6. Auftritt.

(Marketenderin geht.)

(Marketenderin geht.)

Zweiter Jäger(das Mädchen haltend).Bleib Sie bei uns doch, artiges Kind.Aufwärterin.Gäste dort zu bedienen sind.

Zweiter Jäger(das Mädchen haltend).

Zweiter Jäger(das Mädchen haltend).

Bleib Sie bei uns doch, artiges Kind.

Bleib Sie bei uns doch, artiges Kind.

Aufwärterin.

Aufwärterin.

Gäste dort zu bedienen sind.

Gäste dort zu bedienen sind.

(Macht sich los und geht.)

(Macht sich los und geht.)

Erster Jäger.Das Mädchen ist kein übler Bissen! –Und die Muhme – beim Element!Was haben die Herrn vom RegimentSich um das niedliche Lärvchen gerissen! –Was man nicht alles für Leute kennt,Und wie die Zeit von dannen rennt. –Was werd' ich noch alles erleben müssen!

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Das Mädchen ist kein übler Bissen! –Und die Muhme – beim Element!Was haben die Herrn vom RegimentSich um das niedliche Lärvchen gerissen! –Was man nicht alles für Leute kennt,Und wie die Zeit von dannen rennt. –Was werd' ich noch alles erleben müssen!

Das Mädchen ist kein übler Bissen! –

Und die Muhme – beim Element!

Was haben die Herrn vom Regiment

Sich um das niedliche Lärvchen gerissen! –

Was man nicht alles für Leute kennt,

Und wie die Zeit von dannen rennt. –

Was werd' ich noch alles erleben müssen!

(Zum Wachtmeister und Trompeter.)

(Zum Wachtmeister und Trompeter.)

Euch zur Gesundheit, meine Herrn! –Laßt uns hier auch ein Plätzchen nehmen.

Euch zur Gesundheit, meine Herrn! –Laßt uns hier auch ein Plätzchen nehmen.

Euch zur Gesundheit, meine Herrn! –

Laßt uns hier auch ein Plätzchen nehmen.

Jäger.Wachtmeister.Trompeter.

Jäger.Wachtmeister.Trompeter.

Wachtmeister.Wir danken schön. Von Herzen gern.Wir rücken zu. Willkommen in Böhmen!Erster Jäger.Ihr sitzt hier warm. Wir, in Feindes Land,Mußten derweil uns schlecht bequemen.Trompeter.Man sollt's euch nicht ansehn, ihr seid galant.Wachtmeister.Ja, ja, im Saalkreis und auch in MeißenHört man euch Herrn nicht besonders preisen.Zweiter Jäger.Seid mir doch still! Was will das heißen?Der Kroat es ganz anders trieb,Uns nur die Nachles' übrig blieb.Trompeter.Ihr habt da einen saubern SpitzenAm Kragen, und wie euch die Hosen sitzen!Die feine Wäsche, der Federhut!Was das alles für Wirkung tut!Daß doch den Burschen das Glück soll scheinen,Und so was kommt nie an unser einen!Wachtmeister.Dafür sind wir des Friedländers Regiment,Man muß uns ehren und respektieren.Erster Jäger.Das ist für uns andre kein Kompliment,Wir ebenso gut seinen Namenführen.Wachtmeister.Ja, ihr gehört auch so zur ganzen Masse.Erster Jäger.Ihr seid wohl von einer besondern Rasse?Der ganze Unterschied ist in den Röcken,Und ich ganz gern mag in meinem stecken.Wachtmeister.Herr Jäger, ich muß Euch nur bedauern,Ihr lebt so draußen bei den Bauern;Der feine Griff und der rechte Ton,Das lernt sich nur um des Feldherrn Person.Erster Jäger.Sie bekam Euch übel, die Lektion.Wie er räuspert, und wie er spuckt,Das habt Ihr ihm glücklich abgeguckt;Aber sein Schenie, ich meine sein GeistSich nicht auf der Wachparade weist.Zweiter Jäger.Wetter auch! wo Ihr nach uns fragt,Wir heißen des Friedländers wilde JagdUnd machen dem Namen keine Schande –Ziehen frech durch Feindes und Freundes Lande,Querfeldein durch die Saat, durch das gelbe Korn –Sie kennen das Holkische Jägerhorn! –In einem Augenblick fern und nah,Schnell wie die Sündflut, so sind wir da –Wie die Feuerflamme bei dunkler NachtIn die Häuser fähret, wenn niemand wacht –Da hilft keine Gegenwehr, keine Flucht,Keine Ordnung gilt mehr und keine Zucht. –Es sträubt sich – der Krieg hat kein Erbarmen –Das Mägdlein in unsern sehnigten Armen –Fragt nach, ich sag's nicht, um zu prahlen;In Baireuth, im Voigtland, in Westfalen,Wo wir nur durchgekommen sind –Erzählen Kinder und KindeskindNach hundert und aber hundert JahrenVon dem Holk noch und seinen Scharen.Wachtmeister.Nun, da sieht man's! Der Saus und Braus,Macht denn der den Soldaten aus?Das Tempo macht ihn, der Sinn und Schick,Der Begriff, die Bedeutung, der feine Blick.Erster Jäger.Die Freiheit macht ihn! Mit Euren Fratzen!Daß ich mit Euch soll darüber schwatzen. –Lief ich darum aus der Schul' und der Lehre,Daß ich die Fron' und die Galeere,Die Schreibstub' und ihre engen WändeIn dem Feldlager wiederfände? –Flott will ich leben und müßig gehn,Alle Tage was Neues sehn,Mich dem Augenblick frisch vertrauen,Nicht zurück, auch nicht vorwärts schauen –Drum hab' ich meine Haut dem Kaiser verhandelt,Daß keine Sorg' mich mehr anwandelt.Führt mich ins Feuer frisch hinein,Über den reißenden, tiefen Rhein –Der dritte Mann soll verloren sein;Werde mich nicht lang sperren und zieren. –Sonst muß man mich aber, ich bitte sehr,Mit nichts weiter inkommodieren.Wachtmeister.Nu, nu, verlangt Ihr sonst nichts mehr?Das ließ sich unter dem Wams da finden.Erster Jäger.Was war das nicht für ein Placken und SchindenBei Gustav, dem Schweden, dem Leuteplager!Der machte eine Kirch' aus seinem Lager,Ließ Betstunde halten, des Morgens, gleichBei der Reveille und beim Zapfenstreich.Und wurden wir manchmal ein wenig munter,Er kanzelt' uns selbst wohl vom Gaul herunter.Wachtmeister.Ja, es war ein gottesfürchtiger Herr.Erster Jäger.Dirnen, die ließ er gar nicht passieren,Mußten sie gleich zur Kirche führen.Da lief ich, konnt's nicht ertragen mehr.Wachtmeister.Jetzt geht's dort auch wohl anders her.Erster Jäger.So ritt ich hinüber zu den Ligisten,Sie täten sich just gegen Magdeburg rüsten.Ja, das war schon ein ander Ding!Alles da lustiger, loser ging,Soff und Spiel und Mädels die Menge!Wahrhaftig, der Spaß war nicht gering,Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren.Dem eigenen Körper war er strenge,Dem Soldaten ließ er vieles passieren,Und ging's nur nicht aus seiner Kassen,Sein Spruch war: leben und leben lassen.Aber das Glück blieb ihm nicht stet –Seit der Leipziger FatalitätWollt' es eben nirgends mehr flecken,Alles bei uns geriet ins Stecken;Wo wir erschienen und pochten an,Ward nicht gegrüßt noch aufgetan.Wir mußten uns drücken von Ort zu Ort,Der alte Respekt war eben fort. –Da nahm ich Handgeld von den Sachsen,Meinte, da müßte mein Glück recht wachsen.Wachtmeister.Nun, da kamt Ihr ja eben rechtZur böhmischen Beute.Erster Jäger.Es ging mir schlecht.Sollten da strenge Mannszucht halten,Durften nicht recht als Feinde walten,Mußten des Kaisers Schlösser bewachen,Viel Umständ' und Komplimente machen,Führten den Krieg, als wär's nur Scherz,Hatten für die Sach' nur ein halbes Herz,Wollten's mit niemand ganz verderben,Kurz, da war wenig Ehr zu erwerben,Und ich wär' bald für UngeduldWieder heimgelaufen zum Schreibepult,Wenn nicht eben auf allen StraßenDer Friedländer hätte werben lassen.Wachtmeister.Und wie lang denkt Ihr's hier auszuhalten?Erster Jäger.Spaßt nur! Solangedertut walten,Denk' ich Euch, mein Seel! an kein Entlaufen.Kann's der Soldat wo besser kaufen? –Da geht alles nach Kriegessitt',Hat alles 'nen großen Schnitt,Und der Geist, der im ganzen Korps tut leben,Reißet gewaltig, wie Windesweben,Auch den untersten Reiter mit.Da tret' ich auf mit beherztem Schritt,Darf über den Bürger kühn wegschreiten,Wie der Feldherr über der Fürsten Haupt.Es ist hier wie in den alten Zeiten,Wo die Klinge noch alles tät bedeuten;Da gibt's nureinVergehn und Verbrechen:Der Ordre fürwitzig widersprechen.Was nicht verboten ist, ist erlaubt;Da fragt niemand, was einer glaubt.Es gibt nur zwei Ding' überhaupt:Was zur Armee gehört und nicht;Und nur der Fahne bin ich verpflicht.Wachtmeister.Jetzt gefallt Ihr mir, Jäger! Ihr sprechtWie ein Friedländischer Reitersknecht.Erster Jäger.Der führt's Kommando nicht wie ein Amt,Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt!Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst,Was bracht' er dem Kaiser für Gewinst?Was hat er mit seiner großen MachtZu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?Ein Reich von Soldaten wollt' er gründen,Die Welt anstecken und entzünden,Sich alles vermessen und unterwinden –Trompeter.Still! Wer wird solche Worte wagen!Erster Jäger.Was ich denke, das darf ich sagen.Das Wort ist frei, sagt der General.Wachtmeister.So sagt er, ich hört's wohl einigemal,Ich stand dabei. »Das Wort ist frei,Die Tat ist stumm, der Gehorsam blind,«Dies urkundlich seine Worte sind.Erster Jäger.Ob's just seine Wort' sind, weiß ich nicht;Aber die Sach ist so, wie er spricht.Zweiter Jäger.Ihm schlägt das Kriegsglück nimmer um,Wie's wohl bei andern pflegt zu geschehen.Der Tilly überlebte seinen Ruhm.Doch unter des Friedländers Kriegspanieren,Da bin ich gewiß zu viktorisieren.Er bannet das Glück, es muß ihm stehen.Wer unter seinem Zeichen tut fechten,Der steht unter besondern Mächten.Denn das weiß ja die ganze Welt,Daß der Friedländer einen TeufelAus der Hölle im Solde hält.Wachtmeister.Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel.Denn in der blut'gen Affär bei LützenRitt er euch unter des Feuers BlitzenAuf und nieder mit kühlem Blut.Durchlöchert von Kugeln war sein Hut,Durch den Stiefel und Koller fuhrenDie Ballen, man sah die deutlichen Spuren;Konnt' ihm keine die Haut nur ritzen,Weil ihn die höllische Salbe tät schützen.Erster Jäger.Was wollt Ihr da für Wunder bringen!Er trägt ein Koller von Elendshaut,Das keine Kugel kann durchdringen.Wachtmeister.Nein, es ist die Salbe von Hexenkraut,Unter Zaubersprüchen gekocht und gebraut.Trompeter.Es geht nicht zu mit rechten Dingen!Wachtmeister.Sie sagen, er les' auch in den SternenDie künftigen Dinge, die nahen und fernen;Ich weiß aber besser, wie's damit ist.Ein graues Männlein pflegt bei nächtlicher FristDurch verschlossene Türen zu ihm einzugehen;Die Schildwachen haben's oft angeschrien,Und immer was Großes ist drauf geschehen,Wenn je das graue Röcklein kam und erschien.Zweiter Jäger.Ja, er hat sich dem Teufel übergeben,Drum führen wir auch das lustige Leben.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Wir danken schön. Von Herzen gern.Wir rücken zu. Willkommen in Böhmen!

