Agra.

Agra.

Mittags, 2 Uhr 40 Minuten, verlasse ich Cawnpur und fahre auf der East Indian R. (240 englische Meilen = 384 Kilometer, für 15 Rupien,) nach Agra, wo ich Abends 10 Uhr ankomme, nachdem um 7 Uhr Abends auf dem Bahnhof zu Etawah uns 20 Minuten zum Abendessen[503]gegönnt worden.

Die Landschaft, welche wir durchfahren, der südliche Theil der Nordwestprovinzen, der an die Schutzstaaten der Rajputana angrenzt, ist ziemlich einförmig, nicht einmal so abwechselungsreich, wie manche Gegenden von Norddeutschland, die wir auf der Eisenbahn durchfliegen. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man glauben in Europa zu sein, bis gelegentlich ein Kameel und sein Treiber uns an Asien erinnern. Auf den Halteplätzen allerdings belehrt uns das Menschengewühl, dass wir weit von der Heimath entfernt sind.

Da sieht man braune Kinder von drei bis fünf Jahren, die ganz nackt sind und nur einen metallenen Lendengürtel, allenfalls Arm- und Fuss-Ringe tragen, und durch die schwarzgeschminkten Augenlidränder uns sofort uralte Gebräuche des Morgenlandes vorführen. Die Nasenringe der Frauen werden immer riesiger und geschmückter, die Zahl der Armringe immer grösser. Aber man sieht auch sehr viele Frauen, die ihr Gesicht einigermassen verhüllt tragen, also zur Fahne des Propheten schwören.

Laurie’sGreat Northern Hotel, ungefähr 1 englische Meile von Agra-Fort-Station, ist grösser und etwas besser als das Gasthaus von Cawnpur.

Vor der Besichtigung des märchenhaften Herrschersitzes der Grossmogul scheint es zweckmässig, dieGeschichte der mohammedanischen Eroberungenin Indien an unserem geistigen Auge rasch vorüberziehen zu lassen.

Die weit verbreitete Schulmeinung, dass das reiche Indien den Mohammedanern als leichte Beute zufiel, entbehrt der Begründung. Im Gegentheil, der Halbmond war in seinem Siegeslauf schon durch West-Asien, Nord-Afrika, Süd-Europa bis nach Spanien vorgedrungen, ehe es ihm gelang, im Punjab festen Fuss zu fassen. Zu keiner Zeit hat der Islam über ganz Indien geherrscht; selbst während der Blüthe der Grossmogul (1560–1707) geboten Hindu-Fürsten über weite Landstrecken; allenfalls zahlten sie Tribut nach Delhi. Dann folgte die Wiederbelebung der Hindu-Macht durch die Rajput, Sikh, Marathen; und nur das Vordringen der Engländer im Beginn unseres Jahrhunderts hat verhütet, dass das Kaiserreich von Delhi in die Hände der Hindu fiel.

Der erste Zusammenstoss zwischen Hindu und Mohammedanern, an der Westgrenze des Punjab, ging von denersterenaus.

Jaipal, der Hindu-Fürst von Lahore, drang 977 n. Chr. nach Afghanistan[504]vor, um die räuberischen Bewohner zu züchtigen, wurde aber mit seinem ganzen Heere von Subuktigin, dem Fürsten zu Ghazni, abgefangen; und als er das versprochene Lösegeld von 1 Million Dirham (= 500000 Mark) gegen den Willen seiner Officiere auf Rath der Brahmanennichtzahlte, stürmte Subuktigin durch die Pässe und eroberte und besetzte Pescháwar. Sein SohnMahmúd von Ghazni(1001–1030) unternahm siebzehn Einfälle nach Indien und schleppte unermessliche Beute fort. Jaipál, zum zweiten Mal besiegt, verbrannte sich demzufolge, nach Hindu-Brauch, feierlich auf dem Scheiterhaufen. Mahmud hinterliess Punjab als West-Provinz seines Reiches. Im Jahre 1152 siegte die Dynastie von Ghor (West-Afghanistan) über diejenige von Ghazni;Mahmud von Ghorbegann neue Einfälle nach Indien.

Bei seinem ersten Zug auf Delhi 1191 wurde er von den tapferen Hindu gänzlich geschlagen. Aber als er 1193 mit neuen Schaaren wiederkehrte, fand er die Rajput uneinig, den König von Kanauj amGanges im Kampf gegen den Fürsten von Delhi; so besiegte er erst Delhi, dann Ajmir, endlich Kanauj.[505]

Die braven Rajput wanderten aus nach Süden und gründeten die Kriegerstaaten, die heute noch ihren Namen (Rajputana) tragen.

Mohammed’s General eroberte 1199 Behar, die Gegend von Patna, und 1203 sogar Unter-Bengal bis zum Delta. Aber Indien war noch nicht völlig überwunden. Der kriegerische Stamm der Gakkar drang aus den Bergen hervor und eroberte Lahore; sie schwammen über den Indus und erstachen den schlafenden Sultan in seinem Lagerzelt, 1206.

Sein VicekönigKutab-ud-dinerklärte sich zum Selbstherrscher von Nord-Indien zu Delhi und gründete eine Dynastie, die von 1206 bis 1290 regierte und die derSklaven-Königeheisst, da Kutab ursprünglich ein türkischer Sklave gewesen.

Sein Andenken ist bis auf unsere Tage gekommen durch seine Moschee und seinen Thurm (Minár) zu Alt-Delhi.

Drei Gefahren bedrohten seine Nachfolger: Meuterei der eignen Generale, Aufstände der Hindu, neue Einfalle aus Mittel-Asien, hauptsächlich der Mongolen.

Der dritte und grösste Sultan der Dynastie,Altamsh, dessen Namen gleichfalls in den Bauten von Alt-Delhi, besonders in seinem Grabmal, erhalten ist, wurde vom Kalifen von Bagdad, 1229 n. Chr., feierlich anerkannt. Der vorletzte,Balban(1265–1287), hatte die heftigsten Kämpfe mit aufständischen Hindu zu bestehen, in Bengal, ferner in Rajputana, wo er 100000 dem Schwerte überlieferte. Aber an seinem Hofe lebten von seiner Gnade fünfzehn einst unabhängige Fürsten, die von den Horden der Mongolen aus Central-Asien vertrieben waren.

1290 folgte die Dynastie der Kilji auf den Thron von Delhi.

Alá-ud-din, der zweite Herrscher (1295–1315) dieser Linie, drang sogar in den Dekkan vor, erst plündernd, dann erobernd. Nachdem er fünf Einfälle der Mongolen zurückgeschlagen, die Gefangenen nach Delhi gesendet, wo die Anführer von Elephanten todt getreten, die Soldaten niedergemetzelt wurden; nachdem er seine aufständischen Neffen erst hatte blenden, dann enthaupten lassen: entsandte er seinen General, den Eunuchen Matik Kafur, der bis zur Südspitze von Indien siegreich vordrang und hierselbst eine Moschee errichtete. Eine grosse mohammedanische Bevölkerung in Nord-Indien (Türken, Afghanen, Mongolen) nahm Dienst in seinen Heeren. Sein Name lebt nochheute in dem wundervollen Thor zum Hof der Moschee Kutb-ul-Islam zu Alt-Delhi.

