30. Catalanganen.Die Catalanganen sind nur ein Zweig der Irayas, verdienen aber eine Sonderstellung, weil sie in ihren Sitten, Bräuchen und Anschauungen von den letzteren gänzlich abweichen. Ihren Namen erhielten sie von dem Rio Catalangan, einem rechten Zuflusse des Rio Grande de Cagayán, an dessen Ufern ihre Hauptsitze zu suchen sind (Provinz Isabela).Prof. Semper hält sie für stark mit chinesischem Blute gemischt und bemerkt hierüber: „Die Abstammung von der mongolischen Rasse liess sich auf den ersten Blick erkennen, an dem hohen Körperbau der Leute, dem länglichen schmalen Gesichte mit stark zurücktretendem Kinn und der hohen, von Haarwuchs freien, aber sehr nach hinten gekrümmten Stirn, an den starken Backenknochen und den kleinen Augen” (Erdk. X, 257). Innere historische Gründe sprechen gegen eine starke Beimischung chinesischen Blutes. Semper nimmt auch Mengung mit Japanen oder wenigstens starken japanischen Einfluss an (Semper, Erdk. X, 265, und Skizzen 55). Unter den Catalanganen leben friedlich Negritos (Semper, Erdk. X, 260;Cavada I, 81). Was die günstigen Seiten ihres Charakters anbelangt, so werden ihre Friedfertigkeit, welche aber nur ihrer grossen Feigheit zu verdanken ist, ihre Ordnungsliebe, Subordination, Nüchternheit und Frugalität gerühmt, ihnen dagegen aber Habsucht, Geiz, Indolenz, Ungastlichkeit &c. vorgeworfen (Semper, Erdk. X, 261). In Bezug auf letzteres hebt Cavada gerade das Gegentheil hervor, vielleicht im Irrthume begriffen, indem er die Irayas meinte, oder es hat seit Semper’s Besuch ein Umschwung Statt gefunden.Sie tätowiren sich, die Muster sind chinesischen oder japanischen Ursprunges (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 55), nach einer anderen Stelle (Semper, Erdk. X, 254) aber vonderselben Art, wie sie bei den Negritos üblich ist. Die Männer und Weiber tragen eine ähnliche Kleidung wie die „Indier”, d. h. die christlichen Malaien. Um den Leib über Hüften und Nabel werden buntgefärbte geflochtene Bänder und Messingstreifen getragen (Semper, Erdk. X, 260). Ausserdem tragen Männer und Weiber einen Gürtel mit einer dicken Patronentasche, welche rückwärts hängt und in welcher der Buyo, der von ihnen auch mit Leidenschaft gekaut wird, sich befindet (l. c.). Diese Tasche dient auch als Stützpunkt für die kleinen Kinder, welche mittelst eines Zeuges von der Mutter auf dem Rücken nach Zigeunerart getragen werden (l. c.).Ihre Schmucksachen gleichen denen der Negritos (Semper, Erdk. X, 260). Am Arme und in den Ohren tragen sie Messingringe, in einem Ohre mitunter 6 Ringe, wodurch die Ohrlappen eine unnatürliche Verlängerung erleiden (l. c.). Auch Glasperlen, Ohrgehänge aus Silber oder schlecht vergoldetem Kupfer kaufen sie gern von christlichen und chinesischen Krämern ein (Semper, Erdk. X, 259). Ihre Waffen sind Bogen und Pfeile (l. c. 261).Ihre Rancherías bestehen nur aus wenigen Hütten, und diese selbst liegen weit auseinander, so dass selbst die grössten Dörfer nicht mehr als 20 bis 30 Hütten zählen (Semper, Erdk. X, 258). Die Hütten stehen auf Pfählen, so dass man nur auf einer Leiter in das Innere gelangen kann; in der Nacht wird die Leiter aufgezogen. Die Dächer sind sehr dicht und solid aus Gras oder Rohr über dem Gebälke hergestellt (Semper, Erdk. X, 260, u. Skizzen 54). Das Innere der Hütte wird nur durch eine Schwelle in Küche und Wohnzimmer geschieden, der Rauch muss sich durch die Thüre und durch die Fensterluken (selten mehr als zwei) den Ausweg suchen (Erdk. X, 259). Oft ist an das übrigens kleine und niedrige Haus eine ebenso armselige Scheune angebaut (l. c.), und wenige Hütten giebt es, welche ohne eine Schmiede wären, die stets den Ahnen, den Anitos, geheiligt ist (l. c. 262). Neben dem Hause liegen gewöhnlich zwei Scheunen, eine für den Reis, die andere für den Mais (l. c. 257), ebenso sind auch in der nächsten Nähe kleine Götterhäuschen angebracht (l. c.). Die Hütten selbst liegen auf freien, sorgfältig reingehaltenen (man denke an den Igorrotenschmutz!) Plätzen (l. c. 256), selbst der unter dem Hause befindliche freie Raum wird sauber gefegt (Semper, Skizzen 55).Die Catalanganen sind Ackerbauer, und zwar sind wie bei den Apayaos Mais und Reis diejenigen Feldfrüchte, welche nahezu ausschliesslich cultivirt werden (Semper, Erdk. X, 257). Ausserdem bauen sie Zuckerrohr, einen trefflichen Tabak, die Wurzeln: Samate, Ubi, Gabe oder Gabi (l. c. 258), letztere ist uns schon bekannt, überdiess wird noch ein Strauch „Tubá” gezogen, dessen gepulverte Frucht zum Betäuben der Fische verwendet wird (l. c. 259). Sie zeichnen sich durch die Sorgfalt aus, mit der sie ihre Äcker von Baumstümpfen, Steinen und Unkraut reinigen (l. c. 257;Semper, Skizzen 54). Ihr Fleiss ist schon dadurch gekennzeichnet, dass sie—wenigstens vor zwanzig Jahren—nur in einer einzigen Ranchería Büffel besassen und zur Feldarbeit benutzen konnten, während in allen übrigen Dörfern nur Menschenhände zur Verfügung standen (Semper, Erdk. X, 258, Skizzen 54). Da sie keine Werkzeuge zum Säen und Ernten besitzen, so müssen sie bei der Ernte mühsam jeden Halm mit einem kleinen Messer abschneiden (Semper, Skizzen 54). Durch Anlage von Dämmen suchen sie ihre Felder vor Überschwemmungen zu sichern (Semper, Skizzen 56). Durch Aufspeichern grosser Getreidevorräthe haben sie sich für die Zeiten der Hungersnoth, der Missernte &c. geschützt, werden aber durch diese weise Vorsicht geizig und ungastlich, sie weigern sich sogar, etwas von ihren Vorräthen zu verkaufen (Semper, Erdk. X, 257, u. Skizzen 55). Ausser den Früchten ihrer Felder bildet Honig auch einen Hauptbestandtheil ihrer Nahrung, während sie das Wachs wie alle Bergstämme an die Christen verkaufen (Semper, Erdk. X, 258). Da ihre Flüsse und Bäche von Fischen wimmeln, so liefert das Fleisch derselben nicht nur ihre wichtigste animalische Kost, sie sind vielmehr in der Lage, selbst von ihrem Überflusse an die Christen etwas zu verkaufen und zwar sind es meist gesalzene Fische, welche der Gegenstand dieses regen Handelsverkehrs sind (Semper, Erdk. l. c.). Der Fischfang selbst findet auf alle mögliche Weise Statt: das Betäuben der Fische durch die Tuba-Frucht, das Ausspannen von Grundnetzen, die Benutzung von Angeln, Fischreusen, das Sperren, alle diese Methoden werden nebeneinander angewendet (Semper, Erdk. 258 n. f.;Skizzen 57).Ihre Religion kennt zwei Götterpaare, welchen zu Ehren grosse hölzerne Tafeln unter dem Dache der Thür gegenüber schräg befestigt werden, auf den Tafeln sind Schriftzeichen angebracht, „die sehr an chinesische erinnerten” (Semper, Erdk. X, 261). Die Namen dieser Götterpaare sind: Tschiehónau18mit einer Frau Bebenángan und Sialó mit seinem Weibe Binalínga. Sie scheinen auch Götteridole zu besitzen, wenigstens erwähnt Semper, er hätte in einem Hause das geschnitzte Bild eines Gottes gesehen (Semper, Erdk. l. c.). Im Juni wird diesen Götterpaaren zu Ehren in einem ihrer Dörfer ein Fest gefeiert, in jener Ranchería ist ihnen nämlich ein Haus geweiht, „worin der letzte Priester Hantasan und sein Weib Talamajäu19gewohnt haben”; seit dem Tode dieses Priesterpaares kennen dieCatalanganen keine Priester mehr (Semper, Erdk. X, 261). Es wäre sehr interessant, wenn wir über diese Sage mehr in Erfahrung brächten.Wie bei allen Malaien der Philippinen wird auch hier den Seelen der Ahnen, den Anitos, eine grössere Verehrung erwiesen, als den eigentlichen Göttern. Anito wird die Seele eines jeden Todten, der zu seinen Lebzeiten Grossvaterfreuden erlebte (Semper, Erdk. X, 262). Der Anito behält auch als solcher den Namen, den er einst als Mensch getragen. Vor den Hütten werden den ältesten Anitos der Familie rohe Hausmodelle von 1½ bis 2 Fuss Höhe als Wohnsitz angewiesen, dem ältesten Anito aber ist „der kleine freie Platz vor der Leiter, auf dem der Pilan (Reismörser) steht, geweiht; er darf weder durch Feuer noch durch Essen entweiht werden” (Semper, Erdk. X, 262). Jüngeren Anitos sind eigenthümlich geformte Bänke, auf denen dem Chinesischen ähnliche Schriftzeichen eingeritzt sind (Semper, Erdk. l. c.), geweiht. Anderen Anitos sind als Sitze Töpfe in irgend einer Ecke aufgestellt (Semper, Erdk. l. c. u. Skizzen 56). Die Catalanganen heben die Perlenschnüre und Schmucksachen ihrer Verstorbenen als wunderthätige Reliquien auf und verkaufen sie, ähnlich den Apayaos, um keinen Preis (Erdk. l. c.). Von jeder Schüssel wird beim Speisen den Anitos ein Theil geopfert, während aber bei einigen Stämmen Luzons ein kleiner Rest zu dieser Art Libation verwendet wird, pflegen die Catalanganen diess Opfer zu bringen, bevor sie zu essen beginnen (Semper, Erdk. X, 263). Ähnlich den anderen Bergstämmen feiern sie den Anitos zu Ehren zur Saat- und Erntezeit allgemeine Feste (l. c.).Ihre religiösen und nationalen Feste richten sich nach dem Laufe der Sonne (Semper, Skizzen 57). Bei diesen Festlichkeiten bildet Tanzen einen wichtigenProgrammpunkt. Ihre Tänze sind pantomimische Darstellungen der Liebe, und so tritt immer nureinPaar auf: die Tänzerin dreht sich mit unbeweglich ausgestreckten Armen um sich selbst, während der Mann wie rasend mit den Armen herumfuchtelt und das Weib stampfend umkreist. Sinkt der Tänzer erschöpft zur Erde, so tritt sofort ein anderer für ihn ein. Ihre nationalen Musikinstrumente sind Gongs, welche mit flachen Händen bearbeitet werden. Ausser diesen Liebestänzen besitzen sie auch einen Kriegstanz (Semper, Erdk. X, 263).Die ehelichen Bande sind leicht zu lösen: sind Eheleute gegenseitig unzufrieden, so gehen die Gatten ohne jeden Ceremonienkram auseinander und schliessen neue Ehen; trotz dieser Leichtigkeit der Ehescheidung kommen solche Fälle nur selten vor (Semper, Erdk. X, 264).Die Särge sind an beiden Enden offen; die Todten werden in ihren Kleidern und Schmucksachen in diese Särge gelegt, auch Habseligkeiten werden mit hineingegeben. Unter grossem Heulen und Wehklagen der Hinterbliebenen wird der Sarg unter dem Hause in die Erde gesenkt, bemerkenswerth ist, dass bei dieser Gelegenheit die Trauernden um das Grab herum knieen (Semper, Erdk. X, 263). Die Leichenfeier wird mit einem Festschmause geschlossen (l. c. 264).Prof. C. Semper rühmt ihnen Achtung vor dem Eigenthume nach: Diebstahl wird mit dem Feuertode bestraft (Semper l. c. 261).Sehen wir von dem Flechten von Matten ab, so ist der wichtigste Zweig ihrer Industrie die Verfertigung von Booten, welche sie an Christen und chinesische Händler in Ilagán um einen geringen Preis verkaufen (Semper, Erdk. X, 259).Seit 30 Jahren sind sie der spanischen Regierung unterthan, doch begnügt sich diese mit der Einhebung einer kleinen Kopfsteuer (dem „Reconocimiento”), welche ein Commissär jährlich einhebt. Die Spanier haben in jedem Dorfe einen Gemeindevorsteher, den Gobernadorcillo, durch Scheinwahl eingesetzt; diese Gobernadorcillos haben aber in ihrem Dorfe weder Ansehen noch Macht, nur ihre Eitelkeit kann sich durch das Tragen des silberbeschlagenen Amtsstockes und einer dunklen Jacke befriedigt fühlen und sie so für die Lasten und Verantwortlichkeiten entschädigen, die sie den spanischen Behörden gegenüber übernehmen (Semper, Erdk. X, 264).31. Irayas.Die Irayas wohnen südlich von den Catalanganen, hauptsächlich an der Westseite der Cordillere von Palanan. Auch über sie berichtet, wie über den Bruderstamm der Catalanganen Prof. Semper auf das Ausführlichste. In ihren Adern rollt eine starke Dosis Negritoblut (Semper, Skizzen 51 u. 54), was kein Wunder ist, da unter ihnen „zu einer Familie verbunden” Negritos leben und Mischlinge beider Rassen vorhanden sind (Semper, Erdk. X, 255 u. 264). Obwohl sie nun zum Theile stark mit Negritoblut inficirt sind, so fand doch Semper Anklänge an eine „Abstammung von einem mongolischen Stamm”, man sieht aber trotzdem „unter ihnen mehr Leute, die sich dem tagalischen Typus nähern” (Semper, Erdk. X, 264). Ihre aus geraden und krummen20Linien bestehenden Tätowirungsmuster, ferner Schmucksachen und Verzierungen sind dieselben, wie wir sie bei den Negritos jener Gegend vorgefunden haben (Semper, Erdk. X, 254 u. Skizzen 55).Ihre Hütten sind unsolid und schleuderhaft gebaut, vor Wind und Wetter schlecht verwahrt (Semper, Skizzen 54), ganz im Gegentheil zu der Reinlichkeitsliebe der Catalanganen wird aller Unrath unmittelbar vor das Haus geworfen(Semper, Erdk. X, 264). Sie bauen Zuckerrohr und Reis (Erdk. X, 265), bei ihrer Trägheit werden aber die Felder schlecht bestellt, liefern daher im Vergleiche zu denen der Catalanganen einen geringen Ertrag (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54), trotzdem speichern auch sie Vorräthe für schlimme Zeiten auf (Semper, Skizzen 57). Als Hausthier und Mitarbeiter für die Reisfelder wird allgemein der Büffel gehalten (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54). Wie bei den Catalanganen, liefern auch ihnen Flüsse und Bäche reichliche Fischkost.Ihre Religion beschränkt sich auf den Anitocultus allein (Semper, Erdk. X, 265), die Götterpaare der Catalanganen fehlen ihnen (l. c.). Ob sie sonst andere Götter besitzen, ist nicht auszuschliessen, die Bemerkung, welche Semper an einer anderen Stelle (Erdk. XIII, 94) macht, dass nämlich die Religion der Irayas jener der Igorroten ähnlich sei, lässt diese Deutung zu.Im Gegensatze zu den düsteren und ungastlichen Catalanganen sind die Irayas ein fröhliches heiteres Völkchen, dessen Gastfreundlichkeit nicht nur Negritos, sondern auch jene flüchtige Christen („Remontados”) und entlaufene Verbrecher freundlich aufnimmt (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 54 u. 55). Die Zahl der Christen, welche unter ihnen lebte, schätzte Semper vor zwanzig Jahren auf 200 Köpfe (Semper, Erdk. X, 256). Die unter ihnen lebenden Negritos hattenAckerbau, Religion und Kleidung der Irayas angenommen (l. c.).Die Irayas stehen in demselben losen Abhängigkeitsverhältniss zur spanischen Regierung, wie die Catalanganen, wie sie denn auch das Institut der Gobernadorcillos besitzen (Semper, Erdk. X, 266).32. Catabanganen (Catabanganes).Die Catubanganen sind ein wilder Bergstamm in den Gebirgswildnissen von Guinayangan in der Provinz Tayabas. Sie werden, so viel mir bekannt ist, nur von Cavada I, 198, erwähnt, welcher von ihnen nichts Anderes berichtet, als dass ihre Sitten jenen der Negritos (welche ebenfalls in jenen Bergen hausen) gleichen, und dass sie die christlichen Ortschaften beständig überfallen, um Vieh und Getreide zu rauben. Die dürftige Notiz ist Alles, und es lässt sich unmöglich darnach entscheiden, ob wir hier die Trümmer eines grösseren selbständigen Stammes oder verwilderte Abkömmlinge von Remontados mit Negritoblut gemengt vor uns haben. Vielleicht dürfte das letztere das Wahrscheinlichere sein.33. Vicols21.Die Vicols bewohnen den südlichsten Theil Luzons, im Norden beginnt die Sprachgrenze an der Ostküste bei Paracáli und Mambuláo in der Provinz Camarínes Norte, an der Westküste aber schon bei den östlichen Gestaden der Provinz Tayabas, so dass die Vicols in Camarínes Norte die Hauptmasse, in Tayabas aber nur einen Bruchtheil der Bevölkerung ausmachen. Camarínes Sur, Albay, ferner die Inseln Masbate, Ticáo, Burías und die Inselgruppe der Catanduanes werden von ihnen ausschliesslich bewohnt.Die Vicols gehören wie die Tagalen, Pampangos &c. zu jenen Malaienstämmen Luzons, welche schon in den Tagen der Conquista eine gewisse Civilisation aufzuweisen hatten, sie sind auch die ersten Bewohner Luzons, welche (in Albay zunächst) sich, und zwar im Jahre 1569, den Spaniern unterwarfen. Von den wenigen „wilden” Stämmen, welche in den Bergen von Camarínes hausen, will ich am Schlusse dieses Artikels Näheres mittheilen und mich vorerst mit den civilisirten christlichen Vicol-Malaien beschäftigen.Obwohl von kräftigem Körperbau (Buzeta I, 281), stehen sie dennoch physisch wie geistig den Tagalen nach (Jagor, Reisen 120). Sie besitzen nicht den stolzen kriegerischen Geist der Bewohner Nord-Luzons, sie sind vielmehr friedfertig und demüthig (Cavada I, 213 u. 221). Obwohl im Allgemeinen arbeitsam, so besitzen sie dennoch nicht jene ausgebreitete Hausindustrie, welche wir bei den Tagalen vorgefunden haben. Insbesondere unterscheiden sie sich von letzteren durch ihre grosse Unreinlichkeit, die vorzüglich im Süden in die Augen fällt, zumal, wenn in den betreffenden Orten kein weisser Pfarrer stationirt ist (Jagor, Reisen 105). Hautkrankheiten und Krätze sind deshalb sehr verbreitet (Jagor, Reisen 130). Dr. Jagor schreibt (Reisen 145): „Ich glaube kaum, hier (Mambulao) eine Indierin ohne Krätzflecke gesehen zu haben”.Ihre Hütten weichen in ihrer Bauart nicht von denen der Tagalen ab, doch wird gewöhnlich das leichteste Rohrmaterial zum Bau vorgezogen, was in der Häufigkeit und Intensität, mit der hier die Erdbeben auftreten, seine Erklärung findet. Der Bau eines Hauses in Camarínes incl. Material kostet nicht mehr als vier bis fünf Dollar (Jagor, Reisen 125). Die Möbel beschränken sich wie bei den anderen Malaien meist nur auf Matten. Das Innere der Häuser wird bei den Vicols bei Armen durch Harzfackeln erleuchtet, während Reichere zu diesem Zwecke sich jener Lampen bedienen, welche auch den Tagalen bekannt sind und aus einer grossen Schnecke mit eingelegtem Binsendochte bestehen (Jagor, Reisen 127).Als der holländische Corsar Noort 1600 vor Camarínes anlangte, fand er die meisten der Bewohner fast nackt vor und die „Vornehmsten, welche von den ehemaligen Landesfürsten herstammeten, hatten sich allerlei künstliche Figuren in die Hautgeritzet” (Allgem. Historie der Reisen XI, 369). Auch die Bewohner der Catanduanesbemalten sich, trugen jedoch ein ärmelloses Gewand (l. c. 398). Die heutige Tracht der Vicol-Malaien ist decenter, die Tracht der Männer gleicht so ziemlich jener der Tagalen, wohingegen die Frauen sich ganz anders als die Tagalinnen kleiden. Vor Allem fehlt hier der Tapis und die Saya (Buzeta I, 281), an Stelle derselben tritt der Patadíon, ein Frauenrock, der von der Hüfte bis zu den Knöcheln reicht, dann ein kurzes Hemd aus Guinara-Stoff (Zeug aus Abacáfasern) und ein Umhängtuch; im Haare wird ein Kamm getragen (Jagor, Reisen 127). Statt des einfachen Waldmessers der übrigen Malaien Luzons tragen die Vicols den geflammten Kris der mohammedanischen Malaien der Sunda (Scheidnagel 123).Die Vicols bauen dieselben Getreidearten22und Culturpflanzen wie die Tagalen, die grösste Sorgfalt wird aber dem Abacá- oder Manila-Hanf zugewendet, denn in Camarínes und Albay gedeiht diese für den Exporthandel der Philippinen so ungemein wichtige Pflanze am besten. Herr von Scherzer (Novara-Reise I, 598) schreibt darüber wie folgt: Um den Abacá-Hanf zu gewinnen, wird der Stamm, sobald die Fruchtkolben, zum Vorschein kommen, von den mächtigen Blättern gereinigt und bleibt etwa 3 Tage hindurch der Gährung ausgesetzt. Hierauf wird derselbe in Stücke abgeschält, und diese werden unter Anwendung eines entsprechenden Druckes zwischen zwei Eisen durchgezogen, um den durch die Gährung mürbe gewordenen Bast von den zum Vorschein kommenden Hanffasern zu entfernen. Dieses Verfahren wird so lange fortgesetzt, bis letztere rein genug erscheinen, um an der Sonne getrocknet zu werden.Aus den Fächerpalmen wird in der Weise Zucker gewonnen, dass das obere Ende des Stammes quer abgeschnitten wird, und zwar mit etwas geneigter Schnittfläche. Aus der Wunde quillt der zuckerhaltige Saft (täglich 10 Quart), aus welchem der Zucker durch Einkochen gewonnen wird; eine Palme liefert einen Reingewinn von 5 Mark, der Baum geht aber auch ein (Jagor, Reisen 155 f.).Auch Cacao wird vielfach gepflanzt, wenn auch nicht sorglich gepflegt. Die Vicols geniessen die Chocolade, indem sie ihr geröstete Pilikerne zusetzen (Jagor, Reisen 79). Da ein grosser Theil des besiedelten Landes von Sumpfstrecken durchsetzt ist, und überdiess in der Regenzeit selbst die Strassen versumpfen, so sind die Vicols auf die Construction eines Transportmittels verfallen, welches ihnen die Fortschaffung von Lasten selbst im Sumpfgebiete gestattet. Es ist diess die Pavavá (man vgl. die Abbildung inJagor, Reisen 118), welche aus zwei parallelen Stangen besteht, die an ihren Obertheilen einen gedeckten Kasten tragen. Die unteren Enden der beiden Stangen schleifen auf der Erde, die oberen ruhen hüftehoch über der Erde auf der Gabeldeichsel, deren untere Enden sich ebenfalls nach hinten verlängern, so dass, wenn der Büffel diese schlittenartige Pavavá durch tiefen Sumpfbrei schleift, die zwei unteren Enden jener Parallelstangen und die zwei hinteren Enden der Doppel-Deichsel die Last tragen. — Die Vicols besitzen zwar einen reichen Viehstand, kümmern sich aber nicht einmal um die Fütterung ihrer Thiere (Jagor, Reisen 123). Fischfang wird auch hier fleissig betrieben, sie benutzen hierzu die faustgrossen Früchte einer Barringtonie, indem sie wegen ihres geringen specifischen Gewichtes statt des Korkes bei den Netzen verwendet wird oder indem man ihre betäubende Eigenschaft durch Ausstreuen pulverisirter Früchte benutzt (Jagor, Reisen 152).In ihren Sitten und Bräuchen fällt zunächst der Umstand auf, dass sie nicht so leidenschaftliche Raucher sind, wie die übrigen Luzonier, sie geniessen lieber den Tabak in der Weise, dass sie die Cigarren mit dem Buyo zusammen kauen (Jagor, Reisen 127), obwohl ausserdem noch genug geraucht wird. Über ihre Bräuche bei Geburten &c., ihren Aberglauben ist mir Nichts bekannt. Dr. Jagor (Reisen 130) erwähnt, dass die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes unter dem Namen Triaca — aus Theriacum — als Universalmittel gegen Schlangen- und Hundebiss angesehen werden. Von ihren Gespenstern sei der Calapitnan, der Herr der Fledermäuse, erwähnt, der in der prachtvollen Tropfsteinhöhle bei Libmanan (Camarínes Norte) seinen Sitz aufgeschlagen hat (Jagor, Reisen 138). Obwohl seit drei Jahrhunderten Christen, sind sie nicht nur sehr abergläubisch, sondern auch lau in der Beobachtung der kirchlichen Vorschriften (Cavada a. v. St.).Ihre nicht grosse Industrie befasst sich meist nur mit feinen Webwaaren und Stickereien (Scheidnagel 24), die Sinamay- und Nipis-Zeuge von Camarínes rangiren an Güte unmittelbar nach denen von Ilócos Diaz (Arenas 291).Vicol-Heiden.Ausser den christlichen und civilisirten Vicols wohnen in den Provinzen Camarínes Norte y Sur und Albay auch noch hie und da in den Gebirgswildnissen zerstreut Horden von heidnischen halb- oder ganz-„wilden” Vicol-Malaien, welche von den Spaniern fälschlich Igorroten (neben „Cimarrones”) genannt werden. Sie sind allem Anscheine nach Abkömmlinge jener Malaien, welche in den Zeiten der Conquista vor dem spanischen Joche in die ungangbaren Bergwälder flohen und dann auch späterhin durch dem Steuerdruck sich entziehende Vicols, also durch „Remontados” frischen Nachschub erhielten. Waren doch die faulen Vicols stets geneigt, den lästigen Frohnden und der strengen Kirchendisciplin sich durch die Flucht in die Gebirgswälder zu entziehen, wir wissen ja, dass in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts das Innere der InselMasbate eine dichte Bevölkerung von solchen Flüchtlingen, die selbst von Luzon aus dort ihr Asyl gesucht hatten, besass (Fray Juan de la Concepcion VIII, 142). Selbst heute noch kommt dieses „remontarse” (sich in die Berge flüchten) häufig vor, die kleinen unbewohnten Inseln an der Küste von Camarínes Norte beherbergen oft zahlreiche solche Flüchtlinge—„los marítimos” genannt (Cavada II, 447)—, bis der Hunger oder der Arm der Behörde sie wieder zur Rückkehr in die Heimath zwingt. In den ersten Jahrhunderten der spanischen Herrschaft, beständig wie ein Wild gehetzt, sanken sie zu nomadisirenden Horden herab, die keine feste Niederlassung besassen, und in dieser Periode ihrer Entwickelung scheinen sie mit den ein ähnliches Leben führenden Negritos engere Beziehungen angeknüpft zu haben, wenigstens weist Jagor (Reisen 106) bei den Heiden vonIsarógnach, dass sie Mischlinge von Vicol-Malaien und Negritos wären.Solche Vicol-Heiden leben um die Vulcane Isaróg, Iriga, um Buhi, um den Vulcan Mazaraga, in der Cordillere von Caramuan, in der Nähe der Orte Libog und Tabaco. Aus dem Jahre 1848 liegt uns bei Diaz Arenas sogar eine Schätzung der Zahl dieser Heiden, und zwar jener der Provinz Camarínes Norte vor; darnach gab es dort in jenem Jahre: 3703 die Oberhoheit der spanischen Krone anerkennende „Infieles”, 8000 Cimarrones del Isaróg, 500 Cimarrones del Iriga, 300 Cimarrones de Buhi und 4000 Cimarrones der Cordillere von Caramuan. Die Zahlenangabe bezüglich der Heiden vom Isaróg ist offenbar ein Druckfehler, die Zahl scheint mir zu hochgegriffen zu sein. Ich will nun die einzelnen Horden näher in Betrachtung ziehen.Da mir über die Heiden der Cordillere von Caramuan nichts Näheres bekannt ist, so gehe ich sofort zu den Heiden vom Isaróg über. Diese wohnen bei dem genannten Vulcane in der Nähe der Pueblos Goa, Pili, Lagonoy, Bula, Quipayo &c. Sie sind zahlreich, in den drei Rancherías von Mahaluas (Magarao?), Siano und Paltoc sollen allein 2000(?) leben (Cavada I, 213). Nach Jagor (Reisen 163 u. 168) ist ihre Zahl durch Kämpfe mit den spanischen Finanzwachsoldaten und durch Fehden untereinander im Abnehmen begriffen. Jetzt haben die Kämpfe mit den Spaniern aufgehört, indem diese den Heiden den Ertrag ihrer Tabakfelder abkaufen (l. c. 164), und andererseits durch die liebenswürdige und hochherzige Verwendung des Dr. F. Jagor ihnen von der spanischen Regierung eine Anzahl von Begünstigungen zu Theil wurden. Jagor (l. c. 162) erwähnt von ihnen: „Sie sind es, die nach dem Urtheil des Pfarrers von Camarínes die Vicol-Sprache am reinsten sprechen. Ihre Sitten und Gebräuche sind in vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, welche noch heute bei den Dayaks herrschen”. An letztere erinnert auch die freilich im Erlöschen begriffene Sitte, den, wenn auch natürlichen Tod eines Verwandten, durch die Ermordung des ersten besten Fremden zu rächen (l. c. 171), da aber dem Ermordeten der Kopf nicht abgeschlagen wird, so ist diess eher auf ein Herübernehmen des ähnlichen Negritobrauches zurückzuführen, denn die Heiden vom Iriga beweisen durch eine leichte Kräuselung ihres Haares (l. c. 170), dass auch Negritoblut in ihren Adern rollt. Einen Schädel, der von einem erschlagenen Heiden vom Isaróg herrührte, erklärte Prof. Virchow in gewissen Beziehungen ähnlich mit den Malaien-Schädeln von den Sunda-Inseln, noch mehr aber mit Dayak-Schädeln (Jagor 169 u. 92). Die in der Nähe von Quipayo hausenden Isaróg-Heiden haben keine festen Niederlassungen, sondern schweifen wie die Negritos unablässig herum (Cavada I, 213), die anderen aber besitzen Hütten, welche hie und da vereinzelt im Walde stehen (Cavada I, 213 u. 221), nur diejenigen, welche der spanischen Regierung unterthan geworden, wurden gezwungen, in kleinen Weilern, deren Hütten aber auch weit auseinanderliegen, zu wohnen (Jagor, Reisen 163). Den Zugang zu ihren Hütten schützen sie durch Fussangeln oder Fusslanzen, welche mit Blättern und Reisig geschickt verdeckt sind (l. c. 166). In der Gestalt und Bauart unterscheiden sich ihre Hütten in Nichts von denen armer Vicol-Christen (l. c. 167). Sie bauen Bataten, Caladium, Mais, Zuckerrohr, Tabak (Jagor, Reisen 167;Cavada I, 213), und jene, welche in den oben erwähnten Rancherías Mahaluas, Siano und Paltoc leben, selbst Cacao, Abacá, Camote (Cavada, l. c.). Hausthiere sind Hunde, Katzen und Hühner (Jagor I, 168). Bei jenen Isaróg-Heiden, welche Dr. Jagor kennen lernte, waren die Weiber decent, wie christliche Indierinnen gekleidet (Jagor, Reisen 167), wogegen in jenen drei Rancherías die Weiber ebenso wie die Männer nur einen Lendenschurz tragen (Cavada I, 213). Ihre Waffen sind Pfeile, Lanzen, runde hölzerne Schilde am Rande mit Rotang beflochten und das Campilan-Waldmesser (Jagor, Reisen 169;Cavada, l. c.). Die Pfeile sind vergiftet (Cavada, l. c.). Während einige Horden die Christen durch Räuberüberfälle belästigen (Cavada I, 212), ist die Mehrzahl der Isaróg-Heiden mit denselben in freundlichem Verkehr, denen sie ihre Bodenproducte, ferner Honig, Wachs und Harze verkaufen (Jagor, Reisen 168;Cavada I, 213). Sie leben gewöhnlich nur mit einer Frau, obwohl Polygamie gestattet ist; die Frau wird um den Durchschnittspreis von 10 Waldmessern und 10 bis 12 Dollars baar gekauft (Jagor, Reisen 171). Der Vater der Braut veranstaltet einen Schmaus, bei dem grosse Mengen Palmwein vertilgt werden (Jagor, Reisen 172). Ihre musikalischen Instrumente sind Laute, Guitarre nach spanischem Muster und Maultrommeln aus Bambusrohr (Jagor, Reisen 167).DieHeiden vom Irigasind dunkelbraune Mischlinge von Negritos und Indiern, obwohl nur einige krauses Haar besitzen (Jagor, Reisen 106). Ihre Hütten sind bequem gebaut (Jagor, l. c.) und mit einem Hausgeräthe versehen, welches aus Cocosnussschalen, Bambusgeräthe, irdenen Töpfen und Waffen besteht (Jagor, l. c. 107). Die Tracht der Männer beschränkt sich nur auf ein Schamband, während die Weiber einen Schurz tragen, der den Unterleib und die Oberschenkel, von der Hüfte bis zu den Knieen, deckt (Jagor, l. c.). Sie bauen einige Knollengewächse und etwas Zuckerrohr an (Jagor 106). Zur Jagd auf die Wildschweine dienen vergiftete Pfeile (Jagor 107), deren Gift aus zwei unbekannten Baumrinden bereitet wird. Das fertige Gift hat die Consistenz einer zähen Salbe. Für einen Pfeil braucht man nur ein haselnussgrosses Stück, worauf der vergiftete Pfeil mit seiner Wirkung für viele Schüsse ausreicht (Jagor 112). Mit den Christen unterhalten sie Handel und Verkehr.Die Heiden, welche beim Vulcane Mazaraga in einigen verstreuten Hütten wohnen, sind freundliche Leute (Jagor, Reisen 178). Dasselbe gilt für jene Horden, welche bei Libol und Tabaco in der Provinz Albay wohnen, sie stehen mit den Christen in Verbindung, ja einige lassen sogar ihre Kinder taufen (Cavada I, 221). Nach der Nummer 877 des „Comercio” (Manila, den 16. Aug. 1881) sind in jüngster Zeit in der „La Rinconada” (Provinz Camarínes Sur) neue Pueblos solcher „monteses” von der Colonial-Regierung gegründet worden. Die Ausbreitung der spanischen Herrschaft unter diesen Heiden scheint also Fortschritte zu machen.34. Manguianen (Manguianes).Unter dem Namen Manguianen sind die halbwilden Malaien-Stämme zu verstehen, welche das Innere der grossen Insel Mindoro und (nach Cavada II, 127) auch die Gebirgswildnisse der Inseln Romblon und Tablas bewohnen. Ob sie ein eigener Zweig der philippinischen Malaien sind, lässt sich nach den zwar zahlreichen, aber dürftigen und sich vielfach widersprechenden Notizen, die uns von diesen Wilden Nachricht geben, gar nicht entscheiden. Das eine aber scheint mir sicher zu stehen, dass sie mit den Tagalen Nichts gemein haben und wohl eher als ein besonderer Zweig der Visayer aufgefasst werden könnten, aber eben nurkönnten. Es könnte leicht sein, ihre Existenz auf ähnliche Weise zu deuten, wie diess bei den Vicol-Heiden geschehen ist. Der Ansicht, die in Waitz V, 61, entwickelt wird, wonach die Manguianen „wenige, den Angriffen der Piraten23entgangene Flüchtlinge sind, die von den Urbewohnern (welchen?) des Centralgebirges verschieden zu sein scheinen”, kann ich unmöglich beipflichten, wie Jeder, der die Geschichte der Philippinen vom Beginn der spanischen Occupation an genau studirt hat. Nach der Allgem. Historie XI, 393, wären sie eine Bastardrasse von Negritos und (Visayer-?) Malaien, was also den Ursprung dieser Manguianen auf ähnliche Weise erklären würde, wie jenen der Vicol-Heiden. Die Manguianen waren seiner Zeit in der gelehrten Welt sehr genannt, indem Careri (p. 42) von ihnen nach den Berichten der Jesuiten erzählte, sie hätten vier bis fünf Zoll lange Schwänze. Gemelli-Careri berichtet überhaupt von ihnen, dass sie bis auf eine dürftige Bedeckung der Schamtheile nackt gingen, und ihre Wohnungen nach der Jahreszeit veränderten, weil sie sich blos von wildwachsenden Früchten nährten. Den Christen verkauften sie Wachs, wofür sie Nägel, Messer, Nadeln und Zeug erhielten. Es ist diess ein Bild, das, auch auf Negritos angewendet, vollkommen treffend wäre, und dennoch ersieht man, dass Careri sie scharf von den Negritos zu trennen weiss. Auch Fray Juan de la Concepcion VII, 11, spricht von ihrer starken Zahl, welche in der jüngsten Zeit auf 30 000 Köpfe veranschlagt wird (Cavada II, 37). Im Äusseren sollen die Manguianen den (eigentlichen?) Malaien ähnlich sein (Waitz V, 100, nach Journal III, 758).Die Manguianen von Mindoro zerfallen wieder in kleinere Stämme, welche die Namen Buquit, Tadiaban, Bungon &c. führen. Einige dieser Stämme stehen in friedlichem Verkehre mit den Christen, andere aber, besonders jene tief im Innern des Landes, fliehen vor jeder Berührung mit den christlichen Küstenbewohnern (Cavada II, 37). Die Manguianen von Romblon lieben ein herumschweifendes und müssiges Leben und rauben den Christen Vieh (Cavada II, 127). Die Manguianen von Mindoro bestatten noch jetzt, wie alle philippinischen Malaien in den Tagen ihrer Unabhängigkeit, ihre Todten in Höhlen, am bekanntesten ist als solche Grabstätte eine grosse Höhle an der Ostküste der Insel (Semper, Erdk. XIII, 95).35. Mundos.Die Mundos sind wilde Bergvölker auf Cebú (Mozo 134) und Panay (Mozo, l. c. u. Hügel 367). Nach Hügel (l. c.) gleichen sie den Igorroten in „Allem”, was aber nach den genaueren Nachrichten Mozo’s nicht wahr ist, denn nach diesen theilen sie die Sitten und Bräuche der Tagalen und Visayer, und Hügel hat jenes „in Allem” wohl nur den Manilesen nachgesagt, die alle wilden Heiden „Igorrotes” tituliren, denn Panay hat Baron Hügel nicht besucht.Sie glauben an den Patianac, der uns schon von den Tagalen her bekannt ist, ihm schreiben sie es zu, wenn sie auf einem Pfade sich verirren. In diesem Falle entledigensie sich ihres ohnediess nur dürftigen Anzugs, denn der Patianac flieht vor den Nackten, und so können sie auf diese Weise den verlorenen Weg wiederfinden (Mozo 137). Um Diebe zu entdecken oder verlorene Sachen wiederzufinden, bedienen sie sich gewisser Zauberformeln, welche sie Bilao nennen (l. c.). Sie halten überhaupt viel auf Zauberei, weshalb unter ihnen auch zahlreiche Zauberer wohnen, welche sich in Crocodile oder andere Thiere verwandeln können und dann den Menschen viel Unheil zufügen (Mozo 135). Sie glauben an Behexung, „Gavay” genannt, von der man sich durch besondere Ceremonien, welche Mozo (Misiones 136) beschreibt, wieder befreien oder enthexen kann. Die Christen haben deshalb eine grosse Scheu vor diesen Wilden und wollen ihre Niederlassung in ihren Dörfern nicht dulden. Sie leiden sehr an Magenkrankheiten, „Bungsol” genannt (Mozo 136).Die Zahl der Mundos ist eine beträchtliche; 1848 zählte man nach Diaz Arenas allein in der Provinz Ilo-ilo (Insel Panay) 5000 Mundos. Nach eben demselben Autor leben unter ihnen viele Remontados. Es ist überhaupt noch fraglich, ob die Mundos ein selbständiger eigenartiger Stamm sind, ich vermuthe nach ihren abergläubischen Bräuchen, dass sie Visayer im Stadium der Vicol-Heiden vom Isaróg, Iriga, Caramuan &c. sind. Sie scheinen von Remontados und Negritos abzustammen (man vgl.Buzeta II, 103).36. Carolanen (Carolanos).Der Name dieses Stammes wird nur von Diaz Arenas erwähnt, nach welchem sie 1848 auf der Insel Negros in der Kopfzahl von 2322 in dem Gebirgszuge lebten, der sich von der Hauptstadt gegen Cauayan hin ausdehnt. Wahrscheinlich ist diess nur ein besonderer Name für einige Horden von Visayer-Heiden.37. Visayer (Visayas)24.Die Visayer bewohnen alle jene Inseln, welche südlich von Luzon, Masbato, Burías, Ticao und Mindoro und nördlich von Borneo, Sulu und Mindanao liegen. Auf letzterer Insel wird von ihnen auch die ganze Nord- und Ostküste bewohnt, jedoch streng genommen nur an derKüste. Im südlichen Theile von Palawan (Paragua der Spanier) scheinen andere Malaien bereits zu wohnen.Die Visayer-Sprache zerfällt in die Dialekte von Cebú, dem eigentlichen Visayer-Dialekt und jenem, der auf der Gruppe der Calamianen und Cuyos-Inseln gesprochen wird. Eine Unterabtheilung des Visayer-Dialektes sollen wieder der Dialekt von Süd-Panay, das Panayano, ferner der Dialekt von Capiz sein, doch widersprechen sich da die Nachrichten, und da ich der Visayer-Sprache unkundig, so will ich darüber hinweggehen. Nach ihren Sitten und Bräuchen zerfallen sie in die eigentlichen Visayer, in