Wir danken schön. Von Herzen gern.

Wir rücken zu. Willkommen in Böhmen!

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Ihr sitzt hier warm. Wir, in Feindes Land,Mußten derweil uns schlecht bequemen.

Ihr sitzt hier warm. Wir, in Feindes Land,

Mußten derweil uns schlecht bequemen.

Trompeter.

Trompeter.

Man sollt's euch nicht ansehn, ihr seid galant.

Man sollt's euch nicht ansehn, ihr seid galant.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Ja, ja, im Saalkreis und auch in MeißenHört man euch Herrn nicht besonders preisen.

Ja, ja, im Saalkreis und auch in Meißen

Hört man euch Herrn nicht besonders preisen.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Seid mir doch still! Was will das heißen?Der Kroat es ganz anders trieb,Uns nur die Nachles' übrig blieb.

Seid mir doch still! Was will das heißen?

Der Kroat es ganz anders trieb,

Uns nur die Nachles' übrig blieb.

Trompeter.

Trompeter.

Ihr habt da einen saubern SpitzenAm Kragen, und wie euch die Hosen sitzen!Die feine Wäsche, der Federhut!Was das alles für Wirkung tut!Daß doch den Burschen das Glück soll scheinen,Und so was kommt nie an unser einen!

Ihr habt da einen saubern Spitzen

Am Kragen, und wie euch die Hosen sitzen!

Die feine Wäsche, der Federhut!

Was das alles für Wirkung tut!

Daß doch den Burschen das Glück soll scheinen,

Und so was kommt nie an unser einen!

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Dafür sind wir des Friedländers Regiment,Man muß uns ehren und respektieren.

Dafür sind wir des Friedländers Regiment,

Man muß uns ehren und respektieren.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Das ist für uns andre kein Kompliment,Wir ebenso gut seinen Namenführen.

Das ist für uns andre kein Kompliment,

Wir ebenso gut seinen Namenführen.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Ja, ihr gehört auch so zur ganzen Masse.

Ja, ihr gehört auch so zur ganzen Masse.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Ihr seid wohl von einer besondern Rasse?Der ganze Unterschied ist in den Röcken,Und ich ganz gern mag in meinem stecken.

Ihr seid wohl von einer besondern Rasse?

Der ganze Unterschied ist in den Röcken,

Und ich ganz gern mag in meinem stecken.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Herr Jäger, ich muß Euch nur bedauern,Ihr lebt so draußen bei den Bauern;Der feine Griff und der rechte Ton,Das lernt sich nur um des Feldherrn Person.

Herr Jäger, ich muß Euch nur bedauern,

Ihr lebt so draußen bei den Bauern;

Der feine Griff und der rechte Ton,

Das lernt sich nur um des Feldherrn Person.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Sie bekam Euch übel, die Lektion.Wie er räuspert, und wie er spuckt,Das habt Ihr ihm glücklich abgeguckt;Aber sein Schenie, ich meine sein GeistSich nicht auf der Wachparade weist.

Sie bekam Euch übel, die Lektion.

Wie er räuspert, und wie er spuckt,

Das habt Ihr ihm glücklich abgeguckt;

Aber sein Schenie, ich meine sein Geist

Sich nicht auf der Wachparade weist.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Wetter auch! wo Ihr nach uns fragt,Wir heißen des Friedländers wilde JagdUnd machen dem Namen keine Schande –Ziehen frech durch Feindes und Freundes Lande,Querfeldein durch die Saat, durch das gelbe Korn –Sie kennen das Holkische Jägerhorn! –In einem Augenblick fern und nah,Schnell wie die Sündflut, so sind wir da –Wie die Feuerflamme bei dunkler NachtIn die Häuser fähret, wenn niemand wacht –Da hilft keine Gegenwehr, keine Flucht,Keine Ordnung gilt mehr und keine Zucht. –Es sträubt sich – der Krieg hat kein Erbarmen –Das Mägdlein in unsern sehnigten Armen –Fragt nach, ich sag's nicht, um zu prahlen;In Baireuth, im Voigtland, in Westfalen,Wo wir nur durchgekommen sind –Erzählen Kinder und KindeskindNach hundert und aber hundert JahrenVon dem Holk noch und seinen Scharen.

Wetter auch! wo Ihr nach uns fragt,

Wir heißen des Friedländers wilde Jagd

Und machen dem Namen keine Schande –

Ziehen frech durch Feindes und Freundes Lande,

Querfeldein durch die Saat, durch das gelbe Korn –

Sie kennen das Holkische Jägerhorn! –

In einem Augenblick fern und nah,

Schnell wie die Sündflut, so sind wir da –

Wie die Feuerflamme bei dunkler Nacht

In die Häuser fähret, wenn niemand wacht –

Da hilft keine Gegenwehr, keine Flucht,

Keine Ordnung gilt mehr und keine Zucht. –

Es sträubt sich – der Krieg hat kein Erbarmen –

Das Mägdlein in unsern sehnigten Armen –

Fragt nach, ich sag's nicht, um zu prahlen;

In Baireuth, im Voigtland, in Westfalen,

Wo wir nur durchgekommen sind –

Erzählen Kinder und Kindeskind

Nach hundert und aber hundert Jahren

Von dem Holk noch und seinen Scharen.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Nun, da sieht man's! Der Saus und Braus,Macht denn der den Soldaten aus?Das Tempo macht ihn, der Sinn und Schick,Der Begriff, die Bedeutung, der feine Blick.

