The Project Gutenberg eBook ofWartalun: Der Niedergang eines Geschlechts

The Project Gutenberg eBook ofWartalun: Der Niedergang eines GeschlechtsThis ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.Title: Wartalun: Der Niedergang eines GeschlechtsAuthor: Waldemar BonselsRelease date: January 23, 2012 [eBook #38650]Language: GermanCredits: Produced by Norbert H. Langkau, Peter Simon and the OnlineDistributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WARTALUN: DER NIEDERGANG EINES GESCHLECHTS ***

This ebook is for the use of anyone anywhere in the United States and most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included with this ebook or online atwww.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will have to check the laws of the country where you are located before using this eBook.

Title: Wartalun: Der Niedergang eines GeschlechtsAuthor: Waldemar BonselsRelease date: January 23, 2012 [eBook #38650]Language: GermanCredits: Produced by Norbert H. Langkau, Peter Simon and the OnlineDistributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net

Title: Wartalun: Der Niedergang eines Geschlechts

Author: Waldemar Bonsels

Author: Waldemar Bonsels

Release date: January 23, 2012 [eBook #38650]

Language: German

Credits: Produced by Norbert H. Langkau, Peter Simon and the OnlineDistributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net

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Einige Druckfehler sind korrigiert und mitPopupsnotiert. Rechtschreibungsformen wie »stehen« : »stehn« sind ungeändert.Die Kapitelübersicht wurde der HTML-Version des eBooks hinzugefügt.

Der Niedergang eines Geschlechts

Roman

von

Waldemar Bonsels

vignette

Im Verlag Ullstein · Berlin

Umschlagbild: Leila Hyams. Fot. Metro-Goldwyn-Mayer.Alle Rechte sind streng vorbehalten, besonders das der ÜbersetzungCopyright 1917 by Schuster & Loeffler, Berlin

Kapitelfolge

Afra lag in der Mittagssonne im Korn. Über ihr bewegte sich im tiefblauen Himmel eine große rote Mohnblüte, nur ein klein wenig und so feierlich, wie es zu der Ruhe stimmte, die weit umher herrschte. Hin und wieder schaukelte ein Schmetterling vorüber, trunken von der Wärme und vom Licht, und sein Schatten huschte über das helle Kleid des jungen Mädchens. Neben ihr lag ein breitrandiger gelber Sommerhut mit blauen hängenden Bändern auf den Ähren, drückte sie sacht ein wenig nieder und spendete der ruhenden Stirn und den grauen Augen unter sich Schatten.

Afra verscheuchte die Träume, die mit dem warmen Licht und der willkommenen Müdigkeit des Sommermittags kamen, sie dachte in bitterer Betrübnis daran, daß der Schloßherr von Wartalun gestorben und mit ihm eine Zeit gesicherter Lebensarbeit und geordneter Verhältnisse für sie und für ihren Vater vergangen war. Es war alles ungewiß geworden. Es machte mißmutig, nicht zu wissen, was sich tun ließ, nicht zu wissen, welche Vorteile für ihren Vater und für sie aus den Veränderungen erwachsen würden, und die neue Herrschaft nicht zu kennen, die erwartet wurde.

Sie betrachtete die rote Mohnblüte, die im warmenSommerwind schaukelte, hob langsam ihre braune Hand zu ihr empor, knickte gedankenlos den grünen Stiel mit seinen winzigen hellen Härchen und entblätterte über ihren ernsten Augen die Blume. Es sank mit lichten Purpurflügeln auf ihr Kleid und blieb wie Blut und Feuer in der zornigen Sonne liegen.

Eine Lerche stieg auf. Afra wandte den Blick, um den Vogel am Himmel zu finden, da sah sie zwischen den Ähren fern die grauen Schloßtürme von Wartalun aus den Eichen ragen, der eine trug einen Hahn, der andere das seltsam verschnörkelte Doppelkreuz, das auch im Wappen des Geschlechts zu finden war.

War Wartalun nicht ihr Eigentum gewesen, solange sie zurückdenken konnte? Nun erst, wo vieles sich ändern sollte, lernte sie erkennen, daß sie alles allein der Güte des Verstorbenen verdankt hatte und daß dieser Reichtum ihrer Kindheit sein tägliches Geschenk gewesen war. Der Gedanke quälte sie tief, das Bewußtsein, daß es Mächte gab, die ihr diese Schätze rauben konnten, ohne sie zu fragen, ohne sie zu beachten, als wäre nicht mehr, was sie wünschte und was ihr gefiel, auch ihr Eigentum.

Sie trug Verlangen danach, den neuen Herrn zu sehen, jetzt gleich, in diesem Augenblick, in dem sie litt. Daß sein Kommen erst mit dem Abend erwartet wurde, ließ sie ihn beinahe hassen, ihn, der sich ihr nicht zeigen wollte, mit dem sie abzurechnen hatte. Der Gedanke, daß der Verstorbene ihr einen Teil seines Besitzes hätte hinterlassen können, war ihr zuwider. Vielleicht dasForsthaus mit dem Buchenhain oder Wendalen mit seinen Moorgräben ... ihr Vater hatte ihr bestätigt: er hat niemand so geliebt wie dich.

Sie dachte ohne Trauer an die letzten Monate. An den scheidenden Winter und den kommenden Frühling mit seinen Stürmen, seinem zögernden Einzug in das ebene Land, das er über Feldern, Gärten und Rasenplätzen wie mit den schimmernden Wogen eines leuchtenden Meeres überzogen hatte. Das war die letzte Schönheit gewesen, die der alte Mann von der Terrasse des Schlosses aus gesehen hatte, wo sie, an seinen Tragstuhl gelehnt, über seinen Schlaf wachte, ohne zu wissen, daß es sein letzter war. Der Wind vom Garten war warm und feucht gewesen und von Blütenduft schwer. Aber eindringlicher als diese Stunde waren ihr die Winterabende im Gedächtnis geblieben, an denen sie ihm zur eintönigen Melodie des Kaminfeuers hatte vorlesen müssen. Dann hob er zuweilen die Hand als Zeichen, daß sie warten sollte, sah ihr in die Augen und fragte sie:

»Hast du verstanden, was du eben ausgesprochen hast?«

Sie nickte nachdenklich, weil sie fühlte, daß er dies wünschte.

Einmal, während sie las, hörte sie, daß er schluchzte, und hielt inne. Ihre erstaunten Blicke schienen ihn zu enttäuschen. Seine Bewegung quälte sie, und vorsichtig senkte sie den Blick, um zu erfahren, was er von ihr erwartete. Da begann er ihr von den mattgoldenen Tauben zu erzählen, die in den großen Wandteppich gewoben waren, gegen einen verblaßten blauen Himmel, in den die Zinnen einer alten Stadt ragten, aus derenToren Reiter auszogen. Die Decken ihrer Pferde waren aus erloschenem Silber, und ihre Rüstungen glänzten nicht mehr. Wollte er, daß sie die Tränen vergaß, die sie bei ihm gesehen hatte? Sie vermutete es und fragte ihn, weshalb er geweint hätte. Da antwortete er ihr in einem Tonfall, den sie noch kaum bei ihm kannte:

»Weil ich deine Stimme gehört habe, als du last, und weil ich die Bewegungen deiner Lippen sah und den Schein des Feuers in deinem hellen Haar. Und weil ich die holde Mühe deiner Hand sah, als du die Seite des Buchs umwendetest. Ich sah auch deine Schultern, deine Knie und die Füße am Saum deines Kleides. Du hast mir schon als ganz kleines Mädchen, kaum daß du gehen konntest, am Morgen frische Blumen aus dem Garten gebracht, die dein Vater dir für mich gab ... jeden Tag bin ich dir begegnet wie dem Licht der Sonne, dem niemand entgeht, der atmet, aber ich bin niemals deinem Herzen begegnet. Meine Tränen, nach deren Sinn du mich gefragt hast, wirst du spät verstehen lernen, aber jede Liebe, die dir in deinem Leben begegnet, wird sie aufheben und bewahren und zu Gott bringen, zu dem ich gehe.«

Sie hatte sich damals eine Weile besonnen, was er meinen könnte, und sich gefragt, ob sie ihm Anlaß gegeben habe, mit ihr unzufrieden zu sein. Aber im Grunde fühlte sie deutlich, daß ihr etwas zugute gekommen war und daß der unerfüllte Wunsch, den er ausgesprochen hatte, nicht zu jenen gehörte, die sie erfüllen konnte. —

Auf dem Feldweg knatterte ein Leiterwagen heran, und sie hörte ein Pferd schnauben. Das rief sie aus ihren Erinnerungen in den hellen Tag zurück. Sie nahm ihren Hut vom Korn und drückte ihn neben sich in die Halme, damit der Fuhrmann sie nicht erspähen sollte, aber er saß zu hoch auf seinem Heufuder, reckte den Hals nach ihr, lachte, als er sie erkannte, und hielt die Pferde an.

Es war Martin. Er wußte, wie alle Dienstboten, daß Afra nicht hochmütig war.

»Du hast es gut«, sagte er, als er vor ihr stand und die Kornähren mit der Hand zur Seite bog. »Ist es erlaubt, einzutreten?«

Sie nickte, sah ihn an und blieb liegen.

Er ließ sich dicht neben ihr nieder, nahm den Strohhut von der heißen Stirn und lächelte.

