14.

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Falkenberg hatte richtig gerechnet, man wollte auf dem Nachbarhof nicht zurückstehen, das Klavier sollte gestimmt werden. Die Tochter des Hauses war auf einem Ausflug, aber die Arbeit sollte in ihrer Abwesenheit als eine kleine Überraschung für sie ausgeführt werden. Sie hatte sowieso schon oft über das verstimmte Klavier geklagt, auf dem es fast nicht mehr möglich war zu spielen. Ich wurde wieder mir selbst überlassen, Falkenberg hielt sich im Zimmer auf. Als es dunkel wurde, bekam er Licht und stimmte weiter. Sein Abendessen verzehrte er drinnen, nach der Mahlzeit kam er heraus und verlangte seine Pfeife.

Welche Pfeife?

Dummkopf! Die Faust!

Ungern gab ich meine kunstvolle Pfeife her, sie war gerade fertig geworden, war mit dem Nagel, dem goldenen Ring und einem langen Rohr versehen.

Daß der Nagel nicht zu heiß wird! flüsterte ich, er könnte sich vielleicht werfen.

Falkenberg zündete die Pfeife an, protzte damit und ging hinein. Aber er sorgte auch für mich gut und verlangte Essen und Kaffee für mich in der Küche.

Ich suchte mir einen Schlafplatz im Heu.

Nachts wachte ich auf, Falkenberg stand mitten in der Scheune vor mir und rief mich an. Es war Vollmond und klares Wetter, deutlich sah ich das Gesicht meines Kameraden.

Was ist los?

Da hast du deine Pfeife.

Die Pfeife?

Ja, nicht um alles in der Welt möchte ich sie länger behalten. Sieh her, der Nagel löst sich ab.

Ich nahm die Pfeife und sah, daß der Nagel sich aufgebogen hatte.

Falkenberg sagte:

Sie grinste mich gleichsam im Mondschein an. Und da fiel mir ein, woher der Nagel gekommen war.

Glücklicher Falkenberg .....

Als wir am nächsten Morgen weitergehen wollten, war die Tochter des Hauses heimgekommen. Wir hörten sie einen Walzer auf dem Klavier hämmern, kurz danach kam sie heraus und sagte: Ja, das ist jetzt ein Unterschied! Vielen Dank.

Sind Sie zufrieden, mein Fräulein? fragte der Meister.

Ja. Das ist jetzt etwas ganz anderes.

Und wohin sollen wir jetzt gehen? Was würden Sie uns raten?

Nach Övrebö, zu Falkenbergs.

Zu wem?

Zu Falkenbergs. Sie folgen von hier aus der geraden Straße, und wenn Sie anderthalb Viertelmeilen weit gekommen sind, steht rechts ein Pfosten. Dort gehen Sie den Hang hinauf.

Da setzte sich Falkenberg einfach auf die Treppe hin und fragte das Fräulein kreuz und quer über Falkenbergs auf Övrebö aus. Nein, daß er hier auf seine Verwandten treffen und sozusagen heimkommen sollte! Vielen, vielen Dank, Fräulein. Das war ein großer Dienst, den Sie mir da geleistet haben.

Dann gingen wir wieder weiter, und ich trug die Bündel.

Als wir in den Wald gekommen waren, setzten wir uns hin und überlegten. War es ratsam, daß ein Falkenberg als Klavierstimmer zum Kapitän auf Övrebö kam und ein Verwandter von ihm war? Ich war am besorgtesten und machte auch Falkenberg unsicher. Aber es konnte ja auch lustig werden.

Hatte er denn nicht Zeugnisse bei sich, in denen sein Name stand?

Doch, aber zum Teufel, dort steht ja nur, daß ich ein brauchbarer Arbeiter bin.

Wir dachten nach, ob wir die Zeugnisse ein wenig fälschen könnten; aber es war vielleicht besser, ein ganz neues zu schreiben. Es konnte von einem Klavierstimmer von Gottes Gnaden handeln und auf den Namen Leopold statt Lars lauten. Das stand uns frei.

Kannst du so ein Zeugnis schreiben? fragte er.

Ja, das kann ich.

Jetzt aber begann meine arme, unbändige Phantasie mit mir durchzugehen und alles ins Scherzhafte zu treiben. Klavierstimmer, das war nichts, ich wollte ihn zum Mechaniker machen, zu einem Genie, das schwere Aufgaben gelöst hatte, er sollte eine Fabrik —

Ein Fabrikant braucht keine Zeugnisse, unterbrach mich Falkenberg und wollte nicht mehr auf mich hören. Nein, es war wohl überhaupt nichts zu machen.

Mißmutig und niedergeschlagen gingen wir weiter und kamen an den Pfahl.

Du gehst also nicht hinauf? sagte ich.

Geh du hinauf, antwortete Falkenberg hitzig. Da hast du deine Kleiderfetzen wieder.

Als wir jedoch an dem Pfosten vorbeigekommen waren, verlangsamte Falkenberg seine Schritte und murmelte:

Es wäre aber doch zu ärgerlich, wenn nichts daraus werden sollte. So eine gute Gelegenheit.

Ich finde doch, du solltest hinaufgehen und die Leute begrüßen. Es ist ja gar nicht unmöglich, daß du doch mit ihnen verwandt bist.

Schade, daß ich nicht erfahren konnte, ob er einen Neffen in Amerika hat.

Hättest du in diesem Fall englisch sprechen können?

Schweig, sagte Falkenberg, halts Maul. Ich möchte wissen, warum du dich so aufspielst.

Er war nervös und zornig und begann auszuschreiten. Plötzlich blieb er stehen und sagte:

Ich tu es. Leih mir deine Pfeife wieder. Ich werde sie nicht anzünden.

Wir gingen die Anhöhe hinauf. Falkenberg tat groß, deutete mit der Pfeife umher und sprach sich über die Lage des Hofes aus. Es ärgerte mich ein wenig, daß er so hochmütig einherging und mich die Bündel tragen ließ. Ich sagte:

Willst du hier wieder den Klavierstimmer machen?

Ich dächte, ich hätte bewiesen, daß ich ein Klavier stimmen kann, erwiderte er kurz. Das also kann ich.

Aber wenn nun die Frau des Hauses sich ein wenig darauf versteht? Und wenn sie das Klavier hinterher nachprüft?

Falkenberg verstummte, ich sah, wie er überlegte. Nach und nach sank seine Brust zusammen, und er ging gebeugt weiter.

Es ist vielleicht doch nicht ratsam. Da, nimm deine Pfeife wieder, sagte er. Wir gehen hinauf und fragen recht und schlecht nach Arbeit.


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