Zweiter Akt.
Ein Empfangzimmer mit mehreren Thüren, links ein Fenster.
Famussoff.Ein Diener.
(Die Mittelthür wird von einem vorangehenden Diener rasch geöffnet undFamussofftritt, elegant gekleidet, herein; an der Thür bleibt er etwas stehen, um den Diener zu mustern.)
Famussoff.
Hör’! Peter, hör’! An Dir ist stets was neu!Nun ist amEllenbogenwieder was entzwei!(Setzt sich)Nimm den Kalender. — Doch den liest erGerade wie ein alter Küster!Lies mit Gefühl, Verstand, und dann und wannBei Punct und Komma halte an. —Doch schreib erst lieberAuf jenem leeren Blatte da,Der nächsten Woche gegenüber:„Am Dienstag zur Baronin Fladen„Bin auf Forellen ich geladen!“ —Wie ist die Welt doch wunderbar creirt!Wenn man darüber erst philosophirt,So schwindelt der Verstand. — O je, o je!Da nimmt man sich in Acht, und dann kommt ein Dinér!Drei volle Stunden muß man kauen,Und in drei Tagen kann man’s kaum verdauen!Bemerk’ am selben Tag — ach nein,Am Donnerstag wird das Begräbniß sein!O Menschenvolk — mit deinem leichten Sinn! —Wir müssen Alle doch dahin! — — —In jenen Kasten kommt doch jedermann,In dem man weder stehn noch sitzen kann.Doch will sich jemand Lob und Ruhm erwerben:Hier nehm’ ein Beispiel er!Der Sel’ge war ein achtungswerther Kammerherr —Er hatte hinten ja den Schlüssel,Schafft’ auch den Schlüssel seinem Sohn;Selbst reich, ich weiß das ganz genau,Vermählt’ er sich mit einer reichen Frau,Und fand Parthie’n für alle seine Töchter.Nun ist er todt! Als Frommer und GerechterIst er aus dieser Welt geschieden,Und — ruht in Frieden!Und wird beweint von Kind und Kindeskind —Die all das schöne Gut nun von ihm erben. —Was doch in unserm Moskau hierFür wicht’ge Männer sindUnd leben hier und — sterben! —Am Donnerstag, schreib eins zum andern, Peter —Doch könnt’s auch Freitag sein,Wer weiß, vielleicht auch später,Muß ich zur Doktorswittwe gehnGevatter stehn;Zwar habe ich noch nichts vernommen,Allein mir däucht es muß so kommenWenn meine Rechnung richtig —
Hör’! Peter, hör’! An Dir ist stets was neu!
Nun ist amEllenbogenwieder was entzwei!
(Setzt sich)Nimm den Kalender. — Doch den liest er
Gerade wie ein alter Küster!
Lies mit Gefühl, Verstand, und dann und wann
Bei Punct und Komma halte an. —
Doch schreib erst lieber
Auf jenem leeren Blatte da,
Der nächsten Woche gegenüber:
„Am Dienstag zur Baronin Fladen
„Bin auf Forellen ich geladen!“ —
Wie ist die Welt doch wunderbar creirt!
Wenn man darüber erst philosophirt,
So schwindelt der Verstand. — O je, o je!
Da nimmt man sich in Acht, und dann kommt ein Dinér!
Drei volle Stunden muß man kauen,
Und in drei Tagen kann man’s kaum verdauen!
Bemerk’ am selben Tag — ach nein,
Am Donnerstag wird das Begräbniß sein!
O Menschenvolk — mit deinem leichten Sinn! —
Wir müssen Alle doch dahin! — — —
In jenen Kasten kommt doch jedermann,
In dem man weder stehn noch sitzen kann.
Doch will sich jemand Lob und Ruhm erwerben:
Hier nehm’ ein Beispiel er!
Der Sel’ge war ein achtungswerther Kammerherr —
Er hatte hinten ja den Schlüssel,
Schafft’ auch den Schlüssel seinem Sohn;
Selbst reich, ich weiß das ganz genau,
Vermählt’ er sich mit einer reichen Frau,
Und fand Parthie’n für alle seine Töchter.
Nun ist er todt! Als Frommer und Gerechter
Ist er aus dieser Welt geschieden,
Und — ruht in Frieden!
Und wird beweint von Kind und Kindeskind —
Die all das schöne Gut nun von ihm erben. —
Was doch in unserm Moskau hier
Für wicht’ge Männer sind
Und leben hier und — sterben! —
Am Donnerstag, schreib eins zum andern, Peter —
Doch könnt’s auch Freitag sein,
Wer weiß, vielleicht auch später,
Muß ich zur Doktorswittwe gehn
Gevatter stehn;
Zwar habe ich noch nichts vernommen,
Allein mir däucht es muß so kommen
Wenn meine Rechnung richtig —
Die Vorigen.Tschatzki.
Famussoff.
Ah! —Alexander, Du bist da!Nun — setze Dich.
Ah! —
Alexander, Du bist da!
Nun — setze Dich.
Tschatzki.
Es scheint mir, Sie beschäft’gen sich —
Es scheint mir, Sie beschäft’gen sich —
Famussoff(zum Diener).
Geh, Peterchen.
Geh, Peterchen.
(Der Diener geht ab.)
Ich merkt’ Geschäfte an,Die, Gott behüt’s, man leicht vergessen kann.
Ich merkt’ Geschäfte an,
Die, Gott behüt’s, man leicht vergessen kann.
(Pause.)
Tschatzki.
Hab’ ich die Stunde etwa schlecht gewählt?Ich hoffe nicht, daß Ihrer Tochter etwas fehlt! —Ja, Sie sind mißvergnügt! Nicht wahr?Ich seh’ es am Gesicht, an Ihren Mienen,Was fehlet Ihnen?
Hab’ ich die Stunde etwa schlecht gewählt?
Ich hoffe nicht, daß Ihrer Tochter etwas fehlt! —
Ja, Sie sind mißvergnügt! Nicht wahr?
Ich seh’ es am Gesicht, an Ihren Mienen,
Was fehlet Ihnen?
Famussoff.
Ach, bester Freund, was ist da sonderbar?In meinem Alter — ei es ist zum lachen! —Soll ich noch Capriolen machen?
Ach, bester Freund, was ist da sonderbar?
In meinem Alter — ei es ist zum lachen! —
Soll ich noch Capriolen machen?
Tschatzki.
Davon ist nicht die Rede, — sagen SieMir nur — was macht Fräulein Sophie? —
Davon ist nicht die Rede, — sagen Sie
Mir nur — was macht Fräulein Sophie? —
Famussoff.
Daß Dich! — — Nun Gott verzeih!Fünftausend malDasselbe Lied zu meiner QualUnd stets das alte Einerlei:Bald von dem schönen Fräulein TochterBald von dem kranken Fräulein TochterUnd nichts im Kopf, als meine Fräulein Tochter!Sag mir, — Du hast Dich lang herumgetrieben,Und jetzt, so scheint mir’s — willst Du Dich verlieben,Und angelst gar nach meiner Tochter Hand?
Daß Dich! — — Nun Gott verzeih!
Fünftausend mal
Dasselbe Lied zu meiner Qual
Und stets das alte Einerlei:
Bald von dem schönen Fräulein Tochter
Bald von dem kranken Fräulein Tochter
Und nichts im Kopf, als meine Fräulein Tochter!
Sag mir, — Du hast Dich lang herumgetrieben,
Und jetzt, so scheint mir’s — willst Du Dich verlieben,
Und angelst gar nach meiner Tochter Hand?
Tschatzki.
