Die KatzeDie Katze

Einen Mann hungerte manche Stund,Er ging und kaufte sich einen Hund.

Einen Mann hungerte manche Stund,

Er ging und kaufte sich einen Hund.

Hundehaare auflegenkommt von dem Glauben, daß, wer Schaden zufügt, auch die Kraft zum Heilen besitzt. Auf eine von einem Hund verursachte Wunde soll man also Hundehaare legen. In übertragenem Sinne spricht man davon, wenn man die durch den Alkohol entstandene Magenverstimmung durch weiteren Alkohol beseitigen will.

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Drahthaariger FoxterrierDrahthaariger Foxterrier

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Peter hatte, wie wir sahen, ein kleines Geplänkel mit des Nachbars Katze. Wir wollen uns diese einmal etwas näher betrachten.

Wie damals sitzt sie in dem Kellereingang und läßt sich die warme Morgensonne auf den Pelz scheinen. Schlecht scheint es ihr wirklich nicht zu gehen, denn sie ist kräftig und sieht ganz wohlgenährt aus. Das ist auch nicht weiter wunderbar, denn in einem Kohlenkeller pflegt es stets Mäuse zu geben. Der Kohlenhändler hält sie wohl auch deswegen. Uebrigens ist uns die Katze schon seit längerer Zeit bekannt. Sie ist etwa ebenso alt wie Peter und in Wirklichkeit ein Männchen, also ein Kater, der »August« genannt wird.

Fassen wir das Tier ins Auge, so fällt uns namentlich folgendes auf. Erstens: der kleine Kopf mit den Schnurrhaaren. Zweitens: die zierliche, kräftige und runde Form des Rumpfes. Drittens: Füße und Schwanz fügen sich übereinstimmend in dieses Bild. Die Füße sind fast bedeckt und der Schwanz geht im Bogen nach vorn. Viertens: bewundernswert ist bei der Gesamterscheinung die unerschütterliche Ruhe, da am Körper sich nicht das geringste bewegt. Ein aus Erz gegossenes Kunstwerk könnte sich kaum regungsloser verhalten.

Doch diese Leblosigkeit ist nur Schein, denn sie beruht auf einer außerordentlichen Beherrschung aller Muskeln. JetztkommtLeben in August, denn seine Herrin, deren Liebling er ist, kehrt von einem Gange zurück. Das Schmeicheln der Katzen ist, wie wir jetzt sehen, ganz anders wie das der Hunde. Ein Hund, der sich bei seinem Herrn beliebt machen will, springt an ihm herauf und sucht beide Vorderpfoten auf seine Beine zu legen. Der Kater dagegen läuft hin und her und reibt sich dabei an den Kleidern seiner Herrin, wobei er den Schweif hochgestellt hält. Ständen wir ganz dicht dabei, so würden wir August auch schnurren hören.

Doch seine fleißige Herrin hat nicht lange Zeit, sich mit August weiter zu beschäftigen. Sie hat aber ihrem Lieblinge einen Leckerbissen mitgebracht, den der Kater jetzt frißt. Hierbei fällt uns der merkwürdige Unterschied des Fressens beim Hund und der Katze auf. Einen solchen Happen, anscheinend ein kleines Stück von einem größeren Fisch, würde ein Hund im Nu verschlungen haben. Der Kater dagegen braucht eine ganze Weile, ehe er den Happen bewältigt hat. Nach unseren Begriffen ißt die Katzegesittet, während der Hund ein roher Schlinger ist. Wir müssen an das Sprichwort denken: »Iß wie eine Katze und trink' wie ein Hund.« Nach dem Essen putzt sich August, indem er sich gewissermaßen »wäscht«. Nach dem Volksglauben bedeutet es bekanntlich, daß Besuch eintrifft, wenn die Katze sich wäscht.

Dieses Waschen bewerkstelligt August in folgender Weise, wie wir beobachten können. Er macht eine Pfote mit der Zunge feucht und benutzt diese angefeuchtete Pfote als Schwamm, um seinen Kopf und andere Körperteile, soweit er reicht, damit zu reinigen.

Nachdem August so sein Aeußeres wieder in Ordnung gebracht hat, betrachtet er zunächst die Welt anscheinend mit der Ruhe eines Weltweisen.

Da August ein kräftiges Tier ist, so hat er vor Durchschnittshunden keine Furcht. Er hat seinen Nachbarn Peter längst durchschaut und weiß, daß dieser wohl im Blaffen groß, aber kein furchtloser Draufgänger ist. Für gewöhnlich macht er bei der Annäherung von Hunden kaum einen Buckel. Dagegen zieht er sich vor einem ausnehmend scharfen Dachshunde, der mit Schmarren bedeckt ist und um die Ecke wohnt, regelmäßig zurück. Da August jetzt seiner Herrin in den Keller gefolgt ist, so wollen wir zunächst uns das, was wir bei ihm erschaut haben, zu erklären suchen.

Hund und Katze sind beide Raubtiere, wie wir wissen. Aber sie wenden ganz verschiedene Mittel an, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Der Hund spürt mittels seiner feinen Nase einen Pflanzenfresser auf, wie noch jetzt seine wilden Verwandten, die Wölfe und andere hundeartige Tiere, und sucht ihn durch seine Schnelligkeit zu erbeuten. Er ist, wie wir schon sagten, ein Hetzraubtier.

Ganz anders verfährt die Katze. Ueber ihre Abstammung soll später gesprochen werden. Jedenfalls gleicht sie heute noch ihrer nahen Verwandten, der europäischen Wildkatze, fast in allen Stücken. Gleich dieser hat sie erstens keine feine Nase, um eine Hasenspur zu verfolgen, wie ein Hund. Sähe sie aber wirklich im Felde einen Lampe, wie man den Hasen nennt, so denkt sie nicht daran, wie ein Hund hinterher zu laufen. Dazu ist sie nicht schnell genug. Sie kann zwar sehr schnell einige Sprünge machen, aber ein Dauerläufer ist sie nicht.

Während also der Hund den Weg der offenen Gewalt einschlägt, verabscheut die Katze diese Fangart und bekennt sich zur Anwendung der List. Sie sagt sich: warum soll ich dem Hasen nachlaufen, den ich doch nicht einhole? Viel einfacher ist es, wenn ich mir den Hasen kommen lasse.

Und unsere Mieze hat mit ihrer Fangart außerordentlichen Erfolg. Das weiß jeder Jäger, wie gefährlich gerade wildernde Katzen dem Wildstande sind.

Man sollte meinen, daß Hasen, Rebhühner und anderes Wild nur die Stellen zu meiden brauchten, wo eine Katze sitzt. Aber die Katze ist eine solche Meisterin in ihrer Fangart, daß sie selten ohne Erfolg bleibt.

Bricht die Dämmerung herein, so verspürt der Hase, der auch ein nächtliches Tier ist, Hunger im Magen. Er will sich deshalb auf dasFeld begeben, um sich an dem saftigen Klee und anderen Gewächsen zu laben. Zu diesem Zwecke läuft er gewisse Steige, sogenannte Pässe, entlang, wie ja auch der Mensch mit Vorliebe Straßen benutzt. Vorsichtig prüft er erst mit der Nase, ob er nicht irgendeinen Räuber entdecken kann. Aber seine Nase kann nichts Feindliches feststellen. Noch mehr verläßt sich der Hase auf sein feines Gehör. Nicht umsonst hat er die langen Löffel (Ohren). Aber auch die Ohren können ihm keine Gefahr melden. Nicht das geringste Geräusch ist zu vernehmen.

So hoppelt denn unser Lampe mit Seelenruhe seinen Paß entlang. Trotzdem ist es sein letzter Weg. Denn hinter einer bewachsenen Erhöhung überfällt ihn blitzschnell eine verwilderte Katze und trotz seines wie Kindergeschrei klingenden Quäkens endet er bald sein Leben unter ihrem Gebiß und ihren Prankenschlägen.

Vergegenwärtigen wir uns diese Räubertätigkeit der Katze als vollendeter Schleicherin, so wird uns ihre Gestalt und ihr Verhalten vollkommen klar.

Eine Schleicherin muß scharf sehen können, ob sich das Opfer nähert. Die Katze ist daher ein Augentier, das ein scharfes Sehvermögen, aber nur einen mäßigen Geruchssinn besitzt. Die Nase braucht daher nicht so ausgebildet zu sein wie beim Hunde. Infolgedessen erscheint der Kopf rund. Das ist für eine im Gebüsch harrende Schleicherin von Vorteil, denn ein langer Kopf wäre schwerer zu verbergen.

Wer sich ferner nicht verraten will, der muß ganz geräuschlos auftreten und darf kein Zappelphilipp sein. Die Katze versteht das. Ihr Auftreten ist so geräuschlos, daß man selbst im Zimmer bei schärfster Aufmerksamkeit das Gehen einer Katze nicht hört.

Jetzt verstehen wir ihren runden Rücken, der dem Erdboden ganz nahe ist. Eine solche Körperform verschwimmt mit der Umgebung. Auch ihre Ruhe ist uns jetzt ganz einleuchtend. Denn Nasentiere sind für Bewegungen besonders empfindlich.

Eine im Gebüsch oder im Versteck lauernde Schleicherin muß sich mit dem geringsten Raum begnügen. Folglich ist für ihren langen Schweif kein Platz da. Demnach muß sie ihn, um ihn unterzubringen, nach vorn krümmen. An dieses Krümmen des Schwanzes nach vorn ist die Katze seit Urzeiten so gewöhnt, daß sie den Schweif auch dann so trägt, wenn sie den weitesten Raum zur Verfügung hat.

Der Hund dagegen, der krumme Wege im allgemeinen nicht liebt und deshalb auch nicht in engen Verstecken lauert, läßt seinen Schweif beim Hinsetzen in gerader Linie liegen.

Von der Bedeutung des Schweifes in der Tierwelt werden wir noch sprechen.

Der Hase war also der Schleicherin zum Opfer gefallen, weil seine Schutzmittel ihn nicht retten konnten. Seine Schnelligkeit, sein größter Vorzug, war wertlos wegen des plötzlichen Ueberfalls. Auch seine feine Nase konnte ihm die Feindin nicht anzeigen, weil diese sich wohlweislich hinter einer bewachsenen Erhöhung geduckt hatte. So konnte der Hase sie nicht riechen. Der Hase ist wie der Hund ein Nasentier. Auch das vielgerühmte Hasenohr konnte die geräuschlose und unbewegliche Räuberin nicht wahrnehmen.

