The Project Gutenberg eBook ofVerkettung: Gedichte

The Project Gutenberg eBook ofVerkettung: GedichteThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: Verkettung: GedichteAuthor: Martin GumpertRelease date: January 7, 2014 [eBook #44612]Language: GermanCredits: Produced by Jens Sadowski*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK VERKETTUNG: GEDICHTE ***

This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.

Title: Verkettung: GedichteAuthor: Martin GumpertRelease date: January 7, 2014 [eBook #44612]Language: GermanCredits: Produced by Jens Sadowski

Title: Verkettung: Gedichte

Author: Martin Gumpert

Author: Martin Gumpert

Release date: January 7, 2014 [eBook #44612]

Language: German

Credits: Produced by Jens Sadowski

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK VERKETTUNG: GEDICHTE ***

VerkettungGedichtevonMartin GumpertLeipzigKurt Wolff Verlag1917

LeipzigKurt Wolff Verlag1917

Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R.Januar 1917 als achtunddreißigster Bandder Bücherei „Der jüngste Tag“Die Gedichte sind 1914—16 entstanden,sie gehören meinen toten Freunden

Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R.Januar 1917 als achtunddreißigster Bandder Bücherei „Der jüngste Tag“

Die Gedichte sind 1914—16 entstanden,sie gehören meinen toten Freunden

Nicht mehr will ich den Tag vertrinkenUnter allen der abseits Weinende sein,Wortlos und müde hinauszusinkenDie Arme empor des Nachts zwischen Kissen zu schrein.

Nicht mehr will ich den Tag vertrinken

Unter allen der abseits Weinende sein,

Wortlos und müde hinauszusinken

Die Arme empor des Nachts zwischen Kissen zu schrein.

Oder in Straßenbahnen voller GesichterPlötzlich hochrot und in Tränen Erwachter zu stehnUm dann erfüllt, doch bezwungen vom Spruche der RichterFlackerndes Feuer geduckt zu vergehn.

Oder in Straßenbahnen voller Gesichter

Plötzlich hochrot und in Tränen Erwachter zu stehn

Um dann erfüllt, doch bezwungen vom Spruche der Richter

Flackerndes Feuer geduckt zu vergehn.

Heute begriff ich die jammernden Stunden des Knaben,Flehend, bei Spielen der andern mitjubeln zu können,Nicht immer nach Wildheit der Lechzende sein, erschüttert von Gaben,Die sich unzeigbar verschenken und selten zu nennen.

Heute begriff ich die jammernden Stunden des Knaben,

Flehend, bei Spielen der andern mitjubeln zu können,

Nicht immer nach Wildheit der Lechzende sein, erschüttert von Gaben,

Die sich unzeigbar verschenken und selten zu nennen.

Harte Schwielen wünscht ich mir in die HändeOder auf Bäumen zu sitzen und Zweige zu brechen,Doch mir wuchsen die Tage in endlose schmerzende BrändeUnd ich verschloß mich stumm, meine Schlaffheit zu rächen.

Harte Schwielen wünscht ich mir in die Hände

Oder auf Bäumen zu sitzen und Zweige zu brechen,

Doch mir wuchsen die Tage in endlose schmerzende Brände

Und ich verschloß mich stumm, meine Schlaffheit zu rächen.

Ich trug die Gesichter der groben ungläubigen LehrerIn meine zitternden Träume, zaghaften Nächte hinein,Wurde mir selber aufhorchend und wundernd der Hörer,Ließ mich gleiten, wurde in Qualen gemein,Ließ mich verleiten von jedem, das mich bewegte,Der nicht mehr da war, dunkel und trunken den Blick,Was mich so maßlos erbitterte und erregteVon mir gebracht fiel dröhnend auf mich zurück.

Ich trug die Gesichter der groben ungläubigen Lehrer

In meine zitternden Träume, zaghaften Nächte hinein,

Wurde mir selber aufhorchend und wundernd der Hörer,

Ließ mich gleiten, wurde in Qualen gemein,

Ließ mich verleiten von jedem, das mich bewegte,

Der nicht mehr da war, dunkel und trunken den Blick,

Was mich so maßlos erbitterte und erregte

Von mir gebracht fiel dröhnend auf mich zurück.

Jugend, Verrat, schwerträumend, bewußtlos verübt,Geschändet, verstoßen, verschlossen, wehrlosen Willens.Großes, hartherziges Grauen der höhnenden Stadt,Lachende, riesige Menschen, die mich in Händen gehabt,Die mir zerknickten die wachsenden Glieder zum Stoß:Ich blieb an den Wolken hängenIch blieb an den himmlischen Winden hängenIch sank in die Wiesen, Gras nickte mir zu,Den hohen GesängenDer wissenden WälderGab ich mein brennendes brüderlich: Du.

Jugend, Verrat, schwerträumend, bewußtlos verübt,

Geschändet, verstoßen, verschlossen, wehrlosen Willens.

Großes, hartherziges Grauen der höhnenden Stadt,

Lachende, riesige Menschen, die mich in Händen gehabt,

Die mir zerknickten die wachsenden Glieder zum Stoß:

Ich blieb an den Wolken hängen

Ich blieb an den himmlischen Winden hängen

Ich sank in die Wiesen, Gras nickte mir zu,

Den hohen Gesängen

Der wissenden Wälder

Gab ich mein brennendes brüderlich: Du.

Aufgehender Tag, teilhaft des Sinns solcher Zeit,Mutter, Dein Schoß regt sich verkündungsvoll,Stolz Deines Sohnes will donnernd erwachen,Heiliger Stunde dröhnt das Geläute der Welt.Kirchen stürzen zerschmettert, Gott geht zu Gast,Der fromme Geist zeigt schluchzend sein Herz,Süß liegt die ruhende Kraft bereit,Unseliger Schlaf auftut die AugenZu vollstrecken des Geistes Geheiß:Denn Gott ist zornig, ist streng und zornig!

Aufgehender Tag, teilhaft des Sinns solcher Zeit,

Mutter, Dein Schoß regt sich verkündungsvoll,

Stolz Deines Sohnes will donnernd erwachen,

Heiliger Stunde dröhnt das Geläute der Welt.

Kirchen stürzen zerschmettert, Gott geht zu Gast,

Der fromme Geist zeigt schluchzend sein Herz,

Süß liegt die ruhende Kraft bereit,

Unseliger Schlaf auftut die Augen

Zu vollstrecken des Geistes Geheiß:

Denn Gott ist zornig, ist streng und zornig!

