Achte Scene.

Ich säh’ Sie einmal gern mit meiner TanteUm durchzuhecheln sämmtliche Bekannte.

Ich säh’ Sie einmal gern mit meiner Tante

Um durchzuhecheln sämmtliche Bekannte.

Tschatzki.

Das Hoffräulein, noch aus Cathrina’s Zeit,Die ganz Minerva’s Dienste sich geweiht!Ich glaub’ sie war in ihrem ganzen LebenVon kleinen Mädchen nur und Möpsen rings umgeben.Dochà propos! Wie ist denn jetzt die Lehrmethode?Ist es noch immer ModeEin Regiment von Lehrern aufzuweisen,An Zahl vollauf, doch billigst in den Preisen?Und nicht, als ob sie viel grad’ brauchten zu versteh’n:Befohlen ist’s — bei hohen StrafenHistoriker und GeographenIn jedem hergelauf’nen Wicht zu sehn.Erinnern Sie sich jenes AltenDer unser Mentor war? Er pflegte so zu haltenDen Zeigefinger ausgereckt —Fast einem Wegeweiser zu vergleichen,und Rock und Käppchen der Gelahrtheit Zeichen!Wie oft hat er als Kinder uns erschreckt!Wie haben wir das oft vernommen,Nur von dem Ausland könnt’ das Heil uns kommen.Wie sind wir überzeugt, wir armen Thoren,Daß ohne Deutsche wir ganz rettungslos verloren!Und der Franzose GuillauméGanz Luft und Wind,Knüpft er noch nicht das Band der Eh’Mit irgend einem schönen Kind?

Das Hoffräulein, noch aus Cathrina’s Zeit,

Die ganz Minerva’s Dienste sich geweiht!

Ich glaub’ sie war in ihrem ganzen Leben

Von kleinen Mädchen nur und Möpsen rings umgeben.

Dochà propos! Wie ist denn jetzt die Lehrmethode?

Ist es noch immer Mode

Ein Regiment von Lehrern aufzuweisen,

An Zahl vollauf, doch billigst in den Preisen?

Und nicht, als ob sie viel grad’ brauchten zu versteh’n:

Befohlen ist’s — bei hohen Strafen

Historiker und Geographen

In jedem hergelauf’nen Wicht zu sehn.

Erinnern Sie sich jenes Alten

Der unser Mentor war? Er pflegte so zu halten

Den Zeigefinger ausgereckt —

Fast einem Wegeweiser zu vergleichen,

und Rock und Käppchen der Gelahrtheit Zeichen!

Wie oft hat er als Kinder uns erschreckt!

Wie haben wir das oft vernommen,

Nur von dem Ausland könnt’ das Heil uns kommen.

Wie sind wir überzeugt, wir armen Thoren,

Daß ohne Deutsche wir ganz rettungslos verloren!

Und der Franzose Guillaumé

Ganz Luft und Wind,

Knüpft er noch nicht das Band der Eh’

Mit irgend einem schönen Kind?

Sophie.

Mit wem?

Mit wem?

Tschatzki.

Nun jede Fürstin, zum ExempelDie gute Fürstin JuliaGing’ gern mit ihm in Hymens Tempel.

Nun jede Fürstin, zum Exempel

Die gute Fürstin Julia

Ging’ gern mit ihm in Hymens Tempel.

Sophie.

Tanzmeister ist er ja!

Tanzmeister ist er ja!

Tschatzki.

UndRitter! Ja! — Von uns verlangt die WeltGeburt, Erziehung, Rang und Geld —Doch Guillaumé ........Wie ist der Ton denn heut zu Tage?Herrscht noch das Sprachgewirr, die alte Ohrenplage?Wird noch — selbst auf der kleinsten AssembleeUnd von den GästenBei Kirchweih-FestenFranzösisch stets in Brocken aufgetischt?

UndRitter! Ja! — Von uns verlangt die Welt

Geburt, Erziehung, Rang und Geld —

Doch Guillaumé ........