die Caragas und Calamianen incl. Coyuvos.a)Visayerim engeren Sinne des Wortes. Diese bewohnen die Inseln Panay, Romblon, Tablas, Masbate (sporadisch neben den Vicols), Negros, Cebú, Bóhol, Sámar, Leyte, den Surigao-Archipel und die Landschaft Dapitan der Provinz Misámis auf der Nordküste von Mindanao. Auf dem übrigen Theil der Nordküste von Mindanao (Misámis, Iligan, Cagayán und Butnan) wohnen zwar auch Visayer, aber sie sind mit den eingeborenen Stämmen sehr stark vermischt, doch bleibt ihre Sprache dort die herrschende. Am Meerbusen von Davao sind viele Visayer angesiedelt, welche die Spanier seit dem Jahre 1848, wo sie jenes Land occupirten, dorthin gebracht haben. Die Visayer sind nicht so weit im Archipel verstreut, wie die intelligenteren Tagalen, doch finden sich welche, meist Fischer, selbst auf den Babuyanen, besonders auf Camiguin25(Mas, pobl. 42). Die Visayer der Küstendistricte sind alle Christen und civilisirt, im Innern dieser Inseln leben sie aber als halbwilde Heiden, welche von jenen Visayern abstammen, die sich den Spaniern nicht unterwerfen wollten, und welche durch Remontados immer neuen Zuschuss erhielten und zum Theil noch erhalten. Ich werde zunächst mich mit den Christen befassen.Die Visayer waren zur Zeit der Conquista bereits ein civilisirtes Volk, das, entgegen den Ansichten der modernen spanischen Schriftsteller, welche ohne auf die ursprünglichen Quellenwerke zurückzugehen, über die Geschichte der Philippinen Essays schreiben, einen noch höheren Grad von Cultur besass als die Tagalen. Borneo, Mindanao und den Molukken näher gelegen als die Tagalen, standen sie auch mit diesen Ländern in regerer Verbindung, und diese mag auch die Ursache sein, dass ihr Typus dem der eigentlichen Malaien sich mehr nähert, als jenem der Tagalen. Im XVI. und XVII. Jahrhundert wurden sie von den Spaniern Pintados genannt, weil sie ihren Körper zu bemalen pflegten. Sie nahmen ohne besondere Schwierigkeiten das Christenthum an und halfen mit ihren Kriegern den Spaniern die Tagalen unterjochen.Ihre Hütten sind nach demselben Modell gebaut, wie jene der Tagalen, dagegen unterscheiden sie sich von letzteren durch Tracht und Gewandung. Während die Tagalen das Haar verschneiden, lassen auch die Männer bei den Visayern das Haar lang wachsen (Buzeta I, 242). Die Frauen tragen keinen Tapis, sondern nur die aus grobem aber durchscheinenden Guinara-Zeug verfertigte Saya und die kaum die Brüste bedeckende Camisa (Jagor, Reisen 188).Um das Haar schlingen die Frauen ein Stück Zeug (Buzeta, l. c.). Sie bauen alle Getreidesorten und Culturpflanzen, die auf Luzon cultivirt werden, Reis insbesondere auf Panay, Zucker auf Cebú, Bóhol, Negros, vorzüglichen Cacao auf Cebú, Tabak auf Cebú und Bóhol, Mais auf Cebú, Abacá auf Leyte, Kaffee in der Provinz Misámis auf Mindanao. Viel stärker als auf Luzon wird auch rother Pfeffer cultivirt, da die Visayer damit alle ihre Speisen, besonders aber die Morisqueta, stark würzen (Buzeta I, 33). Cocospflanzungen sind überall, Viehzucht wird lässig betrieben. Sie sind noch eifrigere Fischer als die Tagalen, der Fang von Trepang („Balate”), der hier häufigeren Manatis und Schildkröten liefert ihnen reichen Gewinn, desgleichen das Suchen der Schwalbennester (Buzeta, Mas, Semper, Cañamaque, Cavada a. v. St.).Von den Tagalen unterscheiden sie sich unangenehm durch ihre Unreinlichkeit (Jagor 188) und durch ihre Trunksucht (Cavada a. v. St.). Ihre alte Religion glich in vielen Punkten jener der Tagalen, auch sie kannten den Ahnencultus, nur wurden die Nonos und Anitos der Tagalen und Nord-Luzonier hier Diuatas oder Divatas genannt. Sie besassen Idole, Liche oder Laravan mit Namen. Ihre Priesterinnen hiessen Babaylanas, neben diesen waren auch Priester. Selbst unter den Christen erhielt sich der alte Glaube insgeheim, 1797 noch entdeckten die Mönche in dem seit der Conquista christlichen Pueblo Sibalon auf Panay (Provinz Antique) 180 Babaylanas (Buzeta I, 300). Selbst unter den Cabezas de Barangay auf Sámar gab es 1648 heimliche heidnische Priester (Tanner III, 544). Auch bei den Visayern war das Schwein das bevorzugte Opferthier.In den Zeiten der Conquista herrschte bei den Visayern die Polygamie. Das Christenthum beseitigte diese, nicht aber die grenzenlose Unsittlichkeit und Unzucht, über welche alle älteren Schriftsteller schauderhafte Details berichten (man vgl. vorzüglich:Morga-Stanley 304 und Carletti 148). Auch heute ist Ehebruch ungemein häufig, um so mehr, als die Gatten keine Eifersucht kennen, und wie in den Zeiten der Conquista, geben sich die Frauen viel leichter preis und sind auch viel geiler als die Mädchen (Jagor, Reisen 236). Der Freier dient, ähnlich wie bei den Tagalen es vordem häufiger üblich war, 2–5 Jahre dem Vater seiner Braut umsonst, ehe er diese als Gattin heimführt (Jagor 235). Francisco Cañamaque (Fil. 186 f.) beschreibt die Brautwerbung wie folgt: Der Freier geht mit einem angesehenen Manne seines Dorfes zu den Eltern seiner Auserwählten, und beide fragen letztere, ob sie zur Eheschliessung geneigt ist, worauf sie mit Ja antwortet. Das Herkommen erfordert es, dass die Braut hierbei des Leides gedenkt, das ihr die durch die Ehe nöthig werdende Trennung von den Eltern verursachen müsste. Die letzteren pflegen, selbst wenn sie wohlhabend sind, dem Freier zu erklären, sich wohl Alles zu erwägen, denn ihre Tochter habe kein Vermögen, besitze keine Kenntnisse und sei überdiess recht albern. Der Freier und sein Genosse wiederholen aber die Werbung immer von Neuem, bis der Vater einwilligt. Ist diess geschehen, so fangen die vor der Thüre versammelten Freunde des Freiers an, Raketen steigen zu lassen und Musikinstrumente zu bearbeiten, andere gehen in das Haus hinein, überreichen süsse Bäckereien, Tabak, Buyo &c. Nach der kirchlichen Trauung durcheilt die junge Frau, begleitet von Freundinnen, die Gassen des Dorfes, um alle Verwandten und Freunde zu einer Chocoladegesellschaft (mit Tanz und Gesang) einzuladen. Wenn die Jungfräulichkeit der soeben Getrauten über allem Zweifel erhaben ist, so tanzen die beiden Gatten zusammen einen Tanz, worauf die geladenen männlichen Gäste eine grosse Anzahl von Töpfen und Schüsseln, welche aber noch nie gebraucht worden sind, zu den Füssen des Paares zerbrechen und hinwerfen. Bei dem Hochzeitsmale essen zuerst die Frauen, nach diesen die geladenen Männer und dann erst die zum Hause Gehörigen, wobei die Sitte erfordert, dass jedes Mal ganz neue Gerichte auf den Tisch oder, richtiger gesagt, auf die über den Boden gelegte Matte, aufgetragen werden, selbst wenn grosse Speisequantitäten von der vorhergehenden Tafel übrig sind. — Die Ehen sind sehr fruchtbar, man zählt oft 12 bis 13 Kinder in einer Ehe, doch ist dafür auch die Kindersterblichkeit eine grosse (Jagor, Reisen 236).In ihren sonstigen Bräuchen und Sitten weichen sie nicht sehr von den Tagalen ab. Ihre Todten begruben sie in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit, ähnlich wie die Igorroten, in Höhlen, das hat natürlich unter dem Christenthum aufhören müssen. Wie die Tagalen feiern auch die Visayer ein neuntägiges Todtenfest, das am letzten Tage in einer eigenthümlichen Weise seinen Abschluss findet. Der beste Theil des Hauses wird schwarz ausgeschlagen und eine Art Thronhimmel in demselben errichtet, auf dessen Hintergrund 10 bis 12 Todtenköpfe gemalt oder solche aus Papier ausgeschnittene befestigt werden. Dann wird unter diesem Thronhimmel ein Katafalk aufgerichtet, der mit allen Heiligenbildern, die die Verwandtschaft der verstorbenen Personen auftreiben kann, beklebt wird. Um 8 Uhr Abends halten dann die Hinterbliebenen das letzte Gebet für den Verstorbenen ab, was eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, worauf das Haus für alle Eintretenden geöffnet wird. Speisen und Getränke stehen Jedem in reichlicher Fülle zur Verfügung. Ist der Magen der Anwesenden befriedigt, so werden von den Anwesenden improvisirte Coplas gesungen, deren Inhalt mit dem Todesfalle in gar keinem Zusammenhange steht, sondern sich meist um Schlachten oder fröhliche Dinge dreht. Diese Coplas werden nach einer durch eigenthümliche Regeln geordneten Weise, ähnlich wiebei dem deutschen Pfänderspiel „zusammengesetzte Hauptwörter”, von Burschen und Mädchen gesungen, welche als Theilnehmer dieses Spieles bellacos und bellacas26heissen, der Anführer des Chors heisst: Dueño de Jato27und das Spiel selbst Duplo28(Cañamaque, Fil. 180–185).Ihre Industrie beschränkt sich hauptsächlich auf Herstellung von groben Sinamay- und Nipis-Zeugen (Diaz Arenas 291). Einen besonderen Ruf geniessen die wunderbar feinen Piña-Gewebe, bei deren Herstellung Fenster und Thüren fest verschlossen bleiben müssen, da der geringste Luftzug hinreicht, die zarten Fäden zu zerreissen (Buzeta I, 211). Die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern wird denn auch in dem einzigen Hafen Ilo-ilo allein auf 1 000 000 Dollar geschätzt (Jagor 241). Die beste und feinste Piña wird in Antique gearbeitet (Scheidnagel 127). Durch Gährung wird aus den Cocosnüssen ein stinkendes Öl mit Namen aceite de caracoas oder mabajon lañgis bereitet (Buzeta I, 31), welches in grossen Massen ausgeführt wird. Bei der Ölgewinnung geht man sehr nachlässig vor (Jagor, Reisen 214). Sonst sind noch als Exportartikel der Visayer-Industrie Stöcke und Messergriffe aus Horn erwähnenswerth (Scheidnagel 128).Das Innere aller der von Visayern bewohnten Inseln ist von „wilden” Visayern, „Infieles, Montesinos, Cimarrones” der Spanier bewohnt. Diese stammen sämmtlich von Flüchtlingen ab, welche vor dem Christenthum und der spanischen Herrschaft in die Wälder flohen. Sie sind meist gutmüthiger Natur und beginnen allmählich, ihren Nacken unter das spanische Joch zu beugen, obwohl trotzdem noch Jahrzehnte verfliessen werden, ehe die Spanier Herren der Binnenlandschaften der Inseln werden, deren Küstensaum sie beherrschen.b)Calamianen. Die Calamianen bewohnen den gleichnamigen Archipel und den nördlichen Theil von Palawan oder Paragua, die von ihnen fast gar nicht verschiedenen Coyuvos die kleine Inselgruppe von Cuyo. Die sogenannten Agutainos bilden die nördliche Hälfte derCoyuvos. Die Calamianen sind dunkler gefärbt als die übrigen Visayer und haben etwas krauses Haar (Waitz V, 98;nach Mallat I, 335 und Crawfurd), was auf eine Beimischung von Negritoblut hindeuten würde. Ihre Gesichtszüge sollen einen wilden Ausdruck besitzen (Bastian V, 274). Sie bauen Reis, Cacao, Kaffee, Baumwolle und Pfeffer, aber Alles in so geringen Quantitäten, dass nicht einmal der heimische Bedarf damit gedeckt wird (Buzeta I, 452). Desto eifriger wird Fischfang getrieben (Cavada II, 21; Scheidnagel 45), besonders aber die Balate- oder Trepangfischerei; die Calamianen sind auch die eifrigsten und gewandtesten Sucher der essbaren Schwalbennester, weshalb ihre Länder als der Hauptsitz des Schwalbennesterhandels anzusehen sind (Buzeta I, 41;Cavada II, 21). Der Handel mit dem von den Wilden aus dem Gebirge eingetauschten Wachs und Honig wird eifrig betrieben. Sie werden als abergläubisch, indolent und faul geschildert, das „Remontarse” ist unter ihnen besonders häufig (Cavada, l. c.). Industrie existirt kaum dem Namen nach und beschränkt sich nur auf weibliche Webearbeiten.c)Caragas. Die Caragas bewohnen die Ostküste von Mindanao vom Cap Surigao bis zum Cap S. Augustin. Sie gehören zu dem kriegerischsten Stamme der Visayer, ihre wilde Tapferkeit machten sich die Spanier in jenen grossen Kriegen zu nutze, welche sie im XVII. Jahrhundert gegen die Holländer und die Sultane von Buhayan, Mindanao und Sulu führten. Von ihrem kriegerischen Wesen zeugt die noch zu Ende des XVII. Jahrhunderts übliche Sitte, dass wer von ihnen sieben Menschen getödtet hatte, das Recht erhielt, einen rothen Turban zu tragen. Dieser Turban führte den Namen Bajacho. Natürlich hat diese Sitte seit lange bereits aufgehört. Die heutigen Caragas, seit drei Jahrhunderten Christen, unterscheiden sich jetzt wenig von den übrigen Visayern. Ihr Hauptnahrungszweig ist die Fischerei, dann erst der Reisbau; Industrie gering.
30. Catalanganen.Die Catalanganen sind nur ein Zweig der Irayas, verdienen aber eine Sonderstellung, weil sie in ihren Sitten, Bräuchen und Anschauungen von den letzteren gänzlich abweichen. Ihren Namen erhielten sie von dem Rio Catalangan, einem rechten Zuflusse des Rio Grande de Cagayán, an dessen Ufern ihre Hauptsitze zu suchen sind (Provinz Isabela).Prof. Semper hält sie für stark mit chinesischem Blute gemischt und bemerkt hierüber: „Die Abstammung von der mongolischen Rasse liess sich auf den ersten Blick erkennen, an dem hohen Körperbau der Leute, dem länglichen schmalen Gesichte mit stark zurücktretendem Kinn und der hohen, von Haarwuchs freien, aber sehr nach hinten gekrümmten Stirn, an den starken Backenknochen und den kleinen Augen” (Erdk. X, 257). Innere historische Gründe sprechen gegen eine starke Beimischung chinesischen Blutes. Semper nimmt auch Mengung mit Japanen oder wenigstens starken japanischen Einfluss an (Semper, Erdk. X, 265, und Skizzen 55). Unter den Catalanganen leben friedlich Negritos (Semper, Erdk. X, 260;Cavada I, 81). Was die günstigen Seiten ihres Charakters anbelangt, so werden ihre Friedfertigkeit, welche aber nur ihrer grossen Feigheit zu verdanken ist, ihre Ordnungsliebe, Subordination, Nüchternheit und Frugalität gerühmt, ihnen dagegen aber Habsucht, Geiz, Indolenz, Ungastlichkeit &c. vorgeworfen (Semper, Erdk. X, 261). In Bezug auf letzteres hebt Cavada gerade das Gegentheil hervor, vielleicht im Irrthume begriffen, indem er die Irayas meinte, oder es hat seit Semper’s Besuch ein Umschwung Statt gefunden.Sie tätowiren sich, die Muster sind chinesischen oder japanischen Ursprunges (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 55), nach einer anderen Stelle (Semper, Erdk. X, 254) aber vonderselben Art, wie sie bei den Negritos üblich ist. Die Männer und Weiber tragen eine ähnliche Kleidung wie die „Indier”, d. h. die christlichen Malaien. Um den Leib über Hüften und Nabel werden buntgefärbte geflochtene Bänder und Messingstreifen getragen (Semper, Erdk. X, 260). Ausserdem tragen Männer und Weiber einen Gürtel mit einer dicken Patronentasche, welche rückwärts hängt und in welcher der Buyo, der von ihnen auch mit Leidenschaft gekaut wird, sich befindet (l. c.). Diese Tasche dient auch als Stützpunkt für die kleinen Kinder, welche mittelst eines Zeuges von der Mutter auf dem Rücken nach Zigeunerart getragen werden (l. c.).Ihre Schmucksachen gleichen denen der Negritos (Semper, Erdk. X, 260). Am Arme und in den Ohren tragen sie Messingringe, in einem Ohre mitunter 6 Ringe, wodurch die Ohrlappen eine unnatürliche Verlängerung erleiden (l. c.). Auch Glasperlen, Ohrgehänge aus Silber oder schlecht vergoldetem Kupfer kaufen sie gern von christlichen und chinesischen Krämern ein (Semper, Erdk. X, 259). Ihre Waffen sind Bogen und Pfeile (l. c. 261).Ihre Rancherías bestehen nur aus wenigen Hütten, und diese selbst liegen weit auseinander, so dass selbst die grössten Dörfer nicht mehr als 20 bis 30 Hütten zählen (Semper, Erdk. X, 258). Die Hütten stehen auf Pfählen, so dass man nur auf einer Leiter in das Innere gelangen kann; in der Nacht wird die Leiter aufgezogen. Die Dächer sind sehr dicht und solid aus Gras oder Rohr über dem Gebälke hergestellt (Semper, Erdk. X, 260, u. Skizzen 54). Das Innere der Hütte wird nur durch eine Schwelle in Küche und Wohnzimmer geschieden, der Rauch muss sich durch die Thüre und durch die Fensterluken (selten mehr als zwei) den Ausweg suchen (Erdk. X, 259). Oft ist an das übrigens kleine und niedrige Haus eine ebenso armselige Scheune angebaut (l. c.), und wenige Hütten giebt es, welche ohne eine Schmiede wären, die stets den Ahnen, den Anitos, geheiligt ist (l. c. 262). Neben dem Hause liegen gewöhnlich zwei Scheunen, eine für den Reis, die andere für den Mais (l. c. 257), ebenso sind auch in der nächsten Nähe kleine Götterhäuschen angebracht (l. c.). Die Hütten selbst liegen auf freien, sorgfältig reingehaltenen (man denke an den Igorrotenschmutz!) Plätzen (l. c. 256), selbst der unter dem Hause befindliche freie Raum wird sauber gefegt (Semper, Skizzen 55).Die Catalanganen sind Ackerbauer, und zwar sind wie bei den Apayaos Mais und Reis diejenigen Feldfrüchte, welche nahezu ausschliesslich cultivirt werden (Semper, Erdk. X, 257). Ausserdem bauen sie Zuckerrohr, einen trefflichen Tabak, die Wurzeln: Samate, Ubi, Gabe oder Gabi (l. c. 258), letztere ist uns schon bekannt, überdiess wird noch ein Strauch „Tubá” gezogen, dessen gepulverte Frucht zum Betäuben der Fische verwendet wird (l. c. 259). Sie zeichnen sich durch die Sorgfalt aus, mit der sie ihre Äcker von Baumstümpfen, Steinen und Unkraut reinigen (l. c. 257;Semper, Skizzen 54). Ihr Fleiss ist schon dadurch gekennzeichnet, dass sie—wenigstens vor zwanzig Jahren—nur in einer einzigen Ranchería Büffel besassen und zur Feldarbeit benutzen konnten, während in allen übrigen Dörfern nur Menschenhände zur Verfügung standen (Semper, Erdk. X, 258, Skizzen 54). Da sie keine Werkzeuge zum Säen und Ernten besitzen, so müssen sie bei der Ernte mühsam jeden Halm mit einem kleinen Messer abschneiden (Semper, Skizzen 54). Durch Anlage von Dämmen suchen sie ihre Felder vor Überschwemmungen zu sichern (Semper, Skizzen 56). Durch Aufspeichern grosser Getreidevorräthe haben sie sich für die Zeiten der Hungersnoth, der Missernte &c. geschützt, werden aber durch diese weise Vorsicht geizig und ungastlich, sie weigern sich sogar, etwas von ihren Vorräthen zu verkaufen (Semper, Erdk. X, 257, u. Skizzen 55). Ausser den Früchten ihrer Felder bildet Honig auch einen Hauptbestandtheil ihrer Nahrung, während sie das Wachs wie alle Bergstämme an die Christen verkaufen (Semper, Erdk. X, 258). Da ihre Flüsse und Bäche von Fischen wimmeln, so liefert das Fleisch derselben nicht nur ihre wichtigste animalische Kost, sie sind vielmehr in der Lage, selbst von ihrem Überflusse an die Christen etwas zu verkaufen und zwar sind es meist gesalzene Fische, welche der Gegenstand dieses regen Handelsverkehrs sind (Semper, Erdk. l. c.). Der Fischfang selbst findet auf alle mögliche Weise Statt: das Betäuben der Fische durch die Tuba-Frucht, das Ausspannen von Grundnetzen, die Benutzung von Angeln, Fischreusen, das Sperren, alle diese Methoden werden nebeneinander angewendet (Semper, Erdk. 258 n. f.;Skizzen 57).Ihre Religion kennt zwei Götterpaare, welchen zu Ehren grosse hölzerne Tafeln unter dem Dache der Thür gegenüber schräg befestigt werden, auf den Tafeln sind Schriftzeichen angebracht, „die sehr an chinesische erinnerten” (Semper, Erdk. X, 261). Die Namen dieser Götterpaare sind: Tschiehónau18mit einer Frau Bebenángan und Sialó mit seinem Weibe Binalínga. Sie scheinen auch Götteridole zu besitzen, wenigstens erwähnt Semper, er hätte in einem Hause das geschnitzte Bild eines Gottes gesehen (Semper, Erdk. l. c.). Im Juni wird diesen Götterpaaren zu Ehren in einem ihrer Dörfer ein Fest gefeiert, in jener Ranchería ist ihnen nämlich ein Haus geweiht, „worin der letzte Priester Hantasan und sein Weib Talamajäu19gewohnt haben”; seit dem Tode dieses Priesterpaares kennen dieCatalanganen keine Priester mehr (Semper, Erdk. X, 261). Es wäre sehr interessant, wenn wir über diese Sage mehr in Erfahrung brächten.Wie bei allen Malaien der Philippinen wird auch hier den Seelen der Ahnen, den Anitos, eine grössere Verehrung erwiesen, als den eigentlichen Göttern. Anito wird die Seele eines jeden Todten, der zu seinen Lebzeiten Grossvaterfreuden erlebte (Semper, Erdk. X, 262). Der Anito behält auch als solcher den Namen, den er einst als Mensch getragen. Vor den Hütten werden den ältesten Anitos der Familie rohe Hausmodelle von 1½ bis 2 Fuss Höhe als Wohnsitz angewiesen, dem ältesten Anito aber ist „der kleine freie Platz vor der Leiter, auf dem der Pilan (Reismörser) steht, geweiht; er darf weder durch Feuer noch durch Essen entweiht werden” (Semper, Erdk. X, 262). Jüngeren Anitos sind eigenthümlich geformte Bänke, auf denen dem Chinesischen ähnliche Schriftzeichen eingeritzt sind (Semper, Erdk. l. c.), geweiht. Anderen Anitos sind als Sitze Töpfe in irgend einer Ecke aufgestellt (Semper, Erdk. l. c. u. Skizzen 56). Die Catalanganen heben die Perlenschnüre und Schmucksachen ihrer Verstorbenen als wunderthätige Reliquien auf und verkaufen sie, ähnlich den Apayaos, um keinen Preis (Erdk. l. c.). Von jeder Schüssel wird beim Speisen den Anitos ein Theil geopfert, während aber bei einigen Stämmen Luzons ein kleiner Rest zu dieser Art Libation verwendet wird, pflegen die Catalanganen diess Opfer zu bringen, bevor sie zu essen beginnen (Semper, Erdk. X, 263). Ähnlich den anderen Bergstämmen feiern sie den Anitos zu Ehren zur Saat- und Erntezeit allgemeine Feste (l. c.).Ihre religiösen und nationalen Feste richten sich nach dem Laufe der Sonne (Semper, Skizzen 57). Bei diesen Festlichkeiten bildet Tanzen einen wichtigenProgrammpunkt. Ihre Tänze sind pantomimische Darstellungen der Liebe, und so tritt immer nureinPaar auf: die Tänzerin dreht sich mit unbeweglich ausgestreckten Armen um sich selbst, während der Mann wie rasend mit den Armen herumfuchtelt und das Weib stampfend umkreist. Sinkt der Tänzer erschöpft zur Erde, so tritt sofort ein anderer für ihn ein. Ihre nationalen Musikinstrumente sind Gongs, welche mit flachen Händen bearbeitet werden. Ausser diesen Liebestänzen besitzen sie auch einen Kriegstanz (Semper, Erdk. X, 263).Die ehelichen Bande sind leicht zu lösen: sind Eheleute gegenseitig unzufrieden, so gehen die Gatten ohne jeden Ceremonienkram auseinander und schliessen neue Ehen; trotz dieser Leichtigkeit der Ehescheidung kommen solche Fälle nur selten vor (Semper, Erdk. X, 264).Die Särge sind an beiden Enden offen; die Todten werden in ihren Kleidern und Schmucksachen in diese Särge gelegt, auch Habseligkeiten werden mit hineingegeben. Unter grossem Heulen und Wehklagen der Hinterbliebenen wird der Sarg unter dem Hause in die Erde gesenkt, bemerkenswerth ist, dass bei dieser Gelegenheit die Trauernden um das Grab herum knieen (Semper, Erdk. X, 263). Die Leichenfeier wird mit einem Festschmause geschlossen (l. c. 264).Prof. C. Semper rühmt ihnen Achtung vor dem Eigenthume nach: Diebstahl wird mit dem Feuertode bestraft (Semper l. c. 261).Sehen wir von dem Flechten von Matten ab, so ist der wichtigste Zweig ihrer Industrie die Verfertigung von Booten, welche sie an Christen und chinesische Händler in Ilagán um einen geringen Preis verkaufen (Semper, Erdk. X, 259).Seit 30 Jahren sind sie der spanischen Regierung unterthan, doch begnügt sich diese mit der Einhebung einer kleinen Kopfsteuer (dem „Reconocimiento”), welche ein Commissär jährlich einhebt. Die Spanier haben in jedem Dorfe einen Gemeindevorsteher, den Gobernadorcillo, durch Scheinwahl eingesetzt; diese Gobernadorcillos haben aber in ihrem Dorfe weder Ansehen noch Macht, nur ihre Eitelkeit kann sich durch das Tragen des silberbeschlagenen Amtsstockes und einer dunklen Jacke befriedigt fühlen und sie so für die Lasten und Verantwortlichkeiten entschädigen, die sie den spanischen Behörden gegenüber übernehmen (Semper, Erdk. X, 264).31. Irayas.Die Irayas wohnen südlich von den Catalanganen, hauptsächlich an der Westseite der Cordillere von Palanan. Auch über sie berichtet, wie über den Bruderstamm der Catalanganen Prof. Semper auf das Ausführlichste. In ihren Adern rollt eine starke Dosis Negritoblut (Semper, Skizzen 51 u. 54), was kein Wunder ist, da unter ihnen „zu einer Familie verbunden” Negritos leben und Mischlinge beider Rassen vorhanden sind (Semper, Erdk. X, 255 u. 264). Obwohl sie nun zum Theile stark mit Negritoblut inficirt sind, so fand doch Semper Anklänge an eine „Abstammung von einem mongolischen Stamm”, man sieht aber trotzdem „unter ihnen mehr Leute, die sich dem tagalischen Typus nähern” (Semper, Erdk. X, 264). Ihre aus geraden und krummen20Linien bestehenden Tätowirungsmuster, ferner Schmucksachen und Verzierungen sind dieselben, wie wir sie bei den Negritos jener Gegend vorgefunden haben (Semper, Erdk. X, 254 u. Skizzen 55).Ihre Hütten sind unsolid und schleuderhaft gebaut, vor Wind und Wetter schlecht verwahrt (Semper, Skizzen 54), ganz im Gegentheil zu der Reinlichkeitsliebe der Catalanganen wird aller Unrath unmittelbar vor das Haus geworfen(Semper, Erdk. X, 264). Sie bauen Zuckerrohr und Reis (Erdk. X, 265), bei ihrer Trägheit werden aber die Felder schlecht bestellt, liefern daher im Vergleiche zu denen der Catalanganen einen geringen Ertrag (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54), trotzdem speichern auch sie Vorräthe für schlimme Zeiten auf (Semper, Skizzen 57). Als Hausthier und Mitarbeiter für die Reisfelder wird allgemein der Büffel gehalten (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54). Wie bei den Catalanganen, liefern auch ihnen Flüsse und Bäche reichliche Fischkost.Ihre Religion beschränkt sich auf den Anitocultus allein (Semper, Erdk. X, 265), die Götterpaare der Catalanganen fehlen ihnen (l. c.). Ob sie sonst andere Götter besitzen, ist nicht auszuschliessen, die Bemerkung, welche Semper an einer anderen Stelle (Erdk. XIII, 94) macht, dass nämlich die Religion der Irayas jener der Igorroten ähnlich sei, lässt diese Deutung zu.Im Gegensatze zu den düsteren und ungastlichen Catalanganen sind die Irayas ein fröhliches heiteres Völkchen, dessen Gastfreundlichkeit nicht nur Negritos, sondern auch jene flüchtige Christen („Remontados”) und entlaufene Verbrecher freundlich aufnimmt (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 54 u. 55). Die Zahl der Christen, welche unter ihnen lebte, schätzte Semper vor zwanzig Jahren auf 200 Köpfe (Semper, Erdk. X, 256). Die unter ihnen lebenden Negritos hattenAckerbau, Religion und Kleidung der Irayas angenommen (l. c.).Die Irayas stehen in demselben losen Abhängigkeitsverhältniss zur spanischen Regierung, wie die Catalanganen, wie sie denn auch das Institut der Gobernadorcillos besitzen (Semper, Erdk. X, 266).32. Catabanganen (Catabanganes).Die Catubanganen sind ein wilder Bergstamm in den Gebirgswildnissen von Guinayangan in der Provinz Tayabas. Sie werden, so viel mir bekannt ist, nur von Cavada I, 198, erwähnt, welcher von ihnen nichts Anderes berichtet, als dass ihre Sitten jenen der Negritos (welche ebenfalls in jenen Bergen hausen) gleichen, und dass sie die christlichen Ortschaften beständig überfallen, um Vieh und Getreide zu rauben. Die dürftige Notiz ist Alles, und es lässt sich unmöglich darnach entscheiden, ob wir hier die Trümmer eines grösseren selbständigen Stammes oder verwilderte Abkömmlinge von Remontados mit Negritoblut gemengt vor uns haben. Vielleicht dürfte das letztere das Wahrscheinlichere sein.33. Vicols21.Die Vicols bewohnen den südlichsten Theil Luzons, im Norden beginnt die Sprachgrenze an der Ostküste bei Paracáli und Mambuláo in der Provinz Camarínes Norte, an der Westküste aber schon bei den östlichen Gestaden der Provinz Tayabas, so dass die Vicols in Camarínes Norte die Hauptmasse, in Tayabas aber nur einen Bruchtheil der Bevölkerung ausmachen. Camarínes Sur, Albay, ferner die Inseln Masbate, Ticáo, Burías und die Inselgruppe der Catanduanes werden von ihnen ausschliesslich bewohnt.Die Vicols gehören wie die Tagalen, Pampangos &c. zu jenen Malaienstämmen Luzons, welche schon in den Tagen der Conquista eine gewisse Civilisation aufzuweisen hatten, sie sind auch die ersten Bewohner Luzons, welche (in Albay zunächst) sich, und zwar im Jahre 1569, den Spaniern unterwarfen. Von den wenigen „wilden” Stämmen, welche in den Bergen von Camarínes hausen, will ich am Schlusse dieses Artikels Näheres mittheilen und mich vorerst mit den civilisirten christlichen Vicol-Malaien beschäftigen.Obwohl von kräftigem Körperbau (Buzeta I, 281), stehen sie dennoch physisch wie geistig den Tagalen nach (Jagor, Reisen 120). Sie besitzen nicht den stolzen kriegerischen Geist der Bewohner Nord-Luzons, sie sind vielmehr friedfertig und demüthig (Cavada I, 213 u. 221). Obwohl im Allgemeinen arbeitsam, so besitzen sie dennoch nicht jene ausgebreitete Hausindustrie, welche wir bei den Tagalen vorgefunden haben. Insbesondere unterscheiden sie sich von letzteren durch ihre grosse Unreinlichkeit, die vorzüglich im Süden in die Augen fällt, zumal, wenn in den betreffenden Orten kein weisser Pfarrer stationirt ist (Jagor, Reisen 105). Hautkrankheiten und Krätze sind deshalb sehr verbreitet (Jagor, Reisen 130). Dr. Jagor schreibt (Reisen 145): „Ich glaube kaum, hier (Mambulao) eine Indierin ohne Krätzflecke gesehen zu haben”.Ihre Hütten weichen in ihrer Bauart nicht von denen der Tagalen ab, doch wird gewöhnlich das leichteste Rohrmaterial zum Bau vorgezogen, was in der Häufigkeit und Intensität, mit der hier die Erdbeben auftreten, seine Erklärung findet. Der Bau eines Hauses in Camarínes incl. Material kostet nicht mehr als vier bis fünf Dollar (Jagor, Reisen 125). Die Möbel beschränken sich wie bei den anderen Malaien meist nur auf Matten. Das Innere der Häuser wird bei den Vicols bei Armen durch Harzfackeln erleuchtet, während Reichere zu diesem Zwecke sich jener Lampen bedienen, welche auch den Tagalen bekannt sind und aus einer grossen Schnecke mit eingelegtem Binsendochte bestehen (Jagor, Reisen 127).Als der holländische Corsar Noort 1600 vor Camarínes anlangte, fand er die meisten der Bewohner fast nackt vor und die „Vornehmsten, welche von den ehemaligen Landesfürsten herstammeten, hatten sich allerlei künstliche Figuren in die Hautgeritzet” (Allgem. Historie der Reisen XI, 369). Auch die Bewohner der Catanduanesbemalten sich, trugen jedoch ein ärmelloses Gewand (l. c. 398). Die heutige Tracht der Vicol-Malaien ist decenter, die Tracht der Männer gleicht so ziemlich jener der Tagalen, wohingegen die Frauen sich ganz anders als die Tagalinnen kleiden. Vor Allem fehlt hier der Tapis und die Saya (Buzeta I, 281), an Stelle derselben tritt der Patadíon, ein Frauenrock, der von der Hüfte bis zu den Knöcheln reicht, dann ein kurzes Hemd aus Guinara-Stoff (Zeug aus Abacáfasern) und ein Umhängtuch; im Haare wird ein Kamm getragen (Jagor, Reisen 127). Statt des einfachen Waldmessers der übrigen Malaien Luzons tragen die Vicols den geflammten Kris der mohammedanischen Malaien der Sunda (Scheidnagel 123).Die Vicols bauen dieselben Getreidearten22und Culturpflanzen wie die Tagalen, die grösste Sorgfalt wird aber dem Abacá- oder Manila-Hanf zugewendet, denn in Camarínes und Albay gedeiht diese für den Exporthandel der Philippinen so ungemein wichtige Pflanze am besten. Herr von Scherzer (Novara-Reise I, 598) schreibt darüber wie folgt: Um den Abacá-Hanf zu gewinnen, wird der Stamm, sobald die Fruchtkolben, zum Vorschein kommen, von den mächtigen Blättern gereinigt und bleibt etwa 3 Tage hindurch der Gährung ausgesetzt. Hierauf wird derselbe in Stücke abgeschält, und diese werden unter Anwendung eines entsprechenden Druckes zwischen zwei Eisen durchgezogen, um den durch die Gährung mürbe gewordenen Bast von den zum Vorschein kommenden Hanffasern zu entfernen. Dieses Verfahren wird so lange fortgesetzt, bis letztere rein genug erscheinen, um an der Sonne getrocknet zu werden.Aus den Fächerpalmen wird in der Weise Zucker gewonnen, dass das obere Ende des Stammes quer abgeschnitten wird, und zwar mit etwas geneigter Schnittfläche. Aus der Wunde quillt der zuckerhaltige Saft (täglich 10 Quart), aus welchem der Zucker durch Einkochen gewonnen wird; eine Palme liefert einen Reingewinn von 5 Mark, der Baum geht aber auch ein (Jagor, Reisen 155 f.).Auch Cacao wird vielfach gepflanzt, wenn auch nicht sorglich gepflegt. Die Vicols geniessen die Chocolade, indem sie ihr geröstete Pilikerne zusetzen (Jagor, Reisen 79). Da ein grosser Theil des besiedelten Landes von Sumpfstrecken durchsetzt ist, und überdiess in der Regenzeit selbst die Strassen versumpfen, so sind die Vicols auf die Construction eines Transportmittels verfallen, welches ihnen die Fortschaffung von Lasten selbst im Sumpfgebiete gestattet. Es ist diess die Pavavá (man vgl. die Abbildung inJagor, Reisen 118), welche aus zwei parallelen Stangen besteht, die an ihren Obertheilen einen gedeckten Kasten tragen. Die unteren Enden der beiden Stangen schleifen auf der Erde, die oberen ruhen hüftehoch über der Erde auf der Gabeldeichsel, deren untere Enden sich ebenfalls nach hinten verlängern, so dass, wenn der Büffel diese schlittenartige Pavavá durch tiefen Sumpfbrei schleift, die zwei unteren Enden jener Parallelstangen und die zwei hinteren Enden der Doppel-Deichsel die Last tragen. — Die Vicols besitzen zwar einen reichen Viehstand, kümmern sich aber nicht einmal um die Fütterung ihrer Thiere (Jagor, Reisen 123). Fischfang wird auch hier fleissig betrieben, sie benutzen hierzu die faustgrossen Früchte einer Barringtonie, indem sie wegen ihres geringen specifischen Gewichtes statt des Korkes bei den Netzen verwendet wird oder indem man ihre betäubende Eigenschaft durch Ausstreuen pulverisirter Früchte benutzt (Jagor, Reisen 152).In ihren Sitten und Bräuchen fällt zunächst der Umstand auf, dass sie nicht so leidenschaftliche Raucher sind, wie die übrigen Luzonier, sie geniessen lieber den Tabak in der Weise, dass sie die Cigarren mit dem Buyo zusammen kauen (Jagor, Reisen 127), obwohl ausserdem noch genug geraucht wird. Über ihre Bräuche bei Geburten &c., ihren Aberglauben ist mir Nichts bekannt. Dr. Jagor (Reisen 130) erwähnt, dass die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes unter dem Namen Triaca — aus Theriacum — als Universalmittel gegen Schlangen- und Hundebiss angesehen werden. Von ihren Gespenstern sei der Calapitnan, der Herr der Fledermäuse, erwähnt, der in der prachtvollen Tropfsteinhöhle bei Libmanan (Camarínes Norte) seinen Sitz aufgeschlagen hat (Jagor, Reisen 138). Obwohl seit drei Jahrhunderten Christen, sind sie nicht nur sehr abergläubisch, sondern auch lau in der Beobachtung der kirchlichen Vorschriften (Cavada a. v. St.).Ihre nicht grosse Industrie befasst sich meist nur mit feinen Webwaaren und Stickereien (Scheidnagel 24), die Sinamay- und Nipis-Zeuge von Camarínes rangiren an Güte unmittelbar nach denen von Ilócos Diaz (Arenas 291).Vicol-Heiden.Ausser den christlichen und civilisirten Vicols wohnen in den Provinzen Camarínes Norte y Sur und Albay auch noch hie und da in den Gebirgswildnissen zerstreut Horden von heidnischen halb- oder ganz-„wilden” Vicol-Malaien, welche von den Spaniern fälschlich Igorroten (neben „Cimarrones”) genannt werden. Sie sind allem Anscheine nach Abkömmlinge jener Malaien, welche in den Zeiten der Conquista vor dem spanischen Joche in die ungangbaren Bergwälder flohen und dann auch späterhin durch dem Steuerdruck sich entziehende Vicols, also durch „Remontados” frischen Nachschub erhielten. Waren doch die faulen Vicols stets geneigt, den lästigen Frohnden und der strengen Kirchendisciplin sich durch die Flucht in die Gebirgswälder zu entziehen, wir wissen ja, dass in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts das Innere der InselMasbate eine dichte Bevölkerung von solchen Flüchtlingen, die selbst von Luzon aus dort ihr Asyl gesucht hatten, besass (Fray Juan de la Concepcion VIII, 142). Selbst heute noch kommt dieses „remontarse” (sich in die Berge flüchten) häufig vor, die kleinen unbewohnten Inseln an der Küste von Camarínes Norte beherbergen oft zahlreiche solche Flüchtlinge—„los marítimos” genannt (Cavada II, 447)—, bis der Hunger oder der Arm der Behörde sie wieder zur Rückkehr in die Heimath zwingt. In den ersten Jahrhunderten der spanischen Herrschaft, beständig wie ein Wild gehetzt, sanken sie zu nomadisirenden Horden herab, die keine feste Niederlassung besassen, und in dieser Periode ihrer Entwickelung scheinen sie mit den ein ähnliches Leben führenden Negritos engere Beziehungen angeknüpft zu haben, wenigstens weist Jagor (Reisen 106) bei den Heiden vonIsarógnach, dass sie Mischlinge von Vicol-Malaien und Negritos wären.Solche Vicol-Heiden leben um die Vulcane Isaróg, Iriga, um Buhi, um den Vulcan Mazaraga, in der Cordillere von Caramuan, in der Nähe der Orte Libog und Tabaco. Aus dem Jahre 1848 liegt uns bei Diaz Arenas sogar eine Schätzung der Zahl dieser Heiden, und zwar jener