9. Siam. Indochina.

Ausflugvon hier mit Motoromnibus der Bahngesellschaft (vorausbestellen) auf guter Landstraße durch das malerische Gebirge und durch wilde Dschungeln über (44 M)Raub(Rasthaus) nach (ca. 60 M)Kuala Lipis(gutes Rasthaus, tägl. $ 1,50, Verpflegung $ 2,50), Hauptstadt des Staates Pahang am Jelai, Nebenfluß des Pahang-Flusses. Der Sultan residiert inPekan(Rasthaus) an der Mündung des Pahang, wohin man von Kuala Lipis mit malaiischem Hausboot in etwa einer Woche gelangen kann. (Dieser ganze wilde und romantische Ausflug von Kuala Kubu quer durch die Halbinsel Malakka bis zum Südchinesischen Meer ist anstrengend und nicht ohne Gefahren, daher nicht für jeden Weltreisenden zu empfehlen! Er bietet aber Naturschönheiten und große Jagdgelegenheit seltener Art.)—Von Pekan ist zuweilen Gelegenheit, mit Küstendampfer nach Singapore zu gelangen, aber die Einschiffung ist bei Nordostmonsun (Oktober bis März) oft wegen hohen Seegangs auf der Barre der Flußmündung unmöglich; Rückkehr von Pekan über Land oder auf dem Fluß sehr langwierig; vielleicht kann man im Notfall überKuantan(Rasthaus; Hafen im Bau) Dampfer erreichen oder mit Automobil auf der (zum Teil 1911 noch im Bau begriffenen) Straße nachBentaan der Straße Kuala Lipis-Kuala Kubu zurückkehren. (Man ziehe vor solchem Ausflug Erkundigung bei den englischen Behörden in Kuala Kangsar und Kuala Lipis ein.) Von Kuala Lipis mit Motoromnibus zurück nach Kuala Kubu.

Von Kuala Kubu führt die Bahn über (235 M)Serendah, (241 M)Rawang, Bahnhof für den OrtBandar Baharu, und (254 M)Batu, lauter Minenstädte, nach

(259 M) *Kuala Lumpur(Station Hotel, neu, am Bahnhof, Pens. von $ 6 an, mit Restaurant;Empire Hotelund ein Rasthaus, tägl. $ 1,50, Verpflegung $ 1,50), Hauptstadt der Malaiischen Bundesstaaten mit etwa 35000 Einw., in schöner Lage, mit prächtigen Gärten im europäischen Viertel und verhältnismäßig kühlem Klima. Residenz des britischen »Resident General« der Malaiischen Bundesstaaten. Vor einem schönen öffentlichen Park mit See dasMuseummit reichen zoologischen (besonders Vögel und Fische) und ethnographischen (besonders Tonwaren und Matten) Sammlungen. Kuala Lumpur ist für längern Erholungsaufenthalt geeignet, hat gute Basare, Hospital etc.—Ausflügenach (26 km)Dusun Tua, einem Bungalow mit heißer Quelle in malerischer Landschaft an einem Fluß, wo man tropisches Tierleben beobachten kann (fliegende Eidechsen, fliegende Hunde, Affen etc.).

Zweigbahnvon Kuala Lumpur durch den mit Gummiplantagen bestandenen Klang-Distrikt nach (etwa 18 M)Klang(Rasthaus beim Bahnhof), Residenzstadt des Sultans von Selangor, Mittelpunkt des Gummihandels, durch ein Hügelfort mit britischer Garnison beherrscht, und von da nach (etwa 6 M)Port Swettenham(Rasthaus, Post und Tel.), dem modern ausgebauten wichtigsten Hafen für Küstendampfer zwischen Penang und Singapore, mit beträchtlichem Seeverkehr; Dampfer nach Penang und Singapore.

Von Kuala Lumpur weiter durch Gummiplantagen über (274 M)Kajang(Rasthaus), einem hübschen Dorf mit Zinngruben, nach (302 M)Seremban(Rasthaus), Hauptstadt des Malaienstaates Negri Sembilan, in ähnlich schöner Lage wie Kuala Lumpur, auch mit britischem Viertel.

Ausflugvon Seremban mit Motoromnibus auf malerischem Weg über das Gebirge nach (24 M)Kuala Pilah(Rasthaus), Residenz des Yam Tuan von Sri Menanti, dessen *Palast(Astana) in einem prächtigen Seitental 8 km von Kuala Pilah liegt. Die Stadt Kuala Pilah liegt am Muar-Fluß und an einer Zweigbahn nach Gemas (S.166); auf dem höchsten Hügel (*Aussicht) in der Stadt ist das Amtsgebäude des britischen Residenten; in der Hauptstraße der Stadt ein Standbild des ersten britischen Residenten, Martin Lister, von Chinesen gestiftet. Zurück mit Motoromnibus nach Seremban oder mit Wagen (Gharries) auf ebenfalls schönem Gebirgsweg nach Tampin (s. unten).Zweigbahnvon Seremban in 11/2St. nach (etwa 22 M)Port Dickson(Rasthaus), auchArang Aranggenannt, Hafen für Küstendampfer, mit guter Seebadegelegenheit, beste Badezeit 51/4—61/4Uhr Nm.; man übernachte im Port Dickson Sanitarium (Platz vorausbestellen), dicht am Badestrand.

Die Bahn führt von Seremban weiter durch gut bebaute Obstgärten und Reisfelder und stark bevölkerte, wohlhabende Malaiendörfer überPedas,RembauundChengkaunach (334 M)Tampin(Rasthaus).Fortsetzung der RouteS.166.

