Elfenerscheinung.
Elfenerscheinung.
Unsre Freunde fragten sich bei ihrem Anblick, ob es denn möglich sei, daß sich immer noch größere Schönheit und zartere Lieblichkeit offenbare, denn zuvor hatten sie gemeint, die Frau des Hauses stelle den Höhepunkt aller überhaupt möglichen Reize dar; nun aber fanden sie dieselbe durch ihre Tochter noch weit übertroffen.
Nur Schultze wußte, daß es auf diesem Planeten noch entzückendere Lieblichkeit gab, als sogar Glessiblora sie offenbarte.
Den Namen dieses taufrischen Mädchens, Glessiblora, mit dem Ton auf dem I der zweiten Silbe, dolmetschte Heinz mit „Glanzblume“.
Erst eine Viertelstunde später wurde auch Heliastra, die Jüngste, gerufen.
„Sie ist erst siebzehn und ein kleiner Schelm, ein lustiger Kobold,“ erklärte der Vater, ehe sie erschien, und Heinz übersetzte ihren Namen mit „Flimmersternchen“, wörtlich „Hellstern“
Von ferne vernahm man schon das silberne Lachen der Nahenden; denn mit nichts konnte der Wohllaut dieser hellen Stimme füglich verglichen werden, wenn nicht mit dem Klang silberner Glöckchen.
Und nun erschien Heliastra in der Öffnung, welche die Tür vertrat; denn eigentliche, verschließbare Türen gab es in Eden nicht.
Unter dem Eingang hemmte sie den schwebenden Schritt, und wie sie so dastand, umwallt von goldglänzendem Haar, im dunklen Türrahmen, da erschien sie wahrlich wie ein heller, flimmernder Stern.
Unsre Freunde schauten alle nach der siebzehnjährigen Elfe hin: solch ein wunderliebliches Gesichtchen, solch ein Blau der lieben, lustigen Augen, solch durchsichtige Blütenweiße der Haut, von duftigem Rosenschimmer durchhaucht, kurz, einen solchen Schmelz der Schönheit, Anmut und Jugend hatten sie nicht nur niemals erschaut, sondern wären auch nie imstande gewesen, sich derart vollkommene Reize in der Phantasie auszumalen.
Nur allein wieder Schultze hatte schon ähnliches gesehen, ja nicht nur ähnliches: er erkannte in Heliastra sofort die holdselige Erscheinung, die ihn bei seiner Morgenwache begrüßte, als er halb eingenickt war und nicht recht wußte, ob er schlief oder wachte.
Die Kleine hatte ihn ebenfalls erkannt. Nachdem sie die fremden Gäste ohne Befangenheit gemustert und besonders Heinz Friedungs bewundernde Blicke durch ein bezauberndes Lächeln und freundliches Zunicken erwidert hatte, schwebte sie direkt auf den Professor zu und machte vor ihm eine tiefe Verbeugung, dann lachte sie ihm hell ins Gesicht.
„Heliastra!“ rief Bleodila mit sanfter Zurechtweisung ihrer Jüngsten zu.
„O Ma,“ erwiderte diese: „Wir kennen uns schon; als ich heute Morgen Pa und Fliorot zur Schmiede begleitete, flog ich ein wenig umher und fand das Lager der Fremden; dieser würdige Herr hielt Wache davor; ich glaubte aber, er schlafe und wollte mich nähern, da sah er mich so groß an, daß ich erschrak und forthuschte, allein ich glaube, er war noch viel mehr erschrocken.“ Und sie lachte wieder ihr herzerquickendes Lachen.
Als Heliastra merkte, daß Heinz ihre Sprache verstand, begann sie eine lebhafte Unterhaltung mit ihm und fragte ihn neugierig aus über die Welt, von der die Fremdlinge kamen. Wenn der junge Mann dann wieder ein Wort recht verketzerte, lachte sie mit einer Unwiderstehlichkeit, die auf die ganze Gesellschaft ansteckend wirkte.
„Ich kann mir nicht helfen,“ sagte sie, wie sich entschuldigend, zu Heinz. „Es macht mir gar zu großes Vergnügen, welch sonderbare Worte du oft gebrauchst oder wie seltsam du andere aussprichst und veränderst. Es ist ja erstaunlich, wie du unsere Sprache reden kannst, die du heute zum erstenmal hörst, so gescheite Männer gibt es bei uns gar nicht; aber ich bitte dich, lerne nur ja nicht ganz richtig sprechen, du würdest mich um ein gar zu großes Vergnügen bringen.“
Heinz mußte nun auf Gabokols Bitte erklären, wie er überhaupt dazu gekommen war, sich mit den Edeniten verständigen zu können.
Selbst die Mädchen folgten mit gespanntem Interesse und völligem Verständnis seinen Auseinandersetzungen über die Gesetze der Entstehung der menschlichen Sprache.
Gabokol drückte ihm zum Schluß seine hohe Bewunderung aus und bat ihn, einen Vortrag über diesen Gegenstand in der Hauptstadt zu halten. „Du wirst dadurch bei uns ein berühmter Mann werden, denn unsre Gelehrten haben wohl herausgefunden, daß alle Sprachen unsres Planeten ursprünglich miteinander verwandt sind, aber über die Anfänge der Sprache überhaupt haben sie sich vergeblich den Kopf zerbrochen und sind zu der Ansicht gekommen, das sei ein für den menschlichen Verstand unlösbares Rätsel.
Nun denke dir, welches Licht deine neue Erkenntnis verbreiten wird, welchen Dienst du unsrer Wissenschaft leistest und welchen neuen Anstoß du ihr gibst. Und einen großen Respekt wird man hier bekommen vor dem so viel größeren Scharfsinn der Erdenbewohner.“
Heinz lächelte, versprach aber, den Vortrag zu halten, sobald er die Sprache des Landes genügend beherrsche.
Nun trugen die Töchter des Hauses das Mittagsmahl auf, zur großen Befriedigung des Kapitäns.
Unsre Freunde lernten hiebei neue, ungeahnte Genüsse kennen, nämlich die herrlichen Gemüse Edens und die ganz vorzüglichen Mehlspeisen und Backwaren, die verrieten, daß die Edeniten Getreidesorten besaßen, die verschiedenartige Mehle lieferten und zwar ungleich köstlichere als die Erde sie kennt.
Fleischgenuß war hier unbekannt: niemals wäre jemand auch nur der Gedanke gekommen, ein Tier gewaltsam zu töten oder gar einen Tierleib zu verzehren. Allerdings, bei der unerschöpflichen Auswahl an auserlesenen Speisen wäre es Torheit gewesen, noch Fleischkost einzuführen, die wahrscheinlich den Edeniten gar nicht zuträglich gewesen wäre, keinesfalls aber zur Verbesserung des Speisezettels hätte beitragen können.
Keiner unserer Freunde vermißte Fisch, Geflügel und Braten, so viel wohlschmeckender erschienen allen die Gerichte Edens in ihrer unendlichen Abwechslung.
Eier, Milch, Butter, Käse und Honig waren die einzigen Speisen, die dem Tierreich entnommen wurden, und auch sie übertrafen alles Irdische; namentlich gab es die verschiedensten Arten von Eiern, von Honig und von Milch, und aus den verschiedenen köstlichen Milcharten wurden auch die verschiedensten Arten von Butter und Käsen hergestellt, von denen jede ihre besonderen unnachahmlichen Vorzüge aufwies.
Die Getränke bestanden teils aus Wasser, das auch in verschiedenen Zusammensetzungen dem Erdboden entsprudelte, teils aus süßen und herben Fruchtsäften, die nichts Berauschendes an sich hatten und doch die Gemüter erhoben und die Stimmung verklärten, die Phantasie anregten und belebten, weit mehr als die alkoholischen Getränke der Erde.
Die Folge auch des reichlichsten Genusses dieser Edenweine war niemals eine ungute, im Gegenteil, Kraft und Körperfrische sowie die geistige Regsamkeit wurden stets durch sie gehoben.
Heinz erlernte fabelhaft schnell die Sprache der Edeniten. Er konnte sich jetzt schon ganz fließend unterhalten. Schwierigkeiten machten nur die Begriffe, die entweder der irdischen oder der Welt Edens fremd waren. Aber durch Umschreibungen und Erläuterungen gelang es, auch solche mit der Zeit begreiflich zu machen.
Gabokol und die Seinen zeigten dabei einen hervorragenden Scharfsinn und nahmen bald mit vollstem Verständnis eine ganze Reihe von „Fremdwörtern“ auf, mit denen Heinz ihre Sprache bereicherte, weil es dieser an den entsprechenden Ausdrücken fehlte. Dabei handelte es sich lediglich um Dinge, die den Erdenmenschen geläufig, den Edeniten aber völlig unbekannt waren, nicht zum Schaden der letzteren.
So hielt es zu Anfang schwer, den Gastfreunden verständlich zu machen, was unter Gift, Vergiftung, Verwundung, Krankheit, Schmerzen, Haß, Bosheit und anderen Leiden und Lastern zu verstehen sei.
Und doch war es notwendig, solche Dinge zu berühren, wollte man sich über die Verhältnisse Edens belehren oder über diejenigen der Erde Auskunft geben. Es waren daher größtenteils Fremdwörter von recht übler Bedeutung, die von den Edeniten gelernt und schmerzlich staunend begriffen werden mußten, wenn sie sich mit der fremden Welt, aus der ihre Gäste kamen, vertraut machen wollten und ihnen andererseits klar machten, inwiefern sich Eden von jener unterschied.
