Erster Akt.
Saal mit einer Mittel- und einer Seitenthür, die zuSophiensZimmer führt. Neben der Mittelthür steht eine hohe Wanduhr. Man hört anfänglich die Töne einer Flöte und eines Klaviers. Es ist früher Morgen.
Lisette
(ist mitten im Zimmer auf einem Stuhl eingeschlafen. Sie erwacht, steht auf und sieht sich erstaunt um).
Es tagt? Wie schnell ist doch die Nacht vergangen!Ich wollt zu Bett gehn gestern Abend — Nein!Es hieß — Die Augen auf und schlafe ja nicht ein!„Der Freund kommt her,“ erhalt dich munter,Und fielst du auch vom Stuhl herunter!Nun schlief ich eben ein, da fängt es an zu tagen; —Ich muß es ihnen gleich nur sagen,Die merken es sonst nie!
Es tagt? Wie schnell ist doch die Nacht vergangen!
Ich wollt zu Bett gehn gestern Abend — Nein!
Es hieß — Die Augen auf und schlafe ja nicht ein!
„Der Freund kommt her,“ erhalt dich munter,
Und fielst du auch vom Stuhl herunter!
Nun schlief ich eben ein, da fängt es an zu tagen; —
Ich muß es ihnen gleich nur sagen,
Die merken es sonst nie!
(Sie klopft an die Seitenthür.)
Nun meine Gnädigsten?! — Fräulein Sophie!Ihr Abend dauert bis zum hellen, lichten Tage;Ums Himmelswill’n, so hören Sie doch was ich sage!Mein Fräulein! Herr Moltschálin! Sind Sie taub?
Nun meine Gnädigsten?! — Fräulein Sophie!
Ihr Abend dauert bis zum hellen, lichten Tage;
Ums Himmelswill’n, so hören Sie doch was ich sage!
Mein Fräulein! Herr Moltschálin! Sind Sie taub?
(Sie geht von der Thür weg.)
Die haben jede Furcht vergessen!Nun wartet nur, ich glaube fastDer Alte kommt noch her als ungebetner Gast.Dasist ein Dienst bei Fräulein — bei verliebten!![1]
Die haben jede Furcht vergessen!
Nun wartet nur, ich glaube fast
Der Alte kommt noch her als ungebetner Gast.
Dasist ein Dienst bei Fräulein — bei verliebten!![1]
(Sie geht wieder zur Thür.)
So trennen Sie sich doch! — Es ist ja Morgens früh!Wie?
So trennen Sie sich doch! — Es ist ja Morgens früh!
Wie?
Sophie(hinter der Scene).
Wie viel Uhr ist’s?
Wie viel Uhr ist’s?
Lisette.
Das ganze Haus erwacht.
Das ganze Haus erwacht.
Sophie(wie oben).
Wie viel Uhr ist’s?
Wie viel Uhr ist’s?
Lisette.
Sechs, sieben, acht!
Sechs, sieben, acht!
Sophie(wie oben).
Das ist nicht wahr!
Das ist nicht wahr!
Lisette.
O Amor, du verwünschter Wicht!Es ist doch klar,Sie hören mich und könnenNoch immer sich nicht trennen!Und warum öffnen sie die Laden nicht?
O Amor, du verwünschter Wicht!
Es ist doch klar,
Sie hören mich und können
Noch immer sich nicht trennen!
Und warum öffnen sie die Laden nicht?
(Sie wendet sich zur Uhr.)
Ich stell den Zeiger vor; ich weiß, es giebt Verdruß,Allein ich muß!Ich lasse alle Glocken spielen,Denn wer nicht hören will — muß fühlen!
Ich stell den Zeiger vor; ich weiß, es giebt Verdruß,
Allein ich muß!
Ich lasse alle Glocken spielen,
Denn wer nicht hören will — muß fühlen!
(Sie steigt auf einen Stuhl und stellt die Wanduhr, die zu spielen anfängt.)
LisetteundFamussoff(im Schlafrock, tritt durch die Mittelthür ein, Lisette erschrickt und springt vom Stuhl herunter).
Lisette.
O je, der Herr!
O je, der Herr!
Famussoff.
Der Herr, nun ja!Du Naseweis — was machst Du da?
Der Herr, nun ja!
Du Naseweis — was machst Du da?
(Er hält das Glockenspiel an.)
Ich konnte den Spektakel nicht begreifen;Das war ein Klingeln und ein Pfeifen!Sophie — die konnt’s so früh nicht sein;Bald klang’s wie ein Klavier und bald wie eine Flöte.Das fiel mir wirklich gar nicht ein,Daß Du es seist, Du kleine Kröte.
Ich konnte den Spektakel nicht begreifen;
Das war ein Klingeln und ein Pfeifen!
Sophie — die konnt’s so früh nicht sein;
Bald klang’s wie ein Klavier und bald wie eine Flöte.
Das fiel mir wirklich gar nicht ein,
Daß Du es seist, Du kleine Kröte.
Lisette.
Ich weiß nicht recht, wie es geschehn —Ich kam daran ganz aus Versehn.
Ich weiß nicht recht, wie es geschehn —
Ich kam daran ganz aus Versehn.
Famussoff.
Ganz aus Versehn? — Vor euch nehm’ man sich nur in Acht.Du that’st es sicher mit Bedacht.
Ganz aus Versehn? — Vor euch nehm’ man sich nur in Acht.
Du that’st es sicher mit Bedacht.
(Er schäkert mit ihr.)
Du kleiner netter Schelm!
Du kleiner netter Schelm!
Lisette.
Ein Schelm sind Sie! Ich will das nicht!Steht Ihnen das wohl zu Gesicht?
Ein Schelm sind Sie! Ich will das nicht!
Steht Ihnen das wohl zu Gesicht?
Famussoff.
O Tugendheldin, sei kein Kind!Du hast im Kopf doch nichts als Wind.
O Tugendheldin, sei kein Kind!
Du hast im Kopf doch nichts als Wind.
Lisette.
Windbeutel selbst! Sie denken nicht daran,Daß Sie ein alter Mann.
Windbeutel selbst! Sie denken nicht daran,
Daß Sie ein alter Mann.
Famussoff.
Nun, ja,Beinah’!
Nun, ja,
Beinah’!
Lisette.
Und dannKommt wer, was fängt man an?
Und dann
Kommt wer, was fängt man an?
Famussoff.
Wer denn? Sophie schläft.
Wer denn? Sophie schläft.
Lisette.
Erst eben schlief sie ein.
Erst eben schlief sie ein.
Famussoff.
Erst eben? Und die Nacht?
Erst eben? Und die Nacht?
Lisette.
Das Fräulein las, und hat gewacht.
Das Fräulein las, und hat gewacht.
Famussoff.
Nun sieh’ mal was das für Manieren!
Nun sieh’ mal was das für Manieren!
Lisette.
Französisch las sie laut bei festgeschlossnen Thüren.
Französisch las sie laut bei festgeschlossnen Thüren.
Famussoff.
Sag ihr, sie soll sich nicht die Augen ruiniren.Vom Lesen, muß ich frei gestehn,Kann ich nicht großen Nutzen sehn:Ihrraubt den Schlummer diefranzösischeLectüreUnd mich — mich schläfert’s fürchterlich,Sobald ich nur ein russisch Buch berühre.
Sag ihr, sie soll sich nicht die Augen ruiniren.
Vom Lesen, muß ich frei gestehn,
Kann ich nicht großen Nutzen sehn:
Ihrraubt den Schlummer diefranzösischeLectüre
Und mich — mich schläfert’s fürchterlich,
Sobald ich nur ein russisch Buch berühre.