Von hier Zweigbahn (22 M) nach

Malacca Town(Rasthaus am Bahnhof, dem Seebad am nächsten; andres Rasthaus an der Seeseite der Stadt), wichtiger Seestadt und Hauptausfuhrhafen der Malaienstaaten, mit etwa 95000 Einw. Malacca Town liegt auf 2° nördl. Br. und ist die älteste europäische Niederlassung auf der Halbinsel, 1511 von den Portugiesen unter Albuquerque begründet und zu einem wichtigen Gewürzhandelsplatz gemacht, 1641 von den Niederländern und 1795 von den Engländern erobert, dann 1818 zurückgegeben, aber 1824 gegen Benkoelen von den Niederländern wieder eingetauscht. Man trifft noch Nachkommen der Portugiesen sowie die portugiesische Kirche Nossa Senhora do Monte auf dem Gipfel des St. Pauls-Hügels, neben dem Leuchtturm am l. Ufer der Mündung des Malacca-Flusses. Der Hügel ist mit alten Festungswerken umgeben. Mehrere Brücken führen über den Fluß zu dem Stadtteil des r. Ufers. Malacca Town ist Sitz der Regierung des britischen Malacca-Territoriums (Teil der Kolonie Straits Settlements, vgl. S.155). Am Fuß des St. Pauls-Hügels liegen Schulen (darunter die sehenswerte Chinesenhochschule des Dr. Morrison), Post und Telegraph, Gericht, Krankenhäuser etc.; sehenswert ist an der SeeseiteAlbuquerques Tor. Die Stadt ist ziemlich gesund, obgleich etwas wärmer als Singapore. —Etwa 8 km westl. von Malacca Town liegt der hübsche Badeort *Tanjong Kling(Regierungsbungalow, Erlaubnis zur Benutzung für Seebadezwecke erteilt die Public Works Office in Malacca Town).Malacca Town hat durch Inseln geschützte Reede; lebhafter Verkehr von Küstendampfern nach Penang, Port Swettenham, Port Dickson und Singapore.

Fortsetzung der Hauptroute.Von Tampin (S.165) führt die Bahn über einige unbedeutende Stationen nach (364 M)Gemas, Grenzstation des Staates Negri Sembilan (Zweigbahn von Gemas im Betrieb überRompinnach [22 M]Bahau, von da im Bau nachTemerlohim Staat Pahang; Zweigbahn von Bahau nach [12 M]Kuala Pilah[S.165] im Betrieb), und durch Urwald und Dschungeln des Staates Johor über mehrere kleine Ortschaften nach (450 M)Johor Bharu(S.169); von da Fährdampfer nachWoodlands(s. unten) und Bahn nach (465 M)Singapore.

Vgl. beifolgendenPlan.

Ankunft.Die Ansteuerung des Hafens ist wegen vieler gefährlicher Riffe und Bänke vor der Hafeneinfahrt schwierig; Handelsdampfer laufen zum Teil, die Reichspostdampfer stets in den engen Hafen innerhalb der Inseln und machen meist amTanjong Pagar-Kaidicht am Lande fest. Am Landungsplatze stehen europäische und malaiische Diener von allen Gasthöfen sowie reichliche Fahrgelegenheiten (Wagen und Rikschas, auch elektr. Straßenbahn). Fahrt bis zur Stadt etwa 20 Min. Keine Zolluntersuchung, aber Waffen dürfen ohne Polizei-Erlaubnis nicht eingeführt werden!Gasthöfe:Raffles' Hotel, Beach Road 2, nahe der Esplanade, 130 Z. —Hôtel de l'Europe(Pl. 13), an der Esplanade, in besserer Lage. Küche in beiden mäßig, Pens. etwa $ 8.—Hotel Adelphi, Colman Street, 100 Z., Pens. von $ 5 an.—Hôtel de la Paix, Colman Street 3, 40 Z. $ 2-3, Tiffin 11/4, Dinn. 11/2, Pens. $ 6-8.—Hotel van Wijk Co. Ltd., Stamford Road 2, 80 Z. 2, F. 1, Lunch 1, Dinn. 1,50, Supp. 2, Pens. $ 5-6, Küche gelobt. —Die meisten Gasthöfe sind zugleichRestaurants.Post(Pl. 18), an der Südseite der Cavanagh-Brücke neben der Börse. —Telegraph, Robinson Quai. Kabel führen nach Penang, Saigon, Labuan, Soerabaya und Batavia.—Wagen:Tikka gharriesoderHackney Carriagesnach gedrucktem Tarif.—Rikschasebenfalls mit fester Taxe.—Reitpferdezu haben.—Straßenbahnlinien(s. den Plan), auch von Europäern benutzt.—Eisenbahn:Singapore & Kranji Railway(Bahnhof Tank Road), vom Landungsplatz der Postdampfer in 25 Min. mit Straßenbahn zum Bahnhof, von da in 11/4St. bis zur Endstat.Woodlands(von wo Fährboot nach Johor mit Anschluß an dieFederated Malay States Railway, S.161).Dampfer:Norddeutscher Lloyd(Agent: Behn, Meyer u. Co., Tel.-Adr. »Nordlloyd Singapore«): Reichspostdampfer alle 14 Tage nach Ostasien und Europa; Anschlußdampfer nach Bangkok und Deli sowie nach Britisch-Nordborneo, Makassar, Menado (auf Celebes), Süd-Philippinen und Neuguinea (über Batavia)—Koninklijke Paketvaart Maatschappij(Agent: J. Deandels & Co.): Anschlußdampfer an die deutschen Reichspostdampfer nach u. von Batavia, Samarang und Soerabaya. —Stoomvaart Maatschappij Nederland(Agent: J. Daendels & Co.) alle 14 Tage nach Batavia und nach Europa über Sabang.—Österreichischer Lloyd(Agent: Rautenberg, Schmidt & Co.), monatlich einmal nach Ostasien und Europa.—Messageries Maritimes(Agent: C. Tournaire; Telegrammadresse: »Messageries Singapore«) alle 14 Tage über Saigon nach Ostasien und über Colombo nach Europa; Anschlußdampfer nach Batavia. —Peninsular & Oriental Co.alle 14 Tage nach Ostasien und Europa, mit Anschlußlinien nach Java, Sumatra, Celebes u. a.—British India Steam Nav. Co.alle 14 Tage nach Vorderindien.

Singapore.