1320 bemächtigte sich des Throns Ghiyás-ud-dínTughlak, der vom türkischen Sklaven bis zum Statthalter des Punjab emporgestiegen. Sein grausamer Sohn Muhamed Tughlak (1325–1351) sendete vergeblich Heere gegen Persien und China, schleppte zwei Mal die Einwohner von Delhi 800 englische Meilen südwärts nach Deogiri, dem er den Namen Daulatabad gab, verschlechterte die Münzen und hatte von 1338–1351 unablässig mit Aufständen seiner eigenen Beamten und der Hindu-Fürsten zu kämpfen.

Fíruz Tughlak(1351–1388) regierte menschlicher und lebt noch fort in dem dankbaren Gedächtniss der Nachwelt durch den Bau des alten Jumna-Canals. Aber 1398 drang Timur mit seinen Tataren-Horden durch die afghanischen Pässe, besiegte Mahmud, den letzten König der Tughlak-Dynastie, vor den Mauern von Delhi, plünderte dieses und andere Städte in der fürchterlichsten Weise und verschwand wieder durch die Nordwest-Pässe des Himalaya nach Central-Asien.

Mahmud kehrte zurück; von 1414–1450 folgte die Dynastie der Sayyid, von 1450–1526 die afghanische der Lodi; aber diese Fürsten waren ohnmächtig.

1526 drang der Mongole Bábar[506]ein und gründete dasmongolische Kaiserreich von Delhi, dessen letzter Vertreter — 1862 als britischer Staatsgefangener zu Rangoon gestorben ist. Erst die Grossmogul verstanden die Gefahren zu beschwören, unter welchen die sieben vorhergehenden mohammedanischen Herrscherhäuser stets zu leiden hatten, indem sie, weniger glaubenswüthig als ihre Vorgänger,Hindu in die Regierung des Landes aufnahmen.

Bábar, Ururenkel des Tataren Timur, war erst Herrscher in Fergana am Oxus (Amu Darja), dann in Kabul; drang 1526 in Indien ein, das unter eine ganze Anzahl von mohammedanischen Königen und Hindu-Fürsten getheilt war, und besiegte Ibrahim Lodi zuPanipat, nördlich von Delhi. Die Mohammedaner traten auf seine Seite, die Rajput besiegte er 1527 bei Fahtepur Sikri in der Nähe von Agra. Als er 1530 starb, hinterliess er ein Reich, das vom Amu Darja in Central-Asien bis zum Ganges-Delta reichte.

Sein SohnHumayun(1530–1556) hatte Kabul und den westlichen Theil des Punjab an seinen Bruder abzutreten; so war er seines Stützpunktes beraubt und wurde 1542 von Sher Shah, dem afghanischen Statthalter von Bengalen, vertrieben. Der letztere machte sich zumKaiser von Delhi, begründete eine weise Verwaltung, schuf z. B. dieRupie, wurde aber schon 1545 beim Sturm auf die Felsenfeste Kalinjar getödtet. Sein Sohn folgte ihm in der Herrschaft. Aber unter seinem Enkel trat ein Aufstand ein. Humayun kehrte zurück, sein Sohn Akbar besiegte mit General Bairam die indisch-afghanische Macht 1566 in der entscheidenden Schlacht vonPanipat.

Akbar der Grosse, der wirkliche Begründer des Kaiserreiches der Grossmogul,[507]das 200 Jahre lang bestanden, regierte von 1556 bis 1605 und hatte 1594 die Eroberung von Indien bis zu dem Vindhya-Gebirge im Norden des Dekkan vollendet. Seine Herrschaft reichte bis Kabul und Kandahar; und später, nach einem erfolgreichen Heereszug in den Dekkan, bis Kandesh bei Bombay. Akbar begann die Staatskunst derVersöhnung. Er selber heirathete eine Rajput-Prinzessin und gab eine andere seinem Sohn Jehangir zur Frau: machte seinen Schwager, den Sohn des Jaipur Rajah, zum Verwalter des Punjab, einen andern Rajah zum Verwalter von Bengal. Sein Finanzminister war gleichfalls ein Hindu, der die erste Landvermessung in Indien durchführte. Von 415 Reitergeneralen waren 51 Hindu. Die jaziah oder Kopfsteuer der Nicht-Muselmänner wurde aufgehoben, und staatliche Gleichberechtigung aller Unterthanen festgestellt. Er achtete die Hindu-Religion, bekämpfte aber grausame Gebräuche. Die Verbrennung der Wittwen konnte er zwar nicht beseitigen; aber er verlangte, dass sie nicht erzwungen werden dürfe. Den Sitz der Regierung verlegte er nachAgra und baute 1566 die Festung, deren zinnengekrönte Mauern aus rothem Sandstein noch heute majestätisch emporragen, ein bleibendes Denkmal dieses wahrhaft grossen Fürsten. 1605 starb er und wurde in dem Mausoleum zuSikandrabegraben, dessen aus Hindu-Umriss und arabisch-persischer Verzierung zusammengesetzter Stil die Duldsamkeit des Gründers der Grossmogul-Herrschaft bezeugt.

Freitags pflegte er Muselmänner, Brahmanen, Parsi, Juden und Christen (Jesuiten) um sich zu versammeln und ihren Erörterungen zu lauschen. Er theilte das Land in Provinzen, ordnete das Militärwesen, Gericht und Verwaltung, sowie die Steuern. Das Land wurde vermessen, die Ertragsfähigkeit ermittelt, ein Drittel des Ertrags für die Regierung bestimmt und der Geldwerth desselben festgestellt. Von seinen elf Provinzen (ausser Kabul, Kandesh und Sindh) bezoger jährlich £ 12½ Millionen, während die Engländer 1883 nahezu Rx 11¾ Millionen nahmen.[508]Akbar’s Gesammt-Einnahme wird auf jährlich £ 42 Millionen geschätzt. (Sein Urenkel Aurangzeb hatte 1695 £ 43 Millionen an Grundsteuern und £ 90 Millionen Gesammt-Einnahmen. Aus diesen Zahlen, mit denen bis dahin in Europa nichts verglichen werden konnte,[509]begreifen wir densprichwörtlichen Reichthum der Grossmogul.)

Akbar’s Sohn regierte von 1605 bis 1627 unter dem NamenJehangir,[510]d. h. der Eroberer der Welt. Doch gelang es ihm nicht, die Herrschaft im Dekkan weiter auszubreiten. Die Nächte soll er oft in Trunkenheit zugebracht haben; aber bei Tage suchte er weise zu regieren. Eine Kette hing aussen nieder von der Festung zu Agra und leitete hin zu goldenen Glocken in seinem Zimmer; jeder Bittsteller konnte ohne Dazwischenkunft der Höflinge unmittelbar an den Kaiser sich wenden. Europäische Abenteurer kamen an seinen Hof, er schützte ihre Kunst und Religion. Die Hauptperson in seiner Regierung war die KaiserinNúr Jahán, d. h. das Licht der Welt.[511]Geboren in grosser Dürftigkeit, aber aus edler persischer Familie, gewann sie durch ihre Schönheit die Liebe des noch jungen Prinzen; aber Kaiser Akbar gab sie schleunig einem tapferen Soldaten zur Frau. Als Jehangir zum Throne gelangte, befahl er die Scheidung. Der Gatte weigerte sich und wurde getödtet, die Frau in den Palast gebracht. Hier lebte sie eine Zeit lang in strenger Wittwentrauer, aber danach tauchte sie als Kaiserin Nur-Jahan auf. Anfangs beeinflusste sie ihren Gatten zum Guten, aber später begünstigte sie zu sehr ihre eigenen Verwandten. Schliesslich veranlasste sie Aufruhr. General Mahábat Khan nahm 1626 den Kaiser und die Kaiserin gefangen; 1627 starb Jehangir in der Gefangenschaft.

