V

Und doch störte es sie in Pardis Gesellschaft, daß sie einen Selteneren, Wertvolleren in der Nähe wußte. Sie wehrte sich. „Ich bin doch jung.“ Undsie empörte sich gegen Arnold, als hätte er sie an ihrer Jugend, an den Rechten ihrer zwanzig Jahre kürzen wollen.

Wenn sie jetzt sang, ward unterm Fenster schallend mitgepfiffen; dann erschien im hellen Rahmen Pardis Kopf; Pardi arbeitete sich herauf, schwang sich lautlos ins Zimmer, störte mit keiner Regung mehr die Sängerin, die, in Tönen befangen, das alles nur wie fernes Schattenspiel geahnt hatte; — und nun sie endete, brach er in stürmisch überzeugten Beifall aus. Seine Begeisterung hatte Herzensklang; naiv gab er sich der Lust hin, die ihr Gesang ihm erregte; und keinen Augenblick war er im Zweifel, daß aller Welt gefallen werde, was ihm gefiel.

„Sie werden Glück haben, ich fühle das!“

Aus der Fülle seines Glaubens an sich selbst gab er Lola ab. Ihre Zukunft zeigte sich auf einmal besonnt. „Was will ich denn? Alles geht doch herrlich! Wie konnte ich mir neulich einbilden lassen, die Stimme sei in den Hals gerutscht und tremoliere?“ Denn sie hatte das Gefühl, daß diese Ängste ihr nur von Arnold eingegeben seien. Auch Mai hatte es.

„Siehst du jetzt, daß du eine große Sängerin bist? Als jener Deutsche wie ein Stock dabeistand, mußte er dich natürlich entmutigen!“

Pardi schlug die Noten um; er flüsterte ihr, über sie gebeugt, in den Nacken; und Mai bekam, in seinen Atem gehüllt, starr lächelnde Augen. Auch in ihremZimmer sah Lola sie abwesend lächeln. Mai hatte etwas Erweichtes und Verwirrtes, seufzte oft und warf die Augen, wie zum Sprechen, auf Lola. Doch schwieg sie, unter Nöten.

„Ist das Fältchen am Auge jetzt wirklich fort?“ fragte sie nach stundenlangen Bemühungen vor dem Spiegel. „Kann niemand sehen, daß es einmal da war?“

„Überhaupt bist du wieder in einer Zeit, Mai, wo du alle Tage jünger wirst.“

Ein neuer Anbeter: und Mai verjüngte sich. Wieder kam sie im Hemd, zum Gutenachtkuß, an Lolas Bett, Vertraulichkeiten auszutauschen, als ältere Schwester.

„Ich glaube, Pardi liebt mich. Hast du nicht auch den Eindruck? Gestern den ganzen Abend hat er sich mit mir unterhalten: die Anderen barsten; und heute, wie er mich in der Hängematte schaukelte, hat er mir Dinge gesagt . . .“

„Er sagt allen Dinge, Mai.“

„Mich aber liebt er: das ist ein Unterschied.“

„Wie so einer liebt! Du bist kindlich, Mai! Kannst du dir nicht denken, daß er im Dorf schon ein Verhältnis hat?“

„Wer sagt das?“

„Nein, erschrick nicht; ich weiß nichts. Das aber mußt wohl auch du sehen, daß er den anderen drei Frauen hier nicht weniger den Hof macht als dir.“

Mai stutzte und lächelte frohlockend:

„Ach so! Du bist eifersüchtig auf mich?“

Aber da sie Lola erröten sah, warf sie ihr die Arme um den Leib, und ihre Stimme feuchtete sich.

„Du liebst ihn! Ich will nicht deinem Glück im Wege sein! Ich opfere mich!“

Lola machte sich zornig los.

„Darum handelt sich’s nicht, Mai. Hast du nicht bemerkt, daß er den ganzen Nachmittag mit seiner Cousine fort war? Sie sind bei der Heuernte gewesen; sie haben im Heu gesessen und, was weiß ich: Bier getrunken.“

„Das ist schrecklich!“ — und Mai stampfte auf. „Er wird erfahren, daß man mich nicht zum Besten hält!“

„Sei kein Kind, Mai! Die Baronesse Thekla ist vernünftig genug, und sie weiß, daß er der Marie halbnackt Modell steht und mit der kleinen Tini —“

„Halbnackt!“

Mais Aufschrei erbarmte Lola. Sie trocknete ihr die Tränen, herzte und tröstete sie.

„Den Eindruck habe ich zwar doch, daß du, Mai, ihm am meisten gefällst von uns allen. Ihr versteht euch am besten, weißt du.“

„Nicht wahr?“ — und Mai ließ sich zu Bett bringen.

„Möchtest du denn Kontessa Pardi werden, Mai? Die Frau von Cesare Augusto Pardi? Welch stolzer Name!“

„Wer weiß . . . Vielleicht. Aber nur, wenn du es nicht möchtest.“

„Ausgeschlossen, Mai. Ich könnte ihn niemals lieben.“

Warum lieben? Lola überlegte es oft: was gabes Persönliches an Pardi zu lieben? „Mit diesem Typus bin ich doch wohl glücklich fertig. Alle waren so, Da Silva und die früheren. Und da ich jene losgeworden bin und auch Da Silva entbehren kann —.“ In manchen Augenblicken und besonders einmal, als Pardi gelaufen kam: gierig wie ein Tier, ganz auf das Ziel zusammengezogen war er dahergelaufen: da hatte sie geglaubt, Da Silva zu sehen. Sie führte absichtlich dieselben Gespräche mit Pardi wie mit Da Silva, und wußte seine Antworten voraus. Daß er von „Emanzipation“ schon gehört hatte, wunderte sie . . . Nur stand hier der Typus auf der Höhe des Lebens, war gereist und vollendet: aber nicht gesättigt. Immer noch waren seine Äußerungen auf eine Art, die Lola merkwürdig stark zum Kampf reizte, aus Abenteurerhaftem und Philisterei gemischt.

Gleichviel: Lola hätte es nicht rühmlich gefunden, in den sich zu verlieben, dem links und rechts die Frauen zufallen mußten, der über alle die gleiche, beschämend sinnliche Macht erlangte. Sie spürte eifersüchtiges Unbehagen, wenn sie eine der anderen bei Pardi glänzendere Augen und schmachtendes Wesen bekommen sah; — und gleichzeitig schämte sie sich.

Der Italiener erhielt fortwährend alle in Bewegung. Während die eine noch mit verträumten Wangen umherging, triumphierte schon eine andere; und die dritte, die zurückkehrte, ward mit Unruhe gemustert. Mai schmollte halbe Tage, lachte dann wieder alle aus, und am Abend hatte sie eine Tränenkrise. Die Baronesse Thekla fluchte auf bayrisch und kamwenig mehr nach Haus. Frau Gugigl nötigte Tini, mit ihr, nach ihren Einfällen und von der Mode unabhängig, Hüte aufzuputzen. Sie trug den Zopf als Fladen an die linke Schläfe gedrückt und entlieh von den Bäuerinnen die dicken Goldlitzen aus dem großmütterlichen Hochzeitsstaat, um sich Pardi in künstlerischen Gewändern vorzuführen. Über Mais und Lolas Abhängigkeit von Paris gönnte sie sich jetzt spitze Bemerkungen. Saßen alle in der Stube, enthüllte sich hier und da, kurz und halblaut, eine Feindseligkeit. Mai wollte die Läden fast geschlossen, die Baroneß Thekla alles weit offen, und beide erbitterten sich gegen Tini, weil ihr jedes Licht recht war. Frau Gugigl verlangte ungewohnte Rücksichten von Lola, die nicht verheiratet sei. Männerschritte wurden hörbar: und sogleich lief ein künstlich angeregtes Lachen um. Dann waren’s nur Gugigl und Gwinner, und sie wurden mit Geringschätzung empfangen.

Sie rächten sich, nun er nicht dabei war, an dem, der sie verdrängte und kleinlaut machte.

„Wo is denn der Katzlmacher?“ fragte zuerst Gugigl, und bat mit gutmütigem Grinsen der Baroneß Thekla die Kränkung ihres Vetters ab. Sie hatte nichts dagegen, der anderen wegen, die es in ihren Gefühlen verletzte. Und jede lachte mit: weil sie den übrigen einen Stich gönnte, und auch, um sich gegen Pardi zu waffnen. Wie Gugigl doch komisch war! „Der galante Ratzifatzi“, verkündete er und krümmte sich wie eine betrunkene Schlange und das Gesicht von Süßigkeit ganz verrenkt, um die Damen her. Ja, sowar Pardi eigentlich! Gwinner legte, den runden Kopf vorsichtig zwischen den hohen Schultern, Eier um sie her, die Witze waren. Er sagte:

„Alles gleicht sich aus. Wenn ich solchen übermenschlichen Schick sehe, denke ich immer an Löcher im Hemd.“

Er wiederholte dies häufig, gab Rätsel auf, deren Lösung „ein Loch im Hemd Pardis“ war, beteuerte jede seiner Behauptungen „bei den Löchern im Hemd des Pardi“. In Pardis Gegenwart umschrieb er: „Bei den Löchern, Sie wissen schon in wessen Hemd.“ Die Damen kicherten verlegen; Pardi, der umsonst aufhorchte, lachte mit, ein Lachen, das sie rührte, und bei dem sie ihm, wie um Verzeihung, zunickten. Er stutzte, ward plötzlich ernst. Das nächste Mal, als er die rätselhaften Laute fallen und die Mienen wieder so verdächtig mitleidig sah, schlug sein bezauberndes Lächeln unvermittelt in eine breite, katzenhafte Drohung um. Die Damen erschraken, Gwinner machte eine kleine demütige Verbeugung. Aber Gugigl, der soeben seinen Maßkrug geleert hatte, richtete sich kühn auf, strich mit der Hand über den feuchten Bart und blickte gefaßt und kundig umher, als sei er er bereit, Hand anzulegen, wo es fehlte: ein Faß Bier anzuzapfen oder einem Huhn den Kopf umzudrehen.