Geld.Einheitsmünze ist derStraits-Dollar($) = 2,40 Mark oder 2 sh. 4 d.; Silbermünzen außerdem zu 50, 20, 10, 5 cents. 1 $ = 100 cents. Außerdem Kupfergeld.—Banken:Deutsch-Asiatische Bank, Korr. sämtlicher deutschen Großbanken.—Hongkong & Shanghai Banking Corporation, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.—Chartered Bank of India, Australia & China.—Nederlandsche Handels-Maatschappij.Beide letztere Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.Spracheist malaiisch, die allgemeine Verkehrssprache Hinter-und Insulindiens.Theater, malaiische sind besuchenswert.Konsulate:Deutsches Reich, Generalkonsul Feindel, Vizekonsul Dr. Saunier. —Österreich-Ungarn, Dr. Erwin Ritter von Zach.—Deutscher Klub, sehr schön gelegen.Polizeiamt: South Bridge Road und North Bridge Road, letzeres nahe dem Hôtel de l'Europe.—Ärzte: an 30; deutsche Ärzte Dr.Werner, Medical Hall; Dr.Wertheim.—Zahnarzt.—Deutsche Apotheken.—Krankenhaus:General Hospital.—Buchhandlungen:Kelly & Walsh, Raffles Place.—Fraser & Neave.—Zeitungen:Straits Times;Government Gazette;Singapore Free Press;Colonial Press. Einige malaiische, tamulische und chinesische Zeitungen.Photographierenvon Festungswerken (die oftnichtzu erkennen sind) ist streng verboten und wird mit 1 Jahr Zuchthaus bestraft, da Singapore Kriegshafen ist. (Deutsche Liebhaberphotographen werden mit Vorliebe böser Absichten verdächtigt!)Einkäufe: Korallen, Muscheln, Korbstühle, Ananas frisch und konserviert (sehr billig).Zeiteinteilung.1. Tag: Markt in der Chinesenstadt, Museum, Botanischer Garten, Esplanade.—2. Tag: Fahrt nach Johor.—3. Tag: Ausflug nach dem Sea View Hotel, östl. von Singapore, an der See.Geschichte.Das alte Singapura soll in der 2. Hälfte des 12. Jahrh. von dem aus Sumatra eingewanderten Radschah Sang Nila Utama begründet sein; sein Nachfolger Sikander wurde von den Javanen vertrieben und gründete die Stadt Malakka, während die javanischen Herrscher zum Islam übertraten (jetzt Hauptreligion der Malaien) und das Sultanat Johor begründeten. Sir Stamford Raffles drang darauf, daß das im Anfang des 19. Jahrh. zum Seeräuberschlupf gewordene Singapore englisch werde; 1819 wurde die britische Flagge auf der Insel gehißt, entwickelte sich aber erst mit dem Aufblühen der Dampferfahrt zu einem der wichtigsten Stapelplätze und Stützpunkte für den Seeverkehr nach und von Ostasien.DasKlimaist heiß, doch nicht ungesund, mit sehr gleichmäßiger Temperatur, auch für Kinder gut. Mittlere Jahrestemperatur etwa 27° C; höchste im Jahre vorkommende Temperatur durchschnittlich 38°, die niedrigste 17,5°. Stürmisches Wetter herrscht meist beim Monsunwechsel (SW.-Monsun im April bis Oktober), aber nur kurze Zeit. Die Regenmenge ist beträchtlich (2350 mm); es regnet in Schauern mindestens zweimal alle 3 Tage, am stärksten im November und Dezember. Dem Regen ist der üppige Pflanzenwuchs zu danken. Die Sonne geht stets gegen 6 Uhr auf und unter.

Singapore(bedeutet entweder Löwenstadt = singa puru, oder Raststadt—sing gah pura), die Hauptstadt der Straits Settlements (S.155), liegt auf der gleichnamigen Insel unter 1° 16' nördl. Br., mithin nur 141 km vom Äquator. Die vorzügliche Lage am Hauptseeweg von Europa nach Ostasien sowie zwischen dem Golf von Bengalen und der Chinasee und in der Nähe der großen Sundainseln und der Philippinen haben die Stadt, die schon frühzeitig zum Freihandelsgebiet erklärt wurde, zu einem blühenden Stapelplatz für den Seehandel und einem wichtigen Kohlen-und Ausrüstungshafen für zahlreiche, stetig wachsende Dampferlinien im Indischen und Stillen Ozean gemacht. Für die englische Kriegsflotte ist Singapore ein wichtiger Stützpunkt außerhalb der europäischen Gewässer.Es ist seestrategisch äußerst günstig gelegen.—Die Stadt zeigt europäisches Großstadtgepräge und hat etwa 250000 Einw., davon sind4/5Chinesen,1/8Malaien,3/80Europäer (etwa 250 Deutsche) und Eurasier,3/80Indier (insgesamt3/4Männer,1/4Frauen); darunter auch Klings (Arbeiter aus Vorderindien), Araber, Armenier, Parsen, Juden, Birmanen, Siamesen etc. Die Chinesen spielen also der Zahl nach die Hauptrolle; sie leben hier nicht nur als Kulis und Kleinhändler, sondern auch ein großer Teil des Handels liegt in ihren Händen.—Der neueHafenvon Singapore ist nach S. durch die InselnBlakan MatiundPulubranigeschützt, mit guten Kaianlagen, Kohlenlagern und Warenschuppen reichlich versehen. —DieAusfuhrumfaßt Zinn, Kautschuk, Pfeffer, Stuhlrohr, Reis, Tapioka, Kopra, Sago, Lack, Patschuli, Zitronellaöl; Einfuhr: Kohle, Petroleum, Eisenwaren, Baumwollwaren. 1908 liefen 5187 Schiffe mit 6984980 Reg.-Ton. in den Hafen ein.— Das Stadtgebiet teilt sich in die Chinesenstadt, das Europäerviertel und das Malaienviertel. Drei Hügel,Pearls Hill(49 m),Government Hill(48 m), gekrönt vom Palast des Gouverneurs, undMount Sophia(33 m), überragen die Stadt. Gegenüber der Reede liegen die europäischen Geschäftshäuser, einige Klubs und nahe derJohnston PierdieBörse(Pl. 17) und dasPostamt(Pl. 18). Auf derEsplanadesteht das Gymkhana-Klubhaus und in der Mitte ein Standbild desSir Thomas Stamford Raffles(Pl. 10), gegenüber dieSt. Andrews-Kathedrale(Pl. 7). Von der Esplanade führt die High Street nw. zu dem altenFort Canning(jetzt Signal-und Salutstation); sw. von diesem liegt am linken Ufer des Singaporeflusses derKampong Malaccaund ihm gegenüber auf einer Insel derKampong Saigon. Die Chinesenstadt liegt südl. vom Flusse, den viele Brücken überschreiten; sie enthält viele Buddhatempel, chinesische Läden und einen großen Basar. Viele reiche Chinesen haben außerhalb der Stadt prächtige Besitzungen.