Lisette.
Wenn sie erwacht, sag’ ich’s Fräulein Sophie,Doch jetzo, bitt’ ich, gehen Sie!
Wenn sie erwacht, sag’ ich’s Fräulein Sophie,
Doch jetzo, bitt’ ich, gehen Sie!
Famussoff.
Warum?
Warum?
Lisette.
Sie wecken sie.
Sie wecken sie.
Famussoff.
Wodurch sollt’ ich sie wecken?Selbst läutet sie wahrhaftig zum ErschreckenMit ihrer Uhr, und trommelt aus der Ruh’Die ganze Nachbarschaft mit ihrer Symphonie!
Wodurch sollt’ ich sie wecken?
Selbst läutet sie wahrhaftig zum Erschrecken
Mit ihrer Uhr, und trommelt aus der Ruh’
Die ganze Nachbarschaft mit ihrer Symphonie!
Lisette(sehr laut).
Ach hören Sie doch auf, ich bitte Sie!
Ach hören Sie doch auf, ich bitte Sie!
Famussoff(hält ihr den Mund zu).
Still doch, so schrei nicht, bist Du ganz von Sinnen?
Still doch, so schrei nicht, bist Du ganz von Sinnen?
Lisette.
Ich fürcht’, wenn Sie noch länger bleiben, daß —
Ich fürcht’, wenn Sie noch länger bleiben, daß —
Famussoff.
Und was?
Und was?
Lisette.
Ach Herr, Sie wissen’s doch, Sie sind kein Kind —Wie leicht erweckt die jungen Mädchen sind,Kaum geht die Thür, kaum flüstert man ein Wort,Gleich ist der süße Morgenschlummer fort.Und Alles hören sie.
Ach Herr, Sie wissen’s doch, Sie sind kein Kind —
Wie leicht erweckt die jungen Mädchen sind,
Kaum geht die Thür, kaum flüstert man ein Wort,
Gleich ist der süße Morgenschlummer fort.
Und Alles hören sie.
Famussoff.
Ach, Alles dummes Zeug!
Ach, Alles dummes Zeug!
Sophie(hinter der Scene).
Lisette!
Lisette!
Lisette.
Gleich, mein Fräulein, gleich.
Gleich, mein Fräulein, gleich.
Famussoff.
St!(schleicht auf den Zehen fort.)
St!(schleicht auf den Zehen fort.)
Lisette(allein).
Ach Gott, von unsern HerrnHalt’ man am besten sich recht fern!In jedem Augenblick ist man gewiß gewärtig,Daß gleich ein neues Unglück fertig;O wenn man doch von diesen beidenDen größten LeidenVerschont nur bliebe:Von Herrenzorn und Herrenliebe!
Ach Gott, von unsern Herrn
Halt’ man am besten sich recht fern!
In jedem Augenblick ist man gewiß gewärtig,
Daß gleich ein neues Unglück fertig;
O wenn man doch von diesen beiden
Den größten Leiden
Verschont nur bliebe:
Von Herrenzorn und Herrenliebe!
Lisette.Sophie(tritt mit einem Licht aus ihrem Zimmer)Moltschálin(folgt ihr).
Sophie.
Lisette, welch ein Lärm! was fällt Dir ein?
Lisette, welch ein Lärm! was fällt Dir ein?
Lisette.
Die Trennung scheint recht schwer zu sein,Verschlossen bis zum Tag, und doch nicht zur Genüge!
Die Trennung scheint recht schwer zu sein,
Verschlossen bis zum Tag, und doch nicht zur Genüge!
Sophie.
Wahrhaftig, es ist Tag!
Wahrhaftig, es ist Tag!
(Sie löscht das Licht aus)Der TagErschien — und auch der Kummer! — — — ach!Wie doch die Nächte schnell vergehn!
(Sie löscht das Licht aus)Der Tag
Erschien — und auch der Kummer! — — — ach!
Wie doch die Nächte schnell vergehn!
Lisette.
Nur zu, Sie mögen sich beklagen,Allein, das muß ich Ihnen sagen,Für einen Dritten ists nicht auszustehn!Der alte Herr war daUnd ich war einer Ohnmacht nah,Ich wandt’ mich hin und herUnd log ihm vor die Kreuz und Quer.(Zu Moltschalin)Und Sie, was bleiben Sie denn noch?So machen Sie Ihren Bückling dochNur schnelle!Das Herz steht nicht an rechter Stelle!So sehn Sie nach der Uhr! Sie glauben, daß ich spaße!Die ganze Welt ist längst schon auf der Straße!Im Haus ist Alles schon erwacht,Man fegt, in Ordnung wird das Haus gebracht,Und Sie, Sie stehn noch da wie angebunden!
Nur zu, Sie mögen sich beklagen,
Allein, das muß ich Ihnen sagen,
Für einen Dritten ists nicht auszustehn!
Der alte Herr war da
Und ich war einer Ohnmacht nah,
Ich wandt’ mich hin und her
Und log ihm vor die Kreuz und Quer.
(Zu Moltschalin)Und Sie, was bleiben Sie denn noch?
So machen Sie Ihren Bückling doch
Nur schnelle!
Das Herz steht nicht an rechter Stelle!
So sehn Sie nach der Uhr! Sie glauben, daß ich spaße!
Die ganze Welt ist längst schon auf der Straße!
Im Haus ist Alles schon erwacht,
Man fegt, in Ordnung wird das Haus gebracht,
Und Sie, Sie stehn noch da wie angebunden!
Sophie.
Ach Glückliche — — die zählen nicht die Stunden!
Ach Glückliche — — die zählen nicht die Stunden!
Lisette.
Nur immer zu! Ei sicherlichIst’s angenehm, die Zeit sich zu versüßen;Allein wer anders wohl als ichWird noch zuletzt für Alles büßen?
Nur immer zu! Ei sicherlich
Ist’s angenehm, die Zeit sich zu versüßen;
Allein wer anders wohl als ich
Wird noch zuletzt für Alles büßen?
Sophie(zu Moltschálin).
So gehen Sie, wir müssen scheidenUnd einen ganzen Tag voll Langerweile leiden.
So gehen Sie, wir müssen scheiden
Und einen ganzen Tag voll Langerweile leiden.
Lisette.
So lassen Sie die Hände doch nur fahren!(sie trennt sie)Nun endlich, — laß uns Gott bewahren!
So lassen Sie die Hände doch nur fahren!
(sie trennt sie)Nun endlich, — laß uns Gott bewahren!
(Moltschálin geht ab; wie er bei der Mittelthür ist, öffnet sie sich und Famussoff tritt angekleidet herein, er bleibt stehn und sieht Moltschálin verwundert an.)
Die Vorigen. Famussoff.
Famussoff.
Was tausend ist denn das? Sind Sie es wirklich?
Was tausend ist denn das? Sind Sie es wirklich?
Moltschálin(sehr verlegen).
Ja!
Ja!
Famussoff.
Zu dieser Stunde hier?(erblickt Sophie)Und auch Sophie? Ei guten MorgenSophie, Du bist auch da?Was hast Du hier zu sorgen?Wie hat Euch Gott zu dieser StundeSo wunderlich zusammen hier gebracht?
Zu dieser Stunde hier?
(erblickt Sophie)Und auch Sophie? Ei guten Morgen
Sophie, Du bist auch da?
Was hast Du hier zu sorgen?