Nun, da sieht man's! Der Saus und Braus,

Macht denn der den Soldaten aus?

Das Tempo macht ihn, der Sinn und Schick,

Der Begriff, die Bedeutung, der feine Blick.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Die Freiheit macht ihn! Mit Euren Fratzen!Daß ich mit Euch soll darüber schwatzen. –Lief ich darum aus der Schul' und der Lehre,Daß ich die Fron' und die Galeere,Die Schreibstub' und ihre engen WändeIn dem Feldlager wiederfände? –Flott will ich leben und müßig gehn,Alle Tage was Neues sehn,Mich dem Augenblick frisch vertrauen,Nicht zurück, auch nicht vorwärts schauen –Drum hab' ich meine Haut dem Kaiser verhandelt,Daß keine Sorg' mich mehr anwandelt.Führt mich ins Feuer frisch hinein,Über den reißenden, tiefen Rhein –Der dritte Mann soll verloren sein;Werde mich nicht lang sperren und zieren. –Sonst muß man mich aber, ich bitte sehr,Mit nichts weiter inkommodieren.

Die Freiheit macht ihn! Mit Euren Fratzen!

Daß ich mit Euch soll darüber schwatzen. –

Lief ich darum aus der Schul' und der Lehre,

Daß ich die Fron' und die Galeere,

Die Schreibstub' und ihre engen Wände

In dem Feldlager wiederfände? –

Flott will ich leben und müßig gehn,

Alle Tage was Neues sehn,

Mich dem Augenblick frisch vertrauen,

Nicht zurück, auch nicht vorwärts schauen –

Drum hab' ich meine Haut dem Kaiser verhandelt,

Daß keine Sorg' mich mehr anwandelt.

Führt mich ins Feuer frisch hinein,

Über den reißenden, tiefen Rhein –

Der dritte Mann soll verloren sein;

Werde mich nicht lang sperren und zieren. –

Sonst muß man mich aber, ich bitte sehr,

Mit nichts weiter inkommodieren.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Nu, nu, verlangt Ihr sonst nichts mehr?Das ließ sich unter dem Wams da finden.

Nu, nu, verlangt Ihr sonst nichts mehr?

Das ließ sich unter dem Wams da finden.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Was war das nicht für ein Placken und SchindenBei Gustav, dem Schweden, dem Leuteplager!Der machte eine Kirch' aus seinem Lager,Ließ Betstunde halten, des Morgens, gleichBei der Reveille und beim Zapfenstreich.Und wurden wir manchmal ein wenig munter,Er kanzelt' uns selbst wohl vom Gaul herunter.

Was war das nicht für ein Placken und Schinden

Bei Gustav, dem Schweden, dem Leuteplager!

Der machte eine Kirch' aus seinem Lager,

Ließ Betstunde halten, des Morgens, gleich

Bei der Reveille und beim Zapfenstreich.

Und wurden wir manchmal ein wenig munter,

Er kanzelt' uns selbst wohl vom Gaul herunter.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Ja, es war ein gottesfürchtiger Herr.

Ja, es war ein gottesfürchtiger Herr.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Dirnen, die ließ er gar nicht passieren,Mußten sie gleich zur Kirche führen.Da lief ich, konnt's nicht ertragen mehr.

Dirnen, die ließ er gar nicht passieren,

Mußten sie gleich zur Kirche führen.

Da lief ich, konnt's nicht ertragen mehr.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Jetzt geht's dort auch wohl anders her.

Jetzt geht's dort auch wohl anders her.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

So ritt ich hinüber zu den Ligisten,Sie täten sich just gegen Magdeburg rüsten.Ja, das war schon ein ander Ding!Alles da lustiger, loser ging,Soff und Spiel und Mädels die Menge!Wahrhaftig, der Spaß war nicht gering,Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren.Dem eigenen Körper war er strenge,Dem Soldaten ließ er vieles passieren,Und ging's nur nicht aus seiner Kassen,Sein Spruch war: leben und leben lassen.Aber das Glück blieb ihm nicht stet –Seit der Leipziger FatalitätWollt' es eben nirgends mehr flecken,Alles bei uns geriet ins Stecken;Wo wir erschienen und pochten an,Ward nicht gegrüßt noch aufgetan.Wir mußten uns drücken von Ort zu Ort,Der alte Respekt war eben fort. –Da nahm ich Handgeld von den Sachsen,Meinte, da müßte mein Glück recht wachsen.

So ritt ich hinüber zu den Ligisten,

Sie täten sich just gegen Magdeburg rüsten.

Ja, das war schon ein ander Ding!

Alles da lustiger, loser ging,

Soff und Spiel und Mädels die Menge!

Wahrhaftig, der Spaß war nicht gering,

Denn der Tilly verstand sich aufs Kommandieren.

Dem eigenen Körper war er strenge,

Dem Soldaten ließ er vieles passieren,

Und ging's nur nicht aus seiner Kassen,

Sein Spruch war: leben und leben lassen.

Aber das Glück blieb ihm nicht stet –

Seit der Leipziger Fatalität

Wollt' es eben nirgends mehr flecken,

Alles bei uns geriet ins Stecken;

Wo wir erschienen und pochten an,

Ward nicht gegrüßt noch aufgetan.

Wir mußten uns drücken von Ort zu Ort,

Der alte Respekt war eben fort. –

Da nahm ich Handgeld von den Sachsen,

Meinte, da müßte mein Glück recht wachsen.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Nun, da kamt Ihr ja eben rechtZur böhmischen Beute.

Nun, da kamt Ihr ja eben recht

Zur böhmischen Beute.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Es ging mir schlecht.Sollten da strenge Mannszucht halten,Durften nicht recht als Feinde walten,Mußten des Kaisers Schlösser bewachen,Viel Umständ' und Komplimente machen,Führten den Krieg, als wär's nur Scherz,Hatten für die Sach' nur ein halbes Herz,Wollten's mit niemand ganz verderben,Kurz, da war wenig Ehr zu erwerben,Und ich wär' bald für UngeduldWieder heimgelaufen zum Schreibepult,Wenn nicht eben auf allen StraßenDer Friedländer hätte werben lassen.

Es ging mir schlecht.

Sollten da strenge Mannszucht halten,

Durften nicht recht als Feinde walten,

Mußten des Kaisers Schlösser bewachen,

Viel Umständ' und Komplimente machen,

Führten den Krieg, als wär's nur Scherz,

Hatten für die Sach' nur ein halbes Herz,

Wollten's mit niemand ganz verderben,

Kurz, da war wenig Ehr zu erwerben,

Und ich wär' bald für Ungeduld

Wieder heimgelaufen zum Schreibepult,

Wenn nicht eben auf allen Straßen

Der Friedländer hätte werben lassen.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Und wie lang denkt Ihr's hier auszuhalten?

Und wie lang denkt Ihr's hier auszuhalten?

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Spaßt nur! Solangedertut walten,Denk' ich Euch, mein Seel! an kein Entlaufen.Kann's der Soldat wo besser kaufen? –Da geht alles nach Kriegessitt',Hat alles 'nen großen Schnitt,Und der Geist, der im ganzen Korps tut leben,Reißet gewaltig, wie Windesweben,Auch den untersten Reiter mit.Da tret' ich auf mit beherztem Schritt,Darf über den Bürger kühn wegschreiten,Wie der Feldherr über der Fürsten Haupt.Es ist hier wie in den alten Zeiten,Wo die Klinge noch alles tät bedeuten;Da gibt's nureinVergehn und Verbrechen:Der Ordre fürwitzig widersprechen.Was nicht verboten ist, ist erlaubt;Da fragt niemand, was einer glaubt.Es gibt nur zwei Ding' überhaupt:Was zur Armee gehört und nicht;Und nur der Fahne bin ich verpflicht.

Spaßt nur! Solangedertut walten,

Denk' ich Euch, mein Seel! an kein Entlaufen.

Kann's der Soldat wo besser kaufen? –

Da geht alles nach Kriegessitt',

Hat alles 'nen großen Schnitt,

Und der Geist, der im ganzen Korps tut leben,

Reißet gewaltig, wie Windesweben,

Auch den untersten Reiter mit.

Da tret' ich auf mit beherztem Schritt,

Darf über den Bürger kühn wegschreiten,

Wie der Feldherr über der Fürsten Haupt.

Es ist hier wie in den alten Zeiten,

Wo die Klinge noch alles tät bedeuten;

Da gibt's nureinVergehn und Verbrechen:

Der Ordre fürwitzig widersprechen.

