Durch das Feld ging die Familie,Als mit glückbegabter HandSanft erröthend Frau OttilieEine Doppelähre fand.Was die alte Sage kündet,Hat sich öfter schon bewährt:Dem, der solche Ähren findet,Wird ein Doppelglück beschert.Vater Franz blickt scheu zur Seite.Zwei zu fünf, das wäre viel.Kinder, sprach er, aber heuteIst es ungewöhnlich schwül.
Suche nicht apart zu scheinen,Wandle auf betretnen Wegen.Meinst du, was die andern meinen,Kommt man freundlich dir entgegen.Mancher, auf dem Seitensteige,Hat sich im Gebüsch verloren,Und da schlugen ihm die ZweigeLinks und rechts um seine Ohren.
Es hat einmal, so wird gesagt,Der Löwe mit dem Wolf gejagt.Da haben sie vereint erlegtEin Wildschwein stark und gut gepflegt.Doch als es an's Vertheilen ging,Dünkt das dem Wolf ein misslich Ding.Der Löwe sprach: Was grübelst du?Glaubst du, es geht nicht redlich zu?Dort kommt der Fuchs, er mag entscheiden,Was jedem zukommt von uns beiden.Gut, sagt der Wolf, dem solch ein FreundAls Richter gar nicht übel scheint.Der Löwe winkt dem Fuchs sogleich:Herr Doctor, das ist was für Euch.Hier dieses jüngst erlegte Schwein,Bedenkt es wohl, ist mein und sein.Ich fasst es vorn, er griff es hinten;Jetzt theilt es uns, doch ohne Finten.Der Fuchs war ein Jurist von Fach.Sehr einfach, spricht er, liegt die Sach.Das Vordertheil, ob viel ob wenig,Erhält mit Fug und Recht der König.Dir aber, Vetter Isegrimm,Gebührt das Hintertheil. Da nimm!Bei diesem Wort trennt er genauDas Schwänzlein hinten von der Sau.Indess der Wolf verschmäht die Beute.Verneigt sich kurz und geht beiseite.Fuchs, sprach der Löwe, bleibt bei mir.Von heut an seid Ihr Großvezier.
Mein Sohn, hast du allhier auf ErdenDir vorgenommen, was zu werden,Sei nicht zu keck;Und denkst du, sei ein stiller Denker.Nicht leicht befördert wird der Stänker.Mit Demuth salbe deinen Rücken,Voll Ehrfurcht hast du dich zu bücken,Mußt heucheln, schmeicheln, mußt dich fügen,Denn selbstverständlich nur durch LügenKommst du vom Fleck.Oh, thu's mit Eifer, thu's geduldig,Bedenk, was du dir selber schuldig.Das Gönnerherz wird sich erweichen,Und wohl verdient wirst du erreichenDen guten Zweck.
Wie standen ehedem die SachenSo neckisch da in ihrem Raum,Schwer war's, ein Bild davon zu machen,Und selbst der Beste konnt es kaum.Jetzt, ohne sich zu überhasten,Stellt man die Guckmaschine festUnd zieht die Bilder aus dem Kasten,Wie junge Spatzen aus dem Nest.