Wie ist der Ton denn heut zu Tage?

Herrscht noch das Sprachgewirr, die alte Ohrenplage?

Wird noch — selbst auf der kleinsten Assemblee

Und von den Gästen

Bei Kirchweih-Festen

Französisch stets in Brocken aufgetischt?

Sophie(zerstreut).

Ein Sprachgewirr?

Ein Sprachgewirr?

Tschatzki.

Zwei werden wenigstens gemischt.

Zwei werden wenigstens gemischt.

Lisette.

Nun, nun, es wär’ doch schwerAus allen beiden SprachenEtwas zu machen,Was Ihrer Sprache ähnlich wär’.

Nun, nun, es wär’ doch schwer

Aus allen beiden Sprachen

Etwas zu machen,

Was Ihrer Sprache ähnlich wär’.

Tschatzki.

Ei, schwülstig spreche ich doch nie? —Da haben wir’s — da sehen Sie,Ich nutze die Minuten!Durch Ihren Anblick ganz in GluthenKam ich in’s tausendste hinein,Und gleich läßt man mich schwatzhaft sein.Doch weiß ich, daß es Zeiten gabWo ich verschlossen wie ein Grab,Wo ich noch ärmer schien an Geist,Als Ihres Vaters Secretair,Moltschálin — oder wie er heißt —Das stille Männchen da aus Twer,Der stets so artig und geschniegelt!Hat er sein Schweigen endlich jetzt entsiegelt?Wo er ein Heft mit neuen Liedchen fand,War er gleich höflich bei der Hand —Bat um Erlaubniß sie sich abzuschreiben;Doch steigen freilich jetzt auch solcherlei Naturen,Denn heut zu Tage liebt man stumme Creaturen.

Ei, schwülstig spreche ich doch nie? —

Da haben wir’s — da sehen Sie,

Ich nutze die Minuten!

Durch Ihren Anblick ganz in Gluthen

Kam ich in’s tausendste hinein,

Und gleich läßt man mich schwatzhaft sein.

Doch weiß ich, daß es Zeiten gab

Wo ich verschlossen wie ein Grab,

Wo ich noch ärmer schien an Geist,

Als Ihres Vaters Secretair,

Moltschálin — oder wie er heißt —

Das stille Männchen da aus Twer,

Der stets so artig und geschniegelt!

Hat er sein Schweigen endlich jetzt entsiegelt?

Wo er ein Heft mit neuen Liedchen fand,

War er gleich höflich bei der Hand —

Bat um Erlaubniß sie sich abzuschreiben;

Doch steigen freilich jetzt auch solcherlei Naturen,

Denn heut zu Tage liebt man stumme Creaturen.

Sophie(bei Seite).

O, diese Schlange!(laut und gereizt)Ach, ich wollt’ Sie fragen:Ist’s Ihnen wohl passirt, im Ernste oder ScherzVon Jemand — im Versehn — was Gutes wohl zu sagen?Wenn auch nicht jetzt, vielleicht in Ihrer Jugend?

O, diese Schlange!

(laut und gereizt)Ach, ich wollt’ Sie fragen:

Ist’s Ihnen wohl passirt, im Ernste oder Scherz

Von Jemand — im Versehn — was Gutes wohl zu sagen?

Wenn auch nicht jetzt, vielleicht in Ihrer Jugend?

Tschatzki.

Was weiß man da von Lastern und von Tugend?Wozu so weit zurück? Ist es ein schlechter Zug,Daß ich durch Sturm und Steppen, Tag und Nacht,Selbst mit Gefahr des Lebens,Zu Ihnen her den weiten Weg gemacht?Und Alles, ach, vergebens! —Wie sind Sie stolz und kalt!Ich schau’ Sie an seit einer halben Stunde —Verloren in die liebliche Gestalt —Und ach, nur stärker blutet meine Wunde!

Was weiß man da von Lastern und von Tugend?

