Dritter Akt.

Dritter Akt.

Eleganter Saal.

Tschatzki, etwas späterSophie.

Tschatzki.

Erwarten will ich sie —; ich muß sie sehn.Sie muß es mir gestehnWen sie denn liebt. Ist es der Sekretair,Ist es der Oberst — oder wer?Moltschálin? dieses gute Tröpfchen!Ein so armseliges Geschöpfchen!Wie kam er zu Verstand? — und Jener? lieber Gott!Solch heis’res, halberwürgtes Baßfagott! —Gewohnt als Sternbild stolz zu glänzenBei den Maneuvern und Masurkatänzen!Geschick der Liebe, du —Spielst mit uns blinde Kuh!

Erwarten will ich sie —; ich muß sie sehn.

Sie muß es mir gestehn

Wen sie denn liebt. Ist es der Sekretair,

Ist es der Oberst — oder wer?

Moltschálin? dieses gute Tröpfchen!

Ein so armseliges Geschöpfchen!

Wie kam er zu Verstand? — und Jener? lieber Gott!

Solch heis’res, halberwürgtes Baßfagott! —

Gewohnt als Sternbild stolz zu glänzen

Bei den Maneuvern und Masurkatänzen!

Geschick der Liebe, du —

Spielst mit uns blinde Kuh!

(Sophietritt auf.)

Sie sind’s? Wie mich’s erfreutIch wünscht’ es grad!

Sie sind’s? Wie mich’s erfreut

Ich wünscht’ es grad!

Sophie(bei Seite).

Zu äußerst ungelegner Zeit!

Zu äußerst ungelegner Zeit!

Tschatzki.

Mich suchten Sie zwar nicht?!

Mich suchten Sie zwar nicht?!

Sophie.

O nein!

O nein!

Tschatzki.

Und freilich mag es nicht ganz passend sein,Doch — einerlei — ich muß Sie drum befragen:Wen lieben Sie? — Ich bitt’ es mir zu sagen!

Und freilich mag es nicht ganz passend sein,

Doch — einerlei — ich muß Sie drum befragen:

Wen lieben Sie? — Ich bitt’ es mir zu sagen!

Sophie.

Ach Gott! die ganze Welt!

Ach Gott! die ganze Welt!

Tschatzki.

Doch wer am besten Ihnen drin gefälltDas sagen Sie.

Doch wer am besten Ihnen drin gefällt

Das sagen Sie.

Sophie.

Gar viele, — die mit mir verwandt — —

Gar viele, — die mit mir verwandt — —

Tschatzki.

Und Alle mehr als ich?

Und Alle mehr als ich?

Sophie.

Ja — einige! — —

Ja — einige! — —

Tschatzki.

Entschieden also ist’s! Was ist dabei zu machen —Mich bringt’s zum Rasen — Sie zum Lachen!

Entschieden also ist’s! Was ist dabei zu machen —

Mich bringt’s zum Rasen — Sie zum Lachen!

Sophie.

Versteh’n Sie Wahrheit zu ertragen? —Ich möchte Ihnen nur zwei Worte sagen:Warum ist Ihre Lust so großGiebt sich ein andrer etwas bloß?Ist etwas lächerlich — Sie werden’s gleich gewahr,Und selbst —

Versteh’n Sie Wahrheit zu ertragen? —

Ich möchte Ihnen nur zwei Worte sagen:

Warum ist Ihre Lust so groß

Giebt sich ein andrer etwas bloß?

Ist etwas lächerlich — Sie werden’s gleich gewahr,

Und selbst —

Tschatzki.

Ich selbst bin lächerlich? Nicht wahr?

Ich selbst bin lächerlich? Nicht wahr?

Sophie.

Ja — dieser böse Blick — der scharfe Ton,In jedem Worte bittrer Hohn, —Und — Sie besitzenUnzähl’ge Eigenheiten noch,Und Strenge gegen sich — die könnte Ihnen nützen.

Ja — dieser böse Blick — der scharfe Ton,

In jedem Worte bittrer Hohn, —

Und — Sie besitzen

Unzähl’ge Eigenheiten noch,

Und Strenge gegen sich — die könnte Ihnen nützen.

Tschatzki.

Ich eigen? Gut! So sagen Sie mir dochWer keine Eigenheiten zeigt?Moltschálin wohl, der einem Dummkopf gleichtSo wie ein Ei dem andern? — Wie?

Ich eigen? Gut! So sagen Sie mir doch

Wer keine Eigenheiten zeigt?

Moltschálin wohl, der einem Dummkopf gleicht

So wie ein Ei dem andern? — Wie?

Sophie.

Die alten Beispiele! Ich kenne sie!Klar ist’s, Sie sind gestimmt, auf AlleZu gießen Ihre schwarze Galle.Ich — stör’ Sie ungern drin.

Die alten Beispiele! Ich kenne sie!

Klar ist’s, Sie sind gestimmt, auf Alle

Zu gießen Ihre schwarze Galle.

Ich — stör’ Sie ungern drin.

(Will fort.)

Tschatzki(hält sie auf).

Sie wollen fort?O hören Sie nur noch ein einz’ges Wort!

Sie wollen fort?

O hören Sie nur noch ein einz’ges Wort!

(Bei Seite.)

Einmal will heucheln ich — und mich bezwingen.

Einmal will heucheln ich — und mich bezwingen.

(Laut.)