der Provinz Camarínes Norte vor; darnach gab es dort in jenem Jahre: 3703 die Oberhoheit der spanischen Krone anerkennende „Infieles”, 8000 Cimarrones del Isaróg, 500 Cimarrones del Iriga, 300 Cimarrones de Buhi und 4000 Cimarrones der Cordillere von Caramuan. Die Zahlenangabe bezüglich der Heiden vom Isaróg ist offenbar ein Druckfehler, die Zahl scheint mir zu hochgegriffen zu sein. Ich will nun die einzelnen Horden näher in Betrachtung ziehen.Da mir über die Heiden der Cordillere von Caramuan nichts Näheres bekannt ist, so gehe ich sofort zu den Heiden vom Isaróg über. Diese wohnen bei dem genannten Vulcane in der Nähe der Pueblos Goa, Pili, Lagonoy, Bula, Quipayo &c. Sie sind zahlreich, in den drei Rancherías von Mahaluas (Magarao?), Siano und Paltoc sollen allein 2000(?) leben (Cavada I, 213). Nach Jagor (Reisen 163 u. 168) ist ihre Zahl durch Kämpfe mit den spanischen Finanzwachsoldaten und durch Fehden untereinander im Abnehmen begriffen. Jetzt haben die Kämpfe mit den Spaniern aufgehört, indem diese den Heiden den Ertrag ihrer Tabakfelder abkaufen (l. c. 164), und andererseits durch die liebenswürdige und hochherzige Verwendung des Dr. F. Jagor ihnen von der spanischen Regierung eine Anzahl von Begünstigungen zu Theil wurden. Jagor (l. c. 162) erwähnt von ihnen: „Sie sind es, die nach dem Urtheil des Pfarrers von Camarínes die Vicol-Sprache am reinsten sprechen. Ihre Sitten und Gebräuche sind in vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, welche noch heute bei den Dayaks herrschen”. An letztere erinnert auch die freilich im Erlöschen begriffene Sitte, den, wenn auch natürlichen Tod eines Verwandten, durch die Ermordung des ersten besten Fremden zu rächen (l. c. 171), da aber dem Ermordeten der Kopf nicht abgeschlagen wird, so ist diess eher auf ein Herübernehmen des ähnlichen Negritobrauches zurückzuführen, denn die Heiden vom Iriga beweisen durch eine leichte Kräuselung ihres Haares (l. c. 170), dass auch Negritoblut in ihren Adern rollt. Einen Schädel, der von einem erschlagenen Heiden vom Isaróg herrührte, erklärte Prof. Virchow in gewissen Beziehungen ähnlich mit den Malaien-Schädeln von den Sunda-Inseln, noch mehr aber mit Dayak-Schädeln (Jagor 169 u. 92). Die in der Nähe von Quipayo hausenden Isaróg-Heiden haben keine festen Niederlassungen, sondern schweifen wie die Negritos unablässig herum (Cavada I, 213), die anderen aber besitzen Hütten, welche hie und da vereinzelt im Walde stehen (Cavada I, 213 u. 221), nur diejenigen, welche der spanischen Regierung unterthan geworden, wurden gezwungen, in kleinen Weilern, deren Hütten aber auch weit auseinanderliegen, zu wohnen (Jagor, Reisen 163). Den Zugang zu ihren Hütten schützen sie durch Fussangeln oder Fusslanzen, welche mit Blättern und Reisig geschickt verdeckt sind (l. c. 166). In der Gestalt und Bauart unterscheiden sich ihre Hütten in Nichts von denen armer Vicol-Christen (l. c. 167). Sie bauen Bataten, Caladium, Mais, Zuckerrohr, Tabak (Jagor, Reisen 167;Cavada I, 213), und jene, welche in den oben erwähnten Rancherías Mahaluas, Siano und Paltoc leben, selbst Cacao, Abacá, Camote (Cavada, l. c.). Hausthiere sind Hunde, Katzen und Hühner (Jagor I, 168). Bei jenen Isaróg-Heiden, welche Dr. Jagor kennen lernte, waren die Weiber decent, wie christliche Indierinnen gekleidet (Jagor, Reisen 167), wogegen in jenen drei Rancherías die Weiber ebenso wie die Männer nur einen Lendenschurz tragen (Cavada I, 213). Ihre Waffen sind Pfeile, Lanzen, runde hölzerne Schilde am Rande mit Rotang beflochten und das Campilan-Waldmesser (Jagor, Reisen 169;Cavada, l. c.). Die Pfeile sind vergiftet (Cavada, l. c.). Während einige Horden die Christen durch Räuberüberfälle belästigen (Cavada I, 212), ist die Mehrzahl der Isaróg-Heiden mit denselben in freundlichem Verkehr, denen sie ihre Bodenproducte, ferner Honig, Wachs und Harze verkaufen (Jagor, Reisen 168;Cavada I, 213). Sie leben gewöhnlich nur mit einer Frau, obwohl Polygamie gestattet ist; die Frau wird um den Durchschnittspreis von 10 Waldmessern und 10 bis 12 Dollars baar gekauft (Jagor, Reisen 171). Der Vater der Braut veranstaltet einen Schmaus, bei dem grosse Mengen Palmwein vertilgt werden (Jagor, Reisen 172). Ihre musikalischen Instrumente sind Laute, Guitarre nach spanischem Muster und Maultrommeln aus Bambusrohr (Jagor, Reisen 167).DieHeiden vom Irigasind dunkelbraune Mischlinge von Negritos und Indiern, obwohl nur einige krauses Haar besitzen (Jagor, Reisen 106). Ihre Hütten sind bequem gebaut (Jagor, l. c.) und mit einem Hausgeräthe versehen, welches aus Cocosnussschalen, Bambusgeräthe, irdenen Töpfen und Waffen besteht (Jagor, l. c. 107). Die Tracht der Männer beschränkt sich nur auf ein Schamband, während die Weiber einen Schurz tragen, der den Unterleib und die Oberschenkel, von der Hüfte bis zu den Knieen, deckt (Jagor, l. c.). Sie bauen einige Knollengewächse und etwas Zuckerrohr an (Jagor 106). Zur Jagd auf die Wildschweine dienen vergiftete Pfeile (Jagor 107), deren Gift aus zwei unbekannten Baumrinden bereitet wird. Das fertige Gift hat die Consistenz einer zähen Salbe. Für einen Pfeil braucht man nur ein haselnussgrosses Stück, worauf der vergiftete Pfeil mit seiner Wirkung für viele Schüsse ausreicht (Jagor 112). Mit den Christen unterhalten sie Handel und Verkehr.Die Heiden, welche beim Vulcane Mazaraga in einigen verstreuten Hütten wohnen, sind freundliche Leute (Jagor, Reisen 178). Dasselbe gilt für jene Horden, welche bei Libol und Tabaco in der Provinz Albay wohnen, sie stehen mit den Christen in Verbindung, ja einige lassen sogar ihre Kinder taufen (Cavada I, 221). Nach der Nummer 877 des „Comercio” (Manila, den 16. Aug. 1881) sind in jüngster Zeit in der „La Rinconada” (Provinz Camarínes Sur) neue Pueblos solcher „monteses” von der Colonial-Regierung gegründet worden. Die Ausbreitung der spanischen Herrschaft unter diesen Heiden scheint also Fortschritte zu machen.34. Manguianen (Manguianes).Unter dem Namen Manguianen sind die halbwilden Malaien-Stämme zu verstehen, welche das Innere der grossen Insel Mindoro und (nach Cavada II, 127) auch die Gebirgswildnisse der Inseln Romblon und Tablas bewohnen. Ob sie ein eigener Zweig der philippinischen Malaien sind, lässt sich nach den zwar zahlreichen, aber dürftigen und sich vielfach widersprechenden Notizen, die uns von diesen Wilden Nachricht geben, gar nicht entscheiden. Das eine aber scheint mir sicher zu stehen, dass sie mit den Tagalen Nichts gemein haben und wohl eher als ein besonderer Zweig der Visayer aufgefasst werden könnten, aber eben nurkönnten. Es könnte leicht sein, ihre Existenz auf ähnliche Weise zu deuten, wie diess bei den Vicol-Heiden geschehen ist. Der Ansicht, die in Waitz V, 61, entwickelt wird, wonach die Manguianen „wenige, den Angriffen der Piraten23entgangene Flüchtlinge sind, die von den Urbewohnern (welchen?) des Centralgebirges verschieden zu sein scheinen”, kann ich unmöglich beipflichten, wie Jeder, der die Geschichte der Philippinen vom Beginn der spanischen Occupation an genau studirt hat. Nach der Allgem. Historie XI, 393, wären sie eine Bastardrasse von Negritos und (Visayer-?) Malaien, was also den Ursprung dieser Manguianen auf ähnliche Weise erklären würde, wie jenen der Vicol-Heiden. Die Manguianen waren seiner Zeit in der gelehrten Welt sehr genannt, indem Careri (p. 42) von ihnen nach den Berichten der Jesuiten erzählte, sie hätten vier bis fünf Zoll lange Schwänze. Gemelli-Careri berichtet überhaupt von ihnen, dass sie bis auf eine dürftige Bedeckung der Schamtheile nackt gingen, und ihre Wohnungen nach der Jahreszeit veränderten, weil sie sich blos von wildwachsenden Früchten nährten. Den Christen verkauften sie Wachs, wofür sie Nägel, Messer, Nadeln und Zeug erhielten. Es ist diess ein Bild, das, auch auf Negritos angewendet, vollkommen treffend wäre, und dennoch ersieht man, dass Careri sie scharf von den Negritos zu trennen weiss. Auch Fray Juan de la Concepcion VII, 11, spricht von ihrer starken Zahl, welche in der jüngsten Zeit auf 30 000 Köpfe veranschlagt wird (Cavada II, 37). Im Äusseren sollen die Manguianen den (eigentlichen?) Malaien ähnlich sein (Waitz V, 100, nach Journal III, 758).Die Manguianen von Mindoro zerfallen wieder in kleinere Stämme, welche die Namen Buquit, Tadiaban, Bungon &c. führen. Einige dieser Stämme stehen in friedlichem Verkehre mit den Christen, andere aber, besonders jene tief im Innern des Landes, fliehen vor jeder Berührung mit den christlichen Küstenbewohnern (Cavada II, 37). Die Manguianen von Romblon lieben ein herumschweifendes und müssiges Leben und rauben den Christen Vieh (Cavada II, 127). Die Manguianen von Mindoro bestatten noch jetzt, wie alle philippinischen Malaien in den Tagen ihrer Unabhängigkeit, ihre Todten in Höhlen, am bekanntesten ist als solche Grabstätte eine grosse Höhle an der Ostküste der Insel (Semper, Erdk. XIII, 95).35. Mundos.Die Mundos sind wilde Bergvölker auf Cebú (Mozo 134) und Panay (Mozo, l. c. u. Hügel 367). Nach Hügel (l. c.) gleichen sie den Igorroten in „Allem”, was aber nach den genaueren Nachrichten Mozo’s nicht wahr ist, denn nach diesen theilen sie die Sitten und Bräuche der Tagalen und Visayer, und Hügel hat jenes „in Allem” wohl nur den Manilesen nachgesagt, die alle wilden Heiden „Igorrotes” tituliren, denn Panay hat Baron Hügel nicht besucht.Sie glauben an den Patianac, der uns schon von den Tagalen her bekannt ist, ihm schreiben sie es zu, wenn sie auf einem Pfade sich verirren. In diesem Falle entledigensie sich ihres ohnediess nur dürftigen Anzugs, denn der Patianac flieht vor den Nackten, und so können sie auf diese Weise den verlorenen Weg wiederfinden (Mozo 137). Um Diebe zu entdecken oder verlorene Sachen wiederzufinden, bedienen sie sich gewisser Zauberformeln, welche sie Bilao nennen (l. c.). Sie halten überhaupt viel auf Zauberei, weshalb unter ihnen auch zahlreiche Zauberer wohnen, welche sich in Crocodile oder andere Thiere verwandeln können und dann den Menschen viel Unheil zufügen (Mozo 135). Sie glauben an Behexung, „Gavay” genannt, von der man sich durch besondere Ceremonien, welche Mozo (Misiones 136) beschreibt, wieder befreien oder enthexen kann. Die Christen haben deshalb eine grosse Scheu vor diesen Wilden und wollen ihre Niederlassung in ihren Dörfern nicht dulden. Sie leiden sehr an Magenkrankheiten, „Bungsol” genannt (Mozo 136).Die Zahl der Mundos ist eine beträchtliche; 1848 zählte man nach Diaz Arenas allein in der Provinz Ilo-ilo (Insel Panay) 5000 Mundos. Nach eben demselben Autor leben unter ihnen viele Remontados. Es ist überhaupt noch fraglich, ob die Mundos ein selbständiger eigenartiger Stamm sind, ich vermuthe nach ihren abergläubischen Bräuchen, dass sie Visayer im Stadium der Vicol-Heiden vom Isaróg, Iriga, Caramuan &c. sind. Sie scheinen von Remontados und Negritos abzustammen (man vgl.Buzeta II, 103).36. Carolanen (Carolanos).Der Name dieses Stammes wird nur von Diaz Arenas erwähnt, nach welchem sie 1848 auf der Insel Negros in der Kopfzahl von 2322 in dem Gebirgszuge lebten, der sich von der Hauptstadt gegen Cauayan hin ausdehnt. Wahrscheinlich ist diess nur ein besonderer Name für einige Horden von Visayer-Heiden.37. Visayer (Visayas)24.Die Visayer bewohnen alle jene Inseln, welche südlich von Luzon, Masbato, Burías, Ticao und Mindoro und nördlich von Borneo, Sulu und Mindanao liegen. Auf letzterer Insel wird von ihnen auch die ganze Nord- und Ostküste bewohnt, jedoch streng genommen nur an derKüste. Im südlichen Theile von Palawan (Paragua der Spanier) scheinen andere Malaien bereits zu wohnen.Die Visayer-Sprache zerfällt in die Dialekte von Cebú, dem eigentlichen Visayer-Dialekt und jenem, der auf der Gruppe der Calamianen und Cuyos-Inseln gesprochen wird. Eine Unterabtheilung des Visayer-Dialektes sollen wieder der Dialekt von Süd-Panay, das Panayano, ferner der Dialekt von Capiz sein, doch widersprechen sich da die Nachrichten, und da ich der Visayer-Sprache unkundig, so will ich darüber hinweggehen. Nach ihren Sitten und Bräuchen zerfallen sie in die eigentlichen Visayer, in die Caragas und Calamianen incl. Coyuvos.a)Visayerim engeren Sinne des Wortes. Diese bewohnen die Inseln Panay, Romblon, Tablas, Masbate (sporadisch neben den Vicols), Negros, Cebú, Bóhol, Sámar, Leyte, den Surigao-Archipel und die Landschaft Dapitan der Provinz Misámis auf der Nordküste von Mindanao. Auf dem übrigen Theil der Nordküste von Mindanao (Misámis, Iligan, Cagayán und Butnan) wohnen zwar auch Visayer, aber sie sind mit den eingeborenen Stämmen sehr stark vermischt, doch bleibt ihre Sprache dort die herrschende. Am Meerbusen von Davao sind viele Visayer angesiedelt, welche die Spanier seit dem Jahre 1848, wo sie jenes Land occupirten, dorthin gebracht haben. Die Visayer sind nicht so weit im Archipel verstreut, wie die intelligenteren Tagalen, doch finden sich welche, meist Fischer, selbst auf den Babuyanen, besonders auf Camiguin25(Mas, pobl. 42). Die Visayer der Küstendistricte sind alle Christen und civilisirt, im Innern dieser Inseln leben sie aber als halbwilde Heiden, welche von jenen Visayern abstammen, die sich den Spaniern nicht unterwerfen wollten, und welche durch Remontados immer neuen Zuschuss erhielten und zum Theil noch erhalten. Ich werde zunächst mich mit den Christen befassen.Die Visayer waren zur Zeit der Conquista bereits ein civilisirtes Volk, das, entgegen den Ansichten der modernen spanischen Schriftsteller, welche ohne auf die ursprünglichen Quellenwerke zurückzugehen, über die Geschichte der Philippinen Essays schreiben, einen noch höheren Grad von Cultur besass als die Tagalen. Borneo, Mindanao und den Molukken näher gelegen als die Tagalen, standen sie auch mit diesen Ländern in regerer Verbindung, und diese mag auch die Ursache sein, dass ihr Typus dem der eigentlichen Malaien sich mehr nähert, als jenem der Tagalen. Im XVI. und XVII. Jahrhundert wurden sie von den Spaniern Pintados genannt, weil sie ihren Körper zu bemalen pflegten. Sie nahmen ohne besondere Schwierigkeiten das Christenthum an und halfen mit ihren Kriegern den Spaniern die Tagalen unterjochen.Ihre Hütten sind nach demselben Modell gebaut, wie jene der Tagalen, dagegen unterscheiden sie sich von letzteren durch Tracht und Gewandung. Während die Tagalen das Haar verschneiden, lassen auch die Männer bei den Visayern das Haar lang wachsen (Buzeta I, 242). Die Frauen tragen keinen Tapis, sondern nur die aus grobem aber durchscheinenden Guinara-Zeug verfertigte Saya und die kaum die Brüste bedeckende Camisa (Jagor, Reisen 188).Um das Haar schlingen die Frauen ein Stück Zeug (Buzeta, l. c.). Sie bauen alle Getreidesorten und Culturpflanzen, die auf Luzon cultivirt werden, Reis insbesondere auf Panay, Zucker auf Cebú, Bóhol, Negros, vorzüglichen Cacao auf Cebú, Tabak auf Cebú und Bóhol, Mais auf Cebú, Abacá auf Leyte, Kaffee in der Provinz Misámis auf Mindanao. Viel stärker als auf Luzon wird auch rother Pfeffer cultivirt, da die Visayer damit alle ihre Speisen, besonders aber die Morisqueta, stark würzen (Buzeta I, 33). Cocospflanzungen sind überall, Viehzucht wird lässig betrieben. Sie sind noch eifrigere Fischer als die Tagalen, der Fang von Trepang („Balate”), der hier häufigeren Manatis und Schildkröten liefert ihnen reichen Gewinn, desgleichen das Suchen der Schwalbennester (Buzeta, Mas, Semper, Cañamaque, Cavada a. v. St.).Von den Tagalen unterscheiden sie sich unangenehm durch ihre Unreinlichkeit (Jagor 188) und durch ihre Trunksucht (Cavada a. v. St.). Ihre alte Religion glich in vielen Punkten jener der Tagalen, auch sie kannten den Ahnencultus, nur wurden die Nonos und Anitos der Tagalen und Nord-Luzonier hier Diuatas oder Divatas genannt. Sie besassen Idole, Liche oder Laravan mit Namen. Ihre Priesterinnen hiessen Babaylanas, neben diesen waren auch Priester. Selbst unter den Christen erhielt sich der alte Glaube insgeheim, 1797 noch entdeckten die Mönche in dem seit der Conquista christlichen Pueblo Sibalon auf Panay (Provinz Antique) 180 Babaylanas (Buzeta I, 300). Selbst unter den Cabezas de Barangay auf Sámar gab es 1648 heimliche heidnische Priester (Tanner III, 544). Auch bei den Visayern war das Schwein das bevorzugte Opferthier.In den Zeiten der Conquista herrschte bei den Visayern die Polygamie. Das Christenthum beseitigte diese, nicht aber die grenzenlose Unsittlichkeit und Unzucht, über welche alle älteren Schriftsteller schauderhafte Details berichten (man vgl. vorzüglich:Morga-Stanley 304 und Carletti 148). Auch heute ist Ehebruch ungemein häufig, um so mehr, als die Gatten keine Eifersucht kennen, und wie in den Zeiten der Conquista, geben sich die Frauen viel leichter preis und sind auch viel geiler als die Mädchen (Jagor, Reisen 236). Der Freier dient, ähnlich wie bei den Tagalen es vordem häufiger üblich war, 2–5 Jahre dem Vater seiner Braut umsonst, ehe er diese als Gattin heimführt (Jagor 235). Francisco Cañamaque (Fil. 186 f.) beschreibt die Brautwerbung wie folgt: Der Freier geht mit einem angesehenen Manne seines Dorfes zu den Eltern seiner Auserwählten, und beide fragen letztere, ob sie zur Eheschliessung geneigt ist, worauf sie mit Ja antwortet. Das Herkommen erfordert es, dass die Braut hierbei des Leides gedenkt, das ihr die durch die Ehe nöthig werdende Trennung von den Eltern verursachen müsste. Die letzteren pflegen, selbst wenn sie wohlhabend sind, dem Freier zu erklären, sich wohl Alles zu erwägen, denn ihre Tochter habe kein Vermögen, besitze keine Kenntnisse und sei überdiess recht albern. Der Freier und sein Genosse wiederholen aber die Werbung immer von Neuem, bis der Vater einwilligt. Ist diess geschehen, so fangen die vor der Thüre versammelten Freunde des Freiers an, Raketen steigen zu lassen und Musikinstrumente zu bearbeiten, andere gehen in das Haus hinein, überreichen süsse Bäckereien, Tabak, Buyo &c. Nach der kirchlichen Trauung durcheilt die junge Frau, begleitet von Freundinnen, die Gassen des Dorfes, um alle Verwandten und Freunde zu einer Chocoladegesellschaft (mit Tanz und Gesang) einzuladen. Wenn die Jungfräulichkeit der soeben Getrauten über allem Zweifel erhaben ist, so tanzen die beiden Gatten zusammen einen Tanz, worauf die geladenen männlichen Gäste eine grosse Anzahl von Töpfen und Schüsseln, welche aber noch nie gebraucht worden sind, zu den Füssen des Paares zerbrechen und hinwerfen. Bei dem Hochzeitsmale essen zuerst die Frauen, nach diesen die geladenen Männer und dann erst die zum Hause Gehörigen, wobei die Sitte erfordert, dass jedes Mal ganz neue Gerichte auf den Tisch oder, richtiger gesagt, auf die über den Boden gelegte Matte, aufgetragen werden, selbst wenn grosse Speisequantitäten von der vorhergehenden Tafel übrig sind. — Die Ehen sind sehr fruchtbar, man zählt oft 12 bis 13 Kinder in einer Ehe, doch ist dafür auch die Kindersterblichkeit eine grosse (Jagor, Reisen 236).In ihren sonstigen Bräuchen und Sitten weichen sie nicht sehr von den Tagalen ab. Ihre Todten begruben sie in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit, ähnlich wie die Igorroten, in Höhlen, das hat natürlich unter dem Christenthum aufhören müssen. Wie die Tagalen feiern auch die Visayer ein neuntägiges Todtenfest, das am letzten Tage in einer eigenthümlichen Weise seinen Abschluss findet. Der beste Theil des Hauses wird schwarz ausgeschlagen und eine Art Thronhimmel in demselben errichtet, auf dessen Hintergrund 10 bis 12 Todtenköpfe gemalt oder solche aus Papier ausgeschnittene befestigt werden. Dann wird unter diesem Thronhimmel ein Katafalk aufgerichtet, der mit allen Heiligenbildern, die die Verwandtschaft der verstorbenen Personen auftreiben kann, beklebt wird. Um 8 Uhr Abends halten dann die Hinterbliebenen das letzte Gebet für den Verstorbenen ab, was eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, worauf das Haus für alle Eintretenden geöffnet wird. Speisen und Getränke stehen Jedem in reichlicher Fülle zur Verfügung. Ist der Magen der Anwesenden befriedigt, so werden von den Anwesenden improvisirte Coplas gesungen, deren Inhalt mit dem Todesfalle in gar keinem Zusammenhange steht, sondern sich meist um Schlachten oder fröhliche Dinge dreht. Diese Coplas werden nach einer durch eigenthümliche Regeln geordneten Weise, ähnlich wiebei dem deutschen Pfänderspiel „zusammengesetzte Hauptwörter”, von Burschen und Mädchen gesungen, welche als Theilnehmer dieses Spieles bellacos und bellacas26heissen, der Anführer des Chors heisst: Dueño de Jato27und das Spiel selbst Duplo28(Cañamaque, Fil. 180–185).Ihre Industrie beschränkt sich hauptsächlich auf Herstellung von groben Sinamay- und Nipis-Zeugen (Diaz Arenas 291). Einen besonderen Ruf geniessen die wunderbar feinen Piña-Gewebe, bei deren Herstellung Fenster und Thüren fest verschlossen bleiben müssen, da der geringste Luftzug hinreicht, die zarten Fäden zu zerreissen (Buzeta I, 211). Die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern wird denn auch in dem einzigen Hafen Ilo-ilo allein auf 1 000 000 Dollar geschätzt (Jagor 241). Die beste und feinste Piña wird in Antique gearbeitet (Scheidnagel 127). Durch Gährung wird aus den Cocosnüssen ein stinkendes Öl mit Namen aceite de caracoas oder mabajon lañgis bereitet (Buzeta I, 31), welches in grossen Massen ausgeführt wird. Bei der Ölgewinnung geht man sehr nachlässig vor (Jagor, Reisen 214). Sonst sind noch als Exportartikel der Visayer-Industrie Stöcke und Messergriffe aus Horn erwähnenswerth (Scheidnagel 128).Das Innere aller der von Visayern bewohnten Inseln ist von „wilden” Visayern, „Infieles, Montesinos, Cimarrones” der Spanier bewohnt. Diese stammen sämmtlich von Flüchtlingen ab, welche vor dem Christenthum und der spanischen Herrschaft in die Wälder flohen. Sie sind meist gutmüthiger Natur und beginnen allmählich, ihren Nacken unter das spanische Joch zu beugen, obwohl trotzdem noch Jahrzehnte verfliessen werden, ehe die Spanier Herren der Binnenlandschaften der Inseln werden, deren Küstensaum sie beherrschen.b)Calamianen. Die Calamianen bewohnen den gleichnamigen Archipel und den nördlichen Theil von Palawan oder Paragua, die von ihnen fast gar nicht verschiedenen Coyuvos die kleine Inselgruppe von Cuyo. Die sogenannten Agutainos bilden die nördliche Hälfte derCoyuvos. Die Calamianen sind dunkler gefärbt als die übrigen Visayer und haben etwas krauses Haar (Waitz V, 98;nach Mallat I, 335 und Crawfurd), was auf eine Beimischung von Negritoblut hindeuten würde. Ihre Gesichtszüge sollen einen wilden Ausdruck besitzen (Bastian V, 274). Sie bauen Reis, Cacao, Kaffee, Baumwolle und Pfeffer, aber Alles in so geringen Quantitäten, dass nicht einmal der heimische Bedarf damit gedeckt wird (Buzeta I, 452). Desto eifriger wird Fischfang getrieben (Cavada II, 21; Scheidnagel 45), besonders aber die Balate- oder Trepangfischerei; die Calamianen sind auch die eifrigsten und gewandtesten Sucher der essbaren Schwalbennester, weshalb ihre Länder als der Hauptsitz des Schwalbennesterhandels anzusehen sind (Buzeta I, 41;Cavada II, 21). Der Handel mit dem von den Wilden aus dem Gebirge eingetauschten Wachs und Honig wird eifrig betrieben. Sie werden als abergläubisch, indolent und faul geschildert, das „Remontarse” ist unter ihnen besonders häufig (Cavada, l. c.). Industrie existirt kaum dem Namen nach und beschränkt sich nur auf weibliche Webearbeiten.c)Caragas. Die Caragas bewohnen die Ostküste von Mindanao vom Cap Surigao bis zum Cap S. Augustin. Sie gehören zu dem kriegerischsten Stamme der Visayer, ihre wilde Tapferkeit machten sich die Spanier in jenen grossen Kriegen zu nutze, welche sie im XVII. Jahrhundert gegen die Holländer und die Sultane von Buhayan, Mindanao und Sulu führten. Von ihrem kriegerischen Wesen zeugt die noch zu Ende des XVII. Jahrhunderts übliche Sitte, dass wer von ihnen sieben Menschen getödtet hatte, das Recht erhielt, einen rothen Turban zu tragen. Dieser Turban führte den Namen Bajacho. Natürlich hat diese Sitte seit lange bereits aufgehört. Die heutigen Caragas, seit drei Jahrhunderten Christen, unterscheiden sich jetzt wenig von den übrigen Visayern. Ihr Hauptnahrungszweig ist die Fischerei, dann erst der Reisbau; Industrie gering.
30. Catalanganen.Die Catalanganen sind nur ein Zweig der Irayas, verdienen aber eine Sonderstellung, weil sie in ihren Sitten, Bräuchen und Anschauungen von den letzteren gänzlich abweichen. Ihren Namen erhielten sie von dem Rio Catalangan, einem rechten Zuflusse des Rio Grande de Cagayán, an dessen Ufern ihre Hauptsitze zu suchen sind (Provinz Isabela).Prof. Semper hält sie für stark mit chinesischem Blute gemischt und bemerkt hierüber: „Die Abstammung von der mongolischen Rasse liess sich auf den ersten Blick erkennen, an dem hohen Körperbau der Leute, dem länglichen schmalen Gesichte mit stark zurücktretendem Kinn und der hohen, von Haarwuchs freien, aber sehr nach hinten gekrümmten Stirn, an den starken Backenknochen und den kleinen Augen” (Erdk. X, 257). Innere historische Gründe sprechen gegen eine starke Beimischung chinesischen Blutes. Semper nimmt auch Mengung mit Japanen oder wenigstens starken japanischen Einfluss an (Semper, Erdk. X, 265, und Skizzen 55). Unter den Catalanganen leben friedlich Negritos (Semper, Erdk. X, 260;Cavada I, 81). Was die günstigen Seiten ihres Charakters anbelangt, so werden ihre Friedfertigkeit, welche aber nur ihrer grossen Feigheit zu verdanken ist, ihre Ordnungsliebe, Subordination, Nüchternheit und Frugalität gerühmt, ihnen dagegen aber Habsucht, Geiz, Indolenz, Ungastlichkeit &c. vorgeworfen (Semper, Erdk. X, 261). In Bezug auf letzteres hebt Cavada gerade das Gegentheil hervor, vielleicht im Irrthume begriffen, indem er die Irayas meinte, oder es hat seit Semper’s Besuch ein Umschwung Statt gefunden.Sie tätowiren sich, die Muster sind chinesischen oder japanischen Ursprunges (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 55), nach einer anderen Stelle (Semper, Erdk. X, 254) aber vonderselben Art, wie sie bei den Negritos üblich ist. Die Männer und Weiber tragen eine ähnliche Kleidung wie die „Indier”, d. h. die christlichen Malaien. Um den Leib über Hüften und Nabel werden buntgefärbte geflochtene Bänder und Messingstreifen getragen (Semper, Erdk. X, 260). Ausserdem tragen Männer und Weiber einen Gürtel mit einer dicken Patronentasche, welche rückwärts hängt und in welcher der Buyo, der von ihnen auch mit Leidenschaft gekaut wird, sich befindet (l. c.). Diese Tasche dient auch als Stützpunkt für die kleinen Kinder, welche mittelst eines Zeuges von der Mutter auf dem Rücken nach Zigeunerart getragen werden (l. c.).Ihre Schmucksachen gleichen denen der Negritos (Semper, Erdk. X, 260). Am Arme und in den Ohren tragen sie Messingringe, in einem Ohre mitunter 6 Ringe, wodurch die Ohrlappen eine unnatürliche Verlängerung erleiden (l. c.). Auch Glasperlen, Ohrgehänge aus Silber oder schlecht vergoldetem Kupfer kaufen sie gern von christlichen und chinesischen Krämern ein (Semper, Erdk. X, 259). Ihre Waffen sind Bogen und Pfeile (l. c. 261).Ihre Rancherías bestehen nur aus wenigen Hütten, und diese selbst liegen weit auseinander, so dass selbst die grössten Dörfer nicht mehr als 20 bis 30 Hütten zählen (Semper, Erdk. X, 258). Die Hütten stehen auf Pfählen, so dass man nur auf einer Leiter in das Innere gelangen kann; in der Nacht wird die Leiter aufgezogen. Die Dächer sind sehr dicht und solid aus Gras oder Rohr über dem Gebälke hergestellt (Semper, Erdk. X, 260, u. Skizzen 54). Das Innere der Hütte wird nur durch eine Schwelle in Küche und Wohnzimmer geschieden, der Rauch muss sich durch die Thüre und durch die Fensterluken (selten mehr als zwei) den Ausweg suchen (Erdk. X, 259). Oft ist an das übrigens kleine und niedrige Haus eine ebenso armselige Scheune angebaut (l. c.), und wenige Hütten giebt es, welche ohne eine Schmiede wären, die stets den Ahnen, den Anitos, geheiligt ist (l. c. 262). Neben dem Hause liegen gewöhnlich zwei Scheunen, eine für den Reis, die andere für den Mais (l. c. 257), ebenso sind auch in der nächsten Nähe kleine Götterhäuschen angebracht (l. c.). Die Hütten selbst liegen auf freien, sorgfältig reingehaltenen (man denke an den Igorrotenschmutz!) Plätzen (l. c. 256), selbst der unter dem Hause befindliche freie Raum wird sauber gefegt (Semper, Skizzen 55).Die Catalanganen sind Ackerbauer, und zwar sind wie bei den Apayaos Mais und Reis diejenigen Feldfrüchte, welche nahezu ausschliesslich cultivirt werden (Semper, Erdk. X, 257). Ausserdem bauen sie Zuckerrohr, einen trefflichen Tabak, die Wurzeln: Samate, Ubi, Gabe oder Gabi (l. c. 258), letztere ist uns schon bekannt, überdiess wird noch ein Strauch „Tubá” gezogen, dessen gepulverte Frucht zum Betäuben der Fische verwendet wird (l. c. 259). Sie zeichnen sich durch die Sorgfalt aus, mit der sie ihre Äcker von Baumstümpfen, Steinen und Unkraut reinigen (l. c. 257;Semper, Skizzen 54). Ihr Fleiss ist schon dadurch gekennzeichnet, dass sie—wenigstens vor zwanzig Jahren—nur in einer einzigen Ranchería Büffel besassen und zur Feldarbeit benutzen konnten, während in allen übrigen Dörfern nur Menschenhände zur Verfügung standen (Semper, Erdk. X, 258, Skizzen 54). Da sie keine Werkzeuge zum Säen und Ernten besitzen, so müssen sie bei der Ernte mühsam jeden Halm mit einem kleinen Messer abschneiden (Semper, Skizzen 54). Durch Anlage von Dämmen suchen sie ihre Felder vor Überschwemmungen zu sichern (Semper, Skizzen 56). Durch Aufspeichern grosser Getreidevorräthe haben sie sich für die Zeiten der Hungersnoth, der Missernte &c. geschützt, werden aber durch diese weise Vorsicht geizig und ungastlich, sie weigern sich sogar, etwas von ihren Vorräthen zu verkaufen (Semper, Erdk. X, 257, u. Skizzen 55). Ausser den Früchten ihrer Felder bildet Honig auch einen Hauptbestandtheil ihrer Nahrung, während sie das Wachs wie alle Bergstämme an die Christen verkaufen (Semper, Erdk. X, 258). Da ihre Flüsse und Bäche von Fischen wimmeln, so liefert das Fleisch derselben nicht nur ihre wichtigste animalische Kost, sie sind vielmehr in der Lage, selbst von ihrem Überflusse an die Christen etwas zu verkaufen und zwar sind es meist gesalzene Fische, welche der Gegenstand dieses regen Handelsverkehrs sind (Semper, Erdk. l. c.). Der Fischfang selbst findet auf alle mögliche Weise Statt: das Betäuben der Fische durch die Tuba-Frucht, das Ausspannen von Grundnetzen, die Benutzung von Angeln, Fischreusen, das Sperren, alle diese Methoden werden nebeneinander angewendet (Semper, Erdk. 258 n. f.;Skizzen 57).Ihre Religion kennt zwei Götterpaare, welchen zu Ehren grosse hölzerne Tafeln unter dem Dache der Thür gegenüber schräg befestigt werden, auf den Tafeln sind Schriftzeichen angebracht, „die sehr an chinesische erinnerten” (Semper, Erdk. X, 261). Die Namen dieser Götterpaare sind: Tschiehónau18mit einer Frau Bebenángan und Sialó mit seinem Weibe Binalínga. Sie scheinen auch Götteridole zu besitzen, wenigstens erwähnt Semper, er hätte in einem Hause das geschnitzte Bild eines Gottes gesehen (Semper, Erdk. l. c.). Im Juni wird diesen Götterpaaren zu Ehren in einem ihrer Dörfer ein Fest gefeiert, in jener Ranchería ist ihnen nämlich ein Haus geweiht, „worin der letzte Priester Hantasan und sein Weib Talamajäu19gewohnt haben”; seit dem Tode dieses Priesterpaares kennen dieCatalanganen keine Priester mehr (Semper, Erdk. X, 261). Es wäre sehr interessant, wenn wir über diese Sage mehr in Erfahrung brächten.Wie bei allen Malaien der Philippinen wird auch hier den Seelen der Ahnen, den Anitos, eine grössere Verehrung erwiesen, als den eigentlichen Göttern. Anito wird die Seele eines jeden Todten, der zu seinen Lebzeiten Grossvaterfreuden erlebte (Semper, Erdk. X, 262). Der Anito behält auch als solcher den Namen, den er einst als Mensch getragen. Vor den Hütten werden den ältesten Anitos der Familie rohe Hausmodelle von 1½ bis 2 Fuss Höhe als Wohnsitz angewiesen, dem ältesten Anito aber ist „der kleine freie Platz vor der Leiter, auf dem der Pilan (Reismörser) steht, geweiht; er darf weder durch Feuer noch durch Essen entweiht werden” (Semper, Erdk. X, 262). Jüngeren Anitos sind eigenthümlich geformte Bänke, auf denen dem Chinesischen ähnliche Schriftzeichen eingeritzt sind (Semper, Erdk. l. c.), geweiht. Anderen Anitos sind als Sitze Töpfe in irgend einer Ecke aufgestellt (Semper, Erdk. l. c. u. Skizzen 56). Die Catalanganen heben die Perlenschnüre und Schmucksachen ihrer Verstorbenen als wunderthätige Reliquien auf und verkaufen sie, ähnlich den Apayaos, um keinen Preis (Erdk. l. c.). Von jeder Schüssel wird beim Speisen den Anitos ein Theil geopfert, während aber bei einigen Stämmen Luzons ein kleiner Rest zu dieser Art Libation verwendet wird, pflegen die Catalanganen diess Opfer zu bringen, bevor sie zu essen beginnen (Semper, Erdk. X, 263). Ähnlich den anderen Bergstämmen feiern sie den Anitos zu Ehren zur Saat- und Erntezeit allgemeine Feste (l. c.).Ihre religiösen und nationalen Feste richten sich nach dem Laufe der Sonne (Semper, Skizzen 57). Bei diesen Festlichkeiten bildet Tanzen einen wichtigenProgrammpunkt. Ihre Tänze sind pantomimische Darstellungen der Liebe, und so tritt immer nureinPaar auf: die Tänzerin dreht sich mit unbeweglich ausgestreckten Armen um sich selbst, während der Mann wie rasend mit den Armen herumfuchtelt und das Weib stampfend umkreist. Sinkt der Tänzer erschöpft zur Erde, so tritt sofort ein anderer für ihn ein. Ihre nationalen Musikinstrumente sind Gongs, welche mit flachen Händen bearbeitet werden. Ausser diesen Liebestänzen besitzen sie auch einen Kriegstanz (Semper, Erdk. X, 263).Die ehelichen Bande sind leicht zu lösen: sind Eheleute gegenseitig unzufrieden, so gehen die Gatten ohne jeden Ceremonienkram auseinander und schliessen neue Ehen; trotz dieser Leichtigkeit der Ehescheidung kommen solche Fälle nur selten vor (Semper, Erdk. X, 264).Die Särge sind an beiden Enden offen; die Todten werden in ihren Kleidern und Schmucksachen in diese Särge gelegt, auch Habseligkeiten werden mit hineingegeben. Unter grossem Heulen und Wehklagen der Hinterbliebenen wird der Sarg unter dem Hause in die Erde gesenkt, bemerkenswerth ist, dass bei dieser Gelegenheit die Trauernden um das Grab herum knieen (Semper, Erdk. X, 263). Die Leichenfeier wird mit einem Festschmause geschlossen (l. c. 264).Prof. C. Semper rühmt ihnen Achtung vor dem Eigenthume nach: Diebstahl wird mit dem Feuertode bestraft (Semper l. c. 261).Sehen wir von dem Flechten von Matten ab, so ist der wichtigste Zweig ihrer Industrie die Verfertigung von Booten, welche sie an Christen und chinesische Händler in Ilagán um einen geringen Preis verkaufen (Semper, Erdk. X, 259).Seit 30 Jahren sind sie der spanischen Regierung unterthan, doch begnügt sich diese mit der Einhebung einer kleinen Kopfsteuer (dem „Reconocimiento”), welche ein Commissär jährlich einhebt. Die Spanier haben in jedem Dorfe einen Gemeindevorsteher, den Gobernadorcillo, durch Scheinwahl eingesetzt; diese Gobernadorcillos haben aber in ihrem Dorfe weder Ansehen noch Macht, nur ihre Eitelkeit kann sich durch das Tragen des silberbeschlagenen Amtsstockes und einer dunklen Jacke befriedigt fühlen und sie so für die Lasten und Verantwortlichkeiten entschädigen, die sie den spanischen Behörden gegenüber übernehmen (Semper, Erdk. X, 264).31. Irayas.Die Irayas wohnen südlich von den Catalanganen, hauptsächlich an der Westseite der Cordillere von Palanan. Auch über sie berichtet, wie über den Bruderstamm der Catalanganen Prof. Semper auf das Ausführlichste. In ihren Adern rollt eine starke Dosis Negritoblut (Semper, Skizzen 51 u. 54), was kein Wunder ist, da unter ihnen „zu einer Familie verbunden” Negritos leben und Mischlinge beider Rassen vorhanden sind (Semper, Erdk. X, 255 u. 264). Obwohl sie nun zum Theile stark mit Negritoblut inficirt sind, so fand doch Semper Anklänge an eine „Abstammung von einem mongolischen Stamm”, man sieht aber trotzdem „unter ihnen mehr Leute, die sich dem tagalischen Typus nähern” (Semper, Erdk. X, 264). Ihre aus geraden und krummen20Linien bestehenden Tätowirungsmuster, ferner Schmucksachen und Verzierungen sind dieselben, wie wir sie bei den Negritos jener Gegend vorgefunden haben (Semper, Erdk. X, 254 u. Skizzen 55).Ihre Hütten sind unsolid und schleuderhaft