2. Pampangos.Die Pampangos wohnten zur Zeit der Conquista und noch im XVII. Jahrhundert an den nördlichen Gestaden der Bai von Manila, und ihre Wohnsitze erstreckten sich von da bis an den Knotenpunkt des mächtigen Caraballo Central, ohne aber im Gebirge selbst Fuss zu fassen. Heutzutage sind sie durch die Tagalen beinahe ganz vom Meere getrennt, und die wenigen dort lebenden Pampangos werden schnell „tagalisirt”. Die heutigen Wohnsitze der Pampangos befinden sich in folgenden Provinzen: Porac, Tarlac, Pampanga, Bataán, Zambáles und Nueva Écija. Porac und Tarlac werden nahezu ausschliesslich von Pampangos bewohnt, Pampanga in überwiegender Mehrzahl, doch beginnt die seit Anfang dieses Jahrhunderts immer grössere Dimensionen annehmende Einwanderung der Ilocanen die Herrschaft des Pampango-Dialektes stark zu gefährden. In Nueva Écija werden die nordöstlichen, in Bataán die nordwestlichen und in Zambáles die westlichen Territorien dieser Provinzen von den Pampangos eingenommen.In ihrer körperlichen Erscheinung, wie in ihren Sitten und Bräuchen gleichen sie unter allen Malaien Luzons am meisten den Tagalen, so dass alles von diesen Gesagte auch für die Pampangos volle Geltung hat. Sie galten und gelten auch noch jetzt als die tapfersten unter den Malaien der Philippinen, die eingeborenen Truppen der Spanier recrutirten sich bis auf die Einführung der Conscription zum grössten Theile aus diesem kriegerischen Stamme, und sie haben ihrem Rufe überall Ehre gemacht, sowohl in den Kämpfen gegen die mohammedanischen Fürsten der Molukken, von Mindanao und Sulu als auch gegen europäische Soldaten, gegen Holländer und Briten. Bei der Unterdrückung der furchtbaren Chinesenaufstände von 1603 und 1639 haben sie sich besondere Verdienste erworben.Als die Spanier sie unterwarfen (1571) waren sie zum grössten Theile Heiden, doch hatte auch hier der Islam bereits Eingang gefunden. Ihre ursprüngliche Religion kannte auch den Ahnencultus der Tagalen und war auch sonst mit jener der Tagalen identisch. Sie sind dann durch die Spanier zum Katholicismus bekehrt worden, doch gab es noch i. J. 1848 Heiden unter ihnen, denn Diaz Arenas spricht von 100 unterworfenen heidnischen (infieles) Pampangos, welche in dem erwähnten Jahre der spanischen Herrschaft unterworfen waren.Sie besitzen auch Schlangenbeschwörer, welche Schlangenbisse heilen, diese Heilkünstler werden „Tavac” genannt (Mozo 97). Ihre Industrie ist im Vergleiche zu jener der Tagalen gering, sie umfasst dieselben Zweige wie bei den letzteren.3. Zambalen (Zambales).Die Zambalen oder Tinos bewohnen den mittleren und südlichen Theil der Provinz Zambáles, doch sind sie als wilde Bergstämme in geringer Zahl auch in den nördlichsten Theilen von Bataán anzutreffen. Erst zu Ende des XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts gelang es den Spaniern mehr durch den Eifer der Missionäre als durch Waffengewalt sie zu unterwerfen, obgleich noch heute ein nicht unbeträchtlicher Theil dieses blutdürstigen Stammes in den Bergwildnissen entweder volle Unabhängigkeit behauptet oder durch Zahlung einer geringen Geldsumme sich die Freiheit sichert.Die Zambalen zur Zeit der Conquista trugen das Haar bis auf eine frei herabwallende Locke geschoren (Morga-Stanley 269), von ihrer sonstigen Tracht wird Nichts erwähnt. Ihre Waffen waren Lanze, Schild, Messer und Pfeile, welche sie gut zu brauchen wussten. Sie lebten in Polygamie (Cañamaque, Filipinas 226). Grössere Hausthiere, nämlich Büffel (?), Rinder und Pferde erhielten sie erst durch die Missionäre (Cañamaque, Filipinas 134), Ackerbau scheint weniger als die Jagd getrieben worden zu sein, was vielleicht auf eine starke Beimischung von Negritoblut hinweist. Andererseits erwähnen Buzeta und Bravo, dass sie ein dem tagalischen ähnliches Alphabet besessen hätten, was für eine höhere Culturstufe spricht. Ihre Dörfer wurden nur von 10–30 Familien bewohnt und bildeten jedes einen Staat für sich, so dass wir hier derselben staatlichen Zersplitterungbegegnen, wie bei den Tagalen. Die Häuptlinge waren bejahrte Leute, welche nur einen geringen Einfluss auf ihre Untergebenen auszuüben vermochten. Die einzelnen Dörfer waren in beständige Fehden miteinander verwickelt, eine Folge ihrer eigenthümlichen Sitten. Starb nämlich Jemand, so legten seine Hinterbliebenen Trauer, d. h. eineschwarzeKopfbinde an, welche sie nicht eher ablegen durften, als bis sie Jemanden getödtet hatten, was an eine ähnliche Sitte der Negritos lebhaft erinnert. Dann wurde die Binde abgelegt und die Trauer mit einem Saufgelage beendet. Ein Mord oder Todtschlag innerhalb eines und desselben Tribus wurde entweder mit Gold oder Silber gesühnt oder es wurde der Familie ein Sclave oderNegrito(Cañamaque, Fil. 128) gegeben, um als Sühnopfer abgeschlachtet zu werden.Die Zambalen waren wie noch jetzt die Dayaks wüthende Kopfjäger, je mehr Köpfe erschlagener Feinde ein Zambal von einem Kriegszuge heimbrachte, desto höher stand er im Ansehen der Seinen, wodurch ihre angeborene Mordlust noch mehr gesteigert wurde (Cañamaque, Filipinas 126). Sie stiegen deshalb von den Gebirgen in die Ebenen der benachbarten christlichen Provinzen und lauerten Reisenden auf oder suchten zur Nachtzeit sich an die Dörfer heranzuschleichen. Die Schädel der Erschlagenen benutzten sie angeblich (Mozo 86) als Trinkgefässe. Auf einer Art Trophäe, welche sie beständig mit sich herumtrugen, machten sie die Zahl der erbeuteten Schädel ersichtlich (Cañamaque, Fil. 127). Nach P. Juan Ferrando (Historia de los P. P. Dominicos en las Islas Filipinas in Cañamaque, Filipinas 124) pflegten die Zambalen in ihrer Gier nach Feindesschädeln jeden Menschen zu tödten, der nicht gerade zu ihrem Stamme gehörte, und führten dann um die Schädel „satanische” Tänze auf; Ähnliches berichtet Mozo (l. c.), indem er erwähnt, dass sie die abgeschlagenen Köpfe zur Verherrlichung ihrer Feste heimschleppen. Durch diese Kopfjägerei unterscheiden sie sich auffallend von den Tagalen und Pampangos, welche diese Sitte nicht kannten.Die Religionen der alten Tagalen und Zambalen waren nicht, wie Buzeta und Bravo berichten, identisch, aber doch sehr ähnlich. Sie kannten einen obersten Gott („Malyari”), zwei minder mächtige Hauptgottheiten Acasi und Manglobag und eine Anzahl Diiminores. Der Priesterstand spielte bei ihnen eine wichtigere Rolle als bei den übrigen Malaien der Philippinen. Der Hohepriester oder Papst („Bayoc”) weihte den einzelnen Gottheiten unter langen Ceremonien die Priester. Nach Ferrando (Cañamaque, Fil. 129) spendete der Bayoc auch—wenn gleich selten—eine Art Taufe mit Schweineblut, wie denn auch hier, wie überall in diesem Archipel, das Schwein als das den Göttern angenehmste Opferthier galt. Die heiligen Feste arteten in Orgien aus. Wie viele von diesen Bräuchen sich noch heute bei den unabhängigen Zambalen (den „Cimarrones” oder „Infieles”5) erhalten haben, ist mir unbekannt. Sie leben in kleinen Dörfchen (Rancherías), deren Häuptlinge (Reyes oder Reyezuelos) den Verkehr mit den spanischen Behörden vermitteln. Sie leben von erlegtem Wilde, Honigwaben und Bataten (Camote), deren Anbau ihnen erst durch die Spanier bekannt wurde. Reis kaufen sie von ihren christlichen civilisirten Brüdern und bezahlen ihn mit den von den Chinesen hochgeschätzten Bezoarsteinen und Tabak, den sie heimlich bauen und in der Nachtzeit in die christlichen Dörfer einschmuggeln6. Die meisten Horden stehen zu den Spaniern auf dem Kriegsfuss, wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil die spanischen Finanzwächter ihre Tabakpflanzungen vernichten, doch scheint ihre Mordlust und Kopfjägerei längst erloschen zu sein, sie sind froh, wenn man ihnen Ruhe giebt.Die christlichen Zambalen weisen dieselbe Tracht auf wie die Tagalen, deren Agricultur und Industrie auch die ihre ist, wenn auch letztere noch in den Kinderschuhen liegt. Ein Rest alter heidnischer Sitte zeigt sich bei den Leichenfeierlichkeiten. So lange die Leiche im Sterbehause liegt, werden alle Eintretenden mit Speise und Trank reichlich bewirthet, und ungenirt zeigt sich allenthalben unter den Gästen frohe Lustbarkeit. Auch bei dem eigentlichen Begräbnisse herrscht keine Trauer, nur das gemiethete Klageweib heult in ohrzerreissenden Tönen hinter dem Sarge (Cañamaque, Recuerdos I, 21 u. f.). Ob der Ahnencultus bei den christlichen Zambalen sich ebenso erhalten hat wie bei den Tagalen, ist mir unbekannt geblieben.Es scheint nicht als ob die Zambalen sich als besonderer Dialektstamm werden erhalten können, die zahlreichen Einwanderer von Ilócos drohen vermöge ihrer activen Kraft diesen an und für sich schwachen Stamm ganz in sich aufzusaugen, wie diess in Bataán durch die Tagalen geschehen ist.4. Pangasinanen (Pangasinanes).Die Pangasinanen bewohnen die westlichen und südlichen Gestade des Golfes von Lingayen. Auch sie werden von den Ilocanen mehr und mehr zurückgedrängt; in den Zeiten Don Juan de Salcedo’s waren die südlichen Küstenstriche der heutigen Provinz La Union von Pangasinanen besiedelt, wo jetzt der Ilocos-Dialekt der herrschende ist. Selbst in dem Stammlande dieses Malaienzweiges, in Pangasinán, behaupten sie sich nur noch an dem Meeresstrande, das ganzeHinterland und der nördliche Theil dieser Provinz ist der friedlichen Invasion der thätigen Ilocanen anheimgefallen, welche in diesen Strichen Luzons dieselbe Rolle spielen, wie die angelsächsischen Squatter unter den spanischen Hacenderos von New Méjico und Tejas. Pangasinanen sind als Colonisten auch in dem District Benguet anzutreffen, Niederlassungen derselben findet man auch in der Provinz Nueva Écija. Compact aber wohnen sie, wie gesagt, nur am Golf von Lingayen vom Cap Bolinao bis S. Fabian.Seit 1572 sind sie der spanischen Krone unterworfen, seit 1574–76 auch ziemlich alle christianisirt worden, so dass wir bei ihnen dieselben Einrichtungen und Institutionen, Tracht und Bräuche antreffen, wie bei den Tagalen. Die Pangasinanen sind sehr fleissige Ackerbauer, Reis, Zuckerrohr und Indigo werden stark gebaut (Scheidnagel 29), der Reis speciell wird in grossen Massen exportirt, und nicht allein nach China, sondern auch nach Annam und Siam (Jagor, 239) ausgeführt. Mais wird gleichfalls sehr stark gebaut, doch dient er nur zum Viehfutter; nur in Zeiten, wo die Reisernte missrathen ist, auch zur Nahrung der Menschen (Ilustr. 1861, p. 104). Ausgedehnte Cocospflanzungen sind allenthalben zu finden, in welchen unter anderen die schöne und von den Indiern so hochgeschätzte Macalimba-Varietät dieser Palme bevorzugt wird. In den Zeiten der Conquista waren die Cocoshaine (Cocales) viel ausgedehnter als wie heute, wo der Mais- und Indigobau sowie die Pflege des Zuckerrohrs die Pangasinanen die Cultur dieser Palme um so eher vernachlässigen liess, als einige Mal ein kleines Insect riesige Cocosbestände in kurzer Zeit verwüstete.Ihre Industrie beschäftigt sich mit denselben Artikeln wie jene der Tagalen, als besondere Specialitäten der Pangasinan-Industrie werden sehr feine Hüte aus Nito- und Bejuco-Geflecht genannt (Scheidnagel 30). Aus der Rinde des Coliao-Baumes arbeiten sie sehr haltbare Taue und Stricke, welche nach dem Baume Coliaos heissen (Scheidnagel 127).Zur Zeit der Conquista hatten sie dieselben religiösenAnschauungenwie die Tagalen, heute sind alle insgesammt Katholiken. Heiden giebt es nicht mehr unter ihnen, auch findet bei den Pangasinanen seltener das „Remontarse” Statt, d. h. die Flucht in die Wälder, um dort wie ein Wilder zu leben.5. Ilocanen (Ilocanos).Zur Zeit der Conquista bewohnten die Ilocanen einen schmalen Küstenstrich vom Golf von Lingayen an bis hinauf zum Cap Bogeador. Nach dieser Zeit breiteten sie sich, zum Theil unter dem Schutze der spanischen Bajonnette, immer weiter und weiter aus. Sie besitzen eine grössere Expansivkraft als die so vielgepriesenen Tagalen. Heute bewohnen die Ilocanen die Provinzen Ilócos Norte (nur den Küstenstrich), Abra (neben Tinguianen und Igorroten), Ilócos Súr und La Union. Dann haben sie den nördlichen Theil und das Hinterland von Pangasinán inne. Zahlreiche ilocanische Einwanderer haben das fast gänzlich entvölkerte Thal von Benguet mit hoffnungsvollen Ansiedelungen versehen, in Zambáles, Pampanga und Nueva Écija ist ihre Zahl beständig im Steigen begriffen, dasselbe gilt vom westlichen Küstenstrich von Cagayán. Selbst nach den Batanes- und Babuyanes-Inseln treibt sie ihre rege Wanderlust, ja sogar im District Príncipe, an der Ostküste Luzons, haben sie sich als strebsame Colonisten mitten unter Tagalen und Ilongoten niedergelassen. In den Districten Lepanto und Bontoc sind sie gleichfalls mitten unter den Bergstämmen der Igorroten zu finden, doch muss hier ausdrücklich bemerkt werden, dass in diesen beiden Districten alle getauften Indier, gleichgültig ob sie nun Igorroten, Buriks sind, Ilocanos genannt werden, ohne Rücksicht auf ihre Abkunft (Lillo Gracia 17). Es pflegen auch in der That die getauften Igorroten die Sprache der (ihnen nahe verwandten?) Ilocanen ganz anzunehmen, und es mag vielleicht diese—freilich geringe—Beimischung mit dem Blute dieses so tapferen und kräftigen Bergvolkes auch etwas zu der lebendigen Kraft und Expansionsfähigkeit beigetragen haben, welche die Ilocanen so vortheilhaft vor der Passivität der übrigen Indios civilisados auszeichnet.Die Tracht gleicht mehr oder minder jener der Tagalen. Unentbehrlich erscheint ihnen das Waldmesser „Sual”, welches sowohl zum Bearbeiten der Erde als auch zum Behauen der Balken und Fällen der Bäume dient (Scheidnagel 124). Als Jagdwaffe benutzen sie denselben Wurfspiess wie die Igorroten, den sie gleichfalls „Cayang” nennen.Sie bauen Reis, Indigo, Mais, Zuckerrohr, Cacao, Kaffee, Cocos, Oliven und Weinreben (Ilustr. 1860, n. 14, p. 164) und überdiess Baumwolle (Ilustr. a. a. O., Cañamaque, Filip. 29). Die Hauptnahrung ist auch hier der Reis, nächst diesem werden sehr viele Fische genossen; aus dem Fische Ipon oder Dolon, der massenhaft gefangen wird, bereitet man durch Einsalzen desselben die Speise „bayon” (Ilustr. 1860, n. 12, p. 152). Die Viehzucht ist in blühendem Zustande, indem die Ilocanen an den Bergvölkern gute Käufer ihrer Büffel, Rinder und Schweine finden. Die Pferde von Ilócos gehören angeblich zu den besten der Philippinen (Ilustr., l. c.). Früher war Viehraub an der Tagesordnung (Mas, pobl. 80).Die Industrie der Ilocanen ist ziemlich entwickelt, sie besitzen sogar eine Specialität, nämlich aus Baumwolle gewebte Mäntel, die sogenannten „mantas de Ilócos”, welche einen wichtigen Exportartikel nach den übrigen Theilen von Nord-Luzon bilden. Nach Diaz Arenas (p. 291) liefertIlócos Sur ausgezeichnete Sinamay- und Nipis-Zeuge. In Ilócos Norte kommt die Abacá (Manilahanf) nicht mehr fort, als Surrogat dient die Mague-Pflanze, deren Fasern ähnliche Eigenschaften besitzen (Ilustr. 1860, n. 17, p. 200). Sonstige Industrieartikel entsprechen den tagalischen. Scheidnagel nennt drei Ölgattungen, welche in Ilócos erzeugt werden: Palo-María, Macabujay und Tagumbao.Über ihre Religion zur Zeit der Conquista ist mir Nichts bekannt, sie wurden durch den Cortés der Philippinen, Don Juan de Salcedo, der spanischen Krone unterworfen, und sind schon über drei Jahrhunderte Christen. Aus den Zeiten ihrer Unabhängigkeit datirt das grosse Missverhältniss zwischen Reich und Arm. Die Edelleute (principales) haben den Reichthum in ihren Händen, ihnen gegenüber steht die grosse Masse der immer mehr verkommenden Plebejer, der sogenannten Cailianes. Die Edelleute pflegten den Cailianes Seide oder Baumwolle zu geben, welche sie zu Geweben verarbeiten sollten. Bei der Ablieferung derselben pflegten die Cailianes bedeutend verkürzt zu werden, indem die Principales bald schlechte Beschaffenheit des Gewebes oder zu geringes Gewicht zum Vorwande nahmen, um die Cailianes zu ihren ihnenrettungslosverfallenen Schuldnern zu machen, indem sie ihnen keinen Lohn zahlten (Mas, hist. II, 60). Diese harte Bedrückung verursachte zwei blutige Plebejer-Aufstände in den Jahren 1762 und 1811. Obwohl diese Übelstände in der Neuzeit so ziemlich beseitigt erscheinen, so ist es vielleicht nicht unwahrscheinlich, die rege Auswanderungslust der Ilocanen auf die unerquicklichen Verhältnisse der Heimath zurückzuführen.6. Ibanags oder Cagayanen (Cagayanes).Die Ibanags werden gewöhnlich Cagayanes genannt, weil ihr Hauptsitz die Landschaft Cagayán und der Unterlauf des gleichnamigen Stromes ist. Diejenigen von ihnen, welche auf den Batanes- und Babuyanes-Inseln wohnen, wurden früher als ein besonderer Stamm angesehen, doch lässt sich hierüber nichts Sicheres sagen, da unsere Nachrichten über die Batanes mehr als spärlich sind. Sie bewohnen die Babuyanes-Gruppe, welche auch den Namen Islas de Ibanag führen, die Batanes-Inseln, ferner das Küstengebiet der Provinz Cagayán; ihre Ansiedelungen gehen das Thal des Rio Grande de Cagayán hinauf bis nach Furao hin in der Provinz Isabela. Der Ibanag-Dialekt dient im ganzen Stromgebiete des Rio Grande als Verkehrssprache mit den wilden Bergstämmen, es dürfte hier das Ibanag-Idiom nach und nach die Sprachen jener Horden vollständig verdrängen. Ich glaube, dass ein ähnlicher Vorgang auch auf den Batanes sich abgespielt hat, denn die Beschreibung, welche Dampier von jenen „Bashee”-Insulanern giebt, lässt sich schwer mit den Schilderungen in Übereinstimmung bringen, welche uns die Spanier von dem Habitus, der Tracht und Lebensweise der Cagayanen zur Zeit der Conquista niederschrieben. Baron Hügel schreibt über die Batanes (S. 69): „Die Bewohner werden als ein starker, gutmüthiger und vollkommen harmloser Menschenstamm geschildert”. Diess stimmt nicht mit dem Charakter der Ibanags Luzons überein, denn diese werden einstimmig von allen Schriftstellern, von den ältesten bis zu den modernsten herab, als ein kriegerischer und trotziger Stamm geschildert, und es hat auch in der That den Spaniern die Eroberung Cagayans mehr Blut gekostet, als jene der übrigen Provinzen Luzons. Reisbau, Schweine- und Ziegenzucht, sowie die Bereitung eines Branntweines aus Zuckerrohr oder Reis entsprechen ganz den ähnlichen Verhältnissen von Cagayán. Den Golddraht, den die Batanes um die Arme tragen, trugen die Cagayanen in den Zeiten der Conquista ebenfalls. Nach Waitz (Anthr. V, 62) sind die Bewohner physisch den Dayaks ähnlich, auf S. 101 werden sie wie folgt beschrieben: Farbe: dunkelkupferbraun, Gestalt: klein und untersetzt, Gesicht: rund, Stirne: niedrig, Augen: klein mit starken Augenbrauen, Nase: kurz und klein, Haar: dick und schlicht. Diese Beschreibung entspricht auch dem Bilde der Cagayanen.Die Ibanags von Cagayán sind seit dem XVI. Jahrhundert Christen, ebenso jene der Babuyanen, die Batanes sind aber noch zum grösseren Theile Heiden, leider ist es mir nicht möglich gewesen, etwas über ihre Religion zu erfahren. Die Cagayanen bekannten sich in der Zeit der Conquista ebenfalls zu einer Art von Ahnencultus, wie die Tagalen, Pampangos &c.Wie bei den naheverwandten Ilocanen war auch hier die tiefe Scheidewand zwischen den Edelleuten und Plebejern vorhanden. Die letzteren heissen in Cagayan „timavas”, was wohl mit dem tagalischen „timauas” identisch ist, womit bei den Tagalen Freigelassene in den Zeiten vor der Conquista benannt wurden. Auch hier machte sich der Hass der unterdrückten Kaste durch blutige Aufstände Luft.Die Ibanags von Cagayan und Isabela bauen dieselben Pflanzen wie die Ilocanen, die Hauptmasse der Bevölkerung widmet sich aber—zwangsweise—dem Tabaksbau, denn der Tabak dieser beiden Provinzen ist der beste der Philippinen. Die Härte, womit die Zwangscultur dieser Pflanze von der Regierung überwacht und durchgeführt wird, lässt keine nennenswerthe Industrie aufkommen (man vgl. darüber:Semper, Skizzen 41 f. und 131 f.). Die Finanzbehörde der Colonie bleibt den Tabakbauern oft Jahre hindurch den Betrag für die abgelieferten Blätter schuldig (Cañamaque, Filipinas 30).Auch bei den Ibanags herrscht eine grosse Auswanderungslust, besonders Manila zieht sie an, wo sie halbnackt in grossen Schaaren anlangen (Buzeta I, 240).7. Igorroten mit Buriks und Busaos (Igorrotes).Mit dem Namen „Igorrotes” wird viel Unfug getrieben. Spanische Schriftsteller haben alle heidnischen sogenannten „wilden” Bergstämme Luzons Igorrotes getauft, und so kamen auch unter anderen „Igorroten von Camarínes”, „Igorroten von Tayabas” in die ethnographische Literatur. Andere Autoren, wie z. B. der gelehrte D. Sinibaldo de Mas, bezeichneten mit diesem Namen alle Bergstämme Nord-Luzons, mit Ausnahme der Tinguianen, was immerhin eine gewisse Berechtigung hätte. Ich fasse unter dieser Bezeichnung die Igorroten im engeren Sinne und die Busaos und Buriks zusammen, denn diese haben eine gemeinsame Sprache, welche nur geringe dialektische Verschiedenheiten aufzuweisen hat (mündliche Mittheilung von Herrn Gumersindo Morales). Auch unterscheiden sich diese Stämme nur durch Tracht und Tätowirung voneinander, während Sitten und Bräuche nur unerheblich voneinander abweichen.Die Heimath der Igorroten bilden die Provinzen oder Districte: Benguet, Lepanto, Tíagan und Bontoc. Nach Scheidnagel (a. v. St.) finden sich auch Igorroten-Niederlassungen in den Provinzen Abra, Nueva Vizcaya und Isabela vor, doch ist es fraglich, ob Scheidnagel nicht hier den Namen der Igorroten in der oben angegebenen Weise missbraucht. Die Busaos haben die nördlichsten Sitze inne. Von der Cordillere Tila oder Tovalina an wohnen sie in den Districten Tiagan, Lepanto (nördliche Hälfte) und in Bontoc, in letzterem im Quellgebiete des Rio Caycayan. Nach der Ilustracion del Oriente (Jgg. 1818, Nr. 1, p. 4) sind sie auch in Benguet wohnhaft, was mir unwahrscheinlich vorkommt, da sie von diesem Districte durch die Buriks getrennt sind. Zu Grenznachbarn haben sie im Norden die Tinguianen und Guinanen, im Osten die Itetapanen und vielleicht auch die Suflin; südlich von ihnen wohnen die Buriks, im Osten von Santa Cruz und im Westen des Monte Data. Ihre wichtigeren Orte sind: Suyuc, Cayan, Sabangan, Cabugatan, Banao und Mancayan (Yamcayan).Südlich von den Buriks wohnen die eigentlichen Igorroten, deren Stammland das Thal von Benguet ist, obwohl sie jetzt in diesem Thale nur in verhältnissmässig geringer Zahl wohnen, indem die blutigen Kriege, welche in den zwanziger und dreissiger Jahren dieses Säculums zur Unterwerfung dieses kriegerischen Stammes führten, das blühende Land beinahe entvölkerten. Ihre wichtigeren Orte sind Benguet, Apayao, Cabacan (Cabagan), Buguias (Bujias) &c. v. Drasche (Fragm. einer Geologie, p. 27) traf Igorroten zwischen S. Nicolas am Rio Agno und Bambang (Provinz Nueva Vizcaya), bis zum Caraballo Sur. Auch hier muss ihre Zahl erheblich sich vermindert haben, denn gegen die geringe Zahl der Individuen stach die Menge der verlassenen und verfallenen Hütten ab. Einst war das von den Igorroten bewohnte Territorium grösser, im XVII. Jahrhundert wird noch der Berg von Sto. Tomas als in der „Tierra de Ygolotes”7liegend mehrfach erwähnt, und noch 1747 reichte das Gebiet der Igorroten bis zum Weichbilde der Pueblos Agoo und Aringay (Mozo 81). 1829 war die Grenze bis zum Monte Tongló (beim Monte Sto. Tomas) zurückgewichen (Mas, pobl. 46). In den Districten Lepanto und Bontoc zählte man 1876 19 852 unterworfene und 29 600 unabhängige Igorroten incl. Buriks und Busaos, während Diaz Arenas für das Jahr 1848 die Zahl 12 304 für diedamaligenProvinzen Pangasinán („in der Cordillera grande”), Abra und Ilócos Sur angiebt.Ihre Hautfarbe ist ein „nicht sehr dunkles Olivenbraun, seltener das Gelb der Mestizen” (Semper, Erdk. XIII, 90) oder gelblich kupferfarben (Ilustr. 1860, n. 12, p. 151). Nach Buzeta und Bravo (Diccionario I, 52) zeigt ihre Haut die Farbe gekochter Quitten. Ihr Körperbau ist kräftig, die Muskulatur gut entwickelt (Ilustracion, l. c.,Semper, l. c.). Die Durchschnittshöhe der Männer beträgt nach Semper (Erdk. XIII, 89) 4′ 8″ 2‴, bei Weibern 4′ 5″ 4‴ Pariser Maass.Professor Virchow nennt einen Igorrotenschädel „ausgezeichnet dolichocephal”, „von den Malaienschädeln ganz verschieden” und bemerkt weiter, „er nähere sich mehr den Formen von Palembang”. Nach Professor Semper ist auch das Gesicht länglicher und die Stirne mehr gebogen und zurücktretend als bei den Tagalen (Erdk., XIII, 90). Die Augen sind schwarz und gross, der äussere Augenwinkel ist spitz und etwas schräg nach oben gestellt (Semper, l. c.;Buzeta y Bravo I, 52;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Wangen sind gross und breit (Buzeta, l. c.). Das dichte Haar ist schwarz, glatt und ohne Glanz (Semper, Erdk., XIII, 91;Mas, pobl. 24). Erwähnenswerth ist, dass nach Lillo Gracia (p. 17) es auch reinblütige Leute giebt, die einen ebenso dichten Bart haben wie Europäer, doch lassen sich nur einzelne Berg-Igorroten von Lepanto den Bart stehen, die überwiegende Mehrzahl zieht sich die Haare am Kinne, der Brust, den Achselhöhlen und Schamtheilen mit einer kupfernen Zange aus (Semper, Erdk. XIII, 91).Allgemein wird behauptet, dass die Igorroten stark mit chinesischem Blute gemengt seien, ja es wird sogar von Mischung mit Japanern gesprochen (Novara-Reise, Ethnogr. Th., p. 32;Semper, Erdk. XIII, 89). Semper sagt: „Jemehr man sich nördlich wendet, um so schärfer tritt der mongolische Charakter hervor”. Nach ihm (Erdk., l. c.) zeigen die grossen Individuen chinesischen, die kleinen malaiischenTypus.An einer anderen Stelle (l. c., S. 91) bemerkt er: „Die Weiber nähern sich im Allgemeinen mehr dem malaiischen Typus”. Mozo bemerkt hierüber: „aparecen muy semejantes á los Chinos ..... especialmente en los ojos, en que no los quitan pinta” (Misiones, p. 63). Mas (pobl. 24) findet es auffallend, dass in ihrer Sprache der spanische Laut ch, entsprechend dem deutschen tsch, vorkommt, den angeblich die Dialekte der übrigen Malaienstämme nicht kennen. Lillo Gracia sagt von ihrer Sprache, sie sei einem corrumpirten Ilocanisch ähnlich, besitze aber eine eigenthümliche nasale Accentuirung, die an das Chinesische erinnere. Eine Vermengung mit Chinesen lässt sich nicht gut nachweisen, sie müsste jedenfalls vor der Einwanderung der Ilocanen erfolgt sein, so lange die Igorroten noch im Besitze der Küste waren, denn sonst müssten die Ilocanen auch einen chinesischen Typus aufweisen, da die Chinesen wohl mehr Berührungspunkte zu einem intimen Verkehre mit diesen vorfanden, als mit den tieferstehenden Igorroten. Jedenfalls heisst es in dieser Frage nicht voreilig sein, sondern specielle Untersuchungen über diesen Gegenstand abwarten.Das Haar tragen Männer und Weiber „vorn geradlinig über der Stirn und zu beiden Seiten des Gesichts abgeschnitten, so dass es fast die ganze Stirn bis zur Nasenwurzel, sowie die Ohren bedeckt”; am Hinterkopf lassen sie es oft lang wachsen und binden es in einen Knoten zusammen (Semper, Erdk. XIII, 91). Doch wechselt die Haartracht bei den einzelnen Stämmen (Lillo 30). Die Igorroten im engeren Sinne des Wortes tätowiren ihren Körper an Händen, Armen und der Brust (Lillo 31), doch beschränkt sich diese Sitte in den meisten Dörfern nur auf ein rohes Sonnenbild, welches auf die Handrückenfläche gemalt wird (Semper, Erdk. XIII, 90), insbesondere die Weiber dehnen die Tätowirung zumeist auf keinen anderen Körpertheil aus (Lillo, l. c.). Die Tätowirungsmuster auf Brust und Armen sind Combinationen gerader und krummer Linien, seltener findet man bildliche Darstellungen von Menschen und Thieren (Semper, l. c.). Die Tätowirungsmuster haben eine schmutzig-blaue Farbe und werden der Haut durch Nadelstiche beigebracht, die Nadel selbst ist in eine Farbmasse getaucht, welche aus Öl und einem Pulver, das durch Verbrennung blauer Baumwollenstoffe gewonnen wurde, zusammengesetzt ist (Lillo 31). Die Busaos-Igorroten tätowiren sich Blumengebilde auf die Arme (Mas, pobl. 25;Ilustracion, 1860, 152 und 285;Bastian, Reisen V. 273;Ilustr. del Oriente, 1878, Nr. 1, p. 4), andere Körpertheile werden nicht tätowirt. Die Buriks-Igorroten tätowiren sich den Körper in einer Weise, dass er wie mit einem Panzerhemde bedeckt erscheint, während die Arme mit schlangenartigen Mustern versehen werden (Mas, pobl. 25). Bemerkenswerth ist die Sitte, dass bei Vornehmen die Zähne mit einem breiten Goldblech bedeckt werden (Semper, Erdk. XIII, 90). Denselben Brauch fanden die Spanier bei der Eroberung des Archipels bei Tagalen und Visayern vor.Den schmutzigen Körper und die nie gekämmten Haare verhüllen verschiedenartige Tracht und Gewandung. Bei der Feldarbeit wird von den Männern nur der Bajaque oder Baac—eine Art Schurz—getragen (Lillo 31). Der Bajaque besteht aus Baumwollenzeug oder Baumrinde (Mas, pobl. 23). Sonst wird noch ein Mantel getragen, „aus Baumwollenzeug verfertigt und ilocanischer Provenienz”, da dieser „Mantel” viereckig ist, könnte er wohl besser Plaid genannt werden. Der Plaid ist lang genug, dass er doppelt um den Leib herumgeschlagen werden kann, er ist blau und weiss gestreift oder schwarz; wenn ganz von weisser Farbe, gilt er als Trauergewand (Mas, pobl. 23). Diese anscheinende Anlehnung an chinesischen Brauch liefert aber kein neues Beweismaterial für die Chinesen-Abstammungs-Hypothese, denn die Spanier fanden in den Zeiten der Conquista Weiss als Trauerfarbe im ganzen Archipel, und noch heute ist es so auf den Sulú-Inseln.Der Kopf wird meist unbedeckt getragen (Semper, Erdk. XIII, 89), sonst tragen die Berg-Igorroten ein Zeug turbanartig um den Kopf gewunden, während die Thalbewohner mit dem Salacó das Haupt bedecken (Lillo 31). Die Tracht der civilisirten Indier (gleich der tagalischen) beginnt bereits in den Grenzdistricten die nationale zu verdrängen (Lillo, l. c.). Die Weiber tragen eine bis zu den Knieen reichende Schürze, ferner ein jackenartiges Hemd mit langen Ärmeln, welches die Brüste durch einen Schlitz erblicken lässt, beide Kleidungsstücke sind indigoblau mit weissen Streifen (Semper, Erdk. XIII, 89;Ilustr. 1860, p. 151). Die Häuptlinge tragen im Kriege einen eigenthümlichen Barigués oder Porta-itac genannten Gürtel, welcher aus kleinen blendend weissen Steinchen zusammengesetzt ist (Scheidnagel 124). Die Kleider werden nie gewaschen (Lillo 31).Als Schmuckgegenstände dienen beiden Geschlechtern Ringe und Schnüre um Hals, Arme und Beine, sowie Ohrgehänge. Um den Hals werden mit Glasperlen und Steinen bedeckte Schnüre getragen (Semper, Erdk. XIII, 90), manche legen einen aus Kupferblech bestehenden Halsschmuck an, einige tragen förmliche Hunde-Halsbänder (Lillo 30). Die Arm- und Beinringe bestehen aus Metalldraht, Glasperlenschnüren oder Pflanzenflechtwerk (Semper, Erdk. XIII, 90); eine besondere Gattung dieser Ringe heisst Bali, wird aus Kupfer verfertigt und ist mitunter vergoldet (Scheidnagel 125). Die Ohrgehänge, welche auch von den Männern getragen werden, bestehen aus Gold, Kupfer und Hundezähnen (Lillo 30;Scheidnagel, l. c.). In Ermangelungvon etwas besserem werden auch Holzpflöcke in die Ohren gesteckt. Je grösser die Ausdehnung des Ohrläppchens ist, desto grösser der Stolz.Tabak, Geld und andere Gegenstände werden in einer Art Patronentasche aus Rohrgeflecht getragen, welche an einem Bandelier hängt (Lillo 30). Semper sah viele Igorroten, welche an einer (Glas-) Perlenkette einen Ohrlöffel und jene Kupferzange beständig mit sich trugen, welche zum Auszupfen der Barthaare dient.Von ihren Geräthen und Waffen fällt zunächst ihre Axt Ligua (Aligua, Aliva) in die Augen, sie hat die Gestalt eines Trapezoids (Scheidnagel 124) und ist mit einer Spitze versehen, welche zum Aufspiessen des abgeschlagenen Feindeskopfes dient (Lillo 24). Dann kommt zunächst das zweischneidige Waldmesser Bujías oder Talibong (Talibon) in Betracht. Breite einschneidige Hackmesser, gleich den ilocanischen, und ebenso Bolos genannt, sind gleichfalls im Gebrauche. Der Talibong wird bei den Busaos nicht vorgefunden (Ilustr. 1860, p. 152). Zur Jagd wie zum Kriege dient als Hauptwaffe ein Wurfspiess mit eiserner Spitze, welcher Cayang genannt wird. Sie besitzen zwar auch Pfeil und Bogen, wissen aber diese Waffe nicht gut zu gebrauchen (Mas, pobl. 24). Als Schutzwaffe dient der aus Holz verfertigte Schild, Calata (Lillo 24). Sämmtliche Angriffswaffen sind aus Metall verfertigt, bezw. haben sie aus diesem verfertigte Spitzen, Eisen wird natürlich bevorzugt, kommt aber nur durch Handel in ihre Hände, weshalb in früheren Zeiten das Kupfer das Material zur Herstellung ihrer Waffen und Werkzeuge nahezu ausschliesslich hergab.Von Transportgeräthen sind erwähnenswerth der Apirang und der Cayabang, ersterer ist ein auf dem Rücken zu tragender Korb aus Rohr und Bambus, letzterer ist gleichfalls ein Korb von vollendeter Arbeit, welchen nur Weiber tragen, er hat die Gestalt eines abgestumpften Kegels; zum Fortschaffen und Aufbewahren verschiedener Gegenstände dienen auch die Sackgattungen Upit und Sagupit, beide aus Bejuco und anderen Rohr- und Gras-Gattungen geflochten. Der Upit hat einen doppelten Boden (Scheidnagel 126).Die Dörfer der Igorroten sind nicht klein und erscheinen noch grösser durch den Umstand, dass jedes Haus von dem anderen durch einen viereckigen Hofraum geschieden ist (Semper, Erdk. XIII, 90), dieser Hofraum ist von einem aus rohbehauenen Steinen zusammengefügten Walle umgeben. Die Hütten sind je nach der Lage des Dorfes aus verschiedenen Materialien hergestellt; wo spanisches Rohr und Cogongras noch fortkommen, werden aus ersterem die Wände, aus letzterem die Bedachung verfertigt, in den höheren Gebirgen dienen zum Hausbaue Dielen und Balken aus Fichtenholz (Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Igorroten-Hütten in den Niederungen von Lepanto haben bereits ilocanisches Gepräge (Lillo 31). Der Grundriss ist viereckig, die Zimmer sind vier Fuss hoch; zwischen der Zimmerdecke und dem Dache ist der Reis aufgehäuft; selten läuft um das Haus eine Galerie (Semper, Erdk. XIII, 90). Die Hütten haben keine Fenster und nur eine einzige niedrige Eingangsthür, zu welcher man auf einer Leiter—denn auch hier ruhen die Hütten etwas erhöht über dem Erdboden—gelangt (Lillo 31). Der Feuerherd befindet sich gewöhnlich in der Mitte des einzigen Zimmers (Semper, Erdk. XIII, 90). In manchen Gegenden umgeben die Igorroten ihre Häuser mit Bambuszäunen (Scheidnagel 75). Das Innere der Hütten starrt von Schmutz, Russ und Asche (Semper, Erdk. XIII, 90;Mas,pobl. 24;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Früher schmückten die Igorroten das Äussere und Innere ihrer Behausungen mit den Köpfen der erlegten oder geschlachteten Thiere aus, wodurch die ganze Umgebung der Hütte durch infernalischen Gestank verpestet wurde (Mas, pobl. 20;Semper, Erdk. XIII, 94), jetzt beginnt diese Sitte zu verschwinden, wenigstens in Benguet und Lepanto.Die Igorroten sind fleissige Ackerbauer, sie bauen Reis, Mais, Patatas, Camote und verschiedene Gemüsegattungen, ferner Tabak. Kaffee wird zwar in ihrem Lande gepflanzt, aber diese Plantagen sind im Besitze und in Verwaltung von Spaniern und Mestizen (Lillo 41). Vor dem Auftreten der Spanier scheinen sie nur Reis gebaut zu haben und diesen nicht in genügender Menge, denn zu Ende des XVII. Jahrhunderts tauschten die Igorroten in Ilócos nicht allein Schweine und Büffel, sondern auch Reis ein (Morga-Stanley 284). Lillo Gracia sagt von den Igorroten von Lepanto, dass sie beständig darnach streben, neue, ihnen unbekannte Sämereien und Pflanzen anzubauen. Hie und da, wo das schon kühlere Klima ihres Landes es zulässt, bauen sie Zuckerrohr, Mangobäume und Apfelsinen (Semper, Erdk. XIII, 72).Bewunderungswürdig ist die Anlage ihrer Felder an steilen Berglehnen und das Berieselungssystem, welches ihren Äckern das nöthige Wasser bringt. Die schroffsten Abhänge sind durch mühseliges Aufthürmen von Felsblöcken in Terrassenfelder verwandelt worden (Semper, Skizzen 59, und in Erdk. XIII, 91;Lillo 39). Den Feldern wird das Wasser durch ausgezeichnet nivellirte Canäle zugeführt, Schluchten und Bergklüfte werden durch primitive Aquäducte überbrückt, welche aus rinnenartig ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt sind (Lillo 40). Um fruchtbare Äcker zu gewinnen, brennen die Igorroten grosse schöne Fichtenwaldungen nieder (Lillo 46). Das Pflügen und der Terrassen- und Canalisirungs-Bau liegt den Männern ob, alle übrige Feldarbeit ist Sache der Weiber und Kinder (Lillo 32). Der Reis wird nicht geschnitten, sondern Halmfür Halm ausgerissen (Semper, Erdk. XIII, 91). Nach der Ernte werden die Felder unter Wasser gesetzt und dann gepflügt. Zu letzterer Arbeit wird nur in den Niederungen der Büffel mit benutzt, in den Berghöhen arbeitet der Mensch allein (Lillo 39). Der Pflug ist eine Art Harke (Semper, l. c.). In Lepanto besteht er aus eisenbeschlagenen Stäben, welche die Erde aufreissen, worauf die Schollen durch Daraufschlagen zerbröckelt werden (Lillo, l. c.).Von einer Viehzucht in dem bei uns üblichen Sinne des Wortes ist bei den Igorroten keine Rede. Sie besitzen zwar Büffel, Schweine (und seltener) Rinder und Pferde, aber ohne sich mit deren Zucht und Pflege zu befassen, so dass sie genöthigt sind, diese Thiere in grossen Mengen in Ilócos aufzukaufen, denn bei ihren Festschmäusen werden ungeheuere Massen Fleisch vertilgt, der Bedarf ist daher ein grosser. Die Pferde werden nur des Fleisches wegen gezogen, die wenigen, welche nicht dem Schlachtmesser verfallen, sind durch frühe Dienstleistung bald ruinirt (Lillo 41). Auch der Hund muss sein Fleisch hergeben. Da das letztere Thier, sowie das Schwein und das Huhn nur unter gewissen Ceremonien und unter priesterlicher Beihülfe geschlachtet werden können (Semper, Erdk. XIII), so ist der Schluss berechtigt, dass diese drei Thiergattungen die einzigen Hausthiere der Igorroten waren, als sie Luzon betraten und ihre jetzigen Wohnsitze einnahmen. Trotz dieser Vorliebe und religiösen Scheu Schweinen und Hühnern gegenüber sind die Igorroten von Lepanto so nachlässig und träge, dass sie, anstatt diese Thiere selbst zu ziehen, solche zu ziemlich hohen Preisen von ilocanischen Händlern einkaufen (Lillo 42). Die Hunde werden hingegen gut gepflegt und sogar Nachts in die Hütte mitgenommen, wo Menschen und Thiere sich in der Nähe des wärmenden Herdes lagern (Semper, Erdk. XIII, 90). Ställe für Büffel, Rinder und Pferde giebt es nicht, diese Thiere müssen im Freien die kühlen Nächte (in Benguet +7° R.) zubringen.Ihre gewöhnliche Nahrung besteht in Camote, Reis, dem Fleische ihrer Hausthiere und Wildpret, letzteres wissen sie für längere Zeit zu conserviren (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). In der Bereitung der Fleischspeisen sind sie nichts weniger als heikel, für gewöhnlich braten sie das Fleisch, doch essen sie es auch im rohen Zustande, selbst die Büffelhaut wird nicht verschmäht und in lange Streifen zerschnitten noch blutig verschlungen (Semper, Erdk. XIII, 94). Ein Leckerbissen ist den Igorroten der in den Eingeweiden eines frischgeschlachteten Büffels befindliche Koth (Mas, pobl. 23). Semper (Erdk. XIII, 94) sah bei einem Festschmause, wie sie den Saft aus den Excrementen eines geschlachteten Büffels als Sauce auf rohes Fleisch auspressten. Sie geniessen das Fleisch auch im Fäulniss-Zustande (Lillo 28).Den grössten Theil ihrer Reisernte verwandeln sie in Bundang oder Siniput, ein saures, berauschendes Bier (Semper, Erdk. XIII, 92). Ein anderer gegohrener Trank wird aus Zuckerrohr bereitet und heisst „Basig” oder „Basi”.Von den civilisirten Malaienstämmen der Philippinen unterscheiden sie sich vorteilhaft dadurch, dass sie keinen Buyo kauen, dagegen rauchen Männer und Weiber von früher Jugend an leidenschaftlich Tabak, und zwar aus Pfeifen (Lillo 30). Letztere werden von ihnen selbst fabricirt und bestehen aus Stein, Holz oder Bronze (Messing).Sobald ein Weib Geburtswehen fühlt, eilt sie zu einem Flusse oder Bache, in dessen Wasser sie das neugeborene Kind sofort badet, dann legt sie das Kindlein in eine Art Korb, der über den Schultern festgehalten wird und geht damit heim (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). Werden Zwillinge geboren, so wird das zuletzt geborene Kind der ersten besten Familie geschenkt, die es adoptiren will; findet sich Niemand, der sich des armen Wesens erbarmt, so wird das Kind erwürgt oder lebendig begraben (Lillo 25). Dieser barbarische Brauch ist im raschen Schwinden begriffen. Das neugeborene Kind erhält den Namen desjenigen, der es zuerst beschenkt, doch werden die Namen im Leben mehrmals gewechselt (Lillo, l. c.).Entgegen den liederlichen Sitten der Tagalen und Visayer hüten die Igorroten ängstlich die Keuschheit ihrer Mädchen. Sobald die Kinder geschlechtsreif werden, tritt eine vollständige Isolirung der Jünglinge und Mädchen ein. In jedem Dorfe giebt es zwei grosse Häuser, in dem einen bringen die Jungfrauen, in dem anderen die Jünglinge die Nacht zu; ein Greis bei den letzteren, eine Greisin bei ersteren führen die Oberaufsicht und verhindern, dass Jemand zur Nachtzeit sich hinaus- oder hereinschleiche (Lillo 27). Bei Tage werden die Jungfrauen bei jedem Ausgange von älteren Frauen ihrer Familie oder dem Vater selbst begleitet und bewacht (Lillo, l. c.). Der Fehltritt eines Mädchens wurde bei einigen Stämmen mit dem Tode (Mas, pobl. 23), bei anderen durch schwere Züchtigung bestraft (Lillo 29). Diese Strenge bewirkte, dass die Mädchen, welche ihren Trieben freie Zügel schiessen liessen, indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschten, vorgaben, von Affen im Walde genothzüchtigt worden zu sein (Mittheilungen des Fray Lorenzo Juan in Mas, pobl. 23). Der Verkehr mit den eingewanderten christlichen Ilocanen und Pangasinanen, sowie mit den Soldaten der Forts hat diese reinen Sitten auf vielen Punkten untergraben (Lillo 32).Verliebt sich ein Jüngling in ein Mädchen und sind beide Eltern einem Ehebündnisse ihrer Kinder geneigt, so gestatten die Eltern der Braut dem Jünglinge, mit ihrer Tochter im Concubinate zu leben, denn es gilt vor Allem, die Fruchtbarkeit derselben zu erproben (Lillo 27). Wirddie Braut binnen einer bestimmten Frist schwanger, so findet erst die Hochzeit Statt, im entgegengesetzten Falle tritt der Bräutigam zurück (Lillo, l. c.). Wer ohne Grund seine Braut verliess, wurde früher geköpft (Lillo 29). Die Hochzeit beginnt mit einem religiösen Acte: die Priesterin erscheint, und unter Anrufung der Anitos verrichtet sie in Gegenwart aller Verwandten ihren Hocuspocus. Während der ganzen Ceremonie ruht der Fuss des Bräutigams auf dem der Braut (Lillo 27). Dann folgt der Festschmaus, welcher oft 8 bis 9 Tage dauert, während dieser Zeit bleibt das Ehepaar unsichtbar (Mas, pobl. 19).Die Igorroten kennen nur die Monogamie, und die Heiligkeit der Ehe wird ungemein hochgehalten. Die noch unabhängigen Igorroten tödten jedes ehebrecherische Weib durch Kopfabschlagen, die unter spanischer Herrschaft stehenden lassen es mit einer schweren körperlichen Züchtigung bewenden (Lillo 29). Die Ehen sind nur durch den Tod löslich (Lillo 27). Die Witwe gehört zur Familie ihres verstorbenen Gatten, ohne deren (seltene) Einwilligung sie sich nicht wieder vermählen darf, in welchem Falle sie jedes Recht auf ihre Kinder von ihrem ersten Gatten verliert, deren Vormundschaft und Schutz der Familie desselben zufällt (Lillo 27). Der Witwer darf sich erst nach sieben Jahren wieder verheirathen, während dieser ganzen Zeit fordert der gute Anstand von ihm, durch dumpfes Stillschweigen und Vorsichhinbrüten, sowie durch gänzliche Vernachlässigung der ohnehin geringen körperlichen Reinlichkeit, seine Trauer um die verstorbene Gattin zur Schau zu tragen (Lillo, l. c.).Im Familienleben der Igorroten fällt angenehm die Hochachtung auf, welche den Greisen gezollt wird (Lillo 29), minder vortheilhaft klingt die Meldung, dass noch im Anfange dieses Jahrhunderts die Igorroten ihre Kinder gern an die guten Christen von Ilócos und Pangasinán verkauften. Die Kinder wurden von den „edlen” Indiern zu Viehhirten und Knechten aufgezogen, der Preis schwankte zwischen 20 bis 30 Pesos, nur mit grosser Mühe gelang es der spanischen Regierung, diesen schändlichen Handel mit lebendigem Menschenfleisch auszurotten (Mas, pobl. 34).Ist ein vornehmer Igorrote verschieden, so wird eine Priesterin geholt, welche an die Leiche Fragen stellt, wie z. B.: „Warum hast du deine Verwandten und Freunde verlassen?”Dann werden alle Verwandten, auch die entferntesten, von dem Todesfalle benachrichtigt, welche auch insgesammt erscheinen; jeder tritt vor den Todten, grüsst ihn und drückt ihm die Hand, wobei er die oben erwähnte Frage der Priesterin wiederholt. Der Leichnam wird nicht eher begraben, als bis alle Blutsfreunde ihm diese letzte Ehrenbezeugung erwiesen, was oft 8 bis 9 Tage währt; bei den mehr civilisirten Igorroten wird die Leiche früher bestattet oder wenigstens auf den Friedhof gebracht (Lillo 25 f.). Während der ganzen Zeit, wo der Todte von seinen Verwandten begrüsst und besucht wird, feiert man vor dem Hause ein Cañao (Fest), d. h. es werden ungeheuere Quantitäten Fleisch und Reis verschlungen und noch viel mehr Basi getrunken. Der Aufwand ist oft so übertrieben, dass manche Familie durch ein solches Todtenfest vollständig verarmt (Lillo 26). Die Igorroten von Benguet begraben ihre Todten ohne die angeführten Ceremonien und überdiess kurze Zeit nach der Sterbestunde (Semper, Erdk. XIII, 95). In einigen Gegenden werden die Leichen über einem Feuer gedörrt (Lillo 26 u. Semper, l. c.) in anderen, wiewohl selten, auch einbalsamirt (Semper, Erdk., l. c.). Der Leichnam wird sitzend (Lillo 26, Semper, l. c.) in einen kistenartigen Sarg gesteckt, welcher, wenigstens in Lepanto, aus einem Holze verfertigt wird, das angeblich die Fäulniss verhindert (Lillo, l. c.). In Benguet bestehen die Särge, an welchen mitunter Schnitzereien angebracht sind, aus Fichtenholzbrettern (Semper, Erd. XIII, 96). In den Sarg werden Lebensmittel mitgegeben. Ein Sarg enthält oft zwei und mehr Leichen (Semper, Erdk. XIII, 96). In Benguet werden die Todten meist unter oder neben den Häusern bestattet (Semper, Erdk. XIII, 95), jedoch werden mit Vorliebe Höhlen zu Begräbnissplätzen ausgesucht (Lillo 6), was um so bemerkenswerther ist, als auch die Visayer vor der Annahme des Christenthums dieselbe Weise der Todtenbestattung ausübten. Die Höhlen werden, wo die Natur sie nicht gebildet, künstlich vermittelst des Feuers in den Felsen hineingearbeitet (Semper, Erdk. XIII, 96). Die Begräbnissstätten der Häuptlinge und Vornehmen heissen „Luddut”, jede Familie hat da ihren bestimmten Platz, gleichsam ihre Familiengruft (Mas, pobl. 18). Früher geschah es mitunter, dass die Leiche (bei Leuten geringeren Standes) von den Cañao-Festgenossen aufgezehrt wurde. Mas (pobl. 19) erwähnt einen solchen Vorfall, der sich in der Igorroten-Niederlassung Baruncucureng bei dem Pueblo Tagudin noch in diesem Jahrhunderte zugetragen hat.Jeder Mord und Todtschlag, welchen ein Fremder verübt, wird durch Blutrache gegen dessen Dorf gesühnt, falls nicht Wehrgeld erlegt wird (Mas, pobl. 18). Bei ihrem zu Gewaltthaten geneigten Sinne und dem Ruhm, den jener geniesst, der seine Hütte mit recht vielen Menschenschädeln schmücken kann, nimmt die Schlächterei unter ihnen nur dort ein Ende, wo die Autorität der spanischen Behörden volles Gewicht hat. Die Igorroten von Benguet zeichneten sich durch eine grössere Kriegslust aus als die Buriks und Busaos. Die Bewohner von Ilócos und Pangasinán waren in den Zeiten, wo die Igorroten noch unabhängig waren, beständig durch Banden dieser Kopfjäger beunruhigt. Bei einzelnen Stämmen herrschte früher der Brauch, dass, wennein Todter 2, 3, 4 &c. Finger der Hand ausgestreckt hielt, seine Hinterbliebenen ebensoviele Menschen tödten mussten; so nahm das Morden kein Ende (Mas, pobl. 23). In der bestialischen Wuth tranken sie mitunter das warme Blut des Unglücklichen, dem sie soeben den Kopf abgeschlagen (Mas, pobl. 22). Kehrte ein Kopfjäger mit seiner schauerlichen Beute heim, so erschienen die gesammten Bewohner des Ortes in dem Hause desselben und tanzten unter wildem Geschrei und Gejohle um die blutigen Feindesköpfe, Reis- und Zuckerrohr-Branntwein wurde in Massen vertilgt, und Tage verstrichen oft, ehe diese entsetzliche Festlichkeit endete, welche den Blutdurst und die Roheit der Igorroten in grellem Lichte offenbarte (Lillo 24). Den Krieg führten sie am liebsten im Hinterhalte, wurden sie aber vom Feinde im offenen Felde angegriffen, so wussten sie sich mit grosser Bravour zu vertheidigen. Wollten die Igorroten herannahenden Fremden erklären, dass ein Betreten ihres Gebietes gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung wäre, so legten sie Bogen und Pfeil auf den Weg und besprengten die Erde mit Blut (Mas, pobl. 44). Sie warfen auch Schanzen auf, um Feinden den Zugang in ihre Thäler zu versperren (Galvey’s Tagebuch in Mas, pobl. 58).Ihre Religion erinnert lebhaft an jene der alten Tagalen. Sie glauben an ein oberstes göttliches Wesen, welches die ganze Schöpfung regiert und nennen es „Apu” oder „Apo” oder (in Lepanto) „Lumaoig” (Lillo 21). Die Gemahlin des Apu heisst Bangan, seine Kinder sind der Sohn Ubban und die Tochter Bugan. Ausserdem giebt es zwei Untergötter: Cabigat und Suyan. Diese Gottheiten wohnen am westlichen Himmel und stehen mit den Menschen durch die Anitos im Verkehr (Lillo, l. c.). Die Namen der Götter werden in jedem Dorfe verschieden angegeben. Donnert es, so sagen sie, der Gott Cabuniang verlange Schweine8zum Opfer, sie kommen auch seinem Verlangen unter grossen Festlichkeiten nach (Mas, pobl. 16). Den Igorroten am Rio Agno wird die Sonne zur Gottheit, als deren Kinder die Götter Magsib und Caspök gelten, welche letzteren in Krankheitsfällen angerufen werden und auch sonst einen in Festlichkeiten bestehenden Cultus besitzen (Semper, Erdkunde XIII, 94).Den Göttern wird aber viel weniger Verehrung erwiesen, als den Seelen der verstorbenen Ahnen, den Anitos. In jedem Dorfe befindet sich ein heiliger Baum, den man als Wohnsitz von Anitos ansieht. Unter diese Bäume werden Opferstöcke hingestellt, welche natürlich dem ersten vorbeistreifenden Hunde ein willkommenes Fressen bieten. Vor diesen Bäumen stehen oft (Lillo 20) Felsblöcke oder Steine in Form von Altären, auf welchen die Opfer den Anitos dargebracht werden. Am unteren Rio Agno giebt es nur hie und da Opferplätze (Semper, Erdk. XIII, 94). Der Anito-Cultus zieht wie der rothe Faden in dem Tauwerk der englischen Marine durch alle Anschauungen, Sitten, Bräuche und Lebensgewohnheiten der Igorroten. Bei jedem Anlasse werden sie angerufen und jeder Vorfall, besonders wenn er schlimmer Natur ist, ihrem Einflüsse zugeschrieben, deshalb sucht man sie sich stets gewogen zu erhalten. Vor der Aussaat des Reises wird ihnen ein grosses Opferfest abgehalten, damit sie Saaten und Felder schützen &c. Die Anitos rufen auch die Krankheiten hervor und erzeugen verderbliche Dünste in Feld und Flur. Die Igorroten des in Lepanto liegenden Ortes Cabugatan halten die Aale ihres Baches für Verkörperungen ihrer Anitos, weshalb sie ihnen nicht nur kein Leid zufügen, sondern sie selbst füttern (Lillo 21). Mitunter findet man (in Lepanto) rohe Holzbilder, welche einen stehenden oder hockenden Mann darstellen, es sind diess Bilder der Anitos. Semper traf bei den südlichen Igorroten keine derartigen Bilder. Besonders zur Nachtzeit ziehen die Anitos herum, um Schaden zuzufügen (Mas, pobl. 17).Die Igorroten besitzen einen Priesterstand, dessen Mitglieder der Mehrzahl nach Weiber sind, wie diess bei den Tagalen und Visayern in den Zeiten der Conquista ebenso der Fall war. Der männliche Priester heisst Mambunung, in jedem Dorfe ist nur einer, der erst auf dem Todtenbett seinem Sohne die Gebetsformeln mittheilt (Semper, Erdkunde XIII, 94). Diese Mambunungs heilen auch Krankheiten, indem sie das Gesicht des Leidenden mit dem Blute eines geschlachteten Opferthieres beschmieren; als Bezahlung erhalten sie Gold und die besten Fleischstücke des Opferthieres (Semper, l. c.). Schweine, Hunde und Hühner dürfen nicht geschlachtet werden, ausser sie werden vom Mambunung eingeweiht und Theile ihres Fleisches den Göttern oder Anitos geopfert.Meist werden alle religiösen Ceremonien durch Priesterinnen, die sogenannten „Asiteras”, geleitet, es sind diess gewöhnlich alte Weiber, welche die Opfer bei den religiösen Festen, den Cañaos, zu verrichten haben. Die Anlässe zur Veranstaltung solcher sind verschiedenartigster Natur, wie: Erkrankung, plötzliches Umstehen des Viehes, eine Leichenbestattung, Hochzeiten, das Erblicken gewisser Vögel oder einer Ratte, welche den Weg kreuzt, ferner der Neubau eines Hauses oder der Aufbruch eines Kopfjägers, der Blutrache ausüben will (Lillo, 19 f.). Die Asiteras leiten das Fest, das in ein Fress- und Saufgelage ausläuft, mit dem Schlachten eines Opferthieres ein, indem sie unter Hersagen verschiedener Stossgebete und Ausrufungen mit dem Opferblute die Umstehenden oder das Anitobild besprengen. DieAsiterasgeben vor, von einem Anito begeistert zu sein(Lillo 20). Zum Abhalten dieser religiösen9Feste, Cañaos, besitzt jedes Dorf einen kleinen Schuppen, vor dem ein offener Platz sich befindet (Lillo 24).Das Erscheinen des Regenbogens halten die Igorroten für ein gutes Omen, kreuzt hingegen eine Schlange den Weg, so kehren sie augenblicklich um (Mas, pobl. 16). Wenn sie irgendwohin aufbrechen wollen, so zünden sie ein Feuer an, schlägt der Rauch nach der ihrem Ziele entgegengesetzten Richtung, so halten sie diess für ein sehr schlimmes Zeichen und unterlassen sofort den Zug (Mas, l. c.). Unter ihren „abergläubischen” Bräuchen verdient folgender einer Erwähnung: Wenn bei dem Neubaue eines Hauses Jemand bei der Errichtung der Grundpfeiler niest, so muss der Bau sofort unterlassen werden, sonst würde von den Betheiligten einer bald sterben müssen (Lillo 23).Das Christenthum hat zwar bei ihnen Eingang gefunden, breitet sich aber nur langsam, wenn auch sicher, aus. Man hat schon in den vergangenen Jahrhunderten Versuche gemacht, sie zum Christenthume zu bekehren, aber P. Mozo (Misiones 80) gesteht freimüthig, dass die wenigen Igorroten, welche die Taufe nahmen, diess nur thaten, um ihre Stammesgenossen um so leichter und wohlfeiler mit Mänteln, Schweinen, Kühen und (Palm-) Wein zu versehen.