„Was is denn?“ fragte er, inmitten der Stille, mit hoher Trompetenstimme. „Hier hat doch überhaupt gar niemand Löcher im Hemd.“

Pardi faßte jetzt ihn ins Auge. Gugigl schmetterte prahlerisch:

„Und Katzlmacher gibt’s hier auch keinen!“

„Sie meinen?“ fragte Pardi. „Was, bitte?“

Seine Cousine schlug auf den Tisch. Ihre nackten, gebräunten Arme lagen darauf; sie beugte sich weit darüber und sah aus, als erstickte sie: so voll zornigen Vergnügens war sie. Das war eine Hetz! Am End’ ward noch gerauft!

„Dummer Bua,dichmeint er!“ schrie sie ihrem Vetter ins Gesicht.

Er verbeugte sich leicht vor ihr. Plötzlich trug er das liebenswürdigste Lächeln, wandte sich an Mai, an Arnold . . . Gugigl, den er nicht mehr beachtete, nahm große Schlucke. In allzu geräuschvoller Heiterkeit endete das Mittagessen. Wie man aufgestanden war, wurden Gugigl und Pardi vermißt. Tini stürzte herein, die Augen erweitert von banger und wilder Feierlichkeit.

„Sie sind draußen. Sie wollen sich schlagen!“

„Wer? Bist du verrückt?“

„Pardi verlangt es!“

„Himmel!“ machte Frau Gugigl, mit einer kleinen, irren Stimme, die Schultern hinausgezogen und die geschlossene Hand am Mundwinkel. Die Baroneß Thekla warf barsch hin:

„Blöde Mannsbilder, blöde!“

Mai, die nichts begriff, lachte über sie. Aber Lola gewahrte Gwinner, der aus einem unbeteiligten Winkel herschielte. In einer Wallung von Haß, die sie selbst überraschte, und in dem jähen Drang, zu handeln, sich zu äußern, ging sie auf ihn los.

„Da haben Sie’s! Sind Sie zufrieden? Daskommt von Ihren unanständigen Witzeleien! So unanständig wie billig! Jemand braucht nur elegant angezogen zu sein —“

Sie erschrak und brach ab. Gwinner hatte sie demütig, blaß feixend angehört; und von den anderen, die Lolas Ausbruch sicher verstanden hatten, legte niemand ihm Gewicht bei, so verstört waren alle. Lola selbst atmete rascher. Ihr fiel ein, daß Frau Gugigl und die Baroneß Thekla zu ihrem Mann und ihrem Vetter hinausmüßten; — und dann trat sie selbst in die Haustür und beobachtete, wie die beiden Frauen, an die Arme der Männer gehängt, auf sie einsprachen.

Da polterte es auf der Brücke zum Schlafzimmer des Barons Utting; der Pferdekopf erschien an der Hausecke; und neben dem Tier ging Arnold. Der Alte ritt hinüber, vor die Öffnung des Baumganges, beugte sich vom Pferd, legte die Hände auf die Schultern der beiden Gegner. Sein großer heller Bart stieg in der Sonne auf und nieder. Die Gesichter blinzelten, mit scharfen Schlagschatten, zu ihm hinauf. Frau Gugigl flatterte, unter den kleinen, bunten Flügelschlägen ihrer weiten Hängeärmel, um die eifrige Gruppe.

Nun schien es dem Alten gelungen, er wandte das Pferd. Lola kehrte ins Zimmer zurück. Gleich nach ihr kam Gugigl, hob die Arme, schnitt Fratzen und krähte darauf los:

„Mir war’s g’nua! Eine Courasch wenn der Katzlmacher hat!“

Der Anblick seines Maßkruges gab ihm Festigkeit.Er ergriff ihn, stemmte sich auf gespreizte Beine und hob ihn nervig an die Lippen. Die beiden Frauen brachten Pardi herein; er mußte mit Gugigl trinken. Er tat es unter knirschendem Lächeln, richtete an die Damen einige galante Sätze und verschwand wieder. Man war besorgt und unzufrieden.

„Ah! der stört die Gemütlichkeit!“ rief seine Cousine. „Da sicht mer’s, was dees da drunt für Bazi sein!“

„Gehn’s, machen’s doch an Witz!“ — und Gugigl sah aus geröteten Augen erbittert auf Gwinner.

„Wissen Sie, warum er sich mit Ihnen schießen möchte?“ begann Gwinner pünktlich. „Damit auch Ihr Hemd Löcher kriegt!“

Nur Frau Gugigl lachte. Tini fragte tiefernst, mit etwas Starrem im Ton:

„Und Sie, Herr Gwinner? Würden Sie sich schlagen?“

„Ach ja, das ist interessant!“ — und Frau Gugigl hüpfte empor. „Wie stehen wir eigentlich zu der Frage im allgemeinen?“

Gwinner erklärte, er würde solche Sache in zwei Minuten erledigt haben. Für ihn als modernen Menschen sei der Zweikampf ein einfacher Unfug und tief unter seiner Würde; — und er erklärte es in so herausfordernder Sprechweise, als hätte er jedes Wort sogleich mit der Waffe vertreten. Frau Gugigl stimmte begeistert zu. Tini stand ohne Regung; sie sagte langsam, und jede Silbe ward von einer rätselhaften Schwere erschüttert:

„Das hatte ich von Ihnen nicht anders erwartet.“

Lola wandte sich nach Arnold um.

„Wie denken Sie?“

„Über den Zweikampf? . . . Ich habe vorhin eingegriffen, um einen zu verhindern . . . Was mich betrifft: — aus eigenem Drang würde ich mich vielleicht schlagen, nie um der Welt willen. Es muß jemand da sein, der nicht mehr leben darf: dann ja . . . Aber wer hat so starke Affekte? Vielleicht . . . Ich weiß nicht, komme ich für das Duell in Betracht? Alles kann eintreten: auch daß ich einen Orden erhalte oder ins Zuchthaus komme. Nur kann ich mir’s nicht vorstellen . . .“

„Ist er nicht zu komisch?“ fragte Frau Gugigl. Ihr Mann bemerkte:

„Ah! Freunderl! Sie san g’scheit.“

Und Lola schwieg, enttäuscht. Sie hatte sich gewünscht, auch ihn verachten zu dürfen. Nein: er behielt das Recht, ihr Blumen, als Mahnungen, ins Zimmer stellen . . .

Plötzlich stieß Mai einen Schrei aus. Sie hatte begriffen, was vorgegangen war! Nachträglich kam alles in ihr in Wallung. Lola brachte sie hinauf. Wie Lola dann am Fenster stand, sah sie, unvorbereitet, Pardi aus den Büschen treten. Er stand grade unter ihr, ganz nahe: sie unterschied die gesträubten schwarzen Härchen auf der energischen Blässe seines Gesichts und erschauerte, als werde sie von seinenWimpern gekitzelt. Flüsternd und eindringlich, mit einer Art herrischen Flehens, verlangte er, daß sie hinunterkomme. Sie sah sich um: Mai hatte nichts gehört; und sie ging, leicht betäubt.

Pardi erwartete sie am selben Fleck. Sie vermieden die Vorderseite des Hauses und erreichten durch eine vorsichtig geöffnete Seitenpforte den lautlosen Wiesenboden.

„Ich danke Ihnen!“ sagte Pardi, leise und stürmisch. „Wie sehr habe ich es in diesem Augenblick nötig, zu jemand zu sprechen, der mich versteht! Ist es zu glauben, daß man hier die Dienstboten mit ‚Sie‘ anredet und sogar den Kopf vor ihnen entblößt?“

Lola sah ihn rasch an, — und dann konnte sie ihr Gelächter nicht mehr dämmen. Er war zornig erstaunt.

„Auch Sie? Lachen Sie doch nicht! Sie kennen diese Leute noch nicht. Alles Sozialisten und Schlechterzogene! Man braucht nur ihre Kleidung anzusehen. Die Schuhe und die Nase dieses Gugigl: beide krümmen sich nach oben. Verkommen sind alle, überzeugungslos und feige. Sind das noch Männer, die ihren Frauen diese Sitten gestatten und diesen Ton? Wer stopft hier die Socken? Mulier subiecta viro. Leugnen Sie es nicht! Ich weiß, welche Ideen Ihnen jener Hölzerne, Furchtsame, einzuimpfen trachtet. Aber sehen Sie nur seine Hände an, die immer weich werden und anschwellen . . .“

Lolas Lachen brach ab.

„Sie sind zu klug: Sie lassen sich nicht unglücklichmachen. Glauben Sie mir: die Frauen hier sind sämtlich unglücklich. Man hat ihnen die Zügel abgenommen, und allein wissen Sie nicht wohin und wie sich wehren . . . Sie aber, was tun Sie hier? Sie sind doch stärker als alle diese.“

Er ließ ihr den Vortritt auf das Brett über einer sumpfigen Stelle. Aber am Ende des Brettes trat sie in Wasser und wandte sich um. Auch er blieb stehen.

