach wie vor Morgens 600 CC. Fluida genossen wurden, belief sich die während der Morgenstunden entleerte Quantität des Urins viel weniger hoch, als in Oldenburg und in Wangeroge zu der Zeit, wokeinBad genommen wurde. In den 24stündigen Zeiträumen wurden im Mittel 1792 CC. Fluida genossen und 1251 CC. Urin entleert; davon fielen aber 411 CC. auf die 6-7 Vormittagsstunden und 840 CC. auf Nachmittag und Nacht. Wir schliessen daraus mit Recht auch hier auf eine durch das Bad gesteigerte Hautfunction; die Quantität des Wassers, welche die vermehrten Darmentleerungen in Anspruch nahmen, war nicht bedeutend genug, um das Deficit in der Urinmenge erklären zu können.—In dem specifischen Gewichts-Verhältnissen fand ich keinen wesentlichen Unterschied von den frühern Tagen; die Reaction blieb beständig sauer oder stark sauer, oder sehr stark sauer; während der ganzen Untersuchungszeit in Wangeroge war er auch nicht ein einziges Mal nur schwach sauer oder neutral. Seine Farbe wurde dagegen in der letzten Zeit offenbar etwas heller; die Nr. II. der Vogel’schen Farbentabelle (im Arch. des Vereins für gemeinschaftl. Arb.), fand sich oft vor, und der gesammte Urin von 24 St. hatte in der Regel eine Farbe von II‑III. Die vermehrten, gallereichen Darmentleerungen mochten dies Verhältniss zum grossen Theil bedingen.—In der Diät änderteich in so fern etwas, als ich Morgens den Caffee mit Thee vertauschte und Abends statt Thee und Butterbrod mehrmals Fleischspeisen genoss. Des Morgens nach dem Bade wurde in der Regel ein Butterbrod mit Caviar oder Schinken und ein Glas Portwein (60 CC.) genossen.—

Am 4ten August kehrte ich jedoch ganz zu der frühern Lebensweise zurück und mit diesem Tage nahm ich auch die genauern Beobachtungen wieder auf. Es kam darauf an, die Wirkungen des Bades und des Aufenthaltes auf der Insel auch gegen den Schluss einer Curzeit kennen zu lernen, und dazu sollten mir die nächsten 8 Tage dienen.—Am 2ten Tage dieser Untersuchungsreihe war mein Befinden matter, als gewöhnlich. Ich setzte deshalb 2 Tage das Bad aus, und lernte somit auch die Wirkung eines solchen Verfahrens kennen. Die Mittelzahlen habe ich für diese Periode aber dennoch aus allen 8 Tagen der Untersuchung gezogen, da die Differenz der Resultate an den Tagen wo gebadet und wo nicht gebadet wurde so unbedeutend war, dass die Mittelwerthe doch richtige Anschauungen gewährten. Ich führe zunächst wieder die Resultate der einzelnen Tages-Beobachtungen vor:

Befinden:nicht sehr frisch; Neigung zum Schlaf.—Druck in der Magengegend.Beschäftigung:6 St. Arbeit. 8 St. Schlaf.—Lange Zeit am Strande zugebracht.—Die nicht erwähnte Zeit wurde in dieser Untersuchungsreihe, wie in allen frühern, mit Unterredungen mit Freunden, Lectüre, am Mittagstisch u. s. w. zugebracht.Hautfunction:die Haut ist den ganzen Tag angenehm warm, ohne jedoch zu transpiriren.—Darmentleerung:8 Uhr 15 Min. Morgens mässig viel, fast diarrhoisch; 9 Uhr Abends sehr reichlich, breiig.—Witterung:stürmisch, regnigt; Nachmittags windstiller; Abends schöne Luft. WSW.-Wind.—

Körpergewicht:Zunahme = 624 Gramm.

Befinden:Morgens bis 10 Uhr wenig frisch. Dann aber reger, Nachmittags nach dem Spaziergang recht wohl und Abends heiter und leicht.Beschäftigung:6 St. gearbeitet.—8 St. Schlaf.—Morgens und Nachmittags Strandspaziergänge.Hautfunction:nur Nachts transpirirt.—Darmentleerung:6 Uhr 30 Min.; 9 U. 15 M.; 4 U. 15 M. u. 10 Uhr Abends stets ziemlich reichlich, dunkel gefärbt, weich-breiig.—Witterung:SNW.-Wind (Drehung).—Schön.—

Körpergewicht:Abnahme = 106 Gramm.

Befinden:leichter Muskelrheumatismus (Brust u. Rücken); Abends mattes Gefühl; Appetit mässig; überhaupt wurde fast nie in diesen Tagen ein Hungergefühl wahrgenommen, während das Essen doch wohl schmeckte, und stets einen belebenden Einfluss hatte.—Beschäftigung:7 St. gearbeitet.—Abends bis 111⁄4Uhr in freier Luft.—7 St. Schlaf.Hautfunction:fast gar nicht transpirirt.—Darmentleerung:Morgens 7 Uhr 45 Min. und Abends 12 Uhr 15 Min. mässig viel, weich-breiig.—Witterung:N.-Wind.—Ziemlich starke Brise.—Angenehme Luft.—


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