31.

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Ein paar Tage vergingen, dann setzte ich mich ruhig und überlegen hin und schrieb an Falkenberg. Ich hätte eine kleine Sägekonstruktion auf Övrebö stehen, schrieb ich, sie könne vielleicht einmal einige Bedeutung für die Waldbesitzer bekommen, und ich hätte vor, sie in allernächster Zeit abzuholen. Sei so gut und behalte sie im Auge, damit nichts daran verdorben wird.

So milde schrieb ich. Das war am würdigsten. Es sollte ein durch und durch feiner Brief sein, wenn Falkenberg, der natürlich in der Küche davon sprechen würde, ihn vorzeigte. Aber er war durchaus nicht lauter Sanftmut und wieder Sanftmut und nichts anderes, ich setzte ein bestimmtes Datum fest, um meinen Ernst zu zeigen: Montag, den elften Dezember, will ich kommen und die Maschine abholen.

Ich dachte, diese Frist ist klar und bestimmt: Ist die Maschine an diesem Montag nicht da, dann wird also etwas geschehen.

Ich trug den Brief selbst fort und verklebte wieder den Aufdruck auf dem Umschlag mit einem Streifen Briefmarken .....

Mein schöner Rausch dauerte immer noch an, ich hatte den köstlichsten Brief der Welt bekommen, ich trug ihn hier in der Brusttasche, er war an mich gerichtet.SchreibenSie nicht. Nein, gut, aber ich konnte kommen. Und hinter dem Ganzen stand ein Gedankenstrich.

Es war doch wohl kein Mißverständnis mit dem unterstrichenen Wort: es sollte doch nicht nur das Verbot im allgemeinen verschärfen? Die Damen hatten die üble Angewohnheit, alle möglichen Worte zu unterstreichen und überall Gedankenstriche zu machen. Aber sie nicht, nein, sie nicht!

In einigen Tagen würde die Arbeit beim Lensmann ein Ende nehmen, es paßte gut, alles war ausgerechnet, am elften würde ich auf Övrebö sein! Das war vielleicht nicht eine Minute zu früh. Wenn der Kapitän wirklich Pläne mit meiner Maschine hatte, dann galt es, schnell zu handeln. Sollte mir ein Fremder meine sauer erworbene Million stehlen dürfen? Hatte nicht ich mich dafür geplagt? Schon begann ich, meinen sanften Brief an Falkenberg so halb und halb zu bereuen, er hätte bedeutend schärfer sein dürfen, vielleicht glaubte er jetzt gar nicht, daß ich sehr streng sein konnte. Du wirst sehen, es kann ihm sogar noch einfallen, gegen mich zu zeugen, zu zeugen, daß nicht ich die Maschine erfunden habe. Hoho, mein lieber Freund Falkenberg, das sollte mir nur fehlen! Dann würdest du erstens die ewige Seligkeit verlieren; — wenn dir aber das nichts weiter ausmachen sollte, dann werde ich dich wegen Meineids bei meinem Freund und Wohltäter, dem Lensmann, verklagen. Weißt du, was das für Folgen hat?

Natürlich müssen Sie reisen, sagte der Lensmann, als ich mit ihm sprach. Und kommen Sie nur mit der Maschine zu mir zurück. Sie müssen Ihren Vorteil wahren, hier handelt es sich vielleicht um große Summen.

Am nächsten Tag brachte die Post eine Nachricht, die mit einem Schlag die Lage veränderte: der Kapitän teilte von selbst in der Zeitung mit, daß es auf einem Mißverständnis beruhe, wenn die Konstruktion der neuen Baumsäge ihm zugeschrieben würde. Der Erfinder sei ein Arbeiter, der eine Zeitlang auf seinem Hof beschäftigt gewesen sei. Über die Maschine selbst möchte er sich nicht weiter aussprechen. Kapitän Falkenberg.

Der Lensmann und ich sahen einander an.

Was sagen Sie jetzt? fragte er.

Der Kapitän ist auf jeden Fall unschuldig.

So. Wissen Sie, was ich meine?

Pause. Der Lensmann ist vom Scheitel bis zur Sohle Lensmann und durchschaut Intrigen.

Er istnichtunschuldig, sagt er.

Wirklich nicht?

So etwas bin ich schon gewöhnt. Jetzt zieht er zurück, Ihr Brief hat ihn gewarnt. Hahaha.

Ich muß dem Lensmann gestehen, daß ich mich durchaus nicht an den Kapitän gewandt, sondern nur einen kurzen Brief an den Knecht auf Övrebö gesandt hätte, und daß dieser Brief noch nicht einmal angekommen sein könne, da ich ihn erst gestern abend aufgegeben habe.

Da verstummte der Lensmann und versuchte nicht mehr, Intrigen zu durchschauen. Dagegen schien er von diesem Augenblick an Zweifel an dem Wert der ganzen Erfindung zu hegen.

Es ist ja schließlich möglich, daß die Maschine gar nichts taugt, sagte er. Gutmütig fügte er jedoch hinzu: ich meine, daß sie vielleicht verändert und verbessert werden muß. Sie sehen ja, wie oft man an den Kriegsschiffen und an den Flugzeugen etwas ändern muß ..... Wollen Sie immer noch reisen?

Ich hörte nichts mehr davon, daß ich zurückkommen und meine Maschine mitbringen solle; aber der Lensmann gab mir ein gutes Zeugnis. Er würde mich gerne länger behalten haben, stand darin, aber die Arbeit mußte abgebrochen werden, weil ich an anderer Stelle private Interessen wahrzunehmen hätte .....

Als ich am nächsten Morgen gehen will, steht vor dem Hof ein kleines Mädchen und erwartet mich. Olga. So ein Kind, sie muß seit Mitternacht auf den Beinen gewesen sein, um so früh hier sein zu können. Da stand sie in ihrem blauen Rock und in ihrer Jacke.

Du bist es, Olga? Wo willst du hin?

Sie wollte zu mir.

Woher wußte sie, daß ich hier sei?

Sie hatte meinen Aufenthalt erfragt. Ob es wahr sei, daß die Nähmaschine ihr gehören solle? Aber es sei doch nicht zu erwarten —

Doch, die Maschine gehöre ihr, ich hätte sie gegen das Bild eingetauscht. — Näht sie gut?

Ja, sie näht gut.

Wir hatten kein langes Gespräch miteinander. Ich wollte sie von hier wieder forthaben, ehe der Lensmann herauskäme und fragen würde.

Ja, geh nun heim, mein Kind. Du hast einen langen Weg.

Olga legt ihre Hand in meine, in der sie ganz verschwindet, und läßt sie darin liegen, solange ich will. Dann dankt sie mir und trabt wieder munter davon. Und die Zehenspitzen stehen einwärts und auswärts, wie es sich gerade trifft.


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