Chapter 28

Dampfervon Omsk auf dem Irtysch abwärts in 4-5 Tagen nachTobolsk(GasthofKommertscheskaja), Hauptstadt des Gouvernements Tobolsk mit 22000 Einw. und ethnographischem Museum im Jermakgarten.—Von Omsk den Irtysch aufwärts in 4-5 Tagen nachSemipalatinsk, Hauptstadt der gleichnamigen Steppenprovinz mit 31800 Einw. (die Hälfte Mohammedaner) und geographischem Museum; von hier Poststraße nach Taschkent.

Die Bahn führt von Omsk durch Malariagegend (gegen Mücken und Moskitos Schutzfenster schließen, Moskitonetz beim Schlafen benutzen!).—(2964 w)Tatarskaja(Bahnwirtschaft).—(3109 w)Kainsk(Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 6000 Einw., meist verbannten Israeliten, 12 w nördl. vom Bahnhof; Ackerbau, Viehzucht, Branntweinbrennerei und Gerberei.—Hinter (3384 w)Kriwoschtschekowoauf 792 m langer Brücke über denObnach (3392 w)Nowo-Nikolajewsk(Bahnwirtschaft) am r. Obufer, mit angeblich über 60000 Einw., mit amerikanischer Schnelligkeit wachsender Umschlagsplatz zwischen dem Verkehr auf der Sibirischen Eisenbahn und dem Dampferverkehr auf dem Ob. Dampfer laufen von hier nach Tomsk, Barnaul (Hauptort des altaischen Minenbezirks mit 30000 Einw., zahlreichen Hüttenwerken, Oberbergamt und Bergbauschule) und Biisk. Der Ob bildet ungefähr die Ostgrenze des Steppenlandes. Die Bahn führt, zum Teil durch dichten Urwald, nach (3606 w)Tajga(257 m; Bahnwirtschaft).

Zweigbahnin 31/2St. nach (74 w)Mescheninowka, wo man aussteigt, weil der Stadt Tomsk näher als der Bahnhof (82 w) von Tomsk.Tomsk(148 m;Hôtel Rossija, empfohlen;Hôtel de l'Europe; Iswoschtschik bis 75 Kop.;PostundTel.; Potschtamskaja; Russisch-Asiat. Bank), Hauptstadt des Deutschland an Größe gleichkommenden Gouvernements Tomsk mit ca. 100000 Einw., am r. Steilufer desTom, die einzige Universitätsstadt Sibiriens (etwa 600 Studenten), mit tüchtigen, vielfach in Deutschland ausgebildeten Lehrkräften, verschiedenen Museen, technologischem Institut und andern modernen Fachschulen; Bischofssitz mit 20 russ. Kirchen. Die Stadt ist mit amerikanischer Regelmäßigkeit gebaut, hat einige große Geschäftshäuser (darunter mehrere deutsche), jedoch großenteils dorfartiges Aussehen. Lebhafter Flußverkehr. Im nahenKolywanschen Erzgebirgeam Ob, 368 m ü. M., ein Steinschleifwerk für Porphyr, Jaspis, Marmor.

Von Tajga (s. oben) weiter durch mit Urwald (russisch»Tajgá«) bedecktes kohlenreiches (aber noch nicht ausgebeutetes) Hügelland über (3745 w)Mariinsk(Bahnwirtschaft) nach (3933 w)Atschinsk(Bahnwirtschaft), Stadt mit 7000 Einw., die nördlichste von der Sibirischen Eisenbahn erreichte Stelle (in der Breitenlage des mittlern Jütlands), am Tschulym und an der Poststraße, die südl. nach (330 w)Minussinsk(Gasthof; Mittelpunkt des Getreidegebiets und Minenbezirks des südl. Gouvernements Jenisseisk) führt.

Das Hügelland geht in Gebirgsland, die Ausläufer des SajanischenGebirges, über, die Fahrt wird malerischer. Die niedrige (ca. 315 m hohe) Wasserscheide zwischen Ob und Jenissei überschreitet man erst ganz kurz vor letzterm Fluß bei der StationKatschaund erreicht bald darauf

(4100 w)Kraßnojarsk(d. h.»Rote Klippe«; 160 m;Bahnwirtschaft;Hôtel Rossija;Métropole, Familienhotel, Deutsch gesprochen; Iswoschtschik zur Stadt 40 Kop.;Internationales Telegraphenamtfür Telegramme in europäischer (nicht russischer) Sprache; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt des Gouvernements Jenisseisk am l., rotgefärbten Steilufer des Jenissei mit 30500 Einw., technische Eisenbahnschule, Stadtpark mit Wirtschaft, Museum; lutherische Kirche. Wichtiger Flußhafen für die Dampferfahrt auf dem Jenissei. Die Stadt (halbwegs zwischen Moskau und Wladiwostok) war früher großenteils mit Verbrechern besiedelt. In der Datsche Tarakanowka hat der Besitzer Judin eine Bibliothek von 100000 Bänden, insbesondere Literatur über Sibirien.

DerJenissei, mit 4750 km Länge der größte Strom Sibiriens, entsteht in der nordwestlichen Mongolei und fließt als Ulukhem nw. zur russischen Grenze, wo er, das Sajanische Gebirge in Katarakten und Stromschnellen durchbrechend, sich nordwärts zum Eismeer wendet. Bei Kraßnojarsk ist der Jenissei durchschnittlich vom Mai bis Mitte November eisfrei. Schiffbar ist der fischreiche Strom, und mit Barken, Segelschiffen und Dampfern bis zur Mündung befahren, von Minussinsk an auf 2966 km. Die bedeutendsten Städte am Jenissei sind: Minussinsk, Kraßnojarsk, Turuchansk u. Dudinsk; der nördlichste dauernd bewohnte Ort ist Krestowsk, r. an der Mündung.