„Sie sind doch stärker!“ wiederholte er und warf sich dabei selbst in die Brust; und durch seinen leichten, engen Leinenärmel hindurch sah sie, daß er die Muskeln anspannte. Feindselig, auf ihrer Hut, führte sie ihren Blick hinauf, bis in seine Augen; — und in den sprachlosen Sekunden, die sie einander musterten, war es ihr auf einmal heftig erleuchtet, nicht mit den Hiesigen und nicht mit Arnold habe sie Zusammenhang . . . Sie erschrak über den Leichtsinn, mit dem sie zu dieser Begegnung ausgegangen war, und darüber, daß sie noch soeben gelacht hatte.

„Also kehren wir um!“

„Haben Sie Furcht?“

„Wovor denn? Die Wiese ist ungangbar. Vor Ihnen doch nicht? Sie sind ja noch einer von den Rittern.“

„Ein Jäger, sagen Sie! Der Mann ist Jäger.“

Da sie schwieg:

„Ihre Mama spricht davon, nach Italien zu gehen. Sie werden mir hoffentlich bald nachkommen. Denn Sie begreifen, daß ich nach dem Vorgefallenennur noch der Form wegen zwei Tage mit der Abreise warte. Wir müssen uns aber wiedersehen!“

„Es wird mich freuen, wenn es sich so macht.“

„Nein! Wir selbst müssen es machen! Ich gehe nach Viareggio; aber ein Telegramm, und ich fahre Ihnen entgegen, wie weit Sie wollen!“

„Ich begreife gar nicht . . .“

„Sie begreifen vollkommen, daß Sie zu uns gehören. Warum? Warum? Erstens haben Sie eine gute Schneiderin.“

„Das allerdings.“

„Und dann viel Leidenschaft.“

„Das ist nicht wahr!“

„Das Temperament, womit Sie’s leugnen! So viel bringt man hierzulande höchstens auf, wenn man getrunken hat.“

Er neigte den Kopf auf die Schulter.

„Sie sind anbetungswürdig.“

„Sagten Sie nicht, daß Sie Jäger seien? Wirtlich, manchmal sind Sie wie ein Jäger, der sein Wild gerührt bewundert, bevor er es totschießt.“

Sie waren bei der Pforte. Lola dachte daran, wie sie ihn los werde, bevor man sie sähe: da verabschiedete er sich; er gehe noch nach dem Walde.

Hinter einem Busch rief Tinis Stimme, und sie klang erstickt:

„Komm her, Lola, ich muß mit dir reden!“

„Was ist denn, Tini? Wie hast du dich komisch hingesetzt?“

Tini saß neben einer Bank, fast unter ihr; griff mit ihren langen Armen um das Sitzbrett herum und hielt den Mund in die Arme gepreßt.

„Lola, wie ist nun alles schrecklich!“ jammerte sie und hob nur die Augen auf. „Warum mußten sie in Streit kommen! Jetzt hab’ ich gesehen, daß Gwinner ein Feigling ist.“

Lola ließ sich rasch neben Tini auf die Knie, zog Tini in ihre Arme, hielt ihr den Mund mit ihren Lippen zu.

„Er ist kein Feigling, arme Tini! Wie kannst du nur glauben! Er will keine Gewalttat begehen, weil er sie ungerecht und unschön findet.“

„Du willst mich trösten.“ Aufschluchzend: „Du bist gut. Aber das ist doch klar, daß Pardi ein stärkerer Mann ist. Und dann kann mir die moderne Weltanschauung auch nichts nützen, wenn einer sich nicht schlägt. Denke dir, man wird beleidigt, und er schlägt sich nicht für mich. Schrecklich! Schrecklich!“

Der Schmerz schüttelte Tinis Kopf, und das Weinen verzerrte ihr Gesicht zu einer Kindergrimasse.

„Du hast ihn wohl sehr lieb gehabt, Tini?“

Tini schrak auf, — und plötzlich fiel sie in Zorn.

„Nicht die Spur! Nur mit Reden hat er mir imponiert, gerade wie — na, ich kann’s wohl sagen: gerade wie der Arnold dir!“

Lola ließ Tini los; schnell, ehe sie die Kränkung, die sie fühlte, bedacht hatte:

„Der taugt doch wohl mehr, Tini.“

„Wieso?“

Beide senkten die Hände bis zur Erde, und, Tini sitzend, Lola auf den Knien, sahen sie einander ganz nahe in die Augen.

„Hat er vor Pardi nicht Reißaus genommen? Meinst du, ich merke nicht, was du durchmachst? . . . Und ich mit Gwinner! Du weißt noch gar nicht: ich wollte Diakonissin werden, so fromm war ich. Immer hab’ ich mich geschämt, es dir zu sagen. Er aber hat mir Nietzsche zu lesen gegeben und mir soviel Sprüche gemacht, bis ich glücklich ein modernes Weib war. Da hab’ ich nicht mehr gewußt, bin ich in ihn verliebt? Ich fragte dich doch, an was man’s kennt! Und wollte, daß er mich entführen sollte. Er sagte natürlich, es sei nicht modern. Das sagt er immer; damit redet er sich aus allem heraus: gerade wie dein Arnold. So sind sie jetzt. Ich aber bin anders!“

Und Lola sah wieder in die haltlos kreuzenden Augen eines wilden jungen Vogels. Sie wich ein wenig zurück.

„Da kam der Pardi,“ sagte Tini und nickte heftig. „Das ist einer, der täte es. Aber meinst du, daß ich ihn mag? Er macht mir einen so gemeinen Eindruck, Lola! Ich kann dich nicht genug vor ihm warnen!“

„Du bist noch sehr jung, Tini.“

„Aber schon furchtbar verdorben!“

Mit einem großen Ruck:

„Ich muß knien, ich!“

„Du, verdorben?“ — und Lola streckte wieder dieArme aus. „Durch was denn? Nichts ist geschehen, arme Tini. Mit dir nicht und mit mir nicht . . .“

Ganz neues, durchdringendes Mitleid fiel Lola an, mit Tini, mit sich: als seien sie beide verschmäht worden; und sie fühlte sich demselben haltlosen Kinderweinen nahe, das vorhin Tini erschüttert hatte. Gern hätte sie Tini wieder an ihrer Brust gehabt; aber Tini machte sich steif, und sie war stärker.

„Was soll denn geschehen?“ fragte sie mit ganz leerem Jungfrauengesicht. „Wir haben doch unsere Gedanken, nicht? Und die sind nun anders und kommen nicht mehr so wieder wie einst . . . Ich wollte, ich könnte noch Diakonissin werden!“

Und bekennerhaft zurückgeworfen, mit leidenschaftlichem Atem:

„Es ist nicht wahr, daß ich Pardi nicht möchte. Ich hab’ dich gehaßt, und deine Mama auch, und die anderen auch: weil ihr mir ihn wegnehmt!“

„Ich nehme ihn dir nicht weg, Tini.“

„Doch! Gerade du! Paß auf, du wirstihm folgen, wenn er fortgeht!“

Wie Lola sie mit Grauen ansah, warf Tini sich über sie.

„Und ich —“ krampfhaft, erstickt: „— werde dir dazu helfen. Du sollst sehen! Denn dich will ich nicht hassen, Lola. Du bist die einzige, die ich wirklich liebe, Lola: du bist mein Ideal . . . Mit den Männern ist es nichts . . .“

Durch Tränen befreit, begann sie ein Liebkosen.

„Warum liebst du mich nicht?“

„Ich habe dich so lieb wie meine liebste Schwester.“

„Wirklich? Ich dich aber viel mehr! Schwester: was heißt das? . . . Und warum hast du mir nie ein Wort des Dankes für meine Blumen gesagt?“

„Deine Blumen?“

„Die ich dir fast jeden Tag hingestellt habe.“

„Du hast —. Das warst du?“

„Wer sonst? . . . Ach! Arnold? Du dachtest? . . . O! Mach nicht solch Gesicht! Das ist entsetzlich! Ich wollte, ich hätte nichts gesagt. Vielleicht hat auch er welche hingestellt . . . Bist du mir nun böse?“

Lola faßte sich.

„Es macht gar nichts. Ich dachte wahrhaftig, er sei verliebt in mich; — und wenn man dann merkt, er ist es nicht, ist man blamiert, weißt du.“

Tini hielt Lolas Gesicht zwischen den Handflächen fest und ging mit den Augen darauf los.

„Und du liebst ihn nicht?“

„Nein!“

„Das ist recht: du hast nicht gezuckt . . . Hab’ ich dir nicht längst gesagt, daß er mir widerwärtig ist? Und auch unheimlich? Das ist nichts für dich, meine Lola. Ich habe jetzt meine Erfahrungen, und wenn du einen Mann willst, nimm schon lieber den Pardi!“

„Ich will mir’s überlegen.“

Lola stand auf. Tini fiel vornüber auf die Hände.

„Au au! Hilf mir auf, Lola! Hast du dir nicht auch die Steine in die Knie gedrückt?“

Mit wehmütigem Rückblick auf die Stelle, wo sie gelegen hatten, und aufseufzend:

„Wenigstens hab’ ich Hunger gekriegt.“

Auf der Schwelle, wie sie schon wieder die gewohnten Menschen um denselben Tisch sitzen sah, merkte Lola, daß sie am liebsten umgekehrt wäre. Alle Anstrengungen, unbefangen zu scheinen, ermöglichten ihr kaum, höflich zu bleiben; und es ward ihr zur Qual, beim Sprechen den Leuten ins Gesicht zu sehen. Zum Glück war die Verstimmung allgemein. Jeder nahm sich sichtlich zusammen, um nicht auszubrechen gegen jeden. Mai sagte plötzlich etwas Unliebsames zu Arnold. Pardi legte sich geschmeidig ins Mittel: er war der einzige, der sich nichts anmerken ließ; und Lola war ihm dankbar dafür, daß er sich in der Gewalt hatte. Wenn er sie anredete, atmete sie auf.

