Achte Scene.

Ach Gott — er fiel — er ist verloren! ah!

Ach Gott — er fiel — er ist verloren! ah!

(Sinkt hin auf einen Stuhl.)

Tschatzki.

Wer fiel?

Wer fiel?

Scalosúb.

Sag’, was geschah?

Sag’, was geschah?

Tschatzki.

Vor Schreck liegt sie in Ohnmacht ja!

Vor Schreck liegt sie in Ohnmacht ja!

Scalosúb.

Wer denn! Woher! Was ist passirt?

Wer denn! Woher! Was ist passirt?

Tschatzki.

Hat sie sich weh gethan?Stieß sie wo an?Was ist geschehn?

Hat sie sich weh gethan?

Stieß sie wo an?

Was ist geschehn?

Scalosúb.

Ist was dem Alten arrivirt?

Ist was dem Alten arrivirt?

Lisette(immer bei Sophien beschäftigt).

Ach seinem Schicksal kann man nicht entgehn!Moltschálin stieg zu PferdeEs bäumte sich, er stürzt’ zur ErdeUnd grade Kopfvoran.

Ach seinem Schicksal kann man nicht entgehn!

Moltschálin stieg zu Pferde

Es bäumte sich, er stürzt’ zur Erde

Und grade Kopfvoran.

Scalosúb.

Zu straff zog er die Zügel an,Ja, so ein Sonntagsreiter vom Civil!Ich will doch hören wie er fielOb seitwärts oder ob nach vorne.

Zu straff zog er die Zügel an,

Ja, so ein Sonntagsreiter vom Civil!

Ich will doch hören wie er fiel

Ob seitwärts oder ob nach vorne.

(Geht ab.)

Tschatzki.Lisette.Sophie(in Ohnmacht).

Tschatzki.

Wie soll man helfen, sage schneller!

Wie soll man helfen, sage schneller!

Lisette.

Dort steht ein Glas auf einem Teller.

Dort steht ein Glas auf einem Teller.

(Tschatzkiläuft fort und holt Wasser — alles wird halbleise und schnell gesprochen.)

Schnell gießen Sie ’s ins Glas!

Schnell gießen Sie ’s ins Glas!

Tschatzki.

Das ist schon lang gescheh’n!Lös ihr das Mieder! —Die Schläfen reib’ mit Essig doch!Besprenge sie mit Wasser noch!So, so — sie athmet wiederNun fächle sie. — Sophie?

Das ist schon lang gescheh’n!

Lös ihr das Mieder! —

Die Schläfen reib’ mit Essig doch!

Besprenge sie mit Wasser noch!

So, so — sie athmet wieder

Nun fächle sie. — Sophie?

(Sophieseufzt.)

Lisette.

Da seufzte sie!

Da seufzte sie!

Tschatzki.

Sieh’ aus dem Fenster — da —Da steht Moltschálin ja!Und diese Kleinigkeit konnt’ sie erschrecken!

Sieh’ aus dem Fenster — da —

Da steht Moltschálin ja!

Und diese Kleinigkeit konnt’ sie erschrecken!

Lisette.

Es muß in Damen-Nerven stecken.Das Fräulein kann es nicht ertragen,Fällt Jemand über Kopf und Kragen.

Es muß in Damen-Nerven stecken.

Das Fräulein kann es nicht ertragen,

Fällt Jemand über Kopf und Kragen.

Tschatzki.

Besprenge sie mit Wasser doch,So recht — noch einmal — noch!

Besprenge sie mit Wasser doch,

So recht — noch einmal — noch!

Sophie.

Ach!Was ist geschehn, mir ist so schwach!Wer ist um mich?

Ach!

Was ist geschehn, mir ist so schwach!

Wer ist um mich?

(Springt auf, heftig.)

Wo ist er, sprich?Was ist’s mit ihm?

Wo ist er, sprich?

Was ist’s mit ihm?

Tschatzki.

Ei, welch ein Ungestüm!Ich wollt’ er hätte sich den Hals gebrochen,Er schreckte Sie zu Tode fast.

Ei, welch ein Ungestüm!