Wozu die Frage?
Wozu die Frage?
Famussoff.
Ei, mir scheint sie passlich!Denn sieh’, ich bin ein Bischen doch mit ihr verwandt!Man hat zum Vater mich — das ist doch fasslich,Nicht grad’ ins Blaue so hinein ernannt.
Ei, mir scheint sie passlich!
Denn sieh’, ich bin ein Bischen doch mit ihr verwandt!
Man hat zum Vater mich — das ist doch fasslich,
Nicht grad’ ins Blaue so hinein ernannt.
Tschatzki.
Und wollt’ ich um die Tochter frein,Was würd’ des Vaters Antwort sein?
Und wollt’ ich um die Tochter frein,
Was würd’ des Vaters Antwort sein?
Famussoff.
Ich sagte Dir zuerst: sei kein Phantast!Verwalte besser, was Du hast;Allein vor allen DingenMußt Du’s im Dienste weiter bringen.
Ich sagte Dir zuerst: sei kein Phantast!
Verwalte besser, was Du hast;
Allein vor allen Dingen
Mußt Du’s im Dienste weiter bringen.
Tschatzki.
Dem Staate dient’ ich gern — alleinIch möcht’Nicht KnechtNicht Diener darum sein.
Dem Staate dient’ ich gern — allein
Ich möcht’
Nicht Knecht
Nicht Diener darum sein.
Famussoff.
Na!Da haben wir den lieben Hochmuth ja!Du solltest lieber fragenWie unsre Väter es gemacht,Und mancher da in alten TagenEs so erstaunlich weit gebracht.Wie kann man sich zu dienen schämen?Ein Beispiel solltest Du am sel’gen Oheim nehmen:Ja sieh’ — das war ein Mann,Den man zum Muster nehmen kann!Er speiste nicht auf Silber — nein auf Gold!Es wimmelte bei ihm von Dienern und Lakei’n,Es mochten wohl an hundert sein!Mit Orden ganz bedeckt kam er zu Hof gerollt.Wenn man so sah — wie ihn im langen ZugZum Pallast die Carosse trug,Man wurde in Bewunderung versetzt.Er lebte stets bei Hof — und das war nicht wie jetzt —Das war vor Zeiten noch, ja ja!Das war ein Hof — wie nie die Welt ihn sah!Und Männer gab’s zu jener ZeitVon centnerschwerer Wichtigkeit.Du hättest Dich, wer weiß, wie tief gebückt,Sie hätten kaum mit dem Toupé genickt,Und war’s ein Günstling, ein Bojar,So ist’s gewiß, daß es noch ärger war;Sie aßen, tranken — ganz von uns verschieden,Nicht so, wie andre Sterbliche hienieden.Der Ohm? Was sind jetzt Fürst und Graf dagegen!Ein ernster Blick, ein stolzes WesenWar stets auf seiner Stirn zu lesen.Doch hätt’ ich den wohl sehen mögenDer, wenn es Noth that sich zu schmiegen,So wußte sein Genick zu biegen! —An einem Gallatag, vor allen LeutenHatt’ er das Unglück auszugleiten,Und so — daß er sich fast den Hals gebrochen.Der Alte ächzt und krächzt —Und wie er endlich aufgekrochen,Hat Ihre Majestät zu lächeln ihm geruht;Ein Allerhöchstes Lächeln!! — Und was thutDer Schlaukopf nun! er macht’s noch bunterUnd fällt zum zweitenmal und ärger noch herunter.Man lacht noch mehr, es schallt der Saal,Und er steht auf und fällt zum drittenmal!Nun, wie gefällt das Euch?Wir nennen’s einen klugen Streich!Krank fiel er hin, stand aber auf gesund.Denn seit der FristWen lud man öfter ein zum Whist? —Und wer hat schmeichelhafteres gehört?Wer wurde so wie er geehrt?Der Onkel! Und das nennt ihr Kleinigkeit!Wer wußte so wie er mit Rängen zu belohnen?Der Onkel, ja!Wer schaffte so wie er Pensionen?Der Onkel! Ah? —Und nu!Ihr da, von heute, was sagtIhrdazu?
Na!
Da haben wir den lieben Hochmuth ja!
Du solltest lieber fragen
Wie unsre Väter es gemacht,
Und mancher da in alten Tagen
Es so erstaunlich weit gebracht.
Wie kann man sich zu dienen schämen?
Ein Beispiel solltest Du am sel’gen Oheim nehmen:
Ja sieh’ — das war ein Mann,
Den man zum Muster nehmen kann!
Er speiste nicht auf Silber — nein auf Gold!
Es wimmelte bei ihm von Dienern und Lakei’n,
Es mochten wohl an hundert sein!
Mit Orden ganz bedeckt kam er zu Hof gerollt.
Wenn man so sah — wie ihn im langen Zug
Zum Pallast die Carosse trug,
Man wurde in Bewunderung versetzt.
Er lebte stets bei Hof — und das war nicht wie jetzt —
Das war vor Zeiten noch, ja ja!
Das war ein Hof — wie nie die Welt ihn sah!
Und Männer gab’s zu jener Zeit
Von centnerschwerer Wichtigkeit.
Du hättest Dich, wer weiß, wie tief gebückt,
Sie hätten kaum mit dem Toupé genickt,
Und war’s ein Günstling, ein Bojar,
So ist’s gewiß, daß es noch ärger war;
Sie aßen, tranken — ganz von uns verschieden,
Nicht so, wie andre Sterbliche hienieden.
Der Ohm? Was sind jetzt Fürst und Graf dagegen!
Ein ernster Blick, ein stolzes Wesen
War stets auf seiner Stirn zu lesen.
Doch hätt’ ich den wohl sehen mögen
Der, wenn es Noth that sich zu schmiegen,
So wußte sein Genick zu biegen! —
An einem Gallatag, vor allen Leuten
Hatt’ er das Unglück auszugleiten,
Und so — daß er sich fast den Hals gebrochen.
Der Alte ächzt und krächzt —
Und wie er endlich aufgekrochen,
Hat Ihre Majestät zu lächeln ihm geruht;
Ein Allerhöchstes Lächeln!! — Und was thut
Der Schlaukopf nun! er macht’s noch bunter
Und fällt zum zweitenmal und ärger noch herunter.
Man lacht noch mehr, es schallt der Saal,
Und er steht auf und fällt zum drittenmal!
Nun, wie gefällt das Euch?
Wir nennen’s einen klugen Streich!
Krank fiel er hin, stand aber auf gesund.
Denn seit der Frist
Wen lud man öfter ein zum Whist? —
Und wer hat schmeichelhafteres gehört?
Wer wurde so wie er geehrt?
Der Onkel! Und das nennt ihr Kleinigkeit!
Wer wußte so wie er mit Rängen zu belohnen?
Der Onkel, ja!
Wer schaffte so wie er Pensionen?
Der Onkel! Ah? —
Und nu!
Ihr da, von heute, was sagtIhrdazu?
Tschatzki.