Wie hat Euch Gott zu dieser Stunde
So wunderlich zusammen hier gebracht?
Sophie.
Er kam herein in diesem Augenblick —
Er kam herein in diesem Augenblick —
Moltschálin.
Von einer Promenade erst zurückTrat eben ich ins Haus.
Von einer Promenade erst zurück
Trat eben ich ins Haus.
Famussoff.
Freund, hören Sie, es könnt nicht schaden,Sie suchten sich zu MorgenpromenadenEin andres Gäßchen aus! —Ei, Fräulein Tochter, ei, kaum aus dem Bett gesprungenZusammen gleich mit einem Herrn,Mit einem jungen!Sag, schickt sich das für Mädchen wohl von fern?Des Nachts liest Du Romane und Gedichte,Und das sind nun die saubern Früchte!Das Alles nur kommt von der SchmiedebrückeUnd von den ewigen Franzosen her.Da holen wir uns Moden, Musen, DichterUnd ähnliches Gelichter,Und drum ist Herz und Beutel leer!Wann wird der Himmel uns errettenVon ihren Hüten, Hauben, Ketten —Von ihren Salben und PomadenUnd den Bisquit und Bücherladen!!
Freund, hören Sie, es könnt nicht schaden,
Sie suchten sich zu Morgenpromenaden
Ein andres Gäßchen aus! —
Ei, Fräulein Tochter, ei, kaum aus dem Bett gesprungen
Zusammen gleich mit einem Herrn,
Mit einem jungen!
Sag, schickt sich das für Mädchen wohl von fern?
Des Nachts liest Du Romane und Gedichte,
Und das sind nun die saubern Früchte!
Das Alles nur kommt von der Schmiedebrücke
Und von den ewigen Franzosen her.
Da holen wir uns Moden, Musen, Dichter
Und ähnliches Gelichter,
Und drum ist Herz und Beutel leer!
Wann wird der Himmel uns erretten
Von ihren Hüten, Hauben, Ketten —
Von ihren Salben und Pomaden
Und den Bisquit und Bücherladen!!
Sophie.
Verzeihen Sie —! Ich bin schon ganz benommen,Und kann vor Ueberraschung nicht zu Athem kommen.Sie traten ja so rasch und plötzlich ein —Wie sollt’ ich nicht erschrocken sein?
Verzeihen Sie —! Ich bin schon ganz benommen,
Und kann vor Ueberraschung nicht zu Athem kommen.
Sie traten ja so rasch und plötzlich ein —
Wie sollt’ ich nicht erschrocken sein?
Famussoff.
Ich danke ganz gehorsamst! — Ei wie fein!Ich lief, ich hab’ erschreckt, ich kam so plötzlich!Nicht wahr, das war von mir entsetzlich?Ich, Fräulein Tochter, hab’ den ganzen Tag zu thun,Da ist kein Rasten und kein Ruh’n;Der Kopf ist mir vom Dienste wie benommen,Es ist ein ew’ges Gehn und Kommen,Und ich — auf dem schon Alles liegt,Konnt ich erwarten, daß man mich betrügt?
Ich danke ganz gehorsamst! — Ei wie fein!
Ich lief, ich hab’ erschreckt, ich kam so plötzlich!
Nicht wahr, das war von mir entsetzlich?
Ich, Fräulein Tochter, hab’ den ganzen Tag zu thun,
Da ist kein Rasten und kein Ruh’n;
Der Kopf ist mir vom Dienste wie benommen,
Es ist ein ew’ges Gehn und Kommen,
Und ich — auf dem schon Alles liegt,
Konnt ich erwarten, daß man mich betrügt?
Sophie(in Thränen).
Wie so mein Vater?
Wie so mein Vater?
Famussoff.
Nicht geweint!Gieb Acht, was ich Dir sage; freilich meintMan immer, daß ich ohne Ursach schelte,Doch, hör’ mich an, wenn ich Dir noch was gelte;Man that von deiner Wiege anFür Dich, was man nur irgend kann. —Die Mutter starb; ich hatt’ die glückliche IdeeUnd nahm in der Madame RosierDir eine zweite Mutter dannFür eine starke Gage an.Die goldene Alte — folgte deinen Tritten —Klug war sie, sanft, von tadellosen Sitten; —— Wenn Eins nur nicht gewesen wär’!Eins habe ich ihr sehr verdacht:Durch nur fünfhundert Rubel jährlich mehrWard sie uns abspenstig gemacht! —Doch lassen wir Madam’ — an der da lag es nicht.Was brauchst Du anderer Exempel?Mein Haus gleicht einem Tugendtempel,Des Vaters Beispiel lehrt Dir Pflicht!Da — schau mich einmal an!Ich sage nicht, ich sei ein junger MannAn Jahren, —Doch bin ich frisch bei meinen grauen Haaren,Dazu bin ich doch Wittwer, bin doch frei,Herr meiner Handlungen dabei!Und dennoch leb’ ich so, daß jeder, der mich kennt,Mein Leben exemplarisch nennt.
Nicht geweint!
Gieb Acht, was ich Dir sage; freilich meint
Man immer, daß ich ohne Ursach schelte,
Doch, hör’ mich an, wenn ich Dir noch was gelte;
Man that von deiner Wiege an
Für Dich, was man nur irgend kann. —
Die Mutter starb; ich hatt’ die glückliche Idee
Und nahm in der Madame Rosier
Dir eine zweite Mutter dann
Für eine starke Gage an.
Die goldene Alte — folgte deinen Tritten —
Klug war sie, sanft, von tadellosen Sitten; —
— Wenn Eins nur nicht gewesen wär’!
Eins habe ich ihr sehr verdacht:
Durch nur fünfhundert Rubel jährlich mehr
Ward sie uns abspenstig gemacht! —
Doch lassen wir Madam’ — an der da lag es nicht.
Was brauchst Du anderer Exempel?
Mein Haus gleicht einem Tugendtempel,
Des Vaters Beispiel lehrt Dir Pflicht!
Da — schau mich einmal an!
Ich sage nicht, ich sei ein junger Mann
An Jahren, —
Doch bin ich frisch bei meinen grauen Haaren,
Dazu bin ich doch Wittwer, bin doch frei,
Herr meiner Handlungen dabei!
Und dennoch leb’ ich so, daß jeder, der mich kennt,
Mein Leben exemplarisch nennt.
Lisette.
Doch dürft’ ich fragen, Herr, wie’s — —
Doch dürft’ ich fragen, Herr, wie’s — —
Famussoff.
Schweig’!Ein schreckliches Jahrhundert! — —Allein — was ist man so verwundert,Daß Alles altklug jetzt und weise vor den Jahren,Und unsere Töchter ganz voran,So daß man sie vor Thorheit und GefahrenMit Müh’ und Noth kaum schützen kann.Wir Einfaltspinsel!Wir haben selbst das Unglück uns gebracht,Ja! — Die Manie zum fränkischen Gewinsel,Die fremden Sprachen haben das gemacht.Landstreicher nimmt man heutzutag ins Haus —Die Herrchen sollen Alles lehrenDem Töchterchen — Tanz und Gesang,Mit Seufzern und mit SeelendrangUnd Ziererei — —Gott steh uns bei!Man möchte schwören,Daß wir sie auferziehen traun!Zu nichts als zu Seiltänzer-Fraun.
Schweig’!
Ein schreckliches Jahrhundert! — —
Allein — was ist man so verwundert,
Daß Alles altklug jetzt und weise vor den Jahren,
Und unsere Töchter ganz voran,
So daß man sie vor Thorheit und Gefahren
Mit Müh’ und Noth kaum schützen kann.