Den Streit — den lassen wir — vor allen Dingen —Sie haben Recht! Es thut mir Leid,Und gegen ihn, Moltschálin, ging ich wohl zu weit.Es sind verflossen fast drei Jahr,Er ist vielleicht ein andrer, als er war.Auf Erden sieht man vieles sich verändern,Verfassungen und Sitten und Verstand,Das Clima selbst von ganzen Ländern!Gar wicht’ge Leute, wohlbekannt,Die wurden früher Dummköpfe genannt,Schlecht als Soldaten und Poeten;Noch andre — nun, ich fürcht’ mich sie zu nennenSie werden sie — wie alle Welt — ja kennen —Von diesen hat man nun erfahren,Daß in den letzten JahrenSie ganz gewaltig wurden klug.Mag sein, Moltschálin ist — ein solches Kraftgenie,Doch frag’ ich eins, versteht er Sie?Und brennt in ihm ein solches Feuer,Daß ihm auf Erden nichts so theuerUnd nichts so heilig ist, als Sie?Sein Herz — wird es mit schnellern SchlägenBei Ihrem Anblick sich bewegen?Sind Sie die Seele seines Strebens?Sind Sie der Endzweck seines Lebens?Und so fühl’ ich — doch kann ich’s nicht beschreiben.Allein die stumpfe Wuth, die bittren SchmerzenIn meinem wundzerriss’nen Herzen,Die wünsch’ ich meinem Todfeind nicht! — — —Und er? — Er schweigtUnd neigtDas Köpfchen auf die Seite,Natürlich ist er zahm, denn solche LeuteDie kennen edle Hitze nicht!Gott weiß, was für ein Schatz in ihm verborgen liegt!Gott weiß, mit was für Eigenschaft,Mit welcher hohen GeisteskraftSie ihn geschmückt! — Er dachte nicht daran.Sie haben alles das aus ihm gemachtWas Ihre Phantasie sich liebend ausgedacht;Er ist an gar nichts schuld — Sie sind’s allein.Nein, nein!Ich gebe zu, was man auf ErdenNur irgend kann.Mag er doch klug sein, stündlich klüger werden;Doch ist er Ihrer werth?Das muß ich Sie nur fragen,Um den Verlust mit kaltem Blut zu tragen. —Hierüber geben Sie mir Licht,Als einem Bruder, einem Freund,Der’s immer ehrlich doch mit Ihnen hat gemeint.Der einst mit Ihnen auferzogenUnd dem Sie doch als Kind gewogen;Sobald ich überzeugt von Ihrem künft’gen Glück,So zieh’ ich mich sogleich zurück.Dann will ich mich bemüh’nDem Wahnsinn zu entflieh’n.Dann eil’ ich in die Welt hineinUm zu vergessen, um mich zu zerstreunUnd nie will ich mehr an die Liebe denken.

Den Streit — den lassen wir — vor allen Dingen —

Sie haben Recht! Es thut mir Leid,

Und gegen ihn, Moltschálin, ging ich wohl zu weit.

Es sind verflossen fast drei Jahr,

Er ist vielleicht ein andrer, als er war.

Auf Erden sieht man vieles sich verändern,

Verfassungen und Sitten und Verstand,

Das Clima selbst von ganzen Ländern!

Gar wicht’ge Leute, wohlbekannt,

Die wurden früher Dummköpfe genannt,

Schlecht als Soldaten und Poeten;

Noch andre — nun, ich fürcht’ mich sie zu nennen

Sie werden sie — wie alle Welt — ja kennen —

Von diesen hat man nun erfahren,

Daß in den letzten Jahren

Sie ganz gewaltig wurden klug.

Mag sein, Moltschálin ist — ein solches Kraftgenie,

Doch frag’ ich eins, versteht er Sie?

Und brennt in ihm ein solches Feuer,

Daß ihm auf Erden nichts so theuer

Und nichts so heilig ist, als Sie?

Sein Herz — wird es mit schnellern Schlägen

Bei Ihrem Anblick sich bewegen?

Sind Sie die Seele seines Strebens?

Sind Sie der Endzweck seines Lebens?

Und so fühl’ ich — doch kann ich’s nicht beschreiben.

Allein die stumpfe Wuth, die bittren Schmerzen

In meinem wundzerriss’nen Herzen,

Die wünsch’ ich meinem Todfeind nicht! — — —

Und er? — Er schweigt

Und neigt

Das Köpfchen auf die Seite,

Natürlich ist er zahm, denn solche Leute

Die kennen edle Hitze nicht!

Gott weiß, was für ein Schatz in ihm verborgen liegt!

Gott weiß, mit was für Eigenschaft,

Mit welcher hohen Geisteskraft

Sie ihn geschmückt! — Er dachte nicht daran.

Sie haben alles das aus ihm gemacht

Was Ihre Phantasie sich liebend ausgedacht;

Er ist an gar nichts schuld — Sie sind’s allein.

Nein, nein!

Ich gebe zu, was man auf Erden

Nur irgend kann.

Mag er doch klug sein, stündlich klüger werden;

Doch ist er Ihrer werth?

Das muß ich Sie nur fragen,

Um den Verlust mit kaltem Blut zu tragen. —

Hierüber geben Sie mir Licht,

Als einem Bruder, einem Freund,

Der’s immer ehrlich doch mit Ihnen hat gemeint.

Der einst mit Ihnen auferzogen

Und dem Sie doch als Kind gewogen;

Sobald ich überzeugt von Ihrem künft’gen Glück,

So zieh’ ich mich sogleich zurück.

Dann will ich mich bemüh’n

Dem Wahnsinn zu entflieh’n.

Dann eil’ ich in die Welt hinein

Um zu vergessen, um mich zu zerstreun

Und nie will ich mehr an die Liebe denken.

Sophie(bei Seite).

Da hab’ ich einen toll gemachtUnd ohne daß ich dran gedacht.

Da hab’ ich einen toll gemacht

Und ohne daß ich dran gedacht.

(Laut.)

Was soll ich’s läugnen?Es konnte sich was Schreckliches ereignen —Moltschálin konnt’ um seinen Arm erst kommen,Und lebhaft hab’ ich Antheil dran genommen;Doch Sie vergaßen etwas zu bedenken:Kann man nicht jedem Antheil schenkenUnd ohne Ansehn der Person?Doch könnte schonIn dem — was Sie vermuthen — Wahrheit sein,Und eifrig will ich seinem Schutz mich weih’n.Sie nehmen ihrer Zunge wenig wahr,Sie achten niemand — offenbar!Und selbst der sanfteste — kann’s nicht vermeiden.Er muß von Ihrem Zorne leidenUnd wird mit Spott von Ihnen überhäuft:Wenn man ihn nennt — wenn ihn Ihr Blick nur streift —So werden Sie gleich bitterUnd hageln ein GewitterVon Witz und Bosheit auf ihn los!Ist wirklich der Genuß so groß?Nur Scherz und immer Scherz! Welch ein Vergnügen!Kann solches Ihrem Geiste wohl genügen?