Ich wollt’ er hätte sich den Hals gebrochen,

Er schreckte Sie zu Tode fast.

Sophie.

Das war unmenschlich doch gesprochen,Sie wollen es, daß man Sie haßt!

Das war unmenschlich doch gesprochen,

Sie wollen es, daß man Sie haßt!

Tschatzki.

Ich sollte mich auch noch mit ihm befassen?

Ich sollte mich auch noch mit ihm befassen?

Sophie.

Ja! eilen, laufen, ihn erretten!

Ja! eilen, laufen, ihn erretten!

Tschatzki.

Und Sie in Ohnmacht liegen lassen?

Und Sie in Ohnmacht liegen lassen?

Sophie.

Was sind Sie mir? Doch war es fremdes Unglück ja!Und läg’ der eigne Vater da,Sie rührt’ es nicht.

Was sind Sie mir? Doch war es fremdes Unglück ja!

Und läg’ der eigne Vater da,

Sie rührt’ es nicht.

(Zu Lisette.)

Komm’ schnell, was stehst Du noch?

Komm’ schnell, was stehst Du noch?

Lisette(führt Sophie zum Fenster).

Wohin, besinnen Sie sich doch!Er lebt, es ist ihm nichts geschehn,Sie können ihn hier aus dem Fenster sehn.

Wohin, besinnen Sie sich doch!

Er lebt, es ist ihm nichts geschehn,

Sie können ihn hier aus dem Fenster sehn.

(Sophieeilt zum Fenster.)

Tschatzki(bei Seite).

Entsetzen, Ohnmacht, Zorn! — So kann man nur empfindenWenn den Geliebten man verliert!

Entsetzen, Ohnmacht, Zorn! — So kann man nur empfinden

Wenn den Geliebten man verliert!

Sophie(zu Lisette).

Siehst Du, wie sie den Arm ihm binden!Er kommt, er wird herauf geführt!

Siehst Du, wie sie den Arm ihm binden!

Er kommt, er wird herauf geführt!

Tschatzki.

Ich wollt’, ich hätt’ mit ihm den Hals gebrochen!

Ich wollt’, ich hätt’ mit ihm den Hals gebrochen!

Lisette.

Per compagnie!Nun das ist brav gesprochen.

Per compagnie!Nun das ist brav gesprochen.

Sophie.

Ach, lassen Sie’s beim Wunsch!

Ach, lassen Sie’s beim Wunsch!

Die Vorigen.Scalosúb.Moltschálin(den Arm in der Binde).

Scalosúb.

Da ist er! Er erstand!Und unverletzt! — Nur seine HandBekam was ab und etwas hier der ArmDas ganze war „un faux allarm!“

Da ist er! Er erstand!

Und unverletzt! — Nur seine Hand

Bekam was ab und etwas hier der Arm

Das ganze war „un faux allarm!“

Moltschálin.

Ich habe Sie erschreckt? Ach nein?Mein Gott, Sie werden doch verzeih’n!

Ich habe Sie erschreckt? Ach nein?

Mein Gott, Sie werden doch verzeih’n!

Scalosúb.

Ich glaubte nicht — auf Ehre!Daß man durch solche KleinigkeitCodille gleich verlöre!Sie stürzten her in großer Eile,Und ich erschrak, so wahr ich ehrlich bin!Sie fielen gar in Ohnmacht hinUnd alles für die Langeweile!Für nichts und wieder nichts.

Ich glaubte nicht — auf Ehre!

Daß man durch solche Kleinigkeit

Codille gleich verlöre!

Sie stürzten her in großer Eile,

Und ich erschrak, so wahr ich ehrlich bin!

Sie fielen gar in Ohnmacht hin

Und alles für die Langeweile!

Für nichts und wieder nichts.

Sophie(ohne aufzublicken).

Ich seh’ es ein — und dochAm ganzen Leibe zittr’ ich noch.

Ich seh’ es ein — und doch

Am ganzen Leibe zittr’ ich noch.

Tschatzki(bei Seite).

Und zu Moltschálin nicht ein Wort?