Auch die andern machten rasche Fortschritte in der Sprache Edens, und Flitmore sprach den Wunsch aus, einen Besuch in der Stadt so lange hinauszuschieben, bis sie so weit wären, das Notwendigste zu verstehen und sich selber verständlich zu machen.
Es wurden daher in den nächsten Tagen nur Ausflüge auf die nahe Hochebene unternommen und auch einige Aussichtspunkte besucht, von denen aus man weit ins Land schauen konnte.
Eine der ersten Fragen, die Schultze an Gabokol richtete, war die, wie es komme, daß das Wasser hier zum Teil bergauf, zum Teil aber bergab fließe.
„Bei uns steigt immer das Leichtere nach oben,“ erwiderte der Mann verwundert, „und das Schwere strebt hinab; ist das nicht so auf der Erde?“
„Im allgemeinen wohl,“ erwiderte der Professor. „So wird zum Beispiel Öl, auf den Grund eines Baches gebracht, an die Oberfläche des Wassers steigen; dann aber fließt es nicht den Bach hinauf, sondern hinab, ebenso fließt sowohl Öl als Wasser auf festem Grund, falls dieser geneigt ist, bergab.“
„Auch wenn es leichter ist als der feste Grund?“ fragte Fliorot erstaunt.
„Ja! Es befindet sich eben dann in einem andern Mittel, in der Luft, und weil es schwerer ist als diese, drängt es zur Tiefe.“
Gabokol schüttelte den Kopf. „Das ist merkwürdig und widerspricht den Naturgesetzen, wie wir sie kennen. Wir haben dichtes Wasser, das schwerer ist als Erd- und Felsboden: das sinkt hinab. Wird es aber durch Wärme und Verlust aufgelöster fester Bestandteile leichter als der feste Untergrund, so strebt es so hoch als nur möglich empor und fließt auch selbstverständlich bergauf. Die Meere haben schweres Salzwasser: die bleiben immer in der Tiefe.
Unser Planet hat auch eine sehr schwere Luft und geringe magnetische Kraft; auf unsern Monden ist das ganz anders, da fühlt man sich schwer an den Boden gefesselt; möglich, daß dort auch das Wasser niemals bergauf fließen könnte, wenn es dort überhaupt Wasser gäbe.“
„Könnt ihr bis zu euren Monden fliegen?“ erkundigte sich Mietje.
„Wir können es wohl, tun es aber nicht ohne Not; denn zu einem Aufenthalt für Lebende sind sie nicht geeignet. Es fehlt ihnen an Pflanzen und an Wasser, sie gleichen leuchtenden Edelsteinen, sind aber tot und nur ein Platz für die Toten. Auch macht ihre starke Anziehungskraft das Wandern und Fliegen dort sehr beschwerlich.“
„Wie macht ihr es überhaupt, daß ihr fliegen könnt?“ wandte sich Münchhausen an Fliorot.
„Wir atmen die Luft in unsere Fluglunge ein,“ erwiderte dieser. „Probiere es doch einmal: sobald sie mit Luft gefüllt ist, schwebt man von selberempor und sinkt erst wieder, wenn man die Klappe öffnet. Wir können das schon als kleine Kinder, warum macht ihr’s nicht ebenso?“
„Aus dem einfachen Grunde, weil wir eine so praktische zweite Lunge nicht besitzen,“ entgegnete der Kapitän.
„Das dachte ich mir,“ fiel nun Bleodila, die Hausfrau, ein. „Bei uns ist diese innere Einrichtung ein Vorzug, den wir vor den Tieren haben, die nur springen können oder Flügel besitzen müssen um zu fliegen.“
„Und durch die Anfüllung euerer Ballonlunge werdet ihr so leicht, daß ihr bis zu den Monden fliegen könnet?“ fragte Mietje weiter.
„Nein, das nicht!“ antwortete ihr der Hausvater anstelle seiner Gattin: „Weiter oben wird die Luft so dünn und leicht, daß sie uns nicht mehr trägt; wollen wir höher gelangen, so müssen wir Fahrzeuge benutzen, die durch die abstoßende Kraft emporgetrieben werden, bis wir die Kraft abstellen und, von dem Monde angezogen, auf seine Oberfläche gelangen.“
„Aha! Meine Fliehkraft!“ rief Flitmore. „Und weiter als bis zu euren Monden reist ihr mit derselben nicht?“
„Das können wir nicht: Die Zwischenluft bis zum grünen Mond, der uns der nächste ist, genügt kaum mehr zum atmen; den blauen haben nur wenige kühne und ausdauernde Fahrer erreicht; den rosa Mond aber, der doppelt so weit entfernt ist, konnte noch keiner erreichen: Die Luft wird zuvor so dünn, daß man umkehren muß, sonst müßte man sterben.“
„Wenn ihr aber in einem verschlossenen Behälter voller Luft aufsteigen würdet?“ meinte der Lord.
Gabokol sann nach: „Das wäre ein Gedanke! Das hat noch niemand versucht,“ sagte er: „Seid ihr so bis zu uns gekommen?“
„Ja!“ bestätigte Flitmore kurz.
„Ein weiter Weg!“ meinte Fliorot und sah zum Himmel empor.
„Unsere Erde kannst du nicht sehen!“ lachte Schultze, der der Richtung seiner Blicke folgte und nicht umhin konnte, sich höchlichst zu verwundern, daß der Knabe wenigstens genau zu wissen schien, wo er die Erde am Firmament zu suchen hätte, falls sie sichtbar gewesen wäre. Aber freilich, mit dem stärksten Teleskop hätte man diesen kleinen dunklen Planeten von hier aus niemals entdecken können.
Fliorot aber erwiderte: „O doch, ich sehe sie ganz genau. Ich kenne die Lage eueres Sonnensystems gut. Ihr habt nur eine Sonne. Zuerst kommen zwei kleine Planeten ...“
„Merkur und Venus,“ sagte Heinz.
„Dann kommt euere Erde, wie ihr sie nennt,“ fuhr Fliorot fort, „ich sehe sogar ihren Mond.“
„Ja, Fliorot hat scharfe Augen,“ bestätigte Gabokol: „Ich selber kann bei Tageslicht den Mond eurer Erde nicht erkennen, nur bei Nacht.“
„Da hört sich aber doch alle Wissenschaft auf!“ rief Schultze, der staunend beobachtete, wie die Augen des Knaben ein wenig vorgetreten waren und sich in weite Ferne richteten. „Das ist ja eine Sehkraft, die unsere stärksten Fernrohre weit in den Schatten stellt und gegen die auch diejenige des letzten Marsbewohners nichts besagen will! Ist dieser Jüngling imstande, Erde und Mond als zwei getrennte Körper zu unterscheiden, so ist das eine Augenparallaxe, die über das Märchenhafte hinausgeht. Seine Augen müssen es vermögen, die Neigung zweier Linien zu einander zu unterscheiden, die auf einen Kilometer nur 9 Millimeter beträgt!“
Gabokol führte nun unsere Freunde zu seiner Schmiede und erklärte ihnen, wie die Flamme aus der Vereinigung zweier Gase entstand, die er durch Mischung von Metallen und Säuren im Erdboden erzeugte.
Er hatte ein Luftschiff in Arbeit, das aus äußerst leichten Metallen gebaut wurde und das allgemeine Verkehrsmittel auf dem Planeten bildete, wie er erklärte, wenn es sich darum handelte, rascher vorwärts zu kommen, als durch persönlichen Flug, oder auch Lasten zu befördern.
Als Triebkraft diente ein Magnetismus, den er Parallelkraft nannte, weil er die damit geladenen Fahrzeuge in wagrechter Richtung über der Oberfläche des Planeten hintrieb.
Fliorot interessierte sich sehr für Heinz’ Revolver. Als der Freund ihn ernstlich mahnte, vorsichtig mit der gefährlichen Schußwaffe umzugehen, lachte er; und ehe es jemand hindern konnte, schoß er sich eine Kugel mitten durch den Arm.
Den Schreckensruf unserer Freunde begriffen die Edeniten nicht. Der Arm war allerdings durchbohrt, auch der Knochen durchschlagen. Doch schloß sich die Wunde so augenblicklich ohne irgend welche Blutung, daß keine Spur mehr zu sehen war. Auch die Knochen waren offenbar so elastisch, daß sie ohne Schaden durchbohrt werden konnten. Ein Schmerzgefühl war den Edeniten unbekannt, und selbst völlig abgetrennte Glieder wuchsen, wie Bleodila versicherte, augenblicklich wieder fest, wenn man die Schnittflächen aneinander legte.
Doch kamen solche Verwundungen bei den elastischen Gliedmaßen und der äußerst widerstandsfähigen, wenn auch noch so zart aussehenden Haut äußerst selten vor.
„Krankheiten kennt ihr auch nicht?“ wandte sich Mietje an Glessiblora: „Gifte gibt es hier keine, wie ihr sagt, und das stärkste Feuer vermag eure Haut nicht anzugreifen, gibt es denn da bei euch überhaupt einen Tod?“
„Ja,“ erwiderte das Mädchen, „sterben müssen wir alle. Ein Jahr dauert bei uns etwa zehn eurer Erdenjahre und 300 bis 500 unserer Jahre ist die gewöhnliche Lebensgrenze.“
„Also 3000 bis 5000 Jahre!“ rief Münchhausen.