Er saß beim Frühstück äußerst grämlich,Da sprach ein Krümchen Brot vernehmlich:Aha, so ist es mit dem OrdenFür diesmal wieder nichts geworden.Ja Freund, wer seinen Blick erweitertUnd schaut nach hinten und nach vorn,Der preist den Kummer, denn er läutert.Ich selber war ein Weizenkorn.Mit vielen, die mir anverwandt,Lag ich im rauhen Ackerland.Bedrückt von einem Erdenkloß,Macht ich mich muthig strebend los.Gleich kam ein alter Has gehupftUnd hat mich an der Nas gezupft,Und als es Winter ward, verfror,Was peinlich ist, mein linkes Ohr,Und als ich reif mit meiner Sippe,O weh, da hat mit seiner HippeDer Hans uns rutschweg abgesäbelt,Und zum Ersticken festgeknebeltUnd auf die Tenne fortgeschafft,Wo ihrer vier mit voller KraftIn regelrechtem FlegeltakteUns klopften, daß die Schwarte knackte.Ein Esel trug uns nach der Mühle.Ich sage dir, das sind Gefühle,Wenn man, zerrieben und gedrilltZum allerfeinsten Staubgebild,Sich kaum besinnt und fast vergisst,Ob Sonntag oder Montag ist.Und schließlich schob der Bäckermeister,Nachdem wir erst als zäher KleisterIn seinem Troge baß gehudelt,Vermengt, geknetet und vernudelt,Uns in des Ofens höchste Gluth.Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?Frischauf, du hast genug, mein Lieber,Greif zu und schneide nicht zu knappUnd streiche tüchtig Butter drüberUnd gieb den Andern auch was ab.
Man ist ja von Natur kein Engel,Vielmehr ein Welt- und Menschenkind,Und rings umher ist ein GedrängelVon Solchen, die dasselbe sind.In diesem Reich geborner Flegel,Wer könnte sich des Lebens freun,Würd es versäumt, schon früh die RegelDer Rücksicht kräftig einzubläun.Es saust der Stock, es schwirrt die Ruthe.Du darfst nicht zeigen, was du bist.Wie schad, o Mensch, daß dir das GuteIm Grunde so zuwider ist.
Der Stoffel wankte frohbewegtSpät in der Nacht nach Haus.Da ging, wie das zu kommen pflegt,Ihm seine Pfeife aus.Wer raucht, der raucht nicht gerne kalt.Wie freut sich Stoffel da,Als er ganz dicht vor sich im WaldEin Kohlenfeuer sah.Die Kohlen glühn in einem Topf.Der frohe Stoffel drücktGleich eine in den PfeifenkopfUnd zieht als wie verrückt.Wohl sieht er, wie die Kohle glüht,Nur daß sie gar nicht brennt.Da überläuft es sein Gemüth,Er flucht Potzzapperment.Das Wort war hier nicht recht am Platz.Es folgt ein Donnerschlag.Versunken ist der ZauberschatzBis an den jüngsten Tag.Die Pfeife fällt vor Schreck und GrausAuf einen harten Stein.Ein Golddukaten rollt herausBlitzblank im Mondenschein.Von nun an, denkt der Stoffel schlau,Schweig ich am rechten Ort.Er kehrte heim zu seiner FrauUnd sprach kein einzig Wort.
Wie dunkel ist der Lebenspfad,Den wir zu wandeln pflegen.Wie gut ist da ein ApparatZum Denken und Erwägen.Der Menschenkopf ist voller ListUnd voll der schönsten Kniffe;Er weiß, wo was zu kriegen istUnd lehrt die rechten Griffe.Und weil er sich so nützlich macht,Behält ihn jeder gerne.Wer stehlen will, und zwar bei Nacht,Braucht eine Diebslaterne.
Unter all den hübschen DingenIn der warmen SommerzeitIst ein Corps von SchmetterlingenRecht ergötzlich insoweit.Bist du dann zu deinem WohleIn den Garten hinspaziert,Siehst du über deinem KohleMuntre Tänze aufgeführt.Weiß gekleidet und behendeFlattert die vergnügte Schar,Bis daß Lieb und Lust zu EndeWieder mal für dieses Jahr.Zum getreuen Angedenken,Auf den Blättern kreuz und quer,Lassen sie zurück und schenkenDir ein schönes Raupenheer.Leidest du, daß diese SippeWeiter frisst, wie sie begehrt,Kriegst du, nebst dem Blattgerippe,Nur noch Proben ohne Werth.Also ist es zu empfehlen,Lieber Freund, daß du dich bückstUnd sehr viele Raupenseelen,Pitsch, aus ihren Häuten drückst.Denn nur der ist wirklich weise,Der auch in die Zukunft schaut.Denk an deine Lieblingsspeise:Schweinekopf mit Sauerkraut.
