38. Manobos.

38. Manobos.Die Manobos sind ein in fast allen Theilen der Insel Mindanao wohnhafter heidnischer Stamm. Ihre Wohnsitze sind die Bergwildnisse südlich von Dapitan (Cavada II, 197), dann durch christliche Visayer-Niederlassungen vom Meere getrennt in den Bergen südlich von Iligan, Cagayán (de Mindanao), Butuan und in den Thälern, welche die bei den letztgenannten Städtchen mündenden Flüsse in ihrem Laufe bilden (Semper, Skizzen a. v. St.;Cavada a. v. St.). Im Süden reichen sie bis zu dem Meerbusen von Davao (Cavada II, 221, 222), wo sie hauptsächlich amöstlichenGestade wohnen, während am linken sich nur einzelne Niederlassungen finden. Sie reichen im Westen bis in die Nähe von Cotta bató (Jagor 44;Cañamaque 43). Doch muss man bei diesen Angaben, soweit sie nicht, wie von Semper als Augenzeugen, sichergestellt sind, sich sehr reservirt verhalten, denn Manobos (Varianten: Manabos, Manobas) ist in Mindanao zu einem Collectivnamen für heidnische Bergstämme geworden29) (Waitz V, 56;D. Claudio Montero y Gay, in dem Bol. de la Sociedad geográfica de Madrid I, n. 4, p. 322).Die Manobos erinnern in ihrem äusseren Habitus etwas an Chinesen (Semper, Skizzen 59). Sie leben in ganz kleinen Horden, welche gewöhnlich nur aus dem Häuptling — Bagani genannt — und den Brüdern seiner Frauen sich zusammensetzen (l. c. 60). Ihre Hütten stehen auf hohen Pfählen (l. c.), ebenso die Scheunen und Vorrathshäuser, welche mitten in den Feldern stehen (l. c. 61). Die Manobos im Norden treiben Ackerbau, und zwar sind Gegenstände desselben Tabak, Mais, Camote und insbesondere Reis, welch’ letzteren sie in solcher Fülle ernten, dass sie im Stande sind, ganze Bootsladungen an die christliche Küstenbevölkerung zu verkaufen (l. c. 60). Ausserdem obliegen sie dem Dalag-Fischfang mittelst Fischreusen und Netzen (l. c. 47). Die Manobos, welche am Meerbusen von Davao wohnen, scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern sich nur vom Fischfange und Wurzeln, ja im Nothfalle selbst von ekelhaften Reptilien zu nähren (Cavada II, 223). Die ackerbauenden Manobos sind deshalb nicht sesshaft; sobald ihr nie gedüngter Ackerboden erschöpft ist, verlassen sie ihre Niederlassung und gründen sich an einer anderen günstigen Stelle ein neues Heim (Semper, Skizzen 62). Sie leben in Polygamie, doch gilt nur eine Frau als die legitime, der die anderen zu gehorchen haben (l. c. 60). Jede Frau hat eine Hütte für sich, in welcher sie mit ihren Kindern und den ihr zugewiesenen Sclaven lebt (l. c.). Da die Feldarbeit nur auf den Schultern der Frauen, Kinder und Sclaven ruht, so besteht in der grösseren Zahl derselben auch der grössere Reichthum des Mannes (l. c.). Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde, Dolche und Schwerter (Semper, Skizzen 62), die Manobos von Davao wissen auch meisterhaft Bogen und Pfeil zu gebrauchen (Cavada II, 223). Ihre Religion und die Sucht, Sclaven zu erwerben, reizt sie zu beständigen Kriegen und Fehden. Sie haben einen ähnlichen Ahnencultus wie die übrigen Malaien Luzons und der Philippinen (Semper 61), überdiess kennen sie noch andere Götter. „So halten sie den Donner für die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt eines abenteuerlichen Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde niederfährt und in die Bäume einschlägt, so soll das Thier, nach ihrer Meinung, mitunter einen seiner Zähne darin stecken lassen” (Semper, Skizzen 61). Der Caiman wird von ihnen heilig gehalten (l. c.), welche Verehrung dieses Thier einst auch von den heidnischen Tagalen genoss (Mas, hist. I, 15). Bezeichnend ist der Name Diuata (Semper, Skizzen 62), der einem ihrer Götter zukommt, es ist dieses Wort gleichlautend mit der Ahnen-Benennung der Visayer. Der Diuata ist der Gott der Erntefeste, man erinnere sich an die religiösen Festlichkeiten, welche die Igorroten zur Erntezeit den Anitos darbringen. Dem Diuata werden Schweine geopfert und, wie bei den Igorroten, an das Opfer eine grosse Schmauserei geknüpft (Mas, pobl. 29). Hochverehrt wird auch der Kriegsgott Tagbusau (Semper 62). Nach beendigter Ernte ziehen die Manobos, wenn die eingeholten Auspicien glückverheissend sind, auf den Kriegspfad. Der Bagani, der als Priester des Tagbusau auch „dessen Talisman” mitträgt, sucht mit seinen Leuten den Feind im Morgenschlummer zu überrumpeln oder hinterrücks im Walde zu überfallen. Alle Erwachsenen werden niedergemetzelt, die Weiber und Kinder aber in die Sclaverei abgeführt (l. c. u. Cavada II, 223). Ihre Bestialität äussert sich sogar in einer Art von Cannibalismus: „Ist der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er (der Bagani) ein heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert, öffnet der Leiche die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die ihm um den Hals hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das Herz oder die Leber heraus, und verzehrt ein Stück davon als Zeichen, dass er nun seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen Volk wird es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das Vorrecht aber auch die Pflicht des fürstlichen Priesters” (Semper, Skizzen 62). Die Schädel der erschlagenen Feinde werden nach Hause mitgenommen, aber nicht nach der bei den Kopfjägern Luzons üblichen Sitte aufbewahrt (Semper, l. c.). Einen der Gefangenen pflegen sie nach glücklich erfolgter Heimkehr gleichsam als Dankopfer dem Tagbusau auf grausame Weise abzuschlachten (Mas, pobl. 40, Semper, l. c.). Wie bei den Negritos wird auch hier jeder Todesfall durch einen Mord eines armen arglosen Wanderers, dem sie im Walde auflauern, wettgemacht (Mas, pobl. 39). Die Manobos der Provinz Surigao scheinen nicht mehr so blutdürstiger Natur zu sein (Cavada II, 206). Ihre Kopfzahl bei Butuan wird auf 10 000 Seelen geschätzt (Jagor, Reisen 322). Mas (pobl. 14) betrachtet sie als Seitenzweig der Igorroten, wohl nur mit Bezugnahme auf ihre Kriegslust und Fressgelage.39. Mamanuas.Die Mamanuas sind ein Mischlingsvolk von Malaien und Negritos (Semper, Skizzen 49), der malaiische Typus wird wohl bald überwiegen, da sie beständig neue eheliche Verbindungen mit Malaien eingehen (l. c. 136). Sie führen ganz das Leben der Negritos (Semper, l. c. 53). Ihre Wohnsitze sindzwischen Surigao und der Laguna Maïnit, ferner nordwestlich von Llanganzu suchen. Ihre Anzahl ist gering.40. Tagbalays.Die Tagbalays wohnen nicht weit von der Ostküste Mindanao’s, in der Nähe von Bislig (Waitz V, 51). Ihr Name kommt auch in den Varianten Tago-Balvoys und Taga-Balooyes vor. Sie sind hellfarbig (Waitz, l. c.), deshalbaber nicht mit japanischem Blute gemengt. Die Japano- und Chino-Manie wird mit Bezug auf die Philippinen bald ähnliche Übertreibungen und voreilige Behauptungen zu Tage fördern, wie die Kelto-Manie von anno dazumal in Deutschland. Mas (pobl. 14) bezeichnet sie als „Igorroten”, wohl aus ähnlichem Grunde, wie bei den Manobos. Ob die in der Ilustracion filipina 1860 n. 17, p. 193, erwähnten Tagabotes mit unseren Tagbalays zu identificiren sind, wage ich nicht zu entscheiden, da sonst (wenigstens in den mir zugänglichen Werken) dieser Volksstamm der Tagabotes nirgendswo anders erwähnt wird.41. Bagobos.Die Bagobos wohnen in der Quellgegend des Rio de Butuan zwischen Manobos und Mandayas, dann zwischen dem Vulcane Apo und der Stadt Davao und bewohnen selbst mehrere Rancherías unmittelbar an der Küste, darunter Darum oder Daron (Cavada II, 221). Die Bagobos sind ein friedliches Volk (Cavada II, 206), obgleich sie sonst mit den Manobos Lebensweise und Waffen gemeinsam haben. Die Bewohner der Ebenen und Gestade sind rachitisch und kränklich (Cavada II, 223), was wohl nicht allein auf die Kreuzung mit von den Manobos gekauften Sclaven zurückzuführen ist, sondern vielleicht auch, dass sie eben als Bergstamm in den Sumpfniederungen verkümmern. Cavada rühmt ihnen Mässigkeit im Essen, Reinlichkeit und Vertragstreue nach. Sie sind ebenso wie die Manobos, Mamanuas und Tagbalays Heiden.42. Guiangas.Nach Jagor (Reisen 322) wohnt dieser anderswo nicht genannte heidnische Stamm in denselben Districten, zwischen Apo und Davao, welche von den Bagobos bewohnt werden. Der Name dieses Volksstammes erinnert einigermaassen an den der Manguangas. Sie sind von heller Hautfarbe (Cavada II, 223).43. Vilanen.Die Vilanes oder Bilanes sind ein den obigen ähnlicher Stamm, gleichfalls heidnischer Religion. Sie wohnen südlich von den Bagobos zwischen dem Gebirge und dem westlichen Gestade des Meerbusens von Davao (Jagor, Reisen 322;Cavada II, 220).44. Tagacaolos.Die Tagacaolos hausen südlich von den Vilanen, in den westlichen Gestadelandschaften des Meerbusens von Davao und südlich vom Vulcane Apo.Tagacaolos wohnen auch als Nachbarn der Mandayas nördlich von der Balete-Bai.Ihren Namen scheinen sie vom Flusse Tagalaya herzuleiten, welcher auf jenem Berge entspringt. Ihr Hauptort heisst Malalag (Cavada II, 221). Sie sind ebenfalls Heiden, obwohl es unter ihnen genug Mohammedaner giebt, besonders im Süden, welche aber kaum äusserlich an den Lehren des Korans festhalten. Sie glauben an das Dasein eines übernatürlichen Wesens, das seinen Sitz auf dem Apo hat. „Diesem Genius des Guten und Bösen bringen sie, um ihn zu besänftigen, beständig Menschenopfer, insbesondere, wenn sie sich einbilden, dass er ihnen zürnt, oder auch nur, wenn sie sich vornehmen, Schwefel zu sammeln, damit er es ihnen gestatte” (Ausland 1881, S. 219).45. Sanguils.Die Sanguils bewohnen die Halbinsel, welche durch den Meerbusen von Davao und die Sarangani-Bai gebildet wird. Mit den Vilanen und Tagacaolos sollen sie 76 000 Köpfe zählen (Jagor, Reisen 322).46. Mandayas.Die Mandayas wohnen am Rio Hijo, der in die Bucht von Davao mündet (Cavada II, 222),am Oberlaufe des Rio Agusan und des Rio Sahug, ebenso trifft man Mandayas in dem Hinterlande der Küstenorte Caraga, Santa Maria und Zatagoza (Dr. Montano y Rey).. Dann bewohnen sie den südlichen Theil von Mindanao, von Linao an der Westküste bis zu den grossen Seen im Innern des Landes, sie sind dann auch weiter bis gegen Butuan anzutreffen (Jagor, Reisen 322). Die am Meerbusen von Davao wohnenden sind mit Manguangas vermischt (Jagor, l. c.). Ihre Hautfarbe ist eine sehr helle (Cavada II, 206 u. 223), diess hat Mallat zu der Annahme verleitet, dass sie Mischlinge von Japanen und Visayern sein sollen, was aus historischen Gründen sehr unwahrscheinlich ist; Sir J. Bowring’s Hypothese, nach welcher die Mandayas gar Abkömmlinge von Weissen und Eingeborenen wären, muss bei jedem Kenner der Geschichte Mindanao’s nur Unwillen erzeugen. Schwerwiegend ist jedoch, dass Prof. Semper sich für eine Vermengung mit Chinesen ausgesprochen hat (Semper, Skizzen 59), gegen diese Autorität wage ich es nicht, Etwas einzuwenden. — Sie sind von starker Gestalt und kräftigem Gliederbau, kriegerisch und stets zum Kampfe bereit, mit den Christen aber unterhalten sie freundliche Beziehungen (Cavada II, 206 u. 223). Ihre Waffen sind Lanze, Kris, Pfeil, Bogen und Bolomesser (Cavada II, 223). Während die Mandayas der Provinz Surigao Freunde einer herumschweifenden Lebensweise sind (Cavada II, 206), sind die Mandayas von Davao arbeitsame Leute (Cavada II, 223). Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Skizzen 59).47. Subanos.Die Subanos bewohnen jene langgestreckte Halbinsel, welche den äussersten westlichen Ausläufer Mindanao’s bildet. Ihr Name bedeutet so viel als Flussbewohner (Combés 24). Die Geschichte ihrer Abstammung bei Barrantes (Guerras piráticas 417) ist sehr schön, aber für unsere Zwecke nichtbrauchbar. Neuere Schriftsteller und Reisende haben uns keineerweiterteKenntniss dieses malaiischen Volksstammes gebracht, so sind wir denn noch immer auf Combés und Gemelli-Careri angewiesen. Sie sind kriegerisch, und ihre Kriegslust wird durch ähnliche Bräuche angefeuert, wie einst bei den Caragas, nur brauchte der Subano nur einen einzigen Feind zu tödten, um den rothen Kopfbund tragen zu dürfen. Obwohl bei ihnen Blutrache gilt, so kann diese leicht durch Goldstaub gesühnt werden. Geschlechtlichen Ausschweifungen huldigen sie in ebenso grossem Maasse, wie alle ihre Nachbarstämme. Ein Theil von ihnen ist zum Christenthume bekehrt, die übrigen sind Heiden und nur zum geringsten Theile Mohammedaner. Ihre Kopfzahl soll sich auf 70 000 belaufen (Jagor, Reisen 322).48. Manguangas.Die Manguangas wohnen in der Cordillera Sugut auf Mindanao und erstrecken sich bis zu dem grossen See von Boayan oder Magindanao. Sie zählen nach einer älteren Schätzung gegen 80 000 Seelen (Jagor, Reisen 322). Sie sind Heiden; über ihre sonstigen Sitten und Bräuche ist mir Nichts bekannt.49. Sameacas.Die Sameacas sind die (heidnischen?) Bewohner des Gebirgsinnern der Insel Basilan. Bis zum XVI. Jahrhundert bewohnten sie auch die Küsten dieses Eilands, da landete aber der Prätendent des Reiches Mindanao, der Paquian Tindig, mit seinen Anhängern und Sclaven auf Basilan und trieb die ursprünglichen Herren des Landes in die Gebirgswälder hinein, wo sie noch heute in völliger Unabhängigkeit leben (Pazos 10). Bei der Dürftigkeit der Nachrichten über diesen Volksstamm lässt sich die Frage gar nicht in Untersuchung ziehen, ob nicht die Sameacas mit den Guimbas zusammen nureinenStamm repräsentiren.50. Guimbas.Die Guimbas sind die Bewohner der Gebirgswildnisse der Hauptinsel von Sulu. Bei Combés, Fray Juan de la Concepcion und Anderen kommen noch folgende Varianten ihres Namens vor: Guinbajanos, Guimbanos, Quimpanos. Sie sind nach den spanischen Geschichtsschreibern der Philippinen zu derselben Zeit von den einwandernden Mindanaos in das Gebirge geworfen worden als Basilan. Die Jesuiten nannten sie „gente montaraz”, d. h. ebenso wie die heidnischen Bergstämme Luzons, sie sind also in jenen Tagen (1578–1646) Heiden gewesen, während sie sich jetzt wenigstens zum Theil — bei Carondon — zum Islam bekehren liessen, wenigstens nennt Pazos (Joló 194) die in der Nähe Carondons wohnenden GuimbasMorosguimbas montescos.Der Name Guimbas wurde ihnen von den mindanaoischen Eroberern verliehen, er soll soviel wie Trommler bedeuten, da es bei ihnen Sitte ist, im Kriegsfalle durch den Lärm zahlreicher Trommeln sich Muth einzuflössen. Zu demselben Zwecke kauen sie die Wurzel Panayaman(g), welche die Eigenschaft besitzt, den Körper gegen die Schmerzen der Wunden unempfindlich zu machen. Ihre Tapferkeit und ihr Muth sind in der That ausserordentlich, und die Spanier haben zu der Zeit, wo sie im XVII. Jahrhundert vorübergehend (1638–46) Sulu besetzt hielten, mehrmals von ihnen Schlappen erlitten, ein Mal sogar eine ordentliche Niederlage. Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde und Panzer, letztere aus Carabao-(Büffel-)Haut verfertigt, woraus zu schliessen ist, dass sie wenigstens den Carabao als Hausthier besitzen, und da dieses Thier auf den Philippinen nur als Ackerbaumedium benutzt wird, so ist der Schluss gerechtfertigt, dass sie Reisbauer sind. Überdiess besitzen sie auch Pferde (Koner 124). Pazos nennt sie auch nur Halbwilde (semisalvages). Bemerkenswerth ist, dass sie nach Pazos (Joló 10) besonders auf den nördlichen Abhängen des Gebirgsstockes von Sulu wohnen, so dass auf den Südabhängen Platz wäre für die Idanes Dalrymple’s, da ich aber leider kein Exemplar Dalrymple’s auftreiben konnte, so ist es mir unmöglich, auf diesen letzteren Volksstamm näher einzugehen. Nach der Bemerkung in Waitz (V, 46), dass der Name Idan eine Collectivbezeichnung für verschiedene Idiome sprechende heidnische Stämme sei, ist eine Identificirung der Idanes de Joló mit den Guimbas auch nicht unmöglich, man vgl. übrigens das bei den Negritos Erwähnte.51. Die Piratenstämme von Mindanao und Sulu.Unter obiger Bezeichnung fasse ich jene mohammedanischen Malaienstämme zusammen, welche an der Westküste von Mindanao, am Rio Grande de Mindanao, den beiden grossen Seen südlich von diesem Strome an der Laguna de Malanao, an der Küste des Panguil-Busens, in einigen Dörfern an der Nordwestküste Mindanao’s zwischen Zamboanga und Misamis und welche ferner die Küstenbevölkerung der grösseren und die Gesammtbevölkerung der kleineren Sulu-Inseln bilden. Sie werden von den Spaniern je nach ihrem Aufenthaltsorte als Joloanos, Camucones (Bewohner der Inseln südwestlich von Tawi tawi), Tirones (Bewohner der Inseln zwischen Tawi tawi und Borneo), Moros de Balabac, Samales (Bewohner der Inseln südlich von Basilan), Basilanes, Jacanes (auch auf Basilan), Illanos oder Ilanos (an der Baia Illana), Lutaos (bei Zamboanga), Malanaos (am See Malanao), Mindanaos (Mündungsgebiet des Rio Grande und die Küste Ost-Mindanao’s von Pollok bis zur Südspitze der Insel), Tegurayes oder Tinivayanes (Flussgebiet des Rio Grande de Mindanao) bezeichnet.Sie sind Mischlinge von den in den diesbezüglichen Ländern erbgesessenen Visayer- oder (auf Mindanao zum Theile) Manobos-, Mandayas-, Subanos-Stämmen und von den von Borneo und den Molukken her einfallenden mohammedanischen Stämmen. Balabac ist von Borneo her mit dieser neuen Bevölkerung versehen worden. Gerade als die Spanier unter Legazpi, 1565–1572, sich des Archipels bemächtigten, machten sie einer grossartigen, continuirlichen, wenn auch geräuschlosen und friedlichen Invasion von Borneo-Malaien ein Ende, damals waren, wie Morga, Fr. Gaspar de S. Augustin, Fray Juan de la Concepcion uns melden, in allen Theilen der Philippinen, mit Ausnahme der nördlichen Landschaften Luzons, Borneaner nicht nur als Kauffahrer, sondern auch als mohammedanische Proselytenmacher und Stifter neuer Dynastien und Reiche thätig. Die Vasallenfürsten der Sultane von Manila und Tondo waren alle Borneaner, sowie vielleicht ihre Herren selbst. Noch 1585 (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 651) zahlten die Bewohner der Calamianen den Spaniern und dem Sultan von Borneo zugleich Tribut. Nach Argensola, Combés, Fr. Juan &c. hat Mindanao seine mohammedanische Bevölkerung durch Einwanderung von Ternate erhalten, wie denn auch im XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts die Sultane von Mindanao und Buhayen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnisse zu den Sultanen von Ternate standen, welches sich erst löste, als letztere sich den Holländern unterwarfen und in den Kämpfen zwischen letzteren und den Spaniern eine bedeutende Einbusse an Macht und Gebietsumfang erlitten. Am gemengtesten erscheint die Bevölkerung von Sulu. Die Nachrichten von Dalrymple30, Crawfurd30, Hunt30und Forrest widersprechen zum Theil sehr jenen Nachrichten, welche uns die spanischen Historiker des XVI. und XVII. Jahrhunderts bringen. Es ist zu bedauern, dass W. Koner in seiner Monographie des Sulu-Archipels (Erdk. 1867, II, 105 f.) nur englischen und holländischen Quellen gefolgt ist, denn jene spanischen mönchischen Geschichtsschreiber bringen sehr zuverlässige Nachrichten, die meist von Missionären ihrer Orden stammten, welche lange Jahre in jenen Ländern zugebracht hatten, ja Combés war selbst geraume Zeit in Mindanao thätig. Auch die französischen, englischen und holländischen Quellen weichen sehr voneinander ab. Das eine aber scheint sicherzustellen, dass die heutigen Dattos oder Feudalfürsten Sulu’s von Mindanao, indirect also von Ternate herstammen, einige Dattos stammen auch von Butuan ab, letzteres aber war auch von Ternate her colonisirt und dann die maurische oder Moslimbevölkerung von den Spaniern verjagt worden31. Doch schon vor dieser Invasion hatten auf jener Hauptinsel Sulu sich auch Javanen (Bastian V, 275; man vgl. auchKoner 123) gezeigt, auch kamen einmal Einwanderer aus Johore (Bastian, l. c.). Vermischungen mit Dayaks sollen auch Statt gefunden haben (Novara-Reise, Ethnogr. Theil 32), was vielleicht auf eine Vermengung mit Dayaksclavinnen zu deuten ist. Eine Zeit hindurch (vor Magallanes) gehörte die Insel auch zum Reiche Bandjermassing von Borneo und erhielt von dort auch Zuzug (Koner 122). Übrigens dürften die heutigen Sulus und Mindanaos physisch sich gar nicht von den Visayern unterscheiden, denn seit Jahrhunderten haben sie Tausende von Visayern von ihren Raubzügen aus den Philippinen heimgebracht, welche bei ihnen, man kann es ruhig sagen, zu 95% blieben und mit ihnen zu einem Volke verschmolzen. In Sulu selbst dürfte auch eine verhältnissmässig nicht unbeträchtliche und historisch nachweisbare Vermischung mit Chinesen Statt gefunden haben, indem diese seit dem XVII. Jahrhundert sich in der Hauptstadt zu einer fluctuirenden, nur aus Männern bestehenden Handelscolonie niederliessen, deren Mitglieder gewiss ebensogut mit eingeborenen Weibern Kinder zeugten, wie in den spanischen Philippinen. Die anderen fremdartigen Beimengungen sind gar nicht der Rede werth, die Zahl der arabischen Prediger und der spanischen, mejicanischen und peruanischen Renegaten des XVI., XVII. und XVIII. Jahrhunderts war eine zu geringe, als dass sie einen Einfluss auf die Rassenbildung hätte äussern können.Was ihr Äusseres anbelangt, so sind sie von mittlerer Körpergrösse mit normalem Brustkorbe und schlanker Taille; der Kopf ist rund und klein, die Augen sind von dunkler Farbe und horizontal und weit gespalten, die Lippen sind schmal, die Nase ist stumpf geformt, die Hautfarbe ist gelblichfahl; die Kopfhaare—welche von den Männern meist rasirt werden—weisen eine tiefschwarze Farbe auf und sind rauh anzufühlen, die Augenbrauen sind spärlich, dasselbe gilt vom Barte, der oft gänzlich fehlt; bemerkenswerth ist noch die Sitte, die Zähne schwarz zu färben, auch fällt auf, dass die Beine meist säbelförmig auswärts gebogen sind (Garín 126).Alle diese mohammedanischen Piratenstämme, diese „Moros” der Spanier, haben ausser der Religion ein gemeinsames charakteristisches Merkmal, das sie scharf von den übrigen Malaienstämmen der Philippinen scheidet, und das ist die Feudalverfassung. Nur an der Bai von Manila fanden die Spanier Legazpi’s ähnliche Verhältnisse, doch hier war eben bereits fremder, speciell borneanischer Einfluss im Spiele.Was zunächst die Feudalverfassung anbelangt, so zerfallen alle die ehemaligen und zum Theile noch existirenden Sultanate von Sulu, Mindanao, Buhayen, Butig, Sibugney &c.in eine grosse Anzahl von kleinen Lehensfürstenthümern, deren Chefs den uns schon bekannten Namen Datto führen. Selten herrscht ein Datto über mehr als ein Dorf, und beständig fanden neue Gründungen von solchen Datto-Herrschaften Statt und zwar in der Weise, dass ein Datto- oder Sultans-Sohn mit einigen Sclaven auf einen Piratenzug auslief und mit den geraubten Sclaven eine neue Niederlassung in einer noch unbewohnten Gegend oder Insel gründete, welche durch neue Sclavenjagden immer neuen Zuwachs erhielt. Die Dattos sind die eigentlichen Herren gewesen, neben denen der Sultan nur die Rolle des primus inter pares spielte, ohne deren Einwilligung er auch nicht den geringsten politischen Act vornehmen durfte. Combés, Dampier, Forrest, Sprengel, Deguignes, Renouard de St.-Croix, Koner, Barrantes und Pazos haben darüber manches interessante Detail veröffentlicht, von welchem ich hier das Interessanteste und Wichtigste hervorheben will, wobei ich mich nur auf die Verhältnisse im Sultanate Sulu und dem von Mindanao (jetzt der spanische District Cotta-bató) beschränke.In beiden Ländern war das Sultanat erblich, doch gab es keine geregelte Thronfolge, sondern der Sultan besass das Recht, sich seinen Nachfolger aus seinen nächsten Nachkommen und Verwandten zu erwählen, doch übten die Dattos dabei ein Anerkennungsrecht aus. In Mindanao giebt es folgende Adelsstufen: Tuam, so viel wie Herr, Junker; Orancaya so viel wie Magnat und Cachil gleich Prinz von königlichem Geblüte. Auf Sulu ist diese Hierarchie eine viel verwickeltere, der Sultan geniesst mehrere Titulaturen und zwar immer Maulana, so viel als Majestät; ist er der Enkel eines Sultans, so führt er noch den Titel Paduca, ist er der Sohn eines solchen, so fügt er noch den Titel Majarasin, d. h. der Reine und Erhabene, hinzu. Der Thronfolger in Sulu heisst Rajá-Muda. Einzelne Dattos bilden eine Art Ministercollegium: der Grossvezier (Datto Interino der Spanier), der Generalissimus der Landtruppen und Kriegsminister (Datto Realao), der Oberstlandrichter (Datto Mitsainguir). Wird ein grosser Kriegszug unternommen, so tritt an die Spitze der Streitkräfte der Pauliman, Orancaya oder Salicaya, je nachdem zu Lande oder zu Wasser, oder zu Wasser und zu Lande der Krieg geführt werden soll. Jeder Datto hat einen Grossvezier, der Monabe genannt wird.Der Sultan versammelt in allen wichtigen Angelegenheiten die Dattos um sich, um ihre Einwilligung einzuholen. Auf allen Vertragsurkunden müssen die Unterschriften der Dattos neben die des Sultans gesetzt werden, sonst wäre der Vertrag ungültig.Da die Macht und das Ansehen der Dattos vornämlich nur auf der Zahl der Sclaven beruhte, so suchten sich die Mindanaos und Sulus durch grossartige Piratenzüge, welche mitunter sich bis nach Banka und Billiton erstreckten, vorzugsweise aber gegen Celebes und die Philippinen gerichtet waren, solche zu verschaffen. Schon vor Ankunft der Spanier stand die Piraterie in schönster Blüthe (Mas I, 28). Geführt von Renegaten überfielen sie mit ihren leichten und seichtgehenden Schiffen die Küstenniederlassungen, verbrannten die Dörfer, vernichteten das auf den Feldern stehende Getreide, hieben die Fruchtbäume um und schleppten die Dorfbewohner in die Sclaverei, lange bevor die tiefgehenden spanischen Kriegsschiffe zur Rettung anlangen konnten. Von je drei Gefangenen erhielt der Datto, der die Expedition ausrüstete, zwei, einer gebührte der Mannschaft. Man kann sich einen Begriff von der Ausdehnung dieser Piratenzüge machen, wenn man erfährt, dass diese Piraten in 30 Jahren 20 000 Gefangene in den Philippinen allein gemacht hatten (Jagor, Reisen 180). Selbst die Einführung von seichtgehenden Dampfkanonenbooten befreite die Philippinen nicht von dieser Plage. „Die leichten, flachen, sehr stark mit Ruderern bemannten Boote (der Piraten) sind so geschwind, dass nur die schnellsten Dampfer ihnen folgen können, diese verrathen sich aber schon aus grosser Ferne an ihrer Rauchsäule, so dass die nur wenige Fuss über das Wasser ragenden und folglich in sehr geringer Ferne unsichtbaren Pancos gewöhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen” (Jagor, Reiseskizzen 86). Auch die wiederholten Expeditionen, mit welchen früher die Spanier diese Piratennester durch Niederbrennen zu vernichten suchten, halfen Nichts, es bemerkte hierüber schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein spanischer Stabsofficier im Kriegsrathe zu Manila: „Sie (die Piraten) verändern die Lage einer Stadt mit derselbigen Leichtigkeit, wie wir den Ankerplatz eines Schiffes, und es liegt ihnen wenig daran, sie zehn Leguas weiter oben oder weiter unten neu zu begründen, denn überall finden sie Berglehnen zum Feldbau, gutes Schiffsbauholz, Nipa-Palmen zum Dachdecken und Mangel-Sümpfe, um sich bei drohender Gefahr zu verbergen”(Fr. Juan XIII, 378). Man vergleiche übrigens über die Schwierigkeit, sie in ihrem eigenen Lande zu bekämpfen, die gute Bemerkung in Pazos, Joló, p. 378. Erst durch die Eroberung Sulu’s und die kostspielige Occupation des Mündungsgebietes des Rio Grande de Mindanao ist die Piraterie einigermaassen, aber nicht gänzlich unterdrückt worden.Der Islam ist zwar die herrschende Religion, an der seine Bekenner mit fanatischem Eifer hängen, aber die Vorschriften des Korans werden nur oberflächlich erfüllt, der Genuss des Schweinefleisches und spirituöser Getränke ist allgemein. Auf Sulu heisst die höchste geistliche Autorität Sarif (Scherif), dann folgt der Jabdi und endlich die Panditás. Die Polygamie gestattet natürlich der Islam, gewöhnlich aber begnügt sich auch der Vornehme mit einem Weibe, Koner will hierin den Einfluss der gefangenen Christinnen bemerken.Bei diesen Piratenstämmen ist der Knechtsdienst, den der Bräutigam seinem Schwiegervater in spe bei den Tagalen und Visayern zu leisten hat, nicht gebräuchlich. Der Bräutigam kauft die Frau von ihrem Vater für Schiffe, Kanonen, Feuerwaffen, Munition &c.; ist der Schwiegervater ein nobler Mann, so giebt er seiner Tochter eine aus ähnlichen Dingen bestehende Mitgift. Am Vorabende der Hochzeit führt der Pandit die Brautleute jedes in ein besonderes Häuschen, wo sie sich beide festlich schmücken. Am anderen Tage geleitet der Pandit unter Trommelwirbel den Bräutigam in das Häuschen seiner Braut, welche unter Zeugen, besonders Flaggen, verborgen liegt. Der Pandit wiederholt drei Mal die Frage, ob der Bräutigam jenes Weib zu ehelichen wünsche, welches unter dieser Hülle sich befände. Kaum hat der Bräutigam diess bejaht, so springt die Braut aus ihrem Verstecke hervor und läuft davon, verfolgt von dem Bräutigam und den Gästen. Hat der Bräutigam oder vielmehr Gatte sein Weibchen eingeholt, so zieht er sich auf ein einsames Plätzchen zurück, um sofort das matrimonium zu einem consumatum zu machen. Diese Ceremonie ist nur beim Einholen der legitimen Frau—„Dayana” genannt—üblich. Die Sittenlosigkeit ist bei der affenartigen Geilheit dieser Piraten zügellos, und die Zustände, wie sie Dampier in Mindanao fand, sind auch bis heute sich gleichgeblieben. Das Abtreiben der Leibesfrucht findet sehr häufig Statt (Garín 176).Bei schweren Erkrankungen32suchen die Panditen durch Recitiren von Koransuren und Gebeten den Patienten zu heilen. Stirbt ein Vornehmer, so werden Kanonenschüsse abgefeuert und vor dem Hause desselben Trommeln geschlagen und mit verschiedenen Musikinstrumenten ein höllisches Concert angestimmt. Der Todte wird, nachdem der Priester ihn gewaschen, in ein weisses Kleid gehüllt und angethan mit seinem Kris in einer Kiste unter grossem Spectakel begraben. Die Hinterbliebenen tragen zum Zeichen der Trauer einen weissen Turban und verbringen acht Tage mit Wehklagen auf dem Grabe des Dahingeschiedenen. Die Panditen beten noch länger, bis zu 40 Tagen, und werden dann von den Hinterbliebenen reichlich beschenkt.Der Ackerbau obliegt den Sclaven (Sácopes) und umfasst Reis, Mais, Camote und verschiedene Gemüse, auch Cacao wird gepflanzt, Cocoswälder bilden aber den Hauptreichthum. Der Viehstand weist Pferde, Rinder, Büffel, Ziegen, Hühner und Tauben auf.Die Bauart der Hütten unterscheidet sich nicht von der der Tagalen und Visayer, nur werden dieselben mit Vorliebe direct über dem Wasser erbaut. Bambusstege führen von einem Hause zum andern, so dass durch Wegziehen derselben jedes Haus isolirt im Wasser dasteht. Am Lande pflegen sie feste Forts aus Palissadenzäunen, welche durch Korallenblöcke vor Kanonenkugeln gesichert sind, zu errichten.Die Tracht besteht aus Jacke, weiten Hosen, einem Turban oder einer fezähnlichen, aber aus leichterem Stoffe verfertigten Mütze. Auch die Weiber tragen, wenigstens auf Sulu, Hosen (Garín 124), auf Mindanao aber auch Röcke. Die Dattos führen schön bemalte Schilde mit sich, als Waffen dienen Feuergewehr, Bogen und Pfeil, Lanze, Kris und ein gegen das Ende zu breiter werdendes krummes Schwert. Seltener sind Panzer aus eisernen Maschenhemden, oder aus zusammengefügten Muschelschalen oder Büffelhaut verfertigt, manche schützen den Körper durch den Cambut, einen dicken Gürtel aus grober Baumwolle, der mehrmals um den Leib herumgeschlungen wird. Die meisten begnügen sich mit dem Schutze, den ihnen ihre Schilde gewähren, welche aus hartem Holz, das mitunter noch mit Büffelleder überzogen ist, in zweierlei Grössen verfertigt werden; die runden Schilde decken nur den halben, die eckigen den ganzen Körper, letztere werden auch an den Bordwänden der Schiffe aufgerichtet, um als Brustwehr zu dienen. Die Landbefestigungen und Schiffe sind mit zahlreichem (meist geraubtem) Geschütz des verschiedenartigsten Calibers versehen, doch wissen die Piraten sie nicht gut zu bedienen.Ohne Compass schwärmen sie mit ihren leichten Schiffen bis nach Singapore hin. Ihre Fahrzeuge zeichnen sich alle durch besondere Schnelligkeit und geringen Tiefgang aus, einen Kiel besitzen nur die Panco, Guban und Garay genannten Schiffsgattungen. Der Panco hat die Form und den Tonnengehalt einer flachen Küstenbrigantine und hat, wie alle Schiffe dieser Piratenstämme, keinen einzigen Nagel oder Eisenbestandtheil aufzuweisen. Die übrigen Boote, Salisipans, Barotos, Lancans, Vintas, Dalamas, sind nur aus einem ausgehöhlten Baumstamm verfertigt und mit Ausliegern—„Batangas”—versehen. Alle Schiffe sind auf Fortbewegung durch Ruder eingerichtet, letztere—Gayong genannt—haben die Form der Ruder europäischer Galeeren. Das Steuerruder ist bei den grösseren Schiffen mitunter in derselben Weise und Form angebracht, als diess bei europäischen Schiffen der Fall ist, meistentheils sind es aber blos zwei oder ein Schaufelruder am Buge. Die Mastbäume sind dreigetheilt in eine Spitze zusammenlaufend, ähnlich den drei Stützen der Malerstaffelei. Die Segel sind stets viereckig und das Segelzeug bunt gefärbt.Pazos (Joló 7) schliesst seine Beschreibung ihrer Schiffe mit folgenden Worten: „Der leichte Bau ihrer Fahrzeuge ermöglicht bei ihrem geringen Gewichte und seichtem Tiefgang eine schnelle Fahrt; wenn sich die Piraten verfolgtsehen, so segeln sie kaltblütig, weil für sie ohne Gefahr, durch die gefährlichsten Klippenreihen durch, wohin ihnen auch die kleinsten Kanonenboote nicht folgen können, und falls einmal (innerhalb der Klippen oder am Strande) die Seichtigkeit des Wassers die Weiterfahrt unmöglich macht, dann wirft sich die Mannschaft einfach in’s Wasser und schleift das Boot in’s tiefere Wasser oder trägt es selbst auf seinen Schultern dahin, worauf die Bemannung wieder an Bord steigt und ruhig seine Fahrt fortsetzt, auf diese Weise nur zu oft die Verfolgung, welche unsere Kreuzer anstellen, illusorisch machend”.Sie sind leidenschaftliche Tabakraucher und Betelkäuer, aber diese Reizmittel genügen ihnen nicht, sie rauchen auch Opium aus langen Rohrpfeifen (Garín 127;Pazos 205). Unter den Betel wird gewöhnlich Opium, ja auch Theriak gemengt (Garín I, 27). Musik und Tanz wird gepflegt, letzterer wird gewöhnlich nur von Mädchen33, Sclavinnen, zumeist zur Ergötzung der Dattos aufgeführt. Ihnen eigenthümliche Instrumente sind der Agun oder Agon und Culintangang (Ilustr. del Oriente 1877, n. 10, p. 4), der Agun ist nichts Anderes als eine metallene, auf einer Seite offene Kugel, während der Culintangang aus mehreren geschlossenen Metalldecken besteht, welche mit zwei Holzklöppeln geschlagen werden.Die Industrie reducirt sich auf Schiffsbau, Waffenschmiedekunst und grobe Hauswebewaaren, dagegen ist der Handel blühend. Besonders Sulu ist der Hauptsitz der Trepang- und Perlfischerei, sowie des Handels mit Salangan-Schwalbennestern, Ambra und Schildkrotschalen. Die Chinesen concentriren den Handel ganz in ihre Hände. Der schwungvolle Handel, welchen die Sulus und Mindanaos durch Verkauf der gefangenenChristeninBataviabetrieben, hat bereits im vorigen Jahrhundert aufgehört.Sie lassen nicht nur Hähne, sondern auch Büffel gegeneinander kämpfen.