»Einen Gruß könntest du schon sagen ...«

»Gott ...« machte sie lässig, und dann fügte sie mit forschenden Augen hinzu:

»Heute abend ...?«

»Das ist wahr«, sagte er mit einer Miene, als empfinge er eine betrübliche Nachricht, »heute abend kommen sie.«

Alle auf dem Gut dachten daran. Afra hörte mit an, wie Martin sich den neuen Herrn vorstellte.

Plötzlich unterbrach sie ihn:

»Du bist ein Narr«, rief sie. »Ihr seid alle Narren.«

»Weißt du es besser?«

»Ihr alle seht den neuen Herrn in euren Gedanken so, wie ihr ihn euch zu eurem Vorteil wünscht. Der Vatermeint, daß er eine Vorliebe für neue Treibhäuser habe und Spalierobst bevorzugen würde, der Verwalter faselt von großem Geschick, einen Kornjuden zu überlisten, und der Förster weiß, daß er Schmetterlinge im Flug mit der Kugel treffen kann.«

»Wie du sprichst ...« sagte der Bursche. »Man könnte glauben, daß es so im Katechismus steht.«

»Man sagt immer zu viel«, meinte Afra nachdenklich, »aber wenn man sich langweilt ... man sollte sich nie langweilen.«

Martin zog Kirschen aus der Rocktasche und bot ihr die roten Kugeln dar, die an dünnen Stielen zwischen seinen Fingern hingen, aber sie kehrte seine Hand um, öffnete sie und suchte langsam drei Früchte heraus. Dann schob sie seine Hand zurück.

»Ich will ihn sehen«, sagte sie langsam, »das ist es, was ich von ihm weiß. Und noch eins: er wird mich sehen.« Sie ließ langsam die Blicke über den jungen Burschen gleiten, beinahe ohne den Kopf zu wenden, lächelte einsam und verschwieg, was sie noch hatte sagen wollen. Man durfte nicht sprechen. Es war gut, für sich zu behalten, was man wußte. Irgend etwas im Schatten seiner Augen und um seinen unbewachten Mund verlockte sie, sich in seiner unwissenden Anteilnahme gehen zu lassen. Aber dann dachte sie: er tut auch ohnehin, was ich will.

Martin empfand an Afras Seite etwas wie Wohlbehagen und Mißstimmung zugleich. Es mochte daher kommen, daß er zu Lebzeiten des Grafen gewohnt gewesenwar, in Afra seine Herrin zu sehen, und daß sie nun zu seinesgleichen herabgesunken war. Wenigstens für einige Zeit, für diese Tage der Ungewißheit und des bangen Harrens. Auch ihm ging es wie den meisten der anderen, er war begierig, zu erfahren, was nun aus Afra werden würde. Er umkleidete sie in seinen Gedanken mit dem märchenhaften Zauberglanz von Macht und Reichtum, den die Liebe des alten Mannes um sie gewoben hatte. Es konnte wohl sein, daß alles, was seine Augen sahen, das Schloß, die Wälder, der Ackergrund, auf dem er lag, und sein eigenes Geschick in die Hände gegeben waren, die er neben sich sah, wie sie das blaue Band des Huts durch die Finger zogen. Und er wußte auch, daß er diese Hand dort dicht neben der seinen ergreifen konnte, ohne daß Afra ihn daran hindern würde. War es denn wirklich so? Es glühte in ihm empor, sein Entschluß, es zu tun, quälte ihn eigensinnig, sein Wunsch, dies Einfache zu tun, dies Unmögliche ...

Da tat er es, beinahe nur, um sich aus seiner unverstandenen Qual zu befreien. Was würde geschehen?

»Nicht einmal mein Pferd ist sicher mein eigen«, sagte Afra, »ich habe genommen, welches ich wollte. Würdest du um eines bitten, wenn alle dir erreichbar wären?«

»Es ist wahr«, sagte er und zog seine Hand von der ihren, »du konntest tun, was du wolltest. Der neue Herr ...«

»Sprich nicht von ihm«, warf Afra ein. Sie erhob sich, so daß sie im Korn saß, ordnete an ihrem Haar,das im Sonnenschein heller leuchtete als die goldenen Ähren. Martin stand mit verdrossenem Gesicht auf.

»Fährst du mit?« fragte er.

Sie stieg aufs Rad des Wagens und dann auf seine Schulter, mit raschem weichem Fuß, dessen Druck er erst zu verspüren glaubte, als sie bereits hoch im Heu saß und nur ein Zipfel ihres weißen Kleids zu ihm hinunterlachte.

»Geh du nebenher!« klang es aus dem Blau über ihm, und so schritt er neben dem Wagen dahin und rief den Pferden laute Worte zu.

Afra lag hoch und so, daß niemand sie sah. Sie stützte das Kinn in beide Hände, so daß ihre Ellbogen sich ins Heu gruben, und blinzelte in den Sonnenschein hinaus. Der ferne Wald zur Linken unter der Sonne lag in einem feinen blauen Schleier, der sich von den Wiesen her zu ihm zu heben schien. Sie schaute zu ihm hinüber, als sei er ihr Ziel, während der Wagen sie langsam, eingehüllt in den Duft welken Grases und vergangener Blumen, auf Wartalun zuschaukelte.

Nachts hörte Afra Pferdegetrappel im Hof, Hundebellen, Stimmen und das Knarren eines Wagens. Der Lichtschein der Laternen drang vom Hof her durch die kleinen Fenster ihres Stübchens ein, wanderte an der Zimmerdecke und huschte rasch undängstlich über die Gegenstände des Raums. Sie erhob sich hastig und voll ruhloser Gedanken. Seit dem Tode des alten Herrn hatte sie ein Stübchen im Hause ihres Vaters bezogen, der als Gärtner des Gutes im Wirtschaftsgebäude eine Wohnung innehatte. Sie hatte nicht gewagt, ihre Zimmer im Schloß, der fremden Herrschaft gegenüber als ihr Eigentum zu behaupten; verdrossen und beinahe rachsüchtig wollte sie abwarten, ob man sich unterfangen würde, ihr ihre alten Rechte streitig zu machen, aber niemals hätte sie ertragen können, aus dem Hause gewiesen zu werden.

Leise öffnete sie einen Flügel des Fensters, der Lindenduft zog süß und schwül zu ihr herein. Die tiefhängenden Äste des uralten Baumes, der fast den ganzen Schloßhof beschattete, verhüllten ihr den Ausblick. Sie erkannte nur die alte Staatskarosse des Hauses, hörte eine etwas weinerliche, zarte Frauenstimme und Martins wenig ergebene Antworten auf ihre unverständlichen Fragen oder Befehle. Dann wurden im Schloß die Fenster hell, erst im Speisesaal, dann unten in den Wohnräumen, so daß sie die weißen Säulen der Terrasse schimmern sah, endlich im Zimmer des alten Herrn und zuletzt sogar im Ahnensaal, dessen knarrende Torflügel mit ihren geschnitzten Figuren sie zu sehen glaubte, als sie es hörte.

Dann wurde es langsam Fenster für Fenster wieder dunkel, nur im Treppenhaus glommen noch Lichter, und die Hunde kamen nicht zur Ruhe. Sie sah noch Melchior, den alten Diener, mit gesenktem Haupt die Treppe niedersteigen, offenbar besann er sich, als er die Hundehörte, ob er sie beruhigen müsse; aber er ließ es und verschwand in der Dunkelheit mit dem letzten Licht. Afra dachte an die beunruhigten Hunde, die alle an den Ketten lagen, die sonst die vertraute Nacht bevölkert und sie oft auf einsamen Wegen begleitet hatten. Es war gewiß nicht dieser Gedanke, der sie so tief bewegte, aber plötzlich warf sie den Kopf hart auf die Bank des offenen Fensters mit einem wilden, eigensinnigen Schluchzen. Ihr war, als seien Räuber in das Schloß eingedrungen. Schliefen denn umher alle diese Geduldigen, war keiner da, der ihrer gedachte, keiner, der vor den rechtlosen Eindringling hintrat und gebieterisch auf Afra wies, ihm bedeutend, daß es gelte, mit ihr zu teilen. Zu teilen? Ein kalter Zorn ließ sie auffahren. Niemals würde sie teilen, nie! Ihr war, als müsse sie aufspringen und hinauseilen durch den schlafenden Schloßgarten, weit hinaus bis an die dunkle Fichtenstraße, die zur Begräbnisstatt des toten Herrn führte. Sie sah den eisernen Sarg mit seinem einen Kranz aus Rosen, der längst verwelkt war, den sie ihm hatte winden müssen, denn nur sie sollte um ihn trauern, nur sie sollte ihn für seine letzte Fahrt mit Blumen schmücken. Sie sah sich an dem kalten schweren Eisen rütteln: Wach auf, du, mit deiner Liebe zu mir, sie stehlen dein Schloß, deine Macht, deine Liebe zu mir treten sie mit Füßen der Verachtung, und sie verhöhnen mich, dein Glück.

Es regnete sacht in die blühende Linde, draußen in der Nacht, in der auch der Tote schlief. Je mehr Afra sich vergegenwärtigte, was dieser Todesschlaf bedeutete,um so heißer stieg in ihr, wie eine brennende junge Seligkeit, das Bewußtsein dafür auf, daß sie selbst lebte und daß sie stark und jung und schön war. Ihr war, als sei ihr Verhältnis zu dem Toten, das er einst in bebender Ehrfurcht gerühmt hatte, nun um vieles deutlicher und gezeichneter erstanden. War er nicht um vieles benachteiligter als sie?