Fing man vorzeiten einen Dieb,Hing man ihn auf mit Schnellbetrieb,Und meinte man, er sei verschieden,Ging man nachhaus und war zufrieden.Ein Wandrer von der weichen SorteKam einst zu solchem GalgenorteUnd sah, daß oben Einer hängt,Dem kürzlich man den Hals verlängt.Sogleich, als er ihn baumeln sieht,Zerfließt in Thränen sein Gemüth.Ich will den armen Schelm begraben,Denkt er, sonst fressen ihn die Raben.Nicht ohne Müh, doch mit Geschick,Klimmt er hinauf und löst den Strick;Und Jener, der im Wind geschwebt,Liegt unten, scheinbar unbelebt.Siehda, nach Änderung der LageTritt neu die Lebenskraft zutage,So daß der gute DelinquentDie Welt ganz deutlich wiederkennt.Zärtlich, als wär's der eigne Vetter,Umarmt er seinen Lebensretter,Nicht ein Mal, sondern noch ein Mal,Vor Freude nach so großer Qual.Mein lieber Mitmensch, sprach der Wandrer,Geh in dich, sei hinfür ein Andrer.Zum Anfang für dein neues LebenWerd ich dir jetzt zwei Gulden geben.Das Geben that ihm immer wohl.Rasch griff er in sein Kamisol,Wo er zur langen PilgerfahrtDen vollen Säckel aufbewahrt.Er sucht und sucht und fand ihn nicht,Und länger wurde sein Gesicht.Er sucht und suchte, wie ein Narr,Weit wird der Mund, das Auge starr,Bald ist ihm heiß, bald ist ihm kalt.Der Dieb verschwand im Tannenwald.
Die Tugend will nicht immer passen,Im ganzen läßt sie etwas kalt,Und daß man eine unterlassen,Vergißt man bald.Doch schmerzlich denkt manch alter Knaster,Der von vergangnen Zeiten träumt,An die Gelegenheit zum Laster,Die er versäumt.
Ein Fuchs voll flüchtiger MoralUnd unbedenklich, wenn er stahl,Schlich sich beinacht zum HühnerstalleVon einem namens Jochen Dralle,Der, weil die Mühe ihn verdross,Die Thür mal wieder nicht verschloss.Er hat sich, wie er immer pflegt,So wie er war zubett gelegt.Er schlief und schnarchte auch bereits.Frau Dralle, welche ihrerseitsNoch wachte, denn sie hat die Grippe,Stieß Jochen an die kurze Rippe.Du, rief sie flüsternd, hör doch bloß,Im Hühnerstall da ist was los;Das ist der Fuchs der alte Racker.Und schon ergriff sie kühn und wackerObgleich sie nur im Nachtgewand,Den Besen, der am Ofen stand,Indeß der Jochen leise fluchtUnd erst mal Licht zu machen sucht.Sie ging voran, er hinterdrein.Es pfeift der Wind, die Hühner schrein.Nur zu, mahnt Jochen, sei nur dreistUnd sag Bescheid, wenn er dich beißt.Umsonst sucht sich der Dieb zu drückenVor Madam Dralles Geierblicken.Sie schlägt ihm unaussprechlich schnelleZwei drei mal an derselben StelleMit ihres Besens hartem StielAuf's Nasenbein. Das war zuviel. —Ein Jeder kriegt, ein Jeder nimmtIn dieser Welt, was ihm bestimmt.Der Fuchs, nachdem der Balg herab,Bekommt ein Armesündergrab.Frau Dralle, weil sie leichtgesinntSich ausgesetzt dem WinterwindZum Trotz der Selbsterhaltungspflicht,Kriegt zu der Grippe noch die Gicht.Doch Jochen kriegte hocherfreutInfolge der GelegenheitVon Pelzwerk eine warme KappeMit Vorder- und mit Hinterklappe.Stets hieß es dann, wenn er sie trug:Der ist es, der den Fuchs erschlug.