Von Kraßnojarsk führt eine prächtige, 925 m lange Brücke mit sechs Bogen über den Jenissei und dann durch moskitoreiche Gegend über (4327 w)Kansk(Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 8000 Einw. und Goldwäschereien, amKan, und über diesen Fluß auf 255 m langer Brücke nach (4353 w)Ilanskaja(Bahnwirtschaft) und (4434 w)Kljutschinskaja(388 m), dann über die goldführendeBirjussanach (4633 w)Nishne-Udinsk(413 m; Bahnwirtschaft), Kreisstadt mit 6000 Einw., mitten in den Ausläufern des Sajanischen Gebirges, an der Uda.—Nun steigt die Bahn durch fruchtbares Land, von fleißigen buddhistischen Burjäten bevölkert, nach (4743 w)Tulun(498 m; Bahnwirtschaft), dem höchsten Punkte der Strecke Tscheljabinsk-Irkutsk. —Hinter (4873 w)Simaauf 468 m langer Brücke über dieOkaund dann durch schwarzgrünen Tannenwald mit *Ausblick r. nach S. auf die schneebedeckten Berge des Sajanischen Gebirges (Grenzgebirge zwischen Sibirien und der Mongolei), über (5012 w)Polowina(538 m; Bahnwirtschaft; Kohlengebiet) ins Tal der Angara, des Ausflusses des Baikalsees, und talauf, vorbei am (r.)Wosneßenskij-Mönchskloster(1672 gegründet), nach

(5108 w)Irkutsk(445 m;Bahnwirtschaft;Grand Hôtel[Agentur der Internationalen Schlafwagengesellschaft];Métropole; Iswoschtschik zur Stadt 75 Kop.;Internationales Telegraphenamtfür Telegramme in europäischer [nicht russischer] Sprache; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements, unter 52° 17' nördl. Br. (etwas südlicher als Berlin), am l. Ufer der Angara, in die hier der Irkut mündet, mit 84000 Einw. Irkutsk hat sehr rauhes Klima (bei einem Sommer wie Paris steigt die Winterkälte nichtselten bis-37°, das Jahresmittel beträgt nur-0,4°), breite Straßen, 23 griechisch-katholische (darunter schöne Kathedrale der Mutter Gottes von Kasan), eine römisch-katholische und eine deutsch-lutherische Kirche, Gymnasium, 3 höhere Mädchenschulen, 2 Technische Schulen, 1 Seminar, 2 Militärschulen, Theater, 5 Zeitungen, Arbeits-und Findelhaus, Stadtkrankenhaus (mit deutschem Leiter, Dr. v. Bergmann) und bedeutenden Handel zwischen Ostasien und Rußland. Im Dezember Messe. Irkutsk, das eine Sektion der Russischen Geographischen Gesellschaft mit vielen Sammlungen besitzt, gilt als geistiger Mittelpunkt Sibiriens.—Der Ort wurde 1652 als Handelsposten durch Kosaken begründet, wuchs schnell, hat aber, seit die Verschiffungen von chinesischem Tee nach baltischen Häfen zunahmen, an Bedeutung verloren. Durch eine Feuersbrunst wurde Irkutsk 1879 fast zerstört, ist aber schöner wieder aufgebaut.—Die Stadt gilt als sehr unsicher. Vom Bahnhof hat man den besten Überblick über die Stadt, zu der eine große Schwimmbrücke führt.

In Irkutsk beginnt dieTransbaikalbahn, daher Wagenwechsel (die Strecke Irkutsk-Mandschuria ist von der Russisch-chinesischen Bahngesellschaft an die Schlafwagengesellschaft für die Expreßzüge verpachtet; auf dieser Strecke sollen häufig alte schmutzige Wagen laufen, auch Verspätungen um mehr als 6 St. bis Wladiwostok nicht selten sein.) Die Bahn bleibt jenseit Irkutsk am r. Ufer der aus dem Baikalsee kommenden Angara und erreicht bei (5170 w)Baikalden Baikalsee.

DerBaikalsee(russ.Swjátoje More, mongol.Dalai Nor, »heiliges Meer«), der drittgrößte Binnen-und größte Gebirgssee Asiens, 476 m ü. M., 623 km lang, 15-82 km breit, hat 34180 (Sachsen u. Württemberg zusammen 34507) qkm Fläche. Der langgestreckte, durchschnittlich 250 m tiefe See besteht aus zwei Becken, deren südlichstes bis 1430 m tief ist, so daß der Grund des Sees bis gegen 1000 m unter den Meeresspiegel hinabreicht. Der Baikalsee ist durch Einbruch entstanden; er wird von schroffen, 1400 m hohen Felswänden umrahmt, im W. vom Baikalgebirge, im O. vom 1800 m hohen Bauntigebirge, die in vielen Vorgebirgen in den See vorspringen. Von den in den See mündenden Flüssen verläßt die schiffbare untere Angara den See am SW.-Ufer wieder. Das Wasser des Sees hat im Juli in 4 m Tiefe eine Temperatur von 5°. An Fischen ist der See sehr reich, namentlich an Herbstlachsen (Salmo omul), die durch Jenissei und Angara aus dem Eismeer heraufkommen, und von denen jährlich etwa 500000 Stück gefangen werden (daher der tatarische Name Baikul, d. h. Reicher See). Von größern Wassertieren findet man eine Seehundsart (Callocephalus), deren Auftreten, 1000 km von der nächsten Meeresküste entfernt, sehr merkwürdig, aber auch heute noch nicht endgültig geklärt ist. Man neigt zu der Annahme, daß der See, der auch sonst eine sehr eigenartige Fauna beherbergt, mit dem heutigen Eismeer nicht in früherer Verbindung gestanden hat, sondern daß die Seehunde den Lachsen bis hier herauf nachgegangen sind. Der tektonische Ursprung des Sees bekundet sich durch häufige Erdbeben, so 1861 u. 1862. Die Schiffahrt wird durch heftige Winde gefährdet, doch verkehren Dampfer während der achtmonatigen eisfreien Zeit; der lebhafteste Verkehr findet aber im Winter auf der 1-1,5 m starken Eisdecke statt.

Während früher die Reisenden mit Fährdampfern (im Winter mit Schlitten) nach Myssowaja am Südufer des Sees übergesetzt wurden, führt seit 1906 die Baikalgürtelbahn um das felsige Südufer des Sees; sie ist mit großen Schwierigkeiten und sehr hohen Kosten hergestellt;allein auf der 85 km langen Strecke vom Bahnhof Baikal bis nach Kultuk sind 32 Tunnel von zusammen 6 km Länge und 210 Kunstbauten (Brücken, Durchlässe, Überführungen) errichtet. Man fährt von Baikal über (5359 w)Tanchoi(auf allen Bahnhöfen besonders dieser Strecke hüte man sich vor Diebstählen!) nach (5413 w)Myssowaja(477 m), auchMyssowskgenannt; die Bahn bleibt noch bis (5458 w)Possolskajain der Nähe des Baikalsees und steigt dann im Tale der Selenga nach (5567 w)Werchne-Udinsk(544 m; Bahnwirtschaft; Gasthof), Kreisstadt mit 8000 Einw., mit großer Garnison und wichtiger Teemesse.

