10. Auftritt.

Erster Jäger(zum Wachtmeister).Sagt mir, was meint' er mit dem Göckelhahn,Den der Feldherr nicht krähen hören kann?Es war wohl nur so gesagt ihm zum Schimpf und Hohne?Wachtmeister.Da will ich Euch dienen. Es ist nicht ganz ohne!Der Feldherr ist wundersam geboren,Besonders hat er gar kitzlichte Ohren.Kann die Katze nicht hören mauen,Und wenn der Hahn kräht, so macht's ihm Grauen.Erster Jäger.Das hat er mit dem Löwen gemein.Wachtmeister.Muß alles mausstill um ihn sein.Den Befehl haben alle Wachen,Denn er denkt gar zu tiefe Sachen.Stimmen(im Zelt; Auflauf).Greift ihn, den Schelm! Schlagt zu! Schlagt zu!Des Bauern Stimme.Hilfe! Barmherzigkeit!Andre Stimmen.Friede! Ruh!Erster Jäger.Hol mich der Teufel! Da setzt's Hiebe.Zweiter Jäger.Da muß ich dabei sein!

Erster Jäger(zum Wachtmeister).

Erster Jäger(zum Wachtmeister).

Sagt mir, was meint' er mit dem Göckelhahn,Den der Feldherr nicht krähen hören kann?Es war wohl nur so gesagt ihm zum Schimpf und Hohne?

Sagt mir, was meint' er mit dem Göckelhahn,

Den der Feldherr nicht krähen hören kann?

Es war wohl nur so gesagt ihm zum Schimpf und Hohne?

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Da will ich Euch dienen. Es ist nicht ganz ohne!Der Feldherr ist wundersam geboren,Besonders hat er gar kitzlichte Ohren.Kann die Katze nicht hören mauen,Und wenn der Hahn kräht, so macht's ihm Grauen.

Da will ich Euch dienen. Es ist nicht ganz ohne!

Der Feldherr ist wundersam geboren,

Besonders hat er gar kitzlichte Ohren.

Kann die Katze nicht hören mauen,

Und wenn der Hahn kräht, so macht's ihm Grauen.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Das hat er mit dem Löwen gemein.

Das hat er mit dem Löwen gemein.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Muß alles mausstill um ihn sein.Den Befehl haben alle Wachen,Denn er denkt gar zu tiefe Sachen.

Muß alles mausstill um ihn sein.

Den Befehl haben alle Wachen,

Denn er denkt gar zu tiefe Sachen.

Stimmen(im Zelt; Auflauf).

Stimmen(im Zelt; Auflauf).

Greift ihn, den Schelm! Schlagt zu! Schlagt zu!

Greift ihn, den Schelm! Schlagt zu! Schlagt zu!

Des Bauern Stimme.

Des Bauern Stimme.

Hilfe! Barmherzigkeit!

Hilfe! Barmherzigkeit!

Andre Stimmen.

Andre Stimmen.

Friede! Ruh!

Friede! Ruh!

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Hol mich der Teufel! Da setzt's Hiebe.

Hol mich der Teufel! Da setzt's Hiebe.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Da muß ich dabei sein!

Da muß ich dabei sein!

(Laufen ins Zelt.)

(Laufen ins Zelt.)

Marketenderin(kommt heraus).Schelmen und Diebe!Trompeter.Frau Wirtin, was setzt Euch so in Eifer?Marketenderin.Der Lump! der Spitzbub! der Straßenläufer!Das muß mir in meinem Zelt passieren!Es beschimpft mich bei allen Herrn Offizieren.Wachtmeister.Bäschen, was gibt's denn?Marketenderin.Was wird's geben?Da erwischten sie einen Bauer eben,Der falsche Würfel tät bei sich haben.Trompeter.Sie bringen ihn hier mit seinem Knaben.

Marketenderin(kommt heraus).

Marketenderin(kommt heraus).

Schelmen und Diebe!

Schelmen und Diebe!

Trompeter.

Trompeter.

Frau Wirtin, was setzt Euch so in Eifer?

Frau Wirtin, was setzt Euch so in Eifer?

Marketenderin.

Marketenderin.

Der Lump! der Spitzbub! der Straßenläufer!Das muß mir in meinem Zelt passieren!Es beschimpft mich bei allen Herrn Offizieren.

Der Lump! der Spitzbub! der Straßenläufer!

Das muß mir in meinem Zelt passieren!

Es beschimpft mich bei allen Herrn Offizieren.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Bäschen, was gibt's denn?

Bäschen, was gibt's denn?

Marketenderin.

Marketenderin.

Was wird's geben?Da erwischten sie einen Bauer eben,Der falsche Würfel tät bei sich haben.

Was wird's geben?

Da erwischten sie einen Bauer eben,

Der falsche Würfel tät bei sich haben.

Trompeter.

Trompeter.

Sie bringen ihn hier mit seinem Knaben.

Sie bringen ihn hier mit seinem Knaben.

Soldatenbringen den Bauer geschleppt.

Soldatenbringen den Bauer geschleppt.

Erster Jäger.Der muß baumeln!ScharfschützenundDragoner.Zum Profoß! Zum Profoß!Wachtmeister.Das Mandat ist noch kürzlich ausgegangen.Marketenderin.In einer Stunde seh' ich ihn hangen!Wachtmeister.Böses Gewerbe bringt bösen Lohn.Erster Arkebusier(zum andern).Das kommt von der Desperation.Denn seht, erst tut man sie ruinieren,Das heißt sie zum Stehlen selbst verführen.Trompeter.Was? Was? Ihr red't ihm das Wort noch gar?Dem Hunde! Tut Euch der Teufel plagen?Erster Arkebusier.Der Bauer ist auch ein Mensch – so zu sagen.Erster Jäger(zum Trompeter).Laß sie gehen! sind Tiefenbacher,Gevatter Schneider und Handschuhmacher!Lagen in Garnison zu Brieg,Wissen viel, was der Brauch ist im Krieg.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Der muß baumeln!

Der muß baumeln!

ScharfschützenundDragoner.

ScharfschützenundDragoner.

Zum Profoß! Zum Profoß!

Zum Profoß! Zum Profoß!

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Das Mandat ist noch kürzlich ausgegangen.

Das Mandat ist noch kürzlich ausgegangen.

Marketenderin.

Marketenderin.

In einer Stunde seh' ich ihn hangen!

In einer Stunde seh' ich ihn hangen!

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Böses Gewerbe bringt bösen Lohn.

Böses Gewerbe bringt bösen Lohn.

Erster Arkebusier(zum andern).

Erster Arkebusier(zum andern).

Das kommt von der Desperation.Denn seht, erst tut man sie ruinieren,Das heißt sie zum Stehlen selbst verführen.

Das kommt von der Desperation.

Denn seht, erst tut man sie ruinieren,

Das heißt sie zum Stehlen selbst verführen.

Trompeter.

Trompeter.

Was? Was? Ihr red't ihm das Wort noch gar?Dem Hunde! Tut Euch der Teufel plagen?

Was? Was? Ihr red't ihm das Wort noch gar?

Dem Hunde! Tut Euch der Teufel plagen?

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Der Bauer ist auch ein Mensch – so zu sagen.

Der Bauer ist auch ein Mensch – so zu sagen.

Erster Jäger(zum Trompeter).

Erster Jäger(zum Trompeter).

Laß sie gehen! sind Tiefenbacher,Gevatter Schneider und Handschuhmacher!Lagen in Garnison zu Brieg,Wissen viel, was der Brauch ist im Krieg.

Laß sie gehen! sind Tiefenbacher,

Gevatter Schneider und Handschuhmacher!

Lagen in Garnison zu Brieg,

Wissen viel, was der Brauch ist im Krieg.

Vorige.Kürassiere.

Vorige.Kürassiere.