Ja, in der That, Sie können seufzend sagen:Die Menschheit sei verdummt in unsern neusten Tagen.Wie kann man auch — nach solchen StreichenDie neue mit der alten Zeit vergleichen!Zwar frisch ist noch die Kunde:Doch klingt sie glaublich nicht im Munde:Daß der zu Würden kam,Der nur die meisten Bücklinge geschnitten,Der nicht des Kriegs ruhmvolle Narbe trug,Nein, am Parquette sich die Stirn zerschlug!Der jedem Niederen — und lag’ er auf den Knieen,Begegnet’ unerträglich stolz,Doch wo ein Mächtiger erschien,In Artigkeiten fast zerschmolz! — —Man kann mit Recht bezeichnen jene ZeitAls die der Furcht und Niedrigkeit:Die niedrigsten und die gemeinsten TriebeMaskirten sich als Unterthanenliebe; —Ich rechne Ihrem Onkel dies nicht zu,Und lasse seine Asche gern in Ruh’ —Doch sagen Sie, wer wohl in unsern Tagen —Und möcht’ ihm Kriecherei auch noch so sehr behagen —Wer würd’ es wagenAuf’s Spiel zu setzen sein GenickFür einen gnäd’gen Lächelblick?Allein in jener ZeitErregt’ ein solcher Purzelbaum noch Neid,Und mancher alte Herr hat still bei sich gedacht:O hätt’ ich’s doch so klug gemacht!Ja, Kriecherseelen giebt’s auch jetzt auf ErdenDoch fürchtet jeder lächerlich zu werden;Und nicht umsonst wird jetzt, da sie nun wen’ger kühn,Von oben solchen Herrn auch weniger verlieh’n.
Ja, in der That, Sie können seufzend sagen:
Die Menschheit sei verdummt in unsern neusten Tagen.
Wie kann man auch — nach solchen Streichen
Die neue mit der alten Zeit vergleichen!
Zwar frisch ist noch die Kunde:
Doch klingt sie glaublich nicht im Munde:
Daß der zu Würden kam,
Der nur die meisten Bücklinge geschnitten,
Der nicht des Kriegs ruhmvolle Narbe trug,
Nein, am Parquette sich die Stirn zerschlug!
Der jedem Niederen — und lag’ er auf den Knieen,
Begegnet’ unerträglich stolz,
Doch wo ein Mächtiger erschien,
In Artigkeiten fast zerschmolz! — —
Man kann mit Recht bezeichnen jene Zeit
Als die der Furcht und Niedrigkeit:
Die niedrigsten und die gemeinsten Triebe
Maskirten sich als Unterthanenliebe; —
Ich rechne Ihrem Onkel dies nicht zu,
Und lasse seine Asche gern in Ruh’ —
Doch sagen Sie, wer wohl in unsern Tagen —
Und möcht’ ihm Kriecherei auch noch so sehr behagen —
Wer würd’ es wagen
Auf’s Spiel zu setzen sein Genick
Für einen gnäd’gen Lächelblick?
Allein in jener Zeit
Erregt’ ein solcher Purzelbaum noch Neid,
Und mancher alte Herr hat still bei sich gedacht:
O hätt’ ich’s doch so klug gemacht!
Ja, Kriecherseelen giebt’s auch jetzt auf Erden
Doch fürchtet jeder lächerlich zu werden;
Und nicht umsonst wird jetzt, da sie nun wen’ger kühn,
Von oben solchen Herrn auch weniger verlieh’n.
Famussoff(bei Seite).
Du großer Gott, er muß ein Carbonari sein!
Du großer Gott, er muß ein Carbonari sein!
Tschatzki.
Von solchen Flecken ist die heut’ge Welt wohl rein.
Von solchen Flecken ist die heut’ge Welt wohl rein.
Famussoff.
Gefährlich ist der Mensch!
Gefährlich ist der Mensch!
Tschatzki.
Jetzt athmet man doch frei,Und Niemand drängt zum Heer der Narren sich herbei.
Jetzt athmet man doch frei,
Und Niemand drängt zum Heer der Narren sich herbei.
Famussoff.
Was spricht er da — und redet wie gedruckt!
Was spricht er da — und redet wie gedruckt!
Tschatzki.
Beim Gönner dann die Decke anzugähnen!Geduldig warten, höflichst schweigen.Kratzfüsseln und den Rücken beugen,Dann, fiel ein Schnupftuch zu den FüssenBegierig los drauf schießen,Nach Stühlen laufen, um am Gönnertisch zu speisen! —
Beim Gönner dann die Decke anzugähnen!
Geduldig warten, höflichst schweigen.
Kratzfüsseln und den Rücken beugen,
Dann, fiel ein Schnupftuch zu den Füssen
Begierig los drauf schießen,
Nach Stühlen laufen, um am Gönnertisch zu speisen! —
Famussoff.
Das also holt’ er sich von seinen Reisen?Die Freiheit predigt er! Nun eine saubre Führung! —
Das also holt’ er sich von seinen Reisen?
Die Freiheit predigt er! Nun eine saubre Führung! —
Tschatzki.
Wer auf den Gütern lebt, wer in das Ausland reist —
Wer auf den Gütern lebt, wer in das Ausland reist —
Famussoff.
Mein Gott, was ist doch Deine Zunge dreist,Du sprichst ja gegen die Regierung!
Mein Gott, was ist doch Deine Zunge dreist,
Du sprichst ja gegen die Regierung!
Tschatzki.
Und wer sich gar erkühnt,Daß er dem Chef nicht, nur der Sache dient!
Und wer sich gar erkühnt,
Daß er dem Chef nicht, nur der Sache dient!
Famussoff.
Wär’ ich Monarch, ich hielte solche HerrnVon meiner Hauptstadt fernAuf einen Büchsenschuß.
Wär’ ich Monarch, ich hielte solche Herrn
Von meiner Hauptstadt fern
Auf einen Büchsenschuß.
Tschatzki.
Ich lasse Sie zufrieden endlich.
Ich lasse Sie zufrieden endlich.
Famussoff.
Nicht auszuhalten ist es — schändlich!
Nicht auszuhalten ist es — schändlich!
Tschatzki.
Ich schalt erbarmungslos auf Ihre Zeit,Auf die Vergangenheit;Doch hören Sie, wir wollen uns vergleichen;Sie können einen Theil von all dem Tadel streichenUnd unsrer Zeit als Ueberschuß verleih’n,Ich würde nicht darüber schrei’n.
Ich schalt erbarmungslos auf Ihre Zeit,
Auf die Vergangenheit;
Doch hören Sie, wir wollen uns vergleichen;
Sie können einen Theil von all dem Tadel streichen
Und unsrer Zeit als Ueberschuß verleih’n,
Ich würde nicht darüber schrei’n.
Famussoff.
Ich habe nichts mit Ihnen mehr zu schaffen,Irrlehren sind’s, und solche leid’ ich nicht.
Ich habe nichts mit Ihnen mehr zu schaffen,
Irrlehren sind’s, und solche leid’ ich nicht.
(Er hält sich die Ohren zu.)
Tschatzki.
Ich streckt’ ja schon die Waffen,Und niemand widerspricht.
Ich streckt’ ja schon die Waffen,
Und niemand widerspricht.
Famussoff.
Gut, gut, ich halt’ die Ohren zu!
Gut, gut, ich halt’ die Ohren zu!
Tschatzki.
Weshalb? Ich lass’ Sie ja in Ruh’.
Weshalb? Ich lass’ Sie ja in Ruh’.
Famussoff(heftig).
Durchschnüffeln da den ganzen Erdenball,Maulaffen überall —Dann geht’s nach Haus, nun sag’ mir einer offen,Von solchen soll man was solides hoffen!
Durchschnüffeln da den ganzen Erdenball,
Maulaffen überall —
Dann geht’s nach Haus, nun sag’ mir einer offen,
Von solchen soll man was solides hoffen!
Tschatzki.
Ich hörte auf.
Ich hörte auf.
Famussoff.
Um Gotteswill’n lass’ Dich bedeuten!
Um Gotteswill’n lass’ Dich bedeuten!
Tschatzki.
Ich wünsch’ nicht weiter mehr zu streiten.