Er unterhielt die Gesellschaft von Monte Carlo, erklärte ihnen sein System, glitt allmählich von den anderen ab und trachtete nur noch Lola zu überzeugen. Überrascht, da sie zurückblieb:

„Sie haben nie gespielt?“

„Ich traue mir kein Glück zu.“

„Das müssen Sie: sonst verlieren Sie.“

„Drum habe ich nie auch nur das einfachste Kartenspiel gelernt.“

„Ich zeige Ihnen eins. Wollen Sie? Sie werden gewinnen!“

Sie richteten sich im Winkel ein. Aber die Regelndes Whist machten Lola hoffnungslose Langeweile; sie mußte dazwischen nach Gwinner hinhören, der wieder einmal Schriftzüge und Handflächen deutete. Tini hielt ihm ihre hin und machte sich dabei, weit von ihm weggebeugt, ganz steif.

„Bei mir muß sich manches gründlich verändert haben,“ sagte sie fast ausdruckslos, vielleicht mit leiser Trauer und entferntem Hohn.

Er stotterte, fand nichts zu sagen; und von der Hand aufzusehen, wagte er auch nicht.

„Doch, ich weiß eins,“ entdeckte Lola plötzlich. „Ein sehr altes, ganz einfaches: als Kind lernte ich es von meiner Großmutter, drüben auf der Großen Insel. Lassen Sie mich’s wiedersuchen!“

Sie warf die Karten durcheinander, teilte sie neu aus, probierte, dachte nach . . . Ihr war, als zöge sie ein Stück Kindheit wieder an sich, abhanden gekommenes Glück und verlernte Zuversicht. Ein etwas mißgelauntes altes Gesicht unter einer Faltenhaube erschien ihr. Erregt lachte sie vor sich hin. „Damals gewann ich immer! Alle Orangen gewann ich Großmama ab. O, in diesem Spiel werde ich auch heute noch gewinnen!“

„So, also so: passen Sie auf! . . . Sie haben begriffen? Einen Pfennig die Partie.“

Pardi lachte, erklärte das Spiel für sehr schwierig und verlor. Er verlor mehrmals.

„Ich bin unglücklich, solange das Glück keinen Gegenstand hat. Haben Sie etwas dagegen, daß wir diesem Pfennig den Wert einer Million beilegen?“

Lola erschrak.

„Aber — das ist etwas ganz anderes. Und ich habe nicht so viel Geld.“

Pardi wollte sich ausschütten.

„Was denken Sie! Wenn das Spiel aus ist, wird der Pfennig wieder zum Pfennig und verpflichtet zu nichts.“

„Also gut.“

Sie schämte sich ihrer Furcht. Lachend verlor sie die erste Partie, lachend die zweite.

„Drei Millionen!“ sagte Pardi nach der dritten und sah sie, beim Geben, von unten an. Sie stutzte. Seine Stimme klang ihr weicher und gefährlicher als sonst. Unter dem Überfall eines kindischen Entsetzens glaubte sie seinen Mund teuflisch verzogen zu sehen.

Sie verlor weiter. Betäubt ließ sie’s geschehen und sah zu, wie seine allzu geschickten, weißen und starken Hände mit Karten hantierten, das Kettchen am Gelenk erklirren ließen, auf ein Papier ungeheure Zahlen setzten, die sie verloren hatte . . .

„Sind wir nicht Kinder?“

„Ja — aber ich habe genug, ich bin müde.“

„Also sieben Millionen: merken Sie sich’s. Vielleicht, daß ich später meine Forderung einziehe.“

Sie versuchte, noch im Weggehen, zu lachen. Aber in ihrem Zimmer schloß sie die Läden, kämmte sich langsam und mochte noch lange das Licht nicht löschen.

„Wenn es nicht das alte Kinderspiel gewesen wäre, in dem ich immer gewonnen hatte!“

Aber erklärte dies wirklich ihr Grauen vor demScherz, der ihr eine Schuld an Pardi auferlegte: eine untilgbare, lebenslängliche?

Aus unruhigen Morgenträumen fuhr sie auf, unzufrieden, weil es schon so spät war. Vor Tag, erinnerte sie sich, war sie schon einmal aufgestanden, hatte das Fenster geöffnet und sich versprochen, in der stillsten Frühe in den Tau hinauszuwandern. Welche Erfrischung ihr das bringen sollte! Nun lasteten Sonne und Leben schon wieder schwer. Um nicht mit Pardi zusammenzutreffen, verzichtete sie auf das Frühstück, ging gleich ins Freie und war froh, den Gugigls mit Tini und Gwinner zu begegnen, sich in den Haufen bergen zu können. Auch Arnold war dabei, und wie die andern unter sich beschäftigt waren, begann er schon:

„Sie sind dieser Tage in Unruhe . . .“

Und das klang, als ob er Aufklärung, Ordnung für alles wisse; und Lola hielt sich schon vor, mit welchem Recht sie ihn verachten wolle, ihn abgetan glaube. Die Blumen? Wann hatte er vorgegeben, ihr zu huldigen?

Da kam aber Frau Gugigl dazwischen. Etwas Wichtiges war im Gange. Gugigl keuchte unter einem Sack: darin waren leere Farbentuben, deren Blei er einschmelzen wollte. Den Kessel trug Gwinner. Er stellte ihn auf den Grashügel. Tini und Frau Gugigl liefen nach Reisig. Gugigl leerte, unter Kommandorufen an die Helfer, den Sack in den Kessel, beaufsichtigte,entschlossenen Blickes, den Vorgang des Schmelzens, rührte in dem Brei, entfaltete, indes ihm die Frauen achtungsvoll zusahen, eine ernste und gespannte Tätigkeit.

„Einen Klump gibt’s, einen großartigen!“ verhieß er, heimlich fiebernd.

Gwinner fragte ihn wohlwollend und nicht besonders sachlich, wie einen talentvollen Knaben:

„Und wozu brauchen Sie eigentlich den Klumpen?“

Gugigl wandte sich rasch und kühn nach ihm um.

„No — damit i halt an Klump hab’!“

Der Kübel Wasser, den er verlangt hatte, ward von zwei Mägden herbeigeschleppt. Gugigl setzte ihn auf den Rand des Kessels. Alle reckten im Kreise die Hälse.

„Jetzt abkühlen!“ — und er stülpte den Kübel um.

Im nächsten Augenblick taumelte Lola, die Augen zugedrückt, mit Tini zusammen. Es hatte furchtbar geknallt, und noch immer flogen Bleistücke umher. Mit Grauen kam man näher. Gugigl stand sprachlos da und zupfte sich das Metall aus den Kleidern. Sein erstes Wort war:

„O damisch!“

Und das Gwinners:

„Hat zufällig einer der Herrschaften noch seine beiden Augen?“

Dann brach große Heiterkeit an; — und Lola war glücklich über alles: daß es Menschen gab, die solchen Unsinn betrieben; daß man lachen konnte, unddaß man in Gefahr war; daß etwas geschah und nicht in ihrem Innern geschah . . .

Gegen Abend wollte sie, um auszugehen, wie immer, durch die Stube. Noch rechtzeitig sah sie durch den Spalt und schrak zurück: da stand er. Wartete er? Langweilte er sich einfach? Er nahm eine Zeitung, warf sie wieder hin, ging zum Fenster und zurück, mit den Augen auf der Tür, hinter der Lola ihn belauschte. Einen Moment fürchtete sie, er bemerke sie: so wach war sein Blick. Er wendete sich, streckte elegant die Büste, tat keine Bewegung, der nicht eine Gesellschaft hätte zusehen dürfen. Lola dachte an Arnold, damals, wie sie ihn mit sich selbst belauscht hatte. Pardi — sie erkannte es mit einer Art Grauen — war nicht allein: war offenbar nie allein; war immer in Gegenwart seiner Menschen, seiner — Opfer, mußte sie denken; war immer sprungbereit. Keinen Augenblick vergaß er einen, und immer mußte man vor ihm auf der Hut sein . . . Vorsichtig ging sie von außen um die Stube herum.

Von einem hohen Acker vor der Sonne, auf dem Heu gebunden ward, rief ihr jemand nach, und wie sie noch umsonst hinaufblinzelte, lief die Baroneß Thekla ihr entgegen. Droben kreischten die Dirnen; eine schrie hinter der Laufenden her:

„So eine reine Jungfrau als wie du!“

„Ich schwatze mit ihnen über ihre Liebesgeschichten und stelle mich naiv,“ sagte die Baroneß Thekla zuLola. „Dabei haben sie keine Ahnung, was ich durchgemacht habe.“ Und sie begann von einem Leutnant . . . Vielleicht hatten die Ereignisse, hatte die wühlerische Stimmung des Hauses sie in Fluß gebracht. Vielleicht trieb es sie, Lola vorzuführen, daß es ihr mit Pardi nicht Ernst sei und sein Verschwinden an ihr nichts ändern werde. Ausführlich klagte sie. Der Leutnant war zart und fein; auf einem Hofball hatten sie sich kennen gelernt. Er konnte Schnadahüpfln singen. Aber er hatte kein Geld, und um sie zu trennen, war er in die Provinz versetzt worden. Die Baroneß Thekla mochte keinen andern, sie haßte die Gesellschaft und wäre lieber eine Bauernmagd gewesen.

