13.

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Drei Tage lang wanderten wir und konnten keine Arbeit bekommen, wir mußten im Gegenteil für Essen und Trinken bezahlen und wurden mit jedem Mal ärmer.

Was ist jetzt dir und mir noch geblieben? Auf diese Weise kommen wir nicht vorwärts, sagte Falkenberg und schlug vor, wir müßten anfangen ein wenig zu stehlen.

Wir überlegten uns das eine Weile und beschlossen noch abzuwarten. Um das Essen brauchte uns nicht Angst zu sein, ein oder zwei Hühner konnten wir uns immer mausen; aber uns war nur mit Geld richtig geholfen, und so mußten wir uns eben Geld verschaffen. Ging es nicht auf die eine Art, dann mußte es eben auf eine andere gehen, wir waren keine Engel.

Ich bin kein Engel des Himmels, sagte Falkenberg. Hier sitze ich nun in meinen besten Kleidern, die ein anderer als Werktagskleider tragen würde. Ich wasche sie im Bach und warte, bis sie trocken sind, und wenn sie zerreißen, flicke ich sie zusammen, und verdiene ich einmal ein wenig mehr als das Nötigste, dann kaufe ich mir neue. Anders ist es nun einmal nicht.

Aber Jung-Erik sagte, du seist ein so übler Trinker?

Der grüne Spatz! Ja, gewiß trinke ich. Essen allein ist so langweilig ..... Jetzt wollen wir einmal einen Hof mit einem Klavier suchen.

Ich dachte mir: ein Klavier auf einem Hof setzt einen gewissen allgemeinen Wohlstand voraus, dort werden wir also mit dem Stehlen anfangen.

Am Nachmittag kamen wir zu einem solchen Hof. Schon vorher hatte Falkenberg meine städtischen Kleider angezogen und mir sein Bündel zu tragen gegeben, so daß er selbst frei und ledig dahinging. Ohne weiteres stieg er sofort die Haupttreppe des Hauses hinan und blieb eine Zeitlang fort. Als er wieder herauskam, sagte er: Ja, er solle das Klavier stimmen.

Wassolle er?

Schweig, sagte Falkenberg. Ich habe das früher schon getan, ich schneide nicht auf.

Und als er aus seinem Bündel einen Stimmschlüssel hervorzog, wurde mir klar, daß es ihm ernst war.

Mir befahl er, mich in der Nähe des Hofes aufzuhalten, während er stimmte.

Ich schlenderte umher und vertrieb mir die Zeit, manchmal, wenn ich an die Südseite des Hauses kam, hörte ich, wie Falkenberg an dem Klavier beschäftigt war und es bearbeitete. Er konnte keinen ordentlichen Ton anschlagen, aber er hatte ein gutes Gehör; wenn er an einer Saite schraubte, paßte er gut auf, daß er sie wieder genau so weit zurückschraubte, wie sie früher gewesen war. Das Instrument wurde auf die Weise wenigstens nicht schlechter als vorher.

Ich kam mit einem der Knechte des Hofes, einem jungen Burschen, ins Gespräch: Er habe zweihundert Kronen Lohn im Jahre — ja, und dann die Kost, sagte er. Um halb sieben Uhr morgens müsse er aufstehen, um die Pferde zu füttern, während der Felderbestellung um halb sechs. Arbeit den ganzen Tag über, Feierabend um acht Uhr. Aber er sei gesund und zufrieden bei dem ruhigen Leben in dieser kleinen Welt. Ich erinnere mich noch an seine schönen Zähne und an das hübsche Lächeln, mit dem er von seinem Mädchen sprach. Er hatte ihr einen Silberring mit einem goldenen Herzen darauf geschenkt.

Was sagte sie, als du ihr den Ring gabst?

Sie war sehr erstaunt, das kannst du dir denken.

Und was sagtest du?

Was ich sagte? Das weiß ich nicht. Ich sagte: Wohl bekomm’s. Eigentlich wollte ich ihr auch einen Kleiderstoff geben, aber —

Ist sie jung?

Ja. Sie schwätzt genau wie eine kleine Mundharfe, so jung ist sie.

Wo wohnt sie denn?

Das sage ich nicht. Denn dann wird es in der Gemeinde bekannt.

Wie ein Alexander stand ich vor ihm und war der Welt so sicher und verachtete sein armseliges Leben ein wenig. Als wir uns trennten, schenkte ich ihm die eine meiner wollenen Decken, weil sie so schwer zu tragen war; er erklärte sofort, daß sein Mädchen sie bekommen solle, damit sie eine warme Decke habe.

Und Alexander sagte: Wäre ich nicht ich, wollte ich du sein .....

Als Falkenberg mit seiner Arbeit fertig war und wieder herauskam, hatte er so feine Gesten und eine so dänische Aussprache, daß ich ihn beinahe nicht verstand. Die Tochter des Hauses begleitete ihn. Wir sollten jetzt auf dem Nachbarhof anfragen, sagte er, dort sei gewiß auch ein Klavier, das nachgesehen werden müsse. Ja, leben Sie wohl, leben Sie wohl, mein Fräulein!

Sechs Kronen, Junge! flüsterte er mir zu. Auf dem Nachbarhof sechs, macht zwölf.

So gingen wir weiter, und ich trug unsere Bündel.


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