Über ihre nationalen Rechtsverhältnisse ist mir so gut wie Nichts bekannt. In zweifelhaften Fällen waren Gottesurtheile, wenn ich diesen Ausdruck hier anwenden darf, üblich. Zwei Arten derselben erwähnt Lillo (Lepanto 20). Mit einem spitzen Eisen von der Grösse und Gestalt eines kleinen Nagels werden die Köpfe der Streitenden geritzt, wer bei dieser Operation mehr Blut verliert, hat den Streit verloren. Ein anderes Mal wird ein kleiner Scheiterhaufen angezündet, worauf jeder der Streitenden ein gefesseltes Huhn in die Flammen wirft. In dem Augenblicke, wo die armen Thiere in den letzten Zügen liegen, werden sie wieder aus dem Feuer herausgezogen und der Leib geöffnet, wessen Huhn eine grössere Galle besitzt, der hat den Process verloren.Das Jahr zählen sie nach Ernten, die Monate nach Monden, die Stunde nach dem Stande der Sonne (Lillo 44). Ihre Gesänge sind monoton und nach unseren Begriffen unharmonisch, der Kriegsgesang besteht eigentlich nur aus einem gellenden Geschrei (Lillo 24). Ihre Musikinstrumente sind nicht zahlreich, zu erwähnen wäre zunächst der Batitin, eine Trommel aus einem ausgehöhlten Baumstamme (Lillo 28), denselben Namen giebt Semper (Erdk. XIII, 93), nur mit einer geringen Modification—batiting—, den auch bei den Igorroten üblichen Gongs. Prof. Semper erwähnt an derselben Stelle auch eine Trommel, welche die Form einer Kanone besitzt und mit einem Stück Stierleder überzogen ist. Der Gong der Igorroten von Lepanto heisst la Ganza, er besteht aus Bronze. Zur besseren Handhabung ist an die Ganza ein Henkel angemacht, welcher aus dem Kinnbacken eines Feindesschädels besteht, so adjustirte Ganzas haben einen besonderen Werth (Lillo 29).Die vornehmen Igorrotenfamilien wetteifern miteinander in Veranstaltungen von grossen Festschmäusen. Zu diesen Festen werden nur die Vornehmsten des Ortes persönlich eingeladen, die übrigen Dorfbewohner erscheinen auf das Signal von Trommelschlägen. Ehe das Gelage seinen Anfang nimmt, wird getanzt.Bei den südlichen Igorroten treten bei solchen Festen als Tänzer ein Weib mit drei bis vier Männern auf. „Das Weib dreht sich, die Arme bald weit ausstreckend, bald sie über die Brust kreuzend, wobei sie sich tief gegen die (schon bereitstehenden und mit Reisbier gefüllten) Krüge verneigt, nach einer Seite im Kreise um diese herum, in entgegengesetzter Richtung bewegen sich die Männer, deren Anführer ein breites buntfarbiges Tuch über Brust und Schultern trägt und lebhaft mit den Armen gesticulirt” (Semper, Erdk. XIII, 93). Der Tanz der Igorroten von Lepanto besteht in einem schnellen Bewegen der Beine, ohne die Füsse vom Boden zu erheben oder den Körper zu bewegen, dabei halten die Mädchen ein Tuch in den Händen, hinter welchem sie sich anscheinend zu verbergen suchen, ähnliches thut der Mann, nur fingirt er das fehlende Tuch; es tanzt immer nur ein Paar, welches rasch durch ein anderes ersetzt wird (Lillo 29).Beim Kriegstanze ahmen die mit Schild und Lanze bewaffneten Tänzer ein Gefecht nach (Lillo, l. c.), doch beginnt diese Sitte rasch zu schwinden, da bei den den Spaniern unterworfenen Igorroten keine Kriege mehr geführt werden.Ihre Industrie ist nur in Bezug auf Metallarbeiten und Bergbau von Belang. Sie besitzen zwar kleine Webeapparate (Lillo 42), können aber damit nur den geringsten Theil ihres Bedarfes an Baumwollgeweben decken. Aus der Rinde des mächtigen Baumes Baliti bereiten sie durch Klopfen und Dörren an der Sonne einen überaus haltbaren Stoff, welchen sie zu ihrem Kopfbunde, zu Schlafteppichen &c. verwenden (Scheidnagel 126). Im Flechten von Körben, Matten und Hüten sind sie sehr geschickt, letztere Industrie nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Aus Holz werden verschiedene Sachen, als Tabakspfeifen, Schüsseln &c. geschnitzt. Die „Latoc” genannte Holzschüssel hat zwei Höhlungen, eine für das Salz, die andere viel grössere für die eigentliche Speise (Scheidnagel 126). Sie sind ausgezeichnete Schmiede, ihre Werkstätten liegen nie im Dorfe, sonderntief im Walde versteckt(Semper, Erdk. XIII, 92). Aus Kupfer fabriciren sie Kessel, Kochtöpfe, Tabakspfeifen, Ketten und ähnliche Dinge. Auch Felle wissen sie gut zuzubereiten, besonders verdienen die aus dem bunten Felle der Bergkatze bereiteten Tabaksbeutel Beachtung(Scheidnagel 127).Im Bergbau übertrafen sie die übrigen Malaienstämme der Philippinen. Die reichen Kupferminen um den Mte. Datá, in Mancayan &c. werden von ihnen ergiebig ausgebeutet, ebenso die Goldgruben von Acupan, Apayao und Suyuc. Jede Familie in den erzführenden Districten hatte ihr eigenes streng abgegrenztesSchürfgebiet. „Zur Förderung des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Felsen zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und erhöhte den Boden, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme der Holzstösse stets die Decke traf”(Santos, Informe sobre las minas de cobre, in Jagor, Reisen, p. 147). Reiche Erze wurden einfach geschmolzen, die quarzhaltigen einer sehr starken Röstung unterzogen(Jagor, l. c.). Scheidnagel(p. 98)führt die Gattungen des Goldgewinnes an: Die einfache Wäsche, Galerienbau und Zerklopfen des erzhaltigen Gesteines. Die Schmelzöfen der Igorroten bestehen aus einer runden Vertiefung im Thone und haben einen Durchmesser von 0,3 m und eine Tiefe von 0,15 m. „Eine damit in Verbindung stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte conische Röhre von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf- und abbewegten und die für das Schmelzen erforderliche Luft zuführten”(Jagor, l. c. 148). Der Kupferbergbau hat stark nachgelassen(Drasche, Fragm. zu einer Geol. 36), indem die reichsten Kupferminen sich jetzt im Besitze spanischer Actiengesellschaften und Capitalisten befinden, bei denen die Igorroten, die einstigen Grubenbesitzer, Taglöhnerdienste verrichten(Lillo 52). Das Goldwaschen ist noch heute in ihren Händen; in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit war der Goldhandel allein Monopol der vornehmen Familien, denen die Plebejer—wenn ich so sagen darf—alles gefundene Gold abliefern mussten(Mozo 81). Die Igorroten in der Umgebung von Suyuc bringen noch jetzt Gold im Werthe von 12 000 Dollars in den Handel(Lillo 42).In den Zeiten der Unabhängigkeit bildete—und für die noch jetzt nicht unterworfenen Stämme gilt dasselbe—jedes Dorf einen Staat für sich(Lillo 17), wir finden also hier, wie schon Mas erwähnte (Mas, historia I, 10), dieselbe staatliche Zersplitterung wie bei den heutigen Indios civilisados in der Periode der Conquista. Der Häuptling des Dorfes gehört dem Adel an, jedoch scheint diese Würde nicht in einer einzigen Familie erblich zu sein, sondern der Tapferste—dann Mainguel genannt—oder Reichste wird Chef eines Dorfes (Lillo 17). Seine Macht ist sehr beschränkt, denn die eigentliche Regierung liegt in den Händen der gesammten Adeligen (Lillo 18). Diese werden „Bacnanes” genannt, ihnen gehört der ganze Boden und das Ackerland des Dorfstaates, in welchem gewöhnlich vier, sechs oder mehr solcher Magnatenfamilien leben. Die übrigen Dorfbewohner sind nichts anderes als Leibeigene des Adels, dessen Felder sie zu bestellen haben und denen sie sonst zu Diensten stehen; als Lohn erhalten sie dafür Speise und Trank (Lillo 18). In Lepanto werden sie Cailianes genannt (Lillo, l. c.), d. h. ebenso, wie die Plebejer in Ilócos. Die einzelnen Dorfstaaten waren beständig miteinander im Kriege begriffen.Den ersten Versuch, die Igorroten der spanischen Krone und dem Katholizismus zu unterwerfen, unternahmen die Spanier 1660, er misslang so wie mehrere andere Expeditionen, bis es 1829 den Spaniern gelang, festen Fuss im Lande zu fassen, seitdem ist ein Igorroten-Territorium nach dem anderen durch Güte und Gewalt annectirt worden. Vom 4. bis 7. März 1880 fanden neue blutige Kämpfe mit noch unabhängigen Bergstämmen Statt, welche siegreich für die Spanier endeten.Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und Autonomie erhalten, wie die übrigen Eingeborenen der Philippinen. Jede Ranchería (Dorf) wählt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher, Wähler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo 34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstösse und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es ist jedoch bemerkenswerth, dass diese öffentlichen Arbeiten meist von Weibern verrichtet werden, welche ihre Männer vertreten. Nur in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegründet, in denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876 besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern regelmässig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere können wenigstens ihren Namen unterschreiben(Lillo, l. c.). Jedenfalls verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.
2. Pampangos.Die Pampangos wohnten zur Zeit der Conquista und noch im XVII. Jahrhundert an den nördlichen Gestaden der Bai von Manila, und ihre Wohnsitze erstreckten sich von da bis an den Knotenpunkt des mächtigen Caraballo Central, ohne aber im Gebirge selbst Fuss zu fassen. Heutzutage sind sie durch die Tagalen beinahe ganz vom Meere getrennt, und die wenigen dort lebenden Pampangos werden schnell „tagalisirt”. Die heutigen Wohnsitze der Pampangos befinden sich in folgenden Provinzen: Porac, Tarlac, Pampanga, Bataán, Zambáles und Nueva Écija. Porac und Tarlac werden nahezu ausschliesslich von Pampangos bewohnt, Pampanga in überwiegender Mehrzahl, doch beginnt die seit Anfang dieses Jahrhunderts immer grössere Dimensionen annehmende Einwanderung der Ilocanen die Herrschaft des Pampango-Dialektes stark zu gefährden. In Nueva Écija werden die nordöstlichen, in Bataán die nordwestlichen und in Zambáles die westlichen Territorien dieser Provinzen von den Pampangos eingenommen.In ihrer körperlichen Erscheinung, wie in ihren Sitten und Bräuchen gleichen sie unter allen Malaien Luzons am meisten den Tagalen, so dass alles von diesen Gesagte auch für die Pampangos volle Geltung hat. Sie galten und gelten auch noch jetzt als die tapfersten unter den Malaien der Philippinen, die eingeborenen Truppen der Spanier recrutirten sich bis auf die Einführung der Conscription zum grössten Theile aus diesem kriegerischen Stamme, und sie haben ihrem Rufe überall Ehre gemacht, sowohl in den Kämpfen gegen die mohammedanischen Fürsten der Molukken, von Mindanao und Sulu als auch gegen europäische Soldaten, gegen Holländer und Briten. Bei der Unterdrückung der furchtbaren Chinesenaufstände von 1603 und 1639 haben sie sich besondere Verdienste erworben.Als die Spanier sie unterwarfen (1571) waren sie zum grössten Theile Heiden, doch hatte auch hier der Islam bereits Eingang gefunden. Ihre ursprüngliche Religion kannte auch den Ahnencultus der Tagalen und war auch sonst mit jener der Tagalen identisch. Sie sind dann durch die Spanier zum Katholicismus bekehrt worden, doch gab es noch i. J. 1848 Heiden unter ihnen, denn Diaz Arenas spricht von 100 unterworfenen heidnischen (infieles) Pampangos, welche in dem erwähnten Jahre der spanischen Herrschaft unterworfen waren.Sie besitzen auch Schlangenbeschwörer, welche Schlangenbisse heilen, diese Heilkünstler werden „Tavac” genannt (Mozo 97). Ihre Industrie ist im Vergleiche zu jener der Tagalen gering, sie umfasst dieselben Zweige wie bei den letzteren.3. Zambalen (Zambales).Die Zambalen oder Tinos bewohnen den mittleren und südlichen Theil der Provinz Zambáles, doch sind sie als wilde Bergstämme in geringer Zahl auch in den nördlichsten Theilen von Bataán anzutreffen. Erst zu Ende des XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts gelang es den Spaniern mehr durch den Eifer der Missionäre als durch Waffengewalt sie zu unterwerfen, obgleich noch heute ein nicht unbeträchtlicher Theil dieses blutdürstigen Stammes in den Bergwildnissen entweder volle Unabhängigkeit behauptet oder durch Zahlung einer geringen Geldsumme sich die Freiheit sichert.Die Zambalen zur Zeit der Conquista trugen das Haar bis auf eine frei herabwallende Locke geschoren (Morga-Stanley 269), von ihrer sonstigen Tracht wird Nichts erwähnt. Ihre Waffen waren Lanze, Schild, Messer und Pfeile, welche sie gut zu brauchen wussten. Sie lebten in Polygamie (Cañamaque, Filipinas 226). Grössere Hausthiere, nämlich Büffel (?), Rinder und Pferde erhielten sie erst durch die Missionäre (Cañamaque, Filipinas 134), Ackerbau scheint weniger als die Jagd getrieben worden zu sein, was vielleicht auf eine starke Beimischung von Negritoblut hinweist. Andererseits erwähnen Buzeta und Bravo, dass sie ein dem tagalischen ähnliches Alphabet besessen hätten, was für eine höhere Culturstufe spricht. Ihre Dörfer wurden nur von 10–30 Familien bewohnt und bildeten jedes einen Staat für sich, so dass wir hier derselben staatlichen Zersplitterungbegegnen, wie bei den Tagalen. Die Häuptlinge waren bejahrte Leute, welche nur einen geringen Einfluss auf ihre Untergebenen auszuüben vermochten. Die einzelnen Dörfer waren in beständige Fehden miteinander verwickelt, eine Folge ihrer eigenthümlichen Sitten. Starb nämlich Jemand, so legten seine Hinterbliebenen Trauer, d. h. eineschwarzeKopfbinde an, welche sie nicht eher ablegen durften, als bis sie Jemanden getödtet hatten, was an eine ähnliche Sitte der Negritos lebhaft erinnert. Dann wurde die Binde abgelegt und die Trauer mit einem Saufgelage beendet. Ein Mord oder Todtschlag innerhalb eines und desselben Tribus wurde entweder mit Gold oder Silber gesühnt oder es wurde der Familie ein Sclave oderNegrito(Cañamaque, Fil. 128) gegeben, um als Sühnopfer abgeschlachtet zu werden.Die Zambalen waren wie noch jetzt die Dayaks wüthende Kopfjäger, je mehr Köpfe erschlagener Feinde ein Zambal von einem Kriegszuge heimbrachte, desto höher stand er im Ansehen der Seinen, wodurch ihre angeborene Mordlust noch mehr gesteigert wurde (Cañamaque, Filipinas 126). Sie stiegen deshalb von den Gebirgen in die Ebenen der benachbarten christlichen Provinzen und lauerten Reisenden auf oder suchten zur Nachtzeit sich an die Dörfer heranzuschleichen. Die Schädel der Erschlagenen benutzten sie angeblich (Mozo 86) als Trinkgefässe. Auf einer Art Trophäe, welche sie beständig mit sich herumtrugen, machten sie die Zahl der erbeuteten Schädel ersichtlich (Cañamaque, Fil. 127). Nach P. Juan Ferrando (Historia de los P. P. Dominicos en las Islas Filipinas in Cañamaque, Filipinas 124) pflegten die Zambalen in ihrer Gier nach Feindesschädeln jeden Menschen zu tödten, der nicht gerade zu ihrem Stamme gehörte, und führten dann um die Schädel „satanische” Tänze auf; Ähnliches berichtet Mozo (l. c.), indem er erwähnt, dass sie die abgeschlagenen Köpfe zur Verherrlichung ihrer Feste heimschleppen. Durch diese Kopfjägerei unterscheiden sie sich auffallend von den Tagalen und Pampangos, welche diese Sitte nicht kannten.Die Religionen der alten Tagalen und Zambalen waren nicht, wie Buzeta und Bravo berichten, identisch, aber doch sehr ähnlich. Sie kannten einen obersten Gott („Malyari”), zwei minder mächtige Hauptgottheiten Acasi und Manglobag und eine Anzahl Diiminores. Der Priesterstand spielte bei ihnen eine wichtigere Rolle als bei den übrigen Malaien der Philippinen. Der Hohepriester oder Papst („Bayoc”) weihte den einzelnen Gottheiten unter langen Ceremonien die Priester. Nach Ferrando (Cañamaque, Fil. 129) spendete der Bayoc auch—wenn gleich selten—eine Art Taufe mit Schweineblut, wie denn auch hier, wie überall in diesem Archipel, das Schwein als das den Göttern angenehmste Opferthier galt. Die heiligen Feste arteten in Orgien aus. Wie viele von diesen Bräuchen sich noch heute bei den unabhängigen Zambalen (den „Cimarrones” oder „Infieles”5) erhalten haben, ist mir unbekannt. Sie leben in kleinen Dörfchen (Rancherías), deren Häuptlinge (Reyes oder Reyezuelos) den Verkehr mit den spanischen Behörden vermitteln. Sie leben von erlegtem Wilde, Honigwaben und Bataten (Camote), deren Anbau ihnen erst durch die Spanier bekannt wurde. Reis kaufen sie von ihren christlichen civilisirten Brüdern und bezahlen ihn mit den von den Chinesen hochgeschätzten Bezoarsteinen und Tabak, den sie heimlich bauen und in der Nachtzeit in die christlichen Dörfer einschmuggeln6. Die meisten Horden stehen zu den Spaniern auf dem Kriegsfuss, wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil die spanischen Finanzwächter ihre Tabakpflanzungen vernichten, doch scheint ihre Mordlust und Kopfjägerei längst erloschen zu sein, sie sind froh, wenn man ihnen Ruhe giebt.Die christlichen Zambalen weisen dieselbe Tracht auf wie die Tagalen, deren Agricultur und Industrie auch die ihre ist, wenn auch letztere noch in den Kinderschuhen liegt. Ein Rest alter heidnischer Sitte zeigt sich bei den Leichenfeierlichkeiten. So lange die Leiche im Sterbehause liegt, werden alle Eintretenden mit Speise und Trank reichlich bewirthet, und ungenirt zeigt sich allenthalben unter den Gästen frohe Lustbarkeit. Auch bei dem eigentlichen Begräbnisse herrscht keine Trauer, nur das gemiethete Klageweib heult in ohrzerreissenden Tönen hinter dem Sarge (Cañamaque, Recuerdos I, 21 u. f.). Ob der Ahnencultus bei den christlichen Zambalen sich ebenso erhalten hat wie bei den Tagalen, ist mir unbekannt geblieben.Es scheint nicht als ob die Zambalen sich als besonderer Dialektstamm werden erhalten können, die zahlreichen Einwanderer von Ilócos drohen vermöge ihrer activen Kraft diesen an und für sich schwachen Stamm ganz in sich aufzusaugen, wie diess in Bataán durch die Tagalen geschehen ist.4. Pangasinanen (Pangasinanes).Die Pangasinanen bewohnen die westlichen und südlichen Gestade des Golfes von Lingayen. Auch sie werden von den Ilocanen mehr und mehr zurückgedrängt; in den Zeiten Don Juan de Salcedo’s waren die südlichen Küstenstriche der heutigen Provinz La Union von Pangasinanen besiedelt, wo jetzt der Ilocos-Dialekt der herrschende ist. Selbst in dem Stammlande dieses Malaienzweiges, in Pangasinán, behaupten sie sich nur noch an dem Meeresstrande, das ganzeHinterland und der nördliche Theil dieser Provinz ist der friedlichen Invasion der thätigen Ilocanen anheimgefallen, welche in diesen Strichen Luzons dieselbe Rolle spielen, wie die angelsächsischen Squatter unter den spanischen Hacenderos von New Méjico und Tejas. Pangasinanen sind als Colonisten auch in dem District Benguet anzutreffen, Niederlassungen derselben findet man auch in der Provinz Nueva Écija. Compact aber wohnen sie, wie gesagt, nur am Golf von Lingayen vom Cap Bolinao bis S. Fabian.Seit 1572 sind sie der spanischen Krone unterworfen, seit 1574–76 auch ziemlich alle christianisirt worden, so dass wir bei ihnen dieselben Einrichtungen und Institutionen, Tracht und Bräuche antreffen, wie bei den Tagalen. Die Pangasinanen sind sehr fleissige Ackerbauer, Reis, Zuckerrohr und Indigo werden stark gebaut (Scheidnagel 29), der Reis speciell wird in grossen Massen exportirt, und nicht allein nach China, sondern auch nach Annam und Siam (Jagor, 239) ausgeführt. Mais wird gleichfalls sehr stark gebaut, doch dient er nur zum Viehfutter; nur in Zeiten, wo die Reisernte missrathen ist, auch zur Nahrung der Menschen (Ilustr. 1861, p. 104). Ausgedehnte Cocospflanzungen sind allenthalben zu finden, in welchen unter anderen die schöne und von den Indiern so hochgeschätzte Macalimba-Varietät dieser Palme bevorzugt wird. In den Zeiten der Conquista waren die Cocoshaine (Cocales) viel ausgedehnter als wie heute, wo der Mais- und Indigobau sowie die Pflege des Zuckerrohrs die Pangasinanen die Cultur dieser Palme um so eher vernachlässigen liess, als einige Mal ein kleines Insect riesige Cocosbestände in kurzer Zeit verwüstete.Ihre Industrie beschäftigt sich mit denselben Artikeln wie jene der Tagalen, als besondere Specialitäten der Pangasinan-Industrie werden sehr feine Hüte aus Nito- und Bejuco-Geflecht genannt (Scheidnagel 30). Aus der Rinde des Coliao-Baumes arbeiten sie sehr haltbare Taue und Stricke, welche nach dem Baume Coliaos heissen (Scheidnagel 127).Zur Zeit der Conquista hatten sie dieselben religiösenAnschauungenwie die Tagalen, heute sind alle insgesammt Katholiken. Heiden giebt es nicht mehr unter ihnen, auch findet bei den Pangasinanen seltener das „Remontarse” Statt, d. h. die Flucht in die Wälder, um dort wie ein Wilder zu leben.5. Ilocanen (Ilocanos).Zur Zeit der Conquista bewohnten die Ilocanen einen schmalen Küstenstrich vom Golf von Lingayen an bis hinauf zum Cap Bogeador. Nach dieser Zeit breiteten sie sich, zum Theil unter dem Schutze der spanischen Bajonnette, immer weiter und weiter aus. Sie besitzen eine grössere Expansivkraft als die so vielgepriesenen Tagalen. Heute bewohnen die Ilocanen die Provinzen Ilócos Norte (nur den Küstenstrich), Abra (neben Tinguianen und Igorroten), Ilócos Súr und La Union. Dann haben sie den nördlichen Theil und das Hinterland von Pangasinán inne. Zahlreiche ilocanische Einwanderer haben das fast gänzlich entvölkerte Thal von Benguet mit hoffnungsvollen Ansiedelungen versehen, in Zambáles, Pampanga und Nueva Écija ist ihre Zahl beständig im Steigen begriffen, dasselbe gilt vom westlichen Küstenstrich von Cagayán. Selbst nach den Batanes- und Babuyanes-Inseln treibt sie ihre rege Wanderlust, ja sogar im District Príncipe, an der Ostküste Luzons, haben sie sich als strebsame Colonisten mitten unter Tagalen und Ilongoten niedergelassen. In den Districten Lepanto und Bontoc sind sie gleichfalls mitten unter den Bergstämmen der Igorroten zu finden, doch muss hier ausdrücklich bemerkt werden, dass in diesen beiden Districten alle getauften Indier, gleichgültig ob sie nun Igorroten, Buriks sind, Ilocanos genannt werden, ohne Rücksicht auf ihre Abkunft (Lillo Gracia 17). Es pflegen auch in der That die getauften Igorroten die Sprache der (ihnen nahe verwandten?) Ilocanen ganz anzunehmen, und es mag vielleicht diese—freilich geringe—Beimischung mit dem Blute dieses so tapferen und kräftigen Bergvolkes auch etwas zu der lebendigen Kraft und Expansionsfähigkeit beigetragen haben, welche die Ilocanen so vortheilhaft vor der Passivität der übrigen Indios civilisados auszeichnet.Die Tracht gleicht mehr oder minder jener der Tagalen. Unentbehrlich erscheint ihnen das Waldmesser „Sual”, welches sowohl zum Bearbeiten der Erde als auch zum Behauen der Balken und Fällen der Bäume dient (Scheidnagel 124). Als Jagdwaffe benutzen sie denselben Wurfspiess wie die Igorroten, den sie gleichfalls „Cayang” nennen.Sie bauen Reis, Indigo, Mais, Zuckerrohr, Cacao, Kaffee, Cocos, Oliven und Weinreben (Ilustr. 1860, n. 14, p. 164) und überdiess Baumwolle (Ilustr. a. a. O., Cañamaque, Filip. 29). Die Hauptnahrung ist auch hier der Reis, nächst diesem werden sehr viele Fische genossen; aus dem Fische Ipon oder Dolon, der massenhaft gefangen wird, bereitet man durch Einsalzen desselben die Speise „bayon” (Ilustr. 1860, n. 12, p. 152). Die Viehzucht ist in blühendem Zustande, indem die Ilocanen an den Bergvölkern gute Käufer ihrer Büffel, Rinder und Schweine finden. Die Pferde von Ilócos gehören angeblich zu den besten der Philippinen (Ilustr., l. c.). Früher war Viehraub an der Tagesordnung (Mas, pobl. 80).Die Industrie der Ilocanen ist ziemlich entwickelt, sie besitzen sogar eine Specialität, nämlich aus Baumwolle gewebte Mäntel, die sogenannten „mantas de Ilócos”, welche einen wichtigen Exportartikel nach den übrigen Theilen von Nord-Luzon bilden. Nach Diaz Arenas (p. 291) liefertIlócos Sur ausgezeichnete Sinamay- und Nipis-Zeuge. In Ilócos Norte kommt die Abacá (Manilahanf) nicht mehr fort, als Surrogat dient die Mague-Pflanze, deren Fasern ähnliche Eigenschaften besitzen (Ilustr. 1860, n. 17, p. 200). Sonstige Industrieartikel entsprechen den tagalischen. Scheidnagel nennt drei Ölgattungen, welche in Ilócos erzeugt werden: Palo-María, Macabujay und Tagumbao.Über ihre Religion zur Zeit der Conquista ist mir Nichts bekannt, sie wurden durch den Cortés der Philippinen, Don Juan de Salcedo, der spanischen Krone unterworfen, und sind schon über drei Jahrhunderte Christen. Aus den Zeiten ihrer Unabhängigkeit datirt das grosse Missverhältniss zwischen Reich und Arm. Die Edelleute (principales) haben den Reichthum in ihren Händen, ihnen gegenüber steht die grosse Masse der immer mehr verkommenden Plebejer, der sogenannten Cailianes. Die Edelleute pflegten den Cailianes Seide oder Baumwolle zu geben, welche sie zu Geweben verarbeiten sollten. Bei der Ablieferung derselben pflegten die Cailianes bedeutend verkürzt zu werden, indem die Principales bald schlechte Beschaffenheit des Gewebes oder zu geringes Gewicht zum Vorwande nahmen, um die Cailianes zu ihren ihnenrettungslosverfallenen Schuldnern zu machen, indem sie ihnen keinen Lohn zahlten (Mas, hist. II, 60). Diese harte Bedrückung verursachte zwei blutige Plebejer-Aufstände in den Jahren 1762 und 1811. Obwohl diese Übelstände in der Neuzeit so ziemlich beseitigt erscheinen, so ist es vielleicht nicht unwahrscheinlich, die rege Auswanderungslust der Ilocanen auf die unerquicklichen Verhältnisse der Heimath zurückzuführen.6. Ibanags oder Cagayanen (Cagayanes).Die Ibanags werden gewöhnlich Cagayanes genannt, weil ihr Hauptsitz die Landschaft Cagayán und der Unterlauf des gleichnamigen Stromes ist. Diejenigen von ihnen, welche auf den Batanes- und Babuyanes-Inseln wohnen, wurden früher als ein besonderer Stamm angesehen, doch lässt sich hierüber nichts Sicheres sagen, da unsere Nachrichten über die Batanes mehr als spärlich sind. Sie bewohnen die Babuyanes-Gruppe, welche auch den Namen Islas de Ibanag führen, die Batanes-Inseln, ferner das Küstengebiet der Provinz Cagayán; ihre Ansiedelungen gehen das Thal des Rio Grande de Cagayán hinauf bis nach Furao hin in der Provinz Isabela. Der Ibanag-Dialekt dient im ganzen Stromgebiete des Rio Grande als Verkehrssprache mit den wilden Bergstämmen, es dürfte hier das Ibanag-Idiom nach und nach die Sprachen jener Horden vollständig verdrängen. Ich glaube, dass ein ähnlicher Vorgang auch auf den Batanes sich abgespielt hat, denn die Beschreibung, welche Dampier von jenen „Bashee”-Insulanern giebt, lässt sich schwer mit den Schilderungen in Übereinstimmung bringen, welche uns die Spanier von dem Habitus, der Tracht und Lebensweise der Cagayanen zur Zeit der Conquista niederschrieben. Baron Hügel schreibt über die Batanes (S. 69): „Die Bewohner werden als ein starker, gutmüthiger und vollkommen harmloser Menschenstamm geschildert”. Diess stimmt nicht mit dem Charakter der Ibanags Luzons überein, denn diese werden einstimmig von allen Schriftstellern, von den ältesten bis zu den modernsten herab, als ein kriegerischer und trotziger Stamm geschildert, und es hat auch in der That den Spaniern die Eroberung Cagayans mehr Blut gekostet, als jene der übrigen Provinzen Luzons. Reisbau, Schweine- und Ziegenzucht, sowie die Bereitung eines Branntweines aus Zuckerrohr oder Reis entsprechen ganz den ähnlichen Verhältnissen von Cagayán. Den Golddraht, den die Batanes um die Arme tragen, trugen die Cagayanen in den Zeiten der Conquista ebenfalls. Nach Waitz (Anthr. V, 62) sind die Bewohner physisch den Dayaks ähnlich, auf S. 101 werden sie wie folgt beschrieben: Farbe: dunkelkupferbraun, Gestalt: klein und untersetzt, Gesicht: rund, Stirne: niedrig, Augen: klein mit starken Augenbrauen, Nase: kurz und klein, Haar: dick und schlicht. Diese Beschreibung entspricht auch dem Bilde der Cagayanen.Die Ibanags von Cagayán sind seit dem XVI. Jahrhundert Christen, ebenso jene der Babuyanen, die Batanes sind aber noch zum grösseren Theile Heiden, leider ist es mir nicht möglich gewesen, etwas über ihre Religion zu erfahren. Die Cagayanen bekannten sich in der Zeit der Conquista ebenfalls zu einer Art von Ahnencultus, wie die Tagalen, Pampangos &c.Wie bei den naheverwandten Ilocanen war auch hier die tiefe Scheidewand zwischen den Edelleuten und Plebejern vorhanden. Die letzteren heissen in Cagayan „timavas”, was wohl mit dem tagalischen „timauas” identisch ist, womit bei den Tagalen Freigelassene in den Zeiten vor der Conquista benannt wurden. Auch hier machte sich der Hass der unterdrückten Kaste durch blutige Aufstände Luft.Die Ibanags von Cagayan und Isabela bauen dieselben Pflanzen wie die Ilocanen, die Hauptmasse der Bevölkerung widmet sich aber—zwangsweise—dem Tabaksbau, denn der Tabak dieser beiden Provinzen ist der beste der Philippinen. Die Härte, womit die Zwangscultur dieser Pflanze von der Regierung überwacht und durchgeführt wird, lässt keine nennenswerthe Industrie aufkommen (man vgl. darüber:Semper, Skizzen 41 f. und 131 f.). Die Finanzbehörde der Colonie bleibt den Tabakbauern oft Jahre hindurch den Betrag für die abgelieferten Blätter schuldig (Cañamaque, Filipinas 30).Auch bei den Ibanags herrscht eine grosse Auswanderungslust, besonders Manila zieht sie an, wo sie halbnackt in grossen Schaaren anlangen (Buzeta I, 240).7. Igorroten mit Buriks und Busaos (Igorrotes).Mit dem Namen „Igorrotes” wird viel Unfug getrieben. Spanische Schriftsteller haben alle heidnischen sogenannten „wilden” Bergstämme Luzons Igorrotes getauft, und so kamen auch unter anderen „Igorroten von Camarínes”, „Igorroten von Tayabas” in die ethnographische Literatur. Andere Autoren, wie z. B. der gelehrte D. Sinibaldo de Mas, bezeichneten mit diesem Namen alle Bergstämme Nord-Luzons, mit Ausnahme der Tinguianen, was immerhin eine gewisse Berechtigung hätte. Ich fasse unter dieser Bezeichnung die Igorroten im engeren Sinne und die Busaos und Buriks zusammen, denn diese haben eine gemeinsame Sprache, welche nur geringe dialektische Verschiedenheiten aufzuweisen hat (mündliche Mittheilung von Herrn Gumersindo Morales). Auch unterscheiden sich diese Stämme nur durch Tracht und Tätowirung voneinander, während Sitten und Bräuche nur unerheblich voneinander abweichen.Die Heimath der Igorroten bilden die Provinzen oder Districte: Benguet, Lepanto, Tíagan und Bontoc. Nach Scheidnagel (a. v. St.) finden sich auch Igorroten-Niederlassungen in den Provinzen Abra, Nueva Vizcaya und Isabela vor, doch ist es fraglich, ob Scheidnagel nicht hier den Namen der Igorroten in der oben angegebenen Weise missbraucht. Die Busaos haben die nördlichsten Sitze inne. Von der Cordillere Tila oder Tovalina an wohnen sie in den Districten Tiagan, Lepanto (nördliche Hälfte) und in Bontoc, in letzterem im Quellgebiete des Rio Caycayan. Nach der Ilustracion del Oriente (Jgg. 1818, Nr. 1, p. 4) sind sie auch in Benguet wohnhaft, was mir unwahrscheinlich vorkommt, da sie von diesem Districte durch die Buriks getrennt sind. Zu Grenznachbarn haben sie im Norden die Tinguianen und Guinanen, im Osten die Itetapanen und vielleicht auch die Suflin; südlich von ihnen wohnen die Buriks, im Osten von Santa Cruz und im Westen des Monte Data. Ihre wichtigeren Orte sind: Suyuc, Cayan, Sabangan, Cabugatan, Banao und Mancayan (Yamcayan).Südlich von den Buriks wohnen die eigentlichen Igorroten, deren Stammland das Thal von Benguet ist, obwohl sie jetzt in diesem Thale nur in verhältnissmässig geringer Zahl wohnen, indem die blutigen Kriege, welche in den zwanziger und dreissiger Jahren dieses Säculums zur Unterwerfung dieses kriegerischen Stammes führten, das blühende Land beinahe entvölkerten. Ihre wichtigeren Orte sind Benguet, Apayao, Cabacan (Cabagan), Buguias (Bujias) &c. v. Drasche (Fragm. einer Geologie, p. 27) traf Igorroten zwischen S. Nicolas am Rio Agno und Bambang (Provinz Nueva Vizcaya), bis zum Caraballo Sur. Auch hier muss ihre Zahl erheblich sich vermindert haben, denn gegen die geringe Zahl der Individuen stach die Menge der verlassenen und verfallenen Hütten ab. Einst war das von den Igorroten bewohnte Territorium grösser, im XVII. Jahrhundert wird noch der Berg von Sto. Tomas als in der „Tierra de Ygolotes”7liegend mehrfach erwähnt, und noch 1747 reichte das Gebiet der Igorroten bis zum Weichbilde der Pueblos Agoo und Aringay (Mozo 81). 1829 war die Grenze bis zum Monte Tongló (beim Monte Sto. Tomas) zurückgewichen (Mas, pobl. 46). In den Districten Lepanto und Bontoc zählte man 1876 19 852 unterworfene und 29 600 unabhängige Igorroten incl. Buriks und Busaos, während Diaz Arenas für das Jahr 1848 die Zahl 12 304 für diedamaligenProvinzen Pangasinán („in der Cordillera grande”), Abra und Ilócos Sur angiebt.Ihre Hautfarbe ist ein „nicht sehr dunkles Olivenbraun, seltener das Gelb der Mestizen” (Semper, Erdk. XIII, 90) oder gelblich kupferfarben (Ilustr. 1860, n. 12, p. 151). Nach Buzeta und Bravo (Diccionario I, 52) zeigt ihre Haut die Farbe gekochter Quitten. Ihr Körperbau ist kräftig, die Muskulatur gut entwickelt (Ilustracion, l. c.,Semper, l. c.). Die Durchschnittshöhe der Männer beträgt nach Semper (Erdk. XIII, 89) 4′ 8″ 2‴, bei Weibern 4′ 5″ 4‴ Pariser Maass.Professor Virchow nennt einen Igorrotenschädel „ausgezeichnet dolichocephal”, „von den Malaienschädeln ganz verschieden” und bemerkt weiter, „er nähere sich mehr den Formen von Palembang”. Nach Professor Semper ist auch das Gesicht länglicher und die Stirne mehr gebogen und zurücktretend als bei den Tagalen (Erdk., XIII, 90). Die Augen sind schwarz und gross, der äussere Augenwinkel ist spitz und etwas schräg nach oben gestellt (Semper, l. c.;Buzeta y Bravo I, 52;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Wangen sind gross und breit (Buzeta, l. c.). Das dichte Haar ist schwarz, glatt und ohne Glanz (Semper, Erdk., XIII, 91;Mas, pobl. 24). Erwähnenswerth ist, dass nach Lillo Gracia (p. 17) es auch reinblütige Leute giebt, die einen ebenso dichten Bart haben wie Europäer, doch lassen sich nur einzelne Berg-Igorroten von Lepanto den Bart stehen, die überwiegende Mehrzahl zieht sich die Haare am Kinne, der Brust, den Achselhöhlen und Schamtheilen mit einer kupfernen Zange aus (Semper, Erdk. XIII, 91).Allgemein wird behauptet, dass die Igorroten stark mit chinesischem Blute gemengt seien, ja es wird sogar von Mischung mit Japanern gesprochen (Novara-Reise, Ethnogr. Th., p. 32;Semper, Erdk. XIII, 89). Semper sagt: „Jemehr man sich nördlich wendet, um so schärfer tritt der mongolische Charakter hervor”. Nach ihm (Erdk., l. c.) zeigen die grossen Individuen chinesischen, die kleinen malaiischenTypus.An einer anderen Stelle (l. c., S. 91) bemerkt er: „Die Weiber nähern sich im Allgemeinen mehr dem malaiischen Typus”. Mozo bemerkt hierüber: „aparecen muy semejantes á los Chinos ..... especialmente en los ojos, en que no los quitan pinta” (Misiones, p. 63). Mas (pobl. 24) findet es auffallend, dass in ihrer Sprache der spanische Laut ch, entsprechend dem deutschen tsch, vorkommt, den angeblich die Dialekte der übrigen Malaienstämme nicht kennen. Lillo Gracia sagt von ihrer Sprache, sie sei einem corrumpirten Ilocanisch ähnlich, besitze aber eine eigenthümliche nasale Accentuirung, die an das Chinesische erinnere. Eine Vermengung mit Chinesen lässt sich nicht gut nachweisen, sie müsste jedenfalls vor der Einwanderung der Ilocanen erfolgt sein, so lange die Igorroten noch im Besitze der Küste waren, denn sonst müssten die Ilocanen auch einen chinesischen Typus aufweisen, da die Chinesen wohl mehr Berührungspunkte zu einem intimen Verkehre mit diesen vorfanden, als mit den tieferstehenden Igorroten. Jedenfalls heisst es in dieser Frage nicht voreilig sein, sondern specielle Untersuchungen über diesen Gegenstand abwarten.Das Haar tragen Männer und Weiber „vorn geradlinig über der Stirn und zu beiden Seiten des Gesichts abgeschnitten, so dass es fast die ganze Stirn bis zur Nasenwurzel, sowie die Ohren bedeckt”; am Hinterkopf lassen sie es oft lang wachsen und binden es in einen Knoten zusammen (Semper, Erdk. XIII, 91). Doch wechselt die Haartracht bei den einzelnen Stämmen (Lillo 30). Die Igorroten im engeren Sinne des Wortes tätowiren ihren Körper an Händen, Armen und der Brust (Lillo 31), doch beschränkt sich diese Sitte in den meisten Dörfern nur auf ein rohes Sonnenbild, welches auf die Handrückenfläche gemalt wird (Semper, Erdk. XIII, 90), insbesondere die Weiber dehnen die Tätowirung zumeist auf keinen anderen Körpertheil aus (Lillo, l. c.). Die Tätowirungsmuster auf Brust und Armen sind Combinationen gerader und krummer Linien, seltener findet man bildliche Darstellungen von Menschen und Thieren (Semper, l. c.). Die Tätowirungsmuster haben eine schmutzig-blaue Farbe und werden der Haut durch Nadelstiche beigebracht, die Nadel selbst ist in eine Farbmasse getaucht, welche aus Öl und einem Pulver, das durch Verbrennung blauer Baumwollenstoffe gewonnen wurde, zusammengesetzt ist (Lillo 31). Die Busaos-Igorroten tätowiren sich Blumengebilde auf die Arme (Mas, pobl. 25;Ilustracion, 1860, 152 und 285;Bastian, Reisen V. 273;Ilustr. del Oriente, 1878, Nr. 1, p. 4), andere Körpertheile werden nicht tätowirt. Die Buriks-Igorroten tätowiren sich den Körper in einer Weise, dass er wie mit einem Panzerhemde bedeckt erscheint, während die Arme mit schlangenartigen Mustern versehen werden (Mas, pobl. 25). Bemerkenswerth ist die Sitte, dass bei Vornehmen die Zähne mit einem breiten Goldblech bedeckt werden (Semper, Erdk. XIII, 90). Denselben Brauch fanden die Spanier bei der Eroberung des Archipels bei Tagalen und Visayern vor.Den schmutzigen Körper und die nie gekämmten Haare verhüllen verschiedenartige Tracht und Gewandung. Bei der Feldarbeit wird von den Männern nur der Bajaque oder Baac—eine Art Schurz—getragen (Lillo 31). Der Bajaque besteht aus Baumwollenzeug oder Baumrinde (Mas, pobl. 23). Sonst wird noch ein Mantel getragen, „aus Baumwollenzeug verfertigt und ilocanischer Provenienz”, da dieser „Mantel” viereckig ist, könnte er wohl besser Plaid genannt werden. Der Plaid ist lang genug, dass er doppelt um den Leib herumgeschlagen werden kann, er ist blau und weiss gestreift oder schwarz; wenn ganz von weisser Farbe, gilt er als Trauergewand (Mas, pobl. 23). Diese anscheinende Anlehnung an chinesischen Brauch liefert aber kein neues Beweismaterial für die Chinesen-Abstammungs-Hypothese, denn die Spanier fanden in den Zeiten der Conquista Weiss als Trauerfarbe im ganzen Archipel, und noch heute ist es so auf den Sulú-Inseln.Der Kopf wird meist unbedeckt getragen (Semper, Erdk. XIII, 89), sonst tragen die Berg-Igorroten ein Zeug turbanartig um den Kopf gewunden, während die Thalbewohner mit dem Salacó das Haupt bedecken (Lillo 31). Die Tracht der civilisirten Indier (gleich der tagalischen) beginnt bereits in den Grenzdistricten die nationale zu verdrängen (Lillo, l. c.). Die Weiber tragen eine bis zu den Knieen reichende Schürze, ferner ein jackenartiges Hemd mit langen Ärmeln, welches die Brüste durch einen Schlitz erblicken lässt, beide Kleidungsstücke sind indigoblau mit weissen Streifen (Semper, Erdk. XIII, 89;Ilustr. 1860, p. 151). Die Häuptlinge tragen im Kriege einen eigenthümlichen Barigués oder Porta-itac genannten Gürtel, welcher aus kleinen blendend weissen Steinchen zusammengesetzt ist (Scheidnagel 124). Die Kleider werden nie gewaschen (Lillo 31).Als Schmuckgegenstände dienen beiden Geschlechtern Ringe und Schnüre um Hals, Arme und Beine, sowie Ohrgehänge. Um den Hals werden mit Glasperlen und Steinen bedeckte Schnüre getragen (Semper, Erdk. XIII, 90), manche legen einen aus Kupferblech bestehenden Halsschmuck an, einige tragen förmliche Hunde-Halsbänder (Lillo 30). Die Arm- und Beinringe bestehen aus Metalldraht, Glasperlenschnüren oder Pflanzenflechtwerk (Semper, Erdk. XIII, 90); eine besondere Gattung dieser Ringe heisst Bali, wird aus Kupfer verfertigt und ist mitunter vergoldet (Scheidnagel 125). Die Ohrgehänge, welche auch von den Männern getragen werden, bestehen aus Gold, Kupfer und Hundezähnen (Lillo 30;Scheidnagel, l. c.). In Ermangelungvon etwas besserem werden auch Holzpflöcke in die Ohren gesteckt. Je grösser die Ausdehnung des Ohrläppchens ist, desto grösser der Stolz.Tabak, Geld und andere Gegenstände werden in einer Art Patronentasche aus Rohrgeflecht getragen, welche an einem Bandelier hängt (Lillo 30). Semper sah viele Igorroten, welche an einer (Glas-) Perlenkette einen Ohrlöffel und jene Kupferzange beständig mit sich trugen, welche zum Auszupfen der Barthaare dient.Von ihren Geräthen und Waffen fällt zunächst ihre Axt Ligua (Aligua, Aliva) in die Augen, sie hat die Gestalt eines Trapezoids (Scheidnagel 124) und ist mit einer Spitze versehen, welche zum Aufspiessen des abgeschlagenen Feindeskopfes dient (Lillo 24). Dann kommt zunächst das zweischneidige Waldmesser Bujías oder Talibong (Talibon) in Betracht. Breite einschneidige Hackmesser, gleich den ilocanischen, und ebenso Bolos genannt, sind gleichfalls im Gebrauche. Der Talibong wird bei den Busaos nicht vorgefunden (Ilustr. 