Was nicht verboten ist, ist erlaubt;

Da fragt niemand, was einer glaubt.

Es gibt nur zwei Ding' überhaupt:

Was zur Armee gehört und nicht;

Und nur der Fahne bin ich verpflicht.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Jetzt gefallt Ihr mir, Jäger! Ihr sprechtWie ein Friedländischer Reitersknecht.

Jetzt gefallt Ihr mir, Jäger! Ihr sprecht

Wie ein Friedländischer Reitersknecht.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Der führt's Kommando nicht wie ein Amt,Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt!Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst,Was bracht' er dem Kaiser für Gewinst?Was hat er mit seiner großen MachtZu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?Ein Reich von Soldaten wollt' er gründen,Die Welt anstecken und entzünden,Sich alles vermessen und unterwinden –

Der führt's Kommando nicht wie ein Amt,

Wie eine Gewalt, die vom Kaiser stammt!

Es ist ihm nicht um des Kaisers Dienst,

Was bracht' er dem Kaiser für Gewinst?

Was hat er mit seiner großen Macht

Zu des Landes Schirm und Schutz vollbracht?

Ein Reich von Soldaten wollt' er gründen,

Die Welt anstecken und entzünden,

Sich alles vermessen und unterwinden –

Trompeter.

Trompeter.

Still! Wer wird solche Worte wagen!

Still! Wer wird solche Worte wagen!

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Was ich denke, das darf ich sagen.Das Wort ist frei, sagt der General.

Was ich denke, das darf ich sagen.

Das Wort ist frei, sagt der General.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

So sagt er, ich hört's wohl einigemal,Ich stand dabei. »Das Wort ist frei,Die Tat ist stumm, der Gehorsam blind,«Dies urkundlich seine Worte sind.

So sagt er, ich hört's wohl einigemal,

Ich stand dabei. »Das Wort ist frei,

Die Tat ist stumm, der Gehorsam blind,«

Dies urkundlich seine Worte sind.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Ob's just seine Wort' sind, weiß ich nicht;Aber die Sach ist so, wie er spricht.

Ob's just seine Wort' sind, weiß ich nicht;

Aber die Sach ist so, wie er spricht.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Ihm schlägt das Kriegsglück nimmer um,Wie's wohl bei andern pflegt zu geschehen.Der Tilly überlebte seinen Ruhm.Doch unter des Friedländers Kriegspanieren,Da bin ich gewiß zu viktorisieren.Er bannet das Glück, es muß ihm stehen.Wer unter seinem Zeichen tut fechten,Der steht unter besondern Mächten.Denn das weiß ja die ganze Welt,Daß der Friedländer einen TeufelAus der Hölle im Solde hält.

Ihm schlägt das Kriegsglück nimmer um,

Wie's wohl bei andern pflegt zu geschehen.

Der Tilly überlebte seinen Ruhm.

Doch unter des Friedländers Kriegspanieren,

Da bin ich gewiß zu viktorisieren.

Er bannet das Glück, es muß ihm stehen.

Wer unter seinem Zeichen tut fechten,

Der steht unter besondern Mächten.

Denn das weiß ja die ganze Welt,

Daß der Friedländer einen Teufel

Aus der Hölle im Solde hält.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel.Denn in der blut'gen Affär bei LützenRitt er euch unter des Feuers BlitzenAuf und nieder mit kühlem Blut.Durchlöchert von Kugeln war sein Hut,Durch den Stiefel und Koller fuhrenDie Ballen, man sah die deutlichen Spuren;Konnt' ihm keine die Haut nur ritzen,Weil ihn die höllische Salbe tät schützen.

Ja, daß er fest ist, das ist kein Zweifel.

Denn in der blut'gen Affär bei Lützen

Ritt er euch unter des Feuers Blitzen

Auf und nieder mit kühlem Blut.

Durchlöchert von Kugeln war sein Hut,

Durch den Stiefel und Koller fuhren

Die Ballen, man sah die deutlichen Spuren;

Konnt' ihm keine die Haut nur ritzen,

Weil ihn die höllische Salbe tät schützen.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Was wollt Ihr da für Wunder bringen!Er trägt ein Koller von Elendshaut,Das keine Kugel kann durchdringen.

Was wollt Ihr da für Wunder bringen!

Er trägt ein Koller von Elendshaut,

Das keine Kugel kann durchdringen.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Nein, es ist die Salbe von Hexenkraut,Unter Zaubersprüchen gekocht und gebraut.

Nein, es ist die Salbe von Hexenkraut,

Unter Zaubersprüchen gekocht und gebraut.

Trompeter.

Trompeter.

Es geht nicht zu mit rechten Dingen!

Es geht nicht zu mit rechten Dingen!

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Sie sagen, er les' auch in den SternenDie künftigen Dinge, die nahen und fernen;Ich weiß aber besser, wie's damit ist.Ein graues Männlein pflegt bei nächtlicher FristDurch verschlossene Türen zu ihm einzugehen;Die Schildwachen haben's oft angeschrien,Und immer was Großes ist drauf geschehen,Wenn je das graue Röcklein kam und erschien.

Sie sagen, er les' auch in den Sternen

Die künftigen Dinge, die nahen und fernen;

Ich weiß aber besser, wie's damit ist.

Ein graues Männlein pflegt bei nächtlicher Frist

Durch verschlossene Türen zu ihm einzugehen;

Die Schildwachen haben's oft angeschrien,

Und immer was Großes ist drauf geschehen,

Wenn je das graue Röcklein kam und erschien.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Ja, er hat sich dem Teufel übergeben,Drum führen wir auch das lustige Leben.

Ja, er hat sich dem Teufel übergeben,

Drum führen wir auch das lustige Leben.

Vorige.Ein Rekrut.Ein Bürger.Dragoner.

Vorige.Ein Rekrut.Ein Bürger.Dragoner.

Rekrut(tritt aus dem Zelt, eine Blechhaube auf dem Kopfe, eine Weinflasche in der Hand).Grüß den Vater und Vaters Brüder!Bin Soldat, komme nimmer wieder.Erster Jäger.Sieh, da bringen sie einen Neuen!Bürger.O, gib acht, Franz! es wird dich reuen.Rekrut(singt).Trommeln und Pfeifen,Kriegrischer Klang!Wandern und streifenDie Welt entlang,Rosse gelenkt,Mutig geschwenkt,Schwert an der Seite,Frisch in die Weite,Flüchtig und flink,Frei, wie der FinkAuf Sträuchern und Bäumen,In Himmels Räumen!Heisa! ich folge des Friedländers Fahn!Zweiter Jäger.Seht mir, das ist ein wackrer Kumpan!

Rekrut(tritt aus dem Zelt, eine Blechhaube auf dem Kopfe, eine Weinflasche in der Hand).

Rekrut(tritt aus dem Zelt, eine Blechhaube auf dem Kopfe, eine Weinflasche in der Hand).

Grüß den Vater und Vaters Brüder!Bin Soldat, komme nimmer wieder.

Grüß den Vater und Vaters Brüder!

Bin Soldat, komme nimmer wieder.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Sieh, da bringen sie einen Neuen!

Sieh, da bringen sie einen Neuen!

Bürger.

Bürger.

O, gib acht, Franz! es wird dich reuen.

O, gib acht, Franz! es wird dich reuen.

Rekrut(singt).

Rekrut(singt).

Trommeln und Pfeifen,Kriegrischer Klang!Wandern und streifenDie Welt entlang,Rosse gelenkt,Mutig geschwenkt,Schwert an der Seite,Frisch in die Weite,Flüchtig und flink,Frei, wie der FinkAuf Sträuchern und Bäumen,In Himmels Räumen!Heisa! ich folge des Friedländers Fahn!

Trommeln und Pfeifen,

Kriegrischer Klang!

Wandern und streifen

Die Welt entlang,

Rosse gelenkt,

Mutig geschwenkt,

Schwert an der Seite,

Frisch in die Weite,

Flüchtig und flink,

Frei, wie der Fink

Auf Sträuchern und Bäumen,

In Himmels Räumen!

Heisa! ich folge des Friedländers Fahn!

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Seht mir, das ist ein wackrer Kumpan!

Seht mir, das ist ein wackrer Kumpan!

(Sie begrüßen ihn.)

(Sie begrüßen ihn.)

