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Nun mußte ich meinen Kameraden darauf vorbereiten, daß der Brunnen oben auf der Anhöhe gegraben werden sollte. Um ihn nicht mißtrauisch zu machen, schob ich alle Schuld auf den Pfarrer, er sei zuerst darauf gekommen, ich aber hätte ihn bei diesem Plan unterstützt. Grindhusen war zufrieden, er erfaßte sofort, daß das Ganze mehr Arbeit für uns bedeutete, da wir nun auch einen Graben für die Leitung herstellen mußten.

Es traf sich so glücklich, daß der Pfarrer am Montag früh mit folgenden, halb scherzhaften Worten sich an Grindhusen wandte:

Dein Kamerad und ich haben beschlossen, den Brunnen da oben auf der Anhöhe zu graben und eine Leitung herunterzulegen, was sagst du zu diesem verrückten Plan?

Ja, Grindhusen fand dies eine sehr gute Idee.

Als wir aber länger darüber sprachen und die Stelle besahen, wo der Brunnen angelegt werden sollte, schöpfte Grindhusen den Verdacht, ich hätte mehr mit dem Plan zu tun, als ich zugeben wollte. Er meinte, der Graben für die Leitung müsse wegen des Frostes sehr tief sein —

Einen Meter dreißig, höchstens, unterbrach ich ihn!

— und daß es eine teure Sache werden würde.

Alles in allem ein paar hundert Kronen, meint dein Kamerad, erwiderte der Pfarrer.

Grindhusen verstand sich nicht im geringsten auf Berechnungen und konnte deshalb nur sagen:

Ja ja, zweihundert Kronen sind ja auch ein schönes Geld.

Ich meinte:

Da braucht der Herr Pfarrer weniger zu vergüten, wenn er einmal fortkommt.

Vergüten? Ich gehe von hier nicht fort, sagte er.

Dann wird der Herr Pfarrer hoffentlich ein langes Leben hindurch Freude an der Wasserleitung haben, entgegnete ich.

Da sah mich der Pfarrer an und fragte:

Wie heißt du?

Knut Pedersen.

Wo bist du her?

Aus dem Nordland.

Ich aber begriff, warum mir diese Fragen gestellt wurden, und nahm mir vor, nicht mehr in solchen Romanausdrücken zu reden.

Jedoch — der Brunnen und die Leitung wurden beschlossen, und wir gingen an die Arbeit ...

Jetzt kamen viele ganz lustige Tage. Zuerst war ich sehr gespannt, ob sich an der betreffenden Stelle Wasser finden würde, und einige Nächte lang schlief ich schlecht. Als aber diese Spannung vorbei war, gab es nur noch angenehme und ungestörte Arbeit. Wasser war hier genug; nach ein paar Tagen mußten wir es jeden Morgen mit Eimern ausschöpfen. Der Grund war lehmig, und wir beschmutzten uns sehr in der weichen Grube.

Als wir eine Woche lang geschafft hatten, fingen wir an, Steine für die Mauer zu sprengen; mit dieser Arbeit waren wir beide von Skreia her vertraut. Dann gruben wir wieder eine Woche lang und waren endlich tief genug. Das Erdreich war so weich, daß wir nun sofort mit dem Ausmauern beginnen mußten, um das Einfallen der Lehmwände zu verhindern, die uns sonst leicht hätten verschütten können.

So gruben wir und sprengten und mauerten, und Woche auf Woche verging. Es wurde ein großer Brunnen und war eine wohlgelungene Arbeit; der Pfarrer war zufrieden. Grindhusen und ich kamen wieder in ein besseres Verhältnis zueinander, und als er erfuhr, daß ich keinen höheren Lohn haben wolle als den eines guten Handlangers, obwohl ich bei dieser Arbeit oftmals der Leiter war, wollte auch er mir wieder etwas Gutes tun und fing an, sich bei den Mahlzeiten besser zu benehmen. Schöner als jetzt kann ich es nicht mehr haben, und niemals würde mich jemand wieder in die Stadt locken können, dachte ich mir.

Am Abend schlenderte ich durch den Wald oder ging auf den Friedhof, las die Inschriften auf den Gräbern und dachte allerhand. Ich suchte auch einen Nagel von einer Leiche. Ich brauchte diesen Nagel, es war eine Einbildung von mir, eine kleine ausgemachte Spielerei. Ich hatte eine schöne Birkenwurzel gefunden, aus der ich einen kleinen Pfeifenkopf in Form einer geballten Faust schnitzen wollte; der Daumen sollte den Deckel bilden, und ich wollte einen Nagel einsetzen, um ihn recht lebensgetreu zu machen. Um den Ringfinger wollte ich einen kleinen goldenen Ring biegen.

Durch solche Spielereien wurde mein Kopf gesund und ruhig. Es gab keine Hast mehr in meinem Leben, und ich versäumte nichts mit meinen Träumereien, die Abende gehörten mir. Wenn möglich wollte ich auch versuchen, mir das Gefühl für die Heiligkeit der Kirche und die Furcht vor den Toten anzueignen; aus weit, weit zurückliegender Zeit entsann ich mich noch dieser tiefen und inhaltsreichen Mystik und wollte wieder daran teilhaben. Vielleicht würde es, wenn ich den Nagel fand, aus den Gräbern rufen: Der gehört mir! Worauf ich ihn schreckerfüllt fallen lassen und davonlaufen würde.

Nein, wie doch der Wetterhahn schreit, konnte Grindhusen mitunter sagen.

Hast du Angst?

Nicht eigentlich Angst; aber es schaudert mich bei der Nacht, wenn ich daran denke, daß ich so nahe bei den Leichen schlafe.

Glücklicher Grindhusen!

Harald lehrte mich einmal, Tannen und Gesträuch zu pflanzen. Ich hatte diese Kunst noch nicht gekannt, in meiner Schulzeit war das noch nicht Brauch gewesen; nachdem ich aber das Verfahren gelernt hatte, wurde ich an den Sonntagen ein fleißiger Pflanzer. Als Gegenleistung lehrte ich Harald allerhand Neues für sein Alter, und wir wurden gute Freunde.


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