11
Zu ihren Füssen lag ich heut am Strand:Wir waren rasch ein gutes Stück gegangen,Nun sassen wir, uns auszuruhn im Sand.Wie Kinder plauderten wir unbefangenVon allerlei; sehr neues war es nicht,Wir blieben gleich beim ersten besten hangen.Auf einmal ward sie still. Das AngesichtGanz steil emporgerichtet, war's als späheSie weissen Wölkchen nach, die einsam lichtAm blauen Himmel schwammen, gleich als säheSie Dinge dort, so schön wie unbekannt.So sass sie lang, vergessend meiner Nähe,Derweil mechanisch ihre linke HandIm Sande spielte. Endlich hob sie an,So leis', dass ich sie anfangs kaum verstand.»Wie man in Menschen sich doch täuschen kann!Ich hatte Sie, da ich Sie nur gesehen,Ganz anders mir gedacht! Als einen Mann,Den niemals mir gelänge zu verstehen.Mir schien, uns sei bestimmt, uns abzustossen,Im besten Falle – uns vorbeizugehen.«Ich wiederholte halblaut: ›Abzustossen?‹Sie lächelte. ›Gewisslich‹ fuhr ich fort,›Gewiss bin ich noch keiner von den Grossen,Und bilde mir, soviel ich weiss – mein Wort! –Nichts Sonderliches auf mich selber ein.Doch scheint's, verzeihn Sie, mir ein eigner Sport,Den Unbekannten gleich von vornherein,Eh' man noch kaum von ihm Notiz genommen,Verdammen wollen, für uns tot zu sein.‹Sie, was sie sagte wohl zu meinem FrommenBedenkend, sass noch eine Weile stumm,Allmählich sah ich ihr ein Lächeln kommen,Kokett fast wandte sie zu mir sich umUnd sagte munter: »Ja! ich kann's auch sagen.Ich dachte mir, Sie sei'n – weiss Gott, warum! –Ein Sonntagskind! Die konnt' ich nie vertragen.«›Weshalb?‹ »Vielleicht, weil mir das Glück zuwider,Das sie so mühlos in der Welt erjagen.«Nun brach sie ab. Ich rührte nicht die Glieder,Nur leise fragt ich endlich nebenbeiUnd beugte mich recht tief zur Erde nieder:›Und – denken Sie jetzt besser?‹ Gleich als seiDie Antwort ihr nicht lieb, sass still sie da.Dann sah sie auf und lächelte dabeiUnd nickte leicht mir zu: »Ein wenig – ja!«
Zu ihren Füssen lag ich heut am Strand:Wir waren rasch ein gutes Stück gegangen,Nun sassen wir, uns auszuruhn im Sand.Wie Kinder plauderten wir unbefangenVon allerlei; sehr neues war es nicht,Wir blieben gleich beim ersten besten hangen.Auf einmal ward sie still. Das AngesichtGanz steil emporgerichtet, war's als späheSie weissen Wölkchen nach, die einsam lichtAm blauen Himmel schwammen, gleich als säheSie Dinge dort, so schön wie unbekannt.So sass sie lang, vergessend meiner Nähe,Derweil mechanisch ihre linke HandIm Sande spielte. Endlich hob sie an,So leis', dass ich sie anfangs kaum verstand.»Wie man in Menschen sich doch täuschen kann!Ich hatte Sie, da ich Sie nur gesehen,Ganz anders mir gedacht! Als einen Mann,
Zu ihren Füssen lag ich heut am Strand:Wir waren rasch ein gutes Stück gegangen,Nun sassen wir, uns auszuruhn im Sand.
Zu ihren Füssen lag ich heut am Strand:
Wir waren rasch ein gutes Stück gegangen,
Nun sassen wir, uns auszuruhn im Sand.
Wie Kinder plauderten wir unbefangenVon allerlei; sehr neues war es nicht,Wir blieben gleich beim ersten besten hangen.
Wie Kinder plauderten wir unbefangen
Von allerlei; sehr neues war es nicht,
Wir blieben gleich beim ersten besten hangen.
Auf einmal ward sie still. Das AngesichtGanz steil emporgerichtet, war's als späheSie weissen Wölkchen nach, die einsam licht
Auf einmal ward sie still. Das Angesicht
Ganz steil emporgerichtet, war's als spähe
Sie weissen Wölkchen nach, die einsam licht
Am blauen Himmel schwammen, gleich als säheSie Dinge dort, so schön wie unbekannt.So sass sie lang, vergessend meiner Nähe,
Am blauen Himmel schwammen, gleich als sähe
Sie Dinge dort, so schön wie unbekannt.
So sass sie lang, vergessend meiner Nähe,
Derweil mechanisch ihre linke HandIm Sande spielte. Endlich hob sie an,So leis', dass ich sie anfangs kaum verstand.
Derweil mechanisch ihre linke Hand
Im Sande spielte. Endlich hob sie an,
So leis', dass ich sie anfangs kaum verstand.
»Wie man in Menschen sich doch täuschen kann!Ich hatte Sie, da ich Sie nur gesehen,Ganz anders mir gedacht! Als einen Mann,
»Wie man in Menschen sich doch täuschen kann!