1860, p. 152). Zur Jagd wie zum Kriege dient als Hauptwaffe ein Wurfspiess mit eiserner Spitze, welcher Cayang genannt wird. Sie besitzen zwar auch Pfeil und Bogen, wissen aber diese Waffe nicht gut zu gebrauchen (Mas, pobl. 24). Als Schutzwaffe dient der aus Holz verfertigte Schild, Calata (Lillo 24). Sämmtliche Angriffswaffen sind aus Metall verfertigt, bezw. haben sie aus diesem verfertigte Spitzen, Eisen wird natürlich bevorzugt, kommt aber nur durch Handel in ihre Hände, weshalb in früheren Zeiten das Kupfer das Material zur Herstellung ihrer Waffen und Werkzeuge nahezu ausschliesslich hergab.Von Transportgeräthen sind erwähnenswerth der Apirang und der Cayabang, ersterer ist ein auf dem Rücken zu tragender Korb aus Rohr und Bambus, letzterer ist gleichfalls ein Korb von vollendeter Arbeit, welchen nur Weiber tragen, er hat die Gestalt eines abgestumpften Kegels; zum Fortschaffen und Aufbewahren verschiedener Gegenstände dienen auch die Sackgattungen Upit und Sagupit, beide aus Bejuco und anderen Rohr- und Gras-Gattungen geflochten. Der Upit hat einen doppelten Boden (Scheidnagel 126).Die Dörfer der Igorroten sind nicht klein und erscheinen noch grösser durch den Umstand, dass jedes Haus von dem anderen durch einen viereckigen Hofraum geschieden ist (Semper, Erdk. XIII, 90), dieser Hofraum ist von einem aus rohbehauenen Steinen zusammengefügten Walle umgeben. Die Hütten sind je nach der Lage des Dorfes aus verschiedenen Materialien hergestellt; wo spanisches Rohr und Cogongras noch fortkommen, werden aus ersterem die Wände, aus letzterem die Bedachung verfertigt, in den höheren Gebirgen dienen zum Hausbaue Dielen und Balken aus Fichtenholz (Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Igorroten-Hütten in den Niederungen von Lepanto haben bereits ilocanisches Gepräge (Lillo 31). Der Grundriss ist viereckig, die Zimmer sind vier Fuss hoch; zwischen der Zimmerdecke und dem Dache ist der Reis aufgehäuft; selten läuft um das Haus eine Galerie (Semper, Erdk. XIII, 90). Die Hütten haben keine Fenster und nur eine einzige niedrige Eingangsthür, zu welcher man auf einer Leiter—denn auch hier ruhen die Hütten etwas erhöht über dem Erdboden—gelangt (Lillo 31). Der Feuerherd befindet sich gewöhnlich in der Mitte des einzigen Zimmers (Semper, Erdk. XIII, 90). In manchen Gegenden umgeben die Igorroten ihre Häuser mit Bambuszäunen (Scheidnagel 75). Das Innere der Hütten starrt von Schmutz, Russ und Asche (Semper, Erdk. XIII, 90;Mas,pobl. 24;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Früher schmückten die Igorroten das Äussere und Innere ihrer Behausungen mit den Köpfen der erlegten oder geschlachteten Thiere aus, wodurch die ganze Umgebung der Hütte durch infernalischen Gestank verpestet wurde (Mas, pobl. 20;Semper, Erdk. XIII, 94), jetzt beginnt diese Sitte zu verschwinden, wenigstens in Benguet und Lepanto.Die Igorroten sind fleissige Ackerbauer, sie bauen Reis, Mais, Patatas, Camote und verschiedene Gemüsegattungen, ferner Tabak. Kaffee wird zwar in ihrem Lande gepflanzt, aber diese Plantagen sind im Besitze und in Verwaltung von Spaniern und Mestizen (Lillo 41). Vor dem Auftreten der Spanier scheinen sie nur Reis gebaut zu haben und diesen nicht in genügender Menge, denn zu Ende des XVII. Jahrhunderts tauschten die Igorroten in Ilócos nicht allein Schweine und Büffel, sondern auch Reis ein (Morga-Stanley 284). Lillo Gracia sagt von den Igorroten von Lepanto, dass sie beständig darnach streben, neue, ihnen unbekannte Sämereien und Pflanzen anzubauen. Hie und da, wo das schon kühlere Klima ihres Landes es zulässt, bauen sie Zuckerrohr, Mangobäume und Apfelsinen (Semper, Erdk. XIII, 72).Bewunderungswürdig ist die Anlage ihrer Felder an steilen Berglehnen und das Berieselungssystem, welches ihren Äckern das nöthige Wasser bringt. Die schroffsten Abhänge sind durch mühseliges Aufthürmen von Felsblöcken in Terrassenfelder verwandelt worden (Semper, Skizzen 59, und in Erdk. XIII, 91;Lillo 39). Den Feldern wird das Wasser durch ausgezeichnet nivellirte Canäle zugeführt, Schluchten und Bergklüfte werden durch primitive Aquäducte überbrückt, welche aus rinnenartig ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt sind (Lillo 40). Um fruchtbare Äcker zu gewinnen, brennen die Igorroten grosse schöne Fichtenwaldungen nieder (Lillo 46). Das Pflügen und der Terrassen- und Canalisirungs-Bau liegt den Männern ob, alle übrige Feldarbeit ist Sache der Weiber und Kinder (Lillo 32). Der Reis wird nicht geschnitten, sondern Halmfür Halm ausgerissen (Semper, Erdk. XIII, 91). Nach der Ernte werden die Felder unter Wasser gesetzt und dann gepflügt. Zu letzterer Arbeit wird nur in den Niederungen der Büffel mit benutzt, in den Berghöhen arbeitet der Mensch allein (Lillo 39). Der Pflug ist eine Art Harke (Semper, l. c.). In Lepanto besteht er aus eisenbeschlagenen Stäben, welche die Erde aufreissen, worauf die Schollen durch Daraufschlagen zerbröckelt werden (Lillo, l. c.).Von einer Viehzucht in dem bei uns üblichen Sinne des Wortes ist bei den Igorroten keine Rede. Sie besitzen zwar Büffel, Schweine (und seltener) Rinder und Pferde, aber ohne sich mit deren Zucht und Pflege zu befassen, so dass sie genöthigt sind, diese Thiere in grossen Mengen in Ilócos aufzukaufen, denn bei ihren Festschmäusen werden ungeheuere Massen Fleisch vertilgt, der Bedarf ist daher ein grosser. Die Pferde werden nur des Fleisches wegen gezogen, die wenigen, welche nicht dem Schlachtmesser verfallen, sind durch frühe Dienstleistung bald ruinirt (Lillo 41). Auch der Hund muss sein Fleisch hergeben. Da das letztere Thier, sowie das Schwein und das Huhn nur unter gewissen Ceremonien und unter priesterlicher Beihülfe geschlachtet werden können (Semper, Erdk. XIII), so ist der Schluss berechtigt, dass diese drei Thiergattungen die einzigen Hausthiere der Igorroten waren, als sie Luzon betraten und ihre jetzigen Wohnsitze einnahmen. Trotz dieser Vorliebe und religiösen Scheu Schweinen und Hühnern gegenüber sind die Igorroten von Lepanto so nachlässig und träge, dass sie, anstatt diese Thiere selbst zu ziehen, solche zu ziemlich hohen Preisen von ilocanischen Händlern einkaufen (Lillo 42). Die Hunde werden hingegen gut gepflegt und sogar Nachts in die Hütte mitgenommen, wo Menschen und Thiere sich in der Nähe des wärmenden Herdes lagern (Semper, Erdk. XIII, 90). Ställe für Büffel, Rinder und Pferde giebt es nicht, diese Thiere müssen im Freien die kühlen Nächte (in Benguet +7° R.) zubringen.Ihre gewöhnliche Nahrung besteht in Camote, Reis, dem Fleische ihrer Hausthiere und Wildpret, letzteres wissen sie für längere Zeit zu conserviren (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). In der Bereitung der Fleischspeisen sind sie nichts weniger als heikel, für gewöhnlich braten sie das Fleisch, doch essen sie es auch im rohen Zustande, selbst die Büffelhaut wird nicht verschmäht und in lange Streifen zerschnitten noch blutig verschlungen (Semper, Erdk. XIII, 94). Ein Leckerbissen ist den Igorroten der in den Eingeweiden eines frischgeschlachteten Büffels befindliche Koth (Mas, pobl. 23). Semper (Erdk. XIII, 94) sah bei einem Festschmause, wie sie den Saft aus den Excrementen eines geschlachteten Büffels als Sauce auf rohes Fleisch auspressten. Sie geniessen das Fleisch auch im Fäulniss-Zustande (Lillo 28).Den grössten Theil ihrer Reisernte verwandeln sie in Bundang oder Siniput, ein saures, berauschendes Bier (Semper, Erdk. XIII, 92). Ein anderer gegohrener Trank wird aus Zuckerrohr bereitet und heisst „Basig” oder „Basi”.Von den civilisirten Malaienstämmen der Philippinen unterscheiden sie sich vorteilhaft dadurch, dass sie keinen Buyo kauen, dagegen rauchen Männer und Weiber von früher Jugend an leidenschaftlich Tabak, und zwar aus Pfeifen (Lillo 30). Letztere werden von ihnen selbst fabricirt und bestehen aus Stein, Holz oder Bronze (Messing).Sobald ein Weib Geburtswehen fühlt, eilt sie zu einem Flusse oder Bache, in dessen Wasser sie das neugeborene Kind sofort badet, dann legt sie das Kindlein in eine Art Korb, der über den Schultern festgehalten wird und geht damit heim (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). Werden Zwillinge geboren, so wird das zuletzt geborene Kind der ersten besten Familie geschenkt, die es adoptiren will; findet sich Niemand, der sich des armen Wesens erbarmt, so wird das Kind erwürgt oder lebendig begraben (Lillo 25). Dieser barbarische Brauch ist im raschen Schwinden begriffen. Das neugeborene Kind erhält den Namen desjenigen, der es zuerst beschenkt, doch werden die Namen im Leben mehrmals gewechselt (Lillo, l. c.).Entgegen den liederlichen Sitten der Tagalen und Visayer hüten die Igorroten ängstlich die Keuschheit ihrer Mädchen. Sobald die Kinder geschlechtsreif werden, tritt eine vollständige Isolirung der Jünglinge und Mädchen ein. In jedem Dorfe giebt es zwei grosse Häuser, in dem einen bringen die Jungfrauen, in dem anderen die Jünglinge die Nacht zu; ein Greis bei den letzteren, eine Greisin bei ersteren führen die Oberaufsicht und verhindern, dass Jemand zur Nachtzeit sich hinaus- oder hereinschleiche (Lillo 27). Bei Tage werden die Jungfrauen bei jedem Ausgange von älteren Frauen ihrer Familie oder dem Vater selbst begleitet und bewacht (Lillo, l. c.). Der Fehltritt eines Mädchens wurde bei einigen Stämmen mit dem Tode (Mas, pobl. 23), bei anderen durch schwere Züchtigung bestraft (Lillo 29). Diese Strenge bewirkte, dass die Mädchen, welche ihren Trieben freie Zügel schiessen liessen, indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschten, vorgaben, von Affen im Walde genothzüchtigt worden zu sein (Mittheilungen des Fray Lorenzo Juan in Mas, pobl. 23). Der Verkehr mit den eingewanderten christlichen Ilocanen und Pangasinanen, sowie mit den Soldaten der Forts hat diese reinen Sitten auf vielen Punkten untergraben (Lillo 32).Verliebt sich ein Jüngling in ein Mädchen und sind beide Eltern einem Ehebündnisse ihrer Kinder geneigt, so gestatten die Eltern der Braut dem Jünglinge, mit ihrer Tochter im Concubinate zu leben, denn es gilt vor Allem, die Fruchtbarkeit derselben zu erproben (Lillo 27). Wirddie Braut binnen einer bestimmten Frist schwanger, so findet erst die Hochzeit Statt, im entgegengesetzten Falle tritt der Bräutigam zurück (Lillo, l. c.). Wer ohne Grund seine Braut verliess, wurde früher geköpft (Lillo 29). Die Hochzeit beginnt mit einem religiösen Acte: die Priesterin erscheint, und unter Anrufung der Anitos verrichtet sie in Gegenwart aller Verwandten ihren Hocuspocus. Während der ganzen Ceremonie ruht der Fuss des Bräutigams auf dem der Braut (Lillo 27). Dann folgt der Festschmaus, welcher oft 8 bis 9 Tage dauert, während dieser Zeit bleibt das Ehepaar unsichtbar (Mas, pobl. 19).Die Igorroten kennen nur die Monogamie, und die Heiligkeit der Ehe wird ungemein hochgehalten. Die noch unabhängigen Igorroten tödten jedes ehebrecherische Weib durch Kopfabschlagen, die unter spanischer Herrschaft stehenden lassen es mit einer schweren körperlichen Züchtigung bewenden (Lillo 29). Die Ehen sind nur durch den Tod löslich (Lillo 27). Die Witwe gehört zur Familie ihres verstorbenen Gatten, ohne deren (seltene) Einwilligung sie sich nicht wieder vermählen darf, in welchem Falle sie jedes Recht auf ihre Kinder von ihrem ersten Gatten verliert, deren Vormundschaft und Schutz der Familie desselben zufällt (Lillo 27). Der Witwer darf sich erst nach sieben Jahren wieder verheirathen, während dieser ganzen Zeit fordert der gute Anstand von ihm, durch dumpfes Stillschweigen und Vorsichhinbrüten, sowie durch gänzliche Vernachlässigung der ohnehin geringen körperlichen Reinlichkeit, seine Trauer um die verstorbene Gattin zur Schau zu tragen (Lillo, l. c.).Im Familienleben der Igorroten fällt angenehm die Hochachtung auf, welche den Greisen gezollt wird (Lillo 29), minder vortheilhaft klingt die Meldung, dass noch im Anfange dieses Jahrhunderts die Igorroten ihre Kinder gern an die guten Christen von Ilócos und Pangasinán verkauften. Die Kinder wurden von den „edlen” Indiern zu Viehhirten und Knechten aufgezogen, der Preis schwankte zwischen 20 bis 30 Pesos, nur mit grosser Mühe gelang es der spanischen Regierung, diesen schändlichen Handel mit lebendigem Menschenfleisch auszurotten (Mas, pobl. 34).Ist ein vornehmer Igorrote verschieden, so wird eine Priesterin geholt, welche an die Leiche Fragen stellt, wie z. B.: „Warum hast du deine Verwandten und Freunde verlassen?”Dann werden alle Verwandten, auch die entferntesten, von dem Todesfalle benachrichtigt, welche auch insgesammt erscheinen; jeder tritt vor den Todten, grüsst ihn und drückt ihm die Hand, wobei er die oben erwähnte Frage der Priesterin wiederholt. Der Leichnam wird nicht eher begraben, als bis alle Blutsfreunde ihm diese letzte Ehrenbezeugung erwiesen, was oft 8 bis 9 Tage währt; bei den mehr civilisirten Igorroten wird die Leiche früher bestattet oder wenigstens auf den Friedhof gebracht (Lillo 25 f.). Während der ganzen Zeit, wo der Todte von seinen Verwandten begrüsst und besucht wird, feiert man vor dem Hause ein Cañao (Fest), d. h. es werden ungeheuere Quantitäten Fleisch und Reis verschlungen und noch viel mehr Basi getrunken. Der Aufwand ist oft so übertrieben, dass manche Familie durch ein solches Todtenfest vollständig verarmt (Lillo 26). Die Igorroten von Benguet begraben ihre Todten ohne die angeführten Ceremonien und überdiess kurze Zeit nach der Sterbestunde (Semper, Erdk. XIII, 95). In einigen Gegenden werden die Leichen über einem Feuer gedörrt (Lillo 26 u. Semper, l. c.) in anderen, wiewohl selten, auch einbalsamirt (Semper, Erdk., l. c.). Der Leichnam wird sitzend (Lillo 26, Semper, l. c.) in einen kistenartigen Sarg gesteckt, welcher, wenigstens in Lepanto, aus einem Holze verfertigt wird, das angeblich die Fäulniss verhindert (Lillo, l. c.). In Benguet bestehen die Särge, an welchen mitunter Schnitzereien angebracht sind, aus Fichtenholzbrettern (Semper, Erd. XIII, 96). In den Sarg werden Lebensmittel mitgegeben. Ein Sarg enthält oft zwei und mehr Leichen (Semper, Erdk. XIII, 96). In Benguet werden die Todten meist unter oder neben den Häusern bestattet (Semper, Erdk. XIII, 95), jedoch werden mit Vorliebe Höhlen zu Begräbnissplätzen ausgesucht (Lillo 6), was um so bemerkenswerther ist, als auch die Visayer vor der Annahme des Christenthums dieselbe Weise der Todtenbestattung ausübten. Die Höhlen werden, wo die Natur sie nicht gebildet, künstlich vermittelst des Feuers in den Felsen hineingearbeitet (Semper, Erdk. XIII, 96). Die Begräbnissstätten der Häuptlinge und Vornehmen heissen „Luddut”, jede Familie hat da ihren bestimmten Platz, gleichsam ihre Familiengruft (Mas, pobl. 18). Früher geschah es mitunter, dass die Leiche (bei Leuten geringeren Standes) von den Cañao-Festgenossen aufgezehrt wurde. Mas (pobl. 19) erwähnt einen solchen Vorfall, der sich in der Igorroten-Niederlassung Baruncucureng bei dem Pueblo Tagudin noch in diesem Jahrhunderte zugetragen hat.Jeder Mord und Todtschlag, welchen ein Fremder verübt, wird durch Blutrache gegen dessen Dorf gesühnt, falls nicht Wehrgeld erlegt wird (Mas, pobl. 18). Bei ihrem zu Gewaltthaten geneigten Sinne und dem Ruhm, den jener geniesst, der seine Hütte mit recht vielen Menschenschädeln schmücken kann, nimmt die Schlächterei unter ihnen nur dort ein Ende, wo die Autorität der spanischen Behörden volles Gewicht hat. Die Igorroten von Benguet zeichneten sich durch eine grössere Kriegslust aus als die Buriks und Busaos. Die Bewohner von Ilócos und Pangasinán waren in den Zeiten, wo die Igorroten noch unabhängig waren, beständig durch Banden dieser Kopfjäger beunruhigt. Bei einzelnen Stämmen herrschte früher der Brauch, dass, wennein Todter 2, 3, 4 &c. Finger der Hand ausgestreckt hielt, seine Hinterbliebenen ebensoviele Menschen tödten mussten; so nahm das Morden kein Ende (Mas, pobl. 23). In der bestialischen Wuth tranken sie mitunter das warme Blut des Unglücklichen, dem sie soeben den Kopf abgeschlagen (Mas, pobl. 22). Kehrte ein Kopfjäger mit seiner schauerlichen Beute heim, so erschienen die gesammten Bewohner des Ortes in dem Hause desselben und tanzten unter wildem Geschrei und Gejohle um die blutigen Feindesköpfe, Reis- und Zuckerrohr-Branntwein wurde in Massen vertilgt, und Tage verstrichen oft, ehe diese entsetzliche Festlichkeit endete, welche den Blutdurst und die Roheit der Igorroten in grellem Lichte offenbarte (Lillo 24). Den Krieg führten sie am liebsten im Hinterhalte, wurden sie aber vom Feinde im offenen Felde angegriffen, so wussten sie sich mit grosser Bravour zu vertheidigen. Wollten die Igorroten herannahenden Fremden erklären, dass ein Betreten ihres Gebietes gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung wäre, so legten sie Bogen und Pfeil auf den Weg und besprengten die Erde mit Blut (Mas, pobl. 44). Sie warfen auch Schanzen auf, um Feinden den Zugang in ihre Thäler zu versperren (Galvey’s Tagebuch in Mas, pobl. 58).Ihre Religion erinnert lebhaft an jene der alten Tagalen. Sie glauben an ein oberstes göttliches Wesen, welches die ganze Schöpfung regiert und nennen es „Apu” oder „Apo” oder (in Lepanto) „Lumaoig” (Lillo 21). Die Gemahlin des Apu heisst Bangan, seine Kinder sind der Sohn Ubban und die Tochter Bugan. Ausserdem giebt es zwei Untergötter: Cabigat und Suyan. Diese Gottheiten wohnen am westlichen Himmel und stehen mit den Menschen durch die Anitos im Verkehr (Lillo, l. c.). Die Namen der Götter werden in jedem Dorfe verschieden angegeben. Donnert es, so sagen sie, der Gott Cabuniang verlange Schweine8zum Opfer, sie kommen auch seinem Verlangen unter grossen Festlichkeiten nach (Mas, pobl. 16). Den Igorroten am Rio Agno wird die Sonne zur Gottheit, als deren Kinder die Götter Magsib und Caspök gelten, welche letzteren in Krankheitsfällen angerufen werden und auch sonst einen in Festlichkeiten bestehenden Cultus besitzen (Semper, Erdkunde XIII, 94).Den Göttern wird aber viel weniger Verehrung erwiesen, als den Seelen der verstorbenen Ahnen, den Anitos. In jedem Dorfe befindet sich ein heiliger Baum, den man als Wohnsitz von Anitos ansieht. Unter diese Bäume werden Opferstöcke hingestellt, welche natürlich dem ersten vorbeistreifenden Hunde ein willkommenes Fressen bieten. Vor diesen Bäumen stehen oft (Lillo 20) Felsblöcke oder Steine in Form von Altären, auf welchen die Opfer den Anitos dargebracht werden. Am unteren Rio Agno giebt es nur hie und da Opferplätze (Semper, Erdk. XIII, 94). Der Anito-Cultus zieht wie der rothe Faden in dem Tauwerk der englischen Marine durch alle Anschauungen, Sitten, Bräuche und Lebensgewohnheiten der Igorroten. Bei jedem Anlasse werden sie angerufen und jeder Vorfall, besonders wenn er schlimmer Natur ist, ihrem Einflüsse zugeschrieben, deshalb sucht man sie sich stets gewogen zu erhalten. Vor der Aussaat des Reises wird ihnen ein grosses Opferfest abgehalten, damit sie Saaten und Felder schützen &c. Die Anitos rufen auch die Krankheiten hervor und erzeugen verderbliche Dünste in Feld und Flur. Die Igorroten des in Lepanto liegenden Ortes Cabugatan halten die Aale ihres Baches für Verkörperungen ihrer Anitos, weshalb sie ihnen nicht nur kein Leid zufügen, sondern sie selbst füttern (Lillo 21). Mitunter findet man (in Lepanto) rohe Holzbilder, welche einen stehenden oder hockenden Mann darstellen, es sind diess Bilder der Anitos. Semper traf bei den südlichen Igorroten keine derartigen Bilder. Besonders zur Nachtzeit ziehen die Anitos herum, um Schaden zuzufügen (Mas, pobl. 17).Die Igorroten besitzen einen Priesterstand, dessen Mitglieder der Mehrzahl nach Weiber sind, wie diess bei den Tagalen und Visayern in den Zeiten der Conquista ebenso der Fall war. Der männliche Priester heisst Mambunung, in jedem Dorfe ist nur einer, der erst auf dem Todtenbett seinem Sohne die Gebetsformeln mittheilt (Semper, Erdkunde XIII, 94). Diese Mambunungs heilen auch Krankheiten, indem sie das Gesicht des Leidenden mit dem Blute eines geschlachteten Opferthieres beschmieren; als Bezahlung erhalten sie Gold und die besten Fleischstücke des Opferthieres (Semper, l. c.). Schweine, Hunde und Hühner dürfen nicht geschlachtet werden, ausser sie werden vom Mambunung eingeweiht und Theile ihres Fleisches den Göttern oder Anitos geopfert.Meist werden alle religiösen Ceremonien durch Priesterinnen, die sogenannten „Asiteras”, geleitet, es sind diess gewöhnlich alte Weiber, welche die Opfer bei den religiösen Festen, den Cañaos, zu verrichten haben. Die Anlässe zur Veranstaltung solcher sind verschiedenartigster Natur, wie: Erkrankung, plötzliches Umstehen des Viehes, eine Leichenbestattung, Hochzeiten, das Erblicken gewisser Vögel oder einer Ratte, welche den Weg kreuzt, ferner der Neubau eines Hauses oder der Aufbruch eines Kopfjägers, der Blutrache ausüben will (Lillo, 19 f.). Die Asiteras leiten das Fest, das in ein Fress- und Saufgelage ausläuft, mit dem Schlachten eines Opferthieres ein, indem sie unter Hersagen verschiedener Stossgebete und Ausrufungen mit dem Opferblute die Umstehenden oder das Anitobild besprengen. DieAsiterasgeben vor, von einem Anito begeistert zu sein(Lillo 20). Zum Abhalten dieser religiösen9Feste, Cañaos, besitzt jedes Dorf einen kleinen Schuppen, vor dem ein offener Platz sich befindet (Lillo 24).Das Erscheinen des Regenbogens halten die Igorroten für ein gutes Omen, kreuzt hingegen eine Schlange den Weg, so kehren sie augenblicklich um (Mas, pobl. 16). Wenn sie irgendwohin aufbrechen wollen, so zünden sie ein Feuer an, schlägt der Rauch nach der ihrem Ziele entgegengesetzten Richtung, so halten sie diess für ein sehr schlimmes Zeichen und unterlassen sofort den Zug (Mas, l. c.). Unter ihren „abergläubischen” Bräuchen verdient folgender einer Erwähnung: Wenn bei dem Neubaue eines Hauses Jemand bei der Errichtung der Grundpfeiler niest, so muss der Bau sofort unterlassen werden, sonst würde von den Betheiligten einer bald sterben müssen (Lillo 23).Das Christenthum hat zwar bei ihnen Eingang gefunden, breitet sich aber nur langsam, wenn auch sicher, aus. Man hat schon in den vergangenen Jahrhunderten Versuche gemacht, sie zum Christenthume zu bekehren, aber P. Mozo (Misiones 80) gesteht freimüthig, dass die wenigen Igorroten, welche die Taufe nahmen, diess nur thaten, um ihre Stammesgenossen um so leichter und wohlfeiler mit Mänteln, Schweinen, Kühen und (Palm-) Wein zu versehen.Über ihre nationalen Rechtsverhältnisse ist mir so gut wie Nichts bekannt. In zweifelhaften Fällen waren Gottesurtheile, wenn ich diesen Ausdruck hier anwenden darf, üblich. Zwei Arten derselben erwähnt Lillo (Lepanto 20). Mit einem spitzen Eisen von der Grösse und Gestalt eines kleinen Nagels werden die Köpfe der Streitenden geritzt, wer bei dieser Operation mehr Blut verliert, hat den Streit verloren. Ein anderes Mal wird ein kleiner Scheiterhaufen angezündet, worauf jeder der Streitenden ein gefesseltes Huhn in die Flammen wirft. In dem Augenblicke, wo die armen Thiere in den letzten Zügen liegen, werden sie wieder aus dem Feuer herausgezogen und der Leib geöffnet, wessen Huhn eine grössere Galle besitzt, der hat den Process verloren.Das Jahr zählen sie nach Ernten, die Monate nach Monden, die Stunde nach dem Stande der Sonne (Lillo 44). Ihre Gesänge sind monoton und nach unseren Begriffen unharmonisch, der Kriegsgesang besteht eigentlich nur aus einem gellenden Geschrei (Lillo 24). Ihre Musikinstrumente sind nicht zahlreich, zu erwähnen wäre zunächst der Batitin, eine Trommel aus einem ausgehöhlten Baumstamme (Lillo 28), denselben Namen giebt Semper (Erdk. XIII, 93), nur mit einer geringen Modification—batiting—, den auch bei den Igorroten üblichen Gongs. Prof. Semper erwähnt an derselben Stelle auch eine Trommel, welche die Form einer Kanone besitzt und mit einem Stück Stierleder überzogen ist. Der Gong der Igorroten von Lepanto heisst la Ganza, er besteht aus Bronze. Zur besseren Handhabung ist an die Ganza ein Henkel angemacht, welcher aus dem Kinnbacken eines Feindesschädels besteht, so adjustirte Ganzas haben einen besonderen Werth (Lillo 29).Die vornehmen Igorrotenfamilien wetteifern miteinander in Veranstaltungen von grossen Festschmäusen. Zu diesen Festen werden nur die Vornehmsten des Ortes persönlich eingeladen, die übrigen Dorfbewohner erscheinen auf das Signal von Trommelschlägen. Ehe das Gelage seinen Anfang nimmt, wird getanzt.Bei den südlichen Igorroten treten bei solchen Festen als Tänzer ein Weib mit drei bis vier Männern auf. „Das Weib dreht sich, die Arme bald weit ausstreckend, bald sie über die Brust kreuzend, wobei sie sich tief gegen die (schon bereitstehenden und mit Reisbier gefüllten) Krüge verneigt, nach einer Seite im Kreise um diese herum, in entgegengesetzter Richtung bewegen sich die Männer, deren Anführer ein breites buntfarbiges Tuch über Brust und Schultern trägt und lebhaft mit den Armen gesticulirt” (Semper, Erdk. XIII, 93). Der Tanz der Igorroten von Lepanto besteht in einem schnellen Bewegen der Beine, ohne die Füsse vom Boden zu erheben oder den Körper zu bewegen, dabei halten die Mädchen ein Tuch in den Händen, hinter welchem sie sich anscheinend zu verbergen suchen, ähnliches thut der Mann, nur fingirt er das fehlende Tuch; es tanzt immer nur ein Paar, welches rasch durch ein anderes ersetzt wird (Lillo 29).Beim Kriegstanze ahmen die mit Schild und Lanze bewaffneten Tänzer ein Gefecht nach (Lillo, l. c.), doch beginnt diese Sitte rasch zu schwinden, da bei den den Spaniern unterworfenen Igorroten keine Kriege mehr geführt werden.Ihre Industrie ist nur in Bezug auf Metallarbeiten und Bergbau von Belang. Sie besitzen zwar kleine Webeapparate (Lillo 42), können aber damit nur den geringsten Theil ihres Bedarfes an Baumwollgeweben decken. Aus der Rinde des mächtigen Baumes Baliti bereiten sie durch Klopfen und Dörren an der Sonne einen überaus haltbaren Stoff, welchen sie zu ihrem Kopfbunde, zu Schlafteppichen &c. verwenden (Scheidnagel 126). Im Flechten von Körben, Matten und Hüten sind sie sehr geschickt, letztere Industrie nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Aus Holz werden verschiedene Sachen, als Tabakspfeifen, Schüsseln &c. geschnitzt. Die „Latoc” genannte Holzschüssel hat zwei Höhlungen, eine für das Salz, die andere viel grössere für die eigentliche Speise (Scheidnagel 126). Sie sind ausgezeichnete Schmiede, ihre Werkstätten liegen nie im Dorfe, sonderntief im Walde versteckt(Semper, Erdk. XIII, 92). Aus Kupfer fabriciren sie Kessel, Kochtöpfe, Tabakspfeifen, Ketten und ähnliche Dinge. Auch Felle wissen sie gut zuzubereiten, besonders verdienen die aus dem bunten Felle der Bergkatze bereiteten Tabaksbeutel Beachtung(Scheidnagel 127).Im Bergbau übertrafen sie die übrigen Malaienstämme der Philippinen. Die reichen Kupferminen um den Mte. Datá, in Mancayan &c. werden von ihnen ergiebig ausgebeutet, ebenso die Goldgruben von Acupan, Apayao und Suyuc. Jede Familie in den erzführenden Districten hatte ihr eigenes streng abgegrenztesSchürfgebiet. „Zur Förderung des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Felsen zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und erhöhte den Boden, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme der Holzstösse stets die Decke traf”(Santos, Informe sobre las minas de cobre, in Jagor, Reisen, p. 147). Reiche Erze wurden einfach geschmolzen, die quarzhaltigen einer sehr starken Röstung unterzogen(Jagor, l. c.). Scheidnagel(p. 98)führt die Gattungen des Goldgewinnes an: Die einfache Wäsche, Galerienbau und Zerklopfen des erzhaltigen Gesteines. Die Schmelzöfen der Igorroten bestehen aus einer runden Vertiefung im Thone und haben einen Durchmesser von 0,3 m und eine Tiefe von 0,15 m. „Eine damit in Verbindung stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte conische Röhre von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf- und abbewegten und die für das Schmelzen erforderliche Luft zuführten”(Jagor, l. c. 148). Der Kupferbergbau hat stark nachgelassen(Drasche, Fragm. zu einer Geol. 36), indem die reichsten Kupferminen sich jetzt im Besitze spanischer Actiengesellschaften und Capitalisten befinden, bei denen die Igorroten, die einstigen Grubenbesitzer, Taglöhnerdienste verrichten(Lillo 52). Das Goldwaschen ist noch heute in ihren Händen; in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit war der Goldhandel allein Monopol der vornehmen Familien, denen die Plebejer—wenn ich so sagen darf—alles gefundene Gold abliefern mussten(Mozo 81). Die Igorroten in der Umgebung von Suyuc bringen noch jetzt Gold im Werthe von 12 000 Dollars in den Handel(Lillo 42).In den Zeiten der Unabhängigkeit bildete—und für die noch jetzt nicht unterworfenen Stämme gilt dasselbe—jedes Dorf einen Staat für sich(Lillo 17), wir finden also hier, wie schon Mas erwähnte (Mas, historia I, 10), dieselbe staatliche Zersplitterung wie bei den heutigen Indios civilisados in der Periode der Conquista. Der Häuptling des Dorfes gehört dem Adel an, jedoch scheint diese Würde nicht in einer einzigen Familie erblich zu sein, sondern der Tapferste—dann Mainguel genannt—oder Reichste wird Chef eines Dorfes (Lillo 17). Seine Macht ist sehr beschränkt, denn die eigentliche Regierung liegt in den Händen der gesammten Adeligen (Lillo 18). Diese werden „Bacnanes” genannt, ihnen gehört der ganze Boden und das Ackerland des Dorfstaates, in welchem gewöhnlich vier, sechs oder mehr solcher Magnatenfamilien leben. Die übrigen Dorfbewohner sind nichts anderes als Leibeigene des Adels, dessen Felder sie zu bestellen haben und denen sie sonst zu Diensten stehen; als Lohn erhalten sie dafür Speise und Trank (Lillo 18). In Lepanto werden sie Cailianes genannt (Lillo, l. c.), d. h. ebenso, wie die Plebejer in Ilócos. Die einzelnen Dorfstaaten waren beständig miteinander im Kriege begriffen.Den ersten Versuch, die Igorroten der spanischen Krone und dem Katholizismus zu unterwerfen, unternahmen die Spanier 1660, er misslang so wie mehrere andere Expeditionen, bis es 1829 den Spaniern gelang, festen Fuss im Lande zu fassen, seitdem ist ein Igorroten-Territorium nach dem anderen durch Güte und Gewalt annectirt worden. Vom 4. bis 7. März 1880 fanden neue blutige Kämpfe mit noch unabhängigen Bergstämmen Statt, welche siegreich für die Spanier endeten.Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und Autonomie erhalten, wie die übrigen Eingeborenen der Philippinen. Jede Ranchería (Dorf) wählt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher, Wähler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo 34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstösse und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es ist jedoch bemerkenswerth, dass diese öffentlichen Arbeiten meist von Weibern verrichtet werden, welche ihre Männer vertreten. Nur in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegründet, in denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876 besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern regelmässig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere können wenigstens ihren Namen unterschreiben(Lillo, l. c.). Jedenfalls verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.
2. Pampangos.Die Pampangos wohnten zur Zeit der Conquista und noch im XVII. Jahrhundert an den nördlichen Gestaden der Bai von Manila, und ihre Wohnsitze erstreckten sich von da bis an den Knotenpunkt des mächtigen Caraballo Central, ohne aber im Gebirge selbst Fuss zu fassen. Heutzutage sind sie durch die Tagalen beinahe ganz vom Meere getrennt, und die wenigen dort lebenden Pampangos werden schnell „tagalisirt”. Die heutigen Wohnsitze der Pampangos befinden sich in folgenden Provinzen: Porac, Tarlac, Pampanga, Bataán, Zambáles und Nueva Écija. Porac und Tarlac werden nahezu ausschliesslich von Pampangos bewohnt, Pampanga in überwiegender Mehrzahl, doch beginnt die seit Anfang dieses Jahrhunderts immer grössere Dimensionen annehmende Einwanderung der Ilocanen die Herrschaft des Pampango-Dialektes stark zu gefährden. In Nueva Écija werden die nordöstlichen, in Bataán die nordwestlichen und in Zambáles die westlichen Territorien dieser Provinzen von den Pampangos eingenommen.In ihrer körperlichen Erscheinung, wie in ihren Sitten und Bräuchen gleichen sie unter allen Malaien Luzons am meisten den Tagalen, so dass alles von diesen Gesagte auch für die Pampangos volle Geltung hat. Sie galten und gelten auch noch jetzt als die tapfersten unter den Malaien der Philippinen, die eingeborenen Truppen der Spanier recrutirten sich bis auf die Einführung der Conscription zum grössten Theile aus diesem kriegerischen Stamme, und sie haben ihrem Rufe überall Ehre gemacht, sowohl in den Kämpfen gegen die mohammedanischen Fürsten der Molukken, von Mindanao und Sulu als auch gegen europäische Soldaten, gegen Holländer und Briten. Bei der Unterdrückung der furchtbaren Chinesenaufstände von 1603 und 1639 haben sie sich besondere Verdienste erworben.Als die Spanier sie unterwarfen (1571) waren sie zum grössten Theile Heiden, doch hatte auch hier der Islam bereits Eingang gefunden. Ihre ursprüngliche Religion kannte auch den Ahnencultus der Tagalen und war auch sonst mit jener der Tagalen identisch. Sie sind dann durch die Spanier zum Katholicismus bekehrt worden, doch gab es noch i. J. 1848 Heiden unter ihnen, denn Diaz Arenas spricht von 100 unterworfenen heidnischen (infieles) Pampangos, welche in dem erwähnten Jahre der spanischen Herrschaft unterworfen waren.Sie besitzen auch Schlangenbeschwörer, welche Schlangenbisse heilen, diese Heilkünstler werden „Tavac” genannt (Mozo 97). Ihre Industrie ist im Vergleiche zu jener der Tagalen gering, sie umfasst dieselben Zweige wie bei den letzteren.3. Zambalen (Zambales).Die Zambalen oder Tinos bewohnen den mittleren und südlichen Theil der Provinz Zambáles, doch sind sie als wilde Bergstämme in geringer Zahl auch in den nördlichsten Theilen von Bataán anzutreffen. Erst zu Ende des XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts gelang es den Spaniern mehr durch den Eifer der Missionäre als durch Waffengewalt sie zu unterwerfen, obgleich noch heute ein nicht unbeträchtlicher Theil dieses blutdürstigen Stammes in den Bergwildnissen entweder volle Unabhängigkeit behauptet oder durch Zahlung einer geringen Geldsumme sich die Freiheit sichert.Die Zambalen zur Zeit der Conquista trugen das Haar bis auf eine frei herabwallende Locke geschoren (Morga-Stanley 269), von ihrer sonstigen Tracht wird Nichts erwähnt. Ihre Waffen waren Lanze, Schild, Messer und Pfeile, welche sie gut zu brauchen wussten. Sie lebten in Polygamie (Cañamaque, Filipinas 226). Grössere Hausthiere, nämlich Büffel (?), Rinder und Pferde erhielten sie erst durch die Missionäre (Cañamaque, Filipinas 134), Ackerbau scheint weniger als die Jagd getrieben worden zu sein, was vielleicht auf eine starke Beimischung von Negritoblut hinweist. Andererseits erwähnen Buzeta und Bravo, dass sie ein dem tagalischen ähnliches Alphabet besessen hätten, was für eine höhere Culturstufe spricht. Ihre Dörfer wurden nur von 10–30 Familien bewohnt und bildeten jedes einen Staat für sich, so dass wir hier derselben staatlichen Zersplitterungbegegnen, wie bei den Tagalen. Die Häuptlinge waren bejahrte Leute, welche nur einen geringen Einfluss auf ihre Untergebenen auszuüben vermochten. Die einzelnen Dörfer waren in beständige Fehden miteinander verwickelt, eine Folge ihrer eigenthümlichen Sitten. Starb nämlich Jemand, so legten seine Hinterbliebenen Trauer, d. h. eineschwarzeKopfbinde an, welche sie nicht eher ablegen durften, als bis sie Jemanden getödtet hatten, was an eine ähnliche Sitte der Negritos lebhaft erinnert. Dann wurde die Binde abgelegt und die Trauer mit einem Saufgelage beendet. Ein Mord oder Todtschlag innerhalb eines und desselben Tribus wurde entweder mit Gold oder Silber gesühnt oder es wurde der Familie ein Sclave oderNegrito(Cañamaque, Fil. 128) gegeben, um als Sühnopfer abgeschlachtet zu werden.Die Zambalen waren wie noch jetzt die Dayaks wüthende Kopfjäger, je mehr Köpfe erschlagener Feinde ein Zambal von einem Kriegszuge heimbrachte, desto höher stand er im Ansehen der Seinen, wodurch ihre angeborene Mordlust noch mehr gesteigert wurde (Cañamaque, Filipinas 126). Sie stiegen deshalb von den Gebirgen in die Ebenen der benachbarten christlichen Provinzen und lauerten Reisenden auf oder suchten zur Nachtzeit sich an die Dörfer heranzuschleichen. Die Schädel der Erschlagenen benutzten sie angeblich (Mozo 86) als Trinkgefässe. Auf einer Art Trophäe, welche sie beständig mit sich herumtrugen, machten sie die Zahl der erbeuteten Schädel ersichtlich (Cañamaque, Fil. 127). Nach P. Juan Ferrando (Historia de los P. P. Dominicos en las Islas Filipinas in Cañamaque, Filipinas 124) pflegten die Zambalen in ihrer Gier nach Feindesschädeln jeden Menschen zu tödten, der nicht gerade zu ihrem Stamme gehörte, und führten dann um die Schädel „satanische” Tänze auf; Ähnliches berichtet Mozo (l. c.), indem er erwähnt, dass sie die abgeschlagenen Köpfe zur Verherrlichung ihrer Feste heimschleppen. Durch diese Kopfjägerei unterscheiden sie sich auffallend von den Tagalen und Pampangos, welche diese Sitte nicht kannten.Die Religionen der alten Tagalen und Zambalen waren nicht, wie Buzeta und Bravo berichten, identisch, aber doch sehr ähnlich. Sie kannten einen obersten Gott („Malyari”), zwei minder mächtige Hauptgottheiten Acasi und Manglobag und eine Anzahl Diiminores. Der Priesterstand spielte bei ihnen eine wichtigere Rolle als bei den übrigen Malaien der Philippinen. Der Hohepriester oder Papst („Bayoc”) weihte den einzelnen Gottheiten unter langen Ceremonien die Priester. Nach Ferrando (Cañamaque, Fil. 129) spendete der Bayoc auch—wenn gleich selten—eine Art Taufe mit Schweineblut, wie denn auch hier, wie überall in diesem Archipel, das Schwein als das den Göttern angenehmste Opferthier galt. Die heiligen Feste arteten in Orgien aus. Wie viele von diesen Bräuchen sich noch heute bei den unabhängigen Zambalen (den „Cimarrones” oder „Infieles”5) erhalten haben, ist mir unbekannt. Sie leben in kleinen Dörfchen (Rancherías), deren Häuptlinge (Reyes oder Reyezuelos) den Verkehr mit den spanischen Behörden vermitteln. Sie leben von erlegtem Wilde, Honigwaben und Bataten (Camote), deren Anbau ihnen erst durch die Spanier bekannt wurde. Reis kaufen sie von ihren christlichen civilisirten Brüdern und bezahlen ihn mit den von den Chinesen hochgeschätzten Bezoarsteinen und Tabak, den sie heimlich bauen und in der Nachtzeit in die christlichen Dörfer einschmuggeln6. Die meisten Horden stehen zu den Spaniern auf dem Kriegsfuss, wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil die spanischen Finanzwächter ihre Tabakpflanzungen vernichten, doch scheint ihre Mordlust und Kopfjägerei längst erloschen zu sein, sie sind froh, wenn man ihnen Ruhe giebt.Die christlichen Zambalen weisen dieselbe Tracht auf wie die Tagalen, deren Agricultur und Industrie auch die ihre ist, wenn auch letztere noch in den Kinderschuhen liegt. Ein Rest alter heidnischer Sitte zeigt sich bei den Leichenfeierlichkeiten. So lange die Leiche im Sterbehause liegt, werden alle Eintretenden mit Speise und Trank reichlich bewirthet, und ungenirt zeigt sich allenthalben unter den Gästen frohe Lustbarkeit. Auch bei dem eigentlichen Begräbnisse herrscht keine Trauer, nur das gemiethete Klageweib heult in ohrzerreissenden Tönen hinter dem Sarge (Cañamaque, Recuerdos I, 21 u. f.). Ob der Ahnencultus bei den christlichen Zambalen sich ebenso erhalten hat wie bei den Tagalen, ist mir unbekannt geblieben.Es scheint nicht als ob die Zambalen sich als besonderer Dialektstamm werden erhalten können, die zahlreichen Einwanderer von Ilócos drohen vermöge ihrer activen Kraft diesen an und für sich schwachen Stamm ganz in sich aufzusaugen, wie diess in Bataán durch die Tagalen geschehen ist.4. Pangasinanen (Pangasinanes).Die Pangasinanen bewohnen die westlichen und südlichen Gestade des Golfes von Lingayen. Auch sie werden von den Ilocanen mehr und mehr zurückgedrängt; in den Zeiten Don Juan de Salcedo’s waren die südlichen Küstenstriche der heutigen Provinz La Union von Pangasinanen besiedelt, wo jetzt der Ilocos-Dialekt der herrschende ist. Selbst in dem Stammlande dieses Malaienzweiges, in Pangasinán, behaupten sie sich nur noch an dem Meeresstrande, das ganzeHinterland und der nördliche Theil dieser Provinz ist der friedlichen Invasion der thätigen Ilocanen anheimgefallen, welche in diesen Strichen Luzons dieselbe Rolle spielen, wie die angelsächsischen Squatter unter den spanischen Hacenderos von New Méjico und Tejas. Pangasinanen sind als Colonisten auch in dem District Benguet anzutreffen, Niederlassungen derselben findet man auch in der Provinz Nueva Écija. Compact aber wohnen sie, wie gesagt, nur am Golf von Lingayen vom Cap Bolinao bis S. Fabian.Seit 1572 sind sie der spanischen Krone unterworfen, seit 1574–76 auch ziemlich alle christianisirt worden, so dass wir bei ihnen dieselben Einrichtungen und Institutionen, Tracht und Bräuche antreffen, wie bei den Tagalen. Die Pangasinanen sind sehr fleissige Ackerbauer, Reis, Zuckerrohr und Indigo werden stark gebaut (Scheidnagel 29), der Reis speciell wird in grossen Massen exportirt, und nicht allein nach China, sondern auch nach Annam und Siam (Jagor, 239) ausgeführt. Mais wird gleichfalls sehr stark gebaut, doch dient er nur zum Viehfutter; nur in Zeiten, wo die Reisernte missrathen ist, auch zur Nahrung der Menschen (Ilustr. 1861, p. 104). Ausgedehnte Cocospflanzungen sind allenthalben zu finden, in welchen unter anderen die schöne und von den Indiern so hochgeschätzte Macalimba-Varietät dieser Palme bevorzugt wird. In den Zeiten der Conquista waren die Cocoshaine (Cocales) viel ausgedehnter als wie heute, wo der Mais- und Indigobau sowie die Pflege des Zuckerrohrs die Pangasinanen die Cultur dieser Palme um so eher vernachlässigen liess, als einige Mal ein kleines Insect riesige Cocosbestände in kurzer Zeit verwüstete.Ihre Industrie beschäftigt sich mit denselben Artikeln wie jene der Tagalen, als besondere Specialitäten der Pangasinan-Industrie werden sehr feine Hüte aus Nito- und Bejuco-Geflecht genannt (Scheidnagel 30). Aus der Rinde des Coliao-Baumes arbeiten sie sehr haltbare Taue und Stricke, welche nach dem Baume Coliaos heissen (Scheidnagel 127).Zur Zeit der Conquista hatten sie dieselben religiösenAnschauungenwie die Tagalen, heute sind alle insgesammt Katholiken. Heiden giebt es nicht mehr unter ihnen, auch findet bei den Pangasinanen seltener das „Remontarse” Statt, d. h. die Flucht in die Wälder, um dort wie ein Wilder zu leben.5. Ilocanen (Ilocanos).Zur Zeit der Conquista bewohnten die Ilocanen einen schmalen Küstenstrich vom Golf von Lingayen an bis hinauf zum Cap Bogeador. Nach dieser Zeit breiteten sie sich, zum Theil unter dem Schutze der spanischen Bajonnette, immer weiter und weiter aus. Sie besitzen eine grössere Expansivkraft als die so vielgepriesenen Tagalen. Heute bewohnen die Ilocanen die Provinzen Ilócos Norte (nur den Küstenstrich), Abra (neben Tinguianen und Igorroten), Ilócos Súr und La Union. Dann haben sie den nördlichen Theil und das Hinterland von Pangasinán inne. Zahlreiche ilocanische Einwanderer haben das fast gänzlich entvölkerte Thal von Benguet mit hoffnungsvollen Ansiedelungen versehen, in Zambáles, Pampanga und Nueva Écija ist ihre Zahl beständig im Steigen begriffen, dasselbe gilt vom westlichen Küstenstrich von Cagayán. Selbst nach den Batanes- und Babuyanes-Inseln treibt sie ihre rege Wanderlust, ja sogar im District Príncipe, an der Ostküste Luzons, haben sie sich als strebsame Colonisten mitten unter Tagalen und Ilongoten niedergelassen. In den Districten Lepanto und Bontoc sind sie gleichfalls mitten unter den Bergstämmen der Igorroten zu finden, doch muss hier ausdrücklich bemerkt werden, dass in diesen beiden Districten alle getauften Indier, gleichgültig ob sie nun Igorroten, Buriks sind, Ilocanos genannt werden, ohne Rücksicht auf ihre Abkunft (Lillo Gracia 17). Es pflegen auch in der That die getauften Igorroten die Sprache der (ihnen nahe verwandten?) Ilocanen ganz anzunehmen, und es mag vielleicht diese—freilich geringe—Beimischung mit dem Blute dieses so tapferen und kräftigen Bergvolkes auch etwas zu der lebendigen Kraft und Expansionsfähigkeit beigetragen haben, welche die Ilocanen so vortheilhaft vor der Passivität der übrigen Indios civilisados auszeichnet.Die Tracht gleicht mehr oder minder jener der Tagalen. Unentbehrlich erscheint ihnen das Waldmesser „Sual”, welches sowohl zum Bearbeiten der Erde als auch zum Behauen der Balken und Fällen der Bäume dient (Scheidnagel 124). Als Jagdwaffe benutzen sie denselben Wurfspiess wie die Igorroten, den sie gleichfalls „Cayang” nennen.Sie bauen Reis, Indigo, Mais, Zuckerrohr, Cacao, Kaffee, Cocos, Oliven und Weinreben (Ilustr. 1860, n. 14, p. 164) und überdiess Baumwolle (Ilustr. a. a. O., Cañamaque, Filip. 29). Die Hauptnahrung ist auch hier der Reis, nächst diesem werden sehr viele Fische genossen; aus dem Fische Ipon oder Dolon, der massenhaft gefangen wird, bereitet man durch Einsalzen desselben die Speise „bayon” (Ilustr. 1860, n. 12, p. 152). Die Viehzucht ist in blühendem Zustande, indem die Ilocanen an den Bergvölkern gute Käufer ihrer Büffel, Rinder und Schweine finden. Die Pferde von Ilócos gehören angeblich zu den besten der Philippinen (Ilustr., l. c.). Früher war Viehraub an der Tagesordnung (Mas, pobl. 80).Die Industrie der Ilocanen ist ziemlich entwickelt, sie besitzen sogar eine Specialität, nämlich aus Baumwolle gewebte Mäntel, die sogenannten „mantas de Ilócos”, welche einen wichtigen Exportartikel nach den übrigen Theilen von Nord-Luzon bilden. Nach Diaz Arenas (p. 291) liefertIlócos Sur ausgezeichnete Sinamay- und Nipis-Zeuge. In Ilócos Norte kommt die Abacá (Manilahanf) nicht mehr fort, als Surrogat dient die Mague-Pflanze, deren Fasern ähnliche Eigenschaften besitzen (Ilustr. 1860, n. 17, p. 200). Sonstige Industrieartikel entsprechen den tagalischen. Scheidnagel nennt drei Ölgattungen, welche in Ilócos erzeugt werden: Palo-María, Macabujay und Tagumbao.