Trotz ihres Nagergebisses beißen die Hasen nur ausnahmsweise. Aber selbst wenn sich der Hase gegen die Katze wehren wollte, so war er gegen die auf dem Rücken festgekrallte und festgebissene Feindin machtlos.

August besitzt, wie uns aufgefallen war, auf der Oberlippe wagerecht stehende Borsten, sogen. Schnurrhaare. Beim Hunde können wir nur einige zerstreute Haare dieser Art an dem gleichen Orte entdecken. Es ist anzunehmen, daß die Schnurrhaare für August bei seinem Räuberhandwerk irgendeinen Zweck haben. Worin dürfte dieser Zweck bestehen?

Würden wir einer Katze die Schnurrhaare abschneiden, so könnten wir die Beobachtung machen, daß sie von einer merkwürdigen Unsicherheit befallen wird. Und das mit Recht. Denn sie, die Schleicherin, liebt es, alle engen Gänge, alle Höhlungen zu untersuchen, ob nicht irgendwie etwas Beute für sie abfällt. Das Durchkriechen enger Wege kann aber leicht gefährlich werden; man kann manchmal weder vorwärts noch rückwärts. So sind kleine Affen, die in Zoologischen Gärten ausbrechen und zu diesem Zwecke sich durch enge Röhren durchzwängen wollten, steckengeblieben und elendiglich verhungert. Das kann einer Katze wie allen Tieren, die Schnurrhaare tragen, nicht gut passieren. Wird ihr Weg so eng, daß die Gefahr des Festsitzens droht, so stößt sie mit den Schnurrhaaren an. Sie fühlt das gleich und weiß: Bis hierhin und nicht weiter!

Die Schnurrhaare sind also für das Leben der Katze von der größten Wichtigkeit. Sowohl Männchen als auch Weibchen haben sie. Selbst junge Katzen besitzen sie schon, denn auch sie könnten in ihrer Neugierde in ein Loch hineinkriechen und darin steckenbleiben. Wir ersehen hieraus, daß die Schnurrhaare, die manche als Schnurrbart bezeichnen, mit unserem Schnurrbart nicht das mindeste zu tun haben. Unser Schnurrbart ziert nur Männer, fehlt also den Frauen und allen Jugendlichen. Sodann hat er nicht die elastische Eigentümlichkeit der Katzenschnurrhaare, sofort in die alte Stellung zurückzukehren.

Manche nennen diese Schnurrhaare Tasthaare. Das ist keine Verbesserung. Betrachtet man genau den Kopf einer Katze, so erblickt man oberhalb der Augen einzelne lange Haare. Das sind reine Tasthaare. Wenn eine Katze in eine dunkle Höhlung kriecht, so zeigen ihr diese Haare an, daß die Höhle zu Ende ist. Ohne diese Tasthaare würde also die Katze Gefahr laufen, mit ihrem Kopfe gegen den Hintergrund anzustoßen. Da der Kopf aller Katzen sehr fest gebaut ist, so wäre das weiter kein Unglück.

Der Hund kriecht in keine Höhlen von Brettern, Bäumen und dergleichen, sondern höchstens in Erdhöhlen. Hier kann ihm aber keine Lebensgefahr drohen. Denn sollte er wirklich einmal festsitzen, so kann er mit Hilfe seiner Grabpfoten sich leicht wieder befreien, indem er die Höhle erweitert. Der Hund braucht also keine Schnurrhaare wie die Katze und besitzt sie deshalb nicht.

Bereits bei Peter (Kapitel7) wurde erzählt, daß der Hund Grab- und Rennpfoten hat. Im Gegensatz hierzu hat August als Katze einziehbare Krallen an seiner Pranke, d. h. seiner bewehrten Pfote. Das Einziehen der Krallen hat zwar den Vorzug, den Tritt unhörbar zu machen, aber zum Graben in einem harten Boden sind einziehbare Krallen nicht geeignet.

Obwohl also Hund und Katze beide früher Raubtiere waren, sehen sie deshalb sehr verschieden aus, weil sie sich auf ganz verschiedene Art ihren Nahrungserwerb suchen. Der Hund mit seiner offenen Gewalt erinnert an einen mit dröhnenden Schritten auftretenden Kürassier, während uns bei der formgefälligen Katze die Gestalt eines Tanzmeisters einfällt. Auch bei Pferden und Rindern finden wir einen ähnlichen Unterschied, obwohl beide Geschöpfe friedliche Pflanzenfresser sind und oft zusammen weiden.

»Schmeichelkätzchen« ist eine sehr bekannte Bezeichnung für einen Menschen, der sich wie eine schmeichelnde Katze bei einem anderen in Gunst setzen will. Bei August haben wir dieses Schmeicheln als Reiben an den Kleidern seiner Herrin beobachtet.

Ohne Zweifel ist das eine Art der Katzen, sich beliebt zu machen. Im Zoologischen Garten können wir das gegenseitige Reiben zwischen Löwe und Löwin oft wahrnehmen, wenn sie aneinander vorüberschreiten. Da Raubtiere sich mit ihrem großen Rachen nicht küssen können, so entspräche dieses gegenseitige Reiben einem Kusse. Das merkwürdig feine Haar der Katzen scheint für solche Zärtlichkeiten besonders geeignet zu sein.

Der Hund besitzt dagegen dieses feine Katzenhaar nicht. Er wählt daher einen anderen Weg. Er springt an uns empor. Das ist, wenn der Hund schmutzige Pfoten besitzt, und der Mensch eine saubere Hose angezogen hat, was in der Stadt sehr häufig vorkommt, für uns nicht gerade sehr angenehm. Was bezweckt der Hund mit dem Anspringen? Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß der Hund uns noch näher kommen will. Der eigentliche Mensch sitzt wohl nach seiner Auffassung im Kopfe, denn dem nähert er sich mit Vorliebe und sucht uns zu belecken. Darin bestärkt wird er wohl dadurch, daß gerade aus dem Kopfe unsere Stimme ertönt.

Bekannt ist es, daß eine Katze, die einem Menschen ihre Zuneigung durch Schmeicheln bewiesen hat, wie es August vor unseren Augen getan hat, nicht selten kurze Zeit darauf denselben Menschen kratzt, wenn dieser sie neckt. Weil das ein alter Erfahrungssatz ist, so gilt die Katze allgemein als falsch. Ist das richtig?

Allerdings kann man manchen Hund nach Belieben prügeln, und er wird trotzdem seinem Herrn anhänglich und treu sein. Man spricht daher von einer Hundedemut, weil es unseren sonstigen Erfahrungen widerspricht, daß ein Geschöpf für tägliche Prügel sich noch unterwürfig und ergeben zeigt. Wer ebenso mit einer Katze verfahren will, der kommt an die unrichtige Stelle. Der Hund ist allerdings eine Sklavennatur, dieKatze dagegen eine Herrennatur. Sich von dem Menschen prügeln zu lassen, weil dieser grade schlechter Stimmung ist, fällt der Katze nicht ein. Sie wehrt sich dagegen und kratzt den Angreifer. Der ist höchlichst erstaunt, weil er denkt: Was sich ein Hund gefallen läßt, muß sich doch auch eine Katze bieten lassen. Da das nicht der Fall ist, so schilt er die Katze als falsch.

Warum ist nun der Hund demütig wie ein Sklave, die Katze dagegen stolz wie ein Herrenmensch?

Wir wissen schon, daß wir wieder bei den wilden Verwandten nachforschen müssen, wenn wir Auskunft hierüber haben wollen. Schon früher (vgl. Kap.11) wurde davon erzählt, eine wie strenge Zucht der Leiter eines Rudels bei den Eskimohunden hält. Dieser Leiter, der sogenannte Baas, straft umgehend durch Bisse jeden, der sich irgendeine Unregelmäßigkeit zuschulden kommen läßt. Von Wolfsrudeln hören wir genau das gleiche. Als Beispiel sei folgendes angeführt. Wenn die Wölfe wandern, so tritt jeder einzelne Wolf jedesmal in die Spuren des Vordermanns, damit es den Eindruck erweckt, als sei nur ein einzelner Wolf den Weg entlanggelaufen. Wehe dem Wolfe, der aus Sorglosigkeit oder Unachtsamkeit daneben tritt. Er wird nach den übereinstimmenden Berichten von dem Leiter des Rudels, dem stärksten Wolfe, zerrissen.

Der Hund hat also seit Urzeiten einen unbeschränkten Herrn über sich gehabt, gegen den es keinen Richterspruch gab, und von dem er widerstandslos alles erdulden mußte. Nur die Gewalt, die Stärke, vermochte etwas gegen seinen Vorgesetzten anzurichten. So kennt der Hund es nicht anders, als sich alles von dem Stärkeren gefallen zu lassen.

Die Wildkatze dagegen lebt nicht in Rudeln, sondern allein. Auch unsere Katze ist daher eine Einzelgängerin geblieben. Eine Unterordnung unter einem Vorgesetzten hat sie niemals kennengelernt. Deshalb ist sie eine Herrennatur geblieben.

Falsch kann also nur der die Katze nennen, der auf dem Standpunkt steht, daß die Katze sich alles wie ein Hund gefallen lassen müsse.

Von Peter sahen wir, daß er ein Stück verwestes Fleisch im Nu hinunterschlang, während August langsam wie ein gut erzogener Mensch kaut. Für uns Menschen ist es ein naheliegender Gedanke, diese Verschiedenheit darauf zurückzuführen, daß die Katze das gesittete Essen dem Menschen abgesehen hat, während der Hund darin ein unbelehrbarer Tropf geblieben ist.

Diese Ansicht ist schon aus dem Grunde nicht wahrscheinlich, weil die Katze im Vergleich zu dem Hunde erst ein sehr junges Haustier ist. Auch hier ist die Lebensweise der Verwandten ausschlaggebend gewesen.

Wer, wie die Wildkatze, einzeln lebt, braucht sich bei der Mahlzeit nicht zu sputen. Es wird ihm deshalb kein Happen fortgenommen, und die Beute schmeckt desto besser. Wer dagegen im Rudel schmaust, wie die Wildhunde, der muß sich sputen. Sonst geht er leer aus.

Hierzu kommt noch die Verschiedenheit des Gebisses. Die Katze mitihrem kleinen Gebiß kann gar nicht so schnell schlingen, wie der Hund mit seinem großen Rachen. Wenn wir nach dem Zoologischen Garten gehen und uns die Fütterung der Raubvögel ansehen, so können wir bei ihnen den gleichen Unterschied wahrnehmen. Die Geier mit ihren großen Schnäbeln schlingen, weil sie in der Freiheit gemeinsam an demselben toten Tiere sich zu sättigen suchen, dagegen fressen die Falken und Adler gesittet, weil sie einzeln jagen, wie die Katze, auch nicht den mächtigen Schnabel der Geier besitzen.