Im Einschlafen durchdachte sie ruhiger noch einmal die letzten Wochen, die sie mit ihm durchlebt hatte, auf alle seine Aussagen hin, forschte eifrig nach dem Sinn seiner traurigen Worte, die sie damals kaum beachtet hatte, und prüfte jedes daraufhin, wie weit es eine Verheißung für ihre Zukunft enthalten könnte. Sie sah seinen weißen Bart dicht vor sich, fühlte seine Greisenhände auf ihrem Scheitel: »Du arme Reiche«, sagte er. Und als sie schwieg: »Wie hat meine Liebe zu dir mich reich gemacht. Sag, was hast du denn von mir empfangen können?«

Hieß das nicht, daß er bereit sei, noch viel zu geben?

Nun befahl sie Martin, ihr das Pferd zu satteln, das war schon im Traum. Sie saß in ihrem Kleid aus hellem Tuch auf einem schwarzen Pferd, umritt das Schloß, lockte die Hunde und stürmte über die Felder, die ihr gehörten. In Wendalen erwarteten die Tagelöhner sie in ihrem Sonntagsstaat, verneigten sich, und die Kinder streuten Blumen. So hatte sie es einst gesehen, als sie den Grafen an seinem letzten Namenstag hinausbegleitet hatte. Nun lag er im Sarg, aber er schaute sie an und lächelte zu all ihrem Tun. Damals, auf dem Heimweg,hatte er lange in ihr Gesicht geschaut, das stolz, heiß erhoben vom Glück des Tags und übermütig beseligt gelächelt hatte. —

Als es Morgen wurde, hörte es auf zu regnen. Der junge Tag erhob in kühlem Wehen sein lichtes, blaues Leben, in dem alles in tiefer Stille auf die aufgehende Sonne wartete. Die Haustiere und die Vögel im Garten waren noch nicht erwacht, als Afra sich erhob und in einer ganz neuen, zitternden Seligkeit an ihrem jungen Dasein langsam begann, sich an den weit offenen Fenstern anzukleiden, die den Blütenduft der Linde und alle Hoffnung der erneuten Erde zu ihr einließen. Dies war die liebste Stunde ihres Tags, in der niemand ihren erwachten Sinnen etwas streitig machte, in der ihr alles zu eigen war, was sie sah, erdachte oder ersehnte. Sie schaute vorgebeugt hinaus in den verschwiegenen Hof, auf dem noch nichts sich regte, nur vor den Starenkästen am Lindenstamm saßen schon die Alten, zum ersten Ausflug gerüstet, und sie meinte die feinen Stimmchen der Jungen zu hören, deren zarte Laute sich in das kaum vernehmbare Flüstern der Blätter mischten. Die Tore des Hofes waren noch geschlossen. Die breiten Laubgänge des Efeus sahen wie dunkle Verkleidungen am Mauerwerk aus, wie schwere, grüne, zerfetzte Teppiche, die das Alter des dicken Gemäuers verhüllten. Er war beinahe ein wenig eng, dieser Hof, aber seine hohe Eingeschlossenheit und seine Schatten von den Wänden des Hauses gegen Westen verliehen ihm eine traumhafte Versunkenheit, die durch die Farben der Zeit und durchdie Zinnen der Mauern in dieser Stille in das Bereich alter Märchen gerückt wurde.

Afras blondes Haar war so schwer und weich wie alte Seide. In der Ahnengalerie des Herrenhauses, dicht unter der getäfelten Decke hing das Bildnis einer jungen Frau, deren Haare den ihren glichen. Auch sie hatten diesen seltsamen gedämpften Glanz von Kupfer und Asche, der sich, ins Licht getaucht, in ein beinahe farbloses Gold verwandeln konnte und der aus Stirn und Schläfen hervorbrach, fast ohne daß man erkannte, wo der Wuchs der Haare begann. Aber den hochherzig versunkenen Blick der längst Verstorbenen haßte Afra, wie auch ihren kleinen lieblichen Mund, dessen Trotz ihr töricht erschien, weil er nichts verbarg. Ihr eigener Mund war breit und fast ein wenig zu groß, und da niemand ihr noch gesagt hatte, welch betörender Zauber voll Lebenssüßigkeit und Daseinswonnen sich in seiner ruhenden Schönheit offenbarte, achtete sie ihn beinahe gering, diesen großen Mund.

Die Sperlinge wurden im Efeu wach, als Afra über den Hof ging, ihr Schritt hallte von den Steinwänden wider. Sie klopfte an Martins Kammerfenster neben dem Pferdestall, sein Gähnen erweckte ihr Mitleid. Er solle nur öffnen, das Weitere würde sie schon selbst besorgen; aber er kam doch hervor, um ihr zu helfen, das Pferd zu satteln, und murmelte schlaftrunken allerhand von seinen Aussichten, sich noch einmal niederlegen zu können. Afra verschmähte es, ihn nach der neuen Herrschaft zu fragen.

»Wohin reitest du denn?« fragte er. Er glaubte ihr diese Teilnahme schuldig zu sein.

»Heb den Baum am Tor«, sagte sie.

Sie zog den Sattelgurt fester. »Du schläfst ja noch«, tadelte sie nachlässig. Martin fand ihre Bemerkung zutreffend und am Platze. Sie wollte noch, daß er die Wolfshunde freimachen sollte, Aja und Fenn, deren Ketten sie hörte.

Dann sah er ihr nach, und über dem Anblick, wie sie die Landstraße entlang steil und fest zu Pferde, vom Bellen der Hunde wie von ergebenem Beifall geleitet, dahinritt, vergaß er seine Müdigkeit. Eine seltsame heiße Erwartung hielt ihn gefangen. Wartalun gehört Afra, war das Resultat seines einfältigen Grübelns. Drüben in den angebauten Wirtschaftsgebäuden hinter den Birken der Landstraße sah er die ersten Tagelöhner, eine Pumpe klang, ein Hahnenruf. Ihm schien ein ereignisreicher Tag zu beginnen, und er war zu wichtig, um ihn zu verschlafen, man mußte nachdenken, um sich über alles klar zu werden.

Die Morgensonnenstrahlen fielen, immer noch kühl und ohne Kraft, über die Dächer der Kornschuppen von Wendalen, als Afra dort anlangte. Sie hatte sich auf den schmalen Pfaden durchs Moorgelände Zeit gelassen, hatte in der Heide das Pferd eine Weile durch die kaum erblühten Sträucher geführt und tief in Gedanken zugesehen, wie ihr suchender Fuß Schritt für Schritt die silbernen Perlen des Taus am Boden zum Fallen brachte. Je länger der Tag wurde, um so eindringlicherwachten alle Gedanken mit ihm auf, und ihr war, als zerstörten sie ihr ganz langsam ihre Kraft. Denn Afra war sich ihrer Kräfte noch nicht bewußt, wenn sie sie nicht in ihrer Wirkung erprobte; erst die Gelegenheit, sich bewähren zu müssen, fand sie stark.

Das schöne Pferd hielt den kleinen Kopf gesenkt wie seine Herrin, die immer um einen Schritt voraus war und die Zügel nachhängen ließ. So schritten sie gegen den großen Horizont des ebenen Landes über den roten Teppich der Heide dahin. Die Wölfe eilten ruhelos, die schwarzen Schnauzen am Boden, in weitem Bogen voraus, scheuchten Wildenten aus den Moortümpeln auf und einmal, in einem kleinen Birkenwäldchen, schon nahe am Vorwerk, ein junges Reh. Aber auf Afras leisen Pfiff wandten sie, wie von unsichtbaren Fäusten zurückgerissen, die Köpfe und kehrten um. Sie hingen in seltsamer Treue an Afra, niemand nahm sich ihrer mit mehr Zeit und Geduld an, niemand schlug sie grausamer.

Erst als sie in den Hof einritt und die Knechte sie grüßten, besann sie sich darauf, was sie als Grund für ihr Kommen angeben sollte. Man würde sie nach der neuen Gutsherrschaft fragen, vielleicht war der Verwalter schon unterwegs nach Wartalun. —

Sie saß wieder zu Pferde, als er kam, und in einer uneingestandenen Furcht vor einem Verrat der Ängste ihrer Seele begrüßte sie ihn hochmütig und ohne den Kopf zu senken. Harmlos fragte er dies und das, aber sie wußte, worauf er wartete. Seine Einladung, imZimmer ein Frühstück einzunehmen, lehnte sie ab. Die Tücke und Unterwürfigkeit dieses arbeitsamen und wohlgeschickten Mannes, die sie bislang mit kaum amüsierter Herablassung festgestellt hatte, erschien ihr heute hassenswert. Anfangs erkühlte er sichtlich unter ihrem veränderten Wesen, dann begann er langsam ihre Zurückhaltung mit großer Höflichkeit zu beantworten, die schnell zur Ergebenheit wurde, je mehr das Mädchen sie gelassen einstrich. Oh, er würde vermuten, daß die Würfel gefallen seien und daß, was die einen hofften, die anderen fürchteten, Wahrheit geworden sei, daß sie nach dem Willen des Verstorbenen Herrin von Wartalun geworden war.

Die heimliche Freude, die ihre unbeabsichtigte Täuschung ihr eintrug, wurde rasch zu unbezähmbarer Sucht, diese Rolle zu spielen. Mit kühlem und geheimnisvollem Lächeln sah sie auf den Neugierigen herab, der ihr zu gefallen und zu dienen trachtete. Doch plötzlich verachtete sie sich in dieser Lage, aber ohne ihre Haltung zu ändern, nickte sie kühl und hastig, nahm umständlich das Pferd herum und pfiff den Hunden.