Lola hörte dem zu und verachtete es. Sie verachtete die Trägerin dieser landläufigen, billigen Schmerzen, und aus der Ferne beneidete sie sie auch. Lieben, nicht glücklich werden dürfen und sich trösten, wie es geht: damit war man in der Ordnung und hatte es leicht. Aber zu einem Manne hingezogen sein und ihn dabei höhnisch durchschauen! Aber seinem Gegner sich so nahe fühlen als ihm! Aber nie wissen, ob man für die Liebe gemacht ist, die doch bereit wäre, in einem aufzustehen! Sich selbst nicht trauen dürfen! Geteilt sein! Nirgends ganz zu Hause, seines Eigensten nicht habhaft, fragwürdig und der Antwort auf immer unmächtig!

So ward es Abend. „Glücklich der letzte Abend: und morgen ist er fort, und ich werde aufatmen.“Lola war lauter als sonst, weil sie Befangenheit verbarg. Im Lauf des Pfänderspiels zog sie den Stuhl weg, auf den Gwinner sich eben setzte, hob Gwinner mit erschrecktem Gelächter vom Boden auf und lachte, indes er vor verwundeter Eitelkeit knirschte, haltlos weiter.

Dann sollte sie draußen ihre Aufgabe erwarten. Sie stand auf der Veranda, vor dem Dunkel, das sternenlos und schwül war; — und wie drinnen die Beratung ein wenig lange währte, näherte sich ihr die Versuchung, da hinaus zu wandern, plötzlich alles abzuschütteln. Sie dachte daran nur wie an eine bezaubernde Unmöglichkeit, eine Entführung durch den Widderwagen, den, schlimmer Werbungen müde, Prinzessin Eselshaut besteigt. Nur im Spiel ging sie die Stufen hinunter, tastete einige Schritte durch den Garten . . . Sie lauschte rückwärts: Stille; — und lächelnd über ihre unsinnige Tat und immer noch als sei’s nur Probe und ohne Belang, stieß sie die Pforte auf, machte ein Stück der Straße, die sie nicht sah . . . Nochmals blieb sie stehen; ihr war’s, sie werde gerufen; — und da lief sie geradeaus, stürzte sich in das Dunkel, das so unwiderstehlich lockte mit seiner großen Freiheit und Unempfindlichkeit.

„Sollen sie denken, was sie mögen! Für heute bin ich alles los!“

Aber das Dunkel regte sich. Wie es zirpte und duftete! Welche lauen, schwarzen Wellen einen umspülten! „Warum habe ich nicht alle vorigen Nächte solchen Spaziergang gemacht? Nie ist man wacher und nimmt freier auf als wenn man allein ist. Ichwill keine Menschen . . .“ Sie hielt eine Weile an, um einen einzelnen Glockenschlag zu genießen. Langsam, berauschend erfüllte er ihr den Kopf. „Wenn ich die ganze Nacht wandern würde, wo mich wohl die Sonne träfe? Seltsam, nichts erkenne ich wieder. Bin ich auf einen unbekannten Weg geraten?“ Eine riesige Mannesgestalt stand vor ihr auf. Mit dem nächsten Blick und noch zitternd unterschied sie einen Heuhaufen. Häufiger blieb sie stehen und lauschte auf etwas Unbekanntes. Wenn nun Schritte kamen? Jemand konnte ihr nacheilen. Nur natürlich war’s, wenn man sie suchte. „Wer wird es sein?“ Und plötzlich: „Wer jetzt zu mir stößt, der ist es!“

Vor einem Walde zögerte sie lange. Dort innen ward ihr armer Weg vollends erstickt. Jene regungslose Finsternis mußte einem den Atem nehmen! Man fand nicht mehr heraus! Aber der Wald war unerbittlich: er zog Lola an sich, legte Arme um sie . . . Da, rasche Schritte: rasche und starke Schritte, quer übers Feld. Und einer kam auf sie zu, das Dunkel durchbrechend.

„Fräulein Lola?“

Pardi, selbstverständlich. „Der andere wird sich doch nicht aufraffen. Ich konnte voraus wissen, wer von ihnen zu mir stoßen würde. Das bedeutet natürlich nichts. Was für eine dumme Wette das war!“

Er war da.

„Fräulein Lola —“

Er gab ihr, hier zuerst, ihren Namen. Sie griff sofort ein.

„Sie haben es so eilig? Was gibt’s denn?“

„Alle suchen Sie! Die anderen sind nach den übrigen Richtungen.“

„Suchen mich? Ich begreife nicht, was man will. Wie oft bin ich des Abends auf einige Minuten allein hinausgegangen.“

„Einige Minuten! Eine Stunde sind Sie fort, und niemand weiß, was Ihnen zugestoßen ist.“

„So hat mir’s heute mehr Spaß gemacht als sonst. Und zustoßen? Was denn? Die Gegend ist sehr friedlich. Überdies kenne ich jedes Haus am Wege. Warten Sie: wenn wir durch den Wald sind, kommt links ein Holzhaufen und dann ein Weg und ein Kruzifix.“

Entschlossen betrat sie den Wald.

„Auf diesem Baumstumpf habe ich oft genug gesessen. Die Form dort hinter den Zweigen ist eine Holzfällerhütte. In dieser Zeit übernachtet meist jemand darin . . .“ Alles sehr sicher und umsichtig. Sie ging, die Arme auf den Rücken verschränkt, dahin, indes Pardi stolperte, sich nicht zurecht fand, auf nichts vorbereitet war. Und so oft er ihr mit einem Wort näher zu kommen drohte:

„Achten Sie auf den Weg!“

Sie selbst war sich bewußt, einen höchst gewagten zu gehen, fast schon durch leere Luft; — und in Gegenwart der wirklichen Gefahr sah sie keine Phantome mehr, hatte den Traum abgeschüttelt, das Spiel weggeworfen und beaufsichtigte mit trockenem Mißtrauen, was geschah.

„Der Wald ist noch lang. Sie kennen ihn nicht, er ermüdet Sie. Ich habe die Absicht, bis ans nächste Dorf zu gehen: kehren Sie um, ich werde es nicht übelnehmen.“

In völliger Finsternis standen sie sich gegenüber; aber Lola klopfte das Herz vor bangem Stolz, weil sie ihn in dieser Minute so sehr unterlegen wußte, daß er zögerte und ihren Vorschlag vielleicht annahm . . . Plötzlich sah sie sein Gesicht aufschimmern. Beide wandten sich: ein Licht schwankte um die Bäume, Stimmen und Schritte waren unvermittelt da, eine rote Lache lief über den Weg herbei, und große, dumpfe Schatten kamen mit.

„Hinter mich!“ raunte Pardi und faßte Lolas Arm. Sie hatte Furcht; und ihre plötzliche Einschüchterung und ihr Schutzbedürfnis genoß sie lautlos, wie ein schimpfliches Glücksgefühl.

Die Kommenden wurden kenntlich. Ein Greis hielt einen Mann aufrecht, der ein blasses, wütendes Gesicht und Blut unter den Haaren und am Hemd hatte. Eine Frau trug die Laterne und zog ein Kind nach. Da, ehe der Alte zugriff, war der Mann gegen einen Baum getaumelt und stöhnte auf. Pardi trat an sie hinan. Lola ward sich bewußt, außer Gefahr und in Menschennähe zu sein; und sie zitterte ganz vom Nachlassen der Spannung, worin dieser Gang zu zweien und im Finstern sie erhalten hatte.

Sie mußte hin und die Erklärungen der Leute zu verstehen trachten. Der Bauer sollte mit seinen Messerstichen zum Arzt geschafft werden. SeineBetrunkenheit erschwerte das Vorwärtskommen nicht weniger als seine Verletzungen. Der Alte war erschöpft . . . Pardi machte seine Handbewegung, zog das Jackett aus, warf es der Frau zu, — und mit einem Ruck hatte er den Mann auf den Schultern.

„Vorwärts!“ Und munter, ohne Keuchen: „Gnädiges Fräulein, Sie können mir glauben, daß es mir lieber gewesen wäre, den Rückweg allein mit Ihnen zu machen — und im Dunkeln.“

„Wirklich? Aber Sie machen so eine viel bessere Figur!“

Sie fand es selbstverständlich, was er tat, mit solcher Leichtigkeit tat er’s, — und doch sehr schön. Die schweißigen Ärmel des betrunkenen Raufboldes engten ihm den Hals ein, verdarben ihm die Weste; die großen schwarzen Hände fuhren ihm übers Gesicht; die steifen Knochen des Bauern rutschten, Pardi mußte sie überall anpacken, stützen, mußte machen, daß sie mit seinen geschmeidigen Bewegungen mitglitten. Lola lachte auf.

„Sie erinnern an einen Tiger, der den Bacchus trägt!“

Er antwortete fröhlich:

„Ich will die Frau Gugigl bitten, uns zu malen.“

Und sie bewunderte ihn vollends. O, er konnte auch Lachen vertragen: er fühlte sich viel zu sehr in Tätigkeit und Kraft. Menschliche Schmerzen, menschlicher Schmutz ekelten ihn nicht; er scheute nicht das feste Anpacken menschlicher Körper. Er war selbst ein ganzer Mensch. Der andere war keiner. Sie stelltesich vor, wie der sich hier benommen haben würde. „Ja: den darf ich wirklich verachten!“ Dieser aber war stark, eigentlich war nichts gegen ihn zu machen. Mit einer Art von Begeisterung erkannte sie es an. Sie sagte zu den Leuten, daß sie froh sein könnten, diesen Herrn getroffen zu haben.

