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Ich hatte nun die meisten Teile meiner Säge fertig und konnte sie zusammensetzen und ausprobieren. Bei der Scheunenbrücke stand noch der Stumpf einer vom Wind umgebrochenen Espe. Ich befestigte den Apparat an diesem Stumpf und überzeugte mich sofort, daß die Säge schnitt. Nun also, schweigt stille, Ihr Kleinen, die Aufgabe ist gelöst! Als Sägeblatt hatte ich mir ein Ungeheuer von einer Zimmermannssäge gekauft, die ich dann am ganzen Rücken mit Zähnen versah; diese Zähne griffen während des Sägens in ein kleines Zahnrad ein, das wegen der Reibung angebracht war und von der Feder vorgedrückt wurde. Die Druckfeder hatte ich ursprünglich aus einer breiten Korsettschiene hergestellt, die ich von Emma bekommen hatte; es zeigte sich aber bei den Proben, daß sie zu schwach war, so spannte ich mir eine neue Feder aus einem Sägeblatt, das nur sechs Millimeter breit war, und an dem ich zuvor die Zähne abgeschliffen hatte. Diese neue Feder aber drückte zu stark. Da mußte ich mir helfen, so gut es eben ging, ich zog die Feder nur halb auf und spannte sie, wenn sie abgelaufen war, immer wieder nur zur Hälfte.

Leider waren meine theoretischen Kenntnisse ungenügend. Ich mußte allerlei Versuche anstellen, und das hinderte mich sehr in meiner Arbeit. Auf diese Weise hatte ich auch die konische Auswechslung, die zu schwerfällig arbeitete, vollständig verwerfen und den ganzen Apparat nach einem einfacheren System umbauen müssen.

Es war ein Sonntag, als ich meine Maschine an dem Espenstumpf befestigte; das neue, weiße Holzwerk und das schimmernde Sägeblatt blinkten in der Sonne. Bald zeigten sich Gesichter in den Fenstern, und der Kapitän kam heraus. Er antwortete nicht einmal, als ich grüßte, so starr sah er schon im Näherkommen auf die Maschine.

Nun, wie macht es sich?

Ich ließ die Säge arbeiten.

Sieh, sieh, wahrhaftig —!

Die gnädige Frau und Fräulein Elisabet kamen heraus, alle Mädchen kamen heraus, Falkenberg kam heraus. Und ich ließ die Säge arbeiten. Nun also, schweigt jetzt nur stille, Ihr Kleinen alle!

Der Kapitän sagte:

Dauert es nicht zu lange, bis man diesen Apparat jeweils am Baum befestigt hat?

Man wird durch ein weit leichteres Arbeiten etwas von der Zeit wieder einholen. Hier wird man niemals ausschnaufen müssen.

Warum nicht?

Weil derDruck gegen die Seitevon einer Feder besorgt wird. Dieser Druck gerade ermüdet am meisten.

Und die übrige Zeit?

Ich habe vor, die ganze Schraube wegzulassen und an ihrer Stelle eine Zwinge zu setzen, die durch ein paar Schläge mit dem Rücken der Axt befestigt werden kann. Die Zwinge hat eine Reihe von Haken und kann an Bäumen der verschiedensten Stärke angebracht werden.

Ich zeigte ihm den Aufriß einer solchen Zwinge, die ich bisher noch nicht hatte fertig machen können.

Der Kapitän setzte eigenhändig die Säge in Gang und prüfte, wieviel Kraft sie erforderte. Er sagte:

Es fragt sich, ob es nicht zu schwer wird, eine Säge zu ziehen, die eine gewöhnliche Baumsäge in der Breite um mehr als das Doppelte übertrifft.

Freilich, sagte Falkenberg. Das kann man sich ja denken.

Alle sahen Falkenberg und dann mich an. Jetzt mußte ich reden.

Ein einzelner Mann kann einen vollgeladenen Güterwagen auf den Schienen bewegen, antwortete ich. Hier aber ziehen zwei Männer eine Säge auf zwei Rollen hin und her, die wiederum auf geölten Stahlachsen laufen. Diese Säge wird bedeutend leichter zu ziehen sein als die alte, zur Not kann sie auch von einem Einzelnen gehandhabt werden.

Das halte ich für beinahe unmöglich.

Wir werden sehen.

Fräulein Elisabet fragte halb im Scherz:

Aber sagen Sie nun mir, die ich nichts davon verstehe, warum ist es nicht am besten, die Bäume quer abzusägen wie in früheren Zeiten?