Das vorhin erwähnte Sprichwort: Iß wie eine Katze und trink' wie ein Hund ist nicht ganz genau. Denn auch die Katze lappt das Wasser genau wie der Hund. Jedenfalls ist sie keine Säuferin, so daß es einfacher wäre zu sagen: Nimm dir beim Essen und Trinken die Katze zum Vorbild.

August hat sich nach dem Essen geputzt. Die Katze gilt als ein sehr reinliches Tier. Mit dieser Reinlichkeit ist es allerdings schwer zu vereinigen, daß das Waschen nur mit der beleckten Pfote geschieht. Von einem Kinde, das sich aus Abneigung gegen das Wasser ganz oberflächlich reinigt, sagen wir daher, daß es »Katzenwäsche« liebe.

Vergleichen wir damit das Benehmen unserer Sperlinge. Es hat vor einiger Zeit geregnet, und es sind noch einige Pfützen auf der Straße. An einer von Menschen nicht begangenen Stelle sehen wir die Sperlinge sich zu einem Bade drängen. Sie tauchen ordentlich in das Wasser ein und machen sich manchmal so gründlich naß, daß ihnen das Fliegen schwer fällt.

Warum nimmt sich August die Sperlinge nicht als Vorbild oder geht wie der Hund in das Wasser hinein, um ein erquickendes Bad zu nehmen?

Abneigung gegen die Reinlichkeit kann es nicht sein, denn das Putzen ist bei der Katze so auffällig, daß man einen Menschen, der sehr viel auf sein Aeußeres verwendet hat, als »geleckten Kater« bezeichnet.

Auch sonst ist die Katze nicht pimplig, was man im Winter, wenn Schnee und Kälte herrschen, oft genug auf den Feldern beobachten kann. Stundenlang kann sie trotz starken Frostes regungslos sitzen, so daß sie gegen Kälte ziemlich unempfindlich sein muß.

Der Grund für das Waschen mit der feuchten Pfote muß also anderswo liegen. Er dürfte in dem Bau ihrer Haare zu suchen sein. Diese sind so fein, daß nicht einmal eine Fliege auf ihnen sitzen kann.

Den Landleuten ist es längst aufgefallen, daß Fliegen, die den Hund furchtbar belästigen, der Katze fast aus dem Wege gehen. Natürlich versucht auch eine Fliege, sich auf einer Katze niederzulassen. Aber bald kommt sie dahinter, daß ihr das nicht gelingt, und sie fliegt weiter.

Bei Landleuten hört man auf Grund dieser auffallenden Erscheinung vielfach die Ansicht, daß Katzenhaare giftig seien. Das ist entschieden ein Irrtum. Denn Hunde, die beim Raufen mit Katzen das ganze Maul voll Katzenhaare bekommen, erleiden keinen Nachteil davon. Auch werdenKatzenfelle in Unmenge getragen, ohne daß man von einem gesundheitlichen Schaden hört. Im Gegenteil: Katzenfelle gelten als vortreffliches Mittel gegen allerlei Krankheiten.

Uebrigens sind die Fliegen auch ganz verschieden zudringlich zu zwei anderen Haustieren, nämlich Kühen und Ziegen. Der Kuhstall wimmelt von Fliegen, während sich im Ziegenstalle nur wenige aufhalten.

Wegen der Feinheit ihrer Haare scheint das Wasser sehr schnell auf die Haut der Katzen zu gelangen. Der Hund dagegen, der sein Naturhaar besitzt, kann stundenlang im Regen weilen, ohne im gleichen Grade durchnäßt zu werden, da ihn die Unterwolle schützt.

Hiermit steht im Einklang, daß alle Katzen es vermeiden, bei Regenwetter ins Freie zu gehen. Während ein abgehärteter Hund sich nicht durch einen strömenden Regen abhalten läßt, seinen Herrn zu begleiten, sucht die Katze ein schützendes Obdach. Auch unser August ist wie alle Katzen kein Freund von Regen.

Die Katze kann wohl schwimmen, aber sie tut es nur im Notfalle, denn sobald sie aus dem Wasser kommt, sieht sie wirklich wie eine »gebadete Katze« aus.

Von den vielen Beobachtungen auf diesem Gebiete fällt mir gerade folgende ein. Im Schilfe eines Sees zeterte und verfolgte sich ein Vogelpärchen. Die Katze von einem benachbarten Besitzer hörte das und dachte sich: Halt, hier kannst du dir wohl einen leckeren Braten holen.

Mieze kam also ganz leise angeschlichen und wartete, bis die Vögel nahe genug geflogen waren. Dann sauste sie mit einem Sprunge durch die Luft. Doch die Vögel hatten im letzten Augenblick die drohende Gefahr erkannt und sich eiligst davongemacht. Mieze konnte mit ihren Pranken keinen von ihnen fassen und fiel in den See, der ihre Jagdleidenschaft etwas abkühlte. Der Anblick der zurückkehrenden Katze mit ihrem betrübten Gesicht wegen des fehlgeschlagenen Unternehmens und mit dem pitschenassen Felle ist mir heute noch gewärtig.

Einen untrüglichen Beweis, daß Dauerregen sehr nachteilig auf Katzen wirkt, liefern uns Länder, die wie Paraguay andauernde Regenzeiten haben. Es ist in diesen Ländern bekannt, daß verwilderte Katzen während dieser Zeit sterben.

Uebrigens gibt es auch bei andern Völkern Haustiere, die sehr empfindlich gegen Nässe sind, z. B. das Kamel. Ein Freund von mir, der während des Weltkrieges im Orient tätig war, erzählte mir, daß man von dieser Eigentümlichkeit der Kamele keine Ahnung gehabt hat und sie deshalb in bester Absicht in die Schwemme getrieben habe. Die Wirkung sei verheerend gewesen, denn etwa die Hälfte der Kamele sei daran gestorben.

Das Kamel stammt aus Gegenden, wo es fast niemals regnet. Wasser am Körper ist ihm deshalb sehr nachteilig.

Aehnlich liegt die Sache bei dem Esel, von dem wir noch später sprechen werden. Pferde reitet man in die Schwemme, aber Esel nirgends.

Ein Knabe, der sich aus Pimpligkeit nicht waschen will, darf sich also niemals auf die Katze berufen. Die Katze wäscht sich deshalb nur mit der feuchten Pfote, weil Nässe ihrem Körper nachteilig ist.

Wenn man bedenkt, daß der Hund ein vortrefflicher Schwimmer ist, der gern ins Wasser geht, so scheint die Katze mit ihren feinen Haaren als Raubtier sehr benachteiligt zu sein. Warum hat die Katze nicht auch ein so vortrefflich schützendes Fell wie der Hund?

Das hat zwei Gründe. Wir haben vorhin geschildert, wie die Katze am Passe des Hasen auf ihr Opfer wartet und es erbeutet. Besäße die Katze ein Hundefell, so würde sie wie ein Hund von Fliegen belästigt werden. Sie könnte unmöglich regungslos bleiben, sondern würde, wie der Hund es tut, von Zeit zu Zeit nach den Plagegeistern schnappen oder nach Katzenart sie mit den Pranken zu verjagen suchen. Diese Bewegungen würden jedoch Geräusche verursachen, die von dem feinohrigen Lampe schon von weitem wahrgenommen werden würden. Selbst seinem schwachen Gesicht würden übrigens diese Bewegungen auffallen, da alle Nasentiere, wie wir wissen, für Bewegungen besonders empfänglich sind. Die lauernde Katze würde also um ihre Beute kommen.

Der zweite Vorteil, den die Katze von ihrem feinen Haar hat, besteht darin, daß sie in Dornendickichte eindringen kann, die dem Hund unzugänglich sind. Die Dornen halten wohl den Hund fest, weil seine Haare so widerstandsfähig sind, aber nicht die weichen Katzenhaare.

Wir sehen also, daß auch in diesem Falle, wie so häufig im Leben, Nachteile durch Vorteile auf anderem Gebiete aufgewogen werden. Für die Nässe sind die Katzenhaare ungeeignet, aber für andere Dinge passen sie besser als Hundehaare.

Mit dem besonderen Bau der Katzenhaare dürfte es zusammenhängen, daß sie sich gut zu Versuchen auf dem Gebiete der Elektrizität eignen. Es dürfte aber übertrieben sein, daß man durch Reibung eines Katzenfells elektrische Funken hervorrufen kann, wie es in manchen Büchern heißt. Wenigstens habe ich solche Funkenerzeugung noch nicht beobachten können.

Gewöhnlich heißt es, daß die Katze deshalb eine rauhe Zunge besitzt, um als Raubtier besser das Fleisch zerkleinern zu können. Ob die Stacheln auf der Zunge wirklich in einem solchen Falle von großem Nutzen sind, erscheint doch sehr zweifelhaft zu sein.

Sieht man, mit welcher Sorgfalt die Katze ihr Fell leckt, so scheint es doch wahrscheinlicher zu sein, daß die Katze, da sie Regen wie überhaupt Wasser meidet, das Fell wenigstens zu kämmen sucht. Die Stacheln würden hiernach als Ersatz für einen Kamm dienen. Gerade die Katzen in kalten Ländern brauchen einen reichlichen Haarwuchs, und dieser muß, wenn schon das Wasser von ihm ferngehalten wird, in irgendeiner Weise in Ordnung gehalten werden.

Nach unseren Begriffen kann uns das Belecken der Pfote, um damit die Haut zu bearbeiten, wie es August macht, sehr wenig gefallen. Aberwir müssen natürlich die Tiere mit einem anderen Maßstab messen als den Menschen. Wir tauchen unsere Hand in eine Schüssel Wasser und reinigen die beschmutzte Stelle oder wir nehmen zu diesem Zwecke einen Schwamm. Der Katze fehlen diese Dinge, und daher wählt sie ihre Zunge als Ersatz.

So halten auch Hundemütter und Katzenmütter ihre Jungen durch Belecken sauber. Was würde es für Umstände machen, wenn ein Hund oder eine Katze für jedes Junge – es sollen nur sechs angenommen werden – ein besonderes Bad anrichtete?