„Selten stirbt jemand in zarterem Alter,“ bestätigte Heliastra. „Man ist dann alt und müde und sehnt sich nach dem höheren, vollkommeneren Leben, das Gott uns nach dem Tode verheißen hat.“
„Fühlen wir unser Ende herannahen,“ fügte Bleodila hinzu, „so treten wir gewöhnlich alsbald die Reise nach dem grünen Mond an, dem Reich der Toten. Dort schläft man nach wenigen Tagen ein, ohne wieder aufzuwachen. Entschlummert aber einer schon hier, ehe er an die letzte Reise dachte, was sehr selten vorkommt, so bringen wir seinen Leib hinauf, wo er dann bald austrocknet und zu Staub zerfällt.“
„Ihr glaubt also, wie wir, an ein ewiges Leben?“ fragte Flitmore.
Gabokol sah ihn verwundert an: „Natürlich!“ sagte er: „Was hätte es für einen Sinn, wenn das Leben mit dem Tode aus wäre?“
„Nun, ihr habt doch sicher auch in diesem Leben eine Aufgabe zu erfüllen,“ meinte Schultze.
„Gewiß! Sehr viele! Arbeit gibt es genug an uns und andern, für uns und für andere; denn wir müssen doch immer besser werden und unsern Planeten immer besser machen. Wollten wir zum Beispiel an der Verbesserung unserer Weltkugel nicht ernstlich und fleißig arbeiten, so müßten unsere Nachkommen bald zum Teil verhungern: bis jetzt ist nämlich nur ein Streifen rings um den Planeten fruchtbar und bewohnt; alles andere ist Wüste, es fehlt an Pflanzen und Erde.
Unsere Hauptarbeit besteht nun darin, das nackte Gestein zu zermahlen, es mit pflanzlichen Stoffen und chemischen Bestandteilen zu mengen und so eine gute Erde herzustellen, mit der wir kahle Flächen bedecken, die dann eingesät werden und Urwälder und Prärien bilden, welche zunächst vonder Tierwelt in Beschlag genommen werden können, bis sich später die Bevölkerung ausdehnt.
Nächst unseren häuslichen Arbeiten, der Herstellung von Verkehrsmitteln und dem Landbau, beteiligt sich jedermann auch an dieser Riesenarbeit, künftigen Geschlechtern ihre Wohnsitze zu schaffen.“
„Nun also,“ sagte der Professor: „So könntet ihr ja sagen, das ist der Zweck unseres Lebens, unsern Nachkommen den Boden zu bereiten, und in ihnen leben wir fort. Ähnlich sprechen so manche auf Erden, die an kein Fortleben nach dem Tode glauben wollen.“
„Und diese Nachkommen?“ fragte Bleodila: „Sie würden auch einige hundert Jahre sich des Errungenen erfreuen und ihrerseits für die Kommenden vorarbeiten, um dann ins ewige Nichts zu versinken, und so ginge es fort, bis der Planet tot wäre mit allen, die je auf ihm gestrebt und gewirkt? Und dann? Dann wäre es völlig einerlei, ob je hier vernünftige Wesen gelebt und gearbeitet haben oder nicht!“
„Ja,“ stimmte die kleine Heliastra der Mutter bei. „Wenn mit dem Tode alles aus wäre, so wäre zuletzt unser ganzes Leben zwecklos und sinnlos, wir wären das Puppenspiel eines unverständigen Schöpfers; aber gottlob, die Macht, die uns erschaffen hat und erhält, ist Weisheit und Liebe; darum allein können wir uns des Lebens freuen und auch dem Ende getrost und fröhlich entgegensehen.“
„Und was erhofft ihr vom Ende?“ fragte Heinz.
Heliastras Augen leuchteten: „Das Leben ist schön bei uns, wunderschön! Aber welche Schranken sind uns überall gesteckt, wie viel möchten wir wohl ausführen und können es nicht! Wer treu gewesen ist im Wirken seines endlichen Lebens, dem werden höhere Aufgaben und Kräfte anvertraut, wie wir glauben: ja, ein neueres, höheres und schöneres Leben wird diesem mangelhaften Leben folgen, das glauben und hoffen wir!“
„Unser Glaube ist der,“ fügte Gabokol hinzu: „Wer sich bewährt hat, dem wird Gott eine seiner unzähligen Welten überweisen und ihm sagen: nun magst du nach eigenen Gedanken und nach eigener Lust schaffen. Ich gebe dir ein Maß von Schöpferkraft, wie es deinen Bedürfnissen entspricht; ich ordne dir andere Geister bei, denen noch keine so hohe Macht anvertraut werden kann, die dir aber treu und willig zu Diensten sein werden. Nun schaffe dir eine Welt nach deinen Gedanken, Pflanzen, Tiere, vernünftige Wesen, wie deine Phantasie solche erfindet, stelle Naturgesetze auf, wie dusie für zweckmäßig hältst und wenn du des Rats bedarfst, so darfst du ihn jederzeit bei mir holen. Ja, wir glauben, daß die Natur und Lebewelt auf unserem Planeten und wir selbst auf diese Weise geschaffen worden sind von einem großen, seligen Geist, dem Gott hier sein Schöpfungsgebiet angewiesen hat; denn vollkommene Geschöpfe, wie Gott selber sie erschaffen hätte, sind wir noch nicht. Aber im neuen Leben wird er selbst uns zur Vollkommenheit vollenden, wie der Meister des Schülers Arbeit verbessert und zur Vollendung bringt.“
„Ihr glaubt also alle an einen Gott, von dem in letzter Linie die ganze sichtbare Schöpfung ausgeht?“ fragte Mietje.
Bleodila sah sie verständnislos an: „Ja, was sollten wir denn sonst glauben?“ fragte sie. „Etwa, diese ganze Welt mit ihren wunderbaren Geschöpfen und uns selbst, sei von selber entstanden?“ und sie brach in ein herzliches Gelächter aus, in das ihre beiden Töchter einstimmten, so daß es wie der Klang eines Glockenspiels durch die zitternden Lüfte schallte.
„Ihr habt recht, daß ihr lacht,“ sagte Mietje; „niemand macht sich so lächerlich, wie der Zweifler am Dasein Gottes.“
„Nichts ist wahrer als dies,“ stimmte der Lord bei: „Die Gottesleugnung wird stets der sicherste Beweis geringer Verstandesgaben sein und der Unfähigkeit, vernünftig zu denken. Allerdings entstammt der plumpe Aberglaube an die ewige, allmächtige Natur und ihren aus dem Nichts gezauberten Gesetzen dem unlautern Willen und nie der wissenschaftlichen Überlegung. Aber diese Leute, die das Opfer ihres Verstandes bringen, weil sie nicht glauben wollen, die Geist und Sinne absichtlich verschließen, um der allein vernünftigen Erkenntnis den Eingang zu verwehren, sind um so bejammernswertere Toren und tun sehr Unrecht daran, den Vogel Strauß zu belächeln, der den Kopf in den Sand steckt, meinend, nun sei auch das nicht da, was er nicht mehr sieht, nicht sehen will.“
„Unsere Philosophen,“ sagte Gabokol, „haben auch schon über das Welträtsel nachgedacht. So beschränkt war freilich keiner, am Dasein eines Schöpfers zu zweifeln. Aber die Frage nach der Ewigkeit des Sichtbaren warfen sie auf. Da kamen sie denn zu folgenden Erkenntnissen: entweder das Sichtbare war immer da, das heißt von jeher vom ewigen Schöpfer hervorgebracht; dann wird es auch immer sein, und die Vergänglichkeit ist nur etwas Scheinbares, als ein Übergang in andere, zweifellos, höhere Daseinsformen; das wäre eine beständige Entwicklung, ein ewiger Fortschritt.“
„Wenn aber das Sichtbare einen zeitlichen Anfang hätte?“ warf Schultze ein.
„Dann könnte es ja wohl auch ein Ende haben,“ erwiderte der Edenite; „allein es ist klar, daß wenneinmalein Anfang war, auch späterhin immer wieder ein neuer Anfang möglich ist; ja es wäre unsinnig zu glauben, daß es in der Ewigkeit der Zeiten nur einmal zu einem einzigen Anfang gekommen wäre und dann für alle Zeiten Ende und Tod. Wir schließen daraus, daß auch das Einzelne nie ein endgültiges Ende nehmen kann, sondern daß ihm ein neuer Anfang sicher ist. Der Anfang des Sichtbaren setzt also nicht sein Ende voraus, sondern vielmehr seine ewige Erneuerung.“
Es war wunderbar, wie die Lebensluft Edens Körper und Geist frisch erhielt, stärkte und belebte!
Was ließ sich doch alles aneinemTage ausführen, kam doch zum siebenundzwanzigstündigen Sonnentag nach einer Dämmerstunde die achtstündige Rosennacht, in der noch keine Müdigkeit oder Schläfrigkeit aufkam!
Man ging zur Ruhe, wenn der blaue Mond bereits einige Stunden geleuchtet hatte; man erhob sich gestärkt und munter, ehe der grüne Mond sich zum Untergang neigte: acht bis neun Stunden Schlafs genügten allen Bedürfnissen, so daß der Tag, das heißt die Zeit des Wachens, mehr als 40 Stunden währte.
Was man bei der hier so gesteigerten Auffassungsfähigkeit in wenigen Tagen lernen konnte, merkten unsre Freunde besonders daran, daß sie bald die Sprache Edens verstanden und redeten, als sei sie ihnen von Kind auf bekannt gewesen. Freilich wäre dies nicht möglich gewesen, wenn nicht eben die Verwandtschaft mit der irdischen und namentlich mit der deutschen Sprache, die der menschlichen Ursprache so besonders nahe steht, gewesen wäre.
Eines Abends, als der Rosenmond sein märchenschönes Licht über die Landschaft ergoß, saß die nun so vertraute Gesellschaft auf dem Dache des Hauses.