»Bis morgen!« rief sie, so ernst, daß es beinahe traurig wirkte. Draußen empfing die frohe Sonne sie, wogende Felder und bald wieder die Melancholie und Verlassenheit ihrer Heide. Es erfüllte sie mit bitterer Genugtuung, daß sie jemanden zurückließ, dem ihre Hoffnung Gewißheit geworden war, als hätte sie ihrem zögernden Schicksal Gewalt angetan.

»Du bist der erste, der das Schloß verläßt, wenn esmein ist«, rief sie laut. Dann war ihr, als müßte sie weinen, und ihre aufsteigende Qual beantwortete sie mit einem harten Lachen, das seltsam böse aus diesen weichen, unerwachten Lippen drang und in herbem Widerspruch zur Anmut ihrer freien Haltung stand.

Im Moorgrund waren Arbeiter am Werke. Hohe Torfmauern spiegelten sich schwarz in den stillen Gräben, alles versprach einen heißen Tag. Den Gruß eines Landmannes, den sie kannte, erwiderte sie mit einem kecken Scherz. Der Alte blieb stehen, schützte die Augen und sein breites, wohlgefälliges Lächeln mit der schweren braunen Hand und sah ihr nach. Nah am Kreuzweg, als schon Moor und Heide zurückblieben und die Türme des Schlosses aus den Eichen schauten, traf sie einen Fremden, der sie grüßte, sehr höflich und auf eine Art zögernd, als habe er eine Frage zu stellen. Sie sah zurück und hielt das Pferd an. Beide schwiegen eine Weile, die Wölfe sahen abwartend zu ihr empor. Sie rief sie barsch an, mehr um den Gehorsam der Hunde zu zeigen, als weil eine Befürchtung nahelag. Sie sah in das Gesicht des jungen Mannes, der hinzutrat. Ein schmales und sehr blasses Angesicht hob sich zu ihr empor, unsicher im Wesen und Blick durch eine goldene Brille, deren Gläser blinkten. Er war schwarz gekleidet, trug ein seltsam mitgenommenes Hütchen aus Filz und erschien ihr zart von Figur, beinahe ein wenig gebrechlich. Seine schmale Hand, mit der er befangen sein Kinn hielt, fiel ihr auf; solche Hände wünschte sie sich ...

»Verzeihen Sie mir, mein gnädiges Fräulein«, sagteer zögernd, aber nicht unsicher, »wie lange würde ich von hier aus brauchen, um bis Wandelen zu gelangen?«

»Wollen Sie denn zu Fuß gehen? Übrigens heißt das Vorwerk Wendalen.«

»Wendalen, gewiß ... ich irrte.«

Sie stemmte die Rechte leicht in die schlanke Hüfte, schaute über Land, als erwöge sie ernstlich die Antwort, um sie treffend geben zu können. Ihre Art der Herablassung war voll Anmut, von einer holden Sicherheit überlegenen Geistes und frohen Herrentums. Er vergaß, was er wissen wollte, und sah sie bewundernd an.

»Ich habe von dort bis hier fast eine Stunde mit dem Pferde gebraucht, aber Sie sehen, es ist naß. Sie würden zwei Stunden brauchen an einem Tage wie heute. Und der Weg ... kennen Sie den Weg denn?«

»Nein«, sagte er, »ich bin hier fremd, auch muß ich bei solcher Entfernung meinen Plan aufgeben, ich habe nicht gewußt, wie weit es ist, es hätte mich sehr interessiert, da ich diese Frühmorgenstunde nicht besser zuzubringen wußte. Im Schlosse schliefen sie noch alle.«

Afra lächelte. Er sah ihr Lächeln mit Bestürzung. Es wirkte auf ihn wie Sonnenschein im Frühling und wie der traurige Gedanke an einen frühen Tod.

»Es ist nicht ganz richtig, daß alle schliefen. Aber jetzt? Kehren Sie denn jetzt um?«

»Ja«, sagte er, hilflos und so befangen, daß eine heiße Freude am Triumph ihrer Überlegenheit ihr Blut klopfen ließ; sie sprang vom Pferde, und in der überwindendenUnbefangenheit, die ihr Wesen auszeichnete, sagte sie:

»So gehen wir miteinander. Es tut Joni gut, ein wenig ledig dahinzutraben.« Mit der Gerte wies sie auf das Pferd und sagte: »Das ist Joni.«

»Sie stellen mir Ihr Pferd vor, mein gnädiges Fräulein, gewiß, um mich daran zu erinnern, daß ich Ihre große Liebenswürdigkeit angenommen habe, ohne Ihnen meinen Namen zu nennen. Verzeihen Sie mir.«

Und er nannte undeutlich und rasch einen Namen, den sie kaum zu verstehen für nötig hielt, und verbeugte sich dabei, nicht ganz in der üblichen Richtung und auf eine Art, die ihm im Schreiten mißlang.

»Und darf ich auch Sie bitten«, fuhr er fort, »mir die Ehre zu erweisen, zu sagen, wer Sie sind?«

Afra sah hinüber zu den Türmen von Wartalun, wartete, bis er ihren Blick sah, und meinte:

»Tut es etwas zur Sache?«

Er glaubte ihr die Gelegenheit nehmen zu müssen, darüber nachzudenken, daß dies wenig höflich sei, und sagte rasch:

»Oh, gewiß nicht, gewiß nicht. Meine Bitte war sicherlich recht töricht. Der Vorzug Ihrer freundlichen Begleitung sollte mir genug sein, und er ist es, sicherlich, mein gnädiges Fräulein.«

Sie strich ohne Bedenken sein Entgegenkommen ein wie ihr Recht, obgleich sie ihn beneidete.

»Wie kommen Sie nur so früh hierher?« fragte sie, und was an ihrer Frage hätte Neugierde sein können,wirkte im Tonfall ihrer Stimme einzig wie eine kindliche Bitte.

»Ich habe dort im Schloß geschlafen«, sagte er, »und eigentlich schlecht; ich bin ohne meinen Willen und beinahe zufällig gekommen; es ergeht mir oft so, daß mir eine fremde Umgebung anfangs keine Ruhe schenkt.«

»So, im Schloß?« meinte Afra und legte in ihr Lächeln eine neckische Bewunderung. »Das klingt ja fast, als wollten Sie mir sagen, daß Sie den Schloßherrn von Wartalun persönlich kennten.«

»Ich vermute, daß ich esbin«, antwortete er bescheiden.

Und ohne zu beachten, daß die Zügel in ihrer Hand bebten, daß ihr Schritt wankte und ihr Angesicht sich langsam in jäher Erstarrung mit tödlicher Blässe überzog, fuhr er fort:

»Es sind unerwartete Umstände, die mich herführen, und seltsame Verhältnisse, die ich vorfinde. Ich finde mich schwer in ihnen zurecht. Der verstorbene Graf von Wartalun, den Sie zweifellos gekannt haben, mein gnädiges Fräulein, war nur sehr fern mit mir verwandt, und die Erbschaft seiner Güter hatte niemand von uns erwartet. Die Familien waren zu Zeiten meines Vaters entzweit, wir hörten nie mehr voneinander, da kein Zwischenglied hätte vermitteln können, auch trug die große äußere Entfernung zur Entfremdung bei. Die letzte Nachricht, die zu uns drang, waren vereinzelte unsichere Annahmen über eine spät noch geplante Verheiratung des alten Herrn.«

Sie achtete, auch als er nun weitersprach, kaum auf seine Worte. Als sie mit großer Mühe ihre Fassung zurückerrungen hatte und ihre Gedanken ordnen konnte, empfand sie zunächst nur eins, daß die Art, wie er von sich als vom künftigen Schloßherrn gesprochen hatte, nicht völlige Gewißheit darüber kundgab, ob er es in der Tat sei. So waren die Würfel noch nicht gefallen. Das hielt ihr Mut und Sinne in zitternder Spannung wach und ließ sie vergessen, daß sie eben noch eine arge Niederlage erlitten hatte, von der er noch nichts wußte. Mochte er, wenn er nun erfuhr, wer sie war, denken was er wollte. Sie fühlte, daß keiner der Gedanken, die er sich darüber machen würde, sich jemals in Zorn oder Verachtung gegen sie kehren könnte. Seine angstvolle, vorsichtige und höfliche Art weckte Vertrauen und zugleich Neid und Geringschätzung in ihr. Es kam in ihrem Herzen etwas hinzu, das beinahe wie Hilfsbereitschaft war und sie tief beruhigte. Sie wußte plötzlich, daß das Bild, das sie vom neuen Herrn im Sinne getragen hatte, dem des Verstorbenen geglichen hatte, sie sah mit einem raschen Lächeln über die Gestalt ihres Begleiters. Das herrische Angesicht des Toten, sein schwerer, breitschultriger Körper erschienen ihr, und sie glaubte seine dunkle Stimme zu hören und den unnahbaren und grollenden Eigensinn darin, oder die herbeilassende Güte seiner Züge, wenn er wohlgesinnt und froh Abrechnung hielt über Pflichttreue und Verdienst seiner Untergebenen. Und nun sollte dieser zierliche schwarze Herr in den verlassenen Sattel steigen, diese schmächtige Handsollte am Zügel ruhen, den die Faust des Toten gehalten hatte? Afra reckte sich auf in den Sonnenschein und lächelte.

