Chapter 9

Kickxia latifolia Stapf.A Zweigstück, B Knospe, C Blüte, D dieselbe von oben, E Kelchblatt von innen, F Längsschnitt durch die Blüte, G Antheren, H Fruchtknoten mit Griffel.

Kickxia latifolia Stapf.

A Zweigstück, B Knospe, C Blüte, D dieselbe von oben, E Kelchblatt von innen, F Längsschnitt durch die Blüte, G Antheren, H Fruchtknoten mit Griffel.

Bis zu dieser Faktorei bei Bokabo kommen die Bateke aus dem Innern des Congo français, um ihren Kautschuk zu verkaufen. Am Nachmittage erschienen auch wieder einige, welche wenige Zähne Elfenbein und einige Taschen voll Kautschuk brachten. Der Kautschuk war in große Kugeln geformt, welche einen ziemlich reinen Schnitt zeigten, aber doch viele Hohlräume besaßen. Nach Angaben der Leute stammte er von Landolphien her. Diese Bateke hatten eine interessante Haarfrisur. Die nach dem Scheitel zusammengekämmten Haare waren zu einem langen, stumpfen Kamme zusammengeflochten, welcher sich von der Stirn zum Hinterkopfe zog.

Da von seiten dieser Faktorei oberhalb des Dorfes Bokabo Holz für passierende Dampfer des holländischen Hauses geschlagen wird, so beschloß unser Kapitän, dorthin zu fahren, um sich mitHolz zu versehen. Am Morgen des 14. November dampften wir ab, nun wieder stromauf. Um die Strecke bis zu dem Holzposten zurückzulegen, wozu ein Canoe gewöhnlich 1 bis 1½ Stunden gebraucht, waren wir drei Stunden auf der Fahrt. Erst gegen 1 Uhr war dann das Holz auf dem Dampfer verstaut, so daß wir an die Weiterreise denken konnten. Auf der Rückfahrt hielten wir noch bei der Bokabo-Faktorei an, um Post nach Brazzaville mitzunehmen, dann setzten wir ohne Unterbrechung die Fahrt bis 4 Uhr nachmittags fort. Die „Marie“, ein kleiner Dampfer eines französischen Hauses, kam vor uns den Strom hinauf. Das gab nun natürlich dem Kapitän unseres Dampfers wieder Grund, anzuhalten, um zu gleicher Zeit mit dem Kapitän der „Marie“ für den Rest des Tages sich festzulegen. Unsere Fahrt nach dem Stanley-Pool, die ja schon allerdings eine sehr langsame war, wurde auf diese Weise immer mehr verlängert. Am 15. November ereilte uns nun gar erst das Unglück. Wir hatten den Dampfer „Brazzaville“ getroffen und natürlich wieder für einige Zeit die Fahrt unterbrochen. Der Kapitän kam schließlich in ziemlich benebeltem Zustande wieder zurück und ließ die Fahrt fortsetzen. Ich machte ihn damals schon auf einen heraufziehenden Tornado aufmerksam, welcher in Kürze ausbrechen mußte. Er lachte nur und behauptete, dagegen mit der „Holland“ anfahren zu können. Der Tornado brach bald darauf aus und trieb den Dampfer, welchen er wie eine Feder erfaßte, gegen Felsen und Baumstämme, so daß wir ein großes Leck erhielten und sich die ganzen unteren Räume im Vorderteile des Schiffes bald mit Wasser füllten. Zu unserem Glücke wurden wir dann gegen eine Sandbank aufgetrieben, so daß wir gerettet waren.

Den Nachmittag sowohl des 15. November wie den ganzen Vormittag des nächsten Tages dauerten nun die Reparaturen, welche glücklicherweise an Ort und Stelle ausgeführt werden konnten. Unsere Fracht, welche nicht leicht verderben konnte, denn sie bestand fast nur aus Elfenbein, mußte ausgeladen und an Land gebracht werden. Ich benutzte wieder diesen Zwischenfall zu Streifereien in den Wäldern, um nach Kautschuk zu fahnden. Landolphia owarilusis war ziemlich verbreitet, außerdem noch eine windende Carpodinusart, welche keinen Kautschuk gab. Von einer kleinblütigen Landolphie fand ich im Walde noch auf dem Boden Blüten, konnte der Pflanze selbst aber nicht habhaft werden, obgleich ich lange danach suchte.

