Umgebung: 1) Fahrt nachAlt-Delhi(Firozabad). Die Trümmer der alten riesigen Millionenstadt reichen fast 30 km südl. vom jetzigen Delhi; man fahre aus dem südl. Stadttore Delhi Gate südl. am Gefängnis und Irrenhaus vorbei; etwa 4 Min. östl. liegt das alte dreistöckigeFort Firozabad(Kotilagenannt); auf seinem Dach steht die *Lat-oderAsoka-Säule, ein Monolith aus rotem Sandstein, 13 m hoch, mit Inschriften, wovon die zunächst sichtbaren, in etwa 3 m Höhe, im Nagri-Dialekt aus dem Jahre 1524, darüber aber das wichtige Edikt von Asoka, um 255 v. Chr., in den ältesten bisher in Indien bekannten Schriftzeichen abgefaßt sind. Weiter sö. (3 km südl. vom Delhi Gate) die alteFeste Purana Kila(Indrapat) mit Tor; innen die stilvolleKila Kona-Moschee(1541 erbaut).—Etwa 1,5 km südlicher das prachtvolle *Mausoleum des Großmoguls Humayunin einem wohlgepflegten Park; Humayun, Sohn Babers, des Erneuerers der Dynastie Timurs auf dem Thron von Delhi, starb infolge Sturzes von der Treppe in Purana Kila 1556; sein Mausoleum ist eins der prächtigsten Indiens, in ihm sind 150 Mitglieder der Familie der Großmoguln beerdigt.
—Nun westl. zum Grabmal des heiligenNizam-ud-din Aulia, einem Säulenprachtbau mit großer Kuppel; man steige aus und gehe durch die SäulenhalleChausath Khambe, in deren Umgebung noch viele stimmungsvolle Grabdenkmäler liegen, darunter westl. vom Chausath Khambe das Grab des DichtersAmir Khusrau(der Papagei von Hindustan), gest. 1315; nahebei das Grab der frommenJahanara, Tochter des Schah Jahan (gest. 1681). Auch das MausoleumSafdar Jangs, etwa 1,5 km westl., ist sehenswert. Dann Rückweg auf der Hauptstraße nach Delhi, an der 3 km südl. vom Ajmer Gate r. (östl.)Jai Singh's Sternwarteliegt (1724 erbaut). Man tut gut, den Ausflug nach Alt-Delhi in Abschnitte (s. die Zeiteinteilung, S.71) zu teilen wegen der vielen Sehenswürdigkeiten.2) Fahrt zum *Kutab Minar, der größten Sehenswürdigkeit Delhis, etwa 17 km südl. vom Ajmer Gate; beansprucht frühen Aufbruch, dauert etwa 4 St. (Dâk Bungalow, mit gutem Essen, vorhanden, man bestelle aber voraus; während der Reisezeit ist für Essen und Getränke genügend gesorgt, doch für größere Gesellschaften auch dann Vorausbestellung ratsam. Ein etwa1/2km vom Gasthaus entferntes Mausoleum ist als Dâk Bungalow für höhere englische Beamte eingerichtet; Reisende mit besondern Empfehlungen können auf Wunsch Erlaubnis zum Übernachten erhalten, um am nächsten Tag die alte FestungTughlakabad(8 km; s. weiter unten) zu besuchen. Man fährt durch das Ajmer Gate an der Sternwarte Jay Singh's und dem Mausoleum von Safdar Jang (s. oben) vorbei; weiterhin liegt r. vom Wege (3,5 km nördl. von Kutab) der große verfallene WasserbehälterHauz Khas(vom Sultan Ala ud-din Khiliji 1293 erbaut) und südl. davon eine Gelehrtenschule und das Grabmal vonFiroz Schah.—Das *Kutab Minarist ein Riesenminaret (»Polarstern«-Minaret) von 76 m Höhe, 14,5 m unterm und 3 m oberm Durchmesser mit fünf äußern Galerien; 375 Stufen führen zur Turmspitze, von der prächtige *Aussicht auf die Trümmer von Alt-Delhi und über die weite Punjab-Ebene. Neben dem Minaret steht die teilweise verfalleneMoschee Kuwat-ul-Islam(Bau 1191 begonnen), einst ein Prachtwerk ersten Ranges, im Innern eine Säule aus massivem Schmiedeeisen von 7 m Höhe und 40 cm Durchmesser mit Sanskritinschrift aus dem 3. Jahrh. n. Chr.; vor der NW.-Ecke der Moschee das älteste bekannte indischeGrabmal des Altamsh(gest. 1236). Sö. vom Kutab Minar liegt das TorAlai Darwazah, daneben dasGrabmal des Imam Zaminund nördl. von dem großen Ala ud-din-Hof, der, mit Resten von Säulengängen umschlossen, die ganze Anlage quadratisch einfaßt, liegt der dicke, runde, niedrigeTurm Alai Minar(etwa 1312 erbaut).—Etwa 8 km östl. vom Kutab Minar liegt die alteFestung *Tughlakabadund südl. daneben das schöneGrabmal des Tughlak.
Fortsetzung der Bahnfahrtnach Calcutta (s. S.82).
219 M (352 km)Eisenbahn, in etwa 12 St. etwa für I. Kl. 37 Rup., II. Kl. 20 Rup.—Von Delhi nachUmballazwei Linien: Die westliche kürzere überPanipatbleibt auf dem rechten Jumna-Ufer, die östliche macht einen Umweg überMeerut.