gebaut, vor Wind und Wetter schlecht verwahrt (Semper, Skizzen 54), ganz im Gegentheil zu der Reinlichkeitsliebe der Catalanganen wird aller Unrath unmittelbar vor das Haus geworfen(Semper, Erdk. X, 264). Sie bauen Zuckerrohr und Reis (Erdk. X, 265), bei ihrer Trägheit werden aber die Felder schlecht bestellt, liefern daher im Vergleiche zu denen der Catalanganen einen geringen Ertrag (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54), trotzdem speichern auch sie Vorräthe für schlimme Zeiten auf (Semper, Skizzen 57). Als Hausthier und Mitarbeiter für die Reisfelder wird allgemein der Büffel gehalten (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54). Wie bei den Catalanganen, liefern auch ihnen Flüsse und Bäche reichliche Fischkost.Ihre Religion beschränkt sich auf den Anitocultus allein (Semper, Erdk. X, 265), die Götterpaare der Catalanganen fehlen ihnen (l. c.). Ob sie sonst andere Götter besitzen, ist nicht auszuschliessen, die Bemerkung, welche Semper an einer anderen Stelle (Erdk. XIII, 94) macht, dass nämlich die Religion der Irayas jener der Igorroten ähnlich sei, lässt diese Deutung zu.Im Gegensatze zu den düsteren und ungastlichen Catalanganen sind die Irayas ein fröhliches heiteres Völkchen, dessen Gastfreundlichkeit nicht nur Negritos, sondern auch jene flüchtige Christen („Remontados”) und entlaufene Verbrecher freundlich aufnimmt (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 54 u. 55). Die Zahl der Christen, welche unter ihnen lebte, schätzte Semper vor zwanzig Jahren auf 200 Köpfe (Semper, Erdk. X, 256). Die unter ihnen lebenden Negritos hattenAckerbau, Religion und Kleidung der Irayas angenommen (l. c.).Die Irayas stehen in demselben losen Abhängigkeitsverhältniss zur spanischen Regierung, wie die Catalanganen, wie sie denn auch das Institut der Gobernadorcillos besitzen (Semper, Erdk. X, 266).32. Catabanganen (Catabanganes).Die Catubanganen sind ein wilder Bergstamm in den Gebirgswildnissen von Guinayangan in der Provinz Tayabas. Sie werden, so viel mir bekannt ist, nur von Cavada I, 198, erwähnt, welcher von ihnen nichts Anderes berichtet, als dass ihre Sitten jenen der Negritos (welche ebenfalls in jenen Bergen hausen) gleichen, und dass sie die christlichen Ortschaften beständig überfallen, um Vieh und Getreide zu rauben. Die dürftige Notiz ist Alles, und es lässt sich unmöglich darnach entscheiden, ob wir hier die Trümmer eines grösseren selbständigen Stammes oder verwilderte Abkömmlinge von Remontados mit Negritoblut gemengt vor uns haben. Vielleicht dürfte das letztere das Wahrscheinlichere sein.33. Vicols21.Die Vicols bewohnen den südlichsten Theil Luzons, im Norden beginnt die Sprachgrenze an der Ostküste bei Paracáli und Mambuláo in der Provinz Camarínes Norte, an der Westküste aber schon bei den östlichen Gestaden der Provinz Tayabas, so dass die Vicols in Camarínes Norte die Hauptmasse, in Tayabas aber nur einen Bruchtheil der Bevölkerung ausmachen. Camarínes Sur, Albay, ferner die Inseln Masbate, Ticáo, Burías und die Inselgruppe der Catanduanes werden von ihnen ausschliesslich bewohnt.Die Vicols gehören wie die Tagalen, Pampangos &c. zu jenen Malaienstämmen Luzons, welche schon in den Tagen der Conquista eine gewisse Civilisation aufzuweisen hatten, sie sind auch die ersten Bewohner Luzons, welche (in Albay zunächst) sich, und zwar im Jahre 1569, den Spaniern unterwarfen. Von den wenigen „wilden” Stämmen, welche in den Bergen von Camarínes hausen, will ich am Schlusse dieses Artikels Näheres mittheilen und mich vorerst mit den civilisirten christlichen Vicol-Malaien beschäftigen.Obwohl von kräftigem Körperbau (Buzeta I, 281), stehen sie dennoch physisch wie geistig den Tagalen nach (Jagor, Reisen 120). Sie besitzen nicht den stolzen kriegerischen Geist der Bewohner Nord-Luzons, sie sind vielmehr friedfertig und demüthig (Cavada I, 213 u. 221). Obwohl im Allgemeinen arbeitsam, so besitzen sie dennoch nicht jene ausgebreitete Hausindustrie, welche wir bei den Tagalen vorgefunden haben. Insbesondere unterscheiden sie sich von letzteren durch ihre grosse Unreinlichkeit, die vorzüglich im Süden in die Augen fällt, zumal, wenn in den betreffenden Orten kein weisser Pfarrer stationirt ist (Jagor, Reisen 105). Hautkrankheiten und Krätze sind deshalb sehr verbreitet (Jagor, Reisen 130). Dr. Jagor schreibt (Reisen 145): „Ich glaube kaum, hier (Mambulao) eine Indierin ohne Krätzflecke gesehen zu haben”.Ihre Hütten weichen in ihrer Bauart nicht von denen der Tagalen ab, doch wird gewöhnlich das leichteste Rohrmaterial zum Bau vorgezogen, was in der Häufigkeit und Intensität, mit der hier die Erdbeben auftreten, seine Erklärung findet. Der Bau eines Hauses in Camarínes incl. Material kostet nicht mehr als vier bis fünf Dollar (Jagor, Reisen 125). Die Möbel beschränken sich wie bei den anderen Malaien meist nur auf Matten. Das Innere der Häuser wird bei den Vicols bei Armen durch Harzfackeln erleuchtet, während Reichere zu diesem Zwecke sich jener Lampen bedienen, welche auch den Tagalen bekannt sind und aus einer grossen Schnecke mit eingelegtem Binsendochte bestehen (Jagor, Reisen 127).Als der holländische Corsar Noort 1600 vor Camarínes anlangte, fand er die meisten der Bewohner fast nackt vor und die „Vornehmsten, welche von den ehemaligen Landesfürsten herstammeten, hatten sich allerlei künstliche Figuren in die Hautgeritzet” (Allgem. Historie der Reisen XI, 369). Auch die Bewohner der Catanduanesbemalten sich, trugen jedoch ein ärmelloses Gewand (l. c. 398). Die heutige Tracht der Vicol-Malaien ist decenter, die Tracht der Männer gleicht so ziemlich jener der Tagalen, wohingegen die Frauen sich ganz anders als die Tagalinnen kleiden. Vor Allem fehlt hier der Tapis und die Saya (Buzeta I, 281), an Stelle derselben tritt der Patadíon, ein Frauenrock, der von der Hüfte bis zu den Knöcheln reicht, dann ein kurzes Hemd aus Guinara-Stoff (Zeug aus Abacáfasern) und ein Umhängtuch; im Haare wird ein Kamm getragen (Jagor, Reisen 127). Statt des einfachen Waldmessers der übrigen Malaien Luzons tragen die Vicols den geflammten Kris der mohammedanischen Malaien der Sunda (Scheidnagel 123).Die Vicols bauen dieselben Getreidearten22und Culturpflanzen wie die Tagalen, die grösste Sorgfalt wird aber dem Abacá- oder Manila-Hanf zugewendet, denn in Camarínes und Albay gedeiht diese für den Exporthandel der Philippinen so ungemein wichtige Pflanze am besten. Herr von Scherzer (Novara-Reise I, 598) schreibt darüber wie folgt: Um den Abacá-Hanf zu gewinnen, wird der Stamm, sobald die Fruchtkolben, zum Vorschein kommen, von den mächtigen Blättern gereinigt und bleibt etwa 3 Tage hindurch der Gährung ausgesetzt. Hierauf wird derselbe in Stücke abgeschält, und diese werden unter Anwendung eines entsprechenden Druckes zwischen zwei Eisen durchgezogen, um den durch die Gährung mürbe gewordenen Bast von den zum Vorschein kommenden Hanffasern zu entfernen. Dieses Verfahren wird so lange fortgesetzt, bis letztere rein genug erscheinen, um an der Sonne getrocknet zu werden.Aus den Fächerpalmen wird in der Weise Zucker gewonnen, dass das obere Ende des Stammes quer abgeschnitten wird, und zwar mit etwas geneigter Schnittfläche. Aus der Wunde quillt der zuckerhaltige Saft (täglich 10 Quart), aus welchem der Zucker durch Einkochen gewonnen wird; eine Palme liefert einen Reingewinn von 5 Mark, der Baum geht aber auch ein (Jagor, Reisen 155 f.).Auch Cacao wird vielfach gepflanzt, wenn auch nicht sorglich gepflegt. Die Vicols geniessen die Chocolade, indem sie ihr geröstete Pilikerne zusetzen (Jagor, Reisen 79). Da ein grosser Theil des besiedelten Landes von Sumpfstrecken durchsetzt ist, und überdiess in der Regenzeit selbst die Strassen versumpfen, so sind die Vicols auf die Construction eines Transportmittels verfallen, welches ihnen die Fortschaffung von Lasten selbst im Sumpfgebiete gestattet. Es ist diess die Pavavá (man vgl. die Abbildung inJagor, Reisen 118), welche aus zwei parallelen Stangen besteht, die an ihren Obertheilen einen gedeckten Kasten tragen. Die unteren Enden der beiden Stangen schleifen auf der Erde, die oberen ruhen hüftehoch über der Erde auf der Gabeldeichsel, deren untere Enden sich ebenfalls nach hinten verlängern, so dass, wenn der Büffel diese schlittenartige Pavavá durch tiefen Sumpfbrei schleift, die zwei unteren Enden jener Parallelstangen und die zwei hinteren Enden der Doppel-Deichsel die Last tragen. — Die Vicols besitzen zwar einen reichen Viehstand, kümmern sich aber nicht einmal um die Fütterung ihrer Thiere (Jagor, Reisen 123). Fischfang wird auch hier fleissig betrieben, sie benutzen hierzu die faustgrossen Früchte einer Barringtonie, indem sie wegen ihres geringen specifischen Gewichtes statt des Korkes bei den Netzen verwendet wird oder indem man ihre betäubende Eigenschaft durch Ausstreuen pulverisirter Früchte benutzt (Jagor, Reisen 152).In ihren Sitten und Bräuchen fällt zunächst der Umstand auf, dass sie nicht so leidenschaftliche Raucher sind, wie die übrigen Luzonier, sie geniessen lieber den Tabak in der Weise, dass sie die Cigarren mit dem Buyo zusammen kauen (Jagor, Reisen 127), obwohl ausserdem noch genug geraucht wird. Über ihre Bräuche bei Geburten &c., ihren Aberglauben ist mir Nichts bekannt. Dr. Jagor (Reisen 130) erwähnt, dass die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes unter dem Namen Triaca — aus Theriacum — als Universalmittel gegen Schlangen- und Hundebiss angesehen werden. Von ihren Gespenstern sei der Calapitnan, der Herr der Fledermäuse, erwähnt, der in der prachtvollen Tropfsteinhöhle bei Libmanan (Camarínes Norte) seinen Sitz aufgeschlagen hat (Jagor, Reisen 138). Obwohl seit drei Jahrhunderten Christen, sind sie nicht nur sehr abergläubisch, sondern auch lau in der Beobachtung der kirchlichen Vorschriften (Cavada a. v. St.).Ihre nicht grosse Industrie befasst sich meist nur mit feinen Webwaaren und Stickereien (Scheidnagel 24), die Sinamay- und Nipis-Zeuge von Camarínes rangiren an Güte unmittelbar nach denen von Ilócos Diaz (Arenas 291).Vicol-Heiden.Ausser den christlichen und civilisirten Vicols wohnen in den Provinzen Camarínes Norte y Sur und Albay auch noch hie und da in den Gebirgswildnissen zerstreut Horden von heidnischen halb- oder ganz-„wilden” Vicol-Malaien, welche von den Spaniern fälschlich Igorroten (neben „Cimarrones”) genannt werden. Sie sind allem Anscheine nach Abkömmlinge jener Malaien, welche in den Zeiten der Conquista vor dem spanischen Joche in die ungangbaren Bergwälder flohen und dann auch späterhin durch dem Steuerdruck sich entziehende Vicols, also durch „Remontados” frischen Nachschub erhielten. Waren doch die faulen Vicols stets geneigt, den lästigen Frohnden und der strengen Kirchendisciplin sich durch die Flucht in die Gebirgswälder zu entziehen, wir wissen ja, dass in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts das Innere der InselMasbate eine dichte Bevölkerung von solchen Flüchtlingen, die selbst von Luzon aus dort ihr Asyl gesucht hatten, besass (Fray Juan de la Concepcion VIII, 142). Selbst heute noch kommt dieses „remontarse” (sich in die Berge flüchten) häufig vor, die kleinen unbewohnten Inseln an der Küste von Camarínes Norte beherbergen oft zahlreiche solche Flüchtlinge—„los marítimos” genannt (Cavada II, 447)—, bis der Hunger oder der Arm der Behörde sie wieder zur Rückkehr in die Heimath zwingt. In den ersten Jahrhunderten der spanischen Herrschaft, beständig wie ein Wild gehetzt, sanken sie zu nomadisirenden Horden herab, die keine feste Niederlassung besassen, und in dieser Periode ihrer Entwickelung scheinen sie mit den ein ähnliches Leben führenden Negritos engere Beziehungen angeknüpft zu haben, wenigstens weist Jagor (Reisen 106) bei den Heiden vonIsarógnach, dass sie Mischlinge von Vicol-Malaien und Negritos wären.Solche Vicol-Heiden leben um die Vulcane Isaróg, Iriga, um Buhi, um den Vulcan Mazaraga, in der Cordillere von Caramuan, in der Nähe der Orte Libog und Tabaco. Aus dem Jahre 1848 liegt uns bei Diaz Arenas sogar eine Schätzung der Zahl dieser Heiden, und zwar jener der Provinz Camarínes Norte vor; darnach gab es dort in jenem Jahre: 3703 die Oberhoheit der spanischen Krone anerkennende „Infieles”, 8000 Cimarrones del Isaróg, 500 Cimarrones del Iriga, 300 Cimarrones de Buhi und 4000 Cimarrones der Cordillere von Caramuan. Die Zahlenangabe bezüglich der Heiden vom Isaróg ist offenbar ein Druckfehler, die Zahl scheint mir zu hochgegriffen zu sein. Ich will nun die einzelnen Horden näher in Betrachtung ziehen.Da mir über die Heiden der Cordillere von Caramuan nichts Näheres bekannt ist, so gehe ich sofort zu den Heiden vom Isaróg über. Diese wohnen bei dem genannten Vulcane in der Nähe der Pueblos Goa, Pili, Lagonoy, Bula, Quipayo &c. Sie sind zahlreich, in den drei Rancherías von Mahaluas (Magarao?), Siano und Paltoc sollen allein 2000(?) leben (Cavada I, 213). Nach Jagor (Reisen 163 u. 168) ist ihre Zahl durch Kämpfe mit den spanischen Finanzwachsoldaten und durch Fehden untereinander im Abnehmen begriffen. Jetzt haben die Kämpfe mit den Spaniern aufgehört, indem diese den Heiden den Ertrag ihrer Tabakfelder abkaufen (l. c. 164), und andererseits durch die liebenswürdige und hochherzige Verwendung des Dr. F. Jagor ihnen von der spanischen Regierung eine Anzahl von Begünstigungen zu Theil wurden. Jagor (l. c. 162) erwähnt von ihnen: „Sie sind es, die nach dem Urtheil des Pfarrers von Camarínes die Vicol-Sprache am reinsten sprechen. Ihre Sitten und Gebräuche sind in vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, welche noch heute bei den Dayaks herrschen”. An letztere erinnert auch die freilich im Erlöschen begriffene Sitte, den, wenn auch natürlichen Tod eines Verwandten, durch die Ermordung des ersten besten Fremden zu rächen (l. c. 171), da aber dem Ermordeten der Kopf nicht abgeschlagen wird, so ist diess eher auf ein Herübernehmen des ähnlichen Negritobrauches zurückzuführen, denn die Heiden vom Iriga beweisen durch eine leichte Kräuselung ihres Haares (l. c. 170), dass auch Negritoblut in ihren Adern rollt. Einen Schädel, der von einem erschlagenen Heiden vom Isaróg herrührte, erklärte Prof. Virchow in gewissen Beziehungen ähnlich mit den Malaien-Schädeln von den Sunda-Inseln, noch mehr aber mit Dayak-Schädeln (Jagor 169 u. 92). Die in der Nähe von Quipayo hausenden Isaróg-Heiden haben keine festen Niederlassungen, sondern schweifen wie die Negritos unablässig herum (Cavada I, 213), die anderen aber besitzen Hütten, welche hie und da vereinzelt im Walde stehen (Cavada I, 213 u. 221), nur diejenigen, welche der spanischen Regierung unterthan geworden, wurden gezwungen, in kleinen Weilern, deren Hütten aber auch weit auseinanderliegen, zu wohnen (Jagor, Reisen 163). Den Zugang zu ihren Hütten schützen sie durch Fussangeln oder Fusslanzen, welche mit Blättern und Reisig geschickt verdeckt sind (l. c. 166). In der Gestalt und Bauart unterscheiden sich ihre Hütten in Nichts von denen armer Vicol-Christen (l. c. 167). Sie bauen Bataten, Caladium, Mais, Zuckerrohr, Tabak (Jagor, Reisen 167;Cavada I, 213), und jene, welche in den oben erwähnten Rancherías Mahaluas, Siano und Paltoc leben, selbst Cacao, Abacá, Camote (Cavada, l. c.). Hausthiere sind Hunde, Katzen und Hühner (Jagor I, 168). Bei jenen Isaróg-Heiden, welche Dr. Jagor kennen lernte, waren die Weiber decent, wie christliche Indierinnen gekleidet (Jagor, Reisen 167), wogegen in jenen drei Rancherías die Weiber ebenso wie die Männer nur einen Lendenschurz tragen (Cavada I, 213). Ihre Waffen sind Pfeile, Lanzen, runde hölzerne Schilde am Rande mit Rotang beflochten und das Campilan-Waldmesser (Jagor, Reisen 169;Cavada, l. c.). Die Pfeile sind vergiftet (Cavada, l. c.). Während einige Horden die Christen durch Räuberüberfälle belästigen (Cavada I, 212), ist die Mehrzahl der Isaróg-Heiden mit denselben in freundlichem Verkehr, denen sie ihre Bodenproducte, ferner Honig, Wachs und Harze verkaufen (Jagor, Reisen 168;Cavada I, 213). Sie leben gewöhnlich nur mit einer Frau, obwohl Polygamie gestattet ist; die Frau wird um den Durchschnittspreis von 10 Waldmessern und 10 bis 12 Dollars baar gekauft (Jagor, Reisen 171). Der Vater der Braut veranstaltet einen Schmaus, bei dem grosse Mengen Palmwein vertilgt werden (Jagor, Reisen 172). Ihre musikalischen Instrumente sind Laute, Guitarre nach spanischem Muster und Maultrommeln aus Bambusrohr (Jagor, Reisen 167).DieHeiden vom Irigasind dunkelbraune Mischlinge von Negritos und Indiern, obwohl nur einige krauses Haar besitzen (Jagor, Reisen 106). Ihre Hütten sind bequem gebaut (Jagor, l. c.) und mit einem Hausgeräthe versehen, welches aus Cocosnussschalen, Bambusgeräthe, irdenen Töpfen und Waffen besteht (Jagor, l. c. 107). Die Tracht der Männer beschränkt sich nur auf ein Schamband, während die Weiber einen Schurz tragen, der den Unterleib und die Oberschenkel, von der Hüfte bis zu den Knieen, deckt (Jagor, l. c.). Sie bauen einige Knollengewächse und etwas Zuckerrohr an (Jagor 106). Zur Jagd auf die Wildschweine dienen vergiftete Pfeile (Jagor 107), deren Gift aus zwei unbekannten Baumrinden bereitet wird. Das fertige Gift hat die Consistenz einer zähen Salbe. Für einen Pfeil braucht man nur ein haselnussgrosses Stück, worauf der vergiftete Pfeil mit seiner Wirkung für viele Schüsse ausreicht (Jagor 112). Mit den Christen unterhalten sie Handel und Verkehr.Die Heiden, welche beim Vulcane Mazaraga in einigen verstreuten Hütten wohnen, sind freundliche Leute (Jagor, Reisen 178). Dasselbe gilt für jene Horden, welche bei Libol und Tabaco in der Provinz Albay wohnen, sie stehen mit den Christen in Verbindung, ja einige lassen sogar ihre Kinder taufen (Cavada I, 221). Nach der Nummer 877 des „Comercio” (Manila, den 16. Aug. 1881) sind in jüngster Zeit in der „La Rinconada” (Provinz Camarínes Sur) neue Pueblos solcher „monteses” von der Colonial-Regierung gegründet worden. Die Ausbreitung der spanischen Herrschaft unter diesen Heiden scheint also Fortschritte zu machen.34. Manguianen (Manguianes).Unter dem Namen Manguianen sind die halbwilden Malaien-Stämme zu verstehen, welche das Innere der grossen Insel Mindoro und (nach Cavada II, 127) auch die Gebirgswildnisse der Inseln Romblon und Tablas bewohnen. Ob sie ein eigener Zweig der philippinischen Malaien sind, lässt sich nach den zwar zahlreichen, aber dürftigen und sich vielfach widersprechenden Notizen, die uns von diesen Wilden Nachricht geben, gar nicht entscheiden. Das eine aber scheint mir sicher zu stehen, dass sie mit den Tagalen Nichts gemein haben und wohl eher als ein besonderer Zweig der Visayer aufgefasst werden könnten, aber eben nurkönnten. Es könnte leicht sein, ihre Existenz auf ähnliche Weise zu deuten, wie diess bei den Vicol-Heiden geschehen ist. Der Ansicht, die in Waitz V, 61, entwickelt wird, wonach die Manguianen „wenige, den Angriffen der Piraten23entgangene Flüchtlinge sind, die von den Urbewohnern (welchen?) des Centralgebirges verschieden zu sein scheinen”, kann ich unmöglich beipflichten, wie Jeder, der die Geschichte der Philippinen vom Beginn der spanischen Occupation an genau studirt hat. Nach der Allgem. Historie XI, 393, wären sie eine Bastardrasse von Negritos und (Visayer-?) Malaien, was also den Ursprung dieser Manguianen auf ähnliche Weise erklären würde, wie jenen der Vicol-Heiden. Die Manguianen waren seiner Zeit in der gelehrten Welt sehr genannt, indem Careri (p. 42) von ihnen nach den Berichten der Jesuiten erzählte, sie hätten vier bis fünf Zoll lange Schwänze. Gemelli-Careri berichtet überhaupt von ihnen, dass sie bis auf eine dürftige Bedeckung der Schamtheile nackt gingen, und ihre Wohnungen nach der Jahreszeit veränderten, weil sie sich blos von wildwachsenden Früchten nährten. Den Christen verkauften sie Wachs, wofür sie Nägel, Messer, Nadeln und Zeug erhielten. Es ist diess ein Bild, das, auch auf Negritos angewendet, vollkommen treffend wäre, und dennoch ersieht man, dass Careri sie scharf von den Negritos zu trennen weiss. Auch Fray Juan de la Concepcion VII, 11, spricht von ihrer starken Zahl, welche in der jüngsten Zeit auf 30 000 Köpfe veranschlagt wird (Cavada II, 37). Im Äusseren sollen die Manguianen den (eigentlichen?) Malaien ähnlich sein (Waitz V, 100, nach Journal III, 758).Die Manguianen von Mindoro zerfallen wieder in kleinere Stämme, welche die Namen Buquit, Tadiaban, Bungon &c. führen. Einige dieser Stämme stehen in friedlichem Verkehre mit den Christen, andere aber, besonders jene tief im Innern des Landes, fliehen vor jeder Berührung mit den christlichen Küstenbewohnern (Cavada II, 37). Die Manguianen von Romblon lieben ein herumschweifendes und müssiges Leben und rauben den Christen Vieh (Cavada II, 127). Die Manguianen von Mindoro bestatten noch jetzt, wie alle philippinischen Malaien in den Tagen ihrer Unabhängigkeit, ihre Todten in Höhlen, am bekanntesten ist als solche Grabstätte eine grosse Höhle an der Ostküste der Insel (Semper, Erdk. XIII, 95).35. Mundos.Die Mundos sind wilde Bergvölker auf Cebú (Mozo 134) und Panay (Mozo, l. c. u. Hügel 367). Nach Hügel (l. c.) gleichen sie den Igorroten in „Allem”, was aber nach den genaueren Nachrichten Mozo’s nicht wahr ist, denn nach diesen theilen sie die Sitten und Bräuche der Tagalen und Visayer, und Hügel hat jenes „in Allem” wohl nur den Manilesen nachgesagt, die alle wilden Heiden „Igorrotes” tituliren, denn Panay hat Baron Hügel nicht besucht.Sie glauben an den Patianac, der uns schon von den Tagalen her bekannt ist, ihm schreiben sie es zu, wenn sie auf einem Pfade sich verirren. In diesem Falle entledigensie sich ihres ohnediess nur dürftigen Anzugs, denn der Patianac flieht vor den Nackten, und so können sie auf diese Weise den verlorenen Weg wiederfinden (Mozo 137). Um Diebe zu entdecken oder verlorene Sachen wiederzufinden, bedienen sie sich gewisser Zauberformeln, welche sie Bilao nennen (l. c.). Sie halten überhaupt viel auf Zauberei, weshalb unter ihnen auch zahlreiche Zauberer wohnen, welche sich in Crocodile oder andere Thiere verwandeln können und dann den Menschen viel Unheil zufügen (Mozo 135). Sie glauben an Behexung, „Gavay” genannt, von der man sich durch besondere Ceremonien, welche Mozo (Misiones 136) beschreibt, wieder befreien oder enthexen kann. Die Christen haben deshalb eine grosse Scheu vor diesen Wilden und wollen ihre Niederlassung in ihren Dörfern nicht dulden. Sie leiden sehr an Magenkrankheiten, „Bungsol” genannt (Mozo 136).Die Zahl der Mundos ist eine beträchtliche; 1848 zählte man nach Diaz Arenas allein in der Provinz Ilo-ilo (Insel Panay) 5000 Mundos. Nach eben demselben Autor leben unter ihnen viele Remontados. Es ist überhaupt noch fraglich, ob die Mundos ein selbständiger eigenartiger Stamm sind, ich vermuthe nach ihren abergläubischen Bräuchen, dass sie Visayer im Stadium der Vicol-Heiden vom Isaróg, Iriga, Caramuan &c. sind. Sie scheinen von Remontados und Negritos abzustammen (man vgl.Buzeta II, 103).36. Carolanen (Carolanos).Der Name dieses Stammes wird nur von Diaz Arenas erwähnt, nach welchem sie 1848 auf der Insel Negros in der Kopfzahl von 2322 in dem Gebirgszuge lebten, der sich von der Hauptstadt gegen Cauayan hin ausdehnt. Wahrscheinlich ist diess nur ein besonderer Name für einige Horden von Visayer-Heiden.37. Visayer (Visayas)24.Die Visayer bewohnen alle jene Inseln, welche südlich von Luzon, Masbato, Burías, Ticao und Mindoro und nördlich von Borneo, Sulu und Mindanao liegen. Auf letzterer Insel wird von ihnen auch die ganze Nord- und Ostküste bewohnt, jedoch streng genommen nur an derKüste. Im südlichen Theile von Palawan (Paragua der Spanier) scheinen andere Malaien bereits zu wohnen.Die Visayer-Sprache zerfällt in die Dialekte von Cebú, dem eigentlichen Visayer-Dialekt und jenem, der auf der Gruppe der Calamianen und Cuyos-Inseln gesprochen wird. Eine Unterabtheilung des Visayer-Dialektes sollen wieder der Dialekt von Süd-Panay, das Panayano, ferner der Dialekt von Capiz sein, doch widersprechen sich da die Nachrichten, und da ich der Visayer-Sprache unkundig, so will ich darüber hinweggehen. Nach ihren Sitten und Bräuchen zerfallen sie in die eigentlichen Visayer, in die Caragas und Calamianen incl. Coyuvos.a)Visayerim engeren Sinne des Wortes. Diese bewohnen die Inseln Panay, Romblon, Tablas, Masbate (sporadisch neben den Vicols), Negros, Cebú, Bóhol, Sámar, Leyte, den Surigao-Archipel und die Landschaft Dapitan der Provinz Misámis auf der Nordküste von Mindanao. Auf dem übrigen Theil der Nordküste von Mindanao (Misámis, Iligan, Cagayán und Butnan) wohnen zwar auch Visayer, aber sie sind mit den eingeborenen Stämmen sehr stark vermischt, doch bleibt ihre Sprache dort die herrschende. Am Meerbusen von Davao sind viele Visayer angesiedelt, welche die Spanier seit dem Jahre 1848, wo sie jenes Land occupirten, dorthin gebracht haben. Die Visayer sind nicht so weit im Archipel verstreut, wie die intelligenteren Tagalen, doch finden sich welche, meist Fischer, selbst auf den Babuyanen, besonders auf Camiguin25(Mas, pobl. 42). Die Visayer der Küstendistricte sind alle Christen und civilisirt, im Innern dieser Inseln leben sie aber als halbwilde Heiden, welche von jenen Visayern abstammen, die sich den Spaniern nicht unterwerfen wollten, und welche durch Remontados immer neuen Zuschuss erhielten und zum Theil noch erhalten. Ich werde zunächst mich mit den Christen befassen.Die Visayer waren zur Zeit der Conquista bereits ein civilisirtes Volk, das, entgegen den Ansichten der modernen spanischen Schriftsteller, welche ohne auf die ursprünglichen Quellenwerke zurückzugehen, über die Geschichte der Philippinen Essays schreiben, einen noch höheren Grad von Cultur besass als die Tagalen. Borneo, Mindanao und den Molukken näher gelegen als die Tagalen, standen sie auch mit diesen Ländern in regerer Verbindung, und diese mag auch die Ursache sein, dass ihr Typus dem der eigentlichen Malaien sich mehr nähert, als jenem der Tagalen. Im XVI. und XVII. Jahrhundert wurden sie von den Spaniern Pintados genannt, weil sie ihren Körper zu bemalen pflegten. Sie nahmen ohne besondere Schwierigkeiten das Christenthum an und halfen mit ihren Kriegern den Spaniern die Tagalen unterjochen.Ihre Hütten sind nach demselben Modell gebaut, wie jene der Tagalen, dagegen unterscheiden sie sich von letzteren durch Tracht und Gewandung. Während die Tagalen das Haar verschneiden, lassen auch die Männer bei den Visayern das Haar lang wachsen (Buzeta I, 242). Die Frauen tragen keinen Tapis, sondern nur die aus grobem aber durchscheinenden Guinara-Zeug verfertigte Saya und die kaum die Brüste bedeckende Camisa (Jagor, Reisen 188).Um das Haar schlingen die Frauen ein Stück Zeug (Buzeta, l. c.). Sie bauen alle Getreidesorten und Culturpflanzen, die auf Luzon cultivirt werden, Reis insbesondere auf Panay, Zucker auf Cebú, Bóhol, Negros, vorzüglichen Cacao auf Cebú, Tabak auf Cebú und Bóhol, Mais auf Cebú, Abacá auf Leyte, Kaffee in der Provinz Misámis auf Mindanao. Viel stärker als auf Luzon wird auch rother Pfeffer cultivirt, da die Visayer damit alle ihre Speisen, besonders aber die Morisqueta, stark würzen (Buzeta I, 33). Cocospflanzungen sind überall, Viehzucht wird lässig betrieben. Sie sind noch eifrigere Fischer als die Tagalen, der Fang von Trepang („Balate”), der hier häufigeren Manatis und Schildkröten liefert ihnen reichen Gewinn, desgleichen das Suchen der Schwalbennester (Buzeta, Mas, Semper, Cañamaque, Cavada a. v. St.).Von den Tagalen unterscheiden sie sich unangenehm durch ihre Unreinlichkeit (Jagor 188) und durch ihre Trunksucht (Cavada a. v. St.). Ihre alte Religion glich in vielen Punkten jener der Tagalen, auch sie kannten den Ahnencultus, nur wurden die Nonos und Anitos der Tagalen und Nord-Luzonier hier Diuatas oder Divatas genannt. Sie besassen Idole, Liche oder Laravan mit Namen. Ihre Priesterinnen hiessen Babaylanas, neben diesen waren auch Priester. Selbst unter den Christen erhielt sich der alte Glaube insgeheim, 1797 noch entdeckten die Mönche in dem seit der Conquista christlichen Pueblo Sibalon auf Panay (Provinz Antique) 180 Babaylanas (Buzeta I, 300). Selbst unter den Cabezas de Barangay auf Sámar gab es 1648 heimliche heidnische Priester (Tanner III, 544). Auch bei den Visayern war das Schwein das bevorzugte Opferthier.In den Zeiten der Conquista herrschte bei den Visayern die Polygamie. Das Christenthum beseitigte diese, nicht aber die grenzenlose Unsittlichkeit und Unzucht, über welche alle älteren Schriftsteller schauderhafte Details berichten (man vgl. vorzüglich:Morga-Stanley 304 und Carletti 148). Auch heute ist Ehebruch ungemein häufig, um so mehr, als die Gatten keine Eifersucht kennen, und wie in den Zeiten der Conquista, geben sich die Frauen viel leichter preis und sind auch viel geiler als die Mädchen (Jagor, Reisen 236). Der Freier dient, ähnlich wie bei den Tagalen es vordem häufiger üblich war, 2–5 Jahre dem Vater seiner Braut umsonst, ehe er diese als Gattin heimführt (Jagor 235). Francisco Cañamaque (Fil. 186 f.) beschreibt die Brautwerbung wie folgt: Der Freier geht mit einem angesehenen Manne seines Dorfes zu den Eltern seiner Auserwählten, und beide fragen letztere, ob sie zur Eheschliessung geneigt ist, worauf sie mit Ja antwortet. Das Herkommen erfordert es, dass die Braut hierbei des Leides gedenkt, das ihr die durch die Ehe nöthig werdende Trennung von den Eltern verursachen müsste. Die letzteren pflegen, selbst wenn sie wohlhabend sind, dem Freier zu erklären, sich wohl Alles zu erwägen, denn ihre Tochter habe kein Vermögen, besitze keine Kenntnisse und sei überdiess recht albern. Der Freier und sein Genosse wiederholen aber die Werbung immer von Neuem, bis der Vater einwilligt. Ist diess geschehen, so fangen die vor der Thüre versammelten Freunde des Freiers an, Raketen steigen zu lassen und Musikinstrumente zu bearbeiten, andere gehen in das Haus hinein, überreichen süsse Bäckereien, Tabak, Buyo &c. Nach der kirchlichen Trauung durcheilt die junge Frau, begleitet von Freundinnen, die Gassen des Dorfes, um alle Verwandten und Freunde zu einer Chocoladegesellschaft (mit Tanz und Gesang) einzuladen. Wenn die Jungfräulichkeit der soeben Getrauten über allem Zweifel erhaben ist, so tanzen die beiden Gatten zusammen einen Tanz, worauf die geladenen männlichen Gäste eine grosse Anzahl von Töpfen und Schüsseln, welche aber noch nie gebraucht worden sind, zu den Füssen des Paares zerbrechen und hinwerfen. Bei dem Hochzeitsmale essen zuerst die Frauen, nach diesen die geladenen Männer und dann erst die zum Hause Gehörigen, wobei die Sitte erfordert, dass jedes Mal ganz neue Gerichte auf den Tisch oder, richtiger gesagt, auf die über den Boden gelegte Matte, aufgetragen werden, selbst wenn grosse Speisequantitäten von der vorhergehenden Tafel übrig sind. — Die Ehen sind sehr fruchtbar, man zählt oft 12 bis 13 Kinder in einer Ehe, doch ist dafür auch die Kindersterblichkeit eine grosse (Jagor, Reisen 236).In ihren sonstigen Bräuchen und Sitten weichen sie nicht sehr von den Tagalen ab. Ihre Todten begruben sie in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit, ähnlich wie die Igorroten, in Höhlen, das hat natürlich unter dem Christenthum aufhören müssen. Wie die Tagalen feiern auch die Visayer ein neuntägiges Todtenfest, das am letzten Tage in einer eigenthümlichen Weise seinen Abschluss findet. Der beste Theil des Hauses wird schwarz ausgeschlagen und eine Art Thronhimmel in demselben errichtet, auf dessen Hintergrund 10 bis 12 Todtenköpfe gemalt oder solche aus Papier ausgeschnittene befestigt werden. Dann wird unter diesem Thronhimmel ein Katafalk aufgerichtet, der mit allen Heiligenbildern, die die Verwandtschaft der verstorbenen Personen auftreiben kann, beklebt wird. Um 8 Uhr Abends halten dann die Hinterbliebenen das letzte Gebet für den Verstorbenen ab, was eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, worauf das Haus für alle Eintretenden geöffnet wird. Speisen und Getränke stehen Jedem in reichlicher Fülle zur Verfügung. Ist der Magen der Anwesenden befriedigt, so werden von den Anwesenden improvisirte Coplas gesungen, deren Inhalt mit dem Todesfalle in gar keinem Zusammenhange steht, sondern sich meist um Schlachten oder fröhliche Dinge dreht. Diese Coplas werden nach einer durch eigenthümliche Regeln geordneten Weise, ähnlich wiebei dem deutschen Pfänderspiel „zusammengesetzte Hauptwörter”, von Burschen und Mädchen gesungen, welche als Theilnehmer dieses Spieles bellacos und bellacas26heissen, der Anführer des Chors heisst: Dueño de Jato27und das Spiel selbst Duplo28(Cañamaque, Fil. 180–185).Ihre Industrie beschränkt sich hauptsächlich auf Herstellung von groben Sinamay- und Nipis-Zeugen (Diaz Arenas 291). Einen besonderen Ruf geniessen die wunderbar feinen Piña-Gewebe, bei deren Herstellung Fenster und Thüren fest verschlossen bleiben müssen, da der geringste Luftzug hinreicht, die zarten Fäden zu zerreissen (Buzeta I, 211). Die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern wird denn auch in dem einzigen Hafen Ilo-ilo allein auf 1 000 000 Dollar geschätzt (Jagor 241). Die beste und feinste Piña wird in Antique gearbeitet (Scheidnagel 127). Durch Gährung wird aus den Cocosnüssen ein stinkendes Öl mit Namen aceite de caracoas oder mabajon lañgis bereitet (Buzeta I, 31), welches in grossen Massen ausgeführt wird. Bei der Ölgewinnung geht man sehr nachlässig vor (Jagor, Reisen 214). Sonst sind noch als Exportartikel der Visayer-Industrie Stöcke und Messergriffe aus Horn erwähnenswerth (Scheidnagel 128).Das Innere aller der von Visayern bewohnten Inseln ist von „wilden” Visayern, „Infieles, Montesinos, Cimarrones” der Spanier bewohnt. Diese stammen sämmtlich von Flüchtlingen ab, welche vor dem Christenthum und der spanischen Herrschaft in die Wälder flohen. Sie sind meist gutmüthiger Natur und beginnen allmählich, ihren Nacken unter das spanische Joch zu beugen, obwohl trotzdem noch Jahrzehnte verfliessen werden, ehe die Spanier Herren der Binnenlandschaften der Inseln werden, deren Küstensaum sie beherrschen.b)Calamianen. Die Calamianen bewohnen den gleichnamigen Archipel und den nördlichen Theil von Palawan oder Paragua, die von ihnen fast gar nicht verschiedenen Coyuvos die kleine Inselgruppe von Cuyo. Die sogenannten Agutainos bilden die nördliche Hälfte derCoyuvos. Die Calamianen sind dunkler gefärbt als die übrigen Visayer und haben etwas krauses Haar (Waitz V, 98;nach Mallat I, 335 und Crawfurd), was auf eine Beimischung von Negritoblut hindeuten würde. Ihre Gesichtszüge sollen einen wilden Ausdruck besitzen (Bastian V, 274). Sie bauen Reis, Cacao, Kaffee, Baumwolle und Pfeffer, aber Alles in so geringen Quantitäten, dass nicht einmal der heimische Bedarf damit gedeckt wird (Buzeta I, 452). Desto eifriger wird Fischfang getrieben (Cavada II, 21; Scheidnagel 45), besonders aber die Balate- oder Trepangfischerei; die Calamianen sind auch die eifrigsten und gewandtesten Sucher der essbaren Schwalbennester, weshalb ihre Länder als der Hauptsitz des Schwalbennesterhandels anzusehen sind (Buzeta I, 41;Cavada II, 21). Der Handel mit dem von den Wilden aus dem Gebirge eingetauschten Wachs und Honig wird eifrig betrieben. Sie werden als abergläubisch, indolent und faul geschildert, das „Remontarse” ist unter ihnen besonders häufig (Cavada, l. c.). Industrie existirt kaum dem Namen nach und beschränkt sich nur auf weibliche Webearbeiten.c)Caragas. Die Caragas bewohnen die Ostküste von Mindanao vom Cap Surigao bis zum Cap S. Augustin. Sie gehören zu dem kriegerischsten Stamme der Visayer, ihre wilde Tapferkeit machten sich die Spanier in jenen grossen Kriegen zu nutze, welche sie im XVII. Jahrhundert gegen die Holländer und die Sultane von Buhayan, Mindanao und Sulu führten. Von ihrem kriegerischen Wesen zeugt die noch zu Ende des XVII. Jahrhunderts übliche Sitte, dass wer von ihnen sieben Menschen getödtet hatte, das Recht erhielt, einen rothen Turban zu tragen. Dieser Turban führte den Namen Bajacho. Natürlich hat diese Sitte seit lange bereits aufgehört. Die heutigen Caragas, seit drei Jahrhunderten Christen, unterscheiden sich jetzt wenig von den übrigen Visayern. Ihr Hauptnahrungszweig ist die Fischerei, dann erst der Reisbau; Industrie gering.