Was soll ich’s läugnen?

Es konnte sich was Schreckliches ereignen —

Moltschálin konnt’ um seinen Arm erst kommen,

Und lebhaft hab’ ich Antheil dran genommen;

Doch Sie vergaßen etwas zu bedenken:

Kann man nicht jedem Antheil schenken

Und ohne Ansehn der Person?

Doch könnte schon

In dem — was Sie vermuthen — Wahrheit sein,

Und eifrig will ich seinem Schutz mich weih’n.

Sie nehmen ihrer Zunge wenig wahr,

Sie achten niemand — offenbar!

Und selbst der sanfteste — kann’s nicht vermeiden.

Er muß von Ihrem Zorne leiden

Und wird mit Spott von Ihnen überhäuft:

Wenn man ihn nennt — wenn ihn Ihr Blick nur streift —

So werden Sie gleich bitter

Und hageln ein Gewitter

Von Witz und Bosheit auf ihn los!

Ist wirklich der Genuß so groß?

Nur Scherz und immer Scherz! Welch ein Vergnügen!

Kann solches Ihrem Geiste wohl genügen?

Tschatzki.

Mein Gott — gehör’ ich wirklich zu den Schwachen,Die nichts im Leben thun, als lachen?Ich lache — ja —Wenn ich recht lächerliche Leute sah,Doch öfter noch sind sie mir ennuyant.

Mein Gott — gehör’ ich wirklich zu den Schwachen,

Die nichts im Leben thun, als lachen?

Ich lache — ja —

Wenn ich recht lächerliche Leute sah,

Doch öfter noch sind sie mir ennuyant.

Sophie.

Vergeblich weisen Sie den Vorwurf von der Hand,Und schieben andern zu, was Ihnen selbst gebührt;Moltschálin hat Sie sicher niemals ennuyirt,Denn wer, wie ich, ihn oft und näher sah —

Vergeblich weisen Sie den Vorwurf von der Hand,

Und schieben andern zu, was Ihnen selbst gebührt;

Moltschálin hat Sie sicher niemals ennuyirt,

Denn wer, wie ich, ihn oft und näher sah —

Tschatzki(bitter).

Wie traten Sie ihm denn so nah?

Wie traten Sie ihm denn so nah?

Sophie.

Ich sucht’ ihn nicht, der Himmel hat’s gewolltUnd hier im Hause ist ihm jeder hold.Bei meinem Vater dient er nun drei Jahr,Oft schilt der ihn, denn es ist wahr —Das Alter macht so eigen,Doch stets entwaffnet er ihn durch sein Schweigen;Verzeiht ihm alles — weil er seelengut; —Er könnte doch, wie mancher andre thutAuf Lustbarkeiten sich zerstreunDoch nein!Nie geht er aus.Beim Alten bleibt er stets zu HausUnd wenn wir andern lachenUnd scherzen, Possen machen,Sitzt er beim Vater oft zu ganzen Tagen,Es mag ihm — oder mag ihm nicht behagen,Und spielt mit ihm. —

Ich sucht’ ihn nicht, der Himmel hat’s gewollt

Und hier im Hause ist ihm jeder hold.

Bei meinem Vater dient er nun drei Jahr,

Oft schilt der ihn, denn es ist wahr —

Das Alter macht so eigen,

Doch stets entwaffnet er ihn durch sein Schweigen;

Verzeiht ihm alles — weil er seelengut; —

Er könnte doch, wie mancher andre thut

Auf Lustbarkeiten sich zerstreun

Doch nein!

Nie geht er aus.

Beim Alten bleibt er stets zu Haus

Und wenn wir andern lachen

Und scherzen, Possen machen,

Sitzt er beim Vater oft zu ganzen Tagen,

Es mag ihm — oder mag ihm nicht behagen,

Und spielt mit ihm. —

Tschatzki.

Er spielt, und wenn man schiltSo bleibt er ewig sanft und mild?

Er spielt, und wenn man schilt

So bleibt er ewig sanft und mild?

(Bei Seite.)

Nein, einen solchen WichtDen liebt sie nicht!

Nein, einen solchen Wicht

Den liebt sie nicht!

Sophie.

Zwar jenen Geist wird man in ihm nicht finden können,Den einige Genie — doch andre Pest benennen,Und den nach kurzem Glanz wir überdrüssig werden,Der tadelt was geschieht — im Himmel und auf Erden,Damit die Welt ihn nennt auf einen Augenblick;Doch gründet solch ein Geist Familienglück?

Zwar jenen Geist wird man in ihm nicht finden können,

Den einige Genie — doch andre Pest benennen,

Und den nach kurzem Glanz wir überdrüssig werden,

Der tadelt was geschieht — im Himmel und auf Erden,

Damit die Welt ihn nennt auf einen Augenblick;

Doch gründet solch ein Geist Familienglück?

Tschatzki.

Soll das Moral — soll das Satyre sein?

Soll das Moral — soll das Satyre sein?

(Bei Seite.)

Sie liebt ihn nicht, nein, nein!

Sie liebt ihn nicht, nein, nein!

Sophie.

Man kann Bewunderung ihm nicht versagen:Wie nachgiebig, wie fein ist sein Betragen!Nie hat sich seine Stirn in Falten je gelegt,Selbst ruhig, läßt er andre auch in Ruh’Und schlägt nicht gleich die Kreuz und Quere zu.Und grade das, daß er so viel erträgt,Das macht es, daß ich ihm gewogen.

Man kann Bewunderung ihm nicht versagen:

Wie nachgiebig, wie fein ist sein Betragen!

Nie hat sich seine Stirn in Falten je gelegt,

Selbst ruhig, läßt er andre auch in Ruh’

Und schlägt nicht gleich die Kreuz und Quere zu.