Erster Kürassier.Friede! Was gibt's mit dem Bauer da?Erster Scharfschütz.'s ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!Erster Kürassier.Hat er dich betrogen etwa?Erster Scharfschütz.Ja, und hat mich rein ausgezogen.Erster Kürassier.Wie? Du bist ein Friedländischer Mann,Kannst dich so wegwerfen und blamieren,Mit einem Bauer dein Glück probieren?Der laufe, was er laufen kann.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Friede! Was gibt's mit dem Bauer da?

Friede! Was gibt's mit dem Bauer da?

Erster Scharfschütz.

Erster Scharfschütz.

's ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!

's ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Hat er dich betrogen etwa?

Hat er dich betrogen etwa?

Erster Scharfschütz.

Erster Scharfschütz.

Ja, und hat mich rein ausgezogen.

Ja, und hat mich rein ausgezogen.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Wie? Du bist ein Friedländischer Mann,Kannst dich so wegwerfen und blamieren,Mit einem Bauer dein Glück probieren?Der laufe, was er laufen kann.

Wie? Du bist ein Friedländischer Mann,

Kannst dich so wegwerfen und blamieren,

Mit einem Bauer dein Glück probieren?

Der laufe, was er laufen kann.

(Bauer entwischt, die andern treten zusammen.)

(Bauer entwischt, die andern treten zusammen.)

Erster Arkebusier.Der macht kurze Arbeit, ist resolut,Das ist mit solchem Volke gut.Was ist's für einer? Es ist kein Böhm.Marketenderin.'s ist ein Wallon! Respekt vor dem!Von des Pappenheims Kürassieren.Erster Dragoner(tritt dazu).Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt führen.Den haben sie sich aus eigner MachtZum Oberst gesetzt in der Lützner Schlacht,Als der Pappenheim umgekommen.Erster Arkebusier.Haben sie sich so was 'rausgenommen?Erster Dragoner.Dies Regiment hat was voraus,Es war immer voran bei jedem Strauß.Darf auch seine eigene Justiz ausüben,Und der Friedländer tut's besonders lieben.Erster Kürassier(zum andern).Ist's auch gewiß? Wer bracht' es aus?Zweiter Kürassier.Ich hab's aus des Obersts eigenem Munde.Erster Kürassier.Was Teufel! Wir sind nicht ihre Hunde.Erster Jäger.Was haben die da? Sind voller Gift.Zweiter Jäger.Ist's was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?Erster Kürassier.Es hat sich keiner drüber zu freuen.

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Der macht kurze Arbeit, ist resolut,Das ist mit solchem Volke gut.Was ist's für einer? Es ist kein Böhm.

Der macht kurze Arbeit, ist resolut,

Das ist mit solchem Volke gut.

Was ist's für einer? Es ist kein Böhm.

Marketenderin.

Marketenderin.

's ist ein Wallon! Respekt vor dem!Von des Pappenheims Kürassieren.

's ist ein Wallon! Respekt vor dem!

Von des Pappenheims Kürassieren.

Erster Dragoner(tritt dazu).

Erster Dragoner(tritt dazu).

Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt führen.Den haben sie sich aus eigner MachtZum Oberst gesetzt in der Lützner Schlacht,Als der Pappenheim umgekommen.

Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt führen.

Den haben sie sich aus eigner Macht

Zum Oberst gesetzt in der Lützner Schlacht,

Als der Pappenheim umgekommen.

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Haben sie sich so was 'rausgenommen?

Haben sie sich so was 'rausgenommen?

Erster Dragoner.

Erster Dragoner.

Dies Regiment hat was voraus,Es war immer voran bei jedem Strauß.Darf auch seine eigene Justiz ausüben,Und der Friedländer tut's besonders lieben.

Dies Regiment hat was voraus,

Es war immer voran bei jedem Strauß.

Darf auch seine eigene Justiz ausüben,

Und der Friedländer tut's besonders lieben.

Erster Kürassier(zum andern).

Erster Kürassier(zum andern).

Ist's auch gewiß? Wer bracht' es aus?

Ist's auch gewiß? Wer bracht' es aus?

Zweiter Kürassier.

Zweiter Kürassier.

Ich hab's aus des Obersts eigenem Munde.

Ich hab's aus des Obersts eigenem Munde.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Was Teufel! Wir sind nicht ihre Hunde.

Was Teufel! Wir sind nicht ihre Hunde.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Was haben die da? Sind voller Gift.

Was haben die da? Sind voller Gift.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Ist's was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?

Ist's was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Es hat sich keiner drüber zu freuen.

Es hat sich keiner drüber zu freuen.

(Soldaten treten herzu.)

(Soldaten treten herzu.)