Ihre jähe Bewegung ließ ihn innehalten.

»Verzeihung, vielleicht langweilt Sie dies alles«, sagte er leise. »Mich beschäftigt es, bitte verstehen Sie, und man ist sicherlich allgemein geneigt, vor einer so selbstverständlichen Liebenswürdigkeit, wie die Ihre es ist, ohne Bedenken über das zu sprechen, was einen bewegt.«

Afra wurde rot vor Freude und schwieg. In ihrem Glück über die völlig ungewohnte Art der Anerkennung, die ihr zuteil wurde, vergaß sie, daß eine Antwort notwendig sei. Er legte ihr Schweigen wie eine selbstbewußte Bestätigung seiner Befürchtung aus.

Aber nun besann sie sich und machte es gut. Ihr lag am Triumph, den der Augenblick zuließ, und sie vermied es unbewußt, ihre Worte anders zu setzen, als es ihr in diesen kurzen Augenblicken einer fremden Rolle nützlich erschien.

»Mir liegt alles am Herzen, was die Schicksale Wartaluns betrifft«, sagte sie eifrig und vorsichtig. »Ich habe den Grafen gekannt und geliebt und einen Teil seiner Sorgen und Angelegenheiten geteilt. Ihre Offenheit ist eine Freude für mich.«

Sie glühte vor Stolz darüber, daß diese Worte, von denen sie fühlte, daß sie ihr wohlgelungen waren, ihn bewegten. Einen Augenblick zögerte er mit der Antwort, es schien, als wollte er aufs neue nach ihrem Namen fragen. Irgend etwas machte ihn unsicher. Gewiß wares jene eigen unüberwindliche Sicherheit der jungen Dame an seiner Seite, eine Sicherheit, die sich so wunderbar mit dem Zauber einer kindlichen Freude daran verband. Ihm schien, als verberge sie ihm etwas, dann wieder, als machte sie sich heimlich ein wenig über ihn lustig.

Er dankte ihr warm. Als er in ihre Augen sah, erschrak er. Gott, dachte er, gibt es so viel Kraft, so viel Jugend, so viel Allmacht des Frühlings in einem Menschengesicht? Das Leuchten ihres Haars verzauberte seine Gedanken in Träume, so gewalttätig, daß er selbstvergessen und fast ergebungsvoll diesen Wandel in seinem Empfinden wie ein heißes Emporschweben in eine ganz neue Welt hinnahm.

»Sie, die Sie augenscheinlich aus diesem Lande und aus dieser Gegend sind, gnädiges Fräulein«, sagte er stockend, und dann schwieg er plötzlich, weil er sah, daß ihn diese Worte zu etwas führten, das er nicht hatte sagen wollen.

»Wartalun ist wunderschön«, sagte Afra, und erst daran, daß er nach diesen Worten unbefangen zu sprechen begann, wußte sie, daß sie ihm damit aus seiner Verwirrung geholfen hatte. Und während er erzählte, mußte sie wieder und wieder denken: Nun erst wird das Leben schön. Ich habe wie ein Kind gespielt und geschlafen. Ihr war, als liebte sie diesen Mann neben sich, weil er der erste war, der ihr Gelegenheit gab, neue Kräfte ihres Wesens in heißem Daseinsglück zu verspüren und zu erproben.

Sie warf die Stirn zurück und gab der Sonne ihr Haar. Ihre Lippen bekamen etwas von jenem irdischen Daseinslicht, das zuweilen die Lippen junger Frauen umglüht, die sich zum erstenmal über schwerem Wein schließen, so daß das tiefe Blut der Erde im Lebensblut ihres Leibes in die Lippen emporsteigt, als blühten wieder die Reben ...

Nun verstand sie ihn wieder, konnte, zurückkehrend aus sich, seinen freundlichen Worten folgen:

»Als dann die Nachricht zu mir kam, dies alles sollte mir zufallen«, sagte er, »traf sie mich ohne rechte Kraft, mich ihrer zu freuen. Ich war ganz mit meinen Studien ausgefüllt und hatte kein anderes Ziel im Auge, als ihre Vollendung. Jeder Besitz, der über die Ansprüche meines Daseins hinausgeht, hat mich fast immer noch beunruhigt. Ich trage schwer am Gefühl der Verantwortlichkeit, nehme es auch vielleicht mit der eigenen Innenwelt und mit den Aufgaben, die sie mir stellt, ein wenig zu schwer ...«

Er lächelte traurig vor sich hin und schien ganz zu vergessen, vor wem er sprach. Ihm war, als spräche er vor sich hin, wie er gewohnt war, es oft auf einsamen Spaziergängen zu tun.

»Meine Frau«, fuhr er fort, »wollte dann, daß ich unser neues Eigentum selbst verwalten sollte. Ihr war es seit langem ein lieber Wunsch, die Stadt zu verlassen, die sie niemals recht geliebt hat. Und schließlich hat sie wohl recht damit, wenn sie meint, auch hier ließe sich für mich Zeit erübrigen, meinen Studien zu leben. Aber jemehr ich beginne, langsam die ganze Größe dieses Besitzes zu ermessen, alle Pflichten einzusehen, die sich mir aufbürden werden, um so mehr beunruhigt mich mein Entschluß. Es ist auch alles noch ungewiß.«

»Wieso?« fragte Afra.

Er schien eine andere Antwort erwartet zu haben, ging aber gleich auf ihre Frage ein.

»Mein Verwandter teilte seine letzten Lebensjahre mit einem jungen Ding, zu dem er eine große Vorliebe gefaßt zu haben schien. Ich kenne nur ihren Vornamen, mir wurde von ihr nur als von einer gewissen Afra berichtet und daß sie die Tochter des Gärtners sei. Ein seltsam unverständlicher und außerordentlich altväterisch verfaßter Brief ist vor dem Testament in meine Hände gelangt. Er wirkt eher wie eine philosophische Lebensbetrachtung als wie das rechtsgültige Dokument einer letzten Verfügung. Das Testament selbst hat noch nicht eröffnet werden können, da ich noch Papiere beizubringen habe. Aber das ist nur noch eine Frage von Tagen.«

»Ist Ihnen so gleichgültig, was darin steht?« sagte Afra.

»Eigentlich nicht mehr. Gewiß, es ist mir wichtig.«

»Und der Brief?«

Er sah sie an.

»Interessiert Sie der Inhalt des Briefs?«

»Ja«, sagte Afra.

»Der Alte war sicherlich ein Sonderling, aber zweifellos ein Mann von hochherzigem Charakter und voller vergrübelter und verschlossener Werte. Über dieArt des jungen Mädchens geht aus dem Briefe nicht viel hervor, da wohl kaum alles das tatsächlich stimmen wird, was er von ihr hielt, was der Alternde in sie hineinlegte. Aber vielleicht werden Sie mich in Einzelheiten unterrichten können? Das Kind wird Ihnen doch sicherlich zu Gesicht gekommen sein. Was mir die Bedienten sagen, war ebenso unverständlich wie mysteriös. Sie scheinen sie nicht gerade zu lieben.«

Er lächelte vor sich hin.

»Haben Sie das Gesinde nach Afra ausgefragt?«

Er erschrak über den Klang ihrer Stimme und sah sie erstaunt an. Ihre Augen glänzten hart und einsam und wiesen ihn ab.

»Verzeihen Sie, daß ich dies Thema vor Ihnen berühre, aber seien Sie versichert, die Beziehungen des alten Herrn zu diesem Kind waren derart, daß sie vor jedem Angesicht gerühmt werden dürfen. Bitte, verstehen Sie nicht falsch, was Sie zweifellos nur aus dem Klatsch Urteilsloser oder Neidischer gehört haben.«

Sie antwortete kalt:

»Solch ein Klatsch würde mich niemals erreicht haben.« Und hingerissen von einer plötzlichen Erbitterung, die sie alles vergessen ließ, fuhr sie fort: »Sprechen Sie nicht von seiner Liebe zu Afra, zu diesem >jungen Ding<, wie Sie sagen. Sprechen Sie auch nicht von seinem Wert, ich will es nicht! Lassen Sie sich an seinen äußeren Gütern genügen ...«

Ein wildes Aufschluchzen beschloß ihre heißenWorte. Sie suchte nach einem Halt. Es bot sich ihr nichts als der Hals ihres Pferdes, so warf sie stürmisch den Arm um den Nacken des Tieres und schluchzte, am ganzen Körper bebend und von Scham, Wut und Bewegung geschüttelt, ohne Halt und so friedlos und aufgelöst fort, daß ihm in heißer Bedrängnis zumute war, als sei durch kein Heil von Menschenkraft je wieder etwas an diesem Unverständlichen gutzumachen, das sein ahnungsloses Herz an diesem Sommermorgen angerichtet hatte.