Durch Jungsein leergebranntDie eingekreiste Glut,Vielmals vergossenWeg abendlicher Qual.

Durch Jungsein leergebrannt

Die eingekreiste Glut,

Vielmals vergossen

Weg abendlicher Qual.

Denn da genügt kein Wort,Ist nirgends ein Wort,Das der Nacht VerhängnisGerecht ermißt.

Denn da genügt kein Wort,

Ist nirgends ein Wort,

Das der Nacht Verhängnis

Gerecht ermißt.

Wir sehen uns an WändenVerrunzelt winzig stehn,Zwischen weichen Fingern zermalmendÜberschreitet uns riesig die Frau.

Wir sehen uns an Wänden

Verrunzelt winzig stehn,

Zwischen weichen Fingern zermalmend

Überschreitet uns riesig die Frau.

Wir strecken um ein wenig GlückDie Hand, um enge Güte,Um einen Hof der Scham, uns stürztZärtlichkeit vom Angesicht.

Wir strecken um ein wenig Glück

Die Hand, um enge Güte,

Um einen Hof der Scham, uns stürzt

Zärtlichkeit vom Angesicht.

Aber Feindschaft ist so groß,Kein Schoß verheißt Empfang,Ekel überspannt den LeibSeiner Unzulänglichkeit.

Aber Feindschaft ist so groß,

Kein Schoß verheißt Empfang,

Ekel überspannt den Leib

Seiner Unzulänglichkeit.

Blühte doch ein Tal der Ruhe,Käme Zeit des Morgens,Der ins Innen dringtUnd Erlösung kennt.

Blühte doch ein Tal der Ruhe,

Käme Zeit des Morgens,

Der ins Innen dringt

Und Erlösung kennt.

Auf dem Rücken der StadtHockt der häßliche Zwerg,Die kreischende Nacht,Das Tor voll Qual.

Auf dem Rücken der Stadt

Hockt der häßliche Zwerg,

Die kreischende Nacht,

Das Tor voll Qual.

Soll ich mein kleinesLustliedlein singen,Mein Herzlein bringenVor Deinen Mund,Knie will ich falten,Hände hinhalten,Mach mich gesund!

Soll ich mein kleines

Lustliedlein singen,

Mein Herzlein bringen

Vor Deinen Mund,

Knie will ich falten,

Hände hinhalten,

Mach mich gesund!

Hebe mir SchwereVom Haupt,O ich ersticke,Aller GeschickeSteh ich beraubt.Laß mich die LeereMit meinen bloßenArmen durchstoßen,

Hebe mir Schwere

Vom Haupt,

O ich ersticke,

Aller Geschicke

Steh ich beraubt.

Laß mich die Leere

Mit meinen bloßen

Armen durchstoßen,

Bin ich doch nacktAusgegossen in Deine Hände,O so beendeWas mich da packt.

Bin ich doch nackt

Ausgegossen in Deine Hände,

O so beende

Was mich da packt.

Zärtlichkeit hasse ich,Schwäche versehrt mich,Liebe zerstört mich,Ich bin gar unfähig.

Zärtlichkeit hasse ich,

Schwäche versehrt mich,

Liebe zerstört mich,

Ich bin gar unfähig.

Im Fensterriß errötend rings von TagDer Häusermauern eckiges Gesicht,Beglotzt den Traum, lang rasselndes Gewicht,Das mich die ganze starre Nacht umlag.

Im Fensterriß errötend rings von Tag

Der Häusermauern eckiges Gesicht,

Beglotzt den Traum, lang rasselndes Gewicht,

Das mich die ganze starre Nacht umlag.

Der Baum im Hof erhebt sich kraß und dichtSirenenbrunst und kurzer Uhrenschlag;Das schon ganz tief im hellen Himmel stak:Erschrocken unterm Dach verlischt ein Licht.

Der Baum im Hof erhebt sich kraß und dicht

Sirenenbrunst und kurzer Uhrenschlag;

Das schon ganz tief im hellen Himmel stak:

Erschrocken unterm Dach verlischt ein Licht.

Hundegebell, es häufen sich die Zeichen,Ich werde bald mich aufrecht stehend wissen,Wind wird mich, zärtliches Gefühl, umschleichen,

Hundegebell, es häufen sich die Zeichen,

Ich werde bald mich aufrecht stehend wissen,

Wind wird mich, zärtliches Gefühl, umschleichen,

Ich fand mich nie zurecht in meinen Kissen,Ich will die Sonne sehn, sie soll Dir gleichen,Soll Mädchen sein und meine Augen küssen.

Ich fand mich nie zurecht in meinen Kissen,

Ich will die Sonne sehn, sie soll Dir gleichen,

Soll Mädchen sein und meine Augen küssen.

Mein Frauenhimmel zerstürzt,Mein Freundeswille erstickt,Unnatur ist der Kampf.

Mein Frauenhimmel zerstürzt,

Mein Freundeswille erstickt,

Unnatur ist der Kampf.

Und war doch einst ein FließenUnd HändereichenUnd Hingeben.

Und war doch einst ein Fließen

Und Händereichen

Und Hingeben.

Meine Tage verstreut,Mein Blut zu Ende,Meine Zärtlichkeit tot.

Meine Tage verstreut,

Mein Blut zu Ende,

Meine Zärtlichkeit tot.

Schwäche besteigt das Haupt,Darauf ruht keine Hand.

Schwäche besteigt das Haupt,

Darauf ruht keine Hand.

Die Nächte stehen leer von Tanz,Die höchsten Feste sind versäumt,Die Kette der Freundschaft ist einender Haß,Der macht unseliger noch verloren.

Die Nächte stehen leer von Tanz,

Die höchsten Feste sind versäumt,

Die Kette der Freundschaft ist einender Haß,

Der macht unseliger noch verloren.

Die Männer sind vor Scham verwüstet,Sie wagen nicht, sich zu erkennen,Überall sind Freunde einzelnOhne Frau, Gewalt und Inbrunst.

Die Männer sind vor Scham verwüstet,

Sie wagen nicht, sich zu erkennen,

Überall sind Freunde einzeln

Ohne Frau, Gewalt und Inbrunst.

Der Mensch ist entzweigeteilt!Er will Erniedrigung,Aber ich lasse den Himmel nicht los.

Der Mensch ist entzweigeteilt!

Er will Erniedrigung,

Aber ich lasse den Himmel nicht los.

Ein hohes Feuer ist meine Not,Es hüllt die Erde einIn edle Trunkenheit!

Ein hohes Feuer ist meine Not,

Es hüllt die Erde ein

In edle Trunkenheit!