30. Catalanganen.Die Catalanganen sind nur ein Zweig der Irayas, verdienen aber eine Sonderstellung, weil sie in ihren Sitten, Bräuchen und Anschauungen von den letzteren gänzlich abweichen. Ihren Namen erhielten sie von dem Rio Catalangan, einem rechten Zuflusse des Rio Grande de Cagayán, an dessen Ufern ihre Hauptsitze zu suchen sind (Provinz Isabela).Prof. Semper hält sie für stark mit chinesischem Blute gemischt und bemerkt hierüber: „Die Abstammung von der mongolischen Rasse liess sich auf den ersten Blick erkennen, an dem hohen Körperbau der Leute, dem länglichen schmalen Gesichte mit stark zurücktretendem Kinn und der hohen, von Haarwuchs freien, aber sehr nach hinten gekrümmten Stirn, an den starken Backenknochen und den kleinen Augen” (Erdk. X, 257). Innere historische Gründe sprechen gegen eine starke Beimischung chinesischen Blutes. Semper nimmt auch Mengung mit Japanen oder wenigstens starken japanischen Einfluss an (Semper, Erdk. X, 265, und Skizzen 55). Unter den Catalanganen leben friedlich Negritos (Semper, Erdk. X, 260;Cavada I, 81). Was die günstigen Seiten ihres Charakters anbelangt, so werden ihre Friedfertigkeit, welche aber nur ihrer grossen Feigheit zu verdanken ist, ihre Ordnungsliebe, Subordination, Nüchternheit und Frugalität gerühmt, ihnen dagegen aber Habsucht, Geiz, Indolenz, Ungastlichkeit &c. vorgeworfen (Semper, Erdk. X, 261). In Bezug auf letzteres hebt Cavada gerade das Gegentheil hervor, vielleicht im Irrthume begriffen, indem er die Irayas meinte, oder es hat seit Semper’s Besuch ein Umschwung Statt gefunden.Sie tätowiren sich, die Muster sind chinesischen oder japanischen Ursprunges (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 55), nach einer anderen Stelle (Semper, Erdk. X, 254) aber vonderselben Art, wie sie bei den Negritos üblich ist. Die Männer und Weiber tragen eine ähnliche Kleidung wie die „Indier”, d. h. die christlichen Malaien. Um den Leib über Hüften und Nabel werden buntgefärbte geflochtene Bänder und Messingstreifen getragen (Semper, Erdk. X, 260). Ausserdem tragen Männer und Weiber einen Gürtel mit einer dicken Patronentasche, welche rückwärts hängt und in welcher der Buyo, der von ihnen auch mit Leidenschaft gekaut wird, sich befindet (l. c.). Diese Tasche dient auch als Stützpunkt für die kleinen Kinder, welche mittelst eines Zeuges von der Mutter auf dem Rücken nach Zigeunerart getragen werden (l. c.).Ihre Schmucksachen gleichen denen der Negritos (Semper, Erdk. X, 260). Am Arme und in den Ohren tragen sie Messingringe, in einem Ohre mitunter 6 Ringe, wodurch die Ohrlappen eine unnatürliche Verlängerung erleiden (l. c.). Auch Glasperlen, Ohrgehänge aus Silber oder schlecht vergoldetem Kupfer kaufen sie gern von christlichen und chinesischen Krämern ein (Semper, Erdk. X, 259). Ihre Waffen sind Bogen und Pfeile (l. c. 261).Ihre Rancherías bestehen nur aus wenigen Hütten, und diese selbst liegen weit auseinander, so dass selbst die grössten Dörfer nicht mehr als 20 bis 30 Hütten zählen (Semper, Erdk. X, 258). Die Hütten stehen auf Pfählen, so dass man nur auf einer Leiter in das Innere gelangen kann; in der Nacht wird die Leiter aufgezogen. Die Dächer sind sehr dicht und solid aus Gras oder Rohr über dem Gebälke hergestellt (Semper, Erdk. X, 260, u. Skizzen 54). Das Innere der Hütte wird nur durch eine Schwelle in Küche und Wohnzimmer geschieden, der Rauch muss sich durch die Thüre und durch die Fensterluken (selten mehr als zwei) den Ausweg suchen (Erdk. X, 259). Oft ist an das übrigens kleine und niedrige Haus eine ebenso armselige Scheune angebaut (l. c.), und wenige Hütten giebt es, welche ohne eine Schmiede wären, die stets den Ahnen, den Anitos, geheiligt ist (l. c. 262). Neben dem Hause liegen gewöhnlich zwei Scheunen, eine für den Reis, die andere für den Mais (l. c. 257), ebenso sind auch in der nächsten Nähe kleine Götterhäuschen angebracht (l. c.). Die Hütten selbst liegen auf freien, sorgfältig reingehaltenen (man denke an den Igorrotenschmutz!) Plätzen (l. c. 256), selbst der unter dem Hause befindliche freie Raum wird sauber gefegt (Semper, Skizzen 55).Die Catalanganen sind Ackerbauer, und zwar sind wie bei den Apayaos Mais und Reis diejenigen Feldfrüchte, welche nahezu ausschliesslich cultivirt werden (Semper, Erdk. X, 257). Ausserdem bauen sie Zuckerrohr, einen trefflichen Tabak, die Wurzeln: Samate, Ubi, Gabe oder Gabi (l. c. 258), letztere ist uns schon bekannt, überdiess wird noch ein Strauch „Tubá” gezogen, dessen gepulverte Frucht zum Betäuben der Fische verwendet wird (l. c. 259). Sie zeichnen sich durch die Sorgfalt aus, mit der sie ihre Äcker von Baumstümpfen, Steinen und Unkraut reinigen (l. c. 257;Semper, Skizzen 54). Ihr Fleiss ist schon dadurch gekennzeichnet, dass sie—wenigstens vor zwanzig Jahren—nur in einer einzigen Ranchería Büffel besassen und zur Feldarbeit benutzen konnten, während in allen übrigen Dörfern nur Menschenhände zur Verfügung standen (Semper, Erdk. X, 258, Skizzen 54). Da sie keine Werkzeuge zum Säen und Ernten besitzen, so müssen sie bei der Ernte mühsam jeden Halm mit einem kleinen Messer abschneiden (Semper, Skizzen 54). Durch Anlage von Dämmen suchen sie ihre Felder vor Überschwemmungen zu sichern (Semper, Skizzen 56). Durch Aufspeichern grosser Getreidevorräthe haben sie sich für die Zeiten der Hungersnoth, der Missernte &c. geschützt, werden aber durch diese weise Vorsicht geizig und ungastlich, sie weigern sich sogar, etwas von ihren Vorräthen zu verkaufen (Semper, Erdk. X, 257, u. Skizzen 55). Ausser den Früchten ihrer Felder bildet Honig auch einen Hauptbestandtheil ihrer Nahrung, während sie das Wachs wie alle Bergstämme an die Christen verkaufen (Semper, Erdk. X, 258). Da ihre Flüsse und Bäche von Fischen wimmeln, so liefert das Fleisch derselben nicht nur ihre wichtigste animalische Kost, sie sind vielmehr in der Lage, selbst von ihrem Überflusse an die Christen etwas zu verkaufen und zwar sind es meist gesalzene Fische, welche der Gegenstand dieses regen Handelsverkehrs sind (Semper, Erdk. l. c.). Der Fischfang selbst findet auf alle mögliche Weise Statt: das Betäuben der Fische durch die Tuba-Frucht, das Ausspannen von Grundnetzen, die Benutzung von Angeln, Fischreusen, das Sperren, alle diese Methoden werden nebeneinander angewendet (Semper, Erdk. 258 n. f.;Skizzen 57).Ihre Religion kennt zwei Götterpaare, welchen zu Ehren grosse hölzerne Tafeln unter dem Dache der Thür gegenüber schräg befestigt werden, auf den Tafeln sind Schriftzeichen angebracht, „die sehr an chinesische erinnerten” (Semper, Erdk. X, 261). Die Namen dieser Götterpaare sind: Tschiehónau18mit einer Frau Bebenángan und Sialó mit seinem Weibe Binalínga. Sie scheinen auch Götteridole zu besitzen, wenigstens erwähnt Semper, er hätte in einem Hause das geschnitzte Bild eines Gottes gesehen (Semper, Erdk. l. c.). Im Juni wird diesen Götterpaaren zu Ehren in einem ihrer Dörfer ein Fest gefeiert, in jener Ranchería ist ihnen nämlich ein Haus geweiht, „worin der letzte Priester Hantasan und sein Weib Talamajäu19gewohnt haben”; seit dem Tode dieses Priesterpaares kennen dieCatalanganen keine Priester mehr (Semper, Erdk. X, 261). Es wäre sehr interessant, wenn wir über diese Sage mehr in Erfahrung brächten.Wie bei allen Malaien der Philippinen wird auch hier den Seelen der Ahnen, den Anitos, eine grössere Verehrung erwiesen, als den eigentlichen Göttern. Anito wird die Seele eines jeden Todten, der zu seinen Lebzeiten Grossvaterfreuden erlebte (Semper, Erdk. X, 262). Der Anito behält auch als solcher den Namen, den er einst als Mensch getragen. Vor den Hütten werden den ältesten Anitos der Familie rohe Hausmodelle von 1½ bis 2 Fuss Höhe als Wohnsitz angewiesen, dem ältesten Anito aber ist „der kleine freie Platz vor der Leiter, auf dem der Pilan (Reismörser) steht, geweiht; er darf weder durch Feuer noch durch Essen entweiht werden” (Semper, Erdk. X, 262). Jüngeren Anitos sind eigenthümlich geformte Bänke, auf denen dem Chinesischen ähnliche Schriftzeichen eingeritzt sind (Semper, Erdk. l. c.), geweiht. Anderen Anitos sind als Sitze Töpfe in irgend einer Ecke aufgestellt (Semper, Erdk. l. c. u. Skizzen 56). Die Catalanganen heben die Perlenschnüre und Schmucksachen ihrer Verstorbenen als wunderthätige Reliquien auf und verkaufen sie, ähnlich den Apayaos, um keinen Preis (Erdk. l. c.). Von jeder Schüssel wird beim Speisen den Anitos ein Theil geopfert, während aber bei einigen Stämmen Luzons ein kleiner Rest zu dieser Art Libation verwendet wird, pflegen die Catalanganen diess Opfer zu bringen, bevor sie zu essen beginnen (Semper, Erdk. X, 263). Ähnlich den anderen Bergstämmen feiern sie den Anitos zu Ehren zur Saat- und Erntezeit allgemeine Feste (l. c.).Ihre religiösen und nationalen Feste richten sich nach dem Laufe der Sonne (Semper, Skizzen 57). Bei diesen Festlichkeiten bildet Tanzen einen wichtigenProgrammpunkt. Ihre Tänze sind pantomimische Darstellungen der Liebe, und so tritt immer nureinPaar auf: die Tänzerin dreht sich mit unbeweglich ausgestreckten Armen um sich selbst, während der Mann wie rasend mit den Armen herumfuchtelt und das Weib stampfend umkreist. Sinkt der Tänzer erschöpft zur Erde, so tritt sofort ein anderer für ihn ein. Ihre nationalen Musikinstrumente sind Gongs, welche mit flachen Händen bearbeitet werden. Ausser diesen Liebestänzen besitzen sie auch einen Kriegstanz (Semper, Erdk. X, 263).Die ehelichen Bande sind leicht zu lösen: sind Eheleute gegenseitig unzufrieden, so gehen die Gatten ohne jeden Ceremonienkram auseinander und schliessen neue Ehen; trotz dieser Leichtigkeit der Ehescheidung kommen solche Fälle nur selten vor (Semper, Erdk. X, 264).Die Särge sind an beiden Enden offen; die Todten werden in ihren Kleidern und Schmucksachen in diese Särge gelegt, auch Habseligkeiten werden mit hineingegeben. Unter grossem Heulen und Wehklagen der Hinterbliebenen wird der Sarg unter dem Hause in die Erde gesenkt, bemerkenswerth ist, dass bei dieser Gelegenheit die Trauernden um das Grab herum knieen (Semper, Erdk. X, 263). Die Leichenfeier wird mit einem Festschmause geschlossen (l. c. 264).Prof. C. Semper rühmt ihnen Achtung vor dem Eigenthume nach: Diebstahl wird mit dem Feuertode bestraft (Semper l. c. 261).Sehen wir von dem Flechten von Matten ab, so ist der wichtigste Zweig ihrer Industrie die Verfertigung von Booten, welche sie an Christen und chinesische Händler in Ilagán um einen geringen Preis verkaufen (Semper, Erdk. X, 259).Seit 30 Jahren sind sie der spanischen Regierung unterthan, doch begnügt sich diese mit der Einhebung einer kleinen Kopfsteuer (dem „Reconocimiento”), welche ein Commissär jährlich einhebt. Die Spanier haben in jedem Dorfe einen Gemeindevorsteher, den Gobernadorcillo, durch Scheinwahl eingesetzt; diese Gobernadorcillos haben aber in ihrem Dorfe weder Ansehen noch Macht, nur ihre Eitelkeit kann sich durch das Tragen des silberbeschlagenen Amtsstockes und einer dunklen Jacke befriedigt fühlen und sie so für die Lasten und Verantwortlichkeiten entschädigen, die sie den spanischen Behörden gegenüber übernehmen (Semper, Erdk. X, 264).
30. Catalanganen.
Die Catalanganen sind nur ein Zweig der Irayas, verdienen aber eine Sonderstellung, weil sie in ihren Sitten, Bräuchen und Anschauungen von den letzteren gänzlich abweichen. Ihren Namen erhielten sie von dem Rio Catalangan, einem rechten Zuflusse des Rio Grande de Cagayán, an dessen Ufern ihre Hauptsitze zu suchen sind (Provinz Isabela).Prof. Semper hält sie für stark mit chinesischem Blute gemischt und bemerkt hierüber: „Die Abstammung von der mongolischen Rasse liess sich auf den ersten Blick erkennen, an dem hohen Körperbau der Leute, dem länglichen schmalen Gesichte mit stark zurücktretendem Kinn und der hohen, von Haarwuchs freien, aber sehr nach hinten gekrümmten Stirn, an den starken Backenknochen und den kleinen Augen” (Erdk. X, 257). Innere historische Gründe sprechen gegen eine starke Beimischung chinesischen Blutes. Semper nimmt auch Mengung mit Japanen oder wenigstens starken japanischen Einfluss an (Semper, Erdk. X, 265, und Skizzen 55). Unter den Catalanganen leben friedlich Negritos (Semper, Erdk. X, 260;Cavada I, 81). Was die günstigen Seiten ihres Charakters anbelangt, so werden ihre Friedfertigkeit, welche aber nur ihrer grossen Feigheit zu verdanken ist, ihre Ordnungsliebe, Subordination, Nüchternheit und Frugalität gerühmt, ihnen dagegen aber Habsucht, Geiz, Indolenz, Ungastlichkeit &c. vorgeworfen (Semper, Erdk. X, 261). In Bezug auf letzteres hebt Cavada gerade das Gegentheil hervor, vielleicht im Irrthume begriffen, indem er die Irayas meinte, oder es hat seit Semper’s Besuch ein Umschwung Statt gefunden.Sie tätowiren sich, die Muster sind chinesischen oder japanischen Ursprunges (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 55), nach einer anderen Stelle (Semper, Erdk. X, 254) aber vonderselben Art, wie sie bei den Negritos üblich ist. Die Männer und Weiber tragen eine ähnliche Kleidung wie die „Indier”, d. h. die christlichen Malaien. Um den Leib über Hüften und Nabel werden buntgefärbte geflochtene Bänder und Messingstreifen getragen (Semper, Erdk. X, 260). Ausserdem tragen Männer und Weiber einen Gürtel mit einer dicken Patronentasche, welche rückwärts hängt und in welcher der Buyo, der von ihnen auch mit Leidenschaft gekaut wird, sich befindet (l. c.). Diese Tasche dient auch als Stützpunkt für die kleinen Kinder, welche mittelst eines Zeuges von der Mutter auf dem Rücken nach Zigeunerart getragen werden (l. c.).Ihre Schmucksachen gleichen denen der Negritos (Semper, Erdk. X, 260). Am Arme und in den Ohren tragen sie Messingringe, in einem Ohre mitunter 6 Ringe, wodurch die Ohrlappen eine unnatürliche Verlängerung erleiden (l. c.). Auch Glasperlen, Ohrgehänge aus Silber oder schlecht vergoldetem Kupfer kaufen sie gern von christlichen und chinesischen Krämern ein (Semper, Erdk. X, 259). Ihre Waffen sind Bogen und Pfeile (l. c. 261).Ihre Rancherías bestehen nur aus wenigen Hütten, und diese selbst liegen weit auseinander, so dass selbst die grössten Dörfer nicht mehr als 20 bis 30 Hütten zählen (Semper, Erdk. X, 258). Die Hütten stehen auf Pfählen, so dass man nur auf einer Leiter in das Innere gelangen kann; in der Nacht wird die Leiter aufgezogen. Die Dächer sind sehr dicht und solid aus Gras oder Rohr über dem Gebälke hergestellt (Semper, Erdk. X, 260, u. Skizzen 54). Das Innere der Hütte wird nur durch eine Schwelle in Küche und Wohnzimmer geschieden, der Rauch muss sich durch die Thüre und durch die Fensterluken (selten mehr als zwei) den Ausweg suchen (Erdk. X, 259). Oft ist an das übrigens kleine und niedrige Haus eine ebenso armselige Scheune angebaut (l. c.), und wenige Hütten giebt es, welche ohne eine Schmiede wären, die stets den Ahnen, den Anitos, geheiligt ist (l. c. 262). Neben dem Hause liegen gewöhnlich zwei Scheunen, eine für den Reis, die andere für den Mais (l. c. 257), ebenso sind auch in der nächsten Nähe kleine Götterhäuschen angebracht (l. c.). Die Hütten selbst liegen auf freien, sorgfältig reingehaltenen (man denke an den Igorrotenschmutz!) Plätzen (l. c. 256), selbst der unter dem Hause befindliche freie Raum wird sauber gefegt (Semper, Skizzen 55).Die Catalanganen sind Ackerbauer, und zwar sind wie bei den Apayaos Mais und Reis diejenigen Feldfrüchte, welche nahezu ausschliesslich cultivirt werden (Semper, Erdk. X, 257). Ausserdem bauen sie Zuckerrohr, einen trefflichen Tabak, die Wurzeln: Samate, Ubi, Gabe oder Gabi (l. c. 258), letztere ist uns schon bekannt, überdiess wird noch ein Strauch „Tubá” gezogen, dessen gepulverte Frucht zum Betäuben der Fische verwendet wird (l. c. 259). Sie zeichnen sich durch die Sorgfalt aus, mit der sie ihre Äcker von Baumstümpfen, Steinen und Unkraut reinigen (l. c. 257;Semper, Skizzen 54). Ihr Fleiss ist schon dadurch gekennzeichnet, dass sie—wenigstens vor zwanzig Jahren—nur in einer einzigen Ranchería Büffel besassen und zur Feldarbeit benutzen konnten, während in allen übrigen Dörfern nur Menschenhände zur Verfügung standen (Semper, Erdk. X, 258, Skizzen 54). Da sie keine Werkzeuge zum Säen und Ernten besitzen, so müssen sie bei der Ernte mühsam jeden Halm mit einem kleinen Messer abschneiden (Semper, Skizzen 54). Durch Anlage von Dämmen suchen sie ihre Felder vor Überschwemmungen zu sichern (Semper, Skizzen 56). Durch Aufspeichern grosser Getreidevorräthe haben sie sich für die Zeiten der Hungersnoth, der Missernte &c. geschützt, werden aber durch diese weise Vorsicht geizig und ungastlich, sie weigern sich sogar, etwas von ihren Vorräthen zu verkaufen (Semper, Erdk. X, 257, u. Skizzen 55). Ausser den Früchten ihrer Felder bildet Honig auch einen Hauptbestandtheil ihrer Nahrung, während sie das Wachs wie alle Bergstämme an die Christen verkaufen (Semper, Erdk. X, 258). Da ihre Flüsse und Bäche von Fischen wimmeln, so liefert das Fleisch derselben nicht nur ihre wichtigste animalische Kost, sie sind vielmehr in der Lage, selbst von ihrem Überflusse an die Christen etwas zu verkaufen und zwar sind es meist gesalzene Fische, welche der Gegenstand dieses regen Handelsverkehrs sind (Semper, Erdk. l. c.). Der Fischfang selbst findet auf alle mögliche Weise Statt: das Betäuben der Fische durch die Tuba-Frucht, das Ausspannen von Grundnetzen, die Benutzung von Angeln, Fischreusen, das Sperren, alle diese Methoden werden nebeneinander angewendet (Semper, Erdk. 258 n. f.;Skizzen 57).Ihre Religion kennt zwei Götterpaare, welchen zu Ehren grosse hölzerne Tafeln unter dem Dache der Thür gegenüber schräg befestigt werden, auf den Tafeln sind Schriftzeichen angebracht, „die sehr an chinesische erinnerten” (Semper, Erdk. X, 261). Die Namen dieser Götterpaare sind: Tschiehónau18mit einer Frau Bebenángan und Sialó mit seinem Weibe Binalínga. Sie scheinen auch Götteridole zu besitzen, wenigstens erwähnt Semper, er hätte in einem Hause das geschnitzte Bild eines Gottes gesehen (Semper, Erdk. l. c.). Im Juni wird diesen Götterpaaren zu Ehren in einem ihrer Dörfer ein Fest gefeiert, in jener Ranchería ist ihnen nämlich ein Haus geweiht, „worin der letzte Priester Hantasan und sein Weib Talamajäu19gewohnt haben”; seit dem Tode dieses Priesterpaares kennen dieCatalanganen keine Priester mehr (Semper, Erdk. X, 261). Es wäre sehr interessant, wenn wir über diese Sage mehr in Erfahrung brächten.Wie bei allen Malaien der Philippinen wird auch hier den Seelen der Ahnen, den Anitos, eine grössere Verehrung erwiesen, als den eigentlichen Göttern. Anito wird die Seele eines jeden Todten, der zu seinen Lebzeiten Grossvaterfreuden erlebte (Semper, Erdk. X, 262). Der Anito behält auch als solcher den Namen, den er einst als Mensch getragen. Vor den Hütten werden den ältesten Anitos der Familie rohe Hausmodelle von 1½ bis 2 Fuss Höhe als Wohnsitz angewiesen, dem ältesten Anito aber ist „der kleine freie Platz vor der Leiter, auf dem der Pilan (Reismörser) steht, geweiht; er darf weder durch Feuer noch durch Essen entweiht werden” (Semper, Erdk. X, 262). Jüngeren Anitos sind eigenthümlich geformte Bänke, auf denen dem Chinesischen ähnliche Schriftzeichen eingeritzt sind (Semper, Erdk. l. c.), geweiht. Anderen Anitos sind als Sitze Töpfe in irgend einer Ecke aufgestellt (Semper, Erdk. l. c. u. Skizzen 56). Die Catalanganen heben die Perlenschnüre und Schmucksachen ihrer Verstorbenen als wunderthätige Reliquien auf und verkaufen sie, ähnlich den Apayaos, um keinen Preis (Erdk. l. c.). Von jeder Schüssel wird beim Speisen den Anitos ein Theil geopfert, während aber bei einigen Stämmen Luzons ein kleiner Rest zu dieser Art Libation verwendet wird, pflegen die Catalanganen diess Opfer zu bringen, bevor sie zu essen beginnen (Semper, Erdk. X, 263). Ähnlich den anderen Bergstämmen feiern sie den Anitos zu Ehren zur Saat- und Erntezeit allgemeine Feste (l. c.).Ihre religiösen und nationalen Feste richten sich nach dem Laufe der Sonne (Semper, Skizzen 57). Bei diesen Festlichkeiten bildet Tanzen einen wichtigenProgrammpunkt. Ihre Tänze sind pantomimische Darstellungen der Liebe, und so tritt immer nureinPaar auf: die Tänzerin dreht sich mit unbeweglich ausgestreckten Armen um sich selbst, während der Mann wie rasend mit den Armen herumfuchtelt und das Weib stampfend umkreist. Sinkt der Tänzer erschöpft zur Erde, so tritt sofort ein anderer für ihn ein. Ihre nationalen Musikinstrumente sind Gongs, welche mit flachen Händen bearbeitet werden. Ausser diesen Liebestänzen besitzen sie auch einen Kriegstanz (Semper, Erdk. X, 263).Die ehelichen Bande sind leicht zu lösen: sind Eheleute gegenseitig unzufrieden, so gehen die Gatten ohne jeden Ceremonienkram auseinander und schliessen neue Ehen; trotz dieser Leichtigkeit der Ehescheidung kommen solche Fälle nur selten vor (Semper, Erdk. X, 264).Die Särge sind an beiden Enden offen; die Todten werden in ihren Kleidern und Schmucksachen in diese Särge gelegt, auch Habseligkeiten werden mit hineingegeben. Unter grossem Heulen und Wehklagen der Hinterbliebenen wird der Sarg unter dem Hause in die Erde gesenkt, bemerkenswerth ist, dass bei dieser Gelegenheit die Trauernden um das Grab herum knieen (Semper, Erdk. X, 263). Die Leichenfeier wird mit einem Festschmause geschlossen (l. c. 264).Prof. C. Semper rühmt ihnen Achtung vor dem Eigenthume nach: Diebstahl wird mit dem Feuertode bestraft (Semper l. c. 261).Sehen wir von dem Flechten von Matten ab, so ist der wichtigste Zweig ihrer Industrie die Verfertigung von Booten, welche sie an Christen und chinesische Händler in Ilagán um einen geringen Preis verkaufen (Semper, Erdk. X, 259).Seit 30 Jahren sind sie der spanischen Regierung unterthan, doch begnügt sich diese mit der Einhebung einer kleinen Kopfsteuer (dem „Reconocimiento”), welche ein Commissär jährlich einhebt. Die Spanier haben in jedem Dorfe einen Gemeindevorsteher, den Gobernadorcillo, durch Scheinwahl eingesetzt; diese Gobernadorcillos haben aber in ihrem Dorfe weder Ansehen noch Macht, nur ihre Eitelkeit kann sich durch das Tragen des silberbeschlagenen Amtsstockes und einer dunklen Jacke befriedigt fühlen und sie so für die Lasten und Verantwortlichkeiten entschädigen, die sie den spanischen Behörden gegenüber übernehmen (Semper, Erdk. X, 264).
Die Catalanganen sind nur ein Zweig der Irayas, verdienen aber eine Sonderstellung, weil sie in ihren Sitten, Bräuchen und Anschauungen von den letzteren gänzlich abweichen. Ihren Namen erhielten sie von dem Rio Catalangan, einem rechten Zuflusse des Rio Grande de Cagayán, an dessen Ufern ihre Hauptsitze zu suchen sind (Provinz Isabela).
Prof. Semper hält sie für stark mit chinesischem Blute gemischt und bemerkt hierüber: „Die Abstammung von der mongolischen Rasse liess sich auf den ersten Blick erkennen, an dem hohen Körperbau der Leute, dem länglichen schmalen Gesichte mit stark zurücktretendem Kinn und der hohen, von Haarwuchs freien, aber sehr nach hinten gekrümmten Stirn, an den starken Backenknochen und den kleinen Augen” (Erdk. X, 257). Innere historische Gründe sprechen gegen eine starke Beimischung chinesischen Blutes. Semper nimmt auch Mengung mit Japanen oder wenigstens starken japanischen Einfluss an (Semper, Erdk. X, 265, und Skizzen 55). Unter den Catalanganen leben friedlich Negritos (Semper, Erdk. X, 260;Cavada I, 81). Was die günstigen Seiten ihres Charakters anbelangt, so werden ihre Friedfertigkeit, welche aber nur ihrer grossen Feigheit zu verdanken ist, ihre Ordnungsliebe, Subordination, Nüchternheit und Frugalität gerühmt, ihnen dagegen aber Habsucht, Geiz, Indolenz, Ungastlichkeit &c. vorgeworfen (Semper, Erdk. X, 261). In Bezug auf letzteres hebt Cavada gerade das Gegentheil hervor, vielleicht im Irrthume begriffen, indem er die Irayas meinte, oder es hat seit Semper’s Besuch ein Umschwung Statt gefunden.
Sie tätowiren sich, die Muster sind chinesischen oder japanischen Ursprunges (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 55), nach einer anderen Stelle (Semper, Erdk. X, 254) aber vonderselben Art, wie sie bei den Negritos üblich ist. Die Männer und Weiber tragen eine ähnliche Kleidung wie die „Indier”, d. h. die christlichen Malaien. Um den Leib über Hüften und Nabel werden buntgefärbte geflochtene Bänder und Messingstreifen getragen (Semper, Erdk. X, 260). Ausserdem tragen Männer und Weiber einen Gürtel mit einer dicken Patronentasche, welche rückwärts hängt und in welcher der Buyo, der von ihnen auch mit Leidenschaft gekaut wird, sich befindet (l. c.). Diese Tasche dient auch als Stützpunkt für die kleinen Kinder, welche mittelst eines Zeuges von der Mutter auf dem Rücken nach Zigeunerart getragen werden (l. c.).
Ihre Schmucksachen gleichen denen der Negritos (Semper, Erdk. X, 260). Am Arme und in den Ohren tragen sie Messingringe, in einem Ohre mitunter 6 Ringe, wodurch die Ohrlappen eine unnatürliche Verlängerung erleiden (l. c.). Auch Glasperlen, Ohrgehänge aus Silber oder schlecht vergoldetem Kupfer kaufen sie gern von christlichen und chinesischen Krämern ein (Semper, Erdk. X, 259). Ihre Waffen sind Bogen und Pfeile (l. c. 261).
Ihre Rancherías bestehen nur aus wenigen Hütten, und diese selbst liegen weit auseinander, so dass selbst die grössten Dörfer nicht mehr als 20 bis 30 Hütten zählen (Semper, Erdk. X, 258). Die Hütten stehen auf Pfählen, so dass man nur auf einer Leiter in das Innere gelangen kann; in der Nacht wird die Leiter aufgezogen. Die Dächer sind sehr dicht und solid aus Gras oder Rohr über dem Gebälke hergestellt (Semper, Erdk. X, 260, u. Skizzen 54). Das Innere der Hütte wird nur durch eine Schwelle in Küche und Wohnzimmer geschieden, der Rauch muss sich durch die Thüre und durch die Fensterluken (selten mehr als zwei) den Ausweg suchen (Erdk. X, 259). Oft ist an das übrigens kleine und niedrige Haus eine ebenso armselige Scheune angebaut (l. c.), und wenige Hütten giebt es, welche ohne eine Schmiede wären, die stets den Ahnen, den Anitos, geheiligt ist (l. c. 262). Neben dem Hause liegen gewöhnlich zwei Scheunen, eine für den Reis, die andere für den Mais (l. c. 257), ebenso sind auch in der nächsten Nähe kleine Götterhäuschen angebracht (l. c.). Die Hütten selbst liegen auf freien, sorgfältig reingehaltenen (man denke an den Igorrotenschmutz!) Plätzen (l. c. 256), selbst der unter dem Hause befindliche freie Raum wird sauber gefegt (Semper, Skizzen 55).
Die Catalanganen sind Ackerbauer, und zwar sind wie bei den Apayaos Mais und Reis diejenigen Feldfrüchte, welche nahezu ausschliesslich cultivirt werden (Semper, Erdk. X, 257). Ausserdem bauen sie Zuckerrohr, einen trefflichen Tabak, die Wurzeln: Samate, Ubi, Gabe oder Gabi (l. c. 258), letztere ist uns schon bekannt, überdiess wird noch ein Strauch „Tubá” gezogen, dessen gepulverte Frucht zum Betäuben der Fische verwendet wird (l. c. 259). Sie zeichnen sich durch die Sorgfalt aus, mit der sie ihre Äcker von Baumstümpfen, Steinen und Unkraut reinigen (l. c. 257;Semper, Skizzen 54). Ihr Fleiss ist schon dadurch gekennzeichnet, dass sie—wenigstens vor zwanzig Jahren—nur in einer einzigen Ranchería Büffel besassen und zur Feldarbeit benutzen konnten, während in allen übrigen Dörfern nur Menschenhände zur Verfügung standen (Semper, Erdk. X, 258, Skizzen 54). Da sie keine Werkzeuge zum Säen und Ernten besitzen, so müssen sie bei der Ernte mühsam jeden Halm mit einem kleinen Messer abschneiden (Semper, Skizzen 54). Durch Anlage von Dämmen suchen sie ihre Felder vor Überschwemmungen zu sichern (Semper, Skizzen 56). Durch Aufspeichern grosser Getreidevorräthe haben sie sich für die Zeiten der Hungersnoth, der Missernte &c. geschützt, werden aber durch diese weise Vorsicht geizig und ungastlich, sie weigern sich sogar, etwas von ihren Vorräthen zu verkaufen (Semper, Erdk. X, 257, u. Skizzen 55). Ausser den Früchten ihrer Felder bildet Honig auch einen Hauptbestandtheil ihrer Nahrung, während sie das Wachs wie alle Bergstämme an die Christen verkaufen (Semper, Erdk. X, 258). Da ihre Flüsse und Bäche von Fischen wimmeln, so liefert das Fleisch derselben nicht nur ihre wichtigste animalische Kost, sie sind vielmehr in der Lage, selbst von ihrem Überflusse an die Christen etwas zu verkaufen und zwar sind es meist gesalzene Fische, welche der Gegenstand dieses regen Handelsverkehrs sind (Semper, Erdk. l. c.). Der Fischfang selbst findet auf alle mögliche Weise Statt: das Betäuben der Fische durch die Tuba-Frucht, das Ausspannen von Grundnetzen, die Benutzung von Angeln, Fischreusen, das Sperren, alle diese Methoden werden nebeneinander angewendet (Semper, Erdk. 258 n. f.;Skizzen 57).
Ihre Religion kennt zwei Götterpaare, welchen zu Ehren grosse hölzerne Tafeln unter dem Dache der Thür gegenüber schräg befestigt werden, auf den Tafeln sind Schriftzeichen angebracht, „die sehr an chinesische erinnerten” (Semper, Erdk. X, 261). Die Namen dieser Götterpaare sind: Tschiehónau18mit einer Frau Bebenángan und Sialó mit seinem Weibe Binalínga. Sie scheinen auch Götteridole zu besitzen, wenigstens erwähnt Semper, er hätte in einem Hause das geschnitzte Bild eines Gottes gesehen (Semper, Erdk. l. c.). Im Juni wird diesen Götterpaaren zu Ehren in einem ihrer Dörfer ein Fest gefeiert, in jener Ranchería ist ihnen nämlich ein Haus geweiht, „worin der letzte Priester Hantasan und sein Weib Talamajäu19gewohnt haben”; seit dem Tode dieses Priesterpaares kennen dieCatalanganen keine Priester mehr (Semper, Erdk. X, 261). Es wäre sehr interessant, wenn wir über diese Sage mehr in Erfahrung brächten.
Wie bei allen Malaien der Philippinen wird auch hier den Seelen der Ahnen, den Anitos, eine grössere Verehrung erwiesen, als den eigentlichen Göttern. Anito wird die Seele eines jeden Todten, der zu seinen Lebzeiten Grossvaterfreuden erlebte (Semper, Erdk. X, 262). Der Anito behält auch als solcher den Namen, den er einst als Mensch getragen. Vor den Hütten werden den ältesten Anitos der Familie rohe Hausmodelle von 1½ bis 2 Fuss Höhe als Wohnsitz angewiesen, dem ältesten Anito aber ist „der kleine freie Platz vor der Leiter, auf dem der Pilan (Reismörser) steht, geweiht; er darf weder durch Feuer noch durch Essen entweiht werden” (Semper, Erdk. X, 262). Jüngeren Anitos sind eigenthümlich geformte Bänke, auf denen dem Chinesischen ähnliche Schriftzeichen eingeritzt sind (Semper, Erdk. l. c.), geweiht. Anderen Anitos sind als Sitze Töpfe in irgend einer Ecke aufgestellt (Semper, Erdk. l. c. u. Skizzen 56). Die Catalanganen heben die Perlenschnüre und Schmucksachen ihrer Verstorbenen als wunderthätige Reliquien auf und verkaufen sie, ähnlich den Apayaos, um keinen Preis (Erdk. l. c.). Von jeder Schüssel wird beim Speisen den Anitos ein Theil geopfert, während aber bei einigen Stämmen Luzons ein kleiner Rest zu dieser Art Libation verwendet wird, pflegen die Catalanganen diess Opfer zu bringen, bevor sie zu essen beginnen (Semper, Erdk. X, 263). Ähnlich den anderen Bergstämmen feiern sie den Anitos zu Ehren zur Saat- und Erntezeit allgemeine Feste (l. c.).
Ihre religiösen und nationalen Feste richten sich nach dem Laufe der Sonne (Semper, Skizzen 57). Bei diesen Festlichkeiten bildet Tanzen einen wichtigenProgrammpunkt. Ihre Tänze sind pantomimische Darstellungen der Liebe, und so tritt immer nureinPaar auf: die Tänzerin dreht sich mit unbeweglich ausgestreckten Armen um sich selbst, während der Mann wie rasend mit den Armen herumfuchtelt und das Weib stampfend umkreist. Sinkt der Tänzer erschöpft zur Erde, so tritt sofort ein anderer für ihn ein. Ihre nationalen Musikinstrumente sind Gongs, welche mit flachen Händen bearbeitet werden. Ausser diesen Liebestänzen besitzen sie auch einen Kriegstanz (Semper, Erdk. X, 263).
Die ehelichen Bande sind leicht zu lösen: sind Eheleute gegenseitig unzufrieden, so gehen die Gatten ohne jeden Ceremonienkram auseinander und schliessen neue Ehen; trotz dieser Leichtigkeit der Ehescheidung kommen solche Fälle nur selten vor (Semper, Erdk. X, 264).
Die Särge sind an beiden Enden offen; die Todten werden in ihren Kleidern und Schmucksachen in diese Särge gelegt, auch Habseligkeiten werden mit hineingegeben. Unter grossem Heulen und Wehklagen der Hinterbliebenen wird der Sarg unter dem Hause in die Erde gesenkt, bemerkenswerth ist, dass bei dieser Gelegenheit die Trauernden um das Grab herum knieen (Semper, Erdk. X, 263). Die Leichenfeier wird mit einem Festschmause geschlossen (l. c. 264).
Prof. C. Semper rühmt ihnen Achtung vor dem Eigenthume nach: Diebstahl wird mit dem Feuertode bestraft (Semper l. c. 261).
Sehen wir von dem Flechten von Matten ab, so ist der wichtigste Zweig ihrer Industrie die Verfertigung von Booten, welche sie an Christen und chinesische Händler in Ilagán um einen geringen Preis verkaufen (Semper, Erdk. X, 259).
Seit 30 Jahren sind sie der spanischen Regierung unterthan, doch begnügt sich diese mit der Einhebung einer kleinen Kopfsteuer (dem „Reconocimiento”), welche ein Commissär jährlich einhebt. Die Spanier haben in jedem Dorfe einen Gemeindevorsteher, den Gobernadorcillo, durch Scheinwahl eingesetzt; diese Gobernadorcillos haben aber in ihrem Dorfe weder Ansehen noch Macht, nur ihre Eitelkeit kann sich durch das Tragen des silberbeschlagenen Amtsstockes und einer dunklen Jacke befriedigt fühlen und sie so für die Lasten und Verantwortlichkeiten entschädigen, die sie den spanischen Behörden gegenüber übernehmen (Semper, Erdk. X, 264).
31. Irayas.Die Irayas wohnen südlich von den Catalanganen, hauptsächlich an der Westseite der Cordillere von Palanan. Auch über sie berichtet, wie über den Bruderstamm der Catalanganen Prof. Semper auf das Ausführlichste. In ihren Adern rollt eine starke Dosis Negritoblut (Semper, Skizzen 51 u. 54), was kein Wunder ist, da unter ihnen „zu einer Familie verbunden” Negritos leben und Mischlinge beider Rassen vorhanden sind (Semper, Erdk. X, 255 u. 264). Obwohl sie nun zum Theile stark mit Negritoblut inficirt sind, so fand doch Semper Anklänge an eine „Abstammung von einem mongolischen Stamm”, man sieht aber trotzdem „unter ihnen mehr Leute, die sich dem tagalischen Typus nähern” (Semper, Erdk. X, 264). Ihre aus geraden und krummen20Linien bestehenden Tätowirungsmuster, ferner Schmucksachen und Verzierungen sind dieselben, wie wir sie bei den Negritos jener Gegend vorgefunden haben (Semper, Erdk. X, 254 u. Skizzen 55).Ihre Hütten sind unsolid und schleuderhaft gebaut, vor Wind und Wetter schlecht verwahrt (Semper, Skizzen 54), ganz im Gegentheil zu der Reinlichkeitsliebe der Catalanganen wird aller Unrath unmittelbar vor das Haus geworfen(Semper, Erdk. X, 264). Sie bauen Zuckerrohr und Reis (Erdk. X, 265), bei ihrer Trägheit werden aber die Felder schlecht bestellt, liefern daher im Vergleiche zu denen der Catalanganen einen geringen Ertrag (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54), trotzdem speichern auch sie Vorräthe für schlimme Zeiten auf (Semper, Skizzen 57). Als Hausthier und Mitarbeiter für die Reisfelder wird allgemein der Büffel gehalten (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54). Wie bei den Catalanganen, liefern auch ihnen Flüsse und Bäche reichliche Fischkost.Ihre Religion beschränkt sich auf den Anitocultus allein (Semper, Erdk. X, 265), die Götterpaare der Catalanganen fehlen ihnen (l. c.). Ob sie sonst andere Götter besitzen, ist nicht auszuschliessen, die Bemerkung, welche Semper an einer anderen Stelle (Erdk. XIII, 94) macht, dass nämlich die Religion der Irayas jener der Igorroten ähnlich sei, lässt diese Deutung zu.Im Gegensatze zu den düsteren und ungastlichen Catalanganen sind die Irayas ein fröhliches heiteres Völkchen, dessen Gastfreundlichkeit nicht nur Negritos, sondern auch jene flüchtige Christen („Remontados”) und entlaufene Verbrecher freundlich aufnimmt (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 54 u. 55). Die Zahl der Christen, welche unter ihnen lebte, schätzte Semper vor zwanzig Jahren auf 200 Köpfe (Semper, Erdk. X, 256). Die unter ihnen lebenden Negritos hattenAckerbau, Religion und Kleidung der Irayas angenommen (l. c.).Die Irayas stehen in demselben losen Abhängigkeitsverhältniss zur spanischen Regierung, wie die Catalanganen, wie sie denn auch das Institut der Gobernadorcillos besitzen (Semper, Erdk. X, 266).