Sein aufrührerischer SohnSchah Jahan, der nach dem Dekkan geflohen war, bestieg 1628 den Thron; zwang die Kaiserin, der er ein reiches Jahrgeld gewährte, in’s Privatleben sich zurückzuziehen; beseitigte nach morgenländischer Art alle Thronbewerber, regierte dann aber weise und gerecht, tadellos in seinem Privatleben und so sparsam,als sein glänzender Hof, die Prachtbauten und die Heereszüge in entfernte Landschaften es zuliessen.

Afghanistan ging verloren, aber im Dekkan wurden von den fünf mohammedanischen Reichen drei (Ahmadnagar mit Ellichpur und Bidar) erobert, die beiden anderen (Bijapur und Golkonda) zum Tribut gezwungen. Die Kriege wurden meist von seinen Söhnen durchgefochten, er selbst lebte glänzend im Norden von Indien. In Agra erbaute erTaj-Mahal,[512]das Mausoleum für sein geliebtes Weib, die bei der achten Entbindung gestorben war, und für sich selber, — das schönste Gebäude Asiens. Ferner die Perl-Moschee (Moti Masjid), nach Hunter’s Ansicht das lieblichste Gebet-Haus auf der Erdoberfläche. Er plante, den Sitz der Regierung nach Delhi zurückzuverlegen und erbaute dort die unvergleichliche Grosse Moschee (Jumma Masjid) und den festen Palast.

Aber 1658 wurde der unglückliche, alte Schah Jahan von seinem SohnAurangzeb[513]abgesetzt und danach sieben Jahre lang, bis zu seinem Tode, in dem Palast der Festung Agra gefangen gehalten. Unter Schah Jahan erlangte das Mogulreich seine grösste Kraft und Blüthe, während sein Sohn weitere Eroberungen machte, aber gleichzeitig den Verfall einleitete.Shah Jahan’s Grundsteuer brachte 20 Millionen £. Die Pracht seines Hofes erregte die staunende Bewunderung der Reisenden aus Europa, sein Pfauenthron wurde von dem Juwelier Tavernier auf 6½ Millionen £ bewerthet.

Aurangzeberklärte sich 1658 zum Kaiser mit dem Titel Alamgír, Eroberer des Universum, und regierte als strenggläubigster Muselmann bis 1707. Er begann damit, von seinen drei Brüdern zwei zu tödten, den dritten zu vertreiben; darauf setzte er den Krieg im Dekkan fort. Ein viertel Jahrhundert (1658–1673) fochten seine Generale vergebens; 1676 machte sich ein Maráthá-Fürst, Sivaji, in den süd-indischen Provinzen selbständig, 1680 floh des Kaisers aufrührerischer Sohn Akbar zu den Marathen. Da zog 1683 Aurangzeb persönlich nach dem Dekkan und blieb 24Jahre im Felde. 1688 eroberte er Bijapur und Golkonda; doch die Marathen konnte er wohl schlagen, aber nicht unterwerfen. 1707 starb er in Ahmadnagar im Dekkan; sein Grabmal ist nicht weit von Ellora, zuRoza, dem Kerbela der Dekkan-Mohammedaner. Seine (in persischer Sprache geschriebenen)Briefe an seinen Sohnsind noch heute ein beliebtes Erbauungsbuch in Indien. Aber die Hindu hatte er durch seinen strenggläubigen Eifer und die Kopfsteuer entfremdet.

Die nächsten sechs Kaiser waren nurPuppenin der Hand der Generale. Die eigenen Beamten, die Hindu, die fremden Eindringlinge arbeiteten gemeinsam zur Zerstörung des Reiches.

Der Nizam-ul-Mulk, d. h. Statthalter des Dekkan machte sich selbständig (1720–1748), ebenso der von Oudh (1732 bis 1743).

Die aufständischen Sikh im Punjab wurden zwar mitleidlos zertreten (1710–1716), aber die Rajput erlangten 1715 Selbständigkeit und die Marathen aus Süd-Indien gewannen sogar die Provinzen Malwa (1743) und Orissa (1751).

1739 plünderteNadir Schahaus Persien Delhi und nahm eine Beute von 32 Millionen £ mit. Sechs Mal brachen die Afghanen ein (1747–1761) und brachten unsägliches Elend über das Land; 1761 schlugen sie auf dem blutgedüngten Felde vonPanipatdie Marathen. Inzwischen bauten die Engländer langsam ihre Herrschaft auf; 1788 nahmen sie Delhi ein und liessen dem Schattenkaisern Serail, Hofehren und einen Jahresgehalt (von 150000 £), während sie die entscheidenden Kämpfe mit den Marathen und Sikh durchfochten. Der letzte Kaiser tauchte 1857 für einen Augenblick im Meuterkriege auf und starb als Staatsgefangener zu Rangoon im Jahre 1862.

Agra,[514]die schönste Stadt Nord-Indiens, liegt am rechten Ufer des Jumna, des Hauptnebenflusses vom Ganges, und ist durch eine schöne Eisenbahnbrücke von sechzehn Bögen zu je 142 Fuss sowie durch eine plumpe Schiffsbrücke mit dem linken Ufer verbunden; bei 27° nördlicher Breite und 204 Meter Erhebung über den Meeresspiegel hat es eine mittlere Temperatur von 25,5° C. Die Einwohnerzahl betrug 1881 über 160000, davon waren 109000 Hindu, 45000 Mohammedaner, 4000 Christen. Im Jahre 1891 betrug die Einwohnerzahl von Agra nebst Cantonment 168000. Die alten Wälle der Stadt umschliessen ein Gebiet von 27½ Quadratkilometer, das jetzt etwa zur Hälfte mit Häusern bebaut ist.

In geschichtlicher Hinsicht ist nichts über Agra bekannt vor der Zeit der Mohammedaner. Sikander Lodi (1488–1517) machte es zu seinem Herrschersitz, doch lag seine Stadt am linken Ufer des Jumna. Die Glanzzeit der Stadt fällt zusammen mit der der Grossmogul. Akbar baute die Festung 1566 und herrschte zu Agra von 1568 bis zu seinem Tode 1605. Jehangir baute seinen Palast in der Festung (J. Mahal) und das Grabmal seines Schwiegervaters (desItimadu daulah); aber 1618 verliess er Agra und kehrte nie wieder zurück. Schah Jahan residirte zu Agra und baute die Perl- und die grosse Moschee sowie die Taj und die Kas Mahal. Aurangzeb aber verlegte den Herrschersitz dauernd nach Delhi.

1764 wurde Agra von den Jats,[515]1770 und 1774 von den Marathen erobert, am 17. October 1803 von den Engländern eingenommen, welche dabei 164 Geschütze und einen Schatz von ¼ Million £ erbeuteten. 1835 wurde der Sitz der Regierung der Nordwestprovinzen hierher verlegt.