Gabokol führte mit Schultze und Flitmore ein ernstes Gespräch, dem John andächtig lauschte, sich hier und da eine seiner wohlgesetzten Fragen gestattend.
Mietje unterhielt sich mit Bleodila und der gesetzten Glessiblora über das Leben und Treiben der Frauenwelt Edens.
Fliorot lauschte den fabelhaften Erzählungen des Kapitäns Münchhausen, der an dem Knaben einen eifrigen Zuhörer gefunden hatte.
Etwas abseits saßen Heinz und Heliastra und betrachteten den leuchtenden Sternhimmel, der freilich den Augen der Jungfrau einer höheren Welt noch viel reichere Wunder offenbarte als dem Jüngling der irdischen Fernen.
„Ich liebe die Sterne so sehr!“ sagte die kleine Elfe: „Wie viel leuchtende Sonnen hat doch Gott erschaffen und wie unzählig mögen die Wesen sein, die ihres Glanzes sich freuen! Den helleren Sternen haben wir Namen gegeben und ebenso den Bildern, die durch verschiedene einander scheinbar nahestehende Sterne entstehen, wenn man sie vereint betrachtet.“
„Genau so haben auch wir auf der Erde es gemacht,“ erwiderte Heinz lächelnd.
„Nein! wie merkwürdig!“ rief Heliastra erfreut: „Sieh einmal, dort am Horizont stehen vier Sterne, die einen viereckigen Leib bilden, von dem ein langer Hals emporstrebt; wir nennen das Sternbild, das wohl das deutlichste am Himmel ist, Ligela, nach dem langhalsigen Tier, das ihr Giraffe nennt, wie heißet denn ihr’s?“
Heliastra hatte sich von Heinz fleißig in seiner Sprache unterweisen lassen und wußte schon alle Namen derjenigen irdischen Geschöpfe, die mit denen Edens einige Ähnlichkeit hatten.
„Wir nennen dies Sternbild den Wagen oder den Großen Bären,“ erklärte der Jüngling: „Es gehört auch bei uns zu den bekanntesten.“
Heliastra schüttelte das Goldköpfchen: „Ligela klingt schöner,“ meinte sie; „aber schau, dort drüben sind drei Sterne in einer Reihe und zwei darunter; dieses Bild nennen wir den Thron, Sissal, und den hellen Stern rechts unten Helor.“
„Wir heißen den letzteren Rigel, nehmen aber zum Sternbild noch jene beiden oberen Sterne, links Beteigeuze, rechts Bellatrix, und heißen das ganze Gebilde Orion.“
„Orion! Nein, welch schöner, klangvoller Name!“ rief das Mädchen. „Aber paß auf: die beiden Sterne, die ihr Beteigeuze und Bellatrix benennt, wir aber Fluir und Saila, rechnen wir zum langgestreckten Bild der Schlange, Slipilil; ihr Kopf ist dort links das strahlende Gestirn Glorhel.“
„Das ist Sirius im großen Hund,“ erläuterte Heinz.
„Und das Schwanzende,“ fuhr Heliastra fort, „ist dort rechts der helle Stern, an den sich mehrere kleinere in schönem Schwung anschließen; ersteren heißen wir Glizil.“
„Das ist Aldebaran im Stier und die kleine Gruppe die Hyaden.“
Noch eine ganze Reihe von Stern- und Sternbildernamen erklärten sich die beiden gegenseitig, wobei es sich freilich erwies, daß die Astronomen Edens meist andre Gruppierungen festgestellt hatten, als die irdischen. Genau übereinstimmend erfanden sich außer dem großen Bären nur die besonders scharf begrenzten Bilder der Kassiopeia, die ein großes lateinisches W bildet und der Wage; diese beiden nannte Heliastra „Doppeldreieck“ und „Amboß“ oder Dutri und Kolgor.
Immer wieder mußte Heinz dann von der Erde und den Menschen erzählen, und Heliastra lauschte seinen Berichten wie Wundermären aus einer fernen Märchenwelt.
Und wenn er von den Leiden, Fehlern und Leidenschaften der irdischen Geschöpfe berichtete, von den Schrecken und Gefahren, von Unglück und Verbrechen, die den Frieden und das Glück der Erdenbewohner trübten, da offenbarte sich ihm das tiefe Gemüt, das sich hinter dieses Sonnenkindes schelmischem Wesen barg.
Denn die Liebliche empfand ein so tiefes Mitleid mit ihren fernen Brüdern und Schwestern, daß ihre Himmelsaugen in Tränen schwammen; und die Sünde und Verworfenheit kam ihr noch als das allerbemitleidendste Elend vor, unter dem die armen Geschöpfe zu leiden hätten.
„O,“ rief sie aus: „Wie viel höhere und edlere Aufgaben, Arbeit und Tätigkeit ist doch euch zugewiesen, die ihr Schmerzen zu lindern, Übel zu bekämpfen und Schlechtes zu überwinden habt! Wir streben ja auch der Veredlung und Vollkommenheit zu, aber die Schwierigkeiten, mit denen ihr zu rechnen habt, sind uns unbekannt: bei euch muß das Leben ein wahres Heldentum sein. Nur einmal möchte ich auch hineinversetzt werden in all dies bejammernswerte Elend, um mit euch kämpfen und siegen zu können.“
„O, wünsche das nicht!“ sagte Heinz, das zarte Geschöpf in seiner verklärten Begeisterung wehmütig betrachtend: „Wie viel glücklicher seid doch ihr!“
„Meinst du? Ich fühlte mich wohl wunschlos glücklich, so lange ich nichts ahnte von Leiden, wie du sie zu schildern weißt. Nun aber ist ein heißer Wunsch, ein brennendes Verlangen in meiner Seele erwacht: ist es nicht das höchste Glück, trösten, lindern, helfen zu dürfen, wo das Elend zum Himmel schreit?“
„Und dann Undank ernten und von denen, mit denen man es so gut meinte, verhöhnt und gequält zu werden, wie es unserm Heiland ging?“
„Glaubst du nicht, es sei das Schönste, auch Unrecht zu leiden, nach dem Vorbild des Gottessohns, von dem du so himmlisch Großes und Herrliches zu erzählen weißt? Und dann weiß ich doch, du und deine Freunde, ihr würdet nicht spotten und mir mit Undank vergelten; ihr wäret meine treuen Mithelfer und Mitdulder. O, Freund, es müßte wahrhaft schön sein!“
Heinz betrachtete voll Bewunderung dieses ätherische Wesen, das sein beneidenswertes Glück mit Freuden geopfert hätte, um Lichtstrahlen zu spenden denen, die ihre Finsternis mehr liebten als das Licht!
Ja, wer an der Seite solch einer Seele hätte arbeiten können an der Beglückung der Gequälten und Verirrten!
Heinz hatte schon den Wunsch empfunden, für immer in dieser neuen Welt des Friedens zu weilen und nie wieder in das Elend der Erde zurückzukehren. Aber die hochherzige Gesinnung dieses Mädchens ließ ihn sich seiner eigennützigen Fluchtgedanken schämen: nein! er mußte zurückkehren auf die Erde als ein Kämpfer für Licht und Glück!
Es fand sich, daß die Photographie den Edeniten nicht unbekannt war.
In Gabokols Wohnung waren die Wände vielfach mit Bildern geschmückt, teils Porträts, teils Landschaftsbilder oder belebte Szenen aus Welt und Leben. All diese Darstellungen erschienen so überaus lebendig und naturwahr, so zart und leuchtend in den feinsten Farbenabstufungen, daß unsre Freunde sich nicht genug wundern konnten über die hohe Stufe, welche die Kunst der Maler hier erreicht habe.
Bald erfuhren sie jedoch, daß es sich nur zum geringsten Teil um Gemälde handelte, daß vielmehr die meisten dieser Kunstwerke nichts andres waren als Lichtbilder in natürlichen Farben.
Gabokol selber besaß einen photographischen Apparat, den er Flitmore bereitwilligst erläuterte. Die Linse war durchaus dem menschlichen Auge nachgebildet und wurde auch wie dieses eingestellt, wobei sie Bilder von unnachahmlicher Schärfe lieferte. Die Platten bestanden aus durchsichtiger Baumrinde und waren mit einem licht- und farbenempfindlichen Stoffe überzogen, der ebenfalls genau dem entsprechenden Stoff im Auge des Menschen nachgeahmt war. So entstand schon auf der Platte ein farbiges Bild, das durch ein verblüffend einfaches Verfahren festgehalten wurde. Von dieser ersten Platte konnten dann beliebig viele Vervielfältigungen ausgeführt werden, wobei man stets dieselben dünnen Platten benutzte: ein besonderes Material für die Abzüge war durchaus entbehrlich.
Gabokol schenkte dem Lord einen solchen Apparat und Flitmore war nun imstande, die Wunder Edens in einer Weise festzubannen, wie es keine irdische Kunst vermocht hätte.
Heinz durfte die Wunderkamera benutzen so oft er wollte; während aber der Lord vorzugsweise Landschaften, Tier- und Pflanzenbilder aufnahm,bevorzugte der Jüngling Porträtaufnahmen. Namentlich wurde er nicht müde, Heliastra allein oder mit ihrer anmutigen Schwester in immer neuen Stellungen zu photographieren und die Mädchen kamen ihm hiebei mit freundlichster Geduld entgegen.