31. Irayas.
Die Irayas wohnen südlich von den Catalanganen, hauptsächlich an der Westseite der Cordillere von Palanan. Auch über sie berichtet, wie über den Bruderstamm der Catalanganen Prof. Semper auf das Ausführlichste. In ihren Adern rollt eine starke Dosis Negritoblut (Semper, Skizzen 51 u. 54), was kein Wunder ist, da unter ihnen „zu einer Familie verbunden” Negritos leben und Mischlinge beider Rassen vorhanden sind (Semper, Erdk. X, 255 u. 264). Obwohl sie nun zum Theile stark mit Negritoblut inficirt sind, so fand doch Semper Anklänge an eine „Abstammung von einem mongolischen Stamm”, man sieht aber trotzdem „unter ihnen mehr Leute, die sich dem tagalischen Typus nähern” (Semper, Erdk. X, 264). Ihre aus geraden und krummen20Linien bestehenden Tätowirungsmuster, ferner Schmucksachen und Verzierungen sind dieselben, wie wir sie bei den Negritos jener Gegend vorgefunden haben (Semper, Erdk. X, 254 u. Skizzen 55).Ihre Hütten sind unsolid und schleuderhaft gebaut, vor Wind und Wetter schlecht verwahrt (Semper, Skizzen 54), ganz im Gegentheil zu der Reinlichkeitsliebe der Catalanganen wird aller Unrath unmittelbar vor das Haus geworfen(Semper, Erdk. X, 264). Sie bauen Zuckerrohr und Reis (Erdk. X, 265), bei ihrer Trägheit werden aber die Felder schlecht bestellt, liefern daher im Vergleiche zu denen der Catalanganen einen geringen Ertrag (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54), trotzdem speichern auch sie Vorräthe für schlimme Zeiten auf (Semper, Skizzen 57). Als Hausthier und Mitarbeiter für die Reisfelder wird allgemein der Büffel gehalten (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54). Wie bei den Catalanganen, liefern auch ihnen Flüsse und Bäche reichliche Fischkost.Ihre Religion beschränkt sich auf den Anitocultus allein (Semper, Erdk. X, 265), die Götterpaare der Catalanganen fehlen ihnen (l. c.). Ob sie sonst andere Götter besitzen, ist nicht auszuschliessen, die Bemerkung, welche Semper an einer anderen Stelle (Erdk. XIII, 94) macht, dass nämlich die Religion der Irayas jener der Igorroten ähnlich sei, lässt diese Deutung zu.Im Gegensatze zu den düsteren und ungastlichen Catalanganen sind die Irayas ein fröhliches heiteres Völkchen, dessen Gastfreundlichkeit nicht nur Negritos, sondern auch jene flüchtige Christen („Remontados”) und entlaufene Verbrecher freundlich aufnimmt (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 54 u. 55). Die Zahl der Christen, welche unter ihnen lebte, schätzte Semper vor zwanzig Jahren auf 200 Köpfe (Semper, Erdk. X, 256). Die unter ihnen lebenden Negritos hattenAckerbau, Religion und Kleidung der Irayas angenommen (l. c.).Die Irayas stehen in demselben losen Abhängigkeitsverhältniss zur spanischen Regierung, wie die Catalanganen, wie sie denn auch das Institut der Gobernadorcillos besitzen (Semper, Erdk. X, 266).
Die Irayas wohnen südlich von den Catalanganen, hauptsächlich an der Westseite der Cordillere von Palanan. Auch über sie berichtet, wie über den Bruderstamm der Catalanganen Prof. Semper auf das Ausführlichste. In ihren Adern rollt eine starke Dosis Negritoblut (Semper, Skizzen 51 u. 54), was kein Wunder ist, da unter ihnen „zu einer Familie verbunden” Negritos leben und Mischlinge beider Rassen vorhanden sind (Semper, Erdk. X, 255 u. 264). Obwohl sie nun zum Theile stark mit Negritoblut inficirt sind, so fand doch Semper Anklänge an eine „Abstammung von einem mongolischen Stamm”, man sieht aber trotzdem „unter ihnen mehr Leute, die sich dem tagalischen Typus nähern” (Semper, Erdk. X, 264). Ihre aus geraden und krummen20Linien bestehenden Tätowirungsmuster, ferner Schmucksachen und Verzierungen sind dieselben, wie wir sie bei den Negritos jener Gegend vorgefunden haben (Semper, Erdk. X, 254 u. Skizzen 55).
Ihre Hütten sind unsolid und schleuderhaft gebaut, vor Wind und Wetter schlecht verwahrt (Semper, Skizzen 54), ganz im Gegentheil zu der Reinlichkeitsliebe der Catalanganen wird aller Unrath unmittelbar vor das Haus geworfen(Semper, Erdk. X, 264). Sie bauen Zuckerrohr und Reis (Erdk. X, 265), bei ihrer Trägheit werden aber die Felder schlecht bestellt, liefern daher im Vergleiche zu denen der Catalanganen einen geringen Ertrag (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54), trotzdem speichern auch sie Vorräthe für schlimme Zeiten auf (Semper, Skizzen 57). Als Hausthier und Mitarbeiter für die Reisfelder wird allgemein der Büffel gehalten (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54). Wie bei den Catalanganen, liefern auch ihnen Flüsse und Bäche reichliche Fischkost.
Ihre Religion beschränkt sich auf den Anitocultus allein (Semper, Erdk. X, 265), die Götterpaare der Catalanganen fehlen ihnen (l. c.). Ob sie sonst andere Götter besitzen, ist nicht auszuschliessen, die Bemerkung, welche Semper an einer anderen Stelle (Erdk. XIII, 94) macht, dass nämlich die Religion der Irayas jener der Igorroten ähnlich sei, lässt diese Deutung zu.
Im Gegensatze zu den düsteren und ungastlichen Catalanganen sind die Irayas ein fröhliches heiteres Völkchen, dessen Gastfreundlichkeit nicht nur Negritos, sondern auch jene flüchtige Christen („Remontados”) und entlaufene Verbrecher freundlich aufnimmt (Semper, Erdk. X, 265, u. Skizzen 54 u. 55). Die Zahl der Christen, welche unter ihnen lebte, schätzte Semper vor zwanzig Jahren auf 200 Köpfe (Semper, Erdk. X, 256). Die unter ihnen lebenden Negritos hattenAckerbau, Religion und Kleidung der Irayas angenommen (l. c.).
Die Irayas stehen in demselben losen Abhängigkeitsverhältniss zur spanischen Regierung, wie die Catalanganen, wie sie denn auch das Institut der Gobernadorcillos besitzen (Semper, Erdk. X, 266).
32. Catabanganen (Catabanganes).Die Catubanganen sind ein wilder Bergstamm in den Gebirgswildnissen von Guinayangan in der Provinz Tayabas. Sie werden, so viel mir bekannt ist, nur von Cavada I, 198, erwähnt, welcher von ihnen nichts Anderes berichtet, als dass ihre Sitten jenen der Negritos (welche ebenfalls in jenen Bergen hausen) gleichen, und dass sie die christlichen Ortschaften beständig überfallen, um Vieh und Getreide zu rauben. Die dürftige Notiz ist Alles, und es lässt sich unmöglich darnach entscheiden, ob wir hier die Trümmer eines grösseren selbständigen Stammes oder verwilderte Abkömmlinge von Remontados mit Negritoblut gemengt vor uns haben. Vielleicht dürfte das letztere das Wahrscheinlichere sein.
32. Catabanganen (Catabanganes).
Die Catubanganen sind ein wilder Bergstamm in den Gebirgswildnissen von Guinayangan in der Provinz Tayabas. Sie werden, so viel mir bekannt ist, nur von Cavada I, 198, erwähnt, welcher von ihnen nichts Anderes berichtet, als dass ihre Sitten jenen der Negritos (welche ebenfalls in jenen Bergen hausen) gleichen, und dass sie die christlichen Ortschaften beständig überfallen, um Vieh und Getreide zu rauben. Die dürftige Notiz ist Alles, und es lässt sich unmöglich darnach entscheiden, ob wir hier die Trümmer eines grösseren selbständigen Stammes oder verwilderte Abkömmlinge von Remontados mit Negritoblut gemengt vor uns haben. Vielleicht dürfte das letztere das Wahrscheinlichere sein.
Die Catubanganen sind ein wilder Bergstamm in den Gebirgswildnissen von Guinayangan in der Provinz Tayabas. Sie werden, so viel mir bekannt ist, nur von Cavada I, 198, erwähnt, welcher von ihnen nichts Anderes berichtet, als dass ihre Sitten jenen der Negritos (welche ebenfalls in jenen Bergen hausen) gleichen, und dass sie die christlichen Ortschaften beständig überfallen, um Vieh und Getreide zu rauben. Die dürftige Notiz ist Alles, und es lässt sich unmöglich darnach entscheiden, ob wir hier die Trümmer eines grösseren selbständigen Stammes oder verwilderte Abkömmlinge von Remontados mit Negritoblut gemengt vor uns haben. Vielleicht dürfte das letztere das Wahrscheinlichere sein.
33. Vicols21.Die Vicols bewohnen den südlichsten Theil Luzons, im Norden beginnt die Sprachgrenze an der Ostküste bei Paracáli und Mambuláo in der Provinz Camarínes Norte, an der Westküste aber schon bei den östlichen Gestaden der Provinz Tayabas, so dass die Vicols in Camarínes Norte die Hauptmasse, in Tayabas aber nur einen Bruchtheil der Bevölkerung ausmachen. Camarínes Sur, Albay, ferner die Inseln Masbate, Ticáo, Burías und die Inselgruppe der Catanduanes werden von ihnen ausschliesslich bewohnt.Die Vicols gehören wie die Tagalen, Pampangos &c. zu jenen Malaienstämmen Luzons, welche schon in den Tagen der Conquista eine gewisse Civilisation aufzuweisen hatten, sie sind auch die ersten Bewohner Luzons, welche (in Albay zunächst) sich, und zwar im Jahre 1569, den Spaniern unterwarfen. Von den wenigen „wilden” Stämmen, welche in den Bergen von Camarínes hausen, will ich am Schlusse dieses Artikels Näheres mittheilen und mich vorerst mit den civilisirten christlichen Vicol-Malaien beschäftigen.Obwohl von kräftigem Körperbau (Buzeta I, 281), stehen sie dennoch physisch wie geistig den Tagalen nach (Jagor, Reisen 120). Sie besitzen nicht den stolzen kriegerischen Geist der Bewohner Nord-Luzons, sie sind vielmehr friedfertig und demüthig (Cavada I, 213 u. 221). Obwohl im Allgemeinen arbeitsam, so besitzen sie dennoch nicht jene ausgebreitete Hausindustrie, welche wir bei den Tagalen vorgefunden haben. Insbesondere unterscheiden sie sich von letzteren durch ihre grosse Unreinlichkeit, die vorzüglich im Süden in die Augen fällt, zumal, wenn in den betreffenden Orten kein weisser Pfarrer stationirt ist (Jagor, Reisen 105). Hautkrankheiten und Krätze sind deshalb sehr verbreitet (Jagor, Reisen 130). Dr. Jagor schreibt (Reisen 145): „Ich glaube kaum, hier (Mambulao) eine Indierin ohne Krätzflecke gesehen zu haben”.Ihre Hütten weichen in ihrer Bauart nicht von denen der Tagalen ab, doch wird gewöhnlich das leichteste Rohrmaterial zum Bau vorgezogen, was in der Häufigkeit und Intensität, mit der hier die Erdbeben auftreten, seine Erklärung findet. Der Bau eines Hauses in Camarínes incl. Material kostet nicht mehr als vier bis fünf Dollar (Jagor, Reisen 125). Die Möbel beschränken sich wie bei den anderen Malaien meist nur auf Matten. Das Innere der Häuser wird bei den Vicols bei Armen durch Harzfackeln erleuchtet, während Reichere zu diesem Zwecke sich jener Lampen bedienen, welche auch den Tagalen bekannt sind und aus einer grossen Schnecke mit eingelegtem Binsendochte bestehen (Jagor, Reisen 127).Als der holländische Corsar Noort 1600 vor Camarínes anlangte, fand er die meisten der Bewohner fast nackt vor und die „Vornehmsten, welche von den ehemaligen Landesfürsten herstammeten, hatten sich allerlei künstliche Figuren in die Hautgeritzet” (Allgem. Historie der Reisen XI, 369). Auch die Bewohner der Catanduanesbemalten sich, trugen jedoch ein ärmelloses Gewand (l. c. 398). Die heutige Tracht der Vicol-Malaien ist decenter, die Tracht der Männer gleicht so ziemlich jener der Tagalen, wohingegen die Frauen sich ganz anders als die Tagalinnen kleiden. Vor Allem fehlt hier der Tapis und die Saya (Buzeta I, 281), an Stelle derselben tritt der Patadíon, ein Frauenrock, der von der Hüfte bis zu den Knöcheln reicht, dann ein kurzes Hemd aus Guinara-Stoff (Zeug aus Abacáfasern) und ein Umhängtuch; im Haare wird ein Kamm getragen (Jagor, Reisen 127). Statt des einfachen Waldmessers der übrigen Malaien Luzons tragen die Vicols den geflammten Kris der mohammedanischen Malaien der Sunda (Scheidnagel 123).Die Vicols bauen dieselben Getreidearten22und Culturpflanzen wie die Tagalen, die grösste Sorgfalt wird aber dem Abacá- oder Manila-Hanf zugewendet, denn in Camarínes und Albay gedeiht diese für den Exporthandel der Philippinen so ungemein wichtige Pflanze am besten. Herr von Scherzer (Novara-Reise I, 598) schreibt darüber wie folgt: Um den Abacá-Hanf zu gewinnen, wird der Stamm, sobald die Fruchtkolben, zum Vorschein kommen, von den mächtigen Blättern gereinigt und bleibt etwa 3 Tage hindurch der Gährung ausgesetzt. Hierauf wird derselbe in Stücke abgeschält, und diese werden unter Anwendung eines entsprechenden Druckes zwischen zwei Eisen durchgezogen, um den durch die Gährung mürbe gewordenen Bast von den zum Vorschein kommenden Hanffasern zu entfernen. Dieses Verfahren wird so lange fortgesetzt, bis letztere rein genug erscheinen, um an der Sonne getrocknet zu werden.Aus den Fächerpalmen wird in der Weise Zucker gewonnen, dass das obere Ende des Stammes quer abgeschnitten wird, und zwar mit etwas geneigter Schnittfläche. Aus der Wunde quillt der zuckerhaltige Saft (täglich 10 Quart), aus welchem der Zucker durch Einkochen gewonnen wird; eine Palme liefert einen Reingewinn von 5 Mark, der Baum geht aber auch ein (Jagor, Reisen 155 f.).Auch Cacao wird vielfach gepflanzt, wenn auch nicht sorglich gepflegt. Die Vicols geniessen die Chocolade, indem sie ihr geröstete Pilikerne zusetzen (Jagor, Reisen 79). Da ein grosser Theil des besiedelten Landes von Sumpfstrecken durchsetzt ist, und überdiess in der Regenzeit selbst die Strassen versumpfen, so sind die Vicols auf die Construction eines Transportmittels verfallen, welches ihnen die Fortschaffung von Lasten selbst im Sumpfgebiete gestattet. Es ist diess die Pavavá (man vgl. die Abbildung inJagor, Reisen 118), welche aus zwei parallelen Stangen besteht, die an ihren Obertheilen einen gedeckten Kasten tragen. Die unteren Enden der beiden Stangen schleifen auf der Erde, die oberen ruhen hüftehoch über der Erde auf der Gabeldeichsel, deren untere Enden sich ebenfalls nach hinten verlängern, so dass, wenn der Büffel diese schlittenartige Pavavá durch tiefen Sumpfbrei schleift, die zwei unteren Enden jener Parallelstangen und die zwei hinteren Enden der Doppel-Deichsel die Last tragen. — Die Vicols besitzen zwar einen reichen Viehstand, kümmern sich aber nicht einmal um die Fütterung ihrer Thiere (Jagor, Reisen 123). Fischfang wird auch hier fleissig betrieben, sie benutzen hierzu die faustgrossen Früchte einer Barringtonie, indem sie wegen ihres geringen specifischen Gewichtes statt des Korkes bei den Netzen verwendet wird oder indem man ihre betäubende Eigenschaft durch Ausstreuen pulverisirter Früchte benutzt (Jagor, Reisen 152).In ihren Sitten und Bräuchen fällt zunächst der Umstand auf, dass sie nicht so leidenschaftliche Raucher sind, wie die übrigen Luzonier, sie geniessen lieber den Tabak in der Weise, dass sie die Cigarren mit dem Buyo zusammen kauen (Jagor, Reisen 127), obwohl ausserdem noch genug geraucht wird. Über ihre Bräuche bei Geburten &c., ihren Aberglauben ist mir Nichts bekannt. Dr. Jagor (Reisen 130) erwähnt, dass die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes unter dem Namen Triaca — aus Theriacum — als Universalmittel gegen Schlangen- und Hundebiss angesehen werden. Von ihren Gespenstern sei der Calapitnan, der Herr der Fledermäuse, erwähnt, der in der prachtvollen Tropfsteinhöhle bei Libmanan (Camarínes Norte) seinen Sitz aufgeschlagen hat (Jagor, Reisen 138). Obwohl seit drei Jahrhunderten Christen, sind sie nicht nur sehr abergläubisch, sondern auch lau in der Beobachtung der kirchlichen Vorschriften (Cavada a. v. St.).Ihre nicht grosse Industrie befasst sich meist nur mit feinen Webwaaren und Stickereien (Scheidnagel 24), die Sinamay- und Nipis-Zeuge von Camarínes rangiren an Güte unmittelbar nach denen von Ilócos Diaz (Arenas 291).Vicol-Heiden.Ausser den christlichen und civilisirten Vicols wohnen in den Provinzen Camarínes Norte y Sur und Albay auch noch hie und da in den Gebirgswildnissen zerstreut Horden von heidnischen halb- oder ganz-„wilden” Vicol-Malaien, welche von den Spaniern fälschlich Igorroten (neben „Cimarrones”) genannt werden. Sie sind allem Anscheine nach Abkömmlinge jener Malaien, welche in den Zeiten der Conquista vor dem spanischen Joche in die ungangbaren Bergwälder flohen und dann auch späterhin durch dem Steuerdruck sich entziehende Vicols, also durch „Remontados” frischen Nachschub erhielten. Waren doch die faulen Vicols stets geneigt, den lästigen Frohnden und der strengen Kirchendisciplin sich durch die Flucht in die Gebirgswälder zu entziehen, wir wissen ja, dass in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts das Innere der InselMasbate eine dichte Bevölkerung von solchen Flüchtlingen, die selbst von Luzon aus dort ihr Asyl gesucht hatten, besass (Fray Juan de la Concepcion VIII, 142). Selbst heute noch kommt dieses „remontarse” (sich in die Berge flüchten) häufig vor, die kleinen unbewohnten Inseln an der Küste von Camarínes Norte beherbergen oft zahlreiche solche Flüchtlinge—„los marítimos” genannt (Cavada II, 447)—, bis der Hunger oder der Arm der Behörde sie wieder zur Rückkehr in die Heimath zwingt. In den ersten Jahrhunderten der spanischen Herrschaft, beständig wie ein Wild gehetzt, sanken sie zu nomadisirenden Horden herab, die keine feste Niederlassung besassen, und in dieser Periode ihrer Entwickelung scheinen sie mit den ein ähnliches Leben führenden Negritos engere Beziehungen angeknüpft zu haben, wenigstens weist Jagor (Reisen 106) bei den Heiden vonIsarógnach, dass sie Mischlinge von Vicol-Malaien und Negritos wären.Solche Vicol-Heiden leben um die Vulcane Isaróg, Iriga, um Buhi, um den Vulcan Mazaraga, in der Cordillere von Caramuan, in der Nähe der Orte Libog und Tabaco. Aus dem Jahre 1848 liegt uns bei Diaz Arenas sogar eine Schätzung der Zahl dieser Heiden, und zwar jener der Provinz Camarínes Norte vor; darnach gab es dort in jenem Jahre: 3703 die Oberhoheit der spanischen Krone anerkennende „Infieles”, 8000 Cimarrones del Isaróg, 500 Cimarrones del Iriga, 300 Cimarrones de Buhi und 4000 Cimarrones der Cordillere von Caramuan. Die Zahlenangabe bezüglich der Heiden vom Isaróg ist offenbar ein Druckfehler, die Zahl scheint mir zu hochgegriffen zu sein. Ich will nun die einzelnen Horden näher in Betrachtung ziehen.Da mir über die Heiden der Cordillere von Caramuan nichts Näheres bekannt ist, so gehe ich sofort zu den Heiden vom Isaróg über. Diese wohnen bei dem genannten Vulcane in der Nähe der Pueblos Goa, Pili, Lagonoy, Bula, Quipayo &c. Sie sind zahlreich, in den drei Rancherías von Mahaluas (Magarao?), Siano und Paltoc sollen allein 2000(?) leben (Cavada I, 213). Nach Jagor (Reisen 163 u. 168) ist ihre Zahl durch Kämpfe mit den spanischen Finanzwachsoldaten und durch Fehden untereinander im Abnehmen begriffen. Jetzt haben die Kämpfe mit den Spaniern aufgehört, indem diese den Heiden den Ertrag ihrer Tabakfelder abkaufen (l. c. 164), und andererseits durch die liebenswürdige und hochherzige Verwendung des Dr. F. Jagor ihnen von der spanischen Regierung eine Anzahl von Begünstigungen zu Theil wurden. Jagor (l. c. 162) erwähnt von ihnen: „Sie sind es, die nach dem Urtheil des Pfarrers von Camarínes die Vicol-Sprache am reinsten sprechen. Ihre Sitten und Gebräuche sind in vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, welche noch heute bei den Dayaks herrschen”. An letztere erinnert auch die freilich im Erlöschen begriffene Sitte, den, wenn auch natürlichen Tod eines Verwandten, durch die Ermordung des ersten besten Fremden zu rächen (l. c. 171), da aber dem Ermordeten der Kopf nicht abgeschlagen wird, so ist diess eher auf ein Herübernehmen des ähnlichen Negritobrauches zurückzuführen, denn die Heiden vom Iriga beweisen durch eine leichte Kräuselung ihres Haares (l. c. 170), dass auch Negritoblut in ihren Adern rollt. Einen Schädel, der von einem erschlagenen Heiden vom Isaróg herrührte, erklärte Prof. Virchow in gewissen Beziehungen ähnlich mit den Malaien-Schädeln von den Sunda-Inseln, noch mehr aber mit Dayak-Schädeln (Jagor 169 u. 92). Die in der Nähe von Quipayo hausenden Isaróg-Heiden haben keine festen Niederlassungen, sondern schweifen wie die Negritos unablässig herum (Cavada I, 213), die anderen aber besitzen Hütten, welche hie und da vereinzelt im Walde stehen (Cavada I, 213 u. 221), nur diejenigen, welche der spanischen Regierung unterthan geworden, wurden gezwungen, in kleinen Weilern, deren Hütten aber auch weit auseinanderliegen, zu wohnen (Jagor, Reisen 163). Den Zugang zu ihren Hütten schützen sie durch Fussangeln oder Fusslanzen, welche mit Blättern und Reisig geschickt verdeckt sind (l. c. 166). In der Gestalt und Bauart unterscheiden sich ihre Hütten in Nichts von denen armer Vicol-Christen (l. c. 167). Sie bauen Bataten, Caladium, Mais, Zuckerrohr, Tabak (Jagor, Reisen 167;Cavada I, 213), und jene, welche in den oben erwähnten Rancherías Mahaluas, Siano und Paltoc leben, selbst Cacao, Abacá, Camote (Cavada, l. c.). Hausthiere sind Hunde, Katzen und Hühner (Jagor I, 168). Bei jenen Isaróg-Heiden, welche Dr. Jagor kennen lernte, waren die Weiber decent, wie christliche Indierinnen gekleidet (Jagor, Reisen 167), wogegen in jenen drei Rancherías die Weiber ebenso wie die Männer nur einen Lendenschurz tragen (Cavada I, 213). Ihre Waffen sind Pfeile, Lanzen, runde hölzerne Schilde am Rande mit Rotang beflochten und das Campilan-Waldmesser (Jagor, Reisen 169;Cavada, l. c.). Die Pfeile sind vergiftet (Cavada, l. c.). Während einige Horden die Christen durch Räuberüberfälle belästigen (Cavada I, 212), ist die Mehrzahl der Isaróg-Heiden mit denselben in freundlichem Verkehr, denen sie ihre Bodenproducte, ferner Honig, Wachs und Harze verkaufen (Jagor, Reisen 168;Cavada I, 213). Sie leben gewöhnlich nur mit einer Frau, obwohl Polygamie gestattet ist; die Frau wird um den Durchschnittspreis von 10 Waldmessern und 10 bis 12 Dollars baar gekauft (Jagor, Reisen 171). Der Vater der Braut veranstaltet einen Schmaus, bei dem grosse Mengen Palmwein vertilgt werden (Jagor, Reisen 172). Ihre musikalischen Instrumente sind Laute, Guitarre nach spanischem Muster und Maultrommeln aus Bambusrohr (Jagor, Reisen 167).DieHeiden vom Irigasind dunkelbraune Mischlinge von Negritos und Indiern, obwohl nur einige krauses Haar besitzen (Jagor, Reisen 106). Ihre Hütten sind bequem gebaut (Jagor, l. c.) und mit einem Hausgeräthe versehen, welches aus Cocosnussschalen, Bambusgeräthe, irdenen Töpfen und Waffen besteht (Jagor, l. c. 107). Die Tracht der Männer beschränkt sich nur auf ein Schamband, während die Weiber einen Schurz tragen, der den Unterleib und die Oberschenkel, von der Hüfte bis zu den Knieen, deckt (Jagor, l. c.). Sie bauen einige Knollengewächse und etwas Zuckerrohr an (Jagor 106). Zur Jagd auf die Wildschweine dienen vergiftete Pfeile (Jagor 107), deren Gift aus zwei unbekannten Baumrinden bereitet wird. Das fertige Gift hat die Consistenz einer zähen Salbe. Für einen Pfeil braucht man nur ein haselnussgrosses Stück, worauf der vergiftete Pfeil mit seiner Wirkung für viele Schüsse ausreicht (Jagor 112). Mit den Christen unterhalten sie Handel und Verkehr.Die Heiden, welche beim Vulcane Mazaraga in einigen verstreuten Hütten wohnen, sind freundliche Leute (Jagor, Reisen 178). Dasselbe gilt für jene Horden, welche bei Libol und Tabaco in der Provinz Albay wohnen, sie stehen mit den Christen in Verbindung, ja einige lassen sogar ihre Kinder taufen (Cavada I, 221). Nach der Nummer 877 des „Comercio” (Manila, den 16. Aug. 1881) sind in jüngster Zeit in der „La Rinconada” (Provinz Camarínes Sur) neue Pueblos solcher „monteses” von der Colonial-Regierung gegründet worden. Die Ausbreitung der spanischen Herrschaft unter diesen Heiden scheint also Fortschritte zu machen.
33. Vicols21.
Die Vicols bewohnen den südlichsten Theil Luzons, im Norden beginnt die Sprachgrenze an der Ostküste bei Paracáli und Mambuláo in der Provinz Camarínes Norte, an der Westküste aber schon bei den östlichen Gestaden der Provinz Tayabas, so dass die Vicols in Camarínes Norte die Hauptmasse, in Tayabas aber nur einen Bruchtheil der Bevölkerung ausmachen. Camarínes Sur, Albay, ferner die Inseln Masbate, Ticáo, Burías und die Inselgruppe der Catanduanes werden von ihnen ausschliesslich bewohnt.Die Vicols gehören wie die Tagalen, Pampangos &c. zu jenen Malaienstämmen Luzons, welche schon in den Tagen der Conquista eine gewisse Civilisation aufzuweisen hatten, sie sind auch die ersten Bewohner Luzons, welche (in Albay zunächst) sich, und zwar im Jahre 1569, den Spaniern unterwarfen. Von den wenigen „wilden” Stämmen, welche in den Bergen von Camarínes hausen, will ich am Schlusse dieses Artikels Näheres mittheilen und mich vorerst mit den civilisirten christlichen Vicol-Malaien beschäftigen.Obwohl von kräftigem Körperbau (Buzeta I, 281), stehen sie dennoch physisch wie geistig den Tagalen nach (Jagor, Reisen 120). Sie besitzen nicht den stolzen kriegerischen Geist der Bewohner Nord-Luzons, sie sind vielmehr friedfertig und demüthig (Cavada I, 213 u. 221). Obwohl im Allgemeinen arbeitsam, so besitzen sie dennoch nicht jene ausgebreitete Hausindustrie, welche wir bei den Tagalen vorgefunden haben. Insbesondere unterscheiden sie sich von letzteren durch ihre grosse Unreinlichkeit, die vorzüglich im Süden in die Augen fällt, zumal, wenn in den betreffenden Orten kein weisser Pfarrer stationirt ist (Jagor, Reisen 105). Hautkrankheiten und Krätze sind deshalb sehr verbreitet (Jagor, Reisen 130). Dr. Jagor schreibt (Reisen 145): „Ich glaube kaum, hier (Mambulao) eine Indierin ohne Krätzflecke gesehen zu haben”.Ihre Hütten weichen in ihrer Bauart nicht von denen der Tagalen ab, doch wird gewöhnlich das leichteste Rohrmaterial zum Bau vorgezogen, was in der Häufigkeit und Intensität, mit der hier die Erdbeben auftreten, seine Erklärung findet. Der Bau eines Hauses in Camarínes incl. Material kostet nicht mehr als vier bis fünf Dollar (Jagor, Reisen 125). Die Möbel beschränken sich wie bei den anderen Malaien meist nur auf Matten. Das Innere der Häuser wird bei den Vicols bei Armen durch Harzfackeln erleuchtet, während Reichere zu diesem Zwecke sich jener Lampen bedienen, welche auch den Tagalen bekannt sind und aus einer grossen Schnecke mit eingelegtem Binsendochte bestehen (Jagor, Reisen 127).Als der holländische Corsar Noort 1600 vor Camarínes anlangte, fand er die meisten der Bewohner fast nackt vor und die „Vornehmsten, welche von den ehemaligen Landesfürsten herstammeten, hatten sich allerlei künstliche Figuren in die Hautgeritzet” (Allgem. Historie der Reisen XI, 369). Auch die Bewohner der Catanduanesbemalten sich, trugen jedoch ein ärmelloses Gewand (l. c. 398). Die heutige Tracht der Vicol-Malaien ist decenter, die Tracht der Männer gleicht so ziemlich jener der Tagalen, wohingegen die Frauen sich ganz anders als die Tagalinnen kleiden. Vor Allem fehlt hier der Tapis und die Saya (Buzeta I, 281), an Stelle derselben tritt der Patadíon, ein Frauenrock, der von der Hüfte bis zu den Knöcheln reicht, dann ein kurzes Hemd aus Guinara-Stoff (Zeug aus Abacáfasern) und ein Umhängtuch; im Haare wird ein Kamm getragen (Jagor, Reisen 127). Statt des einfachen Waldmessers der übrigen Malaien Luzons tragen die Vicols den geflammten Kris der mohammedanischen Malaien der Sunda (Scheidnagel 123).Die Vicols bauen dieselben Getreidearten22und Culturpflanzen wie die Tagalen, die grösste Sorgfalt wird aber dem Abacá- oder Manila-Hanf zugewendet, denn in Camarínes und Albay gedeiht diese für den Exporthandel der Philippinen so ungemein wichtige Pflanze am besten. Herr von Scherzer (Novara-Reise I, 598) schreibt darüber wie folgt: Um den Abacá-Hanf zu gewinnen, wird der Stamm, sobald die Fruchtkolben, zum Vorschein kommen, von den mächtigen Blättern gereinigt und bleibt etwa 3 Tage hindurch der Gährung ausgesetzt. Hierauf wird derselbe in Stücke abgeschält, und diese werden unter Anwendung eines entsprechenden Druckes zwischen zwei Eisen durchgezogen, um den durch die Gährung mürbe gewordenen Bast von den zum Vorschein kommenden Hanffasern zu entfernen. Dieses Verfahren wird so lange fortgesetzt, bis letztere rein genug erscheinen, um an der Sonne getrocknet zu werden.Aus den Fächerpalmen wird in der Weise Zucker gewonnen, dass das obere Ende des Stammes quer abgeschnitten wird, und zwar mit etwas geneigter Schnittfläche. Aus der Wunde quillt der zuckerhaltige Saft (täglich 10 Quart), aus welchem der Zucker durch Einkochen gewonnen wird; eine Palme liefert einen Reingewinn von 5 Mark, der Baum geht aber auch ein (Jagor, Reisen 155 f.).Auch Cacao wird vielfach gepflanzt, wenn auch nicht sorglich gepflegt. Die Vicols geniessen die Chocolade, indem sie ihr geröstete Pilikerne zusetzen (Jagor, Reisen 79). Da ein grosser Theil des besiedelten Landes von Sumpfstrecken durchsetzt ist, und überdiess in der Regenzeit selbst die Strassen versumpfen, so sind die Vicols auf die Construction eines Transportmittels verfallen, welches ihnen die Fortschaffung von Lasten selbst im Sumpfgebiete gestattet. Es ist diess die Pavavá (man vgl. die Abbildung inJagor, Reisen 118), welche aus zwei parallelen Stangen besteht, die an ihren Obertheilen einen gedeckten Kasten tragen. Die unteren Enden der beiden Stangen schleifen auf der Erde, die oberen ruhen hüftehoch über der Erde auf der Gabeldeichsel, deren untere Enden sich ebenfalls nach hinten verlängern, so dass, wenn der Büffel diese schlittenartige Pavavá durch tiefen Sumpfbrei schleift, die zwei unteren Enden jener Parallelstangen und die zwei hinteren Enden der Doppel-Deichsel die Last tragen. — Die Vicols besitzen zwar einen reichen Viehstand, kümmern sich aber nicht einmal um die Fütterung ihrer Thiere (Jagor, Reisen 123). Fischfang wird auch hier fleissig betrieben, sie benutzen hierzu die faustgrossen Früchte einer Barringtonie, indem sie wegen ihres geringen specifischen Gewichtes statt des Korkes bei den Netzen verwendet wird oder indem man ihre betäubende Eigenschaft durch Ausstreuen pulverisirter Früchte benutzt (Jagor, Reisen 152).In ihren Sitten und Bräuchen fällt zunächst der Umstand auf, dass sie nicht so leidenschaftliche Raucher sind, wie die übrigen Luzonier, sie geniessen lieber den Tabak in der Weise, dass sie die Cigarren mit dem Buyo zusammen kauen (Jagor, Reisen 127), obwohl ausserdem noch genug geraucht wird. Über ihre Bräuche bei Geburten &c., ihren Aberglauben ist mir Nichts bekannt. Dr. Jagor (Reisen 130) erwähnt, dass die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes unter dem Namen Triaca — aus Theriacum — als Universalmittel gegen Schlangen- und Hundebiss angesehen werden. Von ihren Gespenstern sei der Calapitnan, der Herr der Fledermäuse, erwähnt, der in der prachtvollen Tropfsteinhöhle bei Libmanan (Camarínes Norte) seinen Sitz aufgeschlagen hat (Jagor, Reisen 138). Obwohl seit drei Jahrhunderten Christen, sind sie nicht nur sehr abergläubisch, sondern auch lau in der Beobachtung der kirchlichen Vorschriften (Cavada a. v. St.).Ihre nicht grosse Industrie befasst sich meist nur mit feinen Webwaaren und Stickereien (Scheidnagel 24), die Sinamay- und Nipis-Zeuge von Camarínes rangiren an Güte unmittelbar nach denen von Ilócos Diaz (Arenas 291).Vicol-Heiden.Ausser den christlichen und civilisirten Vicols wohnen in den Provinzen Camarínes Norte y Sur und Albay auch noch hie und da in den Gebirgswildnissen zerstreut Horden von heidnischen halb- oder ganz-„wilden” Vicol-Malaien, welche von den Spaniern fälschlich Igorroten (neben „Cimarrones”) genannt werden. Sie sind allem Anscheine nach Abkömmlinge jener Malaien, welche in den Zeiten der Conquista vor dem spanischen Joche in die ungangbaren Bergwälder flohen und dann auch späterhin durch dem Steuerdruck sich entziehende Vicols, also durch „Remontados” frischen Nachschub erhielten. Waren doch die faulen Vicols stets geneigt, den lästigen Frohnden und der strengen Kirchendisciplin sich durch die Flucht in die Gebirgswälder zu entziehen, wir wissen ja, dass in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts das Innere der InselMasbate eine dichte Bevölkerung von solchen Flüchtlingen, die selbst von Luzon aus dort ihr Asyl gesucht hatten, besass (Fray Juan de la Concepcion VIII, 142). Selbst heute noch kommt dieses „remontarse” (sich in die Berge flüchten) häufig vor, die kleinen unbewohnten Inseln an der Küste von Camarínes Norte beherbergen oft zahlreiche solche Flüchtlinge—„los marítimos” genannt (Cavada II, 447)—, bis der Hunger oder der Arm der Behörde sie wieder zur Rückkehr in die Heimath zwingt. In den ersten Jahrhunderten der spanischen Herrschaft, beständig wie ein Wild gehetzt, sanken sie zu nomadisirenden Horden herab, die keine feste Niederlassung besassen, und in dieser Periode ihrer Entwickelung scheinen sie mit den ein ähnliches Leben führenden Negritos engere Beziehungen angeknüpft zu haben, wenigstens weist Jagor (Reisen 106) bei den Heiden vonIsarógnach, dass sie Mischlinge von Vicol-Malaien und Negritos wären.Solche Vicol-Heiden leben um die Vulcane Isaróg, Iriga, um Buhi, um den Vulcan Mazaraga, in der Cordillere von Caramuan, in der Nähe der Orte Libog und Tabaco. Aus dem Jahre 1848 liegt uns bei Diaz Arenas sogar eine Schätzung der Zahl dieser Heiden, und zwar jener der Provinz Camarínes Norte vor; darnach gab es dort in jenem Jahre: 3703 die Oberhoheit der spanischen Krone anerkennende „Infieles”, 8000 Cimarrones del Isaróg, 500 Cimarrones del Iriga, 300 Cimarrones de Buhi und 4000 Cimarrones der Cordillere von Caramuan. Die Zahlenangabe bezüglich der Heiden vom Isaróg ist offenbar ein Druckfehler, die Zahl scheint mir zu hochgegriffen zu sein. Ich will nun die einzelnen Horden näher in Betrachtung ziehen.Da mir über die Heiden der Cordillere von Caramuan nichts Näheres bekannt ist, so gehe ich sofort zu den Heiden vom Isaróg über. Diese wohnen bei dem genannten Vulcane in der Nähe der Pueblos Goa, Pili, Lagonoy, Bula, Quipayo &c. Sie sind zahlreich, in den drei Rancherías von Mahaluas (Magarao?), Siano und Paltoc sollen allein 2000(?) leben (Cavada I, 213). Nach Jagor (Reisen 163 u. 168) ist ihre Zahl durch Kämpfe mit den spanischen Finanzwachsoldaten und durch Fehden untereinander im Abnehmen begriffen. Jetzt haben die Kämpfe mit den Spaniern aufgehört, indem diese den Heiden den Ertrag ihrer Tabakfelder abkaufen (l. c. 164), und andererseits durch die liebenswürdige und hochherzige Verwendung des Dr. F. Jagor ihnen von der spanischen Regierung eine Anzahl von Begünstigungen zu Theil wurden. Jagor (l. c. 162) erwähnt von ihnen: „Sie sind es, die nach dem Urtheil des Pfarrers von Camarínes die Vicol-Sprache am reinsten sprechen. Ihre Sitten und Gebräuche sind in vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, welche noch heute bei den Dayaks herrschen”. An letztere erinnert auch die freilich im Erlöschen begriffene Sitte, den, wenn auch natürlichen Tod eines Verwandten, durch die Ermordung des ersten besten Fremden zu rächen (l. c. 171), da aber dem Ermordeten der Kopf nicht abgeschlagen wird, so ist diess eher auf ein Herübernehmen des ähnlichen Negritobrauches zurückzuführen, denn die Heiden vom Iriga beweisen durch eine leichte Kräuselung ihres Haares (l. c. 170), dass auch Negritoblut in ihren Adern rollt. Einen Schädel, der von einem erschlagenen Heiden vom Isaróg herrührte, erklärte Prof. Virchow in gewissen Beziehungen ähnlich mit den Malaien-Schädeln von den Sunda-Inseln, noch mehr aber mit Dayak-Schädeln (Jagor 169 u. 92). Die in der Nähe von Quipayo hausenden Isaróg-Heiden haben keine festen Niederlassungen, sondern schweifen wie die Negritos unablässig herum (Cavada I, 213), die anderen aber besitzen Hütten, welche hie und da vereinzelt im Walde stehen (Cavada I, 213 u. 221), nur diejenigen, welche der spanischen Regierung unterthan geworden, wurden gezwungen, in kleinen Weilern, deren Hütten aber auch weit auseinanderliegen, zu wohnen (Jagor, Reisen 163). Den Zugang zu ihren Hütten schützen sie durch Fussangeln oder Fusslanzen, welche mit Blättern und Reisig geschickt verdeckt sind (l. c. 166). In der Gestalt und Bauart unterscheiden sich ihre Hütten in Nichts von denen armer Vicol-Christen (l. c. 167). Sie bauen Bataten, Caladium, Mais, Zuckerrohr, Tabak (Jagor, Reisen 167;Cavada I, 213), und jene, welche in den oben erwähnten Rancherías Mahaluas, Siano und Paltoc leben, selbst Cacao, Abacá, Camote (Cavada, l. c.). Hausthiere sind Hunde, Katzen und Hühner (Jagor I, 168). Bei jenen Isaróg-Heiden, welche Dr. Jagor kennen lernte, waren die Weiber decent, wie christliche Indierinnen gekleidet (Jagor, Reisen 167), wogegen in jenen drei Rancherías die Weiber ebenso wie die Männer nur einen Lendenschurz tragen (Cavada I, 213). Ihre Waffen sind Pfeile, Lanzen, runde hölzerne Schilde am Rande mit Rotang beflochten und das Campilan-Waldmesser (Jagor, Reisen 169;Cavada, l. c.). Die Pfeile sind vergiftet (Cavada, l. c.). Während einige Horden die Christen durch Räuberüberfälle belästigen (Cavada I, 212), ist die Mehrzahl der Isaróg-Heiden mit denselben in freundlichem Verkehr, denen sie ihre Bodenproducte, ferner Honig, Wachs und Harze verkaufen (Jagor, Reisen 168;Cavada I, 213). Sie leben gewöhnlich nur mit einer Frau, obwohl Polygamie gestattet ist; die Frau wird um den Durchschnittspreis von 10 Waldmessern und 10 bis 12 Dollars baar gekauft (Jagor, Reisen 171). Der Vater der Braut veranstaltet einen Schmaus, bei dem grosse Mengen Palmwein vertilgt werden (Jagor, Reisen 172). Ihre musikalischen Instrumente sind Laute, Guitarre nach spanischem Muster und Maultrommeln aus Bambusrohr (Jagor, Reisen 167).DieHeiden vom Irigasind dunkelbraune Mischlinge von Negritos und Indiern, obwohl nur einige krauses Haar besitzen (Jagor, Reisen 106). Ihre Hütten sind bequem gebaut (Jagor, l. c.) und mit einem Hausgeräthe versehen, welches aus Cocosnussschalen, Bambusgeräthe, irdenen Töpfen und Waffen besteht (Jagor, l. c. 107). Die Tracht der Männer beschränkt sich nur auf ein Schamband, während die Weiber einen Schurz tragen, der den Unterleib und die Oberschenkel, von der Hüfte bis zu den Knieen, deckt (Jagor, l. c.). Sie bauen einige Knollengewächse und etwas Zuckerrohr an (Jagor 106). Zur Jagd auf die Wildschweine dienen vergiftete Pfeile (Jagor 107), deren Gift aus zwei unbekannten Baumrinden bereitet wird. Das fertige Gift hat die Consistenz einer zähen Salbe. Für einen Pfeil braucht man nur ein haselnussgrosses Stück, worauf der vergiftete Pfeil mit seiner Wirkung für viele Schüsse ausreicht (Jagor 112). Mit den Christen unterhalten sie Handel und Verkehr.Die Heiden, welche beim Vulcane Mazaraga in einigen verstreuten Hütten wohnen, sind freundliche Leute (Jagor, Reisen 178). Dasselbe gilt für jene Horden, welche bei Libol und Tabaco in der Provinz Albay wohnen, sie stehen mit den Christen in Verbindung, ja einige lassen sogar ihre Kinder taufen (Cavada I, 221). Nach der Nummer 877 des „Comercio” (Manila, den 16. Aug. 1881) sind in jüngster Zeit in der „La Rinconada” (Provinz Camarínes Sur) neue Pueblos solcher „monteses” von der Colonial-Regierung gegründet worden. Die Ausbreitung der spanischen Herrschaft unter diesen Heiden scheint also Fortschritte zu machen.