Bürger.O, laßt ihn. Er ist guter Leute Kind.Erster Jäger.Wir auch nicht auf der Straße gefunden sind.Bürger.Ich sag' euch, er hat Vermögen und Mittel.Fühlt her, das feine Tüchlein am Kittel.Trompeter.Des Kaisers Rock ist der höchste Titel.Bürger.Er erbt eine kleine Mützenfabrik.Zweiter Jäger.Des Menschen Wille, das ist sein Glück.Bürger.Von der Großmutter einen Kram und Laden.Erster Jäger.Pfui, wer handelt mit Schwefelfaden!Bürger.Einen Weinschank dazu von seiner Paten,Ein Gewölbe mit zwanzig Stückfaß Wein.Trompeter.Den teilt er mit seinen Kameraden.Zweiter Jäger.Hör du! wir müssen Zeltbrüder sein.Bürger.Eine Braut läßt er sitzen in Tränen und Schmerz.Erster Jäger.Recht so, da zeigt er ein eisernes Herz.Bürger.Die Großmutter wird für Kummer sterben.Zweiter Jäger.Desto besser, so kann er sie gleich beerben.Wachtmeister(tritt gravitätisch herzu, dem Rekruten die Hand auf die Blechhaube legend).Sieht Er! das hat Er wohl erwogen.Einen neuen Menschen hat Er angezogen;Mit dem Helm da und WehrgehängSchließt Er sich an eine würdige Meng.Muß ein fürnehmer Geist jetzt in Ihn fahren –Erster Jäger.Muß besonders das Geld nicht sparen.Wachtmeister.Auf der Fortuna ihrem SchiffIst Er zu segeln im Begriff;Die Weltkugel liegt vor Ihm offen,Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.Es treibt sich der Bürgersmann, träg und dumm,Wie des Färbers Gaul, nur im Ring herum.Aus dem Soldaten kann alles werden,Denn Krieg ist jetzt die Losung auf Erden.Seh' Er malmichan! In diesem RockFühr' ich, sieht Er, des Kaisers Stock.Alles Weltregiment, muß Er wissen,Von dem Stock hat ausgehen müssen;Und das Zepter in Königs HandIst ein Stock nur, das ist bekannt.Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,Der steht auf der Leiter zur höchsten Macht,Und so weit kann Er's auch noch treiben.Erster Jäger.Wenn Er nur lesen kann und schreiben.Wachtmeister.Da will ich Ihm gleich ein Exempel geben;Ich tät's vor kurzem selbst erleben.Da ist der Schef vom Dragonerkorps,Heißt Buttler, wir standen als GemeineNoch vor dreißig Jahren bei Köln am Rheine,Jetzt nennt man ihn Generalmajor.Das macht, er tät sich baß hervor,Tät die Welt mit seinem Kriegsruhm füllen;Doch meine Verdienste, die blieben im stillen.Ja, und der Friedländer selbst, sieht Er,Unser Hauptmann und hochgebietender Herr,Der jetzt alles vermag und kann,War erst nur ein schlichter Edelmann,Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut,Hat er sich diese Größ' erbaut,Ist nach dem Kaiser der nächste Mann,Und wer weiß, was er noch erreicht und ermißt,(pfiffig)Denn noch nicht aller Tage Abend ist.Erster Jäger.Ja, er fing's klein an und ist jetzt so groß.Denn zu Altorf im StudentenkragenTrieb er's, mit Permiß zu sagen,Ein wenig locker und burschikos,Hätte seinen Famulus bald erschlagen.Wollten ihn drauf die Nürnberger HerrenMir nichts, dir nichts ins Karzer sperren;'s war just ein neugebautes Nest,Der erste Bewohner sollt' es taufen.Aber wie fängt er's an? Er läßtWeislich den Pudel voran erst laufen.Nach dem Hunde nennt sich's bis diesen Tag;Ein rechter Kerl sich dran spiegeln mag.Unter des Herrn großen Taten allenHat mir das Stückchen besonders gefallen.

Bürger.

Bürger.

O, laßt ihn. Er ist guter Leute Kind.

O, laßt ihn. Er ist guter Leute Kind.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Wir auch nicht auf der Straße gefunden sind.

Wir auch nicht auf der Straße gefunden sind.

Bürger.

Bürger.

Ich sag' euch, er hat Vermögen und Mittel.Fühlt her, das feine Tüchlein am Kittel.

Ich sag' euch, er hat Vermögen und Mittel.

Fühlt her, das feine Tüchlein am Kittel.

Trompeter.

Trompeter.

Des Kaisers Rock ist der höchste Titel.

Des Kaisers Rock ist der höchste Titel.

Bürger.

Bürger.

Er erbt eine kleine Mützenfabrik.

Er erbt eine kleine Mützenfabrik.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Des Menschen Wille, das ist sein Glück.

Des Menschen Wille, das ist sein Glück.

Bürger.

Bürger.

Von der Großmutter einen Kram und Laden.

Von der Großmutter einen Kram und Laden.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Pfui, wer handelt mit Schwefelfaden!

Pfui, wer handelt mit Schwefelfaden!

Bürger.

Bürger.

Einen Weinschank dazu von seiner Paten,Ein Gewölbe mit zwanzig Stückfaß Wein.

Einen Weinschank dazu von seiner Paten,

Ein Gewölbe mit zwanzig Stückfaß Wein.

Trompeter.

Trompeter.

Den teilt er mit seinen Kameraden.

Den teilt er mit seinen Kameraden.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Hör du! wir müssen Zeltbrüder sein.

Hör du! wir müssen Zeltbrüder sein.

Bürger.

Bürger.

Eine Braut läßt er sitzen in Tränen und Schmerz.

Eine Braut läßt er sitzen in Tränen und Schmerz.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Recht so, da zeigt er ein eisernes Herz.

Recht so, da zeigt er ein eisernes Herz.

Bürger.

Bürger.

Die Großmutter wird für Kummer sterben.

Die Großmutter wird für Kummer sterben.

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Desto besser, so kann er sie gleich beerben.

Desto besser, so kann er sie gleich beerben.

Wachtmeister(tritt gravitätisch herzu, dem Rekruten die Hand auf die Blechhaube legend).

Wachtmeister(tritt gravitätisch herzu, dem Rekruten die Hand auf die Blechhaube legend).

Sieht Er! das hat Er wohl erwogen.Einen neuen Menschen hat Er angezogen;Mit dem Helm da und WehrgehängSchließt Er sich an eine würdige Meng.Muß ein fürnehmer Geist jetzt in Ihn fahren –

Sieht Er! das hat Er wohl erwogen.

Einen neuen Menschen hat Er angezogen;

Mit dem Helm da und Wehrgehäng

Schließt Er sich an eine würdige Meng.

Muß ein fürnehmer Geist jetzt in Ihn fahren –

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Muß besonders das Geld nicht sparen.

Muß besonders das Geld nicht sparen.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Auf der Fortuna ihrem SchiffIst Er zu segeln im Begriff;Die Weltkugel liegt vor Ihm offen,Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.Es treibt sich der Bürgersmann, träg und dumm,Wie des Färbers Gaul, nur im Ring herum.Aus dem Soldaten kann alles werden,Denn Krieg ist jetzt die Losung auf Erden.Seh' Er malmichan! In diesem RockFühr' ich, sieht Er, des Kaisers Stock.Alles Weltregiment, muß Er wissen,Von dem Stock hat ausgehen müssen;Und das Zepter in Königs HandIst ein Stock nur, das ist bekannt.Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,Der steht auf der Leiter zur höchsten Macht,Und so weit kann Er's auch noch treiben.

Auf der Fortuna ihrem Schiff

Ist Er zu segeln im Begriff;

Die Weltkugel liegt vor Ihm offen,

Wer nichts waget, der darf nichts hoffen.

Es treibt sich der Bürgersmann, träg und dumm,

Wie des Färbers Gaul, nur im Ring herum.

Aus dem Soldaten kann alles werden,

Denn Krieg ist jetzt die Losung auf Erden.

Seh' Er malmichan! In diesem Rock

Führ' ich, sieht Er, des Kaisers Stock.

Alles Weltregiment, muß Er wissen,

Von dem Stock hat ausgehen müssen;

Und das Zepter in Königs Hand

Ist ein Stock nur, das ist bekannt.

Und wer's zum Korporal erst hat gebracht,

Der steht auf der Leiter zur höchsten Macht,

Und so weit kann Er's auch noch treiben.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Wenn Er nur lesen kann und schreiben.

Wenn Er nur lesen kann und schreiben.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Da will ich Ihm gleich ein Exempel geben;Ich tät's vor kurzem selbst erleben.Da ist der Schef vom Dragonerkorps,Heißt Buttler, wir standen als GemeineNoch vor dreißig Jahren bei Köln am Rheine,Jetzt nennt man ihn Generalmajor.Das macht, er tät sich baß hervor,Tät die Welt mit seinem Kriegsruhm füllen;Doch meine Verdienste, die blieben im stillen.Ja, und der Friedländer selbst, sieht Er,Unser Hauptmann und hochgebietender Herr,Der jetzt alles vermag und kann,War erst nur ein schlichter Edelmann,Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut,Hat er sich diese Größ' erbaut,Ist nach dem Kaiser der nächste Mann,Und wer weiß, was er noch erreicht und ermißt,(pfiffig)Denn noch nicht aller Tage Abend ist.