Und grade das, daß er so viel erträgt,

Das macht es, daß ich ihm gewogen.

Tschatzki(bei Seite).

Sie scherzt — sie liebt ihn nicht — sie hat mich nur betrogen!

Sie scherzt — sie liebt ihn nicht — sie hat mich nur betrogen!

(Laut.)

Ich kenn’ Moltschálin; sparen SieSein Bild zu malen sich die Müh’ — —Doch Scalosúb — das ist ein MannBei dessen Anblick schon man sich vergessen kann.Für unser HeerSteht wie ein Felsen er,Und ist durch seines Basses AllgewaltDurch seine Taille und GestaltEin Held —

Ich kenn’ Moltschálin; sparen Sie

Sein Bild zu malen sich die Müh’ — —

Doch Scalosúb — das ist ein Mann

Bei dessen Anblick schon man sich vergessen kann.

Für unser Heer

Steht wie ein Felsen er,

Und ist durch seines Basses Allgewalt

Durch seine Taille und Gestalt

Ein Held —

Sophie(schnell).

Nicht im Romane meines Lebens.

Nicht im Romane meines Lebens.

Tschatzki.

Sie zu errathen ist vergebens.

Sie zu errathen ist vergebens.

DieVorigen.Lisette.

Lisette(leise zu Sophie).

Mein Fräulein, kommen Sie herein,Moltschálin wird sogleich bei Ihnen sein.

Mein Fräulein, kommen Sie herein,

Moltschálin wird sogleich bei Ihnen sein.

Sophie(leise zu Tschatzki).

Verzeihen Sie, wenn ich von Ihnen eile.

Verzeihen Sie, wenn ich von Ihnen eile.

Tschatzki.

Wohin denn?

Wohin denn?

Sophie.

Zum Friseur.

Zum Friseur.

Tschatzki.

Ei, das hat gute Weile!

Ei, das hat gute Weile!

Sophie.

Die Lockeneisen würden kalt.

Die Lockeneisen würden kalt.

Tschatzki.

Ei, immerhin!

Ei, immerhin!

Sophie.

Die Gäste kommen bald.

Die Gäste kommen bald.

Tschatzki.

Nun Gott verzeih’s! Sie lassen mich zurückMit einem Räthsel! — Doch auf einen AugenblickErlauben Sie, daß ich in Ihr Zimmer gehe,Damit ich jene Räume wiedersehe —Wo alles mir so lieb! — Erwärmen möcht’ ich mich,Aufathmen möchte ichNur einmal wieder,Der Zeit gedenkend, die dahin!Ich bleib’ nur zwei Minuten drin.Und dann — bedenken Sie — Mitglied bin ich vom Clubb —Zum Dank will ich, zu aller Welt ErstaunenTagtäglich ausposaunen,Daß klug Moltschálin ist, und geistreich Scalosúb.

Nun Gott verzeih’s! Sie lassen mich zurück

Mit einem Räthsel! — Doch auf einen Augenblick

Erlauben Sie, daß ich in Ihr Zimmer gehe,

Damit ich jene Räume wiedersehe —

Wo alles mir so lieb! — Erwärmen möcht’ ich mich,

Aufathmen möchte ich

Nur einmal wieder,

Der Zeit gedenkend, die dahin!

Ich bleib’ nur zwei Minuten drin.

Und dann — bedenken Sie — Mitglied bin ich vom Clubb —

Zum Dank will ich, zu aller Welt Erstaunen

Tagtäglich ausposaunen,

Daß klug Moltschálin ist, und geistreich Scalosúb.

(Sophiezuckt mit den Achseln, geht ab und schließt die Thür hinter sich.Lisetteist ihr gefolgt.)

Tschatzki, bald daraufMoltschálin.

Tschatzki.

Sophie! Ist wirklich dir bestimmt ein solcher Tropf? — — —Und warum nicht? — Er hat nicht viel im Kopf,Allein zur VaterschaftWem fehlt es da an Geisteskraft!Gefällig ist er — artig — und hat rothe Wangen.

Sophie! Ist wirklich dir bestimmt ein solcher Tropf? — — —

Und warum nicht? — Er hat nicht viel im Kopf,

Allein zur Vaterschaft

Wem fehlt es da an Geisteskraft!

Gefällig ist er — artig — und hat rothe Wangen.

(Moltschálinschleicht herein und nähert sich zuerstSophiensThür, als er aberTschatzkibemerkt bleibt er stehn und macht sich was zu schaffen.)

Da ist er — auf den Zeh’n! Und stumm, — wie hat er’s angefangenSich in Sophiens Herz zu stehlen?Wie war es möglich den zu wählen?

Da ist er — auf den Zeh’n! Und stumm, — wie hat er’s angefangen

Sich in Sophiens Herz zu stehlen?

Wie war es möglich den zu wählen?

(Zu Moltschálin.)

Sieh’ da! Herr Sekretair! Wie geht’s denn Ihnen?Wir konnten uns noch nicht zwei Worte sagen.Es geht doch gut? — Ich brauch’ Sie kaum zu fragen.

Sieh’ da! Herr Sekretair! Wie geht’s denn Ihnen?

Wir konnten uns noch nicht zwei Worte sagen.

Es geht doch gut? — Ich brauch’ Sie kaum zu fragen.

Moltschálin(näher tretend).

Ganz nach dem Alten stets — zu dienen.

Ganz nach dem Alten stets — zu dienen.

Tschatzki.

Das heißt?

Das heißt?

Moltschálin.

Nun heut’ wie gestern — Tag für Tag.

Nun heut’ wie gestern — Tag für Tag.

Tschatzki.

Und immer pünktlich mit dem Schlag?Am Tag die Feder, Abends die Parthie,Gleich Fluth und Ebbe? — Wie?

Und immer pünktlich mit dem Schlag?

Am Tag die Feder, Abends die Parthie,

Gleich Fluth und Ebbe? — Wie?

Moltschálin.