Rundfahrt.Morgens fahre man über die Cavenaghbrücke in die Chinesenstadt auf den *Markt am Raffles Quaioder einen andern Markt, wo seltsame Fische, andre Seetiere und Tropenfrüchte, wie Ananas, Mango, Mangustins, Rambutans, Brotfrucht, Zuckerrohr u. v. a. verkauft wird; dann nach Wahl durch einige enge Straßen der Chinesenstadt westl. zur Havelock Road, über die Brücke r. durchKampong SaigonundKampong Malacca, nördl. durch Mirabeau Road, Tank Road und Orchard Road, oder Tank Road überGovernment House Hill(nahe am Gouvernementshaus vorbei), Cavenagh Road, Bukit Timah Road (an alten Friedhöfen vorbei), Scotts Road (am Teutonia Club vorbei) und Orchard Road zum *Botanischen Garten(Fahrt 1 St. nnw. vom Dampfer-Anlegeplatz), der auserlesene tropische Bäume und Gewächse zeigt, z. B. Sago-und Kokospalmen, Muskatnußbäume, Kaffeebäume, Kroton-und Kakaobäume, Bananen (auch dieRavenalaaus Madagaskar, Baum der Wanderer), Farne (darunter die zierlichen Baumfarne), Lianen, Orchideen, Calamus-Rotang (spanisches Rohr) etc. Nm. zwischen 4 und 5 Uhr besucht die vornehme Welt Singapores den Botanischen Garten; Rückfahrt durchOrchard Road, eine prächtige Allee,zumRaffles Museum(Pl. 9), 1887 begründet, mit naturhistorischen und ethnographischen Sammlungen und wissenschaftlicher Bibliothek. Vor Sonnenuntergang besuche man dieEsplanadeundRaffles Plain, den Sportplatz, wo um diese Zeit eleganter Wagenkorso stattfindet.

Ausflüge: 1) NachSea View Hotel9 km östl. vom Postamt in Singapore, im Palmenwald an der See, mit Ausblick auf die östl. Einfahrt zur Reede. Man fährt dahin mit Wagen G der Straßenbahn, ab Tanjong Pagar durch die Hauptverkehrsstraße der Stadt, oder mit Automobil oder Wagen.—2) NachJohor; täglich fünf Züge der »Singapore and Kranji Railway« vom Bahnhof Tank Road in etwa 11/4St. nördl. nachWoodlands. Fahrplan in der Zeitung; die Bahn führt durch das nw. Villenviertel der Stadt, dann durch Malaiendörfer, Gärten, Ananasfelder und Wälder an die Nordküste der Insel Singapore; ein kleiner Dampfer fährt von da über den schmalen WasserarmSelat Tabrayin 8 Min. auf das Festland der Malakkahalbinsel und landet vor dem kleinen OrteJohor-Bahru(Johore Hotel, am Strande, modern, preiswürdig, elektr. Licht, gute Verpflegung; 41 Z. 2, F. 1,50, Lunch 2, Dinn. 2, Pens. $ 6-7), der neuen, mit Grün umgebenen Hauptstadt des Sultans von Johor in malerischer Lage. Mit Rikscha fährt man zu dem auf der Höhe gelegenen *Palast des Sultans(Istana), umgeben von schönem Palmenpark; er enthält nüchtern-europäisch eingerichtete Empfangsräume; sehenswert sind die wertvollen Waffen und mancherlei malaiisches Rüstzeug. Schöner Blick von der Anhöhe, auf der die große neueMoscheenahe dem Palaste steht. Im Park einige Käfige mit Raubtieren. Im Chinesenviertel des Ortes Johor ist eine *Spielbankmit kleinen Spieltischen; So. Nm. großer Betrieb (englischen Offizieren verboten!); daneben ist einchinesisches Theater(mit lärmender Musik). Im Ort einPostamt des Sultansmit eignen Johor-Briefmarken (für Sammler!).

Vgl. die Karte bei S.155.

Anschlußdampfer des Norddeutschen Lloydgehen bald nach Ankunft des Reichspostdampfers vonSingaporein 4-5 Tagen nachBangkok.

Das Schiff geht mit östlichem Kurs um die SO.-Spitze der Halbinsel Malakka ins Südchinesische Meer (S.214), dann mit NNW.-Kurs an mehreren kleinen Küsteninseln, darunter die 1050 m hohe InselTioman, vorbei längs der Ostküste der Halbinsel Malakka, die zuletzt beimKap Laboha(Labuan) auf etwa 41/2° nördl. Br. gesichtet wird; östl. von diesem Kap liegt die 283 m hohe InselTeng-gol. Dann gelangt man in denGolf von Siam, dessen Ostseite die Küste von Kambodja bildet; im innern, nördlichsten Teile des Golfs passiert man r. beimKap Liant(r.) kleine grüne Inseln, ehe das Flachland des Menamflusses in Sicht kommt. Die Menammündung ist nur für kleinere Dampfer mit etwa 4 m Tiefgang zugänglich, weil eine seichte Barre ihr vorgelagert ist; größere Schiffe müssen auf der Reede von Koh ti Chang oder Ang Hin ankern. Das Fahrwasser ist mit Seezeichen und Leuchtfeuern gut versehen, ein Feuerschiff bezeichnet die Barre. Die Flußfahrt (s. die Karte auf S.172) dauert 3 St. und zeigt schon die Reize des seltsamen Landes; in der schönen Landschaft tauchen die weißen, sonderbaren Tempelbauten,Watgenannt,mit vergoldeten Spitzen und merkwürdigen Giebeln auf. Am linken Ufer liegt die ZollstationPaknam(PT, Zollamt, Bahnhof, Bahn nach Bangkok) mit einem Küstenfort. Auf dem Fluß ist reger Verkehr von Fischerbooten, kleinen Dampfern und Seglern. Die Ufer zeigen Reisfelder, Dörfer, Zuckerplantagen, Fischbuhnen, Fischereihallen und Festungswerke zwischen Palmen. Gegenüber von Paknam sieht man zwei Inseln mit dem FortSua-Son-Lek-Tin(Tiger mit verborgenen Klauen) und prächtige Tempelbauten (Wat Phra-tschedi), zu denen im Oktober beim Thot Kathin-Fest siamesische Pilger wallfahren. Weiter aufwärts liegt an einer Schleife des Flusses der OrtPaklat; man passiert erstUnter-Paklat, umfährt große Orangegärten am rechten Ufer und erreicht dannOber-Paklatin der Nähe großer Palmenhaine. Die gute LandstraßeChareun Krungführt von Paklat nach (etwa 16 km) Bangkok. Bei der nächsten Biegung des Flusses gelangt man vorbei an Schiffswerften und Docks, an Gärten und Reismühlen im VorortBang Koläm, und biegt an der letzten Krümmung in das Stadtgebiet vonBangkokein, wo die Kriegsschiffe und Königsjachten vor Anker liegen, neben zahllosen schwimmenden Häusern; dahinter moderne Fabrikschlote und siamesische Tempel.