Landolphia owariensis P. Beauv.A Blühender Zweig, B Knospen, C Blüte, D Längsschnitt durch dieselbe, E Längsschnitt durch den Fruchtknoten, F Griffel, G Anthere von vorn, H dieselbe von der Seite.

Landolphia owariensis P. Beauv.

A Blühender Zweig, B Knospen, C Blüte, D Längsschnitt durch dieselbe, E Längsschnitt durch den Fruchtknoten, F Griffel, G Anthere von vorn, H dieselbe von der Seite.

Endlich nach 2 Uhr konnten wir die Fahrt fortsetzen. Die hügeligen, zum großen Teile bewaldeten Ufer boten einen recht pittoresken Anblick dar mit ihren häufig steil abfallenden Wänden. Am Ufer des Stromes dehnten sich mächtige Sümpfe aus, welchegroßen Scharen von Vögeln Schutz boten. Gegen Abend legten wir uns mit einbrechender Dämmerung wieder am Ufer fest. Der 17. November endlich brachte die Erlösung von dieser furchtbaren Reise. Da wir früh aufgebrochen, fuhren wir schon gegen 9 Uhr im Stanley-Pool ein und kamen endlich gegen Mittag in Brazzaville bei der Hauptfaktorei des holländischen Hauses an. Noch an demselben Nachmittage fuhr ich nach Kinchassa hinüber. Dort besuchte ich noch Herrn Dr.Briartund HerrnVaalbroek, um mich von diesen Herren zu verabschieden. Hier entlief mir auch mein Bangala-Diener, welcher wohl glaubte, daß ich ihn zu weit von seiner Heimat wegführe.

Am 19. November siedelte ich darauf zur Station Dolo über, welche nunmehr nach der sandigen Ebene hinter der ehemaligen alten Station verlegt worden war. Ich hatte so Gelegenheit, noch einmal die Wurzelkautschuk-Pflanze zu sehen, und ließ einige hundert Früchte derselben sammeln, um sie zunächst einmal nach Kamerun überzuführen.

Meine Kickxiasamen, welche ich in der letzten Zeit häufig durchgetrocknet hatte, waren hier noch in gutem Zustande. In der Nacht gab es wieder Scharen von Moskitos.

Am 20. November brachte mich die Eisenbahn, nach einer ziemlich interessanten Fahrt, über die nun in vollem Blütenflor stehenden Savannen nach Tumba, wo wir Passagiere des Zuges wieder für die Nacht Quartier suchen mußten. Am 21. November traf ich dann gegen Abend in Matadi ein. Da ich schon gehört hatte, daß KapitänJensen, welcher mich im Februar nach Lagos gebracht hatte, hier mit der „Leopoldville“ liege, um über Lagos und Sierra Leone nach Antwerpen zu fahren, so ging ich zu ihm an Bord. Da der Dampfer eigentlich keine Passagiere vor seiner Abfahrt annahm, so lud mich KapitänJensenein, bis zur Zeit der Abfahrt sein Gast zu sein.

Am 24. November verließ die „Philippeville“ Matadi und fuhr, ohne sonstwo anzulaufen, bis Boma, wo wir nach dreistündiger Fahrt eintrafen. Da keine wichtigeren Telegramme in Lagos aufzugeben waren, konnte die „Philippeville“ dort nun doch nicht anlaufen, denn sie würde sonst zu spät in Antwerpen eingetroffen sein. Ich beschloß daher, in Banana auf den englischen Dampfer zu warten, welcher bereits seit einiger Zeit erwartet wurde. Mit diesem konnte ich allerdings nicht anders nach Kamerun kommen, als daß ich die ganze Reise bis Angola hinunter machte. Für meine Kickxiasamen war das sehr ungünstig, denn wenn ich mit der „Philippeville“ nach Lagos hätte fahren können, so wäre ich einen ganzen Monat früher in Kamerun eingetroffen.

In Boma machte ich noch Abschiedsbesuch bei Herrn GouverneurVanghermé, um mich daselbst auch für die Unterstützung zu bedanken, welche ich auf meinen Reisen seitens des Congostaates erhalten hatte.

Am 25. November verließ der Dampfer Boma, um nach vier Stunden in Banana einzutreffen. Hier entdeckte ich beim Ausschiffen meiner Lasten, daß ein Kolli mit getrockneten Pflanzen abhanden gekommen sei. Alles Suchen half nichts. Offenbar war das Paket auf der Eisenbahn verloren worden; ich stellte natürlich sofort die nötigen Nachforschungen an.

