2.

2.

Heute morgen ging hier ein Mann an Land, er kam, um das Haus anzustreichen. Da aber die alte Gunhild so uralt ist und von der Gicht so geplagt wird, läßt sie ihn zuerst einige Tage lang Holz für den Herd klein machen. Ich selbst habe ihr oft angeboten, dieses Holz zu hacken; aber sie fand, daß ich zu feine Kleider habe, und wollte mir um keinen Preis die Axt ausliefern.

Der fremde Maler ist ein kleiner, gedrungener Mann mit rotem Haar und ohne Bart; ich beobachte ihn durch das Fenster bei seiner Arbeit, um zu sehen, wie er es macht. Ich entdecke, daß er mit sich selbst redet, schleiche aus dem Haus und lausche seinem Selbstgespräch. Wenn er daneben hackt, bleibt er ganz geduldig und ruhig; stößt er sich aber die Knöchel an, dann wird er ärgerlich und sagt Teufel! Teufelszeug! worauf er sich dann plötzlich umsieht und zu summen anfängt, um zu verbergen, was er gesagt hat.

Doch, ich erkenne den Maler wieder. Aber das ist, der Teufel hol’ mich, kein Maler, es ist Grindhusen, einer meiner Kameraden vom Wegbau in Skreia.

Ich gehe zu ihm hin, gebe mich zu erkennen und schwätze mit ihm.

Viele, viele Jahre ist es her, seit wir, Grindhusen und ich, Wegarbeiter waren, es war in unserer grünen Jugend; in den kläglichsten Schuhen tanzten wir die Wege entlang und verschlangen, was uns unterkam, wenn wir überhaupt Geld hatten! Blieb uns aber außerdem noch etwas übrig, dann gab es die ganze Samstagnacht hindurch Tanz für die Mädchen, ein großer Schwarm unserer Arbeitsgenossen beim Wegbau hängte sich an uns, und die Frau im Haus verkaufte Kaffee, daß sie reich davon wurde. Dann arbeiteten wir wieder die ganze Woche hindurch mit Lust und Liebe und sehnten uns nach dem Samstag.

Konnte er sich der Tage in Skreia erinnern?

Er sieht mich an und betrachtet mich und ist zurückhaltend, es dauert eine kleine Weile, bis er sich mit mir an unsere Erlebnisse erinnern will.

Doch, er erinnert sich an Skreia.

Und weißt du noch Anders Fila und die Spirale? Und erinnerst du dich an Petra?

Welche von ihnen?

Petra, die deine Liebste war.

Ja, an die erinnere ich mich schon noch. Ich blieb schließlich an ihr hängen.

Grindhusen beginnt wieder zu hacken.

So, du bliebst an ihr hängen?

Na ja freilich. Es sollte eben nicht anders sein. Was ich sagen wollte, du hast dich offenbar tüchtig herausgemacht, soviel ich sehe?

Wieso? Die Kleider? Hast du denn nicht auch Sonntagskleider?

Was hast du dafür bezahlt?

Ich weiß es nicht mehr, aber es war nicht viel, ich könnte es nicht so genau sagen.

Grindhusen sieht mich erstaunt an und lacht.

Weißt du nicht mehr, was du für die Kleider bezahlt hast? Dann wird er ernst, schüttelt den Kopf und sagt: O nein, das weißt du wohl nicht mehr. So ist es, wenn einer viel Geld hat.

Die alte Gunhild kommt aus der Stube, und da sie sieht, daß wir die Zeit hier beim Hackstock verschwätzen, befiehlt sie Grindhusen, mit dem Anstreichen zu beginnen.

Ja so, du bist jetzt Maler geworden, sagte ich.

Grindhusen antwortet nicht darauf, und ich verstehe, daß ich im Beisein anderer etwas Ungeschicktes gesagt habe.


Back to IndexNext