Siamist ein unabhängiges Königreich (Pufferstaat) zwischen dem englischen Birma im W. und dem französischen Indochina im O., das letzte Gebiet Hinterindiens, das noch nicht unter europäischer Herrschaft steht; es umfaßt heute nur noch das Gebiet des Menamflusses und einen Teil der Halbinsel Malakka, etwa 314000 qkm mit 6,7 Mill. Einw. Die allermeisten Reisenden werden ihren Besuch auf Bangkok nebst Umgebung und Ayuthia beschränken, d. h. auf den untersten Teil der Menamebene, die von diesem Fluß aufgebaut ist und noch jetzt alljährlich von ihm weithin überflutet wird. Der Menam hat einen viel kürzern Lauf (700-800 km) als die andern großen Flüsse Hinterindiens; er entspringt im Nordteil Siams, dem gebirgigen Laosland, das die südl. Fortsetzung der Schanstaaten Ostbirmas bildet, und durchfließt in seinen untern Teilen eine große Ebene, die ebenso ein Kulturzentrum geworden ist wie die Ebene des Irawaddyflusses, Unterbirma. DasKlimader Menamebene ist tropisch-warm, wenn auch nicht so gleichmäßig wie in Penang und Singapore. Die Niederschläge werden auch hier vom SW.-Monsun gebracht, der von Ende April bis September weht; bald nach seinem Beginn (im Mai) und gegen sein Ende zu (im September) sind die Regen am stärksten. Dementsprechend beginnt auch der Menam Ende Mai oder Anfang Juni zu steigen und verbreitet sich von Anfang August bis zum November weithin über die umgebende Niederung, ihr fruchtbaren Schlamm und die nötige Feuchtigkeit für die Reiskultur zuführend. Da die Niederschläge und die Überschwemmungshöhe von Jahr zu Jahr ziemlich stark schwanken, haben die Siamesen zur Regelung der Überflutungen zahlreiche Kanäle (Klongs) angelegt.Das herrschendeVolkdes Landes, dieSiamesen, sind ein Mischvolk wie alle Völker Hinterindiens, doch überwiegt der mongolische Einschlag bei ihnen. Sie sind klein und kräftig, aber als Buddhisten ziemlich indolent, sehr abergläubisch und vergnügungssüchtig; die Frauen sind tüchtiger als die Männer. Musik, Theater, Tierspiele und Geldspiele sind sehr beliebt, jede Gelegenheit wird benutzt, um Feste zu feiern (vgl. S.176). Neben den Siamesen spielen im Wirtschaftsleben Siams dieChineseneine wichtige Rolle. Während die Siamesen vor allem dem Reisbau, der in Siams Volkswirtschaft bei weitem die wichtigste Rolle spielt, obliegen, haben die Chinesen die Verarbeitung und Verwertung des Reises in Händen und sind Handwerker und Arbeiter. Auch einige 1000 Europäer leben im Land als Regierungsbeamte und Kaufleute; zum Teil sind sie mit der Ausbeutung der Teakholzwälder Nordsiams beschäftigt.

Staatsreligionist der Buddhismus, der durch seine zahlreichen Priester und Mönche (jeder Siamese muß, wie der Birmane, eine Zeitlang als Mönch leben) wie durch seine prunkvollen Tempelbauten und vielen Feste und Aufzüge dem öffentlichen Leben das Hauptgepräge gibt. Die Tempel Ayuthias, der alten Hauptstadt, zeichnen sich vor denen des übrigen Indiens dadurch aus, daß sie sich nach oben hin nicht verjüngen, sondern aus einer Anzahl von Stockwerken gleichen Umfanges bestehen. Das Hauptmerkmal der religiösen Bauten Bangkoks ist die Überladenheit mit allerlei Schmuck. DerHauptverkehrin der Menamebene findet trotz neuerdings angelegter Bahnen noch zu Wasser statt; der Handelsverkehr zu Lande nach den südl. Schanstaaten in Birma und nach der chinesischen Provinz Yünnan (S.189) erfolgt durch Karawanen, die von der wichtigsten Stadt Obersiams, Chiengmai, ausgehen; diese Stadt liegt im wichtigsten Teakholzbezirk an der obern Schiffahrtsgrenze des Maping, des Hauptnebenflusses des Menam. Die jetzige Dynastie beherrscht Siam seit 1782. Der KönigMaha Vadjiravudh, Phra Mongkut Klao, geb. 1. Jan. 1881, in London erzogen, regiert seit 24. Okt. 1910. Das Heer ist europäisch geschult. Zur Flotte gehören 1 Kreuzer, einige Kanonenboote und Torpedofahrzeuge etc. Landesflagge ist rot mit demWeißen Elefanten, dessen Heiligkeit aus der frühesten buddhistischen Geschichte stammt. (Gautama, d. i. Buddha, ging als weißer Elefant in den Leib seiner Mutter ein.) Zu den Titeln des Königs gehört auch der »Herr des Weißen Elefanten«. Wird ein »weißer« Elefant (d. h. nur heller grau als die andern) gefangen, dann wird er mit großen Festlichkeiten in den königlichen Marstall aufgenommen.

Vgl. die Pläne S.172und S.174sowie die Karten S.155und177.

Ankunft zur See.Die Dampfer ankern auf dem Menamflusse, die Landung geschieht mit Sampans am l. Ufer, wo der Hauptteil der Stadt liegt.Gasthöfe:Oriental Hotel, am Flußufer, mäßig und nicht billig; schickt Motorboot zum Dampfer.—Hôtel de l'Europe, ganz mäßig.—Bristol Hotel und Restaurant(Deutscher, C. Prüfer), gelobt, sauber, preiswert, deutsches Faßbier, Pens. 6, monatl. 150 Tikals; Treffpunkt deutscher Kapitäne.— Pension in den Gasthöfen 8-12 Tikals (Frühst. 8 Uhr, Tiffin 12 Uhr, Dinner 7 Uhr).Post: Siamesisch. Briefe und Karten gebe man auf der Post ab, nicht in die Straßenbriefkasten.—Telegraph: Überland nach Birma, Singapore und Indochina.—Telephonin den Gasthöfen etc.Wagen: Europäische Droschken und Rikschas (die Kutscher verstehen nicht englisch).Straßenbahn: elektrisch, führt vom südlichen VorortBāng Kolämdurch die New Road bis zur Königsstadt.Eisenbahnen: Von Bangkok nach (20 km)Paknamund nach (264 km)Koratmit Zweigbahn nach Paknam-Poh; über Rat-buri nach (152 km)Petscha-buri(deutsche Ingenieure); Staatsbahn nach (63 km)Patriu; Privatbahn nach (33 km)Tacheenund weiter nach (34 km)Meklongan der Westküste des Golfs von Siam. (Die deutschen Eisenbahnbaumeister kennen das Land; Auskünfte nur bei der Staatsbahn.)Ortszeitvon Bangkok 5 St. 42 Min. vor gegen M.E.Z.Dampfer:Norddeutscher Lloyd(Agent: A. Markwald & Co., Telegr.-Adresse: »Nordlloyd, Bangkok«) etwa zweimal wöchentlich nach und von Singapore und Hongkong, mit I. Kl.-Kabinen. —Messageries fluviales de Cochinchine, alle 14 Tage überSchantabun(Siam), Samit und Pulo Condor nach (510 Seem.)Saïgon.—Auf demMenam:Siam Steam Packet Co.täglich nachAyuthia(in 8 St.) undMuong Angton; wenn der Wasserstand es zuläßt, auch bisMuong Paknam-Poh.Geld.Silbermünzen: 1Tikal(oder Bat = 15 g Silber) hat etwa 1,54 M. Wert; man rechnet 5 Tikals = 4 $ mexikanisch, 1 Tikal = 100 Satang. Auch 10-, 5-und 1-Cents-Stücke werden geprägt.