Und zu Moltschálin nicht ein Wort?

Sophie(wie oben).

Es fehlt mir nicht an MuthWirft auch der Wagen um, ich fahr’ gleich weiter fort —Doch konnt’ ich nie mit kaltem BlutEs sehn, wenn andre in Gefahr,Und wenn es gleich ein Unbekannter war. —Und wenn der Schaden auch geringeEs ist unmöglich, daß ich mich bezwinge.

Es fehlt mir nicht an Muth

Wirft auch der Wagen um, ich fahr’ gleich weiter fort —

Doch konnt’ ich nie mit kaltem Blut

Es sehn, wenn andre in Gefahr,

Und wenn es gleich ein Unbekannter war. —

Und wenn der Schaden auch geringe

Es ist unmöglich, daß ich mich bezwinge.

Tschatzki(bei Seite).

Will sie bei jenem sich vielleichtEntschuldigen, daß sie Gefühl gezeigtFür irgend einen in der Welt!

Will sie bei jenem sich vielleicht

Entschuldigen, daß sie Gefühl gezeigt

Für irgend einen in der Welt!

Scalosúb.

Erlauben Sie, da fälltMir ein Histörchen ein;Die Fürstin Lassoff hier ist Reiterin,Ob Wittwe zwar, von Profession,Doch meistens reitet sie allein,Den Cavalieren scheint sie nicht sehr zu gefallen.Die Arme ist in diesen TagenVom Pferd gefallenUnd hat sich arg zerschlagen;Die Schuld lag an dem Tölpel von Jokei,Er zählte Mücken wohl und sprang nicht schnell herbei!Sie soll schon ohnedem sehr unbeholfen sein,Nun, sagt man, soll ihr eine Rippe fehlen —Und darum möcht’ sie wieder sich vermählen,Und sucht jetzt eifrig einen MannDer sie als Rippe stützen kann.

Erlauben Sie, da fällt

Mir ein Histörchen ein;

Die Fürstin Lassoff hier ist Reiterin,

Ob Wittwe zwar, von Profession,

Doch meistens reitet sie allein,

Den Cavalieren scheint sie nicht sehr zu gefallen.

Die Arme ist in diesen Tagen

Vom Pferd gefallen

Und hat sich arg zerschlagen;

Die Schuld lag an dem Tölpel von Jokei,

Er zählte Mücken wohl und sprang nicht schnell herbei!

Sie soll schon ohnedem sehr unbeholfen sein,

Nun, sagt man, soll ihr eine Rippe fehlen —

Und darum möcht’ sie wieder sich vermählen,

Und sucht jetzt eifrig einen Mann

Der sie als Rippe stützen kann.

(Er lacht.)

Sophie.

Mein Gott, Herr Tschatzki, das ist was für Sie!Was meinen Sie zu der Parthie?Sie sollten recht so menschenfreundlich sein,Als Rippe sich der Wittwe weih’n —Denn fremdes Unglück rührt Sie ja so ungemein!

Mein Gott, Herr Tschatzki, das ist was für Sie!

Was meinen Sie zu der Parthie?

Sie sollten recht so menschenfreundlich sein,

Als Rippe sich der Wittwe weih’n —

Denn fremdes Unglück rührt Sie ja so ungemein!

Tschatzki.

Sie haben Recht! Ich hatte ja das GlückUnd rief zum Leben Sie zurück,Als bleich und athemlos Sie hier in Ohnmacht lagen;Allein für wen ich’s that, das weiß ich nicht zu sagen.

Sie haben Recht! Ich hatte ja das Glück

Und rief zum Leben Sie zurück,

Als bleich und athemlos Sie hier in Ohnmacht lagen;

Allein für wen ich’s that, das weiß ich nicht zu sagen.

(Nimmt den Hut und geht ab.)

Die VorigenohneTschatzki.

Sophie(zu Scalosúb).

Nun heute Abend — sehn wir Sie?

Nun heute Abend — sehn wir Sie?

Scalosúb.

Wie früh?

Wie früh?

Sophie.