Ich wünsch’ nicht weiter mehr zu streiten.
Famussoff.
Erbarme Dich, lass’ mich in Ruh’!
Erbarme Dich, lass’ mich in Ruh’!
Die Vorigen.Ein Diener.
Diener.
Der Oberst Scalosúb.
Der Oberst Scalosúb.
Famussoff(ohne zu hören).
Nur zu, nur immer zu!Du kommst noch unter’s Halsgericht!Das ist gewiß, wie zwei mal zwei macht vier.
Nur zu, nur immer zu!
Du kommst noch unter’s Halsgericht!
Das ist gewiß, wie zwei mal zwei macht vier.
Tschatzki.
Es ist da jemand angekommen.
Es ist da jemand angekommen.
Famussoff.
Ich höre nichts! Vor’s Halsgericht!
Ich höre nichts! Vor’s Halsgericht!
Tschatzki.
Sie haben falsch vernommen:Es ist ein Fremder vor der Thür.
Sie haben falsch vernommen:
Es ist ein Fremder vor der Thür.
Famussoff.
Vor’s Halsgericht, vor’s Halsgericht mit Dir!
Vor’s Halsgericht, vor’s Halsgericht mit Dir!
Tschatzki.
So kehren Sie sich um, Sie kriegten einen Gast.
So kehren Sie sich um, Sie kriegten einen Gast.
Famussoff(dreht sich um).
Was? Krieg? Rebellion?Auf Sodoms Schicksal bin ich längst gefasst.
Was? Krieg? Rebellion?
Auf Sodoms Schicksal bin ich längst gefasst.
Diener.
Der Oberst Scalosúb hält vor der Thür,Befehlen Sie ihn zu empfangen?
Der Oberst Scalosúb hält vor der Thür,
Befehlen Sie ihn zu empfangen?
Famussoff.
Schaafskopf! Natürlich! sagt’ ich’s DirNicht hundert mal schon? Schneller, lauf —Bitt’ ihn ergebenst gleich herauf,Sag’, daß ich hocherfreut, sag’ Wort für Wort,Sag’, daß ich ihn erwarte, — pack Dich fort! —
Schaafskopf! Natürlich! sagt’ ich’s Dir
Nicht hundert mal schon? Schneller, lauf —
Bitt’ ihn ergebenst gleich herauf,
Sag’, daß ich hocherfreut, sag’ Wort für Wort,
Sag’, daß ich ihn erwarte, — pack Dich fort! —
(Dienerab.)
(Zu Tschatzki.)
Ich bitte Dich Mosje, folg’ einmal mir:Es ist ein angeseh’ner OffizierHat, für sein Alter unerhört —Schon einen Rang beneidenswerth,Hat Orden ohne Zahl,Ist heute oder morgen General,Dazu ist er solid in seiner Denkungsart;Ich bitt’ Dich, nimm Dich jetzt zusammen.
Ich bitte Dich Mosje, folg’ einmal mir:
Es ist ein angeseh’ner Offizier
Hat, für sein Alter unerhört —
Schon einen Rang beneidenswerth,
Hat Orden ohne Zahl,
Ist heute oder morgen General,
Dazu ist er solid in seiner Denkungsart;
Ich bitt’ Dich, nimm Dich jetzt zusammen.
(Kopfschüttelnd.)
Ach, lieber Tschatzki, — nein!Nicht alles ist mit Dir — so wie es sollte sein! — —Er ist recht oft und gerne hier —Du weißt empfangen wird ja jedermann von mir.Die Leute hier vergrößern alles gleich;Da spricht man in der ganzen Stadt,Daß er ein Aug’ geworfen hatAuf mein Sophiechen — dummes Zeug —!Nun — möglich wär’s — Sophie ist frisch und roth,Allein sie ist noch jung; — ich sehe keine NothSo bald die Tochter aus dem Haus zu geben.Er mag sie wohl — wenn mich nicht alles trügt,Doch übrigens, wie es der Himmel fügt.Ich bitt’ Dich, kommt er her,So streite nicht die Kreuz und Quer.Erwäge doch ein jedes WortUnd wirf die albernen Ideen fort.Indeß wo bleibt er denn? Was kann das sein?Er ging gewiß zu mir, auf jene Seit’, hinein.
Ach, lieber Tschatzki, — nein!
Nicht alles ist mit Dir — so wie es sollte sein! — —
Er ist recht oft und gerne hier —
Du weißt empfangen wird ja jedermann von mir.
Die Leute hier vergrößern alles gleich;
Da spricht man in der ganzen Stadt,
Daß er ein Aug’ geworfen hat
Auf mein Sophiechen — dummes Zeug —!
Nun — möglich wär’s — Sophie ist frisch und roth,
Allein sie ist noch jung; — ich sehe keine Noth
So bald die Tochter aus dem Haus zu geben.
Er mag sie wohl — wenn mich nicht alles trügt,
Doch übrigens, wie es der Himmel fügt.
Ich bitt’ Dich, kommt er her,
So streite nicht die Kreuz und Quer.
Erwäge doch ein jedes Wort
Und wirf die albernen Ideen fort.
Indeß wo bleibt er denn? Was kann das sein?
Er ging gewiß zu mir, auf jene Seit’, hinein.
(Geht eiligst ab.)
Tschatzki(allein).
Was kommt ihm an! Warum wohl so in Feuer!Und wie steht’s mit Sophie? Das ist bestimmt ein Freier.Wann that sie je so fremd mit mir,Und warum ist sie noch nicht hier?Wer ist der Scalosub?Dem Vater scheint er ja gewaltig theuer,Doch ach, es könnte seinDem Vater nicht allein! ...Ja, bleibt drei Jahre nur von Haus,Dann ist’s mit Lieb’ und Treue aus.
Was kommt ihm an! Warum wohl so in Feuer!
Und wie steht’s mit Sophie? Das ist bestimmt ein Freier.
Wann that sie je so fremd mit mir,
Und warum ist sie noch nicht hier?
Wer ist der Scalosub?
Dem Vater scheint er ja gewaltig theuer,
Doch ach, es könnte sein
Dem Vater nicht allein! ...
Ja, bleibt drei Jahre nur von Haus,
Dann ist’s mit Lieb’ und Treue aus.
Famussoff.Scalosúb.Tschatzki(im Hintergrunde).
Famussoff.
Herr Oberster hierher, zu uns, hierher!Hier ist es wärmer, bitte sehr!Friert Sie? — Die Wärme kann man gleich vermehren,Ich öffne schnell die Ofenröhren.
Herr Oberster hierher, zu uns, hierher!
Hier ist es wärmer, bitte sehr!
Friert Sie? — Die Wärme kann man gleich vermehren,
Ich öffne schnell die Ofenröhren.
Scalosúb(im Bass).
Was, selbst zu klettern, nein, das gebe ich nicht zu!Auf Offiziersparol, das kann ich nicht erlauben.
Was, selbst zu klettern, nein, das gebe ich nicht zu!
Auf Offiziersparol, das kann ich nicht erlauben.
Famussoff.
Sie wollen nicht, daß ich für Sie was thu’!Mein theurer Freund, Sie können glaubenFür Sie, für einen Freund ist alles angenehm.Nun — machen Sie’s sich recht bequem,Den Hut hierher, fort mit dem Degen!Wir wollen ihn bei Seite legen;Hier ist ein Sopha, federweich.
Sie wollen nicht, daß ich für Sie was thu’!
Mein theurer Freund, Sie können glauben
Für Sie, für einen Freund ist alles angenehm.