Hohler Spalt, offner SchlafHört den Wind der Reise,Wo er Traumeskreise trafRauschen Ähren leise.

Hohler Spalt, offner Schlaf

Hört den Wind der Reise,

Wo er Traumeskreise traf

Rauschen Ähren leise.

Meine Hand führt Deine HandFeuerfluß der Sterne,Rings ist still ein WellenlandLockung in die Ferne.

Meine Hand führt Deine Hand

Feuerfluß der Sterne,

Rings ist still ein Wellenland

Lockung in die Ferne.

Stadtgesicht schwillt wüst emporMaul bis zu den Ohren,Fürchterlich erdröhnt ein Chor:Du auch bist verloren.

Stadtgesicht schwillt wüst empor

Maul bis zu den Ohren,

Fürchterlich erdröhnt ein Chor:

Du auch bist verloren.

In der schweren gelben LuftHängt ein Meer von Armen,Steine fallen, Stimme ruftGellend um Erbarmen.

In der schweren gelben Luft

Hängt ein Meer von Armen,

Steine fallen, Stimme ruft

Gellend um Erbarmen.

Welche Reise muß ich tun?Selig sei Du, weine,Traum zerreiße, Nacht will ruhn,Weiße Sonne, scheine!

Welche Reise muß ich tun?

Selig sei Du, weine,

Traum zerreiße, Nacht will ruhn,

Weiße Sonne, scheine!

Wir werden uns leiseUm sie versammeln,Zu Häupten zwei graueZu Füßen zwei weiße,Einer wird mitten zur Hülle gesunkenIn Händen halten Haut wie Laub. —Schön sind BlumenRings gelegt.

Wir werden uns leise

Um sie versammeln,

Zu Häupten zwei graue

Zu Füßen zwei weiße,

Einer wird mitten zur Hülle gesunken

In Händen halten Haut wie Laub. —

Schön sind Blumen

Rings gelegt.

Wir hörten Worte toll Sturm durch die Straßen rollen,Die sind auf einmal still geworden.Wir müssen uns ganz nah begeben,Sonst trägt, was kommen wird, uns weit.Kannst du laut lachen einmal,Zerteilen mein’ Angst,Ich glaube — wir sind nicht mehr.

Wir hörten Worte toll Sturm durch die Straßen rollen,

Die sind auf einmal still geworden.

Wir müssen uns ganz nah begeben,

Sonst trägt, was kommen wird, uns weit.

Kannst du laut lachen einmal,

Zerteilen mein’ Angst,

Ich glaube — wir sind nicht mehr.

Wir wandern alle schon im Herbst,Auch was so neu und kühn: ist Herbst;Wir werden bald uns wechseln müssen,Schon löst die Krone sich vom Haupt.Ich bin schon alt wie hundert Jahr,Mein Blut ist früh so schwer geworden,Alte Frau, ich bin Dir nah.

Wir wandern alle schon im Herbst,

Auch was so neu und kühn: ist Herbst;

Wir werden bald uns wechseln müssen,

Schon löst die Krone sich vom Haupt.

Ich bin schon alt wie hundert Jahr,

Mein Blut ist früh so schwer geworden,

Alte Frau, ich bin Dir nah.

Sind Deine Augen immer zu,Ich bin aus Dir ein Blätterbaum,Viel Zweige werden von mir gehn,Blitz fällt mich kaum.Ich bin geschehnStark dazustehn,Doch Du brauchst Ruh.

Sind Deine Augen immer zu,

Ich bin aus Dir ein Blätterbaum,

Viel Zweige werden von mir gehn,

Blitz fällt mich kaum.

Ich bin geschehn

Stark dazustehn,

Doch Du brauchst Ruh.

Zu doppelt Teil zerfällt der Kern,Wenn die anschwellende GrauenfruchtDurchstieß die Narbe, verschlang die Hütten:Entsetzen — Gelächter.

Zu doppelt Teil zerfällt der Kern,

Wenn die anschwellende Grauenfrucht

Durchstieß die Narbe, verschlang die Hütten:

Entsetzen — Gelächter.

Gegen die Augen Stoß der Dächer,Und die Erde will in den Mund,Musik und Ruf durchstechen das Ohr,In mich flüchtet der ganze Lärm

Gegen die Augen Stoß der Dächer,

Und die Erde will in den Mund,

Musik und Ruf durchstechen das Ohr,

In mich flüchtet der ganze Lärm

Aber wenn ich ins Weite willVersagt ein jedes und ist am Ende.Verheißungslos in mein Fleisch zurück:In kahler Kammer bin ich da.

Aber wenn ich ins Weite will

Versagt ein jedes und ist am Ende.

Verheißungslos in mein Fleisch zurück:

In kahler Kammer bin ich da.

Zuviel dies Land zerfurcht von Blut,Mord regungsloser Turm darin.Hier kann mir keine Heimat sein,Hilf suchen doch mein fernes Land.

Zuviel dies Land zerfurcht von Blut,

Mord regungsloser Turm darin.

Hier kann mir keine Heimat sein,

Hilf suchen doch mein fernes Land.

Wenn sich die Nacht nun an mich hängt,Die treibt durch Straße, Park, Café,Erst lachen wir, dann weinen wir,Dann schließt uns Wahn die Augen zu.

Wenn sich die Nacht nun an mich hängt,

Die treibt durch Straße, Park, Café,

Erst lachen wir, dann weinen wir,

Dann schließt uns Wahn die Augen zu.

Ich liege wie ein Unheil auf der Stadt,Ich liege ganz berauscht von Stadt,Meine Worte sind Gift.

Ich liege wie ein Unheil auf der Stadt,

Ich liege ganz berauscht von Stadt,

Meine Worte sind Gift.

Jetzt kommen alle, wollen kosten,Geschlagen sein, zu nichte sein,Von mir das Sterben erfahren.

Jetzt kommen alle, wollen kosten,

Geschlagen sein, zu nichte sein,

Von mir das Sterben erfahren.

Die Schwachen wollen sich zügeln lassen,Ich kann ihre wunden Augen nicht sehn,Sie sind, Verachtete, feige im Licht.

Die Schwachen wollen sich zügeln lassen,

Ich kann ihre wunden Augen nicht sehn,

Sie sind, Verachtete, feige im Licht.

Kinderhände ringen um Führung,Hände auch verkrüppeln vor Angst,Hände können die Tränen nicht halten.

Kinderhände ringen um Führung,

Hände auch verkrüppeln vor Angst,

Hände können die Tränen nicht halten.