Man benutze den Schnellzug über (54 M)Panipat; der östlichste Teil des Punjab, den man hier durchfährt, wird von vielen kleinern, aus den Vorbergen des Himalaja kommenden Flüssen durchströmt, die sich später in der Tharwüste verlieren. Die Landschaft bleibt flach bis (123 M)Umballa(Ambala),Cantonment Station, Knotenpunkt mehrerer Bahnlinien (Umballa CityundCivil Stationliegen 9 km westl.), Distriktshauptstadt von 80082 Einw. (1/2Hindu,3/8Mohammedaner);Lumley's Hotel, nahe dem Bahnhof, Pens. 4 Rup.Droschkenzu haben. Bank:Alliance Bank of Simla. Viele englische Läden, Kirchen, Krankenhäuser. Hier umsteigenin den Simla-(Kalka-)Zug, wenn man in einem Lahore-Zug fährt.—Das Land steigt allmählich und trägt gegen den Himalaja hin mit der Zunahme der Seehöhe und damit auch der Niederschlagshöhe immer reichere Vegetation.—(162 M)Kalka(730 m;Dâk Bungalow;Lowries Hotel, daneben PT), der Endpunkt der Hauptbahn, liegt schon in den Vorhöhen des Himalaja. Von hier führt eine Bergbahn in 7 St. hinauf nach
(219 M)Simla(2159 m;Hotel Cecil[Hotz, Schweizer], I. Ranges, Deutsch gesprochen, vorzüglich, Pens. von 7 Rup. an;Grand [Peliti's] Hotel, gut;Lowries Hotel, ähnliche Preise;Longwood Hotel, Pens. 6 Rup.;Elysium;Metropole, Pens. von 6 Rup. an; die Preise sind hoch; Banken:Alliance Bank,Delhi & London Bank Ltd., Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Klubs; PT bei der Union Church; Zeitung:Simla News; Photographen:Hotz(Deutscher),Bourne & Shepherds; europäische Schneider-und Modegeschäfte etc. vorhanden). Berühmter Himalaja-Luftkurort, Distriktshauptstadt mit 15000 (im Sommer 30000) Einw., europäisch gebauten Häusern, Palast des Vizekönigs etc. Simla ist eine großstädtisch angelegte europäische Sommerfrische, seit 1864 Sommerhauptstadt Indiens, in der der Vizekönig mit allen Regierungsbehörden sechs Monate jährlich den Amtssitz hat (im Winter in Delhi); es bietet jede Bequemlichkeit für verwöhnte Europäer auch für längern Aufenthalt; Konzerte, Theater, Bälle; Bibliothek, Schulen, auch katholische Schule und Kapelle; Sanatorien und Krankenhäuser. Mittlere Jahrestemperatur 12,8° C (Juni 19,4°, Januar 3,8°; die Jahrestemperatur von Simla entspricht also etwa der der französischen Riviera; doch sind die jährlichen und auch die täglichen Temperaturschwankungen geringer als dort. Darjeeling ist im Sommer nicht unbeträchtlich kühler als Simla). Die Regierungsgebäude liegen auf einem Bergrücken 2180-2450 m ü. M., weit verstreut inmitten des prachtvollen Pflanzenwuchses der subtropischen Bergwaldregion des Himalaja; Laub-und Nadelbäume, besonders prächtige Libanonzedern und Rosen (die noch im November blühen!). Prächtige Fernblicke auf die schneebedeckten Bergriesen des Himalaja. (Man lese Rudyard Kiplings »Under the deodars«.)
Die unvergleichliche Naturschönheit Simlas erkennt man erst voll, wenn man Fußmärsche in die Umgegend macht; einer der beschwerlichsten, aber lohnendsten führt nachSultanpur(etwa 88 km in der Luftlinie nördl. Simla, Weg dahin etwa 200 km mit 11 Bungalows-Zwischenplätzen), dort guter Bungalow mit Verpflegung. Sultanpur, die alte Hauptstadt des Sultanats von Kullu, das schon großenteils Hochgebirgscharakter trägt, liegt im Kullutale; Jagdgelegenheit auf Fasanen und andres Wild, in den höhern Bergen auch auf Bären und Steinböcke.
627 M (999 km)EisenbahnvonDelhinachPeshawarin 30 St. für I. Kl. 36 Rup., II. Kl. 18 Rup.
Von Delhi nach (123 M)Umballa, s. oben. Die Weiterfahrt mit der North Western Railway führt durch einen großen Teil des östl. Punjab; von den fünf Flüssen, nach denen es genannt ist, überschreitet man den Sutlej und seinen Nebenfluß Bias. Die Landschaftist einförmig und mit Ausnahme der Regenzeit dürr, staubig und kahl; Dattelpalmen und Pappeln machen sich am meisten bemerklich.
(278 M)Amritsar(Bahnwirtschaft, leidlich;Hotel Cambridge[deutsche Besitzerin], Pens. 8 Rup., leidlich;Hotel Amritsarund andre dürftige, weshalb man Amritsar besser von Lahore aus besucht [11/2St. Bahnfahrt] oder den Frühzug von Delhi benutzt und mittags nach Lahore weiterfährt), interessante Stadt mit 152866 Einw. (1/2Mohammedaner,3/8Hindu,1/8Sikh; schöne Bevölkerung), in flacher, ungesunder Gegend, aber die reichste und wichtigste Handelsstadt des Punjab (dieDelhi & London Bank Ltd.und dieNational Bank of India Ltd.sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, die letztere auch der Deutschen Bank) und für den Handel mit Kaschmir, Hauptmarkt für Teppiche und Kaschmirschals (man kauft auch in Amritsar Stickereien etc. zu billigern Preisen als sonstwo in Indien, doch muß man tüchtig handeln!); zugleich religiöse und einst auch politische Hauptstadt der Sikh, der durch kriegerischen Geist ausgezeichneten Anhänger einer um 1500 entstandenen religiösen Sekte, deren Lehren zwischen denen des Brahmanismus und des Mohammedanismus zu vermitteln streben; als Volk bilden die Sikh keine Einheit, da sie zum Teil dem Volksstamme der Dschat, zum Teil den Hindu angehören. Das heilige Buch der Sikh, der Granth-Sahib, ist Mittelpunkt des Gottesdienstes und wird deshalb in dem großen *Goldenen TempelDarbar-Sahibfortlaufend vorgelesen. Der Tempel liegt in der Mitte der Stadt, am »Teich der Unsterblichkeit« (=Amritsar), mit vergoldeter Kuppel und vier silbernen Türen (Eintritt für Fremde nur in Überziehschuhen durch die Nordtür) sowie schönem Glockenturm. Priester schenken Blumenketten oder Pfauenfedern oder Zuckersaft und erhalten dafür 1 Rupie; zum Dienst am Heiligtum sind mehr als 500 Priester angestellt. Jeder Sikh badet im Teiche. An der Südseite des Teiches liegt der weniger sehenswerteDarbargartenmit Fruchtbäumen und kleinen Pavillons; am Südende der malerische TurmBaba-Atalüber dem Grabe des Sohnes des Apostels (Guru) Govind Singh erbaut; die Fakire im Garten werden 7 Uhr abends von den Priestern gefüttert.— In der Stadt besichtige man die weltbekannte Teppich-und Kaschmirschalfabrik vonChamba MalundDevi Saraiund denKaisar Bagh, eine moderne Karawanserei, reich an Volkstypen aus Mittel-und Ostasien.