Nun — machen Sie’s sich recht bequem,
Den Hut hierher, fort mit dem Degen!
Wir wollen ihn bei Seite legen;
Hier ist ein Sopha, federweich.
Scalosúb.
Wo Sie befehlen — mir ist’s gleich.
Wo Sie befehlen — mir ist’s gleich.
(Sie setzen sich.)
Famussoff.
Ach, bester Freund, hier ist es grad’ am Ort!Von unseren Verwandten erst ein Wort,Zwar nur entfernt, zur Erbschaft kommt es nicht —Ihr guter Vetter gab mir unlängst drüber Licht —In welchem Grade ist verwandtNatalja Nikolajewna mit Ihnen?
Ach, bester Freund, hier ist es grad’ am Ort!
Von unseren Verwandten erst ein Wort,
Zwar nur entfernt, zur Erbschaft kommt es nicht —
Ihr guter Vetter gab mir unlängst drüber Licht —
In welchem Grade ist verwandt
Natalja Nikolajewna mit Ihnen?
Scalosúb.
Damit kann ich nicht dienen,Das ist mir nicht bekannt,Wir dienten nicht bei einem Regimente.
Damit kann ich nicht dienen,
Das ist mir nicht bekannt,
Wir dienten nicht bei einem Regimente.
Famussoff.
Herr Oberst! Wenn ich Sie nicht kennte!Nein, wer mit mir verwandt,Den such ich auf und wär’sIm Grund des Meers!Da hab’ zum Beispiel jetztDie ganze Kanzelei mit Vettern ich besetztIch nehme selten Leute, die mir fremd —Sie wissen ja, die Haut ist näher, als das Hemd! —Mein Secretair allein ist nicht mit mir verwandt,Ich nahm ihn wegen seiner schönen Hand. —Kommt nun die Zeit heran der Gratificationen,Da giebt es Kreuzchen hier zu Land,Und kleine Aemtchen — allerhand —Wie sollte man Verwandte nicht belohnen!Doch wollen wir zurück auf Ihren Vetter kommenDer Ihrer Protection so viel im Dienst verdankt.
Herr Oberst! Wenn ich Sie nicht kennte!
Nein, wer mit mir verwandt,
Den such ich auf und wär’s
Im Grund des Meers!
Da hab’ zum Beispiel jetzt
Die ganze Kanzelei mit Vettern ich besetzt
Ich nehme selten Leute, die mir fremd —
Sie wissen ja, die Haut ist näher, als das Hemd! —
Mein Secretair allein ist nicht mit mir verwandt,
Ich nahm ihn wegen seiner schönen Hand. —
Kommt nun die Zeit heran der Gratificationen,
Da giebt es Kreuzchen hier zu Land,
Und kleine Aemtchen — allerhand —
Wie sollte man Verwandte nicht belohnen!
Doch wollen wir zurück auf Ihren Vetter kommen
Der Ihrer Protection so viel im Dienst verdankt.
Scalosúb.
Ja, Anno dreizehn war’s, wir thaten uns hervor,Zuerst im zweiten, dann im sechsten Corps.
Ja, Anno dreizehn war’s, wir thaten uns hervor,
Zuerst im zweiten, dann im sechsten Corps.
Famussoff.
Beglückt der Vater, dem ein solcher Sohn geworden,Mich dünkt, im Knopfloch trug er einen Orden?
Beglückt der Vater, dem ein solcher Sohn geworden,
Mich dünkt, im Knopfloch trug er einen Orden?
Scalosúb.
Ja, für den dritten Mai, Sie haben recht gesehn,Wir saßen fest in den Transcheen;Da galt’s! —Er kriegt’s im Knopfloch — ich am Hals!
Ja, für den dritten Mai, Sie haben recht gesehn,
Wir saßen fest in den Transcheen;
Da galt’s! —
Er kriegt’s im Knopfloch — ich am Hals!
Famussoff.
Ein lieber Mann,Man sieht ihm gleich den Helden an —Ein prächt’ger Mensch ist Ihr Herr Vetter!
Ein lieber Mann,
Man sieht ihm gleich den Helden an —
Ein prächt’ger Mensch ist Ihr Herr Vetter!
Scalosúb.
Er hat sich leider jetztGott weiß was in den Kopf gesetzt!Er wäre eben avancirt,Da hatt er grad’ den Dienst quittirt,Und ließ im Stiche Rang und Orden.Drauf ging er auf sein Landgut hinUnd ist ein Bücherwurm geworden.
Er hat sich leider jetzt
Gott weiß was in den Kopf gesetzt!
Er wäre eben avancirt,
Da hatt er grad’ den Dienst quittirt,
Und ließ im Stiche Rang und Orden.
Drauf ging er auf sein Landgut hin
Und ist ein Bücherwurm geworden.
Famussoff.
Ja, ja, das Lesen — o der jungen Thoren!Was geht dadurch nicht später oft verloren!Für Sie ist mir, was das betrifft, nicht bange;Längst sind Sie Oberster und dienten doch nicht lange.
Ja, ja, das Lesen — o der jungen Thoren!
Was geht dadurch nicht später oft verloren!
Für Sie ist mir, was das betrifft, nicht bange;
Längst sind Sie Oberster und dienten doch nicht lange.
Scalosúb.
Ich hatt’ mit meinen Cameraden sehr viel Glück:Vacanzen fanden sich fast jeden Augenblick,Da wurden ältre aus dem Dienst geschlossen,Und andre — plötzlich — todtgeschossen.
Ich hatt’ mit meinen Cameraden sehr viel Glück:
Vacanzen fanden sich fast jeden Augenblick,
Da wurden ältre aus dem Dienst geschlossen,
Und andre — plötzlich — todtgeschossen.
Famussoff.
Ja, ja, nur der besteht,Den Gott erwählet und erhöht!
Ja, ja, nur der besteht,
Den Gott erwählet und erhöht!
Scalosúb.
Doch mancher hat noch größres Pferde-Glück!Wir gehn nicht weit zurück —Da nehmen Sie doch nur einmalHier in der funfzehnten DivisionZum Beispiel den Brigadegeneral!
Doch mancher hat noch größres Pferde-Glück!
Wir gehn nicht weit zurück —
Da nehmen Sie doch nur einmal
Hier in der funfzehnten Division
Zum Beispiel den Brigadegeneral!
Famussoff.
Mein Gott, Sie müssen es doch selber sagen:Sie können sich wahrhaftig nicht beklagen!
Mein Gott, Sie müssen es doch selber sagen:
Sie können sich wahrhaftig nicht beklagen!
Scalosúb.
Ich thu’s auch nicht, allein dennoch — Sie wissen —Ich habe nach dem RegimentZwei lange Jahre laufen müssen.
Ich thu’s auch nicht, allein dennoch — Sie wissen —
Ich habe nach dem Regiment
Zwei lange Jahre laufen müssen.
Famussoff.
Zwei Jahre laufen — Element!Dafür in andern DingenDie Sie erreichtIst es Sie einzuholen wohl nicht leicht.
Zwei Jahre laufen — Element!
Dafür in andern Dingen
Die Sie erreicht
Ist es Sie einzuholen wohl nicht leicht.
Scalosúb.
Ja, freilich wird im Corps man ältre finden.Ich trat erst einIm Jahre achtzehnhundert neun.Allein um rasch befördert sich zu sehn,Kann man verschiedne Wege gehn,Und hierin bin ich Philosoph,Ein jeder Weg ist mir egalWenn er nur führt zum General.
Ja, freilich wird im Corps man ältre finden.
Ich trat erst ein
Im Jahre achtzehnhundert neun.