Und während er sich in großer Hilflosigkeit darum bemühte, das junge Mädchen zu beruhigen und den Grund ihres Leids zu erfahren, während er eine ungeordnete Fülle liebevoller und wirkungsloser Worte stammelte und sogar wagte, ihre Schulter mit seiner Hand zu berühren, dachte Afra mitten im Sturm ihrer aufgewühlten Gefühle plötzlich klar und bestimmt:

War es klug so, wie ich gehandelt habe? Ja, es war klug, und für ihn und für meine Stellung zu ihm war es zweifellos so richtig. Sie wußte nicht weshalb, wußte nicht, daß sie ein tiefes Gefühl von Schuld in das Herz dieses Mannes gesenkt hatte, den unermüdlichen Wunsch, die Schmach vor ihr abzudienen, in die er sie gestoßen hatte. Sie schluchzte leise fort, rührte sich nicht und lauschte. Über seine Worte mußte sie plötzlich lächeln, und sie schluchzte fort in der Bewegtheit des neuen Gefühls, von dem er nichts ahnte. Einmal, als das Pferd den Kopf senkte und hob, stieß ihre Schulter härter, als er es gewollt hatte, mit seiner Handzusammen, die gar so gern ein wenig Beruhigung gebracht hätte.

Sie hob den Kopf und sah ihn an. Er trat sofort zurück.

»Ich bitte Sie, ich beschwöre Sie — verzeihen Sie mir«, sagte er. »Ich weiß nicht, ich weiß in der Tat nicht, was ich verfehlt habe und wie ich es gutmachen kann.«

»Ich bin Afra«, sagte sie und fuhr fort, ihn anzuschauen. Sie senkte den Blick nicht, als sei ihr alles unendlich wichtig, was sie ihm mit ihren Worten zu erkennen gegeben hatte und wie diese Offenbarung auf ihn wirkte. Und während er sie anstarrte, dachte sie: Ich kann mich jetzt unmöglich so gelassen zeigen, wie mir zumute ist, es würde die Hälfte dessen zerstören, was ich erreicht habe, er muß denken, ich wäre sehr verzweifelt. Denn Afra fühlte nach ihrer kurzen Erfahrung nun gut und für immer, daß dieser Mann sich nur schwer und mühsam mit den äußeren Erscheinungen des Lebens abzufinden wußte und mit den Frauen noch um vieles schwerer. Es schadet gewiß nicht, noch eine Weile recht traurig zu sein, dachte sie, und während er nun zu ihr sprach, gefaßter, ernst und sehr würdevoll, mußte sie hinter ihren Händen, die sie vor ihr Gesicht geschlagen hatte, lächeln. Sie genoß den Reiz der Erinnerung an ihre harten Worte ohne Falsch, denn von allem, was geschehen war, hatte sie nichts berechnet. Wenn er jetzt sähe, wie ich empfinde, so würde er mich verachten, dachte sie. Und dann wußte sie plötzlich, daß sie ihn einwenig geringschätzte, weil er sich täuschen ließ, weil er nicht empfand, wie es um sie stand, und weil er es nie verstehen würde.

Es ist gut, allein zu sein, dachte sie, es macht stark.

Als Afra und der junge Gutsherr das Schloß nahezu erreicht hatten, erschien es dem Mädchen, als sei es nicht gut, sich nun schon zu trennen, denn alles, was noch an Worten gefallen war, befriedigte sie nicht und ließ eine Leere in ihr zurück, wie es oft kommt, daß die Nachwehen eines etwas gewaltsam eingetretenen Erlebnisses enttäuschten. Irgend etwas mußte bestimmter geworden sein, ehe sie ihn entließ, ihr war, als müßte er greifbare Zugeständnisse gemacht und mehr gegeben haben als diese nachgiebige Höflichkeit, der sie mißtraute, weil sie ihr neu war. Gewiß, sie war ungeduldig, aber es lag in ihrer Art, sich eher mit einer geringen Sicherheit zu begnügen als mit einer ungewissen Aussicht.

Ihm war bei alledem so seltsam zumut wie nicht oft in seinem Leben. Aber viel mehr als die Geschehnisse und ihre Verwirrungen wirkte Afra selbst auf ihn. Er wagte kaum noch den Kopf nach ihr zu wenden, weil er fürchtete, sie möchte längst schon gemerkt haben, wie über alles gewöhnliche Maß hinaus sie ihn erregte und fesselte. Wenn er versuchte, sie sich vorzustellen, so warsein Eindruck zuerst der einer ganz eigenartig klar geschiedenen farbigen Härte. Der Hut, das goldene Haar, die Farbe des Angesichts, die des Tuchs ihres Kleides ... alles erschien ihm in seiner Vorstellung von jener bedeutungsvollen und eindringlichen Gesondertheit wie die Farben auf den Bildern alter Meister. Jener Meister, die den Farbenwert nicht in unendlich viel ergänzenden Nuancen suchten, sondern die den Mittelton fanden und gaben, klar und wie in unfehlbarer Gewißheit, daß er alles Leben und alle Vielgestalt des Lichts dennoch voll enthielte und ausstrahlte. Diese entschiedene und geschlossene Gestalt neben ihm offenbarte ihm im Grunde ihr Wesen doch allein durch das Leben ihrer schönen und unschuldigen Augen. Diese Augen erschienen ihm so ungebrochen, so unberührt und selig in sich selbst, in ihrer Wirkung und Gewalt, wie nur die Dinge der Natur auf einen Menschen wirken können. Diese Kühnheit, die ohne einen Schein vonFrechheit dochso herausfordernd und überlegen wirkte, so selbstherrlich machtvoll und voll reiner Unerfahrenheit und Klugheit zugleich. Er kannte diesen Blick bei Kindern, deren Gedanken vielleicht bei den Spielen im Garten sind, während sie ernst und ohne Aufmerksamkeit den Worten der Alten lauschen, die sie noch nicht verstehen können. Kinder, deren Menschentum in seiner seligen Beschränkung der gewichtigen Erfahrung der Großen oft so weit überlegen ist. Solche Augen schienen ihm beides in einem Herzen zu wecken: Heimweh und Schuldbewußtsein.

Sie hatten eine Weile geschwiegen. Afra betrachtete den Mann an ihrer Seite, der mit gesenktem Haupt neben ihr dahinschritt und dem sie deutlich anmerkte, daß seine Gedanken bei ganz anderen Dingen weilten als die ihren. Er wußte nicht einmal, was sie beschäftigte. Erst als er, beinahe wie aufgeschreckt durch ihr leises Lachen, rasch den Kopf hob, besann er sich darauf, daß die Interessen der jungen Dame an seiner Seite wohl kaum bei seinen Träumereien weilten. Er überdachte ihre Lage und empfand sich als lieblos und selbstsüchtig.

»Warum lachen Sie denn?« fragte er.

»Woran dachten Sie denn?« gab sie zurück.

Nun lächelte er.

»Ach, wenn ich's der Wahrheit nach sagen soll, so dachte ich mehr an Ihre Person als an Ihre Lage, und letztere sollte mir doch eigentlich aus vielen Gründen am Herzen liegen; aber meine Bitte wird mir nicht ganz leicht. Sie wird mir um so schwerer, als ich noch vor kurzem eine Kränkung ausgesprochen habe statt des Danks, den ich Ihnen schulde. So viel weiß ich wohl aus den Mitteilungen anderer, denen ich meine Erfahrung von heute morgen zugeselle, daß die Verwaltung des Schlosses und aller Güter bisher beinahe ganz in Ihren Händen gelegen hat. Sie waren die Vertraute des alten Herrn und sind sicher in alle Notwendigkeiten und in alle Verwaltungspflichten viel besser eingeweiht, als ich es jemals sein werde. Sehen Sie, und meine Bitte geht nun darauf hin, ob Sie uns die Liebe erweisen wollen, es in Ihrer Stellung zu allem und zu unsbeim alten zu lassen? Ich erbitte vielleicht mehr, als Sie leichten Herzens gewähren können, denn ich zweifle keinen Augenblick daran, daß einzig die Neigung des Herrn Grafen zu Ihnen und die Ihre zu ihm Sie hier gehalten hat ...«

Er stockte und sah sie besorgt und liebevoll an. Mochte es sein, weil dem Namen Erwähnung getan war, Afra mußte an den Toten denken, der sie geliebt hatte, und an seine stolze und vornehme Art, in der er alle seine Gaben dargebracht hatte, als sei er der Empfangende. Es quälte und beglückte sie zugleich. Sie schritt mit gesenktem Haupt dahin, das Angebot erschien ihr als das Vorteilhafteste, was ihr vorläufig geschehen konnte, aber sie nickte nur nachdenklich und zögernd. Mochte er denken, sie sei undankbar, es war immer noch besser, als daß sie sich ihm durch Dankesworte für verpflichtet erklärte.

Die Rosenhecke des Schloßparks begann. Jasmin und Holundersträucher drängten über die blühenden Rosen hin, nur Vögel fanden den Weg durch dieses verworrene Dickicht, drang einmal der Blick hindurch, so blinkte hinter dem Grün die schwermütige Farbe des toten Grabenwassers, das an drei Seiten die Schloßmauern umzog und tief im Park einen ruhigen See bildete. Hart am Zaun, am Weg, stand eine alte Holzbank im Schatten eines verwilderten Apfelbaums. Afra blieb stehen. Er verstand sie und lud ein, ein wenig zu rasten. Sie warf die Zügel des Pferdes lose in ein Büschel Zweige.

»Es bleibt schon«, sagte sie. Die Hunde ließen sich ihr zu Füßen nieder, hängten die hellroten Zungen aus den schwarzen Wolfsmäulern und sahen zu ihr auf.