Sie wollen uns in die Niederland' leihen;Kürassiere, Jäger, reitende Schützen,Sollen achttausend Mann aufsitzen.Marketenderin.Was? Was? Da sollen wir wieder wandern?Bin erst seit gestern zurück aus Flandern.Zweiter Kürassier(zu den Dragonern).Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.Erster Kürassier.Und absonderlich wir Wallonen.Marketenderin.Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!Erster Kürassier.Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.Erster Jäger.Den Infanten! Das ist ja kurios!Zweiter Jäger.Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.Erster Kürassier.Wir sollen von dem Friedländer lassen,Der den Soldaten so nobel hält,Mit dem Spanier ziehen zu Feld,Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?Nein, das geht nicht! Wir laufen fort.Trompeter.Was, zum Henker! sollen wir dort?Dem Kaiser verkauften wir unser BlutUnd nicht dem hispanischen roten Hut.Zweiter Jäger.Auf des Friedländers Wort und Kredit alleinHaben wir Reitersdienst genommen;Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,Der Ferdinand hätt' uns nimmer bekommen.Erster Dragoner.Tät uns der Friedländer nicht formieren?Seine Fortuna soll uns führen.Wachtmeister.Laßt euch bedeuten, hört mich an.Mit dem Gered' da ist's nicht getan.Ich sehe weiter als ihr alle,Dahinter steckt eine böse Falle.Erster Jäger.Hört das Befehlbuch! Stille doch!Wachtmeister.Bäschen Gustel, füllt mir erst nochEin Gläschen Melnecker für den Magen,Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.Marketenderin(ihm einschenkend).Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken.Es wird doch nichts Böses dahinter stecken!Wachtmeister.Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,Daß jeder das Nächste bedenken tut;Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,Man muß immer das Ganze überschlagen.Wir nennen uns alle des Friedländers Truppen.Der Bürger, er nimmt uns ins QuartierUnd pflegt uns und kocht uns warme Suppen.Der Bauer muß den Gaul und den StierVorspannen an unsre Bagagewagen,Vergebens wird er sich drüber beklagen.Läßt sich ein Gefreiter mit sieben MannIn einem Dorfe von weitem spüren,Er ist die Obrigkeit drin und kannNach Lust drin walten und kommandieren.Zum Henker! sie mögen uns alle nichtUnd sähen des Teufels sein AngesichtWeit lieber, als unsre gelben Kolletter.Warum schmeißen sie uns nicht aus dem Land? Potz Wetter!Sind uns an Anzahl doch überlegen,Führen den Knüttel, wie wir den Degen.Warum dürfen wir ihrer lachen?Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!Erster Jäger.Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!Der Friedländer hat das wohl erfahren,Wie er dem Kaiser vor acht – neun JahrenDie große Armee zusammenbracht.Sie wollten erst nur von zwölftausend hören:Die, sagt' er, die kann ich nicht ernähren;Aber ich will sechzigtausend werben,Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben.Und so wurden wir Wallensteiner.Wachtmeister.Zum Exempel, da hack mir einerVon den fünf Fingern, die ich hab',Hier an der Rechten den kleinen ab.Habt ihr mir den Finger bloß genommen?Nein, beim Kuckuck, ich bin um die Hand gekommen!'s ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.Ja, und diese achttausend Pferd,Die man nach Flandern jetzt begehrt,Sind von der Armee nur der kleine Finger.Läßt man sie ziehn, ihr tröstet euch,Wir seien um ein Fünftel nur geringer?Pros't Mahlzeit! da fällt das Ganze gleich.Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu,Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,Da schreiben sie uns in der Wiener KanzleiDen Quartier- und den Küchenzettel,Und es ist wieder der alte Bettel.Ja, und wie lang wird's stehen an,So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann –Sie sind ihm am Hofe so nicht grün,Nun, da fällt eben alles hin!Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?Sorgt, daß man uns die Kontrakte hält?Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,Den schnellen Witz und die feste Hand,Diese gestückelten HeeresmassenZusammen zu fügen und zu passen?Zum Exempel – Dragoner – sprich:Aus welchem Vaterland schreibst du dich?Erster Dragoner.Weit aus Hibernien her komm' ich.Wachtmeister(zu den beiden Kürassieren).Ihr, das weiß ich, seid ein Wallon;Ihr ein Welscher. Man hört's am Ton.Erster Kürassier.Wer ich bin? ich hab's nie können erfahren:Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.Wachtmeister.Und du bist auch nicht aus der Näh?Erster Arkebusier.Ich bin von Buchau am Federsee.Wachtmeister.Und Ihr, Nachbar?Zweiter Arkebusier.Aus der Schwitz.Wachtmeister(zum zweiten Jäger).Was für ein Landsmann bist du, Jäger?Zweiter Jäger.Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.Wachtmeister(auf den Trompeter zeigend).Und der da und ich, wir sind aus Eger.Nun! und wer merkt uns das nun an,Daß wir aus Süden und aus NordenZusammen geschneit und geblasen worden?Sehn wir nicht aus, wie auseinemSpan?Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,Recht wie zusammen geleimt und gegossen?Greifen wir nicht, wie ein Mühlwerk, flinkIneinander auf Wort und Wink?Wer hat uns so zusammen geschmiedet,Daß ihr uns nimmer unterschiedet?Kein andrer sonst als der Wallenstein!Erster Jäger.Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,Daß wir so gut zusammen passen;Hab' mich immer nur gehen lassen.Erster Kürassier.Dem Wachtmeister muß ich Beifall geben.Dem Kriegsstand kämen sie gern ans Leben;Den Soldaten wollen sie niederhalten,Daß sie alleine können walten.'s ist eine Verschwörung, ein Komplott.Marketenderin.Eine Verschwörung? Du lieber Gott!Da können die Herren ja nicht mehr zahlen.Wachtmeister.Freilich! Es wird alles bankerott.Viele von den Hauptleuten und GeneralenStellten aus ihren eignen KassenDie Regimenter, wollten sich sehen lassen,Täten sich angreifen über Vermögen,Dachten, es bring' ihnen großen Segen.Und die alle sind um ihr Geld,Wenn das Haupt, wenn der Herzog fällt.Marketenderin.Ach, du mein Heiland! Das bringt mir Fluch!Die halbe Armee steht in meinem Buch.Der Graf Isolani, der böse Zahler,Restiert mir allein noch zweihundert Taler.Erster Kürassier.Was ist da zu machen, Kameraden?Es ist nureins, was uns retten kann:Verbunden können sie uns nichts schaden;Wir stehen alle füreinenMann.Laßt sie schicken und ordenanzen,Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,Wir geben nicht nach und marschieren nicht,Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.Zweiter Jäger.Wir lassen uns nicht so im Land 'rum führen!Sie sollen kommen und sollen's probieren!Erster Arkebusier.Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiß,'s ist des Kaisers Will' und Geheiß.Trompeter.Werden uns viel um den Kaiser scheren.Erster Arkebusier.Laß Er mich das nicht zweimal hören.Trompeter.'s ist aber doch so, wie ich gesagt.Erster Jäger.Ja, ja, ich hört's immer so erzählen,Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen.Wachtmeister.So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.Absolute Gewalt hat er, müßt ihr wissen,Krieg zu führen und Frieden zu schließen,Geld und Gut kann er konfiszieren,Kann henken lassen und pardonieren,Offiziere kann er und Obersten machen,Kurz, er hat alle die Ehrensachen.Das hat er vom Kaiser eigenhändig.Erster Arkebusier.Der Herzog ist gewaltig und hochverständig;Aber er bleibt doch, schlecht und recht,Wie wir alle, des Kaisers Knecht.Wachtmeister.Nicht wie wir alle! Das wißt Ihr schlecht.Er ist ein unmittelbarer und freierDes Reiches Fürst, so gut wie der Bayer.Sah ich's etwa nicht selbst mit an,Als ich zu Brandeis die Wach' getan,Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,Zu bedecken sein fürstlich Haupt?Erster Arkebusier.Das war für das Mecklenburger Land,Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.Erster Jäger(zum Wachtmeister).Wie? In des Kaisers Gegenwart?Das ist doch seltsam und sehr apart!Wachtmeister(fährt in die Tasche).Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,Sollt ihr's mit Händen greifen und fassen.(Eine Münze zeigend.)Wes ist das Bild und Gepräg?Marketenderin.Weist her!Ei, das ist ja ein Wallensteiner!Wachtmeister.Na, da habt ihr's, was wollt ihr mehr?Ist er nicht Fürst so gut als einer?Schlägt er nicht Geld, wie der Ferdinand?Hat er nicht eigenes Volk und Land?Eine Durchlauchtigkeit läßt er sich nennen!Drum muß er Soldaten halten können.Erster Arkebusier.Das disputiert ihm niemand nicht.Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.Trompeter.Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.Wer unsnichtzahlt,dasist der Kaiser!Hat man uns nicht seit vierzig WochenDie Löhnung immer umsonst versprochen?Erster Arkebusier.Ei was! Das steht ja in guten Händen.Erster Kürassier.Fried', ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlägen enden?Ist denn darüber Zank und Zwist,Ob der Kaiser unser Gebieter ist?Eben drum, weil wir gern in EhrenSeine tüchtigen Reiter wären,Wollen wir nicht seine Herde sein,Wollen uns nicht von den Pfaffen und SchranzenHerum lassen führen und verpflanzen.Sagt selber! Kommt's nicht dem Herrn zu gut,Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?Wer anders macht ihn, als seine Soldaten,Zu dem großmächtigen Potentaten?Verschafft und bewahrt ihm weit und breitDas große Wort in der Christenheit?Mögen sich die sein Joch aufladen,Die mitessen von seinen Gnaden,Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.Wir, wir haben von seinem Glanz und SchimmerNichts als die Müh' und als die Schmerzen,Und wofür wir uns halten in unserm Herzen.Zweiter Jäger.Alle großen Tyrannen und KaiserHielten's so und waren viel weiser.Alles andre täten sie hudeln und schänden,Den Soldaten trugen sie auf den Händen.Erster Kürassier.Der Soldat muß sich können fühlen.Wer's nicht edel und nobel treibt,Lieber weit von dem Handwerk bleibt.Soll ich frisch um mein Leben spielen,Muß mir noch etwas gelten mehr.Oder ich lasse mich eben schlachtenWie der Kroat – und muß mich verachten.Beide Jäger.Ja, übers Leben noch geht die Ehr!Erster Kürassier.Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.Es grünt uns kein Halm, es wächst keine Saat,Ohne Heimat muß der SoldatAuf dem Erdboden flüchtig schwärmen,Darf sich an eignem Herd nicht wärmen,Er muß vorbei an der Städte Glanz,An des Dörfleins lustigen, grünen Auen,Die Traubenlese, den ErntekranzMuß er wandernd von ferne schauen.Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?Etwas muß er sein eigen nennen,Oder der Mensch wird morden und brennen.Erster Arkebusier.Das weiß Gott, 's ist ein elend Leben!Erster Kürassier.Möcht's doch nicht für ein andres geben.Seht, ich bin weit in der Welt 'rum kommen,Hab' alles in Erfahrung genommen.Hab' der hispanischen MonarchieGedient und der Republik VenedigUnd dem Königreich Napoli;Aber das Glück war mir nirgends gnädig.Hab' den Kaufmann gesehn und den RitterUnd den Handwerksmann und den Jesuiter,Und kein Rock hat mir unter allenWie mein eisernes Wams gefallen.Erster Arkebusier.Ne! das kann ich eben nicht sagen.Erster Kürassier.Will einer in der Welt was erjagen,Mag er sich rühren und mag sich plagen;Will er zu hohen Ehren und Würden,Bück' er sich unter die goldnen Bürden;Will er genießen den Vatersegen,Kinder und Enkelein um sich pflegen,Treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh.Ich – ich hab' kein Gemüt dazu.Frei will ich leben und also sterben,Niemand berauben und niemand beerbenUnd auf das Gehudel unter mirLeicht wegschauen von meinem Tier.Erster Jäger.Bravo! Just so ergeht es mir.Erster Arkebusier.Lustiger freilich mag sich's haben,Über anderer Köpf' wegtraben.Erster Kürassier.Kamerad, die Zeiten sind schwer,Das Schwert ist nicht bei der Wage mehr;Aber so mag mir's keiner verdenken,Daß ich mich lieber zum Schwert will lenken.Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,Aber nicht auf mir trommeln lassen.Erster Arkebusier.Wer ist dran schuld, als wir Soldaten,Daß der Nährstand in Schimpf geraten?Der leidige Krieg und die Not und Plag'In die sechzehn Jahr' schon währen mag.Erster Kürassier.Bruder, den lieben Gott da droben,Es können ihn alle zugleich nicht loben.Einer will die Sonn', die den andern beschwert;Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.Wodunur die Not siehst und die Plag',Da scheint mir des Lebens heller Tag.Geht's auf Kosten des Bürgers und Bauern,Nun, wahrhaftig, sie werden mich dauern;Aber ich kann's nicht ändern – seht,'s ist hier just, wie's beim Einhau'n geht:Die Pferde schnauben und setzen an,Liege, wer will, mitten in der Bahn,Sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,Zerriss' mir die Seele sein Jammerton,Über seinen Leib weg muß ich jagen,Kann ihn nicht sachte beiseite tragen.Erster Jäger.Ei, wer wird nach dem andern fragen!Erster Kürassier.Und weil sich's nun einmal so gemacht,Daß das Glück dem Soldaten lacht,Laßt's uns mit beiden Händen fassen,Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.Der Friede wird kommen über Nacht,Der dem Wesen ein Ende macht;Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein,Eh man's denkt, wird's wieder das alte sein.Jetzt sind wir noch beisammen im Land,Wir haben's Heft noch in der Hand.Lassen wir uns auseinander sprengen,Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.Erster Jäger.Nein, das darf nimmermehr geschehn!Kommt, laßt uns alle füreinenstehn!Zweiter Jäger.Ja, laßt uns Abrede nehmen, hört!Erster Arkebusier(ein ledernes Beutelchen ziehend, zur Marketenderin).Gevatterin, was hab' ich verzehrt?Marketenderin.Ach, es ist nicht der Rede wert!(Sie rechnen.)Trompeter.Ihr tut wohl, daß ihr weiter geht,Verderbt uns doch nur die Sozietät.