Während des Meuterkrieges zog sich die Regierung am 3. Juli 1857 in die Festung zurück. Zwei Tage später wurde eine britische Abtheilung (bei Sucheta in der Nähe von Agra) von den Meuterern zum Rückzuge genöthigt; und, ehe sie noch den Schutz der Festung erreichte, begann der Pöbel zu plündern, zu brennen, Christen zu ermorden. Aber die feindliche Macht zog nach Delhi ab. Die Festung gewährte sichere Zuflucht für 4500 Europäer; unter diesen waren, ausser Soldaten, sowohl Nonnen von der Loire und Garonne wie Priester aus Rom und Sicilien, Missionäre vom Ohio und aus Basel, aber auch Gaukler aus Paris und Hausirer aus den Vereinigten Staaten. Nach der Wiedereroberung von Delhi zogen die flüchtigen Meuterer von dort zusammen mit denen von Central-Indien gegen Agra, wurden aber von der Abtheilung des OberstenGreathedaus Delhi, dervorihnen und unbemerkt die Stadt Agra besetzt hatte, am 6. October 1857 geschlagen und gänzlich zerstreut.

1858 ward der Regierungssitz nach Allahabad zurück verlegt, aber Agra wurde durch die Entwicklung des Eisenbahnnetzes der Handelsmittelpunkt des Nord-Westens.

Am 13. December fuhr ich in der üblichen Weise, im Einspänner mit Führer, zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Agra; am folgenden Tage besuchte ich dieselben Orte noch einmalohneFührer, was ja natürlich viel behaglicher ist.

Selbstverständlich begann ich des Morgens früh mit derTaj.[516]Denn nach allem, was ich über diese gelesen und hört, war meine Neugier auf das höchste gespannt.

Taj(persisch) heisst Krone;Taj MahalKron-Palast;Taj bibi ke Roza, (wie der eigentliche Name lautet,) der Kron-Dame Grabdenkmal.

Im Jahre 1630 begann Shah Jahan den Wunderbau als Grabdenkmal für seine LieblingsgattinArjmand Banu, mit dem BeinamenMumtaz Mahal, d. h. die Erwählte des Palastes. Sie war die Tochter von Asaf Khan, Enkelin des Persers Mirzha Ghiyas, der von Teheran nach Indien gewandert, um sein Glück zu machen, und wirklich, nachdem seine Tochter Nur Jahan zur Gattin des Kaisers Jehangir erhoben worden, bis zum hohen Bange des Schatzmeisters (Itimadu’ d-daulah[517]) emporstieg.

Mumtaz Mahal wurde 1615 Gattin des Kaisers Shah Jahan, gebar ihm sieben Kinder und starb bei der Geburt des achten 1629 zu Burhanpur im Dekkan. Ihr Körper wurde nach Agra gebracht und zunächst in dem Garten beigesetzt, wo jetzt die Taj steht. Siebzehn Jahre dauerte der Bau, der 20000 Bauhandwerker beschäftigte und 18, nach andern 31 Millionen Rupien gekostet, obwohl ein grosser Theil des Materials und der Arbeit unbezahlt blieb. Denn nach Schah Jahan’s eignen Aufzeichnungen erhielten die Maurer nur 30 Lakh.[518]Ganze Kameel-Ladungen werthvoller Steine wurden für die eingelegte Arbeit herbeigeschleppt. Die kostbaren Steine für die Blumenranken wurden vielfach als Tribut von verschiedenen Rajah und Nabob „freiwillig und auf andere Art“ bezogen. Zwei Silber-Thüren schmückten den Eingang des Gebäudes, sind aber später von den Marathen fortgenommen und eingeschmolzen worden.

Der eigentliche Baumeister der Taj ist unbekannt. Nach einer Sage soll Kaiser Jahan selbst den Plan entworfen, Austin von Bordeaux, der damals in seinen Diensten stand, die Ausschmückung geleitet haben. Aber eine persische Handschrift, welche als Quelle über die Baugeschichte dient, nenntIsa Muhammedals Obermeister mit einem Monatsgehalt von 1000 Rupien, einen Farbenkünstler Amarnund Khan aus Schiras, einen Meister der Maurer Mohammed Hanif aus Bagdad, mit demselben Gehalt, Werkleute von Delhi, Pundjab, Persien, der Türkei, keinen Europäer.

Die Taj steht hart am rechten Ufer des Jumna-Flusses, 2 Kilometer östlich vom Fort. Ein guter Weg, der während der Hungersnoth von 1838 angelegt worden, führt dorthin; der Wagen hält vor demgrossen Thordes Gartens. Dasselbe ist 110 Fuss breit,140 Fuss hoch, aus rothem Sandstein erbaut und für sich schon ein bedeutendes Kunstwerk. Ein mächtiger, 80 Fuss hoher Spitzbogen, in das grosse Rechteck der Vorderfläche eingeschnitten; darüber blumige Verzierungen, in weissen Marmor eingelegt; an den beiden seitlichen und der oberen Kante der Vorderfläche breite, eingelegte Marmorstreifen mit den prachtvollen arabischen Buchstaben, welche dem Gläubigen die Lehren des Koran predigen; eine Krönung von zwölf kleinen Kuppeln aus blendend weissem Marmor, die auf Säulchen ruhen; zu jeder Seite schlanke Thürmchen mit bunt abwechselnden geometrischen Verzierungen: das ist der Zugang zu dem grossen, durchaus regelmässig und gefällig gebauten, viereckigen Thorgebäude, das im Innern zweistöckig gestaltet und mit drei Spitzbogen-Durchgängen versehen ist. Langsam tritt der Besucher hindurch in denGarten. Drinnen aber macht er Halt und setzt sich auf eine der Bänke, welche zu ruhiger Betrachtung einladen.

Vor sich sieht er, inmitten eines prachtvollen Frucht- und Blumengartens (mit Palmen, Banyan, Schlinggewächsen, Bambus), einen langen Gang von Cypressen zu beiden Seiten eines schmalen, wohl 1000 Fuss langen, mit Marmor-Grund und -Fassung sowie mit zahlreichen Springbrunnen geschmückten Teiches, der die ganze Umgebung, Garten und Gebäude, getreulich wiederspiegelt; und am Ende desselben, auf mässiger Erhöhung, den weissen Marmorbau, so zart und frisch, als ob jetzt eben Schah Jahan herbeikäme, eine Rose[519]auf das Grab seines geliebten Weibes niederzulegen.

Das achteckige, blendend weisse Marmorgebäude mit der grossen Kuppel und zwei kleineren, die vier schlanken Minarets an den Ecken der Erhöhung, die ganze wunderbare Umrisslinie, alles tritt klar hervor, nur von den Seiten ein wenig durch das gesättigte Grün der Bäume verdeckt, während aus dem tieferen Dickicht rechts wie links die vorgeschobene Moschee aus rothem Sandstein ihre drei Kuppeln erhebt. Es ist das edelste und wirksamste Grabdenkmal, das je geschaffen worden. Und dies war beabsichtigt. Schah Jahan wollte ausdrücklich mit diesem Bauwerke alle anderen auf der Erde soweit übertreffen, wie seine Mumtaz alle Töchter der Erde übertroffen habe.