Durch mich, in mich stürzt alles zurück,Ich singe hart, grausam laut:Ich liege wie ein Unheil auf der Stadt.

Durch mich, in mich stürzt alles zurück,

Ich singe hart, grausam laut:

Ich liege wie ein Unheil auf der Stadt.

Ihr Gotterfüllten in der ZeitVon jeher Euer Erbe Inbrunst:Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Ihr Gotterfüllten in der Zeit

Von jeher Euer Erbe Inbrunst:

Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Sein Tempel ist ein offnes Haus,Sein heilig Blut tropft schwer dahin:Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Sein Tempel ist ein offnes Haus,

Sein heilig Blut tropft schwer dahin:

Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Schreit auf, da Euch Gebet versagt,Ihr wart die Hüter, Ihr das Tor:Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Schreit auf, da Euch Gebet versagt,

Ihr wart die Hüter, Ihr das Tor:

Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Ihr seid der Welt Verderber,Des großen Sterbens seid Ihr schuld:Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Ihr seid der Welt Verderber,

Des großen Sterbens seid Ihr schuld:

Des Gottes Ehre ist mißbraucht.

Sein hehrer Leib klagt krank und wund,Ein Grauenvolles starrt sein Mund,O, meines Gottes Ehre ist zerstört!

Sein hehrer Leib klagt krank und wund,

Ein Grauenvolles starrt sein Mund,

O, meines Gottes Ehre ist zerstört!

Tragt seinen Fluch in Euren Tod,Es soll ein neuer Glanz geschehn,Ein Fest wird sein, ein strahlend Rot

Tragt seinen Fluch in Euren Tod,

Es soll ein neuer Glanz geschehn,

Ein Fest wird sein, ein strahlend Rot

Soll über Euren Häuptern stehnUnd Wirklichkeit, die furchtbar droht,Aus leeren Augen auf Euch sehn.

Soll über Euren Häuptern stehn

Und Wirklichkeit, die furchtbar droht,

Aus leeren Augen auf Euch sehn.

Uns komme Licht, uns sei das Wort,Ein Gang auf Wellen, Hand in Hand,Gesang, an dem die Kraft verdorrt,

Uns komme Licht, uns sei das Wort,

Ein Gang auf Wellen, Hand in Hand,

Gesang, an dem die Kraft verdorrt,

Die heute nicht Erlösung fand.O erster Morgen, letzter Mord,Rauchender Welt entsteigtmeinLand!

Die heute nicht Erlösung fand.

O erster Morgen, letzter Mord,

Rauchender Welt entsteigtmeinLand!

Während ich mit Euch bin, mit Euch teileTrennt sich schon tastend die suchende Saat,Einheit versagt sich zu jagender Meile,Heilige Forderung wird der Verrat.

Während ich mit Euch bin, mit Euch teile

Trennt sich schon tastend die suchende Saat,

Einheit versagt sich zu jagender Meile,

Heilige Forderung wird der Verrat.

Sind wir mit waltenden Waffen Bescherte,Trifft uns vereinsamt gemeinsames Ziel,Nur wer den Geist seines Gottes versehrte,Bröckelt verlodernd am eignen Gefühl.

Sind wir mit waltenden Waffen Bescherte,

Trifft uns vereinsamt gemeinsames Ziel,

Nur wer den Geist seines Gottes versehrte,

Bröckelt verlodernd am eignen Gefühl.

Gestern im Tempel der treuste der Wächter,Heute der Schänder am heiligsten Gut,Dennoch gewertet als Harter, Gerechter,Wehrlos gewappnet der Wut nur durch Blut,

Gestern im Tempel der treuste der Wächter,

Heute der Schänder am heiligsten Gut,

Dennoch gewertet als Harter, Gerechter,

Wehrlos gewappnet der Wut nur durch Blut,

Das schon vom donnernden Schalle durchrauschtKeinen vermag der Gestürzten zu schonen,Entrückt dem rasenden Trommelklang lauschtKommender Revolutionen.

Das schon vom donnernden Schalle durchrauscht

Keinen vermag der Gestürzten zu schonen,

Entrückt dem rasenden Trommelklang lauscht

Kommender Revolutionen.

Die ganze Stadt ist eine große KircheVoll Andacht, Inbrunst, Reue und Gebet,Vom Gipfelsturm der Glocken überweht.Der Tag erbraust in Tätigkeit und Kraft,Doch nirgends ist ein emsig Herz am Werke,Die Seelen alle sind zu Gott erschlafft,Die Augen ruhn, in sich dahingerafft.Nur in den Glocken rast noch Sinn und Stärke.

Die ganze Stadt ist eine große Kirche

Voll Andacht, Inbrunst, Reue und Gebet,

Vom Gipfelsturm der Glocken überweht.

Der Tag erbraust in Tätigkeit und Kraft,

Doch nirgends ist ein emsig Herz am Werke,

Die Seelen alle sind zu Gott erschlafft,

Die Augen ruhn, in sich dahingerafft.

Nur in den Glocken rast noch Sinn und Stärke.

Da fällt ein Beben auf die Stadt herabUnd ein Erzittern und ein Fliehenwollen,Die Mauern stöhnen qualvoll, und ein GrollenHebt an und alle Tore spreizen sichUnd aus den übervollenJammergetränkten Wänden birst ein SchreiUnd Schreien,Von Flammen, Steinen überschüttetSteigt das GrauenSteil in die Luft:„Wir taten nichts,Wir nahtenUns Dir in Blöße,Wir ahnten Deines AngesichtsEndlose Größe,Doch Du spiest Granaten.“

Da fällt ein Beben auf die Stadt herab

Und ein Erzittern und ein Fliehenwollen,

Die Mauern stöhnen qualvoll, und ein Grollen

Hebt an und alle Tore spreizen sich

Und aus den übervollen

Jammergetränkten Wänden birst ein Schrei

Und Schreien,

Von Flammen, Steinen überschüttet

Steigt das Grauen

Steil in die Luft:

„Wir taten nichts,

Wir nahten

Uns Dir in Blöße,

Wir ahnten Deines Angesichts

Endlose Größe,

Doch Du spiest Granaten.“

Zersprengte Jugend!Uns die ZeitZerbiß die Stirn,Es schreit, schreit,Kann nicht ruhn,Lauert bereitOhne zu tun.

Zersprengte Jugend!

Uns die Zeit

Zerbiß die Stirn,

Es schreit, schreit,

Kann nicht ruhn,

Lauert bereit

Ohne zu tun.

Abendgang,Nacht in Straßen,Zwang zu hassenHilflos, krank, —Verflucht solche Jugend,O Alter und Ende,Pack fort das Grauen,ZerhauenSind unsere Hände,Die schaffen sollen!