Ich bitte nicht zu spät — wir haben unser Kränzchen,Und zum Klavier macht man ein Tänzchen,Sie wissen ja, der TrauerfallGestattet jetzo keinen Ball,Sie werden Freunde nur vom Hause sehn.

Ich bitte nicht zu spät — wir haben unser Kränzchen,

Und zum Klavier macht man ein Tänzchen,

Sie wissen ja, der Trauerfall

Gestattet jetzo keinen Ball,

Sie werden Freunde nur vom Hause sehn.

Scalosúb.

Sehr wohl — doch muß ich jetzt zu Ihrem Vater gehn;Ihr Diener!

Sehr wohl — doch muß ich jetzt zu Ihrem Vater gehn;

Ihr Diener!

Sophie.

Adieu!

Adieu!

(Verbeugung und Abschiednehmen.Scalosúbgeht ab, schüttelt aber erst Moltschálin die Hand.)

Die VorigenohneScalosúb.

Sophie.

Moltschálin, sprechen Sie, was haben Sie gemacht!Ich weiß nicht, wie ich noch bei Sinnen,Ach hätten Sie an mich gedacht,Sie setzten nicht Ihr — mir so theures LebenSo muthwillig auf’s Spiel.Doch sagen Sie — wie ist’s mit Ihrem Arm?Hat sich der Schmerz gegeben?Zum Doktor schicken Sie vor allen Dingen,Soll man nicht Tropfen bringen?

Moltschálin, sprechen Sie, was haben Sie gemacht!

Ich weiß nicht, wie ich noch bei Sinnen,

Ach hätten Sie an mich gedacht,

Sie setzten nicht Ihr — mir so theures Leben

So muthwillig auf’s Spiel.

Doch sagen Sie — wie ist’s mit Ihrem Arm?

Hat sich der Schmerz gegeben?

Zum Doktor schicken Sie vor allen Dingen,

Soll man nicht Tropfen bringen?

Moltschálin.

Seitdem der Arm in dieser BindeSo schmerzt er nur noch ganz gelinde.

Seitdem der Arm in dieser Binde

So schmerzt er nur noch ganz gelinde.

Lisette.

Es ist ja nichts, ich will gleich wetten!Die Binde steht ihm nur so gut —Doch wer kann Sie vor bösen Zungen retten,Ich bitt’ Sie, sei’n Sie auf der Hut.Denn Tschatzki — ach, der kann’s schon machen,Daß über Sie die Leute lachen;Und wenn der Oberst erst sich in die Haare fährtUm sein Toupé recht schönZurecht zu drehn,Dann fängt er sicher an, die Ohnmacht zu erzählenUnd an Verschönerungen wird’s nicht fehlen.Selbst dieser Mensch will witzig sein!Ach Gott! Wer ist nicht witzig heut zu Tage!

Es ist ja nichts, ich will gleich wetten!

Die Binde steht ihm nur so gut —

Doch wer kann Sie vor bösen Zungen retten,

Ich bitt’ Sie, sei’n Sie auf der Hut.

Denn Tschatzki — ach, der kann’s schon machen,

Daß über Sie die Leute lachen;

Und wenn der Oberst erst sich in die Haare fährt

Um sein Toupé recht schön

Zurecht zu drehn,

Dann fängt er sicher an, die Ohnmacht zu erzählen

Und an Verschönerungen wird’s nicht fehlen.

Selbst dieser Mensch will witzig sein!

Ach Gott! Wer ist nicht witzig heut zu Tage!

Sophie.

Als ob nach diesen Zwei’n ich frage!Wer mir gefällt, den mag ichUnd was ich will, das sag’ ich.Moltschálin ach, wie hab’ ich mich bezwungen!Als Sie in’s Zimmer traten,Mich um Verzeihung baten,Wie hab’ ich da im Innersten gerungen!Vor jenen durft’ ich es nicht wagenSie anzusehn, Sie zu befragen.

Als ob nach diesen Zwei’n ich frage!

Wer mir gefällt, den mag ich

Und was ich will, das sag’ ich.

Moltschálin ach, wie hab’ ich mich bezwungen!