Sie wollen uns in die Niederland' leihen;Kürassiere, Jäger, reitende Schützen,Sollen achttausend Mann aufsitzen.

Sie wollen uns in die Niederland' leihen;

Kürassiere, Jäger, reitende Schützen,

Sollen achttausend Mann aufsitzen.

Marketenderin.

Marketenderin.

Was? Was? Da sollen wir wieder wandern?Bin erst seit gestern zurück aus Flandern.

Was? Was? Da sollen wir wieder wandern?

Bin erst seit gestern zurück aus Flandern.

Zweiter Kürassier(zu den Dragonern).

Zweiter Kürassier(zu den Dragonern).

Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.

Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Und absonderlich wir Wallonen.

Und absonderlich wir Wallonen.

Marketenderin.

Marketenderin.

Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!

Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.

Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Den Infanten! Das ist ja kurios!

Den Infanten! Das ist ja kurios!

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.

Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Wir sollen von dem Friedländer lassen,Der den Soldaten so nobel hält,Mit dem Spanier ziehen zu Feld,Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?Nein, das geht nicht! Wir laufen fort.

Wir sollen von dem Friedländer lassen,

Der den Soldaten so nobel hält,

Mit dem Spanier ziehen zu Feld,

Dem Knauser, den wir von Herzen hassen?

Nein, das geht nicht! Wir laufen fort.

Trompeter.

Trompeter.

Was, zum Henker! sollen wir dort?Dem Kaiser verkauften wir unser BlutUnd nicht dem hispanischen roten Hut.

Was, zum Henker! sollen wir dort?

Dem Kaiser verkauften wir unser Blut

Und nicht dem hispanischen roten Hut.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Auf des Friedländers Wort und Kredit alleinHaben wir Reitersdienst genommen;Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,Der Ferdinand hätt' uns nimmer bekommen.

Auf des Friedländers Wort und Kredit allein

Haben wir Reitersdienst genommen;

Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,

Der Ferdinand hätt' uns nimmer bekommen.

Erster Dragoner.

Erster Dragoner.

Tät uns der Friedländer nicht formieren?Seine Fortuna soll uns führen.

Tät uns der Friedländer nicht formieren?

Seine Fortuna soll uns führen.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Laßt euch bedeuten, hört mich an.Mit dem Gered' da ist's nicht getan.Ich sehe weiter als ihr alle,Dahinter steckt eine böse Falle.

Laßt euch bedeuten, hört mich an.

Mit dem Gered' da ist's nicht getan.

Ich sehe weiter als ihr alle,

Dahinter steckt eine böse Falle.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Hört das Befehlbuch! Stille doch!

Hört das Befehlbuch! Stille doch!

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Bäschen Gustel, füllt mir erst nochEin Gläschen Melnecker für den Magen,Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.

Bäschen Gustel, füllt mir erst noch

Ein Gläschen Melnecker für den Magen,

Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.

Marketenderin(ihm einschenkend).

Marketenderin(ihm einschenkend).

Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken.Es wird doch nichts Böses dahinter stecken!

Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken.

Es wird doch nichts Böses dahinter stecken!

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,Daß jeder das Nächste bedenken tut;Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,Man muß immer das Ganze überschlagen.Wir nennen uns alle des Friedländers Truppen.Der Bürger, er nimmt uns ins QuartierUnd pflegt uns und kocht uns warme Suppen.Der Bauer muß den Gaul und den StierVorspannen an unsre Bagagewagen,Vergebens wird er sich drüber beklagen.Läßt sich ein Gefreiter mit sieben MannIn einem Dorfe von weitem spüren,Er ist die Obrigkeit drin und kannNach Lust drin walten und kommandieren.Zum Henker! sie mögen uns alle nichtUnd sähen des Teufels sein AngesichtWeit lieber, als unsre gelben Kolletter.Warum schmeißen sie uns nicht aus dem Land? Potz Wetter!Sind uns an Anzahl doch überlegen,Führen den Knüttel, wie wir den Degen.Warum dürfen wir ihrer lachen?Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!

Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,

Daß jeder das Nächste bedenken tut;

Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,

Man muß immer das Ganze überschlagen.

Wir nennen uns alle des Friedländers Truppen.

Der Bürger, er nimmt uns ins Quartier

Und pflegt uns und kocht uns warme Suppen.

Der Bauer muß den Gaul und den Stier

Vorspannen an unsre Bagagewagen,

Vergebens wird er sich drüber beklagen.

Läßt sich ein Gefreiter mit sieben Mann

In einem Dorfe von weitem spüren,

Er ist die Obrigkeit drin und kann

Nach Lust drin walten und kommandieren.

