Ist ledig er?
Ist ledig er?
Natalie Dmítrewna.
Ja, nochgarçon.
Ja, nochgarçon.
Die alte Fürstin(zum Mann).
Erlaucht, Erlaucht, — auf einen Augenblick!Geschwinder.
Erlaucht, Erlaucht, — auf einen Augenblick!
Geschwinder.
Der Fürst(nähert sich mit seinem Hörrohr).
O! — hm? —
O! — hm? —
Die alte Fürstin.
Den jungen Herrn dortNatalie Dmítrewna’s Bekannten — den da —Lad’ ein zu unserm Ball, am Dienstag — mach’ nur fort!
Den jungen Herrn dort
Natalie Dmítrewna’s Bekannten — den da —
Lad’ ein zu unserm Ball, am Dienstag — mach’ nur fort!
Der Fürst.
I—hm!
I—hm!
(Er schleicht um Tschatzki herum und hustet.)
Die alte Fürstin.
So geht es, wenn man Kinder hat!Ein Ball ist einmal ihr Vergnügen;Man quält sich müd’, man quält sich matt,Und weiß oft Tänzer nicht zu kriegen! —Er ist doch Kammerjunker?
So geht es, wenn man Kinder hat!
Ein Ball ist einmal ihr Vergnügen;
Man quält sich müd’, man quält sich matt,
Und weiß oft Tänzer nicht zu kriegen! —
Er ist doch Kammerjunker?
Natalie Dmítrewna.
Nein.
Nein.
Die alte Fürstin.
Doch reich?
Doch reich?
Natalie Dmítrewna.
O, nein!
O, nein!
Die alte Fürstin(so laut als möglich).
Erlaucht, Erlaucht, zurück, zurück sogleich!
Erlaucht, Erlaucht, zurück, zurück sogleich!
Die Vorigen.DieGräfin Chruminund ihreGroßtochter.
Die junge Gräfin.
Ah!grand-maman!Wer kommt denn auch so früh!Wir sind die ersten hier!
Ah!grand-maman!Wer kommt denn auch so früh!
Wir sind die ersten hier!
(Beide entfernen sich in einen andern Saal.)
Die alte Fürstin(zu Natalie).
Nun hören Sie!Sehr artig das! Die ersten hier!Uns zählt sie nicht; ei welch ein Vornehmthun!Ein boshaftes Geschöpf; und alte Jungfer nunSchon eine Ewigkeit! Nun Gott verzeihe ihr!
Nun hören Sie!
Sehr artig das! Die ersten hier!
Uns zählt sie nicht; ei welch ein Vornehmthun!
Ein boshaftes Geschöpf; und alte Jungfer nun
Schon eine Ewigkeit! Nun Gott verzeihe ihr!
Die junge Gräfin
(kommt zurück und nähert sich lorgnettirend Tschatzki).
Ah! Monsieur Tschatzki hier? Wer hätte das gedacht!Und noch der alte stets?
Ah! Monsieur Tschatzki hier? Wer hätte das gedacht!
Und noch der alte stets?
Tschatzki.
Warum sollt’ ich mich ändern?
Warum sollt’ ich mich ändern?
Die junge Gräfin.
Sie sind ja doch gereist in vielen fremden LändernUnd haben keine Frau vom Ausland mitgebracht!
Sie sind ja doch gereist in vielen fremden Ländern
Und haben keine Frau vom Ausland mitgebracht!
Tschatzki.
Vom Ausland?
Vom Ausland?
Die junge Gräfin.
Ja! Bei diesen fremden Damen,Da fragt man nicht nach Herkunft, Stand und Namen,Und unsre jungen Herrn, wenn sie nach Hause kehren,Die pflegen uns gewöhnlich zu bescherenMit Schwägerinnen und CousinenAus Modemagazinen.
Ja! Bei diesen fremden Damen,
Da fragt man nicht nach Herkunft, Stand und Namen,
Und unsre jungen Herrn, wenn sie nach Hause kehren,
Die pflegen uns gewöhnlich zu bescheren
Mit Schwägerinnen und Cousinen
Aus Modemagazinen.
Tschatzki.
Die Unglücksel’gen — ja! — Von Damen,Die sich Modistinnen zum Muster nahmen,Da werden sie nun ausgeschmählt,Daß sie, statt der Copien —Originale sich gewählt!
Die Unglücksel’gen — ja! — Von Damen,
Die sich Modistinnen zum Muster nahmen,
Da werden sie nun ausgeschmählt,
Daß sie, statt der Copien —
Originale sich gewählt!
Die Vorigen.Mehrere neue Gäste, darunterSagorétzki. Die Herren scharren, grüßen und gehen weiter oder auf und ab.Sophiekommt aus ihrem Zimmer, Alle ihr entgegen.
Die junge Gräfin(zu ihr).
Eh bonsoir, vous voilà! Jamais trop diligente,Vous nous donnez toujours le plaisir de l’attente.
Eh bonsoir, vous voilà! Jamais trop diligente,
Vous nous donnez toujours le plaisir de l’attente.
Sagorétzki(zu Sophien).
Zu morgen — haben SieSchon ein Billet zur Komödie?
Zu morgen — haben Sie
Schon ein Billet zur Komödie?
Sophie.
Ach nein!
Ach nein!
Sagorétzki.