Musik war den Edeniten ein Lebensbedürfnis; sie besaßen eigenartige Instrumente von unbeschreiblichem Wohlklang und einer Mannigfaltigkeit der Tonfarben, die ganz wunderbare Effekte ermöglichte. Das durchsichtige Holz der Bäume und Rohre, aus dem hauptsächlich die Instrumente gefertigt wurden, schien für diesen Zweck weit geeigneter als alle irdischen Holz- oder Metallarten; auch der stärkste metallische Klang, Orgel- und Glockentöne, war gewissen Holzarten eigen.
John war außer sich vor Freude über eine Flöte, die ihm Fliorot verehrte, und aus welcher der musikalische Diener Weisen hervorzuzaubern vermochte, die ihm alles Irdische zu übertreffen schienen.
Völlig in himmlische Sphären versetzt fühlten sich aber unsre Freunde, wenn Gabokol und Fliorot mit Bleodila, Glessiblora und Heliastra ihre herrlichen Gesänge erschallen ließen: das waren Stimmen, die den Traum einer Sphärenmusik tatsächlich verwirklichten; es war zu wenig gesagt, wenn man den Baß der Männer mit Orgelklängen vergleichen wollte und die Reinheit der Mädchenstimmen mit Silberglocken: jeder irdische Vergleich mußte hier verblassen und man konnte nur an die unbekannten Chöre der himmlischen Heerscharen denken. Und der Umfang dieser Stimmen war geradezu unglaublich: kein menschlicher Baß und kein irdischer Tenor konnte in solche Tiefen hinab, in solche Höhen hinaufsteigen; und die weiblichen Stimmen schienen in unendliche Räume entschweben zu können, wo sie zu ätherischen Klängen sich verflüchtigten.
Und welch fremdartige Melodien! Seltsam und niegehört den Erdenbewohnern und doch so heimatlich vertraut, als ob die in Träume des Entzückens gewiegte Seele die Lieder eines verlorenen Paradieses vernehme, das einst ihre selige Heimat war.
Merkwürdigerweise besaßen die Edeniten keinerlei Saiteninstrumente und so war ihnen Heinz’ Geige etwas völlig Neues.
Immer wieder wurde der Jüngling gebeten, ihnen irdische Weisen vorzuspielen. Anfangs sträubte er sich, denn ihm schien auch das Höchste, was Erdenkunst erreicht hat, kaum wert, sich hören zu lassen vor Ohren, die eine Sphärenmusik gewohnt waren; so glaubte er, sein Spiel müsseden Gastfreunden minderwertig erscheinen, und nur aus Höflichkeit bäten sie ihn, sein schwaches Talent ihnen vorzuführen.
Heinz photographiert Heliastra und Glessiblora.
Heinz photographiert Heliastra und Glessiblora.
Bald aber merkte er, daß er sich darin irrte; höfliche Verstellung und Schmeichelei war diesen Menschen fremd und sie hielten mit ihrem Urteil nicht zurück, wenn ihnen ein Musikstück nicht gefiel.
Aber das Violinspiel an und für sich und die wunderbare Vortragsweise des jungen Künstlers übte einen mächtigen Zauber auf sie aus, und Heinz mußte außerdem erkennen, daß die unsterblichen Tondichtungen irdischer Meister sich durchaus nicht zu scheuen brauchten, auch in höheren Welten zu Gehör gebracht zu werden, daß sie vielmehr hier ein noch höheres Verständnis fanden und entsprechenden Genuß vermittelten.
Heliastra besonders konnte sich an diesen Klängen einer fernen Welt nicht satthören.
„Unsre Musik ist schön,“ sagte sie, „und wir haben große Tonmeister gehabt und besitzen deren noch solche. Ihre Schöpfungen heiligen unsre Andacht und geben unserm Jubel Flügel; aber unsrer Musik fehlt etwas: ja, ihr mangelt der Reiz, der mich an der euren so völlig gefangen nimmt, die Wehmut, der Schmerz, die himmlische Sehnsucht, die geben euren Tonschöpfungen eine Seele, eine Wärme und Tiefe des Gefühls und Ausdrucks, daß ich glaube, selbst die Engel und Verklärten im Himmel könnten sich ihrem Banne nicht entziehen, noch ihnen ohne Bewegung und innerste Erschütterung lauschen. O, was muß das für eine Welt sein, wo der Schmerz sich in solchen Tönen verklärt und die Sehnsucht so ergreifenden Ausdruck findet!“
Gabokol begeisterte sich so sehr für die Violine, daß er beschloß, den Versuch zu machen, ein ähnliches Instrument herzustellen.
Er wählte das Holz eines Baumes, dessen Klangfarbe ihm zu diesem Zweck am passendsten erschien, und als Saiten zog er Pflanzenfasern auf, die sich vorzüglich hiezu eigneten. Im Bau ahmte er die Geige seines jungen Freundes aufs genaueste nach.
Er kam rasch mit der Arbeit zustande und nun erwies es sich, daß sowohl Holz als Saiten ungeahnte Vorzüge vor den irdischen Materialien aufwiesen.
Heinz versuchte sich sofort auf dem neuen Instrument: es war eine richtige Violine, aber sie ermöglichte eine solche Zartheit und wiederum eine solche Kraft des Tones und war von einem Zauber der Klangfarbe und Reinheit, daß keine Stradivari, Guarneri oder Amati sich entfernt mit ihr hätte vergleichen können.
Auch die Edeniten erkannten sofort, daß dies neue Instrument dem schon bisher so bewunderten Spiel ihres Freundes noch erhöhte Kraft und Schönheit, vertiefte Wärme und Innigkeit verlieh.
Daher bot Gabokol sein so überraschend gelungenes Kunstwerk Heinz zum Geschenk an, eine Gunst, die mit Jubel und Dankbarkeit angenommen wurde.
In der Folge baute Gabokol noch mehrere Violinen, die alle die gleichen trefflichen Eigenschaften besaßen, obgleich es sich auch hier zeigte, daß jedes neue Instrument seine besondere Eigenart in der Klangfärbung aufwies.
Dieser Erfolg bewog unsre Freunde, ihren Gastgeber auch in die besonderen Geheimnisse andrer Saiteninstrumente einzuweihen und so entstanden Cellos, Gitarren, Mandolinen, Zithern, Harfen und sogar ein Saitenklavier.
„Heute ist der siebte Tag,“ sagte Gabokol eines Morgens. „Wollt ihr nicht heute mit uns zum erstenmal die Stadt besuchen? Es ist bei uns von jeher eine Vorschrift, daß wir uns am siebten Tage versammeln, um Gott zu loben, ihn anzubeten und von seinem Willen und unsrer ewigen Bestimmung zu hören, was der Priester des Ewigen uns verkündigt. Wir lassen an diesem Tage alle Arbeit ruhen und sind fröhlich miteinander.“
„Ja, es ist der schönste Tag,“ fügte Bleodila hinzu.
„Merkwürdig!“ rief Mietje: „Auch wir pflegen den siebten Tag als Gottes heiligen Tag zu feiern.“
„Das ist herrlich!“ meinte Bleodila. „Und wir sehen daraus wieder, daß ihr unsern Gott als den euren erkennt.“
So begaben sich alle einträchtig hinab in das Tal.
Der Versammlungsraum befand sich am äußersten Ende der Stadt, das heißt, es war das nächste Gebäude und war vor allen andern durch seine Höhe, Ausdehnung und Herrlichkeit ausgezeichnet. Statt der rauhen Felswände, wie die meisten Wohngebäude sie aufwiesen, sah man hier glänzend polierten Marmor und Säulen von durchsichtigen Edelsteinen, die meist von den Monden Edens herabgeholt worden waren, wie Gabokol erklärte.
Die ganze Einwohnerschaft der Stadt versammelte sich hier: würdige Greise mit edlen Zügen, trotz ihres oft vielhundertjährigen Alters runzellos und von vollendeter Schönheit, Männer, Frauen, Jünglinge, Jungfrauen, Knaben und Mädchen, ja ganz kleine Kinder schwebten herein und alle leuchteten in verklärter Freude.
Das Erscheinen der Fremdlinge von einem entfernten Planeten erregte Aufsehen, namentlich bei der Jugend; doch selbst die kleinsten Kinder zeigten keine aufdringliche Neugier.
Immerhin waren zu Anfang Tausende von Blicken auf die Ankömmlinge gerichtet; denn alle hatten zwar schon von den seltsamen Gästen gehört, aber nur ganz wenige hatten sie geschaut bei zufälligen Begegnungen auf deren einsamen Spaziergängen, und Besuche im Hause Gabokols hatte man aus zarter Rücksicht in den letzten Tagen absichtlich vermieden, um abzuwarten, bis die irdischen Besucher selber den Anfang machten, sich unter den Leuten zu zeigen.
Sobald jedoch der Priester in den Altar trat, erfüllte ungeteilte Andacht alle Gemüter und nun erscholl tausendstimmiger Gesang von einer Reinheit und Musik, daß es unsren Freunden war, als hörten sie das Lob der himmlischen Heerscharen.
Dann wurde ein gemeinsames Gebet gesprochen, worauf der Priester von der Herrlichkeit und Güte des Schöpfers redete und von dem Dank und den Pflichten seiner Geschöpfe.
Noch mehrmals erscholl der Orgel- und Glockenton der überwältigenden Gesänge.