Von hier führt die altePoststraße(nebst Telegraph) im Selengatal weiter aufwärts nachTroizkossawskund (185 w)Kjachta(732 m), russische Grenzstadt und von 1689-1860 einziger russischer Grenzhandelsplatz, über den der Karawanentee aus der nur 200 m südlicheren chinesischen GrenzstadtMaimatschingeführt wurde. Die Poststraße, jetzt wenig benutzt, führt weiter überUrga(1290 m) durch die WüsteGobiund überKalgan(S.296) nachPeking. Eine Bahn längs der Poststraße nach Kalgan ist geplant.

In romantischer Landschaft steigt die Bahn nun im Tale derUda, dann südöstl. abbiegend weiter bis (5701 w)Petrowski sawod(803 m; Bahnwirtschaft), vorbei an Mongolen-und Burjätendörfern, dann im malerischen Tale desChilokzu den sanftsteigenden Höhen desJablonoioder Apfelgebirges über (5840 w)Chilok(805 m; Bahnwirtschaft) und durchläuft hinter (5993 w)Sochondo(944 m) einen Tunnel, der am Westende die Inschrift: »Zum Atlantischen Ozean«, am Ostende: »Zum Großen Ozean« trägt, da der Bergkamm die Wasserscheide bildet zwischen dem Nördlichen Eismeer und dem Stillen Ozean (Jenissei und Amur). Nun senkt sich die Bahn über (6016 w)Jablonowaja(846 m; Bahnwirtschaft) durch das engeIngodatalnach

(6086 w)Tschita(656 m;Bahnwirtschaft;Hôtel Métropole; Iswoschtschik zur Stadt 50 Kop.; Russisch-Asiatische Bank), 1851 gegründete Hauptstadt Transbaikaliens mit 55500 Einw., Maschinenwerkstätten und *Museum; die hübsche Umgebung erinnert an Heidelberg. —Dann fährt man über den Fluß Tschita auf 160 m langer Brücke und im Ingodatal abwärts über (6142 w)Makkawejewo(Bahnwirtschaft) nach (6180 w)Karimskaja(605m; Bahnwirtschaft), Bahnknotenpunkt.

Amurfahrt Strjetensk-Chabarowsk(2116 w). VonKarimskajaführt eine ältere Bahnlinie im Ingoda-und Schilkatal abwärts über (183 w)Nertschinsk(Bahnwirtschaft), das jetzt bedeutungslose, früher aber durch seine Blei-und Silberbergwerke berühmte, als Sträflingsort berüchtigte Städtchen, nach (266 w)Strjetensk(Bahnwirtschaft;Gasthof Dalnij Wostok;Mikulitsch, beide nahe der Dampferlandestelle; Iswoschtschik 1 Rub.; Banken: Sibirische Bank; Russisch-Asiatische Bank), Stadt mit 10000 Einw., am l. Ufer der Schilka. Von Strjetensk laufen Postdampfer auf der untern Schilka und dem Amur von Mai bis September alle 5 Tage in 6 Tagen bisBlagowjeschtschensk(Grand Hôtel; Banken:Kunst & Albers; Sibirische Bank; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt der Provinz Amur mit 57500 Einw., am l. Ufer desAmuran der Sejamündung; von dort mit größern, bequemen Dampfern in 5 Tagen bisChabarowsk(S.333). Die Fahrt stromauf von Chabarowsk bis Strjetensk dauert etwa 12-13 Tage und ist nicht zu empfehlen. DerAmurentsteht aus dem Zusammenfluß derSchilkamit demArgunbeimFort Ustj Strjelka; er bildet streckenweise die Grenze gegen China und mündet nach 4480 km langem Lauf unterhalb Nikolajewsk, gegenüber dem Nordende der Insel Sachalin. Geplant ist der Bau einer Amurbahn von Strjetensk nach Chabarowsk.

Die Transbaikalbahn führt von Karimskaja über einen 885 m hohen Bergrücken nach (6229 w)Burjatskaja(Bahnwirtschaft), dann durch gewelltes, ödes Steppenland, den Nordzipfel der Mongolei, von Kosaken und Burjäten bewohnt, über (6274 w)Aga(Bahnwirtschaft) und an einem buddhistischen Burjätenkloster vorbei über (6319 w)Olowjannaja(Bahnwirtschaft) und (6412 w)Borsaund über die russisch-chinesische Grenze nach

(6532 w)Mandschuria(Mandschuli; 650 m;Bahnwirtschaft;Gasthof Zentralnaja, nahe dem Bahnhof), chinesischer Grenzstadt mit 12000 Einw. (in der Mehrzahl Russen); hier bei der Hinfahrt chinesische, bei der Rückfahrt russische Zolldurchsicht.—Mandschuria ist der Anfang der in russischen Händen befindlichenOstchinesischen Bahn(Chinese Eastern Railway), deren Gebiet die Mandschurei bis zur russischen Grenzstation Pogranitschnaja (S.320), ferner die südliche Linie von Charbin bis Changchun (S.324) mit Zweigbahn nach Kirin umfaßt und deren Bahnhöfe gegen die häufigen Angriffe der Chunchusen-(chinesischen Räuber-) Banden von russischen Soldaten bewacht werden und zum Teil befestigt sind. Von hier an wird nachCharbiner Zeitgerechnet, die 6 St. 24 Min. vor gegen Petersburger und 7 St. 25 Min. vor gegen M.E.Z. ist. Die Bahn führt durch gleichmäßiges Steppenland (man sieht Pferdeherden, Kamelkarawanen) über (6708 w)Chailar(Hailar; Bahnwirtschaft) und (6785 w)Jakschi, Wachtposten, allmählich dasChingangebirge, den Grenzwall zwischen der Mongolei und der Mandschurei, hinan; bei (6872 w)Irekte(875 m) wird noch eine Lokomotive vorgespannt wegen der nun starken Steigung, durch enge Täler nach (6881 w)Chingan; 4 w weiter führt ein 3 km langer Tunnel, 961 m ü. M., durch den höchsten Gebirgskamm unter dem 1060 m hohen Dschedynpaß; dann geht es steil abwärts nach (6904 w)Buchedu(Pu-ha-to; 673 m; Bahnwirtschaft), im Tale desJali. Bevor man die Steppe wieder erreicht, noch malerische Ausblicke auf die Berge bei Barim. Dann durch größere Dörfer bei Tschalantun über (7049 w)Nin-zy-schan(264 m) und über denNonninach (7155 w) Stat.Zizikar(TsitsiharoderBuchoi; Bahnwirtschaft; Gasthof) selbst, die Hauptstadt der chinesischen Außenprovinz Holungkiang, mit 80000 Einw., liegt 25 w nördl. am Nonni und ist durch Kleinbahn mit der Station verbunden. [Hier soll das chinesisch-amerikanische Bahnprojekt von Aigun (vom r. Amurufer nahe Blagowjeschtschensk in der Mandschurei) nach Kintschou (S.318, an der Bahnlinie Mukden-Tientsin) von N. nach S. die Mandschurei durchschneiden.]—Dann durch wildreiche, fast unbewohnte Steppe mit unbedeutenden Haltestellen, aber vor Charbin durch gut bebautes Land und schließlich auf 948 m langer Brücke mit 8 Bogen über den mächtigen, von zahlreichen Dampfern belebten (auf 1180 km Länge schiffbaren)Súngarinach