In Banana quartierte ich mich in dem „Hôtel des Magasins Généraux“ ein, einem am Meere gelegenen Gebäude, welches infolge der angenehmen Brise, welche mehr oder minder beständig hier weht, für Rekonvaleszenten als Aufenthaltsort sehr zu empfehlen ist. Die ganze Einrichtung war allerdings nicht vom allerbesten, doch gab sich der Verwalter die größte Mühe, seinen Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Der Aufenthalt in Banana wäre furchtbar langweilig gewesen, da man keine Exkursionen machen konnte, weil der Dampfer stündlich erwartet wurde, wenn nicht noch Herr Dr.Sucaroaus Leopoldville und der englische Missionar Mr.Forfeitmit seiner Gemahlin anwesend gewesen wären. In dieser angenehmen Gesellschaft verging uns die Zeit schnell genug. Ich hatte außerdem mit dem Lüften meiner Samenkisten und dem Durchtrocknen meiner Lasten immer mehr oder minder zu thun.

Erst am 7. Dezember erschien endlich der langersehnte Dampfer „Niger“, welcher mich hier erlösen sollte. Um besser Erkundigungen betreffs meines verlorenen Pflanzenpakets anstellen zu können, machte ich die Reise nach Matadi noch einmal. Der Directeur d’Exploitation der Eisenbahn, HerrLevi, gab sich die größte Mühe, dasselbe für mich zurückerlangen zu können. Solange wir in Matadi waren, allerdings ohne Erfolg; doch erhielt ich dann später in Kamerun die Nachricht, daß das Paket gefunden worden sei. Bis zum 12. Dezember dauerte unser Aufenthalt in Matadi. Am Nachmittage des folgenden Tages verließen wir die Congo-Mündung bei Banana und nahmen dann einen südlicheren Kurs an der Küste von Angola entlang.

Am frühen Morgen des 14. Dezember fuhr der „Niger“ vor Mussera an, einem kleinen Orte, der auf einem nach dem Meere zu steil abfallenden Hügel liegt. Die Brandung an der ganzen Angola-Küste bis Sao Paulo de Loanda hinunter ist sehr stark und deshalb das Landen der Waren mit ziemlichen Schwierigkeiten verknüpft. Bis zum späten Nachmittage hatten wir zu thun, biswir den für diese Niederlassung bestimmten Cargo gelandet hatten. Von Mussera bis Kissembo dauerte die Fahrt nur zwei Stunden. Die Ortschaft Kissembo ist ganz ähnlich wie Mussera angelegt und fast ebenso groß. Nachdem wir am Morgen des 15. Dezember auch die Ladung für Kissembo gelöscht und die wenigen Exportwaren, bestehend aus Kaffee und sehr wenig Kautschuk, geladen hatten, dampften wir nach Süden weiter und erreichten gegen 10 Uhr die Handelsniederlassung Ambriz. Hier hatte der Dampfer bis zum Abend zu thun, da wir auch einen nicht unbedeutenden Teil neuer Fracht für Europa mitnehmen mußten. Schon bevor die Sonne am 16. Dezember aufging, fuhren wir in den Hafen von Sao Paul de Loanda ein. Sogleich nach dem Frühstück fuhr ich zur Stadt, um unserem deutschen Konsul daselbst, Herrn Dr.Gleim, einen Besuch abzustatten. Gern wäre ich einer Einladung desselben gefolgt und hätte mich länger hier aufgehalten; doch das war nicht möglich, da ich schon sehr viel Zeit im Congo verloren hatte. Auf den Hügeln am Rande der Stadt wuchs Euphorbia rhipsaloides Welw. in großen Quantitäten. Ich konnte mich hier davon überzeugen, daß der Milchsaft dieser Pflanze derartig mit anderen Substanzen vermischt ist, daß das aus ihm durch Koagulation gewonnene Produkt nicht als Kautschuk verwendet werden kann. Ich nahm einige Zweige der Pflanze mit, um sie nach dem botanischen Garten in Victoria (Kamerun) überzuführen. Schon am Nachmittage dampfte der „Niger“ wieder nordwärts. Ich war gerade noch zur rechten Zeit an Bord angekommen. Außer Kaffee und Kautschuk, letzteren in ziemlich unbedeutenden Quantitäten, hatten wir hier auch eine Anzahl großer Ballen geschlagener Blätter von Sanseviera teretifolia als Ladung erhalten.