Hier ist eins — wenn Sie mir erlauben!Allein Sie können es mir glaubenVergeblich hätte IhnenEin anderer versucht darin zu dienen;Wie bin ich aber deshalb auch gelaufen!Erst wollt’ ich’s an der Kasse kaufen —Doch — auf mein Ehrenwort —Es war schon alles fort.Nun fuhr ich zum Direktor hin,Da ich sein guter Freund ja bin —Umsonst! — Was glauben Sie!Am Abend schon vorher konnt’ niemand mehr was kriegen!Zu dem — zu jenem ging es nun in Einem Lauf —Ich hetzte Alle auf!Um dieses endlich mußt’ ich einen Freund betrügen,Ich nahm es gradzu mit Gewalt.Es ist ein Stubenhocker, schwach und alt,Was konnt’s ihm nützenEr mag zu Hause ruhig sitzen.
Hier ist eins — wenn Sie mir erlauben!
Allein Sie können es mir glauben
Vergeblich hätte Ihnen
Ein anderer versucht darin zu dienen;
Wie bin ich aber deshalb auch gelaufen!
Erst wollt’ ich’s an der Kasse kaufen —
Doch — auf mein Ehrenwort —
Es war schon alles fort.
Nun fuhr ich zum Direktor hin,
Da ich sein guter Freund ja bin —
Umsonst! — Was glauben Sie!
Am Abend schon vorher konnt’ niemand mehr was kriegen!
Zu dem — zu jenem ging es nun in Einem Lauf —
Ich hetzte Alle auf!
Um dieses endlich mußt’ ich einen Freund betrügen,
Ich nahm es gradzu mit Gewalt.
Es ist ein Stubenhocker, schwach und alt,
Was konnt’s ihm nützen
Er mag zu Hause ruhig sitzen.
Sophie.
Ich danke Ihnen für’s Billet recht sehr,Für Ihre Mühe aber noch viel mehr.
Ich danke Ihnen für’s Billet recht sehr,
Für Ihre Mühe aber noch viel mehr.
(Es kommenneue Gäste.Sagorétzkigeht zu den Herren rechts.)
Sagorétzki(zu Platon).
Ah, guten Abend!
Ah, guten Abend!
Platon.
Scher’ Dich fort!Geh pack’ Dich dortZu deinen Damen,Um deine Lügen auszukramen!Wenn ich Dich schildre wie Du bist,So kann von Dir ich manche Wahrheit sagen,Die schlimmer wohl als jede Lüge ist. —
Scher’ Dich fort!
Geh pack’ Dich dort
Zu deinen Damen,
Um deine Lügen auszukramen!
Wenn ich Dich schildre wie Du bist,
So kann von Dir ich manche Wahrheit sagen,
Die schlimmer wohl als jede Lüge ist. —
(Zu Tschatzki.)
Hier präsentir’ ich Dir den HerrnAntón Antónitsch Sagorétzki. —Ich wüßte gern,Wie man, doch ohne grob zu sein,Dergleichen Leute feinUnd dennoch wahr bezeichnen könnte!Er ist ein Weltmann und gewandt —Als Schelm von allen anerkannt —!Nimm Dich in Acht vor ihm, denn was Du sagstDas hört er mit besondern Ohren;Und wenn Du gar zu spielen mit ihm wagst,So bist Du ganz und gar verloren.
Hier präsentir’ ich Dir den Herrn
Antón Antónitsch Sagorétzki. —
Ich wüßte gern,
Wie man, doch ohne grob zu sein,
Dergleichen Leute fein
Und dennoch wahr bezeichnen könnte!
Er ist ein Weltmann und gewandt —
Als Schelm von allen anerkannt —!
Nimm Dich in Acht vor ihm, denn was Du sagst
Das hört er mit besondern Ohren;
Und wenn Du gar zu spielen mit ihm wagst,
So bist Du ganz und gar verloren.
Sagorétzki.
Origineller Murrkopf Du!Nun — schimpf’ nur zu,Kein Tröpfchen Galle ist in Deinen Scherzen.
Origineller Murrkopf Du!
Nun — schimpf’ nur zu,
Kein Tröpfchen Galle ist in Deinen Scherzen.
Tschatzki.
Drum nehmen Sie sich’s nicht zu Herzen!Auch außer Ehrlichsein giebt es der Freuden viel,Hier schimpft man, dort erreichet man das Ziel.
Drum nehmen Sie sich’s nicht zu Herzen!
Auch außer Ehrlichsein giebt es der Freuden viel,
Hier schimpft man, dort erreichet man das Ziel.
Platon.
Ach Bester, neinMan schimpft bei unsUnd — ladet dennoch ein.
Ach Bester, nein
Man schimpft bei uns
Und — ladet dennoch ein.
(Sagorétzki verliert sich im Hintergrunde.)
Die Vorigen.Madame Chlestow.
Madame Chlestow(zu Sophien).
Na! Leicht ist’s nicht mit fünf und sechzig JahrenSo weit zu Deinem Ball zu fahren.Ich brauchte eine ganze Stunde von Pokrow.
Na! Leicht ist’s nicht mit fünf und sechzig Jahren
So weit zu Deinem Ball zu fahren.
Ich brauchte eine ganze Stunde von Pokrow.
(Setzt sich links in den Vorgrund neben Sophie.)
Ich kann nicht mehr! — Ach Nichtchen, welche Plage —Und dunkel ist’s wie einst am jüngsten Tage.Aus Langerweile nahm ich mitMein Mohrenmädchen und den Spitz — ich bitt’Befiehl, man soll sie heut’ beim AbendessenZu füttern nicht vergessen. —Gott grüß’ Sie, Fürstin! — Ja, Sophie, ich sage DirDie Mohrin ist ein Wunderthier.Ein Krauskopf — krumm das Schulterblatt und Tatze —Voll Zorn und Bosheit — ganz Manieren einer Katze.Und ach wie schwarz und ach wie häßlich —Was hat doch alles Gott der Herr erschaffen!Ich sag’ Dir gräßlich!Frappant der Satanas! — Willst Du sie sehn?