Die Vicols bewohnen den südlichsten Theil Luzons, im Norden beginnt die Sprachgrenze an der Ostküste bei Paracáli und Mambuláo in der Provinz Camarínes Norte, an der Westküste aber schon bei den östlichen Gestaden der Provinz Tayabas, so dass die Vicols in Camarínes Norte die Hauptmasse, in Tayabas aber nur einen Bruchtheil der Bevölkerung ausmachen. Camarínes Sur, Albay, ferner die Inseln Masbate, Ticáo, Burías und die Inselgruppe der Catanduanes werden von ihnen ausschliesslich bewohnt.
Die Vicols gehören wie die Tagalen, Pampangos &c. zu jenen Malaienstämmen Luzons, welche schon in den Tagen der Conquista eine gewisse Civilisation aufzuweisen hatten, sie sind auch die ersten Bewohner Luzons, welche (in Albay zunächst) sich, und zwar im Jahre 1569, den Spaniern unterwarfen. Von den wenigen „wilden” Stämmen, welche in den Bergen von Camarínes hausen, will ich am Schlusse dieses Artikels Näheres mittheilen und mich vorerst mit den civilisirten christlichen Vicol-Malaien beschäftigen.
Obwohl von kräftigem Körperbau (Buzeta I, 281), stehen sie dennoch physisch wie geistig den Tagalen nach (Jagor, Reisen 120). Sie besitzen nicht den stolzen kriegerischen Geist der Bewohner Nord-Luzons, sie sind vielmehr friedfertig und demüthig (Cavada I, 213 u. 221). Obwohl im Allgemeinen arbeitsam, so besitzen sie dennoch nicht jene ausgebreitete Hausindustrie, welche wir bei den Tagalen vorgefunden haben. Insbesondere unterscheiden sie sich von letzteren durch ihre grosse Unreinlichkeit, die vorzüglich im Süden in die Augen fällt, zumal, wenn in den betreffenden Orten kein weisser Pfarrer stationirt ist (Jagor, Reisen 105). Hautkrankheiten und Krätze sind deshalb sehr verbreitet (Jagor, Reisen 130). Dr. Jagor schreibt (Reisen 145): „Ich glaube kaum, hier (Mambulao) eine Indierin ohne Krätzflecke gesehen zu haben”.
Ihre Hütten weichen in ihrer Bauart nicht von denen der Tagalen ab, doch wird gewöhnlich das leichteste Rohrmaterial zum Bau vorgezogen, was in der Häufigkeit und Intensität, mit der hier die Erdbeben auftreten, seine Erklärung findet. Der Bau eines Hauses in Camarínes incl. Material kostet nicht mehr als vier bis fünf Dollar (Jagor, Reisen 125). Die Möbel beschränken sich wie bei den anderen Malaien meist nur auf Matten. Das Innere der Häuser wird bei den Vicols bei Armen durch Harzfackeln erleuchtet, während Reichere zu diesem Zwecke sich jener Lampen bedienen, welche auch den Tagalen bekannt sind und aus einer grossen Schnecke mit eingelegtem Binsendochte bestehen (Jagor, Reisen 127).
Als der holländische Corsar Noort 1600 vor Camarínes anlangte, fand er die meisten der Bewohner fast nackt vor und die „Vornehmsten, welche von den ehemaligen Landesfürsten herstammeten, hatten sich allerlei künstliche Figuren in die Hautgeritzet” (Allgem. Historie der Reisen XI, 369). Auch die Bewohner der Catanduanesbemalten sich, trugen jedoch ein ärmelloses Gewand (l. c. 398). Die heutige Tracht der Vicol-Malaien ist decenter, die Tracht der Männer gleicht so ziemlich jener der Tagalen, wohingegen die Frauen sich ganz anders als die Tagalinnen kleiden. Vor Allem fehlt hier der Tapis und die Saya (Buzeta I, 281), an Stelle derselben tritt der Patadíon, ein Frauenrock, der von der Hüfte bis zu den Knöcheln reicht, dann ein kurzes Hemd aus Guinara-Stoff (Zeug aus Abacáfasern) und ein Umhängtuch; im Haare wird ein Kamm getragen (Jagor, Reisen 127). Statt des einfachen Waldmessers der übrigen Malaien Luzons tragen die Vicols den geflammten Kris der mohammedanischen Malaien der Sunda (Scheidnagel 123).
Die Vicols bauen dieselben Getreidearten22und Culturpflanzen wie die Tagalen, die grösste Sorgfalt wird aber dem Abacá- oder Manila-Hanf zugewendet, denn in Camarínes und Albay gedeiht diese für den Exporthandel der Philippinen so ungemein wichtige Pflanze am besten. Herr von Scherzer (Novara-Reise I, 598) schreibt darüber wie folgt: Um den Abacá-Hanf zu gewinnen, wird der Stamm, sobald die Fruchtkolben, zum Vorschein kommen, von den mächtigen Blättern gereinigt und bleibt etwa 3 Tage hindurch der Gährung ausgesetzt. Hierauf wird derselbe in Stücke abgeschält, und diese werden unter Anwendung eines entsprechenden Druckes zwischen zwei Eisen durchgezogen, um den durch die Gährung mürbe gewordenen Bast von den zum Vorschein kommenden Hanffasern zu entfernen. Dieses Verfahren wird so lange fortgesetzt, bis letztere rein genug erscheinen, um an der Sonne getrocknet zu werden.
Aus den Fächerpalmen wird in der Weise Zucker gewonnen, dass das obere Ende des Stammes quer abgeschnitten wird, und zwar mit etwas geneigter Schnittfläche. Aus der Wunde quillt der zuckerhaltige Saft (täglich 10 Quart), aus welchem der Zucker durch Einkochen gewonnen wird; eine Palme liefert einen Reingewinn von 5 Mark, der Baum geht aber auch ein (Jagor, Reisen 155 f.).
Auch Cacao wird vielfach gepflanzt, wenn auch nicht sorglich gepflegt. Die Vicols geniessen die Chocolade, indem sie ihr geröstete Pilikerne zusetzen (Jagor, Reisen 79). Da ein grosser Theil des besiedelten Landes von Sumpfstrecken durchsetzt ist, und überdiess in der Regenzeit selbst die Strassen versumpfen, so sind die Vicols auf die Construction eines Transportmittels verfallen, welches ihnen die Fortschaffung von Lasten selbst im Sumpfgebiete gestattet. Es ist diess die Pavavá (man vgl. die Abbildung inJagor, Reisen 118), welche aus zwei parallelen Stangen besteht, die an ihren Obertheilen einen gedeckten Kasten tragen. Die unteren Enden der beiden Stangen schleifen auf der Erde, die oberen ruhen hüftehoch über der Erde auf der Gabeldeichsel, deren untere Enden sich ebenfalls nach hinten verlängern, so dass, wenn der Büffel diese schlittenartige Pavavá durch tiefen Sumpfbrei schleift, die zwei unteren Enden jener Parallelstangen und die zwei hinteren Enden der Doppel-Deichsel die Last tragen. — Die Vicols besitzen zwar einen reichen Viehstand, kümmern sich aber nicht einmal um die Fütterung ihrer Thiere (Jagor, Reisen 123). Fischfang wird auch hier fleissig betrieben, sie benutzen hierzu die faustgrossen Früchte einer Barringtonie, indem sie wegen ihres geringen specifischen Gewichtes statt des Korkes bei den Netzen verwendet wird oder indem man ihre betäubende Eigenschaft durch Ausstreuen pulverisirter Früchte benutzt (Jagor, Reisen 152).
In ihren Sitten und Bräuchen fällt zunächst der Umstand auf, dass sie nicht so leidenschaftliche Raucher sind, wie die übrigen Luzonier, sie geniessen lieber den Tabak in der Weise, dass sie die Cigarren mit dem Buyo zusammen kauen (Jagor, Reisen 127), obwohl ausserdem noch genug geraucht wird. Über ihre Bräuche bei Geburten &c., ihren Aberglauben ist mir Nichts bekannt. Dr. Jagor (Reisen 130) erwähnt, dass die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes unter dem Namen Triaca — aus Theriacum — als Universalmittel gegen Schlangen- und Hundebiss angesehen werden. Von ihren Gespenstern sei der Calapitnan, der Herr der Fledermäuse, erwähnt, der in der prachtvollen Tropfsteinhöhle bei Libmanan (Camarínes Norte) seinen Sitz aufgeschlagen hat (Jagor, Reisen 138). Obwohl seit drei Jahrhunderten Christen, sind sie nicht nur sehr abergläubisch, sondern auch lau in der Beobachtung der kirchlichen Vorschriften (Cavada a. v. St.).
Ihre nicht grosse Industrie befasst sich meist nur mit feinen Webwaaren und Stickereien (Scheidnagel 24), die Sinamay- und Nipis-Zeuge von Camarínes rangiren an Güte unmittelbar nach denen von Ilócos Diaz (Arenas 291).
Vicol-Heiden.Ausser den christlichen und civilisirten Vicols wohnen in den Provinzen Camarínes Norte y Sur und Albay auch noch hie und da in den Gebirgswildnissen zerstreut Horden von heidnischen halb- oder ganz-„wilden” Vicol-Malaien, welche von den Spaniern fälschlich Igorroten (neben „Cimarrones”) genannt werden. Sie sind allem Anscheine nach Abkömmlinge jener Malaien, welche in den Zeiten der Conquista vor dem spanischen Joche in die ungangbaren Bergwälder flohen und dann auch späterhin durch dem Steuerdruck sich entziehende Vicols, also durch „Remontados” frischen Nachschub erhielten. Waren doch die faulen Vicols stets geneigt, den lästigen Frohnden und der strengen Kirchendisciplin sich durch die Flucht in die Gebirgswälder zu entziehen, wir wissen ja, dass in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts das Innere der InselMasbate eine dichte Bevölkerung von solchen Flüchtlingen, die selbst von Luzon aus dort ihr Asyl gesucht hatten, besass (Fray Juan de la Concepcion VIII, 142). Selbst heute noch kommt dieses „remontarse” (sich in die Berge flüchten) häufig vor, die kleinen unbewohnten Inseln an der Küste von Camarínes Norte beherbergen oft zahlreiche solche Flüchtlinge—„los marítimos” genannt (Cavada II, 447)—, bis der Hunger oder der Arm der Behörde sie wieder zur Rückkehr in die Heimath zwingt. In den ersten Jahrhunderten der spanischen Herrschaft, beständig wie ein Wild gehetzt, sanken sie zu nomadisirenden Horden herab, die keine feste Niederlassung besassen, und in dieser Periode ihrer Entwickelung scheinen sie mit den ein ähnliches Leben führenden Negritos engere Beziehungen angeknüpft zu haben, wenigstens weist Jagor (Reisen 106) bei den Heiden vonIsarógnach, dass sie Mischlinge von Vicol-Malaien und Negritos wären.
Solche Vicol-Heiden leben um die Vulcane Isaróg, Iriga, um Buhi, um den Vulcan Mazaraga, in der Cordillere von Caramuan, in der Nähe der Orte Libog und Tabaco. Aus dem Jahre 1848 liegt uns bei Diaz Arenas sogar eine Schätzung der Zahl dieser Heiden, und zwar jener der Provinz Camarínes Norte vor; darnach gab es dort in jenem Jahre: 3703 die Oberhoheit der spanischen Krone anerkennende „Infieles”, 8000 Cimarrones del Isaróg, 500 Cimarrones del Iriga, 300 Cimarrones de Buhi und 4000 Cimarrones der Cordillere von Caramuan. Die Zahlenangabe bezüglich der Heiden vom Isaróg ist offenbar ein Druckfehler, die Zahl scheint mir zu hochgegriffen zu sein. Ich will nun die einzelnen Horden näher in Betrachtung ziehen.
Da mir über die Heiden der Cordillere von Caramuan nichts Näheres bekannt ist, so gehe ich sofort zu den Heiden vom Isaróg über. Diese wohnen bei dem genannten Vulcane in der Nähe der Pueblos Goa, Pili, Lagonoy, Bula, Quipayo &c. Sie sind zahlreich, in den drei Rancherías von Mahaluas (Magarao?), Siano und Paltoc sollen allein 2000(?) leben (Cavada I, 213). Nach Jagor (Reisen 163 u. 168) ist ihre Zahl durch Kämpfe mit den spanischen Finanzwachsoldaten und durch Fehden untereinander im Abnehmen begriffen. Jetzt haben die Kämpfe mit den Spaniern aufgehört, indem diese den Heiden den Ertrag ihrer Tabakfelder abkaufen (l. c. 164), und andererseits durch die liebenswürdige und hochherzige Verwendung des Dr. F. Jagor ihnen von der spanischen Regierung eine Anzahl von Begünstigungen zu Theil wurden. Jagor (l. c. 162) erwähnt von ihnen: „Sie sind es, die nach dem Urtheil des Pfarrers von Camarínes die Vicol-Sprache am reinsten sprechen. Ihre Sitten und Gebräuche sind in vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, welche noch heute bei den Dayaks herrschen”. An letztere erinnert auch die freilich im Erlöschen begriffene Sitte, den, wenn auch natürlichen Tod eines Verwandten, durch die Ermordung des ersten besten Fremden zu rächen (l. c. 171), da aber dem Ermordeten der Kopf nicht abgeschlagen wird, so ist diess eher auf ein Herübernehmen des ähnlichen Negritobrauches zurückzuführen, denn die Heiden vom Iriga beweisen durch eine leichte Kräuselung ihres Haares (l. c. 170), dass auch Negritoblut in ihren Adern rollt. Einen Schädel, der von einem erschlagenen Heiden vom Isaróg herrührte, erklärte Prof. Virchow in gewissen Beziehungen ähnlich mit den Malaien-Schädeln von den Sunda-Inseln, noch mehr aber mit Dayak-Schädeln (Jagor 169 u. 92). Die in der Nähe von Quipayo hausenden Isaróg-Heiden haben keine festen Niederlassungen, sondern schweifen wie die Negritos unablässig herum (Cavada I, 213), die anderen aber besitzen Hütten, welche hie und da vereinzelt im Walde stehen (Cavada I, 213 u. 221), nur diejenigen, welche der spanischen Regierung unterthan geworden, wurden gezwungen, in kleinen Weilern, deren Hütten aber auch weit auseinanderliegen, zu wohnen (Jagor, Reisen 163). Den Zugang zu ihren Hütten schützen sie durch Fussangeln oder Fusslanzen, welche mit Blättern und Reisig geschickt verdeckt sind (l. c. 166). In der Gestalt und Bauart unterscheiden sich ihre Hütten in Nichts von denen armer Vicol-Christen (l. c. 167). Sie bauen Bataten, Caladium, Mais, Zuckerrohr, Tabak (Jagor, Reisen 167;Cavada I, 213), und jene, welche in den oben erwähnten Rancherías Mahaluas, Siano und Paltoc leben, selbst Cacao, Abacá, Camote (Cavada, l. c.). Hausthiere sind Hunde, Katzen und Hühner (Jagor I, 168). Bei jenen Isaróg-Heiden, welche Dr. Jagor kennen lernte, waren die Weiber decent, wie christliche Indierinnen gekleidet (Jagor, Reisen 167), wogegen in jenen drei Rancherías die Weiber ebenso wie die Männer nur einen Lendenschurz tragen (Cavada I, 213). Ihre Waffen sind Pfeile, Lanzen, runde hölzerne Schilde am Rande mit Rotang beflochten und das Campilan-Waldmesser (Jagor, Reisen 169;Cavada, l. c.). Die Pfeile sind vergiftet (Cavada, l. c.). Während einige Horden die Christen durch Räuberüberfälle belästigen (Cavada I, 212), ist die Mehrzahl der Isaróg-Heiden mit denselben in freundlichem Verkehr, denen sie ihre Bodenproducte, ferner Honig, Wachs und Harze verkaufen (Jagor, Reisen 168;Cavada I, 213). Sie leben gewöhnlich nur mit einer Frau, obwohl Polygamie gestattet ist; die Frau wird um den Durchschnittspreis von 10 Waldmessern und 10 bis 12 Dollars baar gekauft (Jagor, Reisen 171). Der Vater der Braut veranstaltet einen Schmaus, bei dem grosse Mengen Palmwein vertilgt werden (Jagor, Reisen 172). Ihre musikalischen Instrumente sind Laute, Guitarre nach spanischem Muster und Maultrommeln aus Bambusrohr (Jagor, Reisen 167).
DieHeiden vom Irigasind dunkelbraune Mischlinge von Negritos und Indiern, obwohl nur einige krauses Haar besitzen (Jagor, Reisen 106). Ihre Hütten sind bequem gebaut (Jagor, l. c.) und mit einem Hausgeräthe versehen, welches aus Cocosnussschalen, Bambusgeräthe, irdenen Töpfen und Waffen besteht (Jagor, l. c. 107). Die Tracht der Männer beschränkt sich nur auf ein Schamband, während die Weiber einen Schurz tragen, der den Unterleib und die Oberschenkel, von der Hüfte bis zu den Knieen, deckt (Jagor, l. c.). Sie bauen einige Knollengewächse und etwas Zuckerrohr an (Jagor 106). Zur Jagd auf die Wildschweine dienen vergiftete Pfeile (Jagor 107), deren Gift aus zwei unbekannten Baumrinden bereitet wird. Das fertige Gift hat die Consistenz einer zähen Salbe. Für einen Pfeil braucht man nur ein haselnussgrosses Stück, worauf der vergiftete Pfeil mit seiner Wirkung für viele Schüsse ausreicht (Jagor 112). Mit den Christen unterhalten sie Handel und Verkehr.
Die Heiden, welche beim Vulcane Mazaraga in einigen verstreuten Hütten wohnen, sind freundliche Leute (Jagor, Reisen 178). Dasselbe gilt für jene Horden, welche bei Libol und Tabaco in der Provinz Albay wohnen, sie stehen mit den Christen in Verbindung, ja einige lassen sogar ihre Kinder taufen (Cavada I, 221). Nach der Nummer 877 des „Comercio” (Manila, den 16. Aug. 1881) sind in jüngster Zeit in der „La Rinconada” (Provinz Camarínes Sur) neue Pueblos solcher „monteses” von der Colonial-Regierung gegründet worden. Die Ausbreitung der spanischen Herrschaft unter diesen Heiden scheint also Fortschritte zu machen.
34. Manguianen (Manguianes).Unter dem Namen Manguianen sind die halbwilden Malaien-Stämme zu verstehen, welche das Innere der grossen Insel Mindoro und (nach Cavada II, 127) auch die Gebirgswildnisse der Inseln Romblon und Tablas bewohnen. Ob sie ein eigener Zweig der philippinischen Malaien sind, lässt sich nach den zwar zahlreichen, aber dürftigen und sich vielfach widersprechenden Notizen, die uns von diesen Wilden Nachricht geben, gar nicht entscheiden. Das eine aber scheint mir sicher zu stehen, dass sie mit den Tagalen Nichts gemein haben und wohl eher als ein besonderer Zweig der Visayer aufgefasst werden könnten, aber eben nurkönnten. Es könnte leicht sein, ihre Existenz auf ähnliche Weise zu deuten, wie diess bei den Vicol-Heiden geschehen ist. Der Ansicht, die in Waitz V, 61, entwickelt wird, wonach die Manguianen „wenige, den Angriffen der Piraten23entgangene Flüchtlinge sind, die von den Urbewohnern (welchen?) des Centralgebirges verschieden zu sein scheinen”, kann ich unmöglich beipflichten, wie Jeder, der die Geschichte der Philippinen vom Beginn der spanischen Occupation an genau studirt hat. Nach der Allgem. Historie XI, 393, wären sie eine Bastardrasse von Negritos und (Visayer-?) Malaien, was also den Ursprung dieser Manguianen auf ähnliche Weise erklären würde, wie jenen der Vicol-Heiden. Die Manguianen waren seiner Zeit in der gelehrten Welt sehr genannt, indem Careri (p. 42) von ihnen nach den Berichten der Jesuiten erzählte, sie hätten vier bis fünf Zoll lange Schwänze. Gemelli-Careri berichtet überhaupt von ihnen, dass sie bis auf eine dürftige Bedeckung der Schamtheile nackt gingen, und ihre Wohnungen nach der Jahreszeit veränderten, weil sie sich blos von wildwachsenden Früchten nährten. Den Christen verkauften sie Wachs, wofür sie Nägel, Messer, Nadeln und Zeug erhielten. Es ist diess ein Bild, das, auch auf Negritos angewendet, vollkommen treffend wäre, und dennoch ersieht man, dass Careri sie scharf von den Negritos zu trennen weiss. Auch Fray Juan de la Concepcion VII, 11, spricht von ihrer starken Zahl, welche in der jüngsten Zeit auf 30 000 Köpfe veranschlagt wird (Cavada II, 37). Im Äusseren sollen die Manguianen den (eigentlichen?) Malaien ähnlich sein (Waitz V, 100, nach Journal III, 758).Die Manguianen von Mindoro zerfallen wieder in kleinere Stämme, welche die Namen Buquit, Tadiaban, Bungon &c. führen. Einige dieser Stämme stehen in friedlichem Verkehre mit den Christen, andere aber, besonders jene tief im Innern des Landes, fliehen vor jeder Berührung mit den christlichen Küstenbewohnern (Cavada II, 37). Die Manguianen von Romblon lieben ein herumschweifendes und müssiges Leben und rauben den Christen Vieh (Cavada II, 127). Die Manguianen von Mindoro bestatten noch jetzt, wie alle philippinischen Malaien in den Tagen ihrer Unabhängigkeit, ihre Todten in Höhlen, am bekanntesten ist als solche Grabstätte eine grosse Höhle an der Ostküste der Insel (Semper, Erdk. XIII, 95).
34. Manguianen (Manguianes).
Unter dem Namen Manguianen sind die halbwilden Malaien-Stämme zu verstehen, welche das Innere der grossen Insel Mindoro und (nach Cavada II, 127) auch die Gebirgswildnisse der Inseln Romblon und Tablas bewohnen. Ob sie ein eigener Zweig der philippinischen Malaien sind, lässt sich nach den zwar zahlreichen, aber dürftigen und sich vielfach widersprechenden Notizen, die uns von diesen Wilden Nachricht geben, gar nicht entscheiden. Das eine aber scheint mir sicher zu stehen, dass sie mit den Tagalen Nichts gemein haben und wohl eher als ein besonderer Zweig der Visayer aufgefasst werden könnten, aber eben nurkönnten. Es könnte leicht sein, ihre Existenz auf ähnliche Weise zu deuten, wie diess bei den Vicol-Heiden geschehen ist. Der Ansicht, die in Waitz V, 61, entwickelt wird, wonach die Manguianen „wenige, den Angriffen der Piraten23entgangene Flüchtlinge sind, die von den Urbewohnern (welchen?) des Centralgebirges verschieden zu sein scheinen”, kann ich unmöglich beipflichten, wie Jeder, der die Geschichte der Philippinen vom Beginn der spanischen Occupation an genau studirt hat. Nach der Allgem. Historie XI, 393, wären sie eine Bastardrasse von Negritos und (Visayer-?) Malaien, was also den Ursprung dieser Manguianen auf ähnliche Weise erklären würde, wie jenen der Vicol-Heiden. Die Manguianen waren seiner Zeit in der gelehrten Welt sehr genannt, indem Careri (p. 42) von ihnen nach den Berichten der Jesuiten erzählte, sie hätten vier bis fünf Zoll lange Schwänze. Gemelli-Careri berichtet überhaupt von ihnen, dass sie bis auf eine dürftige Bedeckung der Schamtheile nackt gingen, und ihre Wohnungen nach der Jahreszeit veränderten, weil sie sich blos von wildwachsenden Früchten nährten. Den Christen verkauften sie Wachs, wofür sie Nägel, Messer, Nadeln und Zeug erhielten. Es ist diess ein Bild, das, auch auf Negritos angewendet, vollkommen treffend wäre, und dennoch ersieht man, dass Careri sie scharf von den Negritos zu trennen weiss. Auch Fray Juan de la Concepcion VII, 11, spricht von ihrer starken Zahl, welche in der jüngsten Zeit auf 30 000 Köpfe veranschlagt wird (Cavada II, 37). Im Äusseren sollen die Manguianen den (eigentlichen?) Malaien ähnlich sein (Waitz V, 100, nach Journal III, 758).Die Manguianen von Mindoro zerfallen wieder in kleinere Stämme, welche die Namen Buquit, Tadiaban, Bungon &c. führen. Einige dieser Stämme stehen in friedlichem Verkehre mit den Christen, andere aber, besonders jene tief im Innern des Landes, fliehen vor jeder Berührung mit den christlichen Küstenbewohnern (Cavada II, 37). Die Manguianen von Romblon lieben ein herumschweifendes und müssiges Leben und rauben den Christen Vieh (Cavada II, 127). Die Manguianen von Mindoro bestatten noch jetzt, wie alle philippinischen Malaien in den Tagen ihrer Unabhängigkeit, ihre Todten in Höhlen, am bekanntesten ist als solche Grabstätte eine grosse Höhle an der Ostküste der Insel (Semper, Erdk. XIII, 95).
Unter dem Namen Manguianen sind die halbwilden Malaien-Stämme zu verstehen, welche das Innere der grossen Insel Mindoro und (nach Cavada II, 127) auch die Gebirgswildnisse der Inseln Romblon und Tablas bewohnen. Ob sie ein eigener Zweig der philippinischen Malaien sind, lässt sich nach den zwar zahlreichen, aber dürftigen und sich vielfach widersprechenden Notizen, die uns von diesen Wilden Nachricht geben, gar nicht entscheiden. Das eine aber scheint mir sicher zu stehen, dass sie mit den Tagalen Nichts gemein haben und wohl eher als ein besonderer Zweig der Visayer aufgefasst werden könnten, aber eben nurkönnten. Es könnte leicht sein, ihre Existenz auf ähnliche Weise zu deuten, wie diess bei den Vicol-Heiden geschehen ist. Der Ansicht, die in Waitz V, 61, entwickelt wird, wonach die Manguianen „wenige, den Angriffen der Piraten23entgangene Flüchtlinge sind, die von den Urbewohnern (welchen?) des Centralgebirges verschieden zu sein scheinen”, kann ich unmöglich beipflichten, wie Jeder, der die Geschichte der Philippinen vom Beginn der spanischen Occupation an genau studirt hat. Nach der Allgem. Historie XI, 393, wären sie eine Bastardrasse von Negritos und (Visayer-?) Malaien, was also den Ursprung dieser Manguianen auf ähnliche Weise erklären würde, wie jenen der Vicol-Heiden. Die Manguianen waren seiner Zeit in der gelehrten Welt sehr genannt, indem Careri (p. 42) von ihnen nach den Berichten der Jesuiten erzählte, sie hätten vier bis fünf Zoll lange Schwänze. Gemelli-Careri berichtet überhaupt von ihnen, dass sie bis auf eine dürftige Bedeckung der Schamtheile nackt gingen, und ihre Wohnungen nach der Jahreszeit veränderten, weil sie sich blos von wildwachsenden Früchten nährten. Den Christen verkauften sie Wachs, wofür sie Nägel, Messer, Nadeln und Zeug erhielten. Es ist diess ein Bild, das, auch auf Negritos angewendet, vollkommen treffend wäre, und dennoch ersieht man, dass Careri sie scharf von den Negritos zu trennen weiss. Auch Fray Juan de la Concepcion VII, 11, spricht von ihrer starken Zahl, welche in der jüngsten Zeit auf 30 000 Köpfe veranschlagt wird (Cavada II, 37). Im Äusseren sollen die Manguianen den (eigentlichen?) Malaien ähnlich sein (Waitz V, 100, nach Journal III, 758).
Die Manguianen von Mindoro zerfallen wieder in kleinere Stämme, welche die Namen Buquit, Tadiaban, Bungon &c. führen. Einige dieser Stämme stehen in friedlichem Verkehre mit den Christen, andere aber, besonders jene tief im Innern des Landes, fliehen vor jeder Berührung mit den christlichen Küstenbewohnern (Cavada II, 37). Die Manguianen von Romblon lieben ein herumschweifendes und müssiges Leben und rauben den Christen Vieh (Cavada II, 127). Die Manguianen von Mindoro bestatten noch jetzt, wie alle philippinischen Malaien in den Tagen ihrer Unabhängigkeit, ihre Todten in Höhlen, am bekanntesten ist als solche Grabstätte eine grosse Höhle an der Ostküste der Insel (Semper, Erdk. XIII, 95).
35. Mundos.Die Mundos sind wilde Bergvölker auf Cebú (Mozo 134) und Panay (Mozo, l. c. u. Hügel 367). Nach Hügel (l. c.) gleichen sie den Igorroten in „Allem”, was aber nach den genaueren Nachrichten Mozo’s nicht wahr ist, denn nach diesen theilen sie die Sitten und Bräuche der Tagalen und Visayer, und Hügel hat jenes „in Allem” wohl nur den Manilesen nachgesagt, die alle wilden Heiden „Igorrotes” tituliren, denn Panay hat Baron Hügel nicht besucht.Sie glauben an den Patianac, der uns schon von den Tagalen her bekannt ist, ihm schreiben sie es zu, wenn sie auf einem Pfade sich verirren. In diesem Falle entledigensie sich ihres ohnediess nur dürftigen Anzugs, denn der Patianac flieht vor den Nackten, und so können sie auf diese Weise den verlorenen Weg wiederfinden (Mozo 137). Um Diebe zu entdecken oder verlorene Sachen wiederzufinden, bedienen sie sich gewisser Zauberformeln, welche sie Bilao nennen (l. c.). Sie halten überhaupt viel auf Zauberei, weshalb unter ihnen auch zahlreiche Zauberer wohnen, welche sich in Crocodile oder andere Thiere verwandeln können und dann den Menschen viel Unheil zufügen (Mozo 135). Sie glauben an Behexung, „Gavay” genannt, von der man sich durch besondere Ceremonien, welche Mozo (Misiones 136) beschreibt, wieder befreien oder enthexen kann. Die Christen haben deshalb eine grosse Scheu vor diesen Wilden und wollen ihre Niederlassung in ihren Dörfern nicht dulden. Sie leiden sehr an Magenkrankheiten, „Bungsol” genannt (Mozo 136).Die Zahl der Mundos ist eine beträchtliche; 1848 zählte man nach Diaz Arenas allein in der Provinz Ilo-ilo (Insel Panay) 5000 Mundos. Nach eben demselben Autor leben unter ihnen viele Remontados. Es ist überhaupt noch fraglich, ob die Mundos ein selbständiger eigenartiger Stamm sind, ich vermuthe nach ihren abergläubischen Bräuchen, dass sie Visayer im Stadium der Vicol-Heiden vom Isaróg, Iriga, Caramuan &c. sind. Sie scheinen von Remontados und Negritos abzustammen (man vgl.Buzeta II, 103).
35. Mundos.
Die Mundos sind wilde Bergvölker auf Cebú (Mozo 134) und Panay (Mozo, l. c. u. Hügel 367). Nach Hügel (l. c.) gleichen sie den Igorroten in „Allem”, was aber nach den genaueren Nachrichten Mozo’s nicht wahr ist, denn nach diesen theilen sie die Sitten und Bräuche der Tagalen und Visayer, und Hügel hat jenes „in Allem” wohl nur den Manilesen nachgesagt, die alle wilden Heiden „Igorrotes” tituliren, denn Panay hat Baron Hügel nicht besucht.Sie glauben an den Patianac, der uns schon von den Tagalen her bekannt ist, ihm schreiben sie es zu, wenn sie auf einem Pfade sich verirren. In diesem Falle entledigensie sich ihres ohnediess nur dürftigen Anzugs, denn der Patianac flieht vor den Nackten, und so können sie auf diese Weise den verlorenen Weg wiederfinden (Mozo 137). Um Diebe zu entdecken oder verlorene Sachen wiederzufinden, bedienen sie sich gewisser Zauberformeln, welche sie Bilao nennen (l. c.). Sie halten überhaupt viel auf Zauberei, weshalb unter ihnen auch zahlreiche Zauberer wohnen, welche sich in Crocodile oder andere Thiere verwandeln können und dann den Menschen viel Unheil zufügen (Mozo 135). Sie glauben an Behexung, „Gavay” genannt, von der man sich durch besondere Ceremonien, welche Mozo (Misiones 136) beschreibt, wieder befreien oder enthexen kann. Die Christen haben deshalb eine grosse Scheu vor diesen Wilden und wollen ihre Niederlassung in ihren Dörfern nicht dulden. Sie leiden sehr an Magenkrankheiten, „Bungsol” genannt (Mozo 136).Die Zahl der Mundos ist eine beträchtliche; 1848 zählte man nach Diaz Arenas allein in der Provinz Ilo-ilo (Insel Panay) 5000 Mundos. Nach eben demselben Autor leben unter ihnen viele Remontados. Es ist überhaupt noch fraglich, ob die Mundos ein selbständiger eigenartiger Stamm sind, ich vermuthe nach ihren abergläubischen Bräuchen, dass sie Visayer im Stadium der Vicol-Heiden vom Isaróg, Iriga, Caramuan &c. sind. Sie scheinen von Remontados und Negritos abzustammen (man vgl.Buzeta II, 103).
Die Mundos sind wilde Bergvölker auf Cebú (Mozo 134) und Panay (Mozo, l. c. u. Hügel 367). Nach Hügel (l. c.) gleichen sie den Igorroten in „Allem”, was aber nach den genaueren Nachrichten Mozo’s nicht wahr ist, denn nach diesen theilen sie die Sitten und Bräuche der Tagalen und Visayer, und Hügel hat jenes „in Allem” wohl nur den Manilesen nachgesagt, die alle wilden Heiden „Igorrotes” tituliren, denn Panay hat Baron Hügel nicht besucht.
Sie glauben an den Patianac, der uns schon von den Tagalen her bekannt ist, ihm schreiben sie es zu, wenn sie auf einem Pfade sich verirren. In diesem Falle entledigensie sich ihres ohnediess nur dürftigen Anzugs, denn der Patianac flieht vor den Nackten, und so können sie auf diese Weise den verlorenen Weg wiederfinden (Mozo 137). Um Diebe zu entdecken oder verlorene Sachen wiederzufinden, bedienen sie sich gewisser Zauberformeln, welche sie Bilao nennen (l. c.). Sie halten überhaupt viel auf Zauberei, weshalb unter ihnen auch zahlreiche Zauberer wohnen, welche sich in Crocodile oder andere Thiere verwandeln können und dann den Menschen viel Unheil zufügen (Mozo 135). Sie glauben an Behexung, „Gavay” genannt, von der man sich durch besondere Ceremonien, welche Mozo (Misiones 136) beschreibt, wieder befreien oder enthexen kann. Die Christen haben deshalb eine grosse Scheu vor diesen Wilden und wollen ihre Niederlassung in ihren Dörfern nicht dulden. Sie leiden sehr an Magenkrankheiten, „Bungsol” genannt (Mozo 136).
Die Zahl der Mundos ist eine beträchtliche; 1848 zählte man nach Diaz Arenas allein in der Provinz Ilo-ilo (Insel Panay) 5000 Mundos. Nach eben demselben Autor leben unter ihnen viele Remontados. Es ist überhaupt noch fraglich, ob die Mundos ein selbständiger eigenartiger Stamm sind, ich vermuthe nach ihren abergläubischen Bräuchen, dass sie Visayer im Stadium der Vicol-Heiden vom Isaróg, Iriga, Caramuan &c. sind. Sie scheinen von Remontados und Negritos abzustammen (man vgl.Buzeta II, 103).
36. Carolanen (Carolanos).Der Name dieses Stammes wird nur von Diaz Arenas erwähnt, nach welchem sie 1848 auf der Insel Negros in der Kopfzahl von 2322 in dem Gebirgszuge lebten, der sich von der Hauptstadt gegen Cauayan hin ausdehnt. Wahrscheinlich ist diess nur ein besonderer Name für einige Horden von Visayer-Heiden.
36. Carolanen (Carolanos).
Der Name dieses Stammes wird nur von Diaz Arenas erwähnt, nach welchem sie 1848 auf der Insel Negros in der Kopfzahl von 2322 in dem Gebirgszuge lebten, der sich von der Hauptstadt gegen Cauayan hin ausdehnt. Wahrscheinlich ist diess nur ein besonderer Name für einige Horden von Visayer-Heiden.
Der Name dieses Stammes wird nur von Diaz Arenas erwähnt, nach welchem sie 1848 auf der Insel Negros in der Kopfzahl von 2322 in dem Gebirgszuge lebten, der sich von der Hauptstadt gegen Cauayan hin ausdehnt. Wahrscheinlich ist diess nur ein besonderer Name für einige Horden von Visayer-Heiden.