Ausflugvon Amritsar nö. mit der »Amritsar Pathankot Railway« bis (67 M, 108 km)Pathankot(Bahnwirtschaft;Dâk Bungalow), am Gebirgsfuße; von da mit Tonga (15 Rup., ein Platz 7 Rup.) bis (34 M)Danera(Übernachten im Dâk Bungalow), dann mit Pony (5 Rup.) oder Dooly (9 Rup.) nach (22 M, 35 km)Dalhousie(Strawberry Bank Hotel;Springfield Hotel;Bull's Head Hotel), reizender Sommerfrische mit Sanatorium im Waldgebirge, 2350 m ü. M., mit ähnlichen Klima-u. Vegetationsverhältnissen wie Simla. Lohnender Ausflug nach (19 km)Chamba(Dâk Bungalow) in prächtiger Landschaft.
Von Amritsar südwestwärts weiter nach dem Bahnknotenpunkt
(349 M)Lahore(254 m;Bahnwirtschaft, gut;Nedous Hotel, Pens. 7-8 Rup., gut, sehr erweitert, gegenüber Lawrence Gardens, 3,5 km vom Bahnhof, 1,5 km von der Altstadt;Faletti's HotelCecil, Pens. von 7 Rup. an, gelobt, neu;—Banken:Bank of Bengal;Alliance Bank of Simlaetc.—Klubs;—Droschken nach Tarif;— Zeitungen: »Tribune«, »Civil and Military Gazette«; Photographen:Craddock;Burke;Jadukishan; mindestens 2 Tage Aufenthalt zu empfehlen), Hauptstadt der Provinz Punjab, nahe dem Raji, dem dritten Fünfstromlandfluß, mit dem östl. gelegenen GarnisonsortMeean Meer, 228318 Einw. (120000 Mohammedaner, 70000 Hindu, 7000 Sikh, 5600 Christen), im April 1905 von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Wie Amritsar durch die Sikhs, so hat Lahore durch die Herrschaft der mohammedanischen Mogulkaiser (turktatarischen Stammes) seinen Charakter aufgeprägt erhalten. Die Altstadt mit engen Straßen von Mauern umgeben, mit vielen Moscheen, Karawansereien, Pagoden, Märkten; in der NW.-Ecke der Stadt dieZitadelle(Fort; Besichtigung nur mit Paß, vom Deputy Commissioner zu bekommen) mit Werkstätten, an deren Ostende derAkbar-Palastliegt; im Fort diePerlmoschee(Moti Masjid), daneben der SpiegelpalastShish Mahal(vom Schah Jahan und Aurangzeb erbaut); östl. davon ein kleiner Sikh-Tempel. Mitten in der Westmauer liegt der weiße Marmorpavillon *Nau Lakha. Im Zeughaus alte indische Waffen, auch Kamelgeschütze und merkwürdige Revolverkanonen. Neben dem Turme vonShish Mahalstand im Großmogulpalast noch ein größerer, derSaman Burj. Nun östl. zumDiwan-i-Khas(Marmorsäulenhalle), jetzt als Kirche benutzt; östl. davon der HindupavillonAkbari Mahal(jetzt Apotheke) und der rote Sandsteinbau an der NordmauerKhwabgha-i-Kalan. Mitten im Fort derDiwan-i-Am(jetzt Kaserne), östl. davon ein Hospital.—DieBank of Bengalund dieNational Bank of India Ltd.sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank.
Rundfahrt. Vom Bahnhof durch die europäische Villenstadt sö. von der Eingebornenstadt durch Empress Road überCharing Cross, vorbei amGovernment House(früher Mausoleum des Muhammed Kasim Khan, Vetter des Kaisers Akbar); dann westl. durch Upper Mall Road zumLawrence Garden, Botanischem Garten mit Raubtierhaus; l. bleibtLawrence HallundMontgomery Hallmit Porträtsammlung; dann r. amPunjab Clubund an derKathedralevorbei (in deren Nähe das Telegraphenamt); dann l. amPostamtund den *Museen(Punjabsammlungen verschiedener Art, besonders die reichhaltigste Sammlung von »Gandharaskulpturen«, etwa 2400 Nummern) nach denAnarkali Gardens; hier ein lange als christliche Kirche benutztesGrabmal der Anarkali(»Granatblüte«), Favoritin des Kaisers Akbar, von ihm lebendig eingemauert, weil sein Sohn Salim sie liebte; Salim (der spätere Kaiser Jahangir, dessen Lieblingsresidenz Lahore war) erbaute 1615 das Mausoleum. Sehr interessant ist derAnarkali-Basar.—Dann nördl. an den Regierungsgebäuden, Schulen, Krankenhäusern und dem protestantischen Kirchhof vorbei über die Schiffbrücke des Raviflusses nach (9 km)Shah-Dara. Man kreuzt die Bahn und sieht l. einen Kuppelbau, dasGrab des Asaf Khan; dann r. in einen Park mit prächtigem Marmorpflaster zum *Grabmal des Kaisers Jahangir, einem Quadratbau mit vier 30 m hohen Minarets in den Ecken, aus weißem Marmor undrotem Sandstein 1627 erbaut; man beachte die Feinheit der Steinskulptur der weißen Marmoreinfassung des Grabmals. Rückfahrt durch das Westtor der Stadt über dieEsplanadenach demFort(s. oben).—Sehenswerte Moscheen sind die vonWazir Khan(mit sehr schöner Kachelfassade), die Goldene MoscheeSonahri Masjidund die HauptmoscheeJama(oderBadshahi)Masjid. In der englischen Niederlassung ist ein Schwimmbad. Die Umgebung von Lahore ist durch vom Ravi abgezweigte Kanäle bewässert.
Ausflugvon Lahore nach denShalimar Gardens(4 km onö. vom Hauptbahnhof) auf der »Grand Trunk Road«, l. (3 km) das Tor des RosengartensGulabi Bagh(von Sultan Beg, Admiral des Schahs Jahan, erbaut) und gegenüber, 1 km sö. von der Straße, das Grabmal des BaumeistersAli Mardan Khan(der 1637 für Schah Jahan die Shalimar-Gärten anlegte). Die einst weltberühmten, leider verfallenen *Gärten von Shalimarhaben drei Terrassen mit 450 Fontänen. In ihrer Umgebung, besonders südl. der Straße, liegen noch andre, teilweise ebenfalls sehenswerte Gärten.