Heinz konnte sich nicht versagen, ein Loblied, das ihm besonders gefiel, in deutschen Versen niederzuschreiben. Seine allerdings schwache Übersetzung, die in unserer viel ärmeren Sprache weder der Gedankenkraft noch der Klangfülle des Urtextes gerecht werden konnte, lautete folgendermaßen:
Gott, Du Herr der Ewigkeiten,Wer mag Deinen Ruhm verbreiten?Wer mag preisen Deine Stärke,Wer kann fassen Deine Werke?Wunder schufst Du allerortenMit des Geistes Lebensworten,Und vor Deiner Allmacht ZeugenMuß der kühnste Geist sich beugen.Was Du willst, das muß entstehen,Was Du schiltst, das muß vergehen;Aus dem Nichts riefst Du das Leben,Hast dem Staube Geist gegeben;Und Du hältest in den GleisenWelten, die um Welten kreisen:Aus den unbegrenzten FernenLeuchtet uns ein Meer von Sternen.Licht aus unerschöpftem LichteStrahlt von Deinem Angesichte,Leuchtet aus der Sonnen Gluten,Fleußt aus ungehemmten FlutenAuf die Werke Deiner Liebe,Weckt des Lebens reiche Triebe:In dem All ist keine Stätte,Die nicht ihre Wunder hätte.O, daß ich in neuen WeisenDeine Größe könnte preisen!O, daß all mein Reden wäreNur ein Lob zu Deiner Ehre!Meine Werke von Dir zeugten,Meine Sinne Dir sich beugten!Mach mich frei von eitlen Dingen,Nur von Dir allein zu singen!
Gott, Du Herr der Ewigkeiten,Wer mag Deinen Ruhm verbreiten?Wer mag preisen Deine Stärke,Wer kann fassen Deine Werke?Wunder schufst Du allerortenMit des Geistes Lebensworten,Und vor Deiner Allmacht ZeugenMuß der kühnste Geist sich beugen.Was Du willst, das muß entstehen,Was Du schiltst, das muß vergehen;Aus dem Nichts riefst Du das Leben,Hast dem Staube Geist gegeben;Und Du hältest in den GleisenWelten, die um Welten kreisen:Aus den unbegrenzten FernenLeuchtet uns ein Meer von Sternen.Licht aus unerschöpftem LichteStrahlt von Deinem Angesichte,Leuchtet aus der Sonnen Gluten,Fleußt aus ungehemmten FlutenAuf die Werke Deiner Liebe,Weckt des Lebens reiche Triebe:In dem All ist keine Stätte,Die nicht ihre Wunder hätte.O, daß ich in neuen WeisenDeine Größe könnte preisen!O, daß all mein Reden wäreNur ein Lob zu Deiner Ehre!Meine Werke von Dir zeugten,Meine Sinne Dir sich beugten!Mach mich frei von eitlen Dingen,Nur von Dir allein zu singen!
Gott, Du Herr der Ewigkeiten,Wer mag Deinen Ruhm verbreiten?Wer mag preisen Deine Stärke,Wer kann fassen Deine Werke?Wunder schufst Du allerortenMit des Geistes Lebensworten,Und vor Deiner Allmacht ZeugenMuß der kühnste Geist sich beugen.
Gott, Du Herr der Ewigkeiten,
Wer mag Deinen Ruhm verbreiten?
Wer mag preisen Deine Stärke,
Wer kann fassen Deine Werke?
Wunder schufst Du allerorten
Mit des Geistes Lebensworten,
Und vor Deiner Allmacht Zeugen
Muß der kühnste Geist sich beugen.
Was Du willst, das muß entstehen,Was Du schiltst, das muß vergehen;Aus dem Nichts riefst Du das Leben,Hast dem Staube Geist gegeben;Und Du hältest in den GleisenWelten, die um Welten kreisen:Aus den unbegrenzten FernenLeuchtet uns ein Meer von Sternen.
Was Du willst, das muß entstehen,
Was Du schiltst, das muß vergehen;
Aus dem Nichts riefst Du das Leben,
Hast dem Staube Geist gegeben;
Und Du hältest in den Gleisen
Welten, die um Welten kreisen:
Aus den unbegrenzten Fernen
Leuchtet uns ein Meer von Sternen.
Licht aus unerschöpftem LichteStrahlt von Deinem Angesichte,Leuchtet aus der Sonnen Gluten,Fleußt aus ungehemmten FlutenAuf die Werke Deiner Liebe,Weckt des Lebens reiche Triebe:In dem All ist keine Stätte,Die nicht ihre Wunder hätte.
Licht aus unerschöpftem Lichte
Strahlt von Deinem Angesichte,
Leuchtet aus der Sonnen Gluten,
Fleußt aus ungehemmten Fluten
Auf die Werke Deiner Liebe,
Weckt des Lebens reiche Triebe:
In dem All ist keine Stätte,
Die nicht ihre Wunder hätte.
O, daß ich in neuen WeisenDeine Größe könnte preisen!O, daß all mein Reden wäreNur ein Lob zu Deiner Ehre!Meine Werke von Dir zeugten,Meine Sinne Dir sich beugten!Mach mich frei von eitlen Dingen,Nur von Dir allein zu singen!
O, daß ich in neuen Weisen
Deine Größe könnte preisen!
O, daß all mein Reden wäre
Nur ein Lob zu Deiner Ehre!
Meine Werke von Dir zeugten,
Meine Sinne Dir sich beugten!
Mach mich frei von eitlen Dingen,
Nur von Dir allein zu singen!
Als der erhebende Gottesdienst zu Ende war, trat der greise Priester geradewegs auf unsre Freunde zu und sprach:
„Wir haben gehört, daß ihr Fremdlinge einer fernen Gotteswelt den ewigen Schöpfer kennt und anbetet gleich uns. Das ist uns eine hohe Freude! Nun wäre es dieser ganzen Gemeinde ein besonderes Fest und gewiß dem Allgütigen angenehm, wenn in diesem Heiligtum zum erstenmale in fremder Zunge von Gottesgeschöpfen eines weltfernen Planeten Gottes Lob erklänge; darum, wenn ihr uns erfreuen wollt, eines eurer frommen Lieder zu singen, so wären wir euch dankbar.“
„Ein feste Burg!“ sagte Flitmore kurz zu seinen Begleitern.
Und ohne sich zu besinnen stimmten sie den Choral an. Es schien ihnen, als seien ihre Stimmen zu Strömen gewachsen, so brauste das Lied aus wenigen Kehlen durch die Hallen dahin, und der Gesang bewährte seinen heiligen Zauber auch in dieser höheren Welt, denn unter lautloser Stille lauschten ihm die Tausende mit Andacht und sichtlicher Ergriffenheit.
Als nun die ganze Gemeinde das Gotteshaus verließ, machten unsre Freunde in Begleitung ihrer Wirte Besuche bei mehreren den letztern befreundeten Familien und folgten zuletzt der Einladung des Provinzfürsten zum Mittagsmahl.
Hierauf machten sie einen Ausflug vor die Stadt und bewunderten die prächtigen Kulturen: die wogenden Getreidefelder mit ihren durchsichtigen Goldähren, die Gemüse- und Nutzpflanzungen, die Viehweiden.
In Scharen schwebten die festlich gekleideten Edeniten in der Umgegend umher und es war ein himmlischer Anblick, sie so leicht dahingleiten zu sehen, umflossen von ihren spinnwebzarten Gewändern, die in allen Regenbogenfarben leuchteten. Noch höheren Genuß bereitete es, diese vollkommenen Gestalten und diese von Schönheit, Anmut und Herzensfreundlichkeit strahlenden Gesichter zu bewundern. Und doch mußte sich Heinz sagen, so reizende Mädchen und Jungfrauen sich darunter befanden, das heißt solche von besonders hervorragender Anmut und Schönheit, denn reizend waren eigentlich alle Edeniten zu nennen, so fand sich doch keine, die Heliastra an bezaubernder Lieblichkeit gleich gekommen wäre, sie blieb die Perle Edens.
Da und dort spielte die Jugend unter Silberlachen und Scherzen; das war ein Wirbeln und Hüpfen, Fliehen und Haschen auf der Erde und in den Lüften, und die Spiele waren alle so sinnig und voll der spannendsten Zwischenfälle, daß man stundenlang mit dem lebhaftesten Interesse dem bunten Treiben zusehen konnte.
Als dann abends der Rosenmond aufglänzte, wurde in einem großen, herrlichen Parke vor der Stadt ein Fest zu Ehren der fremden Gäste gehalten.
Die ganze Stadt, jung und alt, beteiligte sich daran.
Während des köstlichen Gastmahls hielt der Fürst eine Ansprache, in welcher er die Bedeutung des Ereignisses hervorhob, daß zum erstenmale ein Verkehr und freundschaftliche Beziehungen zwischen den Bewohnern entfernter Planeten angebahnt worden seien. Er rühmte das Genie dieser Erdenbürger, die solches zustande gebracht, ihren Mut, der das Unerhörte gewagt habe, und die göttliche Güte, die sie beschützte und geleitete auf einer Fahrt durch unendliche Welträume.
Heinz, als derjenige, der allein die Sprache Edens bereits vollkommen beherrschte, erwiderte in glänzender Rede, und Gabokol und die Seinen, vor allem Heliastra, bewunderten die Gewandtheit seiner Ausführungen und den Glanz seiner Bilder, sowie den edlen Flug seiner Phantasie und den Geist seiner Gedanken.
Sie waren ordentlich stolz auf ihre Gäste, und als jubelnder Beifall den jungen Redner lohnte, erhob sich Heliastra begeistert und mit tränenschimmernden Augen und drückte einen Kuß ihrer Rosenlippen auf des Freundes Mund, das höchste Zeichen der Anerkennung, das ein Edenite zu spenden vermochte.
Der erneute Beifall und Jubel, der dieser Tat folgte, zeigte deutlich, daß das ganze Volk sich dieser Huldigung anschloß.