Abendgang,

Nacht in Straßen,

Zwang zu hassen

Hilflos, krank, —

Verflucht solche Jugend,

O Alter und Ende,

Pack fort das Grauen,

Zerhauen

Sind unsere Hände,

Die schaffen sollen!

Durchlöchert, zerfressenRinnen wir aus,Wir wollenHinaus!

Durchlöchert, zerfressen

Rinnen wir aus,

Wir wollen

Hinaus!

Sonst Mord! Sonst Mord!RasereiLaßt uns frei!Laßt uns fort!

Sonst Mord! Sonst Mord!

Raserei

Laßt uns frei!

Laßt uns fort!

Totes EuropaIst ohne Jugend,Ach erschlagenIst die Jugend.

Totes Europa

Ist ohne Jugend,

Ach erschlagen

Ist die Jugend.

Offnes Grab,Kalt und hart,Narren, Helden,Entflammte Juden,ÜberresteErreichen die Wüste!

Offnes Grab,

Kalt und hart,

Narren, Helden,

Entflammte Juden,

Überreste

Erreichen die Wüste!

Im dritten Jahr ist der Gruß Geschrei,Mattes Ächzen, gestöhnte QualHebt an, stimmt ein!Im Genick die modernde Faust verhöhnt.

Im dritten Jahr ist der Gruß Geschrei,

Mattes Ächzen, gestöhnte Qual

Hebt an, stimmt ein!

Im Genick die modernde Faust verhöhnt.

Meiner Freunde zerfressene Augen,Die zerbrachen im ersten Sturm,Sind gewandert in jedes Gesicht.Beinhaus Erde! Es wandeln die Toten.

Meiner Freunde zerfressene Augen,

Die zerbrachen im ersten Sturm,

Sind gewandert in jedes Gesicht.

Beinhaus Erde! Es wandeln die Toten.

Du bist mir fremd, da Du noch bist,Es quillt noch Blut, wenn man Dich sticht,Wer lebt, ist Mörder, Euch liebe ich nicht.

Du bist mir fremd, da Du noch bist,

Es quillt noch Blut, wenn man Dich sticht,

Wer lebt, ist Mörder, Euch liebe ich nicht.

Du warst mein Freund? So stürze ein,Geschleift, gestoßen vor ein GerichtWollen wir Feindschaft in uns schrein!

Du warst mein Freund? So stürze ein,

Geschleift, gestoßen vor ein Gericht

Wollen wir Feindschaft in uns schrein!

Haß, den vereint wir schufenAls letzten Feind,Aus Nacht, aus Bett gerufenKrumm und verweint.

Haß, den vereint wir schufen

Als letzten Feind,

Aus Nacht, aus Bett gerufen

Krumm und verweint.

Fremder, mit dem ich ging,Soll ich Dich schlagen,Qual, die Dich rings umhing,Mußichnun tragen.

Fremder, mit dem ich ging,

Soll ich Dich schlagen,

Qual, die Dich rings umhing,

Mußichnun tragen.

Alles liegt da zerdrücktKraft, Weichheit, Wut,Haß, auf den Sinn gezückt,Haß, Du bist gut.

Alles liegt da zerdrückt

Kraft, Weichheit, Wut,

Haß, auf den Sinn gezückt,

Haß, Du bist gut.

Was soll die Furcht vor diesen fremden Augen!Komisches Grauen wirft mich rücklings hin,Sie schleppen schwarzes Feuer in den Brauen,Asche wie Blut betropft das Kinn.

Was soll die Furcht vor diesen fremden Augen!

Komisches Grauen wirft mich rücklings hin,

Sie schleppen schwarzes Feuer in den Brauen,

Asche wie Blut betropft das Kinn.

Gehöhlt gezackte Landschaft, hoch zu schauen,Bergkreuz der Augen: der durchbohrte Sinn,Er will sich wütend in die Sonne bauen,Dort steht auf Mauern, brausend, der ich bin.

Gehöhlt gezackte Landschaft, hoch zu schauen,

Bergkreuz der Augen: der durchbohrte Sinn,

Er will sich wütend in die Sonne bauen,

Dort steht auf Mauern, brausend, der ich bin.

Jed’ Wesen ist nur Käfig für sein Leid,Gefüllt mit Tränen, ausgebrannte Kehle,Nur noch ein Wimmern, weinend, unbefreit.

Jed’ Wesen ist nur Käfig für sein Leid,

Gefüllt mit Tränen, ausgebrannte Kehle,

Nur noch ein Wimmern, weinend, unbefreit.

Faust, brich hernieder in die Augenhöhle,Spreize die Finger, zerreiße die Seele,Rasende Faust meiner „herrlichen“ Zeit.

Faust, brich hernieder in die Augenhöhle,

Spreize die Finger, zerreiße die Seele,

Rasende Faust meiner „herrlichen“ Zeit.

Komme über alleStarre Wut,Totes AugeUnd der Glieder Besessenheit.

Komme über alle

Starre Wut,

Totes Auge

Und der Glieder Besessenheit.

Dumpf versunkenIn der Not Anblick,Stumm für Zuruf,Unfähig der Tat.

Dumpf versunken

In der Not Anblick,

Stumm für Zuruf,

Unfähig der Tat.

Nicht sich verlierenNur stierend sagenHassend kalt sagen:

Nicht sich verlieren

Nur stierend sagen

Hassend kalt sagen:

Da — ist — MordDa — ist — SchandeDa — ist — Mord.

Da — ist — Mord

Da — ist — Schande

Da — ist — Mord.

Ich weiß nicht mehrWie Morgen istUnd Tag beginnt.

Ich weiß nicht mehr

Wie Morgen ist

Und Tag beginnt.

Sind noch die WasserUnd das Tal,Mond, dem die Nacht erliegt?

Sind noch die Wasser

Und das Tal,

Mond, dem die Nacht erliegt?

Niemehr kommt Sommer,Ganz gefangenStarrt mein Gesicht,

Niemehr kommt Sommer,

Ganz gefangen

Starrt mein Gesicht,

Lauert grausamUnd erwürgtDie kleine Hoffnung.

Lauert grausam

Und erwürgt

Die kleine Hoffnung.

Schon tänzelt um michDie DirneIm Kreis,

Schon tänzelt um mich

Die Dirne

Im Kreis,

Heißer Atem,Ein FetzenZur Haut.

Heißer Atem,

Ein Fetzen

Zur Haut.