Die Fahrt mit der North Western Railway von Lahore nach Peshawar (288 M in 171/2St.) berührt (391 M von Delhi)Gujranwala, Geburtsort Randjit Singhs (geb. 2. Nov. 1780, Maharadscha, genannt »Löwe des Punjab«).—Bei (452 M)Jhelum(Dschilam) überschreitet die Bahn den vierten der Punjabflüsse und tritt bald darauf aus dem Tiefland in das Mittelgebirgsland, das sich in etwa 500 m durchschnittlicher Seehöhe hier in großer Breite dem Himalaja vorlegt. Man sieht im N. die bis 4730 m hohen Schneegipfel Kaschmirs.—(523 M)Rawal Pindi(520 m;Flashman's Hotel, gut, Pens. 8 Rup.;Limetree Hotel, am Bahnhof;Imperial Hotel, Havelock Road, Pens. 8 Rup.;Rawal Pindi Hotel;Mellors Hotelu.a.Droschkennach Tarif; Banken:Alliance Bank,Commercial Bank of India), eine junge Stadt mit 86248 Einw. (1/2Mohammedaner), starke Festung und größte Militärstation des nördl. Indiens (6 Regimenter und 5 Batterien), liegt am r. Sohanufer; Handel mit Kaschmir.
Von Rawal Pindi nach Srinagar in Kaschmir.195 M = 314 km; einer der besten Zugänge nach Kaschmir, in 3 Tagen auf guter Landstraße zurückzulegen; dreisitzige Tonga 124 Rup., ein Sitz 48 Rup. (geliefert von der FirmaDhaujibhoy & Son, Hin-und Rückfahrt 228 Rup.); die Posttonga fährt nachts nicht; Ekkas für Diener und Gepäck 22 Rup. Die Reise ist für mindestens 8tägigen Aufenthalt in Kaschmir sehr lohnend, aber sehr anstrengend; die Tonga ist ein zweiräderiger, niedriger Karren mit drei Sitzen, Gepäck kann wenig mitbefördert werden. Man muß 3 Tage lang je 10 St. mit1/2St. Mittagspause in schlecht gefedertem, unbequemem Wagen, der fast nur im Galopp fährt, mit häufigem Pferdewechsel, sich zusammenrütteln lassen. Der starke Staub verursacht leicht Augenentzündung. Im Winter ist die Fahrt der Kälte wegen nicht ratsam. Man kann auch in bequemern Landauern fahren, die aber sehr teuer sind und 4 Tage brauchen. Die Dâk Bungalows unterwegs sind meist gut, haben aber nur leere Bettgestelle, also Reisebettzeug mitnehmen! Ausflüge von Srinagar in das Alpenland erfordern Zelt, Feldküche, Ponies zum Reiten und Gepäcktragen; diese Ausrüstung wie auch Träger können in Srinagar durchCockburn's Agencybeschafft werden (am besten vorher briefliche Abmachungen).Man fährt über (37 M)Murree(2300 m;Powell's Hotel;Rowbury's Hot.), einen Höhenluftkurort mit europäischer Temperatur, mit Sanatorien und Kasernen, hinter denen sich 2700 m hohe Berggipfel erheben; im Sommer sind viele britische Truppen hier in der Sommerfrische.
Dann Abstieg in das tief eingeschnittene, enge Durchbruchstal des Jhelum (Dschilam) nach (64 M)Kohala(guter Dâk Bungalow); von hier talaufwärts (das Tal ist im Sommer so heiß, daß Dattelpalmen gedeihen, und man am besten frühmorgens oder abends fährt; im April und Mai prächtige Schneegebirgslandschaft) über eine Hängebrücke (Zoll!) über (75 M)Dulai(guter Dâk Bungalow) nach (85 M)Domel(guter Dâk Bungalow), wo das Tal eine scharfe Biegung nach SW. macht, aber immer noch eng bleibt, über (99 M)Garhi(guter Dâk Bungalow) und (108 M)Hattiin wild-schöner Landschaft nach (1191/2M)Chagoti(Dâk Bungalow über der Drehbrücke); dann folgt (133 M)Uri(guter Dâk Bungalow) und (146 M)Rampur(Dâk Bungalow), von da ebene Straße nach (162 M, 261 km)Baramula(guter Dâk Bungalow), kleinem Ort am untern Ende des weiten Hochgebirgsbeckens von Kaschmir, das einst von einem großen See eingenommen war; hier mieten Reisende, die längere Zeit in Kaschmir bleiben wollen, ein Hausboot (Preis je nach Größe und Einrichtung mit Bootsleuten 30-150 Rup. monatlich) zu schönen Ausflügen auf dem großenWularseeund nach Srinagar. Von Baramula fährt man in 3 St. mit Wagen (Hausboot braucht dazu einen Tag) nach(195 M, 314 km)Srinagar(1600 m), d. h.heilige Stadt, auchSuradjnagaroderKaschmirgenannt, Stadt mit 126358 Einw. (5/6 Mohammedaner), Sommerresidenz des Maharadscha von Kaschmir und Jammu, im prachtvollen Kaschmirtal am Jhelumfluß gelegen.Unterkunft:Dâk Bungalow;Nedou's Hotel, sehr gut; viele Besucher leben in Hausbooten oder Zelten; beste Zeltplätze imChenar Baghfür Junggesellen, imMunshi BaghundRam Bagham r. Flußufer nahe der englischen Kirche; ferner am Dal-Den imNasim Bagh. Der Agent des Maharadscha gibt Auskunft für Reisende über Unterkunft, Preise, Kulis etc.;Cockburn's Agencybesorgt Boote, Zelte und jede andre Ausrüstung; englische Ärzte in den Missionen und beim Residenten, wo man auch amtliche Vorschriften für das Reisen im Lande erhält.Bank:Punjab Bank.Leihbibliothekvorhanden.Photographen:Millais;Jadu Kishan.—Die Stadt hat enge, oft übelriechende Straßen mit Holzhäusern, darin eine prächtige, aus Zedernholz mit reichen Schnitzereien hergestellte Hauptmoschee (Jama Masjid). Man besteige zunächst den Hügel *Takht-i-Suleiman(300 m über der Stadt), auf dem ein Tempel steht; eine gerade Pappelallee führt hinauf, oben prachtvoller Blick auf das »Glückliche Tal«. Auch der Aufstieg auf den 76 m hohen FestungsbergHari Parbatim N. der Stadt ist sehr lohnend.Bootsfahrtauf dem malerischenDal(City Lake) nö. der Stadt, vorbei an den schwimmenden Gärten (man lese Thomas Moore: »Light of the Harem« und »Lallah Rookh«) nachNishat Bagham Ostufer, dann nach dem vom Schah Jahangir erbauten LustschloßShalimar Baghin der NO.-Ecke des Sees mit Reiherstand, von da zum »Garten des Segens«Nasim Bagham NW.-Ufer und zurück am DorfeHazrat Balvorbei, am Westufer nach S. durch den Kanal unterhalb Hari Parbat und den Nasim Bagh-Kanal nach dem Dal Gate. —Ausflugvon Srinagar auf verschiedenen Wegen, zuerst mit Boot, dann zu Wagen nach (ca. 26 km)Gulmarg(Schatten der Rosen), in einem Tage, einer kühlen, etwas feuchten Sommerfrische (Nedou's Hotel, gut; Besucher wohnen auch in Holzhütten oder Zelten), 2590 m ü. M., mit Ausblick auf den 8120 m hohenNanga-Parbat.