Heinz fühlte sich wie im Traum, umflossen von rosigem Mondlicht, geehrt und beglückt durch die Anerkennung von Wesen, die er mit Recht für hoch über sich stehend ansah, vor allem aber durch die verwirrende Gunstbezeugung des holdseligsten aller Geschöpfe, saß er da, wie verklärt.
Heliastra las ihm die Gedanken aus den Augen und nahm ihn bei der Hand.
„Komm!“ sagte sie, „wir wollen eine Weile die Einsamkeit aufsuchen, ich sehe, deine Seele verlangt nach Stille.“
Heinz ließ sich von ihr führen.
Sie traten durch ein Gebüsch an die Ufer eines stillen Sees, der im rosigen Schein der Mondnacht magisch leuchtete.
Bunte Schwäne, Enten und Wildgänse plätscherten in seinen friedlichen Fluten; Reiher, Flamingos, Ibisse, Pfauen und Pelikane belebten in ihrem strahlenden Flaumkleide die Ufer, lauter Vögel, die zwar den entsprechenden irdischen Arten ähnlich waren, doch in Formen und Farben weit vollkommener und entzückender erschienen als diese.
Riesenechsen, eine Art Krokodile, mit perlmutterschimmernden Schuppen lagen am Strand oder lugten aus dem rosenschimmernden Spiegel.
Heinz folgte dem Beispiel seiner Gefährtin, die diese prächtigen Eidechsen zärtlich streichelte; hier hatten auch diese gewaltigen Amphibien nichts Feindseliges noch Schreckhaftes; man sah es ihren sanften Augen schon an, wie fromm und friedlich sie waren.
Der rosa Mond versank hinter dem Horizont und sein blauer Gefährte löste ihn ab.
Da schlang Heliastra den zarten Arm um ihres Gefährten Hals und sagte: „Komm, laß uns nun wieder zu den Freunden zurückkehren; die Stunde der Heimkehr naht, und morgen wollen wir ja die große Reise nach der Hauptstadt des Landes antreten.“
Sie kehrten in den Kreis der festlichen Menge zurück und bald darauf erfolgte der allgemeine Aufbruch unter herzlichen Abschiedszurufen.
Am folgenden Tag wurde die geplante Reise unternommen, auf der unsere Freunde einen Teil des großen Planeten kennen lernen und Heinz in der Hauptstadt seinen Vortrag über die Entstehung der Sprache halten sollte.
Der König des Landes und die Lehrer an der Universität waren durch ausgesandte Schallwellen von dem bevorstehenden Besuch verständigt worden.
Als Fahrzeug diente das gewöhnliche Beförderungsmittel der Edeniten, eine Art großen Bootes mit verdeckten Schlafräumen und offenem Verdeck, das, durch die sogenannte Parallelkraft getrieben, in geringer Höhe über dem Erdboden durch die Luft flog.
Die Fluggeschwindigkeit, die sich bis auf 500 Stundenkilometer steigern ließ, so daß der ganze Planet in 160 Stunden umkreist werden konnte, wurde auf 100 Kilometer ermäßigt, damit die Reisenden alles bequem zu schauen vermöchten.
Die ganze Familie Gabokol gab ihnen das Geleite, ebenso der Provinzfürst, der es sich zur Pflicht und Ehre anrechnete, sie persönlich dem König vorzustellen.
„Unser Land ist das größte und bedeutendste des Planeten,“ erklärte der Fürst während der Fahrt. „Die Könige der andern Länder haben sich freiwillig unter die Oberhoheit unsres Königs gestellt, so daß dieser der oberste Herr über die zweihundert Millionen Einwohner unserer Weltkugel ist. Freilich gibt es da nicht viel zu regieren, da er den andern Herrschern volle Freiheit läßt und nie Grund hat, einzuschreiten; auch in den andern Ländern denkt nie ein Bürger daran, seine Pflichten zu vernachlässigen; so kommt die höchste Gewalt eigentlich nur für die einheitliche Leitung der gemeinsamen Arbeiten in Betracht, und da ist es freilich notwendig, zielbewußt und nach dem gleichen Plane zu wirken, damit die bewohnbareZone unseres Planeten gleichmäßig verbreitert werde und die wachsende Bevölkerung stets Platz finde, sich auszudehnen.
Abgesehen von den zahlreichen Dialekten, haben wir nur vier eigentliche Sprachen, die auffallend von einander verschieden sind. Die Hauptstadt unseres Landes liegt auf der nördlichen Halbkugel, jenseits des Äquators, etwa 20 Flüge von hier entfernt, was nach euren Maßen 6000 Kilometer ausmachen dürfte.“
Die Edeniten rechneten nach „Flügen“, das heißt nach der Strecke, welche sie gewöhnlich ohne Rast in einem Zuge zurücklegen konnten, und die 300 Kilometer nach Erdenmaß betrug.
Das Luftboot flog über Landschaften von wunderbarem Reize hinweg; Täler und Ebenen, Flüsse und Ströme, Hügel, Felsen und Hochgebirge, große Städte und idyllische Dörfer wurden überflogen, und als nach vierzigstündigem Flug der rosa Mond unterging, landete die Reisegesellschaft am Ufer eines brausenden, herrlichen Meeres.
Dieses wurde am folgenden Tage in 20stündiger Fahrt überflogen und am jenseitigen Ufer ragte die Landeshauptstadt hart an der Küste empor, eine Großstadt von anderthalb Millionen Einwohnern.
Der Rest des Tages, sowie die beiden folgenden Tage wurden der Besichtigung der hochinteressanten Ansiedelung gewidmet.
Noch am Tage ihrer Ankunft wurden unsere Freunde dem Könige auf dessen Wunsch vorgestellt.
Er empfing sie mit der gleichen Herzlichkeit und Einfachheit, wie es jeder Bürger des Landes tat.
Besonders erfreut waren die Gelehrten der Hochschule, die Erdenbewohner kennen zu lernen, und unsere Freunde hatten tausend Fragen zu beantworten, wobei ihnen stets versichert wurde, welchen Dank man ihnen schulde, da sie die Wissenschaft der Edeniten in ungeahntem Maße bereicherten.
Als Heinz seinen Vortrag hielt, konnte der größte Raum der Hauptstadt die Zuhörer nicht fassen, und er mußte seine Ausführungen noch dreimal wiederholen, um nach und nach die Mehrzahl der Wißbegierigen zu befriedigen.
Die Gelehrten versicherten, daß ihnen ein neues Licht für ihre Sprachforschungen aufgegangen sei, und Schultze mußte bei sich denken, daß hier oben neue Wahrheiten offenbar nicht unter dem Hohn und leidenschaftlichen Widerspruch von Fachgelehrten zu leiden hatten, deren Eitelkeit nicht zugeben will, daß ihre bisherigen Forschungsergebnisse falsch waren.
Besonders interessant war unsern Freunden ein Besuch der Sternwarte. Die Edeniten besaßen auch Fernrohre, die jedoch auf ganz anderen Prinzipien beruhten als die irdischen und ihnen eine ungleich bessere Kenntnis der Sternenwelt ermöglichten.
Freilich verdankten sie letzteres hauptsächlich der wunderbaren Einrichtung ihrer Augen, konnten sie doch schon mit bloßem Auge Welten erkennen, die unsern Fernrohren und selbst der photographischen Platte ewig verborgen bleiben.
Die Astronomen waren höchlichst erstaunt, zu vernehmen, daß die Erdenmenschen kaum 2000 Sterne mit unbewaffnetem Auge zu erkennen vermochten und daß der Sternkatalog, den Hipparch vor 2100 Jahren entwarf, nur 1080 Sterne enthielt, obgleich er alle einigermaßen hellen Sterne verzeichnete.
Schultze berichtete ihnen weiter, daß Argelander mittels des Fernrohrs etwa 360000 Sterne bestimmte und in seinem Katalog verzeichnete, eine Arbeit, der er fast sein ganzes langes Leben widmete, und daß man gegenwärtig an der Arbeit sei, auf photographischem Wege eine Mappierung der Sterne vorzunehmen, die noch etwa hundert Erdenjahre in Anspruch nehmen dürfte und die über 20 Millionen Sterne enthalten werde, von denen drei Millionen ihrer Lage nach auf den Platten ausgemessen werden sollen.
Die Gelehrten zeigten Schultze einen Sternkatalog mit genauen Karten, der über 500 Millionen Sterne enthielt, unter diesen auch das irdische Sonnensystem mit sämtlichen Planeten und ihren Monden.
Ihre langen Nächte und ihr langes Leben gestatteten ihnen eben auch neben der Vorzüglichkeit ihrer Sehwerkzeuge, Aufgaben zu lösen, die den Menschen unmöglich wären.
Während die irdischen Astronomen nur durch die Spektralanalyse mit Sicherheit festzustellen vermögen, ob ein Nebelfleck, der auch durch das stärkste Fernrohr als solcher erscheint, in Wirklichkeit ein Sternnebel sei, oder aber ein Sternhaufe, eine große Zahl Sterne, die durch ihre scheinbare Nähe infolge der großen Entfernung nicht mehr als einzelne Sterne von einander unterschieden werden, konnten die Sternkundigen Edens mittelst ihrer Fernrohre Nebel und Sternhaufen deutlich unterscheiden.
Auch sie waren der Ansicht, daß die meist spiralförmigen Nebel die Werkstätte des Schöpfers seien, in der durch Verdichtung des weltenbildenden Stoffs neue Sterne, ja ganze Sonnensysteme gebildet würden, die sich ausdem häufig erkennbaren Zentralkern und den vielfach beobachteten anderweitigen Lichtknoten in der Nebelmasse herausbilden.