Kein Mensch stört mein Schauen. Die wenigen Eingeborenen, welche zur Pflege des Gartens oder auch zur andachtsvollen Betrachtung kommen, gehen mit asiatischer Geräuschlosigkeit vorüber. Langsam nähere ich mich dem Gebäude. In der Mitte des Gartens ist um den Teich eine viereckige Erhöhung aus Marmor erbaut und gleichfalls mit Bänken besetzt; hier macht der Beschauer wiederum Halt. Jetzt steht der ganze Wunderbau vor seinem Auge. Nicht bloss die Griechen verstanden zu bauen! Dazu kommt, dass bei der Betrachtung des Parthenon[520]durch die Trauer über das zerstörte die Bewunderung des gebliebenen getrübt wird; hier aber ist Alles frisch und neu,[521]der Marmor so blendend weiss in dem strahlenden Morgenlicht, als wären die Arbeiter gestern erst fortgegangen. Eine quadratischeErhebungvon 18 Fuss Höhe und 313 Fuss Seitenlänge steht vor uns, die weissen Marmorflächen mit fensterähnlichen, spitzbogigen Vertiefungen geschmückt, von denen die meisten blind, drei mittlere mit Marmorgitterwerk ausgefüllt sind und zwei (je eine zur Seite der letztgenannten) die Aufgangsthüren darstellen. An jeder der vier Ecken der grossen Fläche erhebt sich in drei Stockwerken ein schlankerMarmor-Minaret. Er wirkt nur durch seine gefälligen Abmessungen, den regelmässig abwechselnden Fugenschnitt, seine drei Brüstungen und die durchbrochene Kuppel, die ihn krönt; sonst entbehrt er aller Verzierungen.[522]

Diese sind für dasHauptgebäudeaufgespart. Das letztere steht in der Mitte jener Erhebung, bildet ein Quadrat von 186 Fuss Seitenlänge, dessen vier Ecken (in der Ausdehnung von 33 Fuss) abgeschnitten sind, so dass die vier ganz gleichen Hauptflächen von je 120 Fussdurch schmalere Eckflächen von 66 Fuss in einander übergehen. Die sehr gefällige Hauptkuppel stelltzwei Dritteleiner Kugelfläche dar, misst 58 Fuss im Durchmesser und 80 Fuss in der Höhe und geht durch eine zierlich gerippte, unten gezähnte Spitze in einen metallenenAufsatzüber, der (244 Fuss über dem Boden) denHalbmondträgt. Die Höhe des Gebäudes bis zum Scheitel des Domes misst 220 Fuss, die der Thürme 134 Fuss.

Jede der vier Hauptflächen besteht aus einem mittleren und zwei seitlichen Abschnitten. Der erstere ist höher, rechteckig, von zwei ganz schlanken, durch fünf Knoten gegliederten, mit Wellenstreifen geschmückten Minarets eingesäumt, und umrahmt den hohen Spitzbogen, über dem der Rest der Fläche bis zur rechteckigen Pfoste mit eingelegtem, blumigem Schmuck von höchst anmuthigen Farben und Verhältnissen geziert ist. Jaspis, Korallen, Agat, Blutstein, Lapis Lazuli, Onyx, Türkis (und sogar edle Steine) sind zu dieser eingelegten Arbeit verwendet, welche Ranken, Sträusse, Gewinde von Blumen darstellt. Obwohl diese Kunstform aus Italien durch Europäer nach Indien eingeführt sein soll,[523]so beweisen doch diese Verzierungen an der Taj einen hohen Grad von Geschmack und Kunst bei den indischen Baumeistern dieser Zeit; und, wenn sie auch mit den Metopen und Friesen der griechischen Tempel nicht verglichen werden können, so nehmen sie in der rein verzierenden Baukunst mit die erste Stelle ein.

Um die dreiseitige Pfoste ist noch ein breiter Streif von weissem Marmor mit eingelegten schwarzen, äusserst zierlichen, arabischen Buchstaben (Koran-Sprüchen) herum gelegt. Die beiden seitlichen Abschnitte der Hauptfläche enthalten, zweistöckig über einander, zwei kleinere offene Spitzbogen, über jedem ein Feld mit eingelegter Blumenverzierung.

Die Schrägflächen sind wie die seitlichen gestaltet und von kleineren Schlankthürmen eingefasst. Ueber jeder der vier abgeschrägten Ecken steht ein kleiner Dom. Die Grössenverhältnisse der einzelnen Glieder und die Vertheilung des Schmuckes machen einen äusserst gefälligen Eindruck.

Wenn man in einen der vier Haupteingänge eintritt, so wird das Auge gefesselt durch höchst geschmackvolle Blumen (Tulpen, Lilien,Oleander), die in erhabener Arbeit an dem unteren Theile der marmornen Seitenwände des Spitzbogens angebracht sind, wie auch im Innern. Aber wunderbar ist die grosse achteckigeKuppel-Halle, 70 Fuss weit, 120 Fuss hoch. Das Licht wird lediglich durch doppelte Gitter von durchbrochener Marmorarbeit, eines an der Aussen-, eines an der Innenfläche der Mauern, hineingelassen: bei uns würde dies, sagtFergusson, vollständige Dunkelheit bedingen; aber in Indien und in diesem weissen Marmortempel war es das richtige Mittel, um den blendenden Glanz des Himmelslichtes so weit zu dämpfen, dass man die Wunderwerke drinnen bequem betrachten kann. Die Wände der Halle sind wieder mit den zartesten Blumenranken eingelegt, um gewissermassen die blumigenLauben des Koran-Paradiesesdarzustellen. Ein achteckigerSchreinaus durchbrochener Marmorarbeit, die Pfosten mit eingelegtem Blumenschmuck, umgiebt die beidenLeersärgeaus Marmor. Nach dem Willen des kaiserlichen Erbauers steht in der Mitte der Grabstein der so tief betrauerten Gattin, seitlich daneben der des Kaisers selber, um einige Zoll höher als der erste, damit neben der romantischen Liebe, die, wie man sieht, an keine Zeit und keinen Ort gebunden ist, auch die Weltanschauung des Mohammedaners ihren gesetzmässigen Ausdruck finde.

Genau unter den Grabsteinen der Halle liegen in einem Gewölbe die einfacheren Steine, unter denen die Leichen ruhen, noch heute bewacht von Priestern beim Lampenschimmer und verehrt von den Einheimischen, seien es Mohammedaner, Hindu oder Parsi. In ganzen Zügen kommen sie, zum Theil aus entfernten Gegenden, und sind in ihrer feierlichen Andacht weit würdevoller, als eine plauderhafte, englische Gesellschaft, deren Damen schliesslich, um das vom Reisebuch gerühmte Echo zu erproben, in der Halle ihren nicht begehrten Gesang erschallen lassen.