Die Zunge hat also, wie wir sahen, bei den Tieren, namentlich bei Hunden und Katzen eine ganz andere Bedeutung wie beim Menschen. Sie ersetzt dem Tier häufig die Hand. Wenn ein Hund uns seinen Dank ausdrücken will, so kann er uns nicht die Hand geben, weil er keine hat, sondern sucht uns die Hand zu belecken.

Da wir gesehen haben, wie sorgfältig August sein Fell in Ordnung gebracht hat, so wollen wir bei dieser Gelegenheit etwas näher auf den Volksglauben eingehen, wonach Besuch zu erwarten ist, wenn die Katze sich putzt.

Es ist natürlich sehr bequem zu sagen: Das ist ja fürchterlicher Unsinn. Wie kann ein aufgeklärter Mensch so etwas glauben?

So einfach liegt die Sache nicht. Ich will hier erzählen, was ich mit eigenen Augen gesehen habe.

Auf einem Jagdrevier gab es eine Unmenge wildernder Katzen, die großen Schaden anrichteten. Der Jagdaufseher, der ein hervorragender Schütze war, gab sich alle Mühe, ihre Anzahl zu verringern.

Das ist aber nicht leicht auszuführen. Die Katze merkt sehr bald, daß man ihr nachstellt, und als nächtliches Tier geht sie dann nur in der Dunkelheit auf Raub aus. Was nützt dem vortrefflichsten Schützen seine Kunst? Um zu treffen, muß man sehen können, und in der Dunkelheit ist nichts zu sehen.

Diese Verhältnisse waren mir genau bekannt. Ich war daher aufs äußerste erstaunt, als ich am hellen Nachmittage etwa gegen 4 Uhr erst eine und dann später noch zwei andere Katzen aus dem Dorfe wandern sah, um ihrer Jagdlust zu frönen. So etwas hatte ich noch nicht erlebt.

Mir ging die Sache nicht aus dem Kopfe, und ich grübelte darüber nach, was wohl die Katzen veranlaßt haben mochte, sich einer so augenscheinlichen Gefahr auszusetzen. Es war ein wunderschöner Tag, und kein Wölkchen am Himmel sichtbar. Gegen Abend änderte sich plötzlich das Bild. Es zog ein schweres Gewitter auf, und in der Nacht regnete es in Strömen.

Jetzt wurde mir das Verhalten der Katzen klar. Sie hatten den Wetterumschlag bereits gefühlt und, da sie bei Regen nicht auf Jagd ausgehen, sich entschlossen, sich lieber am hellen Tage der Gefahr auszusetzen, als auf die Jagd zu verzichten. Aehnliche Fälle habe ich noch mehrfach erlebt, so daß für mich kein Zweifel besteht, daß manche Tiere ein Vorgefühl für einen Wetterumschlag besitzen, der dem Durchschnittsmenschen abgeht.

Ein solches Vorgefühl treffen wir namentlich bei den Tieren an, denen das bevorstehende Wetter gesundheitlichen oder sonstigen Schaden bringen kann. So ist es bekannt, daß, wenn Kaninchen am Tage eifrig auf Nahrungssuche ausgehen, baldiger Regen zu vermuten ist. Denn auch das Kaninchen ist sonst ein nächtliches Tier. Ferner ist es wie die Katze empfindlich gegen Regen.

Ein besonders feines Vorgefühl finden wir bei den Vögeln, namentlich den Raubvögeln. Für den Raubvogel ist es eine Lebensfrage, rechtzeitig den eintretenden Wetterumschlag zu kennen, denn mit Flügeln, die mit Wasser beschwert sind, kann er nichts fangen, auch sind dann wenige Friedvögel zu erblicken. Es ist daher kein Wunder, daß es im Altertum, wo man die Tiere weit eifriger beobachtete als zu unseren Zeiten, eine besondere Kaste der Vogelflugdeuter, die sogenannten Auguren, gab.

Die an sich ganz richtige Beobachtung, daß gewisse Tiere einen Wetterumschlag im voraus fühlen, ist den Gebildeten dadurch unglaubwürdig geworden, weil man durch ganz haltlose Zusätze den wahren Kern verdunkelt hat. Nebenbei bemerkt wollen Leute, die an Migräne und ähnlichen Krankheiten leiden, einen solchen Wetterumschlag ebenfalls im voraus empfinden.

Das Vorgefühl kann sich natürlich nur auf die nächsten vierundzwanzig Stunden erstrecken.Es ist daher geradezu albern, wenn man alljährlich in vielen Zeitungen lesen kann: Da die Zugvögel uns sehr zeitig verlassen, so steht uns ein strenger Winter bevor. Oder das Bevorstehen von starkem Frost wird damit begründet, daß die Bienen ihre Wohnung besonders stark gegen Kälte abschließen.

Noch größer aber war die Torheit, daß man bei vielen Völkern den Schluß zog: Wenn das Tier weiß, wie das zukünftige Wetter ausschaut, so kann es überhaupt in die Zukunft sehen. Ehe man etwas Wichtiges unternahm, schaute man daher auf die Vögel, ob sie sich dem Unternehmen durch ihr Benehmen günstig oder ungünstig erwiesen.

Diesen Schluß hat man auch für das Benehmen der Katze gezogen, was natürlich Aberglauben ist. Wahr dagegen ist folgendes:

Die Katze fühlt voraus, daß für die nächsten vierundzwanzig Stunden das Wetter schön bleibt oder wenigstens kein Regen eintritt. Sie beabsichtigt daher, einen Ausflug zu machen und putzt sich daher vorher zu diesem Zwecke. Tatsächlich bleibt das Wetter an diesem Tage schön, und die in der Nähe wohnenden Lehmanns sagen daher: »Bei dem schönen Wetter wollen wir heute Schulzes besuchen.« Diesen Schulzes gehört die sich putzende Katze. Beim Eintritt der Familie Lehmann sagen sie: »Wir wußten, daß heute Besuch kommt, denn unsere Mieze hat sich so sorgfältig geputzt.« Richtig wäre es, wenn Schulzes sagten: »Unsere Mieze hat sich heute sorgfältig geputzt und ist in die Felder gegangen. Da Katzen aus Furchtvor Regen nur dann einen größeren Ausflug machen, wenn das Wetter in den nächsten Stunden schön bleibt, so war das also vorläufig anzunehmen. Bei schönem Wetter kommt leicht Besuch. Daher wundern wir uns nicht, daß ihr uns heute besucht!« Ein Kern von Berechtigung ist also in dem alten Glauben enthalten. Natürlich hätten Schulzes auch auf das Benehmen anderer Tiere hinweisen können. Wenn Bienen schwärmen oder Spinnen ihr Netz erneuern, kann man ebenfalls annehmen, daß vorläufig das Wetter schön bleibt.

Bei dem feinen Gefühl der Katze ist es sehr wahrscheinlich, daß sie die einem Erdbeben voraufgehenden schwächeren Stöße, die uns Menschen entgehen, wahrnimmt und Todesangst bekundet. In Italien hat man ja reichlich Erfahrungen mit Erdbeben. Dabei wird häufig erwähnt, daß Katzen – auch Hunde – bereits vorher mit allen Zeichen der Angst die Häuser verließen.

Wir hatten beobachtet, daß der Spitz Peter zu den Katzenfeinden gehört, aber von August nicht für voll angesehen wurde. Sie machte kaum einen Buckel. Wir fragen uns zunächst, woher der fast allgemeine Haß der Hunde gegen die Katzen stammt.

In der Tierwelt sind Abneigungen und Zuneigungen verschiedener Tierarten durchaus keine Seltenheit. Der Jäger benutzt den Uhu, unsere größte Eule, dazu, um damit die Krähen anzulocken. Sie sind sehr vorsichtig, aber in ihrem Haß gegen die Eule sind sie fast blind und können leicht geschossen werden. Auch Rinder haben, wie wir später sehen werden, eine ausgesprochene Abneigung gegen Hunde, ebenso Schweine.

Die Wut der Krähen ist begreiflich, denn in der Nacht geht der Uhu auf Raub aus und frißt mit Vorliebe Krähen. Merkwürdigerweise haben aber die schwarzen Vögel auch großen Haß gegen kleine Eulen, die ihnen selbst in der Nacht nicht das Geringste zuleide tun.

Hieraus erkennen wir deutlich, daß Tiere nicht nur ihre Feinde hassen, sondern auch die Verwandten ihrer Feinde. Genau so schreibt bei vielen Völkern die Blutrache vor, nicht nur den Feind, sondern auch seine Verwandten zu töten. Schweine und auch Rinder hassen ebenfalls den Hund nur seiner Verwandten wegen. Er selbst hat ihnen nichts getan, aber sein Vetter Wolf ist ihr schlimmster Feind.

Hat nun die Katze Verwandte, die dem Hunde gefährlich werden? Gewiß, Leopard und Jaguar sind die schlimmsten Hundefeinde. Kein Deutscher kann in Afrika sich längere Zeit einen deutschen Hund halten, denn es dauert nicht lange, und der Leopard raubt ihn.

In Deutschland war der jetzt ausgerottete Luchs, der wie eine große Wildkatze aussieht, ein großer Hundefeind. Ein deutscher Forstbeamter berichtete vor dem Kriege aus Rußland, daß sein prächtiger Jagdhund von einem Luchs überfallen und jämmerlich zerrissen wurde.

Der Hund haßt also die Katze genau wie die Krähen die kleinen Eulen. Die Katze hat ihm nichts getan, aber die großen Katzen sind seine gefährlichsten Feinde, genau wie die kleinen Eulen die Krähen in Ruhe lassen, dagegen der Uhu besonderes Verlangen nach Krähenfleisch besitzt.

Scheint einer Katze ein Hund bedenklich, so macht sie einen Buckel, faucht und hebt eine Pranke hoch. Fauchen, ebenso Speien als Vorboten der Abwehr sind verständlich, ebenso das Hochheben der Pranke, um sofort bereit zu sein, dem Gegner eins auszuwischen. Aber wozu soll der Buckel nützen?

Der große Naturforscher Darwin sieht den Zweck dieses Buckels darin, daß die Katze ihrem Feinde dadurch größer und so auch gefährlicher erscheinen soll. Da alle Hundeartigen (Kaniden) mit Vorliebe Tiere angreifen, die viel größer sind als sie selbst – z. B. Wölfe ein Pferd, einen Hirsch usw. – so kann der Buckel keinen Eindruck auf den Gegner machen, zumal er von den schwachen Augen des Gegners kaum wahrgenommen wird.