»So bitte ich Sie auch herzlich«, begann er nach einer kleinen Weile wieder, »Ihre Zimmer im Schloß wieder zu beziehen. Gewiß nicht allein aus Gründen der Autorität vor den Bediensteten, sondern auch aus Pietät gegen den Willen des Toten. Wenn Sie mir die Freude machen wollen, heute mittag unser Gast zu sein, so daß ich Ihnen meine Frau vorstellen kann, möchte ich Ihnen auch gern den Brief des alten Herrn zeigen, in dem ich nun vieles besser verstehe.«

»Ich muß so kommen, wie ich bin«, sagte Afra, ohne zu danken, »ich habe wenig Kleider.«

»Bitte«, sagte er einfach.

Obgleich Afra nicht groß war, empfand er sich als klein und schwächlich neben ihr. Er sah zu, wie sie ihre Reitgerte zwischen den Fußspitzen pendeln ließ, sah ihre harte, schöne Hand, den klaren, geneigten Umriß ihrer Schultern, fast ohne Wehmut, und doch von großer Lieblichkeit. In allen Einzelheiten, die zwischen ihnen besprochen waren, hatte er seine heimliche Überlegenheit in Dingen einer bewußten Gemütskraft empfunden, aber ohne Genugtuung und im Tiefsten befangen. Ihm war, während er so dasaß und die Schweigende verstohlen betrachtete, als käme es im eigentlichen, wahrhaftigen Daseinskampf auf ganz andere Kräfte an als auf die, welche er zu besitzen glaubte. Eine ganz feine, bohrende Besorgnis wuchs in seiner Seele empor. Erstrich sich über die Stirn, als verscheuchte er eine dunkle Ahnung. Wollte sie denn noch lange hier sitzenbleiben? Oder lag es nicht eigentlich an ihm, aufzubrechen? Nun, es kam ja auf ein halbes Stündchen gewiß nicht an. So geschah es denn, daß Afra ihn nach einer Weile entließ, beinahe ein wenig gnädig, wie man jemand fortschickt, dem man schließlich zugeben muß, daß er getan hat, was in seinen Kräften steht.

In der Nachmittagssonne durchschritten sie nebeneinander die Räume des Schlosses. Afra erschien dem jungen Schloßherrn auf ganz neue Art, nun sie in der intimeren Kleidung des Hauses bei ihm war. Aus Bildern und Wandteppichen schaute die Vergangenheit auf sie nieder, die Freude und die Trauer des Verflossenen.

»Diese hohen Fenster sind neu«, sagte Afra, »die alten waren eng und klein, wie sie jetzt noch drüben gegen den Park zu sind.«

Er nickte und betrachtete nur sie, wie sie mitten in der Sonne stand. Er dachte mit leisem Grauen an die vergangene Stunde, in der Afra und seine junge Frau sich zum ersten Male begegnet waren. Aber das mußte doch anders werden, es war einzig der verwirrende Geist des Neuen, der auf sie beide eindrang, auf sein Weib und ihn; alles war fremd und geheimnisvoll, schien sie zu ängstigen und abzuweisen, aber es würde weichen, würde sich verlieren ... Er besann sich. Was denn nur?Er kannte sich nicht wieder, so verwirrt und benommen wie er war.

»Fräulein Afra«, sagte er plötzlich, »es gibt Geister.«

»Was für Geister?« fragte sie und sah ihn groß und erwartungsvoll an.

Er schämte sich plötzlich. Diese Augen, die ihm so gefahrvoll erschienen, wenn er ihrer gedachte, ernüchterten ihn nun in ihrer unschuldigen Härte. Aber nun mußte er sprechen:

»Ich meine, die Toten leben noch lange fort. Nicht in weißen Tüchern als Gespenster, die nachts umherirren, sondern um vieles vergeistigter und machtvoller. Die Sage von Gespenstern erfand nur das ungeklärte Bewußtsein des Volks, das leicht für unverstandene Gefühle faßbare Unverständlichkeiten einsetzt. Nein, ich meine, daß die Spuren der Toten zurückbleiben und daß in ihnen ihr Geist fortlebt, ihre Güte, ihre Bosheit, ihre Vorsicht oder ihre Schuld.«

Afra ließ sich in einen geschnitzten Sessel nieder, dessen schmale hohe Lehne ihr blondes Haupt überragte. Er sah über ihren Haaren den bäurisch derben und gediegenen Zierat des Schnitzwerks und folgte mit den Augen den Ornamenten, als zeichnete er sie nach.

»Sie sehen ja über mich weg«, sagte sie. »Bitte sprechen Sie doch weiter. Sie legen in alle Dinge viel mehr hinein, als darin ist, das tat auch Ihr Oheim, aber er tat es ... wie soll ich es nennen ... weniger vorsichtig und sehr bestimmt. Ihm hätte man nicht widersprechenkönnen, dafür glaubte man ihm aber auch nicht immer.«

Tief überrascht sah er auf.

»Es ist erstaunlich, Afra, es ist unendlich wunderbar ...«

Sie wußte nicht, daß er sie und ihre Entgegnung bewunderte, so blieb sie unbefangen und bei der begonnenen Unterhaltung. Noch vor Stunden hatte er geglaubt, daß sie ihm die Lage verdankte, in der sie sich ihm und dem Schloßgut gegenüber befand, er hatte gehofft, einen Schein von Erkenntlichkeit in ihrem Wesen zu finden, nie hätte er für möglich gehalten, daß sie so selbstverständlich annahm, was er bot. Es muß ihr Recht vor Gott und allen Menschen sein, dachte er, und seine Erschütterung bewegte ihn plötzlich bis zur Trauer.

Ihre Blicke zwangen ihn, gleichmütig lächelnd, zur Unterhaltung zurück.

»So finde ich auch in Ihrer Art und in Ihrem Wesen den Geist des Toten wieder«, sagte er. »Es gibt Gespenster von Fleisch und Blut, die die Sonne mehr lieben als die Nacht, die sich nicht auf die zwölfte Stunde beschränken, sondern die Tag und Nacht umgehen, voller Grauen nur durch die überwindende Lieblichkeit, in der sie das Vergangene uns Vergänglichen als bestehenden Wert darbieten.«

»Es ist wahr«, sagte Afra einfach, »ich verdanke dem Grafen, was ich geworden bin. Ich hätte die Dorfschule in Wartaheim besuchen müssen. Zwei Stundenlang hätte ich durch die Sonne oder durch den Schnee laufen müssen und wäre heute nicht viel mehr als die Mädchen, die draußen das Heu wenden. Das wollten Sie doch sagen, nicht wahr?«

»Nein«, sagte er, ohne einen Trotz in seine Entgegnung zu legen. »Sie wären immer geworden, was Sie heute sind. Zufällig ist an allem nur die äußere Lage und ein Teil der Erscheinungen, nicht aber das Wesentliche. Unseren Drang nach Bildung gibt uns niemand, wir empfangen ihn mit unserem Blut nach dem Maß unserer Werte. Und was Sie reich und stark macht, hat Ihnen niemand gegeben. Bildung hat so wenig mit Wissen gemein«, fügte er hinzu, »wer ganz geworden ist, was er seinen Anlagen nach hat werden müssen, der ist gebildet.«

Sie unterbrach ihn ungeduldig.

»Sagten Sie, ich sei reich?«

»Ja, Afra.«

»Ihr Oheim sagte das Gegenteil.«

»So verstehe ich meinen Oheim nicht, oder er meinte es in einem anderen Sinn und Zusammenhang.«

Sie schwieg. So wußte er nicht, um was sie ihn, wie einst den alten Mann, oft heimlich beneidet hatte. Es war gewiß nicht einzig der äußere Besitz. Sie empfand, beide hatten ihr irgend etwas voraus, das durch keine Verluste im Leben zu verlieren war. Sie fühlte sich plötzlich verstimmt und stand auf. Diesen schmerzhaften Gedanken jetzt haßte sie tief in ihrer Seele, dieses Empfinden des Zurückgesetzten, der stets empfangen muß,das einst ihr väterlicher Freund mit so viel glückhafter Herablassung in ihr geweckt hatte. Nie war sein Gesicht schöner gewesen, als wenn er gab ... Sie waren von gleicher Art, diese beiden, nur erschien es ihr, als sei jener ein Mann gewesen und als sei dieser ein Jüngling.

Sie schritten durch den Saal, in dem die Bilder der Toten des Geschlechts hingen. Afra zog mit hartem Ruck die schweren Vorhänge von einem der Fenster zurück, eine feine Staubwolke drängte sich träge in die Sonnenstrahlen, ein tiefer goldener Atemzug der erwachenden Vergangenheit.

»Wie einfach, wie schön«, sagte er bewundernd im Umschauen. Langsam schritt er an den Bildern entlang. Sie folgte ihm neugierig mit den Blicken und lehnte sich an das Fenstersims.

»Welch einen Sinn für Maß haben die Männer gehabt, die hier geherrscht und gebildet haben«, sagte er. »Nichts ist hier in Prunksucht und Gier nach fremden Gütern herbeigeschafft worden, alles ist im Lande geboren, mit ihm hat es sein Angesicht erhalten, sein Gepräge, seine Schönheit. Die Bildrahmen sind aus den Eichen von Wartalun, die Möbel und Verkleidungen der Wände tragen die Farben der Äcker, ihr Wert scheint einzig in ihrer Nutzbarkeit zu liegen, und alles ist ernst und groß wie das geduldige Land. So sind auch diese Angesichter. Diese verstanden zu herrschen, weil sie zu arbeiten verstanden. Die Züge erheischen Gehorsam, aber keine Unterwürfigkeit ... wir sind anders ...«

Sie hörte ihm kaum zu. Erst als ein erstaunter Schreckensruf sie traf, trat sie hinzu. Es war dämmrig im Winkel des Saals, in dem er stand, die Schatten schienen von dem ungeheuren Kamin zu sinken, dessen grüne Kacheln ergraut waren unter der feinen Staubschicht, die sie trugen.