Werft doch alleEuch hinWo Ihr seid,

Werft doch alle

Euch hin

Wo Ihr seid,

Stoßt doch alleHeraus!Euer Leid

Stoßt doch alle

Heraus!

Euer Leid

Im SchreiErdrosseltDie Zeit.

Im Schrei

Erdrosselt

Die Zeit.

Unmut hängt von der Stirn,Ich schlage lang in Härte.Wölfe überfallen michUnd die drohend erstandene Nacht.

Unmut hängt von der Stirn,

Ich schlage lang in Härte.

Wölfe überfallen mich

Und die drohend erstandene Nacht.

Ich will mich niederwerfen,Den Kindern kommt Hilfe,Aber mein Wachstum erstickt,Ich habe schlecht getan.

Ich will mich niederwerfen,

Den Kindern kommt Hilfe,

Aber mein Wachstum erstickt,

Ich habe schlecht getan.

Grausamer TraumNistet sich ein,Mit meiner VerhöhnungBedeckt sich die Leere.

Grausamer Traum

Nistet sich ein,

Mit meiner Verhöhnung

Bedeckt sich die Leere.

Ich tat nichts,Doch trifft mich Schuld.Trotz und DemutEinen sich.

Ich tat nichts,

Doch trifft mich Schuld.

Trotz und Demut

Einen sich.

Das Mal der Gerecktheit,In die man verfälltAußer sich trunken,Ist kein Makel an mir.

Das Mal der Gerecktheit,

In die man verfällt

Außer sich trunken,

Ist kein Makel an mir.

Mich zeichnet ErschlaffungNach so viel Aufruhr.Käme der Herr jetzt,Mich tötete Scham.

Mich zeichnet Erschlaffung

Nach so viel Aufruhr.

Käme der Herr jetzt,

Mich tötete Scham.

Ich verginge.Vor seiner GüteIch müßte knieen.Ich könnte weinen.

Ich verginge.

Vor seiner Güte

Ich müßte knieen.

Ich könnte weinen.

Nun bin ich die Herrin der TänzeIm Kreis meiner Mühe.Mich durchschreiten die PaareAm Tag der Vermählung.

Nun bin ich die Herrin der Tänze

Im Kreis meiner Mühe.

Mich durchschreiten die Paare

Am Tag der Vermählung.

Vor so viel EntzückenErreicht meine SeeleEinsamen Schmerz,Ich darf nicht teilen.

Vor so viel Entzücken

Erreicht meine Seele

Einsamen Schmerz,

Ich darf nicht teilen.

Doch kommt das FeuerAn meinen Brunnen,Ich stürze es in michOhne Abwehr.

Doch kommt das Feuer

An meinen Brunnen,

Ich stürze es in mich

Ohne Abwehr.

Mein TagIst der Tag Gottes,An demIch ohne Volk bin.

Mein Tag

Ist der Tag Gottes,

An dem

Ich ohne Volk bin.

In Tahiti kämmen am Meer die Mädchen schweres Haar mit schwankenden Händen,Zu dem nahen Ton der Muscheln neigen sie die braunen Nacken,Frucht verheißt des Landes Fülle,Sonnenfeuer folgt zur Frühe jeder Nacht voll fremder Kühle.

In Tahiti kämmen am Meer die Mädchen schweres Haar mit schwankenden Händen,

Zu dem nahen Ton der Muscheln neigen sie die braunen Nacken,

Frucht verheißt des Landes Fülle,

Sonnenfeuer folgt zur Frühe jeder Nacht voll fremder Kühle.

In Tahiti weht der Meerwind weiße Vögel durch die Luft,Kleine Federn fallen wirbelnd in den flinken Tanz der Kinder,Zarte Finger, steif vor Vorsicht, fassen die verlornen Flocken,Weiße Zähne funkeln Freude,Flache Hände fordern mehr.

In Tahiti weht der Meerwind weiße Vögel durch die Luft,

Kleine Federn fallen wirbelnd in den flinken Tanz der Kinder,

Zarte Finger, steif vor Vorsicht, fassen die verlornen Flocken,

Weiße Zähne funkeln Freude,

Flache Hände fordern mehr.

Nicht am Tor fragt die Arbeit jeden Morgen,Aller Traum wird ausgeträumt,Reif verlangt das Weib zum ManneUnd die Falter fliegen nie vergebensUnd die Feinde fliehen nie einander.

Nicht am Tor fragt die Arbeit jeden Morgen,

Aller Traum wird ausgeträumt,

Reif verlangt das Weib zum Manne

Und die Falter fliegen nie vergebens

Und die Feinde fliehen nie einander.

In das Spiel des Alltags klingt die Flöte,Doch zur Feier tönen weiche HarfenVon den Ufern Duft der WasserblumenUnd die leise Fahrt der bunten Kähne,In den dunklen Wäldern Sturm der WipfelUnd das Flüstern schlankgewachsner Gräser.

In das Spiel des Alltags klingt die Flöte,

Doch zur Feier tönen weiche Harfen

Von den Ufern Duft der Wasserblumen

Und die leise Fahrt der bunten Kähne,

In den dunklen Wäldern Sturm der Wipfel

Und das Flüstern schlankgewachsner Gräser.

Über Wiesen in Tahiti fließen rieselnd frische Bäche,Streifen leichte Weidenzweige hauchgebeugt die helle Nässe,Gelber Sand und grüner Halm fangen wechselnd schmale Füße,Jeder Blick ermahnt zu bleibenJede Ferne treibt zu eilen.

Über Wiesen in Tahiti fließen rieselnd frische Bäche,

Streifen leichte Weidenzweige hauchgebeugt die helle Nässe,

Gelber Sand und grüner Halm fangen wechselnd schmale Füße,

Jeder Blick ermahnt zu bleiben

Jede Ferne treibt zu eilen.

Karge Männer gehen nach einem nimmermüden Werke,Wenn ihr Steinbeil Stämme fälltSehn sie stumm der Frauen Sorgfalt,Und die Liebe lichter Lieder mischt sich ihrem rauhen Sange.

Karge Männer gehen nach einem nimmermüden Werke,

Wenn ihr Steinbeil Stämme fällt

Sehn sie stumm der Frauen Sorgfalt,

Und die Liebe lichter Lieder mischt sich ihrem rauhen Sange.

Solln wir schaun zur Gruft der FlutenUnd des Sturmes Gut ergründen?Hundert schlug sein Zorn zurück.Oder solln in weiter WölbungAugen wandern, wundersuchend,Der Gestirne Gang zu folgen?