„Wollen Sie denn nicht ausruhen?“ fragte sie ihn. Er brachte ein Nein hervor, das sie wieder bewunderte. Dazwischen drang die Erkenntnis durch, wie gefährlich ihr zu Sinn sei. Sie wollte glauben: „Er setzt sich in Szene.“ Aber er führte nur vor, was ihm stand. Übrigens galt es gleich. Die dunkle Masse des Dorfes wuchs schon heran. Jetzt war noch das Wiedersehen mit den andern zu überstehen, die Erklärungen des Abenteuers, die öffentlichen Belobungen für Pardi, — und morgen, Gott sei Dank, war’s ohnehin aus. „Wenn ich aufwache, ist er fort.“

Sie wachte auf, erinnerte sich und erschrak. Nun war er also fort. „Während ich geschlafen habe.“ Fast war’s, als sei sie eingeschlafen, indes jemand starb, und nun war er tot. Er war fort und so gut wie tot. Und sie fühlte sich beklommen und unheimlich, wie nach einem Sterbefall, hatte keine Lust aufzustehen und die Zimmer und die Wege wiederzusehen, in denen es jetzt verlassen und gedrückt zugehen mußte.

Sie trat sogleich ins Freie, sie mochte niemand treffen, von niemand bestätigt hören, daß er fort sei. Vielleicht war er noch da? Es war schwer zu glauben,daß dies so rasch und glatt verlaufen sollte. „Kaum, daß wir uns noch die Hand gedrückt haben. O, er war sehr aufrichtig, als er, erregt und halblaut, noch einmal in mich drang, ihm zu schreiben, sobald ich nach Italien käme. Ich bin überzeugt, er führe mir entgegen. Aber wird denn etwas aus solchen Vorsätzen? Immer kommt anderes dazwischen, gleitet einem auch wieder unter den Händen weg, und nichts bleibt übrig von all den unterbrochenen Freundschaften als Bitterkeit. Immer vergeblicher erscheint mir alles. Ist mir denn kein anderes Leben erreichbar als dieses Reiseleben?“

Sie sann auch: „Was wäre gestern daraus geworden, wenn nicht der verwundete Bauer dazwischengekommen wäre?“ Aber sie brach ab. „Da er dazwischen kam, mußte es wohl sein und ist es wohl besser.“

Bei Tisch trank Gugigl ihr zu.

„Gelt? Jetzt sind wir wieder unter uns. Diese Welschen sind ganz ein hübscher Menschenschlag, aber trauen derf man keinem, und keine Gemütlichkeit ham’s.“

Selbst der alte Utting gab zu, daß ihm bei Pardi niemals recht warm geworden sei. Alle verstanden sie sich! Ganz aufgeräumt waren sie jetzt! Lola trennte sich in ihrem Sinn von Ihnen mit Heftigkeit, rechnete sich ganz dem Abwesenden zu, verachtete in seinem Namen diese alle. Wie er sich über die täppischen Bewegungen der Männer lustig gemacht haben mußte, er, der ein Fechter war! Und über die Frauen in ihrem selbst erdichteten Plunder! Lola verglich sichangstvoll mit ihnen: ob gar keine Ähnlichkeit da sei. Nein: dies war eine andere Rasse von Frauen, mit schmalen Schultern und breiten Hüften; und damit sie noch breiter würden, trugen sie riesige Gürtel. „Doch! Den schlechten Haaransatz habe ich von ihnen.“ Und sie beugte sich, unter der Scham, über ihren Teller.

„Künstlerisch!“ hörte sie Frau Gugigl sagen; und dann war von dem Kitschgeschmack der Italiener die Rede. Lola fuhr auf. Ihr sei etwas eingefallen; und sie bat Gugigl, ihr ein Fenster der Münchner Frauenkirche genau aufzuzeichnen.

„So aus dem Kopf? Ja, das kann man doch nicht. Wie schauens denn aus, die Fenster?“

Seine Frau dachte nach, die andern dachten nach.

„Das kann überhaupt kein Mensch!“

Lola lächelte und sagte, es sei gut. Das konnte kein Mensch: aber Pardi, — wie einst Arnold den Florentinern vorgeworfen hatte, die Fassade ihres Domes weiche in manchem vom Vorbild des Glockenturmes ab: Pardi hatte in den Sand gezeichnet und gefunden:

„Es ist wahr: die Terrassen auf den Pfeilern des Turmes sind achteckig, und die der Fassade haben nur vier Seiten.“

Und Pardi war kein Künstler. Aber er hatte das Blut von Menschen, die mit einem Griff durch die Luft mehr Kunst machten als diese hier, wenn sie malten! Menschen mit einer Erziehung des Auges, aller Sinne, des ganzen Körpers, die weit zurückreichte. Sie stellte sich Pardis gewölbte Augen vor. Er sah,— sah so stark, daß er, ohne daran zu denken, zum Seelenleser ward . . . Bei diesen hier war das Leibliche lange vernachlässigt, das Auge fast schon tot. Gewaltsam sollte es sich nun ermuntern, und über Nacht mußte alles „künstlerisch“ werden . . . Da begegnete sie Arnolds Blick und verstand: was sie dachte, kam von ihm. Er hatte erraten, weshalb sie nach den Fenstern der Frauenkirche gefragt hatte. Das Gefühl erbitterte sie, daß sie kaum noch ihre Gedanken vor ihm wahren könne. Hundert Gespräche mit ihm hatten sie ihm bloßgelegt, und sie hatte den Kopf, sie mußte es wohl gelten lassen, voll von Dingen, die ohne ihn nicht darin entstanden wären. Er durchschaute auch, was sie zu Pardi zog, was Pardi vor ihm selbst auszeichnete, Lolas Kämpfe, und daß sie in diesem Augenblick wieder vergebens danach lechzte, ihn verachten zu können, ihn in den Haufen der übrigen zurückstoßen zu können. Er wußte alles; und sein großes Wissen um sie gab ihm selbst das Recht, sie zu verachten: sie, die einen Geist wie ihm hätte auf seine Höhe folgen können, und die sich zu einem baren Sinnlichen hinabließ. Es war ihr, als lebte sie unter dem Auge eines Herrn. Sie liebte ihn nicht, gab ihm kein Recht auf sich: und doch — so groß war die Macht des Geistes — fühlte sie sich ohnmächtig vor ihn hingebreitet! „Wäre ich ihm erst entronnen!“ Der Trieb brannte sie, aufzuspringen und davonzulaufen.

Sie suchte sich ihn im Kampf mit Pardi vorzustellen und in der kläglichen Rolle, die ihm dabeibestimmt gewesen wäre. Und sie mußte sehen, daß Pardis Manneskraft sich an diesem brach, der kein tüchtiger Mann, aber vielleicht mehr als Mann war? Sie fühlte: Pardi und er konnten sich nicht nahe kommen, auch nicht zum Kampf. Dieser bot einem Pardi keine Angriffsstelle, — so wenig wie er ihr gestattete, ihm seine Untüchtigkeit anzurechnen, die er im voraus gerechtfertigt, vermöge vieler Sophismen in Tugend umgewandelt hatte. Wenn er sich eine Blöße gegeben hätte! Wenn er mit den anderen auf den Abwesenden gescholten hätte! Nein: er hütete sich. Er war ja ein Mensch von Geschmack. Hatte er nicht die ganze Moral, wenn sie selbsterworben sei, für ein Ergebnis ästhetischen Sinnes erklärt? Ihm war nicht beizukommen, man mußte ihn laufen lassen.

Sie wich ihm nicht aus; eher erwartete sie ihn, erwartete, daß er sich um die freigewordene Stelle nun wieder bewerbe, ein wenig Würdelosigkeit zeige, — und litt, weil er’s nicht tat. Es zog sie zu Tini, sie hätte sich mit ihr verbünden wollen; denn auch Tini fand Arnold unheimlich und haßte ihn. Aber Tini verhielt sich jetzt herbe und scheu. Launisch ging sie Lola aus dem Wege. Waren sie zusammen im Zimmer, fühlte Lola die großen Augen beunruhigend hart auf sich haften, — und wenn sie hinsah, waren sie schon gesenkt. „Ist sie nachträglich wieder eifersüchtig? Sie könnte sich’s sparen.“ Wie unwichtig Lola diese Backfischnöte erschienen neben ihrer eigenen Qual!

Schlimmer war’s, daß sie auch mit Mai nichtsprechen konnte. Den ersten Tag hatte Mai sich in der Gesellschaft so betragen, als sei durch Pardis Fortgang ihr ein besonderes Unrecht angetan, als habe man ihn vertrieben, um ihn ihr wegzunehmen. Bald hatte sie sich zurückgewinnen lassen: nur mit Lola schmollte sie noch, bot ihr keins von den mitgebrachten Handtüchern an und kam nicht zum Gutenachtkuß. Und wäre sie gekommen: an das Unausgesprochene hätte Lola sich nicht gewagt. Wie stand Mai mit Pardi? Sehnen mußte sie sich. Dann aber sann sie auf die Abreise nach Italien, — auf die auch Lola sann. Nur aus Befangenheit voreinander taten beide, als gäbe es nichts zu beschließen, und ließen dies Dasein fortdauern, das doch bloß noch Last war. Denn Lola ward gedemütigt von ihren herabsetzenden Entdeckungen an diesen Menschen, deren Gast sie war. Jeder Tag vermehrte ihren Widerwillen und ihre Scham.