Ich kann nicht mehr! — Ach Nichtchen, welche Plage —
Und dunkel ist’s wie einst am jüngsten Tage.
Aus Langerweile nahm ich mit
Mein Mohrenmädchen und den Spitz — ich bitt’
Befiehl, man soll sie heut’ beim Abendessen
Zu füttern nicht vergessen. —
Gott grüß’ Sie, Fürstin! — Ja, Sophie, ich sage Dir
Die Mohrin ist ein Wunderthier.
Ein Krauskopf — krumm das Schulterblatt und Tatze —
Voll Zorn und Bosheit — ganz Manieren einer Katze.
Und ach wie schwarz und ach wie häßlich —
Was hat doch alles Gott der Herr erschaffen!
Ich sag’ Dir gräßlich!
Frappant der Satanas! — Willst Du sie sehn?
Sophie.
Es kann ein andermal geschehn.
Es kann ein andermal geschehn.
Madame Chlestow.
Und stell’ Dir vor, wie wilde ThiereSo führt man sie herum, um sie zu zeigen.Man hat mir das erzählt, da ist so eine StadtIn der Türkei, der Name klingt so eigen —Und rath’ wer mir sie zum Präsent gemacht? — —Der Sagorétzki hat sie mir gebracht.
Und stell’ Dir vor, wie wilde Thiere
So führt man sie herum, um sie zu zeigen.
Man hat mir das erzählt, da ist so eine Stadt
In der Türkei, der Name klingt so eigen —
Und rath’ wer mir sie zum Präsent gemacht? — —
Der Sagorétzki hat sie mir gebracht.
(Sagorétzki horcht auf und kommt näher.)
Er lügt ein bischen, spielt auch falsch und ist ein Dieb —
Er lügt ein bischen, spielt auch falsch und ist ein Dieb —
(Sagorétzki geht eilig fort.)
Allein er thut doch einem viel zu lieb.Ich hatte mir schon ausgebetenEr sollt’ nicht über meine Schwelle treten,Da bringt vom Jahrmarkt er die Mohrin mir —Er sagte zwar, daß er gekauft sie hätte,Ich glaub’ es aber nicht, — ich wetteEr hat gewonnen sieIm Kartenspiele irgendwie!Gott schenk’ Gesundheit ihm dafür.
Allein er thut doch einem viel zu lieb.
Ich hatte mir schon ausgebeten
Er sollt’ nicht über meine Schwelle treten,
Da bringt vom Jahrmarkt er die Mohrin mir —
Er sagte zwar, daß er gekauft sie hätte,
Ich glaub’ es aber nicht, — ich wette
Er hat gewonnen sie
Im Kartenspiele irgendwie!
Gott schenk’ Gesundheit ihm dafür.
Tschatzki(zu Platon lachend).
Von solchem Lob pflegt man nicht zu gesunden!Selbst Sagorétzki hielt’s nicht aus und ist verschwunden.
Von solchem Lob pflegt man nicht zu gesunden!
Selbst Sagorétzki hielt’s nicht aus und ist verschwunden.
Madame Chlestow.
Wer ist der lust’ge Mann, der dort so laut gelacht?Weß Stand’s?
Wer ist der lust’ge Mann, der dort so laut gelacht?
Weß Stand’s?
Sophie.
Der Tschatzki ist’s —
Der Tschatzki ist’s —
Madame Chlestow.
Das hab’ ich gleich gedacht!Was kann der Narr denn da zu lachen finden?Es ist gewiß die größte aller SündenSich über alte Leute lustig machenUnd graue Haare auszulachen.Ich weiß, mit ihm hast Du als Kind getanzt, —Ich hab’ ihn oft curanztIch zupft’ ihn an den Ohren tüchtig,Allein noch viel zu wenig, das ist richtig!
Das hab’ ich gleich gedacht!
Was kann der Narr denn da zu lachen finden?
Es ist gewiß die größte aller Sünden
Sich über alte Leute lustig machen
Und graue Haare auszulachen.
Ich weiß, mit ihm hast Du als Kind getanzt, —
Ich hab’ ihn oft curanzt
Ich zupft’ ihn an den Ohren tüchtig,
Allein noch viel zu wenig, das ist richtig!
Die Vorigen.Famussoff.
Famussoff(sehr laut).
Sieh’ da, Erlaucht — und Sie sind hier?Und im Portraitsaal warten wir!Ist denn der Oberst Scalosúb nicht hier,Sergeí Sergéitsch? Wie? In aller WeltEs ist ja doch ein Mann, der in die Augen fällt,Der Oberst Scalosúb!
Sieh’ da, Erlaucht — und Sie sind hier?
Und im Portraitsaal warten wir!
Ist denn der Oberst Scalosúb nicht hier,
Sergeí Sergéitsch? Wie? In aller Welt
Es ist ja doch ein Mann, der in die Augen fällt,
Der Oberst Scalosúb!
Madame Chlestow.
Gott helfe mir!Er hat mich ganz betäubt und schreit ja Zeter,Und lärmt ja ärger noch als ein Trompeter!
Gott helfe mir!
Er hat mich ganz betäubt und schreit ja Zeter,
Und lärmt ja ärger noch als ein Trompeter!
Die Vorigen.Scalosúb.SpäterMoltschálin.
Famussoff.