Bevor wir auf der Rückreise die Congo-Mündung wieder passierten, liefen wir am 17. Dezember noch zwei Küstenplätze an, erst Ambrizette und darauf Mussera. In Ambrizette hatten wir fast den ganzen Tag zu thun, so daß ich es vorzog, an Land zu fahren. Die ganze Küste Angolas litt damals unter einer längeren Dürre, so daß die Vegetation mehr oder minder vertrocknet war. Es gab infolgedessen nichts Interessantes hier für mich zu sehen.

Als wir in der Nacht vom 18. zum 19. Dezember etwa der Congo-Mündung gegenüber waren, hatten wir den seltenen Anblick eines wahrhaft wundervollen Meeresleuchtens. Auch einige Scharen phosphoreszierender Fische zogen in der Nähe des Dampfers vorüber. Am nächsten Morgen erreichten wir Kabinda. Von nun an hatten wir an allen Küstenplätzen bis Kamerun hinauf Palmenkerne als Hauptfracht einzunehmen. Palmenöl und kleinere Quantitäten von Kautschuk kamen auch noch von den meisten Niederlassungenhinzu. Von Kabinda fuhren wir zunächst nach Landana und Chiloango, wo wir eine Fracht von 6000 Säcken Palmenkerne und 250 Tonnen Öl erhielten, so daß wir drei volle Tage daselbst zu thun hatten. Am 23. Dezember liefen wir noch Nyanga und bald darauf Settekama an, erhielten aber keine Ladung. Nun ging es direkt auf Cape Lopez zu, wo wir am Nachmittag des 24. Dezember eintrafen. Ich benutzte unseren kurzen Aufenthalt daselbst zu einer Exkursion in die Sümpfe hinter der Niederlassung. Während des heiligen Abends waren wir auf der Fahrt nach Gabun. Am frühen Morgen des Weihnachtstages erreichten wir Libreville, die Hauptstadt des französischen Congo-Gebietes (Gabun). Da wir nicht die Erlaubnis bekamen, während der Feiertage Cargo einzunehmen, so waren wir gezwungen, 2½ Tage hier zu bleiben. Gleich am ersten Tage machte ich unserem deutschen Konsul HerrnGebauermeine Visite. Einer Einladung, während der Zeit meines Aufenthaltes in Libreville sein Gast zu sein, leistete ich gern Folge, da ich dann nicht immer des Abends zum Dampfer zurückzukehren brauchte und so mehr Zeit hatte, die Umgebung und den botanischen Garten kennen zu lernen. HerrGebauerführte mich auch sogleich zu HerrnChalot, dem Direktor des botanischen Gartens, unter dessen kundiger Führung ich die Sehenswürdigkeiten dieses nach dem Victoria-Garten wohl besten botanischen Gartens von Afrika besichtigen konnte. Unter anderen interessanten Sachen erhielt ich hier Stecklinge einer mit Landolphia sehr nahe verwandten Kautschukliane, der Ancylobotrys pyriformis Pierre, sowie gute Samen von Coffea Chalotii, einer neuen Kaffeeart aus der Ubangi-Region.

Für den 26. Dezember hatten wir eine Besichtigung der etwa zwei Stunden von Libreville entfernt liegendenWoermannschen Sibange-Plantage in Aussicht genommen. Schon früh am Morgen fuhren wir durch die Stadt, soweit die Wege dazu geeignet waren. Als dieselben dann aber schmäler wurden, schickten wir den Wagen zurück und setzten nun zu Fuß die Reise weiter fort. Bald hatten wir die Zone des von den Eingeborenen teils einst kultivierten, teils noch unter Kultur stehenden Landes um Libreville durchschritten und traten nun in einen prachtvollen Urwald ein, welcher an Üppigkeit mit den Wäldern am Fuße des Kamerun-Gebirges wohl rivalisieren kann. Da wir die Sibange-Plantage noch erreichen wollten, bevor es zu heiß werden würde, denn der Tag versprach ein wundervoller zu werden, so hielten wir uns hier nicht erst auf, sondern schritten rüstig weiter, bis wir gegen 10 Uhr auf der Plantage anlangten.