Ueber dem Bogen des Eingangs steht der Vers des Koran: „Die da reinen Herzens sind, werden eintreten in den Garten Gottes.“ Die zierlichen arabischen Buchstaben auf dem Grabstein der Kaiserin besagen: „Hier liegt Mumtaz-i-Mahal. Gott allein ist mächtig.“

Die Inschrift, welche die Wände der Halle schmückt, zählt erst alle Titel des Kaisers auf und bringt dann einen Vers aus den „Ueberlieferungen“: „Es sagt Jesus,[524]Friede sei mit ihm: Diese Welt isteine Brücke. Geh’ hinüber, aber baue nicht darauf. Diese Welt ist eine Stunde. Verwende ihre Minuten zu deinen Gebeten. Was kommt, kannst du nicht schauen.“

Man muss rings um das Gebäude herumwandern, von der Südfläche, die auf den Garten schaut, nach der Nordfläche, die über dem Fluss emporsteigt und den mächtigen Unterbau des Ganzen zeigt, zu den beiden seitlichen abgetrennten Flügelgebäuden in rothem Sandstein, von denen das eine eine wirkliche Moschee ist, das andere die Form einer solchen zeigt; erst zum Kuppeldach, dann auf einen der vier Minarets emporklimmen, um von oben eine Uebersicht zu gewinnen. Wenn man dann nach stundenlangem Verweilen endlich sich losreisst, ist der letzte Gedanken: „Auf baldiges Wiedersehen am morgigen Tage.“

Die Taj erfreut uns durch die Vollendung sowohl ihrer ebenmässigen Gliederung als auch ihrer kleinsten Theile. „Der Entwurf ist von einem Titanen, die Ausführung von einem Goldschmied.“ Leider stammt dieser Spruch von demselben Bischof Heber, dessen Ansichten über die Bauwerke von Lucknow wir nicht beizupflichten vermochten. Die Wirkung, welche die Taj auf den Beschauer hervorbringt, ist sehr verschieden nach der Besonderheit des letzteren. Gefühlsschwärmer werden zu Thränen gerührt, — oder, wie Sir Edwin Arnolds, zu wässrigen Gedichten. Vernünftige, urtheilsfähige Männer, die schon viel Schönes gesehen, wie z. B. Prinz Waldemar, Meister Hildebrandt, Prof. Reuleaux, sind entzückt und gehoben. Aber der Vollständigkeit halber will ich doch erwähnen, dass auch andere Urtheile gefällt worden sind. Graf Lanckoroński, ein Künstler, findet, dass die Taj anmuthig und regelmässig sei, jedoch wegen ihrer äusserlichen Vollkommenheit unser Innerstes nicht aufrege. — Drei Dinge sind öfters an der Taj getadelt worden: die Härte der Umrisslinien, der Mangel an Schatten und der farbige Schmuck.

Auf dem Gebiete der Baukunst sind dieTatarenausgezeichnet durch ihre grosse Neigung zuGrabes-Bauten; hierdurch unterscheiden sie sich von Ariern und Semiten, mit denen sie die Herrschaft eines grossen Abschnitts der Erde theilen.

Die tatarischen Fürsten bauten selber ihr eigenes Grabmal bei Lebzeiten; aber nicht, wie einst die alten Aegypter, dunkle Kammernoder massige Pyramiden! Nein, inmitten eines lieblichen, draussen vor der Stadt belegenen Gartens, den sie mit hohen Zinnenmauern umgaben und mit prachtvollen Thorgebäuden schmückten, errichteten sie auf einer Erhöhung ein vier- oder achteckiges kuppelgekröntes Gebäude, das der Stifter bei Lebzeiten als Bara-duri, d. h. zwölfthorigeFesthalle, mit seinen Freunden zur Erholung und zu frohen Festen benutzte. Nach seinem Tode aber wurde sein Leib unter dem Dom begraben, zuweilen auch der seiner Lieblingsgattin und anderer Verwandten. Die Sorge für das Gebäude wird nunmehr den Priestern übertragen, welche vom Verkauf der Früchte des Gartens und von milden Gaben leben. Taj Mahal ist von all’ den zahlreichen Grabstätten die einzige, wo Garten und Gebäude in der ursprünglichen Schönheit erhalten sind. Es giebt wenige Stellen der Erde, nach Fergusson keine zweite, wo Natur und Kunst so erfolgreich zusammenwirken.

Das Grabmal desItima du daulah(am linken Ufer des Jumna, wohin man von der Stadt aus über die belebte Schiffbrücke gelangt,) erläutert das eben Gesagte noch deutlicher; denn dieses ist in der That nur einheiteres Gartenhaus.

Es ist ein einstöckiges, viereckiges Gebäude mit einem achteckigen, kuppelgekrönten Thurm in jeder Ecke und einem Pavillon auf dem platten, konsolengeschmückten Dach. Die Aussenfläche ist ganz mit Marmor belegt und dieser bis in die Leibungen der Spitzbogen hinein mit den schönsten und mannigfaltigsten geometrischen Mustern und heitersten Farben eingelegt, alle Fenster mit dem zierlichsten, durchbrochenen Gitterwerk ausgefüllt. Am ganzen Bauwerk ist nirgends eine ungeschmückte Fläche zu sehen. Im Innern wie in den Nischen der Bögen sind noch gemalte Blumen, Cypressen und langhalsige Vasen. Im Jahre 1628 liess der Schatzmeister und Schwiegervater von Jehangir den Bau errichten, oder seine Tochter, die Kaiserin. In dem Hauptgemach liegen die Grabsteine des Erbauers und seiner Gattin; in dem Marmor-Pavillon, der gerade darüber steht, sind noch einmal die Leer-Gräber angebracht.

Das dritte Grabdenkmal von Bedeutung ist das des grossenAkbarim Dorf Sikandarah,[525]9 Kilometer nordwestlich vom Cantonment.

Das mächtige Thorgebäude ist aus rothem Sandstein, eingelegt mit weissem Marmor und grossblumigen Verzierungen, gekrönt von vier zweistöckigen Marmorthürmen, deren Kuppeln die Jat bei der Plünderung von Agra (1764) muthwillig mit Kanonenkugeln abgeschossen haben. Innen führt ein breiter, gepflasterter Weg zu dem Mausoleum.

Dasselbe ist ein fünfstöckiges, sich verjüngendes Gebäude aus rothem Sandstein. Das untere, massive Stockwerk (ohne die Eckthürme) von 320 Fuss Seitenlänge und 30 Fuss Höhe, ist an jeder der beiden Hauptflächen von zehn grossen Spitzbogen-Eingängen durchbrochen und einem grösseren in der Mitte, der von Marmor-Mosaik und zwei schlanken Thürmchen eingefasst ist. Dann folgen drei Stockwerke mit offenen Hallen und Kuppeln; der oberste Stock von 115 Fuss, d. h. etwa der halben Seitenlänge des untersten, ist ganz aus weissem, durchbrochenem Marmor der schönsten Muster gebildet.

Hier oben steht Akbar’s Leer-Sarg von Marmor mit den herrlichsten Arabesken und dem Wahlspruch seines eigenen Glaubensbekenntnisses: „Alla hu akbar, Gott ist gross.“ Ein vier Fuss hoher Marmorpfeiler steht neben dem Sarg in dem Gemach; derselbe war einst mit Gold bedeckt und enthielt den Koh-i-nur; von hier hat ihn Nadir Schah fortgenommen. Eine prachtvolle Aussicht auf Jumna, Fort, Taj, Stadt, lohnt die Besteigung.