Über ihre Religion zur Zeit der Conquista ist mir Nichts bekannt, sie wurden durch den Cortés der Philippinen, Don Juan de Salcedo, der spanischen Krone unterworfen, und sind schon über drei Jahrhunderte Christen. Aus den Zeiten ihrer Unabhängigkeit datirt das grosse Missverhältniss zwischen Reich und Arm. Die Edelleute (principales) haben den Reichthum in ihren Händen, ihnen gegenüber steht die grosse Masse der immer mehr verkommenden Plebejer, der sogenannten Cailianes. Die Edelleute pflegten den Cailianes Seide oder Baumwolle zu geben, welche sie zu Geweben verarbeiten sollten. Bei der Ablieferung derselben pflegten die Cailianes bedeutend verkürzt zu werden, indem die Principales bald schlechte Beschaffenheit des Gewebes oder zu geringes Gewicht zum Vorwande nahmen, um die Cailianes zu ihren ihnenrettungslosverfallenen Schuldnern zu machen, indem sie ihnen keinen Lohn zahlten (Mas, hist. II, 60). Diese harte Bedrückung verursachte zwei blutige Plebejer-Aufstände in den Jahren 1762 und 1811. Obwohl diese Übelstände in der Neuzeit so ziemlich beseitigt erscheinen, so ist es vielleicht nicht unwahrscheinlich, die rege Auswanderungslust der Ilocanen auf die unerquicklichen Verhältnisse der Heimath zurückzuführen.6. Ibanags oder Cagayanen (Cagayanes).Die Ibanags werden gewöhnlich Cagayanes genannt, weil ihr Hauptsitz die Landschaft Cagayán und der Unterlauf des gleichnamigen Stromes ist. Diejenigen von ihnen, welche auf den Batanes- und Babuyanes-Inseln wohnen, wurden früher als ein besonderer Stamm angesehen, doch lässt sich hierüber nichts Sicheres sagen, da unsere Nachrichten über die Batanes mehr als spärlich sind. Sie bewohnen die Babuyanes-Gruppe, welche auch den Namen Islas de Ibanag führen, die Batanes-Inseln, ferner das Küstengebiet der Provinz Cagayán; ihre Ansiedelungen gehen das Thal des Rio Grande de Cagayán hinauf bis nach Furao hin in der Provinz Isabela. Der Ibanag-Dialekt dient im ganzen Stromgebiete des Rio Grande als Verkehrssprache mit den wilden Bergstämmen, es dürfte hier das Ibanag-Idiom nach und nach die Sprachen jener Horden vollständig verdrängen. Ich glaube, dass ein ähnlicher Vorgang auch auf den Batanes sich abgespielt hat, denn die Beschreibung, welche Dampier von jenen „Bashee”-Insulanern giebt, lässt sich schwer mit den Schilderungen in Übereinstimmung bringen, welche uns die Spanier von dem Habitus, der Tracht und Lebensweise der Cagayanen zur Zeit der Conquista niederschrieben. Baron Hügel schreibt über die Batanes (S. 69): „Die Bewohner werden als ein starker, gutmüthiger und vollkommen harmloser Menschenstamm geschildert”. Diess stimmt nicht mit dem Charakter der Ibanags Luzons überein, denn diese werden einstimmig von allen Schriftstellern, von den ältesten bis zu den modernsten herab, als ein kriegerischer und trotziger Stamm geschildert, und es hat auch in der That den Spaniern die Eroberung Cagayans mehr Blut gekostet, als jene der übrigen Provinzen Luzons. Reisbau, Schweine- und Ziegenzucht, sowie die Bereitung eines Branntweines aus Zuckerrohr oder Reis entsprechen ganz den ähnlichen Verhältnissen von Cagayán. Den Golddraht, den die Batanes um die Arme tragen, trugen die Cagayanen in den Zeiten der Conquista ebenfalls. Nach Waitz (Anthr. V, 62) sind die Bewohner physisch den Dayaks ähnlich, auf S. 101 werden sie wie folgt beschrieben: Farbe: dunkelkupferbraun, Gestalt: klein und untersetzt, Gesicht: rund, Stirne: niedrig, Augen: klein mit starken Augenbrauen, Nase: kurz und klein, Haar: dick und schlicht. Diese Beschreibung entspricht auch dem Bilde der Cagayanen.Die Ibanags von Cagayán sind seit dem XVI. Jahrhundert Christen, ebenso jene der Babuyanen, die Batanes sind aber noch zum grösseren Theile Heiden, leider ist es mir nicht möglich gewesen, etwas über ihre Religion zu erfahren. Die Cagayanen bekannten sich in der Zeit der Conquista ebenfalls zu einer Art von Ahnencultus, wie die Tagalen, Pampangos &c.Wie bei den naheverwandten Ilocanen war auch hier die tiefe Scheidewand zwischen den Edelleuten und Plebejern vorhanden. Die letzteren heissen in Cagayan „timavas”, was wohl mit dem tagalischen „timauas” identisch ist, womit bei den Tagalen Freigelassene in den Zeiten vor der Conquista benannt wurden. Auch hier machte sich der Hass der unterdrückten Kaste durch blutige Aufstände Luft.Die Ibanags von Cagayan und Isabela bauen dieselben Pflanzen wie die Ilocanen, die Hauptmasse der Bevölkerung widmet sich aber—zwangsweise—dem Tabaksbau, denn der Tabak dieser beiden Provinzen ist der beste der Philippinen. Die Härte, womit die Zwangscultur dieser Pflanze von der Regierung überwacht und durchgeführt wird, lässt keine nennenswerthe Industrie aufkommen (man vgl. darüber:Semper, Skizzen 41 f. und 131 f.). Die Finanzbehörde der Colonie bleibt den Tabakbauern oft Jahre hindurch den Betrag für die abgelieferten Blätter schuldig (Cañamaque, Filipinas 30).Auch bei den Ibanags herrscht eine grosse Auswanderungslust, besonders Manila zieht sie an, wo sie halbnackt in grossen Schaaren anlangen (Buzeta I, 240).7. Igorroten mit Buriks und Busaos (Igorrotes).Mit dem Namen „Igorrotes” wird viel Unfug getrieben. Spanische Schriftsteller haben alle heidnischen sogenannten „wilden” Bergstämme Luzons Igorrotes getauft, und so kamen auch unter anderen „Igorroten von Camarínes”, „Igorroten von Tayabas” in die ethnographische Literatur. Andere Autoren, wie z. B. der gelehrte D. Sinibaldo de Mas, bezeichneten mit diesem Namen alle Bergstämme Nord-Luzons, mit Ausnahme der Tinguianen, was immerhin eine gewisse Berechtigung hätte. Ich fasse unter dieser Bezeichnung die Igorroten im engeren Sinne und die Busaos und Buriks zusammen, denn diese haben eine gemeinsame Sprache, welche nur geringe dialektische Verschiedenheiten aufzuweisen hat (mündliche Mittheilung von Herrn Gumersindo Morales). Auch unterscheiden sich diese Stämme nur durch Tracht und Tätowirung voneinander, während Sitten und Bräuche nur unerheblich voneinander abweichen.Die Heimath der Igorroten bilden die Provinzen oder Districte: Benguet, Lepanto, Tíagan und Bontoc. Nach Scheidnagel (a. v. St.) finden sich auch Igorroten-Niederlassungen in den Provinzen Abra, Nueva Vizcaya und Isabela vor, doch ist es fraglich, ob Scheidnagel nicht hier den Namen der Igorroten in der oben angegebenen Weise missbraucht. Die Busaos haben die nördlichsten Sitze inne. Von der Cordillere Tila oder Tovalina an wohnen sie in den Districten Tiagan, Lepanto (nördliche Hälfte) und in Bontoc, in letzterem im Quellgebiete des Rio Caycayan. Nach der Ilustracion del Oriente (Jgg. 1818, Nr. 1, p. 4) sind sie auch in Benguet wohnhaft, was mir unwahrscheinlich vorkommt, da sie von diesem Districte durch die Buriks getrennt sind. Zu Grenznachbarn haben sie im Norden die Tinguianen und Guinanen, im Osten die Itetapanen und vielleicht auch die Suflin; südlich von ihnen wohnen die Buriks, im Osten von Santa Cruz und im Westen des Monte Data. Ihre wichtigeren Orte sind: Suyuc, Cayan, Sabangan, Cabugatan, Banao und Mancayan (Yamcayan).Südlich von den Buriks wohnen die eigentlichen Igorroten, deren Stammland das Thal von Benguet ist, obwohl sie jetzt in diesem Thale nur in verhältnissmässig geringer Zahl wohnen, indem die blutigen Kriege, welche in den zwanziger und dreissiger Jahren dieses Säculums zur Unterwerfung dieses kriegerischen Stammes führten, das blühende Land beinahe entvölkerten. Ihre wichtigeren Orte sind Benguet, Apayao, Cabacan (Cabagan), Buguias (Bujias) &c. v. Drasche (Fragm. einer Geologie, p. 27) traf Igorroten zwischen S. Nicolas am Rio Agno und Bambang (Provinz Nueva Vizcaya), bis zum Caraballo Sur. Auch hier muss ihre Zahl erheblich sich vermindert haben, denn gegen die geringe Zahl der Individuen stach die Menge der verlassenen und verfallenen Hütten ab. Einst war das von den Igorroten bewohnte Territorium grösser, im XVII. Jahrhundert wird noch der Berg von Sto. Tomas als in der „Tierra de Ygolotes”7liegend mehrfach erwähnt, und noch 1747 reichte das Gebiet der Igorroten bis zum Weichbilde der Pueblos Agoo und Aringay (Mozo 81). 1829 war die Grenze bis zum Monte Tongló (beim Monte Sto. Tomas) zurückgewichen (Mas, pobl. 46). In den Districten Lepanto und Bontoc zählte man 1876 19 852 unterworfene und 29 600 unabhängige Igorroten incl. Buriks und Busaos, während Diaz Arenas für das Jahr 1848 die Zahl 12 304 für diedamaligenProvinzen Pangasinán („in der Cordillera grande”), Abra und Ilócos Sur angiebt.Ihre Hautfarbe ist ein „nicht sehr dunkles Olivenbraun, seltener das Gelb der Mestizen” (Semper, Erdk. XIII, 90) oder gelblich kupferfarben (Ilustr. 1860, n. 12, p. 151). Nach Buzeta und Bravo (Diccionario I, 52) zeigt ihre Haut die Farbe gekochter Quitten. Ihr Körperbau ist kräftig, die Muskulatur gut entwickelt (Ilustracion, l. c.,Semper, l. c.). Die Durchschnittshöhe der Männer beträgt nach Semper (Erdk. XIII, 89) 4′ 8″ 2‴, bei Weibern 4′ 5″ 4‴ Pariser Maass.Professor Virchow nennt einen Igorrotenschädel „ausgezeichnet dolichocephal”, „von den Malaienschädeln ganz verschieden” und bemerkt weiter, „er nähere sich mehr den Formen von Palembang”. Nach Professor Semper ist auch das Gesicht länglicher und die Stirne mehr gebogen und zurücktretend als bei den Tagalen (Erdk., XIII, 90). Die Augen sind schwarz und gross, der äussere Augenwinkel ist spitz und etwas schräg nach oben gestellt (Semper, l. c.;Buzeta y Bravo I, 52;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Wangen sind gross und breit (Buzeta, l. c.). Das dichte Haar ist schwarz, glatt und ohne Glanz (Semper, Erdk., XIII, 91;Mas, pobl. 24). Erwähnenswerth ist, dass nach Lillo Gracia (p. 17) es auch reinblütige Leute giebt, die einen ebenso dichten Bart haben wie Europäer, doch lassen sich nur einzelne Berg-Igorroten von Lepanto den Bart stehen, die überwiegende Mehrzahl zieht sich die Haare am Kinne, der Brust, den Achselhöhlen und Schamtheilen mit einer kupfernen Zange aus (Semper, Erdk. XIII, 91).Allgemein wird behauptet, dass die Igorroten stark mit chinesischem Blute gemengt seien, ja es wird sogar von Mischung mit Japanern gesprochen (Novara-Reise, Ethnogr. Th., p. 32;Semper, Erdk. XIII, 89). Semper sagt: „Jemehr man sich nördlich wendet, um so schärfer tritt der mongolische Charakter hervor”. Nach ihm (Erdk., l. c.) zeigen die grossen Individuen chinesischen, die kleinen malaiischenTypus.An einer anderen Stelle (l. c., S. 91) bemerkt er: „Die Weiber nähern sich im Allgemeinen mehr dem malaiischen Typus”. Mozo bemerkt hierüber: „aparecen muy semejantes á los Chinos ..... especialmente en los ojos, en que no los quitan pinta” (Misiones, p. 63). Mas (pobl. 24) findet es auffallend, dass in ihrer Sprache der spanische Laut ch, entsprechend dem deutschen tsch, vorkommt, den angeblich die Dialekte der übrigen Malaienstämme nicht kennen. Lillo Gracia sagt von ihrer Sprache, sie sei einem corrumpirten Ilocanisch ähnlich, besitze aber eine eigenthümliche nasale Accentuirung, die an das Chinesische erinnere. Eine Vermengung mit Chinesen lässt sich nicht gut nachweisen, sie müsste jedenfalls vor der Einwanderung der Ilocanen erfolgt sein, so lange die Igorroten noch im Besitze der Küste waren, denn sonst müssten die Ilocanen auch einen chinesischen Typus aufweisen, da die Chinesen wohl mehr Berührungspunkte zu einem intimen Verkehre mit diesen vorfanden, als mit den tieferstehenden Igorroten. Jedenfalls heisst es in dieser Frage nicht voreilig sein, sondern specielle Untersuchungen über diesen Gegenstand abwarten.Das Haar tragen Männer und Weiber „vorn geradlinig über der Stirn und zu beiden Seiten des Gesichts abgeschnitten, so dass es fast die ganze Stirn bis zur Nasenwurzel, sowie die Ohren bedeckt”; am Hinterkopf lassen sie es oft lang wachsen und binden es in einen Knoten zusammen (Semper, Erdk. XIII, 91). Doch wechselt die Haartracht bei den einzelnen Stämmen (Lillo 30). Die Igorroten im engeren Sinne des Wortes tätowiren ihren Körper an Händen, Armen und der Brust (Lillo 31), doch beschränkt sich diese Sitte in den meisten Dörfern nur auf ein rohes Sonnenbild, welches auf die Handrückenfläche gemalt wird (Semper, Erdk. XIII, 90), insbesondere die Weiber dehnen die Tätowirung zumeist auf keinen anderen Körpertheil aus (Lillo, l. c.). Die Tätowirungsmuster auf Brust und Armen sind Combinationen gerader und krummer Linien, seltener findet man bildliche Darstellungen von Menschen und Thieren (Semper, l. c.). Die Tätowirungsmuster haben eine schmutzig-blaue Farbe und werden der Haut durch Nadelstiche beigebracht, die Nadel selbst ist in eine Farbmasse getaucht, welche aus Öl und einem Pulver, das durch Verbrennung blauer Baumwollenstoffe gewonnen wurde, zusammengesetzt ist (Lillo 31). Die Busaos-Igorroten tätowiren sich Blumengebilde auf die Arme (Mas, pobl. 25;Ilustracion, 1860, 152 und 285;Bastian, Reisen V. 273;Ilustr. del Oriente, 1878, Nr. 1, p. 4), andere Körpertheile werden nicht tätowirt. Die Buriks-Igorroten tätowiren sich den Körper in einer Weise, dass er wie mit einem Panzerhemde bedeckt erscheint, während die Arme mit schlangenartigen Mustern versehen werden (Mas, pobl. 25). Bemerkenswerth ist die Sitte, dass bei Vornehmen die Zähne mit einem breiten Goldblech bedeckt werden (Semper, Erdk. XIII, 90). Denselben Brauch fanden die Spanier bei der Eroberung des Archipels bei Tagalen und Visayern vor.Den schmutzigen Körper und die nie gekämmten Haare verhüllen verschiedenartige Tracht und Gewandung. Bei der Feldarbeit wird von den Männern nur der Bajaque oder Baac—eine Art Schurz—getragen (Lillo 31). Der Bajaque besteht aus Baumwollenzeug oder Baumrinde (Mas, pobl. 23). Sonst wird noch ein Mantel getragen, „aus Baumwollenzeug verfertigt und ilocanischer Provenienz”, da dieser „Mantel” viereckig ist, könnte er wohl besser Plaid genannt werden. Der Plaid ist lang genug, dass er doppelt um den Leib herumgeschlagen werden kann, er ist blau und weiss gestreift oder schwarz; wenn ganz von weisser Farbe, gilt er als Trauergewand (Mas, pobl. 23). Diese anscheinende Anlehnung an chinesischen Brauch liefert aber kein neues Beweismaterial für die Chinesen-Abstammungs-Hypothese, denn die Spanier fanden in den Zeiten der Conquista Weiss als Trauerfarbe im ganzen Archipel, und noch heute ist es so auf den Sulú-Inseln.Der Kopf wird meist unbedeckt getragen (Semper, Erdk. XIII, 89), sonst tragen die Berg-Igorroten ein Zeug turbanartig um den Kopf gewunden, während die Thalbewohner mit dem Salacó das Haupt bedecken (Lillo 31). Die Tracht der civilisirten Indier (gleich der tagalischen) beginnt bereits in den Grenzdistricten die nationale zu verdrängen (Lillo, l. c.). Die Weiber tragen eine bis zu den Knieen reichende Schürze, ferner ein jackenartiges Hemd mit langen Ärmeln, welches die Brüste durch einen Schlitz erblicken lässt, beide Kleidungsstücke sind indigoblau mit weissen Streifen (Semper, Erdk. XIII, 89;Ilustr. 1860, p. 151). Die Häuptlinge tragen im Kriege einen eigenthümlichen Barigués oder Porta-itac genannten Gürtel, welcher aus kleinen blendend weissen Steinchen zusammengesetzt ist (Scheidnagel 124). Die Kleider werden nie gewaschen (Lillo 31).Als Schmuckgegenstände dienen beiden Geschlechtern Ringe und Schnüre um Hals, Arme und Beine, sowie Ohrgehänge. Um den Hals werden mit Glasperlen und Steinen bedeckte Schnüre getragen (Semper, Erdk. XIII, 90), manche legen einen aus Kupferblech bestehenden Halsschmuck an, einige tragen förmliche Hunde-Halsbänder (Lillo 30). Die Arm- und Beinringe bestehen aus Metalldraht, Glasperlenschnüren oder Pflanzenflechtwerk (Semper, Erdk. XIII, 90); eine besondere Gattung dieser Ringe heisst Bali, wird aus Kupfer verfertigt und ist mitunter vergoldet (Scheidnagel 125). Die Ohrgehänge, welche auch von den Männern getragen werden, bestehen aus Gold, Kupfer und Hundezähnen (Lillo 30;Scheidnagel, l. c.). In Ermangelungvon etwas besserem werden auch Holzpflöcke in die Ohren gesteckt. Je grösser die Ausdehnung des Ohrläppchens ist, desto grösser der Stolz.Tabak, Geld und andere Gegenstände werden in einer Art Patronentasche aus Rohrgeflecht getragen, welche an einem Bandelier hängt (Lillo 30). Semper sah viele Igorroten, welche an einer (Glas-) Perlenkette einen Ohrlöffel und jene Kupferzange beständig mit sich trugen, welche zum Auszupfen der Barthaare dient.Von ihren Geräthen und Waffen fällt zunächst ihre Axt Ligua (Aligua, Aliva) in die Augen, sie hat die Gestalt eines Trapezoids (Scheidnagel 124) und ist mit einer Spitze versehen, welche zum Aufspiessen des abgeschlagenen Feindeskopfes dient (Lillo 24). Dann kommt zunächst das zweischneidige Waldmesser Bujías oder Talibong (Talibon) in Betracht. Breite einschneidige Hackmesser, gleich den ilocanischen, und ebenso Bolos genannt, sind gleichfalls im Gebrauche. Der Talibong wird bei den Busaos nicht vorgefunden (Ilustr. 1860, p. 152). Zur Jagd wie zum Kriege dient als Hauptwaffe ein Wurfspiess mit eiserner Spitze, welcher Cayang genannt wird. Sie besitzen zwar auch Pfeil und Bogen, wissen aber diese Waffe nicht gut zu gebrauchen (Mas, pobl. 24). Als Schutzwaffe dient der aus Holz verfertigte Schild, Calata (Lillo 24). Sämmtliche Angriffswaffen sind aus Metall verfertigt, bezw. haben sie aus diesem verfertigte Spitzen, Eisen wird natürlich bevorzugt, kommt aber nur durch Handel in ihre Hände, weshalb in früheren Zeiten das Kupfer das Material zur Herstellung ihrer Waffen und Werkzeuge nahezu ausschliesslich hergab.Von Transportgeräthen sind erwähnenswerth der Apirang und der Cayabang, ersterer ist ein auf dem Rücken zu tragender Korb aus Rohr und Bambus, letzterer ist gleichfalls ein Korb von vollendeter Arbeit, welchen nur Weiber tragen, er hat die Gestalt eines abgestumpften Kegels; zum Fortschaffen und Aufbewahren verschiedener Gegenstände dienen auch die Sackgattungen Upit und Sagupit, beide aus Bejuco und anderen Rohr- und Gras-Gattungen geflochten. Der Upit hat einen doppelten Boden (Scheidnagel 126).Die Dörfer der Igorroten sind nicht klein und erscheinen noch grösser durch den Umstand, dass jedes Haus von dem anderen durch einen viereckigen Hofraum geschieden ist (Semper, Erdk. XIII, 90), dieser Hofraum ist von einem aus rohbehauenen Steinen zusammengefügten Walle umgeben. Die Hütten sind je nach der Lage des Dorfes aus verschiedenen Materialien hergestellt; wo spanisches Rohr und Cogongras noch fortkommen, werden aus ersterem die Wände, aus letzterem die Bedachung verfertigt, in den höheren Gebirgen dienen zum Hausbaue Dielen und Balken aus Fichtenholz (Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Igorroten-Hütten in den Niederungen von Lepanto haben bereits ilocanisches Gepräge (Lillo 31). Der Grundriss ist viereckig, die Zimmer sind vier Fuss hoch; zwischen der Zimmerdecke und dem Dache ist der Reis aufgehäuft; selten läuft um das Haus eine Galerie (Semper, Erdk. XIII, 90). Die Hütten haben keine Fenster und nur eine einzige niedrige Eingangsthür, zu welcher man auf einer Leiter—denn auch hier ruhen die Hütten etwas erhöht über dem Erdboden—gelangt (Lillo 31). Der Feuerherd befindet sich gewöhnlich in der Mitte des einzigen Zimmers (Semper, Erdk. XIII, 90). In manchen Gegenden umgeben die Igorroten ihre Häuser mit Bambuszäunen (Scheidnagel 75). Das Innere der Hütten starrt von Schmutz, Russ und Asche (Semper, Erdk. XIII, 90;Mas,pobl. 24;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Früher schmückten die Igorroten das Äussere und Innere ihrer Behausungen mit den Köpfen der erlegten oder geschlachteten Thiere aus, wodurch die ganze Umgebung der Hütte durch infernalischen Gestank verpestet wurde (Mas, pobl. 20;Semper, Erdk. XIII, 94), jetzt beginnt diese Sitte zu verschwinden, wenigstens in Benguet und Lepanto.Die Igorroten sind fleissige Ackerbauer, sie bauen Reis, Mais, Patatas, Camote und verschiedene Gemüsegattungen, ferner Tabak. Kaffee wird zwar in ihrem Lande gepflanzt, aber diese Plantagen sind im Besitze und in Verwaltung von Spaniern und Mestizen (Lillo 41). Vor dem Auftreten der Spanier scheinen sie nur Reis gebaut zu haben und diesen nicht in genügender Menge, denn zu Ende des XVII. Jahrhunderts tauschten die Igorroten in Ilócos nicht allein Schweine und Büffel, sondern auch Reis ein (Morga-Stanley 284). Lillo Gracia sagt von den Igorroten von Lepanto, dass sie beständig darnach streben, neue, ihnen unbekannte Sämereien und Pflanzen anzubauen. Hie und da, wo das schon kühlere Klima ihres Landes es zulässt, bauen sie Zuckerrohr, Mangobäume und Apfelsinen (Semper, Erdk. XIII, 72).Bewunderungswürdig ist die Anlage ihrer Felder an steilen Berglehnen und das Berieselungssystem, welches ihren Äckern das nöthige Wasser bringt. Die schroffsten Abhänge sind durch mühseliges Aufthürmen von Felsblöcken in Terrassenfelder verwandelt worden (Semper, Skizzen 59, und in Erdk. XIII, 91;Lillo 39). Den Feldern wird das Wasser durch ausgezeichnet nivellirte Canäle zugeführt, Schluchten und Bergklüfte werden durch primitive Aquäducte überbrückt, welche aus rinnenartig ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt sind (Lillo 40). Um fruchtbare Äcker zu gewinnen, brennen die Igorroten grosse schöne Fichtenwaldungen nieder (Lillo 46). Das Pflügen und der Terrassen- und Canalisirungs-Bau liegt den Männern ob, alle übrige Feldarbeit ist Sache der Weiber und Kinder (Lillo 32). Der Reis wird nicht geschnitten, sondern Halmfür Halm ausgerissen (Semper, Erdk. XIII, 91). Nach der Ernte werden die Felder unter Wasser gesetzt und dann gepflügt. Zu letzterer Arbeit wird nur in den Niederungen der Büffel mit benutzt, in den Berghöhen arbeitet der Mensch allein (Lillo 39). Der Pflug ist eine Art Harke (Semper, l. c.). In Lepanto besteht er aus eisenbeschlagenen Stäben, welche die Erde aufreissen, worauf die Schollen durch Daraufschlagen zerbröckelt werden (Lillo, l. c.).Von einer Viehzucht in dem bei uns üblichen Sinne des Wortes ist bei den Igorroten keine Rede. Sie besitzen zwar Büffel, Schweine (und seltener) Rinder und Pferde, aber ohne sich mit deren Zucht und Pflege zu befassen, so dass sie genöthigt sind, diese Thiere in grossen Mengen in Ilócos aufzukaufen, denn bei ihren Festschmäusen werden ungeheuere Massen Fleisch vertilgt, der Bedarf ist daher ein grosser. Die Pferde werden nur des Fleisches wegen gezogen, die wenigen, welche nicht dem Schlachtmesser verfallen, sind durch frühe Dienstleistung bald ruinirt (Lillo 41). Auch der Hund muss sein Fleisch hergeben. Da das letztere Thier, sowie das Schwein und das Huhn nur unter gewissen Ceremonien und unter priesterlicher Beihülfe geschlachtet werden können (Semper, Erdk. XIII), so ist der Schluss berechtigt, dass diese drei Thiergattungen die einzigen Hausthiere der Igorroten waren, als sie Luzon betraten und ihre jetzigen Wohnsitze einnahmen. Trotz dieser Vorliebe und religiösen Scheu Schweinen und Hühnern gegenüber sind die Igorroten von Lepanto so nachlässig und träge, dass sie, anstatt diese Thiere selbst zu ziehen, solche zu ziemlich hohen Preisen von ilocanischen Händlern einkaufen (Lillo 42). Die Hunde werden hingegen gut gepflegt und sogar Nachts in die Hütte mitgenommen, wo Menschen und Thiere sich in der Nähe des wärmenden Herdes lagern (Semper, Erdk. XIII, 90). Ställe für Büffel, Rinder und Pferde giebt es nicht, diese Thiere müssen im Freien die kühlen Nächte (in Benguet +7° R.) zubringen.Ihre gewöhnliche Nahrung besteht in Camote, Reis, dem Fleische ihrer Hausthiere und Wildpret, letzteres wissen sie für längere Zeit zu conserviren (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). In der Bereitung der Fleischspeisen sind sie nichts weniger als heikel, für gewöhnlich braten sie das Fleisch, doch essen sie es auch im rohen Zustande, selbst die Büffelhaut wird nicht verschmäht und in lange Streifen zerschnitten noch blutig verschlungen (Semper, Erdk. XIII, 94). Ein Leckerbissen ist den Igorroten der in den Eingeweiden eines frischgeschlachteten Büffels befindliche Koth (Mas, pobl. 23). Semper (Erdk. XIII, 94) sah bei einem Festschmause, wie sie den Saft aus den Excrementen eines geschlachteten Büffels als Sauce auf rohes Fleisch auspressten. Sie geniessen das Fleisch auch im Fäulniss-Zustande (Lillo 28).Den grössten Theil ihrer Reisernte verwandeln sie in Bundang oder Siniput, ein saures, berauschendes Bier (Semper, Erdk. XIII, 92). Ein anderer gegohrener Trank wird aus Zuckerrohr bereitet und heisst „Basig” oder „Basi”.Von den civilisirten Malaienstämmen der Philippinen unterscheiden sie sich vorteilhaft dadurch, dass sie keinen Buyo kauen, dagegen rauchen Männer und Weiber von früher Jugend an leidenschaftlich Tabak, und zwar aus Pfeifen (Lillo 30). Letztere werden von ihnen selbst fabricirt und bestehen aus Stein, Holz oder Bronze (Messing).Sobald ein Weib Geburtswehen fühlt, eilt sie zu einem Flusse oder Bache, in dessen Wasser sie das neugeborene Kind sofort badet, dann legt sie das Kindlein in eine Art Korb, der über den Schultern festgehalten wird und geht damit heim (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). Werden Zwillinge geboren, so wird das zuletzt geborene Kind der ersten besten Familie geschenkt, die es adoptiren will; findet sich Niemand, der sich des armen Wesens erbarmt, so wird das Kind erwürgt oder lebendig begraben (Lillo 25). Dieser barbarische Brauch ist im raschen Schwinden begriffen. Das neugeborene Kind erhält den Namen desjenigen, der es zuerst beschenkt, doch werden die Namen im Leben mehrmals gewechselt (Lillo, l. c.).Entgegen den liederlichen Sitten der Tagalen und Visayer hüten die Igorroten ängstlich die Keuschheit ihrer Mädchen. Sobald die Kinder geschlechtsreif werden, tritt eine vollständige Isolirung der Jünglinge und Mädchen ein. In jedem Dorfe giebt es zwei grosse Häuser, in dem einen bringen die Jungfrauen, in dem anderen die Jünglinge die Nacht zu; ein Greis bei den letzteren, eine Greisin bei ersteren führen die Oberaufsicht und verhindern, dass Jemand zur Nachtzeit sich hinaus- oder hereinschleiche (Lillo 27). Bei Tage werden die Jungfrauen bei jedem Ausgange von älteren Frauen ihrer Familie oder dem Vater selbst begleitet und bewacht (Lillo, l. c.). Der Fehltritt eines Mädchens wurde bei einigen Stämmen mit dem Tode (Mas, pobl. 23), bei anderen durch schwere Züchtigung bestraft (Lillo 29). Diese Strenge bewirkte, dass die Mädchen, welche ihren Trieben freie Zügel schiessen liessen, indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschten, vorgaben, von Affen im Walde genothzüchtigt worden zu sein (Mittheilungen des Fray Lorenzo Juan in Mas, pobl. 23). Der Verkehr mit den eingewanderten christlichen Ilocanen und Pangasinanen, sowie mit den Soldaten der Forts hat diese reinen Sitten auf vielen Punkten untergraben (Lillo 32).Verliebt sich ein Jüngling in ein Mädchen und sind beide Eltern einem Ehebündnisse ihrer Kinder geneigt, so gestatten die Eltern der Braut dem Jünglinge, mit ihrer Tochter im Concubinate zu leben, denn es gilt vor Allem, die Fruchtbarkeit derselben zu erproben (Lillo 27). Wirddie Braut binnen einer bestimmten Frist schwanger, so findet erst die Hochzeit Statt, im entgegengesetzten Falle tritt der Bräutigam zurück (Lillo, l. c.). Wer ohne Grund seine Braut verliess, wurde früher geköpft (Lillo 29). Die Hochzeit beginnt mit einem religiösen Acte: die Priesterin erscheint, und unter Anrufung der Anitos verrichtet sie in Gegenwart aller Verwandten ihren Hocuspocus. Während der ganzen Ceremonie ruht der Fuss des Bräutigams auf dem der Braut (Lillo 27). Dann folgt der Festschmaus, welcher oft 8 bis 9 Tage dauert, während dieser Zeit bleibt das Ehepaar unsichtbar (Mas, pobl. 19).Die Igorroten kennen nur die Monogamie, und die Heiligkeit der Ehe wird ungemein hochgehalten. Die noch unabhängigen Igorroten tödten jedes ehebrecherische Weib durch Kopfabschlagen, die unter spanischer Herrschaft stehenden lassen es mit einer schweren körperlichen Züchtigung bewenden (Lillo 29). Die Ehen sind nur durch den Tod löslich (Lillo 27). Die Witwe gehört zur Familie ihres verstorbenen Gatten, ohne deren (seltene) Einwilligung sie sich nicht wieder vermählen darf, in welchem Falle sie jedes Recht auf ihre Kinder von ihrem ersten Gatten verliert, deren Vormundschaft und Schutz der Familie desselben zufällt (Lillo 27). Der Witwer darf sich erst nach sieben Jahren wieder verheirathen, während dieser ganzen Zeit fordert der gute Anstand von ihm, durch dumpfes Stillschweigen und Vorsichhinbrüten, sowie durch gänzliche Vernachlässigung der ohnehin geringen körperlichen Reinlichkeit, seine Trauer um die verstorbene Gattin zur Schau zu tragen (Lillo, l. c.).Im Familienleben der Igorroten fällt angenehm die Hochachtung auf, welche den Greisen gezollt wird (Lillo 29), minder vortheilhaft klingt die Meldung, dass noch im Anfange dieses Jahrhunderts die Igorroten ihre Kinder gern an die guten Christen von Ilócos und Pangasinán verkauften. Die Kinder wurden von den „edlen” Indiern zu Viehhirten und Knechten aufgezogen, der Preis schwankte zwischen 20 bis 30 Pesos, nur mit grosser Mühe gelang es der spanischen Regierung, diesen schändlichen Handel mit lebendigem Menschenfleisch auszurotten (Mas, pobl. 34).Ist ein vornehmer Igorrote verschieden, so wird eine Priesterin geholt, welche an die Leiche Fragen stellt, wie z. B.: „Warum hast du deine Verwandten und Freunde verlassen?”Dann werden alle Verwandten, auch die entferntesten, von dem Todesfalle benachrichtigt, welche auch insgesammt erscheinen; jeder tritt vor den Todten, grüsst ihn und drückt ihm die Hand, wobei er die oben erwähnte Frage der Priesterin wiederholt. Der Leichnam wird nicht eher begraben, als bis alle Blutsfreunde ihm diese letzte Ehrenbezeugung erwiesen, was oft 8 bis 9 Tage währt; bei den mehr civilisirten Igorroten wird die Leiche früher bestattet oder wenigstens auf den Friedhof gebracht (Lillo 25 f.). Während der ganzen Zeit, wo der Todte von seinen Verwandten begrüsst und besucht wird, feiert man vor dem Hause ein Cañao (Fest), d. h. es werden ungeheuere Quantitäten Fleisch und Reis verschlungen und noch viel mehr Basi getrunken. Der Aufwand ist oft so übertrieben, dass manche Familie durch ein solches Todtenfest vollständig verarmt (Lillo 26). Die Igorroten von Benguet begraben ihre Todten ohne die angeführten Ceremonien und überdiess kurze Zeit nach der Sterbestunde (Semper, Erdk. XIII, 95). In einigen Gegenden werden die Leichen über einem Feuer gedörrt (Lillo 26 u. Semper, l. c.) in anderen, wiewohl selten, auch einbalsamirt (Semper, Erdk., l. c.). Der Leichnam wird sitzend (Lillo 26, Semper, l. c.) in einen kistenartigen Sarg gesteckt, welcher, wenigstens in Lepanto, aus einem Holze verfertigt wird, das angeblich die Fäulniss verhindert (Lillo, l. c.). In Benguet bestehen die Särge, an welchen mitunter Schnitzereien angebracht sind, aus Fichtenholzbrettern (Semper, Erd. XIII, 96). In den Sarg werden Lebensmittel mitgegeben. Ein Sarg enthält oft zwei und mehr Leichen (Semper, Erdk. XIII, 96). In Benguet werden die Todten meist unter oder neben den Häusern bestattet (Semper, Erdk. XIII, 95), jedoch werden mit Vorliebe Höhlen zu Begräbnissplätzen ausgesucht (Lillo 6), was um so bemerkenswerther ist, als auch die Visayer vor der Annahme des Christenthums dieselbe Weise der Todtenbestattung ausübten. Die Höhlen werden, wo die Natur sie nicht gebildet, künstlich vermittelst des Feuers in den Felsen hineingearbeitet (Semper, Erdk. XIII, 96). Die Begräbnissstätten der Häuptlinge und Vornehmen heissen „Luddut”, jede Familie hat da ihren bestimmten Platz, gleichsam ihre Familiengruft (Mas, pobl. 18). Früher geschah es mitunter, dass die Leiche (bei Leuten geringeren Standes) von den Cañao-Festgenossen aufgezehrt wurde. Mas (pobl. 19) erwähnt einen solchen Vorfall, der sich in der Igorroten-Niederlassung Baruncucureng bei dem Pueblo Tagudin noch in diesem Jahrhunderte zugetragen hat.Jeder Mord und Todtschlag, welchen ein Fremder verübt, wird durch Blutrache gegen dessen Dorf gesühnt, falls nicht Wehrgeld erlegt wird (Mas, pobl. 18). Bei ihrem zu Gewaltthaten geneigten Sinne und dem Ruhm, den jener geniesst, der seine Hütte mit recht vielen Menschenschädeln schmücken kann, nimmt die Schlächterei unter ihnen nur dort ein Ende, wo die Autorität der spanischen Behörden volles Gewicht hat. Die Igorroten von Benguet zeichneten sich durch eine grössere Kriegslust aus als die Buriks und Busaos. Die Bewohner von Ilócos und Pangasinán waren in den Zeiten, wo die Igorroten noch unabhängig waren, beständig durch Banden dieser Kopfjäger beunruhigt. Bei einzelnen Stämmen herrschte früher der Brauch, dass, wennein Todter 2, 3, 4 &c. Finger der Hand ausgestreckt hielt, seine Hinterbliebenen ebensoviele Menschen tödten mussten; so nahm das Morden kein Ende (Mas, pobl. 23). In der bestialischen Wuth tranken sie mitunter das warme Blut des Unglücklichen, dem sie soeben den Kopf abgeschlagen (Mas, pobl. 22). Kehrte ein Kopfjäger mit seiner schauerlichen Beute heim, so erschienen die gesammten Bewohner des Ortes in dem Hause desselben und tanzten unter wildem Geschrei und Gejohle um die blutigen Feindesköpfe, Reis- und Zuckerrohr-Branntwein wurde in Massen vertilgt, und Tage verstrichen oft, ehe diese entsetzliche Festlichkeit endete, welche den Blutdurst und die Roheit der Igorroten in grellem Lichte offenbarte (Lillo 24). Den Krieg führten sie am liebsten im Hinterhalte, wurden sie aber vom Feinde im offenen Felde angegriffen, so wussten sie sich mit grosser Bravour zu vertheidigen. Wollten die Igorroten herannahenden Fremden erklären, dass ein Betreten ihres Gebietes gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung wäre, so legten sie Bogen und Pfeil auf den Weg und besprengten die Erde mit Blut (Mas, pobl. 44). Sie warfen auch Schanzen auf, um Feinden den Zugang in ihre Thäler zu versperren (Galvey’s Tagebuch in Mas, pobl. 58).Ihre Religion erinnert lebhaft an jene der alten Tagalen. Sie glauben an ein oberstes göttliches Wesen, welches die ganze Schöpfung regiert und nennen es „Apu” oder „Apo” oder (in Lepanto) „Lumaoig” (Lillo 21). Die Gemahlin des Apu heisst Bangan, seine Kinder sind der Sohn Ubban und die Tochter Bugan. Ausserdem giebt es zwei Untergötter: Cabigat und Suyan. Diese Gottheiten wohnen am westlichen Himmel und stehen mit den Menschen durch die Anitos im Verkehr (Lillo, l. c.). Die Namen der Götter werden in jedem Dorfe verschieden angegeben. Donnert es, so sagen sie, der Gott Cabuniang verlange Schweine8zum Opfer, sie kommen auch seinem Verlangen unter grossen Festlichkeiten nach (Mas, pobl. 16). Den Igorroten am Rio Agno wird die Sonne zur Gottheit, als deren Kinder die Götter Magsib und Caspök gelten, welche letzteren in Krankheitsfällen angerufen werden und auch sonst einen in Festlichkeiten bestehenden Cultus besitzen (Semper, Erdkunde XIII, 94).Den Göttern wird aber viel weniger Verehrung erwiesen, als den Seelen der verstorbenen Ahnen, den Anitos. In jedem Dorfe befindet sich ein heiliger Baum, den man als Wohnsitz von Anitos ansieht. Unter diese Bäume werden Opferstöcke hingestellt, welche natürlich dem ersten vorbeistreifenden Hunde ein willkommenes Fressen bieten. Vor diesen Bäumen stehen oft (Lillo 20) Felsblöcke oder Steine in Form von Altären, auf welchen die Opfer den Anitos dargebracht werden. Am unteren Rio Agno giebt es nur hie und da Opferplätze (Semper, Erdk. XIII, 94). Der Anito-Cultus zieht wie der rothe Faden in dem Tauwerk der englischen Marine durch alle Anschauungen, Sitten, Bräuche und Lebensgewohnheiten der Igorroten. Bei jedem Anlasse werden sie angerufen und jeder Vorfall, besonders wenn er schlimmer Natur ist, ihrem Einflüsse zugeschrieben, deshalb sucht man sie sich stets gewogen zu erhalten. Vor der Aussaat des Reises wird ihnen ein grosses Opferfest abgehalten, damit sie Saaten und Felder schützen &c. Die Anitos rufen auch die Krankheiten hervor und erzeugen verderbliche Dünste in Feld und Flur. Die Igorroten des in Lepanto liegenden Ortes Cabugatan halten die Aale ihres Baches für Verkörperungen ihrer Anitos, weshalb sie ihnen nicht nur kein Leid zufügen, sondern sie selbst füttern (Lillo 21). Mitunter findet man (in Lepanto) rohe Holzbilder, welche einen stehenden oder hockenden Mann darstellen, es sind diess Bilder der Anitos. Semper traf bei den südlichen Igorroten keine derartigen Bilder. Besonders zur Nachtzeit ziehen die Anitos herum, um Schaden zuzufügen (Mas, pobl. 17).Die Igorroten besitzen einen Priesterstand, dessen Mitglieder der Mehrzahl nach Weiber sind, wie diess bei den Tagalen und Visayern in den Zeiten der Conquista ebenso der Fall war. Der männliche Priester heisst Mambunung, in jedem Dorfe ist nur einer, der erst auf dem Todtenbett seinem Sohne die Gebetsformeln mittheilt (Semper, Erdkunde XIII, 94). Diese Mambunungs heilen auch Krankheiten, indem sie das Gesicht des Leidenden mit dem Blute eines geschlachteten Opferthieres beschmieren; als Bezahlung erhalten sie Gold und die besten Fleischstücke des Opferthieres (Semper, l. c.). Schweine, Hunde und Hühner dürfen nicht geschlachtet werden, ausser sie werden vom Mambunung eingeweiht und Theile ihres Fleisches den Göttern oder Anitos geopfert.Meist werden alle religiösen Ceremonien durch Priesterinnen, die sogenannten „Asiteras”, geleitet, es sind diess gewöhnlich alte Weiber, welche die Opfer bei den religiösen Festen, den Cañaos, zu verrichten haben. Die Anlässe zur Veranstaltung solcher sind verschiedenartigster Natur, wie: Erkrankung, plötzliches Umstehen des Viehes, eine Leichenbestattung, Hochzeiten, das Erblicken gewisser Vögel oder einer Ratte, welche den Weg kreuzt, ferner der Neubau eines Hauses oder der Aufbruch eines Kopfjägers, der Blutrache ausüben will (Lillo, 19 f.). Die Asiteras leiten das Fest, das in ein Fress- und Saufgelage ausläuft, mit dem Schlachten eines Opferthieres ein, indem sie unter Hersagen verschiedener Stossgebete und Ausrufungen mit dem Opferblute die Umstehenden oder das Anitobild besprengen. DieAsiterasgeben vor, von einem Anito begeistert zu sein(Lillo 20). Zum Abhalten dieser religiösen9Feste, Cañaos, besitzt jedes Dorf einen kleinen Schuppen, vor dem ein offener Platz sich befindet (Lillo 24).Das Erscheinen des Regenbogens halten die Igorroten für ein gutes Omen, kreuzt hingegen eine Schlange den Weg, so kehren sie augenblicklich um (Mas, pobl. 16). Wenn sie irgendwohin aufbrechen wollen, so zünden sie ein Feuer an, schlägt der Rauch nach der ihrem Ziele entgegengesetzten Richtung, so halten sie diess für ein sehr schlimmes Zeichen und unterlassen sofort den Zug (Mas, l. c.). Unter ihren „abergläubischen” Bräuchen verdient folgender einer Erwähnung: Wenn bei dem Neubaue eines Hauses Jemand bei der Errichtung der Grundpfeiler niest, so muss der Bau sofort unterlassen werden, sonst würde von den Betheiligten einer bald sterben müssen (Lillo 23).Das Christenthum hat zwar bei ihnen Eingang gefunden, breitet sich aber nur langsam, wenn auch sicher, aus. Man hat schon in den vergangenen Jahrhunderten Versuche gemacht, sie zum Christenthume zu bekehren, aber P. Mozo (Misiones 80) gesteht freimüthig, dass die wenigen Igorroten, welche die Taufe nahmen, diess nur thaten, um ihre Stammesgenossen um so leichter und wohlfeiler mit Mänteln, Schweinen, Kühen und (Palm-) Wein zu versehen.Über ihre nationalen Rechtsverhältnisse ist mir so gut wie Nichts bekannt. In zweifelhaften Fällen waren Gottesurtheile, wenn ich diesen Ausdruck hier anwenden darf, üblich. Zwei Arten derselben erwähnt Lillo (Lepanto 20). Mit einem spitzen Eisen von der Grösse und Gestalt eines kleinen Nagels werden die Köpfe der Streitenden geritzt, wer bei dieser Operation mehr Blut verliert, hat den Streit verloren. Ein anderes Mal wird ein kleiner Scheiterhaufen angezündet, worauf jeder der Streitenden ein gefesseltes Huhn in die Flammen wirft. In dem Augenblicke, wo die armen Thiere in den letzten Zügen liegen, werden sie wieder aus dem Feuer herausgezogen und der Leib geöffnet, wessen Huhn eine grössere Galle besitzt, der hat den Process verloren.Das Jahr zählen sie nach Ernten, die Monate nach Monden, die Stunde nach dem Stande der Sonne (Lillo 44). Ihre Gesänge sind monoton und nach unseren Begriffen unharmonisch, der Kriegsgesang besteht eigentlich nur aus einem gellenden Geschrei (Lillo 24). Ihre Musikinstrumente sind nicht zahlreich, zu erwähnen wäre zunächst der Batitin, eine Trommel aus einem ausgehöhlten Baumstamme (Lillo 28), denselben Namen giebt Semper (Erdk. XIII, 93), nur mit einer geringen Modification—batiting—, den auch bei den Igorroten üblichen Gongs. Prof. Semper erwähnt an derselben Stelle auch eine Trommel, welche die Form einer Kanone besitzt und mit einem Stück Stierleder überzogen ist. Der Gong der Igorroten von Lepanto heisst la Ganza, er besteht aus Bronze. Zur besseren Handhabung ist an die Ganza ein Henkel angemacht, welcher aus dem Kinnbacken eines Feindesschädels besteht, so adjustirte Ganzas haben einen besonderen Werth (Lillo 29).Die vornehmen Igorrotenfamilien wetteifern miteinander in Veranstaltungen von grossen Festschmäusen. Zu diesen Festen werden nur die Vornehmsten des Ortes persönlich eingeladen, die übrigen Dorfbewohner erscheinen auf das Signal von Trommelschlägen. Ehe das Gelage seinen Anfang nimmt, wird getanzt.Bei den südlichen Igorroten treten bei solchen Festen als Tänzer ein Weib mit drei bis vier Männern auf. „Das Weib dreht sich, die Arme bald weit ausstreckend, bald sie über die Brust kreuzend, wobei sie sich tief gegen die (schon bereitstehenden und mit Reisbier gefüllten) Krüge verneigt, nach einer Seite im Kreise um diese herum, in entgegengesetzter Richtung bewegen sich die Männer, deren Anführer ein breites buntfarbiges Tuch über Brust und Schultern trägt und lebhaft mit den Armen gesticulirt” (Semper, Erdk. XIII, 93). Der Tanz der Igorroten von Lepanto besteht in einem schnellen Bewegen der Beine, ohne die Füsse vom Boden zu erheben oder den Körper zu bewegen, dabei halten die Mädchen ein Tuch in den Händen, hinter welchem sie sich anscheinend zu verbergen suchen, ähnliches thut der Mann, nur fingirt er das fehlende Tuch; es tanzt immer nur ein Paar, welches rasch durch ein anderes ersetzt wird (Lillo 29).Beim Kriegstanze ahmen die mit Schild und Lanze bewaffneten Tänzer ein Gefecht nach (Lillo, l. c.), doch beginnt diese Sitte rasch zu schwinden, da bei den den Spaniern unterworfenen Igorroten keine Kriege mehr geführt werden.Ihre Industrie ist nur in Bezug auf Metallarbeiten und Bergbau von Belang. Sie besitzen zwar kleine Webeapparate (Lillo 42), können aber damit nur den geringsten Theil ihres Bedarfes an Baumwollgeweben decken. Aus der Rinde des mächtigen Baumes Baliti bereiten sie durch Klopfen und Dörren an der Sonne einen überaus haltbaren Stoff, welchen sie zu ihrem Kopfbunde, zu Schlafteppichen &c. verwenden (Scheidnagel 126). Im Flechten von Körben, Matten und Hüten sind sie sehr geschickt, letztere Industrie nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Aus Holz werden verschiedene Sachen, als Tabakspfeifen, Schüsseln &c. geschnitzt. Die „Latoc” genannte Holzschüssel hat zwei Höhlungen, eine für das Salz, die andere viel grössere für die eigentliche Speise (Scheidnagel 126). Sie sind ausgezeichnete Schmiede, ihre Werkstätten liegen nie im Dorfe, sonderntief im Walde versteckt(Semper, Erdk. XIII, 92). Aus Kupfer fabriciren sie Kessel, Kochtöpfe, Tabakspfeifen, Ketten und ähnliche Dinge. Auch Felle wissen sie gut zuzubereiten, besonders verdienen die aus dem bunten Felle der Bergkatze bereiteten Tabaksbeutel Beachtung(Scheidnagel 127).Im Bergbau übertrafen sie die übrigen Malaienstämme der Philippinen. Die reichen Kupferminen um den Mte. Datá, in Mancayan &c. werden von ihnen ergiebig ausgebeutet, ebenso die Goldgruben von Acupan, Apayao und Suyuc. Jede Familie in den erzführenden Districten hatte ihr eigenes streng abgegrenztesSchürfgebiet. „Zur Förderung des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Felsen zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und erhöhte den Boden, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme der Holzstösse stets die Decke traf”(Santos, Informe sobre las minas de cobre, in Jagor, Reisen, p. 147). Reiche Erze wurden einfach geschmolzen, die quarzhaltigen einer sehr starken Röstung unterzogen(Jagor, l. c.). Scheidnagel(p. 98)führt die Gattungen des Goldgewinnes an: Die einfache Wäsche, Galerienbau und Zerklopfen des erzhaltigen Gesteines. Die Schmelzöfen der Igorroten bestehen aus einer runden Vertiefung im Thone und haben einen Durchmesser von 0,3 m und eine Tiefe von 0,15 m. „Eine damit in Verbindung stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte conische Röhre von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf- und abbewegten und die für das Schmelzen erforderliche Luft zuführten”(Jagor, l. c. 148). Der Kupferbergbau hat stark nachgelassen(Drasche, Fragm. zu einer Geol. 36), indem die reichsten Kupferminen sich jetzt im Besitze spanischer Actiengesellschaften und Capitalisten befinden, bei denen die Igorroten, die einstigen Grubenbesitzer, Taglöhnerdienste verrichten(Lillo 52). Das Goldwaschen ist noch heute in ihren Händen; in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit war der Goldhandel allein Monopol der vornehmen Familien, denen die Plebejer—wenn ich so sagen darf—alles gefundene Gold abliefern mussten(Mozo 81). Die Igorroten in der Umgebung von Suyuc bringen noch jetzt Gold im Werthe von 12 000 Dollars in den Handel(Lillo 42).In den Zeiten der Unabhängigkeit bildete—und für die noch jetzt nicht unterworfenen Stämme gilt dasselbe—jedes Dorf einen Staat für sich(Lillo 17), wir finden also hier, wie schon Mas erwähnte (Mas, historia I, 10), dieselbe staatliche Zersplitterung wie bei den heutigen Indios civilisados in der Periode der Conquista. Der Häuptling des Dorfes gehört dem Adel an, jedoch scheint diese Würde nicht in einer einzigen Familie erblich zu sein, sondern der Tapferste—dann Mainguel genannt—oder Reichste wird Chef eines Dorfes (Lillo 17). Seine Macht ist sehr beschränkt, denn die eigentliche Regierung liegt in den Händen der gesammten Adeligen (Lillo 18). Diese werden „Bacnanes” genannt, ihnen gehört der ganze Boden und das Ackerland des Dorfstaates, in welchem gewöhnlich vier, sechs oder mehr solcher Magnatenfamilien leben. Die übrigen Dorfbewohner sind nichts anderes als Leibeigene des Adels, dessen Felder sie zu bestellen haben und denen sie sonst zu Diensten stehen; als Lohn erhalten sie dafür Speise und Trank (Lillo 18). In Lepanto werden sie Cailianes genannt (Lillo, l. c.), d. h. ebenso, wie die Plebejer in Ilócos. Die einzelnen Dorfstaaten waren beständig miteinander im Kriege begriffen.Den ersten Versuch, die Igorroten der spanischen Krone und dem Katholizismus zu unterwerfen, unternahmen die Spanier 1660, er misslang so wie mehrere andere Expeditionen, bis es 1829 den Spaniern gelang, festen Fuss im Lande zu fassen, seitdem ist ein Igorroten-Territorium nach dem anderen durch Güte und Gewalt annectirt worden. Vom 4. bis 7. März 1880 fanden neue blutige Kämpfe mit noch unabhängigen Bergstämmen Statt, welche siegreich für die Spanier endeten.Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und Autonomie erhalten, wie die übrigen Eingeborenen der Philippinen. Jede Ranchería (Dorf) wählt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher, Wähler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo 34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstösse und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es ist jedoch bemerkenswerth, dass diese öffentlichen Arbeiten meist von Weibern verrichtet werden, welche ihre Männer vertreten. Nur in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegründet, in denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876 besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern regelmässig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere können wenigstens ihren Namen unterschreiben(Lillo, l. c.). Jedenfalls verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.