Zum Henker! sie mögen uns alle nicht

Und sähen des Teufels sein Angesicht

Weit lieber, als unsre gelben Kolletter.

Warum schmeißen sie uns nicht aus dem Land? Potz Wetter!

Sind uns an Anzahl doch überlegen,

Führen den Knüttel, wie wir den Degen.

Warum dürfen wir ihrer lachen?

Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!Der Friedländer hat das wohl erfahren,Wie er dem Kaiser vor acht – neun JahrenDie große Armee zusammenbracht.Sie wollten erst nur von zwölftausend hören:Die, sagt' er, die kann ich nicht ernähren;Aber ich will sechzigtausend werben,Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben.Und so wurden wir Wallensteiner.

Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!

Der Friedländer hat das wohl erfahren,

Wie er dem Kaiser vor acht – neun Jahren

Die große Armee zusammenbracht.

Sie wollten erst nur von zwölftausend hören:

Die, sagt' er, die kann ich nicht ernähren;

Aber ich will sechzigtausend werben,

Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben.

Und so wurden wir Wallensteiner.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Zum Exempel, da hack mir einerVon den fünf Fingern, die ich hab',Hier an der Rechten den kleinen ab.Habt ihr mir den Finger bloß genommen?Nein, beim Kuckuck, ich bin um die Hand gekommen!'s ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.Ja, und diese achttausend Pferd,Die man nach Flandern jetzt begehrt,Sind von der Armee nur der kleine Finger.Läßt man sie ziehn, ihr tröstet euch,Wir seien um ein Fünftel nur geringer?Pros't Mahlzeit! da fällt das Ganze gleich.Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu,Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,Da schreiben sie uns in der Wiener KanzleiDen Quartier- und den Küchenzettel,Und es ist wieder der alte Bettel.Ja, und wie lang wird's stehen an,So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann –Sie sind ihm am Hofe so nicht grün,Nun, da fällt eben alles hin!Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?Sorgt, daß man uns die Kontrakte hält?Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,Den schnellen Witz und die feste Hand,Diese gestückelten HeeresmassenZusammen zu fügen und zu passen?Zum Exempel – Dragoner – sprich:Aus welchem Vaterland schreibst du dich?

Zum Exempel, da hack mir einer

Von den fünf Fingern, die ich hab',

Hier an der Rechten den kleinen ab.

Habt ihr mir den Finger bloß genommen?

Nein, beim Kuckuck, ich bin um die Hand gekommen!

's ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert.

Ja, und diese achttausend Pferd,

Die man nach Flandern jetzt begehrt,

Sind von der Armee nur der kleine Finger.

Läßt man sie ziehn, ihr tröstet euch,

Wir seien um ein Fünftel nur geringer?

Pros't Mahlzeit! da fällt das Ganze gleich.

Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu,

Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu,

Da schreiben sie uns in der Wiener Kanzlei

Den Quartier- und den Küchenzettel,

Und es ist wieder der alte Bettel.

Ja, und wie lang wird's stehen an,

So nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann –

Sie sind ihm am Hofe so nicht grün,

Nun, da fällt eben alles hin!

Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld?

Sorgt, daß man uns die Kontrakte hält?

Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,

Den schnellen Witz und die feste Hand,

Diese gestückelten Heeresmassen

Zusammen zu fügen und zu passen?

Zum Exempel – Dragoner – sprich:

Aus welchem Vaterland schreibst du dich?

Erster Dragoner.

Erster Dragoner.

Weit aus Hibernien her komm' ich.

Weit aus Hibernien her komm' ich.

Wachtmeister(zu den beiden Kürassieren).

Wachtmeister(zu den beiden Kürassieren).

Ihr, das weiß ich, seid ein Wallon;Ihr ein Welscher. Man hört's am Ton.

Ihr, das weiß ich, seid ein Wallon;

Ihr ein Welscher. Man hört's am Ton.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Wer ich bin? ich hab's nie können erfahren:Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.

Wer ich bin? ich hab's nie können erfahren:

Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Und du bist auch nicht aus der Näh?

Und du bist auch nicht aus der Näh?

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Ich bin von Buchau am Federsee.

Ich bin von Buchau am Federsee.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Und Ihr, Nachbar?

Und Ihr, Nachbar?

Zweiter Arkebusier.

Zweiter Arkebusier.

Aus der Schwitz.

Aus der Schwitz.

Wachtmeister(zum zweiten Jäger).

Wachtmeister(zum zweiten Jäger).

Was für ein Landsmann bist du, Jäger?

Was für ein Landsmann bist du, Jäger?

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.

Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.

Wachtmeister(auf den Trompeter zeigend).

Wachtmeister(auf den Trompeter zeigend).

Und der da und ich, wir sind aus Eger.Nun! und wer merkt uns das nun an,Daß wir aus Süden und aus NordenZusammen geschneit und geblasen worden?Sehn wir nicht aus, wie auseinemSpan?Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,Recht wie zusammen geleimt und gegossen?Greifen wir nicht, wie ein Mühlwerk, flinkIneinander auf Wort und Wink?Wer hat uns so zusammen geschmiedet,Daß ihr uns nimmer unterschiedet?Kein andrer sonst als der Wallenstein!

Und der da und ich, wir sind aus Eger.

Nun! und wer merkt uns das nun an,

Daß wir aus Süden und aus Norden

Zusammen geschneit und geblasen worden?

Sehn wir nicht aus, wie auseinemSpan?

Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,

Recht wie zusammen geleimt und gegossen?

Greifen wir nicht, wie ein Mühlwerk, flink

Ineinander auf Wort und Wink?

Wer hat uns so zusammen geschmiedet,

Daß ihr uns nimmer unterschiedet?

Kein andrer sonst als der Wallenstein!

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,Daß wir so gut zusammen passen;Hab' mich immer nur gehen lassen.

Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,

Daß wir so gut zusammen passen;

Hab' mich immer nur gehen lassen.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Dem Wachtmeister muß ich Beifall geben.Dem Kriegsstand kämen sie gern ans Leben;Den Soldaten wollen sie niederhalten,Daß sie alleine können walten.'s ist eine Verschwörung, ein Komplott.

Dem Wachtmeister muß ich Beifall geben.

Dem Kriegsstand kämen sie gern ans Leben;

Den Soldaten wollen sie niederhalten,

Daß sie alleine können walten.

's ist eine Verschwörung, ein Komplott.

Marketenderin.

Marketenderin.

Eine Verschwörung? Du lieber Gott!Da können die Herren ja nicht mehr zahlen.

Eine Verschwörung? Du lieber Gott!

Da können die Herren ja nicht mehr zahlen.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Freilich! Es wird alles bankerott.Viele von den Hauptleuten und GeneralenStellten aus ihren eignen KassenDie Regimenter, wollten sich sehen lassen,Täten sich angreifen über Vermögen,Dachten, es bring' ihnen großen Segen.Und die alle sind um ihr Geld,Wenn das Haupt, wenn der Herzog fällt.

Freilich! Es wird alles bankerott.

Viele von den Hauptleuten und Generalen

Stellten aus ihren eignen Kassen

Die Regimenter, wollten sich sehen lassen,

Täten sich angreifen über Vermögen,

Dachten, es bring' ihnen großen Segen.

Und die alle sind um ihr Geld,

Wenn das Haupt, wenn der Herzog fällt.

Marketenderin.

Marketenderin.

Ach, du mein Heiland! Das bringt mir Fluch!Die halbe Armee steht in meinem Buch.Der Graf Isolani, der böse Zahler,Restiert mir allein noch zweihundert Taler.

Ach, du mein Heiland! Das bringt mir Fluch!

Die halbe Armee steht in meinem Buch.

Der Graf Isolani, der böse Zahler,

Restiert mir allein noch zweihundert Taler.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Was ist da zu machen, Kameraden?Es ist nureins, was uns retten kann:Verbunden können sie uns nichts schaden;Wir stehen alle füreinenMann.Laßt sie schicken und ordenanzen,Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,Wir geben nicht nach und marschieren nicht,Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.