Einige Banken geben Banknoten aus. Bei schwierigern Geldgeschäften wende man sich womöglich stets an das Konsulat.

Lageplan von Bangkok.Lageplan von Bangkok.

Banken:Hongkong & Shanghai Banking Corporation, Korr. der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig;Chartered Bank of India, Australia & China, Korr. der Deutschen Bank;Banque de l'Indo-Chine; alle drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.Siam Commercial Bank.Sprache,Taigenannt, ist einsilbig und verwandt mit dem Chinesischen, doch kommen auch mehrsilbige Wörter aus dem Sanskrit und Pali vor. Vgl.Wershoven, Lehr-und Lesebuch der siamesischen Sprache und deutsch-siamesisches Wörterbuch, Wien 1892. —Zeitungen: »Bangkok Daily Mail«; »Bangkok Times«; »Siam Observer«.—Theater: siamesische und chinesische. —Konsulate:Deutsches Reich, Gesandter Frhr. v. d. Goltz; Vizekonsul Frhr. Rüdt v. Collenberg. —Österreich-Ungarn, der deutsche Vertreter. —Deutsche unterstehen in Siam deutscher Gerichtsbarkeit. Paß erforderlich. —Deutscher Klub.—Amerikanische Mission(gibt sehr liebenswürdig Auskunft über Land und Volk). —Polizeigegen Fremde im allgemeinen zuvorkommend, event. rufe man sofort den Schutz des Konsulats an.Ärzte: Leibarzt des Königs und die deutschen Ärzte Dr. Schäfer und Dr. Hintze.

Geschäftsadressen: Gute europäische und chinesische Läden in der New Road; beim Einkauf von Rubinen und Saphiren ist Vorsicht geboten; die besten Edelsteine gehen roh zum Schleifen nach Europa. Deutscher Juwelier, auch Curios:F. Grählert & Co.Auch ein deutscherPhotograph(Rob. Lenz & Co.) sowie zwei deutscheApotheken: Bangkok Dispensary (R. Schulz) und Tatten Dispensary (M. Mannsfeldt) sind in Bangkok.Zeitteilung.1. Tag: Wagen-und Bootsfahrt durch die Stadt, Märkte besuchen, Nm. New Road und Dusit-Park. —2. Tag: Vm. Tempel, Nm. Palastviertel.—3. Tag: Ausflug nach Ayuthia. Zum Kennenlernen Siams sind 14 Tage Zeit gut zu verwerten.Klima.Die Gesundheitsverhältnisse sind nicht sehr gut, da die Stadt auf flachem, feuchtem Boden erbaut und von zahlreichen Kanälen durchzogen ist, die allen Unrat aufnehmen und bei niedrigem Wasserstand sehr schlimme Gerüche aussenden. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 26,7° (Dezember 23,8°, April 28,6°). Man unterscheidet, wie in Indien, drei Jahreszeiten: die kalte Zeit vom November bis Februar, die heiße im März und April und die Regenzeit von Ende April bis in den Oktober hinein. Die kalte Zeit mit vorwiegendem NO.-Wind bringt nach warmen Tagen recht kühle Nächte, so daß man sich vor Erkältungen sehr hüten muß, und ist fast regenlos. Die Wärme nimmt dann rasch zu und wird im April namentlich dann sehr unangenehm, wenn die Seebrise ausbleibt. Der gegen Ende April einsetzende SW.-Monsun bringt auch hier die Regenfälle, die am heftigsten zu Beginn (Mai) und gegen Ende seines Wehens (September) fallen. Die Gesamtregenmenge ist vergleichsweise gering (1500 mm), da das Gebirge Malakkas viel Feuchtigkeit abfängt.Geschichte.Nach Zerstörung der alten Hauptstadt Ayuthia 1767 durch die Birmanen wurde das Dorf Bangkok Hauptstadt des chinesischen Feldherrn Phya Tak, der dort seine Dynastie begründete, aber 1782 durch den siamesischen Chan Phya Chakkri entthront wurde; amtlich heißt die Stadt deshalb nochSi Ayuthia Mahä= große, erhabene Stadt. Nach Abschluß der Handelsverträge mit England, den Vereinigten Staaten und Preußen (um 1861) entwickelte sich Bangkok zur wichtigsten Handelsstadt; ihr schnelles Aufblühen wurde durch den 1910 verstorbenen König Tschulalongkorn tatkräftig und erfolgreich gefördert. 1893 erzwangen 2 französische Kanonenboote die Durchfahrt durch die Küstenbefestigungen und bedrohten Bangkok; seitdem sichert die Eifersucht der europäischen Großmächte dem Lande vorläufig die Unabhängigkeit.