(7408 w)Charbin(Harbin; 152 m; guteBahnwirtschaft;Grand Hôtel;Métropol Hôtel;Orient Hôtel, sämtlich in der Neustadt, die beiden ersten nahe dem Bahnhof;Hôtel Sibir;Hôtel de Commerce,in der Geschäftsstadt, Verpflegung überall gut, Unterkunft mäßig; Bankgeschäft vonKunst & Albers; Russisch-Asiatische Bank [Korrespondent der Deutschen Bank]; Agentur der Internationalen Schlafwagengesellschaft: im Grand Hôtel; Direktion der [russischen] Ostchinesischen Bahn [Präsident General Horváth], Zweigbureau der Südmandschurischen Bahn; chinesischer Zollkommissar [Watson];deutscher Konsul: L. Heintze;Handelshäuser: Kunst & Albers; Tschurin & Co.; Samsonowitsch & Agéjeff;Kommissionsgeschäft: Comptoir belge d'importation et d'éxportation;SpediteurA. G. Roubinraut), internationale Handelsstadt in der chinesischen Mandschurei, am r. Ufer des Sungari, 1896 gegründet als Eisenbahnknotenpunkt, früher ein Dorf, jetzt eine Stadt von über 50000 Einw. (buntgemischte Bevölkerung, in der die Russen und Chinesen überwiegen). Die Stadtverwaltung liegt in den Händen der Ostchinesischen Bahn. Die vollkommen russischen Charakter tragende Stadt zerfällt in drei Teile: dieAltstadt, sö. vom Bahnhof, die erste Niederlassung aus Lehmhäusern für den Bahnbau, wozu einige Handelshäuser und eine kleine Kirche kamen. Die moderneNeustadt(Nowoje Charbina), westl. vom Bahnhof, auf einer vor dem Fluß geschützten Hochfläche, noch in der Entwickelung; für die Eisenbahnverwaltung, P u. T, Hospitäler, Beamtenwohnungen, Gasthöfe etc. bestimmt. Die Straßen und die sanitären Verhältnisse sind noch sehr schlecht. In derHafenstadt(Pristan) hinter der Eisenbahnbrücke am Fluß sind Fabriken und Werkstätten für die Eisenbahn, kaufmännische Niederlassungen, der Sitz der Polizei etc.; hier herrscht das meiste Leben. Östl. vom Pristan liegt das durch den Pestausbruch 1910 berüchtigte ChinesenviertelFudsjadjan(Fudatien). Haupthandel und Ausfuhr in Ölbohnen. Im russisch-japanischen Krieg war Charbin Hauptstützpunkt der russischen Armee.—Dampfer verkehren auf dem Sungari von Charbin talwärts bis Chabarowsk (S.323) und bergwärts bis Kirin (S.324).

Vgl. die Karte bei S.301.

Der sibirische Luxuszug (S.302) führt vom Hauptbahnhof (smaragdgrün in einer Art von Sezessionsstil) inCharbin-Neustadtöstl. über (9 w) Hst.Alt-Charbindurch weite Strecken gut (vor allem mit Rüben) bebauten Ackerlandes über (58 w)Aschichö, mit Zuckerfabrik, dann an einem Marmorbruch vorbei, durch Sumpfstellen mit mannshohem Wollgras und durch von Fasanen bevölkerte Gehölze nach (153 w)Imjampo, beliebtem Sommeraufenthalt mit Datschen (Landhäusern), guter Brauerei und Jagdgelegenheit auf Hochwild, weiter über den Gebirgszug Tschangkwanhai nach (255 w)Chandaochezy(Bahnwirtschaft), Ort mit 10000 Einw.; dann auf 300 m langer Brücke über denMutankiang(nicht weit südl. die chinesische HandelsstadtNingutamit etwa 20000 Einw.; T) und nun ansteigend in schroffen Tälern des in der Nähe der Bahn schon großenteils entwaldeten ostmandschurischen Mittelgebirges durch drei Tunnel bis 640 m ü. M., dann wieder hinab nach (402 w)Mulin(Bahnwirtschaft). Die Landschaftwird immer schöner, bis man, die Mandschurei verlassend, den russischen Grenzort (512 w)Pogranitschnaja(460 m; Bahnwirtschaft; russische Zollbesichtigung), Endpunkt der Ostchinesischen und Anfang derUssuribahn, erreicht; letztere führt durch sechs Tunnel abwärts über die Grenzfestung (538 w)Grodekowoin grüner Ebene nach (628 w)Ketrizewo(Bahnwirtschaft), Knotenpunkt, wo l. die Bahn nach Chabarowsk abzweigt; in 2 w Abstand sieht man die Kuppeln der Kathedrale vonNikolsk-Ussuriisk(Gasthof Koslow; Russisch-Asiatische, Sibirische Handelsbank; Warenhaus vonKunst & Albers), Kreisstadt mit 23000 Einw. und stärkster Garnison des Amurgebiets, in sehr fruchtbarer Gegend, mit guter Jagd auf Wildschweine, Maralhirsche etc. Dann steigt die Bahn im Felsental desSuifunin dichtbewaldete Höhenzüge; an einer scharfen Biegung erster *Blick auf die Amurbucht; l. hinterNadeschdinskajaliegen Kohlenbergwerke; dann führt die Bahn am Strande der Amurbucht entlang, l. an den Datschen (Landhäusern) der reichen Wladiwostoker vorbei und durch die Chinesenstadt zu dem ganz nahe dem Hafenkai gelegenen Hauptbahnhof von

(730 w)Wladiwostok(Bahnwirtschaft), am Japanischen Meer. Der Bahnhof trägt die Aufschrift: »Von St. Petersburg bis Wladiwostok 9876 Werst« (Entfernung von Moskau 8137 w).