Vielmehr dürfte die Katze deshalb einen Buckel machen, um ihre schwächste Stelle zu schützen. Ein Hund, der Erfahrungen im Würgen von Katzen besitzt, packt die Katze stets am Nacken. Das weiß die Katze sehr wohl, daß der Nacken ihr gefährdetster Körperteil ist, und deshalb macht sie zu seinem Schutz einen Buckel. Deshalb flüchtet auch eine Katze nur in den seltensten Fällen. Sie weiß, daß ihr Feind sie in Kürze einholt und beim Nacken packt. Also kämpft sie lieber bis zum äußersten gegen den größten Hund. Sind mehrere Hunde vorhanden, so wirft sie sich auf den Rücken und kämpft mit allen vier Pranken.

Wir ersehen daraus, daß der Mut der Katze in Wirklichkeit nicht so außerordentlich ist, wie es den Anschein hat. Sie hat gar keine andere Wahl als mutig zu sein. Ferner fällt uns auf, daß die Katze im Kampfe gegen den Hund sich auf ihre Pranken, fast niemals auf ihr Gebiß verläßt. Blitzschnell schlägt sie mit den Pranken, namentlich nach der Nase, die, wie wir wissen, höchst empfindlich ist. Mit ihrem kleinen Gebiß könnte sie gegen den großen Rachen des Hundes wenig ausrichten.

Unter den Hunden gibt es Draufgänger, die durch Wunden nur noch wütender werden. Solchen geht auch eine starke Katze aus dem Wege, während sie weiß, daß die große Mehrzahl ihrer Feinde nur blafft, aber sich ihren Prankenhieben nicht aussetzt.

Zu den Draufgängern unter den Hunden gehören Dachshunde, Terriers, insbesondere Bullterriers, Bulldoggen und überhaupt manche Doggen, sowie zahlreiche rasselose Dorfhunde. Den Hund ganz allgemein als feige zu bezeichnen, dürfte irrig sein.

Die Kraft der Katze erkennt man daran, daß sie einen schweren Hasen über einen Zaun schleppen kann.

Die Frage, warum August seine Herrin, die er so gern hat, nicht beim Einholen begleitet hat, wie es doch alle Hunde so gern tun, will ichdadurch beantworten, daß ich von meinem Erlebnis mit dem »Katzenmann« erzähle.

Vor dem Kriege konnte man in Berlin in der Nähe der Potsdamer Brücke häufig einen Herrn sehen, der mit einer Katze spazieren ging und deshalb Katzenmann genannt wurde. Ich habe ihn oft getroffen, hatte aber jedesmal wichtige Dinge eiligst zu erledigen, so daß ich seine Bekanntschaft nicht machen konnte. Endlich traf ich ihn in einer vegetarischen Speiseanstalt, wo er häufiger Mittagsgast war. Ich habe mich mit ihm bekanntgemacht und mich nach seinen Katzen und seinen Erfahrungen, die er mit ihnen gemacht hat, erkundigt.

Seine Augen glänzten, als er mir von seinen Lieblingen erzählte. Selbstverständlich besaßen sie alle hervorragende Eigenschaften.

Ich freue mich sehr, wenn ich einen wirklichen Tierfreund kennen lerne. Aber man darf doch nicht alles bei den Tieren nur in rosarotem Lichte erblicken.

Ich habe den Katzenmann mehrfach heimlich beobachtet und wurde in meiner Ansicht bestärkt, daß selbst der größte Katzenfreund es niemals durchsetzen wird, mit einer Katze genau wie mit einem Hunde spazieren zu gehen. Der Katzenmann hatte seine Katze an einer Strippe. Das war natürlich nötig, weil ihm sonst die Katze einfach fortgeklettert wäre. So suchte sie nun das Klettern im Bereiche der Strippe auszuüben. Die Katze die Treppe hinunterzubringen, war ein wahres Kunststück, was lange Zeit in Anspruch nahm. Auf der Straße verbarg sich das Tier hinter jedem geeigneten Gegenstand, namentlich hinter jedem Kellerhals. Mit großer Mühe konnte sie erst jedesmal von ihrem Herrn losgebracht werden. So nahm die kleine Strecke von der Potsdamer Brücke bis zur Matthäikirchstraße wohl eine halbe Stunde in Anspruch. Hinter der Kirche steht auf der Rasenfläche ein Gebüsch. Hierhinein verkroch sich die Katze und konnte trotz aller Anstrengungen ihres Herrn nicht wieder herausgebracht werden. Ich habe sehr lange Zeit gewartet, mußte aber schließlich gehen, um übernommene Verpflichtungen zu erfüllen. Jedenfalls war ich mir klar darüber, daß das Spazierengehen mit Katzen nur für solche Leute in Betracht kommt, die furchtbar viel Zeit übrig haben. Denn es ist stets eine Reise mit Hindernissen.

Viel schlimmer aber ist es, daß der Katzenfreund glaubt, seinem Lieblinge eine große Freude zu bereiten, während es in Wirklichkeit schon an Tierquälerei grenzt.

Die Katze fühlt sich nur dort wohl, wo sie sich durch Klettern vor den ihr drohenden Gefahren schützen kann. Wenn auch die meisten Großstadthunde keinen ernstlichen Kampf mit einer starken Katze wagen, so gibt es auch hier Ausnahmen. Die Katze, die der Katzenmann bei sich führte, war nun noch ein junges, und eher schwächliches als kräftiges Tier. Es war daher kein Wunder, daß sie sich auf der Straße vor Hunden fürchtete. Jede Katze hat den natürlichen Wunsch, ihre schwache Seite, den Nacken mit dem Rücken, zu schützen, und stellt sich ihrem Feinde stets so, daß der Rücken gedeckt ist. Deshalb flüchtete sie hinter jeden Kellerhals. Viel willkommener war ihr natürlich noch das hohe Gebüsch.Hier hätte ihr kein Hund etwas anhaben können. Deshalb wollte sie durchaus nicht davon fort. Vielleicht ließ sich auch noch dort ein Vögelchen fangen. Es war da ein Grund mehr, sich von dem Gebüsch nicht zu trennen.

»Warum hat aber die Katze Furcht? Ihr Herr steht ihr doch zur Seite?« wird mancher fragen. Wer Katzen kennt, stellt diese Frage nicht. Ein Tier, das seit Urzeiten selbständig handelt, kann sich gar nicht in die Lage versetzen, auf Schutz und Beistand eines anderen zu rechnen. Das tut wohl der Hund, aber nicht deswegen, weil er klüger ist, sondern weil er den Schutz durch seine Artgenossen als ein in Rudeln lebendes Geschöpf für selbstverständlich hält.

Will man eine Katze durchaus im Freien bei sich haben, so soll man sie auf seine Schulter setzen, wo Katzen überhaupt furchtbar gern sitzen. Freiwillig wird uns eine Katze nur begleiten, wo sie jederzeit eine Zuflucht hat, also im Walde, an Zäunen, Gebüschen und anderen Deckungen entlang.

Es gibt verwilderte Katzen, die so stark sind, daß sie sich vor keinem Hunde fürchten. Diese denken aber nicht daran, den Menschen bei seinen Ausflügen zu begleiten.

Hiervon abgesehen will die Katze das selbst dann nicht tun, wenn er auf die Jagd geht, während Hunde dann vor Freude außer Rand und Band sind. Wir sind der Katze zu laut, zu tolpatschig und reden zu viel. Bedenken wir, wie lautlos die Katze auftritt, welche federnde Bewegungen sie besitzt und wie schweigsam sie sich verhält, so können wir ihr nicht Unrecht geben.

Wir wollen jetzt von August, dem Kater im Kohlenkeller, Abschied nehmen und ein befreundetes Katzenfräulein aufsuchen, um die Eigenarten der Katze weiter zu beobachten. Fräulein Bachmann – das ist der Name des Katzenfräuleins – ist wie der »Katzenmann« eine große Tierfreundin und namentlich eine Verehrerin von Katzen. Selbst jetzt in den schlechten Zeiten hat sie sich von ihrem Kater Hans nicht trennen können. Allerdings muß jetzt Hans ebenfalls arbeiten, was aber kein Nachteil für ihn ist – im Gegenteil, ihm außerordentlich gut bekommt. In der Nachbarschaft ist nämlich ein Holz- und Kohlenplatz. Dort wird Hans abends hingebracht, damit er während der Nachtzeit Mäuse fängt.

Fräulein Bachmann, der bei ihrer auffallenden Rüstigkeit niemand ansieht, daß sie bald 60 Jahre alt wird, stellt uns das Wundertier Hans vor, und wir müssen zunächst geduldig und in Ergebenheit alle seine ans Märchenhafte grenzenden hervorragenden Eigenschaften mit anhören. Natürlich ist er von vorbildlicher Reinlichkeit, und alles an ihm ist schön.

Wir können auf Hans keinen abstoßenden Eindruck gemacht haben, denn nach nicht langer Zeit beginnt er, während er bequem auf dem Schoße seiner Herrin liegt, behaglich zu schnurren.

Dieses Schnurren entsteht nach den Angaben naturgeschichtlicher Werke durch Falten im Kehlkopf.

Der Zweck des Schnurrens wäre nicht zu verstehen, wenn die Katzen ständig allein lebten. Aber auch sie haben Zeiten, wo sie paarweise hausen. Dann ist es wichtig, daß der andere Teil weiß, sein Genosse ist in guter Stimmung. An den Mienen des regungslosen Gesichts kann er es nicht ablesen. Noch wichtiger aber ist das Schnurren für die Katze als Mutter. Sie deutet damit ihren Kindern an: Seid unbesorgt – es droht keine Gefahr! Da bei den größten Katzen von einer solchen Gefahr keine Rede sein kann, so schnurren Löwe und Tiger wahrscheinlich aus diesem Grunde nicht.

Besonders auffallend ist es, daß die Katze uns Fremde in keiner Weise beschnuppert oder zu beschnuppern versucht hat, wie es doch die beiden Hunde von Herrn Böhm, Karo und Hektor, getan haben. Hieraus sieht man wieder, daß die Katze im Gegensatz zum Hunde ein Augentier ist. Wie der Mensch es nicht nötig hat, einen Fremden erst zu beriechen, so verzichtet auch die Katze darauf. Bei dem Hunde mit seinem schwachen Gesicht ist es etwas anderes.