Ich bin hier beim Archiv drei Jahr im DienstUnd für etwaiges Verdienst,Und meinen Eifer zu belohnenErhielt ich dreimal Gratificationen.

Ich bin hier beim Archiv drei Jahr im Dienst

Und für etwaiges Verdienst,

Und meinen Eifer zu belohnen

Erhielt ich dreimal Gratificationen.

Tschatzki.

Sie lockt der Glanz der Ehrenstellen?

Sie lockt der Glanz der Ehrenstellen?

Moltschálin.

Nein!Allein —Da jeder Mensch so sein Talentchen hat —

Nein!

Allein —

Da jeder Mensch so sein Talentchen hat —

Tschatzki.

Sie haben — —?

Sie haben — —?

Moltschálin.

Zwei!Ich bin bescheiden und bin accurat.

Zwei!

Ich bin bescheiden und bin accurat.

Tschatzki.

Nun, meiner Treu!Das sind Talente wunderbar! — —Doch — es ist wahr —Sie wiegen all’ die unsern auf.

Nun, meiner Treu!

Das sind Talente wunderbar! — —

Doch — es ist wahr —

Sie wiegen all’ die unsern auf.

Moltschálin.

Sie hatten nicht viel Glück in Ihres Dienstes Lauf?

Sie hatten nicht viel Glück in Ihres Dienstes Lauf?

Tschatzki.

Nicht jeder dienet sich herauf.Durch Menschen wird der Rang erreicht,Und Menschen täuschen sich so leicht.

Nicht jeder dienet sich herauf.

Durch Menschen wird der Rang erreicht,

Und Menschen täuschen sich so leicht.

Moltschálin.

Wir wunderten uns sehr! Wie konnte das geschehn?

Wir wunderten uns sehr! Wie konnte das geschehn?

Tschatzki.

Ich kann hierin nichts wunderbares sehn!

Ich kann hierin nichts wunderbares sehn!

Moltschálin.

Bedauert wurden Sie.

Bedauert wurden Sie.

Tschatzki.

Sie konnten sparen diese Müh’.

Sie konnten sparen diese Müh’.

Moltschálin.

Tatjána Júrjewna, die ExcellenzErzählt’ bei ihrer Rückkehr aus der Residenz,Sie wären gut von wicht’gen Männern aufgenommen,Doch plötzlich sei dazwischen was gekommen.

Tatjána Júrjewna, die Excellenz

Erzählt’ bei ihrer Rückkehr aus der Residenz,

Sie wären gut von wicht’gen Männern aufgenommen,

Doch plötzlich sei dazwischen was gekommen.

Tschatzki.

Geschwätz von Frauenzimmern!Was hat sich doch die Alte drum zu kümmern?

Geschwätz von Frauenzimmern!

Was hat sich doch die Alte drum zu kümmern?

Moltschálin.

Tatjána Júrjewna, die Excellenz?

Tatjána Júrjewna, die Excellenz?

Tschatzki.

Ich kenn’ sie nicht!

Ich kenn’ sie nicht!

Moltschálin.

Tatjána Júrjewna?! Die Excellenz?

Tatjána Júrjewna?! Die Excellenz?

Tschatzki.

Daß wir uns nicht gesehn, ist ewig lange her.Doch hörte ich, daß abgeschmackt sie wär’.

Daß wir uns nicht gesehn, ist ewig lange her.

Doch hörte ich, daß abgeschmackt sie wär’.

Moltschálin.

Die Excellenz? Um’s Himmelswillen — nein —Das muß wohl eine andre sein.Die Excellenz ist ja befreundet und verwandtMit allen, die in Moskau dienen,Ich rathe IhnenIhr einmal die Visite doch zu machen.

Die Excellenz? Um’s Himmelswillen — nein —

Das muß wohl eine andre sein.

Die Excellenz ist ja befreundet und verwandt

Mit allen, die in Moskau dienen,

Ich rathe Ihnen

Ihr einmal die Visite doch zu machen.

Tschatzki.

Ich dächte gar! Es wär’ zum Lachen!

Ich dächte gar! Es wär’ zum Lachen!

Moltschálin.

Wir finden Gönner oftWo wir es kaum gehofft.

Wir finden Gönner oft

Wo wir es kaum gehofft.

Tschatzki.

Ich schätze, glauben Sie’s, die Damen nicht geringe,Und mache gern den Hof — allein um andre Dinge.

Ich schätze, glauben Sie’s, die Damen nicht geringe,

Und mache gern den Hof — allein um andre Dinge.

Moltschálin.

Wie ist sie gut und wie gefällig,Wie ist ihr Haus gesellig!Den ganzen Winter giebt sie BälleMan kann nichts prachtvolleres sehn.

Wie ist sie gut und wie gefällig,

Wie ist ihr Haus gesellig!

Den ganzen Winter giebt sie Bälle

Man kann nichts prachtvolleres sehn.

Tschatzki.

Ich werde über ihre SchwelleGewiß nicht gehn!

Ich werde über ihre Schwelle

Gewiß nicht gehn!

Moltschálin.

Im Sommer giebt sie Gartenfeste.

Im Sommer giebt sie Gartenfeste.

Tschatzki.

Ich bin nicht von der Zahl der Gäste.

Ich bin nicht von der Zahl der Gäste.

Moltschálin.

Bedenken Sie, — es kann doch dazu führenHier froh zu leben und zu avanciren!

Bedenken Sie, — es kann doch dazu führen

Hier froh zu leben und zu avanciren!

Tschatzki.

Mein Herr, bin ich im Dienst, so bin ich ganz dabei,Und trenne streng davon jedwede Narrethei.Zwar giebt’s gescheute Leute — hier zumal —Die beides zu vereinigen verstehn,Doch wie Sie sehn, —Gehör’ ich nicht zu ihrer Zahl.

Mein Herr, bin ich im Dienst, so bin ich ganz dabei,

Und trenne streng davon jedwede Narrethei.

Zwar giebt’s gescheute Leute — hier zumal —

Die beides zu vereinigen verstehn,

Doch wie Sie sehn, —

Gehör’ ich nicht zu ihrer Zahl.