Als Sie in’s Zimmer traten,

Mich um Verzeihung baten,

Wie hab’ ich da im Innersten gerungen!

Vor jenen durft’ ich es nicht wagen

Sie anzusehn, Sie zu befragen.

Moltschálin.

Und doch — Sie müßten besser sich verstellen.

Und doch — Sie müßten besser sich verstellen.

Sophie.

Wie sollt’ ich das, wenn alle Pulse schwellen!Ich wollt’ hinaus zum Fenster springen,Ich war halb todt und sollte mich bezwingen.Es mag die Herrn da ärgern und verdriessen,Was geht’s mich an, was mach’ ich mir aus diesen,Aus irgend jemand, aus der ganzen Welt!Mag sie doch reden, wie es ihr gefällt?

Wie sollt’ ich das, wenn alle Pulse schwellen!

Ich wollt’ hinaus zum Fenster springen,

Ich war halb todt und sollte mich bezwingen.

Es mag die Herrn da ärgern und verdriessen,

Was geht’s mich an, was mach’ ich mir aus diesen,

Aus irgend jemand, aus der ganzen Welt!

Mag sie doch reden, wie es ihr gefällt?

Moltschálin.

Möcht’ diese Offenheit uns nur nicht Schaden bringen!

Möcht’ diese Offenheit uns nur nicht Schaden bringen!

Sophie.

Man wird Sie doch nicht zum Duelle zwingen?

Man wird Sie doch nicht zum Duelle zwingen?

Moltschálin.

Ach schlimmer wohl als Degen und PistolenSind scharfe Zungen.

Ach schlimmer wohl als Degen und Pistolen

Sind scharfe Zungen.

Lisette.

Bei Ihrem Vater sind die Beiden drin,Wie wär’s, Sie gingen gleich dahinUnd stellten sich ganz unbefangen,Wir glauben gern, was wir verlangen. —Den Tschatzki müssen Sie vor allen DingenZum Schwatzen bringen —Indem Sie jene Jugendzeit berühren.Ein bischen Liebelei, ein Wort, ein BlickDamit kann man zum GlückBequem Verliebte an der Nase führen.

Bei Ihrem Vater sind die Beiden drin,

Wie wär’s, Sie gingen gleich dahin

Und stellten sich ganz unbefangen,

Wir glauben gern, was wir verlangen. —

Den Tschatzki müssen Sie vor allen Dingen

Zum Schwatzen bringen —

Indem Sie jene Jugendzeit berühren.

Ein bischen Liebelei, ein Wort, ein Blick

Damit kann man zum Glück

Bequem Verliebte an der Nase führen.

Moltschálin.

Ich wage Ihnen nicht zu rathen —

Ich wage Ihnen nicht zu rathen —

(Küßt Sophiens Hand.)

Sophie.

Wie?Auch Sie?Sie wollen’s also auch?Ach, liebenswürdig sein, mit Augen ganz in Thränen?Ich kann mich an Verstellung nicht gewöhnen,Es fällt mir nichts so schwer.Was schickte Gott doch diesen Tschatzki her!

Wie?

Auch Sie?

Sie wollen’s also auch?

Ach, liebenswürdig sein, mit Augen ganz in Thränen?

Ich kann mich an Verstellung nicht gewöhnen,

Es fällt mir nichts so schwer.

Was schickte Gott doch diesen Tschatzki her!

(Geht ab.)

Die VorigenohneSophie.

Moltschálin.

Du Engel, allerliebster Engel Du!

Du Engel, allerliebster Engel Du!

Lisette.

Mein Gott, ihr seid schon zwei, laßt mich doch nur in Ruh!

Mein Gott, ihr seid schon zwei, laßt mich doch nur in Ruh!

Moltschálin.

Welch ein Gesichtchen! Höre:Ich bin verliebt in Dich, auf Ehre!

Welch ein Gesichtchen! Höre:

Ich bin verliebt in Dich, auf Ehre!

Lisette.

In mich — verliebt? — Sind Sie gescheut?Ich denke doch — Sophie,Das Fräulein lieben Sie.

In mich — verliebt? — Sind Sie gescheut?