Sehen wir unsere eigene Katze im Freien, so brauchen wir ihr nicht zu pfeifen, denn gewöhnlich hat sie uns bereits bemerkt. Dem Hunde dagegen muß man pfeifen, weil er bei seinem schwachen Gesicht seinen Herrn aus einiger Entfernung nicht erkennen kann. Auch ergibt sich das schlechte Sehvermögen des Hundes daraus, daß er seinen verlorenen Herrn meistens mit der Nase sucht. Das tut eine Katze niemals.

Unsere Bitte, den Kater einmal aus der Rückenlage fallen zu lassen, um aus eigener Wahrnehmung die allbekannte Erscheinung festzustellen, daß Katzen stets auf die Füße fallen, stößt zunächst bei Fräulein Bachmann auf heftigen Widerstand. Sie hält das geradezu für eine Tierquälerei und eine Versündigung an ihrem Liebling. Erst als ich es für ganz selbstverständlich erkläre, daß der Versuch auf dem Sopha gemacht werden soll, so daß Hans schlimmstenfalls ganz weich fällt, läßt der Widerstand von Fräulein Bachmann nach. Um zum Ziele zu gelangen, lasse ich durchblicken, daß wahrscheinlich der Versuch, wenn er geglückt ist, photographiert werden soll. Der Gedanke, daß sie und ihr Liebling für immer der Nachwelt in einer so wichtigen Angelegenheit erhalten bleiben sollen, läßt schließlich jedes Bedenken schwinden.

Wie ich es an meinen eigenen Katzen oft erprobt habe, so geschieht es auch hier. Die auf dem Rücken liegende Katze, die das Fräulein auf dem Arm hält, wird plötzlich losgelassen. Mit der größten Seelenruhe sieht man sie gleich darauf auf dem Sopha auf den Füßen stehen. Das alles geschieht so schnell, daß man den Vorgang nicht in seinen Einzelheiten mit den Augen verfolgen kann, selbst wenn man ihn mehrfach wiederholen läßt. Belehrender sind daher die Momentaufnahmen. Auf ihnen sieht man, wie die Katze es versteht, durch Einziehen des Kopfes und der Vorderbeine und seitliche Krümmung des Rückgrates ihren Schwerpunkt nach hinten zu verlegen und dann durch verschiedenartige Beugung der Beine die Drehung nach der einen oder anderen Seite zuerst vorn, dann hinten zu bewerkstelligen.

Die Beobachtung dieser Fähigkeit der Katze ist sehr alt, denn es gibt das Sprichwort: Katzen und Herren fallen immer auf die Füße.

Ein Irrtum dürfte es sein, daß die Katze mit dieser Fähigkeit ganz einzig in der Tierwelt dasteht. Noch niemals hat man einen totgefallenen Affen, Marder, Eichhörnchen u. dgl. gefunden, so daß also wahrscheinlich alle Baumkletterer bei einem Absturze, wie die Katze, auf die Füße fallen. Aehnlich liegt die Sache mit der Schwindelfreiheit der Gebirgstiere. Steinböcke, Wildziegen, Gemsen und andere Bewohner des Gebirges können in die schrecklichsten Tiefen sehen, ohne daß sie es rührt, während wir Menschen leicht vom Schwindel gepackt werden.

Jetzt soll Hans in einen dunklen Raum gebracht werden, damit wir seine Augen leuchten sehen. Augenblicklich sind bei ziemlich heller Beleuchtung seine Pupillen bis auf einen Spalt zusammengezogen, so daß fast die ganze gelbe Iris oder Regenbogenhaut sichtbar ist. Das Augenleuchten ist übrigens nicht nur eine Eigentümlichkeit der Katzen, sondern auch anderer Tiere, der Hunde, Pferde, Kühe usw. Es beruht zum Teil auf dem feineren Bau des Auges, zum Teil auf dem im Hintergrunde des Auges befindlichentapetum lucidum, d. h. Stellen, welche die Fähigkeit besitzen, stark Licht zurückzuwerfen. Die Augen leuchten, sobald sie in der Dunkelheit von einem Lichtstrahl getroffen werden.

Leider befindet sich in der Wohnung keine ganz dunkle Kammer. Wir müssen uns damit begnügen, daß Hans von seiner Herrin in den dunklen Korridor gebracht wird. Hier kann man sich deutlich davon überzeugen, daß die Augen der Katzen im Dunkeln, wenn gewisse Voraussetzungen fehlen,nichtleuchten. Es ist also ein Irrtum, wenn Eulen auf Bildern mit leuchtenden Augen dargestellt sind. Das ist nur der Fall, wenn ein Lichtstrahl in sie hineinfällt, wovon man sich im Zoologischen Garten überzeugen kann.

Der Versuch mit dem Oeffnen der Tür, um durch einen Spalt Licht in Hansens Augen fallen zu lassen, gelingt nur mäßig. Ueberhaupt ist für unsere Zwecke der sehr helle Frühlingstag recht ungünstig. Nur in dem Augenblicke, wo das Licht die Augen trifft, leuchten sie auf.

Das Augenleuchten der Tiere hat den Anlaß zu der höchst wichtigen Entdeckung des Augenspiegels gegeben.

Ein Rotschwänzchen, das sich auf dem Balkon niedergelassen hat, veranlaßt Hans zu einem sehnsüchtigen Blicke nach dem schmucken Tierchen. Zwar besteht keine Gefahr für den zutraulichen Vogel, denn die Tür ist fest geschlossen. Auch erhält er von seiner Herrin eine ernste Verwarnung. Ob sie helfen wird, muß man allerdings bezweifeln.

Der Katze ist von der Natur die Nahrung von Vogel- und Nagerfleisch bestimmt. Es ist uns natürlich sehr angenehm, daß sie Mäuse und Ratten frißt. Im Gegenteil; sie kann uns auf diesem Gebiete gar nicht genug leisten. Es will uns aber gar nicht gefallen, daß sie auch gern Hasen und Kaninchen verzehrt. Am schlimmsten aber ist es, daß sie durch ihre Vorliebe für die Singvögel zu ihrer Ausrottung beiträgt. Wiemanche brütende Nachtigall, deren Nest durch den Gesang des Männchens verraten wurde, hat in dem Magen einer Katze ihr Ende gefunden!

Die Katze ist wie geschaffen, den auf dem Erdboden oder Baume weilenden Vogel zu haschen. Ich beobachtete einmal auf dem Lande, wie eine Katze einen ausgewachsenen Sperling fing. Und gerade unser Sperling pflegt kein Dummkopf zu sein.

Alle Vögel kennen ihren grausamen Feind und machen oft den Menschen auf eine Katze aufmerksam. Beispielsweise kann man mit Sicherheit darauf rechnen, daß, wenn im Frühjahr das anhaltende Zetern der Amseln aus einem Garten ertönt, sich eine Katze hereingeschlichen hat und die Jungen gefährdet. Sie ist auch wie geschaffen zur Verzehrerin eines Vogels, da sie mit ihren Pranken den Vogel meisterhaft rupft. Man versteht, wenn man ihr zuschaut, weshalb ein Hund niemals so gierig auf Vogelfleisch sein wird. Ihm fehlt das Werkzeug, um die Federn schnell zu entfernen.

Um ihren Hans in ein besseres Licht zu rücken, erzählt uns Fräulein Bachmann von seinen vortrefflichen Leistungen als Mäusefänger. Leider können wir bei dieser Tätigkeit nicht zugegen sein, denn in der Wohnung sind keine Mäuse. Er wird, wie schon erwähnt wurde, abends nach dem Kohlenplatz gebracht. Nach den Angaben des Kohlenhändlers hat er sehr unter den Mäusen aufgeräumt, was wir schon glauben können.

Auf Bildern werden mäusefangende Katzen nicht selten so dargestellt, daß sie vor dem Mäuseloch sitzen und gewissermaßen hineinsehen. Das dürfte nicht richtig sein. Ich stimme nach meinen Beobachtungen den Schilderungen eines bekannten Naturforschers bei, von denen hier folgende Stelle ihren Platz finden möge.

Ich habe sie, schreibt er, öfters beobachtet, wenn sie so auf der Lauer sitzt, daß sie mehrere zusammenhängende Mauselöcher um sich hat. Sie könnte sich gerade vor ein am Rande des Ganzen stehendes hinsetzen und so alle leicht überschauen. Das tut sie aber nicht. Setzte sie sich vor das Loch, so würde das Mäuschen sie leichter bemerken und entweder gar nicht herausgehen oder doch schnell zurückzucken. Sie setzt sich also mitten zwischen die Eingänge und wendet Auge und Ohr dem zu, in dessen Nähe sich unter der Erde etwas rührt, wobei sie so sitzt, daß das herauskommende Geschöpf ihr den Rücken zukehren muß und desto sicherer gepackt wird. Sie sitzt so unbeweglich, daß selbst die sonst so regsame Schwanzspitze sich nicht rührt; es könnten sonst durch ihre Bewegung die Mäuschen, welche nach hinten heraus wollen, eingeschüchtert werden. Kommtvorder Katze ein Mäuschen zutage, so ist es im Augenblick gepackt; kommt eins hinter ihr heraus, wo sie es nicht sehen kann,so ist es ebenso schnell gepackt. Sie hat nicht bloß gehört, daß es heraus ist, sondern auchso genau, als ob sie es sähe, wo es ist; sie wirft sich blitzschnell herum und hat es, nie fehlend, unter den Krallen. Uebrigens vermag sie weit mehr zu leisten. Ich hatte mich bei warmer, stiller Luft in meinem Hofe auf einer Bank im Schatten der Bäume niedergelassen und wollte lesen. Da kam eins von meinen Kätzchen schnurrend und schmeichelnd heran und klettertemir nach alter Gewohnheit auf Schulter und Kopf. Beim Lesen war das störend, ich legte also ein zu solchem Zweck bestimmtes Kissen auf meinen Schoß, das Kätzchen darauf, drückte es sanft nieder, und nach zehn Minuten schien es fest zu schlafen, während ich ruhig las und um uns her Vögel sangen. Das Kätzchen hatte den Kopf, also auch die Ohren, südwärts gerichtet. Plötzlich sprang es mit ungeheurer Schnelligkeit rückwärts. Ich sah ihm erstaunt nach; da lief nordwärts von uns ein Mäuschen von einem Busch zum andern über ein glattes Steinpflaster, wo es natürlich gar kein Geräusch machen konnte. Ich maß die Entfernung, in welcher das Kätzchen die Maus hinter sich gehört hatte; sie betrug 13,5 Meter.

Das Gehör der Katze ist, wie wir aus eigener Beobachtung bestätigen können, ungeheuer fein. Sie macht uns auf die Ankunft einer Person aufmerksam, deren Schritte wir überhört hatten.