2. Pampangos.Die Pampangos wohnten zur Zeit der Conquista und noch im XVII. Jahrhundert an den nördlichen Gestaden der Bai von Manila, und ihre Wohnsitze erstreckten sich von da bis an den Knotenpunkt des mächtigen Caraballo Central, ohne aber im Gebirge selbst Fuss zu fassen. Heutzutage sind sie durch die Tagalen beinahe ganz vom Meere getrennt, und die wenigen dort lebenden Pampangos werden schnell „tagalisirt”. Die heutigen Wohnsitze der Pampangos befinden sich in folgenden Provinzen: Porac, Tarlac, Pampanga, Bataán, Zambáles und Nueva Écija. Porac und Tarlac werden nahezu ausschliesslich von Pampangos bewohnt, Pampanga in überwiegender Mehrzahl, doch beginnt die seit Anfang dieses Jahrhunderts immer grössere Dimensionen annehmende Einwanderung der Ilocanen die Herrschaft des Pampango-Dialektes stark zu gefährden. In Nueva Écija werden die nordöstlichen, in Bataán die nordwestlichen und in Zambáles die westlichen Territorien dieser Provinzen von den Pampangos eingenommen.In ihrer körperlichen Erscheinung, wie in ihren Sitten und Bräuchen gleichen sie unter allen Malaien Luzons am meisten den Tagalen, so dass alles von diesen Gesagte auch für die Pampangos volle Geltung hat. Sie galten und gelten auch noch jetzt als die tapfersten unter den Malaien der Philippinen, die eingeborenen Truppen der Spanier recrutirten sich bis auf die Einführung der Conscription zum grössten Theile aus diesem kriegerischen Stamme, und sie haben ihrem Rufe überall Ehre gemacht, sowohl in den Kämpfen gegen die mohammedanischen Fürsten der Molukken, von Mindanao und Sulu als auch gegen europäische Soldaten, gegen Holländer und Briten. Bei der Unterdrückung der furchtbaren Chinesenaufstände von 1603 und 1639 haben sie sich besondere Verdienste erworben.Als die Spanier sie unterwarfen (1571) waren sie zum grössten Theile Heiden, doch hatte auch hier der Islam bereits Eingang gefunden. Ihre ursprüngliche Religion kannte auch den Ahnencultus der Tagalen und war auch sonst mit jener der Tagalen identisch. Sie sind dann durch die Spanier zum Katholicismus bekehrt worden, doch gab es noch i. J. 1848 Heiden unter ihnen, denn Diaz Arenas spricht von 100 unterworfenen heidnischen (infieles) Pampangos, welche in dem erwähnten Jahre der spanischen Herrschaft unterworfen waren.Sie besitzen auch Schlangenbeschwörer, welche Schlangenbisse heilen, diese Heilkünstler werden „Tavac” genannt (Mozo 97). Ihre Industrie ist im Vergleiche zu jener der Tagalen gering, sie umfasst dieselben Zweige wie bei den letzteren.
2. Pampangos.
Die Pampangos wohnten zur Zeit der Conquista und noch im XVII. Jahrhundert an den nördlichen Gestaden der Bai von Manila, und ihre Wohnsitze erstreckten sich von da bis an den Knotenpunkt des mächtigen Caraballo Central, ohne aber im Gebirge selbst Fuss zu fassen. Heutzutage sind sie durch die Tagalen beinahe ganz vom Meere getrennt, und die wenigen dort lebenden Pampangos werden schnell „tagalisirt”. Die heutigen Wohnsitze der Pampangos befinden sich in folgenden Provinzen: Porac, Tarlac, Pampanga, Bataán, Zambáles und Nueva Écija. Porac und Tarlac werden nahezu ausschliesslich von Pampangos bewohnt, Pampanga in überwiegender Mehrzahl, doch beginnt die seit Anfang dieses Jahrhunderts immer grössere Dimensionen annehmende Einwanderung der Ilocanen die Herrschaft des Pampango-Dialektes stark zu gefährden. In Nueva Écija werden die nordöstlichen, in Bataán die nordwestlichen und in Zambáles die westlichen Territorien dieser Provinzen von den Pampangos eingenommen.In ihrer körperlichen Erscheinung, wie in ihren Sitten und Bräuchen gleichen sie unter allen Malaien Luzons am meisten den Tagalen, so dass alles von diesen Gesagte auch für die Pampangos volle Geltung hat. Sie galten und gelten auch noch jetzt als die tapfersten unter den Malaien der Philippinen, die eingeborenen Truppen der Spanier recrutirten sich bis auf die Einführung der Conscription zum grössten Theile aus diesem kriegerischen Stamme, und sie haben ihrem Rufe überall Ehre gemacht, sowohl in den Kämpfen gegen die mohammedanischen Fürsten der Molukken, von Mindanao und Sulu als auch gegen europäische Soldaten, gegen Holländer und Briten. Bei der Unterdrückung der furchtbaren Chinesenaufstände von 1603 und 1639 haben sie sich besondere Verdienste erworben.Als die Spanier sie unterwarfen (1571) waren sie zum grössten Theile Heiden, doch hatte auch hier der Islam bereits Eingang gefunden. Ihre ursprüngliche Religion kannte auch den Ahnencultus der Tagalen und war auch sonst mit jener der Tagalen identisch. Sie sind dann durch die Spanier zum Katholicismus bekehrt worden, doch gab es noch i. J. 1848 Heiden unter ihnen, denn Diaz Arenas spricht von 100 unterworfenen heidnischen (infieles) Pampangos, welche in dem erwähnten Jahre der spanischen Herrschaft unterworfen waren.Sie besitzen auch Schlangenbeschwörer, welche Schlangenbisse heilen, diese Heilkünstler werden „Tavac” genannt (Mozo 97). Ihre Industrie ist im Vergleiche zu jener der Tagalen gering, sie umfasst dieselben Zweige wie bei den letzteren.
Die Pampangos wohnten zur Zeit der Conquista und noch im XVII. Jahrhundert an den nördlichen Gestaden der Bai von Manila, und ihre Wohnsitze erstreckten sich von da bis an den Knotenpunkt des mächtigen Caraballo Central, ohne aber im Gebirge selbst Fuss zu fassen. Heutzutage sind sie durch die Tagalen beinahe ganz vom Meere getrennt, und die wenigen dort lebenden Pampangos werden schnell „tagalisirt”. Die heutigen Wohnsitze der Pampangos befinden sich in folgenden Provinzen: Porac, Tarlac, Pampanga, Bataán, Zambáles und Nueva Écija. Porac und Tarlac werden nahezu ausschliesslich von Pampangos bewohnt, Pampanga in überwiegender Mehrzahl, doch beginnt die seit Anfang dieses Jahrhunderts immer grössere Dimensionen annehmende Einwanderung der Ilocanen die Herrschaft des Pampango-Dialektes stark zu gefährden. In Nueva Écija werden die nordöstlichen, in Bataán die nordwestlichen und in Zambáles die westlichen Territorien dieser Provinzen von den Pampangos eingenommen.
In ihrer körperlichen Erscheinung, wie in ihren Sitten und Bräuchen gleichen sie unter allen Malaien Luzons am meisten den Tagalen, so dass alles von diesen Gesagte auch für die Pampangos volle Geltung hat. Sie galten und gelten auch noch jetzt als die tapfersten unter den Malaien der Philippinen, die eingeborenen Truppen der Spanier recrutirten sich bis auf die Einführung der Conscription zum grössten Theile aus diesem kriegerischen Stamme, und sie haben ihrem Rufe überall Ehre gemacht, sowohl in den Kämpfen gegen die mohammedanischen Fürsten der Molukken, von Mindanao und Sulu als auch gegen europäische Soldaten, gegen Holländer und Briten. Bei der Unterdrückung der furchtbaren Chinesenaufstände von 1603 und 1639 haben sie sich besondere Verdienste erworben.
Als die Spanier sie unterwarfen (1571) waren sie zum grössten Theile Heiden, doch hatte auch hier der Islam bereits Eingang gefunden. Ihre ursprüngliche Religion kannte auch den Ahnencultus der Tagalen und war auch sonst mit jener der Tagalen identisch. Sie sind dann durch die Spanier zum Katholicismus bekehrt worden, doch gab es noch i. J. 1848 Heiden unter ihnen, denn Diaz Arenas spricht von 100 unterworfenen heidnischen (infieles) Pampangos, welche in dem erwähnten Jahre der spanischen Herrschaft unterworfen waren.
Sie besitzen auch Schlangenbeschwörer, welche Schlangenbisse heilen, diese Heilkünstler werden „Tavac” genannt (Mozo 97). Ihre Industrie ist im Vergleiche zu jener der Tagalen gering, sie umfasst dieselben Zweige wie bei den letzteren.
3. Zambalen (Zambales).Die Zambalen oder Tinos bewohnen den mittleren und südlichen Theil der Provinz Zambáles, doch sind sie als wilde Bergstämme in geringer Zahl auch in den nördlichsten Theilen von Bataán anzutreffen. Erst zu Ende des XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts gelang es den Spaniern mehr durch den Eifer der Missionäre als durch Waffengewalt sie zu unterwerfen, obgleich noch heute ein nicht unbeträchtlicher Theil dieses blutdürstigen Stammes in den Bergwildnissen entweder volle Unabhängigkeit behauptet oder durch Zahlung einer geringen Geldsumme sich die Freiheit sichert.Die Zambalen zur Zeit der Conquista trugen das Haar bis auf eine frei herabwallende Locke geschoren (Morga-Stanley 269), von ihrer sonstigen Tracht wird Nichts erwähnt. Ihre Waffen waren Lanze, Schild, Messer und Pfeile, welche sie gut zu brauchen wussten. Sie lebten in Polygamie (Cañamaque, Filipinas 226). Grössere Hausthiere, nämlich Büffel (?), Rinder und Pferde erhielten sie erst durch die Missionäre (Cañamaque, Filipinas 134), Ackerbau scheint weniger als die Jagd getrieben worden zu sein, was vielleicht auf eine starke Beimischung von Negritoblut hinweist. Andererseits erwähnen Buzeta und Bravo, dass sie ein dem tagalischen ähnliches Alphabet besessen hätten, was für eine höhere Culturstufe spricht. Ihre Dörfer wurden nur von 10–30 Familien bewohnt und bildeten jedes einen Staat für sich, so dass wir hier derselben staatlichen Zersplitterungbegegnen, wie bei den Tagalen. Die Häuptlinge waren bejahrte Leute, welche nur einen geringen Einfluss auf ihre Untergebenen auszuüben vermochten. Die einzelnen Dörfer waren in beständige Fehden miteinander verwickelt, eine Folge ihrer eigenthümlichen Sitten. Starb nämlich Jemand, so legten seine Hinterbliebenen Trauer, d. h. eineschwarzeKopfbinde an, welche sie nicht eher ablegen durften, als bis sie Jemanden getödtet hatten, was an eine ähnliche Sitte der Negritos lebhaft erinnert. Dann wurde die Binde abgelegt und die Trauer mit einem Saufgelage beendet. Ein Mord oder Todtschlag innerhalb eines und desselben Tribus wurde entweder mit Gold oder Silber gesühnt oder es wurde der Familie ein Sclave oderNegrito(Cañamaque, Fil. 128) gegeben, um als Sühnopfer abgeschlachtet zu werden.Die Zambalen waren wie noch jetzt die Dayaks wüthende Kopfjäger, je mehr Köpfe erschlagener Feinde ein Zambal von einem Kriegszuge heimbrachte, desto höher stand er im Ansehen der Seinen, wodurch ihre angeborene Mordlust noch mehr gesteigert wurde (Cañamaque, Filipinas 126). Sie stiegen deshalb von den Gebirgen in die Ebenen der benachbarten christlichen Provinzen und lauerten Reisenden auf oder suchten zur Nachtzeit sich an die Dörfer heranzuschleichen. Die Schädel der Erschlagenen benutzten sie angeblich (Mozo 86) als Trinkgefässe. Auf einer Art Trophäe, welche sie beständig mit sich herumtrugen, machten sie die Zahl der erbeuteten Schädel ersichtlich (Cañamaque, Fil. 127). Nach P. Juan Ferrando (Historia de los P. P. Dominicos en las Islas Filipinas in Cañamaque, Filipinas 124) pflegten die Zambalen in ihrer Gier nach Feindesschädeln jeden Menschen zu tödten, der nicht gerade zu ihrem Stamme gehörte, und führten dann um die Schädel „satanische” Tänze auf; Ähnliches berichtet Mozo (l. c.), indem er erwähnt, dass sie die abgeschlagenen Köpfe zur Verherrlichung ihrer Feste heimschleppen. Durch diese Kopfjägerei unterscheiden sie sich auffallend von den Tagalen und Pampangos, welche diese Sitte nicht kannten.Die Religionen der alten Tagalen und Zambalen waren nicht, wie Buzeta und Bravo berichten, identisch, aber doch sehr ähnlich. Sie kannten einen obersten Gott („Malyari”), zwei minder mächtige Hauptgottheiten Acasi und Manglobag und eine Anzahl Diiminores. Der Priesterstand spielte bei ihnen eine wichtigere Rolle als bei den übrigen Malaien der Philippinen. Der Hohepriester oder Papst („Bayoc”) weihte den einzelnen Gottheiten unter langen Ceremonien die Priester. Nach Ferrando (Cañamaque, Fil. 129) spendete der Bayoc auch—wenn gleich selten—eine Art Taufe mit Schweineblut, wie denn auch hier, wie überall in diesem Archipel, das Schwein als das den Göttern angenehmste Opferthier galt. Die heiligen Feste arteten in Orgien aus. Wie viele von diesen Bräuchen sich noch heute bei den unabhängigen Zambalen (den „Cimarrones” oder „Infieles”5) erhalten haben, ist mir unbekannt. Sie leben in kleinen Dörfchen (Rancherías), deren Häuptlinge (Reyes oder Reyezuelos) den Verkehr mit den spanischen Behörden vermitteln. Sie leben von erlegtem Wilde, Honigwaben und Bataten (Camote), deren Anbau ihnen erst durch die Spanier bekannt wurde. Reis kaufen sie von ihren christlichen civilisirten Brüdern und bezahlen ihn mit den von den Chinesen hochgeschätzten Bezoarsteinen und Tabak, den sie heimlich bauen und in der Nachtzeit in die christlichen Dörfer einschmuggeln6. Die meisten Horden stehen zu den Spaniern auf dem Kriegsfuss, wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil die spanischen Finanzwächter ihre Tabakpflanzungen vernichten, doch scheint ihre Mordlust und Kopfjägerei längst erloschen zu sein, sie sind froh, wenn man ihnen Ruhe giebt.Die christlichen Zambalen weisen dieselbe Tracht auf wie die Tagalen, deren Agricultur und Industrie auch die ihre ist, wenn auch letztere noch in den Kinderschuhen liegt. Ein Rest alter heidnischer Sitte zeigt sich bei den Leichenfeierlichkeiten. So lange die Leiche im Sterbehause liegt, werden alle Eintretenden mit Speise und Trank reichlich bewirthet, und ungenirt zeigt sich allenthalben unter den Gästen frohe Lustbarkeit. Auch bei dem eigentlichen Begräbnisse herrscht keine Trauer, nur das gemiethete Klageweib heult in ohrzerreissenden Tönen hinter dem Sarge (Cañamaque, Recuerdos I, 21 u. f.). Ob der Ahnencultus bei den christlichen Zambalen sich ebenso erhalten hat wie bei den Tagalen, ist mir unbekannt geblieben.Es scheint nicht als ob die Zambalen sich als besonderer Dialektstamm werden erhalten können, die zahlreichen Einwanderer von Ilócos drohen vermöge ihrer activen Kraft diesen an und für sich schwachen Stamm ganz in sich aufzusaugen, wie diess in Bataán durch die Tagalen geschehen ist.
3. Zambalen (Zambales).
Die Zambalen oder Tinos bewohnen den mittleren und südlichen Theil der Provinz Zambáles, doch sind sie als wilde Bergstämme in geringer Zahl auch in den nördlichsten Theilen von Bataán anzutreffen. Erst zu Ende des XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts gelang es den Spaniern mehr durch den Eifer der Missionäre als durch Waffengewalt sie zu unterwerfen, obgleich noch heute ein nicht unbeträchtlicher Theil dieses blutdürstigen Stammes in den Bergwildnissen entweder volle Unabhängigkeit behauptet oder durch Zahlung einer geringen Geldsumme sich die Freiheit sichert.Die Zambalen zur Zeit der Conquista trugen das Haar bis auf eine frei herabwallende Locke geschoren (Morga-Stanley 269), von ihrer sonstigen Tracht wird Nichts erwähnt. Ihre Waffen waren Lanze, Schild, Messer und Pfeile, welche sie gut zu brauchen wussten. Sie lebten in Polygamie (Cañamaque, Filipinas 226). Grössere Hausthiere, nämlich Büffel (?), Rinder und Pferde erhielten sie erst durch die Missionäre (Cañamaque, Filipinas 134), Ackerbau scheint weniger als die Jagd getrieben worden zu sein, was vielleicht auf eine starke Beimischung von Negritoblut hinweist. Andererseits erwähnen Buzeta und Bravo, dass sie ein dem tagalischen ähnliches Alphabet besessen hätten, was für eine höhere Culturstufe spricht. Ihre Dörfer wurden nur von 10–30 Familien bewohnt und bildeten jedes einen Staat für sich, so dass wir hier derselben staatlichen Zersplitterungbegegnen, wie bei den Tagalen. Die Häuptlinge waren bejahrte Leute, welche nur einen geringen Einfluss auf ihre Untergebenen auszuüben vermochten. Die einzelnen Dörfer waren in beständige Fehden miteinander verwickelt, eine Folge ihrer eigenthümlichen Sitten. Starb nämlich Jemand, so legten seine Hinterbliebenen Trauer, d. h. eineschwarzeKopfbinde an, welche sie nicht eher ablegen durften, als bis sie Jemanden getödtet hatten, was an eine ähnliche Sitte der Negritos lebhaft erinnert. Dann wurde die Binde abgelegt und die Trauer mit einem Saufgelage beendet. Ein Mord oder Todtschlag innerhalb eines und desselben Tribus wurde entweder mit Gold oder Silber gesühnt oder es wurde der Familie ein Sclave oderNegrito(Cañamaque, Fil. 128) gegeben, um als Sühnopfer abgeschlachtet zu werden.Die Zambalen waren wie noch jetzt die Dayaks wüthende Kopfjäger, je mehr Köpfe erschlagener Feinde ein Zambal von einem Kriegszuge heimbrachte, desto höher stand er im Ansehen der Seinen, wodurch ihre angeborene Mordlust noch mehr gesteigert wurde (Cañamaque, Filipinas 126). Sie stiegen deshalb von den Gebirgen in die Ebenen der benachbarten christlichen Provinzen und lauerten Reisenden auf oder suchten zur Nachtzeit sich an die Dörfer heranzuschleichen. Die Schädel der Erschlagenen benutzten sie angeblich (Mozo 86) als Trinkgefässe. Auf einer Art Trophäe, welche sie beständig mit sich herumtrugen, machten sie die Zahl der erbeuteten Schädel ersichtlich (Cañamaque, Fil. 127). Nach P. Juan Ferrando (Historia de los P. P. Dominicos en las Islas Filipinas in Cañamaque, Filipinas 124) pflegten die Zambalen in ihrer Gier nach Feindesschädeln jeden Menschen zu tödten, der nicht gerade zu ihrem Stamme gehörte, und führten dann um die Schädel „satanische” Tänze auf; Ähnliches berichtet Mozo (l. c.), indem er erwähnt, dass sie die abgeschlagenen Köpfe zur Verherrlichung ihrer Feste heimschleppen. Durch diese Kopfjägerei unterscheiden sie sich auffallend von den Tagalen und Pampangos, welche diese Sitte nicht kannten.Die Religionen der alten Tagalen und Zambalen waren nicht, wie Buzeta und Bravo berichten, identisch, aber doch sehr ähnlich. Sie kannten einen obersten Gott („Malyari”), zwei minder mächtige Hauptgottheiten Acasi und Manglobag und eine Anzahl Diiminores. Der Priesterstand spielte bei ihnen eine wichtigere Rolle als bei den übrigen Malaien der Philippinen. Der Hohepriester oder Papst („Bayoc”) weihte den einzelnen Gottheiten unter langen Ceremonien die Priester. Nach Ferrando (Cañamaque, Fil. 129) spendete der Bayoc auch—wenn gleich selten—eine Art Taufe mit Schweineblut, wie denn auch hier, wie überall in diesem Archipel, das Schwein als das den Göttern angenehmste Opferthier galt. Die heiligen Feste arteten in Orgien aus. Wie viele von diesen Bräuchen sich noch heute bei den unabhängigen Zambalen (den „Cimarrones” oder „Infieles”5) erhalten haben, ist mir unbekannt. Sie leben in kleinen Dörfchen (Rancherías), deren Häuptlinge (Reyes oder Reyezuelos) den Verkehr mit den spanischen Behörden vermitteln. Sie leben von erlegtem Wilde, Honigwaben und Bataten (Camote), deren Anbau ihnen erst durch die Spanier bekannt wurde. Reis kaufen sie von ihren christlichen civilisirten Brüdern und bezahlen ihn mit den von den Chinesen hochgeschätzten Bezoarsteinen und Tabak, den sie heimlich bauen und in der Nachtzeit in die christlichen Dörfer einschmuggeln6. Die meisten Horden stehen zu den Spaniern auf dem Kriegsfuss, wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil die spanischen Finanzwächter ihre Tabakpflanzungen vernichten, doch scheint ihre Mordlust und Kopfjägerei längst erloschen zu sein, sie sind froh, wenn man ihnen Ruhe giebt.Die christlichen Zambalen weisen dieselbe Tracht auf wie die Tagalen, deren Agricultur und Industrie auch die ihre ist, wenn auch letztere noch in den Kinderschuhen liegt. Ein Rest alter heidnischer Sitte zeigt sich bei den Leichenfeierlichkeiten. So lange die Leiche im Sterbehause liegt, werden alle Eintretenden mit Speise und Trank reichlich bewirthet, und ungenirt zeigt sich allenthalben unter den Gästen frohe Lustbarkeit. Auch bei dem eigentlichen Begräbnisse herrscht keine Trauer, nur das gemiethete Klageweib heult in ohrzerreissenden Tönen hinter dem Sarge (Cañamaque, Recuerdos I, 21 u. f.). Ob der Ahnencultus bei den christlichen Zambalen sich ebenso erhalten hat wie bei den Tagalen, ist mir unbekannt geblieben.Es scheint nicht als ob die Zambalen sich als besonderer Dialektstamm werden erhalten können, die zahlreichen Einwanderer von Ilócos drohen vermöge ihrer activen Kraft diesen an und für sich schwachen Stamm ganz in sich aufzusaugen, wie diess in Bataán durch die Tagalen geschehen ist.
Die Zambalen oder Tinos bewohnen den mittleren und südlichen Theil der Provinz Zambáles, doch sind sie als wilde Bergstämme in geringer Zahl auch in den nördlichsten Theilen von Bataán anzutreffen. Erst zu Ende des XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts gelang es den Spaniern mehr durch den Eifer der Missionäre als durch Waffengewalt sie zu unterwerfen, obgleich noch heute ein nicht unbeträchtlicher Theil dieses blutdürstigen Stammes in den Bergwildnissen entweder volle Unabhängigkeit behauptet oder durch Zahlung einer geringen Geldsumme sich die Freiheit sichert.
Die Zambalen zur Zeit der Conquista trugen das Haar bis auf eine frei herabwallende Locke geschoren (Morga-Stanley 269), von ihrer sonstigen Tracht wird Nichts erwähnt. Ihre Waffen waren Lanze, Schild, Messer und Pfeile, welche sie gut zu brauchen wussten. Sie lebten in Polygamie (Cañamaque, Filipinas 226). Grössere Hausthiere, nämlich Büffel (?), Rinder und Pferde erhielten sie erst durch die Missionäre (Cañamaque, Filipinas 134), Ackerbau scheint weniger als die Jagd getrieben worden zu sein, was vielleicht auf eine starke Beimischung von Negritoblut hinweist. Andererseits erwähnen Buzeta und Bravo, dass sie ein dem tagalischen ähnliches Alphabet besessen hätten, was für eine höhere Culturstufe spricht. Ihre Dörfer wurden nur von 10–30 Familien bewohnt und bildeten jedes einen Staat für sich, so dass wir hier derselben staatlichen Zersplitterungbegegnen, wie bei den Tagalen. Die Häuptlinge waren bejahrte Leute, welche nur einen geringen Einfluss auf ihre Untergebenen auszuüben vermochten. Die einzelnen Dörfer waren in beständige Fehden miteinander verwickelt, eine Folge ihrer eigenthümlichen Sitten. Starb nämlich Jemand, so legten seine Hinterbliebenen Trauer, d. h. eineschwarzeKopfbinde an, welche sie nicht eher ablegen durften, als bis sie Jemanden getödtet hatten, was an eine ähnliche Sitte der Negritos lebhaft erinnert. Dann wurde die Binde abgelegt und die Trauer mit einem Saufgelage beendet. Ein Mord oder Todtschlag innerhalb eines und desselben Tribus wurde entweder mit Gold oder Silber gesühnt oder es wurde der Familie ein Sclave oderNegrito(Cañamaque, Fil. 128) gegeben, um als Sühnopfer abgeschlachtet zu werden.
Die Zambalen waren wie noch jetzt die Dayaks wüthende Kopfjäger, je mehr Köpfe erschlagener Feinde ein Zambal von einem Kriegszuge heimbrachte, desto höher stand er im Ansehen der Seinen, wodurch ihre angeborene Mordlust noch mehr gesteigert wurde (Cañamaque, Filipinas 126). Sie stiegen deshalb von den Gebirgen in die Ebenen der benachbarten christlichen Provinzen und lauerten Reisenden auf oder suchten zur Nachtzeit sich an die Dörfer heranzuschleichen. Die Schädel der Erschlagenen benutzten sie angeblich (Mozo 86) als Trinkgefässe. Auf einer Art Trophäe, welche sie beständig mit sich herumtrugen, machten sie die Zahl der erbeuteten Schädel ersichtlich (Cañamaque, Fil. 127). Nach P. Juan Ferrando (Historia de los P. P. Dominicos en las Islas Filipinas in Cañamaque, Filipinas 124) pflegten die Zambalen in ihrer Gier nach Feindesschädeln jeden Menschen zu tödten, der nicht gerade zu ihrem Stamme gehörte, und führten dann um die Schädel „satanische” Tänze auf; Ähnliches berichtet Mozo (l. c.), indem er erwähnt, dass sie die abgeschlagenen Köpfe zur Verherrlichung ihrer Feste heimschleppen. Durch diese Kopfjägerei unterscheiden sie sich auffallend von den Tagalen und Pampangos, welche diese Sitte nicht kannten.
Die Religionen der alten Tagalen und Zambalen waren nicht, wie Buzeta und Bravo berichten, identisch, aber doch sehr ähnlich. Sie kannten einen obersten Gott („Malyari”), zwei minder mächtige Hauptgottheiten Acasi und Manglobag und eine Anzahl Diiminores. Der Priesterstand spielte bei ihnen eine wichtigere Rolle als bei den übrigen Malaien der Philippinen. Der Hohepriester oder Papst („Bayoc”) weihte den einzelnen Gottheiten unter langen Ceremonien die Priester. Nach Ferrando (Cañamaque, Fil. 129) spendete der Bayoc auch—wenn gleich selten—eine Art Taufe mit Schweineblut, wie denn auch hier, wie überall in diesem Archipel, das Schwein als das den Göttern angenehmste Opferthier galt. Die heiligen Feste arteten in Orgien aus. Wie viele von diesen Bräuchen sich noch heute bei den unabhängigen Zambalen (den „Cimarrones” oder „Infieles”5) erhalten haben, ist mir unbekannt. Sie leben in kleinen Dörfchen (Rancherías), deren Häuptlinge (Reyes oder Reyezuelos) den Verkehr mit den spanischen Behörden vermitteln. Sie leben von erlegtem Wilde, Honigwaben und Bataten (Camote), deren Anbau ihnen erst durch die Spanier bekannt wurde. Reis kaufen sie von ihren christlichen civilisirten Brüdern und bezahlen ihn mit den von den Chinesen hochgeschätzten Bezoarsteinen und Tabak, den sie heimlich bauen und in der Nachtzeit in die christlichen Dörfer einschmuggeln6. Die meisten Horden stehen zu den Spaniern auf dem Kriegsfuss, wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil die spanischen Finanzwächter ihre Tabakpflanzungen vernichten, doch scheint ihre Mordlust und Kopfjägerei längst erloschen zu sein, sie sind froh, wenn man ihnen Ruhe giebt.
Die christlichen Zambalen weisen dieselbe Tracht auf wie die Tagalen, deren Agricultur und Industrie auch die ihre ist, wenn auch letztere noch in den Kinderschuhen liegt. Ein Rest alter heidnischer Sitte zeigt sich bei den Leichenfeierlichkeiten. So lange die Leiche im Sterbehause liegt, werden alle Eintretenden mit Speise und Trank reichlich bewirthet, und ungenirt zeigt sich allenthalben unter den Gästen frohe Lustbarkeit. Auch bei dem eigentlichen Begräbnisse herrscht keine Trauer, nur das gemiethete Klageweib heult in ohrzerreissenden Tönen hinter dem Sarge (Cañamaque, Recuerdos I, 21 u. f.). Ob der Ahnencultus bei den christlichen Zambalen sich ebenso erhalten hat wie bei den Tagalen, ist mir unbekannt geblieben.
Es scheint nicht als ob die Zambalen sich als besonderer Dialektstamm werden erhalten können, die zahlreichen Einwanderer von Ilócos drohen vermöge ihrer activen Kraft diesen an und für sich schwachen Stamm ganz in sich aufzusaugen, wie diess in Bataán durch die Tagalen geschehen ist.
4. Pangasinanen (Pangasinanes).Die Pangasinanen bewohnen die westlichen und südlichen Gestade des Golfes von Lingayen. Auch sie werden von den Ilocanen mehr und mehr zurückgedrängt; in den Zeiten Don Juan de Salcedo’s waren die südlichen Küstenstriche der heutigen Provinz La Union von Pangasinanen besiedelt, wo jetzt der Ilocos-Dialekt der herrschende ist. Selbst in dem Stammlande dieses Malaienzweiges, in Pangasinán, behaupten sie sich nur noch an dem Meeresstrande, das ganzeHinterland und der nördliche Theil dieser Provinz ist der friedlichen Invasion der thätigen Ilocanen anheimgefallen, welche in diesen Strichen Luzons dieselbe Rolle spielen, wie die angelsächsischen Squatter unter den spanischen Hacenderos von New Méjico und Tejas. Pangasinanen sind als Colonisten auch in dem District Benguet anzutreffen, Niederlassungen derselben findet man auch in der Provinz Nueva Écija. Compact aber wohnen sie, wie gesagt, nur am Golf von Lingayen vom Cap Bolinao bis S. Fabian.Seit 1572 sind sie der spanischen Krone unterworfen, seit 1574–76 auch ziemlich alle christianisirt worden, so dass wir bei ihnen dieselben Einrichtungen und Institutionen, Tracht und Bräuche antreffen, wie bei den Tagalen. Die Pangasinanen sind sehr fleissige Ackerbauer, Reis, Zuckerrohr und Indigo werden stark gebaut (Scheidnagel 29), der Reis speciell wird in grossen Massen exportirt, und nicht allein nach China, sondern auch nach Annam und Siam (Jagor, 239) ausgeführt. Mais wird gleichfalls sehr stark gebaut, doch dient er nur zum Viehfutter; nur in Zeiten, wo die Reisernte missrathen ist, auch zur Nahrung der Menschen (Ilustr. 1861, p. 104). Ausgedehnte Cocospflanzungen sind allenthalben zu finden, in welchen unter anderen die schöne und von den Indiern so hochgeschätzte Macalimba-Varietät dieser Palme bevorzugt wird. In den Zeiten der Conquista waren die Cocoshaine (Cocales) viel ausgedehnter als wie heute, wo der Mais- und Indigobau sowie die Pflege des Zuckerrohrs die Pangasinanen die Cultur dieser Palme um so eher vernachlässigen liess, als einige Mal ein kleines Insect riesige Cocosbestände in kurzer Zeit verwüstete.Ihre Industrie beschäftigt sich mit denselben Artikeln wie jene der Tagalen, als besondere Specialitäten der Pangasinan-Industrie werden sehr feine Hüte aus Nito- und Bejuco-Geflecht genannt (Scheidnagel 30). Aus der Rinde des Coliao-Baumes arbeiten sie sehr haltbare Taue und Stricke, welche nach dem Baume Coliaos heissen (Scheidnagel 127).Zur Zeit der Conquista hatten sie dieselben religiösenAnschauungenwie die Tagalen, heute sind alle insgesammt Katholiken. Heiden giebt es nicht mehr unter ihnen, auch findet bei den Pangasinanen seltener das „Remontarse” Statt, d. h. die Flucht in die Wälder, um dort wie ein Wilder zu leben.
4. Pangasinanen (Pangasinanes).
Die Pangasinanen bewohnen die westlichen und südlichen Gestade des Golfes von Lingayen. Auch sie werden von den Ilocanen mehr und mehr zurückgedrängt; in den Zeiten Don Juan de Salcedo’s waren die südlichen Küstenstriche der heutigen Provinz La Union von Pangasinanen besiedelt, wo jetzt der Ilocos-Dialekt der herrschende ist. Selbst in dem Stammlande dieses Malaienzweiges, in Pangasinán, behaupten sie sich nur noch an dem Meeresstrande, das ganzeHinterland und der nördliche Theil dieser Provinz ist der friedlichen Invasion der thätigen Ilocanen anheimgefallen, welche in diesen Strichen Luzons dieselbe Rolle spielen, wie die angelsächsischen Squatter unter den spanischen Hacenderos von New Méjico und Tejas. Pangasinanen sind als Colonisten auch in dem District Benguet anzutreffen, Niederlassungen derselben findet man auch in der Provinz Nueva Écija. Compact aber wohnen sie, wie gesagt, nur am Golf von Lingayen vom Cap Bolinao bis S. Fabian.Seit 1572 sind sie der spanischen Krone unterworfen, seit 1574–76 auch ziemlich alle christianisirt worden, so dass wir bei ihnen dieselben Einrichtungen und Institutionen, Tracht und Bräuche antreffen, wie bei den Tagalen. Die Pangasinanen sind sehr fleissige Ackerbauer, Reis, Zuckerrohr und Indigo werden stark gebaut (Scheidnagel 29), der Reis speciell wird in grossen Massen exportirt, und nicht allein nach China, sondern auch nach Annam und Siam (Jagor, 239) ausgeführt. Mais wird gleichfalls sehr stark gebaut, doch dient er nur zum Viehfutter; nur in Zeiten, wo die Reisernte missrathen ist, auch zur Nahrung der Menschen (Ilustr. 1861, p. 104). Ausgedehnte Cocospflanzungen sind allenthalben zu finden, in welchen unter anderen die schöne und von den Indiern so hochgeschätzte Macalimba-Varietät dieser Palme bevorzugt wird. In den Zeiten der Conquista waren die Cocoshaine (Cocales) viel ausgedehnter als wie heute, wo der Mais- und Indigobau sowie die Pflege des Zuckerrohrs die Pangasinanen die Cultur dieser Palme um so eher vernachlässigen liess, als einige Mal ein kleines Insect riesige Cocosbestände in kurzer Zeit verwüstete.Ihre Industrie beschäftigt sich mit denselben Artikeln wie jene der Tagalen, als besondere Specialitäten der Pangasinan-Industrie werden sehr feine Hüte aus Nito- und Bejuco-Geflecht genannt (Scheidnagel 30). Aus der Rinde des Coliao-Baumes arbeiten sie sehr haltbare Taue und Stricke, welche nach dem Baume Coliaos heissen (Scheidnagel 127).Zur Zeit der Conquista hatten sie dieselben religiösenAnschauungenwie die Tagalen, heute sind alle insgesammt Katholiken. Heiden giebt es nicht mehr unter ihnen, auch findet bei den Pangasinanen seltener das „Remontarse” Statt, d. h. die Flucht in die Wälder, um dort wie ein Wilder zu leben.
Die Pangasinanen bewohnen die westlichen und südlichen Gestade des Golfes von Lingayen. Auch sie werden von den Ilocanen mehr und mehr zurückgedrängt; in den Zeiten Don Juan de Salcedo’s waren die südlichen Küstenstriche der heutigen Provinz La Union von Pangasinanen besiedelt, wo jetzt der Ilocos-Dialekt der herrschende ist. Selbst in dem Stammlande dieses Malaienzweiges, in Pangasinán, behaupten sie sich nur noch an dem Meeresstrande, das ganzeHinterland und der nördliche Theil dieser Provinz ist der friedlichen Invasion der thätigen Ilocanen anheimgefallen, welche in diesen Strichen Luzons dieselbe Rolle spielen, wie die angelsächsischen Squatter unter den spanischen Hacenderos von New Méjico und Tejas. Pangasinanen sind als Colonisten auch in dem District Benguet anzutreffen, Niederlassungen derselben findet man auch in der Provinz Nueva Écija. Compact aber wohnen sie, wie gesagt, nur am Golf von Lingayen vom Cap Bolinao bis S. Fabian.
Seit 1572 sind sie der spanischen Krone unterworfen, seit 1574–76 auch ziemlich alle christianisirt worden, so dass wir bei ihnen dieselben Einrichtungen und Institutionen, Tracht und Bräuche antreffen, wie bei den Tagalen. Die Pangasinanen sind sehr fleissige Ackerbauer, Reis, Zuckerrohr und Indigo werden stark gebaut (Scheidnagel 29), der Reis speciell wird in grossen Massen exportirt, und nicht allein nach China, sondern auch nach Annam und Siam (Jagor, 239) ausgeführt. Mais wird gleichfalls sehr stark gebaut, doch dient er nur zum Viehfutter; nur in Zeiten, wo die Reisernte missrathen ist, auch zur Nahrung der Menschen (Ilustr. 1861, p. 104). Ausgedehnte Cocospflanzungen sind allenthalben zu finden, in welchen unter anderen die schöne und von den Indiern so hochgeschätzte Macalimba-Varietät dieser Palme bevorzugt wird. In den Zeiten der Conquista waren die Cocoshaine (Cocales) viel ausgedehnter als wie heute, wo der Mais- und Indigobau sowie die Pflege des Zuckerrohrs die Pangasinanen die Cultur dieser Palme um so eher vernachlässigen liess, als einige Mal ein kleines Insect riesige Cocosbestände in kurzer Zeit verwüstete.
Ihre Industrie beschäftigt sich mit denselben Artikeln wie jene der Tagalen, als besondere Specialitäten der Pangasinan-Industrie werden sehr feine Hüte aus Nito- und Bejuco-Geflecht genannt (Scheidnagel 30). Aus der Rinde des Coliao-Baumes arbeiten sie sehr haltbare Taue und Stricke, welche nach dem Baume Coliaos heissen (Scheidnagel 127).
Zur Zeit der Conquista hatten sie dieselben religiösenAnschauungenwie die Tagalen, heute sind alle insgesammt Katholiken. Heiden giebt es nicht mehr unter ihnen, auch findet bei den Pangasinanen seltener das „Remontarse” Statt, d. h. die Flucht in die Wälder, um dort wie ein Wilder zu leben.
5. Ilocanen (Ilocanos).Zur Zeit der Conquista bewohnten die Ilocanen einen schmalen Küstenstrich vom Golf von Lingayen an bis hinauf zum Cap Bogeador. Nach dieser Zeit breiteten sie sich, zum Theil unter dem Schutze der spanischen Bajonnette, immer weiter und weiter aus. Sie besitzen eine grössere Expansivkraft als die so vielgepriesenen Tagalen. Heute bewohnen die Ilocanen die Provinzen Ilócos Norte (nur den Küstenstrich), Abra (neben Tinguianen und Igorroten), Ilócos Súr und La Union. Dann haben sie den nördlichen Theil und das Hinterland von Pangasinán inne. Zahlreiche ilocanische Einwanderer haben das fast gänzlich entvölkerte Thal von Benguet mit hoffnungsvollen Ansiedelungen versehen, in Zambáles, Pampanga und Nueva Écija ist ihre Zahl beständig im Steigen begriffen, dasselbe gilt vom westlichen Küstenstrich von Cagayán. Selbst nach den Batanes- und Babuyanes-Inseln treibt sie ihre rege Wanderlust, ja sogar im District Príncipe, an der Ostküste Luzons, haben sie sich als strebsame Colonisten mitten unter Tagalen und Ilongoten niedergelassen. In den Districten Lepanto und Bontoc sind sie gleichfalls mitten unter den Bergstämmen der Igorroten zu finden, doch muss hier ausdrücklich bemerkt werden, dass in diesen beiden Districten alle getauften Indier, gleichgültig ob sie nun Igorroten, Buriks sind, Ilocanos genannt werden, ohne Rücksicht auf ihre Abkunft (Lillo Gracia 17). Es pflegen auch in der That die getauften Igorroten die Sprache der (ihnen nahe verwandten?) Ilocanen ganz anzunehmen, und es mag vielleicht diese—freilich geringe—Beimischung mit dem Blute dieses so tapferen und kräftigen Bergvolkes auch etwas zu der lebendigen Kraft und Expansionsfähigkeit beigetragen haben, welche die Ilocanen so vortheilhaft vor der Passivität der übrigen Indios civilisados auszeichnet.Die Tracht gleicht mehr oder minder jener der Tagalen. Unentbehrlich erscheint ihnen das Waldmesser „Sual”, welches sowohl zum Bearbeiten der Erde als auch zum Behauen der Balken und Fällen der Bäume dient (Scheidnagel 124). Als Jagdwaffe benutzen sie denselben Wurfspiess wie die Igorroten, den sie gleichfalls „Cayang” nennen.Sie bauen Reis, Indigo, Mais, Zuckerrohr, Cacao, Kaffee, Cocos, Oliven und Weinreben (Ilustr. 1860, n. 14, p. 164) und überdiess Baumwolle (Ilustr. a. a. O., Cañamaque, Filip. 29). Die Hauptnahrung ist auch hier der Reis, nächst diesem werden sehr viele Fische genossen; aus dem Fische Ipon oder Dolon, der massenhaft gefangen wird, bereitet man durch Einsalzen desselben die Speise „bayon” (Ilustr. 1860, n. 12, p. 152). Die Viehzucht ist in blühendem Zustande, indem die Ilocanen an den Bergvölkern gute Käufer ihrer Büffel, Rinder und Schweine finden. Die Pferde von Ilócos gehören angeblich zu den besten der Philippinen (Ilustr., l. c.). Früher war Viehraub an der Tagesordnung (Mas, pobl. 80).Die Industrie der Ilocanen ist ziemlich entwickelt, sie besitzen sogar eine Specialität, nämlich aus Baumwolle gewebte Mäntel, die sogenannten „mantas de Ilócos”, welche einen wichtigen Exportartikel nach den übrigen Theilen von Nord-Luzon bilden. Nach Diaz Arenas (p. 291) liefertIlócos Sur ausgezeichnete Sinamay- und Nipis-Zeuge. In Ilócos Norte kommt die Abacá (Manilahanf) nicht mehr fort, als Surrogat dient die Mague-Pflanze, deren Fasern ähnliche Eigenschaften besitzen (Ilustr. 1860, n. 17, p. 200). Sonstige Industrieartikel entsprechen den tagalischen. Scheidnagel nennt drei Ölgattungen, welche in Ilócos erzeugt werden: Palo-María, Macabujay und Tagumbao.Über ihre Religion zur Zeit der Conquista ist mir Nichts bekannt, sie wurden durch den Cortés der Philippinen, Don Juan de Salcedo, der spanischen Krone unterworfen, und sind schon über drei Jahrhunderte Christen. Aus den Zeiten ihrer Unabhängigkeit datirt das grosse Missverhältniss zwischen Reich und Arm. Die Edelleute (principales) haben den Reichthum in ihren Händen, ihnen gegenüber steht die grosse Masse der immer mehr verkommenden Plebejer, der sogenannten Cailianes. Die Edelleute pflegten den Cailianes Seide oder Baumwolle zu geben, welche sie zu Geweben verarbeiten sollten. Bei der Ablieferung derselben pflegten die Cailianes bedeutend verkürzt zu werden, indem die Principales bald schlechte Beschaffenheit des Gewebes oder zu geringes Gewicht zum Vorwande nahmen, um die Cailianes zu ihren ihnenrettungslosverfallenen Schuldnern zu machen, indem sie ihnen keinen Lohn zahlten (Mas, hist. II, 60). Diese harte Bedrückung verursachte zwei blutige Plebejer-Aufstände in den Jahren 1762 und 1811. Obwohl diese Übelstände in der Neuzeit so ziemlich beseitigt erscheinen, so ist es vielleicht nicht unwahrscheinlich, die rege Auswanderungslust der Ilocanen auf die unerquicklichen Verhältnisse der Heimath zurückzuführen.
5. Ilocanen (Ilocanos).
Zur Zeit der Conquista bewohnten die Ilocanen einen schmalen Küstenstrich vom Golf von Lingayen an bis hinauf zum Cap Bogeador. Nach dieser Zeit breiteten sie sich, zum Theil unter dem Schutze der spanischen Bajonnette, immer weiter und weiter aus. Sie besitzen eine grössere Expansivkraft als die so vielgepriesenen Tagalen. Heute bewohnen die Ilocanen die Provinzen Ilócos Norte (nur den Küstenstrich), Abra (neben Tinguianen und Igorroten), Ilócos Súr und La Union. Dann haben sie den nördlichen Theil und das Hinterland von Pangasinán inne. Zahlreiche ilocanische Einwanderer haben das fast gänzlich entvölkerte Thal von Benguet mit hoffnungsvollen Ansiedelungen versehen, in Zambáles, Pampanga und Nueva Écija ist ihre Zahl beständig im Steigen begriffen, dasselbe gilt vom westlichen Küstenstrich von Cagayán. Selbst nach den Batanes- und Babuyanes-Inseln treibt sie ihre rege Wanderlust, ja sogar im District Príncipe, an der Ostküste Luzons, haben sie sich als strebsame Colonisten mitten unter Tagalen und Ilongoten niedergelassen. In den Districten Lepanto und Bontoc sind sie gleichfalls mitten unter den Bergstämmen der Igorroten zu finden, doch muss hier ausdrücklich bemerkt werden, dass in diesen beiden Districten alle getauften Indier, gleichgültig ob sie nun Igorroten, Buriks sind, Ilocanos genannt werden, ohne Rücksicht auf ihre Abkunft (Lillo Gracia 17). Es pflegen auch in der That die getauften Igorroten die Sprache der (ihnen nahe verwandten?) Ilocanen ganz anzunehmen, und es mag vielleicht diese—freilich geringe—Beimischung mit dem Blute dieses so tapferen und kräftigen Bergvolkes auch etwas zu der lebendigen Kraft und Expansionsfähigkeit beigetragen haben, welche die Ilocanen so vortheilhaft vor der Passivität der übrigen Indios civilisados auszeichnet.Die Tracht gleicht mehr oder minder jener der Tagalen. Unentbehrlich erscheint ihnen das Waldmesser „Sual”, welches sowohl zum Bearbeiten der Erde als auch zum Behauen der Balken und Fällen der Bäume dient (Scheidnagel 124). Als Jagdwaffe benutzen sie denselben Wurfspiess wie die Igorroten, den sie gleichfalls „Cayang” nennen.Sie bauen Reis, Indigo, Mais, Zuckerrohr, Cacao, Kaffee, Cocos, Oliven und Weinreben (Ilustr. 1860, n. 14, p. 164) und überdiess Baumwolle (Ilustr. a. a. O., Cañamaque, Filip. 29). Die Hauptnahrung ist auch hier der Reis, nächst diesem werden sehr viele Fische genossen; aus dem Fische Ipon oder Dolon, der massenhaft gefangen wird, bereitet man durch Einsalzen desselben die Speise „bayon” (Ilustr. 1860, n. 12, p. 152). Die Viehzucht ist in blühendem Zustande, indem die Ilocanen an den Bergvölkern gute Käufer ihrer Büffel, Rinder und Schweine finden. Die Pferde von Ilócos gehören angeblich zu den besten der Philippinen (Ilustr., l. c.). Früher war Viehraub an der Tagesordnung (Mas, pobl. 80).Die Industrie der Ilocanen ist ziemlich entwickelt, sie besitzen sogar eine Specialität, nämlich aus Baumwolle gewebte Mäntel, die sogenannten „mantas de Ilócos”, welche einen wichtigen Exportartikel nach den übrigen Theilen von Nord-Luzon bilden. Nach Diaz Arenas (p. 291) liefertIlócos Sur ausgezeichnete Sinamay- und Nipis-Zeuge. In Ilócos Norte kommt die Abacá (Manilahanf) nicht mehr fort, als Surrogat dient die Mague-Pflanze, deren Fasern ähnliche Eigenschaften besitzen (Ilustr. 1860, n. 17, p. 200). Sonstige Industrieartikel entsprechen den tagalischen. Scheidnagel nennt drei Ölgattungen, welche in Ilócos erzeugt werden: Palo-María, Macabujay und Tagumbao.Über ihre Religion zur Zeit der Conquista ist mir Nichts bekannt, sie wurden durch den Cortés der Philippinen, Don Juan de Salcedo, der spanischen Krone unterworfen, und sind schon über drei Jahrhunderte Christen. Aus den Zeiten ihrer Unabhängigkeit datirt das grosse Missverhältniss zwischen Reich und Arm. Die Edelleute (principales) haben den Reichthum in ihren Händen, ihnen gegenüber steht die grosse Masse der immer mehr verkommenden Plebejer, der sogenannten Cailianes. Die Edelleute pflegten den Cailianes Seide oder Baumwolle zu geben, welche sie zu Geweben verarbeiten sollten. Bei der Ablieferung derselben pflegten die Cailianes bedeutend verkürzt zu werden, indem die Principales bald schlechte Beschaffenheit des Gewebes oder zu geringes Gewicht zum Vorwande nahmen, um die Cailianes zu ihren ihnenrettungslosverfallenen Schuldnern zu machen, indem sie ihnen keinen Lohn zahlten (Mas, hist. II, 60). Diese harte Bedrückung verursachte zwei blutige Plebejer-Aufstände in den Jahren 1762 und 1811. Obwohl diese Übelstände in der Neuzeit so ziemlich beseitigt erscheinen, so ist es vielleicht nicht unwahrscheinlich, die rege Auswanderungslust der Ilocanen auf die unerquicklichen Verhältnisse der Heimath zurückzuführen.
Zur Zeit der Conquista bewohnten die Ilocanen einen schmalen Küstenstrich vom Golf von Lingayen an bis hinauf zum Cap Bogeador. Nach dieser Zeit breiteten sie sich, zum Theil unter dem Schutze der spanischen Bajonnette, immer weiter und weiter aus. Sie besitzen eine grössere Expansivkraft als die so vielgepriesenen Tagalen. Heute bewohnen die Ilocanen die Provinzen Ilócos Norte (nur den Küstenstrich), Abra (neben Tinguianen und Igorroten), Ilócos Súr und La Union. Dann haben sie den nördlichen Theil und das Hinterland von Pangasinán inne. Zahlreiche ilocanische Einwanderer haben das fast gänzlich entvölkerte Thal von Benguet mit hoffnungsvollen Ansiedelungen versehen, in Zambáles, Pampanga und Nueva Écija ist ihre Zahl beständig im Steigen begriffen, dasselbe gilt vom westlichen Küstenstrich von Cagayán. Selbst nach den Batanes- und Babuyanes-Inseln treibt sie ihre rege Wanderlust, ja sogar im District Príncipe, an der Ostküste Luzons, haben sie sich als strebsame Colonisten mitten unter Tagalen und Ilongoten niedergelassen. In den Districten Lepanto und Bontoc sind sie gleichfalls mitten unter den Bergstämmen der Igorroten zu finden, doch muss hier ausdrücklich bemerkt werden, dass in diesen beiden Districten alle getauften Indier, gleichgültig ob sie nun Igorroten, Buriks sind, Ilocanos genannt werden, ohne Rücksicht auf ihre Abkunft (Lillo Gracia 17). Es pflegen auch in der That die getauften Igorroten die Sprache der (ihnen nahe verwandten?) Ilocanen ganz anzunehmen, und es mag vielleicht diese—freilich geringe—Beimischung mit dem Blute dieses so tapferen und kräftigen Bergvolkes auch etwas zu der lebendigen Kraft und Expansionsfähigkeit beigetragen haben, welche die Ilocanen so vortheilhaft vor der Passivität der übrigen Indios civilisados auszeichnet.
Die Tracht gleicht mehr oder minder jener der Tagalen. Unentbehrlich erscheint ihnen das Waldmesser „Sual”, welches sowohl zum Bearbeiten der Erde als auch zum Behauen der Balken und Fällen der Bäume dient (Scheidnagel 124). Als Jagdwaffe benutzen sie denselben Wurfspiess wie die Igorroten, den sie gleichfalls „Cayang” nennen.
Sie bauen Reis, Indigo, Mais, Zuckerrohr, Cacao, Kaffee, Cocos, Oliven und Weinreben (Ilustr. 1860, n. 14, p. 164) und überdiess Baumwolle (Ilustr. a. a. O., Cañamaque, Filip. 29). Die Hauptnahrung ist auch hier der Reis, nächst diesem werden sehr viele Fische genossen; aus dem Fische Ipon oder Dolon, der massenhaft gefangen wird, bereitet man durch Einsalzen desselben die Speise „bayon” (Ilustr. 1860, n. 12, p. 152). Die Viehzucht ist in blühendem Zustande, indem die Ilocanen an den Bergvölkern gute Käufer ihrer Büffel, Rinder und Schweine finden. Die Pferde von Ilócos gehören angeblich zu den besten der Philippinen (Ilustr., l. c.). Früher war Viehraub an der Tagesordnung (Mas, pobl. 80).
