Analyse des zweiten Akts.
Personen: Sämmtliche Personen des ersten Akts und der OberstScalosúb. — Es ist etwas später am Tage, aber noch Vormittags um die Zeit der Visiten. Fámussoff kommt in seinen Empfangssalon und beschäftigt sich in einem köstlichen Monologe Einladungen aller Art, die er erhalten hat, durch einen Diener in einen Kalender eintragen zu lassen. Der erste Fremde ist Tschatzki; in dem nun folgenden Gespräch zeichnet sich beider Character aufs deutlichste; die Kluft zwischen ihren Ansichten deckt sich auf; Tschatzki sagt die Wahrheit ganz freimüthig und als er gar die Ideale Fámussoff’s lächerlich und niedrig findet, so fängt letzterer an, ihnentschieden zu hassen. Der Oberst Scalosúb erscheint nun und wird von Fámussoff aufs schmeichelhafteste empfangen — theils um ihn zu gewinnen, theils um Tschatzki zu demüthigen. Der Oberst erscheint in seinen lakonischen Reden, die sich nur um das handwerksmäßige seines Standes drehen, als ein Glückspilz und gänzlich bornirter Kamaschenheld, der von der höheren Bedeutung des Militairstandes keine Ahnung hat. Nachdem Fámussoff ihm seinen Herzenswunsch, nämlich daß er um Sophiens Hand werben möchte, sehr deutlich zu verstehen gegeben hat, geht er zu einem allgemeinen Lobe Moskau’s über, welches aber durch Übertriebenheit und einen naiven Unverstand zur bittersten Persiflage wird. Tschatzki mischt sich zum Ärger des Alten zuletzt ins Gespräch, geräth in Feuer und schildert in einem lebhaften Gemälde eine Reihe von Schwächen oder gar Schändlichkeiten, die in der vornehmen Welt Moskau’s vorgekommen waren. — Der Alte ist in Verzweiflung, daß solche Reden in seinem Hause gehört würden und läuft davon; gleich darauf stürzt Sophie außer sich herein — sie hat aus dem Fenster gesehen, daß Moltschálin vom Pferde gestürzt ist und fällt darüber in Ohnmacht. Bei dieser Gelegenheit tritt ihre Liebe zu Moltschálin und ihr Haß gegen Tschatzki immer schärfer hervor; aber so gering denkt Tschatzki von Moltschálin, daß ihm ein Liebesverhältniß Sophiens mit diesem doch ganz unmöglich erscheint. Von Sophien gereizt und beleidigt geht er voller Sorge ab; Moltschálin findet Gelegenheit Lisetten seine Liebeserklärung zu machen und diese deckt in einem komischen Monologe die Liebesintriguen aller Personen des Stücks auf. — Tschatzki liebt Sophie, diese Moltschálin, dieser Lisette, diese aber gesteht ihr Ideal im Silberdiener Petrúscha gefunden zu haben. — (Eine ähnliche Idee liegt einem Lustspiel von Calderon: „das offene Geheimniß“, zum Grunde.) Wir erfahren in diesem Akt, daß am Abend noch ein kleiner Ball bei Fámussoff Statt finden soll.