Wozu so weit zurück? Ist es ein schlechter Zug,

Daß ich durch Sturm und Steppen, Tag und Nacht,

Selbst mit Gefahr des Lebens,

Zu Ihnen her den weiten Weg gemacht?

Und Alles, ach, vergebens! —

Wie sind Sie stolz und kalt!

Ich schau’ Sie an seit einer halben Stunde —

Verloren in die liebliche Gestalt —

Und ach, nur stärker blutet meine Wunde!

(Kleine Pause.)

Erlauben Sie mir diese Frage:Ist wirklich Alles beißend was ich sage?Und können Sie den Vorwurf auf mich laden,Als wollt’ ich jemand dadurch schaden?Wahrhaftig, wenn mein Mund vielleicht auch so gesprochen,So hat mein Herz doch nichts verbrochen,Das Wunderliche pfleg’ ich zu belachen,Doch werd’ ich ein Geschäft daraus mir niemals machen!Gebieten Sie ins Feuer mir zu gehnFür Sie, — mit Freuden soll’s geschehn.

Erlauben Sie mir diese Frage:

Ist wirklich Alles beißend was ich sage?

Und können Sie den Vorwurf auf mich laden,

Als wollt’ ich jemand dadurch schaden?

Wahrhaftig, wenn mein Mund vielleicht auch so gesprochen,

So hat mein Herz doch nichts verbrochen,

Das Wunderliche pfleg’ ich zu belachen,

Doch werd’ ich ein Geschäft daraus mir niemals machen!

Gebieten Sie ins Feuer mir zu gehn

Für Sie, — mit Freuden soll’s geschehn.

Sophie.

Nun gut, — verbrennen Sie!Doch wenn’s mißlänge? — wie?

Nun gut, — verbrennen Sie!

Doch wenn’s mißlänge? — wie?

Die Vorigen. Famussoff.

Famussoff(in der Thür).

Da haben wir’s, da steht der Zweite!

Da haben wir’s, da steht der Zweite!

Sophie.

Ach Väterchen, der Traum von heute!

Ach Väterchen, der Traum von heute!

(Geht ab, Lisette folgt.)

Famussoff(bei Seite).

Verdammter Traum!

Verdammter Traum!

Famussoff.Tschatzki(sieht Sophien nach).

Famussoff.

Nun sag’, was hast Du denn getrieben?Wie, in drei Jahren nicht ein Wort geschrieben,Und plötzlich fällst Du wie vom Himmel nieder!

Nun sag’, was hast Du denn getrieben?

Wie, in drei Jahren nicht ein Wort geschrieben,

Und plötzlich fällst Du wie vom Himmel nieder!

(Umarmt ihn.)

Nun, sei willkommen Freund, willkommen!Du alter Junge, Du!Jetzt haben wir Dich wieder!Nun, Abentheuer konnten Dir nicht fehlen,Da setze Dich, und nun mußt Du erzählen.

Nun, sei willkommen Freund, willkommen!

Du alter Junge, Du!

Jetzt haben wir Dich wieder!

Nun, Abentheuer konnten Dir nicht fehlen,

Da setze Dich, und nun mußt Du erzählen.

(Sie setzen sich.)

Tschatzki(nachdenklich).

Wie ist doch Ihre Tochter schön!

Wie ist doch Ihre Tochter schön!

Famussoff.

Ihr junges Volk wißt auf nichts anderes zu sehn,Als darauf, ob die Mädchen schön.Da hat sie etwas obenhin gesagt,Was Deiner Eigenliebe gleich behagt;Doch Hoffnung hat schon oft betrogen!

Ihr junges Volk wißt auf nichts anderes zu sehn,

Als darauf, ob die Mädchen schön.

Da hat sie etwas obenhin gesagt,

Was Deiner Eigenliebe gleich behagt;

Doch Hoffnung hat schon oft betrogen!

Tschatzki.