Da will ich Ihm gleich ein Exempel geben;

Ich tät's vor kurzem selbst erleben.

Da ist der Schef vom Dragonerkorps,

Heißt Buttler, wir standen als Gemeine

Noch vor dreißig Jahren bei Köln am Rheine,

Jetzt nennt man ihn Generalmajor.

Das macht, er tät sich baß hervor,

Tät die Welt mit seinem Kriegsruhm füllen;

Doch meine Verdienste, die blieben im stillen.

Ja, und der Friedländer selbst, sieht Er,

Unser Hauptmann und hochgebietender Herr,

Der jetzt alles vermag und kann,

War erst nur ein schlichter Edelmann,

Und weil er der Kriegsgöttin sich vertraut,

Hat er sich diese Größ' erbaut,

Ist nach dem Kaiser der nächste Mann,

Und wer weiß, was er noch erreicht und ermißt,

(pfiffig)Denn noch nicht aller Tage Abend ist.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Ja, er fing's klein an und ist jetzt so groß.Denn zu Altorf im StudentenkragenTrieb er's, mit Permiß zu sagen,Ein wenig locker und burschikos,Hätte seinen Famulus bald erschlagen.Wollten ihn drauf die Nürnberger HerrenMir nichts, dir nichts ins Karzer sperren;'s war just ein neugebautes Nest,Der erste Bewohner sollt' es taufen.Aber wie fängt er's an? Er läßtWeislich den Pudel voran erst laufen.Nach dem Hunde nennt sich's bis diesen Tag;Ein rechter Kerl sich dran spiegeln mag.Unter des Herrn großen Taten allenHat mir das Stückchen besonders gefallen.

Ja, er fing's klein an und ist jetzt so groß.

Denn zu Altorf im Studentenkragen

Trieb er's, mit Permiß zu sagen,

Ein wenig locker und burschikos,

Hätte seinen Famulus bald erschlagen.

Wollten ihn drauf die Nürnberger Herren

Mir nichts, dir nichts ins Karzer sperren;

's war just ein neugebautes Nest,

Der erste Bewohner sollt' es taufen.

Aber wie fängt er's an? Er läßt

Weislich den Pudel voran erst laufen.

Nach dem Hunde nennt sich's bis diesen Tag;

Ein rechter Kerl sich dran spiegeln mag.

Unter des Herrn großen Taten allen

Hat mir das Stückchen besonders gefallen.

(Das Mädchen hat unterdessen aufgewartet; der zweite Jäger schäkert mit ihr.)

(Das Mädchen hat unterdessen aufgewartet; der zweite Jäger schäkert mit ihr.)

Dragoner(tritt dazwischen).Kamerad, laß Er das unterwegen!Zweiter Jäger.Wer, Henker! hat sich da drein zu legen!Dragoner.Ich will's Ihm nur sagen, die Dirn ist mein.Erster Jäger.Der will ein Schätzchen für sich allein!Dragoner, ist Er bei Troste? sag' Er!Zweiter Jäger.Will was Apartes haben im Lager.Einer Dirne schön GesichtMuß allgemein sein, wie's Sonnenlicht!(Küßt sie.)Dragoner(reißt sie weg).Ich sag's noch einmal, das leid' ich nicht.Erster Jäger.Lustig, lustig! da kommen die Prager!Zweiter Jäger.Sucht Er Händel? Ich bin dabei.Wachtmeister.Fried', ihr Herren! Ein Kuß ist frei!

Dragoner(tritt dazwischen).

Dragoner(tritt dazwischen).

Kamerad, laß Er das unterwegen!

Kamerad, laß Er das unterwegen!

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Wer, Henker! hat sich da drein zu legen!

Wer, Henker! hat sich da drein zu legen!

Dragoner.

Dragoner.

Ich will's Ihm nur sagen, die Dirn ist mein.

Ich will's Ihm nur sagen, die Dirn ist mein.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Der will ein Schätzchen für sich allein!Dragoner, ist Er bei Troste? sag' Er!

Der will ein Schätzchen für sich allein!

Dragoner, ist Er bei Troste? sag' Er!

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Will was Apartes haben im Lager.Einer Dirne schön GesichtMuß allgemein sein, wie's Sonnenlicht!(Küßt sie.)

Will was Apartes haben im Lager.

Einer Dirne schön Gesicht

Muß allgemein sein, wie's Sonnenlicht!(Küßt sie.)

Dragoner(reißt sie weg).

Dragoner(reißt sie weg).

Ich sag's noch einmal, das leid' ich nicht.

Ich sag's noch einmal, das leid' ich nicht.

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Lustig, lustig! da kommen die Prager!

Lustig, lustig! da kommen die Prager!

Zweiter Jäger.

Zweiter Jäger.

Sucht Er Händel? Ich bin dabei.

Sucht Er Händel? Ich bin dabei.

Wachtmeister.

Wachtmeister.

Fried', ihr Herren! Ein Kuß ist frei!

Fried', ihr Herren! Ein Kuß ist frei!

Bergknappentreten auf und spielen einen Walzer, erst langsam und dann immer geschwinder. Dererste Jägertanzt mit derAufwärterin, dieMarketenderinmit demRekruten; das Mädchen entspringt, der Jäger hinter ihr her und bekommt denKapuzinerzu fassen, der eben hereintritt.

Bergknappentreten auf und spielen einen Walzer, erst langsam und dann immer geschwinder. Dererste Jägertanzt mit derAufwärterin, dieMarketenderinmit demRekruten; das Mädchen entspringt, der Jäger hinter ihr her und bekommt denKapuzinerzu fassen, der eben hereintritt.