38. Manobos.Die Manobos sind ein in fast allen Theilen der Insel Mindanao wohnhafter heidnischer Stamm. Ihre Wohnsitze sind die Bergwildnisse südlich von Dapitan (Cavada II, 197), dann durch christliche Visayer-Niederlassungen vom Meere getrennt in den Bergen südlich von Iligan, Cagayán (de Mindanao), Butuan und in den Thälern, welche die bei den letztgenannten Städtchen mündenden Flüsse in ihrem Laufe bilden (Semper, Skizzen a. v. St.;Cavada a. v. St.). Im Süden reichen sie bis zu dem Meerbusen von Davao (Cavada II, 221, 222), wo sie hauptsächlich amöstlichenGestade wohnen, während am linken sich nur einzelne Niederlassungen finden. Sie reichen im Westen bis in die Nähe von Cotta bató (Jagor 44;Cañamaque 43). Doch muss man bei diesen Angaben, soweit sie nicht, wie von Semper als Augenzeugen, sichergestellt sind, sich sehr reservirt verhalten, denn Manobos (Varianten: Manabos, Manobas) ist in Mindanao zu einem Collectivnamen für heidnische Bergstämme geworden29) (Waitz V, 56;D. Claudio Montero y Gay, in dem Bol. de la Sociedad geográfica de Madrid I, n. 4, p. 322).Die Manobos erinnern in ihrem äusseren Habitus etwas an Chinesen (Semper, Skizzen 59). Sie leben in ganz kleinen Horden, welche gewöhnlich nur aus dem Häuptling — Bagani genannt — und den Brüdern seiner Frauen sich zusammensetzen (l. c. 60). Ihre Hütten stehen auf hohen Pfählen (l. c.), ebenso die Scheunen und Vorrathshäuser, welche mitten in den Feldern stehen (l. c. 61). Die Manobos im Norden treiben Ackerbau, und zwar sind Gegenstände desselben Tabak, Mais, Camote und insbesondere Reis, welch’ letzteren sie in solcher Fülle ernten, dass sie im Stande sind, ganze Bootsladungen an die christliche Küstenbevölkerung zu verkaufen (l. c. 60). Ausserdem obliegen sie dem Dalag-Fischfang mittelst Fischreusen und Netzen (l. c. 47). Die Manobos, welche am Meerbusen von Davao wohnen, scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern sich nur vom Fischfange und Wurzeln, ja im Nothfalle selbst von ekelhaften Reptilien zu nähren (Cavada II, 223). Die ackerbauenden Manobos sind deshalb nicht sesshaft; sobald ihr nie gedüngter Ackerboden erschöpft ist, verlassen sie ihre Niederlassung und gründen sich an einer anderen günstigen Stelle ein neues Heim (Semper, Skizzen 62). Sie leben in Polygamie, doch gilt nur eine Frau als die legitime, der die anderen zu gehorchen haben (l. c. 60). Jede Frau hat eine Hütte für sich, in welcher sie mit ihren Kindern und den ihr zugewiesenen Sclaven lebt (l. c.). Da die Feldarbeit nur auf den Schultern der Frauen, Kinder und Sclaven ruht, so besteht in der grösseren Zahl derselben auch der grössere Reichthum des Mannes (l. c.). Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde, Dolche und Schwerter (Semper, Skizzen 62), die Manobos von Davao wissen auch meisterhaft Bogen und Pfeil zu gebrauchen (Cavada II, 223). Ihre Religion und die Sucht, Sclaven zu erwerben, reizt sie zu beständigen Kriegen und Fehden. Sie haben einen ähnlichen Ahnencultus wie die übrigen Malaien Luzons und der Philippinen (Semper 61), überdiess kennen sie noch andere Götter. „So halten sie den Donner für die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt eines abenteuerlichen Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde niederfährt und in die Bäume einschlägt, so soll das Thier, nach ihrer Meinung, mitunter einen seiner Zähne darin stecken lassen” (Semper, Skizzen 61). Der Caiman wird von ihnen heilig gehalten (l. c.), welche Verehrung dieses Thier einst auch von den heidnischen Tagalen genoss (Mas, hist. I, 15). Bezeichnend ist der Name Diuata (Semper, Skizzen 62), der einem ihrer Götter zukommt, es ist dieses Wort gleichlautend mit der Ahnen-Benennung der Visayer. Der Diuata ist der Gott der Erntefeste, man erinnere sich an die religiösen Festlichkeiten, welche die Igorroten zur Erntezeit den Anitos darbringen. Dem Diuata werden Schweine geopfert und, wie bei den Igorroten, an das Opfer eine grosse Schmauserei geknüpft (Mas, pobl. 29). Hochverehrt wird auch der Kriegsgott Tagbusau (Semper 62). Nach beendigter Ernte ziehen die Manobos, wenn die eingeholten Auspicien glückverheissend sind, auf den Kriegspfad. Der Bagani, der als Priester des Tagbusau auch „dessen Talisman” mitträgt, sucht mit seinen Leuten den Feind im Morgenschlummer zu überrumpeln oder hinterrücks im Walde zu überfallen. Alle Erwachsenen werden niedergemetzelt, die Weiber und Kinder aber in die Sclaverei abgeführt (l. c. u. Cavada II, 223). Ihre Bestialität äussert sich sogar in einer Art von Cannibalismus: „Ist der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er (der Bagani) ein heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert, öffnet der Leiche die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die ihm um den Hals hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das Herz oder die Leber heraus, und verzehrt ein Stück davon als Zeichen, dass er nun seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen Volk wird es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das Vorrecht aber auch die Pflicht des fürstlichen Priesters” (Semper, Skizzen 62). Die Schädel der erschlagenen Feinde werden nach Hause mitgenommen, aber nicht nach der bei den Kopfjägern Luzons üblichen Sitte aufbewahrt (Semper, l. c.). Einen der Gefangenen pflegen sie nach glücklich erfolgter Heimkehr gleichsam als Dankopfer dem Tagbusau auf grausame Weise abzuschlachten (Mas, pobl. 40, Semper, l. c.). Wie bei den Negritos wird auch hier jeder Todesfall durch einen Mord eines armen arglosen Wanderers, dem sie im Walde auflauern, wettgemacht (Mas, pobl. 39). Die Manobos der Provinz Surigao scheinen nicht mehr so blutdürstiger Natur zu sein (Cavada II, 206). Ihre Kopfzahl bei Butuan wird auf 10 000 Seelen geschätzt (Jagor, Reisen 322). Mas (pobl. 14) betrachtet sie als Seitenzweig der Igorroten, wohl nur mit Bezugnahme auf ihre Kriegslust und Fressgelage.39. Mamanuas.Die Mamanuas sind ein Mischlingsvolk von Malaien und Negritos (Semper, Skizzen 49), der malaiische Typus wird wohl bald überwiegen, da sie beständig neue eheliche Verbindungen mit Malaien eingehen (l. c. 136). Sie führen ganz das Leben der Negritos (Semper, l. c. 53). Ihre Wohnsitze sindzwischen Surigao und der Laguna Maïnit, ferner nordwestlich von Llanganzu suchen. Ihre Anzahl ist gering.40. Tagbalays.Die Tagbalays wohnen nicht weit von der Ostküste Mindanao’s, in der Nähe von Bislig (Waitz V, 51). Ihr Name kommt auch in den Varianten Tago-Balvoys und Taga-Balooyes vor. Sie sind hellfarbig (Waitz, l. c.), deshalbaber nicht mit japanischem Blute gemengt. Die Japano- und Chino-Manie wird mit Bezug auf die Philippinen bald ähnliche Übertreibungen und voreilige Behauptungen zu Tage fördern, wie die Kelto-Manie von anno dazumal in Deutschland. Mas (pobl. 14) bezeichnet sie als „Igorroten”, wohl aus ähnlichem Grunde, wie bei den Manobos. Ob die in der Ilustracion filipina 1860 n. 17, p. 193, erwähnten Tagabotes mit unseren Tagbalays zu identificiren sind, wage ich nicht zu entscheiden, da sonst (wenigstens in den mir zugänglichen Werken) dieser Volksstamm der Tagabotes nirgendswo anders erwähnt wird.41. Bagobos.Die Bagobos wohnen in der Quellgegend des Rio de Butuan zwischen Manobos und Mandayas, dann zwischen dem Vulcane Apo und der Stadt Davao und bewohnen selbst mehrere Rancherías unmittelbar an der Küste, darunter Darum oder Daron (Cavada II, 221). Die Bagobos sind ein friedliches Volk (Cavada II, 206), obgleich sie sonst mit den Manobos Lebensweise und Waffen gemeinsam haben. Die Bewohner der Ebenen und Gestade sind rachitisch und kränklich (Cavada II, 223), was wohl nicht allein auf die Kreuzung mit von den Manobos gekauften Sclaven zurückzuführen ist, sondern vielleicht auch, dass sie eben als Bergstamm in den Sumpfniederungen verkümmern. Cavada rühmt ihnen Mässigkeit im Essen, Reinlichkeit und Vertragstreue nach. Sie sind ebenso wie die Manobos, Mamanuas und Tagbalays Heiden.42. Guiangas.Nach Jagor (Reisen 322) wohnt dieser anderswo nicht genannte heidnische Stamm in denselben Districten, zwischen Apo und Davao, welche von den Bagobos bewohnt werden. Der Name dieses Volksstammes erinnert einigermaassen an den der Manguangas. Sie sind von heller Hautfarbe (Cavada II, 223).43. Vilanen.Die Vilanes oder Bilanes sind ein den obigen ähnlicher Stamm, gleichfalls heidnischer Religion. Sie wohnen südlich von den Bagobos zwischen dem Gebirge und dem westlichen Gestade des Meerbusens von Davao (Jagor, Reisen 322;Cavada II, 220).44. Tagacaolos.Die Tagacaolos hausen südlich von den Vilanen, in den westlichen Gestadelandschaften des Meerbusens von Davao und südlich vom Vulcane Apo.Tagacaolos wohnen auch als Nachbarn der Mandayas nördlich von der Balete-Bai.Ihren Namen scheinen sie vom Flusse Tagalaya herzuleiten, welcher auf jenem Berge entspringt. Ihr Hauptort heisst Malalag (Cavada II, 221). Sie sind ebenfalls Heiden, obwohl es unter ihnen genug Mohammedaner giebt, besonders im Süden, welche aber kaum äusserlich an den Lehren des Korans festhalten. Sie glauben an das Dasein eines übernatürlichen Wesens, das seinen Sitz auf dem Apo hat. „Diesem Genius des Guten und Bösen bringen sie, um ihn zu besänftigen, beständig Menschenopfer, insbesondere, wenn sie sich einbilden, dass er ihnen zürnt, oder auch nur, wenn sie sich vornehmen, Schwefel zu sammeln, damit er es ihnen gestatte” (Ausland 1881, S. 219).45. Sanguils.Die Sanguils bewohnen die Halbinsel, welche durch den Meerbusen von Davao und die Sarangani-Bai gebildet wird. Mit den Vilanen und Tagacaolos sollen sie 76 000 Köpfe zählen (Jagor, Reisen 322).46. Mandayas.Die Mandayas wohnen am Rio Hijo, der in die Bucht von Davao mündet (Cavada II, 222),am Oberlaufe des Rio Agusan und des Rio Sahug, ebenso trifft man Mandayas in dem Hinterlande der Küstenorte Caraga, Santa Maria und Zatagoza (Dr. Montano y Rey).. Dann bewohnen sie den südlichen Theil von Mindanao, von Linao an der Westküste bis zu den grossen Seen im Innern des Landes, sie sind dann auch weiter bis gegen Butuan anzutreffen (Jagor, Reisen 322). Die am Meerbusen von Davao wohnenden sind mit Manguangas vermischt (Jagor, l. c.). Ihre Hautfarbe ist eine sehr helle (Cavada II, 206 u. 223), diess hat Mallat zu der Annahme verleitet, dass sie Mischlinge von Japanen und Visayern sein sollen, was aus historischen Gründen sehr unwahrscheinlich ist; Sir J. Bowring’s Hypothese, nach welcher die Mandayas gar Abkömmlinge von Weissen und Eingeborenen wären, muss bei jedem Kenner der Geschichte Mindanao’s nur Unwillen erzeugen. Schwerwiegend ist jedoch, dass Prof. Semper sich für eine Vermengung mit Chinesen ausgesprochen hat (Semper, Skizzen 59), gegen diese Autorität wage ich es nicht, Etwas einzuwenden. — Sie sind von starker Gestalt und kräftigem Gliederbau, kriegerisch und stets zum Kampfe bereit, mit den Christen aber unterhalten sie freundliche Beziehungen (Cavada II, 206 u. 223). Ihre Waffen sind Lanze, Kris, Pfeil, Bogen und Bolomesser (Cavada II, 223). Während die Mandayas der Provinz Surigao Freunde einer herumschweifenden Lebensweise sind (Cavada II, 206), sind die Mandayas von Davao arbeitsame Leute (Cavada II, 223). Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Skizzen 59).47. Subanos.Die Subanos bewohnen jene langgestreckte Halbinsel, welche den äussersten westlichen Ausläufer Mindanao’s bildet. Ihr Name bedeutet so viel als Flussbewohner (Combés 24). Die Geschichte ihrer Abstammung bei Barrantes (Guerras piráticas 417) ist sehr schön, aber für unsere Zwecke nichtbrauchbar. Neuere Schriftsteller und Reisende haben uns keineerweiterteKenntniss dieses malaiischen Volksstammes gebracht, so sind wir denn noch immer auf Combés und Gemelli-Careri angewiesen. Sie sind kriegerisch, und ihre Kriegslust wird durch ähnliche Bräuche angefeuert, wie einst bei den Caragas, nur brauchte der Subano nur einen einzigen Feind zu tödten, um den rothen Kopfbund tragen zu dürfen. Obwohl bei ihnen Blutrache gilt, so kann diese leicht durch Goldstaub gesühnt werden. Geschlechtlichen Ausschweifungen huldigen sie in ebenso grossem Maasse, wie alle ihre Nachbarstämme. Ein Theil von ihnen ist zum Christenthume bekehrt, die übrigen sind Heiden und nur zum geringsten Theile Mohammedaner. Ihre Kopfzahl soll sich auf 70 000 belaufen (Jagor, Reisen 322).48. Manguangas.Die Manguangas wohnen in der Cordillera Sugut auf Mindanao und erstrecken sich bis zu dem grossen See von Boayan oder Magindanao. Sie zählen nach einer älteren Schätzung gegen 80 000 Seelen (Jagor, Reisen 322). Sie sind Heiden; über ihre sonstigen Sitten und Bräuche ist mir Nichts bekannt.49. Sameacas.Die Sameacas sind die (heidnischen?) Bewohner des Gebirgsinnern der Insel Basilan. Bis zum XVI. Jahrhundert bewohnten sie auch die Küsten dieses Eilands, da landete aber der Prätendent des Reiches Mindanao, der Paquian Tindig, mit seinen Anhängern und Sclaven auf Basilan und trieb die ursprünglichen Herren des Landes in die Gebirgswälder hinein, wo sie noch heute in völliger Unabhängigkeit leben (Pazos 10). Bei der Dürftigkeit der Nachrichten über diesen Volksstamm lässt sich die Frage gar nicht in Untersuchung ziehen, ob nicht die Sameacas mit den Guimbas zusammen nureinenStamm repräsentiren.50. Guimbas.Die Guimbas sind die Bewohner der Gebirgswildnisse der Hauptinsel von Sulu. Bei Combés, Fray Juan de la Concepcion und Anderen kommen noch folgende Varianten ihres Namens vor: Guinbajanos, Guimbanos, Quimpanos. Sie sind nach den spanischen Geschichtsschreibern der Philippinen zu derselben Zeit von den einwandernden Mindanaos in das Gebirge geworfen worden als Basilan. Die Jesuiten nannten sie „gente montaraz”, d. h. ebenso wie die heidnischen Bergstämme Luzons, sie sind also in jenen Tagen (1578–1646) Heiden gewesen, während sie sich jetzt wenigstens zum Theil — bei Carondon — zum Islam bekehren liessen, wenigstens nennt Pazos (Joló 194) die in der Nähe Carondons wohnenden GuimbasMorosguimbas montescos.Der Name Guimbas wurde ihnen von den mindanaoischen Eroberern verliehen, er soll soviel wie Trommler bedeuten, da es bei ihnen Sitte ist, im Kriegsfalle durch den Lärm zahlreicher Trommeln sich Muth einzuflössen. Zu demselben Zwecke kauen sie die Wurzel Panayaman(g), welche die Eigenschaft besitzt, den Körper gegen die Schmerzen der Wunden unempfindlich zu machen. Ihre Tapferkeit und ihr Muth sind in der That ausserordentlich, und die Spanier haben zu der Zeit, wo sie im XVII. Jahrhundert vorübergehend (1638–46) Sulu besetzt hielten, mehrmals von ihnen Schlappen erlitten, ein Mal sogar eine ordentliche Niederlage. Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde und Panzer, letztere aus Carabao-(Büffel-)Haut verfertigt, woraus zu schliessen ist, dass sie wenigstens den Carabao als Hausthier besitzen, und da dieses Thier auf den Philippinen nur als Ackerbaumedium benutzt wird, so ist der Schluss gerechtfertigt, dass sie Reisbauer sind. Überdiess besitzen sie auch Pferde (Koner 124). Pazos nennt sie auch nur Halbwilde (semisalvages). Bemerkenswerth ist, dass sie nach Pazos (Joló 10) besonders auf den nördlichen Abhängen des Gebirgsstockes von Sulu wohnen, so dass auf den Südabhängen Platz wäre für die Idanes Dalrymple’s, da ich aber leider kein Exemplar Dalrymple’s auftreiben konnte, so ist es mir unmöglich, auf diesen letzteren Volksstamm näher einzugehen. Nach der Bemerkung in Waitz (V, 46), dass der Name Idan eine Collectivbezeichnung für verschiedene Idiome sprechende heidnische Stämme sei, ist eine Identificirung der Idanes de Joló mit den Guimbas auch nicht unmöglich, man vgl. übrigens das bei den Negritos Erwähnte.51. Die Piratenstämme von Mindanao und Sulu.Unter obiger Bezeichnung fasse ich jene mohammedanischen Malaienstämme zusammen, welche an der Westküste von Mindanao, am Rio Grande de Mindanao, den beiden grossen Seen südlich von diesem Strome an der Laguna de Malanao, an der Küste des Panguil-Busens, in einigen Dörfern an der Nordwestküste Mindanao’s zwischen Zamboanga und Misamis und welche ferner die Küstenbevölkerung der grösseren und die Gesammtbevölkerung der kleineren Sulu-Inseln bilden. Sie werden von den Spaniern je nach ihrem Aufenthaltsorte als Joloanos, Camucones (Bewohner der Inseln südwestlich von Tawi tawi), Tirones (Bewohner der Inseln zwischen Tawi tawi und Borneo), Moros de Balabac, Samales (Bewohner der Inseln südlich von Basilan), Basilanes, Jacanes (auch auf Basilan), Illanos oder Ilanos (an der Baia Illana), Lutaos (bei Zamboanga), Malanaos (am See Malanao), Mindanaos (Mündungsgebiet des Rio Grande und die Küste Ost-Mindanao’s von Pollok bis zur Südspitze der Insel), Tegurayes oder Tinivayanes (Flussgebiet des Rio Grande de Mindanao) bezeichnet.Sie sind Mischlinge von den in den diesbezüglichen Ländern erbgesessenen Visayer- oder (auf Mindanao zum Theile) Manobos-, Mandayas-, Subanos-Stämmen und von den von Borneo und den Molukken her einfallenden mohammedanischen Stämmen. Balabac ist von Borneo her mit dieser neuen Bevölkerung versehen worden. Gerade als die Spanier unter Legazpi, 1565–1572, sich des Archipels bemächtigten, machten sie einer grossartigen, continuirlichen, wenn auch geräuschlosen und friedlichen Invasion von Borneo-Malaien ein Ende, damals waren, wie Morga, Fr. Gaspar de S. Augustin, Fray Juan de la Concepcion uns melden, in allen Theilen der Philippinen, mit Ausnahme der nördlichen Landschaften Luzons, Borneaner nicht nur als Kauffahrer, sondern auch als mohammedanische Proselytenmacher und Stifter neuer Dynastien und Reiche thätig. Die Vasallenfürsten der Sultane von Manila und Tondo waren alle Borneaner, sowie vielleicht ihre Herren selbst. Noch 1585 (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 651) zahlten die Bewohner der Calamianen den Spaniern und dem Sultan von Borneo zugleich Tribut. Nach Argensola, Combés, Fr. Juan &c. hat Mindanao seine mohammedanische Bevölkerung durch Einwanderung von Ternate erhalten, wie denn auch im XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts die Sultane von Mindanao und Buhayen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnisse zu den Sultanen von Ternate standen, welches sich erst löste, als letztere sich den Holländern unterwarfen und in den Kämpfen zwischen letzteren und den Spaniern eine bedeutende Einbusse an Macht und Gebietsumfang erlitten. Am gemengtesten erscheint die Bevölkerung von Sulu. Die Nachrichten von Dalrymple30, Crawfurd30, Hunt30und Forrest widersprechen zum Theil sehr jenen Nachrichten, welche uns die spanischen Historiker des XVI. und XVII. Jahrhunderts bringen. Es ist zu bedauern, dass W. Koner in seiner Monographie des Sulu-Archipels (Erdk. 1867, II, 105 f.) nur englischen und holländischen Quellen gefolgt ist, denn jene spanischen mönchischen Geschichtsschreiber bringen sehr zuverlässige Nachrichten, die meist von Missionären ihrer Orden stammten, welche lange Jahre in jenen Ländern zugebracht hatten, ja Combés war selbst geraume Zeit in Mindanao thätig. Auch die französischen, englischen und holländischen Quellen weichen sehr voneinander ab. Das eine aber scheint sicherzustellen, dass die heutigen Dattos oder Feudalfürsten Sulu’s von Mindanao, indirect also von Ternate herstammen, einige Dattos stammen auch von Butuan ab, letzteres aber war auch von Ternate her colonisirt und dann die maurische oder Moslimbevölkerung von den Spaniern verjagt worden31. Doch schon vor dieser Invasion hatten auf jener Hauptinsel Sulu sich auch Javanen (Bastian V, 275; man vgl. auchKoner 123) gezeigt, auch kamen einmal Einwanderer aus Johore (Bastian, l. c.). Vermischungen mit Dayaks sollen auch Statt gefunden haben (Novara-Reise, Ethnogr. Theil 32), was vielleicht auf eine Vermengung mit Dayaksclavinnen zu deuten ist. Eine Zeit hindurch (vor Magallanes) gehörte die Insel auch zum Reiche Bandjermassing von Borneo und erhielt von dort auch Zuzug (Koner 122). Übrigens dürften die heutigen Sulus und Mindanaos physisch sich gar nicht von den Visayern unterscheiden, denn seit Jahrhunderten haben sie Tausende von Visayern von ihren Raubzügen aus den Philippinen heimgebracht, welche bei ihnen, man kann es ruhig sagen, zu 95% blieben und mit ihnen zu einem Volke verschmolzen. In Sulu selbst dürfte auch eine verhältnissmässig nicht unbeträchtliche und historisch nachweisbare Vermischung mit Chinesen Statt gefunden haben, indem diese seit dem XVII. Jahrhundert sich in der Hauptstadt zu einer fluctuirenden, nur aus Männern bestehenden Handelscolonie niederliessen, deren Mitglieder gewiss ebensogut mit eingeborenen Weibern Kinder zeugten, wie in den spanischen Philippinen. Die anderen fremdartigen Beimengungen sind gar nicht der Rede werth, die Zahl der arabischen Prediger und der spanischen, mejicanischen und peruanischen Renegaten des XVI., XVII. und XVIII. Jahrhunderts war eine zu geringe, als dass sie einen Einfluss auf die Rassenbildung hätte äussern können.Was ihr Äusseres anbelangt, so sind sie von mittlerer Körpergrösse mit normalem Brustkorbe und schlanker Taille; der Kopf ist rund und klein, die Augen sind von dunkler Farbe und horizontal und weit gespalten, die Lippen sind schmal, die Nase ist stumpf geformt, die Hautfarbe ist gelblichfahl; die Kopfhaare—welche von den Männern meist rasirt werden—weisen eine tiefschwarze Farbe auf und sind rauh anzufühlen, die Augenbrauen sind spärlich, dasselbe gilt vom Barte, der oft gänzlich fehlt; bemerkenswerth ist noch die Sitte, die Zähne schwarz zu färben, auch fällt auf, dass die Beine meist säbelförmig auswärts gebogen sind (Garín 126).Alle diese mohammedanischen Piratenstämme, diese „Moros” der Spanier, haben ausser der Religion ein gemeinsames charakteristisches Merkmal, das sie scharf von den übrigen Malaienstämmen der Philippinen scheidet, und das ist die Feudalverfassung. Nur an der Bai von Manila fanden die Spanier Legazpi’s ähnliche Verhältnisse, doch hier war eben bereits fremder, speciell borneanischer Einfluss im Spiele.Was zunächst die Feudalverfassung anbelangt, so zerfallen alle die ehemaligen und zum Theile noch existirenden Sultanate von Sulu, Mindanao, Buhayen, Butig, Sibugney &c.in eine grosse Anzahl von kleinen Lehensfürstenthümern, deren Chefs den uns schon bekannten Namen Datto führen. Selten herrscht ein Datto über mehr als ein Dorf, und beständig fanden neue Gründungen von solchen Datto-Herrschaften Statt und zwar in der Weise, dass ein Datto- oder Sultans-Sohn mit einigen Sclaven auf einen Piratenzug auslief und mit den geraubten Sclaven eine neue Niederlassung in einer noch unbewohnten Gegend oder Insel gründete, welche durch neue Sclavenjagden immer neuen Zuwachs erhielt. Die Dattos sind die eigentlichen Herren gewesen, neben denen der Sultan nur die Rolle des primus inter pares spielte, ohne deren Einwilligung er auch nicht den geringsten politischen Act vornehmen durfte. Combés, Dampier, Forrest, Sprengel, Deguignes, Renouard de St.-Croix, Koner, Barrantes und Pazos haben darüber manches interessante Detail veröffentlicht, von welchem ich hier das Interessanteste und Wichtigste hervorheben will, wobei ich mich nur auf die Verhältnisse im Sultanate Sulu und dem von Mindanao (jetzt der spanische District Cotta-bató) beschränke.In beiden Ländern war das Sultanat erblich, doch gab es keine geregelte Thronfolge, sondern der Sultan besass das Recht, sich seinen Nachfolger aus seinen nächsten Nachkommen und Verwandten zu erwählen, doch übten die Dattos dabei ein Anerkennungsrecht aus. In Mindanao giebt es folgende Adelsstufen: Tuam, so viel wie Herr, Junker; Orancaya so viel wie Magnat und Cachil gleich Prinz von königlichem Geblüte. Auf Sulu ist diese Hierarchie eine viel verwickeltere, der Sultan geniesst mehrere Titulaturen und zwar immer Maulana, so viel als Majestät; ist er der Enkel eines Sultans, so führt er noch den Titel Paduca, ist er der Sohn eines solchen, so fügt er noch den Titel Majarasin, d. h. der Reine und Erhabene, hinzu. Der Thronfolger in Sulu heisst Rajá-Muda. Einzelne Dattos bilden eine Art Ministercollegium: der Grossvezier (Datto Interino der Spanier), der Generalissimus der Landtruppen und Kriegsminister (Datto Realao), der Oberstlandrichter (Datto Mitsainguir). Wird ein grosser Kriegszug unternommen, so tritt an die Spitze der Streitkräfte der Pauliman, Orancaya oder Salicaya, je nachdem zu Lande oder zu Wasser, oder zu Wasser und zu Lande der Krieg geführt werden soll. Jeder Datto hat einen Grossvezier, der Monabe genannt wird.Der Sultan versammelt in allen wichtigen Angelegenheiten die Dattos um sich, um ihre Einwilligung einzuholen. Auf allen Vertragsurkunden müssen die Unterschriften der Dattos neben die des Sultans gesetzt werden, sonst wäre der Vertrag ungültig.Da die Macht und das Ansehen der Dattos vornämlich nur auf der Zahl der Sclaven beruhte, so suchten sich die Mindanaos und Sulus durch grossartige Piratenzüge, welche mitunter sich bis nach Banka und Billiton erstreckten, vorzugsweise aber gegen Celebes und die Philippinen gerichtet waren, solche zu verschaffen. Schon vor Ankunft der Spanier stand die Piraterie in schönster Blüthe (Mas I, 28). Geführt von Renegaten überfielen sie mit ihren leichten und seichtgehenden Schiffen die Küstenniederlassungen, verbrannten die Dörfer, vernichteten das auf den Feldern stehende Getreide, hieben die Fruchtbäume um und schleppten die Dorfbewohner in die Sclaverei, lange bevor die tiefgehenden spanischen Kriegsschiffe zur Rettung anlangen konnten. Von je drei Gefangenen erhielt der Datto, der die Expedition ausrüstete, zwei, einer gebührte der Mannschaft. Man kann sich einen Begriff von der Ausdehnung dieser Piratenzüge machen, wenn man erfährt, dass diese Piraten in 30 Jahren 20 000 Gefangene in den Philippinen allein gemacht hatten (Jagor, Reisen 180). Selbst die Einführung von seichtgehenden Dampfkanonenbooten befreite die Philippinen nicht von dieser Plage. „Die leichten, flachen, sehr stark mit Ruderern bemannten Boote (der Piraten) sind so geschwind, dass nur die schnellsten Dampfer ihnen folgen können, diese verrathen sich aber schon aus grosser Ferne an ihrer Rauchsäule, so dass die nur wenige Fuss über das Wasser ragenden und folglich in sehr geringer Ferne unsichtbaren Pancos gewöhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen” (Jagor, Reiseskizzen 86). Auch die wiederholten Expeditionen, mit welchen früher die Spanier diese Piratennester durch Niederbrennen zu vernichten suchten, halfen Nichts, es bemerkte hierüber schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein spanischer Stabsofficier im Kriegsrathe zu Manila: „Sie (die Piraten) verändern die Lage einer Stadt mit derselbigen Leichtigkeit, wie wir den Ankerplatz eines Schiffes, und es liegt ihnen wenig daran, sie zehn Leguas weiter oben oder weiter unten neu zu begründen, denn überall finden sie Berglehnen zum Feldbau, gutes Schiffsbauholz, Nipa-Palmen zum Dachdecken und Mangel-Sümpfe, um sich bei drohender Gefahr zu verbergen”(Fr. Juan XIII, 378). Man vergleiche übrigens über die Schwierigkeit, sie in ihrem eigenen Lande zu bekämpfen, die gute Bemerkung in Pazos, Joló, p. 378. Erst durch die Eroberung Sulu’s und die kostspielige Occupation des Mündungsgebietes des Rio Grande de Mindanao ist die Piraterie einigermaassen, aber nicht gänzlich unterdrückt worden.Der Islam ist zwar die herrschende Religion, an der seine Bekenner mit fanatischem Eifer hängen, aber die Vorschriften des Korans werden nur oberflächlich erfüllt, der Genuss des Schweinefleisches und spirituöser Getränke ist allgemein. Auf Sulu heisst die höchste geistliche Autorität Sarif (Scherif), dann folgt der Jabdi und endlich die Panditás. Die Polygamie gestattet natürlich der Islam, gewöhnlich aber begnügt sich auch der Vornehme mit einem Weibe, Koner will hierin den Einfluss der gefangenen Christinnen bemerken.Bei diesen Piratenstämmen ist der Knechtsdienst, den der Bräutigam seinem Schwiegervater in spe bei den Tagalen und Visayern zu leisten hat, nicht gebräuchlich. Der Bräutigam kauft die Frau von ihrem Vater für Schiffe, Kanonen, Feuerwaffen, Munition &c.; ist der Schwiegervater ein nobler Mann, so giebt er seiner Tochter eine aus ähnlichen Dingen bestehende Mitgift. Am Vorabende der Hochzeit führt der Pandit die Brautleute jedes in ein besonderes Häuschen, wo sie sich beide festlich schmücken. Am anderen Tage geleitet der Pandit unter Trommelwirbel den Bräutigam in das Häuschen seiner Braut, welche unter Zeugen, besonders Flaggen, verborgen liegt. Der Pandit wiederholt drei Mal die Frage, ob der Bräutigam jenes Weib zu ehelichen wünsche, welches unter dieser Hülle sich befände. Kaum hat der Bräutigam diess bejaht, so springt die Braut aus ihrem Verstecke hervor und läuft davon, verfolgt von dem Bräutigam und den Gästen. Hat der Bräutigam oder vielmehr Gatte sein Weibchen eingeholt, so zieht er sich auf ein einsames Plätzchen zurück, um sofort das matrimonium zu einem consumatum zu machen. Diese Ceremonie ist nur beim Einholen der legitimen Frau—„Dayana” genannt—üblich. Die Sittenlosigkeit ist bei der affenartigen Geilheit dieser Piraten zügellos, und die Zustände, wie sie Dampier in Mindanao fand, sind auch bis heute sich gleichgeblieben. Das Abtreiben der Leibesfrucht findet sehr häufig Statt (Garín 176).Bei schweren Erkrankungen32suchen die Panditen durch Recitiren von Koransuren und Gebeten den Patienten zu heilen. Stirbt ein Vornehmer, so werden Kanonenschüsse abgefeuert und vor dem Hause desselben Trommeln geschlagen und mit verschiedenen Musikinstrumenten ein höllisches Concert angestimmt. Der Todte wird, nachdem der Priester ihn gewaschen, in ein weisses Kleid gehüllt und angethan mit seinem Kris in einer Kiste unter grossem Spectakel begraben. Die Hinterbliebenen tragen zum Zeichen der Trauer einen weissen Turban und verbringen acht Tage mit Wehklagen auf dem Grabe des Dahingeschiedenen. Die Panditen beten noch länger, bis zu 40 Tagen, und werden dann von den Hinterbliebenen reichlich beschenkt.Der Ackerbau obliegt den Sclaven (Sácopes) und umfasst Reis, Mais, Camote und verschiedene Gemüse, auch Cacao wird gepflanzt, Cocoswälder bilden aber den Hauptreichthum. Der Viehstand weist Pferde, Rinder, Büffel, Ziegen, Hühner und Tauben auf.Die Bauart der Hütten unterscheidet sich nicht von der der Tagalen und Visayer, nur werden dieselben mit Vorliebe direct über dem Wasser erbaut. Bambusstege führen von einem Hause zum andern, so dass durch Wegziehen derselben jedes Haus isolirt im Wasser dasteht. Am Lande pflegen sie feste Forts aus Palissadenzäunen, welche durch Korallenblöcke vor Kanonenkugeln gesichert sind, zu errichten.Die Tracht besteht aus Jacke, weiten Hosen, einem Turban oder einer fezähnlichen, aber aus leichterem Stoffe verfertigten Mütze. Auch die Weiber tragen, wenigstens auf Sulu, Hosen (Garín 124), auf Mindanao aber auch Röcke. Die Dattos führen schön bemalte Schilde mit sich, als Waffen dienen Feuergewehr, Bogen und Pfeil, Lanze, Kris und ein gegen das Ende zu breiter werdendes krummes Schwert. Seltener sind Panzer aus eisernen Maschenhemden, oder aus zusammengefügten Muschelschalen oder Büffelhaut verfertigt, manche schützen den Körper durch den Cambut, einen dicken Gürtel aus grober Baumwolle, der mehrmals um den Leib herumgeschlungen wird. Die meisten begnügen sich mit dem Schutze, den ihnen ihre Schilde gewähren, welche aus hartem Holz, das mitunter noch mit Büffelleder überzogen ist, in zweierlei Grössen verfertigt werden; die runden Schilde decken nur den halben, die eckigen den ganzen Körper, letztere werden auch an den Bordwänden der Schiffe aufgerichtet, um als Brustwehr zu dienen. Die Landbefestigungen und Schiffe sind mit zahlreichem (meist geraubtem) Geschütz des verschiedenartigsten Calibers versehen, doch wissen die Piraten sie nicht gut zu bedienen.Ohne Compass schwärmen sie mit ihren leichten Schiffen bis nach Singapore hin. Ihre Fahrzeuge zeichnen sich alle durch besondere Schnelligkeit und geringen Tiefgang aus, einen Kiel besitzen nur die Panco, Guban und Garay genannten Schiffsgattungen. Der Panco hat die Form und den Tonnengehalt einer flachen Küstenbrigantine und hat, wie alle Schiffe dieser Piratenstämme, keinen einzigen Nagel oder Eisenbestandtheil aufzuweisen. Die übrigen Boote, Salisipans, Barotos, Lancans, Vintas, Dalamas, sind nur aus einem ausgehöhlten Baumstamm verfertigt und mit Ausliegern—„Batangas”—versehen. Alle Schiffe sind auf Fortbewegung durch Ruder eingerichtet, letztere—Gayong genannt—haben die Form der Ruder europäischer Galeeren. Das Steuerruder ist bei den grösseren Schiffen mitunter in derselben Weise und Form angebracht, als diess bei europäischen Schiffen der Fall ist, meistentheils sind es aber blos zwei oder ein Schaufelruder am Buge. Die Mastbäume sind dreigetheilt in eine Spitze zusammenlaufend, ähnlich den drei Stützen der Malerstaffelei. Die Segel sind stets viereckig und das Segelzeug bunt gefärbt.Pazos (Joló 7) schliesst seine Beschreibung ihrer Schiffe mit folgenden Worten: „Der leichte Bau ihrer Fahrzeuge ermöglicht bei ihrem geringen Gewichte und seichtem Tiefgang eine schnelle Fahrt; wenn sich die Piraten verfolgtsehen, so segeln sie kaltblütig, weil für sie ohne Gefahr, durch die gefährlichsten Klippenreihen durch, wohin ihnen auch die kleinsten Kanonenboote nicht folgen können, und falls einmal (innerhalb der Klippen oder am Strande) die Seichtigkeit des Wassers die Weiterfahrt unmöglich macht, dann wirft sich die Mannschaft einfach in’s Wasser und schleift das Boot in’s tiefere Wasser oder trägt es selbst auf seinen Schultern dahin, worauf die Bemannung wieder an Bord steigt und ruhig seine Fahrt fortsetzt, auf diese Weise nur zu oft die Verfolgung, welche unsere Kreuzer anstellen, illusorisch machend”.Sie sind leidenschaftliche Tabakraucher und Betelkäuer, aber diese Reizmittel genügen ihnen nicht, sie rauchen auch Opium aus langen Rohrpfeifen (Garín 127;Pazos 205). Unter den Betel wird gewöhnlich Opium, ja auch Theriak gemengt (Garín I, 27). Musik und Tanz wird gepflegt, letzterer wird gewöhnlich nur von Mädchen33, Sclavinnen, zumeist zur Ergötzung der Dattos aufgeführt. Ihnen eigenthümliche Instrumente sind der Agun oder Agon und Culintangang (Ilustr. del Oriente 1877, n. 10, p. 4), der Agun ist nichts Anderes als eine metallene, auf einer Seite offene Kugel, während der Culintangang aus mehreren geschlossenen Metalldecken besteht, welche mit zwei Holzklöppeln geschlagen werden.Die Industrie reducirt sich auf Schiffsbau, Waffenschmiedekunst und grobe Hauswebewaaren, dagegen ist der Handel blühend. Besonders Sulu ist der Hauptsitz der Trepang- und Perlfischerei, sowie des Handels mit Salangan-Schwalbennestern, Ambra und Schildkrotschalen. Die Chinesen concentriren den Handel ganz in ihre Hände. Der schwungvolle Handel, welchen die Sulus und Mindanaos durch Verkauf der gefangenenChristeninBataviabetrieben, hat bereits im vorigen Jahrhundert aufgehört.Sie lassen nicht nur Hähne, sondern auch Büffel gegeneinander kämpfen.