Wir Einfaltspinsel!
Wir haben selbst das Unglück uns gebracht,
Ja! — Die Manie zum fränkischen Gewinsel,
Die fremden Sprachen haben das gemacht.
Landstreicher nimmt man heutzutag ins Haus —
Die Herrchen sollen Alles lehren
Dem Töchterchen — Tanz und Gesang,
Mit Seufzern und mit Seelendrang
Und Ziererei — —
Gott steh uns bei!
Man möchte schwören,
Daß wir sie auferziehen traun!
Zu nichts als zu Seiltänzer-Fraun.
(Er wendet sich zu Moltschálin.)
Und nun zu Ihnen, junger Fant: —So also wird die Güte anerkannt?Ein schöner Dank!Bedenken Sie doch Ihren Lebenslauf!Wer hob Sie aus dem Plebs herauf?Wer schaffte Ihnen den Assessorrang?Wer machte Sie zum Secretair?Wer führte Sie nach Moskau über?Ich war’s — und ohne mich, mein Lieber,Versauert wären Sie in Ihrem Twer!
Und nun zu Ihnen, junger Fant: —
So also wird die Güte anerkannt?
Ein schöner Dank!
Bedenken Sie doch Ihren Lebenslauf!
Wer hob Sie aus dem Plebs herauf?
Wer schaffte Ihnen den Assessorrang?
Wer machte Sie zum Secretair?
Wer führte Sie nach Moskau über?
Ich war’s — und ohne mich, mein Lieber,
Versauert wären Sie in Ihrem Twer!
Sophie.
Wozu, mein Vater, zählen Sie das her?Wozu der Streit —Um eine Kleinigkeit?Moltschálin wohnt im Hause hier —Er tritt herein und irrt sich in der Thür.
Wozu, mein Vater, zählen Sie das her?
Wozu der Streit —
Um eine Kleinigkeit?
Moltschálin wohnt im Hause hier —
Er tritt herein und irrt sich in der Thür.
Famussoff.
Er irrt’ sich, oder wollte er sich irren?Wie aber kam’st denn Du zu gleicher Zeit herein?Das kann nicht bloßer Zufall sein.
Er irrt’ sich, oder wollte er sich irren?
Wie aber kam’st denn Du zu gleicher Zeit herein?
Das kann nicht bloßer Zufall sein.
Sophie.
Sie sollen das sogleich erfahren:Als Sie hier erst mit Lisa warenHat Ihr Gespräch mich aus dem Schlaf erweckt,Und darum rannt’ ich her, ganz ungemein erschreckt.
Sie sollen das sogleich erfahren:
Als Sie hier erst mit Lisa waren
Hat Ihr Gespräch mich aus dem Schlaf erweckt,
Und darum rannt’ ich her, ganz ungemein erschreckt.
Famussoff.
Am Ende kommt’s heraus, daß mir die Schuld gehört,Ich habe sie, wie’s scheint, zur Unzeit hier gestört!
Am Ende kommt’s heraus, daß mir die Schuld gehört,
Ich habe sie, wie’s scheint, zur Unzeit hier gestört!
Sophie.
Die größte Kleinigkeit, ein Wort — geflüstert kaum —Kann aus unruh’gem Schlaf mich wecken;Wenn ich erzählte meinen Traum,Verständen Sie auch meinen Schrecken.
Die größte Kleinigkeit, ein Wort — geflüstert kaum —
Kann aus unruh’gem Schlaf mich wecken;
Wenn ich erzählte meinen Traum,
Verständen Sie auch meinen Schrecken.
Famussoff.
Ein neu Histörchen?
Ein neu Histörchen?
Sophie.
Was ich sah’Im Traum, soll ich’s erzählen?
Was ich sah’
Im Traum, soll ich’s erzählen?
Famussoff.
Nun, ja, ja!(er setzt sich.)
Nun, ja, ja!(er setzt sich.)
Sophie.
Ja — sehen Sie — ich stand von Blumen rings umblühtAuf einer Flur — und war bemühtEin Kraut zu suchen; — müht’ mich sehr —Doch welch ein Kraut es war, das weiß ich jetzt nicht mehr;Da, — plötzlich — tritt ein junger MannZu mir heran!Ganz offenbar gehörte er zu Denen,An die wir uns beim ersten Blick gewöhnen,Und so — als wären wir von Ewigkeit bekannt.Wir wurden ganz vertraut, — er war gewandt,Einschmeichelnd, und er zeigte viel Verstand,Doch war er schüchtern — — wie — Sie wissen alle sindDie arm geboren.
Ja — sehen Sie — ich stand von Blumen rings umblüht
Auf einer Flur — und war bemüht
Ein Kraut zu suchen; — müht’ mich sehr —
Doch welch ein Kraut es war, das weiß ich jetzt nicht mehr;
Da, — plötzlich — tritt ein junger Mann
Zu mir heran!
Ganz offenbar gehörte er zu Denen,
An die wir uns beim ersten Blick gewöhnen,
Und so — als wären wir von Ewigkeit bekannt.
Wir wurden ganz vertraut, — er war gewandt,
Einschmeichelnd, und er zeigte viel Verstand,
Doch war er schüchtern — — wie — Sie wissen alle sind
Die arm geboren.
Famussoff.
Halt mein Kind,Um’s Himmelswill’n geh weiter nicht,Für Dich passt doch kein armer Wicht!
Halt mein Kind,
Um’s Himmelswill’n geh weiter nicht,
Für Dich passt doch kein armer Wicht!
Sophie.
Doch schnell war Himmel, so wie Flur verschwunden;Wir haben plötzlich unsIn einem dunklen Raum gefunden,Und denken Sie, wie wunderbar!Der Boden öffnet sich — und Sie mit struppigem Haar,Blaß wie der Tod — Sie steigen draus empor.Nun riß sich donnernd auf ein Thor,Und Ungeheuer, weder Mensch noch Thier,Ergriffen ihn, der neben mir.Sie quälten ihn, der all mein Lebensglück —Ich will zu ihm — sie halten mich zurück —Geschrei und Röcheln, wie ein HöllenchorTrifft mit Gewalt mein banges Ohr —Er ruft mir aus der Weite — fern,Ich will zu ihm so gern, so gern — —Da wach’ ich auf! man spricht — es waren Sie!Wie — denke ich — der Vater hier so früh?Ich eile her und find’ Sie alle beide. —
Doch schnell war Himmel, so wie Flur verschwunden;
Wir haben plötzlich uns
In einem dunklen Raum gefunden,
Und denken Sie, wie wunderbar!
Der Boden öffnet sich — und Sie mit struppigem Haar,
Blaß wie der Tod — Sie steigen draus empor.
Nun riß sich donnernd auf ein Thor,
Und Ungeheuer, weder Mensch noch Thier,
Ergriffen ihn, der neben mir.
Sie quälten ihn, der all mein Lebensglück —
Ich will zu ihm — sie halten mich zurück —
Geschrei und Röcheln, wie ein Höllenchor
Trifft mit Gewalt mein banges Ohr —
Er ruft mir aus der Weite — fern,
Ich will zu ihm so gern, so gern — —
Da wach’ ich auf! man spricht — es waren Sie!
Wie — denke ich — der Vater hier so früh?
Ich eile her und find’ Sie alle beide. —
Famussoff(nach einer kurzen Pause).
Ja freilich, dieser Traum war schlecht;Da ist so allerlei, betrachtet man ihn recht,Ein bischen Lüge, ohne ZweifelUnd Liebe, Blumen, Schreck und Teufel!(Zu Moltschalin)Doch Sie Mosje?