Genau unter dem Leergrab, in einem dunklen, mit Lampen spärlich erhellten Keller-Gewölbe, ruhen unter einem ganz einfachen Stein die sterblichen Reste des grossen Fürsten, der zur Zeit, als Europa von Religionskriegen zerfleischt ward, ein Muster von Duldung und Weisheit gewesen. Dicht bei Sikandra liegt das Grabmal seiner Frau Begam Marjam, der christlichen Portugiesin Maria. Sein eignes Grabdenkmal, das Akbar selber gebaut, ist nach Fergusson durchaus das Abbild eines Buddhisten-Klosters (Vihara) und sollte ursprünglich wohl noch einen Dom von 40 Fuss Höhe erhalten, so dass die Gesammthöhe von 140 Fuss in schönem Einklang stand mit den Längenabmessungen. 3000 Werkleute haben 20 Jahre lang an dem Bau gearbeitet.

Die Fahrstrasse nach Sikandra zeigt noch manche Sehenswürdigkeiten: erstlich die Meilensteine (Kos minar) auf Jehangir’s kaiserlichem Wege von Agra nach Lahore; sodann zahlreiche Gräber, eines mit einer Halle von 64 Pfeilern zum Andenken an einen General Akbar’s; ferner ein Kühl-Haus (baoli), das aus einer Reihe von Zimmern rings um einen tiefen Brunnen besteht und als Sommerwohnung während der heissen Jahreszeit von den Reicheren benutzt wurde; endlich ein plumpes Stein-Ross, angeblich von Sikander Lodi aufgestellt.

DasFort Akbar’s,[526]zu seiner Zeit unüberwindlich, steht nochheute, nach mehr als drei Jahrhunderten, unversehrt in seiner kräftigen Schönheit da. 70 Fuss hoch ragen die zinnengekrönten, von (30 Fuss) tiefem und breitem Graben umgebenen Mauern aus rothem Sandstein. Der Umfang beträgt fast 3 Kilometer. Der Grundriss ist ungefähr ein Halbkreis, die krumme Linie mit ihren Bastionen nach der Landseite, der grade Durchmesser nach dem Fluss zu gewendet. Besonders schön ist der Anblick von der andern Seite des Flusses.

Durch das von mächtigen Thürmen und Bastionen beschützte westliche oderDelhi-Thorfährt der Reisende hinein und gelangt durch das innere oder Elephanten-Thor, woselbst ehemals zwei Stein-Elephanten mit den berühmten Rajput-Helden Patta und Jaimall gestanden haben, zu der Wache.

Die Sepoy grüssen nach Krieger-Art den Europäer, auch wenn der letztere ganz friedlich aussieht. Eingeborene aber dürfen die Festung überhaupt nicht ohne ganz besondere Erlaubniss betreten.

Deshalbist auch diePerlmoschee(Moti Musjid), das nächste Prachtgebäude im Innern der Festung, ganzleervon Gläubigen.

Würdevoll steht der vereinsamte Priester auf der Platform der hohen, vorspringenden Doppel-Treppe und streckt dem Ungläubigen seine Rechte entgegen, um das Geschenk zu empfangen, von dem er mit seiner Familie leben muss. Als ich aber am nächsten Tage wiederkehrte, nickte er mir freundlich zu, wie einem alten Bekannten, ohne eine Gabe zu heischen.

Durch das bedeutende Thorgebäude aus rothem Sandstein tritt man in den (154×158′) grossen Hof, der eine mächtige Wirkung auf den Beschauer ausübt. Alles, was wir sehen, istMarmor. In der Mitte liegt der Brunnen zu den Abwaschungen. An drei Seiten (Osten, Süden, Norden) ist die mit zierlichen Zinnen gekrönte Umfassungsmauer umgeben von einer Säulenhalle aus 58 schlanken, 12flächigen Pfeilern auf würfligen Füssen. Jede der drei Seiten hat ein Thorgebäude, aber nur das östliche ist offen.

Die vierte Seite, nach Westen, d. h. nach der Richtung (Kibla), in welcher von Indien aus das Grab des Propheten liegt, wird von derMoscheeeingenommen. Dieselbe öffnet sich nach dem Hof in sieben zusammengesetzten, auf Pfeilern ruhenden Spitzbögen von grosser Schönheit, wird überdacht von einer Reihe zierlicher Kuppeln und gekrönt von drei mächtigen Domen. Fergusson erklärt, dass er kein andres Gebäude der Art von so reinem und anmuthigem Stil kennen gelernt habe.

Längs der ganzen Vorderseite über den Bögen läuft eine Inschrift aus schwarzem Marmor, der in den weissen eingelegt ist, des Inhalts,dass diese Moschee einer kostbaren Perle verglichen werden kann, da sie allein vollständig mit Marmor bekleidet ist.

Die Moschee, welche nahezu drei Mal so breit wie tief (142:56′) und durch einige Stufen gegen den Hof erhöht ist, besteht aus drei Schiffen von je sieben Abtheilungen. Die zusammengesetzten Pfeiler, mit blumigem Relief an Fuss und Knauf, sind mit einander, sowohl der Breite als auch der Tiefe nach, durch die schönen, siebenfach eingeschnittenen Spitzbögen verbunden. Wenn man von der einen der beiden äusseren Ecken hineinblickt, ist das Bild der sich verjüngenden und einander schneidenden Bögen von unbeschreiblicher Anmuth.

Der Fussboden, wie alles, mit Marmor belegt, ist gleichsam in rechteckige Gebet-Teppiche abgetheilt, deren Anzahl sechshundert beträgt. Die Perlmoschee ist von 1648 bis 1655 von Schah Jahan erbaut worden. Während des Meuterkrieges diente der heilige Ort zum Krankenhaus. Der ganze Bau ist so neu und frisch, als wäre er gestern fertig geworden.

Nicht weit (nach Süden) von der Moschee, welche ungefähr die Mitte der Veste einnimmt, befindet sich der (570×300′) grosseWaffenplatz(Armoury square), wo einst die Ritter des Grossmogul im Turnier sich tummelten, jetzt unbrauchbare, aber den Einheimischen vielleicht Ehrfurcht einflössende Kanonen und Mörser in langen, nüchternen Reihen liegen;[527]und, nahe der Südwestecke, das Grabdenkmal des HerrnColin, Lieutnant-General der Nordwest-Provinzen, der hier am 9. September 1857 während des Meuterkrieges verstorben ist. Leider ist das Denkmal in — gothischem Styl!

Der Hintergrund des Platzes nach Osten, d. h. gegen die Jumna zu, wird von Schah Jahan’söffentlicher Audienz-Halle(Diwan-i-Am[528]) eingenommen. Das Gebäude läuft von Norden nach Süden in der Ausdehnung von 201 Fuss. Die eigentliche Halle hat eine Länge von 192 und eine Breite von 64 Fuss. Sie besteht aus drei Schiffen von je neun Abtheilungen und ist offen an drei Seiten. Das platte, mit zwei Kuppelthürmchen geschmückte Dach wird durch anmuthige Pfeiler aus rothem Sandstein getragen.

An der Hinterwand sind Gitter, aus welchen die Schönen, selber ungesehen, die Ritter in der Halle betrachten konnten, und in der Mitte ein erhöhter Sitz aus weissem Marmor mit eingelegter Arbeit.Hier war es, wo, nach älteren Reisebeschreibungen, Aurangzeb thronte und die Verwaltung der Gerechtigkeit überwachte. Hier hat der Prinz von Wales 1876 einen öffentlichen Empfang (Durbar) der eingeborenen Fürsten und Edlen abgehalten.