Allein um rasch befördert sich zu sehn,
Kann man verschiedne Wege gehn,
Und hierin bin ich Philosoph,
Ein jeder Weg ist mir egal
Wenn er nur führt zum General.
Famussoff.
Sie haben so vollkommen Recht zu denken.Gott mög’ Gesundheit Ihnen schenken,Und dann den General,Und haben Sie den Rang einmal —Dann müssen Sie — was soll das Zaudern sein?Nach einer Generalin frei’n.
Sie haben so vollkommen Recht zu denken.
Gott mög’ Gesundheit Ihnen schenken,
Und dann den General,
Und haben Sie den Rang einmal —
Dann müssen Sie — was soll das Zaudern sein?
Nach einer Generalin frei’n.
Scalosúb.
Ich sag’ durchaus nicht nein!
Ich sag’ durchaus nicht nein!
Famussoff.
Und das ist doch so leicht, mein Bester!Da hatdereine Schwester,Dereine Tochter hier am Ort.Die Bräute bringt man nicht aus Moskau fort,Sie mehren sich mit jedem Jahr.Ach lieber Freund, Sie müssen selbst gesteh’nWo kann man in der Welt ein zweites Moskau sehn!
Und das ist doch so leicht, mein Bester!
Da hatdereine Schwester,
Dereine Tochter hier am Ort.
Die Bräute bringt man nicht aus Moskau fort,
Sie mehren sich mit jedem Jahr.
Ach lieber Freund, Sie müssen selbst gesteh’n
Wo kann man in der Welt ein zweites Moskau sehn!
Scalosúb.
Ja, ungeheure Plätze giebt’s zum Exerciren.
Ja, ungeheure Plätze giebt’s zum Exerciren.
Famussoff.
Nicht doch! ich meine den Geschmack und treffliche Manieren,Die Sitten, die von Alters her noch rühren.Zum Beispiel nur — man ehrt den SohnHier um des Vaters willen schon.Ist auch nicht viel an ihm, es wird ihm doch nicht fehlen,Besitzt er erblich nur so ein paar tausend Seelen —Der Bräutigam ist fertig —Und wär’ er noch so widerwärtig.Ein andrer, sei er auch gescheutVoll Klugheit und BelesenheitUnd vollgepfropft mit hohen Dingen,Er wird in unsere Verwandtschaft doch nicht dringen;Denn darin sind wir ohne TadelWir halten noch allein auf alten ächten Adel.Und das ist’s nicht allein! — was Gastfreiheit betrifft!Wer hat vollkommner sie gefunden,Und hätt’ er auch die ganze Welt umschifft —!Die Thür ist auf — zu allen Stunden;Geladen oder nicht, es strömt der Gäste Menge,Den Wirth erfreut besonders das Gedränge,Ausländer, die natürlich ganz voran —Es sei ein Schelm, es sei ein Ehrenmann,Das ist uns ziemlich gleich, in jedem FalleSteht unser Mittagstisch gedeckt für Alle.Ja — wie man uns betrachten möge,Vom Hacken bis zum Nacken —Wir Moskowiter haben ein absonderlich Gepräge.Da, nehmen Sie zum Beispiel unsre JugendDie junge Welt, die Söhnchen, Enkelein;O, die sind fein!Zwar predigen wir streng Moral und Tugend,Und doch kann oft mit funfzehn JahrenDer Lehrer viel von ihnen schon erfahren.Dann unsere alten Herren, welche Geister!Im Disputiren sind sie Meister.Wenn es so losgeht über Staat und Krone,So sprechen sie wie lauter Salomone.Ein jeder weiß, er ist aus altem Haus,Was andre denken, was macht er sich draus!Und die Regierung, wie mit der sie fahren!Wenn’s jemand hörte, lass’ uns Gott bewahren! —Nicht daß sie grad’ was neues wollten — neinBehüte Gott; allein sie schrei’nUnd streiten über dies und dasUnd wissen selber oft nicht — was.So geht es fast bei jedem Schmaus,Man lärmt und tobt und — fährt nach Haus.Wahrhaftig, lauter Kanzler außer Diensten!
Nicht doch! ich meine den Geschmack und treffliche Manieren,
Die Sitten, die von Alters her noch rühren.
Zum Beispiel nur — man ehrt den Sohn
Hier um des Vaters willen schon.
Ist auch nicht viel an ihm, es wird ihm doch nicht fehlen,
Besitzt er erblich nur so ein paar tausend Seelen —
Der Bräutigam ist fertig —
Und wär’ er noch so widerwärtig.
Ein andrer, sei er auch gescheut
Voll Klugheit und Belesenheit
Und vollgepfropft mit hohen Dingen,
Er wird in unsere Verwandtschaft doch nicht dringen;
Denn darin sind wir ohne Tadel
Wir halten noch allein auf alten ächten Adel.
Und das ist’s nicht allein! — was Gastfreiheit betrifft!
Wer hat vollkommner sie gefunden,
Und hätt’ er auch die ganze Welt umschifft —!
Die Thür ist auf — zu allen Stunden;
Geladen oder nicht, es strömt der Gäste Menge,
Den Wirth erfreut besonders das Gedränge,
Ausländer, die natürlich ganz voran —
Es sei ein Schelm, es sei ein Ehrenmann,
Das ist uns ziemlich gleich, in jedem Falle
Steht unser Mittagstisch gedeckt für Alle.
Ja — wie man uns betrachten möge,
Vom Hacken bis zum Nacken —
Wir Moskowiter haben ein absonderlich Gepräge.
Da, nehmen Sie zum Beispiel unsre Jugend
Die junge Welt, die Söhnchen, Enkelein;
O, die sind fein!
Zwar predigen wir streng Moral und Tugend,
Und doch kann oft mit funfzehn Jahren
Der Lehrer viel von ihnen schon erfahren.
Dann unsere alten Herren, welche Geister!
Im Disputiren sind sie Meister.
Wenn es so losgeht über Staat und Krone,
So sprechen sie wie lauter Salomone.
Ein jeder weiß, er ist aus altem Haus,
Was andre denken, was macht er sich draus!
Und die Regierung, wie mit der sie fahren!
Wenn’s jemand hörte, lass’ uns Gott bewahren! —
Nicht daß sie grad’ was neues wollten — nein
Behüte Gott; allein sie schrei’n
Und streiten über dies und das
Und wissen selber oft nicht — was.
So geht es fast bei jedem Schmaus,
Man lärmt und tobt und — fährt nach Haus.
Wahrhaftig, lauter Kanzler außer Diensten!
(Leiser.)
Und im Vertraun — noch unreif ist die Zeit —Doch ohne diese Herrn kommt man gewiß nicht weit. —Die Damen gar, das sind die höchsten Richter,Doch richt’ sie einer nur, da machen sie Gesichter,Und wenn beim Kartenspiel die Stimme sie erhebenDa giebt es oft Tumult,Daß wirklich alle Fenster beben.Mit Frauen schenk’ uns Gott Geduld,Ich weiß es leider ganz genauIch selber hatt’ ja eine Frau!Wir haben Frau’n, wahrhaftig desperat!Sie sind in allem firm, schickt sie in den Senat,Schickt vor die Fronte sie; zum Beispiel daIrina Wlássjewna, Lukérja Alexiéwna,Tatjana Júrjewna, Pulcheria Andréewna!Dann unsere Töchter! Ist’s nicht wahr?Die königliche Majestät im vor’gen JahrAls sie geruht zu uns zu kommen zum Besuch,Konnt’ sich verwundern nicht genug.Sie fand sie grad’ nicht klassisch schön,Doch klassisch wohlerzogen.Und wahrlich, unsere Töchter sind’s auch — ungelogen —Wie sie verstehen sich zu kleiden,In Mousselin und Sammt und Seiden!Sie können selbst — es ist ein OhrenschmausFranzösische Romanzen singen,Und von den Noten zwingenDie allerhöchsten sie heraus. —Besonders hängen sie am Militair,Das — kommt vom Patriotismus her.Ja, ja, man suche nach in allen Reichen,Man forsche nach von Land zu Land,Nichts ist mit Moskau zu vergleichen.