Ein gutes ThierIst das Klavier,Still, friedlich und bescheiden,Und muß dabeiDoch vielerleiErdulden und erleiden.Der VirtuosStürzt darauf losMit hochgesträubter Mähne.Er öffnet ihmVoll UngestümDen Leib, gleich der Hyäne.Und rasend wild,Das Herz erfülltVon mörderlicher Freude,Durchwühlt er dann,Soweit er kann,Des Opfers Eingeweide.Wie es da schrie,Das arme Vieh,Und unter AngstgewimmerBald hoch, bald tiefUm Hülfe rief,Vergess ich nie und nimmer.
Dich freut die warme Sonne.Du lebst im Monat Mai.In deiner RegentonneDa rührt sich allerlei.Viel kleine Thierlein steigenBald auf- bald niederwärts,Und, was besonders eigen,Sie atmen mit dem Sterz.Noch sind sie ohne Tücken,Rein kindlich ist ihr Sinn.Bald aber sind sie MückenUnd fliegen frei dahin.Sie fliegen auf und niederIm AbendsonnenglanzUnd singen feine LiederBei ihrem Hochzeitstanz.Du gehst zu Bett um zehne,Du hast zu schlafen vor,Dann hörst du jene TöneGanz dicht an deinem Ohr.Drückst du auch in die KissenDein werthes Angesicht,Dich wird zu finden wissenDer Rüssel, welcher sticht.Merkst du, daß er dich impfe,So reib mit SalmiakUnd dreh dich um und schimpfeAuf dieses Mückenpack.
Es geht ja leider nur sosoHier auf der Welt, sprach Salomo.Dies war verzeihlich. Das GeschnatterVon tausend Frauen, denn die hatt er,Macht auch den Besten ungerecht.Uns aber geht es nicht so schlecht.Wer, wie es Brauch in unsern Tagen,Nur Eine hat, der soll nicht sagenUnd klagen, was doch mancher thut:Ich bin für diese Welt zu gut.Selbst, wem es fehlt an dieser Einen,Der braucht darob nicht gleich zu weinenUnd sich kopfüber zu ertränken.Er hat, das mag er wohl bedenken,Am Weltgebäude mitgezimmertUnd allerlei daran verschlimmert.Und wenn er so in sich gegangen,Gewissenhaft und unbefangen,Dann kusch er sich und denke froh:Gottlob, ich bin kein Salomo;Die Welt, obgleich sie wunderlich,Ist mehr als gut genug für mich.
Wer Bildung hat, der ist empört,Wenn er so schrecklich fluchen hört.Dies »Nasowolltich«, dies »Parblö«,Dies ewige »Ojemineh«,Dies »Eipotztausendnocheinmal«,Ist das nicht eine Ohrenqual?Und gar »Daßdichdasmäusleinbeiß«,Da wird mir's immer kalt und heiß.Wie oft wohl sag ich: Es ist häßlich,Ist unanständig, roh und gräßlich.Ich bitt und flehe: Lasst es sein,Denn es ist sündlich. Aber nein,Vergebens ring ich meine Hände,Die Flucherei nimmt doch kein Ende.