Was ist da zu machen, Kameraden?

Es ist nureins, was uns retten kann:

Verbunden können sie uns nichts schaden;

Wir stehen alle füreinenMann.

Laßt sie schicken und ordenanzen,

Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,

Wir geben nicht nach und marschieren nicht,

Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Wir lassen uns nicht so im Land 'rum führen!Sie sollen kommen und sollen's probieren!

Wir lassen uns nicht so im Land 'rum führen!

Sie sollen kommen und sollen's probieren!

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiß,'s ist des Kaisers Will' und Geheiß.

Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiß,

's ist des Kaisers Will' und Geheiß.

Trompeter.

Trompeter.

Werden uns viel um den Kaiser scheren.

Werden uns viel um den Kaiser scheren.

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Laß Er mich das nicht zweimal hören.

Laß Er mich das nicht zweimal hören.

Trompeter.

Trompeter.

's ist aber doch so, wie ich gesagt.

's ist aber doch so, wie ich gesagt.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Ja, ja, ich hört's immer so erzählen,Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen.

Ja, ja, ich hört's immer so erzählen,

Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.Absolute Gewalt hat er, müßt ihr wissen,Krieg zu führen und Frieden zu schließen,Geld und Gut kann er konfiszieren,Kann henken lassen und pardonieren,Offiziere kann er und Obersten machen,Kurz, er hat alle die Ehrensachen.Das hat er vom Kaiser eigenhändig.

So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.

Absolute Gewalt hat er, müßt ihr wissen,

Krieg zu führen und Frieden zu schließen,

Geld und Gut kann er konfiszieren,

Kann henken lassen und pardonieren,

Offiziere kann er und Obersten machen,

Kurz, er hat alle die Ehrensachen.

Das hat er vom Kaiser eigenhändig.

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Der Herzog ist gewaltig und hochverständig;Aber er bleibt doch, schlecht und recht,Wie wir alle, des Kaisers Knecht.

Der Herzog ist gewaltig und hochverständig;

Aber er bleibt doch, schlecht und recht,

Wie wir alle, des Kaisers Knecht.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Nicht wie wir alle! Das wißt Ihr schlecht.Er ist ein unmittelbarer und freierDes Reiches Fürst, so gut wie der Bayer.Sah ich's etwa nicht selbst mit an,Als ich zu Brandeis die Wach' getan,Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,Zu bedecken sein fürstlich Haupt?

Nicht wie wir alle! Das wißt Ihr schlecht.

Er ist ein unmittelbarer und freier

Des Reiches Fürst, so gut wie der Bayer.

Sah ich's etwa nicht selbst mit an,

Als ich zu Brandeis die Wach' getan,

Wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,

Zu bedecken sein fürstlich Haupt?

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Das war für das Mecklenburger Land,Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.

Das war für das Mecklenburger Land,

Das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.

Erster Jäger(zum Wachtmeister).

Erster Jäger(zum Wachtmeister).

Wie? In des Kaisers Gegenwart?Das ist doch seltsam und sehr apart!

Wie? In des Kaisers Gegenwart?

Das ist doch seltsam und sehr apart!

Wachtmeister(fährt in die Tasche).

Wachtmeister(fährt in die Tasche).

Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,Sollt ihr's mit Händen greifen und fassen.(Eine Münze zeigend.)Wes ist das Bild und Gepräg?

Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,

Sollt ihr's mit Händen greifen und fassen.(Eine Münze zeigend.)

Wes ist das Bild und Gepräg?

Marketenderin.

Marketenderin.

Weist her!Ei, das ist ja ein Wallensteiner!

Weist her!

Ei, das ist ja ein Wallensteiner!

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Na, da habt ihr's, was wollt ihr mehr?Ist er nicht Fürst so gut als einer?Schlägt er nicht Geld, wie der Ferdinand?Hat er nicht eigenes Volk und Land?Eine Durchlauchtigkeit läßt er sich nennen!Drum muß er Soldaten halten können.

Na, da habt ihr's, was wollt ihr mehr?

Ist er nicht Fürst so gut als einer?

Schlägt er nicht Geld, wie der Ferdinand?

Hat er nicht eigenes Volk und Land?

Eine Durchlauchtigkeit läßt er sich nennen!

Drum muß er Soldaten halten können.

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Das disputiert ihm niemand nicht.Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.

Das disputiert ihm niemand nicht.

Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,

Und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.

Trompeter.

Trompeter.

Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.Wer unsnichtzahlt,dasist der Kaiser!Hat man uns nicht seit vierzig WochenDie Löhnung immer umsonst versprochen?

Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.

Wer unsnichtzahlt,dasist der Kaiser!

Hat man uns nicht seit vierzig Wochen

Die Löhnung immer umsonst versprochen?

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Ei was! Das steht ja in guten Händen.

Ei was! Das steht ja in guten Händen.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Fried', ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlägen enden?Ist denn darüber Zank und Zwist,Ob der Kaiser unser Gebieter ist?Eben drum, weil wir gern in EhrenSeine tüchtigen Reiter wären,Wollen wir nicht seine Herde sein,Wollen uns nicht von den Pfaffen und SchranzenHerum lassen führen und verpflanzen.Sagt selber! Kommt's nicht dem Herrn zu gut,Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?Wer anders macht ihn, als seine Soldaten,Zu dem großmächtigen Potentaten?Verschafft und bewahrt ihm weit und breitDas große Wort in der Christenheit?Mögen sich die sein Joch aufladen,Die mitessen von seinen Gnaden,Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.Wir, wir haben von seinem Glanz und SchimmerNichts als die Müh' und als die Schmerzen,Und wofür wir uns halten in unserm Herzen.

Fried', ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlägen enden?

Ist denn darüber Zank und Zwist,

Ob der Kaiser unser Gebieter ist?

Eben drum, weil wir gern in Ehren

Seine tüchtigen Reiter wären,

Wollen wir nicht seine Herde sein,

Wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen

Herum lassen führen und verpflanzen.

Sagt selber! Kommt's nicht dem Herrn zu gut,

Wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?

Wer anders macht ihn, als seine Soldaten,

Zu dem großmächtigen Potentaten?

Verschafft und bewahrt ihm weit und breit

Das große Wort in der Christenheit?

Mögen sich die sein Joch aufladen,

Die mitessen von seinen Gnaden,

Die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.

Wir, wir haben von seinem Glanz und Schimmer

Nichts als die Müh' und als die Schmerzen,

Und wofür wir uns halten in unserm Herzen.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Alle großen Tyrannen und KaiserHielten's so und waren viel weiser.Alles andre täten sie hudeln und schänden,Den Soldaten trugen sie auf den Händen.

Alle großen Tyrannen und Kaiser

Hielten's so und waren viel weiser.

Alles andre täten sie hudeln und schänden,

Den Soldaten trugen sie auf den Händen.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Der Soldat muß sich können fühlen.Wer's nicht edel und nobel treibt,Lieber weit von dem Handwerk bleibt.Soll ich frisch um mein Leben spielen,Muß mir noch etwas gelten mehr.Oder ich lasse mich eben schlachtenWie der Kroat – und muß mich verachten.

Der Soldat muß sich können fühlen.

Wer's nicht edel und nobel treibt,

Lieber weit von dem Handwerk bleibt.

Soll ich frisch um mein Leben spielen,

Muß mir noch etwas gelten mehr.

Oder ich lasse mich eben schlachten

Wie der Kroat – und muß mich verachten.

Beide Jäger.

Beide Jäger.

Ja, übers Leben noch geht die Ehr!

Ja, übers Leben noch geht die Ehr!