Auch der Hund hört sehr fein, wie schon früher aus der Schilderung des Jagdhundes und der beiden Spitze hervorging (Kapitel23). Man kann das oft daran erkennen, daß er plötzlich anscheinend grundlos bellt. Trotz angestrengten Horchens kann ein Mensch nicht das geringste Geräusch hören. Endlich kommt man hinter den Grund seiner Erregung. Jeder Hund hat regelmäßig einen Feind. Dieser nähert sich unserem Hause. Es ist erstaunlich, aus welcher Entfernung der Hund die Annäherung seines Feindes wahrnimmt. Der Mensch, der z. B. einen Vogelruf wahrnimmt, weiß häufig nicht, wo der Vogel sitzt und sieht sich vergeblich nach dem Tier um. Die Katze hört nicht nur, daß eine Maus kommt, sondern sie weiß auch sofort, von welcher Stelle sie kommt.

Man hat sich häufig darüber gewundert, daß die Katzen und die meisten Hunde von der Musik nichts wissen wollen. Für ihre feinen Ohren ist eben unsere Musik viel zu grell.

Um mich bei Hans und seiner Herrin beliebt zu machen, habe ich für ihn ein paar Bücklingsköpfe mitgebracht. Sie werden dankbar in Empfang genommen. Während des Fressens schüttelt Hans häufig den Kopf, was man bei fressenden Katzen nicht selten sieht. Zu schütteln ist eigentlich an dem toten Bücklingskopf nichts.

Ich erkläre mir das so. Wildkatzen fressen mit Vorliebe knochenloses Fleisch. Es ist seit Jahrtausenden bekannt, daß der Löwe, also die größte Katze, zunächst die Eingeweide frißt. Um zu den Eingeweiden zu gelangen, muß die Katze den Kopf in den Leib ihrer Beute stecken. Da ihr Fell, wie wir wissen, sehr empfindlich gegen Nässe ist, so muß sie ihren Kopf gegen die Beschmutzung mit Blut und dergleichen zu schützen suchen. Um das zu erreichen, schüttelt sie mit dem Kopfe.

Bücklinge, wie Fische überhaupt, frißt die Katze deshalb gern, weil die Wildkatzen trotz ihrer Abneigung gegen das Wasser sehr geschickte Fischfänger sind. Sie lauern regungslos am Wasser und wissen den arglosen Fisch durch einen blitzschnellen Prankenschlag aufs Land zu werfen. Hierbei machen sie sich so gut wie gar nicht naß.

Eine in der Großstadt geborene Katze zeigte mir einmal, wie festgewurzelt das Fischefangen in ihrem Triebleben haftet. Ich hatte einen Strumpf zum Baden benutzt, und, um die Seife auszuwässern, ihn in eine Wanne gelegt. Bei meiner Arbeit am Schreibtische hatte ich das schon längst vergessen, als ein Geräusch meine Aufmerksamkeit auf die Wanne lenkte. Eine meiner Katzen saß mit gespanntester Aufmerksamkeit am Rande der Wanne und suchte durch einen Prankenschlag den Strumpf hinauszuschlagen. Der dunkle Strumpf im klaren Wasser hatte also genügt, ihre von den Vorfahren ererbte Erinnerung an den Fischfang wachzurufen.

Bei dieser Gelegenheit können wir zugleich das natürliche Futter der Katze feststellen. Das vor dem Kriege in der Großstadt übliche Füttern mit Pferdefleisch kann man nicht als naturgemäß bezeichnen. Ich habe selbst erlebt, daß dauernd mit Pferdefleisch gefütterte Katzen sich wie tollwütig benahmen. Wunderbar ist das auch nicht weiter, denn das Fleisch der Mäuse und Vögel ist nicht annähernd so gehaltreich wie das Pferdefleisch.

Weil Pferdefleisch die übliche Nahrung in den Zoologischen Gärten ist, deshalb sterben auch alle Raubtiere sehr schnell, die in der Freiheit keine Pferde oder ähnliche Tiere, wie Zebras, Esel und andere Einhufer fressen. Obwohl Luchse in Deutschland heimisch waren, und die Wildkatze es noch heute ist, können sie die Fütterung mit Pferdefleisch auf die Dauer nicht vertragen. Ebenso sterben Habichte, Wanderfalken, Sperber und andere Raubvögel sehr bald, wenn sie mit Pferdefleisch gefüttert werden, obwohl diese Vögel unsere Heimat bewohnen.

Die praktischen Amerikaner sollen, wie ich gelesen habe, ihre Katzen mit Eingeweiden füttern. Das wäre sehr klug, denn die Katze hat eine ausgesprochene Vorliebe für die Eingeweide. Sollten wir also wieder einmal eine solche Nahrungsfülle haben, wie es vor dem Kriege der Fall war, dann wäre es zweckmäßig, einer Großstadtkatze, der man keine Nager oder Vögel vorsetzen kann, Fische zu geben und vom Pferde die Eingeweide.

Von den Naturforschern wird das scharfe Gebiß der Katzen sehr gepriesen, weil die Zähne infolge ihres Baues eine furchtbare Wirkung ausüben. In Wirklichkeit sieht die Sache ganz anders aus. Keine Katze verteidigt sich gegen einen Hund mit dem Gebiß. Keine Katze kann, wie schon erwähnt wurde, einen Fuchs abwürgen, was doch der nicht größere Dachshund oft tut. Keine Katze befreit sich aus einer Holzkiste, wenngleich ihre Wände dünn sind. Der Hund dagegen zerbeißt, wie wir von der Dogge Tom hörten, Kisten, die für bedeutend stärkere Raubtiere berechnet sind.

Bei den großen Katzenarten können wir genau das Gleiche beobachten. Der Löwe überläßt doch nicht den Hyänen und Schakalen die Reste seiner Beute, weil er großmütig ist, sondern weil er die starken Beinknochen nicht zerbeißen kann.

Auch unsere Hauskatze denkt nicht daran, sich mit einer anderen Katzewegen eines Knochens zu balgen, wie es doch der Hund gewohnheitsmäßig tut. Das kommt eben daher, weil der Hund mit seinem starken Gebiß spielend kräftige Knochen zerbeißt, während die Katze ihm das nicht nachmachen kann.

Gerade dadurch ist die Katze so recht in den Ruf der Naschhaftigkeit gekommen. Sie will keine Knochensammlung haben wie der Hund, sondern bevorzugt reines Fleisch, insbesondere Eingeweide. So eine zarte Rehleber ist ganz nach ihrem Geschmack. Natürlich sind wir wütend, daß uns die Katze bestiehlt und obendrein noch das nimmt, was für den Hausherrn bestimmt war.

Rehlebern sind nicht bloß für uns Menschen wohlschmeckend, sondern auch ein naturgemäßes Futter der Wildkatze. Die Katze ist also eigentlich nicht naschhaft, sondern ihre naturgemäße Nahrung umfaßt wegen ihres kleinen Gebisses Dinge, die uns besonders gut schmecken.

Gegen Salz hat die Katze eine noch größere Abneigung als der Hund.

Mäusefleisch kann nicht sehr gehaltreich sein, denn sonst könnten nicht Katzen und Eulen eine so ungeheure Anzahl davon verzehren.

Die Aehnlichkeit zwischen Katzen und Eulen besteht übrigens nicht nur in ihrer Vorliebe für Nagerfleisch. Man hat mit Recht die Eule als geflügelte Katze bezeichnet. Wie diese ist sie eine nächtliche Räuberin und gleicht ihr auch vollkommen an Lautlosigkeit.

An Ratten wagt sich nicht jede Katze. Aber die Anwesenheit einer Katze ist auch den Ratten nicht angenehm und veranlaßt sie manchmal, das ungemütlich gewordene Heim zu verlassen.

Zeigen sie sich in einem Gehöft in großer Anzahl, so bekämpft man sie erfolgreicher mit Rattenfängern, also schnellen, bissigen Hunden, wie Pinschern und Terriern, als mit Katzen.

Es mag übertrieben sein, wenn man in England und in anderen Ländern in den Katzen die größten Wohltäterinnen für die Menschheit, insbesondere für die Landwirtschaft erblickt. Aber das läßt sich nicht leugnen, daß unsere Ernten zum größten Teil von den Nagern aufgefressen werden würden, wenn wir nicht in den Katzen erfolgreiche Bundesgenossen besäßen.

Sonst macht sich die Katze noch dadurch nützlich, daß sie Schlangen tötet und Maikäfer und andere Insekten frißt. Spitzmäuse frißt sie nicht, tötet sie aber. Das muß ihr als Nachteil angerechnet werden, denn die Spitzmaus ist als ein insektenfressendes Geschöpf ein nach unseren Begriffen nützliches Tier. Wahrscheinlich frißt sie die Spitzmaus wegen ihres Moschusduftes nicht. Umgekehrt fällt es auf, daß sie Baldrian sehr liebt und sich wie berauscht auf ihm wälzt.

Wegen ihrer großen Nützlichkeit wird man ihr manche Unart oder, genauer ausgedrückt, manche uns unangenehme Eigenschaft verzeihen, so ihre angeborene Sucht, den Vögeln, insbesondere den Singvögeln, nachzustellen.

Auch hier gilt das vom Hund Gesagte: Der Mensch lebt nicht von Brot allein. Berühmte Männer haben erklärt, daß sie die Erinnerung an manche Katze im Elternhause nicht um vieles hergeben möchten.

Hans ist eine weiß und braunrötlich gefärbte Katze, wie man sie häufig sieht. Auch die Katze gehört zu den Säugetieren. Ihr Raubtiergebiß besteht aus zwölf kleinen Schneidezähnen, vier starken Eckzähnen und oben acht, unten sechs Backzähnen. Die Katze ist ebenfalls wie der Hund ein Zehengänger. Die Beine sind mäßig hoch und sind mit zurückziehbaren Krallen versehen. An den Vorderfüßen bemerken wir fünf, an den Hinterfüßen vier Zehen. Besonders auffallend ist der kugelrunde Kopf, die schon besprochenen Schnurrhaare, der lange Schwanz und das biegsame Rückgrat.

Von Rassen der Katze ist wenig zu sagen, da für uns in Deutschland nur noch die Angorakatze zu erwähnen ist. Sie zeichnet sich durch ein langes, seidenweiches Haar aus. Auch sind ihre Lippen und Fußsohlen fleischfarben.