Die Industrie der Ilocanen ist ziemlich entwickelt, sie besitzen sogar eine Specialität, nämlich aus Baumwolle gewebte Mäntel, die sogenannten „mantas de Ilócos”, welche einen wichtigen Exportartikel nach den übrigen Theilen von Nord-Luzon bilden. Nach Diaz Arenas (p. 291) liefertIlócos Sur ausgezeichnete Sinamay- und Nipis-Zeuge. In Ilócos Norte kommt die Abacá (Manilahanf) nicht mehr fort, als Surrogat dient die Mague-Pflanze, deren Fasern ähnliche Eigenschaften besitzen (Ilustr. 1860, n. 17, p. 200). Sonstige Industrieartikel entsprechen den tagalischen. Scheidnagel nennt drei Ölgattungen, welche in Ilócos erzeugt werden: Palo-María, Macabujay und Tagumbao.
Über ihre Religion zur Zeit der Conquista ist mir Nichts bekannt, sie wurden durch den Cortés der Philippinen, Don Juan de Salcedo, der spanischen Krone unterworfen, und sind schon über drei Jahrhunderte Christen. Aus den Zeiten ihrer Unabhängigkeit datirt das grosse Missverhältniss zwischen Reich und Arm. Die Edelleute (principales) haben den Reichthum in ihren Händen, ihnen gegenüber steht die grosse Masse der immer mehr verkommenden Plebejer, der sogenannten Cailianes. Die Edelleute pflegten den Cailianes Seide oder Baumwolle zu geben, welche sie zu Geweben verarbeiten sollten. Bei der Ablieferung derselben pflegten die Cailianes bedeutend verkürzt zu werden, indem die Principales bald schlechte Beschaffenheit des Gewebes oder zu geringes Gewicht zum Vorwande nahmen, um die Cailianes zu ihren ihnenrettungslosverfallenen Schuldnern zu machen, indem sie ihnen keinen Lohn zahlten (Mas, hist. II, 60). Diese harte Bedrückung verursachte zwei blutige Plebejer-Aufstände in den Jahren 1762 und 1811. Obwohl diese Übelstände in der Neuzeit so ziemlich beseitigt erscheinen, so ist es vielleicht nicht unwahrscheinlich, die rege Auswanderungslust der Ilocanen auf die unerquicklichen Verhältnisse der Heimath zurückzuführen.
6. Ibanags oder Cagayanen (Cagayanes).Die Ibanags werden gewöhnlich Cagayanes genannt, weil ihr Hauptsitz die Landschaft Cagayán und der Unterlauf des gleichnamigen Stromes ist. Diejenigen von ihnen, welche auf den Batanes- und Babuyanes-Inseln wohnen, wurden früher als ein besonderer Stamm angesehen, doch lässt sich hierüber nichts Sicheres sagen, da unsere Nachrichten über die Batanes mehr als spärlich sind. Sie bewohnen die Babuyanes-Gruppe, welche auch den Namen Islas de Ibanag führen, die Batanes-Inseln, ferner das Küstengebiet der Provinz Cagayán; ihre Ansiedelungen gehen das Thal des Rio Grande de Cagayán hinauf bis nach Furao hin in der Provinz Isabela. Der Ibanag-Dialekt dient im ganzen Stromgebiete des Rio Grande als Verkehrssprache mit den wilden Bergstämmen, es dürfte hier das Ibanag-Idiom nach und nach die Sprachen jener Horden vollständig verdrängen. Ich glaube, dass ein ähnlicher Vorgang auch auf den Batanes sich abgespielt hat, denn die Beschreibung, welche Dampier von jenen „Bashee”-Insulanern giebt, lässt sich schwer mit den Schilderungen in Übereinstimmung bringen, welche uns die Spanier von dem Habitus, der Tracht und Lebensweise der Cagayanen zur Zeit der Conquista niederschrieben. Baron Hügel schreibt über die Batanes (S. 69): „Die Bewohner werden als ein starker, gutmüthiger und vollkommen harmloser Menschenstamm geschildert”. Diess stimmt nicht mit dem Charakter der Ibanags Luzons überein, denn diese werden einstimmig von allen Schriftstellern, von den ältesten bis zu den modernsten herab, als ein kriegerischer und trotziger Stamm geschildert, und es hat auch in der That den Spaniern die Eroberung Cagayans mehr Blut gekostet, als jene der übrigen Provinzen Luzons. Reisbau, Schweine- und Ziegenzucht, sowie die Bereitung eines Branntweines aus Zuckerrohr oder Reis entsprechen ganz den ähnlichen Verhältnissen von Cagayán. Den Golddraht, den die Batanes um die Arme tragen, trugen die Cagayanen in den Zeiten der Conquista ebenfalls. Nach Waitz (Anthr. V, 62) sind die Bewohner physisch den Dayaks ähnlich, auf S. 101 werden sie wie folgt beschrieben: Farbe: dunkelkupferbraun, Gestalt: klein und untersetzt, Gesicht: rund, Stirne: niedrig, Augen: klein mit starken Augenbrauen, Nase: kurz und klein, Haar: dick und schlicht. Diese Beschreibung entspricht auch dem Bilde der Cagayanen.Die Ibanags von Cagayán sind seit dem XVI. Jahrhundert Christen, ebenso jene der Babuyanen, die Batanes sind aber noch zum grösseren Theile Heiden, leider ist es mir nicht möglich gewesen, etwas über ihre Religion zu erfahren. Die Cagayanen bekannten sich in der Zeit der Conquista ebenfalls zu einer Art von Ahnencultus, wie die Tagalen, Pampangos &c.Wie bei den naheverwandten Ilocanen war auch hier die tiefe Scheidewand zwischen den Edelleuten und Plebejern vorhanden. Die letzteren heissen in Cagayan „timavas”, was wohl mit dem tagalischen „timauas” identisch ist, womit bei den Tagalen Freigelassene in den Zeiten vor der Conquista benannt wurden. Auch hier machte sich der Hass der unterdrückten Kaste durch blutige Aufstände Luft.Die Ibanags von Cagayan und Isabela bauen dieselben Pflanzen wie die Ilocanen, die Hauptmasse der Bevölkerung widmet sich aber—zwangsweise—dem Tabaksbau, denn der Tabak dieser beiden Provinzen ist der beste der Philippinen. Die Härte, womit die Zwangscultur dieser Pflanze von der Regierung überwacht und durchgeführt wird, lässt keine nennenswerthe Industrie aufkommen (man vgl. darüber:Semper, Skizzen 41 f. und 131 f.). Die Finanzbehörde der Colonie bleibt den Tabakbauern oft Jahre hindurch den Betrag für die abgelieferten Blätter schuldig (Cañamaque, Filipinas 30).Auch bei den Ibanags herrscht eine grosse Auswanderungslust, besonders Manila zieht sie an, wo sie halbnackt in grossen Schaaren anlangen (Buzeta I, 240).
6. Ibanags oder Cagayanen (Cagayanes).
Die Ibanags werden gewöhnlich Cagayanes genannt, weil ihr Hauptsitz die Landschaft Cagayán und der Unterlauf des gleichnamigen Stromes ist. Diejenigen von ihnen, welche auf den Batanes- und Babuyanes-Inseln wohnen, wurden früher als ein besonderer Stamm angesehen, doch lässt sich hierüber nichts Sicheres sagen, da unsere Nachrichten über die Batanes mehr als spärlich sind. Sie bewohnen die Babuyanes-Gruppe, welche auch den Namen Islas de Ibanag führen, die Batanes-Inseln, ferner das Küstengebiet der Provinz Cagayán; ihre Ansiedelungen gehen das Thal des Rio Grande de Cagayán hinauf bis nach Furao hin in der Provinz Isabela. Der Ibanag-Dialekt dient im ganzen Stromgebiete des Rio Grande als Verkehrssprache mit den wilden Bergstämmen, es dürfte hier das Ibanag-Idiom nach und nach die Sprachen jener Horden vollständig verdrängen. Ich glaube, dass ein ähnlicher Vorgang auch auf den Batanes sich abgespielt hat, denn die Beschreibung, welche Dampier von jenen „Bashee”-Insulanern giebt, lässt sich schwer mit den Schilderungen in Übereinstimmung bringen, welche uns die Spanier von dem Habitus, der Tracht und Lebensweise der Cagayanen zur Zeit der Conquista niederschrieben. Baron Hügel schreibt über die Batanes (S. 69): „Die Bewohner werden als ein starker, gutmüthiger und vollkommen harmloser Menschenstamm geschildert”. Diess stimmt nicht mit dem Charakter der Ibanags Luzons überein, denn diese werden einstimmig von allen Schriftstellern, von den ältesten bis zu den modernsten herab, als ein kriegerischer und trotziger Stamm geschildert, und es hat auch in der That den Spaniern die Eroberung Cagayans mehr Blut gekostet, als jene der übrigen Provinzen Luzons. Reisbau, Schweine- und Ziegenzucht, sowie die Bereitung eines Branntweines aus Zuckerrohr oder Reis entsprechen ganz den ähnlichen Verhältnissen von Cagayán. Den Golddraht, den die Batanes um die Arme tragen, trugen die Cagayanen in den Zeiten der Conquista ebenfalls. Nach Waitz (Anthr. V, 62) sind die Bewohner physisch den Dayaks ähnlich, auf S. 101 werden sie wie folgt beschrieben: Farbe: dunkelkupferbraun, Gestalt: klein und untersetzt, Gesicht: rund, Stirne: niedrig, Augen: klein mit starken Augenbrauen, Nase: kurz und klein, Haar: dick und schlicht. Diese Beschreibung entspricht auch dem Bilde der Cagayanen.Die Ibanags von Cagayán sind seit dem XVI. Jahrhundert Christen, ebenso jene der Babuyanen, die Batanes sind aber noch zum grösseren Theile Heiden, leider ist es mir nicht möglich gewesen, etwas über ihre Religion zu erfahren. Die Cagayanen bekannten sich in der Zeit der Conquista ebenfalls zu einer Art von Ahnencultus, wie die Tagalen, Pampangos &c.Wie bei den naheverwandten Ilocanen war auch hier die tiefe Scheidewand zwischen den Edelleuten und Plebejern vorhanden. Die letzteren heissen in Cagayan „timavas”, was wohl mit dem tagalischen „timauas” identisch ist, womit bei den Tagalen Freigelassene in den Zeiten vor der Conquista benannt wurden. Auch hier machte sich der Hass der unterdrückten Kaste durch blutige Aufstände Luft.Die Ibanags von Cagayan und Isabela bauen dieselben Pflanzen wie die Ilocanen, die Hauptmasse der Bevölkerung widmet sich aber—zwangsweise—dem Tabaksbau, denn der Tabak dieser beiden Provinzen ist der beste der Philippinen. Die Härte, womit die Zwangscultur dieser Pflanze von der Regierung überwacht und durchgeführt wird, lässt keine nennenswerthe Industrie aufkommen (man vgl. darüber:Semper, Skizzen 41 f. und 131 f.). Die Finanzbehörde der Colonie bleibt den Tabakbauern oft Jahre hindurch den Betrag für die abgelieferten Blätter schuldig (Cañamaque, Filipinas 30).Auch bei den Ibanags herrscht eine grosse Auswanderungslust, besonders Manila zieht sie an, wo sie halbnackt in grossen Schaaren anlangen (Buzeta I, 240).
Die Ibanags werden gewöhnlich Cagayanes genannt, weil ihr Hauptsitz die Landschaft Cagayán und der Unterlauf des gleichnamigen Stromes ist. Diejenigen von ihnen, welche auf den Batanes- und Babuyanes-Inseln wohnen, wurden früher als ein besonderer Stamm angesehen, doch lässt sich hierüber nichts Sicheres sagen, da unsere Nachrichten über die Batanes mehr als spärlich sind. Sie bewohnen die Babuyanes-Gruppe, welche auch den Namen Islas de Ibanag führen, die Batanes-Inseln, ferner das Küstengebiet der Provinz Cagayán; ihre Ansiedelungen gehen das Thal des Rio Grande de Cagayán hinauf bis nach Furao hin in der Provinz Isabela. Der Ibanag-Dialekt dient im ganzen Stromgebiete des Rio Grande als Verkehrssprache mit den wilden Bergstämmen, es dürfte hier das Ibanag-Idiom nach und nach die Sprachen jener Horden vollständig verdrängen. Ich glaube, dass ein ähnlicher Vorgang auch auf den Batanes sich abgespielt hat, denn die Beschreibung, welche Dampier von jenen „Bashee”-Insulanern giebt, lässt sich schwer mit den Schilderungen in Übereinstimmung bringen, welche uns die Spanier von dem Habitus, der Tracht und Lebensweise der Cagayanen zur Zeit der Conquista niederschrieben. Baron Hügel schreibt über die Batanes (S. 69): „Die Bewohner werden als ein starker, gutmüthiger und vollkommen harmloser Menschenstamm geschildert”. Diess stimmt nicht mit dem Charakter der Ibanags Luzons überein, denn diese werden einstimmig von allen Schriftstellern, von den ältesten bis zu den modernsten herab, als ein kriegerischer und trotziger Stamm geschildert, und es hat auch in der That den Spaniern die Eroberung Cagayans mehr Blut gekostet, als jene der übrigen Provinzen Luzons. Reisbau, Schweine- und Ziegenzucht, sowie die Bereitung eines Branntweines aus Zuckerrohr oder Reis entsprechen ganz den ähnlichen Verhältnissen von Cagayán. Den Golddraht, den die Batanes um die Arme tragen, trugen die Cagayanen in den Zeiten der Conquista ebenfalls. Nach Waitz (Anthr. V, 62) sind die Bewohner physisch den Dayaks ähnlich, auf S. 101 werden sie wie folgt beschrieben: Farbe: dunkelkupferbraun, Gestalt: klein und untersetzt, Gesicht: rund, Stirne: niedrig, Augen: klein mit starken Augenbrauen, Nase: kurz und klein, Haar: dick und schlicht. Diese Beschreibung entspricht auch dem Bilde der Cagayanen.
Die Ibanags von Cagayán sind seit dem XVI. Jahrhundert Christen, ebenso jene der Babuyanen, die Batanes sind aber noch zum grösseren Theile Heiden, leider ist es mir nicht möglich gewesen, etwas über ihre Religion zu erfahren. Die Cagayanen bekannten sich in der Zeit der Conquista ebenfalls zu einer Art von Ahnencultus, wie die Tagalen, Pampangos &c.
Wie bei den naheverwandten Ilocanen war auch hier die tiefe Scheidewand zwischen den Edelleuten und Plebejern vorhanden. Die letzteren heissen in Cagayan „timavas”, was wohl mit dem tagalischen „timauas” identisch ist, womit bei den Tagalen Freigelassene in den Zeiten vor der Conquista benannt wurden. Auch hier machte sich der Hass der unterdrückten Kaste durch blutige Aufstände Luft.
Die Ibanags von Cagayan und Isabela bauen dieselben Pflanzen wie die Ilocanen, die Hauptmasse der Bevölkerung widmet sich aber—zwangsweise—dem Tabaksbau, denn der Tabak dieser beiden Provinzen ist der beste der Philippinen. Die Härte, womit die Zwangscultur dieser Pflanze von der Regierung überwacht und durchgeführt wird, lässt keine nennenswerthe Industrie aufkommen (man vgl. darüber:Semper, Skizzen 41 f. und 131 f.). Die Finanzbehörde der Colonie bleibt den Tabakbauern oft Jahre hindurch den Betrag für die abgelieferten Blätter schuldig (Cañamaque, Filipinas 30).
Auch bei den Ibanags herrscht eine grosse Auswanderungslust, besonders Manila zieht sie an, wo sie halbnackt in grossen Schaaren anlangen (Buzeta I, 240).
7. Igorroten mit Buriks und Busaos (Igorrotes).Mit dem Namen „Igorrotes” wird viel Unfug getrieben. Spanische Schriftsteller haben alle heidnischen sogenannten „wilden” Bergstämme Luzons Igorrotes getauft, und so kamen auch unter anderen „Igorroten von Camarínes”, „Igorroten von Tayabas” in die ethnographische Literatur. Andere Autoren, wie z. B. der gelehrte D. Sinibaldo de Mas, bezeichneten mit diesem Namen alle Bergstämme Nord-Luzons, mit Ausnahme der Tinguianen, was immerhin eine gewisse Berechtigung hätte. Ich fasse unter dieser Bezeichnung die Igorroten im engeren Sinne und die Busaos und Buriks zusammen, denn diese haben eine gemeinsame Sprache, welche nur geringe dialektische Verschiedenheiten aufzuweisen hat (mündliche Mittheilung von Herrn Gumersindo Morales). Auch unterscheiden sich diese Stämme nur durch Tracht und Tätowirung voneinander, während Sitten und Bräuche nur unerheblich voneinander abweichen.Die Heimath der Igorroten bilden die Provinzen oder Districte: Benguet, Lepanto, Tíagan und Bontoc. Nach Scheidnagel (a. v. St.) finden sich auch Igorroten-Niederlassungen in den Provinzen Abra, Nueva Vizcaya und Isabela vor, doch ist es fraglich, ob Scheidnagel nicht hier den Namen der Igorroten in der oben angegebenen Weise missbraucht. Die Busaos haben die nördlichsten Sitze inne. Von der Cordillere Tila oder Tovalina an wohnen sie in den Districten Tiagan, Lepanto (nördliche Hälfte) und in Bontoc, in letzterem im Quellgebiete des Rio Caycayan. Nach der Ilustracion del Oriente (Jgg. 1818, Nr. 1, p. 4) sind sie auch in Benguet wohnhaft, was mir unwahrscheinlich vorkommt, da sie von diesem Districte durch die Buriks getrennt sind. Zu Grenznachbarn haben sie im Norden die Tinguianen und Guinanen, im Osten die Itetapanen und vielleicht auch die Suflin; südlich von ihnen wohnen die Buriks, im Osten von Santa Cruz und im Westen des Monte Data. Ihre wichtigeren Orte sind: Suyuc, Cayan, Sabangan, Cabugatan, Banao und Mancayan (Yamcayan).Südlich von den Buriks wohnen die eigentlichen Igorroten, deren Stammland das Thal von Benguet ist, obwohl sie jetzt in diesem Thale nur in verhältnissmässig geringer Zahl wohnen, indem die blutigen Kriege, welche in den zwanziger und dreissiger Jahren dieses Säculums zur Unterwerfung dieses kriegerischen Stammes führten, das blühende Land beinahe entvölkerten. Ihre wichtigeren Orte sind Benguet, Apayao, Cabacan (Cabagan), Buguias (Bujias) &c. v. Drasche (Fragm. einer Geologie, p. 27) traf Igorroten zwischen S. Nicolas am Rio Agno und Bambang (Provinz Nueva Vizcaya), bis zum Caraballo Sur. Auch hier muss ihre Zahl erheblich sich vermindert haben, denn gegen die geringe Zahl der Individuen stach die Menge der verlassenen und verfallenen Hütten ab. Einst war das von den Igorroten bewohnte Territorium grösser, im XVII. Jahrhundert wird noch der Berg von Sto. Tomas als in der „Tierra de Ygolotes”7liegend mehrfach erwähnt, und noch 1747 reichte das Gebiet der Igorroten bis zum Weichbilde der Pueblos Agoo und Aringay (Mozo 81). 1829 war die Grenze bis zum Monte Tongló (beim Monte Sto. Tomas) zurückgewichen (Mas, pobl. 46). In den Districten Lepanto und Bontoc zählte man 1876 19 852 unterworfene und 29 600 unabhängige Igorroten incl. Buriks und Busaos, während Diaz Arenas für das Jahr 1848 die Zahl 12 304 für diedamaligenProvinzen Pangasinán („in der Cordillera grande”), Abra und Ilócos Sur angiebt.Ihre Hautfarbe ist ein „nicht sehr dunkles Olivenbraun, seltener das Gelb der Mestizen” (Semper, Erdk. XIII, 90) oder gelblich kupferfarben (Ilustr. 1860, n. 12, p. 151). Nach Buzeta und Bravo (Diccionario I, 52) zeigt ihre Haut die Farbe gekochter Quitten. Ihr Körperbau ist kräftig, die Muskulatur gut entwickelt (Ilustracion, l. c.,Semper, l. c.). Die Durchschnittshöhe der Männer beträgt nach Semper (Erdk. XIII, 89) 4′ 8″ 2‴, bei Weibern 4′ 5″ 4‴ Pariser Maass.Professor Virchow nennt einen Igorrotenschädel „ausgezeichnet dolichocephal”, „von den Malaienschädeln ganz verschieden” und bemerkt weiter, „er nähere sich mehr den Formen von Palembang”. Nach Professor Semper ist auch das Gesicht länglicher und die Stirne mehr gebogen und zurücktretend als bei den Tagalen (Erdk., XIII, 90). Die Augen sind schwarz und gross, der äussere Augenwinkel ist spitz und etwas schräg nach oben gestellt (Semper, l. c.;Buzeta y Bravo I, 52;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Wangen sind gross und breit (Buzeta, l. c.). Das dichte Haar ist schwarz, glatt und ohne Glanz (Semper, Erdk., XIII, 91;Mas, pobl. 24). Erwähnenswerth ist, dass nach Lillo Gracia (p. 17) es auch reinblütige Leute giebt, die einen ebenso dichten Bart haben wie Europäer, doch lassen sich nur einzelne Berg-Igorroten von Lepanto den Bart stehen, die überwiegende Mehrzahl zieht sich die Haare am Kinne, der Brust, den Achselhöhlen und Schamtheilen mit einer kupfernen Zange aus (Semper, Erdk. XIII, 91).Allgemein wird behauptet, dass die Igorroten stark mit chinesischem Blute gemengt seien, ja es wird sogar von Mischung mit Japanern gesprochen (Novara-Reise, Ethnogr. Th., p. 32;Semper, Erdk. XIII, 89). Semper sagt: „Jemehr man sich nördlich wendet, um so schärfer tritt der mongolische Charakter hervor”. Nach ihm (Erdk., l. c.) zeigen die grossen Individuen chinesischen, die kleinen malaiischenTypus.An einer anderen Stelle (l. c., S. 91) bemerkt er: „Die Weiber nähern sich im Allgemeinen mehr dem malaiischen Typus”. Mozo bemerkt hierüber: „aparecen muy semejantes á los Chinos ..... especialmente en los ojos, en que no los quitan pinta” (Misiones, p. 63). Mas (pobl. 24) findet es auffallend, dass in ihrer Sprache der spanische Laut ch, entsprechend dem deutschen tsch, vorkommt, den angeblich die Dialekte der übrigen Malaienstämme nicht kennen. Lillo Gracia sagt von ihrer Sprache, sie sei einem corrumpirten Ilocanisch ähnlich, besitze aber eine eigenthümliche nasale Accentuirung, die an das Chinesische erinnere. Eine Vermengung mit Chinesen lässt sich nicht gut nachweisen, sie müsste jedenfalls vor der Einwanderung der Ilocanen erfolgt sein, so lange die Igorroten noch im Besitze der Küste waren, denn sonst müssten die Ilocanen auch einen chinesischen Typus aufweisen, da die Chinesen wohl mehr Berührungspunkte zu einem intimen Verkehre mit diesen vorfanden, als mit den tieferstehenden Igorroten. Jedenfalls heisst es in dieser Frage nicht voreilig sein, sondern specielle Untersuchungen über diesen Gegenstand abwarten.Das Haar tragen Männer und Weiber „vorn geradlinig über der Stirn und zu beiden Seiten des Gesichts abgeschnitten, so dass es fast die ganze Stirn bis zur Nasenwurzel, sowie die Ohren bedeckt”; am Hinterkopf lassen sie es oft lang wachsen und binden es in einen Knoten zusammen (Semper, Erdk. XIII, 91). Doch wechselt die Haartracht bei den einzelnen Stämmen (Lillo 30). Die Igorroten im engeren Sinne des Wortes tätowiren ihren Körper an Händen, Armen und der Brust (Lillo 31), doch beschränkt sich diese Sitte in den meisten Dörfern nur auf ein rohes Sonnenbild, welches auf die Handrückenfläche gemalt wird (Semper, Erdk. XIII, 90), insbesondere die Weiber dehnen die Tätowirung zumeist auf keinen anderen Körpertheil aus (Lillo, l. c.). Die Tätowirungsmuster auf Brust und Armen sind Combinationen gerader und krummer Linien, seltener findet man bildliche Darstellungen von Menschen und Thieren (Semper, l. c.). Die Tätowirungsmuster haben eine schmutzig-blaue Farbe und werden der Haut durch Nadelstiche beigebracht, die Nadel selbst ist in eine Farbmasse getaucht, welche aus Öl und einem Pulver, das durch Verbrennung blauer Baumwollenstoffe gewonnen wurde, zusammengesetzt ist (Lillo 31). Die Busaos-Igorroten tätowiren sich Blumengebilde auf die Arme (Mas, pobl. 25;Ilustracion, 1860, 152 und 285;Bastian, Reisen V. 273;Ilustr. del Oriente, 1878, Nr. 1, p. 4), andere Körpertheile werden nicht tätowirt. Die Buriks-Igorroten tätowiren sich den Körper in einer Weise, dass er wie mit einem Panzerhemde bedeckt erscheint, während die Arme mit schlangenartigen Mustern versehen werden (Mas, pobl. 25). Bemerkenswerth ist die Sitte, dass bei Vornehmen die Zähne mit einem breiten Goldblech bedeckt werden (Semper, Erdk. XIII, 90). Denselben Brauch fanden die Spanier bei der Eroberung des Archipels bei Tagalen und Visayern vor.Den schmutzigen Körper und die nie gekämmten Haare verhüllen verschiedenartige Tracht und Gewandung. Bei der Feldarbeit wird von den Männern nur der Bajaque oder Baac—eine Art Schurz—getragen (Lillo 31). Der Bajaque besteht aus Baumwollenzeug oder Baumrinde (Mas, pobl. 23). Sonst wird noch ein Mantel getragen, „aus Baumwollenzeug verfertigt und ilocanischer Provenienz”, da dieser „Mantel” viereckig ist, könnte er wohl besser Plaid genannt werden. Der Plaid ist lang genug, dass er doppelt um den Leib herumgeschlagen werden kann, er ist blau und weiss gestreift oder schwarz; wenn ganz von weisser Farbe, gilt er als Trauergewand (Mas, pobl. 23). Diese anscheinende Anlehnung an chinesischen Brauch liefert aber kein neues Beweismaterial für die Chinesen-Abstammungs-Hypothese, denn die Spanier fanden in den Zeiten der Conquista Weiss als Trauerfarbe im ganzen Archipel, und noch heute ist es so auf den Sulú-Inseln.Der Kopf wird meist unbedeckt getragen (Semper, Erdk. XIII, 89), sonst tragen die Berg-Igorroten ein Zeug turbanartig um den Kopf gewunden, während die Thalbewohner mit dem Salacó das Haupt bedecken (Lillo 31). Die Tracht der civilisirten Indier (gleich der tagalischen) beginnt bereits in den Grenzdistricten die nationale zu verdrängen (Lillo, l. c.). Die Weiber tragen eine bis zu den Knieen reichende Schürze, ferner ein jackenartiges Hemd mit langen Ärmeln, welches die Brüste durch einen Schlitz erblicken lässt, beide Kleidungsstücke sind indigoblau mit weissen Streifen (Semper, Erdk. XIII, 89;Ilustr. 1860, p. 151). Die Häuptlinge tragen im Kriege einen eigenthümlichen Barigués oder Porta-itac genannten Gürtel, welcher aus kleinen blendend weissen Steinchen zusammengesetzt ist (Scheidnagel 124). Die Kleider werden nie gewaschen (Lillo 31).Als Schmuckgegenstände dienen beiden Geschlechtern Ringe und Schnüre um Hals, Arme und Beine, sowie Ohrgehänge. Um den Hals werden mit Glasperlen und Steinen bedeckte Schnüre getragen (Semper, Erdk. XIII, 90), manche legen einen aus Kupferblech bestehenden Halsschmuck an, einige tragen förmliche Hunde-Halsbänder (Lillo 30). Die Arm- und Beinringe bestehen aus Metalldraht, Glasperlenschnüren oder Pflanzenflechtwerk (Semper, Erdk. XIII, 90); eine besondere Gattung dieser Ringe heisst Bali, wird aus Kupfer verfertigt und ist mitunter vergoldet (Scheidnagel 125). Die Ohrgehänge, welche auch von den Männern getragen werden, bestehen aus Gold, Kupfer und Hundezähnen (Lillo 30;Scheidnagel, l. c.). In Ermangelungvon etwas besserem werden auch Holzpflöcke in die Ohren gesteckt. Je grösser die Ausdehnung des Ohrläppchens ist, desto grösser der Stolz.Tabak, Geld und andere Gegenstände werden in einer Art Patronentasche aus Rohrgeflecht getragen, welche an einem Bandelier hängt (Lillo 30). Semper sah viele Igorroten, welche an einer (Glas-) Perlenkette einen Ohrlöffel und jene Kupferzange beständig mit sich trugen, welche zum Auszupfen der Barthaare dient.Von ihren Geräthen und Waffen fällt zunächst ihre Axt Ligua (Aligua, Aliva) in die Augen, sie hat die Gestalt eines Trapezoids (Scheidnagel 124) und ist mit einer Spitze versehen, welche zum Aufspiessen des abgeschlagenen Feindeskopfes dient (Lillo 24). Dann kommt zunächst das zweischneidige Waldmesser Bujías oder Talibong (Talibon) in Betracht. Breite einschneidige Hackmesser, gleich den ilocanischen, und ebenso Bolos genannt, sind gleichfalls im Gebrauche. Der Talibong wird bei den Busaos nicht vorgefunden (Ilustr. 1860, p. 152). Zur Jagd wie zum Kriege dient als Hauptwaffe ein Wurfspiess mit eiserner Spitze, welcher Cayang genannt wird. Sie besitzen zwar auch Pfeil und Bogen, wissen aber diese Waffe nicht gut zu gebrauchen (Mas, pobl. 24). Als Schutzwaffe dient der aus Holz verfertigte Schild, Calata (Lillo 24). Sämmtliche Angriffswaffen sind aus Metall verfertigt, bezw. haben sie aus diesem verfertigte Spitzen, Eisen wird natürlich bevorzugt, kommt aber nur durch Handel in ihre Hände, weshalb in früheren Zeiten das Kupfer das Material zur Herstellung ihrer Waffen und Werkzeuge nahezu ausschliesslich hergab.Von Transportgeräthen sind erwähnenswerth der Apirang und der Cayabang, ersterer ist ein auf dem Rücken zu tragender Korb aus Rohr und Bambus, letzterer ist gleichfalls ein Korb von vollendeter Arbeit, welchen nur Weiber tragen, er hat die Gestalt eines abgestumpften Kegels; zum Fortschaffen und Aufbewahren verschiedener Gegenstände dienen auch die Sackgattungen Upit und Sagupit, beide aus Bejuco und anderen Rohr- und Gras-Gattungen geflochten. Der Upit hat einen doppelten Boden (Scheidnagel 126).Die Dörfer der Igorroten sind nicht klein und erscheinen noch grösser durch den Umstand, dass jedes Haus von dem anderen durch einen viereckigen Hofraum geschieden ist (Semper, Erdk. XIII, 90), dieser Hofraum ist von einem aus rohbehauenen Steinen zusammengefügten Walle umgeben. Die Hütten sind je nach der Lage des Dorfes aus verschiedenen Materialien hergestellt; wo spanisches Rohr und Cogongras noch fortkommen, werden aus ersterem die Wände, aus letzterem die Bedachung verfertigt, in den höheren Gebirgen dienen zum Hausbaue Dielen und Balken aus Fichtenholz (Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Igorroten-Hütten in den Niederungen von Lepanto haben bereits ilocanisches Gepräge (Lillo 31). Der Grundriss ist viereckig, die Zimmer sind vier Fuss hoch; zwischen der Zimmerdecke und dem Dache ist der Reis aufgehäuft; selten läuft um das Haus eine Galerie (Semper, Erdk. XIII, 90). Die Hütten haben keine Fenster und nur eine einzige niedrige Eingangsthür, zu welcher man auf einer Leiter—denn auch hier ruhen die Hütten etwas erhöht über dem Erdboden—gelangt (Lillo 31). Der Feuerherd befindet sich gewöhnlich in der Mitte des einzigen Zimmers (Semper, Erdk. XIII, 90). In manchen Gegenden umgeben die Igorroten ihre Häuser mit Bambuszäunen (Scheidnagel 75). Das Innere der Hütten starrt von Schmutz, Russ und Asche (Semper, Erdk. XIII, 90;Mas,pobl. 24;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Früher schmückten die Igorroten das Äussere und Innere ihrer Behausungen mit den Köpfen der erlegten oder geschlachteten Thiere aus, wodurch die ganze Umgebung der Hütte durch infernalischen Gestank verpestet wurde (Mas, pobl. 20;Semper, Erdk. XIII, 94), jetzt beginnt diese Sitte zu verschwinden, wenigstens in Benguet und Lepanto.Die Igorroten sind fleissige Ackerbauer, sie bauen Reis, Mais, Patatas, Camote und verschiedene Gemüsegattungen, ferner Tabak. Kaffee wird zwar in ihrem Lande gepflanzt, aber diese Plantagen sind im Besitze und in Verwaltung von Spaniern und Mestizen (Lillo 41). Vor dem Auftreten der Spanier scheinen sie nur Reis gebaut zu haben und diesen nicht in genügender Menge, denn zu Ende des XVII. Jahrhunderts tauschten die Igorroten in Ilócos nicht allein Schweine und Büffel, sondern auch Reis ein (Morga-Stanley 284). Lillo Gracia sagt von den Igorroten von Lepanto, dass sie beständig darnach streben, neue, ihnen unbekannte Sämereien und Pflanzen anzubauen. Hie und da, wo das schon kühlere Klima ihres Landes es zulässt, bauen sie Zuckerrohr, Mangobäume und Apfelsinen (Semper, Erdk. XIII, 72).Bewunderungswürdig ist die Anlage ihrer Felder an steilen Berglehnen und das Berieselungssystem, welches ihren Äckern das nöthige Wasser bringt. Die schroffsten Abhänge sind durch mühseliges Aufthürmen von Felsblöcken in Terrassenfelder verwandelt worden (Semper, Skizzen 59, und in Erdk. XIII, 91;Lillo 39). Den Feldern wird das Wasser durch ausgezeichnet nivellirte Canäle zugeführt, Schluchten und Bergklüfte werden durch primitive Aquäducte überbrückt, welche aus rinnenartig ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt sind (Lillo 40). Um fruchtbare Äcker zu gewinnen, brennen die Igorroten grosse schöne Fichtenwaldungen nieder (Lillo 46). Das Pflügen und der Terrassen- und Canalisirungs-Bau liegt den Männern ob, alle übrige Feldarbeit ist Sache der Weiber und Kinder (Lillo 32). Der Reis wird nicht geschnitten, sondern Halmfür Halm ausgerissen (Semper, Erdk. XIII, 91). Nach der Ernte werden die Felder unter Wasser gesetzt und dann gepflügt. Zu letzterer Arbeit wird nur in den Niederungen der Büffel mit benutzt, in den Berghöhen arbeitet der Mensch allein (Lillo 39). Der Pflug ist eine Art Harke (Semper, l. c.). In Lepanto besteht er aus eisenbeschlagenen Stäben, welche die Erde aufreissen, worauf die Schollen durch Daraufschlagen zerbröckelt werden (Lillo, l. c.).Von einer Viehzucht in dem bei uns üblichen Sinne des Wortes ist bei den Igorroten keine Rede. Sie besitzen zwar Büffel, Schweine (und seltener) Rinder und Pferde, aber ohne sich mit deren Zucht und Pflege zu befassen, so dass sie genöthigt sind, diese Thiere in grossen Mengen in Ilócos aufzukaufen, denn bei ihren Festschmäusen werden ungeheuere Massen Fleisch vertilgt, der Bedarf ist daher ein grosser. Die Pferde werden nur des Fleisches wegen gezogen, die wenigen, welche nicht dem Schlachtmesser verfallen, sind durch frühe Dienstleistung bald ruinirt (Lillo 41). Auch der Hund muss sein Fleisch hergeben. Da das letztere Thier, sowie das Schwein und das Huhn nur unter gewissen Ceremonien und unter priesterlicher Beihülfe geschlachtet werden können (Semper, Erdk. XIII), so ist der Schluss berechtigt, dass diese drei Thiergattungen die einzigen Hausthiere der Igorroten waren, als sie Luzon betraten und ihre jetzigen Wohnsitze einnahmen. Trotz dieser Vorliebe und religiösen Scheu Schweinen und Hühnern gegenüber sind die Igorroten von Lepanto so nachlässig und träge, dass sie, anstatt diese Thiere selbst zu ziehen, solche zu ziemlich hohen Preisen von ilocanischen Händlern einkaufen (Lillo 42). Die Hunde werden hingegen gut gepflegt und sogar Nachts in die Hütte mitgenommen, wo Menschen und Thiere sich in der Nähe des wärmenden Herdes lagern (Semper, Erdk. XIII, 90). Ställe für Büffel, Rinder und Pferde giebt es nicht, diese Thiere müssen im Freien die kühlen Nächte (in Benguet +7° R.) zubringen.Ihre gewöhnliche Nahrung besteht in Camote, Reis, dem Fleische ihrer Hausthiere und Wildpret, letzteres wissen sie für längere Zeit zu conserviren (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). In der Bereitung der Fleischspeisen sind sie nichts weniger als heikel, für gewöhnlich braten sie das Fleisch, doch essen sie es auch im rohen Zustande, selbst die Büffelhaut wird nicht verschmäht und in lange Streifen zerschnitten noch blutig verschlungen (Semper, Erdk. XIII, 94). Ein Leckerbissen ist den Igorroten der in den Eingeweiden eines frischgeschlachteten Büffels befindliche Koth (Mas, pobl. 23). Semper (Erdk. XIII, 94) sah bei einem Festschmause, wie sie den Saft aus den Excrementen eines geschlachteten Büffels als Sauce auf rohes Fleisch auspressten. Sie geniessen das Fleisch auch im Fäulniss-Zustande (Lillo 28).Den grössten Theil ihrer Reisernte verwandeln sie in Bundang oder Siniput, ein saures, berauschendes Bier (Semper, Erdk. XIII, 92). Ein anderer gegohrener Trank wird aus Zuckerrohr bereitet und heisst „Basig” oder „Basi”.Von den civilisirten Malaienstämmen der Philippinen unterscheiden sie sich vorteilhaft dadurch, dass sie keinen Buyo kauen, dagegen rauchen Männer und Weiber von früher Jugend an leidenschaftlich Tabak, und zwar aus Pfeifen (Lillo 30). Letztere werden von ihnen selbst fabricirt und bestehen aus Stein, Holz oder Bronze (Messing).Sobald ein Weib Geburtswehen fühlt, eilt sie zu einem Flusse oder Bache, in dessen Wasser sie das neugeborene Kind sofort badet, dann legt sie das Kindlein in eine Art Korb, der über den Schultern festgehalten wird und geht damit heim (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). Werden Zwillinge geboren, so wird das zuletzt geborene Kind der ersten besten Familie geschenkt, die es adoptiren will; findet sich Niemand, der sich des armen Wesens erbarmt, so wird das Kind erwürgt oder lebendig begraben (Lillo 25). Dieser barbarische Brauch ist im raschen Schwinden begriffen. Das neugeborene Kind erhält den Namen desjenigen, der es zuerst beschenkt, doch werden die Namen im Leben mehrmals gewechselt (Lillo, l. c.).Entgegen den liederlichen Sitten der Tagalen und Visayer hüten die Igorroten ängstlich die Keuschheit ihrer Mädchen. Sobald die Kinder geschlechtsreif werden, tritt eine vollständige Isolirung der Jünglinge und Mädchen ein. In jedem Dorfe giebt es zwei grosse Häuser, in dem einen bringen die Jungfrauen, in dem anderen die Jünglinge die Nacht zu; ein Greis bei den letzteren, eine Greisin bei ersteren führen die Oberaufsicht und verhindern, dass Jemand zur Nachtzeit sich hinaus- oder hereinschleiche (Lillo 27). Bei Tage werden die Jungfrauen bei jedem Ausgange von älteren Frauen ihrer Familie oder dem Vater selbst begleitet und bewacht (Lillo, l. c.). Der Fehltritt eines Mädchens wurde bei einigen Stämmen mit dem Tode (Mas, pobl. 23), bei anderen durch schwere Züchtigung bestraft (Lillo 29). Diese Strenge bewirkte, dass die Mädchen, welche ihren Trieben freie Zügel schiessen liessen, indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschten, vorgaben, von Affen im Walde genothzüchtigt worden zu sein (Mittheilungen des Fray Lorenzo Juan in Mas, pobl. 23). Der Verkehr mit den eingewanderten christlichen Ilocanen und Pangasinanen, sowie mit den Soldaten der Forts hat diese reinen Sitten auf vielen Punkten untergraben (Lillo 32).Verliebt sich ein Jüngling in ein Mädchen und sind beide Eltern einem Ehebündnisse ihrer Kinder geneigt, so gestatten die Eltern der Braut dem Jünglinge, mit ihrer Tochter im Concubinate zu leben, denn es gilt vor Allem, die Fruchtbarkeit derselben zu erproben (Lillo 27). Wirddie Braut binnen einer bestimmten Frist schwanger, so findet erst die Hochzeit Statt, im entgegengesetzten Falle tritt der Bräutigam zurück (Lillo, l. c.). Wer ohne Grund seine Braut verliess, wurde früher geköpft (Lillo 29). Die Hochzeit beginnt mit einem religiösen Acte: die Priesterin erscheint, und unter Anrufung der Anitos verrichtet sie in Gegenwart aller Verwandten ihren Hocuspocus. Während der ganzen Ceremonie ruht der Fuss des Bräutigams auf dem der Braut (Lillo 27). Dann folgt der Festschmaus, welcher oft 8 bis 9 Tage dauert, während dieser Zeit bleibt das Ehepaar unsichtbar (Mas, pobl. 19).Die Igorroten kennen nur die Monogamie, und die Heiligkeit der Ehe wird ungemein hochgehalten. Die noch unabhängigen Igorroten tödten jedes ehebrecherische Weib durch Kopfabschlagen, die unter spanischer Herrschaft stehenden lassen es mit einer schweren körperlichen Züchtigung bewenden (Lillo 29). Die Ehen sind nur durch den Tod löslich (Lillo 27). Die Witwe gehört zur Familie ihres verstorbenen Gatten, ohne deren (seltene) Einwilligung sie sich nicht wieder vermählen darf, in welchem Falle sie jedes Recht auf ihre Kinder von ihrem ersten Gatten verliert, deren Vormundschaft und Schutz der Familie desselben zufällt (Lillo 27). Der Witwer darf sich erst nach sieben Jahren wieder verheirathen, während dieser ganzen Zeit fordert der gute Anstand von ihm, durch dumpfes Stillschweigen und Vorsichhinbrüten, sowie durch gänzliche Vernachlässigung der ohnehin geringen körperlichen Reinlichkeit, seine Trauer um die verstorbene Gattin zur Schau zu tragen (Lillo, l. c.).Im Familienleben der Igorroten fällt angenehm die Hochachtung auf, welche den Greisen gezollt wird (Lillo 29), minder vortheilhaft klingt die Meldung, dass noch im Anfange dieses Jahrhunderts die Igorroten ihre Kinder gern an die guten Christen von Ilócos und Pangasinán verkauften. Die Kinder wurden von den „edlen” Indiern zu Viehhirten und Knechten aufgezogen, der Preis schwankte zwischen 20 bis 30 Pesos, nur mit grosser Mühe gelang es der spanischen Regierung, diesen schändlichen Handel mit lebendigem Menschenfleisch auszurotten (Mas, pobl. 34).Ist ein vornehmer Igorrote verschieden, so wird eine Priesterin geholt, welche an die Leiche Fragen stellt, wie z. B.: „Warum hast du deine Verwandten und Freunde verlassen?”Dann werden alle Verwandten, auch die entferntesten, von dem Todesfalle benachrichtigt, welche auch insgesammt erscheinen; jeder tritt vor den Todten, grüsst ihn und drückt ihm die Hand, wobei er die oben erwähnte Frage der Priesterin wiederholt. Der Leichnam wird nicht eher begraben, als bis alle Blutsfreunde ihm diese letzte Ehrenbezeugung erwiesen, was oft 8 bis 9 Tage währt; bei den mehr civilisirten Igorroten wird die Leiche früher bestattet oder wenigstens auf den Friedhof gebracht (Lillo 25 f.). Während der ganzen Zeit, wo der Todte von seinen Verwandten begrüsst und besucht wird, feiert man vor dem Hause ein Cañao (Fest), d. h. es werden ungeheuere Quantitäten Fleisch und Reis verschlungen und noch viel mehr Basi getrunken. Der Aufwand ist oft so übertrieben, dass manche Familie durch ein solches Todtenfest vollständig verarmt (Lillo 26). Die Igorroten von Benguet begraben ihre Todten ohne die angeführten Ceremonien und überdiess kurze Zeit nach der Sterbestunde (Semper, Erdk. XIII, 95). In einigen Gegenden werden die Leichen über einem Feuer gedörrt (Lillo 26 u. Semper, l. c.) in anderen, wiewohl selten, auch einbalsamirt (Semper, Erdk., l. c.). Der Leichnam wird sitzend (Lillo 26, Semper, l. c.) in einen kistenartigen Sarg gesteckt, welcher, wenigstens in Lepanto, aus einem Holze verfertigt wird, das angeblich die Fäulniss verhindert (Lillo, l. c.). In Benguet bestehen die Särge, an welchen mitunter Schnitzereien angebracht sind, aus Fichtenholzbrettern (Semper, Erd. XIII, 96). In den Sarg werden Lebensmittel mitgegeben. Ein Sarg enthält oft zwei und mehr Leichen (Semper, Erdk. XIII, 96). In Benguet werden die Todten meist unter oder neben den Häusern bestattet (Semper, Erdk. XIII, 95), jedoch werden mit Vorliebe Höhlen zu Begräbnissplätzen ausgesucht (Lillo 6), was um so bemerkenswerther ist, als auch die Visayer vor der Annahme des Christenthums dieselbe Weise der Todtenbestattung ausübten. Die Höhlen werden, wo die Natur sie nicht gebildet, künstlich vermittelst des Feuers in den Felsen hineingearbeitet (Semper, Erdk. XIII, 96). Die Begräbnissstätten der Häuptlinge und Vornehmen heissen „Luddut”, jede Familie hat da ihren bestimmten Platz, gleichsam ihre Familiengruft (Mas, pobl. 18). Früher geschah es mitunter, dass die Leiche (bei Leuten geringeren Standes) von den Cañao-Festgenossen aufgezehrt wurde. Mas (pobl. 19) erwähnt einen solchen Vorfall, der sich in der Igorroten-Niederlassung Baruncucureng bei dem Pueblo Tagudin noch in diesem Jahrhunderte zugetragen hat.Jeder Mord und Todtschlag, welchen ein Fremder verübt, wird durch Blutrache gegen dessen Dorf gesühnt, falls nicht Wehrgeld erlegt wird (Mas, pobl. 18). Bei ihrem zu Gewaltthaten geneigten Sinne und dem Ruhm, den jener geniesst, der seine Hütte mit recht vielen Menschenschädeln schmücken kann, nimmt die Schlächterei unter ihnen nur dort ein Ende, wo die Autorität der spanischen Behörden volles Gewicht hat. Die Igorroten von Benguet zeichneten sich durch eine grössere Kriegslust aus als die Buriks und Busaos. Die Bewohner von Ilócos und Pangasinán waren in den Zeiten, wo die Igorroten noch unabhängig waren, beständig durch Banden dieser Kopfjäger beunruhigt. Bei einzelnen Stämmen herrschte früher der Brauch, dass, wennein Todter 2, 3, 4 &c. Finger der Hand ausgestreckt hielt, seine Hinterbliebenen ebensoviele Menschen tödten mussten; so nahm das Morden kein Ende (Mas, pobl. 23). In der bestialischen Wuth tranken sie mitunter das warme Blut des Unglücklichen, dem sie soeben den Kopf abgeschlagen (Mas, pobl. 22). Kehrte ein Kopfjäger mit seiner schauerlichen Beute heim, so erschienen die gesammten Bewohner des Ortes in dem Hause desselben und tanzten unter wildem Geschrei und Gejohle um die blutigen Feindesköpfe, Reis- und Zuckerrohr-Branntwein wurde in Massen vertilgt, und Tage verstrichen oft, ehe diese entsetzliche Festlichkeit endete, welche den Blutdurst und die Roheit der Igorroten in grellem Lichte offenbarte (Lillo 24). Den Krieg führten sie am liebsten im Hinterhalte, wurden sie aber vom Feinde im offenen Felde angegriffen, so wussten sie sich mit grosser Bravour zu vertheidigen. Wollten die Igorroten herannahenden Fremden erklären, dass ein Betreten ihres Gebietes gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung wäre, so legten sie Bogen und Pfeil auf den Weg und besprengten die Erde mit Blut (Mas, pobl. 44). Sie warfen auch Schanzen auf, um Feinden den Zugang in ihre Thäler zu versperren (Galvey’s Tagebuch in Mas, pobl. 58).Ihre Religion erinnert lebhaft an jene der alten Tagalen. Sie glauben an ein oberstes göttliches Wesen, welches die ganze Schöpfung regiert und nennen es „Apu” oder „Apo” oder (in Lepanto) „Lumaoig” (Lillo 21). Die Gemahlin des Apu heisst Bangan, seine Kinder sind der Sohn Ubban und die Tochter Bugan. Ausserdem giebt es zwei Untergötter: Cabigat und Suyan. Diese Gottheiten wohnen am westlichen Himmel und stehen mit den Menschen durch die Anitos im Verkehr (Lillo, l. c.). Die Namen der Götter werden in jedem Dorfe verschieden angegeben. Donnert es, so sagen sie, der Gott Cabuniang verlange Schweine8zum Opfer, sie kommen auch seinem Verlangen unter grossen Festlichkeiten nach (Mas, pobl. 16). Den Igorroten am Rio Agno wird die Sonne zur Gottheit, als deren Kinder die Götter Magsib und Caspök gelten, welche letzteren in Krankheitsfällen angerufen werden und auch sonst einen in Festlichkeiten bestehenden Cultus besitzen (Semper, Erdkunde XIII, 94).Den Göttern wird aber viel weniger Verehrung erwiesen, als den Seelen der verstorbenen Ahnen, den Anitos. In jedem Dorfe befindet sich ein heiliger Baum, den man als Wohnsitz von Anitos ansieht. Unter diese Bäume werden Opferstöcke hingestellt, welche natürlich dem ersten vorbeistreifenden Hunde ein willkommenes Fressen bieten. Vor diesen Bäumen stehen oft (Lillo 20) Felsblöcke oder Steine in Form von Altären, auf welchen die Opfer den Anitos dargebracht werden. Am unteren Rio Agno giebt es nur hie und da Opferplätze (Semper, Erdk. XIII, 94). Der Anito-Cultus zieht wie der rothe Faden in dem Tauwerk der englischen Marine durch alle Anschauungen, Sitten, Bräuche und Lebensgewohnheiten der Igorroten. Bei jedem Anlasse werden sie angerufen und jeder Vorfall, besonders wenn er schlimmer Natur ist, ihrem Einflüsse zugeschrieben, deshalb sucht man sie sich stets gewogen zu erhalten. Vor der Aussaat des Reises wird ihnen ein grosses Opferfest abgehalten, damit sie Saaten und Felder schützen &c. Die Anitos rufen auch die Krankheiten hervor und erzeugen verderbliche Dünste in Feld und Flur. Die Igorroten des in Lepanto liegenden Ortes Cabugatan halten die Aale ihres Baches für Verkörperungen ihrer Anitos, weshalb sie ihnen nicht nur kein Leid zufügen, sondern sie selbst füttern (Lillo 21). Mitunter findet man (in Lepanto) rohe Holzbilder, welche einen stehenden oder hockenden Mann darstellen, es sind diess Bilder der Anitos. Semper traf bei den südlichen Igorroten keine derartigen Bilder. Besonders zur Nachtzeit ziehen die Anitos herum, um Schaden zuzufügen (Mas, pobl. 17).Die Igorroten besitzen einen Priesterstand, dessen Mitglieder der Mehrzahl nach Weiber sind, wie diess bei den Tagalen und Visayern in den Zeiten der Conquista ebenso der Fall war. Der männliche Priester heisst Mambunung, in jedem Dorfe ist nur einer, der erst auf dem Todtenbett seinem Sohne die Gebetsformeln mittheilt (Semper, Erdkunde XIII, 94). Diese Mambunungs heilen auch Krankheiten, indem sie das Gesicht des Leidenden mit dem Blute eines geschlachteten Opferthieres beschmieren; als Bezahlung erhalten sie Gold und die besten Fleischstücke des Opferthieres (Semper, l. c.). Schweine, Hunde und Hühner dürfen nicht geschlachtet werden, ausser sie werden vom Mambunung eingeweiht und Theile ihres Fleisches den Göttern oder Anitos geopfert.Meist werden alle religiösen Ceremonien durch Priesterinnen, die sogenannten „Asiteras”, geleitet, es sind diess gewöhnlich alte Weiber, welche die Opfer bei den religiösen Festen, den Cañaos, zu verrichten haben. Die Anlässe zur Veranstaltung solcher sind verschiedenartigster Natur, wie: Erkrankung, plötzliches Umstehen des Viehes, eine Leichenbestattung, Hochzeiten, das Erblicken gewisser Vögel oder einer Ratte, welche den Weg kreuzt, ferner der Neubau eines Hauses oder der Aufbruch eines Kopfjägers, der Blutrache ausüben will (Lillo, 19 f.). Die Asiteras leiten das Fest, das in ein Fress- und Saufgelage ausläuft, mit dem Schlachten eines Opferthieres ein, indem sie unter Hersagen verschiedener Stossgebete und Ausrufungen mit dem Opferblute die Umstehenden oder das Anitobild besprengen. DieAsiterasgeben vor, von einem Anito begeistert zu sein(Lillo 20). Zum Abhalten dieser religiösen9Feste, Cañaos, besitzt jedes Dorf einen kleinen Schuppen, vor dem ein offener Platz sich befindet (Lillo 24).Das Erscheinen des Regenbogens halten die Igorroten für ein gutes Omen, kreuzt hingegen eine Schlange den Weg, so kehren sie augenblicklich um (Mas, pobl. 16). Wenn sie irgendwohin aufbrechen wollen, so zünden sie ein Feuer an, schlägt der Rauch nach der ihrem Ziele entgegengesetzten Richtung, so halten sie diess für ein sehr schlimmes Zeichen und unterlassen sofort den Zug (Mas, l. c.). Unter ihren „abergläubischen” Bräuchen verdient folgender einer Erwähnung: Wenn bei dem Neubaue eines Hauses Jemand bei der Errichtung der Grundpfeiler niest, so muss der Bau sofort unterlassen werden, sonst würde von den Betheiligten einer bald sterben müssen (Lillo 23).Das Christenthum hat zwar bei ihnen Eingang gefunden, breitet sich aber nur langsam, wenn auch sicher, aus. Man hat schon in den vergangenen Jahrhunderten Versuche gemacht, sie zum Christenthume zu bekehren, aber P. Mozo (Misiones 80) gesteht freimüthig, dass die wenigen Igorroten, welche die Taufe nahmen, diess nur thaten, um ihre Stammesgenossen um so leichter und wohlfeiler mit Mänteln, Schweinen, Kühen und (Palm-) Wein zu versehen.Über ihre nationalen Rechtsverhältnisse ist mir so gut wie Nichts bekannt. In zweifelhaften Fällen waren Gottesurtheile, wenn ich diesen Ausdruck hier anwenden darf, üblich. Zwei Arten derselben erwähnt Lillo (Lepanto 20). Mit einem spitzen Eisen von der Grösse und Gestalt eines kleinen Nagels werden die Köpfe der Streitenden geritzt, wer bei dieser Operation mehr Blut verliert, hat den Streit verloren. Ein anderes Mal wird ein kleiner Scheiterhaufen angezündet, worauf jeder der Streitenden ein gefesseltes Huhn in die Flammen wirft. In dem Augenblicke, wo die armen Thiere in den letzten Zügen liegen, werden sie wieder aus dem Feuer herausgezogen und der Leib geöffnet, wessen Huhn eine grössere Galle besitzt, der hat den Process verloren.Das Jahr zählen sie nach Ernten, die Monate nach Monden, die Stunde nach dem Stande der Sonne (Lillo 44). Ihre Gesänge sind monoton und nach unseren Begriffen unharmonisch, der Kriegsgesang besteht eigentlich nur aus einem gellenden Geschrei (Lillo 24). Ihre Musikinstrumente sind nicht zahlreich, zu erwähnen wäre zunächst der Batitin, eine Trommel aus einem ausgehöhlten Baumstamme (Lillo 28), denselben Namen giebt Semper (Erdk. XIII, 93), nur mit einer geringen Modification—batiting—, den auch bei den Igorroten üblichen Gongs. Prof. Semper erwähnt an derselben Stelle auch eine Trommel, welche die Form einer Kanone besitzt und mit einem Stück Stierleder überzogen ist. Der Gong der Igorroten von Lepanto heisst la Ganza, er besteht aus Bronze. Zur besseren Handhabung ist an die Ganza ein Henkel angemacht, welcher aus dem Kinnbacken eines Feindesschädels besteht, so adjustirte Ganzas haben einen besonderen Werth (Lillo 29).Die vornehmen Igorrotenfamilien wetteifern miteinander in Veranstaltungen von grossen Festschmäusen. Zu diesen Festen werden nur die Vornehmsten des Ortes persönlich eingeladen, die übrigen Dorfbewohner erscheinen auf das Signal von Trommelschlägen. Ehe das Gelage seinen Anfang nimmt, wird getanzt.Bei den südlichen Igorroten treten bei solchen Festen als Tänzer ein Weib mit drei bis vier Männern auf. „Das Weib dreht sich, die Arme bald weit ausstreckend, bald sie über die Brust kreuzend, wobei sie sich tief gegen die (schon bereitstehenden und mit Reisbier gefüllten) Krüge verneigt, nach einer Seite im Kreise um diese herum, in entgegengesetzter Richtung bewegen sich die Männer, deren Anführer ein breites buntfarbiges Tuch über Brust und Schultern trägt und lebhaft mit den Armen gesticulirt” (Semper, Erdk. XIII, 93). Der Tanz der Igorroten von Lepanto besteht in einem schnellen Bewegen der Beine, ohne die Füsse vom Boden zu erheben oder den Körper zu bewegen, dabei halten die Mädchen ein Tuch in den Händen, hinter welchem sie sich anscheinend zu verbergen suchen, ähnliches thut der Mann, nur fingirt er das fehlende Tuch; es tanzt immer nur ein Paar, welches rasch durch ein anderes ersetzt wird (Lillo 29).Beim Kriegstanze ahmen die mit Schild und Lanze bewaffneten Tänzer ein Gefecht nach (Lillo, l. c.), doch beginnt diese Sitte rasch zu schwinden, da bei den den Spaniern unterworfenen Igorroten keine Kriege mehr geführt werden.Ihre Industrie ist nur in Bezug auf Metallarbeiten und Bergbau von Belang. Sie besitzen zwar kleine Webeapparate (Lillo 42), können aber damit nur den geringsten Theil ihres Bedarfes an Baumwollgeweben decken. Aus der Rinde des mächtigen Baumes Baliti bereiten sie durch Klopfen und Dörren an der Sonne einen überaus haltbaren Stoff, welchen sie zu ihrem Kopfbunde, zu Schlafteppichen &c. verwenden (Scheidnagel 126). Im Flechten von Körben, Matten und Hüten sind sie sehr geschickt, letztere Industrie nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Aus Holz werden verschiedene Sachen, als Tabakspfeifen, Schüsseln &c. geschnitzt. Die „Latoc” genannte Holzschüssel hat zwei Höhlungen, eine für das Salz, die andere viel grössere für die eigentliche Speise (Scheidnagel 126). Sie sind ausgezeichnete Schmiede, ihre Werkstätten liegen nie im Dorfe, sonderntief im Walde versteckt(Semper, Erdk. XIII, 92). Aus Kupfer fabriciren sie Kessel, Kochtöpfe, Tabakspfeifen, Ketten und ähnliche Dinge. Auch Felle wissen sie gut zuzubereiten, besonders verdienen die aus dem bunten Felle der Bergkatze bereiteten Tabaksbeutel Beachtung(Scheidnagel 127).Im Bergbau übertrafen sie die übrigen Malaienstämme der Philippinen. Die reichen Kupferminen um den Mte. Datá, in Mancayan &c. werden von ihnen ergiebig ausgebeutet, ebenso die Goldgruben von Acupan, Apayao und Suyuc. Jede Familie in den erzführenden Districten hatte ihr eigenes streng abgegrenztesSchürfgebiet. „Zur Förderung des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Felsen zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und erhöhte den Boden, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme der Holzstösse stets die Decke traf”(Santos, Informe sobre las minas de cobre, in Jagor, Reisen, p. 147). Reiche Erze wurden einfach geschmolzen, die quarzhaltigen einer sehr starken Röstung unterzogen(Jagor, l. c.). Scheidnagel(p. 98)führt die Gattungen des Goldgewinnes an: Die einfache Wäsche, Galerienbau und Zerklopfen des erzhaltigen Gesteines. Die Schmelzöfen der Igorroten bestehen aus einer runden Vertiefung im Thone und haben einen Durchmesser von 0,3 m und eine Tiefe von 0,15 m. „Eine damit in Verbindung stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte conische Röhre von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf- und abbewegten und die für das Schmelzen erforderliche Luft zuführten”(Jagor, l. c. 148). Der Kupferbergbau hat stark nachgelassen(Drasche, Fragm. zu einer Geol. 36), indem die reichsten Kupferminen sich jetzt im Besitze spanischer Actiengesellschaften und Capitalisten befinden, bei denen die Igorroten, die einstigen Grubenbesitzer, Taglöhnerdienste verrichten(Lillo 52). Das Goldwaschen ist noch heute in ihren Händen; in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit war der Goldhandel allein Monopol der vornehmen Familien, denen die Plebejer—wenn ich so sagen darf—alles gefundene Gold abliefern mussten(Mozo 81). Die Igorroten in der Umgebung von Suyuc bringen noch jetzt Gold im Werthe von 12 000 Dollars in den Handel(Lillo 42).In den Zeiten der Unabhängigkeit bildete—und für die noch jetzt nicht unterworfenen Stämme gilt dasselbe—jedes Dorf einen Staat für sich(Lillo 17), wir finden also hier, wie schon Mas erwähnte (Mas, historia I, 10), dieselbe staatliche Zersplitterung wie bei den heutigen Indios civilisados in der Periode der Conquista. Der Häuptling des Dorfes gehört dem Adel an, jedoch scheint diese Würde nicht in einer einzigen Familie erblich zu sein, sondern der Tapferste—dann Mainguel genannt—oder Reichste wird Chef eines Dorfes (Lillo 17). Seine Macht ist sehr beschränkt, denn die eigentliche Regierung liegt in den Händen der gesammten Adeligen (Lillo 18). Diese werden „Bacnanes” genannt, ihnen gehört der ganze Boden und das Ackerland des Dorfstaates, in welchem gewöhnlich vier, sechs oder mehr solcher Magnatenfamilien leben. Die übrigen Dorfbewohner sind nichts anderes als Leibeigene des Adels, dessen Felder sie zu bestellen haben und denen sie sonst zu Diensten stehen; als Lohn erhalten sie dafür Speise und Trank (Lillo 18). In Lepanto werden sie Cailianes genannt (Lillo, l. c.), d. h. ebenso, wie die Plebejer in Ilócos. Die einzelnen Dorfstaaten waren beständig miteinander im Kriege begriffen.Den ersten Versuch, die Igorroten der spanischen Krone und dem Katholizismus zu unterwerfen, unternahmen die Spanier 1660, er misslang so wie mehrere andere Expeditionen, bis es 1829 den Spaniern gelang, festen Fuss im Lande zu fassen, seitdem ist ein Igorroten-Territorium nach dem anderen durch Güte und Gewalt annectirt worden. Vom 4. bis 7. März 1880 fanden neue blutige Kämpfe mit noch unabhängigen Bergstämmen Statt, welche siegreich für die Spanier endeten.Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und Autonomie erhalten, wie die übrigen Eingeborenen der Philippinen. Jede Ranchería (Dorf) wählt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher, Wähler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo 34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstösse und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es ist jedoch bemerkenswerth, dass diese öffentlichen Arbeiten meist von Weibern verrichtet werden, welche ihre Männer vertreten. Nur in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegründet, in denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876 besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern regelmässig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere können wenigstens ihren Namen unterschreiben(Lillo, l. c.). Jedenfalls verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.