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.Es grünt uns kein Halm, es wächst keine Saat,Ohne Heimat muß der SoldatAuf dem Erdboden flüchtig schwärmen,Darf sich an eignem Herd nicht wärmen,Er muß vorbei an der Städte Glanz,An des Dörfleins lustigen, grünen Auen,Die Traubenlese, den ErntekranzMuß er wandernd von ferne schauen.Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?Etwas muß er sein eigen nennen,Oder der Mensch wird morden und brennen.

Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug,

Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.

Es grünt uns kein Halm, es wächst keine Saat,

Ohne Heimat muß der Soldat

Auf dem Erdboden flüchtig schwärmen,

Darf sich an eignem Herd nicht wärmen,

Er muß vorbei an der Städte Glanz,

An des Dörfleins lustigen, grünen Auen,

Die Traubenlese, den Erntekranz

Muß er wandernd von ferne schauen.

Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,

Wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?

Etwas muß er sein eigen nennen,

Oder der Mensch wird morden und brennen.

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Das weiß Gott, 's ist ein elend Leben!

Das weiß Gott, 's ist ein elend Leben!

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Möcht's doch nicht für ein andres geben.Seht, ich bin weit in der Welt 'rum kommen,Hab' alles in Erfahrung genommen.Hab' der hispanischen MonarchieGedient und der Republik VenedigUnd dem Königreich Napoli;Aber das Glück war mir nirgends gnädig.Hab' den Kaufmann gesehn und den RitterUnd den Handwerksmann und den Jesuiter,Und kein Rock hat mir unter allenWie mein eisernes Wams gefallen.

Möcht's doch nicht für ein andres geben.

Seht, ich bin weit in der Welt 'rum kommen,

Hab' alles in Erfahrung genommen.

Hab' der hispanischen Monarchie

Gedient und der Republik Venedig

Und dem Königreich Napoli;

Aber das Glück war mir nirgends gnädig.

Hab' den Kaufmann gesehn und den Ritter

Und den Handwerksmann und den Jesuiter,

Und kein Rock hat mir unter allen

Wie mein eisernes Wams gefallen.

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Ne! das kann ich eben nicht sagen.

Ne! das kann ich eben nicht sagen.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Will einer in der Welt was erjagen,Mag er sich rühren und mag sich plagen;Will er zu hohen Ehren und Würden,Bück' er sich unter die goldnen Bürden;Will er genießen den Vatersegen,Kinder und Enkelein um sich pflegen,Treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh.Ich – ich hab' kein Gemüt dazu.Frei will ich leben und also sterben,Niemand berauben und niemand beerbenUnd auf das Gehudel unter mirLeicht wegschauen von meinem Tier.

Will einer in der Welt was erjagen,

Mag er sich rühren und mag sich plagen;

Will er zu hohen Ehren und Würden,

Bück' er sich unter die goldnen Bürden;

Will er genießen den Vatersegen,

Kinder und Enkelein um sich pflegen,

Treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh.

Ich – ich hab' kein Gemüt dazu.

Frei will ich leben und also sterben,

Niemand berauben und niemand beerben

Und auf das Gehudel unter mir

Leicht wegschauen von meinem Tier.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Bravo! Just so ergeht es mir.

Bravo! Just so ergeht es mir.

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Lustiger freilich mag sich's haben,Über anderer Köpf' wegtraben.

Lustiger freilich mag sich's haben,

Über anderer Köpf' wegtraben.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Kamerad, die Zeiten sind schwer,Das Schwert ist nicht bei der Wage mehr;Aber so mag mir's keiner verdenken,Daß ich mich lieber zum Schwert will lenken.Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,Aber nicht auf mir trommeln lassen.

Kamerad, die Zeiten sind schwer,

Das Schwert ist nicht bei der Wage mehr;

Aber so mag mir's keiner verdenken,

Daß ich mich lieber zum Schwert will lenken.

Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,

Aber nicht auf mir trommeln lassen.

Erster Arkebusier.

Erster Arkebusier.

Wer ist dran schuld, als wir Soldaten,Daß der Nährstand in Schimpf geraten?Der leidige Krieg und die Not und Plag'In die sechzehn Jahr' schon währen mag.

Wer ist dran schuld, als wir Soldaten,

Daß der Nährstand in Schimpf geraten?

Der leidige Krieg und die Not und Plag'

In die sechzehn Jahr' schon währen mag.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Bruder, den lieben Gott da droben,Es können ihn alle zugleich nicht loben.Einer will die Sonn', die den andern beschwert;Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.Wodunur die Not siehst und die Plag',Da scheint mir des Lebens heller Tag.Geht's auf Kosten des Bürgers und Bauern,Nun, wahrhaftig, sie werden mich dauern;Aber ich kann's nicht ändern – seht,'s ist hier just, wie's beim Einhau'n geht:Die Pferde schnauben und setzen an,Liege, wer will, mitten in der Bahn,Sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,Zerriss' mir die Seele sein Jammerton,Über seinen Leib weg muß ich jagen,Kann ihn nicht sachte beiseite tragen.

Bruder, den lieben Gott da droben,

Es können ihn alle zugleich nicht loben.

Einer will die Sonn', die den andern beschwert;

Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.

Wodunur die Not siehst und die Plag',

Da scheint mir des Lebens heller Tag.

Geht's auf Kosten des Bürgers und Bauern,

Nun, wahrhaftig, sie werden mich dauern;

Aber ich kann's nicht ändern – seht,

's ist hier just, wie's beim Einhau'n geht:

Die Pferde schnauben und setzen an,

Liege, wer will, mitten in der Bahn,

Sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,

Zerriss' mir die Seele sein Jammerton,

Über seinen Leib weg muß ich jagen,

Kann ihn nicht sachte beiseite tragen.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Ei, wer wird nach dem andern fragen!

Ei, wer wird nach dem andern fragen!

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Und weil sich's nun einmal so gemacht,Daß das Glück dem Soldaten lacht,Laßt's uns mit beiden Händen fassen,Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.Der Friede wird kommen über Nacht,Der dem Wesen ein Ende macht;Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein,Eh man's denkt, wird's wieder das alte sein.Jetzt sind wir noch beisammen im Land,Wir haben's Heft noch in der Hand.Lassen wir uns auseinander sprengen,Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.

Und weil sich's nun einmal so gemacht,

Daß das Glück dem Soldaten lacht,

Laßt's uns mit beiden Händen fassen,

Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.

Der Friede wird kommen über Nacht,

Der dem Wesen ein Ende macht;

Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein,

Eh man's denkt, wird's wieder das alte sein.

Jetzt sind wir noch beisammen im Land,

Wir haben's Heft noch in der Hand.

Lassen wir uns auseinander sprengen,

Werden sie uns den Brotkorb höher hängen.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Nein, das darf nimmermehr geschehn!Kommt, laßt uns alle füreinenstehn!

Nein, das darf nimmermehr geschehn!

Kommt, laßt uns alle füreinenstehn!

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Ja, laßt uns Abrede nehmen, hört!

Ja, laßt uns Abrede nehmen, hört!

Erster Arkebusier(ein ledernes Beutelchen ziehend, zur Marketenderin).

Erster Arkebusier(ein ledernes Beutelchen ziehend, zur Marketenderin).

Gevatterin, was hab' ich verzehrt?

Gevatterin, was hab' ich verzehrt?

Marketenderin.

Marketenderin.

Ach, es ist nicht der Rede wert!(Sie rechnen.)

Ach, es ist nicht der Rede wert!(Sie rechnen.)

Trompeter.

Trompeter.

Ihr tut wohl, daß ihr weiter geht,Verderbt uns doch nur die Sozietät.

Ihr tut wohl, daß ihr weiter geht,

Verderbt uns doch nur die Sozietät.

(Arkebusiere gehen ab.)

(Arkebusiere gehen ab.)