Kapuziner.Heisa, juchheia! Dudeldumdei!Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!Ist das eine Armee von Christen?Sind wir Türken? sind wir Antibaptisten?Treibt man so mit dem Sonntag Spott,Als hätte der allmächtige GottDas Chiragra, könnte nicht drein schlagen?Ist's jetzt Zeit zu Saufgelagen?Zu Banketten und Feiertagen?Quid hic statis otiosi?Was steht ihr und legt die Hände in Schoß?Die Kriegsfuri ist an der Donau los,Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,Regensburg ist in des Feindes Krallen,Und die Armee liegt hier in Böhmen,Pflegt den Bauch, läßt sich's wenig grämen,Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg,Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,Hetzt sich lieber herum mit der Dirn,Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.Die Christenheit trauert in Sack und Asche,Der Soldat füllt sich nur die Tasche.Es ist eine Zeit der Tränen und Not,Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,Und aus den Wolken, blutigrot,Hängt der Herrgott den Kriegsmantel 'runter.Den Kometen steckt er, wie eine Rute,Drohend am Himmelsfenster aus,Die ganze Welt ist ein Klagehaus,Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,Und das römischeReich– daß Gott erbarm!Sollte jetzt heißen römischArm;DerRheinstromist worden zu einemPeinstrom,DieKlöstersind ausgenommeneNester,DieBistümersind verwandelt inWüsttümer,DieAbteienund dieStifterSind nunRaubteienundDiebesklüfter,Und alle die gesegneten deutschenLänderSind verkehrt worden inElender–Woher kommt das? Das will ich euch verkünden:Das schreibt sich her von euern Lastern und Sünden,Von dem Greuel und Heidenleben,Dem sich Offizier und Soldaten ergeben.Denn die Sünd' ist der Magnetenstein,Der das Eisen ziehet ins Land herein.Auf das Unrecht, da folgt das Übel,Wie die Trän' auf den herben Zwiebel,Hinter demUkömmt gleich dasWeh,Das ist die Ordnung im ABC.Ubi erit victoriae spes,Si offenditur Deus?Wie soll man siegen,Wenn man die Predigt schwänzt und die Meß,Nichts tut, als in den Weinhäusern liegen?Die Frau in dem EvangeliumFand den verlornen Groschen wieder,Der Gaul seines Vaters Esel wieder,Der Joseph seine saubern Brüder;Aber wer bei den Soldaten suchtDie Furcht Gottes und die gute ZuchtUnd die Scham, der wird nicht viel finden,Tät' er auch hundert Laternen anzünden.Zu dem Prediger in der Wüsten,Wie wir lesen im Evangelisten,Kamen auch die Soldaten gelaufen,Taten Buß und ließen sich taufen,Fragten ihn:Quid faciemus nos?Wie machen wir's, daß wir kommen in Abrahams Schoß?Et ait illis, und er sagt:Neminem concutiatis,Wenn ihr niemanden schindet und plackt;Neque calumniam faciatis,Niemand verlästert, auf niemand lügt.Contenti estote, euch begnügt,Stipendiis vestris, mit eurer LöhnungUnd verflucht jede böse Angewöhnung.Es ist ein Gebot: Du sollst den NamenDeines Herrgotts nicht eitel auskramen!Und wo hört man mehr blasphemieren,Als hier in den Friedländischen Kriegsquartieren?Wenn man für jeden Donner und Blitz,Den ihr losbrennt mit eurer Zungenspitz,Die Glocken müßt' läuten im Land umher,Es wär' bald kein Mesner zu finden mehr.Und wenn euch für jedes böse Gebet,Das aus eurem ungewaschnen Munde geht,Ein Härlein ausging aus eurem Schopf,Über Nacht wär' er geschoren glatt,Und wär' er so dick wie Absalons Zopf.Der Josua war doch auch ein Soldat,König David erschlug den Goliath,Und wo steht denn geschrieben zu lesen,Daß sie solche Fluchmäuler sind gewesen?Muß man den Mund doch, ich sollte meinen,Nicht weiter aufmachen zu einem Helf Gott!Als zu einem Kreuz Sackerlot!Aber wessen das Gefäß ist gefüllt,Davon es sprudelt und überquillt.Wieder ein Gebot ist: Dusollstnicht stehlen.Ja, das befolgt ihr nach dem Wort,Denn ihr tragt alles offen fort.Vor euren Klauen und Geiersgriffen,Vor euren Praktiken und bösen KniffenIst das Geld nicht geborgen in der Truh,Das Kalb nicht sicher in der Kuh,Ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.Was sagt der Prediger?contenti estote,Begnügt euch mit eurem Kommißbrote.Aber wie soll man die Knechte loben,Kömmt doch das Ärgernis von oben!Wie die Glieder, so auch das Haupt!Weiß doch niemand, an wenderglaubt!Erster Jäger.Herr Pfaff! uns Soldaten mag Er schimpfen,Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen.Kapuziner.Ne custodias gregem meam!Das ist so ein Ahab und Jerobeam,Der die Völker von der wahren LehrenZu falschen Götzen tut verkehren.TrompeterundRekrut.Laß Er uns das nicht zweimal hören!Kapuziner.So ein Bramarbas und Eisenfresser,Will einnehmen alle festen Schlösser.Rühmte sich mit seinem gottlosen Mund,Er müsse haben die Stadt Stralsund,Und wär' sie mit Ketten an den Himmel geschlossen.Hat aber sein Pulver umsonst verschossen!Trompeter.Stopft ihm keiner sein Lästermaul?Kapuziner.So ein Teufelsbeschwörer und König Saul,So ein Jehu und Holofern,Verleugnet, wie Petrus, seinen Meister und Herrn,Drum kann er den Hahn nicht hören krähn –Beide Jäger.Pfaffe! Jetzt ist's um dich geschehn!Kapuziner.So ein listiger Fuchs Herodes –Trompeterundbeide Jäger(auf ihn eindringend).Schweig stille! Du bist des Todes!Kroaten(legen sich drein).Bleib da, Pfäfflein, fürcht' dich nit,Sag dein Sprüchel und teil's uns mit.Kapuziner(schreit lauter).So ein hochmütiger Nebukadnezer,So ein Sündenvater und muffiger Ketzer,Läßt sich nennen denWallenstein;Ja freilich ist er unsalleneinSteinDes Anstoßes und Ärgernisses,Und solang der Kaiser diesen FriedelandLäßt walten, so wird nicht Fried' im Land.

Kapuziner.

Kapuziner.

Heisa, juchheia! Dudeldumdei!Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!Ist das eine Armee von Christen?Sind wir Türken? sind wir Antibaptisten?Treibt man so mit dem Sonntag Spott,Als hätte der allmächtige GottDas Chiragra, könnte nicht drein schlagen?Ist's jetzt Zeit zu Saufgelagen?Zu Banketten und Feiertagen?Quid hic statis otiosi?Was steht ihr und legt die Hände in Schoß?Die Kriegsfuri ist an der Donau los,Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,Regensburg ist in des Feindes Krallen,Und die Armee liegt hier in Böhmen,Pflegt den Bauch, läßt sich's wenig grämen,Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg,Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,Hetzt sich lieber herum mit der Dirn,Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.Die Christenheit trauert in Sack und Asche,Der Soldat füllt sich nur die Tasche.Es ist eine Zeit der Tränen und Not,Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,Und aus den Wolken, blutigrot,Hängt der Herrgott den Kriegsmantel 'runter.Den Kometen steckt er, wie eine Rute,Drohend am Himmelsfenster aus,Die ganze Welt ist ein Klagehaus,Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,Und das römischeReich– daß Gott erbarm!Sollte jetzt heißen römischArm;DerRheinstromist worden zu einemPeinstrom,DieKlöstersind ausgenommeneNester,DieBistümersind verwandelt inWüsttümer,DieAbteienund dieStifterSind nunRaubteienundDiebesklüfter,Und alle die gesegneten deutschenLänderSind verkehrt worden inElender–Woher kommt das? Das will ich euch verkünden:Das schreibt sich her von euern Lastern und Sünden,Von dem Greuel und Heidenleben,Dem sich Offizier und Soldaten ergeben.Denn die Sünd' ist der Magnetenstein,Der das Eisen ziehet ins Land herein.Auf das Unrecht, da folgt das Übel,Wie die Trän' auf den herben Zwiebel,Hinter demUkömmt gleich dasWeh,Das ist die Ordnung im ABC.Ubi erit victoriae spes,Si offenditur Deus?Wie soll man siegen,Wenn man die Predigt schwänzt und die Meß,Nichts tut, als in den Weinhäusern liegen?Die Frau in dem EvangeliumFand den verlornen Groschen wieder,Der Gaul seines Vaters Esel wieder,Der Joseph seine saubern Brüder;Aber wer bei den Soldaten suchtDie Furcht Gottes und die gute ZuchtUnd die Scham, der wird nicht viel finden,Tät' er auch hundert Laternen anzünden.Zu dem Prediger in der Wüsten,Wie wir lesen im Evangelisten,Kamen auch die Soldaten gelaufen,Taten Buß und ließen sich taufen,Fragten ihn:Quid faciemus nos?Wie machen wir's, daß wir kommen in Abrahams Schoß?Et ait illis, und er sagt:Neminem concutiatis,Wenn ihr niemanden schindet und plackt;Neque calumniam faciatis,Niemand verlästert, auf niemand lügt.Contenti estote, euch begnügt,Stipendiis vestris, mit eurer LöhnungUnd verflucht jede böse Angewöhnung.Es ist ein Gebot: Du sollst den NamenDeines Herrgotts nicht eitel auskramen!Und wo hört man mehr blasphemieren,Als hier in den Friedländischen Kriegsquartieren?Wenn man für jeden Donner und Blitz,Den ihr losbrennt mit eurer Zungenspitz,Die Glocken müßt' läuten im Land umher,Es wär' bald kein Mesner zu finden mehr.Und wenn euch für jedes böse Gebet,Das aus eurem ungewaschnen Munde geht,Ein Härlein ausging aus eurem Schopf,Über Nacht wär' er geschoren glatt,Und wär' er so dick wie Absalons Zopf.Der Josua war doch auch ein Soldat,König David erschlug den Goliath,Und wo steht denn geschrieben zu lesen,Daß sie solche Fluchmäuler sind gewesen?Muß man den Mund doch, ich sollte meinen,Nicht weiter aufmachen zu einem Helf Gott!Als zu einem Kreuz Sackerlot!Aber wessen das Gefäß ist gefüllt,Davon es sprudelt und überquillt.Wieder ein Gebot ist: Dusollstnicht stehlen.Ja, das befolgt ihr nach dem Wort,Denn ihr tragt alles offen fort.Vor euren Klauen und Geiersgriffen,Vor euren Praktiken und bösen KniffenIst das Geld nicht geborgen in der Truh,Das Kalb nicht sicher in der Kuh,Ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.Was sagt der Prediger?contenti estote,Begnügt euch mit eurem Kommißbrote.Aber wie soll man die Knechte loben,Kömmt doch das Ärgernis von oben!Wie die Glieder, so auch das Haupt!Weiß doch niemand, an wenderglaubt!

Heisa, juchheia! Dudeldumdei!

Das geht ja hoch her. Bin auch dabei!

Ist das eine Armee von Christen?

Sind wir Türken? sind wir Antibaptisten?

Treibt man so mit dem Sonntag Spott,

Als hätte der allmächtige Gott

Das Chiragra, könnte nicht drein schlagen?

Ist's jetzt Zeit zu Saufgelagen?

Zu Banketten und Feiertagen?

Quid hic statis otiosi?

Was steht ihr und legt die Hände in Schoß?