7. Igorroten mit Buriks und Busaos (Igorrotes).
Mit dem Namen „Igorrotes” wird viel Unfug getrieben. Spanische Schriftsteller haben alle heidnischen sogenannten „wilden” Bergstämme Luzons Igorrotes getauft, und so kamen auch unter anderen „Igorroten von Camarínes”, „Igorroten von Tayabas” in die ethnographische Literatur. Andere Autoren, wie z. B. der gelehrte D. Sinibaldo de Mas, bezeichneten mit diesem Namen alle Bergstämme Nord-Luzons, mit Ausnahme der Tinguianen, was immerhin eine gewisse Berechtigung hätte. Ich fasse unter dieser Bezeichnung die Igorroten im engeren Sinne und die Busaos und Buriks zusammen, denn diese haben eine gemeinsame Sprache, welche nur geringe dialektische Verschiedenheiten aufzuweisen hat (mündliche Mittheilung von Herrn Gumersindo Morales). Auch unterscheiden sich diese Stämme nur durch Tracht und Tätowirung voneinander, während Sitten und Bräuche nur unerheblich voneinander abweichen.Die Heimath der Igorroten bilden die Provinzen oder Districte: Benguet, Lepanto, Tíagan und Bontoc. Nach Scheidnagel (a. v. St.) finden sich auch Igorroten-Niederlassungen in den Provinzen Abra, Nueva Vizcaya und Isabela vor, doch ist es fraglich, ob Scheidnagel nicht hier den Namen der Igorroten in der oben angegebenen Weise missbraucht. Die Busaos haben die nördlichsten Sitze inne. Von der Cordillere Tila oder Tovalina an wohnen sie in den Districten Tiagan, Lepanto (nördliche Hälfte) und in Bontoc, in letzterem im Quellgebiete des Rio Caycayan. Nach der Ilustracion del Oriente (Jgg. 1818, Nr. 1, p. 4) sind sie auch in Benguet wohnhaft, was mir unwahrscheinlich vorkommt, da sie von diesem Districte durch die Buriks getrennt sind. Zu Grenznachbarn haben sie im Norden die Tinguianen und Guinanen, im Osten die Itetapanen und vielleicht auch die Suflin; südlich von ihnen wohnen die Buriks, im Osten von Santa Cruz und im Westen des Monte Data. Ihre wichtigeren Orte sind: Suyuc, Cayan, Sabangan, Cabugatan, Banao und Mancayan (Yamcayan).Südlich von den Buriks wohnen die eigentlichen Igorroten, deren Stammland das Thal von Benguet ist, obwohl sie jetzt in diesem Thale nur in verhältnissmässig geringer Zahl wohnen, indem die blutigen Kriege, welche in den zwanziger und dreissiger Jahren dieses Säculums zur Unterwerfung dieses kriegerischen Stammes führten, das blühende Land beinahe entvölkerten. Ihre wichtigeren Orte sind Benguet, Apayao, Cabacan (Cabagan), Buguias (Bujias) &c. v. Drasche (Fragm. einer Geologie, p. 27) traf Igorroten zwischen S. Nicolas am Rio Agno und Bambang (Provinz Nueva Vizcaya), bis zum Caraballo Sur. Auch hier muss ihre Zahl erheblich sich vermindert haben, denn gegen die geringe Zahl der Individuen stach die Menge der verlassenen und verfallenen Hütten ab. Einst war das von den Igorroten bewohnte Territorium grösser, im XVII. Jahrhundert wird noch der Berg von Sto. Tomas als in der „Tierra de Ygolotes”7liegend mehrfach erwähnt, und noch 1747 reichte das Gebiet der Igorroten bis zum Weichbilde der Pueblos Agoo und Aringay (Mozo 81). 1829 war die Grenze bis zum Monte Tongló (beim Monte Sto. Tomas) zurückgewichen (Mas, pobl. 46). In den Districten Lepanto und Bontoc zählte man 1876 19 852 unterworfene und 29 600 unabhängige Igorroten incl. Buriks und Busaos, während Diaz Arenas für das Jahr 1848 die Zahl 12 304 für diedamaligenProvinzen Pangasinán („in der Cordillera grande”), Abra und Ilócos Sur angiebt.Ihre Hautfarbe ist ein „nicht sehr dunkles Olivenbraun, seltener das Gelb der Mestizen” (Semper, Erdk. XIII, 90) oder gelblich kupferfarben (Ilustr. 1860, n. 12, p. 151). Nach Buzeta und Bravo (Diccionario I, 52) zeigt ihre Haut die Farbe gekochter Quitten. Ihr Körperbau ist kräftig, die Muskulatur gut entwickelt (Ilustracion, l. c.,Semper, l. c.). Die Durchschnittshöhe der Männer beträgt nach Semper (Erdk. XIII, 89) 4′ 8″ 2‴, bei Weibern 4′ 5″ 4‴ Pariser Maass.Professor Virchow nennt einen Igorrotenschädel „ausgezeichnet dolichocephal”, „von den Malaienschädeln ganz verschieden” und bemerkt weiter, „er nähere sich mehr den Formen von Palembang”. Nach Professor Semper ist auch das Gesicht länglicher und die Stirne mehr gebogen und zurücktretend als bei den Tagalen (Erdk., XIII, 90). Die Augen sind schwarz und gross, der äussere Augenwinkel ist spitz und etwas schräg nach oben gestellt (Semper, l. c.;Buzeta y Bravo I, 52;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Wangen sind gross und breit (Buzeta, l. c.). Das dichte Haar ist schwarz, glatt und ohne Glanz (Semper, Erdk., XIII, 91;Mas, pobl. 24). Erwähnenswerth ist, dass nach Lillo Gracia (p. 17) es auch reinblütige Leute giebt, die einen ebenso dichten Bart haben wie Europäer, doch lassen sich nur einzelne Berg-Igorroten von Lepanto den Bart stehen, die überwiegende Mehrzahl zieht sich die Haare am Kinne, der Brust, den Achselhöhlen und Schamtheilen mit einer kupfernen Zange aus (Semper, Erdk. XIII, 91).Allgemein wird behauptet, dass die Igorroten stark mit chinesischem Blute gemengt seien, ja es wird sogar von Mischung mit Japanern gesprochen (Novara-Reise, Ethnogr. Th., p. 32;Semper, Erdk. XIII, 89). Semper sagt: „Jemehr man sich nördlich wendet, um so schärfer tritt der mongolische Charakter hervor”. Nach ihm (Erdk., l. c.) zeigen die grossen Individuen chinesischen, die kleinen malaiischenTypus.An einer anderen Stelle (l. c., S. 91) bemerkt er: „Die Weiber nähern sich im Allgemeinen mehr dem malaiischen Typus”. Mozo bemerkt hierüber: „aparecen muy semejantes á los Chinos ..... especialmente en los ojos, en que no los quitan pinta” (Misiones, p. 63). Mas (pobl. 24) findet es auffallend, dass in ihrer Sprache der spanische Laut ch, entsprechend dem deutschen tsch, vorkommt, den angeblich die Dialekte der übrigen Malaienstämme nicht kennen. Lillo Gracia sagt von ihrer Sprache, sie sei einem corrumpirten Ilocanisch ähnlich, besitze aber eine eigenthümliche nasale Accentuirung, die an das Chinesische erinnere. Eine Vermengung mit Chinesen lässt sich nicht gut nachweisen, sie müsste jedenfalls vor der Einwanderung der Ilocanen erfolgt sein, so lange die Igorroten noch im Besitze der Küste waren, denn sonst müssten die Ilocanen auch einen chinesischen Typus aufweisen, da die Chinesen wohl mehr Berührungspunkte zu einem intimen Verkehre mit diesen vorfanden, als mit den tieferstehenden Igorroten. Jedenfalls heisst es in dieser Frage nicht voreilig sein, sondern specielle Untersuchungen über diesen Gegenstand abwarten.Das Haar tragen Männer und Weiber „vorn geradlinig über der Stirn und zu beiden Seiten des Gesichts abgeschnitten, so dass es fast die ganze Stirn bis zur Nasenwurzel, sowie die Ohren bedeckt”; am Hinterkopf lassen sie es oft lang wachsen und binden es in einen Knoten zusammen (Semper, Erdk. XIII, 91). Doch wechselt die Haartracht bei den einzelnen Stämmen (Lillo 30). Die Igorroten im engeren Sinne des Wortes tätowiren ihren Körper an Händen, Armen und der Brust (Lillo 31), doch beschränkt sich diese Sitte in den meisten Dörfern nur auf ein rohes Sonnenbild, welches auf die Handrückenfläche gemalt wird (Semper, Erdk. XIII, 90), insbesondere die Weiber dehnen die Tätowirung zumeist auf keinen anderen Körpertheil aus (Lillo, l. c.). Die Tätowirungsmuster auf Brust und Armen sind Combinationen gerader und krummer Linien, seltener findet man bildliche Darstellungen von Menschen und Thieren (Semper, l. c.). Die Tätowirungsmuster haben eine schmutzig-blaue Farbe und werden der Haut durch Nadelstiche beigebracht, die Nadel selbst ist in eine Farbmasse getaucht, welche aus Öl und einem Pulver, das durch Verbrennung blauer Baumwollenstoffe gewonnen wurde, zusammengesetzt ist (Lillo 31). Die Busaos-Igorroten tätowiren sich Blumengebilde auf die Arme (Mas, pobl. 25;Ilustracion, 1860, 152 und 285;Bastian, Reisen V. 273;Ilustr. del Oriente, 1878, Nr. 1, p. 4), andere Körpertheile werden nicht tätowirt. Die Buriks-Igorroten tätowiren sich den Körper in einer Weise, dass er wie mit einem Panzerhemde bedeckt erscheint, während die Arme mit schlangenartigen Mustern versehen werden (Mas, pobl. 25). Bemerkenswerth ist die Sitte, dass bei Vornehmen die Zähne mit einem breiten Goldblech bedeckt werden (Semper, Erdk. XIII, 90). Denselben Brauch fanden die Spanier bei der Eroberung des Archipels bei Tagalen und Visayern vor.Den schmutzigen Körper und die nie gekämmten Haare verhüllen verschiedenartige Tracht und Gewandung. Bei der Feldarbeit wird von den Männern nur der Bajaque oder Baac—eine Art Schurz—getragen (Lillo 31). Der Bajaque besteht aus Baumwollenzeug oder Baumrinde (Mas, pobl. 23). Sonst wird noch ein Mantel getragen, „aus Baumwollenzeug verfertigt und ilocanischer Provenienz”, da dieser „Mantel” viereckig ist, könnte er wohl besser Plaid genannt werden. Der Plaid ist lang genug, dass er doppelt um den Leib herumgeschlagen werden kann, er ist blau und weiss gestreift oder schwarz; wenn ganz von weisser Farbe, gilt er als Trauergewand (Mas, pobl. 23). Diese anscheinende Anlehnung an chinesischen Brauch liefert aber kein neues Beweismaterial für die Chinesen-Abstammungs-Hypothese, denn die Spanier fanden in den Zeiten der Conquista Weiss als Trauerfarbe im ganzen Archipel, und noch heute ist es so auf den Sulú-Inseln.Der Kopf wird meist unbedeckt getragen (Semper, Erdk. XIII, 89), sonst tragen die Berg-Igorroten ein Zeug turbanartig um den Kopf gewunden, während die Thalbewohner mit dem Salacó das Haupt bedecken (Lillo 31). Die Tracht der civilisirten Indier (gleich der tagalischen) beginnt bereits in den Grenzdistricten die nationale zu verdrängen (Lillo, l. c.). Die Weiber tragen eine bis zu den Knieen reichende Schürze, ferner ein jackenartiges Hemd mit langen Ärmeln, welches die Brüste durch einen Schlitz erblicken lässt, beide Kleidungsstücke sind indigoblau mit weissen Streifen (Semper, Erdk. XIII, 89;Ilustr. 1860, p. 151). Die Häuptlinge tragen im Kriege einen eigenthümlichen Barigués oder Porta-itac genannten Gürtel, welcher aus kleinen blendend weissen Steinchen zusammengesetzt ist (Scheidnagel 124). Die Kleider werden nie gewaschen (Lillo 31).Als Schmuckgegenstände dienen beiden Geschlechtern Ringe und Schnüre um Hals, Arme und Beine, sowie Ohrgehänge. Um den Hals werden mit Glasperlen und Steinen bedeckte Schnüre getragen (Semper, Erdk. XIII, 90), manche legen einen aus Kupferblech bestehenden Halsschmuck an, einige tragen förmliche Hunde-Halsbänder (Lillo 30). Die Arm- und Beinringe bestehen aus Metalldraht, Glasperlenschnüren oder Pflanzenflechtwerk (Semper, Erdk. XIII, 90); eine besondere Gattung dieser Ringe heisst Bali, wird aus Kupfer verfertigt und ist mitunter vergoldet (Scheidnagel 125). Die Ohrgehänge, welche auch von den Männern getragen werden, bestehen aus Gold, Kupfer und Hundezähnen (Lillo 30;Scheidnagel, l. c.). In Ermangelungvon etwas besserem werden auch Holzpflöcke in die Ohren gesteckt. Je grösser die Ausdehnung des Ohrläppchens ist, desto grösser der Stolz.Tabak, Geld und andere Gegenstände werden in einer Art Patronentasche aus Rohrgeflecht getragen, welche an einem Bandelier hängt (Lillo 30). Semper sah viele Igorroten, welche an einer (Glas-) Perlenkette einen Ohrlöffel und jene Kupferzange beständig mit sich trugen, welche zum Auszupfen der Barthaare dient.Von ihren Geräthen und Waffen fällt zunächst ihre Axt Ligua (Aligua, Aliva) in die Augen, sie hat die Gestalt eines Trapezoids (Scheidnagel 124) und ist mit einer Spitze versehen, welche zum Aufspiessen des abgeschlagenen Feindeskopfes dient (Lillo 24). Dann kommt zunächst das zweischneidige Waldmesser Bujías oder Talibong (Talibon) in Betracht. Breite einschneidige Hackmesser, gleich den ilocanischen, und ebenso Bolos genannt, sind gleichfalls im Gebrauche. Der Talibong wird bei den Busaos nicht vorgefunden (Ilustr. 1860, p. 152). Zur Jagd wie zum Kriege dient als Hauptwaffe ein Wurfspiess mit eiserner Spitze, welcher Cayang genannt wird. Sie besitzen zwar auch Pfeil und Bogen, wissen aber diese Waffe nicht gut zu gebrauchen (Mas, pobl. 24). Als Schutzwaffe dient der aus Holz verfertigte Schild, Calata (Lillo 24). Sämmtliche Angriffswaffen sind aus Metall verfertigt, bezw. haben sie aus diesem verfertigte Spitzen, Eisen wird natürlich bevorzugt, kommt aber nur durch Handel in ihre Hände, weshalb in früheren Zeiten das Kupfer das Material zur Herstellung ihrer Waffen und Werkzeuge nahezu ausschliesslich hergab.Von Transportgeräthen sind erwähnenswerth der Apirang und der Cayabang, ersterer ist ein auf dem Rücken zu tragender Korb aus Rohr und Bambus, letzterer ist gleichfalls ein Korb von vollendeter Arbeit, welchen nur Weiber tragen, er hat die Gestalt eines abgestumpften Kegels; zum Fortschaffen und Aufbewahren verschiedener Gegenstände dienen auch die Sackgattungen Upit und Sagupit, beide aus Bejuco und anderen Rohr- und Gras-Gattungen geflochten. Der Upit hat einen doppelten Boden (Scheidnagel 126).Die Dörfer der Igorroten sind nicht klein und erscheinen noch grösser durch den Umstand, dass jedes Haus von dem anderen durch einen viereckigen Hofraum geschieden ist (Semper, Erdk. XIII, 90), dieser Hofraum ist von einem aus rohbehauenen Steinen zusammengefügten Walle umgeben. Die Hütten sind je nach der Lage des Dorfes aus verschiedenen Materialien hergestellt; wo spanisches Rohr und Cogongras noch fortkommen, werden aus ersterem die Wände, aus letzterem die Bedachung verfertigt, in den höheren Gebirgen dienen zum Hausbaue Dielen und Balken aus Fichtenholz (Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Igorroten-Hütten in den Niederungen von Lepanto haben bereits ilocanisches Gepräge (Lillo 31). Der Grundriss ist viereckig, die Zimmer sind vier Fuss hoch; zwischen der Zimmerdecke und dem Dache ist der Reis aufgehäuft; selten läuft um das Haus eine Galerie (Semper, Erdk. XIII, 90). Die Hütten haben keine Fenster und nur eine einzige niedrige Eingangsthür, zu welcher man auf einer Leiter—denn auch hier ruhen die Hütten etwas erhöht über dem Erdboden—gelangt (Lillo 31). Der Feuerherd befindet sich gewöhnlich in der Mitte des einzigen Zimmers (Semper, Erdk. XIII, 90). In manchen Gegenden umgeben die Igorroten ihre Häuser mit Bambuszäunen (Scheidnagel 75). Das Innere der Hütten starrt von Schmutz, Russ und Asche (Semper, Erdk. XIII, 90;Mas,pobl. 24;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Früher schmückten die Igorroten das Äussere und Innere ihrer Behausungen mit den Köpfen der erlegten oder geschlachteten Thiere aus, wodurch die ganze Umgebung der Hütte durch infernalischen Gestank verpestet wurde (Mas, pobl. 20;Semper, Erdk. XIII, 94), jetzt beginnt diese Sitte zu verschwinden, wenigstens in Benguet und Lepanto.Die Igorroten sind fleissige Ackerbauer, sie bauen Reis, Mais, Patatas, Camote und verschiedene Gemüsegattungen, ferner Tabak. Kaffee wird zwar in ihrem Lande gepflanzt, aber diese Plantagen sind im Besitze und in Verwaltung von Spaniern und Mestizen (Lillo 41). Vor dem Auftreten der Spanier scheinen sie nur Reis gebaut zu haben und diesen nicht in genügender Menge, denn zu Ende des XVII. Jahrhunderts tauschten die Igorroten in Ilócos nicht allein Schweine und Büffel, sondern auch Reis ein (Morga-Stanley 284). Lillo Gracia sagt von den Igorroten von Lepanto, dass sie beständig darnach streben, neue, ihnen unbekannte Sämereien und Pflanzen anzubauen. Hie und da, wo das schon kühlere Klima ihres Landes es zulässt, bauen sie Zuckerrohr, Mangobäume und Apfelsinen (Semper, Erdk. XIII, 72).Bewunderungswürdig ist die Anlage ihrer Felder an steilen Berglehnen und das Berieselungssystem, welches ihren Äckern das nöthige Wasser bringt. Die schroffsten Abhänge sind durch mühseliges Aufthürmen von Felsblöcken in Terrassenfelder verwandelt worden (Semper, Skizzen 59, und in Erdk. XIII, 91;Lillo 39). Den Feldern wird das Wasser durch ausgezeichnet nivellirte Canäle zugeführt, Schluchten und Bergklüfte werden durch primitive Aquäducte überbrückt, welche aus rinnenartig ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt sind (Lillo 40). Um fruchtbare Äcker zu gewinnen, brennen die Igorroten grosse schöne Fichtenwaldungen nieder (Lillo 46). Das Pflügen und der Terrassen- und Canalisirungs-Bau liegt den Männern ob, alle übrige Feldarbeit ist Sache der Weiber und Kinder (Lillo 32). Der Reis wird nicht geschnitten, sondern Halmfür Halm ausgerissen (Semper, Erdk. XIII, 91). Nach der Ernte werden die Felder unter Wasser gesetzt und dann gepflügt. Zu letzterer Arbeit wird nur in den Niederungen der Büffel mit benutzt, in den Berghöhen arbeitet der Mensch allein (Lillo 39). Der Pflug ist eine Art Harke (Semper, l. c.). In Lepanto besteht er aus eisenbeschlagenen Stäben, welche die Erde aufreissen, worauf die Schollen durch Daraufschlagen zerbröckelt werden (Lillo, l. c.).Von einer Viehzucht in dem bei uns üblichen Sinne des Wortes ist bei den Igorroten keine Rede. Sie besitzen zwar Büffel, Schweine (und seltener) Rinder und Pferde, aber ohne sich mit deren Zucht und Pflege zu befassen, so dass sie genöthigt sind, diese Thiere in grossen Mengen in Ilócos aufzukaufen, denn bei ihren Festschmäusen werden ungeheuere Massen Fleisch vertilgt, der Bedarf ist daher ein grosser. Die Pferde werden nur des Fleisches wegen gezogen, die wenigen, welche nicht dem Schlachtmesser verfallen, sind durch frühe Dienstleistung bald ruinirt (Lillo 41). Auch der Hund muss sein Fleisch hergeben. Da das letztere Thier, sowie das Schwein und das Huhn nur unter gewissen Ceremonien und unter priesterlicher Beihülfe geschlachtet werden können (Semper, Erdk. XIII), so ist der Schluss berechtigt, dass diese drei Thiergattungen die einzigen Hausthiere der Igorroten waren, als sie Luzon betraten und ihre jetzigen Wohnsitze einnahmen. Trotz dieser Vorliebe und religiösen Scheu Schweinen und Hühnern gegenüber sind die Igorroten von Lepanto so nachlässig und träge, dass sie, anstatt diese Thiere selbst zu ziehen, solche zu ziemlich hohen Preisen von ilocanischen Händlern einkaufen (Lillo 42). Die Hunde werden hingegen gut gepflegt und sogar Nachts in die Hütte mitgenommen, wo Menschen und Thiere sich in der Nähe des wärmenden Herdes lagern (Semper, Erdk. XIII, 90). Ställe für Büffel, Rinder und Pferde giebt es nicht, diese Thiere müssen im Freien die kühlen Nächte (in Benguet +7° R.) zubringen.Ihre gewöhnliche Nahrung besteht in Camote, Reis, dem Fleische ihrer Hausthiere und Wildpret, letzteres wissen sie für längere Zeit zu conserviren (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). In der Bereitung der Fleischspeisen sind sie nichts weniger als heikel, für gewöhnlich braten sie das Fleisch, doch essen sie es auch im rohen Zustande, selbst die Büffelhaut wird nicht verschmäht und in lange Streifen zerschnitten noch blutig verschlungen (Semper, Erdk. XIII, 94). Ein Leckerbissen ist den Igorroten der in den Eingeweiden eines frischgeschlachteten Büffels befindliche Koth (Mas, pobl. 23). Semper (Erdk. XIII, 94) sah bei einem Festschmause, wie sie den Saft aus den Excrementen eines geschlachteten Büffels als Sauce auf rohes Fleisch auspressten. Sie geniessen das Fleisch auch im Fäulniss-Zustande (Lillo 28).Den grössten Theil ihrer Reisernte verwandeln sie in Bundang oder Siniput, ein saures, berauschendes Bier (Semper, Erdk. XIII, 92). Ein anderer gegohrener Trank wird aus Zuckerrohr bereitet und heisst „Basig” oder „Basi”.Von den civilisirten Malaienstämmen der Philippinen unterscheiden sie sich vorteilhaft dadurch, dass sie keinen Buyo kauen, dagegen rauchen Männer und Weiber von früher Jugend an leidenschaftlich Tabak, und zwar aus Pfeifen (Lillo 30). Letztere werden von ihnen selbst fabricirt und bestehen aus Stein, Holz oder Bronze (Messing).Sobald ein Weib Geburtswehen fühlt, eilt sie zu einem Flusse oder Bache, in dessen Wasser sie das neugeborene Kind sofort badet, dann legt sie das Kindlein in eine Art Korb, der über den Schultern festgehalten wird und geht damit heim (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). Werden Zwillinge geboren, so wird das zuletzt geborene Kind der ersten besten Familie geschenkt, die es adoptiren will; findet sich Niemand, der sich des armen Wesens erbarmt, so wird das Kind erwürgt oder lebendig begraben (Lillo 25). Dieser barbarische Brauch ist im raschen Schwinden begriffen. Das neugeborene Kind erhält den Namen desjenigen, der es zuerst beschenkt, doch werden die Namen im Leben mehrmals gewechselt (Lillo, l. c.).Entgegen den liederlichen Sitten der Tagalen und Visayer hüten die Igorroten ängstlich die Keuschheit ihrer Mädchen. Sobald die Kinder geschlechtsreif werden, tritt eine vollständige Isolirung der Jünglinge und Mädchen ein. In jedem Dorfe giebt es zwei grosse Häuser, in dem einen bringen die Jungfrauen, in dem anderen die Jünglinge die Nacht zu; ein Greis bei den letzteren, eine Greisin bei ersteren führen die Oberaufsicht und verhindern, dass Jemand zur Nachtzeit sich hinaus- oder hereinschleiche (Lillo 27). Bei Tage werden die Jungfrauen bei jedem Ausgange von älteren Frauen ihrer Familie oder dem Vater selbst begleitet und bewacht (Lillo, l. c.). Der Fehltritt eines Mädchens wurde bei einigen Stämmen mit dem Tode (Mas, pobl. 23), bei anderen durch schwere Züchtigung bestraft (Lillo 29). Diese Strenge bewirkte, dass die Mädchen, welche ihren Trieben freie Zügel schiessen liessen, indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschten, vorgaben, von Affen im Walde genothzüchtigt worden zu sein (Mittheilungen des Fray Lorenzo Juan in Mas, pobl. 23). Der Verkehr mit den eingewanderten christlichen Ilocanen und Pangasinanen, sowie mit den Soldaten der Forts hat diese reinen Sitten auf vielen Punkten untergraben (Lillo 32).Verliebt sich ein Jüngling in ein Mädchen und sind beide Eltern einem Ehebündnisse ihrer Kinder geneigt, so gestatten die Eltern der Braut dem Jünglinge, mit ihrer Tochter im Concubinate zu leben, denn es gilt vor Allem, die Fruchtbarkeit derselben zu erproben (Lillo 27). Wirddie Braut binnen einer bestimmten Frist schwanger, so findet erst die Hochzeit Statt, im entgegengesetzten Falle tritt der Bräutigam zurück (Lillo, l. c.). Wer ohne Grund seine Braut verliess, wurde früher geköpft (Lillo 29). Die Hochzeit beginnt mit einem religiösen Acte: die Priesterin erscheint, und unter Anrufung der Anitos verrichtet sie in Gegenwart aller Verwandten ihren Hocuspocus. Während der ganzen Ceremonie ruht der Fuss des Bräutigams auf dem der Braut (Lillo 27). Dann folgt der Festschmaus, welcher oft 8 bis 9 Tage dauert, während dieser Zeit bleibt das Ehepaar unsichtbar (Mas, pobl. 19).Die Igorroten kennen nur die Monogamie, und die Heiligkeit der Ehe wird ungemein hochgehalten. Die noch unabhängigen Igorroten tödten jedes ehebrecherische Weib durch Kopfabschlagen, die unter spanischer Herrschaft stehenden lassen es mit einer schweren körperlichen Züchtigung bewenden (Lillo 29). Die Ehen sind nur durch den Tod löslich (Lillo 27). Die Witwe gehört zur Familie ihres verstorbenen Gatten, ohne deren (seltene) Einwilligung sie sich nicht wieder vermählen darf, in welchem Falle sie jedes Recht auf ihre Kinder von ihrem ersten Gatten verliert, deren Vormundschaft und Schutz der Familie desselben zufällt (Lillo 27). Der Witwer darf sich erst nach sieben Jahren wieder verheirathen, während dieser ganzen Zeit fordert der gute Anstand von ihm, durch dumpfes Stillschweigen und Vorsichhinbrüten, sowie durch gänzliche Vernachlässigung der ohnehin geringen körperlichen Reinlichkeit, seine Trauer um die verstorbene Gattin zur Schau zu tragen (Lillo, l. c.).Im Familienleben der Igorroten fällt angenehm die Hochachtung auf, welche den Greisen gezollt wird (Lillo 29), minder vortheilhaft klingt die Meldung, dass noch im Anfange dieses Jahrhunderts die Igorroten ihre Kinder gern an die guten Christen von Ilócos und Pangasinán verkauften. Die Kinder wurden von den „edlen” Indiern zu Viehhirten und Knechten aufgezogen, der Preis schwankte zwischen 20 bis 30 Pesos, nur mit grosser Mühe gelang es der spanischen Regierung, diesen schändlichen Handel mit lebendigem Menschenfleisch auszurotten (Mas, pobl. 34).Ist ein vornehmer Igorrote verschieden, so wird eine Priesterin geholt, welche an die Leiche Fragen stellt, wie z. B.: „Warum hast du deine Verwandten und Freunde verlassen?”Dann werden alle Verwandten, auch die entferntesten, von dem Todesfalle benachrichtigt, welche auch insgesammt erscheinen; jeder tritt vor den Todten, grüsst ihn und drückt ihm die Hand, wobei er die oben erwähnte Frage der Priesterin wiederholt. Der Leichnam wird nicht eher begraben, als bis alle Blutsfreunde ihm diese letzte Ehrenbezeugung erwiesen, was oft 8 bis 9 Tage währt; bei den mehr civilisirten Igorroten wird die Leiche früher bestattet oder wenigstens auf den Friedhof gebracht (Lillo 25 f.). Während der ganzen Zeit, wo der Todte von seinen Verwandten begrüsst und besucht wird, feiert man vor dem Hause ein Cañao (Fest), d. h. es werden ungeheuere Quantitäten Fleisch und Reis verschlungen und noch viel mehr Basi getrunken. Der Aufwand ist oft so übertrieben, dass manche Familie durch ein solches Todtenfest vollständig verarmt (Lillo 26). Die Igorroten von Benguet begraben ihre Todten ohne die angeführten Ceremonien und überdiess kurze Zeit nach der Sterbestunde (Semper, Erdk. XIII, 95). In einigen Gegenden werden die Leichen über einem Feuer gedörrt (Lillo 26 u. Semper, l. c.) in anderen, wiewohl selten, auch einbalsamirt (Semper, Erdk., l. c.). Der Leichnam wird sitzend (Lillo 26, Semper, l. c.) in einen kistenartigen Sarg gesteckt, welcher, wenigstens in Lepanto, aus einem Holze verfertigt wird, das angeblich die Fäulniss verhindert (Lillo, l. c.). In Benguet bestehen die Särge, an welchen mitunter Schnitzereien angebracht sind, aus Fichtenholzbrettern (Semper, Erd. XIII, 96). In den Sarg werden Lebensmittel mitgegeben. Ein Sarg enthält oft zwei und mehr Leichen (Semper, Erdk. XIII, 96). In Benguet werden die Todten meist unter oder neben den Häusern bestattet (Semper, Erdk. XIII, 95), jedoch werden mit Vorliebe Höhlen zu Begräbnissplätzen ausgesucht (Lillo 6), was um so bemerkenswerther ist, als auch die Visayer vor der Annahme des Christenthums dieselbe Weise der Todtenbestattung ausübten. Die Höhlen werden, wo die Natur sie nicht gebildet, künstlich vermittelst des Feuers in den Felsen hineingearbeitet (Semper, Erdk. XIII, 96). Die Begräbnissstätten der Häuptlinge und Vornehmen heissen „Luddut”, jede Familie hat da ihren bestimmten Platz, gleichsam ihre Familiengruft (Mas, pobl. 18). Früher geschah es mitunter, dass die Leiche (bei Leuten geringeren Standes) von den Cañao-Festgenossen aufgezehrt wurde. Mas (pobl. 19) erwähnt einen solchen Vorfall, der sich in der Igorroten-Niederlassung Baruncucureng bei dem Pueblo Tagudin noch in diesem Jahrhunderte zugetragen hat.Jeder Mord und Todtschlag, welchen ein Fremder verübt, wird durch Blutrache gegen dessen Dorf gesühnt, falls nicht Wehrgeld erlegt wird (Mas, pobl. 18). Bei ihrem zu Gewaltthaten geneigten Sinne und dem Ruhm, den jener geniesst, der seine Hütte mit recht vielen Menschenschädeln schmücken kann, nimmt die Schlächterei unter ihnen nur dort ein Ende, wo die Autorität der spanischen Behörden volles Gewicht hat. Die Igorroten von Benguet zeichneten sich durch eine grössere Kriegslust aus als die Buriks und Busaos. Die Bewohner von Ilócos und Pangasinán waren in den Zeiten, wo die Igorroten noch unabhängig waren, beständig durch Banden dieser Kopfjäger beunruhigt. Bei einzelnen Stämmen herrschte früher der Brauch, dass, wennein Todter 2, 3, 4 &c. Finger der Hand ausgestreckt hielt, seine Hinterbliebenen ebensoviele Menschen tödten mussten; so nahm das Morden kein Ende (Mas, pobl. 23). In der bestialischen Wuth tranken sie mitunter das warme Blut des Unglücklichen, dem sie soeben den Kopf abgeschlagen (Mas, pobl. 22). Kehrte ein Kopfjäger mit seiner schauerlichen Beute heim, so erschienen die gesammten Bewohner des Ortes in dem Hause desselben und tanzten unter wildem Geschrei und Gejohle um die blutigen Feindesköpfe, Reis- und Zuckerrohr-Branntwein wurde in Massen vertilgt, und Tage verstrichen oft, ehe diese entsetzliche Festlichkeit endete, welche den Blutdurst und die Roheit der Igorroten in grellem Lichte offenbarte (Lillo 24). Den Krieg führten sie am liebsten im Hinterhalte, wurden sie aber vom Feinde im offenen Felde angegriffen, so wussten sie sich mit grosser Bravour zu vertheidigen. Wollten die Igorroten herannahenden Fremden erklären, dass ein Betreten ihres Gebietes gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung wäre, so legten sie Bogen und Pfeil auf den Weg und besprengten die Erde mit Blut (Mas, pobl. 44). Sie warfen auch Schanzen auf, um Feinden den Zugang in ihre Thäler zu versperren (Galvey’s Tagebuch in Mas, pobl. 58).Ihre Religion erinnert lebhaft an jene der alten Tagalen. Sie glauben an ein oberstes göttliches Wesen, welches die ganze Schöpfung regiert und nennen es „Apu” oder „Apo” oder (in Lepanto) „Lumaoig” (Lillo 21). Die Gemahlin des Apu heisst Bangan, seine Kinder sind der Sohn Ubban und die Tochter Bugan. Ausserdem giebt es zwei Untergötter: Cabigat und Suyan. Diese Gottheiten wohnen am westlichen Himmel und stehen mit den Menschen durch die Anitos im Verkehr (Lillo, l. c.). Die Namen der Götter werden in jedem Dorfe verschieden angegeben. Donnert es, so sagen sie, der Gott Cabuniang verlange Schweine8zum Opfer, sie kommen auch seinem Verlangen unter grossen Festlichkeiten nach (Mas, pobl. 16). Den Igorroten am Rio Agno wird die Sonne zur Gottheit, als deren Kinder die Götter Magsib und Caspök gelten, welche letzteren in Krankheitsfällen angerufen werden und auch sonst einen in Festlichkeiten bestehenden Cultus besitzen (Semper, Erdkunde XIII, 94).Den Göttern wird aber viel weniger Verehrung erwiesen, als den Seelen der verstorbenen Ahnen, den Anitos. In jedem Dorfe befindet sich ein heiliger Baum, den man als Wohnsitz von Anitos ansieht. Unter diese Bäume werden Opferstöcke hingestellt, welche natürlich dem ersten vorbeistreifenden Hunde ein willkommenes Fressen bieten. Vor diesen Bäumen stehen oft (Lillo 20) Felsblöcke oder Steine in Form von Altären, auf welchen die Opfer den Anitos dargebracht werden. Am unteren Rio Agno giebt es nur hie und da Opferplätze (Semper, Erdk. XIII, 94). Der Anito-Cultus zieht wie der rothe Faden in dem Tauwerk der englischen Marine durch alle Anschauungen, Sitten, Bräuche und Lebensgewohnheiten der Igorroten. Bei jedem Anlasse werden sie angerufen und jeder Vorfall, besonders wenn er schlimmer Natur ist, ihrem Einflüsse zugeschrieben, deshalb sucht man sie sich stets gewogen zu erhalten. Vor der Aussaat des Reises wird ihnen ein grosses Opferfest abgehalten, damit sie Saaten und Felder schützen &c. Die Anitos rufen auch die Krankheiten hervor und erzeugen verderbliche Dünste in Feld und Flur. Die Igorroten des in Lepanto liegenden Ortes Cabugatan halten die Aale ihres Baches für Verkörperungen ihrer Anitos, weshalb sie ihnen nicht nur kein Leid zufügen, sondern sie selbst füttern (Lillo 21). Mitunter findet man (in Lepanto) rohe Holzbilder, welche einen stehenden oder hockenden Mann darstellen, es sind diess Bilder der Anitos. Semper traf bei den südlichen Igorroten keine derartigen Bilder. Besonders zur Nachtzeit ziehen die Anitos herum, um Schaden zuzufügen (Mas, pobl. 17).Die Igorroten besitzen einen Priesterstand, dessen Mitglieder der Mehrzahl nach Weiber sind, wie diess bei den Tagalen und Visayern in den Zeiten der Conquista ebenso der Fall war. Der männliche Priester heisst Mambunung, in jedem Dorfe ist nur einer, der erst auf dem Todtenbett seinem Sohne die Gebetsformeln mittheilt (Semper, Erdkunde XIII, 94). Diese Mambunungs heilen auch Krankheiten, indem sie das Gesicht des Leidenden mit dem Blute eines geschlachteten Opferthieres beschmieren; als Bezahlung erhalten sie Gold und die besten Fleischstücke des Opferthieres (Semper, l. c.). Schweine, Hunde und Hühner dürfen nicht geschlachtet werden, ausser sie werden vom Mambunung eingeweiht und Theile ihres Fleisches den Göttern oder Anitos geopfert.Meist werden alle religiösen Ceremonien durch Priesterinnen, die sogenannten „Asiteras”, geleitet, es sind diess gewöhnlich alte Weiber, welche die Opfer bei den religiösen Festen, den Cañaos, zu verrichten haben. Die Anlässe zur Veranstaltung solcher sind verschiedenartigster Natur, wie: Erkrankung, plötzliches Umstehen des Viehes, eine Leichenbestattung, Hochzeiten, das Erblicken gewisser Vögel oder einer Ratte, welche den Weg kreuzt, ferner der Neubau eines Hauses oder der Aufbruch eines Kopfjägers, der Blutrache ausüben will (Lillo, 19 f.). Die Asiteras leiten das Fest, das in ein Fress- und Saufgelage ausläuft, mit dem Schlachten eines Opferthieres ein, indem sie unter Hersagen verschiedener Stossgebete und Ausrufungen mit dem Opferblute die Umstehenden oder das Anitobild besprengen. DieAsiterasgeben vor, von einem Anito begeistert zu sein(Lillo 20). Zum Abhalten dieser religiösen9Feste, Cañaos, besitzt jedes Dorf einen kleinen Schuppen, vor dem ein offener Platz sich befindet (Lillo 24).Das Erscheinen des Regenbogens halten die Igorroten für ein gutes Omen, kreuzt hingegen eine Schlange den Weg, so kehren sie augenblicklich um (Mas, pobl. 16). Wenn sie irgendwohin aufbrechen wollen, so zünden sie ein Feuer an, schlägt der Rauch nach der ihrem Ziele entgegengesetzten Richtung, so halten sie diess für ein sehr schlimmes Zeichen und unterlassen sofort den Zug (Mas, l. c.). Unter ihren „abergläubischen” Bräuchen verdient folgender einer Erwähnung: Wenn bei dem Neubaue eines Hauses Jemand bei der Errichtung der Grundpfeiler niest, so muss der Bau sofort unterlassen werden, sonst würde von den Betheiligten einer bald sterben müssen (Lillo 23).Das Christenthum hat zwar bei ihnen Eingang gefunden, breitet sich aber nur langsam, wenn auch sicher, aus. Man hat schon in den vergangenen Jahrhunderten Versuche gemacht, sie zum Christenthume zu bekehren, aber P. Mozo (Misiones 80) gesteht freimüthig, dass die wenigen Igorroten, welche die Taufe nahmen, diess nur thaten, um ihre Stammesgenossen um so leichter und wohlfeiler mit Mänteln, Schweinen, Kühen und (Palm-) Wein zu versehen.Über ihre nationalen Rechtsverhältnisse ist mir so gut wie Nichts bekannt. In zweifelhaften Fällen waren Gottesurtheile, wenn ich diesen Ausdruck hier anwenden darf, üblich. Zwei Arten derselben erwähnt Lillo (Lepanto 20). Mit einem spitzen Eisen von der Grösse und Gestalt eines kleinen Nagels werden die Köpfe der Streitenden geritzt, wer bei dieser Operation mehr Blut verliert, hat den Streit verloren. Ein anderes Mal wird ein kleiner Scheiterhaufen angezündet, worauf jeder der Streitenden ein gefesseltes Huhn in die Flammen wirft. In dem Augenblicke, wo die armen Thiere in den letzten Zügen liegen, werden sie wieder aus dem Feuer herausgezogen und der Leib geöffnet, wessen Huhn eine grössere Galle besitzt, der hat den Process verloren.Das Jahr zählen sie nach Ernten, die Monate nach Monden, die Stunde nach dem Stande der Sonne (Lillo 44). Ihre Gesänge sind monoton und nach unseren Begriffen unharmonisch, der Kriegsgesang besteht eigentlich nur aus einem gellenden Geschrei (Lillo 24). Ihre Musikinstrumente sind nicht zahlreich, zu erwähnen wäre zunächst der Batitin, eine Trommel aus einem ausgehöhlten Baumstamme (Lillo 28), denselben Namen giebt Semper (Erdk. XIII, 93), nur mit einer geringen Modification—batiting—, den auch bei den Igorroten üblichen Gongs. Prof. Semper erwähnt an derselben Stelle auch eine Trommel, welche die Form einer Kanone besitzt und mit einem Stück Stierleder überzogen ist. Der Gong der Igorroten von Lepanto heisst la Ganza, er besteht aus Bronze. Zur besseren Handhabung ist an die Ganza ein Henkel angemacht, welcher aus dem Kinnbacken eines Feindesschädels besteht, so adjustirte Ganzas haben einen besonderen Werth (Lillo 29).Die vornehmen Igorrotenfamilien wetteifern miteinander in Veranstaltungen von grossen Festschmäusen. Zu diesen Festen werden nur die Vornehmsten des Ortes persönlich eingeladen, die übrigen Dorfbewohner erscheinen auf das Signal von Trommelschlägen. Ehe das Gelage seinen Anfang nimmt, wird getanzt.Bei den südlichen Igorroten treten bei solchen Festen als Tänzer ein Weib mit drei bis vier Männern auf. „Das Weib dreht sich, die Arme bald weit ausstreckend, bald sie über die Brust kreuzend, wobei sie sich tief gegen die (schon bereitstehenden und mit Reisbier gefüllten) Krüge verneigt, nach einer Seite im Kreise um diese herum, in entgegengesetzter Richtung bewegen sich die Männer, deren Anführer ein breites buntfarbiges Tuch über Brust und Schultern trägt und lebhaft mit den Armen gesticulirt” (Semper, Erdk. XIII, 93). Der Tanz der Igorroten von Lepanto besteht in einem schnellen Bewegen der Beine, ohne die Füsse vom Boden zu erheben oder den Körper zu bewegen, dabei halten die Mädchen ein Tuch in den Händen, hinter welchem sie sich anscheinend zu verbergen suchen, ähnliches thut der Mann, nur fingirt er das fehlende Tuch; es tanzt immer nur ein Paar, welches rasch durch ein anderes ersetzt wird (Lillo 29).Beim Kriegstanze ahmen die mit Schild und Lanze bewaffneten Tänzer ein Gefecht nach (Lillo, l. c.), doch beginnt diese Sitte rasch zu schwinden, da bei den den Spaniern unterworfenen Igorroten keine Kriege mehr geführt werden.Ihre Industrie ist nur in Bezug auf Metallarbeiten und Bergbau von Belang. Sie besitzen zwar kleine Webeapparate (Lillo 42), können aber damit nur den geringsten Theil ihres Bedarfes an Baumwollgeweben decken. Aus der Rinde des mächtigen Baumes Baliti bereiten sie durch Klopfen und Dörren an der Sonne einen überaus haltbaren Stoff, welchen sie zu ihrem Kopfbunde, zu Schlafteppichen &c. verwenden (Scheidnagel 126). Im Flechten von Körben, Matten und Hüten sind sie sehr geschickt, letztere Industrie nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Aus Holz werden verschiedene Sachen, als Tabakspfeifen, Schüsseln &c. geschnitzt. Die „Latoc” genannte Holzschüssel hat zwei Höhlungen, eine für das Salz, die andere viel grössere für die eigentliche Speise (Scheidnagel 126). Sie sind ausgezeichnete Schmiede, ihre Werkstätten liegen nie im Dorfe, sonderntief im Walde versteckt(Semper, Erdk. XIII, 92). Aus Kupfer fabriciren sie Kessel, Kochtöpfe, Tabakspfeifen, Ketten und ähnliche Dinge. Auch Felle wissen sie gut zuzubereiten, besonders verdienen die aus dem bunten Felle der Bergkatze bereiteten Tabaksbeutel Beachtung(Scheidnagel 127).Im Bergbau übertrafen sie die übrigen Malaienstämme der Philippinen. Die reichen Kupferminen um den Mte. Datá, in Mancayan &c. werden von ihnen ergiebig ausgebeutet, ebenso die Goldgruben von Acupan, Apayao und Suyuc. Jede Familie in den erzführenden Districten hatte ihr eigenes streng abgegrenztesSchürfgebiet. „Zur Förderung des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Felsen zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und erhöhte den Boden, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme der Holzstösse stets die Decke traf”(Santos, Informe sobre las minas de cobre, in Jagor, Reisen, p. 147). Reiche Erze wurden einfach geschmolzen, die quarzhaltigen einer sehr starken Röstung unterzogen(Jagor, l. c.). Scheidnagel(p. 98)führt die Gattungen des Goldgewinnes an: Die einfache Wäsche, Galerienbau und Zerklopfen des erzhaltigen Gesteines. Die Schmelzöfen der Igorroten bestehen aus einer runden Vertiefung im Thone und haben einen Durchmesser von 0,3 m und eine Tiefe von 0,15 m. „Eine damit in Verbindung stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte conische Röhre von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf- und abbewegten und die für das Schmelzen erforderliche Luft zuführten”(Jagor, l. c. 148). Der Kupferbergbau hat stark nachgelassen(Drasche, Fragm. zu einer Geol. 36), indem die reichsten Kupferminen sich jetzt im Besitze spanischer Actiengesellschaften und Capitalisten befinden, bei denen die Igorroten, die einstigen Grubenbesitzer, Taglöhnerdienste verrichten(Lillo 52). Das Goldwaschen ist noch heute in ihren Händen; in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit war der Goldhandel allein Monopol der vornehmen Familien, denen die Plebejer—wenn ich so sagen darf—alles gefundene Gold abliefern mussten(Mozo 81). Die Igorroten in der Umgebung von Suyuc bringen noch jetzt Gold im Werthe von 12 000 Dollars in den Handel(Lillo 42).In den Zeiten der Unabhängigkeit bildete—und für die noch jetzt nicht unterworfenen Stämme gilt dasselbe—jedes Dorf einen Staat für sich(Lillo 17), wir finden also hier, wie schon Mas erwähnte (Mas, historia I, 10), dieselbe staatliche Zersplitterung wie bei den heutigen Indios civilisados in der Periode der Conquista. Der Häuptling des Dorfes gehört dem Adel an, jedoch scheint diese Würde nicht in einer einzigen Familie erblich zu sein, sondern der Tapferste—dann Mainguel genannt—oder Reichste wird Chef eines Dorfes (Lillo 17). Seine Macht ist sehr beschränkt, denn die eigentliche Regierung liegt in den Händen der gesammten Adeligen (Lillo 18). Diese werden „Bacnanes” genannt, ihnen gehört der ganze Boden und das Ackerland des Dorfstaates, in welchem gewöhnlich vier, sechs oder mehr solcher Magnatenfamilien leben. Die übrigen Dorfbewohner sind nichts anderes als Leibeigene des Adels, dessen Felder sie zu bestellen haben und denen sie sonst zu Diensten stehen; als Lohn erhalten sie dafür Speise und Trank (Lillo 18). In Lepanto werden sie Cailianes genannt (Lillo, l. c.), d. h. ebenso, wie die Plebejer in Ilócos. Die einzelnen Dorfstaaten waren beständig miteinander im Kriege begriffen.Den ersten Versuch, die Igorroten der spanischen Krone und dem Katholizismus zu unterwerfen, unternahmen die Spanier 1660, er misslang so wie mehrere andere Expeditionen, bis es 1829 den Spaniern gelang, festen Fuss im Lande zu fassen, seitdem ist ein Igorroten-Territorium nach dem anderen durch Güte und Gewalt annectirt worden. Vom 4. bis 7. März 1880 fanden neue blutige Kämpfe mit noch unabhängigen Bergstämmen Statt, welche siegreich für die Spanier endeten.Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und Autonomie erhalten, wie die übrigen Eingeborenen der Philippinen. Jede Ranchería (Dorf) wählt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher, Wähler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo 34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstösse und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es ist jedoch bemerkenswerth, dass diese öffentlichen Arbeiten meist von Weibern verrichtet werden, welche ihre Männer vertreten. Nur in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegründet, in denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876 besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern regelmässig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere können wenigstens ihren Namen unterschreiben(Lillo, l. c.). Jedenfalls verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.