Solln wir schaun zur Gruft der Fluten

Und des Sturmes Gut ergründen?

Hundert schlug sein Zorn zurück.

Oder solln in weiter Wölbung

Augen wandern, wundersuchend,

Der Gestirne Gang zu folgen?

Soll der Sprung die Glieder tragenÜber Gräben und Gemäuer,Und der Schlag der Herzen fliegenBis wir matt an Eure straffenMuskelschweren Kniee sinken?

Soll der Sprung die Glieder tragen

Über Gräben und Gemäuer,

Und der Schlag der Herzen fliegen

Bis wir matt an Eure straffen

Muskelschweren Kniee sinken?

Oder Eure kleinen SöhneMit uns nehmen, gehen lehren,Ihren guten Schlaf bewachenUnd den ahnungslosen AugenTäglich Ding zu schauen geben?

Oder Eure kleinen Söhne

Mit uns nehmen, gehen lehren,

Ihren guten Schlaf bewachen

Und den ahnungslosen Augen

Täglich Ding zu schauen geben?

Sei nicht Führer vieler,Weiser sei am WegWachsend zwischen WolkenIn den reinsten Himmel.Suche nicht nach Glück,Anderen vergönntSei dem Herz kein Sänger,Wecker sei der Seele.Sieh nicht ins Gesicht der WeltWenn Du schweigst, sind andre stumm,Und Dein Wort durchstürzt das FleischUn—endlich.

Sei nicht Führer vieler,

Weiser sei am Weg

Wachsend zwischen Wolken

In den reinsten Himmel.

Suche nicht nach Glück,

Anderen vergönnt

Sei dem Herz kein Sänger,

Wecker sei der Seele.

Sieh nicht ins Gesicht der Welt

Wenn Du schweigst, sind andre stumm,

Und Dein Wort durchstürzt das Fleisch

Un—endlich.

Weich von ElendÜberstürmt von TodHalten wir GüteIn geschlossner Faust.

Weich von Elend

Überstürmt von Tod

Halten wir Güte

In geschlossner Faust.

Wir sind soWie die Kinder,Bloß daß wirSchreiten müssen.

Wir sind so

Wie die Kinder,

Bloß daß wir

Schreiten müssen.

Da steigen unsSchwere verworreneHeimlichkeitenVor die Sinne.

Da steigen uns

Schwere verworrene

Heimlichkeiten

Vor die Sinne.

Die stürzen unsIn Härte,Sonst frißt unsFremde Lockung.Güte ist kein Weg,Helfen kann nur Weisung,Der Führer istGeht einsam voran.

Die stürzen uns

In Härte,

Sonst frißt uns

Fremde Lockung.

Güte ist kein Weg,

Helfen kann nur Weisung,

Der Führer ist

Geht einsam voran.

Er kennt kein Opfer,Ihm sticht das LichtDer eigenen AugenErinnerung aus,

Er kennt kein Opfer,

Ihm sticht das Licht

Der eigenen Augen

Erinnerung aus,

Nur im SchlafeUmrauscht ihnEine AhnungKommender Liebe.

Nur im Schlafe

Umrauscht ihn

Eine Ahnung

Kommender Liebe.

„Fleisch hat die Augen geschlagen,Ich muß darein gehn,Wie soll ich nun sehn?“„Fleisch wird Dich aufwärts tragen.“

„Fleisch hat die Augen geschlagen,

Ich muß darein gehn,

Wie soll ich nun sehn?“

„Fleisch wird Dich aufwärts tragen.“

„Da ist der Leib sehr wund,Verzehrt, schwach und heiß.Wie wird mein Leib nun weiß?“„Liebe macht ihn gesund.“

„Da ist der Leib sehr wund,

Verzehrt, schwach und heiß.

Wie wird mein Leib nun weiß?“

„Liebe macht ihn gesund.“

„Doch wer gelangt zu mirUnd reicht bis an ein Ende.Wer greift an meine Hände?“„Gottist genug in Dir.“

„Doch wer gelangt zu mir

Und reicht bis an ein Ende.

Wer greift an meine Hände?“

„Gottist genug in Dir.“

„Wo find ich seine ZeichenUnd weiß sie zu erfüllen?Wer kann so hohem WillenMit seiner Armut gleichen?“

„Wo find ich seine Zeichen

Und weiß sie zu erfüllen?

Wer kann so hohem Willen

Mit seiner Armut gleichen?“

„Feuer begehrt Dich schwer,Laß Dich erfassenAußer allen MaßenIst derGeistDein Herr.

„Feuer begehrt Dich schwer,

Laß Dich erfassen

Außer allen Maßen

Ist derGeistDein Herr.

Wachse an diesem Berg,Wie wirst Du glühend sehn,Wie wird Dir groß geschehn,Höchste Lust imWerk.“

Wachse an diesem Berg,

Wie wirst Du glühend sehn,

Wie wird Dir groß geschehn,

Höchste Lust imWerk.“

Der ich schon längst nicht schenkeAus kleinem Krug an Mensch und Welt,Wohin es mich auch lenkeBleibst Du mir immer beigesellt.

Der ich schon längst nicht schenke

Aus kleinem Krug an Mensch und Welt,

Wohin es mich auch lenke

Bleibst Du mir immer beigesellt.

Aussend ich wilde MannheitUm Deinen milden Frauenleib,Eingehen mußt Du meiner Zeit,Zu geben großes Bild vom Weib.

Aussend ich wilde Mannheit

Um Deinen milden Frauenleib,

Eingehen mußt Du meiner Zeit,

Zu geben großes Bild vom Weib.

Ich will aus Dir herlesenWas in der Zeit noch grauend liegt,Einbrechen in Dein WesenWie man in glühend Eisen biegt.

Ich will aus Dir herlesen

Was in der Zeit noch grauend liegt,

Einbrechen in Dein Wesen

Wie man in glühend Eisen biegt.

Gewiß verbirgt Dein guter SchoßDas Sterben und die ganze Not,Verschlossen hüpft und riesengroßIn Dir schon unser aller Tod.

Gewiß verbirgt Dein guter Schoß

Das Sterben und die ganze Not,

Verschlossen hüpft und riesengroß

In Dir schon unser aller Tod.

Drum laß ich nieder, wo Du bist,Die müdgespannte MuskellastO sei Du heilig rein geküßtDa Du mich eingelassen hast.

Drum laß ich nieder, wo Du bist,

Die müdgespannte Muskellast

O sei Du heilig rein geküßt

Da Du mich eingelassen hast.