Bangkok(»Stadt der Obstbäume«), Hauptstadt von Siam, mit 628675 Einw. (darunter über 100000 Chinesen) und 18 km Umfang, unter 13° 45' nördl. Br., beiderseits des Menam, 33 km oberhalb dessen Mündung. Wichtiger Seehafen für Ausfuhr von Reis, Teakholz, Büffelhäuten etc.; 1908 liefen 830 Schiffe mit 774424 Reg.-Ton. ein. Die Ufer haben Landungsanlagen; die siamesische Flotte liegt beim Königspalast an Bojen, fremde Kriegsschiffe ankern gegenüber Oriental Hotel. Bangkok besteht aus einer innern, mit 10 m hoher Zinnenmauer umgebenen und einer äußern Stadt. Die Häuser liegen meist in Gärten, sind am Ufer aus Holz oder Bambus und auf Pfählen gebaut, sonst jetzt auch aus Stein erbaut, während früher Stein außer von Europäern nur zu Tempeln und Klöstern, deren Bangkok an 700 besitzt, und bei den königlichen Palästen verwendet wurde. Viele schwimmende Häuser auf Bambusflößen werden in den die Stadt durchziehenden Kanälen an Pfählen festgebunden, mit Kramläden oder Werkstätten; da viel Marktverkehr auf dem Wasser, ist der Fluß sehr belebt.

Stadtplan von Bangkok.Stadtplan von Bangkok.

In der innern Stadt liegt derPalast des Königs(s. unten) hinter einer hohen Mauer von 1300 m Umfang; der Boden im Innern ist ganz mit Marmor-und Granitfliesen belegt; inmitten des Hofes erhebt sich, von einem spitzen, vergoldeten Turm überragt, derMahāprasāt, die Halle, in der der König ausländische Gesandte empfängt; in einem weitern Saal erteilt der König Gehör.— Der schönste Schmuck Bangkoks ist diePagode Wat Tscheng(S.176), die sich in Terrassen bis zu einer Kegelspitze verjüngt. Mit den Pagoden sind stets Klöster verbunden, wo oft 200-300 Mönche wohnen, außerdem Güter, Höfe, Teiche, Tempel und Kapellen, alle umschlossen von einer großen Mauer.—Besuchswert ist auch dieVajirañan-Bibliothek(Dir. Dr. O. Frankfurter), 1881 gegründet, mit wertvollen Handschriften.—DieBevölkerungbesteht aus Tai oder Siamesen, ferner Birmanen, Chinesen, Malaien, Leuten aus Laos, Pegu, Annam, Kambodja.—Die heimischeIndustrieist seit Zulassung des Fremdhandels sehr gesunken, nur der Bau von Flußschiffen und Dampfern, mit Maschinen aus Europa, noch bedeutend; ferner besteht in Bangkok eine Gesellschaft für elektrische Anlagen, viele Reisschälmühlen, Dampfsägewerke. Bangkok ist Mittelpunkt des aufblühenden Außenhandels von Siam.

Rundfahrt durch die Stadt.Das siamesische Leben und das Treiben auf den Märkten sieht man auf Fluß-und Kanalfahrten mit Dampfbarkasse oder Sampan oder mit Wagen zunächst morgens nach dem 2 km langen HauptbasarTalāt Noï, wo das Völkergemisch erstaunlich ist, oder nach dem kleinern BasarTalāt Vat Koh; die meisten Fremden, besonders Chinesen, trifft man auf dem Basar *Sampengim SO. der Stadt, mit vielen Verkaufsstellen von Lebensmitteln, Gebrauchsgegenständen, mit Niederlagen von Buddhafiguren und Götzenbildern; auch chinesische Spielhöllen fehlen nicht. Von den vielen, meist prächtigen Tempeln sind die schönsten im Palastviertel. (NB. Zutritt zum Palastviertel und zu dem großen Tempel sowie zum Museum ist nur gegen besondere Erlaubnis gestattet, die man durch Konsul oder Empfehlung erlangt.) Das *Palastviertel, wohin man durch die New Road mit Wagen fährt, besteht aus vielen großen und kleinen Gebäuden, in deren Mitte derPalast des Königs(s. oben), ein moderner Prachtbau mit siamesischem Dach, liegt. Wer gut empfohlen ist, erhält junge vornehme Siamesen (die fertig Englisch sprechen) als Führer. Es empfiehlt sich, Nm. gegen 5 Uhr zum Palast zu fahren; dann findet dort meist Promenadenkonzert statt. Hinter dem Empfangspalast liegt das KönigshausKhāng Nai, worin der König wohnt. Im Marstall werden die »weißen« Elefanten (schmutzig hellgrau oder graubraun mit weißen Flecken auf den Ohren, vgl. S.171) gezeigt; sie nehmen mit Dankverbeugung Zuckerrohr.—Prächtig ist der Tempel *Wat Phra Käo(Tempel der Kleinodien), dessen HauptbauPhra Ubosatverschwenderisch reich an Goldmosaik ist; sein Hauptaltar, der eine Buddhafigur aus Jaspis mit Kopf aus Smaragd trägt, ist mit Gold und Edelsteinen übersät, die Türen sind mit Perlmutter eingelegt, die Ziegeln vergoldet etc. Zahlreiche Phratschedis (kegel-und pyramidenspitze kleine Pagoden) umgeben den Haupttempel; unter ihnen ist dieSi Rathana Phratschediaußen bis zur Spitze mit Goldmusiv bekleidet.— In der Nähe liegt der KrönungstempelPutaprang Phrasatund daneben der feine PavillonPhra Mondop.

Phantastische Figuren schmücken die Eingänge der Tempel; oft sieht man den VogelmenschKhrut, aus Bronze, obere Hälfte Mensch, untere Vogel, mit spitzer Kopfbedeckung und Maske und grüner Fayencerüstung, daneben fast europäische Groteskfiguren, Antiken, Elefanten, Affen, Tiger, Pferde und Adler. Um die Altäre stehen Vasen mit betäubend duftenden Tempelblumen: Ylang-Ylang, Plumeria und Tuberosen, dazu Weihrauch, hell-und dunkelgelb gekleidete Priester mit Ylang-Ylangblüten in der Hand, Blumen und Reis opfernde Frauen and Kinder.