Bis zu der Zeit hatte man nur Kaffee angepflanzt und dann die ganze Plantage, welche doch schließlich nichts einbrachte, mehroder minder vernachlässigt. Ein Grasbrand, welcher sich über die Plantage ausgebreitet hatte, hatte einen großen Teil der Kaffeestämme teils vollständig getötet, teils arg beschädigt. Seitdem HerrnGebauerdie Vertretung der FirmaWoermannin Gabun übergeben worden war, hatte er sich dieser Plantage wieder etwas angenommen und einen Europäer dorthin geschickt, der dafür sorgen mußte, daß die vorhandenen Bestände einigermaßen rein gehalten wurden. Da infolge eines Abkommens, welches HerrGebauermit der französischen Regierung in Gabun getroffen, sich nun für den Kaffee ein bedeutender Preis erzielen ließ, so gewann natürlich das Vorhandensein der schon Früchte tragenden Kaffeestämme eine ganz andere Bedeutung für die Plantage. HerrGebauerbehauptete, daß er in der letzten Zeit schon einen kleinen Verdienst aus der Anlage gezogen hätte. Da er nach seiner Aussage aber bedeutend größere Quantitäten absetzen könnte, so würde von der Plantage in Zukunft wohl Gewinn zu erwarten sein; natürlich vorausgesetzt, daß der ausnahmsweise gute Absatz des Kaffees anhält. Mit Kakao hatte HerrGebauerauch einige Versuche machen lassen. Die vorhandenen Pflanzen sahen sehr gesund und kräftig aus, so daß ich es also nicht für ausgeschlossen halte, daß der Kakao hier gedeihen wird. Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft ist hier allerdings ein bedeutend geringerer als in den Plantagengebieten Kameruns, und deshalb dürfte es hier sehr geraten erscheinen, mehr Schattenbäume stehen zu lassen. Für Kickxia-Anpflanzungen würde sich der Boden sehr gut eignen. Gegen Abend kehrten wir nach Libreville zurück. Nun hatte ich unterwegs mehr Zeit, auf die Vegetation zu achten, fand auch bald einige Landolphien, aber nur in sehr schwachen Exemplaren. Die sämtlichen stärkeren Lianen werden von den in der Umgebung der Stadt wohnenden Gabunesen sofort zur Kautschukgewinnung abgebaut, sobald sie anzapfbar sind.

Von Gabun längs der Küste weiter nach Norden fahrend, erreichte der „Niger“ am frühen Morgen des 28. Dezember die Corisco-Bucht. In der Nähe der Elobi-Inseln an der Mündung des Muni-Flusses an einer englischen Faktorei, „Ukaka-Beach“ genannt, gingen wir vor Anker. Nachdem der kleine Vorrat an Palmenkernen, Öl und Kautschuk im Dampfer verstaut war, fuhren wir den Muni-Fluß hinauf, um daselbst an verschiedenen Orten große Mahagoniholz-Stämme einzuladen. Ich entdeckte während einiger Exkursionen, die ich in den Wäldern unternahm, Ancylobotrys pyriformis in Menge und schaffte einige Exemplare an Bord, um sie nach Victoria überzuführen. Botanisch war diese Gegend äußerst interessant. Die Eingeborenen, welche zu der großen Familie der Fan-Völker gehören, zeichneten sich durch sehr reichen Perlenschmuck aus. Siesollen sehr hinterlistig sein und keinen Europäer hier weit ins Innere hineinlassen. Bis jetzt ist es offenbar auch noch keinem gelungen, trotz der Wasserstraßen, welche vorhanden sind, weiter als zwei Tagereisen ins Innere vorzudringen.

Am 29. Dezember verließen wir den Muni-Fluß wieder und dampften nun längs der Küste nach Norden bis in die Nähe des Benito-Flusses, wo wir auch wieder eine große Zahl Mahagoniblöcke empfingen. Wir hatten etwa eine englische Meile von der Küste entfernt Anker geworfen. Neun oder zehn dieser Mahagoniblöcke wurden an der Küste immer zu einem Floß verbunden und dann durch die Dampfpinasse des „Niger“ zum Dampfer hinübergezogen. Am Abend des 31. Dezember erreichten wir Batta. Nachdem wir uns noch am Neujahrstage in Groß-Batanga kurze Zeit aufgehalten hatten, fuhren wir am 2. Januar 1900 in den Kamerun-Fluß ein und warfen um 8 Uhr der Stadt gegenüber Anker.


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