38. Manobos.Die Manobos sind ein in fast allen Theilen der Insel Mindanao wohnhafter heidnischer Stamm. Ihre Wohnsitze sind die Bergwildnisse südlich von Dapitan (Cavada II, 197), dann durch christliche Visayer-Niederlassungen vom Meere getrennt in den Bergen südlich von Iligan, Cagayán (de Mindanao), Butuan und in den Thälern, welche die bei den letztgenannten Städtchen mündenden Flüsse in ihrem Laufe bilden (Semper, Skizzen a. v. St.;Cavada a. v. St.). Im Süden reichen sie bis zu dem Meerbusen von Davao (Cavada II, 221, 222), wo sie hauptsächlich amöstlichenGestade wohnen, während am linken sich nur einzelne Niederlassungen finden. Sie reichen im Westen bis in die Nähe von Cotta bató (Jagor 44;Cañamaque 43). Doch muss man bei diesen Angaben, soweit sie nicht, wie von Semper als Augenzeugen, sichergestellt sind, sich sehr reservirt verhalten, denn Manobos (Varianten: Manabos, Manobas) ist in Mindanao zu einem Collectivnamen für heidnische Bergstämme geworden29) (Waitz V, 56;D. Claudio Montero y Gay, in dem Bol. de la Sociedad geográfica de Madrid I, n. 4, p. 322).Die Manobos erinnern in ihrem äusseren Habitus etwas an Chinesen (Semper, Skizzen 59). Sie leben in ganz kleinen Horden, welche gewöhnlich nur aus dem Häuptling — Bagani genannt — und den Brüdern seiner Frauen sich zusammensetzen (l. c. 60). Ihre Hütten stehen auf hohen Pfählen (l. c.), ebenso die Scheunen und Vorrathshäuser, welche mitten in den Feldern stehen (l. c. 61). Die Manobos im Norden treiben Ackerbau, und zwar sind Gegenstände desselben Tabak, Mais, Camote und insbesondere Reis, welch’ letzteren sie in solcher Fülle ernten, dass sie im Stande sind, ganze Bootsladungen an die christliche Küstenbevölkerung zu verkaufen (l. c. 60). Ausserdem obliegen sie dem Dalag-Fischfang mittelst Fischreusen und Netzen (l. c. 47). Die Manobos, welche am Meerbusen von Davao wohnen, scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern sich nur vom Fischfange und Wurzeln, ja im Nothfalle selbst von ekelhaften Reptilien zu nähren (Cavada II, 223). Die ackerbauenden Manobos sind deshalb nicht sesshaft; sobald ihr nie gedüngter Ackerboden erschöpft ist, verlassen sie ihre Niederlassung und gründen sich an einer anderen günstigen Stelle ein neues Heim (Semper, Skizzen 62). Sie leben in Polygamie, doch gilt nur eine Frau als die legitime, der die anderen zu gehorchen haben (l. c. 60). Jede Frau hat eine Hütte für sich, in welcher sie mit ihren Kindern und den ihr zugewiesenen Sclaven lebt (l. c.). Da die Feldarbeit nur auf den Schultern der Frauen, Kinder und Sclaven ruht, so besteht in der grösseren Zahl derselben auch der grössere Reichthum des Mannes (l. c.). Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde, Dolche und Schwerter (Semper, Skizzen 62), die Manobos von Davao wissen auch meisterhaft Bogen und Pfeil zu gebrauchen (Cavada II, 223). Ihre Religion und die Sucht, Sclaven zu erwerben, reizt sie zu beständigen Kriegen und Fehden. Sie haben einen ähnlichen Ahnencultus wie die übrigen Malaien Luzons und der Philippinen (Semper 61), überdiess kennen sie noch andere Götter. „So halten sie den Donner für die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt eines abenteuerlichen Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde niederfährt und in die Bäume einschlägt, so soll das Thier, nach ihrer Meinung, mitunter einen seiner Zähne darin stecken lassen” (Semper, Skizzen 61). Der Caiman wird von ihnen heilig gehalten (l. c.), welche Verehrung dieses Thier einst auch von den heidnischen Tagalen genoss (Mas, hist. I, 15). Bezeichnend ist der Name Diuata (Semper, Skizzen 62), der einem ihrer Götter zukommt, es ist dieses Wort gleichlautend mit der Ahnen-Benennung der Visayer. Der Diuata ist der Gott der Erntefeste, man erinnere sich an die religiösen Festlichkeiten, welche die Igorroten zur Erntezeit den Anitos darbringen. Dem Diuata werden Schweine geopfert und, wie bei den Igorroten, an das Opfer eine grosse Schmauserei geknüpft (Mas, pobl. 29). Hochverehrt wird auch der Kriegsgott Tagbusau (Semper 62). Nach beendigter Ernte ziehen die Manobos, wenn die eingeholten Auspicien glückverheissend sind, auf den Kriegspfad. Der Bagani, der als Priester des Tagbusau auch „dessen Talisman” mitträgt, sucht mit seinen Leuten den Feind im Morgenschlummer zu überrumpeln oder hinterrücks im Walde zu überfallen. Alle Erwachsenen werden niedergemetzelt, die Weiber und Kinder aber in die Sclaverei abgeführt (l. c. u. Cavada II, 223). Ihre Bestialität äussert sich sogar in einer Art von Cannibalismus: „Ist der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er (der Bagani) ein heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert, öffnet der Leiche die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die ihm um den Hals hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das Herz oder die Leber heraus, und verzehrt ein Stück davon als Zeichen, dass er nun seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen Volk wird es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das Vorrecht aber auch die Pflicht des fürstlichen Priesters” (Semper, Skizzen 62). Die Schädel der erschlagenen Feinde werden nach Hause mitgenommen, aber nicht nach der bei den Kopfjägern Luzons üblichen Sitte aufbewahrt (Semper, l. c.). Einen der Gefangenen pflegen sie nach glücklich erfolgter Heimkehr gleichsam als Dankopfer dem Tagbusau auf grausame Weise abzuschlachten (Mas, pobl. 40, Semper, l. c.). Wie bei den Negritos wird auch hier jeder Todesfall durch einen Mord eines armen arglosen Wanderers, dem sie im Walde auflauern, wettgemacht (Mas, pobl. 39). Die Manobos der Provinz Surigao scheinen nicht mehr so blutdürstiger Natur zu sein (Cavada II, 206). Ihre Kopfzahl bei Butuan wird auf 10 000 Seelen geschätzt (Jagor, Reisen 322). Mas (pobl. 14) betrachtet sie als Seitenzweig der Igorroten, wohl nur mit Bezugnahme auf ihre Kriegslust und Fressgelage.39. Mamanuas.Die Mamanuas sind ein Mischlingsvolk von Malaien und Negritos (Semper, Skizzen 49), der malaiische Typus wird wohl bald überwiegen, da sie beständig neue eheliche Verbindungen mit Malaien eingehen (l. c. 136). Sie führen ganz das Leben der Negritos (Semper, l. c. 53). Ihre Wohnsitze sindzwischen Surigao und der Laguna Maïnit, ferner nordwestlich von Llanganzu suchen. Ihre Anzahl ist gering.40. Tagbalays.Die Tagbalays wohnen nicht weit von der Ostküste Mindanao’s, in der Nähe von Bislig (Waitz V, 51). Ihr Name kommt auch in den Varianten Tago-Balvoys und Taga-Balooyes vor. Sie sind hellfarbig (Waitz, l. c.), deshalbaber nicht mit japanischem Blute gemengt. Die Japano- und Chino-Manie wird mit Bezug auf die Philippinen bald ähnliche Übertreibungen und voreilige Behauptungen zu Tage fördern, wie die Kelto-Manie von anno dazumal in Deutschland. Mas (pobl. 14) bezeichnet sie als „Igorroten”, wohl aus ähnlichem Grunde, wie bei den Manobos. Ob die in der Ilustracion filipina 1860 n. 17, p. 193, erwähnten Tagabotes mit unseren Tagbalays zu identificiren sind, wage ich nicht zu entscheiden, da sonst (wenigstens in den mir zugänglichen Werken) dieser Volksstamm der Tagabotes nirgendswo anders erwähnt wird.41. Bagobos.Die Bagobos wohnen in der Quellgegend des Rio de Butuan zwischen Manobos und Mandayas, dann zwischen dem Vulcane Apo und der Stadt Davao und bewohnen selbst mehrere Rancherías unmittelbar an der Küste, darunter Darum oder Daron (Cavada II, 221). Die Bagobos sind ein friedliches Volk (Cavada II, 206), obgleich sie sonst mit den Manobos Lebensweise und Waffen gemeinsam haben. Die Bewohner der Ebenen und Gestade sind rachitisch und kränklich (Cavada II, 223), was wohl nicht allein auf die Kreuzung mit von den Manobos gekauften Sclaven zurückzuführen ist, sondern vielleicht auch, dass sie eben als Bergstamm in den Sumpfniederungen verkümmern. Cavada rühmt ihnen Mässigkeit im Essen, Reinlichkeit und Vertragstreue nach. Sie sind ebenso wie die Manobos, Mamanuas und Tagbalays Heiden.42. Guiangas.Nach Jagor (Reisen 322) wohnt dieser anderswo nicht genannte heidnische Stamm in denselben Districten, zwischen Apo und Davao, welche von den Bagobos bewohnt werden. Der Name dieses Volksstammes erinnert einigermaassen an den der Manguangas. Sie sind von heller Hautfarbe (Cavada II, 223).43. Vilanen.Die Vilanes oder Bilanes sind ein den obigen ähnlicher Stamm, gleichfalls heidnischer Religion. Sie wohnen südlich von den Bagobos zwischen dem Gebirge und dem westlichen Gestade des Meerbusens von Davao (Jagor, Reisen 322;Cavada II, 220).44. Tagacaolos.Die Tagacaolos hausen südlich von den Vilanen, in den westlichen Gestadelandschaften des Meerbusens von Davao und südlich vom Vulcane Apo.Tagacaolos wohnen auch als Nachbarn der Mandayas nördlich von der Balete-Bai.Ihren Namen scheinen sie vom Flusse Tagalaya herzuleiten, welcher auf jenem Berge entspringt. Ihr Hauptort heisst Malalag (Cavada II, 221). Sie sind ebenfalls Heiden, obwohl es unter ihnen genug Mohammedaner giebt, besonders im Süden, welche aber kaum äusserlich an den Lehren des Korans festhalten. Sie glauben an das Dasein eines übernatürlichen Wesens, das seinen Sitz auf dem Apo hat. „Diesem Genius des Guten und Bösen bringen sie, um ihn zu besänftigen, beständig Menschenopfer, insbesondere, wenn sie sich einbilden, dass er ihnen zürnt, oder auch nur, wenn sie sich vornehmen, Schwefel zu sammeln, damit er es ihnen gestatte” (Ausland 1881, S. 219).45. Sanguils.Die Sanguils bewohnen die Halbinsel, welche durch den Meerbusen von Davao und die Sarangani-Bai gebildet wird. Mit den Vilanen und Tagacaolos sollen sie 76 000 Köpfe zählen (Jagor, Reisen 322).46. Mandayas.Die Mandayas wohnen am Rio Hijo, der in die Bucht von Davao mündet (Cavada II, 222),am Oberlaufe des Rio Agusan und des Rio Sahug, ebenso trifft man Mandayas in dem Hinterlande der Küstenorte Caraga, Santa Maria und Zatagoza (Dr. Montano y Rey).. Dann bewohnen sie den südlichen Theil von Mindanao, von Linao an der Westküste bis zu den grossen Seen im Innern des Landes, sie sind dann auch weiter bis gegen Butuan anzutreffen (Jagor, Reisen 322). Die am Meerbusen von Davao wohnenden sind mit Manguangas vermischt (Jagor, l. c.). Ihre Hautfarbe ist eine sehr helle (Cavada II, 206 u. 223), diess hat Mallat zu der Annahme verleitet, dass sie Mischlinge von Japanen und Visayern sein sollen, was aus historischen Gründen sehr unwahrscheinlich ist; Sir J. Bowring’s Hypothese, nach welcher die Mandayas gar Abkömmlinge von Weissen und Eingeborenen wären, muss bei jedem Kenner der Geschichte Mindanao’s nur Unwillen erzeugen. Schwerwiegend ist jedoch, dass Prof. Semper sich für eine Vermengung mit Chinesen ausgesprochen hat (Semper, Skizzen 59), gegen diese Autorität wage ich es nicht, Etwas einzuwenden. — Sie sind von starker Gestalt und kräftigem Gliederbau, kriegerisch und stets zum Kampfe bereit, mit den Christen aber unterhalten sie freundliche Beziehungen (Cavada II, 206 u. 223). Ihre Waffen sind Lanze, Kris, Pfeil, Bogen und Bolomesser (Cavada II, 223). Während die Mandayas der Provinz Surigao Freunde einer herumschweifenden Lebensweise sind (Cavada II, 206), sind die Mandayas von Davao arbeitsame Leute (Cavada II, 223). Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Skizzen 59).47. Subanos.Die Subanos bewohnen jene langgestreckte Halbinsel, welche den äussersten westlichen Ausläufer Mindanao’s bildet. Ihr Name bedeutet so viel als Flussbewohner (Combés 24). Die Geschichte ihrer Abstammung bei Barrantes (Guerras piráticas 417) ist sehr schön, aber für unsere Zwecke nichtbrauchbar. Neuere Schriftsteller und Reisende haben uns keineerweiterteKenntniss dieses malaiischen Volksstammes gebracht, so sind wir denn noch immer auf Combés und Gemelli-Careri angewiesen. Sie sind kriegerisch, und ihre Kriegslust wird durch ähnliche Bräuche angefeuert, wie einst bei den Caragas, nur brauchte der Subano nur einen einzigen Feind zu tödten, um den rothen Kopfbund tragen zu dürfen. Obwohl bei ihnen Blutrache gilt, so kann diese leicht durch Goldstaub gesühnt werden. Geschlechtlichen Ausschweifungen huldigen sie in ebenso grossem Maasse, wie alle ihre Nachbarstämme. Ein Theil von ihnen ist zum Christenthume bekehrt, die übrigen sind Heiden und nur zum geringsten Theile Mohammedaner. Ihre Kopfzahl soll sich auf 70 000 belaufen (Jagor, Reisen 322).48. Manguangas.Die Manguangas wohnen in der Cordillera Sugut auf Mindanao und erstrecken sich bis zu dem grossen See von Boayan oder Magindanao. Sie zählen nach einer älteren Schätzung gegen 80 000 Seelen (Jagor, Reisen 322). Sie sind Heiden; über ihre sonstigen Sitten und Bräuche ist mir Nichts bekannt.49. Sameacas.Die Sameacas sind die (heidnischen?) Bewohner des Gebirgsinnern der Insel Basilan. Bis zum XVI. Jahrhundert bewohnten sie auch die Küsten dieses Eilands, da landete aber der Prätendent des Reiches Mindanao, der Paquian Tindig, mit seinen Anhängern und Sclaven auf Basilan und trieb die ursprünglichen Herren des Landes in die Gebirgswälder hinein, wo sie noch heute in völliger Unabhängigkeit leben (Pazos 10). Bei der Dürftigkeit der Nachrichten über diesen Volksstamm lässt sich die Frage gar nicht in Untersuchung ziehen, ob nicht die Sameacas mit den Guimbas zusammen nureinenStamm repräsentiren.50. Guimbas.Die Guimbas sind die Bewohner der Gebirgswildnisse der Hauptinsel von Sulu. Bei Combés, Fray Juan de la Concepcion und Anderen kommen noch folgende Varianten ihres Namens vor: Guinbajanos, Guimbanos, Quimpanos. Sie sind nach den spanischen Geschichtsschreibern der Philippinen zu derselben Zeit von den einwandernden Mindanaos in das Gebirge geworfen worden als Basilan. Die Jesuiten nannten sie „gente montaraz”, d. h. ebenso wie die heidnischen Bergstämme Luzons, sie sind also in jenen Tagen (1578–1646) Heiden gewesen, während sie sich jetzt wenigstens zum Theil — bei Carondon — zum Islam bekehren liessen, wenigstens nennt Pazos (Joló 194) die in der Nähe Carondons wohnenden GuimbasMorosguimbas montescos.Der Name Guimbas wurde ihnen von den mindanaoischen Eroberern verliehen, er soll soviel wie Trommler bedeuten, da es bei ihnen Sitte ist, im Kriegsfalle durch den Lärm zahlreicher Trommeln sich Muth einzuflössen. Zu demselben Zwecke kauen sie die Wurzel Panayaman(g), welche die Eigenschaft besitzt, den Körper gegen die Schmerzen der Wunden unempfindlich zu machen. Ihre Tapferkeit und ihr Muth sind in der That ausserordentlich, und die Spanier haben zu der Zeit, wo sie im XVII. Jahrhundert vorübergehend (1638–46) Sulu besetzt hielten, mehrmals von ihnen Schlappen erlitten, ein Mal sogar eine ordentliche Niederlage. Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde und Panzer, letztere aus Carabao-(Büffel-)Haut verfertigt, woraus zu schliessen ist, dass sie wenigstens den Carabao als Hausthier besitzen, und da dieses Thier auf den Philippinen nur als Ackerbaumedium benutzt wird, so ist der Schluss gerechtfertigt, dass sie Reisbauer sind. Überdiess besitzen sie auch Pferde (Koner 124). Pazos nennt sie auch nur Halbwilde (semisalvages). Bemerkenswerth ist, dass sie nach Pazos (Joló 10) besonders auf den nördlichen Abhängen des Gebirgsstockes von Sulu wohnen, so dass auf den Südabhängen Platz wäre für die Idanes Dalrymple’s, da ich aber leider kein Exemplar Dalrymple’s auftreiben konnte, so ist es mir unmöglich, auf diesen letzteren Volksstamm näher einzugehen. Nach der Bemerkung in Waitz (V, 46), dass der Name Idan eine Collectivbezeichnung für verschiedene Idiome sprechende heidnische Stämme sei, ist eine Identificirung der Idanes de Joló mit den Guimbas auch nicht unmöglich, man vgl. übrigens das bei den Negritos Erwähnte.51. Die Piratenstämme von Mindanao und Sulu.Unter obiger Bezeichnung fasse ich jene mohammedanischen Malaienstämme zusammen, welche an der Westküste von Mindanao, am Rio Grande de Mindanao, den beiden grossen Seen südlich von diesem Strome an der Laguna de Malanao, an der Küste des Panguil-Busens, in einigen Dörfern an der Nordwestküste Mindanao’s zwischen Zamboanga und Misamis und welche ferner die Küstenbevölkerung der grösseren und die Gesammtbevölkerung der kleineren Sulu-Inseln bilden. Sie werden von den Spaniern je nach ihrem Aufenthaltsorte als Joloanos, Camucones (Bewohner der Inseln südwestlich von Tawi tawi), Tirones (Bewohner der Inseln zwischen Tawi tawi und Borneo), Moros de Balabac, Samales (Bewohner der Inseln südlich von Basilan), Basilanes, Jacanes (auch auf Basilan), Illanos oder Ilanos (an der Baia Illana), Lutaos (bei Zamboanga), Malanaos (am See Malanao), Mindanaos (Mündungsgebiet des Rio Grande und die Küste Ost-Mindanao’s von Pollok bis zur Südspitze der Insel), Tegurayes oder Tinivayanes (Flussgebiet des Rio Grande de Mindanao) bezeichnet.Sie sind Mischlinge von den in den diesbezüglichen Ländern erbgesessenen Visayer- oder (auf Mindanao zum Theile) Manobos-, Mandayas-, Subanos-Stämmen und von den von Borneo und den Molukken her einfallenden mohammedanischen Stämmen. Balabac ist von Borneo her mit dieser neuen Bevölkerung versehen worden. Gerade als die Spanier unter Legazpi, 1565–1572, sich des Archipels bemächtigten, machten sie einer grossartigen, continuirlichen, wenn auch geräuschlosen und friedlichen Invasion von Borneo-Malaien ein Ende, damals waren, wie Morga, Fr. Gaspar de S. Augustin, Fray Juan de la Concepcion uns melden, in allen Theilen der Philippinen, mit Ausnahme der nördlichen Landschaften Luzons, Borneaner nicht nur als Kauffahrer, sondern auch als mohammedanische Proselytenmacher und Stifter neuer Dynastien und Reiche thätig. Die Vasallenfürsten der Sultane von Manila und Tondo waren alle Borneaner, sowie vielleicht ihre Herren selbst. Noch 1585 (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 651) zahlten die Bewohner der Calamianen den Spaniern und dem Sultan von Borneo zugleich Tribut. Nach Argensola, Combés, Fr. Juan &c. hat Mindanao seine mohammedanische Bevölkerung durch Einwanderung von Ternate erhalten, wie denn auch im XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts die Sultane von Mindanao und Buhayen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnisse zu den Sultanen von Ternate standen, welches sich erst löste, als letztere sich den Holländern unterwarfen und in den Kämpfen zwischen letzteren und den Spaniern eine bedeutende Einbusse an Macht und Gebietsumfang erlitten. Am gemengtesten erscheint die Bevölkerung von Sulu. Die Nachrichten von Dalrymple30, Crawfurd30, Hunt30und Forrest widersprechen zum Theil sehr jenen Nachrichten, welche uns die spanischen Historiker des XVI. und XVII. Jahrhunderts bringen. Es ist zu bedauern, dass W. Koner in seiner Monographie des Sulu-Archipels (Erdk. 1867, II, 105 f.) nur englischen und holländischen Quellen gefolgt ist, denn jene spanischen mönchischen Geschichtsschreiber bringen sehr zuverlässige Nachrichten, die meist von Missionären ihrer Orden stammten, welche lange Jahre in jenen Ländern zugebracht hatten, ja Combés war selbst geraume Zeit in Mindanao thätig. Auch die französischen, englischen und holländischen Quellen weichen sehr voneinander ab. Das eine aber scheint sicherzustellen, dass die heutigen Dattos oder Feudalfürsten Sulu’s von Mindanao, indirect also von Ternate herstammen, einige Dattos stammen auch von Butuan ab, letzteres aber war auch von Ternate her colonisirt und dann die maurische oder Moslimbevölkerung von den Spaniern verjagt worden31. Doch schon vor dieser Invasion hatten auf jener Hauptinsel Sulu sich auch Javanen (Bastian V, 275; man vgl. auchKoner 123) gezeigt, auch kamen einmal Einwanderer aus Johore (Bastian, l. c.). Vermischungen mit Dayaks sollen auch Statt gefunden haben (Novara-Reise, Ethnogr. Theil 32), was vielleicht auf eine Vermengung mit Dayaksclavinnen zu deuten ist. Eine Zeit hindurch (vor Magallanes) gehörte die Insel auch zum Reiche Bandjermassing von Borneo und erhielt von dort auch Zuzug (Koner 122). Übrigens dürften die heutigen Sulus und Mindanaos physisch sich gar nicht von den Visayern unterscheiden, denn seit Jahrhunderten haben sie Tausende von Visayern von ihren Raubzügen aus den Philippinen heimgebracht, welche bei ihnen, man kann es ruhig sagen, zu 95% blieben und mit ihnen zu einem Volke verschmolzen. In Sulu selbst dürfte auch eine verhältnissmässig nicht unbeträchtliche und historisch nachweisbare Vermischung mit Chinesen Statt gefunden haben, indem diese seit dem XVII. Jahrhundert sich in der Hauptstadt zu einer fluctuirenden, nur aus Männern bestehenden Handelscolonie niederliessen, deren Mitglieder gewiss ebensogut mit eingeborenen Weibern Kinder zeugten, wie in den spanischen Philippinen. Die anderen fremdartigen Beimengungen sind gar nicht der Rede werth, die Zahl der arabischen Prediger und der spanischen, mejicanischen und peruanischen Renegaten des XVI., XVII. und XVIII. Jahrhunderts war eine zu geringe, als dass sie einen Einfluss auf die Rassenbildung hätte äussern können.Was ihr Äusseres anbelangt, so sind sie von mittlerer Körpergrösse mit normalem Brustkorbe und schlanker Taille; der Kopf ist rund und klein, die Augen sind von dunkler Farbe und horizontal und weit gespalten, die Lippen sind schmal, die Nase ist stumpf geformt, die Hautfarbe ist gelblichfahl; die Kopfhaare—welche von den Männern meist rasirt werden—weisen eine tiefschwarze Farbe auf und sind rauh anzufühlen, die Augenbrauen sind spärlich, dasselbe gilt vom Barte, der oft gänzlich fehlt; bemerkenswerth ist noch die Sitte, die Zähne schwarz zu färben, auch fällt auf, dass die Beine meist säbelförmig auswärts gebogen sind (Garín 126).Alle diese mohammedanischen Piratenstämme, diese „Moros” der Spanier, haben ausser der Religion ein gemeinsames charakteristisches Merkmal, das sie scharf von den übrigen Malaienstämmen der Philippinen scheidet, und das ist die Feudalverfassung. Nur an der Bai von Manila fanden die Spanier Legazpi’s ähnliche Verhältnisse, doch hier war eben bereits fremder, speciell borneanischer Einfluss im Spiele.Was zunächst die Feudalverfassung anbelangt, so zerfallen alle die ehemaligen und zum Theile noch existirenden Sultanate von Sulu, Mindanao, Buhayen, Butig, Sibugney &c.in eine grosse Anzahl von kleinen Lehensfürstenthümern, deren Chefs den uns schon bekannten Namen Datto führen. Selten herrscht ein Datto über mehr als ein Dorf, und beständig fanden neue Gründungen von solchen Datto-Herrschaften Statt und zwar in der Weise, dass ein Datto- oder Sultans-Sohn mit einigen Sclaven auf einen Piratenzug auslief und mit den geraubten Sclaven eine neue Niederlassung in einer noch unbewohnten Gegend oder Insel gründete, welche durch neue Sclavenjagden immer neuen Zuwachs erhielt. Die Dattos sind die eigentlichen Herren gewesen, neben denen der Sultan nur die Rolle des primus inter pares spielte, ohne deren Einwilligung er auch nicht den geringsten politischen Act vornehmen durfte. Combés, Dampier, Forrest, Sprengel, Deguignes, Renouard de St.-Croix, Koner, Barrantes und Pazos haben darüber manches interessante Detail veröffentlicht, von welchem ich hier das Interessanteste und Wichtigste hervorheben will, wobei ich mich nur auf die Verhältnisse im Sultanate Sulu und dem von Mindanao (jetzt der spanische District Cotta-bató) beschränke.In beiden Ländern war das Sultanat erblich, doch gab es keine geregelte Thronfolge, sondern der Sultan besass das Recht, sich seinen Nachfolger aus seinen nächsten Nachkommen und Verwandten zu erwählen, doch übten die Dattos dabei ein Anerkennungsrecht aus. In Mindanao giebt es folgende Adelsstufen: Tuam, so viel wie Herr, Junker; Orancaya so viel wie Magnat und Cachil gleich Prinz von königlichem Geblüte. Auf Sulu ist diese Hierarchie eine viel verwickeltere, der Sultan geniesst mehrere Titulaturen und zwar immer Maulana, so viel als Majestät; ist er der Enkel eines Sultans, so führt er noch den Titel Paduca, ist er der Sohn eines solchen, so fügt er noch den Titel Majarasin, d. h. der Reine und Erhabene, hinzu. Der Thronfolger in Sulu heisst Rajá-Muda. Einzelne Dattos bilden eine Art Ministercollegium: der Grossvezier (Datto Interino der Spanier), der Generalissimus der Landtruppen und Kriegsminister (Datto Realao), der Oberstlandrichter (Datto Mitsainguir). Wird ein grosser Kriegszug unternommen, so tritt an die Spitze der Streitkräfte der Pauliman, Orancaya oder Salicaya, je nachdem zu Lande oder zu Wasser, oder zu Wasser und zu Lande der Krieg geführt werden soll. Jeder Datto hat einen Grossvezier, der Monabe genannt wird.Der Sultan versammelt in allen wichtigen Angelegenheiten die Dattos um sich, um ihre Einwilligung einzuholen. Auf allen Vertragsurkunden müssen die Unterschriften der Dattos neben die des Sultans gesetzt werden, sonst wäre der Vertrag ungültig.Da die Macht und das Ansehen der Dattos vornämlich nur auf der Zahl der Sclaven beruhte, so suchten sich die Mindanaos und Sulus durch grossartige Piratenzüge, welche mitunter sich bis nach Banka und Billiton erstreckten, vorzugsweise aber gegen Celebes und die Philippinen gerichtet waren, solche zu verschaffen. Schon vor Ankunft der Spanier stand die Piraterie in schönster Blüthe (Mas I, 28). Geführt von Renegaten überfielen sie mit ihren leichten und seichtgehenden Schiffen die Küstenniederlassungen, verbrannten die Dörfer, vernichteten das auf den Feldern stehende Getreide, hieben die Fruchtbäume um und schleppten die Dorfbewohner in die Sclaverei, lange bevor die tiefgehenden spanischen Kriegsschiffe zur Rettung anlangen konnten. Von je drei Gefangenen erhielt der Datto, der die Expedition ausrüstete, zwei, einer gebührte der Mannschaft. Man kann sich einen Begriff von der Ausdehnung dieser Piratenzüge machen, wenn man erfährt, dass diese Piraten in 30 Jahren 20 000 Gefangene in den Philippinen allein gemacht hatten (Jagor, Reisen 180). Selbst die Einführung von seichtgehenden Dampfkanonenbooten befreite die Philippinen nicht von dieser Plage. „Die leichten, flachen, sehr stark mit Ruderern bemannten Boote (der Piraten) sind so geschwind, dass nur die schnellsten Dampfer ihnen folgen können, diese verrathen sich aber schon aus grosser Ferne an ihrer Rauchsäule, so dass die nur wenige Fuss über das Wasser ragenden und folglich in sehr geringer Ferne unsichtbaren Pancos gewöhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen” (Jagor, Reiseskizzen 86). Auch die wiederholten Expeditionen, mit welchen früher die Spanier diese Piratennester durch Niederbrennen zu vernichten suchten, halfen Nichts, es bemerkte hierüber schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein spanischer Stabsofficier im Kriegsrathe zu Manila: „Sie (die Piraten) verändern die Lage einer Stadt mit derselbigen Leichtigkeit, wie wir den Ankerplatz eines Schiffes, und es liegt ihnen wenig daran, sie zehn Leguas weiter oben oder weiter unten neu zu begründen, denn überall finden sie Berglehnen zum Feldbau, gutes Schiffsbauholz, Nipa-Palmen zum Dachdecken und Mangel-Sümpfe, um sich bei drohender Gefahr zu verbergen”(Fr. Juan XIII, 378). Man vergleiche übrigens über die Schwierigkeit, sie in ihrem eigenen Lande zu bekämpfen, die gute Bemerkung in Pazos, Joló, p. 378. Erst durch die Eroberung Sulu’s und die kostspielige Occupation des Mündungsgebietes des Rio Grande de Mindanao ist die Piraterie einigermaassen, aber nicht gänzlich unterdrückt worden.Der Islam ist zwar die herrschende Religion, an der seine Bekenner mit fanatischem Eifer hängen, aber die Vorschriften des Korans werden nur oberflächlich erfüllt, der Genuss des Schweinefleisches und spirituöser Getränke ist allgemein. Auf Sulu heisst die höchste geistliche Autorität Sarif (Scherif), dann folgt der Jabdi und endlich die Panditás. Die Polygamie gestattet natürlich der Islam, gewöhnlich aber begnügt sich auch der Vornehme mit einem Weibe, Koner will hierin den Einfluss der gefangenen Christinnen bemerken.Bei diesen Piratenstämmen ist der Knechtsdienst, den der Bräutigam seinem Schwiegervater in spe bei den Tagalen und Visayern zu leisten hat, nicht gebräuchlich. Der Bräutigam kauft die Frau von ihrem Vater für Schiffe, Kanonen, Feuerwaffen, Munition &c.; ist der Schwiegervater ein nobler Mann, so giebt er seiner Tochter eine aus ähnlichen Dingen bestehende Mitgift. Am Vorabende der Hochzeit führt der Pandit die Brautleute jedes in ein besonderes Häuschen, wo sie sich beide festlich schmücken. Am anderen Tage geleitet der Pandit unter Trommelwirbel den Bräutigam in das Häuschen seiner Braut, welche unter Zeugen, besonders Flaggen, verborgen liegt. Der Pandit wiederholt drei Mal die Frage, ob der Bräutigam jenes Weib zu ehelichen wünsche, welches unter dieser Hülle sich befände. Kaum hat der Bräutigam diess bejaht, so springt die Braut aus ihrem Verstecke hervor und läuft davon, verfolgt von dem Bräutigam und den Gästen. Hat der Bräutigam oder vielmehr Gatte sein Weibchen eingeholt, so zieht er sich auf ein einsames Plätzchen zurück, um sofort das matrimonium zu einem consumatum zu machen. Diese Ceremonie ist nur beim Einholen der legitimen Frau—„Dayana” genannt—üblich. Die Sittenlosigkeit ist bei der affenartigen Geilheit dieser Piraten zügellos, und die Zustände, wie sie Dampier in Mindanao fand, sind auch bis heute sich gleichgeblieben. Das Abtreiben der Leibesfrucht findet sehr häufig Statt (Garín 176).Bei schweren Erkrankungen32suchen die Panditen durch Recitiren von Koransuren und Gebeten den Patienten zu heilen. Stirbt ein Vornehmer, so werden Kanonenschüsse abgefeuert und vor dem Hause desselben Trommeln geschlagen und mit verschiedenen Musikinstrumenten ein höllisches Concert angestimmt. Der Todte wird, nachdem der Priester ihn gewaschen, in ein weisses Kleid gehüllt und angethan mit seinem Kris in einer Kiste unter grossem Spectakel begraben. Die Hinterbliebenen tragen zum Zeichen der Trauer einen weissen Turban und verbringen acht Tage mit Wehklagen auf dem Grabe des Dahingeschiedenen. Die Panditen beten noch länger, bis zu 40 Tagen, und werden dann von den Hinterbliebenen reichlich beschenkt.Der Ackerbau obliegt den Sclaven (Sácopes) und umfasst Reis, Mais, Camote und verschiedene Gemüse, auch Cacao wird gepflanzt, Cocoswälder bilden aber den Hauptreichthum. Der Viehstand weist Pferde, Rinder, Büffel, Ziegen, Hühner und Tauben auf.Die Bauart der Hütten unterscheidet sich nicht von der der Tagalen und Visayer, nur werden dieselben mit Vorliebe direct über dem Wasser erbaut. Bambusstege führen von einem Hause zum andern, so dass durch Wegziehen derselben jedes Haus isolirt im Wasser dasteht. Am Lande pflegen sie feste Forts aus Palissadenzäunen, welche durch Korallenblöcke vor Kanonenkugeln gesichert sind, zu errichten.Die Tracht besteht aus Jacke, weiten Hosen, einem Turban oder einer fezähnlichen, aber aus leichterem Stoffe verfertigten Mütze. Auch die Weiber tragen, wenigstens auf Sulu, Hosen (Garín 124), auf Mindanao aber auch Röcke. Die Dattos führen schön bemalte Schilde mit sich, als Waffen dienen Feuergewehr, Bogen und Pfeil, Lanze, Kris und ein gegen das Ende zu breiter werdendes krummes Schwert. Seltener sind Panzer aus eisernen Maschenhemden, oder aus zusammengefügten Muschelschalen oder Büffelhaut verfertigt, manche schützen den Körper durch den Cambut, einen dicken Gürtel aus grober Baumwolle, der mehrmals um den Leib herumgeschlungen wird. Die meisten begnügen sich mit dem Schutze, den ihnen ihre Schilde gewähren, welche aus hartem Holz, das mitunter noch mit Büffelleder überzogen ist, in zweierlei Grössen verfertigt werden; die runden Schilde decken nur den halben, die eckigen den ganzen Körper, letztere werden auch an den Bordwänden der Schiffe aufgerichtet, um als Brustwehr zu dienen. Die Landbefestigungen und Schiffe sind mit zahlreichem (meist geraubtem) Geschütz des verschiedenartigsten Calibers versehen, doch wissen die Piraten sie nicht gut zu bedienen.Ohne Compass schwärmen sie mit ihren leichten Schiffen bis nach Singapore hin. Ihre Fahrzeuge zeichnen sich alle durch besondere Schnelligkeit und geringen Tiefgang aus, einen Kiel besitzen nur die Panco, Guban und Garay genannten Schiffsgattungen. Der Panco hat die Form und den Tonnengehalt einer flachen Küstenbrigantine und hat, wie alle Schiffe dieser Piratenstämme, keinen einzigen Nagel oder Eisenbestandtheil aufzuweisen. Die übrigen Boote, Salisipans, Barotos, Lancans, Vintas, Dalamas, sind nur aus einem ausgehöhlten Baumstamm verfertigt und mit Ausliegern—„Batangas”—versehen. Alle Schiffe sind auf Fortbewegung durch Ruder eingerichtet, letztere—Gayong genannt—haben die Form der Ruder europäischer Galeeren. Das Steuerruder ist bei den grösseren Schiffen mitunter in derselben Weise und Form angebracht, als diess bei europäischen Schiffen der Fall ist, meistentheils sind es aber blos zwei oder ein Schaufelruder am Buge. Die Mastbäume sind dreigetheilt in eine Spitze zusammenlaufend, ähnlich den drei Stützen der Malerstaffelei. Die Segel sind stets viereckig und das Segelzeug bunt gefärbt.Pazos (Joló 7) schliesst seine Beschreibung ihrer Schiffe mit folgenden Worten: „Der leichte Bau ihrer Fahrzeuge ermöglicht bei ihrem geringen Gewichte und seichtem Tiefgang eine schnelle Fahrt; wenn sich die Piraten verfolgtsehen, so segeln sie kaltblütig, weil für sie ohne Gefahr, durch die gefährlichsten Klippenreihen durch, wohin ihnen auch die kleinsten Kanonenboote nicht folgen können, und falls einmal (innerhalb der Klippen oder am Strande) die Seichtigkeit des Wassers die Weiterfahrt unmöglich macht, dann wirft sich die Mannschaft einfach in’s Wasser und schleift das Boot in’s tiefere Wasser oder trägt es selbst auf seinen Schultern dahin, worauf die Bemannung wieder an Bord steigt und ruhig seine Fahrt fortsetzt, auf diese Weise nur zu oft die Verfolgung, welche unsere Kreuzer anstellen, illusorisch machend”.Sie sind leidenschaftliche Tabakraucher und Betelkäuer, aber diese Reizmittel genügen ihnen nicht, sie rauchen auch Opium aus langen Rohrpfeifen (Garín 127;Pazos 205). Unter den Betel wird gewöhnlich Opium, ja auch Theriak gemengt (Garín I, 27). Musik und Tanz wird gepflegt, letzterer wird gewöhnlich nur von Mädchen33, Sclavinnen, zumeist zur Ergötzung der Dattos aufgeführt. Ihnen eigenthümliche Instrumente sind der Agun oder Agon und Culintangang (Ilustr. del Oriente 1877, n. 10, p. 4), der Agun ist nichts Anderes als eine metallene, auf einer Seite offene Kugel, während der Culintangang aus mehreren geschlossenen Metalldecken besteht, welche mit zwei Holzklöppeln geschlagen werden.Die Industrie reducirt sich auf Schiffsbau, Waffenschmiedekunst und grobe Hauswebewaaren, dagegen ist der Handel blühend. Besonders Sulu ist der Hauptsitz der Trepang- und Perlfischerei, sowie des Handels mit Salangan-Schwalbennestern, Ambra und Schildkrotschalen. Die Chinesen concentriren den Handel ganz in ihre Hände. Der schwungvolle Handel, welchen die Sulus und Mindanaos durch Verkauf der gefangenenChristeninBataviabetrieben, hat bereits im vorigen Jahrhundert aufgehört.Sie lassen nicht nur Hähne, sondern auch Büffel gegeneinander kämpfen.