Am dritten Morgen aber fand sie auf ihrem Tisch wieder Blumen; zwei Tage lang hatte Tini sie vernachlässigt; — und darin steckte ein Briefchen.

„Heute mittag,“ schrieb Tini, „wirst du nämlich mit der Post einen Brief aus Mantua bekommen, von einer Pensionsfreundin. Sie hat zufällig erfahren, daß du hier bist, und möchte, daß du rasch hinkommst, denn lange bleibt sie nicht. In Wirklichkeit aber ist der Brief von mir. Ich habe es mir schon längst ausgedacht und habe mir dazu den Umschlag voneinem Brief an Pardi aufgehoben, den er aus Mantua gekriegt hatte. Da mußte ich denn aus seinem Namen deinen machen, mir ganz genau dieselbe Schrift einüben und auch das Kuvert wieder heil machen. Das war eine ziemliche Geduldprobe, daher mußt du entschuldigen, daß ich mich die letzten Tage so wenig um dich bekümmern konnte. Du siehst nun doch, wie lieb ich dich habe, Lola, daß ich dies für dich getan habe! Jetzt ist der Brief mir sehr gelungen, du kannst ihn allen zeigen, sie werden es dir gewiß glauben: und dann kannst du hinreisen. Italien muß herrlich sein. Du wirst gewiß noch einmal sehr, sehr glücklich werden. Vergiß nicht deine Tini.“

„Welche heroische Kinderei!“ dachte Lola und wollte die Achseln zucken. Aber ihr kamen Tränen. Sie ließ das Blatt sinken, verschloß die Tür und drängte sich in einen Winkel, um, vor sich selbst versteckt, diese Tränen zu weinen, ohne zu wissen wem? Sich? Tini? Den Dingen?

Bei Tisch blieb Tinis Stuhl frei, aber auf Lolas Platz lag der Brief. Frau Gugigl hatte schon gesehen, daß er aus Italien kam. Niemand nahm Anstoß an dem, was darin stand: auch Mai nicht. Wie sie von der Einladung hörte, erhob sie schon die Hände, um hineinzuklatschen, besann sich aber rechtzeitig und machte ein trauriges Gesicht.

„Wir sollen also fort? O!“

„Es wird nicht anders gehen,“ erklärte Lola. „Meine Freundin erwartet uns übermorgen. Morgen müssen wir reisen: morgen mit dem ersten Zug.“

Gugigl wollte beweisen, es sei auch abends noch rechtzeitig. Ein Streit über das Kursbuch entstand.

„Und der Tini geht’s wirklich nicht gut?“ fragte Lola. „Kann ich sie nicht sehen?“

Frau Gugigl ging mit. Tini habe Fieber: es komme bei ihr plötzlich und verschwinde wieder; sie sei noch wie ein Kind.

Als sie, mit aufwärts verdrehten Augen, Lola am Kopfende ihres Bettes sah, fuhr sie aus den Decken.

„Was hast du, Tini?“ — und Lola warf sich auf die Knie und nahm Tini in die Arme.

„Mir hat geträumt, Lola, du gingst weg.“

„Nein! Wenn du lieber möchtest, daß ich dableibe, bleibe ich.“

Tini hielt sich ganz steif in Lolas Armen. Sie rückte mit dem Gesicht ein Stück fort; ihre dunkeln Blicke erweiterten sich gespenstisch; und mit ihren blassen Lippen, tonlos bewegt, daß ihre Schwester hinter ihr nichts hören konnte, sagte sie:

„Geh nur hin!“

Lola mußte die Augen niederschlagen.

Sie packte, ohne zu wissen, was ihr bevorstehe, was sie wähle. Nur erst hier heraus, wo so viel Wirrnis erlitten war und alles verbrauchte, zwecklose Gesichter trug. „Wenn ich ihn wiedersehe, soll mir’s recht sein; wenn nicht, ist’s auch gut,“ dachte sie im Einschlafen; und bei Tagesanbruch, unlustig und mit Gähnen, vor den fertigen Koffern: „Wieunwahrscheinlich ist das Wiedersehen! Ich werde ihm doch nicht nachreisen. Und bis der Zufall es einrichtet, ist er vielleicht wieder in Afrika.“

Der Wagen mit dem Gepäck stand auf der Landstraße. Mai hatte noch mit ihrem Schleier zu tun gehabt. Niemand war aufgestanden: Lola hatte es sich dringend verbeten. Fröstelnd durcheilte sie den grauen Garten. „Dieselbe unwirtliche Stunde, zu der vor drei Tagen er fortging.“ Im Laubgang roch es nach Nebel. Der Sommer war fast zu Ende, merkte sie plötzlich. Sie blieb stehen: eine solche Trostlosigkeit durchdrang sie bei diesem Gedanken, daß ihr der Mut zum nächsten Schritt fehlte. Dahinten, über dem Lande, wallte es weißlich und ohne Grenze. So ging man denn wieder allein, allein dahinaus.

Wie sie die Hand auf die Pforte legte, tat von der andern Seite Arnold es.

„Sie — schon auf?“ stammelte Lola.

„Ich konnte nicht schlafen,“ erklärte er. Sie sah ihm ungläubig in die Augen und fand sie übernächtig.

„Dann bin ich froh, Ihnen nochmals Lebewohl wünschen zu können,“ äußerte sie, unschlüssig. Er schien zu wissen, was er sagen wollte.

„Ich habe Ihnen für einige der besten Stunden zu danken, die Menschen mir gewähren konnten. Ich hatte so viel nicht erwartet;“ — ganz ohne Bitterkeit: was ihr Staunen machte. Er senkte kurz die Lider. Dann:

„Daß mehr Glück als dieses nicht an meinem Wege liege, daran habe ich keinen Tag gezweifelt. Aberauch in Ihr Schicksal glaube ich einen Blick getan zu haben und fürchte, daß Sie heute noch im Irrtum sind. Könnte ich Sie für eine Minute so sehen machen, wie Sie nach einiger Zeit sehen werden!“

„Sie geben mir ein Orakel mit auf den Weg?“ — und Lola suchte hochmütig zu lächeln. „Ich kenne Sie auch: Ihnen verwickelt sich das Einfachste.“

Wie es schal und hassenswert war, dieses Zweifeln, dieses Zögern! Jetzt quälte ihn die verdiente Eisersucht auf den, der glücklicher war und sie glücklicher machen würde. Er hätte sie so ratlos und an allem unteilhaftig gewollt, wie er selbst war! . . . Vor Zorn und Kummer war sie bleich. Er war bleich von den Worten, die er gesagt hatte.

Und er konnte recht haben! Jener andere lebte jetzt schon wieder darauflos, wie je. Was war sie ihm? Was änderte sie an ihm? . . . Und an diesem hier? Nichts, als daß er nicht schlief. „Und wenn er tiefer leiden kann: was habe ich davon!“

Sie wandte sich ab. Sein Gesicht glitt langsam an ihrem vorüber. Nun sah sie es nicht mehr. Ein äußerster Zweifel schnürte ihr die Brust zu. Sie schluckte ihn hinunter. „Wenn es bestimmt wäre, käme es.“ Und mit Grausamkeit gegen ihn und gegen sich: „Das Leben ist nicht anders.“

Nachts stiegen sie in Mantua aus, aber es war schwül wie bei Tage. Am Morgen erschrak Mai über Lolas Aussehen. Sie habe kaum atmen können, sagte Lola; Mücken seien unter ihren Bettschleier gedrungen. Und Mai:

„Ah! Du verträgst nichts. Drüben bei uns würdest du etwas erleben.“

Kaum aufgestanden, streckte sie sich wieder aus. Von den geschlossenen Läden war ein grünlicher Schimmer auf ihrem weißen, runden Arm, den sie mit kindlicher Genugtuung betrachtete.

„Jetzt ist’s ganz wie zu Hause.“

Nie hatte Lola sich weniger heimisch gefühlt. Sie überlegte, daß sie hierher nur wegen einer Persönlichkeit geraten sei, die es gar nicht gab.

„Nun muß ich mich wohl nach meiner Freundin umsehen,“ äußerte sie.

„Es ist wahr, du bist schon wieder angezogen. Eine richtige Deutsche bist du!“

Lola überließ Mai der Einschläferung durch die träumerischen Geräusche im Hof und ging aus. DieStraße war von Hitze wie verzaubert. Unter dem alten Urturm hatte ein kleines, von Zeltdächern beschirmtes Marktgedränge etwas künstlich Aufgewecktes: als würden diese paar munteren Wesen dem ungeheuren Druck der leeren, heißen Stadt auf einmal nicht mehr widerstehen können, sich aneinander lehnen und einschlafen. Am Ende der nächsten Gasse galt es, sich in einen Platz zu stürzen, über dem das Licht wogte und blendete, wie auf einem Meer. Dort weit hinten, am schmalen Schattenufer von kaum durchdringlicher Schwärze, begegneten zwei schwarze Gestalten sich, neigten mit groteskem Ruck die großen Priesterhüte gegeneinander, — und plötzlich klappte die Matratze der Domtür über ihnen zu.