Durch eine schmale Thür hinter dem Alkoven gelangt man in den Rest des prächtigsten Gebäudes aus der Mogul-Zeit, in denPalast von Schah Jahan.

Hinter der Audienzhalle liegtMachchi Bawan,der Fisch-Teich, und nördlich davon dieEdelstein-Moschee(Naginah Musjid), die Privatkapelle der Damen des Hofes.

Rings um den Fisch-Teich läuft eine zweistöckige Säulenhalle; nur an der Flussseite ist sie einstöckig, aber verbreitert, und oben mit einer geräumigen Terrasse versehen, auf welcher derschwarze Thronsteht und diePrivat-Audienzhalle(Diwan-i-Khas). Das ist ein Wunder von Schönheit, eine bedeckte spitzbogige Marmorhalle, 64 Fuss lang, 34 Fuss breit, 22 Fuss hoch, mit feinstem Schmuck in flachem Marmorrelief und eingelegten Steinen. In ganz Indien ist nichts Schöneres der Art zu sehen. Lord Northbroke hat auf seine Kosten ausbessern lassen, was britische Vandalen hier zerstört hatten.

In dieser Halle und auf jenem Thron sass der Kaiser Jahan und liess seinen Blick schweifen über den Fluss und die Gärten und Paläste der beiden Ufer. Von dieser Terrasse aus konnte man auch in Sicherheit auf die Kämpfe zwischen Elephant und Tiger herabblicken, die in der Tiefe am Fluss-Ufer von statten gingen, sowie auf die Wettfahrten der Ruderböte. In einem nahe gelegenen Pavillon ist Schah Jahan gestorben, sein letzter Blick noch suchte die Taj.

Von der Privat-Audienzhalle führte eine Treppe zum Wohnsitz der Kaiserin. Ein wundervoller zweistöckiger Pavillon (Saman Burj oderJasmin-Thurm) mit durchbrochenem Marmorwerk in feinster Arbeit, der auf einer mächtigen Bastion unmittelbar am Fluss-Ufer ruht, ist noch erhalten; sowie ein feenhaftesBadehaus(Shish Mahal = Spiegel-Palast) mit Springbrunnen und eineoffene Hallemit reichstem Schmuck (Khas Mahal).

Auf dem höchsten Punkt der Veste von Agra stand einst der Palast von Sher Schah oder seinem Sohne Selim. Fergusson sah noch einen Rest davon, ein bewundrungswürdiges Stück der verzierenden Kunst. Aber die gegenwärtige britische Regierung hat es fortgenommen und ein Vorrathshaus dort hingebaut, das in seiner weiss gewaschenen Hässlichkeit über die Marmorpaläste der Mogul fortblickt, — nachFergussonein sprechendes Beispiel, um den Geschmack der beiden Rassen zu vergleichen.

In einer Umgitterung werden einigegeschichtliche Andenkenaufbewahrt: ein zerschlissener Sessel, auf dem irgend ein General oder Gouverneur, ich habe vergessen, welcher, zu sitzen pflegte; und die berüchtigtenThore von Somnath. Im Jahre 1024 n. Chr. stürmte und plünderte Mahmud Ghazni die Hindu-Stadt Somnath in Gujarat, zerstörte den heiligen Schiwa-Tempel und schleppte mit der gewaltigen Beute auch dasSandelholz-Thordes Heiligthums fort.

1842, nach dem erfolglosen Krieg mit Afghanistan, liess Lord Ellenborough das Thor von Mahmud’s Grab aus Gazni prahlerisch durch Indien schleppen, als „Genugthuung für Somnath’s Plünderung.“ Aber die Hindu-Priester verweigerten die Annahme.

Das Thor ist übrigens ausCeder-Holz, saracenische Arbeit, und wohl eine plumpe Fälschung, wenngleich in der kufischen Inschrift der Name Subuktugin vorkommen soll.

Am besten wäre es, dieses Siegeszeichen (?) — zu verbrennen oder wenigstens dem Blick der urtheilsfähigen Betrachter zu entziehen.

Südlich von Schah Jahan’s Palast liegt der vonJahangir, unmittelbar nach Akbar’s Tode aus rothem Sandstein in reinem Hindu-Stil ohne Bogen oder Gewölbe erbaut. Von seinem Dach, dem höchsten Punkt in der Festung, hat man einen prachtvollen Ueberblick über das Ganze und kann im Geiste die Ruinen wieder aufbauen und mit der glänzenden Schaar beleben, die von europäischen Reisenden des 17. Jahrhunderts so farbenprächtig geschildert worden ist.

Gegenüber dem Delhi-Thor der Festung liegt dieHauptmoscheeder Stadt (Jumma Musjid), 1634 bis 1644 von Schah Jahan zu Ehren seiner Tochter Jahanara im Mogul-Stil erbaut.

Das Hauptthor wurde von den Briten zur Zeit der Meuterei niedergerissen, da es die Festung bedrohte. Jetzt ist an der Treppe ein Gewirr von Buden angesiedelt. Jede der drei Abtheilungen der Moschee öffnet sich in den Hof mit einem schönen Bogen und wird gekrönt mit einem Dom, der aus weissen und rothen Steinen in gezackten Linien erbaut ist.

Sehr bald befreundete ich mich mit dem Lehrer derKoran-Schulein den offenen Seitenhallen des Hofes und mit den Schülern. Ich liess sie aus dem Koran vorlesen und übersetzen sowie abschreiben. Jede Klasse hatte ihren Prunkschüler, der voll Stolz seine Leistungen zeigte. Aber zum Schluss verlangten sie auch nach morgenländischer Sitte ein Geschenk von dem Sahib.

Es ist merkwürdig, wie wenig die Hindu, trotz ihrer Mehrzahl, gegen die Mohammedaner in Agra zur Geltung kommen.

Hindu-Tempel sieht man kaum, wohl in der Nähe der Schiffbrücke einige Treppen, die zu dem heiligen Fluss hinabführen.

Die Stadt selbst bietet wenig Sehenswürdigkeiten.

Das Haupterzeugniss desKunsthandwerksist eingelegte Marmorarbeit. In den weissen Marmor von Jaipur werden blumenartige Verzierungen aus farbigen Steinen (Cornel, Agat, Jaspis, Chalzedon, Blutstein, Lapis Lazuli u. A.) eingelegt. Teller, Tischplatten, Gefässe, Tafel-Aufsätze und viele andere Gegenstände der Art werden so hergestellt und dem Reisenden in der Vorhalle des Gasthauses, am Eingang der Taj und in den Bazaren angeboten. Es giebt auch eine grosse Werkstätte, wo ein reiches Lager ausliegt, sowie Nachbildungen der Taj aus Alabaster in verschiedenen Grössen und Preisen (von 40 bis 200 Rupien). Aber diese verfehlen des Eindrucks, selbst die grosse, die für Chicago angefertigt worden und für die 1500 Rupien verlangt werden.

Ausser den Marmorarbeiten werden in den Bazaren noch hauptsächlich Gold- und Silberstickereien sowie Schnitzwerke aus Seifenstein dem Fremden angeboten. Das Europäer-Viertel liegt westlich von der Stadt, ist sehr weitläufig gebaut, mit schönen Gärten, und enthält die Baracken, den Gerichtshof, das Colleg, einige Kirchen, einige hübsche Landhäuser und unser Gasthaus.


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