Ja freilich, dieser Traum war schlecht;
Da ist so allerlei, betrachtet man ihn recht,
Ein bischen Lüge, ohne Zweifel
Und Liebe, Blumen, Schreck und Teufel!
(Zu Moltschalin)Doch Sie Mosje?
Moltschálin.
Ich hörte Ihre Stimme, — —
Ich hörte Ihre Stimme, — —
Famussoff.
Nun das ist gut! — —Was doch so eine Stimme thut!Sie haben Alle sie gehörtUnd sind vor Tagesanbruch aufgestört,Sie suchten also mich? Was kann Sie zu mir führen?
Nun das ist gut! — —
Was doch so eine Stimme thut!
Sie haben Alle sie gehört
Und sind vor Tagesanbruch aufgestört,
Sie suchten also mich? Was kann Sie zu mir führen?
Moltschálin.
Ich komme mit Papieren. —
Ich komme mit Papieren. —
Famussoff(springt auf).
Dacht’ ich’s doch,Das fehlte mir gerade noch!Mein Gott, Sie sind ja wie versessenMit Einemmal auf Schreiberein?
Dacht’ ich’s doch,
Das fehlte mir gerade noch!
Mein Gott, Sie sind ja wie versessen
Mit Einemmal auf Schreiberein?
(Zu Sophie.)
Nun, Töchterchen, wir wollen das vergessen!Zwar können Träume seltsam sein,Doch in der Wirklichkeit hört man von Dingen,Die oft viel seltsamer noch klingen,Als das, was uns im Traum erscheint.Statt eines Kräutleins fand’st Du einen Freund,Doch schlage Dir das dumme ZeugNur aus dem Sinne gleich.Das Wunderliche hat nur selten Sinn,Drum geh’ hinein und leg’ Dich wieder hin.
Nun, Töchterchen, wir wollen das vergessen!
Zwar können Träume seltsam sein,
Doch in der Wirklichkeit hört man von Dingen,
Die oft viel seltsamer noch klingen,
Als das, was uns im Traum erscheint.
Statt eines Kräutleins fand’st Du einen Freund,
Doch schlage Dir das dumme Zeug
Nur aus dem Sinne gleich.
Das Wunderliche hat nur selten Sinn,
Drum geh’ hinein und leg’ Dich wieder hin.
(Zu Moltschálin.)
Wir wollen gehnUm die Papiere durchzusehn.
Wir wollen gehn
Um die Papiere durchzusehn.
Moltschálin.
Ich bracht’ sie eben dazu her,Denn sie bedürfen dessen sehr:Sie widersprechen sich und sind nicht in der Form.
Ich bracht’ sie eben dazu her,
Denn sie bedürfen dessen sehr:
Sie widersprechen sich und sind nicht in der Form.
Famussoff.
Herr Sekretair — das nehmen Sie zur Norm:Eins fürcht’ ich wie die Pest —Wenn man sich Schriften häufen läßt.Doch würdet Ihr nur Euren Willen haben,Man säße in Papier begraben.Drum merken Sie sich dieses Wort:Was unterzeichnet ist, muß fort!Ob’s richtig, ob es falsch auch sei,Mir einerlei! —
Herr Sekretair — das nehmen Sie zur Norm:
Eins fürcht’ ich wie die Pest —
Wenn man sich Schriften häufen läßt.
Doch würdet Ihr nur Euren Willen haben,
Man säße in Papier begraben.
Drum merken Sie sich dieses Wort:
Was unterzeichnet ist, muß fort!
Ob’s richtig, ob es falsch auch sei,
Mir einerlei! —
(Gehen ab, an der Thür läßtFamussoffdenMoltschálinvorangehen).
Sophie. Lisette.
Lisette.
Da haben Sie’s! Das sind die Früchte!Nun, eine saubere Geschichte!Doch Scherz bei Seit’, das war’ nicht gut,Ich bin ganz hin und mir ist schlecht zu Muth.Ein Fehler ist ja doch nicht „alle Welt“ —Doch schlimm ist’s, wenn die Leute davon reden.
Da haben Sie’s! Das sind die Früchte!
Nun, eine saubere Geschichte!
Doch Scherz bei Seit’, das war’ nicht gut,
Ich bin ganz hin und mir ist schlecht zu Muth.
Ein Fehler ist ja doch nicht „alle Welt“ —
Doch schlimm ist’s, wenn die Leute davon reden.
Sophie.
Mir einerlei, frei steht das einem jeden,Und schwatzen mag er, wie es ihm gefällt.Allein, der Vater wird uns was zu schaffen machen;Er ist so heftig und so rauh in solchen Sachen,Und so war’s immer,Allein von jetzt an wird’s gewiß noch täglich schlimmer.
Mir einerlei, frei steht das einem jeden,
Und schwatzen mag er, wie es ihm gefällt.
Allein, der Vater wird uns was zu schaffen machen;
Er ist so heftig und so rauh in solchen Sachen,
Und so war’s immer,
Allein von jetzt an wird’s gewiß noch täglich schlimmer.
Lisette.
Ich seh’s ja; es ist Gott zu klagen!Ich urtheil’ nicht nach Hörensagen;Drum — denken wir an alle Fälle:Sperrt er Sie ein und bleib’ ich nur zur Stelle,So steht die Sache immer noch ganz gut,Doch, Gott bewahr’, wollt’ er in seiner WuthMich und Moltschálin aus dem Hause jagenDann wären Sie doch wirklich zu beklagen!
Ich seh’s ja; es ist Gott zu klagen!
Ich urtheil’ nicht nach Hörensagen;
Drum — denken wir an alle Fälle:
Sperrt er Sie ein und bleib’ ich nur zur Stelle,
So steht die Sache immer noch ganz gut,
Doch, Gott bewahr’, wollt’ er in seiner Wuth
Mich und Moltschálin aus dem Hause jagen
Dann wären Sie doch wirklich zu beklagen!
Sophie.
Sieh’, ist das Schicksal nicht voll Eigensinn!Was Schlimmres geht uns oft so hin,Und schlimm geht’s wo wir gar nichts ahnen!Sanft floß die Zeit in dem Genuß der Kunst,Wir standen — schien’s — beim Schicksal recht in Gunst,Nicht Bangen noch Besorgniß fühlten wir,Und sieh’ — das Unglück saß schon vor der Thür!
Sieh’, ist das Schicksal nicht voll Eigensinn!
Was Schlimmres geht uns oft so hin,
Und schlimm geht’s wo wir gar nichts ahnen!
Sanft floß die Zeit in dem Genuß der Kunst,
Wir standen — schien’s — beim Schicksal recht in Gunst,
Nicht Bangen noch Besorgniß fühlten wir,
Und sieh’ — das Unglück saß schon vor der Thür!
Lisette.
Das kommt davon! — Sie haben leider nieAuf mich gehört und nun — nun sehen Sie! —Was braucht es besserer Propheten?Sie müssen dies Gefühl in Ihrem Herzen tödten.Ich sage Ihnen: hier auf ErdenWird draus in Ewigkeit nichts werden!Ihr Vater ist gerade so gesinntWie’s Alle hier in Moskau sind:Zum Schwiegersohne hätt’ er einen gernMit hohem Rang und Ordensstern;Doch trotz der Sterne und der RängeIst mancher dennoch in der Enge,Drum sucht er Ihnen auch noch einen reichen Mann,Der Aufwand macht und Bälle geben kann;Zum Beispiel: Scalosub gehört zu dieser Zahl —Ein Sack mit Gold gefüllt und nächstens General.