Moltschálin.

Verzeihen Sie — ich seh’ darin noch kein Verbrechen;Sie werden, denk’ ich, einst gewiß noch anders sprechen.Phomá Phomítsch, zum Beispiel, den Sie kennen —

Verzeihen Sie — ich seh’ darin noch kein Verbrechen;

Sie werden, denk’ ich, einst gewiß noch anders sprechen.

Phomá Phomítsch, zum Beispiel, den Sie kennen —

Tschatzki.

Nun was?

Nun was?

Moltschálin.

Bei drei Ministern dient’ er schonUnd stets als Chef bei einer Section, —Und jetzt — —Ist er aus Petersburg hierher versetzt.

Bei drei Ministern dient’ er schon

Und stets als Chef bei einer Section, —

Und jetzt — —

Ist er aus Petersburg hierher versetzt.

Tschatzki.

Nun das ist mir ein Mann von Kopf!Ein Mensch, ganz ohne Geist — ein leerer Tropf!

Nun das ist mir ein Mann von Kopf!

Ein Mensch, ganz ohne Geist — ein leerer Tropf!

Moltschálin.

Erlauben Sie, von aller WeltWird hier sein Styl als Muster aufgestellt.Sie haben ganz gewiß noch nichts von ihm gelesen?

Erlauben Sie, von aller Welt

Wird hier sein Styl als Muster aufgestellt.

Sie haben ganz gewiß noch nichts von ihm gelesen?

Tschatzki.

So närrisch bin ich nie gewesen;Nie las ich dummes Zeug und Musterdummheit gar!

So närrisch bin ich nie gewesen;

Nie las ich dummes Zeug und Musterdummheit gar!

Moltschálin.

Was ich so las schien mir vorzüglich — zwarSchriftsteller bin ich nicht —

Was ich so las schien mir vorzüglich — zwar

Schriftsteller bin ich nicht —

Tschatzki.

Ja, das ist klar,An allem merkt man es.

Ja, das ist klar,

An allem merkt man es.

Moltschálin.

Nie würd’ ich mich erfrechenEin eignes Urtheil auszusprechen.

Nie würd’ ich mich erfrechen

Ein eignes Urtheil auszusprechen.

Tschatzki.

Warum denn so geheim?

Warum denn so geheim?

Moltschálin.

Gott mög’ in meinen JahrenVor eigner Meinung mich bewahren!

Gott mög’ in meinen Jahren

Vor eigner Meinung mich bewahren!

Tschatzki.

Mein Gott, Sie sprechen ja, als wären Sie noch Kind!Als ob nur Meinungen von andern heilig sind!

Mein Gott, Sie sprechen ja, als wären Sie noch Kind!

Als ob nur Meinungen von andern heilig sind!

Moltschálin.

Abhängig muß man doch einmal von andern sein.

Abhängig muß man doch einmal von andern sein.

Tschatzki.

Und weßhalb muß man’s sein?

Und weßhalb muß man’s sein?

Moltschálin.

Ei nun — mein Rang ist klein.

Ei nun — mein Rang ist klein.

Tschatzki(halb laut).

Mit solcher Denkungsart, mit solchem Geist ihn lieben,Sie hat mich nur getäuscht und ihren Scherz getrieben!

Mit solcher Denkungsart, mit solchem Geist ihn lieben,

Sie hat mich nur getäuscht und ihren Scherz getrieben!

Im Grunde öffnen sich mehrere Thüren auf einen zweiten Saal, alles ist erleuchtet,Dienertreten auf.Moltschálingeht ab.Tschatzkibleibt im Vordergrunde.

Ein älterer Diener.

He Philipp, Thomas, rührt euch, frisch!Hierher noch einen Kartentisch,Bringt Lichte, Bürsten her und Kreide!

He Philipp, Thomas, rührt euch, frisch!

Hierher noch einen Kartentisch,

Bringt Lichte, Bürsten her und Kreide!

(Er klopft anSophiensThür.)

MamsellLisette, hören Sie, Sie können nur dem Fräulein sagen:Natalie Dmítrewnaist hierMit ihrem Mann, und vor der ThürHält schon ein zweiter Wagen.

MamsellLisette, hören Sie, Sie können nur dem Fräulein sagen:

Natalie Dmítrewnaist hier

Mit ihrem Mann, und vor der Thür

Hält schon ein zweiter Wagen.

(Ab.)

Tschatzki.Natalie Dmítrewna.Goritscheff.

Natalie Dmítrewna.

Wie, seh’ ich recht — ja — es sind seine Züge!HerrTschatzki, wenn ich mich nicht trüge?

Wie, seh’ ich recht — ja — es sind seine Züge!

HerrTschatzki, wenn ich mich nicht trüge?

Tschatzki.

Sie seh’n mich zweifelnd an, vom Kopf bis zu den Füßen.Es wär’ doch wunderbar,Daß mich verändert so drei Jahr!

Sie seh’n mich zweifelnd an, vom Kopf bis zu den Füßen.

Es wär’ doch wunderbar,

Daß mich verändert so drei Jahr!

Natalie Dmítrewna.

Ich dacht’ mir alles andre ehrAls Sie in Moskau zu begrüßen.Nun woher?Wann sind Sie angelangt?

Ich dacht’ mir alles andre ehr

Als Sie in Moskau zu begrüßen.

Nun woher?

Wann sind Sie angelangt?

Tschatzki.

So eben.

So eben.

Natalie Dmítrewna.

Das ist schön!Und auf wie lang?

Das ist schön!

Und auf wie lang?

Tschatzki.

Ich werde sehn!Doch Sie? Ich kann nicht zu mir vor Erstaunen kommen.Sie haben unbegreiflich zugenommen.Was haben Sie nur angefangen?Welch Gliederspiel und welche rothe Wangen!Verjüngt, voll Geist, im Blicke welche Laune?Was ist geschehen? Ich erstaune!

Ich werde sehn!

Doch Sie? Ich kann nicht zu mir vor Erstaunen kommen.

Sie haben unbegreiflich zugenommen.