Mit dem Namen „Igorrotes” wird viel Unfug getrieben. Spanische Schriftsteller haben alle heidnischen sogenannten „wilden” Bergstämme Luzons Igorrotes getauft, und so kamen auch unter anderen „Igorroten von Camarínes”, „Igorroten von Tayabas” in die ethnographische Literatur. Andere Autoren, wie z. B. der gelehrte D. Sinibaldo de Mas, bezeichneten mit diesem Namen alle Bergstämme Nord-Luzons, mit Ausnahme der Tinguianen, was immerhin eine gewisse Berechtigung hätte. Ich fasse unter dieser Bezeichnung die Igorroten im engeren Sinne und die Busaos und Buriks zusammen, denn diese haben eine gemeinsame Sprache, welche nur geringe dialektische Verschiedenheiten aufzuweisen hat (mündliche Mittheilung von Herrn Gumersindo Morales). Auch unterscheiden sich diese Stämme nur durch Tracht und Tätowirung voneinander, während Sitten und Bräuche nur unerheblich voneinander abweichen.
Die Heimath der Igorroten bilden die Provinzen oder Districte: Benguet, Lepanto, Tíagan und Bontoc. Nach Scheidnagel (a. v. St.) finden sich auch Igorroten-Niederlassungen in den Provinzen Abra, Nueva Vizcaya und Isabela vor, doch ist es fraglich, ob Scheidnagel nicht hier den Namen der Igorroten in der oben angegebenen Weise missbraucht. Die Busaos haben die nördlichsten Sitze inne. Von der Cordillere Tila oder Tovalina an wohnen sie in den Districten Tiagan, Lepanto (nördliche Hälfte) und in Bontoc, in letzterem im Quellgebiete des Rio Caycayan. Nach der Ilustracion del Oriente (Jgg. 1818, Nr. 1, p. 4) sind sie auch in Benguet wohnhaft, was mir unwahrscheinlich vorkommt, da sie von diesem Districte durch die Buriks getrennt sind. Zu Grenznachbarn haben sie im Norden die Tinguianen und Guinanen, im Osten die Itetapanen und vielleicht auch die Suflin; südlich von ihnen wohnen die Buriks, im Osten von Santa Cruz und im Westen des Monte Data. Ihre wichtigeren Orte sind: Suyuc, Cayan, Sabangan, Cabugatan, Banao und Mancayan (Yamcayan).
Südlich von den Buriks wohnen die eigentlichen Igorroten, deren Stammland das Thal von Benguet ist, obwohl sie jetzt in diesem Thale nur in verhältnissmässig geringer Zahl wohnen, indem die blutigen Kriege, welche in den zwanziger und dreissiger Jahren dieses Säculums zur Unterwerfung dieses kriegerischen Stammes führten, das blühende Land beinahe entvölkerten. Ihre wichtigeren Orte sind Benguet, Apayao, Cabacan (Cabagan), Buguias (Bujias) &c. v. Drasche (Fragm. einer Geologie, p. 27) traf Igorroten zwischen S. Nicolas am Rio Agno und Bambang (Provinz Nueva Vizcaya), bis zum Caraballo Sur. Auch hier muss ihre Zahl erheblich sich vermindert haben, denn gegen die geringe Zahl der Individuen stach die Menge der verlassenen und verfallenen Hütten ab. Einst war das von den Igorroten bewohnte Territorium grösser, im XVII. Jahrhundert wird noch der Berg von Sto. Tomas als in der „Tierra de Ygolotes”7liegend mehrfach erwähnt, und noch 1747 reichte das Gebiet der Igorroten bis zum Weichbilde der Pueblos Agoo und Aringay (Mozo 81). 1829 war die Grenze bis zum Monte Tongló (beim Monte Sto. Tomas) zurückgewichen (Mas, pobl. 46). In den Districten Lepanto und Bontoc zählte man 1876 19 852 unterworfene und 29 600 unabhängige Igorroten incl. Buriks und Busaos, während Diaz Arenas für das Jahr 1848 die Zahl 12 304 für diedamaligenProvinzen Pangasinán („in der Cordillera grande”), Abra und Ilócos Sur angiebt.
Ihre Hautfarbe ist ein „nicht sehr dunkles Olivenbraun, seltener das Gelb der Mestizen” (Semper, Erdk. XIII, 90) oder gelblich kupferfarben (Ilustr. 1860, n. 12, p. 151). Nach Buzeta und Bravo (Diccionario I, 52) zeigt ihre Haut die Farbe gekochter Quitten. Ihr Körperbau ist kräftig, die Muskulatur gut entwickelt (Ilustracion, l. c.,Semper, l. c.). Die Durchschnittshöhe der Männer beträgt nach Semper (Erdk. XIII, 89) 4′ 8″ 2‴, bei Weibern 4′ 5″ 4‴ Pariser Maass.
Professor Virchow nennt einen Igorrotenschädel „ausgezeichnet dolichocephal”, „von den Malaienschädeln ganz verschieden” und bemerkt weiter, „er nähere sich mehr den Formen von Palembang”. Nach Professor Semper ist auch das Gesicht länglicher und die Stirne mehr gebogen und zurücktretend als bei den Tagalen (Erdk., XIII, 90). Die Augen sind schwarz und gross, der äussere Augenwinkel ist spitz und etwas schräg nach oben gestellt (Semper, l. c.;Buzeta y Bravo I, 52;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Wangen sind gross und breit (Buzeta, l. c.). Das dichte Haar ist schwarz, glatt und ohne Glanz (Semper, Erdk., XIII, 91;Mas, pobl. 24). Erwähnenswerth ist, dass nach Lillo Gracia (p. 17) es auch reinblütige Leute giebt, die einen ebenso dichten Bart haben wie Europäer, doch lassen sich nur einzelne Berg-Igorroten von Lepanto den Bart stehen, die überwiegende Mehrzahl zieht sich die Haare am Kinne, der Brust, den Achselhöhlen und Schamtheilen mit einer kupfernen Zange aus (Semper, Erdk. XIII, 91).
Allgemein wird behauptet, dass die Igorroten stark mit chinesischem Blute gemengt seien, ja es wird sogar von Mischung mit Japanern gesprochen (Novara-Reise, Ethnogr. Th., p. 32;Semper, Erdk. XIII, 89). Semper sagt: „Jemehr man sich nördlich wendet, um so schärfer tritt der mongolische Charakter hervor”. Nach ihm (Erdk., l. c.) zeigen die grossen Individuen chinesischen, die kleinen malaiischenTypus.An einer anderen Stelle (l. c., S. 91) bemerkt er: „Die Weiber nähern sich im Allgemeinen mehr dem malaiischen Typus”. Mozo bemerkt hierüber: „aparecen muy semejantes á los Chinos ..... especialmente en los ojos, en que no los quitan pinta” (Misiones, p. 63). Mas (pobl. 24) findet es auffallend, dass in ihrer Sprache der spanische Laut ch, entsprechend dem deutschen tsch, vorkommt, den angeblich die Dialekte der übrigen Malaienstämme nicht kennen. Lillo Gracia sagt von ihrer Sprache, sie sei einem corrumpirten Ilocanisch ähnlich, besitze aber eine eigenthümliche nasale Accentuirung, die an das Chinesische erinnere. Eine Vermengung mit Chinesen lässt sich nicht gut nachweisen, sie müsste jedenfalls vor der Einwanderung der Ilocanen erfolgt sein, so lange die Igorroten noch im Besitze der Küste waren, denn sonst müssten die Ilocanen auch einen chinesischen Typus aufweisen, da die Chinesen wohl mehr Berührungspunkte zu einem intimen Verkehre mit diesen vorfanden, als mit den tieferstehenden Igorroten. Jedenfalls heisst es in dieser Frage nicht voreilig sein, sondern specielle Untersuchungen über diesen Gegenstand abwarten.
Das Haar tragen Männer und Weiber „vorn geradlinig über der Stirn und zu beiden Seiten des Gesichts abgeschnitten, so dass es fast die ganze Stirn bis zur Nasenwurzel, sowie die Ohren bedeckt”; am Hinterkopf lassen sie es oft lang wachsen und binden es in einen Knoten zusammen (Semper, Erdk. XIII, 91). Doch wechselt die Haartracht bei den einzelnen Stämmen (Lillo 30). Die Igorroten im engeren Sinne des Wortes tätowiren ihren Körper an Händen, Armen und der Brust (Lillo 31), doch beschränkt sich diese Sitte in den meisten Dörfern nur auf ein rohes Sonnenbild, welches auf die Handrückenfläche gemalt wird (Semper, Erdk. XIII, 90), insbesondere die Weiber dehnen die Tätowirung zumeist auf keinen anderen Körpertheil aus (Lillo, l. c.). Die Tätowirungsmuster auf Brust und Armen sind Combinationen gerader und krummer Linien, seltener findet man bildliche Darstellungen von Menschen und Thieren (Semper, l. c.). Die Tätowirungsmuster haben eine schmutzig-blaue Farbe und werden der Haut durch Nadelstiche beigebracht, die Nadel selbst ist in eine Farbmasse getaucht, welche aus Öl und einem Pulver, das durch Verbrennung blauer Baumwollenstoffe gewonnen wurde, zusammengesetzt ist (Lillo 31). Die Busaos-Igorroten tätowiren sich Blumengebilde auf die Arme (Mas, pobl. 25;Ilustracion, 1860, 152 und 285;Bastian, Reisen V. 273;Ilustr. del Oriente, 1878, Nr. 1, p. 4), andere Körpertheile werden nicht tätowirt. Die Buriks-Igorroten tätowiren sich den Körper in einer Weise, dass er wie mit einem Panzerhemde bedeckt erscheint, während die Arme mit schlangenartigen Mustern versehen werden (Mas, pobl. 25). Bemerkenswerth ist die Sitte, dass bei Vornehmen die Zähne mit einem breiten Goldblech bedeckt werden (Semper, Erdk. XIII, 90). Denselben Brauch fanden die Spanier bei der Eroberung des Archipels bei Tagalen und Visayern vor.
Den schmutzigen Körper und die nie gekämmten Haare verhüllen verschiedenartige Tracht und Gewandung. Bei der Feldarbeit wird von den Männern nur der Bajaque oder Baac—eine Art Schurz—getragen (Lillo 31). Der Bajaque besteht aus Baumwollenzeug oder Baumrinde (Mas, pobl. 23). Sonst wird noch ein Mantel getragen, „aus Baumwollenzeug verfertigt und ilocanischer Provenienz”, da dieser „Mantel” viereckig ist, könnte er wohl besser Plaid genannt werden. Der Plaid ist lang genug, dass er doppelt um den Leib herumgeschlagen werden kann, er ist blau und weiss gestreift oder schwarz; wenn ganz von weisser Farbe, gilt er als Trauergewand (Mas, pobl. 23). Diese anscheinende Anlehnung an chinesischen Brauch liefert aber kein neues Beweismaterial für die Chinesen-Abstammungs-Hypothese, denn die Spanier fanden in den Zeiten der Conquista Weiss als Trauerfarbe im ganzen Archipel, und noch heute ist es so auf den Sulú-Inseln.
Der Kopf wird meist unbedeckt getragen (Semper, Erdk. XIII, 89), sonst tragen die Berg-Igorroten ein Zeug turbanartig um den Kopf gewunden, während die Thalbewohner mit dem Salacó das Haupt bedecken (Lillo 31). Die Tracht der civilisirten Indier (gleich der tagalischen) beginnt bereits in den Grenzdistricten die nationale zu verdrängen (Lillo, l. c.). Die Weiber tragen eine bis zu den Knieen reichende Schürze, ferner ein jackenartiges Hemd mit langen Ärmeln, welches die Brüste durch einen Schlitz erblicken lässt, beide Kleidungsstücke sind indigoblau mit weissen Streifen (Semper, Erdk. XIII, 89;Ilustr. 1860, p. 151). Die Häuptlinge tragen im Kriege einen eigenthümlichen Barigués oder Porta-itac genannten Gürtel, welcher aus kleinen blendend weissen Steinchen zusammengesetzt ist (Scheidnagel 124). Die Kleider werden nie gewaschen (Lillo 31).
Als Schmuckgegenstände dienen beiden Geschlechtern Ringe und Schnüre um Hals, Arme und Beine, sowie Ohrgehänge. Um den Hals werden mit Glasperlen und Steinen bedeckte Schnüre getragen (Semper, Erdk. XIII, 90), manche legen einen aus Kupferblech bestehenden Halsschmuck an, einige tragen förmliche Hunde-Halsbänder (Lillo 30). Die Arm- und Beinringe bestehen aus Metalldraht, Glasperlenschnüren oder Pflanzenflechtwerk (Semper, Erdk. XIII, 90); eine besondere Gattung dieser Ringe heisst Bali, wird aus Kupfer verfertigt und ist mitunter vergoldet (Scheidnagel 125). Die Ohrgehänge, welche auch von den Männern getragen werden, bestehen aus Gold, Kupfer und Hundezähnen (Lillo 30;Scheidnagel, l. c.). In Ermangelungvon etwas besserem werden auch Holzpflöcke in die Ohren gesteckt. Je grösser die Ausdehnung des Ohrläppchens ist, desto grösser der Stolz.
Tabak, Geld und andere Gegenstände werden in einer Art Patronentasche aus Rohrgeflecht getragen, welche an einem Bandelier hängt (Lillo 30). Semper sah viele Igorroten, welche an einer (Glas-) Perlenkette einen Ohrlöffel und jene Kupferzange beständig mit sich trugen, welche zum Auszupfen der Barthaare dient.
Von ihren Geräthen und Waffen fällt zunächst ihre Axt Ligua (Aligua, Aliva) in die Augen, sie hat die Gestalt eines Trapezoids (Scheidnagel 124) und ist mit einer Spitze versehen, welche zum Aufspiessen des abgeschlagenen Feindeskopfes dient (Lillo 24). Dann kommt zunächst das zweischneidige Waldmesser Bujías oder Talibong (Talibon) in Betracht. Breite einschneidige Hackmesser, gleich den ilocanischen, und ebenso Bolos genannt, sind gleichfalls im Gebrauche. Der Talibong wird bei den Busaos nicht vorgefunden (Ilustr. 1860, p. 152). Zur Jagd wie zum Kriege dient als Hauptwaffe ein Wurfspiess mit eiserner Spitze, welcher Cayang genannt wird. Sie besitzen zwar auch Pfeil und Bogen, wissen aber diese Waffe nicht gut zu gebrauchen (Mas, pobl. 24). Als Schutzwaffe dient der aus Holz verfertigte Schild, Calata (Lillo 24). Sämmtliche Angriffswaffen sind aus Metall verfertigt, bezw. haben sie aus diesem verfertigte Spitzen, Eisen wird natürlich bevorzugt, kommt aber nur durch Handel in ihre Hände, weshalb in früheren Zeiten das Kupfer das Material zur Herstellung ihrer Waffen und Werkzeuge nahezu ausschliesslich hergab.
Von Transportgeräthen sind erwähnenswerth der Apirang und der Cayabang, ersterer ist ein auf dem Rücken zu tragender Korb aus Rohr und Bambus, letzterer ist gleichfalls ein Korb von vollendeter Arbeit, welchen nur Weiber tragen, er hat die Gestalt eines abgestumpften Kegels; zum Fortschaffen und Aufbewahren verschiedener Gegenstände dienen auch die Sackgattungen Upit und Sagupit, beide aus Bejuco und anderen Rohr- und Gras-Gattungen geflochten. Der Upit hat einen doppelten Boden (Scheidnagel 126).
Die Dörfer der Igorroten sind nicht klein und erscheinen noch grösser durch den Umstand, dass jedes Haus von dem anderen durch einen viereckigen Hofraum geschieden ist (Semper, Erdk. XIII, 90), dieser Hofraum ist von einem aus rohbehauenen Steinen zusammengefügten Walle umgeben. Die Hütten sind je nach der Lage des Dorfes aus verschiedenen Materialien hergestellt; wo spanisches Rohr und Cogongras noch fortkommen, werden aus ersterem die Wände, aus letzterem die Bedachung verfertigt, in den höheren Gebirgen dienen zum Hausbaue Dielen und Balken aus Fichtenholz (Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Igorroten-Hütten in den Niederungen von Lepanto haben bereits ilocanisches Gepräge (Lillo 31). Der Grundriss ist viereckig, die Zimmer sind vier Fuss hoch; zwischen der Zimmerdecke und dem Dache ist der Reis aufgehäuft; selten läuft um das Haus eine Galerie (Semper, Erdk. XIII, 90). Die Hütten haben keine Fenster und nur eine einzige niedrige Eingangsthür, zu welcher man auf einer Leiter—denn auch hier ruhen die Hütten etwas erhöht über dem Erdboden—gelangt (Lillo 31). Der Feuerherd befindet sich gewöhnlich in der Mitte des einzigen Zimmers (Semper, Erdk. XIII, 90). In manchen Gegenden umgeben die Igorroten ihre Häuser mit Bambuszäunen (Scheidnagel 75). Das Innere der Hütten starrt von Schmutz, Russ und Asche (Semper, Erdk. XIII, 90;Mas,pobl. 24;Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Früher schmückten die Igorroten das Äussere und Innere ihrer Behausungen mit den Köpfen der erlegten oder geschlachteten Thiere aus, wodurch die ganze Umgebung der Hütte durch infernalischen Gestank verpestet wurde (Mas, pobl. 20;Semper, Erdk. XIII, 94), jetzt beginnt diese Sitte zu verschwinden, wenigstens in Benguet und Lepanto.
Die Igorroten sind fleissige Ackerbauer, sie bauen Reis, Mais, Patatas, Camote und verschiedene Gemüsegattungen, ferner Tabak. Kaffee wird zwar in ihrem Lande gepflanzt, aber diese Plantagen sind im Besitze und in Verwaltung von Spaniern und Mestizen (Lillo 41). Vor dem Auftreten der Spanier scheinen sie nur Reis gebaut zu haben und diesen nicht in genügender Menge, denn zu Ende des XVII. Jahrhunderts tauschten die Igorroten in Ilócos nicht allein Schweine und Büffel, sondern auch Reis ein (Morga-Stanley 284). Lillo Gracia sagt von den Igorroten von Lepanto, dass sie beständig darnach streben, neue, ihnen unbekannte Sämereien und Pflanzen anzubauen. Hie und da, wo das schon kühlere Klima ihres Landes es zulässt, bauen sie Zuckerrohr, Mangobäume und Apfelsinen (Semper, Erdk. XIII, 72).
Bewunderungswürdig ist die Anlage ihrer Felder an steilen Berglehnen und das Berieselungssystem, welches ihren Äckern das nöthige Wasser bringt. Die schroffsten Abhänge sind durch mühseliges Aufthürmen von Felsblöcken in Terrassenfelder verwandelt worden (Semper, Skizzen 59, und in Erdk. XIII, 91;Lillo 39). Den Feldern wird das Wasser durch ausgezeichnet nivellirte Canäle zugeführt, Schluchten und Bergklüfte werden durch primitive Aquäducte überbrückt, welche aus rinnenartig ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt sind (Lillo 40). Um fruchtbare Äcker zu gewinnen, brennen die Igorroten grosse schöne Fichtenwaldungen nieder (Lillo 46). Das Pflügen und der Terrassen- und Canalisirungs-Bau liegt den Männern ob, alle übrige Feldarbeit ist Sache der Weiber und Kinder (Lillo 32). Der Reis wird nicht geschnitten, sondern Halmfür Halm ausgerissen (Semper, Erdk. XIII, 91). Nach der Ernte werden die Felder unter Wasser gesetzt und dann gepflügt. Zu letzterer Arbeit wird nur in den Niederungen der Büffel mit benutzt, in den Berghöhen arbeitet der Mensch allein (Lillo 39). Der Pflug ist eine Art Harke (Semper, l. c.). In Lepanto besteht er aus eisenbeschlagenen Stäben, welche die Erde aufreissen, worauf die Schollen durch Daraufschlagen zerbröckelt werden (Lillo, l. c.).
Von einer Viehzucht in dem bei uns üblichen Sinne des Wortes ist bei den Igorroten keine Rede. Sie besitzen zwar Büffel, Schweine (und seltener) Rinder und Pferde, aber ohne sich mit deren Zucht und Pflege zu befassen, so dass sie genöthigt sind, diese Thiere in grossen Mengen in Ilócos aufzukaufen, denn bei ihren Festschmäusen werden ungeheuere Massen Fleisch vertilgt, der Bedarf ist daher ein grosser. Die Pferde werden nur des Fleisches wegen gezogen, die wenigen, welche nicht dem Schlachtmesser verfallen, sind durch frühe Dienstleistung bald ruinirt (Lillo 41). Auch der Hund muss sein Fleisch hergeben. Da das letztere Thier, sowie das Schwein und das Huhn nur unter gewissen Ceremonien und unter priesterlicher Beihülfe geschlachtet werden können (Semper, Erdk. XIII), so ist der Schluss berechtigt, dass diese drei Thiergattungen die einzigen Hausthiere der Igorroten waren, als sie Luzon betraten und ihre jetzigen Wohnsitze einnahmen. Trotz dieser Vorliebe und religiösen Scheu Schweinen und Hühnern gegenüber sind die Igorroten von Lepanto so nachlässig und träge, dass sie, anstatt diese Thiere selbst zu ziehen, solche zu ziemlich hohen Preisen von ilocanischen Händlern einkaufen (Lillo 42). Die Hunde werden hingegen gut gepflegt und sogar Nachts in die Hütte mitgenommen, wo Menschen und Thiere sich in der Nähe des wärmenden Herdes lagern (Semper, Erdk. XIII, 90). Ställe für Büffel, Rinder und Pferde giebt es nicht, diese Thiere müssen im Freien die kühlen Nächte (in Benguet +7° R.) zubringen.
Ihre gewöhnliche Nahrung besteht in Camote, Reis, dem Fleische ihrer Hausthiere und Wildpret, letzteres wissen sie für längere Zeit zu conserviren (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). In der Bereitung der Fleischspeisen sind sie nichts weniger als heikel, für gewöhnlich braten sie das Fleisch, doch essen sie es auch im rohen Zustande, selbst die Büffelhaut wird nicht verschmäht und in lange Streifen zerschnitten noch blutig verschlungen (Semper, Erdk. XIII, 94). Ein Leckerbissen ist den Igorroten der in den Eingeweiden eines frischgeschlachteten Büffels befindliche Koth (Mas, pobl. 23). Semper (Erdk. XIII, 94) sah bei einem Festschmause, wie sie den Saft aus den Excrementen eines geschlachteten Büffels als Sauce auf rohes Fleisch auspressten. Sie geniessen das Fleisch auch im Fäulniss-Zustande (Lillo 28).
Den grössten Theil ihrer Reisernte verwandeln sie in Bundang oder Siniput, ein saures, berauschendes Bier (Semper, Erdk. XIII, 92). Ein anderer gegohrener Trank wird aus Zuckerrohr bereitet und heisst „Basig” oder „Basi”.
Von den civilisirten Malaienstämmen der Philippinen unterscheiden sie sich vorteilhaft dadurch, dass sie keinen Buyo kauen, dagegen rauchen Männer und Weiber von früher Jugend an leidenschaftlich Tabak, und zwar aus Pfeifen (Lillo 30). Letztere werden von ihnen selbst fabricirt und bestehen aus Stein, Holz oder Bronze (Messing).
Sobald ein Weib Geburtswehen fühlt, eilt sie zu einem Flusse oder Bache, in dessen Wasser sie das neugeborene Kind sofort badet, dann legt sie das Kindlein in eine Art Korb, der über den Schultern festgehalten wird und geht damit heim (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). Werden Zwillinge geboren, so wird das zuletzt geborene Kind der ersten besten Familie geschenkt, die es adoptiren will; findet sich Niemand, der sich des armen Wesens erbarmt, so wird das Kind erwürgt oder lebendig begraben (Lillo 25). Dieser barbarische Brauch ist im raschen Schwinden begriffen. Das neugeborene Kind erhält den Namen desjenigen, der es zuerst beschenkt, doch werden die Namen im Leben mehrmals gewechselt (Lillo, l. c.).
Entgegen den liederlichen Sitten der Tagalen und Visayer hüten die Igorroten ängstlich die Keuschheit ihrer Mädchen. Sobald die Kinder geschlechtsreif werden, tritt eine vollständige Isolirung der Jünglinge und Mädchen ein. In jedem Dorfe giebt es zwei grosse Häuser, in dem einen bringen die Jungfrauen, in dem anderen die Jünglinge die Nacht zu; ein Greis bei den letzteren, eine Greisin bei ersteren führen die Oberaufsicht und verhindern, dass Jemand zur Nachtzeit sich hinaus- oder hereinschleiche (Lillo 27). Bei Tage werden die Jungfrauen bei jedem Ausgange von älteren Frauen ihrer Familie oder dem Vater selbst begleitet und bewacht (Lillo, l. c.). Der Fehltritt eines Mädchens wurde bei einigen Stämmen mit dem Tode (Mas, pobl. 23), bei anderen durch schwere Züchtigung bestraft (Lillo 29). Diese Strenge bewirkte, dass die Mädchen, welche ihren Trieben freie Zügel schiessen liessen, indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschten, vorgaben, von Affen im Walde genothzüchtigt worden zu sein (Mittheilungen des Fray Lorenzo Juan in Mas, pobl. 23). Der Verkehr mit den eingewanderten christlichen Ilocanen und Pangasinanen, sowie mit den Soldaten der Forts hat diese reinen Sitten auf vielen Punkten untergraben (Lillo 32).
Verliebt sich ein Jüngling in ein Mädchen und sind beide Eltern einem Ehebündnisse ihrer Kinder geneigt, so gestatten die Eltern der Braut dem Jünglinge, mit ihrer Tochter im Concubinate zu leben, denn es gilt vor Allem, die Fruchtbarkeit derselben zu erproben (Lillo 27). Wirddie Braut binnen einer bestimmten Frist schwanger, so findet erst die Hochzeit Statt, im entgegengesetzten Falle tritt der Bräutigam zurück (Lillo, l. c.). Wer ohne Grund seine Braut verliess, wurde früher geköpft (Lillo 29). Die Hochzeit beginnt mit einem religiösen Acte: die Priesterin erscheint, und unter Anrufung der Anitos verrichtet sie in Gegenwart aller Verwandten ihren Hocuspocus. Während der ganzen Ceremonie ruht der Fuss des Bräutigams auf dem der Braut (Lillo 27). Dann folgt der Festschmaus, welcher oft 8 bis 9 Tage dauert, während dieser Zeit bleibt das Ehepaar unsichtbar (Mas, pobl. 19).
Die Igorroten kennen nur die Monogamie, und die Heiligkeit der Ehe wird ungemein hochgehalten. Die noch unabhängigen Igorroten tödten jedes ehebrecherische Weib durch Kopfabschlagen, die unter spanischer Herrschaft stehenden lassen es mit einer schweren körperlichen Züchtigung bewenden (Lillo 29). Die Ehen sind nur durch den Tod löslich (Lillo 27). Die Witwe gehört zur Familie ihres verstorbenen Gatten, ohne deren (seltene) Einwilligung sie sich nicht wieder vermählen darf, in welchem Falle sie jedes Recht auf ihre Kinder von ihrem ersten Gatten verliert, deren Vormundschaft und Schutz der Familie desselben zufällt (Lillo 27). Der Witwer darf sich erst nach sieben Jahren wieder verheirathen, während dieser ganzen Zeit fordert der gute Anstand von ihm, durch dumpfes Stillschweigen und Vorsichhinbrüten, sowie durch gänzliche Vernachlässigung der ohnehin geringen körperlichen Reinlichkeit, seine Trauer um die verstorbene Gattin zur Schau zu tragen (Lillo, l. c.).
Im Familienleben der Igorroten fällt angenehm die Hochachtung auf, welche den Greisen gezollt wird (Lillo 29), minder vortheilhaft klingt die Meldung, dass noch im Anfange dieses Jahrhunderts die Igorroten ihre Kinder gern an die guten Christen von Ilócos und Pangasinán verkauften. Die Kinder wurden von den „edlen” Indiern zu Viehhirten und Knechten aufgezogen, der Preis schwankte zwischen 20 bis 30 Pesos, nur mit grosser Mühe gelang es der spanischen Regierung, diesen schändlichen Handel mit lebendigem Menschenfleisch auszurotten (Mas, pobl. 34).
Ist ein vornehmer Igorrote verschieden, so wird eine Priesterin geholt, welche an die Leiche Fragen stellt, wie z. B.: „Warum hast du deine Verwandten und Freunde verlassen?”Dann werden alle Verwandten, auch die entferntesten, von dem Todesfalle benachrichtigt, welche auch insgesammt erscheinen; jeder tritt vor den Todten, grüsst ihn und drückt ihm die Hand, wobei er die oben erwähnte Frage der Priesterin wiederholt. Der Leichnam wird nicht eher begraben, als bis alle Blutsfreunde ihm diese letzte Ehrenbezeugung erwiesen, was oft 8 bis 9 Tage währt; bei den mehr civilisirten Igorroten wird die Leiche früher bestattet oder wenigstens auf den Friedhof gebracht (Lillo 25 f.). Während der ganzen Zeit, wo der Todte von seinen Verwandten begrüsst und besucht wird, feiert man vor dem Hause ein Cañao (Fest), d. h. es werden ungeheuere Quantitäten Fleisch und Reis verschlungen und noch viel mehr Basi getrunken. Der Aufwand ist oft so übertrieben, dass manche Familie durch ein solches Todtenfest vollständig verarmt (Lillo 26). Die Igorroten von Benguet begraben ihre Todten ohne die angeführten Ceremonien und überdiess kurze Zeit nach der Sterbestunde (Semper, Erdk. XIII, 95). In einigen Gegenden werden die Leichen über einem Feuer gedörrt (Lillo 26 u. Semper, l. c.) in anderen, wiewohl selten, auch einbalsamirt (Semper, Erdk., l. c.). Der Leichnam wird sitzend (Lillo 26, Semper, l. c.) in einen kistenartigen Sarg gesteckt, welcher, wenigstens in Lepanto, aus einem Holze verfertigt wird, das angeblich die Fäulniss verhindert (Lillo, l. c.). In Benguet bestehen die Särge, an welchen mitunter Schnitzereien angebracht sind, aus Fichtenholzbrettern (Semper, Erd. XIII, 96). In den Sarg werden Lebensmittel mitgegeben. Ein Sarg enthält oft zwei und mehr Leichen (Semper, Erdk. XIII, 96). In Benguet werden die Todten meist unter oder neben den Häusern bestattet (Semper, Erdk. XIII, 95), jedoch werden mit Vorliebe Höhlen zu Begräbnissplätzen ausgesucht (Lillo 6), was um so bemerkenswerther ist, als auch die Visayer vor der Annahme des Christenthums dieselbe Weise der Todtenbestattung ausübten. Die Höhlen werden, wo die Natur sie nicht gebildet, künstlich vermittelst des Feuers in den Felsen hineingearbeitet (Semper, Erdk. XIII, 96). Die Begräbnissstätten der Häuptlinge und Vornehmen heissen „Luddut”, jede Familie hat da ihren bestimmten Platz, gleichsam ihre Familiengruft (Mas, pobl. 18). Früher geschah es mitunter, dass die Leiche (bei Leuten geringeren Standes) von den Cañao-Festgenossen aufgezehrt wurde. Mas (pobl. 19) erwähnt einen solchen Vorfall, der sich in der Igorroten-Niederlassung Baruncucureng bei dem Pueblo Tagudin noch in diesem Jahrhunderte zugetragen hat.
Jeder Mord und Todtschlag, welchen ein Fremder verübt, wird durch Blutrache gegen dessen Dorf gesühnt, falls nicht Wehrgeld erlegt wird (Mas, pobl. 18). Bei ihrem zu Gewaltthaten geneigten Sinne und dem Ruhm, den jener geniesst, der seine Hütte mit recht vielen Menschenschädeln schmücken kann, nimmt die Schlächterei unter ihnen nur dort ein Ende, wo die Autorität der spanischen Behörden volles Gewicht hat. Die Igorroten von Benguet zeichneten sich durch eine grössere Kriegslust aus als die Buriks und Busaos. Die Bewohner von Ilócos und Pangasinán waren in den Zeiten, wo die Igorroten noch unabhängig waren, beständig durch Banden dieser Kopfjäger beunruhigt. Bei einzelnen Stämmen herrschte früher der Brauch, dass, wennein Todter 2, 3, 4 &c. Finger der Hand ausgestreckt hielt, seine Hinterbliebenen ebensoviele Menschen tödten mussten; so nahm das Morden kein Ende (Mas, pobl. 23). In der bestialischen Wuth tranken sie mitunter das warme Blut des Unglücklichen, dem sie soeben den Kopf abgeschlagen (Mas, pobl. 22). Kehrte ein Kopfjäger mit seiner schauerlichen Beute heim, so erschienen die gesammten Bewohner des Ortes in dem Hause desselben und tanzten unter wildem Geschrei und Gejohle um die blutigen Feindesköpfe, Reis- und Zuckerrohr-Branntwein wurde in Massen vertilgt, und Tage verstrichen oft, ehe diese entsetzliche Festlichkeit endete, welche den Blutdurst und die Roheit der Igorroten in grellem Lichte offenbarte (Lillo 24). Den Krieg führten sie am liebsten im Hinterhalte, wurden sie aber vom Feinde im offenen Felde angegriffen, so wussten sie sich mit grosser Bravour zu vertheidigen. Wollten die Igorroten herannahenden Fremden erklären, dass ein Betreten ihres Gebietes gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung wäre, so legten sie Bogen und Pfeil auf den Weg und besprengten die Erde mit Blut (Mas, pobl. 44). Sie warfen auch Schanzen auf, um Feinden den Zugang in ihre Thäler zu versperren (Galvey’s Tagebuch in Mas, pobl. 58).
Ihre Religion erinnert lebhaft an jene der alten Tagalen. Sie glauben an ein oberstes göttliches Wesen, welches die ganze Schöpfung regiert und nennen es „Apu” oder „Apo” oder (in Lepanto) „Lumaoig” (Lillo 21). Die Gemahlin des Apu heisst Bangan, seine Kinder sind der Sohn Ubban und die Tochter Bugan. Ausserdem giebt es zwei Untergötter: Cabigat und Suyan. Diese Gottheiten wohnen am westlichen Himmel und stehen mit den Menschen durch die Anitos im Verkehr (Lillo, l. c.). Die Namen der Götter werden in jedem Dorfe verschieden angegeben. Donnert es, so sagen sie, der Gott Cabuniang verlange Schweine8zum Opfer, sie kommen auch seinem Verlangen unter grossen Festlichkeiten nach (Mas, pobl. 16). Den Igorroten am Rio Agno wird die Sonne zur Gottheit, als deren Kinder die Götter Magsib und Caspök gelten, welche letzteren in Krankheitsfällen angerufen werden und auch sonst einen in Festlichkeiten bestehenden Cultus besitzen (Semper, Erdkunde XIII, 94).
Den Göttern wird aber viel weniger Verehrung erwiesen, als den Seelen der verstorbenen Ahnen, den Anitos. In jedem Dorfe befindet sich ein heiliger Baum, den man als Wohnsitz von Anitos ansieht. Unter diese Bäume werden Opferstöcke hingestellt, welche natürlich dem ersten vorbeistreifenden Hunde ein willkommenes Fressen bieten. Vor diesen Bäumen stehen oft (Lillo 20) Felsblöcke oder Steine in Form von Altären, auf welchen die Opfer den Anitos dargebracht werden. Am unteren Rio Agno giebt es nur hie und da Opferplätze (Semper, Erdk. XIII, 94). Der Anito-Cultus zieht wie der rothe Faden in dem Tauwerk der englischen Marine durch alle Anschauungen, Sitten, Bräuche und Lebensgewohnheiten der Igorroten. Bei jedem Anlasse werden sie angerufen und jeder Vorfall, besonders wenn er schlimmer Natur ist, ihrem Einflüsse zugeschrieben, deshalb sucht man sie sich stets gewogen zu erhalten. Vor der Aussaat des Reises wird ihnen ein grosses Opferfest abgehalten, damit sie Saaten und Felder schützen &c. Die Anitos rufen auch die Krankheiten hervor und erzeugen verderbliche Dünste in Feld und Flur. Die Igorroten des in Lepanto liegenden Ortes Cabugatan halten die Aale ihres Baches für Verkörperungen ihrer Anitos, weshalb sie ihnen nicht nur kein Leid zufügen, sondern sie selbst füttern (Lillo 21). Mitunter findet man (in Lepanto) rohe Holzbilder, welche einen stehenden oder hockenden Mann darstellen, es sind diess Bilder der Anitos. Semper traf bei den südlichen Igorroten keine derartigen Bilder. Besonders zur Nachtzeit ziehen die Anitos herum, um Schaden zuzufügen (Mas, pobl. 17).
Die Igorroten besitzen einen Priesterstand, dessen Mitglieder der Mehrzahl nach Weiber sind, wie diess bei den Tagalen und Visayern in den Zeiten der Conquista ebenso der Fall war. Der männliche Priester heisst Mambunung, in jedem Dorfe ist nur einer, der erst auf dem Todtenbett seinem Sohne die Gebetsformeln mittheilt (Semper, Erdkunde XIII, 94). Diese Mambunungs heilen auch Krankheiten, indem sie das Gesicht des Leidenden mit dem Blute eines geschlachteten Opferthieres beschmieren; als Bezahlung erhalten sie Gold und die besten Fleischstücke des Opferthieres (Semper, l. c.). Schweine, Hunde und Hühner dürfen nicht geschlachtet werden, ausser sie werden vom Mambunung eingeweiht und Theile ihres Fleisches den Göttern oder Anitos geopfert.
Meist werden alle religiösen Ceremonien durch Priesterinnen, die sogenannten „Asiteras”, geleitet, es sind diess gewöhnlich alte Weiber, welche die Opfer bei den religiösen Festen, den Cañaos, zu verrichten haben. Die Anlässe zur Veranstaltung solcher sind verschiedenartigster Natur, wie: Erkrankung, plötzliches Umstehen des Viehes, eine Leichenbestattung, Hochzeiten, das Erblicken gewisser Vögel oder einer Ratte, welche den Weg kreuzt, ferner der Neubau eines Hauses oder der Aufbruch eines Kopfjägers, der Blutrache ausüben will (Lillo, 19 f.). Die Asiteras leiten das Fest, das in ein Fress- und Saufgelage ausläuft, mit dem Schlachten eines Opferthieres ein, indem sie unter Hersagen verschiedener Stossgebete und Ausrufungen mit dem Opferblute die Umstehenden oder das Anitobild besprengen. DieAsiterasgeben vor, von einem Anito begeistert zu sein(Lillo 20). Zum Abhalten dieser religiösen9Feste, Cañaos, besitzt jedes Dorf einen kleinen Schuppen, vor dem ein offener Platz sich befindet (Lillo 24).
Das Erscheinen des Regenbogens halten die Igorroten für ein gutes Omen, kreuzt hingegen eine Schlange den Weg, so kehren sie augenblicklich um (Mas, pobl. 16). Wenn sie irgendwohin aufbrechen wollen, so zünden sie ein Feuer an, schlägt der Rauch nach der ihrem Ziele entgegengesetzten Richtung, so halten sie diess für ein sehr schlimmes Zeichen und unterlassen sofort den Zug (Mas, l. c.). Unter ihren „abergläubischen” Bräuchen verdient folgender einer Erwähnung: Wenn bei dem Neubaue eines Hauses Jemand bei der Errichtung der Grundpfeiler niest, so muss der Bau sofort unterlassen werden, sonst würde von den Betheiligten einer bald sterben müssen (Lillo 23).
Das Christenthum hat zwar bei ihnen Eingang gefunden, breitet sich aber nur langsam, wenn auch sicher, aus. Man hat schon in den vergangenen Jahrhunderten Versuche gemacht, sie zum Christenthume zu bekehren, aber P. Mozo (Misiones 80) gesteht freimüthig, dass die wenigen Igorroten, welche die Taufe nahmen, diess nur thaten, um ihre Stammesgenossen um so leichter und wohlfeiler mit Mänteln, Schweinen, Kühen und (Palm-) Wein zu versehen.
Über ihre nationalen Rechtsverhältnisse ist mir so gut wie Nichts bekannt. In zweifelhaften Fällen waren Gottesurtheile, wenn ich diesen Ausdruck hier anwenden darf, üblich. Zwei Arten derselben erwähnt Lillo (Lepanto 20). Mit einem spitzen Eisen von der Grösse und Gestalt eines kleinen Nagels werden die Köpfe der Streitenden geritzt, wer bei dieser Operation mehr Blut verliert, hat den Streit verloren. Ein anderes Mal wird ein kleiner Scheiterhaufen angezündet, worauf jeder der Streitenden ein gefesseltes Huhn in die Flammen wirft. In dem Augenblicke, wo die armen Thiere in den letzten Zügen liegen, werden sie wieder aus dem Feuer herausgezogen und der Leib geöffnet, wessen Huhn eine grössere Galle besitzt, der hat den Process verloren.
Das Jahr zählen sie nach Ernten, die Monate nach Monden, die Stunde nach dem Stande der Sonne (Lillo 44). Ihre Gesänge sind monoton und nach unseren Begriffen unharmonisch, der Kriegsgesang besteht eigentlich nur aus einem gellenden Geschrei (Lillo 24). Ihre Musikinstrumente sind nicht zahlreich, zu erwähnen wäre zunächst der Batitin, eine Trommel aus einem ausgehöhlten Baumstamme (Lillo 28), denselben Namen giebt Semper (Erdk. XIII, 93), nur mit einer geringen Modification—batiting—, den auch bei den Igorroten üblichen Gongs. Prof. Semper erwähnt an derselben Stelle auch eine Trommel, welche die Form einer Kanone besitzt und mit einem Stück Stierleder überzogen ist. Der Gong der Igorroten von Lepanto heisst la Ganza, er besteht aus Bronze. Zur besseren Handhabung ist an die Ganza ein Henkel angemacht, welcher aus dem Kinnbacken eines Feindesschädels besteht, so adjustirte Ganzas haben einen besonderen Werth (Lillo 29).
Die vornehmen Igorrotenfamilien wetteifern miteinander in Veranstaltungen von grossen Festschmäusen. Zu diesen Festen werden nur die Vornehmsten des Ortes persönlich eingeladen, die übrigen Dorfbewohner erscheinen auf das Signal von Trommelschlägen. Ehe das Gelage seinen Anfang nimmt, wird getanzt.Bei den südlichen Igorroten treten bei solchen Festen als Tänzer ein Weib mit drei bis vier Männern auf. „Das Weib dreht sich, die Arme bald weit ausstreckend, bald sie über die Brust kreuzend, wobei sie sich tief gegen die (schon bereitstehenden und mit Reisbier gefüllten) Krüge verneigt, nach einer Seite im Kreise um diese herum, in entgegengesetzter Richtung bewegen sich die Männer, deren Anführer ein breites buntfarbiges Tuch über Brust und Schultern trägt und lebhaft mit den Armen gesticulirt” (Semper, Erdk. XIII, 93). Der Tanz der Igorroten von Lepanto besteht in einem schnellen Bewegen der Beine, ohne die Füsse vom Boden zu erheben oder den Körper zu bewegen, dabei halten die Mädchen ein Tuch in den Händen, hinter welchem sie sich anscheinend zu verbergen suchen, ähnliches thut der Mann, nur fingirt er das fehlende Tuch; es tanzt immer nur ein Paar, welches rasch durch ein anderes ersetzt wird (Lillo 29).
Beim Kriegstanze ahmen die mit Schild und Lanze bewaffneten Tänzer ein Gefecht nach (Lillo, l. c.), doch beginnt diese Sitte rasch zu schwinden, da bei den den Spaniern unterworfenen Igorroten keine Kriege mehr geführt werden.
Ihre Industrie ist nur in Bezug auf Metallarbeiten und Bergbau von Belang. Sie besitzen zwar kleine Webeapparate (Lillo 42), können aber damit nur den geringsten Theil ihres Bedarfes an Baumwollgeweben decken. Aus der Rinde des mächtigen Baumes Baliti bereiten sie durch Klopfen und Dörren an der Sonne einen überaus haltbaren Stoff, welchen sie zu ihrem Kopfbunde, zu Schlafteppichen &c. verwenden (Scheidnagel 126). Im Flechten von Körben, Matten und Hüten sind sie sehr geschickt, letztere Industrie nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Aus Holz werden verschiedene Sachen, als Tabakspfeifen, Schüsseln &c. geschnitzt. Die „Latoc” genannte Holzschüssel hat zwei Höhlungen, eine für das Salz, die andere viel grössere für die eigentliche Speise (Scheidnagel 126). Sie sind ausgezeichnete Schmiede, ihre Werkstätten liegen nie im Dorfe, sonderntief im Walde versteckt(Semper, Erdk. XIII, 92). Aus Kupfer fabriciren sie Kessel, Kochtöpfe, Tabakspfeifen, Ketten und ähnliche Dinge. Auch Felle wissen sie gut zuzubereiten, besonders verdienen die aus dem bunten Felle der Bergkatze bereiteten Tabaksbeutel Beachtung(Scheidnagel 127).
Im Bergbau übertrafen sie die übrigen Malaienstämme der Philippinen. Die reichen Kupferminen um den Mte. Datá, in Mancayan &c. werden von ihnen ergiebig ausgebeutet, ebenso die Goldgruben von Acupan, Apayao und Suyuc. Jede Familie in den erzführenden Districten hatte ihr eigenes streng abgegrenztesSchürfgebiet. „Zur Förderung des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Felsen zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und erhöhte den Boden, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme der Holzstösse stets die Decke traf”(Santos, Informe sobre las minas de cobre, in Jagor, Reisen, p. 147). Reiche Erze wurden einfach geschmolzen, die quarzhaltigen einer sehr starken Röstung unterzogen(Jagor, l. c.). Scheidnagel(p. 98)führt die Gattungen des Goldgewinnes an: Die einfache Wäsche, Galerienbau und Zerklopfen des erzhaltigen Gesteines. Die Schmelzöfen der Igorroten bestehen aus einer runden Vertiefung im Thone und haben einen Durchmesser von 0,3 m und eine Tiefe von 0,15 m. „Eine damit in Verbindung stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte conische Röhre von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf- und abbewegten und die für das Schmelzen erforderliche Luft zuführten”(Jagor, l. c. 148). Der Kupferbergbau hat stark nachgelassen(Drasche, Fragm. zu einer Geol. 36), indem die reichsten Kupferminen sich jetzt im Besitze spanischer Actiengesellschaften und Capitalisten befinden, bei denen die Igorroten, die einstigen Grubenbesitzer, Taglöhnerdienste verrichten(Lillo 52). Das Goldwaschen ist noch heute in ihren Händen; in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit war der Goldhandel allein Monopol der vornehmen Familien, denen die Plebejer—wenn ich so sagen darf—alles gefundene Gold abliefern mussten(Mozo 81). Die Igorroten in der Umgebung von Suyuc bringen noch jetzt Gold im Werthe von 12 000 Dollars in den Handel(Lillo 42).
In den Zeiten der Unabhängigkeit bildete—und für die noch jetzt nicht unterworfenen Stämme gilt dasselbe—jedes Dorf einen Staat für sich(Lillo 17), wir finden also hier, wie schon Mas erwähnte (Mas, historia I, 10), dieselbe staatliche Zersplitterung wie bei den heutigen Indios civilisados in der Periode der Conquista. Der Häuptling des Dorfes gehört dem Adel an, jedoch scheint diese Würde nicht in einer einzigen Familie erblich zu sein, sondern der Tapferste—dann Mainguel genannt—oder Reichste wird Chef eines Dorfes (Lillo 17). Seine Macht ist sehr beschränkt, denn die eigentliche Regierung liegt in den Händen der gesammten Adeligen (Lillo 18). Diese werden „Bacnanes” genannt, ihnen gehört der ganze Boden und das Ackerland des Dorfstaates, in welchem gewöhnlich vier, sechs oder mehr solcher Magnatenfamilien leben. Die übrigen Dorfbewohner sind nichts anderes als Leibeigene des Adels, dessen Felder sie zu bestellen haben und denen sie sonst zu Diensten stehen; als Lohn erhalten sie dafür Speise und Trank (Lillo 18). In Lepanto werden sie Cailianes genannt (Lillo, l. c.), d. h. ebenso, wie die Plebejer in Ilócos. Die einzelnen Dorfstaaten waren beständig miteinander im Kriege begriffen.
Den ersten Versuch, die Igorroten der spanischen Krone und dem Katholizismus zu unterwerfen, unternahmen die Spanier 1660, er misslang so wie mehrere andere Expeditionen, bis es 1829 den Spaniern gelang, festen Fuss im Lande zu fassen, seitdem ist ein Igorroten-Territorium nach dem anderen durch Güte und Gewalt annectirt worden. Vom 4. bis 7. März 1880 fanden neue blutige Kämpfe mit noch unabhängigen Bergstämmen Statt, welche siegreich für die Spanier endeten.
Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und Autonomie erhalten, wie die übrigen Eingeborenen der Philippinen. Jede Ranchería (Dorf) wählt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher, Wähler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo 34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstösse und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es ist jedoch bemerkenswerth, dass diese öffentlichen Arbeiten meist von Weibern verrichtet werden, welche ihre Männer vertreten. Nur in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.
Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegründet, in denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876 besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern regelmässig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere können wenigstens ihren Namen unterschreiben(Lillo, l. c.). Jedenfalls verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.