Das kommt davon! — Sie haben leider nie
Auf mich gehört und nun — nun sehen Sie! —
Was braucht es besserer Propheten?
Sie müssen dies Gefühl in Ihrem Herzen tödten.
Ich sage Ihnen: hier auf Erden
Wird draus in Ewigkeit nichts werden!
Ihr Vater ist gerade so gesinnt
Wie’s Alle hier in Moskau sind:
Zum Schwiegersohne hätt’ er einen gern
Mit hohem Rang und Ordensstern;
Doch trotz der Sterne und der Ränge
Ist mancher dennoch in der Enge,
Drum sucht er Ihnen auch noch einen reichen Mann,
Der Aufwand macht und Bälle geben kann;
Zum Beispiel: Scalosub gehört zu dieser Zahl —
Ein Sack mit Gold gefüllt und nächstens General.
Sophie.
Das wäre schön! Ein solcher fehlt mir g’rade!Er kennt ja nichts als Reih’n und Fronten und Parade.So ein Kamaschenheld!Aus seinem Mund, so lang er auf der WeltKam nie ein kluges Wort;Geh’ mir mit Deinem Oberst fort!Ins Wasser springen — ihn zum Ehgemahl,Das wär’ mir beides gleich fatal.
Das wäre schön! Ein solcher fehlt mir g’rade!
Er kennt ja nichts als Reih’n und Fronten und Parade.
So ein Kamaschenheld!
Aus seinem Mund, so lang er auf der Welt
Kam nie ein kluges Wort;
Geh’ mir mit Deinem Oberst fort!
Ins Wasser springen — ihn zum Ehgemahl,
Das wär’ mir beides gleich fatal.
Lisette.
Nun ja, er schwatzt und hat das Pulver nicht erfunden,Doch sagen Sie mir unumwunden:Wer hier wohl von Civil und MilitairBeredter, witziger und feiner wärAls Tschatzki — nun — ich wollte Sie nicht necken —Das ist nun längst vorbei, Gott weiß, wo er mag stecken —Doch die Erinnerung — —
Nun ja, er schwatzt und hat das Pulver nicht erfunden,
Doch sagen Sie mir unumwunden:
Wer hier wohl von Civil und Militair
Beredter, witziger und feiner wär
Als Tschatzki — nun — ich wollte Sie nicht necken —
Das ist nun längst vorbei, Gott weiß, wo er mag stecken —
Doch die Erinnerung — —
Sophie.
Oh, ich erinnere mich:Die Leute zu verspotten wußt’ er meisterlich!Er amüsirte mich — er wußte Spaß zu machen;Mit jedem kann man ja zusammen lachen.
Oh, ich erinnere mich:
Die Leute zu verspotten wußt’ er meisterlich!
Er amüsirte mich — er wußte Spaß zu machen;
Mit jedem kann man ja zusammen lachen.
Lisette.
Nur lachen? Ach, als er hier Abschied nahm,Schwamm er in Thränen ganz, als er von Ihnen kam.Ich sprach ihm zu: Was weinen Sie denn so?Sie reisen doch und sind nicht froh!„Ich weine, Lischen, nicht umsonst“ sprach er,„Die Trennung fällt mir, ach, so schwer!„Kehr ich zurück, was steht mir dann bevor,„Wer weiß zu sagen wohl, was ich alsdann verlor!“Der arme Herr, ihm ahnt’, daß in drei Jahren — — —
Nur lachen? Ach, als er hier Abschied nahm,
Schwamm er in Thränen ganz, als er von Ihnen kam.
Ich sprach ihm zu: Was weinen Sie denn so?
Sie reisen doch und sind nicht froh!
„Ich weine, Lischen, nicht umsonst“ sprach er,
„Die Trennung fällt mir, ach, so schwer!
„Kehr ich zurück, was steht mir dann bevor,
„Wer weiß zu sagen wohl, was ich alsdann verlor!“
Der arme Herr, ihm ahnt’, daß in drei Jahren — — —
Sophie.
Du könntest besser Deine Zunge wahren!Ich geb’ es zu, daß ich vielleichtIhn allzuschnell vergessen;Leicht handelt’ ich — indessenSag mir frei,Wem brach ich je die Treu’?Mit Tschatzki — freilich — bin ich auferzogen,Wir waren uns als Kinder recht gewogen,Beisammen stets, zu allen Stunden,Und durch Gewohnheit schon verbunden.Doch später endete der Frieden,Es kam mir vor, als hätt’ er uns gemieden.Es schien ihm hier nicht zu behagen,Und selten kam er noch ins Haus —Dann kam er plötzlich wieder — führte KlagenUnd sah verliebt und melancholisch aus.Er war von Witz und Schwermuth die Vereinung,Und scharf war für die Schwächen Anderer sein Blick;Doch hatt’ er in der Freundschaft sehr viel GlückUnd drum von sich die höchste Meinung.Und wie veränderlich war nicht sein Sinn!Die Lust zu reisen riß ihn plötzlich hin.Ach, wer uns wirklich liebt, der sucht nicht weiter GeistUnd bleibt so lang nicht fort!
Du könntest besser Deine Zunge wahren!
Ich geb’ es zu, daß ich vielleicht
Ihn allzuschnell vergessen;
Leicht handelt’ ich — indessen
Sag mir frei,
Wem brach ich je die Treu’?
Mit Tschatzki — freilich — bin ich auferzogen,
Wir waren uns als Kinder recht gewogen,
Beisammen stets, zu allen Stunden,
Und durch Gewohnheit schon verbunden.
Doch später endete der Frieden,
Es kam mir vor, als hätt’ er uns gemieden.
Es schien ihm hier nicht zu behagen,
Und selten kam er noch ins Haus —
Dann kam er plötzlich wieder — führte Klagen
Und sah verliebt und melancholisch aus.
Er war von Witz und Schwermuth die Vereinung,
Und scharf war für die Schwächen Anderer sein Blick;
Doch hatt’ er in der Freundschaft sehr viel Glück
Und drum von sich die höchste Meinung.
Und wie veränderlich war nicht sein Sinn!
Die Lust zu reisen riß ihn plötzlich hin.
Ach, wer uns wirklich liebt, der sucht nicht weiter Geist
Und bleibt so lang nicht fort!
Lisette.
Wo ist er hingereist?In welchem Land, an welchem Ort?Man sagte er curirt sich auf den Wässern;Krank ist er nicht —Er mögte wohl die Laune sich verbessern.
Wo ist er hingereist?
In welchem Land, an welchem Ort?
Man sagte er curirt sich auf den Wässern;
Krank ist er nicht —
Er mögte wohl die Laune sich verbessern.
Sophie.
Gewiß, dort ist er froh, wo Lächerliche sind!Der, den ich liebe, ist nicht so gesinnt;Der opfert sich für Andere mit Freuden,Stets artig ist er, stets bescheiden.Respectvoll ist er, niemals kühn —Verwegen sah ich niemals ihn.Er nimmt die Hand mir, drückt sie dann und wannAn’s volle Herz;Dann seufzt er, recht aus tiefster Seele —Allein kein freier ScherzKommt über seine Lippen. — Ich erzähleDie Wahrheit Dir; wir sitzen Hand in HandUnd blicken uns ins Auge unverwandt.(Lisette lacht)Du lachst! warum? Sag’, welch ein GrundIst hier, aus vollem Halse so zu lachen?