Außerhalb des Palastes liegt dasMuseum, eine Schatzkammer von Edelsteinen und chinesischem Porzellan. Daneben ein als Museum benutzter Tempel mit vielen Buddhafiguren.—Südl. vom Schloß sind Staats-und Wirtschaftsgebäude und Gartenanlagen mit Kiosken; am Menamufer ist ein Wasserpavillon und Anlegeplatz für Boote.—Im nördlichen Teile liegen das Ministerium des Auswärtigen, die Münze und die Druckerei. In der Nähe hat König Tschulalongkorn den schönenDusit-Park(Paradiespark) angelegt, wo gelegentlich bei elektrischem Licht Musik spielt und Feste gefeiert werden; in der Nähe ist ein großes *siamesisches Theater, wo nur junge Mädchen meist sehr phantastische Stücke aus der indischen Göttersage spielen.—Von den vielen Tempelanlagen ist *Wat Tschengmit dem 70 m hohenPhraprangturmeweithin sichtbar; von der obersten Galerie prächtige Aussicht. Den Mittelbau krönen vier Türmchen, aus deren Nischen dreiköpfige Elefanten hervortreten. —Ebenfalls weithin sichtbar erhebt sich über einer Baumgruppe auf einem Hügel derWat Saket.—Die größte Tempelanlage nahe dem Königsviertel ist derWat Pohmit 49 m langer, schwer vergoldeter liegender Buddhafigur, auf deren mit Perlmutter eingelegten Fußsohlen die 64 Zeichen der Schönheit und Bilder aus Buddhas Leben dargestellt sind.—Noch zu erwähnen ist derWat Radschabophitmit den Grabmälern der Königskinder;Wat Sutatmit Riesenbuddha, dem 72 überlebensgroße Jünger gegenüber sitzen; der PalastSarānrommit schönen Fresken.

Siamesische Volksfeste.Das HauptfestKathin(Besuch der Tempel) ist im Oktober; der König besucht am ersten Tage zu Wagen, die beiden nächsten zu Fuß oder in prächtigem vergoldeten Tragstuhl mit militärischem Aufzug die Tempel, wobei die ganze Stadt festlich geschmückt ist, an den folgenden vier Tagen in seiner 50 m langen grotesken GaleereRüa Pratinang, von 60 Ruderern bewegt, mit etwa 40 märchenhaft ausgerüsteten Prachtbarken, worin die Prinzen und der Hofstaat folgen, mit Musik und Gesang der Ruderer die Tempel auf dem rechten Flußufer. Wenn diese Aufzüge zu Ende sind, beginnen die Volksfeste mit Illumination, Feuerwerk und phantastischen Aufzügen.—Andre Feste sind: die Zeremonie des Haarknotenabschneidens bei den Königskindern; die Verbrennung verstorbener Prinzen und Prinzessinnen, wo die Festlichkeiten: Paraden, Umzüge, Feuerwerke, Laternentänze, Theater-und Marionettenvorstellungen, meist drei Tage dauern, u. a.—Ähnlich, mit märchenhafter Illumination des Palastes, der Stadt und der Kriegsschiffe, wird der Geburts-und Krönungstag des Königs gefeiert.Ausflüge: 1) NachPhrabāt(oderPrabat), einem berühmten Wallfahrtsort, 16 km nördl. von Bangkok auf einem Berg. Eisenbahn (nachLop buri) bis (102 km)Tarna, von da mit Straßenbahn noch 20 km. Phrabāt ist ein Kloster, das in vergoldetem Turm auf mit Silberplatten belegtem Fußboden hinter silbernem Gitter eine heilige Fußspur Buddhas, mit goldenem Geschmeide bedeckt, enthält; im Hintergrund eine Buddhafigur unter goldenem, mit Edelsteinen verziertem Thronhimmel.

2) Nach*Ayuthia, 70 km nördl., sehr lohnend, Führer und Mundvorrat mitnehmen!Eisenbahnvon Bangkok nachAyuthiain 2 St.; der Bahnhof in Ayuthia liegt1/2St. von den Ruinen und dem Elefantenkral. Empfehlenswerter ist die *Fahrt auf dem Menammit selbstgemietetem kleinenDampferder Siam Steam Packet Co.; man muß für Verpflegung selbst sorgen. Fahrzeit zu Berg etwa 10-12 St., zu Tal 6-9 St. Auf der Flußfahrt beobachtet man siamesisches Leben auf den schwimmenden Häusern; die Ufer sind mit wohlhabenden Dörfern, Gärten und Reisfeldern bestanden. Grüne Ufer findet man beim königlichen SommerschlosseBang Pha-in(auch mit der Bahn zu erreichen; zum Besuch ist Erlaubniskarte erforderlich, 4-5 Tage vor dem Ausflug beim Konsulat zu bestellen), mit schönen Gärten, zierlichen Pavillons, Elefantenstall, Bädern etc., auch einen Buddhatempel in gotischem Kirchenstil! Nun teilt sich der Fluß, der östliche Arm führt zum OrtAyuthia; man landet beim *Elefantenkral, Riesenzaun aus 3-4 m hohen und1/2m dicken Teakholzpfosten, die etwa1/2m voneinander in die Erde gerammt sind; mit zahmen weiblichen Elefanten werden die wilden Herden aus den Dschungeln der Umgegend in die Nähe des Krals gelockt, dann durch eine Treiberkette mit Geschrei, Tamtam, Fackeln und Schüssen in den Kral getrieben. Der König sieht dem Eintreiben auf hohem Pavillon zu. Dann besorgen zahme Elefanten das Zähmen der wilden, von denen die schönsten in den Marstall des Königs kommen (noch im Anfang des 19. Jahrh. sollen bis zu 6000 Kriegselefanten an den Schlachten in Hinterindien teilgenommen haben), die übrigen als Arbeitstiere bei den Holzfällern, an Sägemühlen und Bauunternehmer verkauft werden.—Die malerischen Ruinen der alten Hauptstadt (ihre Blüte war 1350-1767) liegen auf einer Insel von 8 km Umfang, die mit Zinnenmauer umgeben war; kleine Kanäle führten vom Fluß in die Stadt; am schönsten sind die Trümmer des alten Palastes mit *Riesenbuddha und die der königlichen Tempel. Am Südende der Stadt hatten die Niederländer eine Handelsfaktorei, gegenüber die Portugiesen und französischen Jesuiten, die eine Zeitlang sehr einflußreich waren. Von einem vierstöckigen Wachtturm guter Überblick über Alt-und Neu-Ayuthia; der neue OrtKrungkaomit etwa 20000 Einw. ist eine Pfahlbautenstadt, in der man mit Sampan in die Läden und Spielhöllen, viele in schwimmenden Hütten, fährt.—Etwa 6 km von der Stadt liegt in der Ebene die sehr hohe und daher sehr heilige Pyramide oder PhratschediPalavi, umgeben von Sümpfen, daher nur im Sampan oder auf Elefanten zu erreichen; oben *Aussicht; im dritten Stockwerk eine riesige vergoldete Buddhafigur.3) NachLopburi, etwa 50 km stromauf von Ayuthia am Menam, mit Dampfer; der Ausflug soll sehr anstrengend, aber auch sehr lohnend sein (Auskunft bei den deutschen Eisenbahnbaumeistern in Bangkok).


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