DieEisenbahnführt von Rawal Pindi weiter, zuletzt hinab in das hier breite Industal und bei (581 M)Attock, nahe der Vereinigungsstelle des Kabulflusses mit dem Indus (Stat.Attock Bridge, Dâk Bungalow), über den 200 m breitenIndusauf einer fünfbogigen Gitterbrücke. Das starke FortAttockbeherrscht den Zugang zu Vorderindien von NW. her; alle Eroberer Indiens, so Alexander d. Gr. 326 v. Chr., Timur 1397, Schah Nadir 1738 u. a., drangen durch das Kabultal und über Attock ein, daher ist die kleine Festung noch jetzt strategischwichtig. Die Bahn bleibt nun in der Ebene des Kabulflusses, passiertPeshawar, die Hauptstadt der neuen nordwestlichen Grenzprovinz und Sitz eines High Commissioner, in ungesunder Lage, mit ziemlich extremen Temperaturverhältnissen (Juni 32,9°, Januar 9,8°, gelegentlich kommen Fröste vor), 97392 Einw. (3/4Mohammedaner), engen, gewundenen Gassen, vielen Basaren für den wichtigen Durchfuhrhandel von Kabul, Buchara und Zentralasien, dem alten PalastBala-Hissar, mit vielen Moscheen und den Resten einer berühmten mohammedan. Akademie. ImMuseumreiche archäologische Funde: »Gandharaskulpturen« aus der Umgegend, besonders aus Sari Bohlol, 40 km nö. von Peshawar.—3,5 km westl. liegt der Endpunkt der Bahn, (627 M, 999 km)Peshawar Cantonment Station(Dâk Bungalow;Flashman's Hotel, Pens. 7 Rup., nahe dem Bahnhof;Droschkennach Tarif;BankPunjab Banking Co.—Geschäftefür mittelasiatische Waren in der Stadt:Safdar Ali;Haji Rahman); in öder Ebene das an die Stadt gelehnte englische Truppenlager (über 20000 Mann), Stützpunkt für Unternehmungen gegen Afghanistan. Peshawar verdient trotz mangelhafter Unterkunft mehrtägigen Aufenthalt schon wegen des Ausflugs zum Khaiberpaß, dessen Besuch leider seit 1910 aufeinenWochentag beschränkt ist.
Ausflugnach dem *Khaiberpaß, der südl. des unzugänglichen Durchbruchs des Kabulflusses den Safed Kuh, das Grenzgebirge zwischen Afghanistan und Indien, überschreitet und die Verbindung zwischen Afghanistan und der indischen Nordwestprovinz herstellt. Zu seinem Besuch ist eine Erlaubnis des »Political Officer in charge« in Peshawar nötig. Ausflug zu Wagen (14 Rup.) 5 St. hin und zurück, interessant sowohl landschaftlich wie wegen des regen Karawanentreibens. Man fährt auf guter Straße bis zum (17 km)Fort Jamrud(501 m; Dâk Bungalow), am Ostende des Passes, mit starker englischer Besatzung. Der nach Afghanistan führendeKhaiberpaßzieht 53 km lang in Windungen bis 1011 m Höhe über das Gebirge; er ist nur Dienstags und Freitags für Karawanen geöffnet, wird dann vom Afridi-Stamm (Khaiber Rifles) bewacht, die auch die befestigten Posten (26 km)Ali Musjid(730 m) undLandi Kotal(520 m) besetzt halten. In Ali Musjid, wo die englischen Befestigungen gegen Afghanistan beginnen, muß man leider umkehren. Die Fahrt des deutschen Kronprinzen bis Landi Kotal war eine besondere Höflichkeit. Neuerdings dürfen sogar englische Offiziere nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Oberkommandierenden (zurzeit General James Wilcocks) bis Landi Kotal reisen. Die wilde, malerische Landschaft des Passes ist sehr sehenswert.—Eine Eisenbahn von Peshawar bis Landi Kotal ist im Bau.
Eisenbahn:North Western Railwayvon Lahore über Mooltan und Hyderabad (Sindh) nach (784 M) Karachi, Schnellzug in 24 St. für I. Kl. 58 Rup. 6 annas, II. Kl. 29 Rup.Die »Industalbahn« führt durchweg durch Gebiete, die viel mehr vorderasiatischen als indischen Charakter tragen. Die beiden großen Landschaften, die sie durchfährt, das Punjab und das Sindh, sind wirtschaftlich geeint durch den Indusstrom, klimatisch einander ähnlich als Trockengebiete, die nur spärliche und unregelmäßige Regen empfangen und großenteils geradezu wüstenhaft sind. Die von O. her ziemlich nahe an das untere Industal herantretende Wüste Thar soll streckenweise die Sahara an Öde und vollkommener Vegetationslosigkeit übertreffen. Der Indus hat für das Sindh eine ähnliche kulturelle Bedeutung wie der Nil für Unterägypten, aber es bestehen doch gewisse schwerwiegende Unterschiede:
während die alljährliche Anschwellung des Nils, die auf der Regenzeit in Innerafrika beruht, regelmäßig und ruhig verläuft, nimmt die des Indus nicht selten dadurch stürmischen Charakter an, daß sich der normalen Sommerflut, die durch die Schneeschmelze im obern Einzugsgebiet des Stromes erzeugt wird und im Unterlauf ihren Höhepunkt im Juli erreicht, noch Regenwasserwellen aufsetzen, die auf den Sommerregen im Punjab beruhen. Dadurch ist der Mensch gezwungen worden, den Strom in Dämme einzuschließen. Die befruchtende und befeuchtende Wirkung der Indusfluten kann daher nur durch Vermittelung von Kanälen erfolgen, die zahlreich vom Strome abgezweigt sind. Sie ermöglichen, daß ein etwa 20 km breiter Kulturstreifen den Indus begleiten kann. Ähnlich liegen die Verhältnisse längs der Punjabströme, doch sind hier die Kulturstreifen nicht so breit, und die Hochwasserbetten sind durch breite Kies-und Schotterflächen bezeichnet. Die Erträgnisse dieser Kulturstreifen, in denen die Dattelpalme vielfach der auffallendste Baum ist, wie das Kamel das häufigste Nutztier, wo Akazien, Pappeln, Tamarisken und andre Gewächse trockner Zonen gehölzbildend auftreten, sind mannigfaltig: Baumwolle, Ölsaaten, Zucker, Indigo, namentlich aber Weizen, dessen Anbau in neuerer Zeit rasch zugenommen und das Aufblühen von Karachi, das als Ausfuhrhafen dient, verursacht hat. Als Verkehrsstraße hat der Indus trotz seines geringen Gefälles im Unterlaufe nur wenig Bedeutung, weil die Arme des Deltas, mit dem er mündet, für Schiffe unbenutzbar sind; denn auch darin ist der Indus gegen den Nil benachteiligt, daß er nicht wie letzterer in ein ruhiges Meer, sondern in ein solches mit lebhafter Gezeitenbewegung mündet. Durch die Flut werden die massenhaften Sinkstoffe immer wieder flußaufwärts getragen und verschlämmen die Mündungen. Die Dampfschiffahrt reicht daher nur von Tatta am Hauptmündungsarm bis Mooltan am Jilam. Den Hauptverkehr vermittelt die Industalbahn.