Ankunft zur See.Die Postdampfer steuern die InselAskoldmit rotem Leuchtturm an, laufen dann auf den weißen Leuchtturm der InselSkrypleffzu und steuern durch denÖstlichen BosporuszwischenKasakewitsch(Russeninsel) und dem Murawiew-Vorgebirge hindurch, biegen dann r. in eine der Kieler Förde sehr ähnliche, durch viele Küstenbefestigungen geschützte Bucht, in deren innerstem, nach O. gekrümmtem Teil, demGoldenen Horn, der gegen Wind und Seegang geschützte Hafen von Wladiwostok liegt. An seiner Westseite ist nahe am Bahnhof ein Kai mit Liegeplätzen für etwa acht Dampfer. Die Postdampfer derFreiwilligen Flottehaben eignen Kai. Dampfer, die keinen Platz am Kai bekommen, ankern nahe vor der Stadt, Ausschiffung der Reisenden erfolgt dann mit Booten an bequemen Landungsbrücken.Gasthöfe:Hotel d'Allemagne(Deutsches Hotel), Mitte der Stadt, Ecke der Kitaiskaja-und Pekinskaja-Straße, modern eingerichtet, Pens. 8-9 Rubel, gelobt.—Grand Hôtel, am Bahnhof.—Goldenes Horn, Aleutskaja 45.—Zentralnaja, Swetlanskaja.—Restaurants:Deutsches Restaurant Müller, Swetlanskaja, gelobt.—Unterberger;Goldenes Horn;Swetlanka, sämtlich Swetlanskaja. —Cafés:Kokin.—Jegorow, Swetlanskaja.Post u. Tel.an der Swetlanskaja. Telegraphenkabel nach Nagasaki.—Wagen: Iswoschtschik vom Bahnhof zur Stadt 25 Kop. (Gepäck 20 Kop.), einzelne Fahrt 25 Kop., in die Vorstadt 50 Kop.; stündl. 80 Kop. Nachts doppelte Taxe.—Eisenbahnüber Charbin nach Europa (S.309): Expreßzüge: Mi. ab Wladiwostok derTranssibirien-Expreßin 91/2Tagen bisMoskau, mit Anschluß an denNordexpreß(S.302) Moskau-Berlin (Fahrzeit 37 St.); außerdem So. ab Wladiwostok ein Zug bis Irkutsk (Wagenwechsel) mit Anschluß nach Moskau und ein Zug Fr. ab Wladiwostok wie vorher, doch mit Anschluß nach St. Petersburg; sämtlich Züge der Internationalen Schlafwagengesellschaft; nach Chabarowsk, S.323; nach Dairen, S.323; nach Peking, S.328.—Dampfer:Hamburg-Amerika Linieüber Hongkong monatlich (Agentur: Kunst & Albers);—Nippon Yusen Kaishanach Nagasaki, Korea, Port Arthur und Schanghai wöchentlich;—Russische Freiwillige FlotteDo. und Sa. in 2 Tagen nachTsuruga(Japan);—Sa. überNagasaki(2 Tage) nachSchanghaiin 4 Tagen;—Osaka Shosen KaishaDi. in 2 Tagen nach Tsuruga (Reichskursbuch 705).

Plan von Wladiwostok.Plan von Wladiwostok.

Banken:Kunst & Albers, Swetlanskaja, Korresp. der Deutschen Bank.—Russisch-Asiatische Bank, Aleutskaja, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.—Theater: 3 russische und 3 chinesische; Singspielhalle im »Goldenen Horn« u. a.—Agent der Internationalen Schlafwagengesellschaft:Marcerou & Schreter, Swetlanskaja 60. —Konsulate:Deutsches Reich, Swetlanskaja, Konsul Dr. Stobbe.—Deutscher Gesangverein(es leben viele Deutsche in angesehenen Stellungen in Wladiwostok).—Polizeiamt: Pekinskaja. —Zollamt: Swetlanskaja.—Städtisches Krankenhaus.—Warenhausgroßen Stils vonKunst & Albers, liefert jegliche Reiseausrüstung u. a.