Was haben Sie nur angefangen?

Welch Gliederspiel und welche rothe Wangen!

Verjüngt, voll Geist, im Blicke welche Laune?

Was ist geschehen? Ich erstaune!

Natalie Dmítrewna.

Ich habe mich vermählt.

Ich habe mich vermählt.

Tschatzki.

Das mußten längst Sie sagen!

Das mußten längst Sie sagen!

Natalie Dmítrewna.

Mein Mann, ein einz’ger Mann — ich darf mich nicht beklagen —Gleich ist er hier. — Nicht wahr — ich mache Sie bekannt?

Mein Mann, ein einz’ger Mann — ich darf mich nicht beklagen —

Gleich ist er hier. — Nicht wahr — ich mache Sie bekannt?

Tschatzki.

Ich bitt’ Sie drum!

Ich bitt’ Sie drum!

Natalie Dmítrewna.

Gewiß, Sie finden ihn charmant.Ein Blick genügt.

Gewiß, Sie finden ihn charmant.

Ein Blick genügt.

Tschatzki.

Ich glaub’s! Es ist IhrMann.

Ich glaub’s! Es ist IhrMann.

Natalie Dmítrewna.

O deßhalb nicht allein,Man kann nicht liebenswürd’ger sein.Durch eignen Werth, durch Geist und durch VerstandIst mein Platon als ganz vorzüglich anerkannt.Er ist jetzt Civilist, war früher Militair,Er dient nicht mehr, und alle Welt bedauert dieses sehr.Denn dient’ er weiter — sehen Sie —Bei solcher Tapferkeit und dem GenieSo meinen alle — die ihn früher kannten —Er hätt’s in Moskau hier gebrachtGanz sicher bis zum Commandanten.

O deßhalb nicht allein,

Man kann nicht liebenswürd’ger sein.

Durch eignen Werth, durch Geist und durch Verstand

Ist mein Platon als ganz vorzüglich anerkannt.

Er ist jetzt Civilist, war früher Militair,

Er dient nicht mehr, und alle Welt bedauert dieses sehr.

Denn dient’ er weiter — sehen Sie —

Bei solcher Tapferkeit und dem Genie

So meinen alle — die ihn früher kannten —

Er hätt’s in Moskau hier gebracht

Ganz sicher bis zum Commandanten.

Die Vorigen.Platon Goritscheff.

Natalie Dmítrewna.

Da ist er, meinPlaton Michailowitsch!

Da ist er, meinPlaton Michailowitsch!

Tschatzki.

Was, der?Mein alter Freund! Nun sieh’, welch Ungefähr!

Was, der?

Mein alter Freund! Nun sieh’, welch Ungefähr!

Platon.

Ah! — — —Willkommen Bruder, bistDuwieder da!

Ah! — — —

Willkommen Bruder, bistDuwieder da!

Tschatzki.

Platonmein Freund — es macht Dir Ehre,Du führst Dich ja vorzüglich, wie ich höre!

Platonmein Freund — es macht Dir Ehre,

Du führst Dich ja vorzüglich, wie ich höre!

Platon.

Ja — sieh — was alles noch aus einem werden kann.In Moskau leb’ ich jetzt und bin ein Ehemann.

Ja — sieh — was alles noch aus einem werden kann.

In Moskau leb’ ich jetzt und bin ein Ehemann.

Tschatzki.

Und jene Zeit, wo Du im Felde standstUnd höchste Lust im Lärm des Lagers fandst —Der Trommel und Trompete Ton —Vergessen also alles schon?Ich glaub’ Du liegst jetzt auf der faulen Bank,Und trankst in vollen Zügen Lethe?

Und jene Zeit, wo Du im Felde standst

Und höchste Lust im Lärm des Lagers fandst —

Der Trommel und Trompete Ton —

Vergessen also alles schon?

Ich glaub’ Du liegst jetzt auf der faulen Bank,

Und trankst in vollen Zügen Lethe?

Platon.

O nein, ich übe jetzt auf meiner FlöteEin großes Duo inA-moll.

O nein, ich übe jetzt auf meiner Flöte

Ein großes Duo inA-moll.

Tschatzki.

Nun, das ist toll,Das übtest Du bereits in deiner Jugend!Indeß bei einem EhemannIst’s gut — wenn man doch rühmen kannBeständigkeit als seine erste Tugend.

Nun, das ist toll,

Das übtest Du bereits in deiner Jugend!

Indeß bei einem Ehemann

Ist’s gut — wenn man doch rühmen kann

Beständigkeit als seine erste Tugend.

Platon.

Freund — denke an mein Wort:Wird Dir einst eine Frau zu Theile,Du pfeifst gewiß vor LangerweileEin und dasselbe immerfort.

Freund — denke an mein Wort:

Wird Dir einst eine Frau zu Theile,

Du pfeifst gewiß vor Langerweile

Ein und dasselbe immerfort.

Tschatzki.

Wie Langeweile — ei, das ist nicht gut!Zahlst Du ihr wirklich schon Tribut?

Wie Langeweile — ei, das ist nicht gut!

Zahlst Du ihr wirklich schon Tribut?

Natalie Dmítrewna.

Mein Mann war früher an Beschäftigung gewöhnt,Das fällt jetzt weg. — Revue’n und die Parade,Und dann die Reitbahn fehlt ihm Morgens nachgerade.

Mein Mann war früher an Beschäftigung gewöhnt,

Das fällt jetzt weg. — Revue’n und die Parade,

Und dann die Reitbahn fehlt ihm Morgens nachgerade.

Tschatzki.

Was hält Dich ab, mein Freund? Zum Regiment mit Dir,Such eine Eskadron — Du bist wohl Stabsoff’zier?

Was hält Dich ab, mein Freund? Zum Regiment mit Dir,

Such eine Eskadron — Du bist wohl Stabsoff’zier?

Natalie Dmítrewna.

Ach nein, zu kränklich ist mein armer Mann!

Ach nein, zu kränklich ist mein armer Mann!

Tschatzki.

