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Im feuchten Sand verfolgend ihrer SchuheGraziöse Spur, die mir der Mond enthüllt,Schreit ich am Meer entlang. Rings tiefste Ruhe.Kaum, dass die letzte Welle leise schwilltUnd heimlich plätschernd mit dem SilberschimmerIm Sande spielt. Und schau –: welch holdes Bild?Im kleinen holdverschwiegnen GiebelzimmerLehnt sie am Fenster – weisses Mondlicht rinntUm die Gestalt und küsst mit blauem FlimmerDen weissen Hals. Sie aber steht und sinnt.Ob er noch kommt? Sonst war er stets schon da –!Wie hell es draussen ist –! Ich bin ein Kind!Verbot ich's ihm nicht selbst? – Allein er sahWohl deutlich, dass ich scherzte. Böser Mann,Nahmst du's für Ernst? Doch nein! er lachte jaUnd fragte noch, ob ich auch lügen kann! – –Noch denkt sie so – da, horch, vor ihrer SchwelleErklingt ein Schritt – ganz leise pocht es an,Die Türe geht – und in der DämmerhelleSteht er vor ihr. »Du? Heut? Ich glaubte nicht …«›Ich sehnte mich!‹ »Wonach?« – ›Auf dieser StelleVor dir zu knieen und dein lieb GesichtIm Mondenschein zu sehn.‹ »So sieh – und geh!Allein du bleibst?« ›Schau nur, das weisse Licht!‹»Es malt recht schön!« – ›Ich aber, wenn ich's sehAuf Arm und Hals und weissen Gliedern weilen,Fürwahr ich glaub, dass ich vor Neid vergeh,Lässt du mich solche Nacht nicht mit ihm teilen!‹

Im feuchten Sand verfolgend ihrer SchuheGraziöse Spur, die mir der Mond enthüllt,Schreit ich am Meer entlang. Rings tiefste Ruhe.Kaum, dass die letzte Welle leise schwilltUnd heimlich plätschernd mit dem SilberschimmerIm Sande spielt. Und schau –: welch holdes Bild?Im kleinen holdverschwiegnen GiebelzimmerLehnt sie am Fenster – weisses Mondlicht rinntUm die Gestalt und küsst mit blauem FlimmerDen weissen Hals. Sie aber steht und sinnt.Ob er noch kommt? Sonst war er stets schon da –!Wie hell es draussen ist –! Ich bin ein Kind!Verbot ich's ihm nicht selbst? – Allein er sahWohl deutlich, dass ich scherzte. Böser Mann,Nahmst du's für Ernst? Doch nein! er lachte ja

Im feuchten Sand verfolgend ihrer SchuheGraziöse Spur, die mir der Mond enthüllt,Schreit ich am Meer entlang. Rings tiefste Ruhe.

Im feuchten Sand verfolgend ihrer Schuhe

Graziöse Spur, die mir der Mond enthüllt,

Schreit ich am Meer entlang. Rings tiefste Ruhe.

Kaum, dass die letzte Welle leise schwilltUnd heimlich plätschernd mit dem SilberschimmerIm Sande spielt. Und schau –: welch holdes Bild?

Kaum, dass die letzte Welle leise schwillt

Und heimlich plätschernd mit dem Silberschimmer

Im Sande spielt. Und schau –: welch holdes Bild?

Im kleinen holdverschwiegnen GiebelzimmerLehnt sie am Fenster – weisses Mondlicht rinntUm die Gestalt und küsst mit blauem Flimmer

Im kleinen holdverschwiegnen Giebelzimmer

Lehnt sie am Fenster – weisses Mondlicht rinnt

Um die Gestalt und küsst mit blauem Flimmer

Den weissen Hals. Sie aber steht und sinnt.Ob er noch kommt? Sonst war er stets schon da –!Wie hell es draussen ist –! Ich bin ein Kind!

Den weissen Hals. Sie aber steht und sinnt.

Ob er noch kommt? Sonst war er stets schon da –!

Wie hell es draussen ist –! Ich bin ein Kind!

Verbot ich's ihm nicht selbst? – Allein er sahWohl deutlich, dass ich scherzte. Böser Mann,Nahmst du's für Ernst? Doch nein! er lachte ja

Verbot ich's ihm nicht selbst? – Allein er sah

Wohl deutlich, dass ich scherzte. Böser Mann,

Nahmst du's für Ernst? Doch nein! er lachte ja

Und fragte noch, ob ich auch lügen kann! – –Noch denkt sie so – da, horch, vor ihrer SchwelleErklingt ein Schritt – ganz leise pocht es an,Die Türe geht – und in der DämmerhelleSteht er vor ihr. »Du? Heut? Ich glaubte nicht …«›Ich sehnte mich!‹ »Wonach?« – ›Auf dieser StelleVor dir zu knieen und dein lieb GesichtIm Mondenschein zu sehn.‹ »So sieh – und geh!Allein du bleibst?« ›Schau nur, das weisse Licht!‹»Es malt recht schön!« – ›Ich aber, wenn ich's sehAuf Arm und Hals und weissen Gliedern weilen,Fürwahr ich glaub, dass ich vor Neid vergeh,Lässt du mich solche Nacht nicht mit ihm teilen!‹

Und fragte noch, ob ich auch lügen kann! – –Noch denkt sie so – da, horch, vor ihrer SchwelleErklingt ein Schritt – ganz leise pocht es an,

Und fragte noch, ob ich auch lügen kann! – –

Noch denkt sie so – da, horch, vor ihrer Schwelle

Erklingt ein Schritt – ganz leise pocht es an,

Die Türe geht – und in der DämmerhelleSteht er vor ihr. »Du? Heut? Ich glaubte nicht …«›Ich sehnte mich!‹ »Wonach?« – ›Auf dieser Stelle

Die Türe geht – und in der Dämmerhelle

Steht er vor ihr. »Du? Heut? Ich glaubte nicht …«

›Ich sehnte mich!‹ »Wonach?« – ›Auf dieser Stelle

Vor dir zu knieen und dein lieb GesichtIm Mondenschein zu sehn.‹ »So sieh – und geh!Allein du bleibst?« ›Schau nur, das weisse Licht!‹

Vor dir zu knieen und dein lieb Gesicht

Im Mondenschein zu sehn.‹ »So sieh – und geh!

Allein du bleibst?« ›Schau nur, das weisse Licht!‹

»Es malt recht schön!« – ›Ich aber, wenn ich's sehAuf Arm und Hals und weissen Gliedern weilen,Fürwahr ich glaub, dass ich vor Neid vergeh,

»Es malt recht schön!« – ›Ich aber, wenn ich's seh

Auf Arm und Hals und weissen Gliedern weilen,

Fürwahr ich glaub, dass ich vor Neid vergeh,

Lässt du mich solche Nacht nicht mit ihm teilen!‹

Lässt du mich solche Nacht nicht mit ihm teilen!‹


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