Gewiß, dort ist er froh, wo Lächerliche sind!
Der, den ich liebe, ist nicht so gesinnt;
Der opfert sich für Andere mit Freuden,
Stets artig ist er, stets bescheiden.
Respectvoll ist er, niemals kühn —
Verwegen sah ich niemals ihn.
Er nimmt die Hand mir, drückt sie dann und wann
An’s volle Herz;
Dann seufzt er, recht aus tiefster Seele —
Allein kein freier Scherz
Kommt über seine Lippen. — Ich erzähle
Die Wahrheit Dir; wir sitzen Hand in Hand
Und blicken uns ins Auge unverwandt.
(Lisette lacht)Du lachst! warum? Sag’, welch ein Grund
Ist hier, aus vollem Halse so zu lachen?
Lisette.
Ach Gott, das Lachen ist gesund;Ich lachte über andre Sachen:An Ihre Tante hab’ ich grad gedacht,Und über sie hab’ ich gelacht:Der Schmerz der Guten war so tief,Als der Franzose von ihr lief;Das Täubchen wollte vor Verzweiflung sterben,Ihr Haar zu färbenVergaß sogar die arme FrauUnd in drei Tagen — war sie grau!
Ach Gott, das Lachen ist gesund;
Ich lachte über andre Sachen:
An Ihre Tante hab’ ich grad gedacht,
Und über sie hab’ ich gelacht:
Der Schmerz der Guten war so tief,
Als der Franzose von ihr lief;
Das Täubchen wollte vor Verzweiflung sterben,
Ihr Haar zu färben
Vergaß sogar die arme Frau
Und in drei Tagen — war sie grau!
(Sie lacht.)
Sophie(verdrießlich).
Solch dummes Zeug wird man von mir auch sagen!
Solch dummes Zeug wird man von mir auch sagen!
Lisette.
Verzeihen Sie, das wird wohl Niemand wagen,Ich hatte mir nur vorgenommenNach so viel ärgerlichen DingenZum Lachen etwas Sie zu bringen.
Verzeihen Sie, das wird wohl Niemand wagen,
Ich hatte mir nur vorgenommen
Nach so viel ärgerlichen Dingen
Zum Lachen etwas Sie zu bringen.
Die Vorigen. Ein Diener.
Diener.
Herr Tschatzki ist so eben angekommen.
Herr Tschatzki ist so eben angekommen.
(Ab.)
Die Vorigen. Tschatzki.
Tschatzki.
Kaum tagt’s — und ich bin da und lieg’ zu Ihren Füßen!
Kaum tagt’s — und ich bin da und lieg’ zu Ihren Füßen!
(Küßt ihr die Hand mit Feuer.)
Was giebt’s? Sie wollen mich nicht wieder küssen? —Sie haben mich erwartet? Nicht?Sind sie erfreut? — Ach nein! — Sehn Sie mir ins Gesicht!Sie sind verwirrt! — Nichts mehr? — Welch ein Empfang?Als ob die Trennung keine Woche lang!Als ob wir gestern uns zu zweienAuf’s schrecklichste gelangweilt hätten.Kein Fünkchen Liebe, wie? Und ich — der hundert MeilenDurchflog in Sturm und Wetter ohne Weilen —Ich, voller Sehnsucht und mit Herzensbeben —Ich stürme her auf Tod und Leben —Wie oft warf nicht der Schlitten mit mir um —Nicht schloß mein Auge sich in fünf und vierzig Stunden,UnddieBelohnung hat mein Heldenmuth gefunden!
Was giebt’s? Sie wollen mich nicht wieder küssen? —
Sie haben mich erwartet? Nicht?
Sind sie erfreut? — Ach nein! — Sehn Sie mir ins Gesicht!
Sie sind verwirrt! — Nichts mehr? — Welch ein Empfang?
Als ob die Trennung keine Woche lang!
Als ob wir gestern uns zu zweien
Auf’s schrecklichste gelangweilt hätten.
Kein Fünkchen Liebe, wie? Und ich — der hundert Meilen
Durchflog in Sturm und Wetter ohne Weilen —
Ich, voller Sehnsucht und mit Herzensbeben —
Ich stürme her auf Tod und Leben —
Wie oft warf nicht der Schlitten mit mir um —
Nicht schloß mein Auge sich in fünf und vierzig Stunden,
UnddieBelohnung hat mein Heldenmuth gefunden!
Sophie.
Ach Tschatzki, wie mich’s freut, Sie wieder hier zu sehn!
Ach Tschatzki, wie mich’s freut, Sie wieder hier zu sehn!
Tschatzki.
Sie sind erfreut? Ei das ist schön!Doch muß ich aufrichtig gestehn:Die Freude pflegt wohl anders auszusehn!Mir scheint es fast zuletzt,Als ob mein JagenUnd Pferd- und Leute-PlagenMich wohl nur ganz allein ergötzt!
Sie sind erfreut? Ei das ist schön!
Doch muß ich aufrichtig gestehn:
Die Freude pflegt wohl anders auszusehn!
Mir scheint es fast zuletzt,
Als ob mein Jagen
Und Pferd- und Leute-Plagen
Mich wohl nur ganz allein ergötzt!
Lisette.
Wenn Sie gelauscht doch an der Thür —Bei Gott, vor fünf Minuten sprachen wirVon Ihnen noch! Das Fräulein wird es sagen!Nicht wahr? Hier sprachen wir, in diesem Zimmer?
Wenn Sie gelauscht doch an der Thür —
Bei Gott, vor fünf Minuten sprachen wir
Von Ihnen noch! Das Fräulein wird es sagen!
Nicht wahr? Hier sprachen wir, in diesem Zimmer?
Sophie(ironisch).
Und nicht nur jetzt, nein — immer!Sie haben keinen Grund zu klagen,Denn Niemand konnt’ vom Ausland kommen,Den ich um Nachricht nicht befragt:Ob er von Ihnen nichts vernommen?Doch Niemand hat mir was gesagt.Wer nur besuchte unser Haus,Selbst Weltumsegler fragt’ ich aus,Ob man Sie nicht gesehen hätteIn — irgend einer Postcarette!
Und nicht nur jetzt, nein — immer!
Sie haben keinen Grund zu klagen,
Denn Niemand konnt’ vom Ausland kommen,
Den ich um Nachricht nicht befragt:
Ob er von Ihnen nichts vernommen?
Doch Niemand hat mir was gesagt.
Wer nur besuchte unser Haus,
Selbst Weltumsegler fragt’ ich aus,
Ob man Sie nicht gesehen hätte
In — irgend einer Postcarette!
Tschatzki.
Schon gut, es mag drum sein!Beglückt wer glaubt, ihm geht es wohl auf Erden! —Mein Gott! So ist es wahr, daß ich zurück!Daß ich durchflog so weite Räume!Daß ich Sie fand, doch nicht den alten BlickAus jener Zeit der Jugendträume?Wo sind die Stunden hin, wo wir noch spieltenUnd nichts als Lust im Busen fühlten!!Hier pflegten wir uns zu verstecken,Das war ein Lärmen, war ein Necken;Wir sprangen über Stuhl und Bett —Ihr Vater spielte dort PiquetMit Ihrer alten, guten Bonne,Und in dem dunkeln Winkel — hier —Da saßen oft als frohe Kinder wir,Und schreckten auf beim Knarren jeder Thür;O Kinderzeit, o Zeit der Wonne!
Schon gut, es mag drum sein!
Beglückt wer glaubt, ihm geht es wohl auf Erden! —
Mein Gott! So ist es wahr, daß ich zurück!