Wladiwostok(»Beherrscherin des Ostens«, früher Port May) wurde 1860 gegründet, war 1868-1901 Freihafen und hat 90162 Einw. (davon über ein Drittel Chinesen, Japaner und Koreaner). Die Stadt liegt auf 43° 7' nördl. Br. (etwas südlicher als Florenz) auf der Halbinsel zwischen der Ussuribucht und der Amurbucht in malerischer Landschaft, deren natürliche Bergumwallung sehr stark befestigt ist (1500 Geschütze, die auf 80 km verteilt sind), da die Stadt der einzige gute Seehafen und Flottenstützpunkt Rußlands in Ostasien ist, denn überall weiter nördl. bis zur entlegenen Amurmündung ist die Küste durch das mauerähnliche Sichotaalingebirge vom Binnenlande völlig abgeschlossen und fast hafenlos. Nur hier am Südende der russischen Küstenprovinz ist der Küstengebirgsbogen unterbrochen und öffnet sich das Land mit einer buchtenreichen Küste (Riasküste) frei zum Meer. Leider ist der Hafen von Wladiwostok 4 Monate durch Eis gesperrt; als Kriegs-und Handelshafen ist er gut ausgerüstet. Längs der Nordküste des Goldenen Horns zieht sich die HauptstraßeSwetlanskaja; die Häuser sind meist aus Stein, nur zum Teil noch aus Holz gebaut. Die Neubauten zeigen modernern Renaissancestil, z. B. das Admiralitätsgebäude, der Palast des Gouverneurs, das Geschäftshaus von Kunst & Albers und das reichhaltigeMuseum(Di. Fr. So. 10-4 Uhr geöffnet). An der Südseite der Swetlanskaja liegt in hübschem Garten das Haus des Chefs der Marinestation, weiter östl. derMarineklub, mit Bootslandungsbrücken am Hafen. In der Hauptstraße dieUspenskij-Kathedrale. DasInstitut für Ostasiatische Sprachenliegt an der Puschkinskaja; ebenda die deutsch-lutherische Kirche. Bei den Landungsbrücken am Hafen steht das Denkmal des Admirals Newelskoi, der die Amurmündung am 13. Aug. 1850 auf eigne Faust besetzte, mit der Inschrift: »Wo die russische Flagge weht, da soll sie nie wieder sinken« (Ausspruch des Zaren Nikolaus I.). Gegenüber dem Warenhaus der in ganz Ostasien bekannten deutschen FirmaKunst & Albersan der Swetlanskaja liegt ein schönes Wohnhaus für den Leiter des Geschäfts, mit großem Speisezimmer für die Angestellten des Geschäfts, mit Billards etc. In der Marinevorstadt das Marinehospital, daneben die großen Trockendocks und Werftanlagen der Marine.—Die Gewerbtätigkeit beschränkt sich auf Holzschneidemühlen, Ziegeleien, Maschinenwerkstätten, Brauereien. Der deutsche Einfuhrhandel ist sehr beträchtlich, es verkehren mehr deutsche als englische Schiffe im Hafen; ausgeführt werden Felle, Sauerkraut, Seekohl, Bauholz, Salzfische, Lebertran.—DasGoldene Hornist etwa von Mitte Dezember bis Mitte April zugefroren, doch halten Eisbrecher eine Fahrrinne frei; aber außerhalb des Hafens behinderndann oft große Treibeismassen die Schiffahrt. Die Witterung entspricht etwa der von St. Petersburg, trotzdem Wladiwostok auf etwa derselben geographischen Breite wie Florenz liegt; Luftwärme im Januar-15° C, im Jahresmittel 4,3° C; im Sommer kommen etwa +30° C, im Winter etwa-30° C vor.—Rundgang.Man fahre durch die Swetlanskaja und besteige dann die steile Anhöhe oberhalb desObservatoriums, von wo prächtiger *Fernblick über das Goldene Horn, Stadt und Hafen; man sieht bis zur Insel Askold, die im SO. auftaucht. Dann besuche man den Wochenmarkt an der Amurbucht, am Westende der Swetlanskaja, und mache mit kleinem Hafendampfer eineHafenrundfahrt(zweimal tägl., Fahrzeit etwa 21/2St.), die bis zur InselKasakewitschführt; auch lohnt eine Fahrt mit Dampfer oder Segelboot bei gutem Wetter nach der InselAskold, wo die sibirischen Maralhirsche gehegt und gefüttert werden und Goldbergwerke im Betrieb sind.—Die Umgegend bietet Gelegenheit zu Fahrten in die landschaftlich sehr schönen Berge und Wälder; vor der Stadt ist eine gemütliche deutsche Brauerei.

Von Wladiwostok nach Chabarowskführt die Ussuribahn in etwa 16 St. über (102 w)Ketrizewo(S.320), von da nö. im Tale des Suifun, dann durch Steppenland und auf 255 m langer Brücke über denUssurinach (340 w)Murawjew-Amurskij(Bahnwirtschaft). Hinter der 255 m langenImanbrückebei (387 w)Iman(Bahnwirtschaft) tritt die Bahn in schöner Hügellandschaft dicht an die Grenze der Mandschurei und läuft im Tale des Ussuri r. über (498 w)Bikin(Bahnwirtschaft) durch Wald und über viele Brücken nach(716 w)Chabarowsk(96 m;Bahnwirtschaft; Gasthöfe: Deutsches Hotel und Restaurant vonPeter Moller, empfohlen;Hotel Chabarowsk;Rossija; Iswoschtschik zur Stadt 60 Kop.; Banken:Kunst & Albers; Russisch-Asiatische Bank), Hauptstadt der Seeprovinz des russischen Amurgebiets, mit 25000 Einw. (1/4Chinesen), am r. Steilufer des Amur, noch 800 km oberhalb seiner Mündung, zum Teil auf Felsterrassen erbaut. Nahe dem Palais des Generalgouverneurs liegt das *Museumder Russischen Geographischen Gesellschaft (Do. So. 12-4 Uhr); nahebei imStadtgartendas Standbild des Grafen Murawjew-Amurskij. Die Stadt hat Kadettenschule, Eisenbahnschule und treibt wichtigen Pelzhandel (besonders Zobelfelle). Warenhaus:Kunst & Albers.Postdampfervon Chabarowsk Mitte Mai bis Anfang Oktober (andre Dampfer unregelmäßig): a) in 4 Tagen auf dem Amur abwärts nach (940 w)Nikolajewsk(Gasthof; Warenhaus:Kunst & Albers), Seehafenstadt mit 8000 Einw., nahe der Mündung des Amur in den Amurgolf; b) auf dem Amur aufwärts überBlagowjeschtschensknachStrjetensk, vgl. S.317.

Vgl. die Karten bei S.215u. S.271.

Von Charbin zweigt eine Linie derOstchinesischen Bahnnach S. ab (von den Russen bis Port Arthur, S.327, gebaut, jetzt nur bis Changchun noch russisch; die Südstrecke ist im Frieden von Portsmouth 1905 an Japan abgetreten und bildet jetzt das Hauptstück derSüdmandschurischen Bahn. Von den sibirischen Expreßzügen (S.316) wird ein Wagen in Charbin abgezweigt und läuft durch bis Changchun; Durchreisende können in diesem Wagen in Charbin übernachten. Fahrzeit Charbin-Changchun 9 St., Changchun-Mukden 61/2St., Mukden-Dairen 8 St. Über diese Strecke geht zurzeit der Hauptpersonenverkehr zwischen Europa und China (besonders nach Peking, Hankau, Schanghai, Tsingtau etc.), aber auch ein großer Teil des Verkehrs nach Japan (besonders nach Nagasaki). Über direkte Fahrkarten vgl. S.302.