37. Visayer (Visayas)24.Die Visayer bewohnen alle jene Inseln, welche südlich von Luzon, Masbato, Burías, Ticao und Mindoro und nördlich von Borneo, Sulu und Mindanao liegen. Auf letzterer Insel wird von ihnen auch die ganze Nord- und Ostküste bewohnt, jedoch streng genommen nur an derKüste. Im südlichen Theile von Palawan (Paragua der Spanier) scheinen andere Malaien bereits zu wohnen.Die Visayer-Sprache zerfällt in die Dialekte von Cebú, dem eigentlichen Visayer-Dialekt und jenem, der auf der Gruppe der Calamianen und Cuyos-Inseln gesprochen wird. Eine Unterabtheilung des Visayer-Dialektes sollen wieder der Dialekt von Süd-Panay, das Panayano, ferner der Dialekt von Capiz sein, doch widersprechen sich da die Nachrichten, und da ich der Visayer-Sprache unkundig, so will ich darüber hinweggehen. Nach ihren Sitten und Bräuchen zerfallen sie in die eigentlichen Visayer, in die Caragas und Calamianen incl. Coyuvos.a)Visayerim engeren Sinne des Wortes. Diese bewohnen die Inseln Panay, Romblon, Tablas, Masbate (sporadisch neben den Vicols), Negros, Cebú, Bóhol, Sámar, Leyte, den Surigao-Archipel und die Landschaft Dapitan der Provinz Misámis auf der Nordküste von Mindanao. Auf dem übrigen Theil der Nordküste von Mindanao (Misámis, Iligan, Cagayán und Butnan) wohnen zwar auch Visayer, aber sie sind mit den eingeborenen Stämmen sehr stark vermischt, doch bleibt ihre Sprache dort die herrschende. Am Meerbusen von Davao sind viele Visayer angesiedelt, welche die Spanier seit dem Jahre 1848, wo sie jenes Land occupirten, dorthin gebracht haben. Die Visayer sind nicht so weit im Archipel verstreut, wie die intelligenteren Tagalen, doch finden sich welche, meist Fischer, selbst auf den Babuyanen, besonders auf Camiguin25(Mas, pobl. 42). Die Visayer der Küstendistricte sind alle Christen und civilisirt, im Innern dieser Inseln leben sie aber als halbwilde Heiden, welche von jenen Visayern abstammen, die sich den Spaniern nicht unterwerfen wollten, und welche durch Remontados immer neuen Zuschuss erhielten und zum Theil noch erhalten. Ich werde zunächst mich mit den Christen befassen.Die Visayer waren zur Zeit der Conquista bereits ein civilisirtes Volk, das, entgegen den Ansichten der modernen spanischen Schriftsteller, welche ohne auf die ursprünglichen Quellenwerke zurückzugehen, über die Geschichte der Philippinen Essays schreiben, einen noch höheren Grad von Cultur besass als die Tagalen. Borneo, Mindanao und den Molukken näher gelegen als die Tagalen, standen sie auch mit diesen Ländern in regerer Verbindung, und diese mag auch die Ursache sein, dass ihr Typus dem der eigentlichen Malaien sich mehr nähert, als jenem der Tagalen. Im XVI. und XVII. Jahrhundert wurden sie von den Spaniern Pintados genannt, weil sie ihren Körper zu bemalen pflegten. Sie nahmen ohne besondere Schwierigkeiten das Christenthum an und halfen mit ihren Kriegern den Spaniern die Tagalen unterjochen.Ihre Hütten sind nach demselben Modell gebaut, wie jene der Tagalen, dagegen unterscheiden sie sich von letzteren durch Tracht und Gewandung. Während die Tagalen das Haar verschneiden, lassen auch die Männer bei den Visayern das Haar lang wachsen (Buzeta I, 242). Die Frauen tragen keinen Tapis, sondern nur die aus grobem aber durchscheinenden Guinara-Zeug verfertigte Saya und die kaum die Brüste bedeckende Camisa (Jagor, Reisen 188).Um das Haar schlingen die Frauen ein Stück Zeug (Buzeta, l. c.). Sie bauen alle Getreidesorten und Culturpflanzen, die auf Luzon cultivirt werden, Reis insbesondere auf Panay, Zucker auf Cebú, Bóhol, Negros, vorzüglichen Cacao auf Cebú, Tabak auf Cebú und Bóhol, Mais auf Cebú, Abacá auf Leyte, Kaffee in der Provinz Misámis auf Mindanao. Viel stärker als auf Luzon wird auch rother Pfeffer cultivirt, da die Visayer damit alle ihre Speisen, besonders aber die Morisqueta, stark würzen (Buzeta I, 33). Cocospflanzungen sind überall, Viehzucht wird lässig betrieben. Sie sind noch eifrigere Fischer als die Tagalen, der Fang von Trepang („Balate”), der hier häufigeren Manatis und Schildkröten liefert ihnen reichen Gewinn, desgleichen das Suchen der Schwalbennester (Buzeta, Mas, Semper, Cañamaque, Cavada a. v. St.).Von den Tagalen unterscheiden sie sich unangenehm durch ihre Unreinlichkeit (Jagor 188) und durch ihre Trunksucht (Cavada a. v. St.). Ihre alte Religion glich in vielen Punkten jener der Tagalen, auch sie kannten den Ahnencultus, nur wurden die Nonos und Anitos der Tagalen und Nord-Luzonier hier Diuatas oder Divatas genannt. Sie besassen Idole, Liche oder Laravan mit Namen. Ihre Priesterinnen hiessen Babaylanas, neben diesen waren auch Priester. Selbst unter den Christen erhielt sich der alte Glaube insgeheim, 1797 noch entdeckten die Mönche in dem seit der Conquista christlichen Pueblo Sibalon auf Panay (Provinz Antique) 180 Babaylanas (Buzeta I, 300). Selbst unter den Cabezas de Barangay auf Sámar gab es 1648 heimliche heidnische Priester (Tanner III, 544). Auch bei den Visayern war das Schwein das bevorzugte Opferthier.In den Zeiten der Conquista herrschte bei den Visayern die Polygamie. Das Christenthum beseitigte diese, nicht aber die grenzenlose Unsittlichkeit und Unzucht, über welche alle älteren Schriftsteller schauderhafte Details berichten (man vgl. vorzüglich:Morga-Stanley 304 und Carletti 148). Auch heute ist Ehebruch ungemein häufig, um so mehr, als die Gatten keine Eifersucht kennen, und wie in den Zeiten der Conquista, geben sich die Frauen viel leichter preis und sind auch viel geiler als die Mädchen (Jagor, Reisen 236). Der Freier dient, ähnlich wie bei den Tagalen es vordem häufiger üblich war, 2–5 Jahre dem Vater seiner Braut umsonst, ehe er diese als Gattin heimführt (Jagor 235). Francisco Cañamaque (Fil. 186 f.) beschreibt die Brautwerbung wie folgt: Der Freier geht mit einem angesehenen Manne seines Dorfes zu den Eltern seiner Auserwählten, und beide fragen letztere, ob sie zur Eheschliessung geneigt ist, worauf sie mit Ja antwortet. Das Herkommen erfordert es, dass die Braut hierbei des Leides gedenkt, das ihr die durch die Ehe nöthig werdende Trennung von den Eltern verursachen müsste. Die letzteren pflegen, selbst wenn sie wohlhabend sind, dem Freier zu erklären, sich wohl Alles zu erwägen, denn ihre Tochter habe kein Vermögen, besitze keine Kenntnisse und sei überdiess recht albern. Der Freier und sein Genosse wiederholen aber die Werbung immer von Neuem, bis der Vater einwilligt. Ist diess geschehen, so fangen die vor der Thüre versammelten Freunde des Freiers an, Raketen steigen zu lassen und Musikinstrumente zu bearbeiten, andere gehen in das Haus hinein, überreichen süsse Bäckereien, Tabak, Buyo &c. Nach der kirchlichen Trauung durcheilt die junge Frau, begleitet von Freundinnen, die Gassen des Dorfes, um alle Verwandten und Freunde zu einer Chocoladegesellschaft (mit Tanz und Gesang) einzuladen. Wenn die Jungfräulichkeit der soeben Getrauten über allem Zweifel erhaben ist, so tanzen die beiden Gatten zusammen einen Tanz, worauf die geladenen männlichen Gäste eine grosse Anzahl von Töpfen und Schüsseln, welche aber noch nie gebraucht worden sind, zu den Füssen des Paares zerbrechen und hinwerfen. Bei dem Hochzeitsmale essen zuerst die Frauen, nach diesen die geladenen Männer und dann erst die zum Hause Gehörigen, wobei die Sitte erfordert, dass jedes Mal ganz neue Gerichte auf den Tisch oder, richtiger gesagt, auf die über den Boden gelegte Matte, aufgetragen werden, selbst wenn grosse Speisequantitäten von der vorhergehenden Tafel übrig sind. — Die Ehen sind sehr fruchtbar, man zählt oft 12 bis 13 Kinder in einer Ehe, doch ist dafür auch die Kindersterblichkeit eine grosse (Jagor, Reisen 236).In ihren sonstigen Bräuchen und Sitten weichen sie nicht sehr von den Tagalen ab. Ihre Todten begruben sie in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit, ähnlich wie die Igorroten, in Höhlen, das hat natürlich unter dem Christenthum aufhören müssen. Wie die Tagalen feiern auch die Visayer ein neuntägiges Todtenfest, das am letzten Tage in einer eigenthümlichen Weise seinen Abschluss findet. Der beste Theil des Hauses wird schwarz ausgeschlagen und eine Art Thronhimmel in demselben errichtet, auf dessen Hintergrund 10 bis 12 Todtenköpfe gemalt oder solche aus Papier ausgeschnittene befestigt werden. Dann wird unter diesem Thronhimmel ein Katafalk aufgerichtet, der mit allen Heiligenbildern, die die Verwandtschaft der verstorbenen Personen auftreiben kann, beklebt wird. Um 8 Uhr Abends halten dann die Hinterbliebenen das letzte Gebet für den Verstorbenen ab, was eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, worauf das Haus für alle Eintretenden geöffnet wird. Speisen und Getränke stehen Jedem in reichlicher Fülle zur Verfügung. Ist der Magen der Anwesenden befriedigt, so werden von den Anwesenden improvisirte Coplas gesungen, deren Inhalt mit dem Todesfalle in gar keinem Zusammenhange steht, sondern sich meist um Schlachten oder fröhliche Dinge dreht. Diese Coplas werden nach einer durch eigenthümliche Regeln geordneten Weise, ähnlich wiebei dem deutschen Pfänderspiel „zusammengesetzte Hauptwörter”, von Burschen und Mädchen gesungen, welche als Theilnehmer dieses Spieles bellacos und bellacas26heissen, der Anführer des Chors heisst: Dueño de Jato27und das Spiel selbst Duplo28(Cañamaque, Fil. 180–185).Ihre Industrie beschränkt sich hauptsächlich auf Herstellung von groben Sinamay- und Nipis-Zeugen (Diaz Arenas 291). Einen besonderen Ruf geniessen die wunderbar feinen Piña-Gewebe, bei deren Herstellung Fenster und Thüren fest verschlossen bleiben müssen, da der geringste Luftzug hinreicht, die zarten Fäden zu zerreissen (Buzeta I, 211). Die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern wird denn auch in dem einzigen Hafen Ilo-ilo allein auf 1 000 000 Dollar geschätzt (Jagor 241). Die beste und feinste Piña wird in Antique gearbeitet (Scheidnagel 127). Durch Gährung wird aus den Cocosnüssen ein stinkendes Öl mit Namen aceite de caracoas oder mabajon lañgis bereitet (Buzeta I, 31), welches in grossen Massen ausgeführt wird. Bei der Ölgewinnung geht man sehr nachlässig vor (Jagor, Reisen 214). Sonst sind noch als Exportartikel der Visayer-Industrie Stöcke und Messergriffe aus Horn erwähnenswerth (Scheidnagel 128).Das Innere aller der von Visayern bewohnten Inseln ist von „wilden” Visayern, „Infieles, Montesinos, Cimarrones” der Spanier bewohnt. Diese stammen sämmtlich von Flüchtlingen ab, welche vor dem Christenthum und der spanischen Herrschaft in die Wälder flohen. Sie sind meist gutmüthiger Natur und beginnen allmählich, ihren Nacken unter das spanische Joch zu beugen, obwohl trotzdem noch Jahrzehnte verfliessen werden, ehe die Spanier Herren der Binnenlandschaften der Inseln werden, deren Küstensaum sie beherrschen.b)Calamianen. Die Calamianen bewohnen den gleichnamigen Archipel und den nördlichen Theil von Palawan oder Paragua, die von ihnen fast gar nicht verschiedenen Coyuvos die kleine Inselgruppe von Cuyo. Die sogenannten Agutainos bilden die nördliche Hälfte derCoyuvos. Die Calamianen sind dunkler gefärbt als die übrigen Visayer und haben etwas krauses Haar (Waitz V, 98;nach Mallat I, 335 und Crawfurd), was auf eine Beimischung von Negritoblut hindeuten würde. Ihre Gesichtszüge sollen einen wilden Ausdruck besitzen (Bastian V, 274). Sie bauen Reis, Cacao, Kaffee, Baumwolle und Pfeffer, aber Alles in so geringen Quantitäten, dass nicht einmal der heimische Bedarf damit gedeckt wird (Buzeta I, 452). Desto eifriger wird Fischfang getrieben (Cavada II, 21; Scheidnagel 45), besonders aber die Balate- oder Trepangfischerei; die Calamianen sind auch die eifrigsten und gewandtesten Sucher der essbaren Schwalbennester, weshalb ihre Länder als der Hauptsitz des Schwalbennesterhandels anzusehen sind (Buzeta I, 41;Cavada II, 21). Der Handel mit dem von den Wilden aus dem Gebirge eingetauschten Wachs und Honig wird eifrig betrieben. Sie werden als abergläubisch, indolent und faul geschildert, das „Remontarse” ist unter ihnen besonders häufig (Cavada, l. c.). Industrie existirt kaum dem Namen nach und beschränkt sich nur auf weibliche Webearbeiten.c)Caragas. Die Caragas bewohnen die Ostküste von Mindanao vom Cap Surigao bis zum Cap S. Augustin. Sie gehören zu dem kriegerischsten Stamme der Visayer, ihre wilde Tapferkeit machten sich die Spanier in jenen grossen Kriegen zu nutze, welche sie im XVII. Jahrhundert gegen die Holländer und die Sultane von Buhayan, Mindanao und Sulu führten. Von ihrem kriegerischen Wesen zeugt die noch zu Ende des XVII. Jahrhunderts übliche Sitte, dass wer von ihnen sieben Menschen getödtet hatte, das Recht erhielt, einen rothen Turban zu tragen. Dieser Turban führte den Namen Bajacho. Natürlich hat diese Sitte seit lange bereits aufgehört. Die heutigen Caragas, seit drei Jahrhunderten Christen, unterscheiden sich jetzt wenig von den übrigen Visayern. Ihr Hauptnahrungszweig ist die Fischerei, dann erst der Reisbau; Industrie gering.
37. Visayer (Visayas)24.
Die Visayer bewohnen alle jene Inseln, welche südlich von Luzon, Masbato, Burías, Ticao und Mindoro und nördlich von Borneo, Sulu und Mindanao liegen. Auf letzterer Insel wird von ihnen auch die ganze Nord- und Ostküste bewohnt, jedoch streng genommen nur an derKüste. Im südlichen Theile von Palawan (Paragua der Spanier) scheinen andere Malaien bereits zu wohnen.Die Visayer-Sprache zerfällt in die Dialekte von Cebú, dem eigentlichen Visayer-Dialekt und jenem, der auf der Gruppe der Calamianen und Cuyos-Inseln gesprochen wird. Eine Unterabtheilung des Visayer-Dialektes sollen wieder der Dialekt von Süd-Panay, das Panayano, ferner der Dialekt von Capiz sein, doch widersprechen sich da die Nachrichten, und da ich der Visayer-Sprache unkundig, so will ich darüber hinweggehen. Nach ihren Sitten und Bräuchen zerfallen sie in die eigentlichen Visayer, in die Caragas und Calamianen incl. Coyuvos.a)Visayerim engeren Sinne des Wortes. Diese bewohnen die Inseln Panay, Romblon, Tablas, Masbate (sporadisch neben den Vicols), Negros, Cebú, Bóhol, Sámar, Leyte, den Surigao-Archipel und die Landschaft Dapitan der Provinz Misámis auf der Nordküste von Mindanao. Auf dem übrigen Theil der Nordküste von Mindanao (Misámis, Iligan, Cagayán und Butnan) wohnen zwar auch Visayer, aber sie sind mit den eingeborenen Stämmen sehr stark vermischt, doch bleibt ihre Sprache dort die herrschende. Am Meerbusen von Davao sind viele Visayer angesiedelt, welche die Spanier seit dem Jahre 1848, wo sie jenes Land occupirten, dorthin gebracht haben. Die Visayer sind nicht so weit im Archipel verstreut, wie die intelligenteren Tagalen, doch finden sich welche, meist Fischer, selbst auf den Babuyanen, besonders auf Camiguin25(Mas, pobl. 42). Die Visayer der Küstendistricte sind alle Christen und civilisirt, im Innern dieser Inseln leben sie aber als halbwilde Heiden, welche von jenen Visayern abstammen, die sich den Spaniern nicht unterwerfen wollten, und welche durch Remontados immer neuen Zuschuss erhielten und zum Theil noch erhalten. Ich werde zunächst mich mit den Christen befassen.Die Visayer waren zur Zeit der Conquista bereits ein civilisirtes Volk, das, entgegen den Ansichten der modernen spanischen Schriftsteller, welche ohne auf die ursprünglichen Quellenwerke zurückzugehen, über die Geschichte der Philippinen Essays schreiben, einen noch höheren Grad von Cultur besass als die Tagalen. Borneo, Mindanao und den Molukken näher gelegen als die Tagalen, standen sie auch mit diesen Ländern in regerer Verbindung, und diese mag auch die Ursache sein, dass ihr Typus dem der eigentlichen Malaien sich mehr nähert, als jenem der Tagalen. Im XVI. und XVII. Jahrhundert wurden sie von den Spaniern Pintados genannt, weil sie ihren Körper zu bemalen pflegten. Sie nahmen ohne besondere Schwierigkeiten das Christenthum an und halfen mit ihren Kriegern den Spaniern die Tagalen unterjochen.Ihre Hütten sind nach demselben Modell gebaut, wie jene der Tagalen, dagegen unterscheiden sie sich von letzteren durch Tracht und Gewandung. Während die Tagalen das Haar verschneiden, lassen auch die Männer bei den Visayern das Haar lang wachsen (Buzeta I, 242). Die Frauen tragen keinen Tapis, sondern nur die aus grobem aber durchscheinenden Guinara-Zeug verfertigte Saya und die kaum die Brüste bedeckende Camisa (Jagor, Reisen 188).Um das Haar schlingen die Frauen ein Stück Zeug (Buzeta, l. c.). Sie bauen alle Getreidesorten und Culturpflanzen, die auf Luzon cultivirt werden, Reis insbesondere auf Panay, Zucker auf Cebú, Bóhol, Negros, vorzüglichen Cacao auf Cebú, Tabak auf Cebú und Bóhol, Mais auf Cebú, Abacá auf Leyte, Kaffee in der Provinz Misámis auf Mindanao. Viel stärker als auf Luzon wird auch rother Pfeffer cultivirt, da die Visayer damit alle ihre Speisen, besonders aber die Morisqueta, stark würzen (Buzeta I, 33). Cocospflanzungen sind überall, Viehzucht wird lässig betrieben. Sie sind noch eifrigere Fischer als die Tagalen, der Fang von Trepang („Balate”), der hier häufigeren Manatis und Schildkröten liefert ihnen reichen Gewinn, desgleichen das Suchen der Schwalbennester (Buzeta, Mas, Semper, Cañamaque, Cavada a. v. St.).Von den Tagalen unterscheiden sie sich unangenehm durch ihre Unreinlichkeit (Jagor 188) und durch ihre Trunksucht (Cavada a. v. St.). Ihre alte Religion glich in vielen Punkten jener der Tagalen, auch sie kannten den Ahnencultus, nur wurden die Nonos und Anitos der Tagalen und Nord-Luzonier hier Diuatas oder Divatas genannt. Sie besassen Idole, Liche oder Laravan mit Namen. Ihre Priesterinnen hiessen Babaylanas, neben diesen waren auch Priester. Selbst unter den Christen erhielt sich der alte Glaube insgeheim, 1797 noch entdeckten die Mönche in dem seit der Conquista christlichen Pueblo Sibalon auf Panay (Provinz Antique) 180 Babaylanas (Buzeta I, 300). Selbst unter den Cabezas de Barangay auf Sámar gab es 1648 heimliche heidnische Priester (Tanner III, 544). Auch bei den Visayern war das Schwein das bevorzugte Opferthier.In den Zeiten der Conquista herrschte bei den Visayern die Polygamie. Das Christenthum beseitigte diese, nicht aber die grenzenlose Unsittlichkeit und Unzucht, über welche alle älteren Schriftsteller schauderhafte Details berichten (man vgl. vorzüglich:Morga-Stanley 304 und Carletti 148). Auch heute ist Ehebruch ungemein häufig, um so mehr, als die Gatten keine Eifersucht kennen, und wie in den Zeiten der Conquista, geben sich die Frauen viel leichter preis und sind auch viel geiler als die Mädchen (Jagor, Reisen 236). Der Freier dient, ähnlich wie bei den Tagalen es vordem häufiger üblich war, 2–5 Jahre dem Vater seiner Braut umsonst, ehe er diese als Gattin heimführt (Jagor 235). Francisco Cañamaque (Fil. 186 f.) beschreibt die Brautwerbung wie folgt: Der Freier geht mit einem angesehenen Manne seines Dorfes zu den Eltern seiner Auserwählten, und beide fragen letztere, ob sie zur Eheschliessung geneigt ist, worauf sie mit Ja antwortet. Das Herkommen erfordert es, dass die Braut hierbei des Leides gedenkt, das ihr die durch die Ehe nöthig werdende Trennung von den Eltern verursachen müsste. Die letzteren pflegen, selbst wenn sie wohlhabend sind, dem Freier zu erklären, sich wohl Alles zu erwägen, denn ihre Tochter habe kein Vermögen, besitze keine Kenntnisse und sei überdiess recht albern. Der Freier und sein Genosse wiederholen aber die Werbung immer von Neuem, bis der Vater einwilligt. Ist diess geschehen, so fangen die vor der Thüre versammelten Freunde des Freiers an, Raketen steigen zu lassen und Musikinstrumente zu bearbeiten, andere gehen in das Haus hinein, überreichen süsse Bäckereien, Tabak, Buyo &c. Nach der kirchlichen Trauung durcheilt die junge Frau, begleitet von Freundinnen, die Gassen des Dorfes, um alle Verwandten und Freunde zu einer Chocoladegesellschaft (mit Tanz und Gesang) einzuladen. Wenn die Jungfräulichkeit der soeben Getrauten über allem Zweifel erhaben ist, so tanzen die beiden Gatten zusammen einen Tanz, worauf die geladenen männlichen Gäste eine grosse Anzahl von Töpfen und Schüsseln, welche aber noch nie gebraucht worden sind, zu den Füssen des Paares zerbrechen und hinwerfen. Bei dem Hochzeitsmale essen zuerst die Frauen, nach diesen die geladenen Männer und dann erst die zum Hause Gehörigen, wobei die Sitte erfordert, dass jedes Mal ganz neue Gerichte auf den Tisch oder, richtiger gesagt, auf die über den Boden gelegte Matte, aufgetragen werden, selbst wenn grosse Speisequantitäten von der vorhergehenden Tafel übrig sind. — Die Ehen sind sehr fruchtbar, man zählt oft 12 bis 13 Kinder in einer Ehe, doch ist dafür auch die Kindersterblichkeit eine grosse (Jagor, Reisen 236).In ihren sonstigen Bräuchen und Sitten weichen sie nicht sehr von den Tagalen ab. Ihre Todten begruben sie in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit, ähnlich wie die Igorroten, in Höhlen, das hat natürlich unter dem Christenthum aufhören müssen. Wie die Tagalen feiern auch die Visayer ein neuntägiges Todtenfest, das am letzten Tage in einer eigenthümlichen Weise seinen Abschluss findet. Der beste Theil des Hauses wird schwarz ausgeschlagen und eine Art Thronhimmel in demselben errichtet, auf dessen Hintergrund 10 bis 12 Todtenköpfe gemalt oder solche aus Papier ausgeschnittene befestigt werden. Dann wird unter diesem Thronhimmel ein Katafalk aufgerichtet, der mit allen Heiligenbildern, die die Verwandtschaft der verstorbenen Personen auftreiben kann, beklebt wird. Um 8 Uhr Abends halten dann die Hinterbliebenen das letzte Gebet für den Verstorbenen ab, was eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, worauf das Haus für alle Eintretenden geöffnet wird. Speisen und Getränke stehen Jedem in reichlicher Fülle zur Verfügung. Ist der Magen der Anwesenden befriedigt, so werden von den Anwesenden improvisirte Coplas gesungen, deren Inhalt mit dem Todesfalle in gar keinem Zusammenhange steht, sondern sich meist um Schlachten oder fröhliche Dinge dreht. Diese Coplas werden nach einer durch eigenthümliche Regeln geordneten Weise, ähnlich wiebei dem deutschen Pfänderspiel „zusammengesetzte Hauptwörter”, von Burschen und Mädchen gesungen, welche als Theilnehmer dieses Spieles bellacos und bellacas26heissen, der Anführer des Chors heisst: Dueño de Jato27und das Spiel selbst Duplo28(Cañamaque, Fil. 180–185).Ihre Industrie beschränkt sich hauptsächlich auf Herstellung von groben Sinamay- und Nipis-Zeugen (Diaz Arenas 291). Einen besonderen Ruf geniessen die wunderbar feinen Piña-Gewebe, bei deren Herstellung Fenster und Thüren fest verschlossen bleiben müssen, da der geringste Luftzug hinreicht, die zarten Fäden zu zerreissen (Buzeta I, 211). Die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern wird denn auch in dem einzigen Hafen Ilo-ilo allein auf 1 000 000 Dollar geschätzt (Jagor 241). Die beste und feinste Piña wird in Antique gearbeitet (Scheidnagel 127). Durch Gährung wird aus den Cocosnüssen ein stinkendes Öl mit Namen aceite de caracoas oder mabajon lañgis bereitet (Buzeta I, 31), welches in grossen Massen ausgeführt wird. Bei der Ölgewinnung geht man sehr nachlässig vor (Jagor, Reisen 214). Sonst sind noch als Exportartikel der Visayer-Industrie Stöcke und Messergriffe aus Horn erwähnenswerth (Scheidnagel 128).Das Innere aller der von Visayern bewohnten Inseln ist von „wilden” Visayern, „Infieles, Montesinos, Cimarrones” der Spanier bewohnt. Diese stammen sämmtlich von Flüchtlingen ab, welche vor dem Christenthum und der spanischen Herrschaft in die Wälder flohen. Sie sind meist gutmüthiger Natur und beginnen allmählich, ihren Nacken unter das spanische Joch zu beugen, obwohl trotzdem noch Jahrzehnte verfliessen werden, ehe die Spanier Herren der Binnenlandschaften der Inseln werden, deren Küstensaum sie beherrschen.b)Calamianen. Die Calamianen bewohnen den gleichnamigen Archipel und den nördlichen Theil von Palawan oder Paragua, die von ihnen fast gar nicht verschiedenen Coyuvos die kleine Inselgruppe von Cuyo. Die sogenannten Agutainos bilden die nördliche Hälfte derCoyuvos. Die Calamianen sind dunkler gefärbt als die übrigen Visayer und haben etwas krauses Haar (Waitz V, 98;nach Mallat I, 335 und Crawfurd), was auf eine Beimischung von Negritoblut hindeuten würde. Ihre Gesichtszüge sollen einen wilden Ausdruck besitzen (Bastian V, 274). Sie bauen Reis, Cacao, Kaffee, Baumwolle und Pfeffer, aber Alles in so geringen Quantitäten, dass nicht einmal der heimische Bedarf damit gedeckt wird (Buzeta I, 452). Desto eifriger wird Fischfang getrieben (Cavada II, 21; Scheidnagel 45), besonders aber die Balate- oder Trepangfischerei; die Calamianen sind auch die eifrigsten und gewandtesten Sucher der essbaren Schwalbennester, weshalb ihre Länder als der Hauptsitz des Schwalbennesterhandels anzusehen sind (Buzeta I, 41;Cavada II, 21). Der Handel mit dem von den Wilden aus dem Gebirge eingetauschten Wachs und Honig wird eifrig betrieben. Sie werden als abergläubisch, indolent und faul geschildert, das „Remontarse” ist unter ihnen besonders häufig (Cavada, l. c.). Industrie existirt kaum dem Namen nach und beschränkt sich nur auf weibliche Webearbeiten.c)Caragas. Die Caragas bewohnen die Ostküste von Mindanao vom Cap Surigao bis zum Cap S. Augustin. Sie gehören zu dem kriegerischsten Stamme der Visayer, ihre wilde Tapferkeit machten sich die Spanier in jenen grossen Kriegen zu nutze, welche sie im XVII. Jahrhundert gegen die Holländer und die Sultane von Buhayan, Mindanao und Sulu führten. Von ihrem kriegerischen Wesen zeugt die noch zu Ende des XVII. Jahrhunderts übliche Sitte, dass wer von ihnen sieben Menschen getödtet hatte, das Recht erhielt, einen rothen Turban zu tragen. Dieser Turban führte den Namen Bajacho. Natürlich hat diese Sitte seit lange bereits aufgehört. Die heutigen Caragas, seit drei Jahrhunderten Christen, unterscheiden sich jetzt wenig von den übrigen Visayern. Ihr Hauptnahrungszweig ist die Fischerei, dann erst der Reisbau; Industrie gering.
Die Visayer bewohnen alle jene Inseln, welche südlich von Luzon, Masbato, Burías, Ticao und Mindoro und nördlich von Borneo, Sulu und Mindanao liegen. Auf letzterer Insel wird von ihnen auch die ganze Nord- und Ostküste bewohnt, jedoch streng genommen nur an derKüste. Im südlichen Theile von Palawan (Paragua der Spanier) scheinen andere Malaien bereits zu wohnen.
Die Visayer-Sprache zerfällt in die Dialekte von Cebú, dem eigentlichen Visayer-Dialekt und jenem, der auf der Gruppe der Calamianen und Cuyos-Inseln gesprochen wird. Eine Unterabtheilung des Visayer-Dialektes sollen wieder der Dialekt von Süd-Panay, das Panayano, ferner der Dialekt von Capiz sein, doch widersprechen sich da die Nachrichten, und da ich der Visayer-Sprache unkundig, so will ich darüber hinweggehen. Nach ihren Sitten und Bräuchen zerfallen sie in die eigentlichen Visayer, in die Caragas und Calamianen incl. Coyuvos.
a)Visayerim engeren Sinne des Wortes. Diese bewohnen die Inseln Panay, Romblon, Tablas, Masbate (sporadisch neben den Vicols), Negros, Cebú, Bóhol, Sámar, Leyte, den Surigao-Archipel und die Landschaft Dapitan der Provinz Misámis auf der Nordküste von Mindanao. Auf dem übrigen Theil der Nordküste von Mindanao (Misámis, Iligan, Cagayán und Butnan) wohnen zwar auch Visayer, aber sie sind mit den eingeborenen Stämmen sehr stark vermischt, doch bleibt ihre Sprache dort die herrschende. Am Meerbusen von Davao sind viele Visayer angesiedelt, welche die Spanier seit dem Jahre 1848, wo sie jenes Land occupirten, dorthin gebracht haben. Die Visayer sind nicht so weit im Archipel verstreut, wie die intelligenteren Tagalen, doch finden sich welche, meist Fischer, selbst auf den Babuyanen, besonders auf Camiguin25(Mas, pobl. 42). Die Visayer der Küstendistricte sind alle Christen und civilisirt, im Innern dieser Inseln leben sie aber als halbwilde Heiden, welche von jenen Visayern abstammen, die sich den Spaniern nicht unterwerfen wollten, und welche durch Remontados immer neuen Zuschuss erhielten und zum Theil noch erhalten. Ich werde zunächst mich mit den Christen befassen.
Die Visayer waren zur Zeit der Conquista bereits ein civilisirtes Volk, das, entgegen den Ansichten der modernen spanischen Schriftsteller, welche ohne auf die ursprünglichen Quellenwerke zurückzugehen, über die Geschichte der Philippinen Essays schreiben, einen noch höheren Grad von Cultur besass als die Tagalen. Borneo, Mindanao und den Molukken näher gelegen als die Tagalen, standen sie auch mit diesen Ländern in regerer Verbindung, und diese mag auch die Ursache sein, dass ihr Typus dem der eigentlichen Malaien sich mehr nähert, als jenem der Tagalen. Im XVI. und XVII. Jahrhundert wurden sie von den Spaniern Pintados genannt, weil sie ihren Körper zu bemalen pflegten. Sie nahmen ohne besondere Schwierigkeiten das Christenthum an und halfen mit ihren Kriegern den Spaniern die Tagalen unterjochen.
Ihre Hütten sind nach demselben Modell gebaut, wie jene der Tagalen, dagegen unterscheiden sie sich von letzteren durch Tracht und Gewandung. Während die Tagalen das Haar verschneiden, lassen auch die Männer bei den Visayern das Haar lang wachsen (Buzeta I, 242). Die Frauen tragen keinen Tapis, sondern nur die aus grobem aber durchscheinenden Guinara-Zeug verfertigte Saya und die kaum die Brüste bedeckende Camisa (Jagor, Reisen 188).Um das Haar schlingen die Frauen ein Stück Zeug (Buzeta, l. c.). Sie bauen alle Getreidesorten und Culturpflanzen, die auf Luzon cultivirt werden, Reis insbesondere auf Panay, Zucker auf Cebú, Bóhol, Negros, vorzüglichen Cacao auf Cebú, Tabak auf Cebú und Bóhol, Mais auf Cebú, Abacá auf Leyte, Kaffee in der Provinz Misámis auf Mindanao. Viel stärker als auf Luzon wird auch rother Pfeffer cultivirt, da die Visayer damit alle ihre Speisen, besonders aber die Morisqueta, stark würzen (Buzeta I, 33). Cocospflanzungen sind überall, Viehzucht wird lässig betrieben. Sie sind noch eifrigere Fischer als die Tagalen, der Fang von Trepang („Balate”), der hier häufigeren Manatis und Schildkröten liefert ihnen reichen Gewinn, desgleichen das Suchen der Schwalbennester (Buzeta, Mas, Semper, Cañamaque, Cavada a. v. St.).
Von den Tagalen unterscheiden sie sich unangenehm durch ihre Unreinlichkeit (Jagor 188) und durch ihre Trunksucht (Cavada a. v. St.). Ihre alte Religion glich in vielen Punkten jener der Tagalen, auch sie kannten den Ahnencultus, nur wurden die Nonos und Anitos der Tagalen und Nord-Luzonier hier Diuatas oder Divatas genannt. Sie besassen Idole, Liche oder Laravan mit Namen. Ihre Priesterinnen hiessen Babaylanas, neben diesen waren auch Priester. Selbst unter den Christen erhielt sich der alte Glaube insgeheim, 1797 noch entdeckten die Mönche in dem seit der Conquista christlichen Pueblo Sibalon auf Panay (Provinz Antique) 180 Babaylanas (Buzeta I, 300). Selbst unter den Cabezas de Barangay auf Sámar gab es 1648 heimliche heidnische Priester (Tanner III, 544). Auch bei den Visayern war das Schwein das bevorzugte Opferthier.
In den Zeiten der Conquista herrschte bei den Visayern die Polygamie. Das Christenthum beseitigte diese, nicht aber die grenzenlose Unsittlichkeit und Unzucht, über welche alle älteren Schriftsteller schauderhafte Details berichten (man vgl. vorzüglich:Morga-Stanley 304 und Carletti 148). Auch heute ist Ehebruch ungemein häufig, um so mehr, als die Gatten keine Eifersucht kennen, und wie in den Zeiten der Conquista, geben sich die Frauen viel leichter preis und sind auch viel geiler als die Mädchen (Jagor, Reisen 236). Der Freier dient, ähnlich wie bei den Tagalen es vordem häufiger üblich war, 2–5 Jahre dem Vater seiner Braut umsonst, ehe er diese als Gattin heimführt (Jagor 235). Francisco Cañamaque (Fil. 186 f.) beschreibt die Brautwerbung wie folgt: Der Freier geht mit einem angesehenen Manne seines Dorfes zu den Eltern seiner Auserwählten, und beide fragen letztere, ob sie zur Eheschliessung geneigt ist, worauf sie mit Ja antwortet. Das Herkommen erfordert es, dass die Braut hierbei des Leides gedenkt, das ihr die durch die Ehe nöthig werdende Trennung von den Eltern verursachen müsste. Die letzteren pflegen, selbst wenn sie wohlhabend sind, dem Freier zu erklären, sich wohl Alles zu erwägen, denn ihre Tochter habe kein Vermögen, besitze keine Kenntnisse und sei überdiess recht albern. Der Freier und sein Genosse wiederholen aber die Werbung immer von Neuem, bis der Vater einwilligt. Ist diess geschehen, so fangen die vor der Thüre versammelten Freunde des Freiers an, Raketen steigen zu lassen und Musikinstrumente zu bearbeiten, andere gehen in das Haus hinein, überreichen süsse Bäckereien, Tabak, Buyo &c. Nach der kirchlichen Trauung durcheilt die junge Frau, begleitet von Freundinnen, die Gassen des Dorfes, um alle Verwandten und Freunde zu einer Chocoladegesellschaft (mit Tanz und Gesang) einzuladen. Wenn die Jungfräulichkeit der soeben Getrauten über allem Zweifel erhaben ist, so tanzen die beiden Gatten zusammen einen Tanz, worauf die geladenen männlichen Gäste eine grosse Anzahl von Töpfen und Schüsseln, welche aber noch nie gebraucht worden sind, zu den Füssen des Paares zerbrechen und hinwerfen. Bei dem Hochzeitsmale essen zuerst die Frauen, nach diesen die geladenen Männer und dann erst die zum Hause Gehörigen, wobei die Sitte erfordert, dass jedes Mal ganz neue Gerichte auf den Tisch oder, richtiger gesagt, auf die über den Boden gelegte Matte, aufgetragen werden, selbst wenn grosse Speisequantitäten von der vorhergehenden Tafel übrig sind. — Die Ehen sind sehr fruchtbar, man zählt oft 12 bis 13 Kinder in einer Ehe, doch ist dafür auch die Kindersterblichkeit eine grosse (Jagor, Reisen 236).
In ihren sonstigen Bräuchen und Sitten weichen sie nicht sehr von den Tagalen ab. Ihre Todten begruben sie in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit, ähnlich wie die Igorroten, in Höhlen, das hat natürlich unter dem Christenthum aufhören müssen. Wie die Tagalen feiern auch die Visayer ein neuntägiges Todtenfest, das am letzten Tage in einer eigenthümlichen Weise seinen Abschluss findet. Der beste Theil des Hauses wird schwarz ausgeschlagen und eine Art Thronhimmel in demselben errichtet, auf dessen Hintergrund 10 bis 12 Todtenköpfe gemalt oder solche aus Papier ausgeschnittene befestigt werden. Dann wird unter diesem Thronhimmel ein Katafalk aufgerichtet, der mit allen Heiligenbildern, die die Verwandtschaft der verstorbenen Personen auftreiben kann, beklebt wird. Um 8 Uhr Abends halten dann die Hinterbliebenen das letzte Gebet für den Verstorbenen ab, was eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, worauf das Haus für alle Eintretenden geöffnet wird. Speisen und Getränke stehen Jedem in reichlicher Fülle zur Verfügung. Ist der Magen der Anwesenden befriedigt, so werden von den Anwesenden improvisirte Coplas gesungen, deren Inhalt mit dem Todesfalle in gar keinem Zusammenhange steht, sondern sich meist um Schlachten oder fröhliche Dinge dreht. Diese Coplas werden nach einer durch eigenthümliche Regeln geordneten Weise, ähnlich wiebei dem deutschen Pfänderspiel „zusammengesetzte Hauptwörter”, von Burschen und Mädchen gesungen, welche als Theilnehmer dieses Spieles bellacos und bellacas26heissen, der Anführer des Chors heisst: Dueño de Jato27und das Spiel selbst Duplo28(Cañamaque, Fil. 180–185).
Ihre Industrie beschränkt sich hauptsächlich auf Herstellung von groben Sinamay- und Nipis-Zeugen (Diaz Arenas 291). Einen besonderen Ruf geniessen die wunderbar feinen Piña-Gewebe, bei deren Herstellung Fenster und Thüren fest verschlossen bleiben müssen, da der geringste Luftzug hinreicht, die zarten Fäden zu zerreissen (Buzeta I, 211). Die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern wird denn auch in dem einzigen Hafen Ilo-ilo allein auf 1 000 000 Dollar geschätzt (Jagor 241). Die beste und feinste Piña wird in Antique gearbeitet (Scheidnagel 127). Durch Gährung wird aus den Cocosnüssen ein stinkendes Öl mit Namen aceite de caracoas oder mabajon lañgis bereitet (Buzeta I, 31), welches in grossen Massen ausgeführt wird. Bei der Ölgewinnung geht man sehr nachlässig vor (Jagor, Reisen 214). Sonst sind noch als Exportartikel der Visayer-Industrie Stöcke und Messergriffe aus Horn erwähnenswerth (Scheidnagel 128).
Das Innere aller der von Visayern bewohnten Inseln ist von „wilden” Visayern, „Infieles, Montesinos, Cimarrones” der Spanier bewohnt. Diese stammen sämmtlich von Flüchtlingen ab, welche vor dem Christenthum und der spanischen Herrschaft in die Wälder flohen. Sie sind meist gutmüthiger Natur und beginnen allmählich, ihren Nacken unter das spanische Joch zu beugen, obwohl trotzdem noch Jahrzehnte verfliessen werden, ehe die Spanier Herren der Binnenlandschaften der Inseln werden, deren Küstensaum sie beherrschen.
b)Calamianen. Die Calamianen bewohnen den gleichnamigen Archipel und den nördlichen Theil von Palawan oder Paragua, die von ihnen fast gar nicht verschiedenen Coyuvos die kleine Inselgruppe von Cuyo. Die sogenannten Agutainos bilden die nördliche Hälfte derCoyuvos. Die Calamianen sind dunkler gefärbt als die übrigen Visayer und haben etwas krauses Haar (Waitz V, 98;nach Mallat I, 335 und Crawfurd), was auf eine Beimischung von Negritoblut hindeuten würde. Ihre Gesichtszüge sollen einen wilden Ausdruck besitzen (Bastian V, 274). Sie bauen Reis, Cacao, Kaffee, Baumwolle und Pfeffer, aber Alles in so geringen Quantitäten, dass nicht einmal der heimische Bedarf damit gedeckt wird (Buzeta I, 452). Desto eifriger wird Fischfang getrieben (Cavada II, 21; Scheidnagel 45), besonders aber die Balate- oder Trepangfischerei; die Calamianen sind auch die eifrigsten und gewandtesten Sucher der essbaren Schwalbennester, weshalb ihre Länder als der Hauptsitz des Schwalbennesterhandels anzusehen sind (Buzeta I, 41;Cavada II, 21). Der Handel mit dem von den Wilden aus dem Gebirge eingetauschten Wachs und Honig wird eifrig betrieben. Sie werden als abergläubisch, indolent und faul geschildert, das „Remontarse” ist unter ihnen besonders häufig (Cavada, l. c.). Industrie existirt kaum dem Namen nach und beschränkt sich nur auf weibliche Webearbeiten.
c)Caragas. Die Caragas bewohnen die Ostküste von Mindanao vom Cap Surigao bis zum Cap S. Augustin. Sie gehören zu dem kriegerischsten Stamme der Visayer, ihre wilde Tapferkeit machten sich die Spanier in jenen grossen Kriegen zu nutze, welche sie im XVII. Jahrhundert gegen die Holländer und die Sultane von Buhayan, Mindanao und Sulu führten. Von ihrem kriegerischen Wesen zeugt die noch zu Ende des XVII. Jahrhunderts übliche Sitte, dass wer von ihnen sieben Menschen getödtet hatte, das Recht erhielt, einen rothen Turban zu tragen. Dieser Turban führte den Namen Bajacho. Natürlich hat diese Sitte seit lange bereits aufgehört. Die heutigen Caragas, seit drei Jahrhunderten Christen, unterscheiden sich jetzt wenig von den übrigen Visayern. Ihr Hauptnahrungszweig ist die Fischerei, dann erst der Reisbau; Industrie gering.