Ah, ah, ah, ah! Herr Oberster, zu spät! — Nach zehn!?Wir warteten und warteten! — Nun das ist schön!Erlauben Sie — hier meine Schwägerin —Die Sie dem Rufe nach schon lange kennt.
Ah, ah, ah, ah! Herr Oberster, zu spät! — Nach zehn!?
Wir warteten und warteten! — Nun das ist schön!
Erlauben Sie — hier meine Schwägerin —
Die Sie dem Rufe nach schon lange kennt.
Madame Chlestow.
Sie dienten — glaub’ ich — hier — beim Regiment —Wie heißt es gleich? Da bei den Grenadiren?
Sie dienten — glaub’ ich — hier — beim Regiment —
Wie heißt es gleich? Da bei den Grenadiren?
Scalosúb.
Sie meinen Seiner Hoheit RegimentVon Neuland — bei den Musketiren.
Sie meinen Seiner Hoheit Regiment
Von Neuland — bei den Musketiren.
Madame Chlestow.
Ich hab’ es nicht zur Meisterschaft gebrachtUm all’ die Unterschiede zu begreifen.
Ich hab’ es nicht zur Meisterschaft gebracht
Um all’ die Unterschiede zu begreifen.
Scalosúb.
Dazu sind formgemäße Streifen;Die Litzen, Latzen und LampassenAn den Monturen mußMan ganz zuerst ins Auge fassen.
Dazu sind formgemäße Streifen;
Die Litzen, Latzen und Lampassen
An den Monturen muß
Man ganz zuerst ins Auge fassen.
Famussoff.
Sergeí Sergéitsch, kommen Sie!Wir wollen gleich ein Whistchen machen;Ich sage Ihnen, die ParthieIst wirklich um sich todt zu lachen.
Sergeí Sergéitsch, kommen Sie!
Wir wollen gleich ein Whistchen machen;
Ich sage Ihnen, die Parthie
Ist wirklich um sich todt zu lachen.
(Zum Fürsten.)
Erlaucht, ich bitte, folgen Sie!
Erlaucht, ich bitte, folgen Sie!
Madame Chlestow(zu Sophie).
Nun, Gott sei Dank — fast wäre ich erstickt!Dein Vater ist ja rein verrückt,Und scheint bezaubert von dem Goliath zu sein.So, mir nichts, Dir nichts, macht er uns bekannt,Und fragt nicht ob’s mir lieb, ob es mir ennuyant.
Nun, Gott sei Dank — fast wäre ich erstickt!
Dein Vater ist ja rein verrückt,
Und scheint bezaubert von dem Goliath zu sein.
So, mir nichts, Dir nichts, macht er uns bekannt,
Und fragt nicht ob’s mir lieb, ob es mir ennuyant.
Moltschálin(mit einer Karte).
Madame, ich bracht’ für SieZusammen Ihre Whistparthie.Phomá Phomítschund MonsieurKockund — ich.
Madame, ich bracht’ für Sie
Zusammen Ihre Whistparthie.
Phomá Phomítschund MonsieurKockund — ich.
Madame Chlestow.
Ach, tausend Dank, mein Lieber!
Ach, tausend Dank, mein Lieber!
(Steht auf und nimmt Moltschálin’s Arm.)
Moltschalin.
Ihr Spitz ist doch ein einz’ger Spitz!Er ist ja wie ein Fingerhütchen kleinIch streichelt’ ihn, sein Fellchen ist so feinWie das von einem Biber. —
Ihr Spitz ist doch ein einz’ger Spitz!
Er ist ja wie ein Fingerhütchen klein
Ich streichelt’ ihn, sein Fellchen ist so fein
Wie das von einem Biber. —
Madame Chlestow.
Ach, tausend Dank, mein Lieber.
Ach, tausend Dank, mein Lieber.
(Sie gehen ab, mehrere Gäste folgen ihnen.)
Tschatzki.Sophie.— Im Hintergrundeeinige Gäste.
Tschatzki.
Bravissimo! Die Wolke ist zerstoben!
Bravissimo! Die Wolke ist zerstoben!
Sophie.
Ich bitte —
Ich bitte —
Tschatzki.
Ei, was fürchten Sie?Den Zorn der Alten hat er ja gewendet,Ich wollte ihn gerad’ drum loben!
Ei, was fürchten Sie?
Den Zorn der Alten hat er ja gewendet,
Ich wollte ihn gerad’ drum loben!
Sophie.
Mit einer Bosheit hätt’ es doch geendet.
Mit einer Bosheit hätt’ es doch geendet.
Tschatzki.
Soll ich jetzt sagen, was ich dachte?Die alten Weiber sind verdrießlich,Und darum ist’s ersprießlichWenn man recht einen dienstbefliss’nen MannAn ihre Seite stellen kann.Moltschálin der erschien ja plötzlichDem Blitzableiter gleich. Es war ergötzlich!Wer sänftigte wie er, so friedlich Zank und Streit?Wer streichelt’, so wie er, den Mops zu rechter Zeit?Wer präsentirt’ mit Scharfsinn und GeschickDas Kärtchen in dem rechten Augenblick?Nein, auf mein Wort,In ihm lebt Sagorétzki einstmals fort. —Sie habenMir alle seine GabenErst hergezählt;Doch glaub’ ich, daß noch vieles fehlt.
Soll ich jetzt sagen, was ich dachte?
Die alten Weiber sind verdrießlich,
Und darum ist’s ersprießlich
Wenn man recht einen dienstbefliss’nen Mann
An ihre Seite stellen kann.
Moltschálin der erschien ja plötzlich
Dem Blitzableiter gleich. Es war ergötzlich!