Die Kriegsfuri ist an der Donau los,

Das Bollwerk des Bayerlands ist gefallen,

Regensburg ist in des Feindes Krallen,

Und die Armee liegt hier in Böhmen,

Pflegt den Bauch, läßt sich's wenig grämen,

Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg,

Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,

Hetzt sich lieber herum mit der Dirn,

Frißt den Ochsen lieber als den Oxenstirn.

Die Christenheit trauert in Sack und Asche,

Der Soldat füllt sich nur die Tasche.

Es ist eine Zeit der Tränen und Not,

Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder,

Und aus den Wolken, blutigrot,

Hängt der Herrgott den Kriegsmantel 'runter.

Den Kometen steckt er, wie eine Rute,

Drohend am Himmelsfenster aus,

Die ganze Welt ist ein Klagehaus,

Die Arche der Kirche schwimmt in Blute,

Und das römischeReich– daß Gott erbarm!

Sollte jetzt heißen römischArm;

DerRheinstromist worden zu einemPeinstrom,

DieKlöstersind ausgenommeneNester,

DieBistümersind verwandelt inWüsttümer,

DieAbteienund dieStifter

Sind nunRaubteienundDiebesklüfter,

Und alle die gesegneten deutschenLänder

Sind verkehrt worden inElender–

Woher kommt das? Das will ich euch verkünden:

Das schreibt sich her von euern Lastern und Sünden,

Von dem Greuel und Heidenleben,

Dem sich Offizier und Soldaten ergeben.

Denn die Sünd' ist der Magnetenstein,

Der das Eisen ziehet ins Land herein.

Auf das Unrecht, da folgt das Übel,

Wie die Trän' auf den herben Zwiebel,

Hinter demUkömmt gleich dasWeh,

Das ist die Ordnung im ABC.

Ubi erit victoriae spes,

Si offenditur Deus?Wie soll man siegen,

Wenn man die Predigt schwänzt und die Meß,

Nichts tut, als in den Weinhäusern liegen?

Die Frau in dem Evangelium

Fand den verlornen Groschen wieder,

Der Gaul seines Vaters Esel wieder,

Der Joseph seine saubern Brüder;

Aber wer bei den Soldaten sucht

Die Furcht Gottes und die gute Zucht

Und die Scham, der wird nicht viel finden,

Tät' er auch hundert Laternen anzünden.

Zu dem Prediger in der Wüsten,

Wie wir lesen im Evangelisten,

Kamen auch die Soldaten gelaufen,

Taten Buß und ließen sich taufen,

Fragten ihn:Quid faciemus nos?

Wie machen wir's, daß wir kommen in Abrahams Schoß?

Et ait illis, und er sagt:

Neminem concutiatis,

Wenn ihr niemanden schindet und plackt;

Neque calumniam faciatis,

Niemand verlästert, auf niemand lügt.

Contenti estote, euch begnügt,

Stipendiis vestris, mit eurer Löhnung

Und verflucht jede böse Angewöhnung.

Es ist ein Gebot: Du sollst den Namen

Deines Herrgotts nicht eitel auskramen!

Und wo hört man mehr blasphemieren,

Als hier in den Friedländischen Kriegsquartieren?

Wenn man für jeden Donner und Blitz,

Den ihr losbrennt mit eurer Zungenspitz,

Die Glocken müßt' läuten im Land umher,

Es wär' bald kein Mesner zu finden mehr.

Und wenn euch für jedes böse Gebet,

Das aus eurem ungewaschnen Munde geht,

Ein Härlein ausging aus eurem Schopf,

Über Nacht wär' er geschoren glatt,

Und wär' er so dick wie Absalons Zopf.

Der Josua war doch auch ein Soldat,

König David erschlug den Goliath,

Und wo steht denn geschrieben zu lesen,

Daß sie solche Fluchmäuler sind gewesen?

Muß man den Mund doch, ich sollte meinen,

Nicht weiter aufmachen zu einem Helf Gott!

Als zu einem Kreuz Sackerlot!

Aber wessen das Gefäß ist gefüllt,

Davon es sprudelt und überquillt.

Wieder ein Gebot ist: Dusollstnicht stehlen.

Ja, das befolgt ihr nach dem Wort,

Denn ihr tragt alles offen fort.

Vor euren Klauen und Geiersgriffen,

Vor euren Praktiken und bösen Kniffen

Ist das Geld nicht geborgen in der Truh,

Das Kalb nicht sicher in der Kuh,

Ihr nehmt das Ei und das Huhn dazu.

Was sagt der Prediger?contenti estote,

Begnügt euch mit eurem Kommißbrote.

Aber wie soll man die Knechte loben,

Kömmt doch das Ärgernis von oben!

Wie die Glieder, so auch das Haupt!

Weiß doch niemand, an wenderglaubt!

Erster Jäger.

Erster Jäger.

Herr Pfaff! uns Soldaten mag Er schimpfen,Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen.

Herr Pfaff! uns Soldaten mag Er schimpfen,

Den Feldherrn soll Er uns nicht verunglimpfen.

Kapuziner.

Kapuziner.

Ne custodias gregem meam!Das ist so ein Ahab und Jerobeam,Der die Völker von der wahren LehrenZu falschen Götzen tut verkehren.

Ne custodias gregem meam!

Das ist so ein Ahab und Jerobeam,

Der die Völker von der wahren Lehren

Zu falschen Götzen tut verkehren.

TrompeterundRekrut.

TrompeterundRekrut.

Laß Er uns das nicht zweimal hören!

Laß Er uns das nicht zweimal hören!

Kapuziner.

Kapuziner.

So ein Bramarbas und Eisenfresser,Will einnehmen alle festen Schlösser.Rühmte sich mit seinem gottlosen Mund,Er müsse haben die Stadt Stralsund,Und wär' sie mit Ketten an den Himmel geschlossen.Hat aber sein Pulver umsonst verschossen!

So ein Bramarbas und Eisenfresser,

Will einnehmen alle festen Schlösser.

Rühmte sich mit seinem gottlosen Mund,

Er müsse haben die Stadt Stralsund,

Und wär' sie mit Ketten an den Himmel geschlossen.

Hat aber sein Pulver umsonst verschossen!

Trompeter.

Trompeter.

Stopft ihm keiner sein Lästermaul?

Stopft ihm keiner sein Lästermaul?

Kapuziner.

Kapuziner.

So ein Teufelsbeschwörer und König Saul,So ein Jehu und Holofern,Verleugnet, wie Petrus, seinen Meister und Herrn,Drum kann er den Hahn nicht hören krähn –

So ein Teufelsbeschwörer und König Saul,

So ein Jehu und Holofern,

Verleugnet, wie Petrus, seinen Meister und Herrn,

Drum kann er den Hahn nicht hören krähn –

Beide Jäger.

Beide Jäger.

Pfaffe! Jetzt ist's um dich geschehn!

Pfaffe! Jetzt ist's um dich geschehn!

Kapuziner.

Kapuziner.

So ein listiger Fuchs Herodes –

So ein listiger Fuchs Herodes –

Trompeterundbeide Jäger(auf ihn eindringend).

Trompeterundbeide Jäger(auf ihn eindringend).

Schweig stille! Du bist des Todes!

Schweig stille! Du bist des Todes!

Kroaten(legen sich drein).

Kroaten(legen sich drein).

Bleib da, Pfäfflein, fürcht' dich nit,Sag dein Sprüchel und teil's uns mit.

Bleib da, Pfäfflein, fürcht' dich nit,

Sag dein Sprüchel und teil's uns mit.

Kapuziner(schreit lauter).

Kapuziner(schreit lauter).

So ein hochmütiger Nebukadnezer,So ein Sündenvater und muffiger Ketzer,Läßt sich nennen denWallenstein;Ja freilich ist er unsalleneinSteinDes Anstoßes und Ärgernisses,Und solang der Kaiser diesen FriedelandLäßt walten, so wird nicht Fried' im Land.

So ein hochmütiger Nebukadnezer,

So ein Sündenvater und muffiger Ketzer,

Läßt sich nennen denWallenstein;

Ja freilich ist er unsalleneinStein

Des Anstoßes und Ärgernisses,

Und solang der Kaiser diesen Friedeland

Läßt walten, so wird nicht Fried' im Land.

(Er hat nach und nach bei den letzten Worten, die er mit erhobener Stimme spricht, seinen Rückzug genommen, indem die Kroaten die übrigen Soldaten von ihm abwehren.)

(Er hat nach und nach bei den letzten Worten, die er mit erhobener Stimme spricht, seinen Rückzug genommen, indem die Kroaten die übrigen Soldaten von ihm abwehren.)

Vorige, ohne denKapuziner.

Vorige, ohne denKapuziner.


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