Von Lahore (S.76) führt die Bahn über (116 M)Harapa, einen kleinen Ort, wo Alexander d. Gr. einen Sieg erfocht, nach der sehr alten Stadt (207 M)Mooltan(Erfrischungs-und Warteraum, Dâk Bungalow) mit alten Grabdenkmälern, 85708 Einw., meist Mohammedaner; wichtiger Stapelplatz für die an Bodenerzeugnissen reiche Umgebung. Ein Stück südl. davon passiert die Bahn das alte Bett des Biasflusses, der jetzt weit oben in den Sutlej mündet, früher aber diesem parallel in den Jilam floß. Weiter auf der (270 M)Adamwahanbrückevon 1287 m Länge über den Sutlejfluß nach (272 M)Bahawalpur(Dâk Bungalow), Hauptstadt eines Eingebornenstaates mit 15000 Einw. (4/5Mohammedaner), mit sehenswertem Palast des Nawab. Bei (488 M) Rohrizweigtdie Bahnlinie nach Belutschistan und Afghanistan ab; Rohri liegt malerisch am l. Ufer des Indus auf felsiger Höhe, die 4-5 stöckigen Häuser haben flache Dächer mit Geländern; die große Moschee (Jama Masjid) ist ein schöner roter Ziegelbau, die drei Kuppeln mit Porzellanziegeln gedeckt. Bei Rohri sind die großen Bewässerungsschleusen desEastern Nara-Kanals.
(674 M)Hyderabad (Sindh),Haidarabad(guter Dâk Bungalow im Cantonment;Brind's Hotel;Bank of Bengal; Droschken nach Tarif), Distriktshauptstadt der Provinz Sindh der Präsidentschaft Bombay, am Beginn des Indusdeltas gelegen, mit 75964 Einw. (Hindus und Mohammedanern), 6 km östl. vom Indus, wahrscheinlich von Alexander d. Gr. gegründet, hat Industrie in Seidenstickereien, Juwelier-und Lacksachen. Sehenswürdigkeiten sind das alte, sehr unregelmäßig geformteFortmit dem alten Palast MirNasir Khans, jetzt Absteigequartier hoher britischer Offiziere; vom Fort über dem Torweg interessanter Ausblick auf den Basar mit buntem Völkergemisch. Auf dem Nordende des Hügels der Stadt sind die Grabmäler der Kalhoras-und Talpura-Fürstengeschlechter. Die Bahn kreuzt nun den Indus und führt nach
(784 M)Karachi(mehrere Bahnhöfe; wer nicht sofort an Bord des Dampfers muß, steige Station Frere Street, auch Cantonment Station genannt, aus).
Gasthöfe:Paul's Hotel, dicht bei Frere Street Station, gut;—The Devon Villa Hotel, gut.Banken:National Bank of India;Bank of Bombayetc.Klubs:Sindh Club;Gymkhana, Ladies Club;Golf Club.Zeitung: »Sindh Gazette.«Konsulate: Deutsches Reich: KonsulA. Thöle; Österreich-Ungarn: KonsulW. U. Nicholas, VizekonsulK. S. Anderson.Dampfer:Österreichischer Lloyd(Anderson & Co., Tel.-Adr.: »Lloydiano«), monatlich nach Triest in 20 Tagen;Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa(Bremen);British India Steam Nav. Co.(Mackinnon, Mackenzie & Co.), wöchentl. nach Europa und Bombay sowie nach dem Persischen Golf;Messageries Maritimes(H. Curjel Bombay Co.), monatl. nach Marseille; außerdem noch andre britische Linien.Geschäfte:Sadar Bazaar, gut.
Karachi(Kurrachee, Karatschi), Distriktshauptstadt der Provinz Sindh, mit 159270 Einw., am äußersten Nordwestende des Indusdeltas (nahe dem Fuße des Pabgebirges, des Grenzgebirges gegen Belutschistan, gelegen), ist trotz seiner Entlegenheit zum größten Teile Indiens und trotz seines steter Versandungsgefahr durch die Sinkstoffe des Indus unterliegenden Hafens der drittgrößte Seehafen Indiens geworden (1910 liefen 525 Schiffe mit 758000 Reg.-Ton. ein), weil es unter der Herrschaft der Engländer (seit 1842) als Hauptausfuhrhafen des Punjabs dient; Einfuhr von Eisenbahnmaterial, Stückgütern, Metallen, getrockneten und gesalzenen Fischen etc.; Ausfuhr von Baumwolle, Weizen, Wolle, Ölsaat, Häuten, Apothekerwaren, Pferden. Die Stadt hat Handelskammer, Baumwollpressen, Eisenwerke, Schiffswerft mit Trockendock, Kohlenlager. Der Seehafen ist durch Wellenbrecher geschützt und mit modernen Kaianlagen, Ladebrücken etc. gut versehen. Die vorgelagerte HalbinselManoraist durch mehrere Küstenforts verteidigt. Die Eingebornenstadt nahe am Hafen ist eng gebaut und stark bevölkert; der europäische Stadtteil weiter aufwärts am Layarifluß macht einen ganz modernen Eindruck, weitläufig und regelmäßig angelegt, mit vielen schönen Gebäuden, darunter dieFrere Hallmit Bibliothek, Ball-und Versammlungssälen. Sehenswürdigkeiten enthält die Stadt nicht, doch wird sie infolge ihrer Handelsbedeutung besucht.