»Wer hat das getan?« fragte er und wies auf einen farbigen Wandteppich von großer Schönheit, aus dem von ungefüger und hilfloser Hand kleine Stückchen herausgeschnitten waren.

»Vögel«, sagte Afra, »Tauben waren darin. Damals wollte ich sie.«

»Sie haben diese Gobelins zerstört?«

»Ich war fast noch ein Kind und bat um die bunten Vögel aus irgendeiner Laune. Er erlaubte mir, sie herauszuschneiden.«

»Afra ... das ist unmöglich.«

»Es ist schade«, meinte sie. »Der Graf legte keinen großen Wert auf diese Dinge, wenigstens zuweilen nicht. Ich muß in einer ungünstigen Stunde gebeten haben. Später kamen ihm Tränen in die Augen, als er es sah.«

Erschauernd trat er zurück, und den flimmernden Blick am Boden, ging ihm zum erstenmal eine Ahnung von der ganzen Gewalt und Tiefe des Märtyrertums dieses sterbenden Liebenden auf. Er empfand seine eigene Schwäche bis zum Zittern. In einer grellen und zugleich traurigen Vision sah er die ermüdete Herrlichkeit einer alten Zeit dem jubelnden Ansturm und dem bedachtlosen Frohsinn einer neuen weichen. Er stützte die blasseStirn. Rosen entblätterten sich vor seinen inneren Augen, tieffarbig und langsam, dunkel in die Farben eines sinkenden Tages gestreut. Die Vögel sangen nirgends, es wurde still, und die Toten schliefen in einer Nacht ohne Morgen. Er dachte an sein junges Weib, das ihn vor kaum einer Stunde mit flehenden Blicken gebeten hatte, Afra fortzuschicken ... Über allem wurde ihm haltlos wehmütig zu Sinn, eine beinahe heldenhafte Traurigkeit wehte hinüber und hüllte sein Herz in tränenfeuchte Schleier.

»Afra, Sie sollten ... fort — — große Städte und viele Menschen sehen, andere Menschen. Es müßten sich Ihnen Gelegenheiten bieten, Ihre Kräfte und Gaben vor ganz neuen Aufgaben zu bewähren ...«

»Später«, sagte sie kühl. »Es geht jetzt nicht. Was würde aus Wartalun?«

»Das ist wahr«, sagte er. Irgend etwas stimmte ihn froh an ihrer klaren Entschiedenheit. Er fühlte sich erleichtert und verstand, nun da er ihr argloses, sinnendes Lächeln sah, seine Besorgnis nicht mehr recht.

»Wie eigen mich hier alles berührt«, meinte er, »wie es beginnt, mich zu verändern.«

Sie gingen weiter. Unten im Herrenzimmer, dem Arbeitsraum des Toten, ward ihm wieder eigen beklommen zumut im Dämmerlicht der dickwandigen Erker. Über dem Schreibtisch hing ein verhülltes Bild Afras. Das Mädchen nahm den Schleier ab. Es raschelte darunter von verwelkten Blumen, und die Blätter sanken flüsternd auf die Gerätschaften desgroßen Tisches, zwischen die grünlichen Bronzeleuchter, deren Kerzen halb heruntergebrannt waren.

»In einem Sommer zog ein junger Mann durchs Land, dessen Beruf es war, Bilder zu malen«, erklärte Afra wichtig. »Er war unser Gast und mußte dies Bild machen. Er sagte mir, daß es nicht ganz vollendet sei, aber dem Herrn Grafen gefiel es wohl. Eines Morgens war er fort.«

»Weshalb?«

»Oh — er wollte sich mit mir verheiraten. Wo er stand, sprach er davon.«

»Und Sie wollten nicht?«

Afra drehte eine verdorrte Nelke in der Hand, ganz rasch, daß sie schwirrte.

»Ich?« fragte sie und begann zu lachen.

Er nahm ein Kuvert aus einem Schubfach und zog einen Brief heraus. Ehe er davon sprach, meinte Afra über seine Schulter hin:

»Das ist seine Schrift.«

»Ja. Es ist jener Brief, von dem ich heute morgen gesprochen habe. Wollen Sie ihn anhören? Dieser erste Teil bezieht sich auf Angelegenheiten der Verwaltung, vielleicht darf ich ihn später mit Ihnen betrachten, dieser Teil handelt von Ihnen. Er ist so stolz, so zurückhaltend und einsam. Was ich heute morgen darüber gesagt habe, war Torheit ...«, er stockte. »War das denn dieser Tag, ist das heute morgen gewesen?«

»Wann denn sonst?«

»Es erscheint mir, als läge viel mehr Zeit dazwischen.Sie müssen bedenken, Fräulein Afra, daß mein Leben ohne große äußere Ereignisse dahinlief, und die Erlebnisse der Innenwelt sind seltsam zeitlos; sie haben so gar nichts mit den äußeren Lebensverhältnissen zu schaffen, und auf die Dauer rauben sie einem den Sinn für die Zeitmaße der Umwelt.«

»Was schreibt er denn?«

»Versuchen Sie mich zu verstehen ...«, bat er.

»Gewiß ...«

Beide schwiegen.

Ich darf ihr den Brief nicht vorlesen, empfand er. Es ist nicht ihr Teil, irgend etwas in ihrem Wesen beleidigt noch die Andacht, die Liebe, den Wert dieser Worte, sie ist zu jung. Und doch schien es ihm wieder eher ihr Recht als das seine. Hatte der Verstorbene jemals mit den Gaben seiner Liebe zurückgehalten? So mag es denn geschehen, beschloß er, mit der Bitterkeit eines, der mit bösem Gewissen Gutes tut.

In seltsam altväterischen Zügen, die lange Schleifen nach oben und unten zogen, aber im Verlauf der Schrift selbst wie eine einzige feine Linie wirkten, liefen die langen Zeilen dahin. Er las mühsam und gequält, ernüchterte alles Innige der Worte zu kühler Sachlichkeit und verdarb manchem sein Gewicht durch den gleichgültigen Tonfall seiner Stimme, deren Beben er zu verbergen trachtete. Es entging ihm der Sinn mancher seltsamen Wendung, weil er oft an nichts anderes denken konnte als daran, wie Afra das Gelesene aufgenommen hatte. Aber einzelne Sätze prägten sich ihm tief ein, einmalhielt er inne, suchte den Beginn und las einen Satz noch einmal:

»... so bleibt Wartalun in den Händen meines Geschlechts, das es begründet, erbaut und gemehrt hat, aber es sei denen gesagt, die es zu eigen haben sollen, daß es keinen ererbten Besitz in der Welt gibt, der vor Gott Gültigkeit hat, und Gott erkenne ich in der Kraft des Lebendigen.«

Er sah Afra an.

»Ja, ja«, sagte sie. Das hieß: »Lesen Sie weiter.«

Er schrieb in der Folge von seiner Liebe zu Afra, der ergriffene Mann las sehr leise, als scheute er sich, Dinge auszusprechen, die der Tote im Grund seines Herzens getragen hatte.

»Wenn ihr Herz so beschaffen ist, wie ich Irrender oft vermeint habe zu erkennen, so wollte Gott, daß meine Liebe wie seine Gabe zu ihr kam, denn das Wesen der Liebe ist ausgleichender Natur. Ich habe gesehen, daß die Liebe dem verschwiegenen Trotz die Demut entgegenschickte und der Bosheit die Sanftmut. Sie offenbart sich in einem ewigen Krieg der Geschlechter, nur die Kämpfenden erdulden ihr Wesen ganz.«

Zum Schluß lautete es wieder allgemein in Worten, die an die Erben gerichtet waren:

»Es hieße Unrecht tun, eure alten Rechte, die in dieser Zeit nicht mehr gelten, sichern zu wollen. Ihr sollt eure besten Güter wahren, denn die zeitlichen könnt ihr nicht halten. Euer Kampf um sie wird euch herabwürdigen, denn das Beste unseres Wesens hat mit demWirken der neuen Zeit nichts gemein, und ihr sollt ihre Waffen nicht führen.«

Der Brief brach hier ab.

»Wie wahr«, sagte der junge Gutsherr, aber dann erschien es, als erinnere er sich plötzlich der Gegenwart Afras, und er fügte schnell hinzu:

»Es ist nicht alles klar gesagt in diesem Schreiben.«

Aber Afra schüttelte nachdenklich den Kopf und meinte:

»Ich verstehe es gut, weil er über diese Dinge oft mit mir gesprochen hat. Dort am Kamin, der Sessel steht noch an seinem Platz. Ich saß ihm zu Füßen und bin oft, die Stirn auf seinen Knien, eingeschlafen. Er weckte mich aber nie, sondern sprach erst weiter, wenn ich aufgewacht war. Er hat viel vom Leben und von Gott gesprochen, von den Armen und Reichen und vom großen, ewigen Krieg in der Welt. Da sagte er auch einmal: >Die Reichen sind oft mißgeschickte Krieger in diesem Kampf.< Aber wenn er vom Reichtum sprach, meinte er nie den Besitz der Menschen an Geld oder Land, sondern er meinte etwas anderes ...«

Sie schwiegen beide, und es war, als dächten sie an dieses Andere, das keiner von ihnen nannte.


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