Wer sänftigte wie er, so friedlich Zank und Streit?
Wer streichelt’, so wie er, den Mops zu rechter Zeit?
Wer präsentirt’ mit Scharfsinn und Geschick
Das Kärtchen in dem rechten Augenblick?
Nein, auf mein Wort,
In ihm lebt Sagorétzki einstmals fort. —
Sie haben
Mir alle seine Gaben
Erst hergezählt;
Doch glaub’ ich, daß noch vieles fehlt.
(Ab.)
Sophieallein, dannHerr N. N.
Sophie.
Ach dieser Mensch, wie er mich stets verstimmt,Wie beißend ist er, wie ergrimmt,Wie voller NeidUnd Bosheit und Hochmüthigkeit!
Ach dieser Mensch, wie er mich stets verstimmt,
Wie beißend ist er, wie ergrimmt,
Wie voller Neid
Und Bosheit und Hochmüthigkeit!
N. N.
So in Gedanken! Wie?
So in Gedanken! Wie?
Sophie.
Ich dacht’ an Tschatzki.
Ich dacht’ an Tschatzki.
N. N.
Wie finden Sie ihn denn nach seiner Reise?
Wie finden Sie ihn denn nach seiner Reise?
Sophie.
Ich finde ihn verrückt!
Ich finde ihn verrückt!
N. N.
Verrückt, wahrhaftig? Ist es möglich?
Verrückt, wahrhaftig? Ist es möglich?
Sophie(nach einer kleinen Pause).
Nun toll — das grade nicht!
Nun toll — das grade nicht!
N. N.
Doch merkt man etwas, wenn er spricht?
Doch merkt man etwas, wenn er spricht?
Sophie.
Mir scheint es so.
Mir scheint es so.
(Sieht nach der Thür wo Tschatzki abging.)
N. N.
In seinen jungen JahrenWie konnt’ ihm solch’ ein Unglück widerfahren?
In seinen jungen Jahren
Wie konnt’ ihm solch’ ein Unglück widerfahren?
Sophie.
Ja, es ist schlimm! —(bei Seite)Er glaubt daran!Ah Tschatzki —! And’re stets zu neckenDas lieben wir! — Nun mag er’s selber schmecken!
Ja, es ist schlimm! —(bei Seite)Er glaubt daran!
Ah Tschatzki —! And’re stets zu necken
Das lieben wir! — Nun mag er’s selber schmecken!
(Ab.)
Herr N. N.Herr D.
N. N.
Verrückt — so scheint es ihr!Sehr möglich dünkt die Sache mir,Wie wär’ sie sonst auch drauf gekommen!
Verrückt — so scheint es ihr!
Sehr möglich dünkt die Sache mir,
Wie wär’ sie sonst auch drauf gekommen!
(Zu D.)
Ah, hast Du schon vernommen?
Ah, hast Du schon vernommen?
Herr D.
Und was?
Und was?
N. N.
Von Tschatzki.
Von Tschatzki.
Herr D.
Nein, kein Wort!
Nein, kein Wort!
N. N.
Er ist verrückt.
Er ist verrückt.
Herr D.
Herr D.
So geh’ doch fort!
So geh’ doch fort!
N. N.
Ich sag’ es nicht, ich hab’ es nur gehört.
Ich sag’ es nicht, ich hab’ es nur gehört.
Herr D.
Und bist nur froh, es weiter gleich zu tragen.
Und bist nur froh, es weiter gleich zu tragen.
N. N.
Es wäre doch der Mühe werthAuch noch bei andern nachzufragen.
Es wäre doch der Mühe werth
Auch noch bei andern nachzufragen.
(Ab.)
Herr D.allein, dannSagorétzki.
Herr D.
Ja, glaubt den Schwätzern nur!Da hören sie das dümmste ZeugUnd wiederholen es sogleich.
Ja, glaubt den Schwätzern nur!
Da hören sie das dümmste Zeug
Und wiederholen es sogleich.
(ZuSagorétzki.)
Hast Du von Tschatzki was gehört?
Hast Du von Tschatzki was gehört?
Sagorétzki.
Was denn?
Was denn?
Herr D.
Daß er gestört?
Daß er gestört?
Sagorétzki.
Ich weiß, ich weiß, wie sollt’ ich das nicht wissen!Wie oft schon hab’ ich’s hören müssen!Es ging ja ganz besonders dabei her:Dem pfiffigen Oheim ward’s nicht schwerIm Narrenhause ihn zu betten;Sie banden ihn und nun sitzt er in Ketten.
Ich weiß, ich weiß, wie sollt’ ich das nicht wissen!
Wie oft schon hab’ ich’s hören müssen!
Es ging ja ganz besonders dabei her:
Dem pfiffigen Oheim ward’s nicht schwer
Im Narrenhause ihn zu betten;
Sie banden ihn und nun sitzt er in Ketten.
Herr D.
Erbarme Dich, er war ja eben hier,Vor einem Augenblick sah ich ihn neben Dir.
Erbarme Dich, er war ja eben hier,
Vor einem Augenblick sah ich ihn neben Dir.
Sagorétzki.
Dann ist’s gewißDaß er sich los von seiner Kette riß.
Dann ist’s gewiß
Daß er sich los von seiner Kette riß.
Herr D.
Nun, liebster Freund — mit DirIst weiter keine Zeitung nöthig;Doch will ich gleich und ohne SäumnißDie andern dort befragen.Doch darfst Du es beileibe niemand sagen —Noch ist es ein Geheimniß.
Nun, liebster Freund — mit Dir
Ist weiter keine Zeitung nöthig;
Doch will ich gleich und ohne Säumniß
Die andern dort befragen.