Zwei Knaben, Fritz und Ferdinand,Die gingen immer Hand in Hand,Und selbst in einer HerzensfrageTrat ihre Einigkeit zutage.Sie liebten beide Nachbars Käthchen,Ein blondgelocktes kleines Mädchen.Einst sagte die verschmitzte Dirne:Wer holt mir eine Sommerbirne,Recht saftig, aber nicht zu klein?Hernach soll er der Beste sein.Der Fritz nahm seinen Freund beiseitUnd sprach: Das machen wir zu zweit;Da drüben wohnt der alte Schramm,Der hat den schönsten Birnenstamm;Du steigst hinauf und schüttelst sacht,Ich lese auf und gebe acht.Gesagt gethan. Sie sind am Ziel.Schon als die erste Birne fiel,Macht Fritz damit sich aus dem Staube,Denn eben schlich aus dunkler Laube,In fester Faust ein spanisch Rohr,Der aufmerksame Schramm hervor.Auch Ferdinand sah ihn beizeitenUnd thät am Stamm herunter gleitenIn Ängstlichkeit und großer Hast,Doch eh er unten Fuß gefasst,Begrüßt ihn Schramm bereits mit Streichen,Als wollt er einen Stein erweichen.Der Ferdinand, voll Schmerz und Hitze,Entfloh und suchte seinen Fritze.Wie angewurzelt blieb er stehn.Ach hätt er es doch nie gesehn:Die Käthe hat den Fritz geküsst,Worauf sie eine Birne isst.Seit dies geschah, ist FerdinandMit Fritz nicht mehr so gut bekannt.
Wem's in der Unterwelt zu still,Wer oberhalb erscheinen will,Der baut sich, je nach seiner Weise,Ein sichtbarliches Wohngehäuse.Er ist ein blinder Architekt,Der selbst nicht weiß, was er bezweckt.Dennoch verfertigt er genauSich kunstvoll seinen Leibesbau,Und sollte mal was dran passieren,Kann er's verputzen und verschmieren,Und ist er etwa gar ein solchGeschicktes Thierlein, wie der Molch,Dann ist ihm alles einerlei,Und wär's ein Bein, er macht es neu.Nur schad, daß, was so froh begründet,So traurig mit der Zeit verschwindet,Wie schließlich jeder Bau hienieden,Sogar die stolzen Pyramiden.
Es ist ein recht beliebter Bau.Wer wollte ihn nicht loben?Drin wohnt ein Mann mit seiner Frau,Sie unten und er oben.Er, als ein schlaugewiegter Mann,Hält viel auf weise Lehren,Sie, ungestüm und drauf und dran,Thut das, was ihr Begehren.Sie läßt ihn reden und begeht,Blind, wie sie ist, viel Wüstes,Und bringt sie das in Schwulität,Na, sagt er kühl, da siehst es.Vereinen sich jedoch die zweiZu traulichem Verbande,Dann kommt die schönste LumpereiHübsch regelrecht zustande.So geht's in diesem Hause her.Man möchte fast erschrecken.Auch ist's beweglich, aber mehrNoch als das Haus der Schnecken.
In einem Häuschen, sozusagen —(Den ersten Stock bewohnt der Magen)In einem Häuschen war's nicht richtig.Darinnen spukt und tobte tüchtigEin Kobold, wie ein wildes Bübchen,Vom Keller bis zum Oberstübchen.Fürwahr, es war ein bös Getös.Der Hausherr wird zuletzt nervös,Und als ein desperater MannSteckt er kurzweg sein Häuschen anUnd baut ein Haus sich anderswoUnd meint, da ging es ihm nicht so.Allein, da sieht er sich betrogen.Der Kobold ist mit umgezogenUnd macht Spektakel und RumorViel ärger noch, als wie zuvor.Ha, rief der Mann, wer bist du, sprich.Der Kobold lacht: Ich bin dein Ich.
Zu Olims Zeit, auf der Oase,Am Quell, wo schlanke Palmen stehen,Saß einst das Väterchen im GraseUnd hatte allerlei Ideeen.Gern sprach davon der HochverehrteZu seinen Söhnen, seinen Töchtern,Und das Gelehrte, oft GehörteGing von Geschlechte zu Geschlechtern.Auch wir, in mancher Abendstunde,Wenn treue Liebe uns bewachte,Vernahmen froh die gute KundeVon dem, was Väterchen erdachte.Und sicher klingt das früh GewussteSo lang in wohlgeneigte Ohren,Bis auf der kalten ErdenkrusteDas letzte Menschenherz erfroren.