Und im Vertraun — noch unreif ist die Zeit —
Doch ohne diese Herrn kommt man gewiß nicht weit. —
Die Damen gar, das sind die höchsten Richter,
Doch richt’ sie einer nur, da machen sie Gesichter,
Und wenn beim Kartenspiel die Stimme sie erheben
Da giebt es oft Tumult,
Daß wirklich alle Fenster beben.
Mit Frauen schenk’ uns Gott Geduld,
Ich weiß es leider ganz genau
Ich selber hatt’ ja eine Frau!
Wir haben Frau’n, wahrhaftig desperat!
Sie sind in allem firm, schickt sie in den Senat,
Schickt vor die Fronte sie; zum Beispiel da
Irina Wlássjewna, Lukérja Alexiéwna,
Tatjana Júrjewna, Pulcheria Andréewna!
Dann unsere Töchter! Ist’s nicht wahr?
Die königliche Majestät im vor’gen Jahr
Als sie geruht zu uns zu kommen zum Besuch,
Konnt’ sich verwundern nicht genug.
Sie fand sie grad’ nicht klassisch schön,
Doch klassisch wohlerzogen.
Und wahrlich, unsere Töchter sind’s auch — ungelogen —
Wie sie verstehen sich zu kleiden,
In Mousselin und Sammt und Seiden!
Sie können selbst — es ist ein Ohrenschmaus
Französische Romanzen singen,
Und von den Noten zwingen
Die allerhöchsten sie heraus. —
Besonders hängen sie am Militair,
Das — kommt vom Patriotismus her.
Ja, ja, man suche nach in allen Reichen,
Man forsche nach von Land zu Land,
Nichts ist mit Moskau zu vergleichen.
Scalosúb.
Ja wohl, und seit dem großen BrandIst unser Moskau ganz charmant.
Ja wohl, und seit dem großen Brand
Ist unser Moskau ganz charmant.
Famussoff.
O nichts davon! Da haben uns geklungenDie Ohren schon genug! Ja, was für NeuerungenSeitdem sieht doch ein jedes Haus,Trottoirs und Straßen anders aus.
O nichts davon! Da haben uns geklungen
Die Ohren schon genug! Ja, was für Neuerungen
Seitdem sieht doch ein jedes Haus,
Trottoirs und Straßen anders aus.
Tschatzki(in den Vordergrund tretend).
Die Häuser wurden neu, die Vorurtheile blieben! —Sie brauchen sich nicht zu betrüben.Was können Moden, Jahre, Brand und Krieg!Den Vorurtheilen blieb der Sieg.
Die Häuser wurden neu, die Vorurtheile blieben! —
Sie brauchen sich nicht zu betrüben.
Was können Moden, Jahre, Brand und Krieg!
Den Vorurtheilen blieb der Sieg.
Famussoff(leise).
Mach’ Dir doch einen Knoten zum Gedächtniß.Zu schweigen bat ich Dich so sehr,Wird Dir denn das so schrecklich schwer?
Mach’ Dir doch einen Knoten zum Gedächtniß.
Zu schweigen bat ich Dich so sehr,
Wird Dir denn das so schrecklich schwer?
(Zu Scalosúb.)
Herr Oberst — hier — wenn Sie erlauben —Des seel’gen Tschatzki, meines Freundes, Sohn,Er dient nicht — sollten Sie es glauben!Ein Eigensinn!Das heißt — er sieht im Dienste nicht Gewinn.Doch wenn er wollte, könnt’ er vieles leisten.Er schreibt vortrefflich, übersetzt —Schad, schade das, — das muß man sagen!
Herr Oberst — hier — wenn Sie erlauben —
Des seel’gen Tschatzki, meines Freundes, Sohn,
Er dient nicht — sollten Sie es glauben!
Ein Eigensinn!
Das heißt — er sieht im Dienste nicht Gewinn.
Doch wenn er wollte, könnt’ er vieles leisten.
Er schreibt vortrefflich, übersetzt —
Schad, schade das, — das muß man sagen!
Tschatzki.
Recht schade — daß Sie nicht wen anders so beklagen,Denn selbst Ihr Lob hat mich verletzt. —
Recht schade — daß Sie nicht wen anders so beklagen,
Denn selbst Ihr Lob hat mich verletzt. —
Famussoff.
So richt’ ich nicht allein, ich höre es von Allen.
So richt’ ich nicht allein, ich höre es von Allen.
Tschatzki.
Und wer sind diese Richter? Wie?Sind es nicht etwa die,Die ihrer Glatze wegen schon alleinUns Jugendsinn und Freiheit nicht verzeih’n?Sie schlagen in Journälen nachUnd möchten alles Alte gleich vergöttern.Sie schöpfen Urtheil aus vergessnen Zeitungsblättern,Aus jener Zeit, die von Otschákoff sprachUnd der Eroberung der Krimm. —Woher der ew’ge Haß und Grimm?Das neue lassen sie nicht geltenUnd singen stets das alte Lied,Stets fertig sind sie nur zu scheltenUnd sie bekritteln, was geschieht,Und merken’s an sich selber nimmerDas: um soälterum soschlimmer!Wer nicht so denkt wie sie — den nennen sie Verräther!Wo sind sie denn, des Landes Väter,Von denen man als Muster spricht!Ich seh’ sie nicht! —Ist’s etwa der?Ein MillionärDurch Dieberei geworden?Und der mit vollem Sack und seiner Brust voll OrdenDem Schwerdt der Themis trat entgegen?Natürlich sank der guten Göttin DegenHerab, so viel Verdienst zu lieb,Und sehen Sie — nun baut der DiebSich einen prächtigen PallastWo festlich er mit dem gestohlnen Gute prasst,Die Gäste strömen hin zu Hauf;Doch stände wohl ein GastAls Kläger seines Wirthes auf?Wer würde wohl in Moskau sich erfrechenSo weit zu gehnVon irgend jemand schlecht zu sprechen,Der Bälle giebt und Assembleen? —Ist wohl mein Richter der, vor dem ich einst den RückenIn meiner Kindheit mußte bücken?Gott weiß aus welchen räthselhaften Gründen! —Der Nestor — alt und grau in Sünden,Der seine Diener oft verwettetWenn er im Zorne und berauscht:Und den, der Ehre ihm und Leben oft gerettetWeil es ihm so gefällt, mit einem Windhund tauscht? —Ist’s jener, der zu ganzleibeigenem BalletDie Kinder von den Aeltern reißtUnd sie nach Moskau kommen heißt?Sie werden auch in großen SchaarenUnd fuderweis hierher gefahrenWo er, der nur vom Zephyr träumtUnd Amoretten-ReigenStolz ist der Stadt sein Werk zu zeigen.Doch leider steckt er sehr in Schulden,Die Gläub’ger woll’n sich nicht geduldenUnd all die Seelen da, von ihm getauftZu Amoretten und ZephyrenSie werden nun nach RechtsgebührenStückweise unterm Hammerschlag verkauft! — — — —Da haben Sie’s! Und das sind unsre Richter!Das sind die Sterne und die Lichter!Das sind die Alten und die WeisenDie Sie mir stets als Muster preisen.Und was geschieht? Versuch’s ein junger Mann,Der nicht das Kriechen leiden kann —Und lege sich mit ganzer KraftAllein nur auf die Wissenschaft:Er will nicht Stellen, will nicht Rang,Er fühlt nun einmal einen andern Drang —Der Himmel goß vielleicht in seine BrustDes künstlerischen Schaffens Lust,Sogleich erhebt man ein GeschreiMordjo! Verrätherei!Man fliehet ihn, wie einen tollen HundUnd munkelt von geheimem Bund. —Die Uniform — nur sie, ja! ja! — In frührer ZeitHat ihre Stickerei manch Eselsohr bedeckt.Wie viel VerächtlichkeitWird unter ihrem Glanz versteckt!Und wir, wir sollen nun dieselben Wege gehn?Es ist nicht auszustehn!Und eben die Manie kann man ja schau’nBei unsern Mädchen, unsern Frau’n!Ich selbst war unlängst noch verliebt in die Livrei,Doch jetzo lach’ ich über solche Narrethei.Doch anders ging es damals her,Wer war nicht ganz vernarrt in’s Militär?Einst bei’m Besuch von GardeoffizierenSchien unsre Damenwelt die Sinne zu verlieren:Sie schrien Hurrah! Kaum ist’s zu glauben,Und warfen in die Luft die Hauben.