38. Manobos.Die Manobos sind ein in fast allen Theilen der Insel Mindanao wohnhafter heidnischer Stamm. Ihre Wohnsitze sind die Bergwildnisse südlich von Dapitan (Cavada II, 197), dann durch christliche Visayer-Niederlassungen vom Meere getrennt in den Bergen südlich von Iligan, Cagayán (de Mindanao), Butuan und in den Thälern, welche die bei den letztgenannten Städtchen mündenden Flüsse in ihrem Laufe bilden (Semper, Skizzen a. v. St.;Cavada a. v. St.). Im Süden reichen sie bis zu dem Meerbusen von Davao (Cavada II, 221, 222), wo sie hauptsächlich amöstlichenGestade wohnen, während am linken sich nur einzelne Niederlassungen finden. Sie reichen im Westen bis in die Nähe von Cotta bató (Jagor 44;Cañamaque 43). Doch muss man bei diesen Angaben, soweit sie nicht, wie von Semper als Augenzeugen, sichergestellt sind, sich sehr reservirt verhalten, denn Manobos (Varianten: Manabos, Manobas) ist in Mindanao zu einem Collectivnamen für heidnische Bergstämme geworden29) (Waitz V, 56;D. Claudio Montero y Gay, in dem Bol. de la Sociedad geográfica de Madrid I, n. 4, p. 322).Die Manobos erinnern in ihrem äusseren Habitus etwas an Chinesen (Semper, Skizzen 59). Sie leben in ganz kleinen Horden, welche gewöhnlich nur aus dem Häuptling — Bagani genannt — und den Brüdern seiner Frauen sich zusammensetzen (l. c. 60). Ihre Hütten stehen auf hohen Pfählen (l. c.), ebenso die Scheunen und Vorrathshäuser, welche mitten in den Feldern stehen (l. c. 61). Die Manobos im Norden treiben Ackerbau, und zwar sind Gegenstände desselben Tabak, Mais, Camote und insbesondere Reis, welch’ letzteren sie in solcher Fülle ernten, dass sie im Stande sind, ganze Bootsladungen an die christliche Küstenbevölkerung zu verkaufen (l. c. 60). Ausserdem obliegen sie dem Dalag-Fischfang mittelst Fischreusen und Netzen (l. c. 47). Die Manobos, welche am Meerbusen von Davao wohnen, scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern sich nur vom Fischfange und Wurzeln, ja im Nothfalle selbst von ekelhaften Reptilien zu nähren (Cavada II, 223). Die ackerbauenden Manobos sind deshalb nicht sesshaft; sobald ihr nie gedüngter Ackerboden erschöpft ist, verlassen sie ihre Niederlassung und gründen sich an einer anderen günstigen Stelle ein neues Heim (Semper, Skizzen 62). Sie leben in Polygamie, doch gilt nur eine Frau als die legitime, der die anderen zu gehorchen haben (l. c. 60). Jede Frau hat eine Hütte für sich, in welcher sie mit ihren Kindern und den ihr zugewiesenen Sclaven lebt (l. c.). Da die Feldarbeit nur auf den Schultern der Frauen, Kinder und Sclaven ruht, so besteht in der grösseren Zahl derselben auch der grössere Reichthum des Mannes (l. c.). Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde, Dolche und Schwerter (Semper, Skizzen 62), die Manobos von Davao wissen auch meisterhaft Bogen und Pfeil zu gebrauchen (Cavada II, 223). Ihre Religion und die Sucht, Sclaven zu erwerben, reizt sie zu beständigen Kriegen und Fehden. Sie haben einen ähnlichen Ahnencultus wie die übrigen Malaien Luzons und der Philippinen (Semper 61), überdiess kennen sie noch andere Götter. „So halten sie den Donner für die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt eines abenteuerlichen Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde niederfährt und in die Bäume einschlägt, so soll das Thier, nach ihrer Meinung, mitunter einen seiner Zähne darin stecken lassen” (Semper, Skizzen 61). Der Caiman wird von ihnen heilig gehalten (l. c.), welche Verehrung dieses Thier einst auch von den heidnischen Tagalen genoss (Mas, hist. I, 15). Bezeichnend ist der Name Diuata (Semper, Skizzen 62), der einem ihrer Götter zukommt, es ist dieses Wort gleichlautend mit der Ahnen-Benennung der Visayer. Der Diuata ist der Gott der Erntefeste, man erinnere sich an die religiösen Festlichkeiten, welche die Igorroten zur Erntezeit den Anitos darbringen. Dem Diuata werden Schweine geopfert und, wie bei den Igorroten, an das Opfer eine grosse Schmauserei geknüpft (Mas, pobl. 29). Hochverehrt wird auch der Kriegsgott Tagbusau (Semper 62). Nach beendigter Ernte ziehen die Manobos, wenn die eingeholten Auspicien glückverheissend sind, auf den Kriegspfad. Der Bagani, der als Priester des Tagbusau auch „dessen Talisman” mitträgt, sucht mit seinen Leuten den Feind im Morgenschlummer zu überrumpeln oder hinterrücks im Walde zu überfallen. Alle Erwachsenen werden niedergemetzelt, die Weiber und Kinder aber in die Sclaverei abgeführt (l. c. u. Cavada II, 223). Ihre Bestialität äussert sich sogar in einer Art von Cannibalismus: „Ist der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er (der Bagani) ein heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert, öffnet der Leiche die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die ihm um den Hals hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das Herz oder die Leber heraus, und verzehrt ein Stück davon als Zeichen, dass er nun seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen Volk wird es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das Vorrecht aber auch die Pflicht des fürstlichen Priesters” (Semper, Skizzen 62). Die Schädel der erschlagenen Feinde werden nach Hause mitgenommen, aber nicht nach der bei den Kopfjägern Luzons üblichen Sitte aufbewahrt (Semper, l. c.). Einen der Gefangenen pflegen sie nach glücklich erfolgter Heimkehr gleichsam als Dankopfer dem Tagbusau auf grausame Weise abzuschlachten (Mas, pobl. 40, Semper, l. c.). Wie bei den Negritos wird auch hier jeder Todesfall durch einen Mord eines armen arglosen Wanderers, dem sie im Walde auflauern, wettgemacht (Mas, pobl. 39). Die Manobos der Provinz Surigao scheinen nicht mehr so blutdürstiger Natur zu sein (Cavada II, 206). Ihre Kopfzahl bei Butuan wird auf 10 000 Seelen geschätzt (Jagor, Reisen 322). Mas (pobl. 14) betrachtet sie als Seitenzweig der Igorroten, wohl nur mit Bezugnahme auf ihre Kriegslust und Fressgelage.