Daß ich durchflog so weite Räume!
Daß ich Sie fand, doch nicht den alten Blick
Aus jener Zeit der Jugendträume?
Wo sind die Stunden hin, wo wir noch spielten
Und nichts als Lust im Busen fühlten!!
Hier pflegten wir uns zu verstecken,
Das war ein Lärmen, war ein Necken;
Wir sprangen über Stuhl und Bett —
Ihr Vater spielte dort Piquet
Mit Ihrer alten, guten Bonne,
Und in dem dunkeln Winkel — hier —
Da saßen oft als frohe Kinder wir,
Und schreckten auf beim Knarren jeder Thür;
O Kinderzeit, o Zeit der Wonne!
Sophie.
Ja — Kinderei’n!
Ja — Kinderei’n!
Tschatzki.
Ja, Zeiten die da waren!Sie wuchsen auf! — Mit siebzehn JahrenSind Sie jetzt unvergleichlich schön,Und wissen es, das müssen Sie gestehn,Und darum schau’n Sie sittsam Niemand an.Sind Sie verliebt? Und wär’s mein Tod,O, sagen Sie es schnell! Sie werden roth?!
Ja, Zeiten die da waren!
Sie wuchsen auf! — Mit siebzehn Jahren
Sind Sie jetzt unvergleichlich schön,
Und wissen es, das müssen Sie gestehn,
Und darum schau’n Sie sittsam Niemand an.
Sind Sie verliebt? Und wär’s mein Tod,
O, sagen Sie es schnell! Sie werden roth?!
Sophie.
Wer würde nicht verlegen werdenBei solchen Fragen und Geberden?
Wer würde nicht verlegen werden
Bei solchen Fragen und Geberden?
Tschatzki.
So bitt’ ich Sie, mir doch zu sagen:Wonach sollt’ ich in Moskau sonst wohl fragen?Es herrscht doch stets das alte Einerlei;Ein Ball ist heute, morgen zwei.Der feiert Hochzeit, einem ist’s gelungen —Ein andrer hat sich einen Korb errungen.Die alte, ewige Geschichte,Und in den Stammbüchern die nämlichen Gedichte! —
So bitt’ ich Sie, mir doch zu sagen:
Wonach sollt’ ich in Moskau sonst wohl fragen?
Es herrscht doch stets das alte Einerlei;
Ein Ball ist heute, morgen zwei.
Der feiert Hochzeit, einem ist’s gelungen —
Ein andrer hat sich einen Korb errungen.
Die alte, ewige Geschichte,
Und in den Stammbüchern die nämlichen Gedichte! —
Sophie.
Das arme Moskau! Ja, das kommt vom Reisen her!Wo ist das Wunderland, wo es denn besser wär?
Das arme Moskau! Ja, das kommt vom Reisen her!
Wo ist das Wunderland, wo es denn besser wär?
Tschatzki.
Wo wirnichtsind! — Ach sagen Sie mir doch:Was macht Ihr Vater? Ist er nochDem Clubb, dem Englischen nach hies’gem BrauchStets treu ergeben bis zum letzten Hauch?Und dann Ihr Ohm, sieht man ihn stets auf Bällen schweben?Wie? Oder hat er endlich ausgetanzt?Und Jener, nun, mit dem Zigeunerteint?Ein Türke oder Griech’ — Sie wissen, wen ich meine —Er hatte wie ein Storch, so schrecklich lange Beine —Er war allüberall zu sehenAuf Bällen und auf Assemblee’n,Und ganz besonders immerIn jedem Speisezimmer? —Und dann die drei Lion’s vom Boulevard?Die jungen Herrn seit funfzig Jahr!Die Ueberreichen — an Verwandten;Ich glaube sicherlich,Daß an der Million nur wen’ge fehlten,Da sie, durch ihrer Schwestern Hülfe, sichVerwandt mit ganz Europa zählten. —Nun dann — und unsere Theatersonne!Der edle Mann, der keine höhere WonneAls Maskarad’ und Schauspiel hat!DieWorte standen stets auf seiner Stirn geschrieben;Wo ist der Treffliche geblieben?Sein Haus war grün gemalt, wie ein Zigeunerlager,Er war der größte Fettwanst in der Stadt,Doch seine Künstler waren — mager!Auf einem Ball bei ihm, da stand,Erinnern Sie’s? verborgen hinter einer WandEin Kerl dem er befohlenZu trillern und zu johlenWie eine Nachtigall;Er sollt’ uns von dem BallWohl in den Lenz versetzen;Ein herrliches Ergötzen!Die Nachtigall, die Sängerin der Haine,Auf einem Ball beim Lampenscheine!Und Ihr schwindsücht’ger Vetter da, der Bücherfeind,Der einst in dem gelehrten Comité erscheintUnd mit Geschrei und Eidschwur wollte,Daß niemand lesen oder schreiben lernen sollte.Die Alle soll ich wiedersehn!!Die Plage ist kaum auszustehn. —Doch Fehl und FleckenKann man bei jedem wohl entdecken,Und wer nach Hause kehret, demIst auchDer RauchDer Heimath süß und angenehm.
Wo wirnichtsind! — Ach sagen Sie mir doch:
Was macht Ihr Vater? Ist er noch
Dem Clubb, dem Englischen nach hies’gem Brauch
Stets treu ergeben bis zum letzten Hauch?
Und dann Ihr Ohm, sieht man ihn stets auf Bällen schweben?
Wie? Oder hat er endlich ausgetanzt?
Und Jener, nun, mit dem Zigeunerteint?
Ein Türke oder Griech’ — Sie wissen, wen ich meine —
Er hatte wie ein Storch, so schrecklich lange Beine —
Er war allüberall zu sehen
Auf Bällen und auf Assemblee’n,
Und ganz besonders immer
In jedem Speisezimmer? —
Und dann die drei Lion’s vom Boulevard?
Die jungen Herrn seit funfzig Jahr!
Die Ueberreichen — an Verwandten;
Ich glaube sicherlich,
Daß an der Million nur wen’ge fehlten,
Da sie, durch ihrer Schwestern Hülfe, sich
Verwandt mit ganz Europa zählten. —
Nun dann — und unsere Theatersonne!
Der edle Mann, der keine höhere Wonne
Als Maskarad’ und Schauspiel hat!
DieWorte standen stets auf seiner Stirn geschrieben;
Wo ist der Treffliche geblieben?
Sein Haus war grün gemalt, wie ein Zigeunerlager,
Er war der größte Fettwanst in der Stadt,
Doch seine Künstler waren — mager!
Auf einem Ball bei ihm, da stand,
Erinnern Sie’s? verborgen hinter einer Wand
Ein Kerl dem er befohlen
Zu trillern und zu johlen
Wie eine Nachtigall;
Er sollt’ uns von dem Ball
Wohl in den Lenz versetzen;
Ein herrliches Ergötzen!
Die Nachtigall, die Sängerin der Haine,
Auf einem Ball beim Lampenscheine!
Und Ihr schwindsücht’ger Vetter da, der Bücherfeind,
Der einst in dem gelehrten Comité erscheint
Und mit Geschrei und Eidschwur wollte,
Daß niemand lesen oder schreiben lernen sollte.
Die Alle soll ich wiedersehn!!
Die Plage ist kaum auszustehn. —
Doch Fehl und Flecken
Kann man bei jedem wohl entdecken,
Und wer nach Hause kehret, dem
Ist auch
Der Rauch
Der Heimath süß und angenehm.
Sophie.