Schultze hielt auf Wunsch den Astronomen einen öffentlichen Vortrag über den Stand und die Errungenschaften der irdischen Astronomie; dabei führte er auch an, was David Gill in seiner berühmten Rede über die Bewegung und Verteilung der Sterne im Raume sagt: „Wir haben die Milchstraße als zwei majestätische Sternströme erkennen gelernt, die nach entgegengesetzten Richtungen wandern; der eine dieser Ströme führt das irdische Sonnensystem mit sich in unendliche Weiten, der andere wandert der Erde entgegen. Die Milchstraße löst sich im Fernrohr in Haufen unzähliger Sterne auf, die zum Teil in dichten Schwärmen beieinander stehen und mit geballten Nebelflecken erfüllt sind, zum Teil von dunkeln, gewundenen Kanälen unterbrochen erscheinen.“
„Eure Hauptsonne,“ fuhr der Professor fort, „wandert im Sternenstrom mit einer Schnelligkeit von 184 Kilometern in der Sekunde; unsere Erde mit ihrem ganzen Sonnensystem bewegt sich auf das Sternbild des Herkules oder der Lyra zu mit einer Geschwindigkeit von wahrscheinlich ebensoviel als die Umdrehungsgeschwindigkeit unsrer Erdkugel um die Sonne beträgt, nämlich 29450 Meter in der Sekunde oder etwa 30 Kilometer, den zehnten Teil eines ‚Fluges‘ nach eurer Rechnung im Zeitraum ‚Zwei‘, wie ihr unsere Sekunden benennt.
Die Spektralanalyse, wie David Gill in seiner angeführten Rede sagt, hat uns die Sterne enthüllt als gewaltige Schmelztiegel des Schöpfers, in denen er den Stoff unter den Bedingungen des Drucks, der Hitze und Umgebung gestaltet in einer Mannigfaltigkeit und einem Größenmaßstabe, die alle Begriffe seiner Geschöpfe übersteigen.“
Drei Wochen dauerte der Aufenthalt in der Hauptstadt, dann wurde die Rückreise auf einem andern Wege angetreten, wobei unsere Freunde auch die ungeheuren Felsenwüsten Edens zu Gesicht bekamen, die keine Erde und daher auch keinen Pflanzenwuchs hatten, und an deren Bedeckung mit Erde emsig gearbeitet wurde.
Immer inniger schlossen sich unsere Freunde an die Familie Gabokol an; die Zuneigung war eine gegenseitige und erstreckte sich auf alle Glieder; dennoch fühlten sich die einzelnen wieder zu einzelnen besonders hingezogen.
So verkehrte Lord Flitmore am liebsten mit Gabokol. Die beiden bauten gemeinsam photographische Apparate und Musikinstrumente, machten Ausflüge, um die reizenden Landschaftsbilder und merkwürdigsten Tiere zu photographieren und unterhielten sich über die Kunst Edens und der Erde.
Mietje war mit Bleodila ein Herz und eine Seele; sie steckten beieinander in Küche, Haus und Garten und tauschten vornehmlich ihre Hausfrauenerfahrungen aus.
Professor Schultze hatte in Glessiblora die andächtigste Zuhörerin, die sich für die Fortschritte und Eigenart irdischer Wissenschaften am lebhaftesten interessierte.
Heinz und Heliastra fühlten sich wiederum besonders zu einander hingezogen, hatten ihre kleinen Geheimnisse miteinander und gingen oft gemeinsam ihre eigenen Wege, sich für alles Reine, Hohe und Edle begeisternd, das ihre Gespräche verklärte.
Kapitän Münchhausen aber hatte Fliorot zum gewöhnlichen Gesellschafter erwählt, denn der Knabe lauschte mit Andacht und Begierde auf die fabelhaften Berichte und Schilderungen, die der alte Seebär von seiner irdischen Heimat mitzuteilen verstand.
Saß man beieinander, so ergaben sich die Gruppen von selber nach den eben enthüllten besonderen Zuneigungen. John allein pendelte zwischen zwei Extremen hin und her, einmal mit Glessiblora Bildung und Belehrung beim Professor suchend, das andremal neben Fliorot sich an des Kapitäns Abenteuern ergötzend.
Verstummte einmal die Unterhaltung der andern, so horchte man allgemein auf den Kapitän, der unerschöpflich war und nie verstummte, abgesehen natürlich von den Mahlzeiten, wo er im Gegenteil unergründlich, das heißt unersättlich schien.
Diese Bemerkung hatte Professor Schultze gemacht, indem er sagte: „Münchhausen, Sie sind beim Essen ein Danaidenfaß, welches bekanntlich bodenlos war und nie voll wurde, so viel man hineinschöpfte; beim Erzählen aber sind Sie die reine Charybdis, von der Schiller sagt: Und will sich nimmer erschöpfen noch leeren.“
„Na, was sind denn Sie dann, Professor?“ erwiderte Münchhausen. „Die Scylla! Denn wer meinem immerhin unterhaltenden Redeschwall entrinnen will, der wird kopfüber von Ihren langweiligen und ebenso endlosen wissenschaftlichen Strudeln verschlungen.“
Hierauf fuhr der Kapitän in seinem Berichte fort, den er just dem wißbegierigen Fliorot erstattete.
„Also, wie ich dir erzählte, ermöglichte ich unsere Reise zu euch dadurch, daß ich unser Weltschiff vom Kometen Amina ins Schlepptau nehmen ließ.
Die Kometen sind eigentlich besonders zu diesem Zweck erschaffen und stellen sozusagen die Weltpostverbindungen zwischen den einzelnen Sonnensystemen dar; ich war früher Kapitän zur See, als ich aber das Umherreisen auf den beschränkten irdischen Meeren satt hatte, nahm ich eine Stelle als Weltkapitän an und habe öfters Reisen mit Kometen gemacht, so daß ich mich vorzüglich auf ihre Steuerung verstehe. Jeder Komet hat nämlich ein Steuer, in welchem seine sogenannte Gravitationskraft liegt. Man braucht diese nur zu verrücken, so nimmt der Komet eine andere Fahrtrichtung.
Die Astronomen auf Erden haben sich oft gewundert, daß ein Komet plötzlich eine ganz andere Richtung einschlug, als sie berechnet hatten. Sie schrieben dies dann dem Einfluß des Jupiter zu. Dieser Jupiter war in Wirklichkeit ich, da ich dem Kometen durch eine Wendung des Steuers oder der Gravitationskraft eine neue Bahn anwies, um das Reiseziel zu erreichen, dem ich zustrebte.
Die Fahrt mit einem solchen Kometen ist äußerst praktisch, wenn man in die weit entfernten Sonnensysteme reisen will, denn diese Weltenbummler entwickeln eine unerhörte Geschwindigkeit.
Zusammenstöße und Unfälle sind dabei freilich nicht zu vermeiden und es ist auch mir vorgekommen, daß ein von mir kommandierter Komet beisolcher Gelegenheit in mehrere Stücke zerschellt wurde; dann blieb mir nichts übrig, als eben auf einem der Bruchteile weiterzureisen, denn ein Untergehen wie im Meer ist dabei ausgeschlossen; Stürme und Wogen und ersäufende Wassermassen gibt es ja im Raum nicht, so daß schließlich die Gefahren nicht so groß sind wie bei der Meeresschiffahrt, außer man würde in das Flammenmeer einer Sonne stürzen, was aber bei richtiger Steuerung leicht zu vermeiden ist, wenn man nur eine gute Sternkarte besitzt.
Als mir nun Lord Flitmore das Kommando über sein Weltschiff Sannah anvertraute, beschloß ich sofort, es am Schweife eines geeigneten Kometen festzubinden, da ich vermöge meiner Kenntnisse der Weltraumverhältnisse einsah, daß wir bei der geringen Fortbewegungsgeschwindigkeit unseres Fahrzeugs Jahrhunderte gebraucht hätten, um euren Planeten zu erreichen, dem unser Besuch gelten sollte.
Es gelang mir denn auch, mit dem Kometen Amina zusammenzutreffen und ihn zu entern. Mit einer langen Leine band ich die Sannah an seinem Schweife fest und bestieg dann den Kometen selber, um ihn hierherzusteuern. Erst als wir im Bereich eures Sonnensystems angelangt waren, kappte ich das Tau und ließ den Kometen führerlos weiterziehen, während wir hier landeten.“
Fliorot lachte; er kannte ja Natur und Bahnen der Kometen zu gut, um nicht zu verstehen, daß Münchhausen scherzte; aber er hatte Gefallen an diesen abenteuerlichen Späßen, wenn sie auch nicht immer besonders geistreich waren.
„Du versprachst mir aber von den wunderbaren Tieren eurer Erde zu erzählen,“ mahnte er jetzt.
„Ja so! Nun denn, so höre. Eure Tiere hier oben sind ja ganz behende Wesen, aber an die Tierwelt unsrer Erde reichen sie noch lange nicht heran.
Schau, da haben wir Tiere mit langen Rüsseln wie eure Mammuts, sie haben sechs Beine und können an glatten, senkrechten Wänden hinaufklettern ohne je zu fallen, ja wenn sie an einer überhängenden Wand mit den Beinen nach oben und dem Kopf nach unten stehen, fallen sie nicht herunter. Sie haben auch durchsichtige Flügel wie eure Vögel und fliegen in ganzen Schaaren in der Luft herum.
Auch flügellose Rüsseltiere besitzen wir, die noch ganz andere Sprünge machen als eure hüpfenden Kolosse; denn diese springen höchstens dreimal so hoch als sie selber sind, die unsrigen aber sechzig- bis hundertmal so hoch.“