38. Manobos.

Die Manobos sind ein in fast allen Theilen der Insel Mindanao wohnhafter heidnischer Stamm. Ihre Wohnsitze sind die Bergwildnisse südlich von Dapitan (Cavada II, 197), dann durch christliche Visayer-Niederlassungen vom Meere getrennt in den Bergen südlich von Iligan, Cagayán (de Mindanao), Butuan und in den Thälern, welche die bei den letztgenannten Städtchen mündenden Flüsse in ihrem Laufe bilden (Semper, Skizzen a. v. St.;Cavada a. v. St.). Im Süden reichen sie bis zu dem Meerbusen von Davao (Cavada II, 221, 222), wo sie hauptsächlich amöstlichenGestade wohnen, während am linken sich nur einzelne Niederlassungen finden. Sie reichen im Westen bis in die Nähe von Cotta bató (Jagor 44;Cañamaque 43). Doch muss man bei diesen Angaben, soweit sie nicht, wie von Semper als Augenzeugen, sichergestellt sind, sich sehr reservirt verhalten, denn Manobos (Varianten: Manabos, Manobas) ist in Mindanao zu einem Collectivnamen für heidnische Bergstämme geworden29) (Waitz V, 56;D. Claudio Montero y Gay, in dem Bol. de la Sociedad geográfica de Madrid I, n. 4, p. 322).Die Manobos erinnern in ihrem äusseren Habitus etwas an Chinesen (Semper, Skizzen 59). Sie leben in ganz kleinen Horden, welche gewöhnlich nur aus dem Häuptling — Bagani genannt — und den Brüdern seiner Frauen sich zusammensetzen (l. c. 60). Ihre Hütten stehen auf hohen Pfählen (l. c.), ebenso die Scheunen und Vorrathshäuser, welche mitten in den Feldern stehen (l. c. 61). Die Manobos im Norden treiben Ackerbau, und zwar sind Gegenstände desselben Tabak, Mais, Camote und insbesondere Reis, welch’ letzteren sie in solcher Fülle ernten, dass sie im Stande sind, ganze Bootsladungen an die christliche Küstenbevölkerung zu verkaufen (l. c. 60). Ausserdem obliegen sie dem Dalag-Fischfang mittelst Fischreusen und Netzen (l. c. 47). Die Manobos, welche am Meerbusen von Davao wohnen, scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern sich nur vom Fischfange und Wurzeln, ja im Nothfalle selbst von ekelhaften Reptilien zu nähren (Cavada II, 223). Die ackerbauenden Manobos sind deshalb nicht sesshaft; sobald ihr nie gedüngter Ackerboden erschöpft ist, verlassen sie ihre Niederlassung und gründen sich an einer anderen günstigen Stelle ein neues Heim (Semper, Skizzen 62). Sie leben in Polygamie, doch gilt nur eine Frau als die legitime, der die anderen zu gehorchen haben (l. c. 60). Jede Frau hat eine Hütte für sich, in welcher sie mit ihren Kindern und den ihr zugewiesenen Sclaven lebt (l. c.). Da die Feldarbeit nur auf den Schultern der Frauen, Kinder und Sclaven ruht, so besteht in der grösseren Zahl derselben auch der grössere Reichthum des Mannes (l. c.). Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde, Dolche und Schwerter (Semper, Skizzen 62), die Manobos von Davao wissen auch meisterhaft Bogen und Pfeil zu gebrauchen (Cavada II, 223). Ihre Religion und die Sucht, Sclaven zu erwerben, reizt sie zu beständigen Kriegen und Fehden. Sie haben einen ähnlichen Ahnencultus wie die übrigen Malaien Luzons und der Philippinen (Semper 61), überdiess kennen sie noch andere Götter. „So halten sie den Donner für die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt eines abenteuerlichen Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde niederfährt und in die Bäume einschlägt, so soll das Thier, nach ihrer Meinung, mitunter einen seiner Zähne darin stecken lassen” (Semper, Skizzen 61). Der Caiman wird von ihnen heilig gehalten (l. c.), welche Verehrung dieses Thier einst auch von den heidnischen Tagalen genoss (Mas, hist. I, 15). Bezeichnend ist der Name Diuata (Semper, Skizzen 62), der einem ihrer Götter zukommt, es ist dieses Wort gleichlautend mit der Ahnen-Benennung der Visayer. Der Diuata ist der Gott der Erntefeste, man erinnere sich an die religiösen Festlichkeiten, welche die Igorroten zur Erntezeit den Anitos darbringen. Dem Diuata werden Schweine geopfert und, wie bei den Igorroten, an das Opfer eine grosse Schmauserei geknüpft (Mas, pobl. 29). Hochverehrt wird auch der Kriegsgott Tagbusau (Semper 62). Nach beendigter Ernte ziehen die Manobos, wenn die eingeholten Auspicien glückverheissend sind, auf den Kriegspfad. Der Bagani, der als Priester des Tagbusau auch „dessen Talisman” mitträgt, sucht mit seinen Leuten den Feind im Morgenschlummer zu überrumpeln oder hinterrücks im Walde zu überfallen. Alle Erwachsenen werden niedergemetzelt, die Weiber und Kinder aber in die Sclaverei abgeführt (l. c. u. Cavada II, 223). Ihre Bestialität äussert sich sogar in einer Art von Cannibalismus: „Ist der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er (der Bagani) ein heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert, öffnet der Leiche die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die ihm um den Hals hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das Herz oder die Leber heraus, und verzehrt ein Stück davon als Zeichen, dass er nun seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen Volk wird es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das Vorrecht aber auch die Pflicht des fürstlichen Priesters” (Semper, Skizzen 62). Die Schädel der erschlagenen Feinde werden nach Hause mitgenommen, aber nicht nach der bei den Kopfjägern Luzons üblichen Sitte aufbewahrt (Semper, l. c.). Einen der Gefangenen pflegen sie nach glücklich erfolgter Heimkehr gleichsam als Dankopfer dem Tagbusau auf grausame Weise abzuschlachten (Mas, pobl. 40, Semper, l. c.). Wie bei den Negritos wird auch hier jeder Todesfall durch einen Mord eines armen arglosen Wanderers, dem sie im Walde auflauern, wettgemacht (Mas, pobl. 39). Die Manobos der Provinz Surigao scheinen nicht mehr so blutdürstiger Natur zu sein (Cavada II, 206). Ihre Kopfzahl bei Butuan wird auf 10 000 Seelen geschätzt (Jagor, Reisen 322). Mas (pobl. 14) betrachtet sie als Seitenzweig der Igorroten, wohl nur mit Bezugnahme auf ihre Kriegslust und Fressgelage.

Die Manobos sind ein in fast allen Theilen der Insel Mindanao wohnhafter heidnischer Stamm. Ihre Wohnsitze sind die Bergwildnisse südlich von Dapitan (Cavada II, 197), dann durch christliche Visayer-Niederlassungen vom Meere getrennt in den Bergen südlich von Iligan, Cagayán (de Mindanao), Butuan und in den Thälern, welche die bei den letztgenannten Städtchen mündenden Flüsse in ihrem Laufe bilden (Semper, Skizzen a. v. St.;Cavada a. v. St.). Im Süden reichen sie bis zu dem Meerbusen von Davao (Cavada II, 221, 222), wo sie hauptsächlich amöstlichenGestade wohnen, während am linken sich nur einzelne Niederlassungen finden. Sie reichen im Westen bis in die Nähe von Cotta bató (Jagor 44;Cañamaque 43). Doch muss man bei diesen Angaben, soweit sie nicht, wie von Semper als Augenzeugen, sichergestellt sind, sich sehr reservirt verhalten, denn Manobos (Varianten: Manabos, Manobas) ist in Mindanao zu einem Collectivnamen für heidnische Bergstämme geworden29) (Waitz V, 56;D. Claudio Montero y Gay, in dem Bol. de la Sociedad geográfica de Madrid I, n. 4, p. 322).

Die Manobos erinnern in ihrem äusseren Habitus etwas an Chinesen (Semper, Skizzen 59). Sie leben in ganz kleinen Horden, welche gewöhnlich nur aus dem Häuptling — Bagani genannt — und den Brüdern seiner Frauen sich zusammensetzen (l. c. 60). Ihre Hütten stehen auf hohen Pfählen (l. c.), ebenso die Scheunen und Vorrathshäuser, welche mitten in den Feldern stehen (l. c. 61). Die Manobos im Norden treiben Ackerbau, und zwar sind Gegenstände desselben Tabak, Mais, Camote und insbesondere Reis, welch’ letzteren sie in solcher Fülle ernten, dass sie im Stande sind, ganze Bootsladungen an die christliche Küstenbevölkerung zu verkaufen (l. c. 60). Ausserdem obliegen sie dem Dalag-Fischfang mittelst Fischreusen und Netzen (l. c. 47). Die Manobos, welche am Meerbusen von Davao wohnen, scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern sich nur vom Fischfange und Wurzeln, ja im Nothfalle selbst von ekelhaften Reptilien zu nähren (Cavada II, 223). Die ackerbauenden Manobos sind deshalb nicht sesshaft; sobald ihr nie gedüngter Ackerboden erschöpft ist, verlassen sie ihre Niederlassung und gründen sich an einer anderen günstigen Stelle ein neues Heim (Semper, Skizzen 62). Sie leben in Polygamie, doch gilt nur eine Frau als die legitime, der die anderen zu gehorchen haben (l. c. 60). Jede Frau hat eine Hütte für sich, in welcher sie mit ihren Kindern und den ihr zugewiesenen Sclaven lebt (l. c.). Da die Feldarbeit nur auf den Schultern der Frauen, Kinder und Sclaven ruht, so besteht in der grösseren Zahl derselben auch der grössere Reichthum des Mannes (l. c.). Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde, Dolche und Schwerter (Semper, Skizzen 62), die Manobos von Davao wissen auch meisterhaft Bogen und Pfeil zu gebrauchen (Cavada II, 223). Ihre Religion und die Sucht, Sclaven zu erwerben, reizt sie zu beständigen Kriegen und Fehden. Sie haben einen ähnlichen Ahnencultus wie die übrigen Malaien Luzons und der Philippinen (Semper 61), überdiess kennen sie noch andere Götter. „So halten sie den Donner für die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt eines abenteuerlichen Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde niederfährt und in die Bäume einschlägt, so soll das Thier, nach ihrer Meinung, mitunter einen seiner Zähne darin stecken lassen” (Semper, Skizzen 61). Der Caiman wird von ihnen heilig gehalten (l. c.), welche Verehrung dieses Thier einst auch von den heidnischen Tagalen genoss (Mas, hist. I, 15). Bezeichnend ist der Name Diuata (Semper, Skizzen 62), der einem ihrer Götter zukommt, es ist dieses Wort gleichlautend mit der Ahnen-Benennung der Visayer. Der Diuata ist der Gott der Erntefeste, man erinnere sich an die religiösen Festlichkeiten, welche die Igorroten zur Erntezeit den Anitos darbringen. Dem Diuata werden Schweine geopfert und, wie bei den Igorroten, an das Opfer eine grosse Schmauserei geknüpft (Mas, pobl. 29). Hochverehrt wird auch der Kriegsgott Tagbusau (Semper 62). Nach beendigter Ernte ziehen die Manobos, wenn die eingeholten Auspicien glückverheissend sind, auf den Kriegspfad. Der Bagani, der als Priester des Tagbusau auch „dessen Talisman” mitträgt, sucht mit seinen Leuten den Feind im Morgenschlummer zu überrumpeln oder hinterrücks im Walde zu überfallen. Alle Erwachsenen werden niedergemetzelt, die Weiber und Kinder aber in die Sclaverei abgeführt (l. c. u. Cavada II, 223). Ihre Bestialität äussert sich sogar in einer Art von Cannibalismus: „Ist der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er (der Bagani) ein heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert, öffnet der Leiche die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die ihm um den Hals hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das Herz oder die Leber heraus, und verzehrt ein Stück davon als Zeichen, dass er nun seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen Volk wird es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das Vorrecht aber auch die Pflicht des fürstlichen Priesters” (Semper, Skizzen 62). Die Schädel der erschlagenen Feinde werden nach Hause mitgenommen, aber nicht nach der bei den Kopfjägern Luzons üblichen Sitte aufbewahrt (Semper, l. c.). Einen der Gefangenen pflegen sie nach glücklich erfolgter Heimkehr gleichsam als Dankopfer dem Tagbusau auf grausame Weise abzuschlachten (Mas, pobl. 40, Semper, l. c.). Wie bei den Negritos wird auch hier jeder Todesfall durch einen Mord eines armen arglosen Wanderers, dem sie im Walde auflauern, wettgemacht (Mas, pobl. 39). Die Manobos der Provinz Surigao scheinen nicht mehr so blutdürstiger Natur zu sein (Cavada II, 206). Ihre Kopfzahl bei Butuan wird auf 10 000 Seelen geschätzt (Jagor, Reisen 322). Mas (pobl. 14) betrachtet sie als Seitenzweig der Igorroten, wohl nur mit Bezugnahme auf ihre Kriegslust und Fressgelage.

39. Mamanuas.Die Mamanuas sind ein Mischlingsvolk von Malaien und Negritos (Semper, Skizzen 49), der malaiische Typus wird wohl bald überwiegen, da sie beständig neue eheliche Verbindungen mit Malaien eingehen (l. c. 136). Sie führen ganz das Leben der Negritos (Semper, l. c. 53). Ihre Wohnsitze sindzwischen Surigao und der Laguna Maïnit, ferner nordwestlich von Llanganzu suchen. Ihre Anzahl ist gering.

39. Mamanuas.

Die Mamanuas sind ein Mischlingsvolk von Malaien und Negritos (Semper, Skizzen 49), der malaiische Typus wird wohl bald überwiegen, da sie beständig neue eheliche Verbindungen mit Malaien eingehen (l. c. 136). Sie führen ganz das Leben der Negritos (Semper, l. c. 53). Ihre Wohnsitze sindzwischen Surigao und der Laguna Maïnit, ferner nordwestlich von Llanganzu suchen. Ihre Anzahl ist gering.

Die Mamanuas sind ein Mischlingsvolk von Malaien und Negritos (Semper, Skizzen 49), der malaiische Typus wird wohl bald überwiegen, da sie beständig neue eheliche Verbindungen mit Malaien eingehen (l. c. 136). Sie führen ganz das Leben der Negritos (Semper, l. c. 53). Ihre Wohnsitze sindzwischen Surigao und der Laguna Maïnit, ferner nordwestlich von Llanganzu suchen. Ihre Anzahl ist gering.

40. Tagbalays.Die Tagbalays wohnen nicht weit von der Ostküste Mindanao’s, in der Nähe von Bislig (Waitz V, 51). Ihr Name kommt auch in den Varianten Tago-Balvoys und Taga-Balooyes vor. Sie sind hellfarbig (Waitz, l. c.), deshalbaber nicht mit japanischem Blute gemengt. Die Japano- und Chino-Manie wird mit Bezug auf die Philippinen bald ähnliche Übertreibungen und voreilige Behauptungen zu Tage fördern, wie die Kelto-Manie von anno dazumal in Deutschland. Mas (pobl. 14) bezeichnet sie als „Igorroten”, wohl aus ähnlichem Grunde, wie bei den Manobos. Ob die in der Ilustracion filipina 1860 n. 17, p. 193, erwähnten Tagabotes mit unseren Tagbalays zu identificiren sind, wage ich nicht zu entscheiden, da sonst (wenigstens in den mir zugänglichen Werken) dieser Volksstamm der Tagabotes nirgendswo anders erwähnt wird.

40. Tagbalays.

Die Tagbalays wohnen nicht weit von der Ostküste Mindanao’s, in der Nähe von Bislig (Waitz V, 51). Ihr Name kommt auch in den Varianten Tago-Balvoys und Taga-Balooyes vor. Sie sind hellfarbig (Waitz, l. c.), deshalbaber nicht mit japanischem Blute gemengt. Die Japano- und Chino-Manie wird mit Bezug auf die Philippinen bald ähnliche Übertreibungen und voreilige Behauptungen zu Tage fördern, wie die Kelto-Manie von anno dazumal in Deutschland. Mas (pobl. 14) bezeichnet sie als „Igorroten”, wohl aus ähnlichem Grunde, wie bei den Manobos. Ob die in der Ilustracion filipina 1860 n. 17, p. 193, erwähnten Tagabotes mit unseren Tagbalays zu identificiren sind, wage ich nicht zu entscheiden, da sonst (wenigstens in den mir zugänglichen Werken) dieser Volksstamm der Tagabotes nirgendswo anders erwähnt wird.

Die Tagbalays wohnen nicht weit von der Ostküste Mindanao’s, in der Nähe von Bislig (Waitz V, 51). Ihr Name kommt auch in den Varianten Tago-Balvoys und Taga-Balooyes vor. Sie sind hellfarbig (Waitz, l. c.), deshalbaber nicht mit japanischem Blute gemengt. Die Japano- und Chino-Manie wird mit Bezug auf die Philippinen bald ähnliche Übertreibungen und voreilige Behauptungen zu Tage fördern, wie die Kelto-Manie von anno dazumal in Deutschland. Mas (pobl. 14) bezeichnet sie als „Igorroten”, wohl aus ähnlichem Grunde, wie bei den Manobos. Ob die in der Ilustracion filipina 1860 n. 17, p. 193, erwähnten Tagabotes mit unseren Tagbalays zu identificiren sind, wage ich nicht zu entscheiden, da sonst (wenigstens in den mir zugänglichen Werken) dieser Volksstamm der Tagabotes nirgendswo anders erwähnt wird.

41. Bagobos.Die Bagobos wohnen in der Quellgegend des Rio de Butuan zwischen Manobos und Mandayas, dann zwischen dem Vulcane Apo und der Stadt Davao und bewohnen selbst mehrere Rancherías unmittelbar an der Küste, darunter Darum oder Daron (Cavada II, 221). Die Bagobos sind ein friedliches Volk (Cavada II, 206), obgleich sie sonst mit den Manobos Lebensweise und Waffen gemeinsam haben. Die Bewohner der Ebenen und Gestade sind rachitisch und kränklich (Cavada II, 223), was wohl nicht allein auf die Kreuzung mit von den Manobos gekauften Sclaven zurückzuführen ist, sondern vielleicht auch, dass sie eben als Bergstamm in den Sumpfniederungen verkümmern. Cavada rühmt ihnen Mässigkeit im Essen, Reinlichkeit und Vertragstreue nach. Sie sind ebenso wie die Manobos, Mamanuas und Tagbalays Heiden.

41. Bagobos.

Die Bagobos wohnen in der Quellgegend des Rio de Butuan zwischen Manobos und Mandayas, dann zwischen dem Vulcane Apo und der Stadt Davao und bewohnen selbst mehrere Rancherías unmittelbar an der Küste, darunter Darum oder Daron (Cavada II, 221). Die Bagobos sind ein friedliches Volk (Cavada II, 206), obgleich sie sonst mit den Manobos Lebensweise und Waffen gemeinsam haben. Die Bewohner der Ebenen und Gestade sind rachitisch und kränklich (Cavada II, 223), was wohl nicht allein auf die Kreuzung mit von den Manobos gekauften Sclaven zurückzuführen ist, sondern vielleicht auch, dass sie eben als Bergstamm in den Sumpfniederungen verkümmern. Cavada rühmt ihnen Mässigkeit im Essen, Reinlichkeit und Vertragstreue nach. Sie sind ebenso wie die Manobos, Mamanuas und Tagbalays Heiden.

Die Bagobos wohnen in der Quellgegend des Rio de Butuan zwischen Manobos und Mandayas, dann zwischen dem Vulcane Apo und der Stadt Davao und bewohnen selbst mehrere Rancherías unmittelbar an der Küste, darunter Darum oder Daron (Cavada II, 221). Die Bagobos sind ein friedliches Volk (Cavada II, 206), obgleich sie sonst mit den Manobos Lebensweise und Waffen gemeinsam haben. Die Bewohner der Ebenen und Gestade sind rachitisch und kränklich (Cavada II, 223), was wohl nicht allein auf die Kreuzung mit von den Manobos gekauften Sclaven zurückzuführen ist, sondern vielleicht auch, dass sie eben als Bergstamm in den Sumpfniederungen verkümmern. Cavada rühmt ihnen Mässigkeit im Essen, Reinlichkeit und Vertragstreue nach. Sie sind ebenso wie die Manobos, Mamanuas und Tagbalays Heiden.

42. Guiangas.Nach Jagor (Reisen 322) wohnt dieser anderswo nicht genannte heidnische Stamm in denselben Districten, zwischen Apo und Davao, welche von den Bagobos bewohnt werden. Der Name dieses Volksstammes erinnert einigermaassen an den der Manguangas. Sie sind von heller Hautfarbe (Cavada II, 223).

42. Guiangas.

Nach Jagor (Reisen 322) wohnt dieser anderswo nicht genannte heidnische Stamm in denselben Districten, zwischen Apo und Davao, welche von den Bagobos bewohnt werden. Der Name dieses Volksstammes erinnert einigermaassen an den der Manguangas. Sie sind von heller Hautfarbe (Cavada II, 223).

Nach Jagor (Reisen 322) wohnt dieser anderswo nicht genannte heidnische Stamm in denselben Districten, zwischen Apo und Davao, welche von den Bagobos bewohnt werden. Der Name dieses Volksstammes erinnert einigermaassen an den der Manguangas. Sie sind von heller Hautfarbe (Cavada II, 223).

43. Vilanen.Die Vilanes oder Bilanes sind ein den obigen ähnlicher Stamm, gleichfalls heidnischer Religion. Sie wohnen südlich von den Bagobos zwischen dem Gebirge und dem westlichen Gestade des Meerbusens von Davao (Jagor, Reisen 322;Cavada II, 220).

43. Vilanen.

Die Vilanes oder Bilanes sind ein den obigen ähnlicher Stamm, gleichfalls heidnischer Religion. Sie wohnen südlich von den Bagobos zwischen dem Gebirge und dem westlichen Gestade des Meerbusens von Davao (Jagor, Reisen 322;Cavada II, 220).

Die Vilanes oder Bilanes sind ein den obigen ähnlicher Stamm, gleichfalls heidnischer Religion. Sie wohnen südlich von den Bagobos zwischen dem Gebirge und dem westlichen Gestade des Meerbusens von Davao (Jagor, Reisen 322;Cavada II, 220).

44. Tagacaolos.Die Tagacaolos hausen südlich von den Vilanen, in den westlichen Gestadelandschaften des Meerbusens von Davao und südlich vom Vulcane Apo.Tagacaolos wohnen auch als Nachbarn der Mandayas nördlich von der Balete-Bai.Ihren Namen scheinen sie vom Flusse Tagalaya herzuleiten, welcher auf jenem Berge entspringt. Ihr Hauptort heisst Malalag (Cavada II, 221). Sie sind ebenfalls Heiden, obwohl es unter ihnen genug Mohammedaner giebt, besonders im Süden, welche aber kaum äusserlich an den Lehren des Korans festhalten. Sie glauben an das Dasein eines übernatürlichen Wesens, das seinen Sitz auf dem Apo hat. „Diesem Genius des Guten und Bösen bringen sie, um ihn zu besänftigen, beständig Menschenopfer, insbesondere, wenn sie sich einbilden, dass er ihnen zürnt, oder auch nur, wenn sie sich vornehmen, Schwefel zu sammeln, damit er es ihnen gestatte” (Ausland 1881, S. 219).