Mich hat sie wahrlich nicht verzogen.

Mich hat sie wahrlich nicht verzogen.

Famussoff.

Der Traum von heute — sagte sie —Und Du, Du grübelst nach, ich wette,Was denn SophieGeträumt wohl hätte?

Der Traum von heute — sagte sie —

Und Du, Du grübelst nach, ich wette,

Was denn Sophie

Geträumt wohl hätte?

Tschatzki.

Ich grüble nicht, es fiel mir niemals ein,Den Sinn von Träumen auszulegen.

Ich grüble nicht, es fiel mir niemals ein,

Den Sinn von Träumen auszulegen.

Famussoff.

Freund, traue nicht den Frauen!

Freund, traue nicht den Frauen!

Tschatzki.

Nur meinen Augen will ich trauen,Und das muß offenherzig ich gestehn,Das Fräulein ist ganz unvergleichlich schön!

Nur meinen Augen will ich trauen,

Und das muß offenherzig ich gestehn,

Das Fräulein ist ganz unvergleichlich schön!

Famussoff(bei Seite).

Er ist davon nicht abzubringen!(laut)Doch sage mir vor allen Dingen:Wo warst Du denn die ganze Zeit?Drei Jahre fort, das will was heißen!

Er ist davon nicht abzubringen!

(laut)Doch sage mir vor allen Dingen:

Wo warst Du denn die ganze Zeit?

Drei Jahre fort, das will was heißen!

Tschatzki.

Unmöglich kann ich jetzt erzählen!Die ganze Welt wollt’ ich durchreisenUnd kam nicht tausend Stunden weit.

Unmöglich kann ich jetzt erzählen!

Die ganze Welt wollt’ ich durchreisen

Und kam nicht tausend Stunden weit.

(Steht schnell auf.)

Ich muß jetzt fort — durchaus —Ich eilte her und war noch nicht zu Haus.Nach einer Stunde komm’ ich wieder,Dann setzen wir uns traulich nieder,An Abentheuern soll es dann nicht fehlen —Sie können sie dann aller Welt erzählen.

Ich muß jetzt fort — durchaus —

Ich eilte her und war noch nicht zu Haus.

Nach einer Stunde komm’ ich wieder,

Dann setzen wir uns traulich nieder,

An Abentheuern soll es dann nicht fehlen —

Sie können sie dann aller Welt erzählen.

(Im Abgehen zu Sophiens Zimmer gewendet:)

Wie ist sie schön!

Wie ist sie schön!

(Ab.)

Famussoff(allein).

Wer ist’s nun von den Zwei’n?„Ach Väterchen, der Traum trifft ein,“Und sagt’s mir laut! Ei, ei, ich muß gestehnIch habe mich versehn!Ich habe einen Bock geschossen,Und auf Moltschálin meine Galle erst ergossen,Doch jetzt heißt’s: Aus dem Regen in die Traufe! —Derist ein Bettler,derals Seladon bekanntUnd als ein Muthwill und VerschwenderBei Jung und Alt im ganzen Land! — — —Was machen uns — Herr du Gerechter! —Für Plagen doch erwachs’ne Töchter!

Wer ist’s nun von den Zwei’n?

„Ach Väterchen, der Traum trifft ein,“

Und sagt’s mir laut! Ei, ei, ich muß gestehn

Ich habe mich versehn!

Ich habe einen Bock geschossen,

Und auf Moltschálin meine Galle erst ergossen,

Doch jetzt heißt’s: Aus dem Regen in die Traufe! —

Derist ein Bettler,derals Seladon bekannt

Und als ein Muthwill und Verschwender

Bei Jung und Alt im ganzen Land! — — —

Was machen uns — Herr du Gerechter! —

Für Plagen doch erwachs’ne Töchter!

(Bleibt nachdenklich stehn. Der Vorhang fällt.)

Ende des ersten Akts.

[1]Bis dahin muß die Musik immer zu hören sein.


Back to IndexNext