Ich hatte Sie, da ich Sie nur gesehen,
Ganz anders mir gedacht! Als einen Mann,
Den niemals mir gelänge zu verstehen.Mir schien, uns sei bestimmt, uns abzustossen,Im besten Falle – uns vorbeizugehen.«Ich wiederholte halblaut: ›Abzustossen?‹Sie lächelte. ›Gewisslich‹ fuhr ich fort,›Gewiss bin ich noch keiner von den Grossen,Und bilde mir, soviel ich weiss – mein Wort! –Nichts Sonderliches auf mich selber ein.Doch scheint's, verzeihn Sie, mir ein eigner Sport,Den Unbekannten gleich von vornherein,Eh' man noch kaum von ihm Notiz genommen,Verdammen wollen, für uns tot zu sein.‹Sie, was sie sagte wohl zu meinem FrommenBedenkend, sass noch eine Weile stumm,Allmählich sah ich ihr ein Lächeln kommen,Kokett fast wandte sie zu mir sich umUnd sagte munter: »Ja! ich kann's auch sagen.Ich dachte mir, Sie sei'n – weiss Gott, warum! –
Den niemals mir gelänge zu verstehen.Mir schien, uns sei bestimmt, uns abzustossen,Im besten Falle – uns vorbeizugehen.«
Den niemals mir gelänge zu verstehen.
Mir schien, uns sei bestimmt, uns abzustossen,
Im besten Falle – uns vorbeizugehen.«
Ich wiederholte halblaut: ›Abzustossen?‹Sie lächelte. ›Gewisslich‹ fuhr ich fort,›Gewiss bin ich noch keiner von den Grossen,
Ich wiederholte halblaut: ›Abzustossen?‹
Sie lächelte. ›Gewisslich‹ fuhr ich fort,
›Gewiss bin ich noch keiner von den Grossen,
Und bilde mir, soviel ich weiss – mein Wort! –Nichts Sonderliches auf mich selber ein.Doch scheint's, verzeihn Sie, mir ein eigner Sport,
Und bilde mir, soviel ich weiss – mein Wort! –
Nichts Sonderliches auf mich selber ein.
Doch scheint's, verzeihn Sie, mir ein eigner Sport,
Den Unbekannten gleich von vornherein,Eh' man noch kaum von ihm Notiz genommen,Verdammen wollen, für uns tot zu sein.‹
Den Unbekannten gleich von vornherein,
Eh' man noch kaum von ihm Notiz genommen,
Verdammen wollen, für uns tot zu sein.‹
Sie, was sie sagte wohl zu meinem FrommenBedenkend, sass noch eine Weile stumm,Allmählich sah ich ihr ein Lächeln kommen,
Sie, was sie sagte wohl zu meinem Frommen
Bedenkend, sass noch eine Weile stumm,
Allmählich sah ich ihr ein Lächeln kommen,
Kokett fast wandte sie zu mir sich umUnd sagte munter: »Ja! ich kann's auch sagen.Ich dachte mir, Sie sei'n – weiss Gott, warum! –
Kokett fast wandte sie zu mir sich um
Und sagte munter: »Ja! ich kann's auch sagen.
Ich dachte mir, Sie sei'n – weiss Gott, warum! –
Ein Sonntagskind! Die konnt' ich nie vertragen.«›Weshalb?‹ »Vielleicht, weil mir das Glück zuwider,Das sie so mühlos in der Welt erjagen.«Nun brach sie ab. Ich rührte nicht die Glieder,Nur leise fragt ich endlich nebenbeiUnd beugte mich recht tief zur Erde nieder:›Und – denken Sie jetzt besser?‹ Gleich als seiDie Antwort ihr nicht lieb, sass still sie da.Dann sah sie auf und lächelte dabeiUnd nickte leicht mir zu: »Ein wenig – ja!«
Ein Sonntagskind! Die konnt' ich nie vertragen.«›Weshalb?‹ »Vielleicht, weil mir das Glück zuwider,Das sie so mühlos in der Welt erjagen.«
Ein Sonntagskind! Die konnt' ich nie vertragen.«
›Weshalb?‹ »Vielleicht, weil mir das Glück zuwider,
Das sie so mühlos in der Welt erjagen.«
Nun brach sie ab. Ich rührte nicht die Glieder,Nur leise fragt ich endlich nebenbeiUnd beugte mich recht tief zur Erde nieder:
Nun brach sie ab. Ich rührte nicht die Glieder,
Nur leise fragt ich endlich nebenbei
Und beugte mich recht tief zur Erde nieder:
›Und – denken Sie jetzt besser?‹ Gleich als seiDie Antwort ihr nicht lieb, sass still sie da.Dann sah sie auf und lächelte dabei
›Und – denken Sie jetzt besser?‹ Gleich als sei
Die Antwort ihr nicht lieb, sass still sie da.
Dann sah sie auf und lächelte dabei
Und nickte leicht mir zu: »Ein wenig – ja!«
Und nickte leicht mir zu: »Ein wenig – ja!«