VomCharbin-Hauptbahnhof (S.318) führt die Bahn durch fruchtbares Land mit Weizen-, Kartoffel-, Raps-und Maisfeldern; zahlreiche Wachttürme schützen die Bahnstrecke; bei (115 w)Dalatschaoführt eine 735 m lange Brücke über den Sungari.—(152 w)Jaomönn(Bahnwirtschaft). Nahe hinter der russischen GrenzstationKwangtschöngtsemit russischer Garnison erreicht man (222 w)Changchun(Tschangtschun;Yamato Hotel, komfortabel, Pens. 9-12 Yen, gegenüber Bahnhof, mit Büfett;—Yokohama Specie Bank;—Russisch-Asiatische Bank), Knotenpunkt der Ostchinesischen, Südmandschurischen und Kirin-Changchun-Bahn. Von Charbin kommend hier umsteigen in den bereitstehenden Expreßzug derSüdmandschurischen Bahn(I. Kl. vorzügliche Pullman-Wagen, II. Kl. entspricht der III. Kl. in europäischen Zügen). Zeitwechsel, südmandschurische Zeit ist 23 Min. später als Charbinzeit (S.318). Die alte Stadt mit 130000 Einw., 6 w südl. vom Bahnhof, mit lebhaftem Vieh-und Bohnenhandel. Changchun hat chinesische Garnison; die neue, von den Japanern am Bahnhof angelegte Stadt in europäischem Stil entwickelt sich schnell und hat japanische Garnison. [Zweigbahn östl. nach (120 w)Kirin, wichtigster Handelsstadt der Mandschurei für Holz, Bohnen, Tabak, mit 100000 Einw., von Mauern umgeben, am Sungari.]

Hinter Changchun treten l. die Vorberge der Ostmandschurischen Gebirge an die Bahn; bei (39 M = Miles von Changchun)Gungchulingsteigt die Bahn bis 209 m ü. M., senkt sich aber wieder bei (145 M)Tiahling, Handelsstadt mit 50000 Einw., amLiauho, und erreicht

(189 M)Mukden(chines.Fengtien), alte Hauptstadt des frühern mandschurischen Reiches (mit etwa 175000 Einw.) und daher Stammsitz der bisher in China herrschenden Mandschudynastie, deren erste Kaiser hier noch zeitweise residierten.

Gasthöfe:Astor House Hotel, in der innern Stadt, deutsche Leitung, 10 Z., recht gelobt, gute Küche, Pens. $ 8.—Yamato Hotel, japanische Leitung, im japanischen Stationsgebäude, Pens. 9-12 Yen.Wagen: Droschken, Rikschas, chinesische Karren.—Pferdebahnbis zur innern Mauer.Eisenbahnen:Südmandschurische Bahn(japanisch) nach Changchun (und mit der Ostchinesischen Bahn weiter nach Charbin), nach Dairen und nach Antung (von wo weiter nach Söul, Fusan);Nordchinesische Bahn(chinesisch) nach Tientsin und Peking. Japanischer wie chinesischer Bahnhof liegen 5 km westl. von der Stadt entfernt.Bank:Yokohama Specie Bank(Korrespondent der Deutschen Bank) in der innern Stadt.Deutsches Konsulat, Konsul Dr.Heintges, Dolmetscher Dr.Siebert.

Mukden ist Sitz des Generalgouverneurs (Vizekönigsj der Mandschurei, der zugleich Gouverneur der ProvinzFengtienist, und eines Bannergeneralleutnants. Starke Garnison moderner Truppen. Rings um Mukden fanden Ende Februar und Anfang März 1905 die blutigen Kämpfe statt, in denen die Russen durch die Japaner zum Rückzuge nach dem Norden gezwungen wurden. Die äußere Stadt ist von einem 18 km langen Lehmwall, die innere von einer starken Mauer, mit je 8 Toren, umgeben. In der Nähe des japanischen Bahnhofs eine der vier Eckpagoden der Stadt von indischem Charakter, —Die größte Sehenswürdigkeit ist der *Kaiserpalast; er liegt in der innern Stadt, in der Nähe des Astor House Hotels.Der letzte Kaiser, der ihn zeitweilig noch bewohnt hat, war Chienlung (1736-96). Der Palast ist in den Jahren 1907-09 wieder vollständig neu aufgebaut worden. Im Thronsaal steht noch der alte, in Holz geschnitzte Thron. In einem besondern Gebäude wird die Chronik des kaiserlichen Hauses aufbewahrt, die aber unzugänglich ist; gezeigt werden einzelne Stücke aus dem kaiserlichen Schatz: Gewänder, Helme, Waffen des Kaisers Chienlung, Stickereien, Gemälde, Porzellane, Nephritsachen u. a., ferner in einer besondern Abteilung eine große Menge Porzellan des kaiserlichen Haushalts. Einlaßpässe sind durch die Konsulate zu besorgen. Östlich schließt sich an den Palast ein Pavillon, in dem die Kaiser Audienz erteilten, mit den zugehörigen Gebäuden an.