Die Erde tat am Mond Verrat,Nun kann ihr keine Obhut sein,Rot Feuer fällt auf unsere Stadt,In Trümmern Du und ich allein.

Die Erde tat am Mond Verrat,

Nun kann ihr keine Obhut sein,

Rot Feuer fällt auf unsere Stadt,

In Trümmern Du und ich allein.

Zweifach durch schwarze Nacht gescheuchtScharlachentzündet Firmament,O mein zerschrienes Herz schrill keucht,Daß mein Gesicht Dich nicht mehr kennt.

Zweifach durch schwarze Nacht gescheucht

Scharlachentzündet Firmament,

O mein zerschrienes Herz schrill keucht,

Daß mein Gesicht Dich nicht mehr kennt.

Da nimmst Du meinen Kopf an dich,Aus der unsagbar Edles spricht,Ins Auge ungeheuerlichBricht überströmend neu das Licht.

Da nimmst Du meinen Kopf an dich,

Aus der unsagbar Edles spricht,

Ins Auge ungeheuerlich

Bricht überströmend neu das Licht.

Schwingt Anemonen trunkenDer traumersehnte See,Die Zeiten sind gesunken,Aus Blumen bleicht der Schnee.

Schwingt Anemonen trunken

Der traumersehnte See,

Die Zeiten sind gesunken,

Aus Blumen bleicht der Schnee.

Die Schädel vieler LeichenSind in die Luft gepflanzt,Auf Feldern ohnegleichenWird wundersam getanzt.

Die Schädel vieler Leichen

Sind in die Luft gepflanzt,

Auf Feldern ohnegleichen

Wird wundersam getanzt.

Aus Klängen Bäche bluten,In Eins zuspitzt die Welt,Aus Lärm und Ruf und GlutenWird Heiland neu bestellt.

Aus Klängen Bäche bluten,

In Eins zuspitzt die Welt,

Aus Lärm und Ruf und Gluten

Wird Heiland neu bestellt.

*

Die jungen Juden habenDräuend die Hand gestreckt,Was ihre Herzen gabenHält süß ihn zugedeckt.

Die jungen Juden haben

Dräuend die Hand gestreckt,

Was ihre Herzen gaben

Hält süß ihn zugedeckt.

Aus ihren HungergassenWächst Jubel langsam auf,Noch können sie nicht fassen.Starr geht ihr Blick hinauf.

Aus ihren Hungergassen

Wächst Jubel langsam auf,

Noch können sie nicht fassen.

Starr geht ihr Blick hinauf.

Doch dann sind sie unbändigUnd Leid bricht rot heraus,Das schleudern tausendhändigSie in die Zeiten aus.

Doch dann sind sie unbändig

Und Leid bricht rot heraus,

Das schleudern tausendhändig

Sie in die Zeiten aus.

*

Es ist nur ein Gesicht,Das auf der Erde geht,Nur einer ist, der spricht,Jed Wort wird zum Gebet.

Es ist nur ein Gesicht,

Das auf der Erde geht,

Nur einer ist, der spricht,

Jed Wort wird zum Gebet.

Den Schnitter in der HitzeSpringt Grausen geltend an,Kein Zweiter bleibt, der stütze,Nicht kennt sich Weib noch Mann.

Den Schnitter in der Hitze

Springt Grausen geltend an,

Kein Zweiter bleibt, der stütze,

Nicht kennt sich Weib noch Mann.

Gott sind die Menschen alleUnd Auge, das erlischt,Sie schrein, bereit zum Falle,Einander ins Gericht.

Gott sind die Menschen alle

Und Auge, das erlischt,

Sie schrein, bereit zum Falle,

Einander ins Gericht.

*

Hört Glockenrasen ragen,Hell aufgebäumt von Stoß,Die schuldig sind, sie sagenSich voneinander los.

Hört Glockenrasen ragen,

Hell aufgebäumt von Stoß,

Die schuldig sind, sie sagen

Sich voneinander los.

Ein heulend Stürzen niederGepackt von aller LastZerspringen ihre Glieder —Gott hat sie angefaßt.

Ein heulend Stürzen nieder

Gepackt von aller Last

Zerspringen ihre Glieder —

Gott hat sie angefaßt.

Die Erde überwehenKühler und schwarzer Wind.Dann bleibt die Erde stehen.Gott wurde trauernd blind.

Die Erde überwehen

Kühler und schwarzer Wind.

Dann bleibt die Erde stehen.

Gott wurde trauernd blind.

*

Schwingt Anemonen trunkenDer traumersehnte See,Die Zeiten sind versunken,Aus Blumen bleicht der Schnee.

Schwingt Anemonen trunken

Der traumersehnte See,

Die Zeiten sind versunken,

Aus Blumen bleicht der Schnee.

Still kommen hergefahrenIn Nachen singend LiedUnzählbar Seelenscharen,Aus denen Himmel blüht.

Still kommen hergefahren

In Nachen singend Lied

Unzählbar Seelenscharen,

Aus denen Himmel blüht.

Sie tragen ihre HelleAn den verwünschten Ort.Aufnimmt sie Sonnenwelle,Sie leben herrlich fort!

Sie tragen ihre Helle

An den verwünschten Ort.

Aufnimmt sie Sonnenwelle,

Sie leben herrlich fort!

Du gib die überhelle Kraft,Aus der der Stern der Güte stammt,Zerspreng die Haft, gib WissenschaftUnd unermeßlich machtvoll Amt.

Du gib die überhelle Kraft,

Aus der der Stern der Güte stammt,

Zerspreng die Haft, gib Wissenschaft

Und unermeßlich machtvoll Amt.

Was gab denn Haß, da ich vergaßUnd Liebe, die in Qual verrann,Wenn ich mich alles des vermaßSag an, was blieb mir dann!

Was gab denn Haß, da ich vergaß

Und Liebe, die in Qual verrann,

Wenn ich mich alles des vermaß

Sag an, was blieb mir dann!

Mein Schlaf schwimmt in verzagten TagUnd ahnt die Ufer nicht,Wie leicht erlag dem starren SchlagMein helles Traumgesicht.

Mein Schlaf schwimmt in verzagten Tag

Und ahnt die Ufer nicht,

Wie leicht erlag dem starren Schlag

Mein helles Traumgesicht.

So gib, daß ich der Hüter einstNah Deinem Atem bin,Wenn Gott Du weinst, Licht, wenn Du scheinst,Wie stürzt da alles selig hin!

So gib, daß ich der Hüter einst

Nah Deinem Atem bin,

Wenn Gott Du weinst, Licht, wenn Du scheinst,

Wie stürzt da alles selig hin!


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