Eisenbahn:East Indian RailwayvonDelhiüberAligarhnachAgrain 6 St. für I. Kl. etwa 11, II. Kl. 6 Rup.; —Great Indian Peninsula Railway(»Agra-Delhi Cord Line«) überMuttrain 41/2St. (Speisewagen).Die Great Indian P. R. ist die direkte Linie; sie hält sich in der Nähe des r. Jumna-Ufers, an dem sowohl Delhi wie Agra liegen. Die East Indian R. beschreibt einen Bogen durch das Gebiet zwischen Jumna und Ganges und überschreitet zweimal die Jumna. Sie durchfährt in ihrer ganzen Erstreckung die »Vereinigten Provinzen« (Agra und Audh), während die Great Indian zunächst den Südostzipfel des Punjabs durchläuft.
Obgleich das Land mit Hilfe der Kanäle, die seit 100 Jahren namentlich in dem zwischen dem Ganges und der Jumna gelegenen Gebiete angelegt worden sind, reich angebaut ist, macht sich die Trockenheit des Klimas in den der Regenzeit unmittelbar vorhergehenden Monaten (Februar bis Mai) durch große Dürre und Staubplage recht bemerkbar.
VonDelhi(S.70) führt die East Indian Railway zunächst nach
(78 M)Aligarh(Kellner's Refreshment and Sleeping Rooms, am Bahnhof, bequem für kurzen Aufenthalt, auch Schlafgelegenheit; guterDâk Bungalow), Distriktshauptstadt und sehr alte Festung, die die StadtKoilschützt; mit dieser zusammen 63715 Einw. (2/3Hindu,1/3Mohammedaner), Sitz desAnglo-Oriental Collegezur Erziehung vornehmer Mohammedaner. Anfang Februar hier eine sehenswerte Messe. Beim dritten Meilensteine (5 km) südl. von Aligarh an der Straße ein riesiger heiliger Banyanfeigenbaum (Ficus religiosa), und in dessen Nähe ein Malteserkreuz zur Erinnerung an einen Überfall englischer Truppen während des Aufstandes 1857.—Bei (127 M)Tundla Junction(Bahnwirtsch.) muß man event. in den Zug nach Agra umsteigen, der in entgegengesetzter Richtung auf einer andern Linie noch 24 km westl. bis Agra läuft. Dicht vor Agra führt die Bahn auf großartiger vierbogiger Brücke über den Jumna-Fluß.
Fährt man mit der Great Indian Peninsula Railway, so empfiehlt sich der Besuch von (89 M)MuttraoderMathura(Dâk Bungalow), uralter Stadt (schon Ptolemäus bekannt) von 60000 Einw., am r. Jumna-Ufer. Muttra wurde 1017 vom Afghanenfürsten Mahmud seiner kostbarsten Tempelschätze beraubt, ist noch heute mit der kleinern, 10 km stromauf an der Jumna gelegenen StadtBrindaban(einem hochheiligen Wallfahrtsort der Hindus) einer der Hauptsitze der Brahmanen, mit zahlreichen Tempeln, in denen der Krischnakult gepflegt wird. Bootfahrt auf der Jumna, wo morgens Tausende vor den Tempeln baden (ein kleines Benares).
(142 M, 228 km)Agra(204 m), AnkunftFort Stationoder (über Muttra) aufCantonment (Road) Station, 10 Min. von den Gasthöfen.
Gasthöfe:Hotel Cecil(Hotz, Schweizer), I. Ranges, Deutsch gesprochen, sehr gelobt, Pens. von 8 Rup. an.—Laurie's Great Northern Hotel(20 Min. sw. vom Bahnhof), Pens. 7 Rup.—Metropole.—Savoy, Pens. 6 Rup.—GuterDâk Bungalownahe dem Postamt am Drummond Road.—Speiseräume im Bahnhof.—Droschkennach Tarif.—Post u. Tel.nahe beieinander, 2,5 km südl. vom Bahnhof.—Polizeiämter1 km nw. vom Bahnhof.—Geschäftsadressen:Bank of Bengal, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.—TeppichfabrikOtto Weylandt(deutscher Besitzer), nahe Ftimad-ud-daulah.— Schals, Gold-und Silberstickereien:Ganeshi Lall & Sons, Johari-Basar.— Seifenstein und Marmormosaik:Nathoo Ram, gegenüber Agra College.—Miniaturmaler:Badri Pershad.—Photograph:Priya Lal.Zeiteinteilung.1. Tag: Vm. Fort, Nm. Fahrt nach Sikandarah, abds. nach Dinner *Taj Mahal (bei Mondschein); —2. Tag: Vm. Taj Mahal (bei Sonnenaufgang), dann Fahrt zum Ftimad-ud-daulah-Grab, zu Weylandt (Teppichfabrik) und Chinika-Roza-Grab, Nm. 2 Uhr mit Auto (Pers. 10 Rup.) in 1 St. nach Fatehpur-Sikri;—3. Tag: Nochmals Fort und Stadt.Geschichtliches.Unter dem Lodhikönig Nizam Iskander (1488-1517) ward Agra, damals noch ein Dorf, Residenz; 1526 wurde es von Baber, dem Begründer des mohammedanischen Reiches der Großmoguln, genommen, der es jedoch wieder an die Afghanen verlor. Erst Akbar besetzte es 1559 dauernd und machte es zur Hauptstadt. Schah Jahan I. (1632-56) errichtete die Prachtbauten.Aber schon Aurangzeb (1656-1706) verlegte die Residenz nach Delhi, und nach seinem Tode wurde die Stadt von den Dschat, Persern, Afghanen etc. verwüstet, bis die Ostindische Kompanie sie den Mahratten nahm. Während des Sepoyaufstandes im Juli 1857 wurden die Engländer im Fort belagert, aber am 10. Okt. vom Oberst Greathed entsetzt.
Plan von Agra.Plan von Agra.