44. Tagacaolos.

Die Tagacaolos hausen südlich von den Vilanen, in den westlichen Gestadelandschaften des Meerbusens von Davao und südlich vom Vulcane Apo.Tagacaolos wohnen auch als Nachbarn der Mandayas nördlich von der Balete-Bai.Ihren Namen scheinen sie vom Flusse Tagalaya herzuleiten, welcher auf jenem Berge entspringt. Ihr Hauptort heisst Malalag (Cavada II, 221). Sie sind ebenfalls Heiden, obwohl es unter ihnen genug Mohammedaner giebt, besonders im Süden, welche aber kaum äusserlich an den Lehren des Korans festhalten. Sie glauben an das Dasein eines übernatürlichen Wesens, das seinen Sitz auf dem Apo hat. „Diesem Genius des Guten und Bösen bringen sie, um ihn zu besänftigen, beständig Menschenopfer, insbesondere, wenn sie sich einbilden, dass er ihnen zürnt, oder auch nur, wenn sie sich vornehmen, Schwefel zu sammeln, damit er es ihnen gestatte” (Ausland 1881, S. 219).

Die Tagacaolos hausen südlich von den Vilanen, in den westlichen Gestadelandschaften des Meerbusens von Davao und südlich vom Vulcane Apo.Tagacaolos wohnen auch als Nachbarn der Mandayas nördlich von der Balete-Bai.Ihren Namen scheinen sie vom Flusse Tagalaya herzuleiten, welcher auf jenem Berge entspringt. Ihr Hauptort heisst Malalag (Cavada II, 221). Sie sind ebenfalls Heiden, obwohl es unter ihnen genug Mohammedaner giebt, besonders im Süden, welche aber kaum äusserlich an den Lehren des Korans festhalten. Sie glauben an das Dasein eines übernatürlichen Wesens, das seinen Sitz auf dem Apo hat. „Diesem Genius des Guten und Bösen bringen sie, um ihn zu besänftigen, beständig Menschenopfer, insbesondere, wenn sie sich einbilden, dass er ihnen zürnt, oder auch nur, wenn sie sich vornehmen, Schwefel zu sammeln, damit er es ihnen gestatte” (Ausland 1881, S. 219).

45. Sanguils.Die Sanguils bewohnen die Halbinsel, welche durch den Meerbusen von Davao und die Sarangani-Bai gebildet wird. Mit den Vilanen und Tagacaolos sollen sie 76 000 Köpfe zählen (Jagor, Reisen 322).

45. Sanguils.

Die Sanguils bewohnen die Halbinsel, welche durch den Meerbusen von Davao und die Sarangani-Bai gebildet wird. Mit den Vilanen und Tagacaolos sollen sie 76 000 Köpfe zählen (Jagor, Reisen 322).

Die Sanguils bewohnen die Halbinsel, welche durch den Meerbusen von Davao und die Sarangani-Bai gebildet wird. Mit den Vilanen und Tagacaolos sollen sie 76 000 Köpfe zählen (Jagor, Reisen 322).

46. Mandayas.Die Mandayas wohnen am Rio Hijo, der in die Bucht von Davao mündet (Cavada II, 222),am Oberlaufe des Rio Agusan und des Rio Sahug, ebenso trifft man Mandayas in dem Hinterlande der Küstenorte Caraga, Santa Maria und Zatagoza (Dr. Montano y Rey).. Dann bewohnen sie den südlichen Theil von Mindanao, von Linao an der Westküste bis zu den grossen Seen im Innern des Landes, sie sind dann auch weiter bis gegen Butuan anzutreffen (Jagor, Reisen 322). Die am Meerbusen von Davao wohnenden sind mit Manguangas vermischt (Jagor, l. c.). Ihre Hautfarbe ist eine sehr helle (Cavada II, 206 u. 223), diess hat Mallat zu der Annahme verleitet, dass sie Mischlinge von Japanen und Visayern sein sollen, was aus historischen Gründen sehr unwahrscheinlich ist; Sir J. Bowring’s Hypothese, nach welcher die Mandayas gar Abkömmlinge von Weissen und Eingeborenen wären, muss bei jedem Kenner der Geschichte Mindanao’s nur Unwillen erzeugen. Schwerwiegend ist jedoch, dass Prof. Semper sich für eine Vermengung mit Chinesen ausgesprochen hat (Semper, Skizzen 59), gegen diese Autorität wage ich es nicht, Etwas einzuwenden. — Sie sind von starker Gestalt und kräftigem Gliederbau, kriegerisch und stets zum Kampfe bereit, mit den Christen aber unterhalten sie freundliche Beziehungen (Cavada II, 206 u. 223). Ihre Waffen sind Lanze, Kris, Pfeil, Bogen und Bolomesser (Cavada II, 223). Während die Mandayas der Provinz Surigao Freunde einer herumschweifenden Lebensweise sind (Cavada II, 206), sind die Mandayas von Davao arbeitsame Leute (Cavada II, 223). Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Skizzen 59).

46. Mandayas.

Die Mandayas wohnen am Rio Hijo, der in die Bucht von Davao mündet (Cavada II, 222),am Oberlaufe des Rio Agusan und des Rio Sahug, ebenso trifft man Mandayas in dem Hinterlande der Küstenorte Caraga, Santa Maria und Zatagoza (Dr. Montano y Rey).. Dann bewohnen sie den südlichen Theil von Mindanao, von Linao an der Westküste bis zu den grossen Seen im Innern des Landes, sie sind dann auch weiter bis gegen Butuan anzutreffen (Jagor, Reisen 322). Die am Meerbusen von Davao wohnenden sind mit Manguangas vermischt (Jagor, l. c.). Ihre Hautfarbe ist eine sehr helle (Cavada II, 206 u. 223), diess hat Mallat zu der Annahme verleitet, dass sie Mischlinge von Japanen und Visayern sein sollen, was aus historischen Gründen sehr unwahrscheinlich ist; Sir J. Bowring’s Hypothese, nach welcher die Mandayas gar Abkömmlinge von Weissen und Eingeborenen wären, muss bei jedem Kenner der Geschichte Mindanao’s nur Unwillen erzeugen. Schwerwiegend ist jedoch, dass Prof. Semper sich für eine Vermengung mit Chinesen ausgesprochen hat (Semper, Skizzen 59), gegen diese Autorität wage ich es nicht, Etwas einzuwenden. — Sie sind von starker Gestalt und kräftigem Gliederbau, kriegerisch und stets zum Kampfe bereit, mit den Christen aber unterhalten sie freundliche Beziehungen (Cavada II, 206 u. 223). Ihre Waffen sind Lanze, Kris, Pfeil, Bogen und Bolomesser (Cavada II, 223). Während die Mandayas der Provinz Surigao Freunde einer herumschweifenden Lebensweise sind (Cavada II, 206), sind die Mandayas von Davao arbeitsame Leute (Cavada II, 223). Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Skizzen 59).

Die Mandayas wohnen am Rio Hijo, der in die Bucht von Davao mündet (Cavada II, 222),am Oberlaufe des Rio Agusan und des Rio Sahug, ebenso trifft man Mandayas in dem Hinterlande der Küstenorte Caraga, Santa Maria und Zatagoza (Dr. Montano y Rey).. Dann bewohnen sie den südlichen Theil von Mindanao, von Linao an der Westküste bis zu den grossen Seen im Innern des Landes, sie sind dann auch weiter bis gegen Butuan anzutreffen (Jagor, Reisen 322). Die am Meerbusen von Davao wohnenden sind mit Manguangas vermischt (Jagor, l. c.). Ihre Hautfarbe ist eine sehr helle (Cavada II, 206 u. 223), diess hat Mallat zu der Annahme verleitet, dass sie Mischlinge von Japanen und Visayern sein sollen, was aus historischen Gründen sehr unwahrscheinlich ist; Sir J. Bowring’s Hypothese, nach welcher die Mandayas gar Abkömmlinge von Weissen und Eingeborenen wären, muss bei jedem Kenner der Geschichte Mindanao’s nur Unwillen erzeugen. Schwerwiegend ist jedoch, dass Prof. Semper sich für eine Vermengung mit Chinesen ausgesprochen hat (Semper, Skizzen 59), gegen diese Autorität wage ich es nicht, Etwas einzuwenden. — Sie sind von starker Gestalt und kräftigem Gliederbau, kriegerisch und stets zum Kampfe bereit, mit den Christen aber unterhalten sie freundliche Beziehungen (Cavada II, 206 u. 223). Ihre Waffen sind Lanze, Kris, Pfeil, Bogen und Bolomesser (Cavada II, 223). Während die Mandayas der Provinz Surigao Freunde einer herumschweifenden Lebensweise sind (Cavada II, 206), sind die Mandayas von Davao arbeitsame Leute (Cavada II, 223). Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Skizzen 59).

47. Subanos.Die Subanos bewohnen jene langgestreckte Halbinsel, welche den äussersten westlichen Ausläufer Mindanao’s bildet. Ihr Name bedeutet so viel als Flussbewohner (Combés 24). Die Geschichte ihrer Abstammung bei Barrantes (Guerras piráticas 417) ist sehr schön, aber für unsere Zwecke nichtbrauchbar. Neuere Schriftsteller und Reisende haben uns keineerweiterteKenntniss dieses malaiischen Volksstammes gebracht, so sind wir denn noch immer auf Combés und Gemelli-Careri angewiesen. Sie sind kriegerisch, und ihre Kriegslust wird durch ähnliche Bräuche angefeuert, wie einst bei den Caragas, nur brauchte der Subano nur einen einzigen Feind zu tödten, um den rothen Kopfbund tragen zu dürfen. Obwohl bei ihnen Blutrache gilt, so kann diese leicht durch Goldstaub gesühnt werden. Geschlechtlichen Ausschweifungen huldigen sie in ebenso grossem Maasse, wie alle ihre Nachbarstämme. Ein Theil von ihnen ist zum Christenthume bekehrt, die übrigen sind Heiden und nur zum geringsten Theile Mohammedaner. Ihre Kopfzahl soll sich auf 70 000 belaufen (Jagor, Reisen 322).

47. Subanos.

Die Subanos bewohnen jene langgestreckte Halbinsel, welche den äussersten westlichen Ausläufer Mindanao’s bildet. Ihr Name bedeutet so viel als Flussbewohner (Combés 24). Die Geschichte ihrer Abstammung bei Barrantes (Guerras piráticas 417) ist sehr schön, aber für unsere Zwecke nichtbrauchbar. Neuere Schriftsteller und Reisende haben uns keineerweiterteKenntniss dieses malaiischen Volksstammes gebracht, so sind wir denn noch immer auf Combés und Gemelli-Careri angewiesen. Sie sind kriegerisch, und ihre Kriegslust wird durch ähnliche Bräuche angefeuert, wie einst bei den Caragas, nur brauchte der Subano nur einen einzigen Feind zu tödten, um den rothen Kopfbund tragen zu dürfen. Obwohl bei ihnen Blutrache gilt, so kann diese leicht durch Goldstaub gesühnt werden. Geschlechtlichen Ausschweifungen huldigen sie in ebenso grossem Maasse, wie alle ihre Nachbarstämme. Ein Theil von ihnen ist zum Christenthume bekehrt, die übrigen sind Heiden und nur zum geringsten Theile Mohammedaner. Ihre Kopfzahl soll sich auf 70 000 belaufen (Jagor, Reisen 322).

Die Subanos bewohnen jene langgestreckte Halbinsel, welche den äussersten westlichen Ausläufer Mindanao’s bildet. Ihr Name bedeutet so viel als Flussbewohner (Combés 24). Die Geschichte ihrer Abstammung bei Barrantes (Guerras piráticas 417) ist sehr schön, aber für unsere Zwecke nichtbrauchbar. Neuere Schriftsteller und Reisende haben uns keineerweiterteKenntniss dieses malaiischen Volksstammes gebracht, so sind wir denn noch immer auf Combés und Gemelli-Careri angewiesen. Sie sind kriegerisch, und ihre Kriegslust wird durch ähnliche Bräuche angefeuert, wie einst bei den Caragas, nur brauchte der Subano nur einen einzigen Feind zu tödten, um den rothen Kopfbund tragen zu dürfen. Obwohl bei ihnen Blutrache gilt, so kann diese leicht durch Goldstaub gesühnt werden. Geschlechtlichen Ausschweifungen huldigen sie in ebenso grossem Maasse, wie alle ihre Nachbarstämme. Ein Theil von ihnen ist zum Christenthume bekehrt, die übrigen sind Heiden und nur zum geringsten Theile Mohammedaner. Ihre Kopfzahl soll sich auf 70 000 belaufen (Jagor, Reisen 322).

48. Manguangas.Die Manguangas wohnen in der Cordillera Sugut auf Mindanao und erstrecken sich bis zu dem grossen See von Boayan oder Magindanao. Sie zählen nach einer älteren Schätzung gegen 80 000 Seelen (Jagor, Reisen 322). Sie sind Heiden; über ihre sonstigen Sitten und Bräuche ist mir Nichts bekannt.

48. Manguangas.

Die Manguangas wohnen in der Cordillera Sugut auf Mindanao und erstrecken sich bis zu dem grossen See von Boayan oder Magindanao. Sie zählen nach einer älteren Schätzung gegen 80 000 Seelen (Jagor, Reisen 322). Sie sind Heiden; über ihre sonstigen Sitten und Bräuche ist mir Nichts bekannt.

Die Manguangas wohnen in der Cordillera Sugut auf Mindanao und erstrecken sich bis zu dem grossen See von Boayan oder Magindanao. Sie zählen nach einer älteren Schätzung gegen 80 000 Seelen (Jagor, Reisen 322). Sie sind Heiden; über ihre sonstigen Sitten und Bräuche ist mir Nichts bekannt.

49. Sameacas.Die Sameacas sind die (heidnischen?) Bewohner des Gebirgsinnern der Insel Basilan. Bis zum XVI. Jahrhundert bewohnten sie auch die Küsten dieses Eilands, da landete aber der Prätendent des Reiches Mindanao, der Paquian Tindig, mit seinen Anhängern und Sclaven auf Basilan und trieb die ursprünglichen Herren des Landes in die Gebirgswälder hinein, wo sie noch heute in völliger Unabhängigkeit leben (Pazos 10). Bei der Dürftigkeit der Nachrichten über diesen Volksstamm lässt sich die Frage gar nicht in Untersuchung ziehen, ob nicht die Sameacas mit den Guimbas zusammen nureinenStamm repräsentiren.

49. Sameacas.

Die Sameacas sind die (heidnischen?) Bewohner des Gebirgsinnern der Insel Basilan. Bis zum XVI. Jahrhundert bewohnten sie auch die Küsten dieses Eilands, da landete aber der Prätendent des Reiches Mindanao, der Paquian Tindig, mit seinen Anhängern und Sclaven auf Basilan und trieb die ursprünglichen Herren des Landes in die Gebirgswälder hinein, wo sie noch heute in völliger Unabhängigkeit leben (Pazos 10). Bei der Dürftigkeit der Nachrichten über diesen Volksstamm lässt sich die Frage gar nicht in Untersuchung ziehen, ob nicht die Sameacas mit den Guimbas zusammen nureinenStamm repräsentiren.

Die Sameacas sind die (heidnischen?) Bewohner des Gebirgsinnern der Insel Basilan. Bis zum XVI. Jahrhundert bewohnten sie auch die Küsten dieses Eilands, da landete aber der Prätendent des Reiches Mindanao, der Paquian Tindig, mit seinen Anhängern und Sclaven auf Basilan und trieb die ursprünglichen Herren des Landes in die Gebirgswälder hinein, wo sie noch heute in völliger Unabhängigkeit leben (Pazos 10). Bei der Dürftigkeit der Nachrichten über diesen Volksstamm lässt sich die Frage gar nicht in Untersuchung ziehen, ob nicht die Sameacas mit den Guimbas zusammen nureinenStamm repräsentiren.

50. Guimbas.Die Guimbas sind die Bewohner der Gebirgswildnisse der Hauptinsel von Sulu. Bei Combés, Fray Juan de la Concepcion und Anderen kommen noch folgende Varianten ihres Namens vor: Guinbajanos, Guimbanos, Quimpanos. Sie sind nach den spanischen Geschichtsschreibern der Philippinen zu derselben Zeit von den einwandernden Mindanaos in das Gebirge geworfen worden als Basilan. Die Jesuiten nannten sie „gente montaraz”, d. h. ebenso wie die heidnischen Bergstämme Luzons, sie sind also in jenen Tagen (1578–1646) Heiden gewesen, während sie sich jetzt wenigstens zum Theil — bei Carondon — zum Islam bekehren liessen, wenigstens nennt Pazos (Joló 194) die in der Nähe Carondons wohnenden GuimbasMorosguimbas montescos.Der Name Guimbas wurde ihnen von den mindanaoischen Eroberern verliehen, er soll soviel wie Trommler bedeuten, da es bei ihnen Sitte ist, im Kriegsfalle durch den Lärm zahlreicher Trommeln sich Muth einzuflössen. Zu demselben Zwecke kauen sie die Wurzel Panayaman(g), welche die Eigenschaft besitzt, den Körper gegen die Schmerzen der Wunden unempfindlich zu machen. Ihre Tapferkeit und ihr Muth sind in der That ausserordentlich, und die Spanier haben zu der Zeit, wo sie im XVII. Jahrhundert vorübergehend (1638–46) Sulu besetzt hielten, mehrmals von ihnen Schlappen erlitten, ein Mal sogar eine ordentliche Niederlage. Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde und Panzer, letztere aus Carabao-(Büffel-)Haut verfertigt, woraus zu schliessen ist, dass sie wenigstens den Carabao als Hausthier besitzen, und da dieses Thier auf den Philippinen nur als Ackerbaumedium benutzt wird, so ist der Schluss gerechtfertigt, dass sie Reisbauer sind. Überdiess besitzen sie auch Pferde (Koner 124). Pazos nennt sie auch nur Halbwilde (semisalvages). Bemerkenswerth ist, dass sie nach Pazos (Joló 10) besonders auf den nördlichen Abhängen des Gebirgsstockes von Sulu wohnen, so dass auf den Südabhängen Platz wäre für die Idanes Dalrymple’s, da ich aber leider kein Exemplar Dalrymple’s auftreiben konnte, so ist es mir unmöglich, auf diesen letzteren Volksstamm näher einzugehen. Nach der Bemerkung in Waitz (V, 46), dass der Name Idan eine Collectivbezeichnung für verschiedene Idiome sprechende heidnische Stämme sei, ist eine Identificirung der Idanes de Joló mit den Guimbas auch nicht unmöglich, man vgl. übrigens das bei den Negritos Erwähnte.

50. Guimbas.

Die Guimbas sind die Bewohner der Gebirgswildnisse der Hauptinsel von Sulu. Bei Combés, Fray Juan de la Concepcion und Anderen kommen noch folgende Varianten ihres Namens vor: Guinbajanos, Guimbanos, Quimpanos. Sie sind nach den spanischen Geschichtsschreibern der Philippinen zu derselben Zeit von den einwandernden Mindanaos in das Gebirge geworfen worden als Basilan. Die Jesuiten nannten sie „gente montaraz”, d. h. ebenso wie die heidnischen Bergstämme Luzons, sie sind also in jenen Tagen (1578–1646) Heiden gewesen, während sie sich jetzt wenigstens zum Theil — bei Carondon — zum Islam bekehren liessen, wenigstens nennt Pazos (Joló 194) die in der Nähe Carondons wohnenden GuimbasMorosguimbas montescos.Der Name Guimbas wurde ihnen von den mindanaoischen Eroberern verliehen, er soll soviel wie Trommler bedeuten, da es bei ihnen Sitte ist, im Kriegsfalle durch den Lärm zahlreicher Trommeln sich Muth einzuflössen. Zu demselben Zwecke kauen sie die Wurzel Panayaman(g), welche die Eigenschaft besitzt, den Körper gegen die Schmerzen der Wunden unempfindlich zu machen. Ihre Tapferkeit und ihr Muth sind in der That ausserordentlich, und die Spanier haben zu der Zeit, wo sie im XVII. Jahrhundert vorübergehend (1638–46) Sulu besetzt hielten, mehrmals von ihnen Schlappen erlitten, ein Mal sogar eine ordentliche Niederlage. Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde und Panzer, letztere aus Carabao-(Büffel-)Haut verfertigt, woraus zu schliessen ist, dass sie wenigstens den Carabao als Hausthier besitzen, und da dieses Thier auf den Philippinen nur als Ackerbaumedium benutzt wird, so ist der Schluss gerechtfertigt, dass sie Reisbauer sind. Überdiess besitzen sie auch Pferde (Koner 124). Pazos nennt sie auch nur Halbwilde (semisalvages). Bemerkenswerth ist, dass sie nach Pazos (Joló 10) besonders auf den nördlichen Abhängen des Gebirgsstockes von Sulu wohnen, so dass auf den Südabhängen Platz wäre für die Idanes Dalrymple’s, da ich aber leider kein Exemplar Dalrymple’s auftreiben konnte, so ist es mir unmöglich, auf diesen letzteren Volksstamm näher einzugehen. Nach der Bemerkung in Waitz (V, 46), dass der Name Idan eine Collectivbezeichnung für verschiedene Idiome sprechende heidnische Stämme sei, ist eine Identificirung der Idanes de Joló mit den Guimbas auch nicht unmöglich, man vgl. übrigens das bei den Negritos Erwähnte.

Die Guimbas sind die Bewohner der Gebirgswildnisse der Hauptinsel von Sulu. Bei Combés, Fray Juan de la Concepcion und Anderen kommen noch folgende Varianten ihres Namens vor: Guinbajanos, Guimbanos, Quimpanos. Sie sind nach den spanischen Geschichtsschreibern der Philippinen zu derselben Zeit von den einwandernden Mindanaos in das Gebirge geworfen worden als Basilan. Die Jesuiten nannten sie „gente montaraz”, d. h. ebenso wie die heidnischen Bergstämme Luzons, sie sind also in jenen Tagen (1578–1646) Heiden gewesen, während sie sich jetzt wenigstens zum Theil — bei Carondon — zum Islam bekehren liessen, wenigstens nennt Pazos (Joló 194) die in der Nähe Carondons wohnenden GuimbasMorosguimbas montescos.

Der Name Guimbas wurde ihnen von den mindanaoischen Eroberern verliehen, er soll soviel wie Trommler bedeuten, da es bei ihnen Sitte ist, im Kriegsfalle durch den Lärm zahlreicher Trommeln sich Muth einzuflössen. Zu demselben Zwecke kauen sie die Wurzel Panayaman(g), welche die Eigenschaft besitzt, den Körper gegen die Schmerzen der Wunden unempfindlich zu machen. Ihre Tapferkeit und ihr Muth sind in der That ausserordentlich, und die Spanier haben zu der Zeit, wo sie im XVII. Jahrhundert vorübergehend (1638–46) Sulu besetzt hielten, mehrmals von ihnen Schlappen erlitten, ein Mal sogar eine ordentliche Niederlage. Ihre Waffen sind Lanzen, Schilde und Panzer, letztere aus Carabao-(Büffel-)Haut verfertigt, woraus zu schliessen ist, dass sie wenigstens den Carabao als Hausthier besitzen, und da dieses Thier auf den Philippinen nur als Ackerbaumedium benutzt wird, so ist der Schluss gerechtfertigt, dass sie Reisbauer sind. Überdiess besitzen sie auch Pferde (Koner 124). Pazos nennt sie auch nur Halbwilde (semisalvages). Bemerkenswerth ist, dass sie nach Pazos (Joló 10) besonders auf den nördlichen Abhängen des Gebirgsstockes von Sulu wohnen, so dass auf den Südabhängen Platz wäre für die Idanes Dalrymple’s, da ich aber leider kein Exemplar Dalrymple’s auftreiben konnte, so ist es mir unmöglich, auf diesen letzteren Volksstamm näher einzugehen. Nach der Bemerkung in Waitz (V, 46), dass der Name Idan eine Collectivbezeichnung für verschiedene Idiome sprechende heidnische Stämme sei, ist eine Identificirung der Idanes de Joló mit den Guimbas auch nicht unmöglich, man vgl. übrigens das bei den Negritos Erwähnte.