Er möchte den Seitendruck beim Sägen aufheben, erklärte der Kapitän. Diese Säge, die horizontal schneidet, braucht nicht anders gehandhabt zu werden, wie eine senkrecht schneidende Säge. Stellen Sie sich doch vor: Sie drücken nach unten, und es wirkt nach der Seite hin. Sagen Sie, wandte er sich an mich, glauben Sie nicht, daß man das Sägeblatt an den Enden zu sehr hinunter biegt und dadurch den Schnitt konvex macht?

Das verhindern erstens diese beiden Rollen, auf denen die Säge liegt.

Das hilft ein wenig, ja. Und zweitens?

Zweitens ist es unmöglich, mit diesem Apparat einen konvexen Schnitt zu machen, selbst wenn man wollte. Das Sägeblatt hat nämlich einen T-förmigen Rücken, der es tatsächlich unbiegsam macht.

Ich glaube, der Kapitän erhob einige seiner Einwände wider besseres Wissen. Er hätte sie mit seinen Kenntnissen selbst besser beantworten können als ich. Dagegen übersah er andere Dinge, die mir jedoch Sorge bereiteten. Eine Maschine, die im Wald herumgeschleppt werden sollte, durfte keine empfindliche Vorrichtung sein. So fürchtete ich zum Beispiel, die beiden Stahlachsen könnten einen Stoß erhalten und entweder abspringen oder so verbogen werden, daß die Rollen nicht mehr gleiten würden. Ich mußte versuchen, ohne die Stahlachsen auszukommen, und die Rollen unter dem Rücken der Säge anbringen. Ich war noch keineswegs fertig mit meiner Maschine ....

Der Kapitän ging zu Falkenberg und sagte:

Sie haben wohl nichts dagegen, unsere Damen morgen zu fahren? Es ist zwar ziemlich weit, aber Petter ist noch krank.

Nein, da habe ich wahrhaftig nichts dagegen.

Fräulein Elisabet will wieder heim, sagte der Kapitän, als er ging. Ihr müßt um sechs Uhr aufbrechen.

Falkenberg war sehr vergnügt und froh über das Vertrauen, das man ihm zeigte, und scherzend sagte er mir nach, ich gönne es ihm nicht. In Wirklichkeit war ich keineswegs neidig. Vielleicht war es mir einen Augenblick ein wenig schmerzlich, daß mein Kamerad mir vorgezogen wurde, aber unleugbar war ich doch lieber mit mir allein im Wald und in der Stille, als daß ich auf einem Kutschbock saß und fror.

Falkenberg war strahlender Laune und sagte:

Du wirst ganz gelb vor Neid, du solltest etwas dagegen einnehmen, ein wenig amerikanisches Öl.

Den ganzen Vormittag verbrachte er mit den Vorbereitungen für die Fahrt, wusch den Wagen, schmierte die Radachsen und sah das Geschirr nach. Und ich half ihm.

Am Ende kannst du nicht einmal ein Zweigespann lenken, sagte ich, um ihn zu necken. Aber ich will dich noch, ehe du morgen fährst, das Wichtigste lehren.

Es ist ein Jammer, daß du so viel ausstehen mußt, nur um die zehn Öre für amerikanisches Öl zu sparen, sagte er.

In Wahrheit war aber alles nur Scherz und Heiterkeit.

Am Abend kam der Kapitän und sagte zu mir:

Ich hätte es Ihnen gerne erspart und hätte lieber Ihren Kameraden mit den Damen geschickt, aber Fräulein Elisabet will Sie haben.

Mich?

Weil Sie alte Bekannte seien.

Nun, mein Kamerad ist auch nicht gerade gefährlich.

Haben Sie etwas dagegen?

Nein.

Gut, dann bleibt es also bei Ihnen.

Sofort dachte ich: Hoho, also ziehen die Damen doch mich vor, weil ich ein Erfinder und ein Sägebesitzer bin, und wenn ich mich schön mache, dann sehe ich gut aus, ganz brillant.

Falkenberg aber hatte vom Kapitän eine Erklärung bekommen, die meine Eitelkeit mit einem Schlag schwer verletzte: Fräulein Elisabet solle mich noch einmal auf den Pfarrhof bringen, damit der Vater einen neuen Versuch machen könne, mich als Knecht zu bekommen. Das sei zwischen ihr und dem Pfarrer so verabredet worden.

Ich dachte immer wieder über diese Erklärung nach.

Wenn du dich aber auf dem Pfarrhof verdingst, dann wird es nichts mit unserer Arbeit bei der Eisenbahn, sagte Falkenberg.

Ich antwortete:

Ich verdinge mich nicht.


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