Ausflüge: Nach demnördlichen Kaisergrab Peiling, etwa 6 km nördl. der Stadt, mit Droschke oder Rikscha, Einlaßpässe durch die Konsulate. Das Grab liegt in einem Walde, der hinter der Anlage schöne Nadelholz- und Eichenbestände hat. Durch die ziemlich verfallene äußere Tierallee zu dem meist verschlossenen Südtor, das mit seinen lebhaften Farben in der grünen Umgebung sehr malerisch wirkt. Man fährt nach l. um die Umfassungsmauer herum zum Westeingang, durch den man den von Strandkiefern gebildeten düstern *Grabhainbetritt, in die innere, mit Platten belegte Tierallee, die an dem Südtor (s. oben) beginnt und von steinernen Säulen und Tierfiguren, Himmelshunden, Pferden, Kamelen und Elefanten, eingefaßt wird. Den Abschluß der Allee bildet ein Gebäude mit schöner Kassettendecke, das eine riesige, aus einem Kalkmarmorblock gehauene Schildkröte enthält, die auf ihrem Rücken einen zweiten Monolithen trägt,in den die Lebensgeschichte des hier ruhenden Kaisers Taitsung (gest. 1643), des Vaters des ersten chinesischen Kaisers aus der Mandschudynastie, in Mandschurisch, Mongolisch und Chinesisch eingehauen ist. —Durch ein von einem turmartigen Aufbau gekröntes Tor in den innern Hof, der von einer hohen, breiten Steinmauer mit Ecktürmen umgeben ist. Die Dächer sämtlicher Gebäude sind aus den gelben Ziegeln kaiserlicher Bauten hergestellt. R. und l. auf dem innern Hof einige Gebäude für Mitglieder des kaiserlichen Hauses. In der Mitte auf erhöhter Terrasse, zu der eine Drachentreppe führt, dieAhnenhallemit den Tafeln Taitsungs und seiner Familie.Dahinter vor dem Eingang zum eigentlichen Grabe steht die sogen.Geistermauermit aus Stein gefertigtem Opfergeräten; dann durch einen Gang durch die Mauer des innern Hofes zu dem vermauerten Eingang des Grabhügels. Man steigt nun auf die Mauer und gelangt zu einer Halle mit kassettierter Decke, die einen Stein mit dem Namen Taitsungs in den oben erwähnten drei Sprachen enthält.— Nach N. hat man den mit einem Rundgang versehenenGrabhügelvor sich; er ist von einem verkrüppelten Baum gekrönt, der eine alte Familienlegende des kaiserlichen Hauses versinnbildlicht; im Hintergrund eine künstliche, mit Bäumen bepflanzte Erdhügelkette, die den Einfluß der bösen Geister des Nordens abhalten soll.—Auf der Mauer geht man dann zum Eingang des innern Hofes zurück.DasOstgrab Tunglingin der Nähe des DorfesTunglingist von Mukden etwa 18 km entfernt und nur sehr beschwerlich zu Pferde oder mit chinesischer Karre zu erreichen. Die Anlage ist ähnlich wie die des »Peiling«, nur wirkt die ganze Umgebung malerischer durch die Lage auf natürlichen Hügeln und durch die Nähe des Hunho (Fluß). Begraben ist dort der Vater Taitsungs, Tientsung (gest. 1636).

Die Südmandschurische Bahn führt dicht hinter Mukden auf 736 m langer Brücke über denHunho, Nebenfluß des Liauho nach (199 M)Suchiatun[von hier Zweigbahn überChienchinchainach (34 M)Fushunam Hunho, wo die großen Kohlengruben der SüdmandschurischenBahn mit modernen Einrichtungen bis zu 5000 t täglich Kohlen fördern;1/4St. vom Bahnhof, jenseit des Hunho, liegt die alte Stadt Fushun]. Weiterhin über denShaho, an dessen l. Ufer (205 M von Changchun)Shaho, kleine, aus dem japanisch-russischen Krieg bekannte Stadt. [Von hier Ausflug zu Fuß ostwärts 3 St. am Shaho entlang zum Besuch der Schlachtfelder vorbei am Nowgorod-und Putilow-Hügel bis an den Fuß des Taschan (Turm-oder Pagodenberg genannt), dort fahre man von Station der Kleinbahn Mukden-Antung nach Mukden zurück.] Die Bahn führt weiter über (216 M)Yentai, dessen Kohlengruben, 10 km vom Ort, von der Bahngesellschaft ausgebeutet werden, nach (230 M)Liaoyang(Bahnwirtschaft), ältester Stadt der Mandschurei mit 55000 Einw. und schönem *Lama-Turm, erbaut im 3. Jahrh. n. Chr.; 1372 wurde die Stadt mit Mauern umgeben; berühmte Branntweinbrennerei (Samschu); Hauptquartier der japanischen Bahntruppen. In der Schlacht bei Liaoyang, 30. Aug. bis 4. Sept. 1905, führte Kuropatkin seinen berühmten Rückzug aus.— Weiter über Haicheng nach (256 M)Tangkangtzu(Stadt mit heißen Quellen;Gold Spring Hotel).

Ausflug(sehr lohnend) von Tangkangtzu etwa 16 km östl. von der Bahn zum Kloster *Chienshan(Tschienschan) mit etwa 60 sehr alten buddhistischen Tempeln auf felsigen Hügeln in sehr malerischer Landschaft; besonders sehenswert ist die Tempelanlage der Drachenquelle (Lungtschuankuan) und der Tempel der Mildtätigkeit (Wuliangkuan), beide mitten in Waldeseinsamkeit. Schon der Kaiser Taisung (627-649) der Tang-Dynastie soll die Naturschönheit des Tschienschan bewundert haben.

Weiter nach (288 M)Tashihchiao(Daschitschau; Bahnwirtschaft). Hier Zweigbahn r. nach (131/2M)Yingkou(S.328), nur bis ans l. Ufer des Liao, dort übersetzen (bei Eisgang im Winter zuweilen unmöglich) zum Anschluß an die Nordchinesische Bahn.

Die Bahn führt über (306 M)Kaiping(Kaitschou), Stadt mit wichtigem Handel in Puppen der wilden Seidenraupe und Seide, tritt nahe an die Küste des Liaotunggolfs und läuft am Westabhang der Gebirge der Liaotunghalbinsel entlang über (326 M)Hsiungyuehcheng(ganz guter japanischer Gasthof; heiße Quellen im Flußbett des Hsiungyueh), weiter, die Halbinsel schräg durchquerend, über (359 M)Teliszu(Niederlage des Generals Stackelberg 15. Juni 1904 gegen General Oku) und (371 M)Wafangtien(Bahnwirtschaft), zur unbedeutenden Hafenbucht (388 M)Pulantien(früher Port Adams) am Liaotunggolf, Grenzort des japanischen Südwestzipfels der Liaotunghalbinsel. —(414 M)Chinchou(Kintschou) an der gleichnamigen Bucht am Liaotunggolf, wo 26. Mai 1904 die erste Schlacht stattfand, die Port Arthur vom russischen Heer abschnitt, und weiter über den Isthmus, der zur Kwangtunghalbinsel führt, an der Bucht vonTalienwanüber (429 m)Choushuitzu, Zweigbahn nach Port Arthur (S.327), nach

(436 M)Dairen(früherDalny), wichtigem japanischen Handelshafen auf 38° 56' nördl. Br. (wie Kalabrien), an der großen Bucht Talienwan (Dairenwan) der Koreabai, mit etwa 60000 Einw. (die Hälfte Chinesen). Der Platz ist wichtig als Endpunkt der Südmandschurischen Bahn und für den Postdampferverkehr nach China und Japan im unmittelbaren Anschluß an die Expreßzüge der Sibirischen Bahn. Vgl. beifolgendenPlan.


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