Doch darfst Du es beileibe niemand sagen —
Noch ist es ein Geheimniß.
(Ab.)
Sagorétzki, dannNatalie Dmítrewna.
Sagorétzki.
Was kann das für ein Tschatzki sein?Verbreitet ist der Name —Mit einem Tschatzki war ich einst bekannt —
Was kann das für ein Tschatzki sein?
Verbreitet ist der Name —
Mit einem Tschatzki war ich einst bekannt —
(Zu Natalie Dmítrewna.)
Sie wissen’s doch Madame?
Sie wissen’s doch Madame?
Natalie Dmítrewna.
Was denn?
Was denn?
Sagorétzki.
Von Tschatzki, nun, er stand noch eben hier.
Von Tschatzki, nun, er stand noch eben hier.
Natalie Dmítrewna.
Ich weiß — er sprach mit mir.
Ich weiß — er sprach mit mir.
Sagorétzki.
So gratulir’ ich Ihnen — er ist toll!
So gratulir’ ich Ihnen — er ist toll!
Natalie Dmítrewna.
Was?
Was?
Sagorétzki.
Ja; man sagt mir er verlorSo eben den Verstand.
Ja; man sagt mir er verlor
So eben den Verstand.
Natalie Dmítrewna.
Nun stellen Sie sich vor!Ich merkt’ es auch schon und was gilt die Wette,Daß gleich das nämliche gesagt ich hätte.
Nun stellen Sie sich vor!
Ich merkt’ es auch schon und was gilt die Wette,
Daß gleich das nämliche gesagt ich hätte.
Die Vorigen.Die alte Gräfin.
Natalie Dmítrewna.
Nein das ist wunderbar, das ist was neues!Gestört?Frau Gräfin haben Sie gehörtVon demmalheur, das hier gescheh’n —Das ist doch einzig — das ist schön!
Nein das ist wunderbar, das ist was neues!
Gestört?
Frau Gräfin haben Sie gehört
Von demmalheur, das hier gescheh’n —
Das ist doch einzig — das ist schön!
Die alte Gräfin.
Mein Schatz, es liegt mir in den Ohren heut’,Du mußt mir’s etwas lauter sagen.
Mein Schatz, es liegt mir in den Ohren heut’,
Du mußt mir’s etwas lauter sagen.
Natalie Dmítrewna.
Ich hab’ dazu durchaus nicht Zeit,Ich muß die andern ja befragen.Il vous dira toute l’histoire.
Ich hab’ dazu durchaus nicht Zeit,
Ich muß die andern ja befragen.
Il vous dira toute l’histoire.
(Ab.)
Die alte Gräfin.Sagorétzki.
Die alte Gräfin.
Wie, — was, es ist hier doch nicht Feuer ausgebrochen?
Wie, — was, es ist hier doch nicht Feuer ausgebrochen?
Sagorétzki.
Nein — Tschatzki hat den Sturm erregt.
Nein — Tschatzki hat den Sturm erregt.
Die alte Gräfin.
Was? Tschatzki hat man in den Thurm gelegt?
Was? Tschatzki hat man in den Thurm gelegt?
Sagorétzki.
In der Türkei ist er verwundet wordenBeim Aug’ und wurde davon toll.
In der Türkei ist er verwundet worden
Beim Aug’ und wurde davon toll.
Die alte Gräfin.
Freimaurerorden?Was, oder ist er Türk’ geworden?
Freimaurerorden?
Was, oder ist er Türk’ geworden?
Sagorétzki.
Der bringt man es nicht bei!
Der bringt man es nicht bei!
(Ab.)
Die alte Gräfin.
Antón Antónowitsch! Auch er läuft fort!Erschreckt und außer sich scheint alles dortZu sein —
Antón Antónowitsch! Auch er läuft fort!
Erschreckt und außer sich scheint alles dort
Zu sein —
Die alte Gräfin.Der Fürst.
Die alte Gräfin.
Erlaucht, Erlaucht! Ach Gott —! der alte MannAuf Bällen, wenn man kaum noch kriechen kann!Na, haben Sie gehört?
Erlaucht, Erlaucht! Ach Gott —! der alte Mann
Auf Bällen, wenn man kaum noch kriechen kann!
Na, haben Sie gehört?
Der Fürst.
A? hm? —
A? hm? —
Die alte Gräfin.
Er hört auch gar nichts mehr!Vielleicht hat er’s gesehn,Was hier gescheh’n —War nicht die Polizei im Haus?
Er hört auch gar nichts mehr!
Vielleicht hat er’s gesehn,
Was hier gescheh’n —
War nicht die Polizei im Haus?
Der Fürst.
E? hm? —
E? hm? —
Die alte Gräfin.
Wer brachte Tschatzki hier hinaus?
Wer brachte Tschatzki hier hinaus?
Der Fürst.
I! hm? —
I! hm? —
Die alte Gräfin.
Ja, Tschatzki wird Soldat —Ist das ein Spaß? Er ist ein Renegat.Er wurde ja Mahomedaner!So ein verdammter Voltairianer!Was? — ah? — Taub Alterchen? — Sie hören schwer?So geben Sie Ihr Rohrchen her.Ach nein!Es ist doch arg so taub zu sein!
Ja, Tschatzki wird Soldat —
Ist das ein Spaß? Er ist ein Renegat.
Er wurde ja Mahomedaner!
So ein verdammter Voltairianer!
Was? — ah? — Taub Alterchen? — Sie hören schwer?
So geben Sie Ihr Rohrchen her.
Ach nein!