Und wer sind diese Richter? Wie?
Sind es nicht etwa die,
Die ihrer Glatze wegen schon allein
Uns Jugendsinn und Freiheit nicht verzeih’n?
Sie schlagen in Journälen nach
Und möchten alles Alte gleich vergöttern.
Sie schöpfen Urtheil aus vergessnen Zeitungsblättern,
Aus jener Zeit, die von Otschákoff sprach
Und der Eroberung der Krimm. —
Woher der ew’ge Haß und Grimm?
Das neue lassen sie nicht gelten
Und singen stets das alte Lied,
Stets fertig sind sie nur zu schelten
Und sie bekritteln, was geschieht,
Und merken’s an sich selber nimmer
Das: um soälterum soschlimmer!
Wer nicht so denkt wie sie — den nennen sie Verräther!
Wo sind sie denn, des Landes Väter,
Von denen man als Muster spricht!
Ich seh’ sie nicht! —
Ist’s etwa der?
Ein Millionär
Durch Dieberei geworden?
Und der mit vollem Sack und seiner Brust voll Orden
Dem Schwerdt der Themis trat entgegen?
Natürlich sank der guten Göttin Degen
Herab, so viel Verdienst zu lieb,
Und sehen Sie — nun baut der Dieb
Sich einen prächtigen Pallast
Wo festlich er mit dem gestohlnen Gute prasst,
Die Gäste strömen hin zu Hauf;
Doch stände wohl ein Gast
Als Kläger seines Wirthes auf?
Wer würde wohl in Moskau sich erfrechen
So weit zu gehn
Von irgend jemand schlecht zu sprechen,
Der Bälle giebt und Assembleen? —
Ist wohl mein Richter der, vor dem ich einst den Rücken
In meiner Kindheit mußte bücken?
Gott weiß aus welchen räthselhaften Gründen! —
Der Nestor — alt und grau in Sünden,
Der seine Diener oft verwettet
Wenn er im Zorne und berauscht:
Und den, der Ehre ihm und Leben oft gerettet
Weil es ihm so gefällt, mit einem Windhund tauscht? —
Ist’s jener, der zu ganzleibeigenem Ballet
Die Kinder von den Aeltern reißt
Und sie nach Moskau kommen heißt?
Sie werden auch in großen Schaaren
Und fuderweis hierher gefahren
Wo er, der nur vom Zephyr träumt
Und Amoretten-Reigen
Stolz ist der Stadt sein Werk zu zeigen.
Doch leider steckt er sehr in Schulden,
Die Gläub’ger woll’n sich nicht gedulden
Und all die Seelen da, von ihm getauft
Zu Amoretten und Zephyren
Sie werden nun nach Rechtsgebühren
Stückweise unterm Hammerschlag verkauft! — — — —
Da haben Sie’s! Und das sind unsre Richter!
Das sind die Sterne und die Lichter!
Das sind die Alten und die Weisen
Die Sie mir stets als Muster preisen.
Und was geschieht? Versuch’s ein junger Mann,
Der nicht das Kriechen leiden kann —
Und lege sich mit ganzer Kraft
Allein nur auf die Wissenschaft:
Er will nicht Stellen, will nicht Rang,
Er fühlt nun einmal einen andern Drang —
Der Himmel goß vielleicht in seine Brust
Des künstlerischen Schaffens Lust,
Sogleich erhebt man ein Geschrei
Mordjo! Verrätherei!
Man fliehet ihn, wie einen tollen Hund
Und munkelt von geheimem Bund. —
Die Uniform — nur sie, ja! ja! — In frührer Zeit
Hat ihre Stickerei manch Eselsohr bedeckt.
Wie viel Verächtlichkeit
Wird unter ihrem Glanz versteckt!
Und wir, wir sollen nun dieselben Wege gehn?
Es ist nicht auszustehn!
Und eben die Manie kann man ja schau’n
Bei unsern Mädchen, unsern Frau’n!
Ich selbst war unlängst noch verliebt in die Livrei,
Doch jetzo lach’ ich über solche Narrethei.
Doch anders ging es damals her,
Wer war nicht ganz vernarrt in’s Militär?
Einst bei’m Besuch von Gardeoffizieren
Schien unsre Damenwelt die Sinne zu verlieren:
Sie schrien Hurrah! Kaum ist’s zu glauben,
Und warfen in die Luft die Hauben.
Famussoff(bei Seite).
Es wird ihm noch gelingenIn’s Unglück mich zu bringen! —
Es wird ihm noch gelingen
In’s Unglück mich zu bringen! —
(Laut zu Scalosúb.)
Verzeihen Sie, Herr Oberst, ich muß fort,Doch ich erwarte Sie im Kabinette dort.
Verzeihen Sie, Herr Oberst, ich muß fort,
Doch ich erwarte Sie im Kabinette dort.
(Geht ab.)
ScalosúbundTschatzki.
Scalosúb.
Was mich besonders intressirtIst, wie Sie so geschickt berührtDie Vorurtheile unsrer StadtDie man hier für die Garde hat.Die Garde — das ist ihre Wonne!Man schaut sie an wie eine Sonne.Warum zieht man sie vorZum Beispiel unserm ersten Corps?Worin blieb dieses vor der Garde je zurück?Hat’s schlecht’re Taillen etwa und Geschick?Was wollen diese Evastöchter,Sitzt unsre Uniform denn schlechter?Ich kann gleich ein’ge Offiziere nennenDie selbst französch parliren können.
Was mich besonders intressirt
Ist, wie Sie so geschickt berührt
Die Vorurtheile unsrer Stadt
Die man hier für die Garde hat.
Die Garde — das ist ihre Wonne!
Man schaut sie an wie eine Sonne.
Warum zieht man sie vor
Zum Beispiel unserm ersten Corps?
Worin blieb dieses vor der Garde je zurück?
Hat’s schlecht’re Taillen etwa und Geschick?
Was wollen diese Evastöchter,
Sitzt unsre Uniform denn schlechter?
Ich kann gleich ein’ge Offiziere nennen
Die selbst französch parliren können.
Scalosúb.Tschatzki.Sophie(stürzt zum Fenster).Lisette.
Sophie.