Ist’s möglich, wie, Du kränklich und seit wann?

Ist’s möglich, wie, Du kränklich und seit wann?

Natalie Dmítrewna.

Er leidet an rheumatischen BeschwerdenUnd auch am Kopf.

Er leidet an rheumatischen Beschwerden

Und auch am Kopf.

Tschatzki.

Hier wird’s nicht besser werden.Beweg’ Dich, reite mehr, zieh’ in den Süden hin.Die Landluft ist allein schon ein Gewinn.

Hier wird’s nicht besser werden.

Beweg’ Dich, reite mehr, zieh’ in den Süden hin.

Die Landluft ist allein schon ein Gewinn.

Natalie Dmítrewna.

Mein Mann liebt Moskau gar zu sehr!Er muß genießen doch sein Leben —Was soll er in die Wildniß sich begeben!

Mein Mann liebt Moskau gar zu sehr!

Er muß genießen doch sein Leben —

Was soll er in die Wildniß sich begeben!

Tschatzki.

Du liebst die Stadt? Wer hätte das gedacht!Entsinne Dich, wie oft hast Du sie nicht verlacht.

Du liebst die Stadt? Wer hätte das gedacht!

Entsinne Dich, wie oft hast Du sie nicht verlacht.

Platon.

Ach Freund, die alten Zeiten sind nicht mehr.

Ach Freund, die alten Zeiten sind nicht mehr.

Natalie Dmítrewna.

Mein Männchen, komm recht fort!Hier ist’s so frisch — hör’ doch ein Wort —Dein Rock ist aufgeknöpft und auch die Weste —

Mein Männchen, komm recht fort!

Hier ist’s so frisch — hör’ doch ein Wort —

Dein Rock ist aufgeknöpft und auch die Weste —

Platon.

Ich bin nicht was ich war!

Ich bin nicht was ich war!

Natalie Dmítrewna.

Komm, knöpf’ sie feste!Hör’ doch, mein Engelchen —

Komm, knöpf’ sie feste!

Hör’ doch, mein Engelchen —

Platon(ruhig).

Ja, ja!

Ja, ja!

Natalie Dmítrewna.

Komm von der Thüre doch hierher,Hier zieht der Wind.

Komm von der Thüre doch hierher,

Hier zieht der Wind.

Platon.

Ja Bruder, ich bin nicht der alte mehr.

Ja Bruder, ich bin nicht der alte mehr.

Natalie Dmítrewna.

So höre doch ein Wort,Um’s Himmelswillen komm von der Thüre fort!

So höre doch ein Wort,

Um’s Himmelswillen komm von der Thüre fort!

Platon.

Ach liebes Kind!

Ach liebes Kind!

Tschatzki.

Nun das geht weit!Verwandelt in so kurzer Zeit?Bei’m Regiment im vor’gen JahrWarst Du ja noch der wackerste Husar!Bei Tagesanbruch schon zu PferdeVerspottetest Du jegliche Beschwerde. —Wie oft — mit ungestümer LustSah man auf wildem Hengst, mit offner BrustDem Herbst-Sturm Dich entgegenreiten!

Nun das geht weit!

Verwandelt in so kurzer Zeit?

Bei’m Regiment im vor’gen Jahr

Warst Du ja noch der wackerste Husar!

Bei Tagesanbruch schon zu Pferde

Verspottetest Du jegliche Beschwerde. —

Wie oft — mit ungestümer Lust

Sah man auf wildem Hengst, mit offner Brust

Dem Herbst-Sturm Dich entgegenreiten!

Platon.

Ach Camerad’, das waren schöne Zeiten!

Ach Camerad’, das waren schöne Zeiten!

Die Vorigen.Fürst TugoúchoffskinebstGemahlinundsechs Töchtern.

Natalie Dmítrewna(aufkreischend).

Fürst Peter Illjitsch, ah’ die liebe Fürstin!Undah mon Dieu— Sisi, Mimi, die Lieben!

Fürst Peter Illjitsch, ah’ die liebe Fürstin!

Undah mon Dieu— Sisi, Mimi, die Lieben!

(Geräuschvolle Begrüßung, auch Tschatzki verbeugt sich. Die Damen setzen sich links in einen Halbkreis und betrachten einander von oben bis unten.)

Erste Fürstin(zu Natalie).

Wie allerliebst ist die Façon von Ihrem Kleide!

Wie allerliebst ist die Façon von Ihrem Kleide!

Zweite Fürstin.

Mit Garnitur besetzt —

Mit Garnitur besetzt —

Erste Fürstin.

Und welche schöne Seide!

Und welche schöne Seide!

Natalie Dmítrewna.

Mein Atlastürluru — das sollten Sie erst seh’n!

Mein Atlastürluru — das sollten Sie erst seh’n!

Dritte Fürstin.

Es hat mir eine Schärpe der Cousin gebracht,Nein, — die ist wunderschön!

Es hat mir eine Schärpe der Cousin gebracht,

Nein, — die ist wunderschön!

Vierte Fürstin.

Ach ja, — und vonbarège, eine Pracht!

Ach ja, — und vonbarège, eine Pracht!

Fünfte Fürstin.

Ganz köstlich ist sie.

Ganz köstlich ist sie.

Sechste Fürstin.

Herrlich, ja!

Herrlich, ja!

Die alte Fürstin(zu Natalie).

Wer ist der junge Mann im Winkel da,Er grüßte uns, als wir in’s Zimmer traten?Ich hab’ schon hin und her gerathen.

Wer ist der junge Mann im Winkel da,

Er grüßte uns, als wir in’s Zimmer traten?

Ich hab’ schon hin und her gerathen.

Natalie Dmítrewna.

Ein Angereister — Tschatzki.

Ein Angereister — Tschatzki.

Die alte Fürstin.

Ah!Hat er den Dienst verlassen?

Ah!

Hat er den Dienst verlassen?

Natalie Dmítrewna.

Ja,Vom Ausland kehrt er eben erst zurück.

Ja,

Vom Ausland kehrt er eben erst zurück.

Die alte Fürstin.


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