Es ist doch arg so taub zu sein!
Die ganze Gesellschaft, späterFamussoff, zuletztTschatzki.
Mad. Chlestow.
Verrückt? Nun bitt’ ich Sie!Wie ist das so ganz plötzlich denn gekommen.Sophie —Hast Du es schon vernommen?
Verrückt? Nun bitt’ ich Sie!
Wie ist das so ganz plötzlich denn gekommen.
Sophie —
Hast Du es schon vernommen?
Platon.
Wer bracht’ nur das Gerede aus?
Wer bracht’ nur das Gerede aus?
Natalie Dmítrewna.
Ach, liebes Männchen — Alle!
Ach, liebes Männchen — Alle!
Platon.
Nun freilich in dem FalleDa muß ich hierWohl schweigen;Doch zweifelhaft erscheint es mir.
Nun freilich in dem Falle
Da muß ich hier
Wohl schweigen;
Doch zweifelhaft erscheint es mir.
Famussoff(kommt rasch hinzu).
Wie? Was? Von Tschatzki ist die Rede?Und jemand zweifelt noch? Ich hab’s zuerst entdeckt,Und wunderte mich längst, daß er nicht eingesteckt.Probier’ es einer nur den RückenVor irgend jemand tief zu bückenUnd sei der Mann auch noch so groß und mächtig —Ja, wär’ es der Monarch —Gleich nennt er’s niederträchtig.
Wie? Was? Von Tschatzki ist die Rede?
Und jemand zweifelt noch? Ich hab’s zuerst entdeckt,
Und wunderte mich längst, daß er nicht eingesteckt.
Probier’ es einer nur den Rücken
Vor irgend jemand tief zu bücken
Und sei der Mann auch noch so groß und mächtig —
Ja, wär’ es der Monarch —
Gleich nennt er’s niederträchtig.
Mad. Chlestow.
Ein Spötter ist er noch dabei:Ich sagte erstlich was, da fing er an zu lachen.
Ein Spötter ist er noch dabei:
Ich sagte erstlich was, da fing er an zu lachen.
Die junge Gräfin.
Mich wollt’ er zur Modistin machen!
Mich wollt’ er zur Modistin machen!
Moltschálin.
Mir sagte er — ich rathe IhnenIn Moskau beim Archive nicht zu dienen.
Mir sagte er — ich rathe Ihnen
In Moskau beim Archive nicht zu dienen.
Natalie Dmítrewna.
Und meinem Mann rieth er in Moskau nicht zu leben,Er sollte fort und sich auf’s Land begeben.
Und meinem Mann rieth er in Moskau nicht zu leben,
Er sollte fort und sich auf’s Land begeben.
Sagorétzki.
Aus allem klar: — verrückt — verrückt!
Aus allem klar: — verrückt — verrückt!
Die junge Gräfin.
Ich hab’ es gleich in seinem Aug’ erblickt.
Ich hab’ es gleich in seinem Aug’ erblickt.
Famussoff.
Er schlägt der Mutter nach. — Es ist bekanntAchtmal verlor die Sel’ge den Verstand.
Er schlägt der Mutter nach. — Es ist bekannt
Achtmal verlor die Sel’ge den Verstand.
Mad. Chlestow.
Was fällt nicht alles vor auf Erden!In seinem Alter toll zu werden!Er trank gewißNicht im Verhältniß seiner Jahre.
Was fällt nicht alles vor auf Erden!
In seinem Alter toll zu werden!
Er trank gewiß
Nicht im Verhältniß seiner Jahre.
Die alte Fürstin.
Gewiß!
Gewiß!
Die junge Gräfin.
Das muß es sein!
Das muß es sein!
Mad. Chlestow.
Champagner goß er gläserweis hinein.
Champagner goß er gläserweis hinein.
Natalie Dmítrewna.
Oh, nein, — ich kann’s betheuernIn Flaschen und dazu in ungeheuern!
Oh, nein, — ich kann’s betheuern
In Flaschen und dazu in ungeheuern!
Sagorétzki(eifrig).
Was Flaschen, nein, ich weiß es besserEr trank, Gott straf’ mich, ganze Fässer.
Was Flaschen, nein, ich weiß es besser
Er trank, Gott straf’ mich, ganze Fässer.
Famussoff.
Ach geht mir doch — ein großes Unglück das,Guckt eine Mannsperson auch etwas tief in’s Glas,Nein, nein — der Unterricht — das ist die wahre Seuche,Gelehrsamkeit die macht’s, daß jetzt in unserm ReicheDer Wahnsinn um sich greift und solche SchändlichkeitenUnd arge Meinungen sich mehr und mehr verbreiten.
Ach geht mir doch — ein großes Unglück das,
Guckt eine Mannsperson auch etwas tief in’s Glas,
Nein, nein — der Unterricht — das ist die wahre Seuche,
Gelehrsamkeit die macht’s, daß jetzt in unserm Reiche
Der Wahnsinn um sich greift und solche Schändlichkeiten
Und arge Meinungen sich mehr und mehr verbreiten.
Mad. Chlestow.
Und grad’ heraus — wie könnt’ es anders sein?Verrückt wird man schon ganz alleinVon dieser ungeheuren ZahlVon Schulen und Pensionen und — Geschichten,Lyceen undLandkartenschulenallzumalWo sie sich wechselseitig unterrichten.
Und grad’ heraus — wie könnt’ es anders sein?
Verrückt wird man schon ganz allein
Von dieser ungeheuren Zahl
Von Schulen und Pensionen und — Geschichten,
Lyceen undLandkartenschulenallzumal
Wo sie sich wechselseitig unterrichten.