Erster Kürassier.Schad' um die Leut! Sind sonst wackre Brüder.Erster Jäger.Aber das denkt wie ein Seifensieder.Zweiter Jäger.Jetzt sind wir unter uns, laßt hören,Wie wir den neuen Anschlag stören.Trompeter.Was? wir gehen eben nicht hin.Erster Kürassier.Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!Jeder geht jetzt zu seinem Korps,Trägt's den Kameraden vernünftig vor,Daß sie's begreifen und einsehn lernen:Wir dürfen uns nicht so weit entfernen.Für meine Wallonen sag' ich gut.So, wie ich, jeder denken tut.Wachtmeister.Terzkas Regimenter zu Roß und FußStimmen alle in diesen Schluß.Zweiter Kürassier(stellt sich zum ersten).Der Lombard sich nicht vom Wallonen trennt.Erster Jäger.Freiheit ist Jägers Element.Zweiter Jäger.Freiheit ist bei der Macht allein:Ich leb' und sterb' bei dem Wallenstein.Erster Scharfschütz.Der Lothringer geht mit der großen Flut,Wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.Dragoner.Der Irländer folgt des Glückes Stern.Zweiter Scharfschütz.Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.Erster Kürassier.Also laßt jedes RegimentEin Promemoria reinlich schreiben:Daß wir zusammen wollen bleiben,Daß uns keine Gewalt noch ListVon dem Friedländer weg soll treiben,Der ein Soldatenvater ist.Das reicht man in tiefer DevotionDem Piccolomini – ich meine den Sohn –Der versteht sich auf solche Sachen,Kann bei dem Friedländer alles machen,Hat auch einen großen Stein im BretBei des Kaisers und Königs Majestät.Zweiter Jäger.Kommt! Dabei bleibt's! Schlagt alle ein!Piccolomini soll unser Sprecher sein.Trompeter.Dragoner.Erster Jäger.Zweiter Kürassier.Scharfschützen(zugleich).Piccolomini soll unser Sprecher sein.(Wollen fort.)Wachtmeister.Erst noch ein Gläschen, Kameraden!(Trinkt.)Des Piccolomini hohe Gnaden!Marketenderin(bringt eine Flasche).Das kommt nicht aufs Kerbholz. Ich geb' es gern.Gute Verrichtung, meine Herrn!Kürassiere.Der Wehrstand soll leben!Beide Jäger.Der Nährstand soll geben!DragonerundScharfschützen.Die Armee soll florieren!TrompeterundWachtmeister.Und der Friedländer soll sie regieren!Zweiter Kürassier(singt).Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!Ins Feld, in die Freiheit gezogen.Im Felde, da ist der Mann noch was wert,Da wird das Herz noch gewogen.Da tritt kein anderer für ihn ein,Auf sich selber steht er da ganz allein.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Schad' um die Leut! Sind sonst wackre Brüder.

Schad' um die Leut! Sind sonst wackre Brüder.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Aber das denkt wie ein Seifensieder.

Aber das denkt wie ein Seifensieder.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Jetzt sind wir unter uns, laßt hören,Wie wir den neuen Anschlag stören.

Jetzt sind wir unter uns, laßt hören,

Wie wir den neuen Anschlag stören.

Trompeter.

Trompeter.

Was? wir gehen eben nicht hin.

Was? wir gehen eben nicht hin.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!Jeder geht jetzt zu seinem Korps,Trägt's den Kameraden vernünftig vor,Daß sie's begreifen und einsehn lernen:Wir dürfen uns nicht so weit entfernen.Für meine Wallonen sag' ich gut.So, wie ich, jeder denken tut.

Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!

Jeder geht jetzt zu seinem Korps,

Trägt's den Kameraden vernünftig vor,

Daß sie's begreifen und einsehn lernen:

Wir dürfen uns nicht so weit entfernen.

Für meine Wallonen sag' ich gut.

So, wie ich, jeder denken tut.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Terzkas Regimenter zu Roß und FußStimmen alle in diesen Schluß.

Terzkas Regimenter zu Roß und Fuß

Stimmen alle in diesen Schluß.

Zweiter Kürassier(stellt sich zum ersten).

Zweiter Kürassier(stellt sich zum ersten).

Der Lombard sich nicht vom Wallonen trennt.

Der Lombard sich nicht vom Wallonen trennt.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Freiheit ist Jägers Element.

Freiheit ist Jägers Element.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Freiheit ist bei der Macht allein:Ich leb' und sterb' bei dem Wallenstein.

Freiheit ist bei der Macht allein:

Ich leb' und sterb' bei dem Wallenstein.

Erster Scharfschütz.

Erster Scharfschütz.

Der Lothringer geht mit der großen Flut,Wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.

Der Lothringer geht mit der großen Flut,

Wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.

Dragoner.

Dragoner.

Der Irländer folgt des Glückes Stern.

Der Irländer folgt des Glückes Stern.

Zweiter Scharfschütz.

Zweiter Scharfschütz.

Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.

Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.

Erster Kürassier.

Erster Kürassier.

Also laßt jedes RegimentEin Promemoria reinlich schreiben:Daß wir zusammen wollen bleiben,Daß uns keine Gewalt noch ListVon dem Friedländer weg soll treiben,Der ein Soldatenvater ist.Das reicht man in tiefer DevotionDem Piccolomini – ich meine den Sohn –Der versteht sich auf solche Sachen,Kann bei dem Friedländer alles machen,Hat auch einen großen Stein im BretBei des Kaisers und Königs Majestät.

Also laßt jedes Regiment

Ein Promemoria reinlich schreiben:

Daß wir zusammen wollen bleiben,

Daß uns keine Gewalt noch List

Von dem Friedländer weg soll treiben,

Der ein Soldatenvater ist.

Das reicht man in tiefer Devotion

Dem Piccolomini – ich meine den Sohn –

Der versteht sich auf solche Sachen,

Kann bei dem Friedländer alles machen,

Hat auch einen großen Stein im Bret

Bei des Kaisers und Königs Majestät.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Kommt! Dabei bleibt's! Schlagt alle ein!Piccolomini soll unser Sprecher sein.

Kommt! Dabei bleibt's! Schlagt alle ein!

Piccolomini soll unser Sprecher sein.

Trompeter.Dragoner.Erster Jäger.Zweiter Kürassier.Scharfschützen(zugleich).

Trompeter.Dragoner.Erster Jäger.Zweiter Kürassier.Scharfschützen(zugleich).

Piccolomini soll unser Sprecher sein.(Wollen fort.)

Piccolomini soll unser Sprecher sein.(Wollen fort.)

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Erst noch ein Gläschen, Kameraden!(Trinkt.)Des Piccolomini hohe Gnaden!

Erst noch ein Gläschen, Kameraden!(Trinkt.)

Des Piccolomini hohe Gnaden!

Marketenderin(bringt eine Flasche).

Marketenderin(bringt eine Flasche).

Das kommt nicht aufs Kerbholz. Ich geb' es gern.Gute Verrichtung, meine Herrn!

Das kommt nicht aufs Kerbholz. Ich geb' es gern.

Gute Verrichtung, meine Herrn!

Kürassiere.

Kürassiere.

Der Wehrstand soll leben!

Der Wehrstand soll leben!

Beide Jäger.

Beide Jäger.

Der Nährstand soll geben!

Der Nährstand soll geben!

DragonerundScharfschützen.

DragonerundScharfschützen.

Die Armee soll florieren!

Die Armee soll florieren!

TrompeterundWachtmeister.

TrompeterundWachtmeister.

Und der Friedländer soll sie regieren!

Und der Friedländer soll sie regieren!

Zweiter Kürassier(singt).

Zweiter Kürassier(singt).

Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!Ins Feld, in die Freiheit gezogen.Im Felde, da ist der Mann noch was wert,Da wird das Herz noch gewogen.Da tritt kein anderer für ihn ein,Auf sich selber steht er da ganz allein.

Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!

Ins Feld, in die Freiheit gezogen.

Im Felde, da ist der Mann noch was wert,

Da wird das Herz noch gewogen.

Da tritt kein anderer für ihn ein,

Auf sich selber steht er da ganz allein.


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