Lola eilte mit angehaltenem Atem durch die Sonne. Ein Arkadenhof nahm sie auf, überlieferte sie einem zweiten mit einer feurig geschweiften Kirchenfassade, — und dann fand sie sich in einem, um den die Säulen zerbrechlicher tänzelten und, wie unter Komplimenten, zu einem kleinen gezierten Theater geleiteten, das geborsten, bemoost, mit Schutt auf seinen rosigen Marmorschwellen, noch zu lächeln schien, galant und schmerzlich, wie ein Rokokogesicht, worauf die Schminke eintrocknet in Staub. Gras wuchs aus den feinen Fliesen; darüber flimmerte die Luft; und ging man, wandte man rasch noch den Kopf nach einem gespenstischen Kichern und Fächerschlagen . . . Da starrte aber, im nächsten Hof, eine riesige dunkle Burg einen an. Hinter ihrem Tor setzte eine graue Brücke ein, um, ein endloser Trauermarsch, durch Sümpfe zu ziehen.

Wie Lola sich in ihre Straße zurückgefunden hatte, ward vor einem Café, dessen Tür Karyatiden bewachten und worin niemand saß, ein sehr alter Herr von Wirt und Kellner an eine ungetüme schwarze Karrosse begleitet. Der Kutscher nahm die schwarze Peitsche in seinen schwarzen, faltigen Handschuh, und knarrend bewegte sich das Gefährt.

Im Hotel hing Mais Hand noch über dieselbe Armlehne.

„Meine Freundin ist —“

Lola hatte sagen wollen: „Abgereist,“ schrak aber vor einer ganzen Lüge zurück.

„— ist nicht zu finden,“ sagte sie.

Mai erstaunte nur leicht.

„Wirst du sie noch einmal suchen?“ fragte sie.

Lola suchte sie bis zum Abend noch mehrmals. Dann erklärte sie die Wohnung der Freundin für gefunden, sie selbst aber kehre erst in mehreren Tagen von einer Reise zurück.

„Wir haben nichts Besonderes vor, wollen wir nicht hier warten?“

Mai wandte nichts ein. Wenigstens war Zeit gewonnen.

Und Lola, die im Zimmer nicht Ruhe fand, durchirrte weiter die tote Stadt, betrat hinter verlassenen Haustoren, über denen die schöne Palastmauer barst, feuchte Höfe mit schmuckreichen und zerbrochenen Brunnen — und mußte denken: wenn die müde, ausgestorbene Treppe nun in all seiner Lebendigkeit Pardi herabliefe! Da drückte die Sonne noch dumpfer aufdas leere Pflaster. Alle hatten sie sich selbst überlassen!

Auf der Flucht vor der nahenden Sehnsucht fuhr sie, ganz allein, in das braune, traurige Land hinaus. Weiß stand darin, auf ihren groben Säulen, eine kleine Gnadenkirche: innen bäurisch bunt und die Wände umringt von Holzfiguren in den schweren Stoffen und Rüstungen von einst, von den Bildern Geretteter. Jener Ritter war aus der Schlacht bei Pavia heil hervorgegangen, diese Dame von einem Pestgeschwür gesundet, und der verdächtige Gauch dort in Schnürkittel und schütterem Bart hatte schon im Block gelegen, mit Feuer an den Füßen, und doch hatte die Madonna ihn freigemacht. Und Lola erschien sich auf einmal als die Beute einer Leidenschaft, einer Krankheit, eines barbarischen Übels; wünschte sich, gleich diesen die Madonna anrufen zu können; sank, vernichtet von der Einsamkeit dessen, den keine Götter mehr hören, auf eine Bank.

Als ihr dann wieder die Sonne ins Gesicht schien, war sie beschämt, als habe sie sich dort innen eine Komödie vorgespielt.

„Dieses Leben macht mich verrückt. Warum laß ich ihn nicht kommen: alles wäre so einfach, wäre freundschaftlich abzumachen.“

Zwar bedachte sie sogleich, er sei kein Freund: er, der mit jedem Tage schwerer zu Vermeidende . . . Und auch Mai hatte Lola hierbei nicht zur Freundin. Das erbitterte sie. Wie oft hatte Mai sich, wenn’s nicht not tat, zu einem Opfer erboten. Jetzt kam’sdarauf an, — und Mai schwieg. Sie hütete sich, noch einmal, wie am Anfang der Bekanntschaft, Lola zu fragen, ob sie Pardi heiraten wolle; denn diesmal fürchtete sie eine andere Antwort zu bekommen. Sie tat, als sei nichts los, und nötigte Lola, zu heucheln. Die Unaufrichtigkeit und die geheime Spannung zwischen ihnen beiden lagen, fand Lola, nur an Mais bösem Willen.

Genug, ein Ende mußte gemacht werden; und wie Lola eintrat, sagte sie sofort heraus:

„Also sie kommt nicht mehr zurück nach Mantua. Damit wir nun nicht ganz umsonst gewartet haben, könnten wir wenigstens Pardi kommen lassen. Er hat es mir angeboten.“

Gelassen antwortete Mai:

„Mir auch. Ich dachte sogar, wenn wir ankämen, würde er schon da sein. Du würdest dafür gesorgt haben.“

Lola starrte Mai an. Da hatte sie die ganze Zeit gelegen, hatte Lola gewähren lassen und sich ihr Teil gedacht!

„Dann haben wir wohl Verstecken miteinander gespielt?“ fragte sie. Mai erwiderte:

„Komm her, ich will dich umarmen.“

Aber während der Liebkosungen errötete Lola. Sie ging hinaus. „O, sie hat sich gehütet, zu fragen, ob ich ihn liebe!“

Bei seiner Ankunft waren sie am Bahnhof. Loladachte: „Das erstemal, daß Mai sich angezogen hat.“ Er begrüßte Lola zuerst mit den Augen und Mai zuerst mit der Hand. Lola achtete peinlich darauf. Keine Einzelheit seines Verhaltens gegen sie und Mai entging ihr. Den Champagner bestellte er, nachdem Lola ihn abgelehnt und Mai ihn angenommen hatte. Lola trank keinen Tropfen. Er wünschte noch in Mantua zu bleiben.

„Wir haben es genossen,“ erklärte Lola. Mai war’s recht.

„Wunder romantischer Versunkenheit werde ich Ihnen zeigen,“ verhieß er.

„Wir bekommen noch das Fieber,“ meinte Lola; und Mai:

„Bisher hast du dich gar nicht gefürchtet und warst immer unterwegs.“

Im Palazzo del Tè, unter dem Schwall der Fleischlichkeiten, die nach Jahrhunderten noch aus Decken und Wänden überquollen, beneidete und verachtete Lola Mais unbefangene Freude. Sie selbst konnte Pardi nicht in die Augen sehen und gab zornige Antworten. Er neckte sie anfangs mit ihrer Übellaunigkeit, dann zeigte er sich um ihr Befinden besorgt, und auch Mai äußerte Besorgnis. „Sie weiß ganz gut —“ dachte Lola und verlor vollends die Herrschaft über ihre Nerven. Als man sich in der Stadt eine Kapelle zeigen ließ, stand sie teilnahmslos neben dem Sakristan, der den Stock mit der Kerze über die Wände hinführte. Pardi drehte ihr, auf Mai geneigt, den Rücken. „Ich werde ihnen nicht im Wegesein,“ sagte Lola sich; „aber zu ihrer Bedeckung gebe ich mich auch nicht her!“ Und wie der Sakristan den Schrein aufschloß, machte sie sich leise davon, schmerzlich berauscht von ihrer Rache. Sie erwartete, Mai werde an ihr Bett kommen, und war entschlossen, sich schlafend zu stellen. Aber Mai blieb aus.

Am Morgen beschäftigte Pardi sich nur mit Lola. Ihr schien’s, daß Mai sich zurückhalte; und sie argwöhnte, dies sei Verabredung, er habe Mai im voraus um Entschuldigung gebeten. Sie sah ihn plötzlich fest an.

„Sie brauchen nicht so viel Rücksicht auf mich zu nehmen, wissen Sie.“

Wie er etwas einwandte, hob sie die Schultern.

„Nachgrade habe ich doch schon Erfahrung darin, daß meine Mutter besser gefällt als ich; und ich kann Ihnen versichern, daß mich das nicht beleidigt.“

„Sie sind kokett.“

„Gar nicht. Ich brauche niemand. Jeden gönne ich meiner Mutter.“

Er sagte zuredend:

„Sie werden doch begreifen, daß ich Ihrer Mama den Hof machen muß.“

Lola fand nichts mehr. Wie lag es nun? O, grundfalsch! Sie erschrak tief, wie schlimm sie sich schon verrannt habe. Am zweiten Tage! „Was soll daraus werden. Wenn ich mich nicht zusammennehmen kann, bin ich verloren.“ Von der Minute an war sie ruhig. Und aus der Genugtuung, daß sie nichts mehr durchblicken ließ, ward allmählich wirkliche Überlegenheit.

Sie brachen nach Viareggio auf. Pardi hielt sie noch einen Abend in Florenz zurück, obwohl Mai gern ihre Sachen ausgepackt und Lola lieber am Meer als in der heißen Stadt geschlafen hätte. Aber er erklärte, es würde nicht gut aussehen, wenn er mit fremden Damen so spät noch ankäme. Auch das Hotel zum Übernachten wählte er ohne Rücksicht auf ihre Wünsche. Zuvorkommend und bestimmt brachte er sie in eins, wo sie bessere Bedienung und ein gediegeneres Publikum finden würden. Bevor er sich verabschiedete, um in sein eignes Haus schlafen zu gehen, empfahl er sie dem Hotelier. Er, der Conte Pardi, sei verantwortlich für die Damen.


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