51. Die Piratenstämme von Mindanao und Sulu.Unter obiger Bezeichnung fasse ich jene mohammedanischen Malaienstämme zusammen, welche an der Westküste von Mindanao, am Rio Grande de Mindanao, den beiden grossen Seen südlich von diesem Strome an der Laguna de Malanao, an der Küste des Panguil-Busens, in einigen Dörfern an der Nordwestküste Mindanao’s zwischen Zamboanga und Misamis und welche ferner die Küstenbevölkerung der grösseren und die Gesammtbevölkerung der kleineren Sulu-Inseln bilden. Sie werden von den Spaniern je nach ihrem Aufenthaltsorte als Joloanos, Camucones (Bewohner der Inseln südwestlich von Tawi tawi), Tirones (Bewohner der Inseln zwischen Tawi tawi und Borneo), Moros de Balabac, Samales (Bewohner der Inseln südlich von Basilan), Basilanes, Jacanes (auch auf Basilan), Illanos oder Ilanos (an der Baia Illana), Lutaos (bei Zamboanga), Malanaos (am See Malanao), Mindanaos (Mündungsgebiet des Rio Grande und die Küste Ost-Mindanao’s von Pollok bis zur Südspitze der Insel), Tegurayes oder Tinivayanes (Flussgebiet des Rio Grande de Mindanao) bezeichnet.Sie sind Mischlinge von den in den diesbezüglichen Ländern erbgesessenen Visayer- oder (auf Mindanao zum Theile) Manobos-, Mandayas-, Subanos-Stämmen und von den von Borneo und den Molukken her einfallenden mohammedanischen Stämmen. Balabac ist von Borneo her mit dieser neuen Bevölkerung versehen worden. Gerade als die Spanier unter Legazpi, 1565–1572, sich des Archipels bemächtigten, machten sie einer grossartigen, continuirlichen, wenn auch geräuschlosen und friedlichen Invasion von Borneo-Malaien ein Ende, damals waren, wie Morga, Fr. Gaspar de S. Augustin, Fray Juan de la Concepcion uns melden, in allen Theilen der Philippinen, mit Ausnahme der nördlichen Landschaften Luzons, Borneaner nicht nur als Kauffahrer, sondern auch als mohammedanische Proselytenmacher und Stifter neuer Dynastien und Reiche thätig. Die Vasallenfürsten der Sultane von Manila und Tondo waren alle Borneaner, sowie vielleicht ihre Herren selbst. Noch 1585 (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 651) zahlten die Bewohner der Calamianen den Spaniern und dem Sultan von Borneo zugleich Tribut. Nach Argensola, Combés, Fr. Juan &c. hat Mindanao seine mohammedanische Bevölkerung durch Einwanderung von Ternate erhalten, wie denn auch im XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts die Sultane von Mindanao und Buhayen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnisse zu den Sultanen von Ternate standen, welches sich erst löste, als letztere sich den Holländern unterwarfen und in den Kämpfen zwischen letzteren und den Spaniern eine bedeutende Einbusse an Macht und Gebietsumfang erlitten. Am gemengtesten erscheint die Bevölkerung von Sulu. Die Nachrichten von Dalrymple30, Crawfurd30, Hunt30und Forrest widersprechen zum Theil sehr jenen Nachrichten, welche uns die spanischen Historiker des XVI. und XVII. Jahrhunderts bringen. Es ist zu bedauern, dass W. Koner in seiner Monographie des Sulu-Archipels (Erdk. 1867, II, 105 f.) nur englischen und holländischen Quellen gefolgt ist, denn jene spanischen mönchischen Geschichtsschreiber bringen sehr zuverlässige Nachrichten, die meist von Missionären ihrer Orden stammten, welche lange Jahre in jenen Ländern zugebracht hatten, ja Combés war selbst geraume Zeit in Mindanao thätig. Auch die französischen, englischen und holländischen Quellen weichen sehr voneinander ab. Das eine aber scheint sicherzustellen, dass die heutigen Dattos oder Feudalfürsten Sulu’s von Mindanao, indirect also von Ternate herstammen, einige Dattos stammen auch von Butuan ab, letzteres aber war auch von Ternate her colonisirt und dann die maurische oder Moslimbevölkerung von den Spaniern verjagt worden31. Doch schon vor dieser Invasion hatten auf jener Hauptinsel Sulu sich auch Javanen (Bastian V, 275; man vgl. auchKoner 123) gezeigt, auch kamen einmal Einwanderer aus Johore (Bastian, l. c.). Vermischungen mit Dayaks sollen auch Statt gefunden haben (Novara-Reise, Ethnogr. Theil 32), was vielleicht auf eine Vermengung mit Dayaksclavinnen zu deuten ist. Eine Zeit hindurch (vor Magallanes) gehörte die Insel auch zum Reiche Bandjermassing von Borneo und erhielt von dort auch Zuzug (Koner 122). Übrigens dürften die heutigen Sulus und Mindanaos physisch sich gar nicht von den Visayern unterscheiden, denn seit Jahrhunderten haben sie Tausende von Visayern von ihren Raubzügen aus den Philippinen heimgebracht, welche bei ihnen, man kann es ruhig sagen, zu 95% blieben und mit ihnen zu einem Volke verschmolzen. In Sulu selbst dürfte auch eine verhältnissmässig nicht unbeträchtliche und historisch nachweisbare Vermischung mit Chinesen Statt gefunden haben, indem diese seit dem XVII. Jahrhundert sich in der Hauptstadt zu einer fluctuirenden, nur aus Männern bestehenden Handelscolonie niederliessen, deren Mitglieder gewiss ebensogut mit eingeborenen Weibern Kinder zeugten, wie in den spanischen Philippinen. Die anderen fremdartigen Beimengungen sind gar nicht der Rede werth, die Zahl der arabischen Prediger und der spanischen, mejicanischen und peruanischen Renegaten des XVI., XVII. und XVIII. Jahrhunderts war eine zu geringe, als dass sie einen Einfluss auf die Rassenbildung hätte äussern können.Was ihr Äusseres anbelangt, so sind sie von mittlerer Körpergrösse mit normalem Brustkorbe und schlanker Taille; der Kopf ist rund und klein, die Augen sind von dunkler Farbe und horizontal und weit gespalten, die Lippen sind schmal, die Nase ist stumpf geformt, die Hautfarbe ist gelblichfahl; die Kopfhaare—welche von den Männern meist rasirt werden—weisen eine tiefschwarze Farbe auf und sind rauh anzufühlen, die Augenbrauen sind spärlich, dasselbe gilt vom Barte, der oft gänzlich fehlt; bemerkenswerth ist noch die Sitte, die Zähne schwarz zu färben, auch fällt auf, dass die Beine meist säbelförmig auswärts gebogen sind (Garín 126).Alle diese mohammedanischen Piratenstämme, diese „Moros” der Spanier, haben ausser der Religion ein gemeinsames charakteristisches Merkmal, das sie scharf von den übrigen Malaienstämmen der Philippinen scheidet, und das ist die Feudalverfassung. Nur an der Bai von Manila fanden die Spanier Legazpi’s ähnliche Verhältnisse, doch hier war eben bereits fremder, speciell borneanischer Einfluss im Spiele.Was zunächst die Feudalverfassung anbelangt, so zerfallen alle die ehemaligen und zum Theile noch existirenden Sultanate von Sulu, Mindanao, Buhayen, Butig, Sibugney &c.in eine grosse Anzahl von kleinen Lehensfürstenthümern, deren Chefs den uns schon bekannten Namen Datto führen. Selten herrscht ein Datto über mehr als ein Dorf, und beständig fanden neue Gründungen von solchen Datto-Herrschaften Statt und zwar in der Weise, dass ein Datto- oder Sultans-Sohn mit einigen Sclaven auf einen Piratenzug auslief und mit den geraubten Sclaven eine neue Niederlassung in einer noch unbewohnten Gegend oder Insel gründete, welche durch neue Sclavenjagden immer neuen Zuwachs erhielt. Die Dattos sind die eigentlichen Herren gewesen, neben denen der Sultan nur die Rolle des primus inter pares spielte, ohne deren Einwilligung er auch nicht den geringsten politischen Act vornehmen durfte. Combés, Dampier, Forrest, Sprengel, Deguignes, Renouard de St.-Croix, Koner, Barrantes und Pazos haben darüber manches interessante Detail veröffentlicht, von welchem ich hier das Interessanteste und Wichtigste hervorheben will, wobei ich mich nur auf die Verhältnisse im Sultanate Sulu und dem von Mindanao (jetzt der spanische District Cotta-bató) beschränke.In beiden Ländern war das Sultanat erblich, doch gab es keine geregelte Thronfolge, sondern der Sultan besass das Recht, sich seinen Nachfolger aus seinen nächsten Nachkommen und Verwandten zu erwählen, doch übten die Dattos dabei ein Anerkennungsrecht aus. In Mindanao giebt es folgende Adelsstufen: Tuam, so viel wie Herr, Junker; Orancaya so viel wie Magnat und Cachil gleich Prinz von königlichem Geblüte. Auf Sulu ist diese Hierarchie eine viel verwickeltere, der Sultan geniesst mehrere Titulaturen und zwar immer Maulana, so viel als Majestät; ist er der Enkel eines Sultans, so führt er noch den Titel Paduca, ist er der Sohn eines solchen, so fügt er noch den Titel Majarasin, d. h. der Reine und Erhabene, hinzu. Der Thronfolger in Sulu heisst Rajá-Muda. Einzelne Dattos bilden eine Art Ministercollegium: der Grossvezier (Datto Interino der Spanier), der Generalissimus der Landtruppen und Kriegsminister (Datto Realao), der Oberstlandrichter (Datto Mitsainguir). Wird ein grosser Kriegszug unternommen, so tritt an die Spitze der Streitkräfte der Pauliman, Orancaya oder Salicaya, je nachdem zu Lande oder zu Wasser, oder zu Wasser und zu Lande der Krieg geführt werden soll. Jeder Datto hat einen Grossvezier, der Monabe genannt wird.Der Sultan versammelt in allen wichtigen Angelegenheiten die Dattos um sich, um ihre Einwilligung einzuholen. Auf allen Vertragsurkunden müssen die Unterschriften der Dattos neben die des Sultans gesetzt werden, sonst wäre der Vertrag ungültig.Da die Macht und das Ansehen der Dattos vornämlich nur auf der Zahl der Sclaven beruhte, so suchten sich die Mindanaos und Sulus durch grossartige Piratenzüge, welche mitunter sich bis nach Banka und Billiton erstreckten, vorzugsweise aber gegen Celebes und die Philippinen gerichtet waren, solche zu verschaffen. Schon vor Ankunft der Spanier stand die Piraterie in schönster Blüthe (Mas I, 28). Geführt von Renegaten überfielen sie mit ihren leichten und seichtgehenden Schiffen die Küstenniederlassungen, verbrannten die Dörfer, vernichteten das auf den Feldern stehende Getreide, hieben die Fruchtbäume um und schleppten die Dorfbewohner in die Sclaverei, lange bevor die tiefgehenden spanischen Kriegsschiffe zur Rettung anlangen konnten. Von je drei Gefangenen erhielt der Datto, der die Expedition ausrüstete, zwei, einer gebührte der Mannschaft. Man kann sich einen Begriff von der Ausdehnung dieser Piratenzüge machen, wenn man erfährt, dass diese Piraten in 30 Jahren 20 000 Gefangene in den Philippinen allein gemacht hatten (Jagor, Reisen 180). Selbst die Einführung von seichtgehenden Dampfkanonenbooten befreite die Philippinen nicht von dieser Plage. „Die leichten, flachen, sehr stark mit Ruderern bemannten Boote (der Piraten) sind so geschwind, dass nur die schnellsten Dampfer ihnen folgen können, diese verrathen sich aber schon aus grosser Ferne an ihrer Rauchsäule, so dass die nur wenige Fuss über das Wasser ragenden und folglich in sehr geringer Ferne unsichtbaren Pancos gewöhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen” (Jagor, Reiseskizzen 86). Auch die wiederholten Expeditionen, mit welchen früher die Spanier diese Piratennester durch Niederbrennen zu vernichten suchten, halfen Nichts, es bemerkte hierüber schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein spanischer Stabsofficier im Kriegsrathe zu Manila: „Sie (die Piraten) verändern die Lage einer Stadt mit derselbigen Leichtigkeit, wie wir den Ankerplatz eines Schiffes, und es liegt ihnen wenig daran, sie zehn Leguas weiter oben oder weiter unten neu zu begründen, denn überall finden sie Berglehnen zum Feldbau, gutes Schiffsbauholz, Nipa-Palmen zum Dachdecken und Mangel-Sümpfe, um sich bei drohender Gefahr zu verbergen”(Fr. Juan XIII, 378). Man vergleiche übrigens über die Schwierigkeit, sie in ihrem eigenen Lande zu bekämpfen, die gute Bemerkung in Pazos, Joló, p. 378. Erst durch die Eroberung Sulu’s und die kostspielige Occupation des Mündungsgebietes des Rio Grande de Mindanao ist die Piraterie einigermaassen, aber nicht gänzlich unterdrückt worden.Der Islam ist zwar die herrschende Religion, an der seine Bekenner mit fanatischem Eifer hängen, aber die Vorschriften des Korans werden nur oberflächlich erfüllt, der Genuss des Schweinefleisches und spirituöser Getränke ist allgemein. Auf Sulu heisst die höchste geistliche Autorität Sarif (Scherif), dann folgt der Jabdi und endlich die Panditás. Die Polygamie gestattet natürlich der Islam, gewöhnlich aber begnügt sich auch der Vornehme mit einem Weibe, Koner will hierin den Einfluss der gefangenen Christinnen bemerken.Bei diesen Piratenstämmen ist der Knechtsdienst, den der Bräutigam seinem Schwiegervater in spe bei den Tagalen und Visayern zu leisten hat, nicht gebräuchlich. Der Bräutigam kauft die Frau von ihrem Vater für Schiffe, Kanonen, Feuerwaffen, Munition &c.; ist der Schwiegervater ein nobler Mann, so giebt er seiner Tochter eine aus ähnlichen Dingen bestehende Mitgift. Am Vorabende der Hochzeit führt der Pandit die Brautleute jedes in ein besonderes Häuschen, wo sie sich beide festlich schmücken. Am anderen Tage geleitet der Pandit unter Trommelwirbel den Bräutigam in das Häuschen seiner Braut, welche unter Zeugen, besonders Flaggen, verborgen liegt. Der Pandit wiederholt drei Mal die Frage, ob der Bräutigam jenes Weib zu ehelichen wünsche, welches unter dieser Hülle sich befände. Kaum hat der Bräutigam diess bejaht, so springt die Braut aus ihrem Verstecke hervor und läuft davon, verfolgt von dem Bräutigam und den Gästen. Hat der Bräutigam oder vielmehr Gatte sein Weibchen eingeholt, so zieht er sich auf ein einsames Plätzchen zurück, um sofort das matrimonium zu einem consumatum zu machen. Diese Ceremonie ist nur beim Einholen der legitimen Frau—„Dayana” genannt—üblich. Die Sittenlosigkeit ist bei der affenartigen Geilheit dieser Piraten zügellos, und die Zustände, wie sie Dampier in Mindanao fand, sind auch bis heute sich gleichgeblieben. Das Abtreiben der Leibesfrucht findet sehr häufig Statt (Garín 176).Bei schweren Erkrankungen32suchen die Panditen durch Recitiren von Koransuren und Gebeten den Patienten zu heilen. Stirbt ein Vornehmer, so werden Kanonenschüsse abgefeuert und vor dem Hause desselben Trommeln geschlagen und mit verschiedenen Musikinstrumenten ein höllisches Concert angestimmt. Der Todte wird, nachdem der Priester ihn gewaschen, in ein weisses Kleid gehüllt und angethan mit seinem Kris in einer Kiste unter grossem Spectakel begraben. Die Hinterbliebenen tragen zum Zeichen der Trauer einen weissen Turban und verbringen acht Tage mit Wehklagen auf dem Grabe des Dahingeschiedenen. Die Panditen beten noch länger, bis zu 40 Tagen, und werden dann von den Hinterbliebenen reichlich beschenkt.Der Ackerbau obliegt den Sclaven (Sácopes) und umfasst Reis, Mais, Camote und verschiedene Gemüse, auch Cacao wird gepflanzt, Cocoswälder bilden aber den Hauptreichthum. Der Viehstand weist Pferde, Rinder, Büffel, Ziegen, Hühner und Tauben auf.Die Bauart der Hütten unterscheidet sich nicht von der der Tagalen und Visayer, nur werden dieselben mit Vorliebe direct über dem Wasser erbaut. Bambusstege führen von einem Hause zum andern, so dass durch Wegziehen derselben jedes Haus isolirt im Wasser dasteht. Am Lande pflegen sie feste Forts aus Palissadenzäunen, welche durch Korallenblöcke vor Kanonenkugeln gesichert sind, zu errichten.Die Tracht besteht aus Jacke, weiten Hosen, einem Turban oder einer fezähnlichen, aber aus leichterem Stoffe verfertigten Mütze. Auch die Weiber tragen, wenigstens auf Sulu, Hosen (Garín 124), auf Mindanao aber auch Röcke. Die Dattos führen schön bemalte Schilde mit sich, als Waffen dienen Feuergewehr, Bogen und Pfeil, Lanze, Kris und ein gegen das Ende zu breiter werdendes krummes Schwert. Seltener sind Panzer aus eisernen Maschenhemden, oder aus zusammengefügten Muschelschalen oder Büffelhaut verfertigt, manche schützen den Körper durch den Cambut, einen dicken Gürtel aus grober Baumwolle, der mehrmals um den Leib herumgeschlungen wird. Die meisten begnügen sich mit dem Schutze, den ihnen ihre Schilde gewähren, welche aus hartem Holz, das mitunter noch mit Büffelleder überzogen ist, in zweierlei Grössen verfertigt werden; die runden Schilde decken nur den halben, die eckigen den ganzen Körper, letztere werden auch an den Bordwänden der Schiffe aufgerichtet, um als Brustwehr zu dienen. Die Landbefestigungen und Schiffe sind mit zahlreichem (meist geraubtem) Geschütz des verschiedenartigsten Calibers versehen, doch wissen die Piraten sie nicht gut zu bedienen.Ohne Compass schwärmen sie mit ihren leichten Schiffen bis nach Singapore hin. Ihre Fahrzeuge zeichnen sich alle durch besondere Schnelligkeit und geringen Tiefgang aus, einen Kiel besitzen nur die Panco, Guban und Garay genannten Schiffsgattungen. Der Panco hat die Form und den Tonnengehalt einer flachen Küstenbrigantine und hat, wie alle Schiffe dieser Piratenstämme, keinen einzigen Nagel oder Eisenbestandtheil aufzuweisen. Die übrigen Boote, Salisipans, Barotos, Lancans, Vintas, Dalamas, sind nur aus einem ausgehöhlten Baumstamm verfertigt und mit Ausliegern—„Batangas”—versehen. Alle Schiffe sind auf Fortbewegung durch Ruder eingerichtet, letztere—Gayong genannt—haben die Form der Ruder europäischer Galeeren. Das Steuerruder ist bei den grösseren Schiffen mitunter in derselben Weise und Form angebracht, als diess bei europäischen Schiffen der Fall ist, meistentheils sind es aber blos zwei oder ein Schaufelruder am Buge. Die Mastbäume sind dreigetheilt in eine Spitze zusammenlaufend, ähnlich den drei Stützen der Malerstaffelei. Die Segel sind stets viereckig und das Segelzeug bunt gefärbt.Pazos (Joló 7) schliesst seine Beschreibung ihrer Schiffe mit folgenden Worten: „Der leichte Bau ihrer Fahrzeuge ermöglicht bei ihrem geringen Gewichte und seichtem Tiefgang eine schnelle Fahrt; wenn sich die Piraten verfolgtsehen, so segeln sie kaltblütig, weil für sie ohne Gefahr, durch die gefährlichsten Klippenreihen durch, wohin ihnen auch die kleinsten Kanonenboote nicht folgen können, und falls einmal (innerhalb der Klippen oder am Strande) die Seichtigkeit des Wassers die Weiterfahrt unmöglich macht, dann wirft sich die Mannschaft einfach in’s Wasser und schleift das Boot in’s tiefere Wasser oder trägt es selbst auf seinen Schultern dahin, worauf die Bemannung wieder an Bord steigt und ruhig seine Fahrt fortsetzt, auf diese Weise nur zu oft die Verfolgung, welche unsere Kreuzer anstellen, illusorisch machend”.Sie sind leidenschaftliche Tabakraucher und Betelkäuer, aber diese Reizmittel genügen ihnen nicht, sie rauchen auch Opium aus langen Rohrpfeifen (Garín 127;Pazos 205). Unter den Betel wird gewöhnlich Opium, ja auch Theriak gemengt (Garín I, 27). Musik und Tanz wird gepflegt, letzterer wird gewöhnlich nur von Mädchen33, Sclavinnen, zumeist zur Ergötzung der Dattos aufgeführt. Ihnen eigenthümliche Instrumente sind der Agun oder Agon und Culintangang (Ilustr. del Oriente 1877, n. 10, p. 4), der Agun ist nichts Anderes als eine metallene, auf einer Seite offene Kugel, während der Culintangang aus mehreren geschlossenen Metalldecken besteht, welche mit zwei Holzklöppeln geschlagen werden.Die Industrie reducirt sich auf Schiffsbau, Waffenschmiedekunst und grobe Hauswebewaaren, dagegen ist der Handel blühend. Besonders Sulu ist der Hauptsitz der Trepang- und Perlfischerei, sowie des Handels mit Salangan-Schwalbennestern, Ambra und Schildkrotschalen. Die Chinesen concentriren den Handel ganz in ihre Hände. Der schwungvolle Handel, welchen die Sulus und Mindanaos durch Verkauf der gefangenenChristeninBataviabetrieben, hat bereits im vorigen Jahrhundert aufgehört.Sie lassen nicht nur Hähne, sondern auch Büffel gegeneinander kämpfen.

51. Die Piratenstämme von Mindanao und Sulu.

Unter obiger Bezeichnung fasse ich jene mohammedanischen Malaienstämme zusammen, welche an der Westküste von Mindanao, am Rio Grande de Mindanao, den beiden grossen Seen südlich von diesem Strome an der Laguna de Malanao, an der Küste des Panguil-Busens, in einigen Dörfern an der Nordwestküste Mindanao’s zwischen Zamboanga und Misamis und welche ferner die Küstenbevölkerung der grösseren und die Gesammtbevölkerung der kleineren Sulu-Inseln bilden. Sie werden von den Spaniern je nach ihrem Aufenthaltsorte als Joloanos, Camucones (Bewohner der Inseln südwestlich von Tawi tawi), Tirones (Bewohner der Inseln zwischen Tawi tawi und Borneo), Moros de Balabac, Samales (Bewohner der Inseln südlich von Basilan), Basilanes, Jacanes (auch auf Basilan), Illanos oder Ilanos (an der Baia Illana), Lutaos (bei Zamboanga), Malanaos (am See Malanao), Mindanaos (Mündungsgebiet des Rio Grande und die Küste Ost-Mindanao’s von Pollok bis zur Südspitze der Insel), Tegurayes oder Tinivayanes (Flussgebiet des Rio Grande de Mindanao) bezeichnet.Sie sind Mischlinge von den in den diesbezüglichen Ländern erbgesessenen Visayer- oder (auf Mindanao zum Theile) Manobos-, Mandayas-, Subanos-Stämmen und von den von Borneo und den Molukken her einfallenden mohammedanischen Stämmen. Balabac ist von Borneo her mit dieser neuen Bevölkerung versehen worden. Gerade als die Spanier unter Legazpi, 1565–1572, sich des Archipels bemächtigten, machten sie einer grossartigen, continuirlichen, wenn auch geräuschlosen und friedlichen Invasion von Borneo-Malaien ein Ende, damals waren, wie Morga, Fr. Gaspar de S. Augustin, Fray Juan de la Concepcion uns melden, in allen Theilen der Philippinen, mit Ausnahme der nördlichen Landschaften Luzons, Borneaner nicht nur als Kauffahrer, sondern auch als mohammedanische Proselytenmacher und Stifter neuer Dynastien und Reiche thätig. Die Vasallenfürsten der Sultane von Manila und Tondo waren alle Borneaner, sowie vielleicht ihre Herren selbst. Noch 1585 (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 651) zahlten die Bewohner der Calamianen den Spaniern und dem Sultan von Borneo zugleich Tribut. Nach Argensola, Combés, Fr. Juan &c. hat Mindanao seine mohammedanische Bevölkerung durch Einwanderung von Ternate erhalten, wie denn auch im XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts die Sultane von Mindanao und Buhayen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnisse zu den Sultanen von Ternate standen, welches sich erst löste, als letztere sich den Holländern unterwarfen und in den Kämpfen zwischen letzteren und den Spaniern eine bedeutende Einbusse an Macht und Gebietsumfang erlitten. Am gemengtesten erscheint die Bevölkerung von Sulu. Die Nachrichten von Dalrymple30, Crawfurd30, Hunt30und Forrest widersprechen zum Theil sehr jenen Nachrichten, welche uns die spanischen Historiker des XVI. und XVII. Jahrhunderts bringen. Es ist zu bedauern, dass W. Koner in seiner Monographie des Sulu-Archipels (Erdk. 1867, II, 105 f.) nur englischen und holländischen Quellen gefolgt ist, denn jene spanischen mönchischen Geschichtsschreiber bringen sehr zuverlässige Nachrichten, die meist von Missionären ihrer Orden stammten, welche lange Jahre in jenen Ländern zugebracht hatten, ja Combés war selbst geraume Zeit in Mindanao thätig. Auch die französischen, englischen und holländischen Quellen weichen sehr voneinander ab. Das eine aber scheint sicherzustellen, dass die heutigen Dattos oder Feudalfürsten Sulu’s von Mindanao, indirect also von Ternate herstammen, einige Dattos stammen auch von Butuan ab, letzteres aber war auch von Ternate her colonisirt und dann die maurische oder Moslimbevölkerung von den Spaniern verjagt worden31. Doch schon vor dieser Invasion hatten auf jener Hauptinsel Sulu sich auch Javanen (Bastian V, 275; man vgl. auchKoner 123) gezeigt, auch kamen einmal Einwanderer aus Johore (Bastian, l. c.). Vermischungen mit Dayaks sollen auch Statt gefunden haben (Novara-Reise, Ethnogr. Theil 32), was vielleicht auf eine Vermengung mit Dayaksclavinnen zu deuten ist. Eine Zeit hindurch (vor Magallanes) gehörte die Insel auch zum Reiche Bandjermassing von Borneo und erhielt von dort auch Zuzug (Koner 122). Übrigens dürften die heutigen Sulus und Mindanaos physisch sich gar nicht von den Visayern unterscheiden, denn seit Jahrhunderten haben sie Tausende von Visayern von ihren Raubzügen aus den Philippinen heimgebracht, welche bei ihnen, man kann es ruhig sagen, zu 95% blieben und mit ihnen zu einem Volke verschmolzen. In Sulu selbst dürfte auch eine verhältnissmässig nicht unbeträchtliche und historisch nachweisbare Vermischung mit Chinesen Statt gefunden haben, indem diese seit dem XVII. Jahrhundert sich in der Hauptstadt zu einer fluctuirenden, nur aus Männern bestehenden Handelscolonie niederliessen, deren Mitglieder gewiss ebensogut mit eingeborenen Weibern Kinder zeugten, wie in den spanischen Philippinen. Die anderen fremdartigen Beimengungen sind gar nicht der Rede werth, die Zahl der arabischen Prediger und der spanischen, mejicanischen und peruanischen Renegaten des XVI., XVII. und XVIII. Jahrhunderts war eine zu geringe, als dass sie einen Einfluss auf die Rassenbildung hätte äussern können.Was ihr Äusseres anbelangt, so sind sie von mittlerer Körpergrösse mit normalem Brustkorbe und schlanker Taille; der Kopf ist rund und klein, die Augen sind von dunkler Farbe und horizontal und weit gespalten, die Lippen sind schmal, die Nase ist stumpf geformt, die Hautfarbe ist gelblichfahl; die Kopfhaare—welche von den Männern meist rasirt werden—weisen eine tiefschwarze Farbe auf und sind rauh anzufühlen, die Augenbrauen sind spärlich, dasselbe gilt vom Barte, der oft gänzlich fehlt; bemerkenswerth ist noch die Sitte, die Zähne schwarz zu färben, auch fällt auf, dass die Beine meist säbelförmig auswärts gebogen sind (Garín 126).Alle diese mohammedanischen Piratenstämme, diese „Moros” der Spanier, haben ausser der Religion ein gemeinsames charakteristisches Merkmal, das sie scharf von den übrigen Malaienstämmen der Philippinen scheidet, und das ist die Feudalverfassung. Nur an der Bai von Manila fanden die Spanier Legazpi’s ähnliche Verhältnisse, doch hier war eben bereits fremder, speciell borneanischer Einfluss im Spiele.Was zunächst die Feudalverfassung anbelangt, so zerfallen alle die ehemaligen und zum Theile noch existirenden Sultanate von Sulu, Mindanao, Buhayen, Butig, Sibugney &c.in eine grosse Anzahl von kleinen Lehensfürstenthümern, deren Chefs den uns schon bekannten Namen Datto führen. Selten herrscht ein Datto über mehr als ein Dorf, und beständig fanden neue Gründungen von solchen Datto-Herrschaften Statt und zwar in der Weise, dass ein Datto- oder Sultans-Sohn mit einigen Sclaven auf einen Piratenzug auslief und mit den geraubten Sclaven eine neue Niederlassung in einer noch unbewohnten Gegend oder Insel gründete, welche durch neue Sclavenjagden immer neuen Zuwachs erhielt. Die Dattos sind die eigentlichen Herren gewesen, neben denen der Sultan nur die Rolle des primus inter pares spielte, ohne deren Einwilligung er auch nicht den geringsten politischen Act vornehmen durfte. Combés, Dampier, Forrest, Sprengel, Deguignes, Renouard de St.-Croix, Koner, Barrantes und Pazos haben darüber manches interessante Detail veröffentlicht, von welchem ich hier das Interessanteste und Wichtigste hervorheben will, wobei ich mich nur auf die Verhältnisse im Sultanate Sulu und dem von Mindanao (jetzt der spanische District Cotta-bató) beschränke.In beiden Ländern war das Sultanat erblich, doch gab es keine geregelte Thronfolge, sondern der Sultan besass das Recht, sich seinen Nachfolger aus seinen nächsten Nachkommen und Verwandten zu erwählen, doch übten die Dattos dabei ein Anerkennungsrecht aus. In Mindanao giebt es folgende Adelsstufen: Tuam, so viel wie Herr, Junker; Orancaya so viel wie Magnat und Cachil gleich Prinz von königlichem Geblüte. Auf Sulu ist diese Hierarchie eine viel verwickeltere, der Sultan geniesst mehrere Titulaturen und zwar immer Maulana, so viel als Majestät; ist er der Enkel eines Sultans, so führt er noch den Titel Paduca, ist er der Sohn eines solchen, so fügt er noch den Titel Majarasin, d. h. der Reine und Erhabene, hinzu. Der Thronfolger in Sulu heisst Rajá-Muda. Einzelne Dattos bilden eine Art Ministercollegium: der Grossvezier (Datto Interino der Spanier), der Generalissimus der Landtruppen und Kriegsminister (Datto Realao), der Oberstlandrichter (Datto Mitsainguir). Wird ein grosser Kriegszug unternommen, so tritt an die Spitze der Streitkräfte der Pauliman, Orancaya oder Salicaya, je nachdem zu Lande oder zu Wasser, oder zu Wasser und zu Lande der Krieg geführt werden soll. Jeder Datto hat einen Grossvezier, der Monabe genannt wird.Der Sultan versammelt in allen wichtigen Angelegenheiten die Dattos um sich, um ihre Einwilligung einzuholen. Auf allen Vertragsurkunden müssen die Unterschriften der Dattos neben die des Sultans gesetzt werden, sonst wäre der Vertrag ungültig.Da die Macht und das Ansehen der Dattos vornämlich nur auf der Zahl der Sclaven beruhte, so suchten sich die Mindanaos und Sulus durch grossartige Piratenzüge, welche mitunter sich bis nach Banka und Billiton erstreckten, vorzugsweise aber gegen Celebes und die Philippinen gerichtet waren, solche zu verschaffen. Schon vor Ankunft der Spanier stand die Piraterie in schönster Blüthe (Mas I, 28). Geführt von Renegaten überfielen sie mit ihren leichten und seichtgehenden Schiffen die Küstenniederlassungen, verbrannten die Dörfer, vernichteten das auf den Feldern stehende Getreide, hieben die Fruchtbäume um und schleppten die Dorfbewohner in die Sclaverei, lange bevor die tiefgehenden spanischen Kriegsschiffe zur Rettung anlangen konnten. Von je drei Gefangenen erhielt der Datto, der die Expedition ausrüstete, zwei, einer gebührte der Mannschaft. Man kann sich einen Begriff von der Ausdehnung dieser Piratenzüge machen, wenn man erfährt, dass diese Piraten in 30 Jahren 20 000 Gefangene in den Philippinen allein gemacht hatten (Jagor, Reisen 180). Selbst die Einführung von seichtgehenden Dampfkanonenbooten befreite die Philippinen nicht von dieser Plage. „Die leichten, flachen, sehr stark mit Ruderern bemannten Boote (der Piraten) sind so geschwind, dass nur die schnellsten Dampfer ihnen folgen können, diese verrathen sich aber schon aus grosser Ferne an ihrer Rauchsäule, so dass die nur wenige Fuss über das Wasser ragenden und folglich in sehr geringer Ferne unsichtbaren Pancos gewöhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen” (Jagor, Reiseskizzen 86). Auch die wiederholten Expeditionen, mit welchen früher die Spanier diese Piratennester durch Niederbrennen zu vernichten suchten, halfen Nichts, es bemerkte hierüber schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein spanischer Stabsofficier im Kriegsrathe zu Manila: „Sie (die Piraten) verändern die Lage einer Stadt mit derselbigen Leichtigkeit, wie wir den Ankerplatz eines Schiffes, und es liegt ihnen wenig daran, sie zehn Leguas weiter oben oder weiter unten neu zu begründen, denn überall finden sie Berglehnen zum Feldbau, gutes Schiffsbauholz, Nipa-Palmen zum Dachdecken und Mangel-Sümpfe, um sich bei drohender Gefahr zu verbergen”(Fr. Juan XIII, 378). Man vergleiche übrigens über die Schwierigkeit, sie in ihrem eigenen Lande zu bekämpfen, die gute Bemerkung in Pazos, Joló, p. 378. Erst durch die Eroberung Sulu’s und die kostspielige Occupation des Mündungsgebietes des Rio Grande de Mindanao ist die Piraterie einigermaassen, aber nicht gänzlich unterdrückt worden.Der Islam ist zwar die herrschende Religion, an der seine Bekenner mit fanatischem Eifer hängen, aber die Vorschriften des Korans werden nur oberflächlich erfüllt, der Genuss des Schweinefleisches und spirituöser Getränke ist allgemein. Auf Sulu heisst die höchste geistliche Autorität Sarif (Scherif), dann folgt der Jabdi und endlich die Panditás. Die Polygamie gestattet natürlich der Islam, gewöhnlich aber begnügt sich auch der Vornehme mit einem Weibe, Koner will hierin den Einfluss der gefangenen Christinnen bemerken.Bei diesen Piratenstämmen ist der Knechtsdienst, den der Bräutigam seinem Schwiegervater in spe bei den Tagalen und Visayern zu leisten hat, nicht gebräuchlich. Der Bräutigam kauft die Frau von ihrem Vater für Schiffe, Kanonen, Feuerwaffen, Munition &c.; ist der Schwiegervater ein nobler Mann, so giebt er seiner Tochter eine aus ähnlichen Dingen bestehende Mitgift. Am Vorabende der Hochzeit führt der Pandit die Brautleute jedes in ein besonderes Häuschen, wo sie sich beide festlich schmücken. Am anderen Tage geleitet der Pandit unter Trommelwirbel den Bräutigam in das Häuschen seiner Braut, welche unter Zeugen, besonders Flaggen, verborgen liegt. Der Pandit wiederholt drei Mal die Frage, ob der Bräutigam jenes Weib zu ehelichen wünsche, welches unter dieser Hülle sich befände. Kaum hat der Bräutigam diess bejaht, so springt die Braut aus ihrem Verstecke hervor und läuft davon, verfolgt von dem Bräutigam und den Gästen. Hat der Bräutigam oder vielmehr Gatte sein Weibchen eingeholt, so zieht er sich auf ein einsames Plätzchen zurück, um sofort das matrimonium zu einem consumatum zu machen. Diese Ceremonie ist nur beim Einholen der legitimen Frau—„Dayana” genannt—üblich. Die Sittenlosigkeit ist bei der affenartigen Geilheit dieser Piraten zügellos, und die Zustände, wie sie Dampier in Mindanao fand, sind auch bis heute sich gleichgeblieben. Das Abtreiben der Leibesfrucht findet sehr häufig Statt (Garín 176).Bei schweren Erkrankungen32suchen die Panditen durch Recitiren von Koransuren und Gebeten den Patienten zu heilen. Stirbt ein Vornehmer, so werden Kanonenschüsse abgefeuert und vor dem Hause desselben Trommeln geschlagen und mit verschiedenen Musikinstrumenten ein höllisches Concert angestimmt. Der Todte wird, nachdem der Priester ihn gewaschen, in ein weisses Kleid gehüllt und angethan mit seinem Kris in einer Kiste unter grossem Spectakel begraben. Die Hinterbliebenen tragen zum Zeichen der Trauer einen weissen Turban und verbringen acht Tage mit Wehklagen auf dem Grabe des Dahingeschiedenen. Die Panditen beten noch länger, bis zu 40 Tagen, und werden dann von den Hinterbliebenen reichlich beschenkt.Der Ackerbau obliegt den Sclaven (Sácopes) und umfasst Reis, Mais, Camote und verschiedene Gemüse, auch Cacao wird gepflanzt, Cocoswälder bilden aber den Hauptreichthum. Der Viehstand weist Pferde, Rinder, Büffel, Ziegen, Hühner und Tauben auf.Die Bauart der Hütten unterscheidet sich nicht von der der Tagalen und Visayer, nur werden dieselben mit Vorliebe direct über dem Wasser erbaut. Bambusstege führen von einem Hause zum andern, so dass durch Wegziehen derselben jedes Haus isolirt im Wasser dasteht. Am Lande pflegen sie feste Forts aus Palissadenzäunen, welche durch Korallenblöcke vor Kanonenkugeln gesichert sind, zu errichten.Die Tracht besteht aus Jacke, weiten Hosen, einem Turban oder einer fezähnlichen, aber aus leichterem Stoffe verfertigten Mütze. Auch die Weiber tragen, wenigstens auf Sulu, Hosen (Garín 124), auf Mindanao aber auch Röcke. Die Dattos führen schön bemalte Schilde mit sich, als Waffen dienen Feuergewehr, Bogen und Pfeil, Lanze, Kris und ein gegen das Ende zu breiter werdendes krummes Schwert. Seltener sind Panzer aus eisernen Maschenhemden, oder aus zusammengefügten Muschelschalen oder Büffelhaut verfertigt, manche schützen den Körper durch den Cambut, einen dicken Gürtel aus grober Baumwolle, der mehrmals um den Leib herumgeschlungen wird. Die meisten begnügen sich mit dem Schutze, den ihnen ihre Schilde gewähren, welche aus hartem Holz, das mitunter noch mit Büffelleder überzogen ist, in zweierlei Grössen verfertigt werden; die runden Schilde decken nur den halben, die eckigen den ganzen Körper, letztere werden auch an den Bordwänden der Schiffe aufgerichtet, um als Brustwehr zu dienen. Die Landbefestigungen und Schiffe sind mit zahlreichem (meist geraubtem) Geschütz des verschiedenartigsten Calibers versehen, doch wissen die Piraten sie nicht gut zu bedienen.Ohne Compass schwärmen sie mit ihren leichten Schiffen bis nach Singapore hin. Ihre Fahrzeuge zeichnen sich alle durch besondere Schnelligkeit und geringen Tiefgang aus, einen Kiel besitzen nur die Panco, Guban und Garay genannten Schiffsgattungen. Der Panco hat die Form und den Tonnengehalt einer flachen Küstenbrigantine und hat, wie alle Schiffe dieser Piratenstämme, keinen einzigen Nagel oder Eisenbestandtheil aufzuweisen. Die übrigen Boote, Salisipans, Barotos, Lancans, Vintas, Dalamas, sind nur aus einem ausgehöhlten Baumstamm verfertigt und mit Ausliegern—„Batangas”—versehen. Alle Schiffe sind auf Fortbewegung durch Ruder eingerichtet, letztere—Gayong genannt—haben die Form der Ruder europäischer Galeeren. Das Steuerruder ist bei den grösseren Schiffen mitunter in derselben Weise und Form angebracht, als diess bei europäischen Schiffen der Fall ist, meistentheils sind es aber blos zwei oder ein Schaufelruder am Buge. Die Mastbäume sind dreigetheilt in eine Spitze zusammenlaufend, ähnlich den drei Stützen der Malerstaffelei. Die Segel sind stets viereckig und das Segelzeug bunt gefärbt.Pazos (Joló 7) schliesst seine Beschreibung ihrer Schiffe mit folgenden Worten: „Der leichte Bau ihrer Fahrzeuge ermöglicht bei ihrem geringen Gewichte und seichtem Tiefgang eine schnelle Fahrt; wenn sich die Piraten verfolgtsehen, so segeln sie kaltblütig, weil für sie ohne Gefahr, durch die gefährlichsten Klippenreihen durch, wohin ihnen auch die kleinsten Kanonenboote nicht folgen können, und falls einmal (innerhalb der Klippen oder am Strande) die Seichtigkeit des Wassers die Weiterfahrt unmöglich macht, dann wirft sich die Mannschaft einfach in’s Wasser und schleift das Boot in’s tiefere Wasser oder trägt es selbst auf seinen Schultern dahin, worauf die Bemannung wieder an Bord steigt und ruhig seine Fahrt fortsetzt, auf diese Weise nur zu oft die Verfolgung, welche unsere Kreuzer anstellen, illusorisch machend”.Sie sind leidenschaftliche Tabakraucher und Betelkäuer, aber diese Reizmittel genügen ihnen nicht, sie rauchen auch Opium aus langen Rohrpfeifen (Garín 127;Pazos 205). Unter den Betel wird gewöhnlich Opium, ja auch Theriak gemengt (Garín I, 27). Musik und Tanz wird gepflegt, letzterer wird gewöhnlich nur von Mädchen33, Sclavinnen, zumeist zur Ergötzung der Dattos aufgeführt. Ihnen eigenthümliche Instrumente sind der Agun oder Agon und Culintangang (Ilustr. del Oriente 1877, n. 10, p. 4), der Agun ist nichts Anderes als eine metallene, auf einer Seite offene Kugel, während der Culintangang aus mehreren geschlossenen Metalldecken besteht, welche mit zwei Holzklöppeln geschlagen werden.Die Industrie reducirt sich auf Schiffsbau, Waffenschmiedekunst und grobe Hauswebewaaren, dagegen ist der Handel blühend. Besonders Sulu ist der Hauptsitz der Trepang- und Perlfischerei, sowie des Handels mit Salangan-Schwalbennestern, Ambra und Schildkrotschalen. Die Chinesen concentriren den Handel ganz in ihre Hände. Der schwungvolle Handel, welchen die Sulus und Mindanaos durch Verkauf der gefangenenChristeninBataviabetrieben, hat bereits im vorigen Jahrhundert aufgehört.Sie lassen nicht nur Hähne, sondern auch Büffel gegeneinander kämpfen.