Es besteht Streit darüber, ob unsere Hauskatze von der ägyptischen Falbkatze oder unserer heimischen Wildkatze abstammt. Jedenfalls ist die Hauskatze, verglichen mit Pferden, Hunden und anderen Haustieren, ein junges Haustier, da sie in Europa den alten Kulturvölkern, also den Griechen und Römern, unbekannt war.

Der Hund erreicht mit einem halben Jahre seine volle Größe, ebenso die Katze. Ueberhaupt dürften sie beide das gleiche Alter erleben.

Die Paarung der Katzen findet zweimal im Jahre statt, und zwar das erstemal im Januar oder Februar. Die sonst so schweigsamen Tiere stimmen jetzt ein Geschrei an, um sich gegenseitig zu finden. Für unsere Ohren klingt dieses Geschrei abscheulich, weshalb wir von diesem »Lied« der Katzen behaupten, daß es »Steine erweichen und Menschen rasend machen kann«. Ueberhaupt nennen wir eine Musik, die unsere Ohren zur Verzweiflung bringt, eine Katzenmusik.

Die Tragezeit der Katze ist um eine Woche kürzer als beim Hunde. Die Anzahl der Kleinen beträgt etwa fünf bis sechs. Hieraus ersehen wir, daß die Katze ziemlich viel Feinde haben muß. Das trifft auch zu, wie in dem Abschnitt über die Feinde der Katze geschildert werden soll. Auch die Katzenjungen können nicht gleich sehen, sondern erst in neun Tagen.

Wie die Hündin, so ist auch die weibliche Katze eine ausgezeichnete Mutter. Ihre Liebe zu ihren Kleinen ist so groß, daß sie unbedenklich das größte Opfer bringt. Für die Mutterliebe der Hündin sei hier folgender Fall angeführt. Eine Jagdhündin war von ihrem Herrn, einem Rittergutsbesitzer an der Saale, in hochträchtigem Zustande mit auf einzweiStunden entferntes, am anderen Ufer der Saale gelegenes Gut genommen worden und warf hier acht Junge. Der Besitzer, der wußte, daß sie bei seinem Freunde gut aufgehoben sei, fuhr ohne das Tier nach Hause, war aber auf das Aeußerste erstaunt, als bereits anderen Morgens vier Uhr die Hündin mit ihren acht Jungen sich bei ihm einstellte. Der Hund mußte hiernachfünfzehnmaldie Saale durchschwommen haben, um seine Lieblinge nach Hause zu bringen – abgesehen von dem dabei zurückgelegten Landweg.

Solche Fälle wie der eben geschilderte sind sehr häufig vorgekommen. Auch Katzenmütter haben Aehnliches geleistet.

Einen reizenden Anblick gewährt es, eine Katzenmutter inmitten des Kreises der Ihrigen zu beobachten. Keine Menschenmutter, schreibt ein bekannter Naturforscher, kann mit größerer Zärtlichkeit und Hingebung der Pflege ihrer Kinderchen sich widmen als die Katze. In jeder Bewegung, in jedem Laute der Stimme, in dem ganzen Gebaren gibt sich Innigkeit, Sorgsamkeit, Liebe und Rücksichtnahme nicht allein auf die Bedürfnisse, sondern auch auf die Wünsche der Kinderchen kund. Solange diese klein und unbehilflich sind, beschäftigt sich die Alte hauptsächlich nur mit ihrer Ernährung und Reinigung. Behutsam nähert sie sich dem Lager, vorsichtig setzt sie ihre Füße zwischen die krabbelnde Gesellschaft, leckend holt sie eines der Kätzchen nach dem anderen herbei, um es an das Gesäuge zu bringen, ununterbrochen bestrebt sie sich, jedes Härchen glatt zu legen, Augen und Ohren, selbst den After reinzuhalten. Noch äußert sich ihre Liebe ohne Laute: sie liegt stumm neben den Kleinen, spinnt höchstens dann und wann, gleichsam um sich die Zeit, welche sie den Kinderchen widmen muß, zu kürzen. Scheint es ihr nötig zu sein, das Lager zu wechseln, so faßt sie eines der Kätzchen mit zartester Behutsamkeit an dem faltigen Felle der Genickgegend, mehr mit den Lippen als mit den scharfen Zähnen zugreifend, und trägt es, ohne daß ihm auch nur Unbehagen erwächst, einem ihr sicherer dünkenden Orte zu, die Geschwister eilig nachholend. Ist sie sich der Freundlichkeit ihres Herrn bewußt, so läßt sie es gern geschehen, wenn dieser sie bei solcher Umlegung der Jungen unterstützt, fügt sich seinem Ermessen oder geht, bittend miauend, ihm voraus, um das ihr erwünschte Plätzchen zu zeigen. Die Jungen wachsen heran, und die Mutter ändert im vollsten Einklange mit dem fortschreitenden Wachstume allgemach ihr Benehmen gegen sie. Sobald die Aeuglein der Kleinen sich geöffnet haben, beginnt der Unterricht. Noch starren diese Aeuglein blöde ins Weite; bald aber richten sie sich entschieden auf einen Gegenstand: die ernährende Mutter. Sie beginnt jetzt, mit ihren Sprößlingen zu reden. Ihre sonst nicht eben angenehm ins Ohr fallende Stimme gewinnt einen Wohlklang, welchen man ihr nie zugetraut hätte; das »Miau« verwandelt sich in ein »Mie«, in welchem alle Zärtlichkeit, alle Hingebung, alle Liebe einer Mutter liegt; aus dem sonst Zufriedenheit und Wohlbehagen oder auch Bitte ausdrückenden »Murr« wird ein Laut, so sanft, so sprechend, daß man ihn verstehen muß als den Ausdruck der innigsten Herzensliebe zu der Kinderschar. Bald auch lernt diese begreifen, was der sanfte Anruf sagen will: sie lauscht, sie achtet auf denselben und kommt schwerfällig, mehr humpelnd als gehend, herbeigekrochen, wenn die Mutter ihn vernehmen läßt. Die ungefügen Glieder werden gelenker, Muskeln, Sehnen und Knochen fügen sich allgemach dem erwachenden und rasch erstarkenden Willen: ein dritter Abschnitt des Kinderlebens, die Spielzeit der Katze, beginnt. Diese Spielseligkeit der Katze macht sich schon in frühester Jugend bemerklich, und die Alte tut ihrerseits alles, sie zu unterstützen. Sie wird zum Kinde mit den Kindern, aus Liebe zu ihnen, genau ebenso,wie die Menschenmutter sich herbeiläßt, mit ihren Sprößlingen zu tändeln. Mit scheinbarem Ernst sitzt sie mitten unter den Kätzchen, bewegt aber bedeutsam den Schwanz. Die Kleinen verstehen zwar diese Sprache ohne Worte noch nicht, werden aber gereizt durch die Bewegung. Ihre Aeuglein gewinnen Ausdruck, ihre Ohren strecken sich. Plump täppisch häkelt das eine und andere nach der sich bewegenden Schwanzspitze; dieses kommt von vorn, jenes von hinten herbei, eines versucht über den Rücken wegzuklettern und schlägt einen Purzelbaum, ein anderes hat eine Bewegung der Ohren der Mutter erspäht und macht sich damit zu schaffen, ein fünftes liegt noch unachtsam am Gesäuge. Die gefällige Alte läßt, mit mancher Menschenmutter zu empfehlender Seelenruhe, alles über sich ergehen. Kein Laut des Unwillens, höchstens gemütliches Spinnen macht sich hörbar. Solange noch eines der Jungen saugt, wird es verständnisvoll bevorzugt; sobald aber auch dieses sich genügt hat, sucht sie selbst die kindischen Possen, zu denen bisher nur die sich bewegende Schwanzspitze aufforderte, nach Kräften zu unterstützen. Bald liegt sie auf dem Rücken und spielt mit Vorder- und Hinterfüßen, die Jungen wie Fangbälle umherwerfend; bald sitzt sie mitten unter der sich balgenden Gesellschaft, stürzt mit einem Tatzenschlage das eine Junge um, häkelt das andere zu sich heran und lehrt durch unfehlbare Griffe der trotz aller Unruhe achtsamen Kinderschar sachgemäßen Gebrauch der krallenbewehrten Pranken; bald wieder erhebt sie sich, rennt eiligen Laufes eine Strecke weit weg und lockt dadurch das Völkchen nach sich, offenbar in der Absicht, ihm Gelenkigkeit und Behendigkeit beizubringen. Nach wenigen Lehrstunden haben die Kätzchen überraschende Fortschritte gemacht. Von ihren gespreizten Stellungen, ihrem wankenden Gange, ihren täppischen Bewegungen ist wenig mehr zu bemerken. Im Häkeln mit den Pfötchen, im Fangen sich bewegender Gegenstände bekunden sie bereits merkliches Geschick. Nur das Klettern verursacht noch Mühe, wird jedoch in fortgesetztem Spiele binnen kurzem ebenfalls erlernt. Nunmehr scheint der Alten die Zeit gekommen zu sein, auch das in den Kinderchen noch schlummernde Raubtier zu wecken. Anstatt des Spielzeuges, zu welchem jeder leicht bewegliche Gegenstand dienen muß, anstatt der Steinchen, Kugeln, Wollflecken, Papierfetzen und dergleichen, bringt sie eine von ihr gefangene, noch lebende und möglich wenig verletzte Maus oder ein erbeutetes, mit derselben Vorsicht behandeltes Vögelchen, nötigenfalls eine Heuschrecke in das Kinderzimmer. Allgemeines Erstaunen der kleinen Gesellschaft, doch nur einen Augenblick. Bald regt sich die Spiellust mächtig, kurz darauf auch die Raublust. Solcher Gegenstand ist denn doch zu verlockend für das bereits wohlgeübte Raubzeug. Er bewegt sich nicht bloß, sondern leistet auch Widerstand. Hier muß derb zugegriffen und festgehalten werden; soviel ergibt sich schon bei den ersten Versuchen, denn die Maus entschlüpfte dem jungen Kätzchen, das sie doch sicher gefaßt zu haben vermeinte, überraschend schnell und konnte nur durch die achtsame Mutter an ihrer Flucht gehindert werden. Der nächste Fangversuch fällt schon besser aus, bringt aber einen empfindlichen Biß ein: Miezchen schüttelt bedenklich das verletzte Pfötchen. Doch schon hat Hänschen die Unbill gerächt und den Nager so fest gepackt, daß kein Entrinnen mehr möglich ist. So bildet sich das Kätzchen allmählich zur vollendeten Mäusefängerin heraus.


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