Gehorchen wird jeder mit GenussDen Frauen, den hochgeschätzten,Hingegen machen uns meist VerdrussDie sonstigen Vorgesetzten.Nur wenn ein kleines MissgeschickBetrifft den Treiber und Leiter,Dann fühlt man für den AugenblickSich sehr befriedigt und heiter.Als neulich am Sonntag der Herr PastorEine peinliche Pause machte,Weil er den Faden der Rede verlor,Da duckt sich der Küster und lachte.
Abends, wenn die Heimchen singen,Wenn die Lampe düster schwehlt,Hör ich gern von Spukedingen,Was die Tante mir erzählt.Wie es klopfte in den Wänden,Wie der alte Schrank geknackt,Wie es einst mit kalten HändenMutter Urschel angepackt,Wie man oft ein leises JammernGrad um Mitternacht gehört,Oben in den Bodenkammern,Scheint mir höchst bemerkenswerth.Doch erzählt sie gar das MärchenVon dem Geiste ohne Kopf,Dann erhebt sich jedes HärchenSchaudervoll in meinem Schopf.Und ich kann es nicht verneinen,Daß es böse Geister giebt,Denn ich habe selber einen,Der schon manchen Streich verübt.
Frau Welt, was ist das nur mit euch?Herr Walter sprach's, der alte.Ihr werdet grau und faltenreichUnd traurig von Gestalte.Frau Welt darauf erwidert schnippsch:Mein Herr, seid lieber stille.Ihr scheint mir auch nicht mehr so hübschMit eurer schwarzen Brille.
Lache nicht, wenn mit den JahrenLieb und Freundlichkeit vergehen,Was Paulinchen ist geschehen,Kann auch dir mal widerfahren.Sieh nur, wie verändert hat sichUnser guter Küchenbesen.Er, der sonst so weich gewesen,Ist jetzunder stumpf und kratzig.
Hans, der soeben in der StadtSein fettes Schwein verwerthet hat,Ging spät nachhaus bei Mondenschein.Ein Fremder folgt und holt ihn ein.Grüßgott, rief Hans, das trifft sich gut,Zuzweit verdoppelt sich der Muth.Der Fremde denkt: Ha zapperlot,Der Kerl hat Geld, ich schlag ihn todt,Nur nicht von vorn, daß er es sieht,Dagegen sträubt sich mein Gemüth.Und weiter gehn sie allgemach,Der Hans zuvor, der Fremde nach.Jetzt, denkt sich dieser, mach ich's ab,Er hob bereits den Knotenstab.Was gilt die Butter denn bei euch?Fragt Hans und dreht sich um zugleich.Der Fremde schweigt, der Fremde stutzt,Der Knittel senkt sich unbenutzt.Und weiter gehn sie allgemach,Der eine vor, der andre nach.Hier, wo die dunklen Tannen stehn,Hier, denkt der Fremde, soll's geschehn.Spielt man auch Skat bei euch zuland?Fragt Hans und hat sich umgewandt.Der Fremde nickt und steht verdutzt,Der Knittel senkt sich unbenutzt.Und weiter gehn sie allgemach,Der eine vor, der andre nach.Hier, denkt der Fremde, wo das Moor,Hier hau ich fest ihm hinter's Ohr.Und wieder dreht der Hans sich um.Prost, rief er fröhlich, mögt ihr Rum?Und zog ein Fläschlein aus dem Rock.Der Fremde senkt den Knotenstock,Thät einen Zug, der war nicht schwach,Und weiter gehn sie allgemach.Schon sind sie aus dem Wald heraus,Und schau, da steht das erste Haus.Es kräht der Hahn, es bellt der Spitz.Dies rief der Hans, ist mein Besitz.Tritt ein du ehrlicher GesellUnd nimm den Dank für dein Geleit.Doch der Gesell entfernt sich schnell,Vermuthlich aus Bescheidenheit.