Unter obiger Bezeichnung fasse ich jene mohammedanischen Malaienstämme zusammen, welche an der Westküste von Mindanao, am Rio Grande de Mindanao, den beiden grossen Seen südlich von diesem Strome an der Laguna de Malanao, an der Küste des Panguil-Busens, in einigen Dörfern an der Nordwestküste Mindanao’s zwischen Zamboanga und Misamis und welche ferner die Küstenbevölkerung der grösseren und die Gesammtbevölkerung der kleineren Sulu-Inseln bilden. Sie werden von den Spaniern je nach ihrem Aufenthaltsorte als Joloanos, Camucones (Bewohner der Inseln südwestlich von Tawi tawi), Tirones (Bewohner der Inseln zwischen Tawi tawi und Borneo), Moros de Balabac, Samales (Bewohner der Inseln südlich von Basilan), Basilanes, Jacanes (auch auf Basilan), Illanos oder Ilanos (an der Baia Illana), Lutaos (bei Zamboanga), Malanaos (am See Malanao), Mindanaos (Mündungsgebiet des Rio Grande und die Küste Ost-Mindanao’s von Pollok bis zur Südspitze der Insel), Tegurayes oder Tinivayanes (Flussgebiet des Rio Grande de Mindanao) bezeichnet.

Sie sind Mischlinge von den in den diesbezüglichen Ländern erbgesessenen Visayer- oder (auf Mindanao zum Theile) Manobos-, Mandayas-, Subanos-Stämmen und von den von Borneo und den Molukken her einfallenden mohammedanischen Stämmen. Balabac ist von Borneo her mit dieser neuen Bevölkerung versehen worden. Gerade als die Spanier unter Legazpi, 1565–1572, sich des Archipels bemächtigten, machten sie einer grossartigen, continuirlichen, wenn auch geräuschlosen und friedlichen Invasion von Borneo-Malaien ein Ende, damals waren, wie Morga, Fr. Gaspar de S. Augustin, Fray Juan de la Concepcion uns melden, in allen Theilen der Philippinen, mit Ausnahme der nördlichen Landschaften Luzons, Borneaner nicht nur als Kauffahrer, sondern auch als mohammedanische Proselytenmacher und Stifter neuer Dynastien und Reiche thätig. Die Vasallenfürsten der Sultane von Manila und Tondo waren alle Borneaner, sowie vielleicht ihre Herren selbst. Noch 1585 (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de Indias, Fol. 651) zahlten die Bewohner der Calamianen den Spaniern und dem Sultan von Borneo zugleich Tribut. Nach Argensola, Combés, Fr. Juan &c. hat Mindanao seine mohammedanische Bevölkerung durch Einwanderung von Ternate erhalten, wie denn auch im XVI. und Anfang des XVII. Jahrhunderts die Sultane von Mindanao und Buhayen in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnisse zu den Sultanen von Ternate standen, welches sich erst löste, als letztere sich den Holländern unterwarfen und in den Kämpfen zwischen letzteren und den Spaniern eine bedeutende Einbusse an Macht und Gebietsumfang erlitten. Am gemengtesten erscheint die Bevölkerung von Sulu. Die Nachrichten von Dalrymple30, Crawfurd30, Hunt30und Forrest widersprechen zum Theil sehr jenen Nachrichten, welche uns die spanischen Historiker des XVI. und XVII. Jahrhunderts bringen. Es ist zu bedauern, dass W. Koner in seiner Monographie des Sulu-Archipels (Erdk. 1867, II, 105 f.) nur englischen und holländischen Quellen gefolgt ist, denn jene spanischen mönchischen Geschichtsschreiber bringen sehr zuverlässige Nachrichten, die meist von Missionären ihrer Orden stammten, welche lange Jahre in jenen Ländern zugebracht hatten, ja Combés war selbst geraume Zeit in Mindanao thätig. Auch die französischen, englischen und holländischen Quellen weichen sehr voneinander ab. Das eine aber scheint sicherzustellen, dass die heutigen Dattos oder Feudalfürsten Sulu’s von Mindanao, indirect also von Ternate herstammen, einige Dattos stammen auch von Butuan ab, letzteres aber war auch von Ternate her colonisirt und dann die maurische oder Moslimbevölkerung von den Spaniern verjagt worden31. Doch schon vor dieser Invasion hatten auf jener Hauptinsel Sulu sich auch Javanen (Bastian V, 275; man vgl. auchKoner 123) gezeigt, auch kamen einmal Einwanderer aus Johore (Bastian, l. c.). Vermischungen mit Dayaks sollen auch Statt gefunden haben (Novara-Reise, Ethnogr. Theil 32), was vielleicht auf eine Vermengung mit Dayaksclavinnen zu deuten ist. Eine Zeit hindurch (vor Magallanes) gehörte die Insel auch zum Reiche Bandjermassing von Borneo und erhielt von dort auch Zuzug (Koner 122). Übrigens dürften die heutigen Sulus und Mindanaos physisch sich gar nicht von den Visayern unterscheiden, denn seit Jahrhunderten haben sie Tausende von Visayern von ihren Raubzügen aus den Philippinen heimgebracht, welche bei ihnen, man kann es ruhig sagen, zu 95% blieben und mit ihnen zu einem Volke verschmolzen. In Sulu selbst dürfte auch eine verhältnissmässig nicht unbeträchtliche und historisch nachweisbare Vermischung mit Chinesen Statt gefunden haben, indem diese seit dem XVII. Jahrhundert sich in der Hauptstadt zu einer fluctuirenden, nur aus Männern bestehenden Handelscolonie niederliessen, deren Mitglieder gewiss ebensogut mit eingeborenen Weibern Kinder zeugten, wie in den spanischen Philippinen. Die anderen fremdartigen Beimengungen sind gar nicht der Rede werth, die Zahl der arabischen Prediger und der spanischen, mejicanischen und peruanischen Renegaten des XVI., XVII. und XVIII. Jahrhunderts war eine zu geringe, als dass sie einen Einfluss auf die Rassenbildung hätte äussern können.

Was ihr Äusseres anbelangt, so sind sie von mittlerer Körpergrösse mit normalem Brustkorbe und schlanker Taille; der Kopf ist rund und klein, die Augen sind von dunkler Farbe und horizontal und weit gespalten, die Lippen sind schmal, die Nase ist stumpf geformt, die Hautfarbe ist gelblichfahl; die Kopfhaare—welche von den Männern meist rasirt werden—weisen eine tiefschwarze Farbe auf und sind rauh anzufühlen, die Augenbrauen sind spärlich, dasselbe gilt vom Barte, der oft gänzlich fehlt; bemerkenswerth ist noch die Sitte, die Zähne schwarz zu färben, auch fällt auf, dass die Beine meist säbelförmig auswärts gebogen sind (Garín 126).

Alle diese mohammedanischen Piratenstämme, diese „Moros” der Spanier, haben ausser der Religion ein gemeinsames charakteristisches Merkmal, das sie scharf von den übrigen Malaienstämmen der Philippinen scheidet, und das ist die Feudalverfassung. Nur an der Bai von Manila fanden die Spanier Legazpi’s ähnliche Verhältnisse, doch hier war eben bereits fremder, speciell borneanischer Einfluss im Spiele.

Was zunächst die Feudalverfassung anbelangt, so zerfallen alle die ehemaligen und zum Theile noch existirenden Sultanate von Sulu, Mindanao, Buhayen, Butig, Sibugney &c.in eine grosse Anzahl von kleinen Lehensfürstenthümern, deren Chefs den uns schon bekannten Namen Datto führen. Selten herrscht ein Datto über mehr als ein Dorf, und beständig fanden neue Gründungen von solchen Datto-Herrschaften Statt und zwar in der Weise, dass ein Datto- oder Sultans-Sohn mit einigen Sclaven auf einen Piratenzug auslief und mit den geraubten Sclaven eine neue Niederlassung in einer noch unbewohnten Gegend oder Insel gründete, welche durch neue Sclavenjagden immer neuen Zuwachs erhielt. Die Dattos sind die eigentlichen Herren gewesen, neben denen der Sultan nur die Rolle des primus inter pares spielte, ohne deren Einwilligung er auch nicht den geringsten politischen Act vornehmen durfte. Combés, Dampier, Forrest, Sprengel, Deguignes, Renouard de St.-Croix, Koner, Barrantes und Pazos haben darüber manches interessante Detail veröffentlicht, von welchem ich hier das Interessanteste und Wichtigste hervorheben will, wobei ich mich nur auf die Verhältnisse im Sultanate Sulu und dem von Mindanao (jetzt der spanische District Cotta-bató) beschränke.

In beiden Ländern war das Sultanat erblich, doch gab es keine geregelte Thronfolge, sondern der Sultan besass das Recht, sich seinen Nachfolger aus seinen nächsten Nachkommen und Verwandten zu erwählen, doch übten die Dattos dabei ein Anerkennungsrecht aus. In Mindanao giebt es folgende Adelsstufen: Tuam, so viel wie Herr, Junker; Orancaya so viel wie Magnat und Cachil gleich Prinz von königlichem Geblüte. Auf Sulu ist diese Hierarchie eine viel verwickeltere, der Sultan geniesst mehrere Titulaturen und zwar immer Maulana, so viel als Majestät; ist er der Enkel eines Sultans, so führt er noch den Titel Paduca, ist er der Sohn eines solchen, so fügt er noch den Titel Majarasin, d. h. der Reine und Erhabene, hinzu. Der Thronfolger in Sulu heisst Rajá-Muda. Einzelne Dattos bilden eine Art Ministercollegium: der Grossvezier (Datto Interino der Spanier), der Generalissimus der Landtruppen und Kriegsminister (Datto Realao), der Oberstlandrichter (Datto Mitsainguir). Wird ein grosser Kriegszug unternommen, so tritt an die Spitze der Streitkräfte der Pauliman, Orancaya oder Salicaya, je nachdem zu Lande oder zu Wasser, oder zu Wasser und zu Lande der Krieg geführt werden soll. Jeder Datto hat einen Grossvezier, der Monabe genannt wird.

Der Sultan versammelt in allen wichtigen Angelegenheiten die Dattos um sich, um ihre Einwilligung einzuholen. Auf allen Vertragsurkunden müssen die Unterschriften der Dattos neben die des Sultans gesetzt werden, sonst wäre der Vertrag ungültig.

Da die Macht und das Ansehen der Dattos vornämlich nur auf der Zahl der Sclaven beruhte, so suchten sich die Mindanaos und Sulus durch grossartige Piratenzüge, welche mitunter sich bis nach Banka und Billiton erstreckten, vorzugsweise aber gegen Celebes und die Philippinen gerichtet waren, solche zu verschaffen. Schon vor Ankunft der Spanier stand die Piraterie in schönster Blüthe (Mas I, 28). Geführt von Renegaten überfielen sie mit ihren leichten und seichtgehenden Schiffen die Küstenniederlassungen, verbrannten die Dörfer, vernichteten das auf den Feldern stehende Getreide, hieben die Fruchtbäume um und schleppten die Dorfbewohner in die Sclaverei, lange bevor die tiefgehenden spanischen Kriegsschiffe zur Rettung anlangen konnten. Von je drei Gefangenen erhielt der Datto, der die Expedition ausrüstete, zwei, einer gebührte der Mannschaft. Man kann sich einen Begriff von der Ausdehnung dieser Piratenzüge machen, wenn man erfährt, dass diese Piraten in 30 Jahren 20 000 Gefangene in den Philippinen allein gemacht hatten (Jagor, Reisen 180). Selbst die Einführung von seichtgehenden Dampfkanonenbooten befreite die Philippinen nicht von dieser Plage. „Die leichten, flachen, sehr stark mit Ruderern bemannten Boote (der Piraten) sind so geschwind, dass nur die schnellsten Dampfer ihnen folgen können, diese verrathen sich aber schon aus grosser Ferne an ihrer Rauchsäule, so dass die nur wenige Fuss über das Wasser ragenden und folglich in sehr geringer Ferne unsichtbaren Pancos gewöhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen” (Jagor, Reiseskizzen 86). Auch die wiederholten Expeditionen, mit welchen früher die Spanier diese Piratennester durch Niederbrennen zu vernichten suchten, halfen Nichts, es bemerkte hierüber schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein spanischer Stabsofficier im Kriegsrathe zu Manila: „Sie (die Piraten) verändern die Lage einer Stadt mit derselbigen Leichtigkeit, wie wir den Ankerplatz eines Schiffes, und es liegt ihnen wenig daran, sie zehn Leguas weiter oben oder weiter unten neu zu begründen, denn überall finden sie Berglehnen zum Feldbau, gutes Schiffsbauholz, Nipa-Palmen zum Dachdecken und Mangel-Sümpfe, um sich bei drohender Gefahr zu verbergen”(Fr. Juan XIII, 378). Man vergleiche übrigens über die Schwierigkeit, sie in ihrem eigenen Lande zu bekämpfen, die gute Bemerkung in Pazos, Joló, p. 378. Erst durch die Eroberung Sulu’s und die kostspielige Occupation des Mündungsgebietes des Rio Grande de Mindanao ist die Piraterie einigermaassen, aber nicht gänzlich unterdrückt worden.

Der Islam ist zwar die herrschende Religion, an der seine Bekenner mit fanatischem Eifer hängen, aber die Vorschriften des Korans werden nur oberflächlich erfüllt, der Genuss des Schweinefleisches und spirituöser Getränke ist allgemein. Auf Sulu heisst die höchste geistliche Autorität Sarif (Scherif), dann folgt der Jabdi und endlich die Panditás. Die Polygamie gestattet natürlich der Islam, gewöhnlich aber begnügt sich auch der Vornehme mit einem Weibe, Koner will hierin den Einfluss der gefangenen Christinnen bemerken.Bei diesen Piratenstämmen ist der Knechtsdienst, den der Bräutigam seinem Schwiegervater in spe bei den Tagalen und Visayern zu leisten hat, nicht gebräuchlich. Der Bräutigam kauft die Frau von ihrem Vater für Schiffe, Kanonen, Feuerwaffen, Munition &c.; ist der Schwiegervater ein nobler Mann, so giebt er seiner Tochter eine aus ähnlichen Dingen bestehende Mitgift. Am Vorabende der Hochzeit führt der Pandit die Brautleute jedes in ein besonderes Häuschen, wo sie sich beide festlich schmücken. Am anderen Tage geleitet der Pandit unter Trommelwirbel den Bräutigam in das Häuschen seiner Braut, welche unter Zeugen, besonders Flaggen, verborgen liegt. Der Pandit wiederholt drei Mal die Frage, ob der Bräutigam jenes Weib zu ehelichen wünsche, welches unter dieser Hülle sich befände. Kaum hat der Bräutigam diess bejaht, so springt die Braut aus ihrem Verstecke hervor und läuft davon, verfolgt von dem Bräutigam und den Gästen. Hat der Bräutigam oder vielmehr Gatte sein Weibchen eingeholt, so zieht er sich auf ein einsames Plätzchen zurück, um sofort das matrimonium zu einem consumatum zu machen. Diese Ceremonie ist nur beim Einholen der legitimen Frau—„Dayana” genannt—üblich. Die Sittenlosigkeit ist bei der affenartigen Geilheit dieser Piraten zügellos, und die Zustände, wie sie Dampier in Mindanao fand, sind auch bis heute sich gleichgeblieben. Das Abtreiben der Leibesfrucht findet sehr häufig Statt (Garín 176).

Bei schweren Erkrankungen32suchen die Panditen durch Recitiren von Koransuren und Gebeten den Patienten zu heilen. Stirbt ein Vornehmer, so werden Kanonenschüsse abgefeuert und vor dem Hause desselben Trommeln geschlagen und mit verschiedenen Musikinstrumenten ein höllisches Concert angestimmt. Der Todte wird, nachdem der Priester ihn gewaschen, in ein weisses Kleid gehüllt und angethan mit seinem Kris in einer Kiste unter grossem Spectakel begraben. Die Hinterbliebenen tragen zum Zeichen der Trauer einen weissen Turban und verbringen acht Tage mit Wehklagen auf dem Grabe des Dahingeschiedenen. Die Panditen beten noch länger, bis zu 40 Tagen, und werden dann von den Hinterbliebenen reichlich beschenkt.

Der Ackerbau obliegt den Sclaven (Sácopes) und umfasst Reis, Mais, Camote und verschiedene Gemüse, auch Cacao wird gepflanzt, Cocoswälder bilden aber den Hauptreichthum. Der Viehstand weist Pferde, Rinder, Büffel, Ziegen, Hühner und Tauben auf.

Die Bauart der Hütten unterscheidet sich nicht von der der Tagalen und Visayer, nur werden dieselben mit Vorliebe direct über dem Wasser erbaut. Bambusstege führen von einem Hause zum andern, so dass durch Wegziehen derselben jedes Haus isolirt im Wasser dasteht. Am Lande pflegen sie feste Forts aus Palissadenzäunen, welche durch Korallenblöcke vor Kanonenkugeln gesichert sind, zu errichten.

Die Tracht besteht aus Jacke, weiten Hosen, einem Turban oder einer fezähnlichen, aber aus leichterem Stoffe verfertigten Mütze. Auch die Weiber tragen, wenigstens auf Sulu, Hosen (Garín 124), auf Mindanao aber auch Röcke. Die Dattos führen schön bemalte Schilde mit sich, als Waffen dienen Feuergewehr, Bogen und Pfeil, Lanze, Kris und ein gegen das Ende zu breiter werdendes krummes Schwert. Seltener sind Panzer aus eisernen Maschenhemden, oder aus zusammengefügten Muschelschalen oder Büffelhaut verfertigt, manche schützen den Körper durch den Cambut, einen dicken Gürtel aus grober Baumwolle, der mehrmals um den Leib herumgeschlungen wird. Die meisten begnügen sich mit dem Schutze, den ihnen ihre Schilde gewähren, welche aus hartem Holz, das mitunter noch mit Büffelleder überzogen ist, in zweierlei Grössen verfertigt werden; die runden Schilde decken nur den halben, die eckigen den ganzen Körper, letztere werden auch an den Bordwänden der Schiffe aufgerichtet, um als Brustwehr zu dienen. Die Landbefestigungen und Schiffe sind mit zahlreichem (meist geraubtem) Geschütz des verschiedenartigsten Calibers versehen, doch wissen die Piraten sie nicht gut zu bedienen.

Ohne Compass schwärmen sie mit ihren leichten Schiffen bis nach Singapore hin. Ihre Fahrzeuge zeichnen sich alle durch besondere Schnelligkeit und geringen Tiefgang aus, einen Kiel besitzen nur die Panco, Guban und Garay genannten Schiffsgattungen. Der Panco hat die Form und den Tonnengehalt einer flachen Küstenbrigantine und hat, wie alle Schiffe dieser Piratenstämme, keinen einzigen Nagel oder Eisenbestandtheil aufzuweisen. Die übrigen Boote, Salisipans, Barotos, Lancans, Vintas, Dalamas, sind nur aus einem ausgehöhlten Baumstamm verfertigt und mit Ausliegern—„Batangas”—versehen. Alle Schiffe sind auf Fortbewegung durch Ruder eingerichtet, letztere—Gayong genannt—haben die Form der Ruder europäischer Galeeren. Das Steuerruder ist bei den grösseren Schiffen mitunter in derselben Weise und Form angebracht, als diess bei europäischen Schiffen der Fall ist, meistentheils sind es aber blos zwei oder ein Schaufelruder am Buge. Die Mastbäume sind dreigetheilt in eine Spitze zusammenlaufend, ähnlich den drei Stützen der Malerstaffelei. Die Segel sind stets viereckig und das Segelzeug bunt gefärbt.

Pazos (Joló 7) schliesst seine Beschreibung ihrer Schiffe mit folgenden Worten: „Der leichte Bau ihrer Fahrzeuge ermöglicht bei ihrem geringen Gewichte und seichtem Tiefgang eine schnelle Fahrt; wenn sich die Piraten verfolgtsehen, so segeln sie kaltblütig, weil für sie ohne Gefahr, durch die gefährlichsten Klippenreihen durch, wohin ihnen auch die kleinsten Kanonenboote nicht folgen können, und falls einmal (innerhalb der Klippen oder am Strande) die Seichtigkeit des Wassers die Weiterfahrt unmöglich macht, dann wirft sich die Mannschaft einfach in’s Wasser und schleift das Boot in’s tiefere Wasser oder trägt es selbst auf seinen Schultern dahin, worauf die Bemannung wieder an Bord steigt und ruhig seine Fahrt fortsetzt, auf diese Weise nur zu oft die Verfolgung, welche unsere Kreuzer anstellen, illusorisch machend”.

Sie sind leidenschaftliche Tabakraucher und Betelkäuer, aber diese Reizmittel genügen ihnen nicht, sie rauchen auch Opium aus langen Rohrpfeifen (Garín 127;Pazos 205). Unter den Betel wird gewöhnlich Opium, ja auch Theriak gemengt (Garín I, 27). Musik und Tanz wird gepflegt, letzterer wird gewöhnlich nur von Mädchen33, Sclavinnen, zumeist zur Ergötzung der Dattos aufgeführt. Ihnen eigenthümliche Instrumente sind der Agun oder Agon und Culintangang (Ilustr. del Oriente 1877, n. 10, p. 4), der Agun ist nichts Anderes als eine metallene, auf einer Seite offene Kugel, während der Culintangang aus mehreren geschlossenen Metalldecken besteht, welche mit zwei Holzklöppeln geschlagen werden.

Die Industrie reducirt sich auf Schiffsbau, Waffenschmiedekunst und grobe Hauswebewaaren, dagegen ist der Handel blühend. Besonders Sulu ist der Hauptsitz der Trepang- und Perlfischerei, sowie des Handels mit Salangan-Schwalbennestern, Ambra und Schildkrotschalen. Die Chinesen concentriren den Handel ganz in ihre Hände. Der schwungvolle Handel, welchen die Sulus und Mindanaos durch Verkauf der gefangenenChristeninBataviabetrieben, hat bereits im vorigen Jahrhundert aufgehört.

Sie lassen nicht nur Hähne, sondern auch Büffel gegeneinander kämpfen.


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