Die alte Fürstin.
Ach nein!Mir ist ein Institut in Petersburg bekannt,Das Pä—da—go—gische, so, glaub’ ich, wird’s genannt,Die Professoren legen sich dort recht auf Ketzerei’n!Ein junger Mann, verwandt mit unserm Haus,Studirte dort und kam vor kurzem erst heraus.Was glauben Sie? Er könnte auf der StelleIn jeder Apotheke sein Geselle!Er flieht die Damen — mich sogar — der Spötter —!Die Ränge haßt er, denken Sie!Und treibt Botanik und Chymie —Fürst Theodor, mein Vetter!
Ach nein!
Mir ist ein Institut in Petersburg bekannt,
Das Pä—da—go—gische, so, glaub’ ich, wird’s genannt,
Die Professoren legen sich dort recht auf Ketzerei’n!
Ein junger Mann, verwandt mit unserm Haus,
Studirte dort und kam vor kurzem erst heraus.
Was glauben Sie? Er könnte auf der Stelle
In jeder Apotheke sein Geselle!
Er flieht die Damen — mich sogar — der Spötter —!
Die Ränge haßt er, denken Sie!
Und treibt Botanik und Chymie —
Fürst Theodor, mein Vetter!
Scalosúb.
Ich will Sie allgesammt erfreunMit einer Neuigkeit: Ganz allgemeinSagt man, wie es im Werke sei,Daß mit Gymnasien und Schulen und LyceenEin großer Fortschritt soll geschehn:Man wird dort lehren jetzt auf unsre Art: — eins — zwei!Die Bücher aber hebt man aufFür feierliche Fälle.
Ich will Sie allgesammt erfreun
Mit einer Neuigkeit: Ganz allgemein
Sagt man, wie es im Werke sei,
Daß mit Gymnasien und Schulen und Lyceen
Ein großer Fortschritt soll geschehn:
Man wird dort lehren jetzt auf unsre Art: — eins — zwei!
Die Bücher aber hebt man auf
Für feierliche Fälle.
Famussoff.
Nein, Feuer drunter auf der Stelle!Will man vom Bösen sich befrein,So muß es mit der Wurzel sein.
Nein, Feuer drunter auf der Stelle!
Will man vom Bösen sich befrein,
So muß es mit der Wurzel sein.
Sagorétzki(mit affectirter Bescheidenheit).
Bitt’ um Vergebung sehr,Die Bücher muß man unterscheiden.Wenn ich, zum Beispiel, Censor wär’,Die Fabeln würde ich nicht leiden!O Gott, die sind mein Tod! die ew’gen WitzeleinAuf Löw’ und Adler da — wie sie nach Raube dürsten —Man sage, was man will, es sind doch immer Fürsten.
Bitt’ um Vergebung sehr,
Die Bücher muß man unterscheiden.
Wenn ich, zum Beispiel, Censor wär’,
Die Fabeln würde ich nicht leiden!
O Gott, die sind mein Tod! die ew’gen Witzelein
Auf Löw’ und Adler da — wie sie nach Raube dürsten —
Man sage, was man will, es sind doch immer Fürsten.
Mad. Chlestow.
Ach meine Herrn, mir scheint es wirklich einerlei,Wenn man verrückt wird, — ob Gelehrsamkeit,Ob Trinken Schuld dran sei!Um Tschatzki thut’s mir leid,Aus Christenpflicht muß man ihn schon bedauernEr hatte Mutterwitz und — hat dreihundert Bauern.
Ach meine Herrn, mir scheint es wirklich einerlei,
Wenn man verrückt wird, — ob Gelehrsamkeit,
Ob Trinken Schuld dran sei!
Um Tschatzki thut’s mir leid,
Aus Christenpflicht muß man ihn schon bedauern
Er hatte Mutterwitz und — hat dreihundert Bauern.
Famussoff.
Vierhundert!
Vierhundert!
Mad. Chlestow.
Nein, mein Bester, drei!
Nein, mein Bester, drei!
Famussoff.
Vierhundert hat er.
Vierhundert hat er.
Mad. Chlestow.
Drei!
Drei!
Famussoff.
In dem Kalender steht’s —
In dem Kalender steht’s —
Mad. Chlestow.
Ach die Kalender lügen!
Ach die Kalender lügen!
Famussoff.
Vierhundert auf ein Haar —Das Schrei’n und Streiten ist nun Ihr Vergnügen.
Vierhundert auf ein Haar —
Das Schrei’n und Streiten ist nun Ihr Vergnügen.
Mad. Chlestow.
Es ist nicht wahr!Dreihundert sind es — drei —Als ob ich das nicht weiß, was andre Menschen haben.
Es ist nicht wahr!
Dreihundert sind es — drei —
Als ob ich das nicht weiß, was andre Menschen haben.
Famussoff.
Begreifen Sie denn nicht!Vierhundert sind’s.
Begreifen Sie denn nicht!
Vierhundert sind’s.
Mad. Chlestow.
Nein, drei, drei, drei!
Nein, drei, drei, drei!
Die Vorigen.Tschatzki.
Natalie Dmítrewna.
Da kommt er selbst herbei!
Da kommt er selbst herbei!
Die junge Gräfin.
Scht!
Scht!
Alle.
Scht!
Scht!
(Ziehen sich zurück.)
Mad. Chlestow.
Nun, wenn er seinen Raptus kriegt,So kommen wir noch alle vor’s Gericht.
Nun, wenn er seinen Raptus kriegt,
So kommen wir noch alle vor’s Gericht.
Famussoff(bei Seite).