Ich denke doch — Sophie,

Das Fräulein lieben Sie.

Moltschálin.

Dienstpflicht und Schuldigkeit;Allein zu Dir fühl’ ich die reinste Liebe —

Dienstpflicht und Schuldigkeit;

Allein zu Dir fühl’ ich die reinste Liebe —

Lisette.

Aus Langerweile? Ja —Ich kenne diese heißen Triebe!Ich bitte Sie — nur nicht zu nah —Nein, nein, nur fort!

Aus Langerweile? Ja —

Ich kenne diese heißen Triebe!

Ich bitte Sie — nur nicht zu nah —

Nein, nein, nur fort!

Moltschálin.

Hör’ nur — ein Wort!Ich habe drei ganz allerliebste Sachen,Sie könnten manche glücklich machen;Hör’ nur Lisette:Vor allem eine ToiletteVon einer Arbeit — wunderfein!Ein kleiner Spiegel drauf, ein kleiner Spiegel drin.Und alles ringsum ächt vergoldet.Ein Kissen, ganz mit Perlen ausgenähtUnd allerlei perlmutternes Geräth,Und Nadelbüchsen gar zu niedlich!Und Scheeren, alles so apptitlich!Zerriebne Perlen — Schminke auch dabeiUnd dann auch sonst noch allerlei.Verschiedene PomadenFür Lippensprung und andre Schaden.

Hör’ nur — ein Wort!

Ich habe drei ganz allerliebste Sachen,

Sie könnten manche glücklich machen;

Hör’ nur Lisette:

Vor allem eine Toilette

Von einer Arbeit — wunderfein!

Ein kleiner Spiegel drauf, ein kleiner Spiegel drin.

Und alles ringsum ächt vergoldet.

Ein Kissen, ganz mit Perlen ausgenäht

Und allerlei perlmutternes Geräth,

Und Nadelbüchsen gar zu niedlich!

Und Scheeren, alles so apptitlich!

Zerriebne Perlen — Schminke auch dabei

Und dann auch sonst noch allerlei.

Verschiedene Pomaden

Für Lippensprung und andre Schaden.

Lisette.

Sie wissen es — ich bin nicht intressirt —Doch sagen Sie, woher das rührt,Daß Sie so blöd beim Fräulein sind,Und bei der Zofe recht ein Sausewind?

Sie wissen es — ich bin nicht intressirt —

Doch sagen Sie, woher das rührt,

Daß Sie so blöd beim Fräulein sind,

Und bei der Zofe recht ein Sausewind?

Moltschálin.

Ich bin heut’ krank und komme nicht zum Essen,Du schleiche zu mir unterdessenIch sag’ Dir alles heimlich dort.

Ich bin heut’ krank und komme nicht zum Essen,

Du schleiche zu mir unterdessen

Ich sag’ Dir alles heimlich dort.

(Geht ab.)

Lisette. Sophie.

Sophie.

Ich komm’ vom Vater, Beide waren fort;Ich bin nicht wohl und will nicht speisen mit dem Alten,Geh’ zu Moltschálin hinUnd bitte ihnDaß er herauf kommt, mich zu unterhalten.

Ich komm’ vom Vater, Beide waren fort;

Ich bin nicht wohl und will nicht speisen mit dem Alten,

Geh’ zu Moltschálin hin

Und bitte ihn

Daß er herauf kommt, mich zu unterhalten.

(Geht ab.)

Lisetteallein.

Nun das ist eine tolle Wirthschaft hier!Das ist ergötzlich.Sieläuft nachihm, undernachmir,Undich— ich fürcht’ die Liebe ganz entsetzlich, — —Doch, — — unser Diener beim Büffet,Der Peter — ist doch gar zu nett!!

Nun das ist eine tolle Wirthschaft hier!

Das ist ergötzlich.

Sieläuft nachihm, undernachmir,

Undich— ich fürcht’ die Liebe ganz entsetzlich, — —

Doch, — — unser Diener beim Büffet,

Der Peter — ist doch gar zu nett!!

(Der Vorhang fällt.)

Ende des zweiten Akts.


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