Agra, Hauptstadt der Division Agra, hat mit der Garnison 182419 Einw. (2/3Hindu,1/3Mohammedaner, einige tausend Christen), starke Industrie in Schuhen, Pfeifen, Goldtressen und schönen Mosaikarbeiten sowie lebhaften Handel mit baumwollenen und feinen wollenen handgeknüpften Teppichen (die Fabrik des Deutschen, Herrn Otto Weylandt, ist sehr sehenswert) und bearbeiteten Steinen. Agra besitzt vier Colleges und ist Sitz der obersten Divisionsbehörden. —Die Stadt liegt in dem großen Bogen, den die schiffbareJumna(Dschamna) hier nach O. macht; in der Tiefe des Bogens das Fort, südl. davon die Kasernen und nw. die Regierungsgebäude, dazwischen die besser als in andern indischen Städten gebauten Eingebornenviertel. Agra ist reich an Prachtbauten im reinsten maurischen Stil, die auf die Zeit zurückgehen (Mitte des 17. Jahrh.), da die Stadt die Residenzder mohammedanischen Großmoguln (turktatarischen Stammes, mit persischer Umgangssprache) war.
Rundgang: Das *Fort(zweimaliger Besuch von je 21/2-31/2St. sehr lohnend, es ist das schönste und mannigfaltigste seiner Art in Indien), aus rotem Sandstein etwa 1568 von Akbar begonnen, von seinem Sohn Jahangir fortgesetzt (die meisten Bauten stammen vom Schah Jahan, dem kunstsinnigen Enkel des großen Kaisers), berührt mit dem Nordturm das rechte Jumna-Ufer; seine Mauern sind fast 21 m hoch; sein »Water Gate« (Pl. 2) ist geschlossen, Haupteingang von NW. durch dasDelhi Gate(Pl. 1); außerdem am Südende dasAmar Singh Gate(Pl. 3). Innerhalb des Delhi Gate ist noch ein zweites Tor,Elephant GateoderHathi Pol. Geradeaus geht man über den Mina-Basar zur *Perlmoschee(Moti Masjid, Pl. 4), der schönste weiße Marmorbau mit drei Kuppeln und prächtiger Vorhalle, in deren Mitte ein Marmorbecken.—R. von der Moschee der große Zeughausplatz, vor dessen Ostseite die große öffentliche AudienzhalleDiwan-i-Am(Pl. 5), mit Thronstufen in der Mitte. Einige Stufen führen nun in den großenPalast Schah Jahans(Pl. 6), der aus vielen prächtigen Einzelbauten von weißem Marmor besteht; zunächst vorbei amMachhi Bhawanzur kleinen dreikuppeligen »Edelsteinmoschee« (Naginah Masjid), für die Königinnen bestimmt; darunter lag ein Basar, wo die Hofdamen Einkäufe machten. Oberhalb nach dem Fluß auf offener Terrasse ein schwarzer Thron; südl. davon die Hausmoschee des Kaisers (Mina Masjid) und weiterhin die wunderbar schöne PrivataudienzhalleDiwan-i-Khasmit Ausblick auf den Fluß und die Gärten (1637 erbaut). Im kleinsten Marmorsaal wurde der von seinem Sohn Aurangzeb entthronte Jahan 7 Jahre gefangen gehalten, gepflegt von seiner Tochter Jahanara; Jahan starb im kleinen Pavillon (mit schönen Fenstern), die Augen nach dem Taj Mahal (s. unten) gerichtet. Eine Treppe führt zumSaman Burj, eigentlichJesamine (Yâsmin) Burj(Jasminturm, Wohnung der Favoritsultanin), mit Springbrunnen in einem schönen Pavillon; südl. daneben der »Goldene Pavillon« mit vergoldetem Dach und Frauengemächern; westl. von diesen Pavillons lagen die Marmorbäder der Prinzessinnen; von da durch den Weingarten (Anguri Bagh) gelangt man zu demShish Mahal(Spiegelpalast) in der NO.-Ecke des Gartens. Der alte, sehr sehenswerte, aus rotem Sandstein erbauteJahangir Mahal(oderAkbar-Palast) am Südende der übrigen Bauten ist gut erneuert und hat prächtige Sandsteinornamente.— Nahe vor dem Delhi Gate nw. jenseit der Bahn liegt dieHauptmoschee(Jama Masjid), erbaut 1644 vom Schah Jahan zu Ehren seiner Tochter Jahanara; nördl. davon dieKalan Masjid, älteste Moschee in Agra.—Von da fahre man über die Eisenbahnbrücke nach dem prachtvollen *Mausoleum von Ptimad-ud-daulah, einem reichgeschmückten weißen Marmorbau mit Mittelkuppel und vier Ecktürmen mitten in herrlichem Park; es enthält sieben Gräber, in der Mitte das des Wesirs Ghiyas Beg, Schwiegervaters Schah Jahangirs und Vaters der Nur Jahan.—Die Hauptsehenswürdigkeit Agras (etwa 3 km sö. von den Gasthöfen) ist der **Taj Mahal(kurzTadschoderTadschmahal= Kronpalast, eigentlichTaj bibika Roza= Grab der Kronendame), »ein Traum in Marmor«, am r. Ufer der Jumna; es ist das aus weißem Marmor ausgeführte und auf einer 18 m hohen Plattform ruhendeMausoleum Schah Jahans(regierte 1628-58) und seiner Lieblingsgattin Mumtaz-i-Mahal (Stolz des Palastes, gest. 1629), mit weithin sichtbarer Kuppel von 18,8 m Durchmesser, woran 20000 Arbeiter 22 Jahre unter Leitung des Baumeisters Austin von Bordeaux gearbeitet haben sollen. Der Taj ist vielleicht das schönste und stimmungsvollste Denkmal ganz Indiens und gilt für edler als die Alhambra und andre berühmte maurische Bauten. Im Innern, umschlossen von einem zart in Marmor ausgeführten Gitterwerk, stehen zwei Kenotaphe, die wie die Wände reich mit Blumen aus kostbaren Steinen und mit anmutigen Ornamenten geschmückt sind. Umgeben ist das Gebäude von einem prachtvollen Garten, in dem herrliche Zypressen und ein langes, geradliniges Wasserbecken mit vielen Springbrunnen liegen. Der Eingang zum Taj ist durch dasTaj Ganj Gate, das zu dem prächtigen großen *Torweg (Great Gateway) des Gartenhofs führt (mit 26 Marmorkuppeln!); außerhalb eine schöne Karawanserei und andre Gebäude aus rotem Sandstein. Es ist dringend zu empfehlen, den Taj mehrmals, und womöglich einmal bei Mondschein, zu besuchen. NB. Die Hotels wissen die Zeiten, wann der Taj bis Mitternacht geöffnet bleibt! Im Mausoleum beten und bringen Blumen zu den Sarkophagen Vertreter aller Religionen Indiens, Hindus, Buddhisten, Mohammedaner und Parsi.