„Mondbeglänzte Zaubernacht,Die den Sinn gefangen hält,Wundervolle Märchenwelt,Steig’ auf in der alten Pracht.“
„Mondbeglänzte Zaubernacht,Die den Sinn gefangen hält,Wundervolle Märchenwelt,Steig’ auf in der alten Pracht.“
„Mondbeglänzte Zaubernacht,
Die den Sinn gefangen hält,
Wundervolle Märchenwelt,
Steig’ auf in der alten Pracht.“
Erst um 1 Uhr suchte ich das Lager auf, nachdem ich mich mit Capitän R. und einem andern deutschen Herrn durch einen vaterländischen Trunk gestärkt; und schlief bald ein, trotz des Lärms, den Ein- und Ausladen verursachen: der Traum führte mich in die Heimath, ich sah — meine Rückkehr.
Nachts um 2 Uhr wurden die Anker gelichtet. Das Schiff steuert jetzt genau westwärts nach der Südspitze von Ceylon, durch den indischen Ocean, der ziemlich einsam ist, da wir nur am 5. November einen kleinen nach Penang bestimmten Dampfer, am 6. einen Segler und das englische Truppen-Schiff „Himalaja“ erblickten. Sonst müssen wir uns mit fliegenden Fischen begnügen, die schaarenweise aus dem spiegelglatten Wasser emporschnellen.
Am 4. November Abends von 9 Uhr 10 Minuten bis 11 Uhr hatten wir den Anblick einer vollständigenMondfinsterniss. Am nächsten Morgen fuhren wir dicht vorbei an der Nordostspitze von Sumatra, dem berühmtenAtschin. Wir sahen natürlich nichts von dem Kriege, den die Holländer hier seit 20 Jahren mit den Eingeborenen führen und nach dem allgemeinen Urtheil aller Kenner längst beendet haben könnten, wenn sie nur — wirklich wollten.
Die Einsamkeit des indischen Oceans giebt mir Musse, die Pickwick-Papers von Dickens zu lesen. Zwischen Bombay und Aden las ich Vanity fair von Thackeray; endlich im rothen Meer A house party von Ouida. Fürwahr, sehr wenig schmeichelhaft ist das Bild, welches die besten englischen Schriftsteller von ihrer „respectablen“ Gesellschaft entwerfen. Natürlich, wenn ein urtheilsfähiger Fremdling dies den Briten vorhält, erklären sie es für Uebertreibung; ja sie gehen so weit, von „schlechten“ Büchern zu sprechen und aus der Schiffsbücherei „bessere“ heraus zu suchen, z. B. von Walter Scott, die ich vor 35 Jahren gelesen, aber seitdem nicht wieder.
Am 8. November Morgens erblicken wir Land zur Rechten, es istCeylon, der Traum meiner Jugend. Ein Leuchthaus wird sichtbar, langgestreckte Kokuswälder an der Küste, die Brandung vor dem Hafen vonPoint de Galle: alte Forts, aus der Portugiesenzeit, ein Leuchtthurm, eine Flaggenstange, keine Schiffe!
Nachdem einmal Colombo zum Hafen von Ceylon gemacht worden, geschieht nichts weiter zum Vortheil von Point de Galle, eher Alles zu seinem Nachtheil.
Abends 8 Uhr werfen wir auf der Rhede vonColomboAnker. Die meisten Reisenden blieben über Nacht auf dem Dampfer. Ich meine, dass man auf einer solchen Reise die Kosten eines Nachtlagers am Lande nicht scheuen soll; liess Koffer, Handtasche, Mantelsack und Holzstuhl — mein ganzes Gepäck — in einen Kahn schaffen und fuhr an’s Land.
Der Steuerbeamte war höchst artig, ganz frei von der überflüssigen Neugier, eines Vergnügensreisenden Koffer zu durchsuchen, und sehr gefällig, indem er freiwillig sich anbot, meinen Korbstuhl bis zur Abfahrt nach Calcutta aufheben zu lassen. Ich erhielt ein gutes Zimmer in dem dicht am Hafen belegenen, riesengrossenOriental-Hotel, wo ich wieder einen Deutschen (Herrn Raden) als Leiter antraf, und schlief recht mittelmässig. Es war ein Feind im Zimmer; ein einzelner Moskito (odereine, denn nur die weibliche Mücke sticht,) befand sich innerhalb des über das Bett ausgespannten Netzes. Man hört das verrätherische Summen; denkt, es wird nichtgleich so schlimm werden, bis ein unangenehmer Stich unsere Ansicht ändert. Man steht auf, macht Licht, sucht ganz vergeblich; legt sich wieder, hört von Neuem das Summen, wird wieder gestochen, steht wieder auf zur vergeblichen Jagd. Natürlich Morgens früh, wenn man müde erwacht, sieht man das von unsrem Blute genährte Ungeheuer jetzt träge in einer Falte des Moskito-Netzes sitzen und hat die Wahl, dasselbe zu tödten oder es in diesem thierfrommen Lande der Buddhisten zum — offenen Fenster hinaus zu werfen.